The Project Gutenberg eBook, Torquato Tasso, by Johann Wolfgang von Goethe


This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org








Title: Torquato Tasso

Author: Johann Wolfgang von Goethe

Release Date: December 9, 2003  [eBook #10425]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1


***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK TORQUATO TASSO***


E-text prepared by Andrew Sly



This Etext is in German.

We are releasing two versions of this Etext, one in 7-bit format,
known as Plain Vanilla ASCII, which can be sent via plain email--
and one in 8-bit format, which includes higher order characters--
which requires a binary transfer, or sent as email attachment and
may require more specialized programs to display the accents.
This is the 8-bit version.





Torquato Tasso

Ein Schauspiel

Johann Wolfgang von Goethe







Personen

Alphons der Zweite, Herzog von Ferrara.
Leonore von Este, Schwester des Herzogs.
Leonore Sanvitale, Grfin von Scandiano.
Torquato Tasso.
Antonio Montecatino, Staatssekretr.

Der Schauplatz ist auf Belriguardo, einem Lustschlosse.




Erster Aufzug
(Gartenplatz, mit Hermen der epischen Dichter geziert. Vorn an der
Szene zur Rechten Virgil, zur Linken Ariost.)


Erster Auftritt
Prinzessin. Leonore.

Prinzessin.
Du siehst mich lchelnd an, Eleonore,
Und siehst dich selber an und lchelst wieder.
Was hast du? Lass es eine Freundin wissen!
Du scheinst bedenklich, doch du scheinst vergngt.

Leonore.
Ja, meine Frstin, mit Vergngen seh' ich
Uns beide hier so lndlich ausgeschmckt.
Wir scheinen recht beglckte Schferinnen
Und sind auch wie die Glcklichen beschftigt.
Wir winden Krnze. Dieser, bunt von Blumen,
Schwillt immer mehr und mehr in meiner Hand;
Du hast mit hherm Sinn und grerm Herzen
Den zarten schlanken Lorbeer dir gewhlt.

Prinzessin.
Die Zweige, die ich in Gedanken flocht,
Sie haben gleich ein wrdig Haupt gefunden:
Ich setze sie Virgilen dankbar auf.

(Sie krnzt die Herme Virgils.)

Leonore.
So drck' ich meinen vollen frohen Kranz
Dem Meister Ludwig auf die hohe Stirne--

(Sie krnzt Ariostens Herme.)

Er, dessen Scherze nie verblhen, habe
Gleich von dem neuen Frhling seinen Teil.

Prinzessin.
Mein Bruder ist gefllig, dass er uns
In diesen Tagen schon aufs Land gebracht;
Wir knnen unser sein und stundenlang
Uns in die goldne Zeit der Dichter trumen.
Ich liebe Belriguardo; denn ich habe
Hier manchen Tag der Jugend froh durchlebt,
Und dieses neue Grn und diese Sonne
Bringt das Gefhl mir jener Zeit zurck.

Leonore.
Ja, es umgibt uns eine neue Welt!
Der Schatten dieser immer grnen Bume
Wird schon erfreulich. Schon erquickt uns wieder
Das Rauschen dieser Brunnen. Schwankend wiegen
Im Morgenwinde sich die jungen Zweige.
Die Blumen von den Beeten schauen uns
Mit ihren Kinderaugen freundlich an.
Der Grtner deckt getrost das Winterhaus
Schon der Zitronen und Orangen ab.
Der blaue Himmel ruhet ber uns
Und an dem Horizonte lst der Schnee
Der fernen Berge sich in leisen Duft.

Prinzessin.
Es wre mir der Frhling sehr willkommen,
Wenn er nicht meine Freundin mir entfhrte.

Leonore.
Erinnre mich in diesen holden Stunden,
O Frstin, nicht, wie bald ich scheiden soll.

Prinzessin.
Was du verlassen magst, das findest du
In jener groen Stadt gedoppelt wieder.

Leonore.
Es ruft die Pflicht, es ruft die Liebe mich
Zu dem Gemahl der mich so lang' entbehrt.
Ich bring' ihm seinen Sohn, der dieses Jahr
So schnell gewachsen, schnell sich ausgebildet,
Und Teile seine vterliche Freude.
Gro ist Florenz und herrlich, doch der Wert
Von allen seinen aufgehuften Schtzen
Reicht an Ferraras Edelsteine nicht.
Das Volk hat jene Stadt zur Stadt gemacht,
Ferrara ward durch seine Frsten gro.

Prinzessin.
Mehr durch die guten Menschen, die sich hier
Durch Zufall trafen und zum Glck verbanden.

Leonore.
Sehr leicht zerstreut der Zufall, was er sammelt.
Ein edler Mensch zieht edle Menschen an
Und wei sie fest zu halten, wie ihr tut.
Um deinen Bruder und um dich verbinden
Gemter sich, die eurer wrdig sind,
Und ihr seid eurer groen Vter wert.
Hier zndete sich froh das schne Licht
Der Wissenschaft, des freien Denkens an,
Als noch die Barbarei mit schwerer Dmmrung
Die Welt umher verbarg. Mir klang als Kind
Der Name Herkules von Este schon,
Schon Hippolyt von Este voll ins Ohr.
Ferrara ward mit Rom und mit Florenz
Von meinem Vater viel gepriesen! Oft
Hab' ich mich hingesehnt; nun bin ich da.
Hier ward Petrarch bewirtet, hier gepflegt,
Und Ariost fand seine Muster hier.
Italien nennt keinen groen Namen,
Den dieses Haus nicht seinen Gast genannt.
Und es ist vorteilhaft den Genius
Bewirten: Gibst du ihm ein Gastgeschenk,
So lsst er dir ein schneres zurck.
Die Sttte, die ein guter Mensch betrat,
Ist eingeweiht; nach hundert Jahren klingt
Sein Wort und seine Tat dem Enkel wieder.

Prinzessin.
Dem Enkel, wenn er lebhaft fhlt wie du.
Gar oft beneid' ich dich um dieses Glck.

Leonore.
Das du, wie wenig andre, still und rein
Genieest. Drngt mich doch das volle Herz,
Sogleich zu sagen, was ich lebhaft fhle;
Du fhlst es besser, fhlst es tief und--schweigst.
Dich blendet nicht der Schein des Augenblicks,
Der Witz besticht dich nicht, die Schmeichelei
Schmiegt sich vergebens knstlich an dein Ohr:
Fest bleibt dein Sinn und richtig dein Geschmack,
Dein Urteil grad, stets ist dein Anteil gro
Am Groen, das du wie dich selbst erkennst.

Prinzessin.
Du solltest dieser hchsten Schmeichelei
Nicht das Gewand vertrauter Freundschaft leihen.

Leonore.
Die Freundschaft ist gerecht, sie kann allein
Den ganzen Umfang deines Werts erkennen.
Und lass mich der Gelegenheit, dem Glck
Auch ihren Teil an deiner Bildung geben;
Du hast sie doch, und bist's am Ende doch,
Und dich mit deiner Schwester ehrt die Welt
Vor allen groen Frauen eurer Zeit.

Prinzessin.
Mich kann das, Leonore, wenig rhren,
Wenn ich bedenke, wie man wenig ist,
Und was man ist, das blieb man andern schuldig.
Die Kenntnis alter Sprachen und des Besten,
Was uns die Vorwelt lie, dank' ich der Mutter;
Doch war an Wissenschaft, an rechtem Sinn
Ihr keine beider Tchter jemals gleich,
Und soll sich eine ja mit ihr vergleichen,
So hat Lucretia gewiss das Recht.
Auch kann ich dir versichern hab' ich nie
Als Rang und als Besitz betrachtet, was
Mir die Natur, was mir das Glck verlieh.
Ich freue mich, wenn kluge Mnner sprechen,
Dass ich verstehen kann wie sie es meinen.
Es sei ein Urteil ber einen Mann
Der alten Zeit und seiner Taten Wert;
Es sei von einer Wissenschaft die Rede,
Die, durch Erfahrung weiter ausgebreitet,
Dem Menschen nutzt indem sie ihn erhebt:
Wohin sich das Gesprch der Edlen lenkt,
Ich folge gern, denn mir wird leicht, zu folgen.
Ich hre gern dem Streit der Klugen zu,
Wenn um die Krfte, die des Menschen Brust
So freundlich und so frchterlich bewegen,
Mit Grazie die Rednerlippe spielt;
Gern, wenn die frstliche Begier des Ruhms,
Des ausgebreiteten Besitzes, Stoff
Dem Denker wird, und wenn die feine Klugheit,
Von einem klugen Manne zart entwickelt,
Statt uns zu hintergehen uns belehrt.

Leonore.
Und dann nach dieser ernsten Unterhaltung,
Ruht unser Ohr und unser innrer Sinn
Gar freundlich auf des Dichters Reimen aus,
Der uns die letzten lieblichsten Gefhle
Mit holden Tnen in die Seele flt.
Dein hoher Geist umfasst ein weites Reich,
Ich halte mich am liebsten auf der Insel
Der Poesie in Lorberhainen auf.

Prinzessin.
In diesem schnen Lande, hat man mir
Versichern wollen, wchst vor andern Bumen
Die Myrte gern. Und wenn der Musen gleich
Gar viele sind, so sucht man unter ihnen
Sich seltner eine Freundin und Gespielin,
Als man dem Dichter gern begegnen mag,
Der uns zu meiden, ja zu fliehen scheint,
Etwas zu suchen scheint, das wir nicht kennen,
Und er vielleicht am Ende selbst nicht kennt.
Da wr' es denn ganz artig, wenn er uns
Zur guten Stunde trfe, schnell entzckt
Uns fr den Schatz erkennte, den er lang
Vergebens in der weiten Welt gesucht.

Leonore.
Ich muss mir deinen Scherz gefallen lassen,
Er trifft mich zwar, doch trifft er mich nicht tief.
Ich ehre jeden Mann und sein Verdienst,
Und ich bin gegen Tasso nur gerecht.
Sein Auge weilt auf dieser Erde kaum;
Sein Ohr vernimmt den Einklang der Natur;
Was die Geschichte reicht, das Leben gibt,
Sein Busen nimmt es gleich und willig auf:
Das weit zerstreute sammelt sein Gemt,
Und sein Gefhl belebt das Unbelebte.
Oft adelt er, was uns gemein erschien,
Und das Geschtzte wird vor ihm zu nichts.
In diesem eignen Zauberkreise wandelt
Der wunderbare Mann und zieht uns an,
Mit ihm zu wandeln, Teil an ihm zu nehmen:
Er scheint sich uns zu nahn, und bleibt uns fern;
Er scheint uns anzusehn, und Geister mgen
An unsrer Stelle seltsam ihm erscheinen.

Prinzessin.
Du hast den Dichter fein und zart geschildert,
Der in den Reichen ser Trume schwebt.
Allein mir scheint auch ihn das Wirkliche
Gewaltsam anzuziehn und fest zu halten.
Die schnen Lieder, die an unsern Bumen
Wir hin und wieder angeheftet finden,
Die, goldnen pfeln gleich, ein neu Hesperien
Uns duftend bilden, erkennst du sie nicht alle
Fr holde Frchte einer wahren Liebe?

Leonore.
Ich freue mich der schnen Bltter auch.
Mit mannigfalt'gem Geist verherrlicht er
Ein einzig Bild in allen seinen Reimen.
Bald hebt er es in lichter Glorie
Zum Sternenhimmel auf, beugt sich verehrend
Wie Engel ber Wolken vor dem Bilde;
Dann schleicht er ihm durch stille Fluren nach
Und jede Blume windet er zum Kranz.
Entfernt sich die Verehrte, heiligt er
Den Pfad, den leis ihr schner Fu betrat.
Versteckt im Busche, gleich der Nachtigall,
Fllt er aus einem liebekranken Busen
Mit seiner Klagen Wohllaut Hain und Luft:
Sein reizend Leid, die sel'ge Schwermut lockt
Ein jedes Ohr und jedes Herz muss nach--

Prinzessin.
Und wenn er seinen Gegenstand benennt,
So gibt er ihm den Namen Leonore.

Leonore.
Es ist dein Name wie es meiner ist.
Ich nhm' es bel, wenn's ein andrer wre.
Mich freut es, dass er sein Gefhl fr dich
In diesem Doppelsinn verbergen kann.
Ich bin zufrieden, dass er meiner auch
Bei dieses Namens holdem Klang gedenkt.
Hier ist die Frage nicht von einer Liebe,
Die sich des Gegenstands bemeistern will,
Ausschlieend ihn besitzen, eiferschtig
Den Anblick jedem andern wehren mchte.
Wenn er in seliger Betrachtung sich
Mit deinem Werth beschftigt, mag er auch
An meinem leichtern Wesen sich erfreun.
Uns liebt er nicht,--verzeih dass ich es sage!--
Aus allen Sphren trgt er, was er liebt,
Auf einen Namen nieder, den wir fhren,
Und sein Gefhl teilt er uns mit; wir scheinen
Den Mann zu lieben, und wir lieben nur
Mit ihm das Hchste, was wir lieben knnen.

Prinzessin.
Du hast dich sehr in diese Wissenschaft
Vertieft, Eleonore, sagst mir Dinge,
Die mir beinahe nur das Ohr berhren
Und in die Seele kaum noch bergehn.

Leonore.
Du? Schlerin des Plato! Nicht begreifen,
Was dir ein Neuling vorzuschwatzen wagt?
Es msste sein, dass ich zu sehr mich irrte;
Doch irr' ich auch nicht ganz, ich wei es wohl.
Die Liebe zeigt in dieser holden Schule
Sich nicht, wie sonst, als ein verwhntes Kind:
Es ist der Jngling der mit Psychen sich
Vermhlte, der im Rat der Gtter Sitz
Und Stimme hat. Er tobt nicht frevelhaft
Von einer Brust zur andern hin und her;
Er heftet sich an Schnheit und Gestalt
Nicht gleich mit sem Irrtum fest, und bet
Nicht schnellen Rausch mit Ekel und Verdruss.

Prinzessin.
Da kommt mein Bruder! Lass uns nicht verraten,
Wohin sich wieder das Gesprch gelenkt:
Wir wrden seinen Scherz zu tragen haben,
Wie unsre Kleidung seinen Spott erfuhr.



Zweiter Auftritt
Die Vorigen. Alphons.

Alphons.
Ich suche Tasso, den ich nirgends finde,
Und treff' ihn--hier sogar bei euch nicht an.
Knnt ihr von ihm mir keine Nachricht geben?

Prinzessin.
Ich sah ihn gestern wenig, heute nicht.

Alphons.
Es ist ein alter Fehler, dass er mehr
Die Einsamkeit als die Gesellschaft sucht.
Verzeih' ich ihm, wenn er den bunten Schwarm
Der Menschen flieht und lieber frei im stillen
Mit seinem Geist sich unterhalten mag,
So kann ich doch nicht loben, dass er selbst
Den Kreis vermeidet, den die Freunde schlieen.

Leonore.
Irr' ich mich nicht, so wirst du bald, o Frst,
Den Tadel in ein frohes Lob verwandeln.
Ich sah ihn heut von fern; er hielt ein Buch
Und eine Tafel, schrieb und ging und schrieb.
Ein flchtig Wort das er mir gestern sagte,
Schien mir sein Werk vollendet anzuknden.
Er sorgt nur kleine Zge zu verbessern,
Um deiner Huld, die ihm so viel gewhrt,
Ein wrdig Opfer endlich darzubringen.

Alphons.
Er soll willkommen sein, wenn er es bringt,
Und los gesprochen sein auf lange Zeit.
So sehr ich Teil an seiner Arbeit nehme,
So sehr in manchem Sinn das groe Werk
Mich freut und freuen muss, so sehr vermehrt
Sich auch zuletzt die Ungeduld in mir.
Er kann nicht enden, kann nicht fertig werden,
Er ndert stets, ruckt langsam weiter vor,
Steht wieder still, er hintergeht die Hoffnung;
Unwillig sieht man den Genuss entfernt
In spte Zeit, den man so nah geglaubt.

Prinzessin.
Ich lobe die Bescheidenheit, die Sorge,
Womit er Schritt vor Schritt zum Ziele geht.
Nur durch die Gunst der Musen schlieen sich
So viele Reime fest in eins zusammen;
Und seine Seele hegt nur diesen Trieb,
Es soll sich sein Gedicht zum Ganzen rnden.
Er will nicht Mhrchen ber Mhrchen hufen,
Die reizend unterhalten und zuletzt
Wie lose Worte nur verklingend tuschen.
Lass ihn, mein Bruder! Denn es ist die Zeit
Von einem guten Werke nicht das Ma;
Und wenn die Nachwelt mit genieen soll,
So muss des Knstlers Mitwelt sich vergessen.

Alphons.
Lass uns zusammen, liebe Schwester, wirken,
Wie wir zu beider Vorteil oft getan!
Wenn ich zu eifrig bin, so lindre du:
Und bist du zu gelind, so will ich treiben.
Wir sehen dann auf einmal ihn vielleicht
Am Ziel, wo wir ihn lang' gewnscht zu sehn.
Dann soll das Vaterland, es soll die Welt
Erstaunen, welch ein Werk vollendet worden.
Ich nehme meinen Teil des Ruhms davon,
Und er wird in das Leben eingefhrt.
Ein edler Mensch kann einem engen Kreise
Nicht seine Bildung danken. Vaterland
Und Welt muss auf ihn wirken. Ruhm und Tadel
Muss er ertragen lernen. Sich und andre
Wird er gezwungen recht zu kennen. Ihn
Wiegt nicht die Einsamkeit mehr schmeichelnd ein.
Es will der Feind--es darf der Freund nicht schonen;
Dann bt der Jngling streitend seine Krfte,
Fhlt was er ist, und fhlt sich bald ein Mann.

Leonore.
So wirst du, Herr, fr ihn noch alles tun,
Wie du bisher fr ihn schon viel getan.
Es bildet ein Talent sich in der Stille,
Sich ein Charakter in dem Strom der Welt.
O dass er sein Gemt wie seine Kunst
An deinen Lehren bilde! Dass er nicht
Die Menschen lnger meide, dass sein Argwohn
Sich nicht zuletzt in Furcht und Hass verwandle!

Alphons.
Die Menschen frchtet nur, wer sie nicht kennt,
Und wer sie meidet, wird sie bald verkennen.
Das ist sein Fall, und so wird nach und nach
Ein frei Gemt verworren und gefesselt.
So ist er oft um meine Gunst besorgt,
Weit mehr, als es ihm ziemte; gegen viele
Hegt er ein Misstraun, die, ich wei es sicher,
Nicht seine Feinde sind. Begegnet ja,
Dass sich ein Brief verirrt, dass ein Bedienter
Aus seinem Dienst in einen andern geht,
Dass ein Papier aus seinen Hnden kommt,
Gleich sieht er Absicht, sieht Verrterei
Und Tcke die sein Schicksal untergrbt.

Prinzessin.
Lass uns, geliebter Bruder, nicht vergessen,
Dass von sich selbst der Mensch nicht scheiden kann.
Und wenn ein Freund, der mit uns wandeln sollte,
Sich einen Fu beschdigte, wir wrden
Doch lieber langsam gehn und unsre Hand
Ihm gern und willig leihen.

Alphons.
                        Besser wr's,
Wenn wir ihn heilen knnten, lieber gleich
Auf treuen Rat des Arztes eine Kur
Versuchten, dann mit dem Geheilten froh
Den neuen Weg des frischen Lebens gingen.
Doch hoff' ich, meine Lieben, dass ich nie
Die Schuld des rauen Arztes auf mich lade.
Ich tue, was ich kann, um Sicherheit
Und Zutraun seinem Busen einzuprgen.
Ich geb' ihm oft in Gegenwart von vielen
Entschiedne Zeichen meiner Gunst. Beklagt
Er sich bei mir, so lass' ich's untersuchen;
Wie ich es tat, als er sein Zimmer neulich
Erbrochen glaubte. Lsst sich nichts entdecken,
So zeig' ich ihm gelassen, wie ich's sehe;
Und da man alles ben muss, so b' ich,
Weil er's verdient, an Tasso die Geduld:
Und ihr, ich wei es, steht mir willig bei.
Ich hab' euch nun aufs Land gebracht und gehe
Heut' Abend nach der Stadt zurck. Ihr werdet
Auf einen Augenblick Antonio sehen;
Er kommt von Rom und holt mich ab. Wir haben
Viel auszureden, abzutun. Entschlsse
Sind nun zu fassen, Briefe viel zu schreiben;
Das alles ntigt mich zur Stadt zurck.

Prinzessin.
Erlaubst du uns dass wir dich hin begleiten?

Alphons.
Bleibt nur in Belriguardo, geht zusammen
Hinber nach Consandoli! Geniet
Der schnen Tage ganz nach freier Lust.

Prinzessin.
Du kannst nicht bei uns bleiben? Die Geschfte
Nicht hier so gut als in der Stadt verrichten?

Leonore.
Du fhrst uns gleich Antonio hinweg,
Der uns von Rom so viel erzhlen sollte?

Alphons.
Es geht nicht an, ihr Kinder; doch ich komme
Mit ihm so bald, als mglich ist, zurck:
Dann soll er euch erzhlen und ihr sollt
Mir ihn belohnen helfen, der so viel
In meinem Dienst aufs Neue sich bemht.
Und haben wir uns wieder ausgesprochen,
So mag der Schwarm dann kommen, dass es lustig
In unsern Grten werde, dass auch mir,
Wie billig, eine Schnheit in dem Khlen,
Wenn ich sie suche gern begegnen mag.

Leonore.
Wir wollen freundlich durch die Finger sehen.

Alphons.
Dagegen wisst ihr, dass ich schonen kann.

Prinzessin (nach der Szene gekehrt).
Schon lange seh' ich Tasso kommen. Langsam
Bewegt er seine Schritte, steht bisweilen
Auf einmal still, wie unentschlossen, geht
Dann wieder schneller auf uns los, und weilt
Schon wieder.

Alphons.
            Strt ihn, wenn er denkt und dichtet,
In seinen Trumen nicht, und lasst ihn wandeln.

Leonore.
Nein, er hat uns gesehn, er kommt hierher.



Dritter Auftritt
Die Vorigen. Tasso.

Tasso (mit einem Buche, in Pergament geheftet).
Ich komme langsam, dir ein Werk zu bringen,
Und zaudre noch, es dir zu berreichen.
Ich wei zu wohl, noch bleibt es unvollendet,
Wenn es auch gleich geendigt scheinen mchte.
Allein, war ich besorgt, es unvollkommen
Dir hinzugeben, so bezwingt mich nun
Die neue Sorge: Mcht' ich doch nicht gern
Zu ngstlich, mcht' ich nicht undankbar scheinen.
Und wie der Mensch nur sagen kann: Hie bin ich!
Dass Freunde seiner schonend sich erfreuen,
So kann ich auch nur sagen: Nimm es hin!

(Er bergibt den Band.)

Alphons.
Du berraschest mich mit deiner Gabe
Und machst mir diesen schnen Tag zum Fest.
So halt' ich's endlich denn in meinen Hnden,
Und nenn' es in gewissem Sinne mein!
Lang' wnscht' ich schon, du mchtest dich entschlieen
Und endlich sagen: Hier! Es ist genug.

Tasso.
Wenn Ihr zufrieden seid, so ist's vollkommen;
Denn euch gehrt es zu in jedem Sinn.
Betrachtet' ich den Flei, den ich verwendet,
Sah ich die Zge meiner Feder an,
So konnt' ich sagen: Dieses Werk ist mein.
Doch seh' ich nher an, was dieser Dichtung
Den innren Wert und ihre Wrde gibt,
Erkenn' ich wohl: Ich hab' es nur von euch.
Wenn die Natur der Dichtung holde Gabe
Aus reicher Willkr freundlich mir geschenkt,
So hatte mich das eigensinn'ge Glck
Mit grimmiger Gewalt von sich gestoen;
Und zog die schne Welt den Blick des Knaben
Mit ihrer ganzen Flle herrlich an,
So trbte bald den jugendlichen Sinn
Der teuren Eltern unverdiente Not.
Erffnete die Lippe sich zu singen,
So floss ein traurig Lied von ihr herab,
Und ich begleitete mit leisen Tnen
Des Vaters Schmerzen und der Mutter Qual.
Du warst allein, der aus dem engen Leben
Zu einer schnen Freiheit mich erhob;
Der jede Sorge mir vom Haupte nahm,
Mir Freiheit gab, dass meine Seele sich
Zu mutigem Gesang entfalten konnte;
Und welchen Preis nun auch mein Werk erhlt,
Euch dank' ich ihn; denn euch gehrt es zu.

Alphons.
Zum zweiten Mal verdienst du jedes Lob,
Und ehrst bescheiden dich und uns zugleich.

Tasso.
O knnt' ich sagen wie ich lebhaft fhle,
Dass ich von Euch nur habe, was ich bringe!
Der tatenlose Jngling--nahm er wohl
Die Dichtung aus sich selbst? Die kluge Leitung
Des raschen Krieges--hat er die ersonnen?
Die Kunst der Waffen, die ein jeder Held
An dem beschiednen Tage krftig zeigt,
Des Feldherrn Klugheit und der Ritter Mut,
Und wie sich List und Wachsamkeit bekmpft,
Hast du mir nicht, o kluger, tapfrer Frst,
Das alles eingeflt als wrest du
Mein Genius, der eine Freude fnde,
Sein hohes, unerreichbar hohes Wesen
Durch einen Sterblichen zu offenbaren?

Prinzessin.
Geniee nun des Werks, das uns erfreut!

Alphons.
Erfreue dich des Beifalls jedes Guten!

Leonore.
Des allgemeinen Ruhms erfreue dich!

Tasso.
Mir ist an diesem Augenblick genug.
An euch nur dacht' ich wenn ich sann und schrieb;
Euch zu gefallen, war mein hchster Wunsch,
Euch zu ergtzen, war mein letzter Zweck.
Wer nicht die Welt in seinen Freunden sieht,
Verdient nicht, dass die Welt von ihm erfahre.
Hier ist mein Vaterland, hier ist der Kreis,
In dem sich meine Seele gern verweilt.
Hier horch' ich auf, hier acht' ich jeden Wink,
Hier spricht Erfahrung, Wissenschaft, Geschmack;
Ja, Welt und Nachwelt seh' ich vor mir stehn.
Die Menge macht den Knstler irr' und scheu:
Nur wer Euch hnlich ist, versteht und fhlt,
Nur der allein soll richten und belohnen!

Alphons.
Und stellen wir denn Welt und Nachwelt vor,
So ziemt es nicht nur mig zu empfangen.
Das schne Zeichen, das den Dichter ehrt,
Das selbst der Held, der seiner stets bedarf,
Ihm ohne Neid ums Haupt gewunden sieht,
Erblick' ich hier auf deines Anherrn Stirne.

(Auf die Herme Virgils deutend.)

Hat es der Zufall, hat's ein Genius
Geflochten und gebracht? Es zeigt sich hier
Uns nicht umsonst. Virgil hr' ich sagen:
Was ehret ihr die Toten? Hatten die
Doch ihren Lohn und Freude da sie lebten;
Und wenn ihr uns bewundert und verehrt,
So gebt auch den Lebendigen ihr Teil.
Mein Marmorbild ist schon bekrnzt genug--
Der grne Zweig gehrt dem Leben an.

(Alphons winkt seiner Schwester; sie nimmt den Kranz von der Bste
Virgils und nhert sich Tasso. Er tritt zurck.)

Leonore.
Du weigerst dich? Sieh welche Hand den Kranz,
Den schnen unverwelklichen, dir bietet!

Tasso.
O lasst mich zgern! Seh' ich doch nicht ein,
Wie ich nach dieser Stunde leben soll.

Alphons.
In dem Genuss des herrlichen Besitzes,
Der dich im ersten Augenblick erschreckt.

Prinzessin (indem sie den Kranz in die Hhe hlt).
Du gnnest mir die seltne Freude, Tasso,
Dir ohne Wort zu sagen, wie ich denke.

Tasso.
Die schne Last aus deinen teuren Hnden
Empfang' ich kniend auf mein schwaches Haupt.

(Er kniet nieder, die Prinzessin setzt ihm den Kranz auf.)

Leonore (applaudierend).
Es lebe der zum ersten Mal bekrnzte!
Wie zieret den bescheidnen Mann der Kranz!

(Tasso steht auf.)

Alphons.
Es ist ein Vorbild nur von jener Krone,
Die auf dem Kapitol dich zieren soll.

Prinzessin.
Dort werden lautere Stimmen dich begren;
Mit leiser Lippe lohnt die Freundschaft hier.

Tasso.
O nehmt ihn weg von meinem Haupte wieder,
Nehmt ihn hinweg! Er sengt mir meine Locken,
Und wie ein Strahl der Sonne, der zu hei
Das Haupt mir trfe, brennt er mir die Kraft
Des Denkens aus der Stirne. Fieberhitze
Bewegt mein Blut. Verzeiht! Es ist zu viel!

Leonore.
Es schtzet dieser Zweig vielmehr das Haupt
Des Manns, der in den heien Regionen
Des Ruhms zu wandeln hat, und khlt die Stirne.

Tasso.
Ich bin nicht wert, die Khlung zu empfinden,
Die nur um Heldenstirnen wehen soll.
O hebt ihn auf, ihr Gtter, und verklrt
Ihn zwischen Wolken, dass er hoch und hher
Und unerreichbar schwebe! Dass mein Leben
Nach diesem Ziel ein ewig Wandeln sei!

Alphons.
Wer frh erwirbt, lernt frh den hohen Wert
Der holden Gter dieses Lebens schtzen;
Wer frh geniet, entbehrt in seinem Leben
Mit Willen nicht, was er einmal besa;
Und wer besitzt, der, muss gerstet sein.

Tasso.
Und wer sich rsten will, muss eine Kraft
Im Busen fhlen, die ihm nie versagt.
Ach! Sie versagt mir eben jetzt! Im Glck
Verlsst sie mich, die angeborne Kraft,
Die standhaft mich dem Unglck, stolz dem Unrecht
Begegnen lehrte. Hat die Freude mir,
Hat das Entzcken dieses Augenblicks
Das Mark in meinen Gliedern aufgelst?
Es sinken meine Knie! Noch einmal
Siehst du, o Frstin, mich gebeugt vor dir!
Erhre meine Bitte: Nimm ihn weg!
Dass, wie aus einem schnen Traum erwacht,
Ich ein erquicktes neues Leben fhle.

Prinzessin.
Wenn du bescheiden ruhig das Talent,
Das dir die Gtter gaben, tragen kannst,
So lern' auch diese Zweige tragen, die
Das Schnste sind, was wir dir geben knnen.
Wem einmal, wrdig, sie das Haupt berhrt,
Dem schweben sie auf ewig um die Stirne.

Tasso.
So lasst mich denn beschmt von hinnen gehn!
Lasst mich mein Glck im tiefen Hain verbergen,
Wie ich sonst meine Schmerzen dort verbarg.
Dort will ich einsam wandeln, dort erinnert
Kein Auge mich ans unverdiente Glck.
Und zeigt mir ungefhr ein klarer Brunnen
In seinem reinen Spiegel einen Mann,
Der wunderbar bekrnzt im Widerschein
Des Himmels zwischen Bumen, zwischen Felsen
Nachdenkend ruht: So scheint es mir, ich sehe
Elysium auf dieser Zauberflche
Gebildet. Still bedenk' ich mich und frage:
Wer mag der Abgeschiedne sein? Der Jngling
Aus der vergangnen Zeit? So schn bekrnzt?
Wer sagt mir seinen Namen? Sein Verdienst?
Ich warte lang' und denke: Kme doch
Ein andrer und noch einer, sich zu ihm
In freundlichem Gesprche zu gesellen!
O sh' ich die Heroen, die Poeten
Der alten Zeit um diesen Quell versammelt!
O sh' ich hier sie immer unzertrennlich,
Wie sie im Leben fest verbunden waren!
So bindet der Magnet durch seine Kraft
Das Eisen mit dem Eisen fest zusammen,
Wie gleiches Streben Held und Dichter bindet.
Homer verga sich selbst, sein ganzes Leben
War der Betrachtung zweier Mnner heilig,
Und Alexander in Elysium
Eilt, den Achill und den Homer zu suchen.
O dass ich gegenwrtig wre, sie,
Die grten Seelen, nun vereint zu sehen!

Leonore.
Erwach'! Erwache! Lass uns nicht empfinden,
Dass du das Gegenwrt'ge ganz verkennst.

Tasso.
Es ist die Gegenwart, die mich erhht,
Abwesend schein' ich nur: Ich bin entzckt.

Prinzessin.
Ich freue mich, wenn du mit Geistern redest,
Dass du so menschlich sprichst, und hr' es gern.

(Ein Page tritt zu dem Frsten und richtet leise etwas aus.)

Alphons.
Er ist gekommen! Recht zur guten Stunde.
Antonio!--Bring ihn her--Da kommt er schon!



Vierter Auftritt
Die Vorigen. Antonio.

Alphons.
Willkommen! Der du uns zugleich dich selbst
Und gute Botschaft bringst.

Prinzessin.
                        Sei uns gegrt!

Antonio.
Kaum wag' ich es zu sagen, welch Vergngen
In eurer Gegenwart mich neu belebt.
Vor euren Augen find' ich alles wieder,
Was ich so lang' entbehrt. Ihr scheint zufrieden
Mit dem, was ich getan, was ich vollbracht;
Und so bin ich belohnt fr jede Sorge,
Fr manchen bald mit Ungeduld durchharrten,
Bald absichtsvoll verlornen Tag. Wir haben
Nun, was wir wnschen, und kein Streit ist mehr.

Leonore.
Auch ich begre dich, wenn ich schon zrne.
Du kommst nur eben, da ich reisen muss.

Antonio.
Damit mein Glck nicht ganz vollkommen werde,
Nimmst du mir gleich den schnen Teil hinweg.

Tasso.
Auch meinen Gru! Ich hoffe mich der Nhe
Des viel erfahrnen Mannes auch zu freun.

Antonio.
Du wirst mich wahrhaft finden, wenn du je
Aus deiner Welt in meine schauen magst.

Alphons.
Wenn du mir gleich in Briefen schon gemeldet,
Was du getan, und wie es dir ergangen,
So hab' ich doch noch manches auszufragen,
Durch welche Mittel das Geschft gelang.
Auf jenem wunderbaren Boden will der Schritt
Wohl abgemessen sein, wenn er zuletzt
An deinen eignen Zweck dich fhren soll.
Wer seines Herren Vorteil rein bedenkt,
Der hat in Rom gar einen schweren Stand:
Denn Rom will alles nehmen, geben nichts;
Und kommt man hin, um etwas zu erhalten,
Erhlt man nichts, man bringe denn was hin,
Und glcklich, wenn man da noch was erhlt.

Antonio.
Es ist nicht mein Betragen, meine Kunst,
Durch die ich deinen Willen, Herr, vollbracht;
Denn welcher Kluge fnd' im Vatikan
Nicht seinen Meister? Vieles traf zusammen,
Das ich zu unserm Vorteil nutzen konnte.
Dich ehrt Gregor und grt und segnet dich.
Der Greis, der wrdigste, dem eine Krone
Das Haupt belastet, denkt der Zeit mit Freuden,
Da er in seinen Arm dich schloss. Der Mann,
Der Mnner unterscheidet, kennt und rhmt
Dich hoch! Um deinetwillen tat er viel.

Alphons.
Ich freue seiner guten Meinung mich,
Sofern sie redlich ist. Doch weit du wohl,
Vom Vatikan herab sieht man die Reiche
Schon klein genug zu seinen Fen liegen,
Geschweige denn die Frsten und die Menschen.
Gestehe nur, was dir am meisten half!

Antonio.
Gut! Wenn du willst: Der hohe Sinn des Papsts.
Er sieht das Kleine klein, das Groe gro.
Damit er einer Welt gebiete, gibt
Er seinen Nachbarn gern und freundlich nach.
Das Streifchen Land, das er dir berlsst,
Wei er, wie deine Freundschaft, wohl zu schtzen.
Italien soll ruhig sein, er will
In seiner Nhe Freunde sehen, Friede
Bei seinen Grenzen halten, dass die Macht
Der Christenheit, die er gewaltig lenkt,
Die Trken da, die Ketzer dort vertilge.

Prinzessin.
Wei man die Mnner, die er mehr als andre
Begnstigt, die sich ihm vertraulich nahn?

Antonio.
Nur der erfahrne Mann besitzt sein Ohr,
Der ttige sein Zutraun, seine Gunst.
Er, der von Jugend auf dem Staat gedient,
Beherrscht ihn jetzt und wirkt auf jene Hfe,
Die er vor Jahren als Gesandter schon
Gesehen und gekannt und oft gelenkt.
Es liegt die Welt so klar vor seinem Blick
Als wie der Vorteil seines eignen Staats.
Wenn man ihn handeln sieht, so lobt man ihn
Und freut sich, wenn die Zeit entdeckt, was er
Im stillen lang' bereitet und vollbracht.
Es ist kein schnrer Anblick in der Welt,
Als einen Frsten sehn, der klug regieret,
Das Reich zu sehn, wo jeder stolz gehorcht,
Wo jeder sich nur selbst zu dienen glaubt,
Weil ihm das Rechte nur befohlen wird.

Leonore.
Wie sehnlich wnscht' ich jene Welt einmal
Recht nah zu sehn!

Alphons.
Doch wohl um mit zu wirken
Denn blo beschaun wird Leonore nie.
Es wre doch recht artig, meine Freundin,
Wenn in das groe Spiel wir auch zuweilen
Die zarten Hnde mischen knnten--Nicht?

Leonore (zu Alphons).
Du willst mich reizen, es gelingt dir nicht.

Alphons.
Ich bin dir viel von andern Tagen schuldig.

Leonore.
Nun gut, so bleib' ich heut in deiner Schuld!
Verzeih' und stre meine Fragen nicht.
(Zu Antonio.) Hat er fr die Nepoten viel getan?

Antonio.
Nicht weniger noch mehr, als billig ist.
Ein Mchtiger, der fr die Seinen nicht
Zu sorgen wei, wird von dem Volke selbst
Getadelt. Still und mig wei Gregor
Den Seinigen zu nutzen, die dem Staat
Als wackre Mnner dienen, und erfllt
Mit Einer Sorge zwei verwandte Pflichten.

Tasso.
Erfreut die Wissenschaft, erfreut die Kunst
Sich seines Schutzes auch? Und eifert er
Den groen Frsten alter Zeiten nach?

Antonio.
Er ehrt die Wissenschaft, so fern sie nutzt,
Den Staat regieren, Vlker kennen lehrt;
Er schtzt die Kunst, so fern sie ziert, sein Rom
Verherrlicht und Palast und Tempel
Zu Wunderwerken dieser Erde macht.
In seiner Nhe darf nichts mig sein!
Was gelten soll, muss wirken und muss dienen.

Alphons.
Und glaubst du, dass wir das Geschfte bald
Vollenden knnen? Dass sie nicht zuletzt
Noch hie und da uns Hindernisse streuen?

Antonio.
Ich msste sehr mich irren, wenn nicht gleich
Durch deinen Nahmenszug, durch wenig Briefe
Auf immer dieser Zwist gehoben wre.

Alphons.
So lob' ich diese Tage meines Lebens
Als eine Zeit des Glckes und Gewinns.
Erweitert seh' ich meine Grenze, wei
Sie fr die Zukunft sicher. Ohne Schwertschlag
Hast du's geleistet, eine Brgerkrone
Dir wohl verdient. Es sollen unsre Frauen
Vom ersten Eichenlaub am schnsten Morgen
Geflochten dir sie um die Stirne legen.
Indessen hat mich Tasso auch bereichert:
Er hat Jerusalem fr uns erobert
Und so die neue Christenheit beschmt,
Ein weit entferntes, hoch gestecktes Ziel
Mit frohem Mut und strengem Flei erreicht.
Fr seine Mhe siehst du ihn gekrnt.

Antonio.
Du lsest mir ein Rthsel. Zwei Bekrnzte
Erblickt' ich mit Verwundrung, da ich kam.

Tasso.
Wenn du mein Glck vor deinen Augen siehst,
So wnscht' ich, dass du mein beschmt Gemt
Mit eben diesem Blicke schauen knntest.

Antonio.
Mir war es lang' bekannt, dass im Belohnen
Alphons unmig ist, und du erfhrst
Was jeder von den Seinen schon erfuhr.

Prinzessin.
Wenn du erst siehst, was er geleistet hat,
So wirst du uns gerecht und mig finden.
Wir sind nur hier die ersten stillen Zeugen
Des Beifalls, den die Welt ihm nicht versagt,
Und den ihm zehnfach knft'ge Jahre gnnen.

Antonio.
Er ist durch euch schon seines Ruhms gewiss.
Wer drfte zweifeln, wo ihr preisen knnt?
Doch sage mir, wer druckte diesen Kranz
Auf Ariostes Stirne?

Leonore.
                        Diese Hand.

Antonio.
Und sie hat wohl getan! Er ziert ihn schn,
Als ihn der Lorbeer selbst nicht zieren wrde.
Wie die Natur die innig reiche Brust
Mit einem grnen bunten Kleide deckt,
So hllt er alles, was den Menschen nur
Ehrwrdig, liebenswrdig machen kann,
Ins blhende Gewand der Fabel ein.
Zufriedenheit, Erfahrung und Verstand
Und Geisteskraft, Geschmack und reiner Sinn
Frs wahre Gute, geistig scheinen sie
In seinen Liedern und persnlich doch
Wie unter Bltenbumen auszuruhn,
Bedeckt vom Schnee der leicht getragnen Blten,
Umkrnzt von Rosen, wunderlich umgaukelt
Vom losen Zauberspiel der Amoretten.
Der Quell des berflusses rauscht darneben,
Und lsst uns bunte Wunderfische sehn.
Von seltenem Geflgel ist die Luft,
Von fremden Herden Wies' und Busch erfllt;
Die Schalkheit lauscht im Grnen halb versteckt,
Die Weisheit lsst von einer goldnen Wolke
Von Zeit zu Zeit erhabne Sprche tnen,
Indes auf wohl gestimmter Laute wild
Der Wahnsinn hin und her zu whlen scheint
Und doch im schnsten Takt sich mig hlt.
Wer neben diesem Mann sich wagen darf,
Verdient fr seine Khnheit schon den Kranz.
Vergebt, wenn ich mich selbst begeistert fhle,
Wie ein Verzckter weder Zeit noch Ort,
Noch, was ich sage, wohl bedenken kann;
Denn alle diese Dichter, diese Krnze,
Das seltne festliche Gewand der Schnen
Versetzt mich aus mir selbst in fremdes Land.

Prinzessin.
Wer ein Verdienst so wohl zu schtzen wei,
Der wird das andre nicht verkennen. Du
Sollst uns dereinst in Tassos Liedern zeigen,
Was wir gefhlt und was nur du erkennst.

Alphons.
Komm mit, Antonio! Manches hab' ich noch,
Worauf ich sehr begierig bin, zu fragen.
Dann sollst du bis zum Untergang der Sonne
Den Frauen angehren. Komm! Lebt wohl.

(Dem Frsten folgt Antonio, den Damen Tasso.)




Zweiter Aufzug
(Saal.)



Erster Auftritt
Prinzessin. Tasso.

Tasso.
Unsicher folgen meine Schritte dir,
O Frstin, und Gedanken ohne Ma
Und Ordnung regen sich in meiner Seele.
Mir scheint die Einsamkeit zu winken, mich
Gefllig anzulispeln: Komm, ich lse
Die neu erregten Zweifel deiner Brust.
Doch werf' ich einen Blick auf dich, vernimmt
Mein horchend Ohr ein Wort von deiner Lippe,
So wird ein neuer Tag um mich herum,
Und alle Bande fallen von mir los.
Ich will dir gern gestehn, es hat der Mann,
Der unerwartet zu uns trat, nicht sanft
Aus einem schnen Traum mich aufgeweckt;
Sein Wesen, seine Worte haben mich
So wunderbar getroffen, dass ich mehr
Als je mich doppelt fhle, mit mir selbst
Aufs neu' in streitender Verwirrung bin.

Prinzessin.
Es ist unmglich, dass ein alter Freund,
Der, lang' entfernt, ein fremdes Leben fhrte,
Im Augenblick, da er uns wieder sieht,
Sich wieder gleich wie ehmals finden soll.
Er ist in seinem Innern nicht verndert;
Lass uns mit ihm nur wenig Tage leben,
So stimmen sich die Saiten hin und wider,
Bis glcklich eine schne Harmonie
Aufs neue sie verbindet. Wird er dann
Auch nher kennen, was du diese Zeit
Geleistet hast, so stellt er dich gewiss
Dem Dichter an die Seite, den er jetzt
Als einen Riesen dir entgegen stellt.

Tasso.
Ach, meine Frstin, Ariostes Lob
Aus seinem Munde hat mich mehr ergtzt,
Als dass es mich beleidigt htte. Trstlich
Ist es fr uns, den Mann gerhmt zu wissen,
Der als ein groes Muster vor uns steht.
Wir knnen uns im stillen Herzen sagen:
Erreichst du einen Teil von seinem Wert,
Bleibt dir ein Teil auch seines Ruhms gewiss.
Nein, was das Herz im tiefsten mir bewegte,
Was mir noch jetzt die ganze Seele fllt,
Es waren die Gestalten jener Welt,
Die sich lebendig, rastlos, ungeheuer
Um einen groen, einzig klugen Mann
Gemessen dreht und ihren Lauf vollendet,
Den ihr der Halbgott vorzuschreiben wagt.
Begierig horcht' ich auf, vernahm mit Lust
Die sichern Worte des erfahrnen Mannes;
Doch ach! Je mehr ich horchte, mehr und mehr
Versank ich vor mir selbst, ich frchtete,
Wie Echo an den Felsen zu verschwinden,
Ein Widerhall, ein Nichts mich zu verlieren.

Prinzessin.
Und schienst noch kurz vorher so rein zu fhlen,
Wie Held und Dichter freinander leben,
Wie Held und Dichter sich einander suchen
Und keiner je den andern neiden soll?
Zwar herrlich ist die liedeswerte Tat,
Doch schn ist's auch, der Taten strkste Flle
Durch wrd'ge Lieder auf die Nachwelt bringen.
Begnge dich aus einem kleinen Staate,
Der dich beschtzt, dem wilden Lauf der Welt,
Wie von dem Ufer, ruhig zuzusehn.

Tasso.
Und sah ich hier mit Staunen nicht zuerst,
Wie herrlich man den tapfern Mann belohnt?
Als unerfahrner Knabe kam ich her,
In einem Augenblick, da Fest auf Fest
Ferrara zu dem Mittelpunkt der Ehre
Zu machen schien. O! Welcher Anblick war's!
Den weiten Platz, auf dem in ihrem Glanze
Gewandte Tapferkeit sich zeigen sollte,
Umschloss ein Kreis, wie ihn die Sonne nicht
So bald zum zweiten Mal bescheinen wird.
Es saen hier gedrngt die schnsten Frauen,
Gedrngt die ersten Mnner unsrer Zeit.
Erstaunt durchlief der Blick die edle Menge;
Man rief: Sie alle hat das Vaterland,
Das eine, schmale, Meer umgebne Land,
Hierher geschickt. Zusammen bilden sie
Das herrlichste Gericht, das ber Ehre,
Verdienst und Tugend je entschieden hat.
Gehst du sie einzeln durch, du findest keinen,
Der seines Nachbarn sich zu schmen brauche!--
Und dann erffneten die Schranken sich;
Da stampften Pferde, glnzten Helm und Schilde,
Da drngten sich die Knappen, da erklang
Trompetenschall, und Lanzen krachten splitternd,
Getroffen tnten Helm' und Schilde, Staub,
Auf einen Augenblick, umhllte wirbelnd
Des Siegers Ehre, des Besiegten Schmach.
O lass mich einen Vorhang vor das ganze,
Mir allzu helle Schauspiel ziehen, dass
In diesem schnen Augenblicke mir
Mein Unwert nicht zu heftig fhlbar werde.

Prinzessin.
Wenn jener edle Kreis, wenn jene Taten
Zu Mh' und Streben damals dich entflammten,
So konnt' ich, junger Freund, zu gleicher Zeit
Der Duldung stille Lehre dir bewhren.
Die Feste, die du rhmst, die hundert Zungen
Mir damals priesen und mir manches Jahr
Nachher gepriesen haben, sah ich nicht.
Am stillen Ort, wohin kaum unterbrochen
Der letzte Widerhall der Freude sich
Verlieren konnte, musst' ich manche Schmerzen
Und manchen traurigen Gedanken leiden.
Mit breiten Flgeln schwebte mir das Bild
Des Todes vor den Augen, deckte mir
Die Aussicht in die immer neue Welt.
Nur nach und nach entfernt' es sich, und lie
Mich, wie durch einen Flor, die bunten Farben
Des Lebens, blass, doch angenehm, erblicken.
Ich sah' lebend'ge Formen wieder sanft sich regen.
Zum ersten Mal trat ich, noch untersttzt
Von meinen Frauen, aus dem Krankenzimmer,
Da kam Lucretia voll frohen Lebens
Herbei und fhrte dich an ihrer Hand.
Du warst der erste, der im neuen Leben
Mir neu und unbekannt entgegen trat.
Da hofft ich viel fr dich und mich; auch hat
Uns bis hierher die Hoffnung nicht betrogen.

Tasso.
Und ich, der ich, betubt von dem Gewimmel
Des drngenden Gewhls, von so viel Glanz
Geblendet, und von mancher Leidenschaft
Bewegt, durch stille Gnge des Palasts
An deiner Schwester Seite schweigend ging,
Dann in das Zimmer trat, wo du uns bald,
Auf deine Fraun gelehnt erschienest--mir
Welch ein Moment war dieser! O vergib!
Wie den Bezauberten von Rausch und Wahn
Der Gottheit Nhe leicht und willig heilt,
So war auch ich von aller Phantasie,
Von jeder Sucht, von jedem falschen Triebe
Mit einem Blick in deinen Blick geheilt.
Wenn unerfahren die Begierde sich
Nach tausend Gegenstnden sonst verlor,
Trat ich beschmt zuerst in mich zurck
Und lernte nun das Wnschenswerte kennen.
So sucht man in dem weiten Sand des Meers
Vergebens eine Perle, die verborgen
In stillen Schalen eingeschlossen ruht.

Prinzessin.
Es fingen schne Zeiten damals an,
Und htt' uns nicht der Herzog von Urbino
Die Schwester weggefhrt, uns wren Jahre
Im schnen, ungetrbten Glck verschwunden.
Doch leider jetzt vermissen wir zu sehr
Den frohen Geist, die Brust voll Mut und Leben,
Den reichen Witz der liebenswrd'gen Frau.

Tasso.
Ich wei es nur zu wohl, seit jenem Tage,
Da sie von hinnen schied, vermochte dir
Die reine Freude niemand zu ersetzen.
Wie oft zerriss es meine Brust! Wie oft
Klagt' ich dem stillen Hain mein Leid um dich!
Ach! Rief ich aus, hat denn die Schwester nur
Das Glck, das Recht, der Teuern viel zu sein?
Ist denn kein Herz mehr wert, dass sie sich ihm
Vertrauen drfte, kein Gemt dem ihren
Mehr gleich gestimmt? Ist Geist und Witz verloschen?
Und war die eine Frau, so trefflich sie
Auch war, denn alles? Frstin! O verzeih!
Da dacht' ich manchmal an mich selbst und wnschte,
Dir etwas sein zu knnen. Wenig nur,
Doch etwas, nicht mit Worten, mit der Tat
Wnscht' ich's zu sein, im Leben dir zu zeigen,
Wie sich mein Herz im Stillen dir geweiht.
Doch es gelang mir nicht, und nur zu oft
Tat ich im Irrtum was dich schmerzen musste,
Beleidigte den Mann, den du beschtztest,
Verwirrte unklug was du lsen wolltest,
Und fhlte so mich stets im Augenblick,
Wenn ich mich nahen wollte, fern und ferner.

Prinzessin.
Ich habe, Tasso, deinen Willen nie
Verkannt und wei, wie du, dir selbst zu schaden,
Geschftig bist. Anstatt dass meine Schwester
Mit jedem, wie er sei, zu leben wei,
So kannst du selbst nach vielen Jahren kaum
In einen Freund dich finden.

Tasso.
Tadle mich!
Doch sage mir hernach: Wo ist der Mann,
Die Frau, mit der ich wie mit dir
Aus freiem Busen wagen darf zu reden?

Prinzessin.
Du solltest meinem Bruder dich vertraun.

Tasso.
Er ist mein Frst!--Doch glaube nicht, dass mir
Der Freiheit wilder Trieb den Busen blhe.
Der Mensch ist nicht geboren, frei zu sein,
Und fr den Edeln ist kein schner Glck,
Als einem Frsten, den er ehrt, zu dienen.
Und so ist er mein Herr, und ich empfinde
Den ganzen Umfang dieses groen Worts.
Nun muss ich schweigen lernen, wenn er spricht,
Und tun, wenn er gebietet, mgen auch
Verstand und Herz ihm lebhaft widersprechen.

Prinzessin.
Das ist der Fall bei meinem Bruder nie,
Und nun, da wir Antonio wieder haben,
Ist dir ein neuer kluger Freund gewiss.

Tasso.
Ich hofft' es ehmals, jetzt verzweifl' ich fast.
Wie lehrreich wre mir sein Umgang, ntzlich
Sein Rat in tausend Fllen! Er besitzt,
Ich mag wohl sagen, alles, was mir fehlt.
Doch--haben alle Gtter sich versammelt,
Geschenke seiner Wiege darzubringen--
Die Grazien sind leider ausgeblieben,
Und wem die Gaben dieser Holden fehlen,
Der kann zwar viel besitzen, vieles geben,
Doch lsst sich nie an seinem Busen ruhn.

Prinzessin.
Doch lsst sich ihm vertraun, und das ist viel.
Du musst von einem Mann nicht alles fordern,
Und dieser leistet, was er dir verspricht.
Hat er sich erst fr deinen Freund erklrt,
So sorgt er selbst fr dich, wo du dir fehlst.
Ihr msst verbunden sein! Ich schmeichle mir,
Dies schne Werk in kurzem zu vollbringen.
Nur widerstehe nicht, wie du es pflegst!
So haben wir Lenore lang besessen,
Die fein und zierlich ist, mit der es leicht
Sich leben lsst; auch dieser hast du nie,
Wie sie es wnschte, nher treten wollen.

Tasso.
Ich habe dir gehorcht, sonst htt' ich mich
Von ihr entfernt, anstatt mich ihr zu nahen.
So liebenswrdig sie erscheinen kann,
Ich wei nicht, wie es ist, konnt' ich nur selten
Mit ihr ganz offen sein, und wenn sie auch
Die Absicht hat, den Freunden wohl zu tun,
So fhlt man Absicht, und man ist verstimmt.

Prinzessin.
Auf diesem Wege werden wir wohl nie
Gesellschaft finden, Tasso! Dieser Pfad
Verleitet uns, durch einsames Gebsch,
Durch stille Tler fortzuwandern; mehr
Und mehr verwhnt sich das Gemt, und strebt,
Die goldne Zeit, die ihm von auen mangelt,
In seinem Innern wieder herzustellen,
So wenig der Versuch gelingen will.

Tasso.
O welches Wort spricht meine Frstin aus.
Die goldne Zeit, wohin ist sie geflohn,
Nach der sich jedes Herz vergebens sehnt?
Da auf der freien Erde Menschen sich
Wie frohe Herden im Genuss verbreiteten;
Da ein uralter Baum auf bunter Wiese
Dem Hirten und der Hirtin Schatten gab,
Ein jngeres Gebsch die zarten Zweige
Um sehnsuchtsvolle Liebe traulich schlang;
Wo klar und still auf immer reinem Sande
Der weiche Fluss die Nymphe sanft umfing;
Wo in dem Grase die gescheuchte Schlange
Unschdlich sich verlor, der khne Faun,
Vom tapfern Jngling bald bestraft, entfloh;
Wo jeder Vogel in der freien Luft
Und jedes Tier, durch Berg' und Tler schweifend,
Zum Menschen sprach: Erlaubt ist, was gefllt.

Prinzessin.
Mein Freund, die goldne Zeit ist wohl vorbei;
Allein die Guten bringen sie zurck.
Und soll ich dir gestehen, wie ich denke:
Die goldne Zeit, womit der Dichter uns
Zu schmeicheln pflegt, die schne Zeit, sie war,
So scheint es mir, so wenig als sie ist;
Und war sie je, so war sie nur gewiss,
Wie sie uns immer wieder werden kann.
Noch treffen sich verwandte Herzen an
Und teilen den Genuss der schnen Welt;
Nur in dem Wahlspruch ndert sich, mein Freund,
Ein einzig Wort: Erlaubt ist was sich ziemt.

Tasso.
O wenn aus guten, edlen Menschen nur
Ein allgemein Gericht bestellt entschiede,
Was sich denn ziemt! Anstatt dass jeder glaubt,
Es sei auch schicklich, was ihm ntzlich ist.
Wir sehn ja, dem Gewaltigen, dem Klugen
Steht alles wohl, und er erlaubt sich alles.

Prinzessin.
Willst du genau erfahren, was sich ziemt,
So frage nur bei edlen Frauen an.
Denn ihnen ist am meisten dran gelegen,
Dass alles wohl sich zieme, was geschieht.
Die Schicklichkeit umgibt mit einer Mauer
Das zarte, leicht verletzliche Geschlecht.
Wo Sittlichkeit regiert, regieren sie,
Und wo die Frechheit herrscht, da sind sie nichts.
Und wirst du die Geschlechter beide fragen:
Nach Freiheit strebt der Mann, das Weib nach Sitte.

Tasso.
Du nennest uns unbndig, roh, gefhllos?

Prinzessin.
Nicht das! Allein ihr strebt nach fernen Gtern,
Und euer Streben muss gewaltsam sein.
Ihr wagt es, fr die Ewigkeit zu handeln,
Wenn wir ein einzig nah beschrnktes Gut
Auf dieser Erde nur besitzen mchten,
Und wnschen, dass es uns bestndig bleibe.
Wir sind von keinem Mnnerherzen sicher,
Das noch so warm sich einmal uns ergab.
Die Schnheit ist vergnglich, die ihr doch
Allein zu ehren scheint. Was brig bleibt,
Das reizt nicht mehr, und was nicht reizt, ist tot.
Wenn's Mnner gbe, die ein weiblich Herz
Zu schtzen wssten, die erkennen mchten,
Welch einen holden Schatz von Treu' und Liebe
Der Busen einer Frau bewahren kann;
Wenn das Gedchtnis einzig schner Stunden
In euren Seelen lebhaft bleiben wollte;
Wenn euer Blick, der sonst durchdringend ist,
Auch durch den Schleier dringen knnte, den
Uns Alter oder Krankheit berwirft;
Wenn der Besitz, der ruhig machen soll,
Nach fremden Gtern euch nicht lstern machte:
Dann wr' uns wohl ein schner Tag erschienen,
Wir feierten dann unsre goldne Zeit.

Tasso.
Du sagst mir Worte, die in meiner Brust
Halb schon entschlafne Sorgen mchtig regen.

Prinzessin.
Was meinst du, Tasso? Rede frei mit mir.

Tasso.
Oft hrt' ich schon, und diese Tage wieder
Hab' ich's gehrt, ja htt' ich's nicht vernommen,
So msst' ich's denken: Edle Frsten streben
Nach deiner Hand! Was wir erwarten mssen,
Das frchten wir und mchten schier verzweifeln,
Verlassen wirst du uns, es ist natrlich;
Doch wie wir's tragen wollen, wei ich nicht.

Prinzessin.
Fr diesen Augenblick seid unbesorgt!
Fast mcht' ich sagen: Unbesorgt fr immer.
Hier bin ich gern, und gerne mag ich bleiben.
Noch wei ich kein Verhltnis, das mich lockte;
Und wenn ihr mich denn ja behalten wollt,
So lasst es mir durch Eintracht sehn und schafft
Euch selbst ein glcklich Leben, mir durch euch.

Tasso.
O lehre mich, das Mgliche zu tun!
Gewidmet sind dir alle meine Tage.
Wenn, dich zu preisen, dir zu danken, sich
Mein Herz entfaltet, dann empfind' ich erst
Das reinste Glck, das Menschen fhlen knnen;
Das Gttlichste erfuhr ich nur in dir.
So unterscheiden sich die Erdengtter
Vor andern Menschen, wie das hohe Schicksal
Vom Rat und Willen selbst der klgsten Mnner
Sich unterscheidet. Vieles lassen sie,
Wenn wir gewaltsam Wog' auf Woge sehn,
Wie leichte Wellen, unbemerkt vorber
Vor ihren Fen rauschen, hren nicht
Den Sturm, der uns umsaust und niederwirft,
Vernehmen unser Flehen kaum und lassen,
Wie wir beschrnkten armen Kindern tun,
Mit Seufzern und Geschrei die Luft uns fllen.
Du hast mich oft, o Gttliche, geduldet,
Und wie die Sonne, trocknete dein Blick
Den Tau von meinen Augenliedern ab.

Prinzessin.
Es ist sehr billig, dass die Frauen dir
Aufs freundlichste begegnen: Es verherrlicht
Dein Lied auf manche Weise das Geschlecht.
Zart oder tapfer, hast du stets gewusst,
Sie liebenswert und edel vorzustellen;
Und wenn Armide hassenswert erscheint,
Vershnt ihr Reiz und ihre Liebe bald.

Tasso.
Was auch in meinem Liede widerklingt,
Ich bin nur einer, einer alles schuldig!
Es schwebt kein geistig unbestimmtes Bild
Vor meiner Stirne, das der Seele bald
Sich berglnzend nahte, bald entzge.
Mit meinen Augen hab' ich es gesehn,
Das Urbild jeder Tugend, jeder Schne;
Was ich nach ihm gebildet, das wird bleiben:
Tancredes Heldenliebe zu Chlorinde,
Erminies stille, nicht bemerkte Treue,
Sophronies Groheit und Olindes Not,
Es sind nicht Schatten, die der Wahn erzeugte,
Ich wei es, sie sind ewig; denn sie sind.
Und was hat mehr das Recht, Jahrhunderte
Zu bleiben und im stillen fortzuwirken,
Als das Geheimnis einer edlen Liebe,
Dem holden Lied bescheiden anvertraut?

Prinzessin.
Und soll ich dir noch einen Vorzug sagen,
Den unvermerkt sich dieses Lied erschleicht?
Es lockt uns nach und nach, wir hren zu,
Wir hren und wir glauben zu verstehn,
Was wir verstehn, das knnen wir nicht tadeln,
Und so gewinnt uns dieses Lied zuletzt.

Tasso.
Welch einen Himmel ffnest du vor mir,
O Frstin! Macht mich dieser Glanz nicht blind,
So seh' ich unverhofft ein ewig Glck
Auf goldnen Strahlen herrlich niedersteigen.

Prinzessin.
Nicht weiter, Tasso! Viele Dinge sind's,
Die wir mit Heftigkeit ergreifen sollen:
Doch andre knnen nur durch Migung
Und durch Entbehren unser eigen werden.
So, sagt man, sei die Tugend, sei die Liebe,
Die ihr verwandt ist. Das bedenke wohl!



Zweiter Auftritt
Tasso (allein).

Ist dir's erlaubt, die Augen aufzuschlagen?
Wagst du's umher zu sehn? Du bist allein!
Vernahmen diese Sulen was sie sprach?
Und hast du Zeugen, diese stumme Zeugen
Des hchsten Glcks zu frchten? Es erhebt
Die Sonne sich des neuen Lebenstages,
Der mit den vorigen sich nicht vergleicht.
Hernieder steigend hebt die Gttin schnell
Den Sterblichen hinauf. Welch neuer Kreis
Entdeckt sich meinem Auge, welches Reich!
Wie kstlich wird der heie Wunsch belohnt!
Ich trumte mich dem hchsten Glcke nah,
Und dieses Glck ist ber alle Trume.
Der Blindgeborne denke sich das Licht,
Die Farben wie er will; erscheinet ihm
Der neue Tag, ist's ihm ein neuer Sinn.
Voll Mut und Ahnung, freudetrunken schwankend
Betret' ich diese Bahn. Du gibst mir viel,
Du gibst, wie Erd' und Himmel uns Geschenke
Mit vollen Hnden bermig reichen,
Und forderst wieder, was von mir zu fordern
Nur eine solche Gabe dich berechtigt.
Ich soll entbehren, soll mich mig zeigen
Und so verdienen, dass du mir vertraust.
Was tat ich je, dass sie mich whlen konnte?
Was soll ich tun, um ihrer wert zu sein?
Sie konnte dir vertraun und dadurch bist du's.
Ja, Frstin, deinen Worten, deinen Blicken
Sei ewig meine Seele ganz geweiht!
Ja, fordre was du willst, denn ich bin dein!
Sie sende mich, Mh' und Gefahr und Ruhm
In fernen Landen aufzusuchen, reiche
Im stillen Hain die goldne Leier mir,
Sie weihe mich der Ruh' und ihrem Preis:
Ihr bin ich, bildend soll sie mich besitzen,
Mein Herz bewahrte jeden Schatz fr sie.
O htt' ein tausendfaches Werkzeug mir
Ein Gott gegnnt, kaum drckt' ich dann genug
Die unaussprechliche Verehrung aus.
Des Mahlers Pinsel und des Dichters Lippe,
Die seste, die je von frhem Honig
Genhrt war, wnscht' ich mir. Nein, knftig soll
Nicht Tasso zwischen Bumen, zwischen Mensch
Sich einsam, schwach und trb gesinnt verlieren!
Er ist nicht mehr allein, er ist mit dir.
O dass die edelste der Taten sich
Hier sichtbar vor mich stellte, rings umgeben
Von grsslicher Gefahr! Ich drnge zu
Und wagte gern das Leben, das ich nun
Von ihren Hnden habe--forderte
Die besten Menschen mir zu Freunden auf,
Unmgliches mit einer edeln Schar
Nach Ihrem Wink und Willen zu vollbringen.
Voreiliger, warum verbarg dein Mund
Nicht das, was du empfandst, bis du dich wert
Und werter ihr zu Fen legen konntest?
Das war dein Vorsatz, war dein kluger Wunsch.
Doch sei es auch! Viel schner ist es, rein
Und unverdient ein solch Geschenk empfangen,
Als halb und halb zu whnen, dass man wohl
Es habe fordern drfen. Blicke freudig!
Es ist so gro, so weit, was vor dir liegt,
Und hoffnungsvolle Jugend lockt dich wieder
In unbekannte, lichte Zukunft hin!
--Schwelle Brust!--O Witterung des Glcks,
Begnst'ge diese Pflanze doch einmal!
Sie strebt gen Himmel, tausend Zweige dringen
Aus ihr hervor, entfalten sich zu Blten.
O dass sie Furcht, o dass sie Freuden bringe!
Dass eine liebe Hand den goldnen Schmuck
Aus ihren frischen, reichen sten breche!



Dritter Auftritt
Tasso. Antonio.

Tasso.
Sei mir willkommen, den ich gleichsam jetzt
Zum ersten Mal erblicke! Schner ward
Kein Mann mir angekndigt. Sei willkommen!
Dich kenn' ich nun und deinen ganzen Wert,
Dir biet' ich ohne Zgern Herz und Hand
Und hoffe, dass auch du mich nicht verschmhst.

Antonio.
Freigebig bietest du mir schne Gaben,
Und ihren Wert erkenn' ich wie ich soll:
Drum lass mich zgern, eh' ich sie ergreife.
Wei ich doch nicht, ob ich dir auch dagegen
Ein Gleiches geben kann. Ich mchte gern
Nicht bereilt und nicht undankbar scheinen:
Lass mich fr beide klug und sorgsam sein.

Tasso.
Wer wird die Klugheit tadeln? Jeder Schritt
Des Lebens zeigt, wie sehr sie ntig sei;
Doch schner ist's, wenn uns die Seele sagt,
Wo wir der feinen Vorsicht nicht bedrfen.

Antonio.
Darber frage jeder sein Gemt,
Weil er den Fehler selbst zu ben hat.

Tasso.
So sei's! Ich habe meine Pflicht getan:
Der Frstin Wort, die uns zu Freunden wnscht,
Hab' ich verehrt und mich dir vorgestellt.
Rckhalten durft' ich nicht, Antonio; doch gewiss,
Zudringen will ich nicht. Es mag denn sein.
Zeit und Bekanntschaft heien dich vielleicht
Die Gabe wrmer fordern, die du jetzt
So kalt beiseite lehnst und fast verschmhst.

Antonio.
Der Mige wird fters kalt genannt
Von Menschen, die sich warm vor andern glauben,
Weil sie die Hitze fliegend berfllt.

Tasso.
Du tadelst, was ich tadle, was ich melde.
Auch ich verstehe wohl, so jung ich bin,
Der Heftigkeit die Dauer vorzuziehn.

Antonio.
Sehr weislich! Bleibe stets auf diesem Sinne.

Tasso.
Du bist berechtigt, mir zu raten, mich
Zu warnen; denn es steht Erfahrung dir
Als lang' erprobte Freundin an der Seite.
Doch glaube nur, es horcht ein stilles Herz
Auf jedes Tages, jeder Stunde Warnung
Und bt sich ingeheim an jedem Guten,
Das deine Strenge neu zu lehren glaubt.

Antonio.
Es ist wohl angenehm, sich mit sich selbst
Beschft'gen, wenn es nur so ntzlich wre.
Inwendig lernt kein Mensch sein Innerstes
Erkennen; denn er misst nach eignem Ma
Sich bald zu klein und leider oft zu gro.
Der Mensch erkennt sich nur im Menschen, nur
Das Leben lehret jedem, was er sei.

Tasso.
Mit Beifall und Verehrung hr' ich dich.

Antonio.
Und dennoch denkst du wohl bei diesen Worten
Ganz etwas anders, als ich sagen will.

Tasso.
Auf diese Weise rcken wir nicht nher.
Es ist nicht klug, es ist nicht wohl getan,
Vorstzlich einen Menschen zu verkennen,
Er sei auch, wer er sei. Der Frstin Wort
Bedurft' es kaum, leicht hab' ich dich erkannt:
Ich wei, dass du das Gute willst und schaffst.
Dein eigen Schicksal lsst dich unbesorgt,
An andre denkst du, Andern stehst du bei,
Und auf des Lebens leicht bewegter Woge
Bleibt dir ein stetes Herz. So seh' ich dich.
Und was wr' ich, ging' ich dir nicht entgegen?
Sucht' ich begierig nicht auch einen Teil
An dem verschlossnen Schatz, den du bewahrst?
Ich wei, es reut dich nicht, wenn du dich ffnest,
Ich wei, du bist mein Freund, wenn du mich kennst:
Und eines solchen Freunds bedurft' ich lange.
Ich schme mich der Unerfahrenheit
Und meiner Jugend nicht. Still ruhet noch
Der Zukunft goldne Wolke mir ums Haupt.
O nimm mich, edler Mann, an deine Brust
Und weihe mich, den Raschen, Unerfahrnen,
Zum migen Gebrauch des Lebens ein.

Antonio.
In einem Augenblicke forderst du,
Was wohlbedchtig nur die Zeit gewhrt.

Tasso.
In einem Augenblick gewhrt die Liebe,
Was Mhe kaum in langer Zeit erreicht.
Ich bitt' es nicht von dir, ich darf es fordern.
Dich ruf' ich in der Tugend Namen auf,
Die gute Menschen zu verbinden eifert.
Und soll ich dir noch einen Namen nennen?
Die Frstin hofft's, Sie will's--Eleonore,
Sie will mich zu dir fhren, dich zu mir.
O lass uns ihrem Wunsch entgegen gehn!
Lass uns verbunden vor die Gttin treten,
Ihr unsern Dienst, die ganze Seele bieten,
Vereint fr sie das Wrdigste zu tun.
Noch einmal!--Hier ist meine Hand! Schlag ein!
Tritt nicht zurck und weigre dich nicht lnger,
O edler Mann, und gnne mir die Wollust,
Die schnste guter Menschen, sich dem Bessern
Vertrauend ohne Rckhalt hinzugeben!

Antonio.
Du gehst mit vollen Segeln! Scheint es doch,
Du bist gewohnt zu siegen, berall
Die Wege breit, die Pforten weit zu finden.
Ich gnne jeden Wert und jedes Glck
Dir gern, allein ich sehe nur zu sehr,
Wir stehn zu weit noch voneinander ab.

Tasso.
Es sei an Jahren, an geprftem Wert;
An frohem Muth und Willen weich' ich keinem.

Antonio.
Der Wille lockt die Taten nicht herbei;
Der Mut stellt sich die Wege krzer vor.
Wer angelangt am Ziel ist, wird gekrnt,
Und oft entbehrt ein Wrd'ger eine Krone.
Doch gibt es leichte Krnze, Krnze gibt es
Von sehr verschiedner Art: Sie lassen sich
Oft im Spazierengehn bequem erreichen.

Tasso.
Was eine Gottheit diesem frei gewhrt
Und jenem streng versagt, ein solches Gut
Erreicht nicht jeder, wie er will und mag.

Antonio.
Schreib es dem Glck vor andern Gttern zu,
So hr' ich's gern; denn seine Wahl ist blind.

Tasso.
Auch die Gerechtigkeit trgt eine Binde
Und schliet die Augen jedem Blendwerk zu.

Antonio.
Das Glck erhebe billig der Beglckte!
Er dicht' ihm hundert Augen frs Verdienst
Und kluge Wahl und strenge Sorgfalt an,
Nenn' es Minerva, nenn' es, wie er will,
Er halte gndiges Geschenk fr Lohn,
Zuflligen Putz fr wohl verdienten Schmuck.

Tasso.
Du brauchst nicht deutlicher zu sein. Es ist genug!
Ich blicke tief dir in das Herz und kenne
Fr's ganze Leben dich. O kennte so
Dich meine Frstin auch! Verschwende nicht
Die Pfeile deiner Augen, deiner Zunge!
Du richtest sie vergebens nach dem Kranze,
Dem unverwelklichen, auf meinem Haupt.
Sei erst so gro, mir ihn nicht zu beneiden!
Dann darfst du mir vielleicht ihn streitig machen.
Ich acht' ihn heilig und das hchste Gut:
Doch zeige mir den Mann, der das erreicht,
Wornach ich strebe, zeige mir den Helden,
Von dem mir die Geschichten nur erzhlten;
Den Dichter stell' mir vor, der sich Homer,
Virgil sich vergleichen darf, ja, was
Noch mehr gesagt ist, zeige mir den Mann,
Der dreifach diesen Lohn verdiente, den
Die schne Krone dreifach mehr als mich
Beschmte: Dann sollst du mich kniend sehn
Vor jener Gottheit, die mich so begabte;
Nicht eher stnd' ich auf, bis sie die Zierde
Von meinem Haupt auf seins hinber drckte.

Antonio.
Bis dahin bleibst du freilich ihrer wert.

Tasso.
Man wge mich, das will ich nicht vermeiden;
Allein Verachtung hab' ich nicht verdient.
Die Krone, der mein Frst mich wrdig achtete,
Die meiner Frstin Hand fr mich gewunden,
Soll keiner mir bezweifeln noch begrinsen!

Antonio.
Es ziemt der hohe Ton, die rasche Glut
Nicht dir zu mir, noch dir an diesem Orte.

Tasso.
Was du dir hier erlaubst, das ziemt auch mir.
Und ist die Wahrheit wohl von hier verbannt?
Ist im Palast der freie Geist gekerkert?
Hat hier ein edler Mensch nur Druck zu dulden?
Mich dnkt hier ist die Hoheit erst an ihrem Platz,
Der Seele Hoheit! Darf sie sich der Nhe
Der Groen dieser Erde nicht erfreun?
Sie darf's und soll's. Wir nahen uns dem Frsten
Durch Adel nur, der uns von Vtern kam;
Warum nicht durchs Gemt, das die Natur
Nicht jedem gro verlieh, wie sie nicht jedem
Die Reihe groer Ahnherrn geben konnte?
Nur Kleinheit sollte hier sich ngstlich fhlen,
Der Neid, der sich zu seiner Schande zeigt:
Wie keiner Spinne schmutziges Gewebe
An diesen Marmorwnden haften soll.

Antonio.
Du zeigst mir selbst mein Recht dich zu verschmhn!
Der bereilte Knabe will des Manns
Vertraun und Freundschaft mit Gewalt ertrotzen?
Unsittlich, wie du bist, hltst du dich gut?

Tasso.
Viel lieber, was ihr euch unsittlich nennt,
Als was ich mir unedel nennen msste.

Antonio.
Du bist noch jung genug, dass gute Zucht
Dich eines bessern Wegs belehren kann.

Tasso.
Nicht jung genug, vor Gtzen mich zu neigen,
Und, Trotz mit Trotz zu bnd'gen, alt genug.

Antonio.
Wo Lippenspiel und Saitenspiel entscheiden,
Ziehst du als Held und Sieger wohl davon.

Tasso.
Verwegen wr' es, meine Faust zu rhmen;
Denn sie hat nichts getan; doch ich vertrau' ihr.

Antonio.
Du traust auf Schonung, die dich nur zu sehr
Im frechen Laufe deines Glcks verzog.

Tasso.
Dass ich erwachsen bin, das fhl' ich nun.
Mit dir am wenigsten htt' ich gewnscht
Das Wagespiel der Waffen zu versuchen:
Allein du schrest Glut auf Glut, es kocht
Das innre Mark, die schmerzliche Begier
Der Rache siedet schumend in der Brust.
Bist du der Mann der du dich rhmst, so steh mir!

Antonio.
Du weit so wenig wer, als wo du bist.

Tasso.
Kein Heiligtum heit uns den Schimpf ertragen.
Du lsterst, du entweihest diesen Ort,
Nicht ich, der ich Vertraun, Verehrung, Liebe,
Das schnste Opfer, dir entgegen trug.
Dein Geist verunreint dieses Paradies
Und deine Worte diesen reinen Saal,
Nicht meines Herzens schwellendes Gefhl,
Das braust, den kleinsten Flecken nicht zu leiden.

Antonio.
Welch hoher Geist in einer engen Brust!

Tasso.
Hier ist noch Raum, dem Busen Luft zu machen.

Antonio.
Es macht das Volk sich auch mit Worten Luft.

Tasso.
Bist du ein Edelmann wie ich, so zeig' es.

Antonio.
Ich bin es wohl, doch wei ich, wo ich bin.

Tasso.
Komm mit herab, wo unsre Waffen gelten.

Antonio.
Wie du nicht fordern solltest, folg' ich nicht.

Tasso.
Der Feigheit ist solch Hindernis willkommen.

Antonio.
Der Feige droht nur, wo er sicher ist.

Tasso.
Mit Freuden kann ich diesem Schutz entsagen.

Antonio.
Vergib dir nur, dem Ort vergibst du nichts.

Tasso.
Verzeihe mir der Ort dass ich es litt.

(Er zieht den Degen.)

Zieh oder folge, wenn ich nicht auf ewig,
Wie ich dich hasse, dich verachten soll.



Vierter Auftritt
Alphons. Die Vorigen.

Alphons.
In welchem Streit treff' ich euch unerwartet?

Antonio.
Du findest mich, o Frst, gelassen stehn
Vor einem, den die Wut ergriffen hat.

Tasso.
Ich bete dich als eine Gottheit an,
Dass du mit Einem Blick mich warnend bndigst.

Alphons.
Erzhl', Antonio, Tasso, sag' mir an,
Wie hat der Zwist sich in mein Haus gedrungen?
Wie hat er euch ergriffen, von der Bahn
Der Sitten, der Gesetze kluge Mnner
Im Taumel weggerissen? Ich erstaune.

Tasso.
Du kennst uns beide nicht, ich glaub' es wohl.
Hier dieser Mann, berhmt als klug und sittlich,
Hat roh und hmisch, wie ein unerzogner,
Unedler Mensch, sich gegen mich betragen.
Zutraulich naht' ich ihm, er stie mich weg;
Beharrlich liebend drang ich mich zu ihm,
Und bitter, immer bittrer, ruht' er nicht,
Bis er den reinsten Tropfen Bluts in mir
Zu Galle wandelte. Verzeih! Du hast mich hier
Als einen Wtenden getroffen. Dieser
Hat alle Schuld, wenn ich mich schuldig machte.
Er hat die Glut gewaltsam angefacht,
Die mich ergriff und mich und ihn verletzte.

Antonio.
Ihn riss der hohe Dichterschwung hinweg!
Du hast, o Frst, zuerst mich angeredet,
Hast mich gefragt: Es sei mir nun erlaubt,
Nach diesem raschen Redner auch zu sprechen.

Tasso.
O ja, erzhl', erzhl' von Wort zu Wort!
Und kannst du jede Silbe, jede Miene
Vor diesen Richter stellen, wag' es nur!
Beleidige dich selbst zum zweiten Male
Und zeuge wider dich! Dagegen will
Ich keinen Hauch und keinen Pulsschlag leugnen.

Antonio.
Wenn du noch mehr zu reden hast, so sprich;
Wo nicht, so schweig und unterbrich mich nicht.
Ob ich, mein Frst, ob dieser heie Kopf
Den Streit zuerst begonnen? Wer es sei,
Der unrecht hat? Ist eine weite Frage,
Die wohl zuvrderst noch auf sich beruht.

Tasso.
Wie das? Mich dnkt, das ist die erste Frage:
Wer von uns beiden Recht und Unrecht hat.

Antonio.
Nicht ganz, wie sich's der unbegrnzte Sinn
Gedenken mag.

Alphons.
            Antonio!

Antonio.
                        Gndigster,
Ich ehre deinen Wink, doch lass ihn schweigen!
Hab' ich gesprochen, mag er weiter reden;
Du wirst entscheiden. Also sag' ich nur:
Ich kann mit ihm nicht rechten, kann ihn weder
Verklagen, noch mich selbst verteid'gen, noch
Ihm jetzt genug zu tun mich anerbieten.
Denn, wie er steht, ist er kein freier Mann.
Es waltet ber ihm ein schwer Gesetz,
Das deine Gnade hchstens lindern wird.
Er hat mir hier gedroht, hat mich gefodert;
Vor dir verbarg er kaum das nackte Schwert.
Und tratst du, Herr, nicht zwischen uns herein,
So stnde jetzt auch ich als pflichtvergessen,
Mitschuldig und beschmt vor deinem Blick.

Alphons (zu Tasso).
Du hast nicht wohl getan.

Tasso.
                        Mich spricht, o Herr,
Mein eigen Herz, gewiss auch deines frei.
Ja, es ist wahr, ich drohte, forderte,
Ich zog. Allein, wie tckisch seine Zunge
Mit wohl gewhlten Worten mich verletzt,
Wie scharf und schnell sein Zahn das feine Gift
Mir in das Blut geflt, wie er das Fieber
Nur mehr und mehr erhitzt--du denkst es nicht!
Gelassen, kalt, hat er mich ausgehalten,
Aufs Hchste mich getrieben. O! Du kennst,
Du kennst ihn nicht und wirst ihn niemals kennen!
Ich trug ihm warm die schnste Freundschaft an--
Er warf mir meine Gaben vor die Fe;
Und htte meine Seele nicht geglht,
So war sie deiner Gnade, deines Dienstes
Auf ewig unwert. Hab' ich des Gesetzes
Und dieses Orts vergessen, so verzeih.
Auf keinem Boden darf ich niedrig sein,
Erniedrigung auf keinem Boden dulden.
Wenn dieses Herz, es sei auch, wo es will,
Dir fehlt und sich, dann strafe, dann verstoe,
Und lass mich nie dein Auge wieder sehn.

Antonio.
Wie leicht der Jngling schwere Lasten trgt
Und Fehler wie den Staub vom Kleide schttelt!
Es wre zu verwundern, wenn die Zauberkraft
Der Dichtung nicht bekannter wre, die
Mit dem Unmglichen so gern ihr Spiel
Zu treiben liebt. Ob du auch so, mein Frst,
Ob alle deine Diener diese Tat
So unbedeutend halten, zweifl' ich fast.
Die Majestt verbreitet ihren Schutz
Auf jeden, der sich ihr wie einer Gottheit
Und ihrer unverletzten Wohnung naht.
Wie an dem Fue des Altars bezhmt
Sich auf der Schwelle jede Leidenschaft.
Da blinkt kein Schwert, da fllt kein drohend Wort,
Da fordert selbst Beleid'gung keine Rache.
Es bleibt das weite Feld ein offner Raum
Fr Grimm und Unvershnlichkeit genug:
Dort wird kein Feiger drohn, kein Mann wird fliehn.
Hier diese Mauern haben deine Vter
Auf Sicherheit gegrndet, ihrer Wrde
Ein Heiligtum befestigt, diese Ruhe
Mit schweren Strafen ernst und klug erhalten;
Verbannung, Kerker, Tod ergriff den Schuldigen.
Da war kein Ansehn der Person, es hielt
Die Milde nicht den Arm des Rechts zurck,
Und selbst der Frevler fhlte sich geschreckt.
Nun sehen wir nach langem, schnem Frieden
In das Gebiet der Sitten rohe Wut
Im Taumel wiederkehren. Herr, entscheide,
Bestrafe! Denn wer kann in seiner Pflicht
Beschrnkten Grenzen wandeln, schtzet ihn
Nicht das Gesetz und seines Frsten Kraft?

Alphons.
Mehr, als ihr beide sagt und sagen knnt,
Lsst unparteiisch das Gemt mich hren.
Ihr httet schner eure Pflicht getan,
Wenn ich dies Urteil nicht zu sprechen htte;
Denn hier sind Recht und Unrecht nah verwandt.
Wenn dich Antonio beleidigt hat,
So hat er dir auf irgendeine Weise
Genug zu tun, wie du es fordern wirst.
Mir wr' es lieb, ihr whltet mich zum Austrag.
Indessen, dein Vergehen macht, o Tasso,
Dich zum Gefangnen. Wie ich dir vergebe,
So lindr' ich das Gesetz um deinetwillen.
Verlass uns, Tasso! Bleib auf deinem Zimmer,
Von dir und mit dir selbst allein bewacht.

Tasso.
Ist dies, o Frst, dein richterlicher Spruch?

Antonio.
Erkennest du des Vaters Milde nicht?

Tasso (zu Antonio).
Mit dir hab' ich vorerst nichts mehr zu reden.
(Zu Alphons.) O Frst, es bergibt dein ernstes Wort
Mich Freien der Gefangenschaft. Es sei!
Du hltst es recht. Dein heilig Wort verehrend,
Hei' ich mein innres Herz im tiefsten schweigen.
Es ist mir neu, so neu, dass ich fast dich
Und mich und diesen schnen Ort nicht kenne.
Doch diesen kenn' ich wohl--Gehorchen will ich,
Ob ich gleich hier noch manches sagen knnte
Und sagen sollte. Mir verstummt die Lippe.
War's ein Verbrechen? Wenigstens es scheint,
Ich bin als ein Verbrecher angesehn.
Und, was mein Herz auch sagt, ich bin gefangen.

Alphons.
Du nimmst es hher, Tasso, als ich selbst.

Tasso.
Mir bleibt es unbegreiflich wie es ist;
Zwar unbegreiflich nicht, ich bin kein Kind;
Ich meine fast, ich msst' es denken knnen.
Auf einmal winkt mich eine Klarheit an,
Doch augenblicklich schliet sich's wieder zu,
Ich hre nur mein Urteil, beuge mich.
Das sind zuviel vergebne Worte schon.
Gewhne dich von nun an zu gehorchen,
Ohnmcht'ger! Du vergaest wo du standst:
Der Gtter Saal schien dir auf gleicher Erde,
Nun berwltigt dich der jhe Fall.
Gehorche gern; denn es geziemt dem Manne,
Auch willig das Beschwerliche zu tun.
Hier nimm den Degen erst, den du mir gabst,
Als ich dem Kardinal nach Frankreich folgte;
Ich fhrt' ihn nicht mit Ruhm, doch nicht mit Schande,
Auch heute nicht. Der hoffnungsvollen Gabe
Entur' ich mich mit tief gerhrtem Herzen.

Alphons.
Wie ich zu dir gesinnt bin fhlst du nicht.

Tasso.
Gehorchen ist mein Los, und nicht, zu denken!
Und leider eines herrlichern Geschenks
Verleugnung fordert das Geschick von mir.
Die Krone kleidet den Gefangnen nicht:
Ich nehme selbst von meinem Haupt die Zierde,
Die fr die Ewigkeit gegnnt mir schien.
Zu frh war mir das schnste Glck verliehen
Und wird, als htt' ich sein mich berhoben,
Mir nur zu bald geraubt.
Du nimmst dir selbst, was keiner nehmen konnte,
Und was kein Gott zum zweiten Male gibt.
Wir Menschen werden wunderbar geprft;
Wir knnten's nicht ertragen, htt' uns nicht
Den holden Leichtsinn die Natur verliehn.
Mit unschtzbaren Gtern lehret uns
Verschwenderisch die Not gelassen spielen:
Wir ffnen willig unsre Hnde, dass
Unwiederbringlich uns ein Gut entschlpfe.
Mit diesem Kuss vereint sich eine Trne
Und weiht dich der Vergnglichkeit! Es ist
Erlaubt das holde Zeichen unsrer Schwche.
Wer weinte nicht, wenn das Unsterbliche
Vor der Zerstrung selbst nicht sicher ist?
Geselle dich zu diesem Degen, der
Dich leider nicht erwarb! Um ihn geschlungen,
Ruhe, wie auf dem Sarg der Tapfern, auf
Dem Grabe meines Glcks und meiner Hoffnung!
Hier leg' ich beide willig dir zu Fen;
Denn wer ist wohl gewaffnet, wenn du zrnst?
Und wer geschmckt, o Herr, den du verkennst?
Gefangen geh' ich, warte des Gerichts.

(Auf des Frsten Wink, hebt ein Page den Degen mit dem Kranze auf
und trgt ihn weg.)



Fnfter Auftritt
Alphons. Antonio.

Antonio.
Wo schwrmt der Knabe hin? Mit welchen Farben
Mahlt er sich seinen Wert und sein Geschick?
Beschrnkt und unerfahren, hlt die Jugend
Sich fr ein einzig auserwhltes Wesen
Und alles ber alle sich erlaubt.
Er fhle sich gestraft, und strafen heit
Dem Jngling wohl tun, dass der Mann uns danke.

Alphons.
Er ist gestraft, ich frchte: Nur zu viel.

Antonio.
Wenn du gelind mit ihm verfahren magst,
So gib, o Frst, ihm seine Freiheit wieder,
Und unsern Zwist entscheide dann das Schwert.

Alphons.
Wenn es die Meinung fordert, mag es sein.
Doch sprich, wie hast du seinen Zorn gereizt?

Antonio.
Ich wsste kaum zu sagen, wie's geschah.
Als Menschen hab' ich ihn vielleicht gekrnkt,
Als Edelmann hab' ich ihn nicht beleidigt.
Und seinen Lippen ist im grten Zorne
Kein sittenloses Wort entflohn.

Alphons.
                        So schien
Mir euer Streit, und was ich gleich gedacht,
Bekrftigt deine Rede mir noch mehr.
Wenn Mnner sich entzweien, hlt man billig
Den Klgsten fr den Schuldigen. Du solltest
Mit ihm nicht zrnen; ihn zu leiten stnde
Dir besser an. Noch immer ist es Zeit:
Hier ist kein Fall, der euch zu streiten zwnge.
Solang mir Friede bleibt, so lange wnsch' ich
In meinem Haus ihn zu genieen. Stelle
Die Ruhe wieder her--du kannst es leicht.
Lenore Sanvitale mag ihn erst
Mit zarter Lippe zu besnft'gen suchen:
Dann tritt zu ihm, gib ihm in meinem Namen
Die volle Freiheit wieder, und gewinne
Mit edeln, wahren Worten sein Vertraun.
Verrichte das, sobald du immer kannst;
Du wirst als Freund und Vater mit ihm sprechen.
Noch eh' wir scheiden, will ich Friede wissen,
Und dir ist nichts unmglich, wenn du willst.
Wir bleiben lieber eine Stunde lnger
Und lassen dann die Frauen sanft vollenden,
Was du begannst; und kehren wir zurck,
So haben sie von diesem raschen Eindruck
Die letzte Spur vertilgt. Es scheint, Antonio,
Du willst nicht aus der bung kommen! Du
Hast ein Geschft kaum erst vollendet, nun
Kehrst du zurck und schaffst dir gleich ein neues.
Ich hoffe, dass auch dieses dir gelingt.

Antonio.
Ich bin beschmt und seh' in deinen Worten,
Wie in dem klarsten Spiegel, meine Schuld!
Gar leicht gehorcht man einem edlen Herrn,
Der berzeugt, indem er uns gebietet.




Dritter Aufzug



Erster Auftritt
Prinzessin (allein).

Wo bleibt Eleonore? Schmerzlicher
Bewegt mir jeden Augenblick die Sorge
Das tiefste Herz. Kaum wei ich was geschah,
Kaum wei ich, wer von beiden schuldig ist.
O dass sie kme! Mcht' ich doch nicht gern
Den Bruder nicht, Antonio nicht sprechen,
Eh' ich gefasster bin, eh' ich vernommen,
Wie alles steht, und was es werden kann.



Zweiter Auftritt
Prinzessin. Leonore.

Prinzessin.
Was bringst du, Leonore? Sag' mir an,
Wie steht's um unsre Freunde? Was geschah?

Leonore.
Mehr, als wir wissen, hab' ich nicht erfahren.
Sie trafen hart zusammen, Tasso zog,
Dein Bruder trennte sie. Allein es scheint,
Als habe Tasso diesen Streit begonnen:
Antonio geht frei umher und spricht
Mit seinem Frsten: Tasso bleibt dagegen
Verbannt in seinem Zimmer und allein.

Prinzessin.
Gewiss hat ihn Antonio gereizt,
Den hoch Gestimmten kalt und fremd beleidigt.

Leonore.
Ich glaub' es selbst. Denn eine Wolke stand,
Schon als er zu uns trat, um seine Stirn.

Prinzessin.
Ach dass wir doch, dem reinen stillen Wink
Des Herzens nach zu gehen, so sehr verlernen!
Ganz leise spricht ein Gott in unsrer Brust,
Ganz leise, ganz vernehmlich, zeigt uns an,
Was zu ergreifen ist und was zu fliehn.
Antonio erschien mir heute frh
Viel schroffer noch als je, in sich gezogner.
Es warnte mich mein Geist, als neben ihn
Sich Tasso stellte. Sieh das ure nur
Von beiden an, das Angesicht, den Ton,
Den Blick, den Tritt! Es widerstrebt sich alles;
Sie knnen ewig keine Liebe wechseln.
Doch berredete die Hoffnung mich,
Die Gleisnerinn: Sie sind vernnftig beide,
Sind edel, unterrichtet, deine Freunde;
Und welch ein Band ist sichrer als der Guten?
Ich trieb den Jngling an; er gab sich ganz;
Wie schn, wie warm ergab er ganz sich mir!
O htt' ich gleich Antonio gesprochen!
Ich zauderte; es war nur kurze Zeit;
Ich scheute mich, gleich mit den ersten Worten
Und dringend ihm den Jngling zu empfehlen;
Verlie auf Sitte mich und Hflichkeit,
Auf den Gebrauch der Welt, der sich so glatt
Selbst zwischen Feinde legt; befrchtete
Von dem geprften Manne diese Jhe
Der raschen Jugend nicht. Es ist geschehn.
Das bel stand mir fern, nun ist es da.
O gib mir einen Rat! Was ist zu tun?

Leonore.
Wie schwer zu raten sei, das fhlst du selbst
Nach dem, was du gesagt. Es ist nicht hier
Ein Missverstndnis zwischen gleich Gestimmten;
Das stellen Worte, ja im Notfall stellen
Es Waffen leicht und glcklich wieder her.
Zwei Mnner sind's, ich hab' es lang gefhlt,
Die darum Feinde sind, weil die Natur
Nicht einen Mann aus ihnen beiden formte.
Und wren sie zu ihrem Vorteil klug,
So wrden sie als Freunde sich verbinden:
Dann stnden sie fr einen Mann und gingen
Mit Macht und Glck und Lust durchs Leben hin.
So hofft' ich selbst; nun seh' ich wohl: Umsonst.
Der Zwist von heute, sei er, wie er sei,
Ist beizulegen; doch das sichert uns
Nicht fr die Zukunft, fr den Morgen nicht.
Es wr' am besten, dcht' ich, Tasso reiste
Auf eine Zeit von hier; er knnte ja
Nach Rom, auch nach Florenz sich wenden; dort
Trf' ich in wenig Wochen ihn und knnte
Auf sein Gemt als eine Freundin wirken.
Du wrdest hier indessen den Antonio,
Der uns so fremd geworden, dir aufs neue
Und deinen Freunden nher bringen: So
Gewhrte das, was itzt unmglich scheint,
Die gute Zeit vielleicht, die vieles gibt.

Prinzessin.
Du willst dich in Genuss, o Freundin, setzen,
Ich soll entbehren; heit das billig sein?

Leonore.
Entbehren wirst du nichts, als was du doch
In diesem Falle nicht genieen knntest.

Prinzessin.
So ruhig soll ich einen Freund verbannen?

Leonore.
Erhalten, den du nur zum Schein verbannst.

Prinzessin.
Mein Bruder wird ihn nicht mit Willen lassen.

Leonore.
Wenn er es sieht wie wir, so gibt er nach.

Prinzessin.
Es ist so schwer, im Freunde sich verdammen.

Leonore.
Und dennoch rettest du den Freund in dir.

Prinzessin.
Ich gebe nicht mein Ja, dass es geschehe.

Leonore.
So warte noch ein grres bel ab.

Prinzessin.
Du peinigst mich und weit nicht, ob du ntzest.

Leonore.
Wir werden bald entdecken, wer sich irrt.

Prinzessin.
Und soll es sein, so frage mich nicht lnger.

Leonore.
Wer sich entschlieen kann, besiegt den Schmerz.

Prinzessin.
Entschlossen bin ich nicht, allein es sei,
Wenn er sich nicht auf lange Zeit entfernt--
Und lass uns fr ihn sorgen, Leonore,
Dass er nicht etwa knftig Mangel leide,
Dass ihm der Herzog seinen Unterhalt
Auch in der Ferne willig reichen lasse.
Sprich mit Antonio; denn er vermag
Bei meinem Bruder viel, und wird den Streit
Nicht unserm Freund und uns gedenken wollen.

Leonore.
Ein Wort von dir, Prinzessin, glte mehr.

Prinzessin.
Ich kann, du weit es, meine Freundin, nicht
Wie's meine Schwester von Urbino kann,
Fr mich und fr die Meinen was erbitten.
Ich lebe gern so stille vor mich hin,
Und nehme von dem Bruder dankbar an,
Was er mir immer geben kann und will.
Ich habe sonst darber manchen Vorwurf
Mir selbst gemacht; nun hab' ich berwunden.
Es schalt mich eine Freundin oft darum:
Du bist uneigenntzig, sagte sie,
Das ist recht schn; allein so sehr bist du's,
Dass du auch das Bedrfnis deiner Freunde
Nicht recht empfinden kannst. Ich lass' es gehn
Und muss denn eben diesen Vorwurf tragen.
Um desto mehr erfreut es mich, dass ich
Nun in der Tat dem Freunde ntzen kann;
Es fllt mir meiner Mutter Erbschaft zu,
Und gerne will ich fr ihn sorgen helfen.

Leonore.
Und ich, o Frstin, finde mich im Falle,
Dass ich als Freundin auch mich zeigen kann.
Er ist kein guter Wirth; wo es ihm fehlt,
Werd' ich ihm schon geschickt zu helfen wissen.

Prinzessin.
So nimm ihn weg, und, soll ich ihn entbehren,
Vor allen andern sei er dir gegnnt!
Ich seh' es wohl, so wird es besser sein.
Muss ich denn wieder diesen Schmerz als gut
Und heilsam preisen? Das war mein Geschick
Von Jugend auf; ich bin nun dran gewhnt.
Nur halb ist der Verlust des schnsten Glcks,
Wenn wir auf den Besitz nicht sicher zhlten.

Leonore.
Ich hoffe dich, so schn du es verdienst,
Glcklich zu sehn!

Prinzessin.
            Eleonore! Glcklich?
Wer ist denn glcklich?--Meinen Bruder zwar
Mcht' ich so nennen; denn sein groes Herz
Trgt sein Geschick mit immer gleichem Mut;
Allein, was er verdient, das ward ihm nie.
Ist meine Schwester von Urbino glcklich?
Das schne Weib, das edle groe Herz!
Sie bringt dem jngern Manne keine Kinder;
Er achtet sie und lsst sie's nicht entgelten,
Doch keine Freude wohnt in ihrem Haus.
Was half denn unsrer Mutter ihre Klugheit?
Die Kenntnis jeder Art, ihr groer Sinn?
Konnt' er sie vor dem fremden Irrtum schtzen?
Man nahm uns von ihr weg: Nun ist sie tot.
Sie lie uns Kindern nicht den Trost, dass sie
Mit ihrem Gott vershnt gestorben sei.

Leonore.
O blicke nicht nach dem, was jedem fehlt;
Betrachte, was noch einem jeden bleibt!
Was bleibt nicht dir, Prinzessin?

Prinzessin.
                        Was mir bleibt?
Geduld, Eleonore! ben konnt' ich die
Von Jugend auf. Wenn Freunde, wenn Geschwister
Bei Fest und Spiel gesellig sich erfreuten,
Hielt Krankheit mich auf meinem Zimmer fest,
Und in Gesellschaft mancher Leiden musst'
Ich frh entbehren lernen. Eines war,
Was in der Einsamkeit mich schn ergtzte,
Die Freude des Gesangs; ich unterhielt
Mich mit mir selbst, ich wiegte Schmerz und Sehnsucht
Und jeden Wunsch mit leisen Tnen ein.
Da wurde Leiden oft Genuss, und selbst
Das traurige Gefhl zur Harmonie.
Nicht lang' war mir dies Glck gegnnt, auch dieses
Nahm mir der Arzt hinweg: Sein streng Gebot
Hie mich verstummen; leben sollt' ich, leiden,
Den einz'gen kleinen Trost sollt' ich entbehren.

Leonore.
So viele Freunde fanden sich zu dir,
Und nun bist du gesund, bist lebensfroh.

Prinzessin.
Ich bin gesund, das heit: Ich bin nicht krank;
Und manche Freunde hab' ich, deren Treue
Mich glcklich macht. Auch hatt' ich einen Freund--

Leonore.
Du hast ihn noch.

Prinzessin.
Und werd' ihn bald verlieren.
Der Augenblick, da ich zuerst ihn sah,
War viel bedeutend. Kaum erholt' ich mich
Von manchen Leiden; Schmerz und Krankheit waren
Kaum erst gewichen; still bescheiden blickt' ich
Ins Leben wieder, freute mich des Tags
Und der Geschwister wieder, sog beherzt
Der sen Hoffnung reinsten Balsam ein.
Ich wagt' es vorwrts in das Leben weiter
Hinein zu sehn, und freundliche Gestalten
Begegneten mir aus der Ferne. Da,
Eleonore, stellte mir den Jngling
Die Schwester vor; er kam an ihrer Hand,
Und, dass ich dir's gestehe, da ergriff
Ihn mein Gemt und wird ihn ewig halten.

Leonore.
O meine Frstin, lass dich's nicht gereuen!
Das Edle zu erkennen, ist Gewinst,
Der nimmer uns entrissen werden kann.

Prinzessin.
Zu frchten ist das Schne das Frtreffliche,
Wie eine Flamme, die so herrlich ntzt,
Solange sie auf deinem Herde brennt,
Solang sie dir von einer Fackel leuchtet,
Wie hold! Wer mag, wer kann sie da entbehren?
Und frisst sie ungehtet um sich her,
Wie elend kann sie machen! Lass mich nun.
Ich bin geschwtzig, und verbrge besser
Auch selbst vor dir, wie schwach ich bin und krank.

Leonore.
Die Krankheit des Gemtes lset sich
In Klagen und Vertraun am leichtsten auf.

Prinzessin.
Wenn das Vertrauen heilt, so heil' ich bald;
Ich hab' es rein und hab' es ganz zu dir.
Ach, meine Freundin! Zwar ich bin entschlossen:
Er scheide nur! Allein ich fhle schon
Den langen ausgedehnten Schmerz der Tage, wenn
Ich nun entbehren soll, was mich erfreute.
Die Sonne hebt von meinen Augenliedern
Nicht mehr sein schn verklrtes Traumbild auf,
Die Hoffnung ihn zu sehen fllt nicht mehr
Den kaum erwachten Geist mit froher Sehnsucht;
Mein erster Blick hinab in unsre Grten
Sucht ihn vergebens in dem Tau der Schatten.
Wie schn befriedigt fhlte sich der Wunsch,
Mit ihm zu sein an jedem heitern Abend!
Wie mehrte sich im Umgang das Verlangen
Sich mehr zu kennen, mehr sich zu verstehn!
Und tglich stimmte das Gemt sich schner
Zu immer reinern Harmonien auf.
Welch eine Dmmrung fllt nun vor mir ein!
Der Sonne Pracht, das frhliche Gefhl
Des hohen Tags, der tausendfachen Welt
Glanzreiche Gegenwart, ist d' und tief
Im Nebel eingehllt, der mich umgibt.
Sonst war mir jeder Tag ein ganzes Leben;
Die Sorge schwieg, die Ahndung selbst verstummte,
Und, glcklich eingeschifft, trug uns der Strom
Auf leichten Wellen ohne Ruder hin:
Nun berfllt in trber Gegenwart
Der Zukunft Schrecken heimlich meine Brust.

Leonore.
Die Zukunft gibt dir deine Freunde wieder
Und bringt dir neue Freude, neues Glck.

Prinzessin.
Was ich besitze, mag ich gern bewahren:
Der Wechsel unterhlt, doch nutzt er kaum.
Mit jugendlicher Sehnsucht griff ich nie
Begierig in den Lostopf fremder Welt,
Fr mein bedrfend unerfahren Herz
Zufllig einen Gegenstand zu haschen.
Ihn musst' ich ehren, darum liebt' ich ihn;
Ich musst' ihn lieben, weil mit ihm mein Leben
Zum Leben ward, wie ich es nie gekannt.
Erst sagt' ich mir: Entferne dich von ihm!
Ich wich und wich und kam nur immer nher,
So lieblich angelockt, so hart bestraft!
Ein reines, wahres Gut verschwindet mir,
Und meiner Sehnsucht schiebt ein bser Geist
Statt Freud' und Glck verwandte Schmerzen unter.

Leonore.
Wenn einer Freundin Wort nicht trsten kann,
So wird die stille Kraft der schnen Welt,
Der guten Zeit dich unvermerkt erquicken.

Prinzessin.
Wohl ist sie schn die Welt! In ihrer Weite
Bewegt sich so viel Gutes hin und her.
Ach, dass es immer nur um einen Schritt
Von uns sich zu entfernen scheint
Und unsre bange Sehnsucht durch das Leben
Auch Schritt vor Schritt bis nach dem Grabe lockt!
So selten ist es, dass die Menschen finden,
Was ihnen doch bestimmt gewesen schien,
So selten, dass sie das erhalten, was
Auch einmal die beglckte Hand ergriff!
Es reit sich los, was erst sich uns ergab,
Wir lassen los, was wir begierig fassten.
Es gibt ein Glck, allein wir kennen's nicht:
Wir kennen's wohl und wissen's nicht zu schtzen.



Dritter Auftritt
Leonore (allein).

Wie jammert mich das edle, schne Herz!
Welch traurig Los, das ihrer Hoheit fllt!
Ach sie verliert--und denkst du, zu gewinnen?
Ist's denn so ntig, dass er sich entfernt?
Machst du es ntig, um allein fr dich
Das Herz und die Talente zu besitzen,
Die du bisher mit einer andern teilst
Und ungleich teilst? Ist's redlich, so zu handeln?
Bist du nicht reich genug? Was fehlt dir noch?
Gemahl und Sohn und Gter, Rang und Schnheit,
Das hast du alles, und du willst noch ihn
Zu diesem allen haben? Liebst du ihn?
Was ist es sonst, warum du ihn nicht mehr
Entbehren magst? Du darfst es dir gestehn.--
Wie reizend ist's, in seinem schnen Geiste
Sich selber zu bespiegeln! Wird ein Glck
Nicht doppelt gro und herrlich, wenn sein Lied
Uns wie auf Himmelswolken trgt und hebt?
Dann bist du erst beneidenswert! Du bist,
Du hast das nicht allein, was viele wnschen;
Es wei, es kennt auch jeder, was du hast!
Dich nennt dein Vaterland und sieht auf dich,
Das ist der hchste Gipfel jedes Glcks.
Ist Laura denn allein der Name, der
Von allen zarten Lippen klingen soll?
Und hatte nur Petrarch allein das Recht,
Die unbekannte Schne zu vergttern?
Wo ist ein Mann, der meinem Freunde sich
Vergleichen darf? Wie ihn die Welt verehrt,
So wird die Nachwelt ihn verehrend nennen.
Wie herrlich ist's, im Glanze dieses Lebens
Ihn an der Seite haben! So mit ihm
Der Zukunft sich mit leichtem Schritte nahn!
Alsdann vermag die Zeit, das Alter nichts
Auf dich und nichts der freche Ruf,
Der hin und her des Beifalls Woge treibt:
Das, was vergnglich ist, bewahrt sein Lied.
Du bist noch schn, noch glcklich, wenn schon lange
Der Kreis der Dinge dich mit fortgerissen.
Du musst ihn haben, und ihr nimmst du nichts:
Denn ihre Neigung zu dem werten Manne
Ist ihren andern Leidenschaften gleich.
Sie leuchten, wie der stille Schein des Monds
Dem Wandrer sprlich auf dem Pfad zu Nacht,
Sie wrmen nicht, und gieen keine Lust
Noch Lebensfreud' umher. Sie wird sich freuen,
Wenn sie ihn fern, wenn sie ihn glcklich wei,
Wie sie genoss, wenn sie ihn tglich sah.
Und dann, ich will mit meinem Freunde nicht
Von ihr und diesem Hofe mich verbannen:
Ich komme wieder, und ich bring' ihn wieder.
So soll es sein!--Hier kommt der raue Freund:
Wir wollen sehn, ob wir ihn zhmen knnen.



Vierter Auftritt
Leonore. Antonio.

Leonore.
Du bringst uns Krieg statt Frieden: Scheint es doch,
Du kommst aus einem Lager, einer Schlacht,
Wo die Gewalt regiert, die Faust entscheidet,
Und nicht von Rom, wo feierliche Klugheit
Die Hnde segnend hebt und eine Welt
Zu ihren Fen sieht, die gern gehorcht.

Antonio.
Ich muss den Tadel, schne Freundin, dulden,
Doch die Entschuld'gung liegt nicht weit davon.
Es ist gefhrlich, wenn man allzu lang
Sich klug und mig zeigen muss. Es lauert
Der bse Genius dir an der Seite
Und will gewaltsam auch von Zeit zu Zeit
Ein Opfer haben. Leider hab' ich's diesmal
Auf meiner Freunde Kosten ihm gebracht.

Leonore.
Du hast um fremde Menschen dich so lang
Bemht und dich nach ihrem Sinn gerichtet:
Nun, da du deine Freunde wieder siehst,
Verkennst du sie, und rechtest wie mit Fremden.

Antonio.
Da liegt, geliebte Freundin, die Gefahr!
Mit fremden Menschen nimmt man sich zusammen,
Da merkt man auf, da sucht man seinen Zweck
In ihrer Gunst, damit sie nutzen sollen;
Allein bei Freunden lsst man frei sich gehen:
Man ruht in ihrer Liebe, man erlaubt
Sich eine Laune, ungezhmter wirkt
Die Leidenschaft, und so verletzen wir
Am ersten die, die wir am zrt'sten lieben.

Leonore.
In dieser ruhigen Betrachtung find' ich dich
Schon ganz, mein teurer Freund, mit Freuden wieder.

Antonio.
Ja, mich verdriet--und ich bekenn' es gern--
Dass ich mich heut so ohne Ma verlor.
Allein gestehe, wenn ein wackrer Mann
Mit heier Stirn von saurer Arbeit kommt
Und spt am Abend in ersehnten Schatten
Zu neuer Mhe auszuruhen denkt
Und findet dann von einem Miggnger
Den Schatten breit besessen, soll er nicht
Auch etwas Menschlichs in dem Busen fhlen?

Leonore.
Wenn er recht menschlich ist, so wird er auch
Den Schatten gern mit einem Manne teilen,
Der ihm die Ruhe s, die Arbeit leicht
Durch ein Gesprch, durch holde Tne macht.
Der Baum ist breit, mein Freund, der Schatten gibt,
Und keiner braucht den andern zu verdrngen.

Antonio.
Wir wollen uns, Eleonore, nicht
Mit einem Gleichnis hin und wider spielen.
Gar viele Dinge sind in dieser Welt,
Die man dem andern gnnt und gerne teilt;
Jedoch es ist ein Schatz, den man allein
Dem Hochverdienten gerne gnnen mag,
Ein andrer, den man mit dem Hchstverdienten
Mit gutem Willen niemals teilen wird--
Und fragst du mich nach diesen beiden Schtzen:
Der Lorbeer ist es und die Gunst der Frauen.

Leonore.
Hat jener Kranz um unsers Jnglings Haupt
Den ernsten Mann beleidigt? Httest du
Fr seine Mhe, seine schne Dichtung
Bescheidnern Lohn doch selbst nicht finden knnen.
Denn ein Verdienst, das auerirdisch ist,
Das in den Lften schwebt, in Tnen nur,
In leichten Bildern unsern Geist umgaukelt,--
Es wird denn auch mit einem schnen Bilde,
Mit einem holden Zeichen nur belohnt;
Und wenn er selbst die Erde kaum berhrt,
Berhrt der hchste Lohn ihm kaum das Haupt.
Ein unfruchtbarer Zweig ist das Geschenk,
Das der Verehrer unfruchtbare Neigung
Ihm gerne bringt, damit sie einer Schuld
Aufs leichtste sich entlade. Du missgnnst
Dem Bild des Mrtyrers den goldnen Schein
Ums kahle Haupt wohl schwerlich; und gewiss,
Der Lorbeerkranz ist, wo er dir erscheint,
Ein Zeichen mehr des Leidens als des Glcks.

Antonio.
Will etwa mich dein liebenswrd'ger Mund
Die Eitelkeit der Welt verachten lehren?

Leonore.
Ein jedes Gut nach seinem Wert zu schtzen,
Brauch' ich dich nicht zu lehren. Aber doch,
Es scheint, von Zeit zu Zeit bedarf der Weise
So sehr wie andre, dass man ihm die Gter,
Die er besitzt, im rechten Lichte zeige.
Du, edler Mann, du wirst an ein Phantom
Von Gunst und Ehre keinen Anspruch machen.
Der Dienst, mit dem du deinem Frsten dich,
Mit dem du deine Freunde dir verbindest,
Ist wirkend, ist lebendig, und so muss
Der Lohn auch wirklich und lebendig sein.
Dein Lorbeer ist das frstliche Vertraun,
Das auf den Schultern dir, als liebe Last,
Gehuft und leicht getragen ruht; es ist
Dein Ruhm das allgemeine Zutraun.

Antonio.
Und von der Gunst der Frauen sagst du nichts:
Die willst du mir doch nicht entbehrlich schildern?

Leonore.
Wie man es nimmt. Denn du entbehrst sie nicht,
Und leichter wre sie dir zu entbehren,
Als sie es jenem guten Mann nicht ist.
Denn sag': Gelng' es einer Frau, wenn sie
Nach ihrer Art fr dich zu sorgen dchte,
Mit dir sich zu beschft'gen unternhme?
Bei dir ist alles Ordnung, Sicherheit;
Du sorgst fr dich, wie du fr andre sorgst,
Du hast, was man dir geben mchte. Jener
Beschftigt uns in unserm eignen Fache:
Ihm fehlt's an tausend Kleinigkeiten, die
Zu schaffen eine Frau sich gern bemht.
Das schnste Leinenzeug, ein seiden Kleid
Mit etwas Stickerei, das trgt er gern.
Er sieht sich gern geputzt, vielmehr, er kann
Unedlen Stoff, der nur den Knecht bezeichnet,
An seinem Leib nicht dulden, alles soll
Ihm fein und gut und schn und edel stehn.
Und dennoch hat er kein Geschick, das alles
Sich anzuschaffen, wenn er es besitzt,
Sich zu erhalten: Immer fehlt es ihm
An Geld, an Sorgsamkeit. Bald lsst er da
Ein Stck, bald eines dort. Er kehret nie
Von einer Reise wieder, dass ihm nicht
Ein Drittteil seiner Sachen fehle. Bald
Bestiehlt ihn der Bediente. So, Antonio,
Hat man fr ihn das ganze Jahr zu sorgen.

Antonio.
Und diese Sorge macht ihn lieb und lieber.
Glcksel'ger Jngling, dem man seine Mngel
Zur Tugend rechnet, dem so schn vergnnt ist,
Den Knaben noch als Mann zu spielen, der
Sich seiner holden Schwche rhmen darf!
Du msstest mir verzeihen, schne Freundin,
Wenn ich auch hier ein wenig bitter wrde.
Du sagst nicht alles, sagst nicht was er wagt,
Und dass er klger ist, als wie man denkt.
Er rhmt sich zweier Flammen! Knpft und lst
Die Knoten hin und wieder und gewinnt
Mit solchen Knsten solche Herzen! Ist's
Zu glauben?

Leonore.
            Gut! Selbst das beweist ja schon,
Dass es nur Freundschaft ist, was uns belebt;
Und wenn wir denn auch Lieb' um Liebe tauschten,
Belohnten wir das schne Herz nicht billig,
Das ganz sich selbst vergisst und hingegeben
Im holden Traum fr seine Freunde lebt?

Antonio.
Verwhnt ihn nur und immer mehr und mehr,
Lasst seine Selbstigkeit fr Liebe gelten,
Beleidigt alle Freunde, die sich euch
Mit treuer Seele widmen, gebt dem Stolzen
Freiwilligen Tribut, zerstret ganz
Den schnen Kreis geselligen Vertrauns!

Leonore.
Wir sind nicht so parteiisch wie du glaubst,
Ermahnen unsern Freund in manchen Fllen;
Wir wnschen ihn zu bilden, dass er mehr
Sich selbst geniee, mehr sich zu genieen
Den andern geben knne. Was an ihm
Zu tadeln ist, das bleibt uns nicht verborgen.

Antonio.
Doch lobt ihr vieles, was zu tadeln wre.
Ich kenn' ihn lang, er ist so leicht zu kennen,
Und ist zu stolz sich zu verbergen. Bald
Versinkt er in sich selbst, als wre ganz
Die Welt in seinem Busen, er sich ganz
In seiner Welt genug, und alles rings
Umher verschwindet ihm. Er lsst es gehn,
Lsst's fallen, stt's hinweg und ruht in sich--
Auf einmal, wie ein unbemerkter Funke
Die Mine zndet, sei es Freude, Leid,
Zorn oder Grille, heftig bricht er aus:
Dann will er alles fassen, alles halten;
Dann soll geschehn, was er sich denken mag;
In einem Augenblicke soll entstehn,
Was jahrelang bereitet werden sollte,
In einem Augenblick gehoben sein,
Was Mhe kaum in Jahren lsen knnte.
Er fordert das Unmgliche von sich,
Damit er es von andern fordern drfe.
Die letzten Enden aller Dinge will
Sein Geist zusammenfassen; das gelingt
Kaum einem unter Millionen Menschen,
Und er ist nicht der Mann: Er fllt zuletzt,
Um nichts gebessert, in sich selbst zurck.

Leonore.
Er schadet andern nicht, er schadet sich.

Antonio.
Und doch verletzt er andre nur zu sehr.
Kannst du es leugnen, dass im Augenblick
Der Leidenschaft, die ihn behend ergreift,
Er auf den Frsten, auf die Frstin selbst,
Auf wen es sei, zu schmhn, zu lstern wagt?
Zwar augenblicklich nur; allein genug,
Der Augenblick kommt wieder: Er beherrscht
So wenig seinen Mund als seine Brust.

Leonore.
Ich sollte denken, wenn er sich von hier
Auf eine kurze Zeit entfernte, sollt'
Es wohl fr ihn und andre ntzlich sein.

Antonio.
Vielleicht, vielleicht auch nicht. Doch eben jetzt
Ist nicht daran zu denken; denn ich will
Den Fehler nicht auf meine Schultern laden;
Es knnte scheinen, dass ich ihn vertreibe,
Und ich vertreib' ihn nicht. Um meinetwillen
Kann er an unserm Hofe ruhig bleiben;
Und wenn er sich mit mir vershnen will,
Und wenn er meinen Rat befolgen kann,
So werden wir ganz leidlich leben knnen.

Leonore.
Nun hoffst du selbst, auf ein Gemt zu wirken,
Das dir vor kurzem noch verloren schien.

Antonio.
Wir hoffen immer, und in allen Dingen
Ist besser hoffen als verzweifeln. Denn
Wer kann das mgliche berechnen? Er
Ist unserm Frsten wert. Er muss uns bleiben.
Und bilden wir dann auch umsonst an ihm,
So ist er nicht der einz'ge, den wir dulden.

Leonore.
So ohne Leidenschaft, so unparteiisch
Glaubt' ich dich nicht. Du hast dich schnell bekehrt.

Antonio.
Das Alter muss doch Einen Vorzug haben,
Dass, wenn es auch dem Irrtum nicht entgeht,
Es doch sich auf der Stelle fassen kann.
Du warst, mich deinem Freunde zu vershnen,
Zuerst bemht. Nun bitt' ich es von dir.
Tu' was du kannst, dass dieser Mann sich finde,
Und alles wieder bald im Gleichen sei.
Ich gehe selbst zu ihm, so bald ich nur
Von dir erfahre, dass er ruhig ist,
Sobald du glaubst, dass meine Gegenwart
Das bel nicht vermehrt. Doch, was du tust,
Das tu' in dieser Stunde; denn es geht
Alphons heut' Abend noch zurck, und ich
Werd' ihn begleiten. Leb' indessen wohl.



Fnfter Auftritt
Leonore (allein).

Fr diesmal, lieber Freund, sind wir nicht eins:
Mein Vorteil und der deine gehen heut
Nicht Hand in Hand. Ich ntze diese Zeit
Und suche Tasso zu gewinnen. Schnell!




Vierter Aufzug
(Zimmer.)



Erster Auftritt

Tasso (allein).
Bist du aus einem Traum erwacht, und hat
Der schne Trug auf einmal dich verlassen?
Hat dich nach einem Tag der hchsten Lust
Ein Schlaf gebndigt, hlt und ngstet nun
Mit schweren Fesseln deine Seele? Ja,
Du wachst und trumst. Wo sind die Stunden hin,
Die um dein Haupt mit Blumenkrnzen spielten?
Die Tage, wo dein Geist mit freier Sehnsucht
Des Himmels ausgespanntes Blau durchdrang?
Und dennoch lebst du noch, und fhlst dich an,
Du fhlst dich an, und weit nicht, ob du lebst.
Ist's meine Schuld, ist's eines andern Schuld,
Dass ich mich nun als schuldig hier befinde?
Hab' ich verbrochen, dass ich leiden soll?
Ist nicht mein ganzer Fehler ein Verdienst?
Ich sah ihn an, und ward vom guten Willen,
Vom Hoffnungswahn des Herzens bereilt:
Der sei ein Mensch, der menschlich Ansehn trgt.
Ich ging mit offnen Armen auf ihn los
Und fhlte Schloss und Riegel, keine Brust.
O hatt' ich doch so klug mir ausgedacht,
Wie ich den Mann empfangen wollte, der
Von alten Zeiten mir verdchtig war!
Allein was immer dir begegnet sei,
So halte dich an der Gewissheit fest:
Ich habe sie gesehn! Sie stand vor mir!
Sie sprach zu mir, ich habe sie vernommen!
Der Blick, der Ton, der Worte holder Sinn,
Sie sind auf ewig mein, es raubt sie nicht
Die Zeit, das Schicksal, noch das wilde Glck!
Und hob mein Geist sich da zu schnell empor
Und lie ich allzu rasch in meinem Busen
Der Flamme Luft, die mich nun selbst verzehrt,
So kann mich's nicht gereun, und wre selbst
Auf ewig das Geschick des Lebens hin.
Ich widmete mich ihr und folgte froh
Dem Winke, der mich ins Verderben rief.
Es sei! So hab' ich mich doch wert gezeigt
Des kstlichen Vertrauns, das mich erquickt,
In dieser Stunde selbst erquickt, die mir
Die schwarze Pforte langer Trauerzeit
Gewaltsam ffnet.--Ja, nun ist's getan!
Es geht die Sonne mir der schnsten Gunst
Auf einmal unter; seinen holden Blick
Entziehet mir der Frst, und lsst mich hier
Auf dstrem, schmalen Pfad verloren stehn.
Das hssliche zweideutige Geflgel,
Das leidige Gefolg' der alten Nacht,
Es schwrmt hervor und schwirrt mir um das Haupt.
Wohin, wohin beweg' ich meinen Schritt,
Dem Ekel zu entfliehn, der mich umsaust,
Dem Abgrund zu entgehn, der vor mir liegt?



Zweiter Auftritt
Leonore. Tasso.

Leonore.
Was ist begegnet? Lieber Tasso, hat
Dein Eifer dich, dein Argwohn so getrieben?
Wie ist's geschehn? Wir alle stehn bestrzt.
Und deine Sanftmut, dein gefllig Wesen,
Dein schneller Blick, dein richtiger Verstand,
Mit dem du jedem gibst was ihm gehrt,
Dein Gleichmut, der ertrgt, was zu ertragen
Der Edle bald, der Eitle selten lernt,
Die kluge Herrschaft ber Zung' und Lippe--
Mein teurer Freund, fast ganz verkenn' ich dich.

Tasso.
Und wenn das alles nun verloren wre?
Wenn einen Freund, den du einst reich geglaubt,
Auf einmal du als einen Bettler fndest?
Wohl hast du Recht, ich bin nicht mehr ich selbst,
Und bin's doch noch so gut, als wie ich's war.
Es scheint ein Rtsel, und doch ist es keins.
Der stille Mond, der dich bei Nacht erfreut,
Dein Auge, dein Gemt mit seinem Schein
Unwiderstehlich lockt, er schwebt am Tage
Ein unbedeutend blasses Wlkchen hin.
Ich bin vom Glanz des Tages berschienen,
Ihr kennet mich, ich kenne mich nicht mehr.

Leonore.
Was du mir sagst, mein Freund, versteh' ich nicht,
Wie du es sagst. Erklre dich mit mir.
Hat die Beleidigung des schroffen Manns
Dich so gekrnkt, dass du dich selbst und uns
So ganz verkennen magst? Vertraue mir.

Tasso.
Ich bin nicht der Beleidigte, du siehst
Mich ja bestraft, weil ich beleidigt habe.
Die Knoten vieler Worte lst das Schwert
Gar leicht und schnell, allein ich bin gefangen.
Du weit wohl kaum--erschrick nicht, zarte Freundin--
Du triffst den Freund in einem Kerker an.
Mich zchtiget der Frst wie einen Schler.
Ich will mit ihm nicht rechten, kann es nicht.

Leonore.
Du scheinest mehr, als billig ist, bewegt.

Tasso.
Hltst du mich fr so schwach, fr so ein Kind,
Dass solch ein Fall mich gleich zerrtten knne?
Das was geschehn ist, krnkt mich nicht so tief,
Allein das krnkt mich, was es mir bedeutet.
Lass meine Neider meine Feinde nur
Gewhren! Frei und offen ist das Feld.

Leonore.
Du hast gar manchen flschlich in Verdacht,--
Ich habe selbst mich berzeugen knnen--
Und auch Antonio feindet dich nicht an,
Wie du es whnst. Der heutige Verdruss--

Tasso.
Den lass' ich ganz bei Seite, nehme nur
Antonio, wie er war, und wie er bleibt.
Verdrielich fiel mir stets die steife Klugheit,
Und dass er immer nur den Meister spielt.
Anstatt zu forschen, ob des Hrers Geist
Nicht schon fr sich auf guten Spuren wandle,
Belehrt er dich von manchem, das du besser
Und tiefer fhltest, und vernimmt kein Wort,
Das du ihm sagst, und wird dich stets verkennen.
Verkannt zu sein, verkannt von einem Stolzen,
Der lchelnd dich zu bersehen glaubt!
Ich bin so alt noch nicht und nicht so klug,
Dass ich nur duldend gegenlcheln sollte.
Frh oder spt, es konnte sich nicht halten,
Wir mussten brechen; spter wr' es nur
Um desto schlimmer worden. Einen Herrn
Erkenn' ich nur, den Herrn der mich ernhrt,
Dem folg' ich gern, sonst will ich keinen Meister.
Frei will ich sein im Denken und im Dichten:
Im Handeln schrnkt die Welt genug uns ein.

Leonore.
Er spricht mit Achtung oft genug von dir.

Tasso.
Mit Schonung willst du sagen, fein und klug.
Und das verdriet mich eben; denn er wei
So glatt und so bedingt zu sprechen, dass
Sein Lob erst recht zum Tadel wird, und dass
Nichts mehr, nichts tiefer dich verletzt als Lob
Aus seinem Munde.

Leonore.
            Mchtest du, mein Freund,
Vernommen haben, wie er sonst von dir
Und dem Talente sprach, das dir vor vielen
Die gtige Natur verlieh. Er fhlt gewiss
Das, was du bist und hast, und schtzt es auch.

Tasso.
O glaube mir, ein selbstisches Gemt
Kann nicht der Qual des engen Neids entfliehen.
Ein solcher Mann verzeiht dem andern wohl
Vermgen, Stand und Ehre; denn er denkt:
Das hast du selbst, das hast du, wenn du willst,
Wenn du beharrst, wenn dich das Glck begnstigt.
Doch das, was die Natur allein verleiht,
Was jeglicher Bemhung, jedem Streben
Stets unerreichbar bleibt, was weder Gold,
Noch Schwert, noch Klugheit, noch Beharrlichkeit
Erzwingen kann, das wird er nie verzeihn.
Er gnnt es mir? Er, der mit steifem Sinn
Die Gunst der Musen zu ertrotzen glaubt?
Der, wenn er die Gedanken mancher Dichter
Zusammenreiht, sich selbst ein Dichter scheint?
Weit eher gnnt er mir des Frsten Gunst,
Die er doch gern auf sich beschrnken mchte,
Als das Talent, das jene Himmlischen
Dem armen, dem verwaisten Jngling gaben.

Leonore.
O shest du so klar, wie ich es sehe!
Du irrst dich ber ihn: So ist er nicht.

Tasso.
Und irr' ich mich an ihm, so irr' ich gern!
Ich denk' ihn mir als meinen rgsten Feind
Und wr' untrstlich, wenn ich mir ihn nun
Gelinder denken msste. Tricht ist's,
In allen Stcken billig sein; es heit
Sein eigen Selbst zerstren. Sind die Menschen
Denn gegen uns so billig? Nein, o nein!
Der Mensch bedarf in seinem engen Wesen
Der doppelten Empfindung, Lieb' und Hass.
Bedarf er nicht der Nacht als wie des Tags?
Des Schlafens wie des Wachens? Nein, ich muss
Von nun an diesen Mann als Gegenstand
Von meinem tiefsten Hass behalten; nichts
Kann mir die Lust entreien, schlimm und schlimmer
Von ihm zu denken.

Leonore.
            Willst du, teurer Freund,
Von deinem Sinn nicht lassen, seh' ich kaum,
Wie du am Hofe lnger bleiben willst.
Du weit, wie viel er gilt und gelten muss.

Tasso.
Wie sehr ich lngst, o schne Freundinn, hier
Schon berflssig bin, das wei ich wohl.

Leonore.
Das bist du nicht, das kannst du nimmer werden!
Du weit vielmehr, wie gern der Frst mit dir,
Wie gern die Frstin mit dir lebt; und kommt
Die Schwester von Urbino, kommt sie fast
So sehr um deint- als der Geschwister willen.
Sie denken alle gut und gleich von dir,
Und jegliches vertraut dir unbedingt.

Tasso.
O Leonore, welch Vertraun ist das?
Hat er von seinem Staate je ein Wort,
Ein ernstes Wort mit mir gesprochen? Kam
Ein eigner Fall, worber er sogar
In meiner Gegenwart mit seiner Schwester,
Mit andern sich beriet, mich fragt' er nie.
Da hie es immer nur: Antonio kommt!
Man muss Antonio schreiben! Fragt Antonio!

Leonore.
Du klagst, anstatt zu danken. Wenn er dich
In unbedingter Freiheit lassen mag,
So ehrt er dich, wie er dich ehren kann.

Tasso.
Er lsst mich ruhn, weil er mich unntz glaubt.

Leonore.
Du bist nicht unntz, eben weil du ruhst.
So lange hegst du schon Verdruss und Sorge,
Wie ein geliebtes Kind an deiner Brust.
Ich hab' es oft bedacht, und mag's bedenken
Wie ich es will: Auf diesem schnen Boden,
Wohin das Glck dich zu verpflanzen schien,
Gedeihst du nicht. O Tasso!--Rat' ich dir's?
Sprech' ich es aus?--Du solltest dich entfernen!

Tasso.
Verschone nicht den Kranken, lieber Arzt!
Reich' ihm das Mittel, denke nicht daran,
Ob's bitter sei.--Ob er genesen knne,
Das berlege wohl, o kluge, gute Freundin!
Ich seh' es alles selbst, es ist vorbei!
Ich kann ihm wohl verzeihen, er nicht mir;
Und sein bedarf man, leider meiner nicht.
Und er ist klug, und leider bin ich's nicht.
Er wirkt zu meinem Schaden, und ich kann,
Ich mag nicht gegen wirken. Meine Freunde,
Sie lassen's gehn, sie sehen's anders an.
Sie widerstreben kaum und sollten kmpfen.
Du glaubst, ich soll hinweg; ich glaub' es selbst--
So lebt denn wohl! Ich werd' auch das ertragen.
Ihr seid von mir geschieden--werd' auch mir,
Von euch zu scheiden, Kraft und Mut verliehn!

Leonore.
Auch in der Ferne zeigt sich alles reiner,
Was in der Gegenwart uns nur verwirrt.
Vielleicht wirst du erkennen, welche Liebe
Dich berall umgab, und welchen Wert
Die Treue wahrer Freunde hat, und wie
Die weite Welt die Nchsten nicht ersetzt.

Tasso.
Das werden wir erfahren! Kenn' ich doch
Die Welt von Jugend auf, wie sie so leicht
Uns hilflos, einsam lsst, und ihren Weg
Wie Sonn' und Mond und andre Gtter geht.

Leonore.
Vernimmst du mich, mein Freund, so sollst du nie
Die traurige Erfahrung wiederholen.
Soll ich dir raten, so begibst du dich
Erst nach Florenz, und eine Freundin wird
Gar freundlich fr dich sorgen. Sei getrost,
Ich bin es selbst. Ich reise, den Gemahl
Die nchsten Tage dort zu finden, kann
Nichts freudiger fr ihn und mich bereiten,
Als wenn ich dich in unsre Mitte bringe.
Ich sage dir kein Wort, du weit es selbst,
Welch einem Frsten du dich nahen wirst,
Und welche Mnner diese schne Stadt
In ihrem Busen hegt, und welche Frauen.--
Du schweigst? Bedenk' es wohl! Entschliee dich.

Tasso.
Gar reizend ist, was du mir sagst, so ganz
Dem Wunsch gem, den ich im stillen nhre;
Allein es ist zu neu: Ich bitte dich,
Lass mich bedenken! Ich beschliee bald.

Leonore.
Ich gehe mit der schnsten Hoffnung weg
Fr dich und uns und auch fr dieses Haus.
Bedenke nur, und wenn du recht bedenkst,
So wirst du schwerlich etwas Bessers denken.

Tasso.
Noch eins, geliebte Freundin! Sage mir,
Wie ist die Frstin gegen mich gesinnt?
War sie erzrnt auf mich? Was sagte sie?--
Sie hat mich sehr getadelt? Rede frei.

Leonore.
Da sie dich kennt, hat sie dich leicht entschuldigt.

Tasso.
Hab' ich bei ihr verloren? Schmeichle nicht.

Leonore.
Der Frauen Gunst wird nicht so leicht verscherzt.

Tasso.
Wird sie mich gern entlassen, wenn ich gehe?

Leonore.
Wenn es zu deinem Wohl gereicht, gewiss.

Tasso.
Werd' ich des Frsten Gnade nicht verlieren?

Leonore.
In seiner Gromut kannst du sicher ruhn.

Tasso.
Und lassen wir die Frstin ganz allein?
Du gehst hinweg; und wenn ich wenig bin,
So wei ich doch, dass ich ihr etwas war.

Leonore.
Gar freundliche Gesellschaft leistet uns
Ein ferner Freund, wenn wir ihn glcklich wissen.
Und es gelingt: Ich sehe dich beglckt,
Du wirst von hier nicht unzufrieden gehn.
Der Frst befahl's: Antonio sucht dich auf.
Er tadelt selbst an sich die Bitterkeit,
Womit er dich verletzt. Ich bitte dich,
Nimm ihn gelassen auf, so wie er kommt.

Tasso.
Ich darf in jedem Sinne vor ihm stehn.

Leonore.
Und schenke mir der Himmel, lieber Freund,
Noch eh' du scheidest, dir das Aug' zu ffnen:
Dass niemand dich im ganzen Vaterlande
Verfolgt und hasst, und heimlich druckt und neckt!
Du irrst gewiss, und wie du sonst zur Freude
Von andern dichtest, leider dichtest du
In diesem Fall ein seltenes Gewebe,
Dich selbst zu krnken. Alles will ich tun,
Um es entzwei zu reien, dass du frei
Den schnen Weg des Lebens wandeln mgest.
Leb' wohl! Ich hoffe bald ein glcklich Wort.



Dritter Auftritt
Tasso (allein).

  Ich soll erkennen, dass mich niemand hasst,
Dass niemand mich verfolgt, dass alle List
Und alles heimliche Gewebe sich
Allein in meinem Kopfe spinnt und webt!
Bekennen soll ich, dass ich Unrecht habe,
Und manchem unrecht tue, der es nicht
Um mich verdient! Und das in einer Stunde,
Da vor dem Angesicht der Sonne klar
Mein volles Recht, wie ihre Tcke, liegt!
Ich soll es tief empfinden, wie der Frst
Mit offner Brust mir seine Gunst gewhrt,
Mit reichem Ma die Gaben mir erteilt,
Im Augenblicke, da er, schwach genug,
Von meinen Feinden sich das Auge trben
Und seine Hand gewiss auch fesseln lsst!

  Dass er betrogen ist, kann er nicht sehen;
Dass sie Betrger sind, kann ich nicht zeigen;
Und nur damit er ruhig sich betrge,
Dass sie gemchlich ihn betrgen knnen,
Soll ich mich stille halten, weichen gar!

  Und wer gibt mir den Rat? Wer dringt so klug
Mit treuer, lieber Meinung auf mich ein?
Lenore selbst, Lenore Sanvitale,
Die zarte Freundin! Ha, dich kenn' ich nun!
O warum traut' ich ihrer Lippe je!
Sie war nicht redlich, wenn sie noch so sehr
Mir ihre Gunst, mir ihre Zrtlichkeit
Mit sen Worten zeigte! Nein, sie war
Und bleibt ein listig Herz, sie wendet sich
Mit leisen klugen Tritten nach der Gunst.

  Wie oft hab' ich mich willig selbst betrogen,
Auch ber sie! Und doch im Grunde hat
Mich nur--die Eitelkeit betrogen. Wohl!
Ich kannte sie, und schmeichelte mir selbst.
So ist sie gegen andre, sagt' ich mir,
Doch gegen dich ist's offne treue Meinung.
Nun seh' ich's wohl, und seh' es nur zu spt:
Ich war begnstigt, und sie schmiegte sich
So zart--an den Beglckten. Nun ich falle,
Sie wendet mir den Rcken wie das Glck.

  Nun kommt sie als ein Werkzeug meines Feindes,
Sie schleicht heran und zischt mit glatter Zunge,
Die kleine Schlange, zauberische Tne.
Wie lieblich schien sie! Lieblicher als je!
Wie wohl tat von der Lippe jedes Wort!
Doch konnte mir die Schmeichelei nicht lang
Den falschen Sinn verbergen: An der Stirne
Schien ihr das Gegenteil zu klar geschrieben
Von allem, was sie sprach. Ich fhl' es leicht,
Wenn man den Weg zu meinem Herzen sucht
Und es nicht herzlich meint. Ich soll hinweg?
Soll nach Florenz, sobald ich immer kann?

  Und warum nach Florenz? Ich seh' es wohl.
Dort herrscht der Mediceer neues Haus,
Zwar nicht in offner Feindschaft mit Ferrara,
Doch hlt der stille Neid mit kalter Hand
Die edelsten Gemter aus einander.
Empfang' ich dort von jenen edlen Frsten
Erhabne Zeichen ihrer Gunst, wie ich
Gewiss erwarten drfte, wrde bald
Der Hfling meine Treu' und Dankbarkeit
Verdchtig machen. Leicht gelng' es ihm.

  Ja, ich will weg, allein nicht, wie ihr wollt;
Ich will hinweg, und weiter als ihr denkt.

  Was soll ich hier? Wer hlt mich hier zurck?
O, ich verstund ein jedes Wort zu gut,
Das ich Lenoren von den Lippen lockte!
Von Silb' zu Silbe nur erhascht' ich's kaum,
Und wei nun ganz wie die Prinzessin denkt--
Ja, ja, auch das ist wahr, verzweifle nicht!
"Sie wird mich gern entlassen, wenn ich gehe,
Da es zu meinem Wohl gereicht." O! Fhlte
Sie eine Leidenschaft im Herzen, die mein Wohl
Und mich zugrunde richtete! Willkommner
Ergriffe mich der Tod, als diese Hand,
Die kalt und starr mich von sich lsst.--Ich gehe!--
Nun hte dich und lass dich keinen Schein
Von Freundschaft oder Gte tuschen! Niemand
Betrgt dich nun, wenn du dich nicht betrgst.



Vierter Auftritt
Antonio. Tasso.

Antonio.
Hier bin ich, Tasso, dir ein Wort zu sagen,
Wenn du mich ruhig hren magst und kannst.

Tasso.
Das Handeln, weit du, bleibt mir untersagt;
Es ziemt mir wohl, zu warten und zu hren.

Antonio.
Ich treffe dich gelassen, wie ich wnschte,
Und spreche gern zu dir aus freier Brust.
Zuvrderst ls' ich in des Frsten Namen
Das schwache Band, das dich zu fesseln schien.

Tasso.
Die Willkr macht mich frei, wie sie mich band;
Ich nehm' es an und fordre kein Gericht.

Antonio.
Dann sag' ich dir von mir: Ich habe dich
Mit Worten, scheint es, tief und mehr gekrnkt,
Als ich, von mancher Leidenschaft bewegt,
Es selbst empfand. Allein kein schimpflich Wort
Ist meinen Lippen unbedacht entflohen:
Zu rchen hast du nichts als Edelmann,
Und wirst als Mensch Vergebung nicht versagen.

Tasso.
Was hrter treffe, Krnkung oder Schimpf,
Will ich nicht untersuchen: Jene dringt
Ins tiefe Mark, und dieser reizt die Haut.
Der Pfeil des Schimpfs kehrt auf den Mann zurck,
Der zu verwunden glaubt; die Meinung andrer
Befriedigt leicht das wohl gefhrte Schwert--
Doch ein gekrnktes Herz erholt sich schwer.

Antonio.
Jetzt ist's an mir, dass ich dir dringend sage:
Tritt nicht zurck, erflle meinen Wunsch,
Den Wunsch des Frsten, der mich zu dir sendet.

Tasso.
Ich kenne meine Pflicht und gebe nach.
Es sei verziehn, sofern es mglich ist!
Die Dichter sagen uns von einem Speer,
Der eine Wunde, die er selbst geschlagen,
Durch freundliche Berhrung heilen konnte.
Es hat des Menschen Zunge diese Kraft;
Ich will ihr nicht gehssig widerstehn.

Antonio.
Ich danke dir und wnsche, dass du mich
Und meinen Willen, dir zu dienen, gleich
Vertraulich prfen mgest. Sage mir,
Kann ich dir ntzlich sein? Ich zeig' es gern.

Tasso.
Du bietest an was ich nur wnschen konnte.
Du brachtest mir die Freiheit wieder; nun
Verschaffe mir, ich bitte, den Gebrauch.

Antonio.
Was kannst du meinen? Sag' es deutlich an.

Tasso.
Du weit, geendet hab' ich mein Gedicht;
Es fehlt noch viel, dass es vollendet wre.
Heut berreicht' ich es dem Frsten, hoffte
Zugleich ihm eine Bitte vorzutragen.
Gar viele meiner Freunde find' ich jetzt
In Rom versammelt; einzeln haben sie
Mir ber manche Stellen ihre Meinung
In Briefen schon erffnet; vieles hab' ich
Benutzen knnen, manches scheint mir noch
Zu berlegen, und verschiedne Stellen
Mcht' ich nicht gern verndern, wenn man mich
Nicht mehr, als es geschehn ist, berzeugt.
Das alles wird durch Briefe nicht getan:
Die Gegenwart lst diese Knoten bald.
So dacht' ich heut den Frsten selbst zu bitten:
Ich fand nicht Raum; nun darf ich es nicht wagen
Und hoffe diesen Urlaub nun durch dich.

Antonio.
Mir scheint nicht rtlich, dass du dich entfernst
In dem Moment, da dein vollendet Werk
Dem Frsten und der Frstin dich empfiehlt.
Ein Tag der Gunst ist wie ein Tag der Ernte:
Man muss geschftig sein, sobald sie reift.
Entfernst du dich, so wirst du nichts gewinnen,
Vielleicht verlieren, was du schon gewannst.
Die Gegenwart ist eine mcht'ge Gttin:
Lern' ihren Einfluss kennen, bleibe hier!

Tasso.
Zu frchten hab' ich nichts: Alphons ist edel,
Stets hat er gegen mich sich gro gezeigt;
Und was ich hoffe, will ich seinem Herzen
Allein verdanken, keine Gnade mir
Erschleichen; nichts will ich von ihm empfangen,
Was ihn gereuen knnte, dass er's gab.

Antonio.
So fordre nicht von ihm, dass er dich jetzt
Entlassen soll; er wird es ungern tun,
Und ich befrchte fast: Er tut es nicht.

Tasso.
Er wird es gern, wenn recht gebeten wird,
Und du vermagst es wohl, sobald du willst.

Antonio.
Doch welche Grnde, sag' mir, leg' ich vor?

Tasso.
Lass mein Gedicht aus jeder Stanze sprechen!
Was ich gewollt ist, lblich, wenn das Ziel
Auch meinen Krften unerreichbar blieb.
An Flei und Mhe hat es nicht gefehlt.
Der heitre Wandel mancher schnen Tage,
Der stille Raum so mancher tiefen Nchte,
War einzig diesem frommen Lied geweiht.
Bescheiden hofft' ich, jenen groen Meistern
Der Vorwelt mich zu nahen, khn gesinnt,
Zu edlen Taten unsern Zeitgenossen
Aus einem langen Schlaf zu rufen, dann
Vielleicht mit einem edlen Christenheere
Gefahr und Ruhm des heil'gen Kriegs zu teilen.
Und soll mein Lied die besten Mnner wecken,
So muss es auch der besten wrdig sein.
Alphons bin ich schuldig, was ich tat;
Nun mcht' ich ihm auch die Vollendung danken.

Antonio.
Und eben dieser Frst ist hier, mit andern,
Die dich so gut als Rmer leiten knnen.
Vollende hier dein Werk, hier ist der Platz,
Und um zu wirken, eile dann nach Rom.

Tasso.
Alphons hat mich zuerst begeistert, wird
Gewiss der letzte sein, der mich belehrt,
Und deinen Rat, den Rat der klugen Mnner,
Die unser Hof versammelt, schtz' ich hoch.
Ihr sollt entscheiden, wenn mich ja zu Rom
Die Freunde nicht vollkommen berzeugen.
Doch diese muss ich sehn. Gonzaga hat
Mir ein Gericht versammelt, dem ich erst
Mich stellen muss. Ich kann es kaum erwarten.
Flaminio de' Nobili, Angelio
Da Barga, Antoniano und Speron Speroni!
Du wirst sie kennen.--Welche Namen sind's!
Vertraun und Sorge flen sie zugleich
In meinen Geist, der gern sich unterwirft.

Antonio.
Du denkst nur dich und denkst den Frsten nicht.
Ich sage dir, er wird dich nicht entlassen,
Und wenn er's tut, entlsst er dich nicht gern.
Du willst ja nicht verlangen, was er dir
Nicht gern gewhren mag. Und soll ich hier
Vermitteln, was ich selbst nicht loben kann?

Tasso.
Versagst du mir den ersten Dienst, wenn ich
Die angebotne Freundschaft prfen will?

Antonio.
Die wahre Freundschaft zeigt sich im Versagen
Zur rechten Zeit, und es gewhrt die Liebe
Gar oft ein schdlich Gut, wenn sie den Willen
Des Fordernden mehr als sein Glck bedenkt.
Du scheinest mir in diesem Augenblick
Fr gut zu halten, was du eifrig wnschest,
Und willst im Augenblick, was du begehrst.
Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende,
Was ihm an Wahrheit und an Krften fehlt.
Es fordert meine Pflicht, so viel ich kann
Die Hast zu m'gen, die dich bel treibt.

Tasso.
Schon lange kenn' ich diese Tyrannei
Der Freundschaft, die von allen Tyranneien
Die unertrglichste mir scheint. Du denkst
Nur anders, und du glaubst deswegen
Schon recht zu denken. Gern erkenn' ich an:
Du willst mein Wohl; allein verlange nicht,
Dass ich auf deinem Weg es finden soll.

Antonio.
Und soll ich dir sogleich mit kaltem Blut,
Mit voller, klarer berzeugung schaden?

Tasso.
Von dieser Sorge will ich dich befrein!
Du hltst mich nicht mit diesen Worten ab.
Du hast mich frei erklrt, und diese Tre
Steht mir nun offen, die zum Frsten fhrt.
Ich lasse dir die Wahl: Du oder ich!
Der Frst geht fort. Hier ist kein Augenblick
Zu harren. Whle schnell! Wenn du nicht gehst,
So geh' ich selbst, und werd' es, wie es will.

Antonio.
Lass mich nur wenig Zeit von dir erlangen
Und warte nur des Frsten Rckkehr ab!
Nur heute nicht!

Tasso.
Nein, diese Stunde noch,
Wenn's mglich ist! Es brennen mir die Sohlen
Auf diesem Marmorboden; eher kann
Mein Geist nicht Ruhe finden, bis der Staub
Des freien Wegs mich Eilenden umgibt.
Ich bitte dich! Du siehst, wie ungeschickt
In diesem Augenblick ich sei, mit meinem Herrn
Zu reden; siehst--wie kann ich das verbergen--
Dass ich mir selbst in diesem Augenblick,
Mir keine Macht der Welt gebieten kann.
Nur Fesseln sind es, die mich halten knnen!
Alphons ist kein Tyrann, er sprach mich frei.
Wie gern gehorcht' ich seinen Worten sonst!
Heut kann ich nicht gehorchen. Heute nur
Lasst mich in Freiheit, dass mein Geist sich finde!
Ich kehre bald zu meiner Pflicht zurck.

Antonio.
Du machst mich zweifelhaft. Was soll ich tun?
Ich merke wohl: Es steckt der Irrtum an.

Tasso.
Soll ich dir glauben, denkst du gut fr mich,
So wirke was ich wnsche, was du kannst.
Der Frst entlsst mich dann, und ich verliere
Nicht seine Gnade, seine Hilfe nicht.
Das dank' ich dir, und will dir's gern verdanken;
Doch hegst du einen alten Groll im Busen,
Willst du von diesem Hofe mich verbannen,
Willst du auf ewig mein Geschick verkehren,
Mich hilflos in die weite Welt vertreiben,
So bleib auf deinem Sinn und widersteh!

Antonio.
Weil ich dir doch, o Tasso, schaden soll,
So whl' ich denn den Weg, den du erwhlst.
Der Ausgang mag entscheiden, wer sich irrt!
Du willst hinweg! Ich sag' es dir zuvor:
Du wendest diesem Hause kaum den Rcken,
So wird dein Herz zurck verlangen, wird
Dein Eigensinn dich vorwrts treiben; Schmerz,
Verwirrung, Trbsinn harrt in Rom auf dich,
Und du verfehlest hier und dort den Zweck.
Doch sag' ich dies nicht mehr, um dir zu raten;
Ich sage nur voraus, was bald geschieht,
Und lade dich auch schon im voraus ein,
Mir in dem schlimmsten Falle zu vertraun.
Ich spreche nun den Frsten, wie du's forderst.



Fnfter Auftritt
Tasso (allein).

  Ja, gehe nur, und gehe sicher weg,
Dass du mich berredest, was du willst.
Ich lerne mich verstellen; denn du bist
Ein groer Meister, und ich fasse leicht.
So zwingt das Leben uns zu scheinen, ja
Zu sein wie jene, die wir khn und stolz
Verachten konnten. Deutlich seh' ich nun
Die ganze Kunst des hfischen Gewebes!
Mich will Antonio von hinnen treiben
Und will nicht scheinen, dass er mich vertreibt.
Er spielt den Schonenden, den Klugen, dass
Man nur recht krank und ungeschickt mich finde,
Bestellet sich zum Vormund, dass er mich
Zum Kind erniedrige, den er zum Knecht
Nicht zwingen konnte. So umnebelt er
Die Stirn des Frsten und der Frstin Blick.

  Man soll mich halten, meint er: Habe doch
Ein schn Verdienst mir die Natur geschenkt;
Doch leider habe sie mit manchen Schwchen
Die hohe Gabe wieder schlimm begleitet,
Mit ungebundnem Stolz, mit bertriebner
Empfindlichkeit und eignem dstern Sinn.
Es sei nicht anders, einmal habe nun
Den einen Mann das Schicksal so gebildet;
Nun msse man ihn nehmen, wie er sei,
Ihn dulden, tragen und vielleicht an ihm,
Was Freude bringen kann, am guten Tage
Als unerwarteten Gewinst genieen,
Im brigen, wie er geboren sei,
So msse man ihn leben, sterben lassen.

  Erkenn' ich noch Alphonsens festen Sinn,
Der Feinden trotzt und Freunde treulich schtzt?
Erkenn' ich ihn, wie er nun mir begegnet?
Ja, wohl erkenn' ich ganz mein Unglck nun!
Das ist mein Schicksal, dass nur gegen mich
Sich jeglicher verndert, der fr andre fest
Und treu und sicher bleibt, sich leicht verndert
Durch einen Hauch, in einem Augenblick.

  Hat nicht die Ankunft dieses Manns allein
Mein ganz Geschick zerstrt, in einer Stunde?
Nicht dieser das Gebude meines Glcks
Von seinem tiefsten Grund aus umgestrzt?
O, muss ich das erfahren, muss ich's heut!
Ja, wie sich alles zu mir drngte, lsst
Mich alles nun; wie jeder mich an sich
Zu reien strebte, jeder mich zu fassen,
So stt mich alles weg und meidet mich.
Und das warum? Und wiegt denn er allein
Die Schale meines Werts und aller Liebe,
Die ich so reichlich sonst besessen, auf?

  Ja, alles flieht mich nun. Auch du! Auch du!
Geliebte Frstin, du entziehst dich mir!
In diesen trben Stunden hat sie mir
Kein einzig Zeichen ihrer Gunst gesandt.
Hab' ich's um sie verdient?--Du armes Herz,
Dem so natrlich war sie zu verehren!--
Vernahm ich ihre Stimme, wie durchdrang
Ein unaussprechliches Gefhl die Brust!
Erblickt' ich sie, da ward das helle Licht
Des Tags mir trb; unwiderstehlich zog
Ihr Auge mich, ihr Mund mich an, mein Knie
Erhielt sich kaum, und aller Kraft
Des Geists bedurft' ich, aufrecht mich zu halten,
Vor ihre Fe nicht zu fallen; kaum
Vermocht' ich diesen Taumel zu zerstreun.
Hier halte fest, mein Herz! Du klarer Sinn,
Lass hier dich nicht umnebeln! Ja, auch sie!
Darf ich es sagen? Und ich glaub' es kaum;
Ich glaub' es wohl, und mcht' es mir verschweigen.
Auch Sie! Auch Sie! Entschuldige sie ganz,
Allein verbirg' dir's nicht: Auch Sie! Auch Sie!

  O dieses Wort, an dem ich zweifeln sollte,
Solang ein Hauch von Glauben in mir lebt,
Ja, dieses Wort, es grbt sich, wie ein Schluss
Des Schicksals noch zuletzt am ehrnen Rande
Der voll geschriebnen Qualentafel ein.
Nun sind erst meine Feinde stark, nun bin ich
Auf ewig einer jeden Kraft beraubt.
Wie soll ich streiten, wenn Sie gegenber
Im Heere steht? Wie soll ich duldend harren,
Wenn Sie die Hand mir nicht von ferne reicht?
Wenn nicht ihr Blick dem Flehenden begegnet?
Du hast's gewagt zu denken, hast's gesprochen,
Und es ist wahr, eh' du es frchten konntest!
Und ehe nun die Verzweiflung deine Sinnen
Mit ehrnen Klauen aus einander reit,
Ja, klage nur das bittre Schicksal an
Und wiederhole nur: Auch Sie! Auch Sie!




Fnfter Aufzug
(Garten.)



Erster Auftritt
Alphons. Antonio.

Antonio.
Auf deinen Wink ging ich das zweite Mal
Zu Tasso hin, ich komme von ihm her.
Ich hab' ihm zugeredet, ja gedrungen;
Allein er geht von seinem Sinn nicht ab
Und bittet sehnlich, dass du ihn nach Rom
Auf eine kurze Zeit entlassen mgest.

Alphons.
Ich bin verdrielich, dass ich dir's gestehe,
Und lieber sag' ich dir, dass ich es bin,
Als dass ich den Verdruss verberg' und mehre.
Er will verreisen; gut, ich halt' ihn nicht.
Er will hinweg, er will nach Rom; es sei!
Nur dass mir Scipio Gonzaga nicht,
Der kluge Medicis, ihn nicht entwende!
Das hat Italien so gro gemacht,
Dass jeder Nachbar mit dem andern streitet,
Die Bessern zu besitzen, zu benutzen.
Ein Feldherr ohne Heer scheint mir ein Frst,
Der die Talente nicht um sich versammelt:
Und wer der Dichtkunst Stimme nicht vernimmt,
Ist ein Barbar, er sei auch, wer er sei.
Gefunden hab' ich diesen und gewhlt,
Ich bin auf ihn als meinen Diener stolz,
Und da ich schon fr ihn so viel getan,
So mcht' ich ihn nicht ohne Not verlieren.

Antonio.
Ich bin verlegen, denn ich trage doch
Vor dir die Schuld von dem, was heut geschah;
Auch will ich meinen Fehler gern gestehn,
Er bleibet deiner Gnade zu verzeihn;
Doch wenn du glauben knntest, dass ich nicht
Das mgliche getan, ihn zu vershnen,
So wrd' ich ganz untrstlich sein. O! Sprich
Mit holdem Blick mich an, damit ich wieder
Mich fassen kann, mir selbst vertrauen mag.

Alphons.
Antonio, nein, da sei nur immer ruhig,
Ich schreib' es dir auf keine Weise zu;
Ich kenne nur zu gut den Sinn des Mannes,
Und wei nur allzu wohl was ich getan,
Wie sehr ich ihn geschont, wie sehr ich ganz
Vergessen, dass ich eigentlich an ihn
Zu fordern htte. ber vieles kann
Der Mensch zum Herrn sich machen, seinen Sinn
Bezwinget kaum die Not und lange Zeit.

Antonio.
Wenn andre vieles um den einen tun,
So ist's auch billig, dass der eine wieder
Sich fleiig frage, was den andern ntzt.
Wer seinen Geist so viel gebildet hat,
Wer jede Wissenschaft zusammengeizt,
Und jede Kenntnis, die uns zu ergreifen
Erlaubt ist, sollte der, sich zu beherrschen,
Nicht doppelt schuldig sein? Und denkt er dran?

Alphons.
Wir sollen eben nicht in Ruhe bleiben!
Gleich wird uns, wenn wir zu genieen denken,
Zur bung unsrer Tapferkeit ein Feind,
Zur bung der Geduld ein Freund gegeben.

Antonio.
Die erste Pflicht des Menschen, Speis' und Trank
Zu whlen, da ihn die Natur so eng
Nicht wie das Tier beschrnkt, erfllt er die?
Und lsst er nicht vielmehr sich wie ein Kind
Von allem reizen, was dem Gaumen schmeichelt?
Wann mischt er Wasser unter seinen Wein?
Gewrze, se Sachen, stark Getrnke,
Eins um das andre schlingt er hastig ein,
Und dann beklagt er seinen trben Sinn,
Sein feurig Blut, sein allzu heftig Wesen,
Er schilt auf die Natur und das Geschick.
Wie bitter und wie thricht hab' ich ihn
Nicht oft mit seinem Arzte rechten sehn;
Zum Lachen fast, wr' irgend lcherlich,
Was einen Menschen qult und andre plagt.
"Ich fhle dieses bel," sagt er bnglich
Und voll Verdruss: "Was rhmt ihr eure Kunst?
Schafft mir Genesung!"--Gut! versetzt der Arzt,
So meidet das und das.--"Das kann ich nicht."--
So nehmet diesen Trank.--"O nein! Der schmeckt
Abscheulich, er emprt mir die Natur."--
So trinkt denn Wasser.--"Wasser? Nimmermehr!
Ich bin so wasserscheu als ein Gebissner."--
So ist euch nicht zu helfen.--"Und warum?"--
Das bel wird sich stets mit beln hufen
Und, wenn es euch nicht tten kann, nur mehr
Und mehr mit jedem Tag Euch qulen.--"Schn!
Wofr seid Ihr ein Arzt? Ihr kennt mein bel,
Ihr solltet auch die Mittel kennen, sie
Auch schmackhaft machen, dass ich nicht noch erst,
Der Leiden los zu sein, recht leiden msse."
Du lchelst selbst und doch ist es gewiss,
Du hast es wohl aus seinem Mund gehrt?

Alphons.
Ich hab' es oft gehrt und oft entschuldigt.

Antonio.
Es ist gewiss, ein ungemigt Leben,
Wie es uns schwere, wilde Trume gibt,
Macht uns zuletzt am hellen Tage trumen.
Was ist sein Argwohn anders als ein Traum?
Wohin er tritt, glaubt er von Feinden sich
Umgeben. Sein Talent kann niemand sehn,
Der ihn nicht neidet, niemand ihn beneiden,
Der ihn nicht hasst und bitter ihn verfolgt.
So hat er oft mit Klagen dich belstigt:
Erbrochne Schlsser, aufgefangne Briefe,
Und Gift und Dolch! Was alles vor ihm schwebt!
Du hast es untersuchen lassen, untersucht,
Und hast du was gefunden? Kaum den Schein.
Der Schutz von keinem Frsten macht ihn sicher,
Der Busen keines Freundes kann ihn laben.
Und willst du einem solchen Ruh und Glck,
Willst du von ihm wohl Freude dir versprechen?

Alphons.
Du httest Recht, Antonio, wenn in ihm
Ich meinen nchsten Vorteil suchen wollte!
Zwar ist es schon mein Vorteil, dass ich nicht
Den Nutzen grad und unbedingt erwarte.
Nicht alles dienet uns auf gleiche Weise;
Wer vieles brauchen will, gebrauche jedes
In seiner Art, so ist er wohl bedient.
Das haben uns die Medicis gelehrt,
Das haben uns die Ppste selbst gewiesen.
Mit welcher Nachsicht, welcher frstlichen
Geduld und Langmut trugen diese Mnner
Manch gro Talent, das ihrer reichen Gnade
Nicht zu bedrfen schien und doch bedurfte!

Antonio.
Wer wei es nicht, mein Frst? Des Lebens Mhe
Lehrt uns allein des Lebens Gter schtzen.
So jung hat er zu vieles schon erreicht,
Als dass gengsam er genieen knnte.
O, sollt' er erst erwerben, was ihm nun
Mit offnen Hnden angebothen wird:
Er strengte seine Krfte mnnlich an
Und fhlte sich von Schritt zu Schritt begngt.
Ein armer Edelmann hat schon das Ziel
Von seinem besten Wunsch erreicht, wenn ihn
Ein edler Frst zu seinem Hofgenossen
Erwhlen will, und ihn der Drftigkeit
Mit milder Hand entzieht. Schenkt er ihm noch
Vertraun und Gunst und will an seine Seite
Vor andern ihn erheben, sei's im Krieg,
Sei's in Geschften oder im Gesprch,
So, dcht' ich, knnte der bescheidne Mann
Sein Glck mit stiller Dankbarkeit verehren.
Und Tasso hat zu allem diesem noch
Das schnste Glck des Jnglings: Dass ihn schon
Sein Vaterland erkennt und auf ihn hofft.
O glaube mir, sein launisch Missbehagen
Ruht auf dem breiten Polster seines Glcks.
Er kommt, entlass ihn gndig, gib ihm Zeit,
In Rom und in Neapel, wo er will,
Das aufzusuchen, was er hier vermisst,
Und was er hier nur wieder finden kann.

Alphons.
Will er zurck erst nach Ferrara gehn?

Antonio.
Er wnscht in Belriguardo zu verweilen.
Das Ntigste, was er zur Reise braucht,
Will er durch einen Freund sich senden lassen.

Alphons.
Ich bin's zufrieden. Meine Schwester geht
Mit ihrer Freundin gleich zurck, und reitend
Werd' ich vor ihnen noch zu Hause sein.
Du folgst uns bald, wenn du fr ihn gesorgt.
Dem Kastellan befiehl das Ntige,
Dass er hier auf dem Schlosse bleiben kann,
Solang er will, so lang, bis seine Freunde
Ihm das Gepck gesendet, bis wir ihm
Die Briefe schicken, die ich ihm nach Rom
Zu geben Willens bin. Er kommt! Leb' wohl!



Zweiter Auftritt
Alphons. Tasso.

Tasso (mit Zurckhaltung).
Die Gnade, die du mir so oft bewiesen,
Erscheinet heute mir in vollem Licht:
Du hast verziehen, was in deiner Nhe
Ich unbedacht und frevelhaft beging;
Du hast den Widersacher mir vershnt;
Du willst erlauben, dass ich eine Zeit
Von deiner Seite mich entferne, willst
Mir deine Gunst gromtig vorbehalten.
Ich scheide nun mit vlligem Vertraun,
Und hoffe still, mich soll die kleine Frist
Von allem heilen, was mich jetzt beklemmt.
Es soll mein Geist aufs neue sich erheben
Und auf dem Wege, den ich froh und khn,
Durch deinen Blick ermuntert, erst betrat,
Sich deiner Gunst aufs neue wrdig machen.

Alphons.
Ich wnsche dir zu deiner Reise Glck
Und hoffe, dass du froh und ganz geheilt
Uns wieder kommen wirst. Du bringst uns dann
Den doppelten Gewinst fr jede Stunde,
Die du uns nun entziehst, vergngt zurck.
Ich gebe Briefe dir an meine Leute,
An Freunde dir nach Rom und wnsche sehr,
Dass du dich zu den Meinen berall
Zutraulich halten mgest, wie ich dich
Als mein, obgleich entfernt, gewiss betrachte.

Tasso.
Du berhufst, o Frst, mit Gnade den,
Der sich unwrdig fhlt und selbst zu danken
In diesem Augenblicke nicht vermag.
Anstatt des Danks erffn' ich eine Bitte!
Am meisten liegt mir mein Gedicht am Herzen.
Ich habe viel getan und keine Mhe
Und keinen Flei gespart; allein es bleibt
Zu viel mir noch zurck. Ich mchte dort,
Wo noch der Geist der groen Mnner schwebt,
Und wirksam schwebt, dort mcht' ich in die Schule
Aufs neue mich begeben: Wrdiger
Erfreute deines Beifalls sich mein Lied.
O, gib die Bltter mir zurck, die ich
Jetzt nur beschmt in deinen Hnden wei!

Alphons.
Du wirst mir nicht an diesem Tage nehmen,
Was du mir kaum an diesem Tag gebracht.
Lass zwischen dich und zwischen dein Gedicht
Mich als Vermittler treten: Hte dich,
Durch strengen Flei die liebliche Natur
Zu krnken, die in deinen Reimen lebt,
Und hre nicht auf Rat von allen Seiten!
Die tausendfltigen Gedanken vieler
Verschiedner Menschen, die im Leben sich
Und in der Meinung widersprechen, fasst
Der Dichter klug in eins und scheut sich nicht,
Gar manchem zu missfallen, dass er manchem
Um desto mehr gefallen mge. Doch
Ich sage nicht, dass du nicht hie und da
Bescheiden deine Feile brauchen solltest;
Verspreche dir zugleich: In kurzer Zeit
Erhltst du abgeschrieben dein Gedicht.
Es bleibt von deiner Hand in meinen Hnden,
Damit ich seiner erst mit meinen Schwestern
Mich recht erfreuen mge. Bringst du es
Vollkommner dann zurck: Wir werden uns
Des hheren Genusses freun und dich
Bei mancher Stelle nur als Freunde warnen.

Tasso.
Ich wiederhole nur beschmt die Bitte:
Lass mich die Abschrift eilig haben! Ganz
Ruht mein Gemt auf diesem Werke nun.
Nun muss es werden, was es werden kann.

Alphons.
Ich billige den Trieb, der dich beseelt!
Doch, guter Tasso, wenn es mglich wre,
So solltest du erst eine kurze Zeit
Der freien Welt genieen, dich zerstreuen,
Dein Blut durch eine Kur verbessern. Dir
Gewhrte dann die schne Harmonie
Der hergestellten Sinne, was du nun
Im trben Eifer nur vergebens suchst.

Tasso.
Mein Frst, so scheint es; doch, ich bin gesund,
Wenn ich mich meinem Flei ergeben kann,
Und so macht wieder mich der Flei gesund.
Du hast mich lang gesehn: Mir ist nicht wohl
In freier ppigkeit. Mir lsst die Ruh
Am mindsten Ruhe. Dies Gemt ist nicht
Von der Natur bestimmt, ich fhl' es leider,
Auf weichem Element der Tage froh
Ins weite Meer der Zeiten hinzuschwimmen.

Alphons.
Dich fhret alles, was du sinnst und treibst,
Tief in dich selbst. Es liegt um uns herum
Gar mancher Abgrund, den das Schicksal grub;
Doch hier in unserm Herzen ist der tiefste,
Und reizend ist es sich hinab zu strzen.
Ich bitte dich, entreie dich dir selbst!
Der Mensch gewinnt, was der Poet verliert.

Tasso.
Ich halte diesen Drang vergebens auf,
Der Tag und Nacht in meinem Busen wechselt.
Wenn ich nicht sinnen oder dichten soll,
So ist das Leben mir kein Leben mehr.
Verbiete du dem Seidenwurm zu spinnen,
Wenn er sich schon dem Tode nher spinnt:
Das kstliche Geweb' entwickelt er
Aus seinem Innersten, und lsst nicht ab,
Bis er in seinen Sarg sich eingeschlossen.
O, geb' ein guter Gott uns auch dereinst
Das Schicksal des beneidenswerten Wurms,
Im neuen Sonnental die Flgel rasch
Und freudig zu entfalten!

Alphons.
                        Hre mich!
Du gibst so vielen doppelten Genuss
Des Lebens; lern', ich bitte dich,
Den Wert des Lebens kennen, das du noch
Und zehnfach reich besitzest. Lebe wohl!
Je eher du zu uns zurcke kehrst,
Je schner wirst du uns willkommen sein.



Dritter Auftritt
Tasso (allein).

So halte fest, mein Herz, so war es recht!
Es wird dir schwer, es ist das erste Mal,
Dass du dich so verstellen magst und kannst.
Du hrtest wohl: Das war nicht sein Gemt,
Das waren seine Worte nicht; mir schien,
Als klnge nur Antonios Stimme wider.
O gib nur Acht! Du wirst sie nun so fort
Von allen Seiten hren. Fest, nur fest!
Um einen Augenblick ist's noch zu tun.
Wer spt im Leben sich verstellen lernt,
Der hat den Schein der Ehrlichkeit voraus.
Es wird schon gehn, nur be dich mit ihnen.

(Nach einer Pause.)

Du triumphierst zu frh, dort kommt sie her!
Die holde Frstin kommt! O welch Gefhl!
Sie tritt herein, es lst in meinem Busen
Verdruss und Argwohn sich in Schmerzen auf.



Vierter Auftritt
Prinzessin. Tasso. Gegen das Ende des Auftritts die brigen.

Prinzessin.
Du denkst uns zu verlassen, oder bleibst
Vielmehr in Belriguardo noch zurck
Und willst dich dann von uns entfernen, Tasso?
Ich hoffe, nur auf eine kurze Zeit.
Du gehst nach Rom?

Tasso.
Ich richte meinen Weg
Zuerst dahin, und nehmen meine Freunde
Mich gtig auf, wie ich es hoffen darf,
So leg' ich da mit Sorgfalt und Geduld
Vielleicht die letzte Hand an mein Gedicht.
Ich finde viele Mnner dort versammelt,
Die Meister aller Art sich nennen drfen.
Und spricht in jener ersten Stadt der Welt
Nicht jeder Platz, nicht jeder Stein zu uns?
Wie viele tausend stumme Lehrer winken
In ernster Majestt uns freundlich an!
Vollend' ich da nicht mein Gedicht, so kann
Ich's nie vollenden. Leider, ach, schon fhl' ich,
Mir wird zu keinem Unternehmen Glck!
Verndern werd' ich es, vollenden nie.
Ich fhl', ich fhl' es wohl, die groe Kunst,
Die jeden nhrt, die den gesunden Geist
Strkt und erquickt, wird mich zu Grunde richten,
Vertreiben wird sie mich. Ich eile fort!
Nach Napel will ich bald!

Prinzessin.
                        Darfst du es wagen?
Noch ist der strenge Bann nicht aufgehoben,
Der dich zugleich mit deinem Vater traf.

Tasso.
Du warnest recht, ich hab' es schon bedacht.
Verkleidet geh' ich hin, den armen Rock
Des Pilgers oder Schfers zieh' ich an.
Ich schleiche durch die Stadt, wo die Bewegung
Der Tausende den einen leicht verbirgt.
Ich eile nach dem Ufer, finde dort
Gleich einen Kahn mit willig guten Leuten,
Mit Bauern, die zum Markte kamen, nun
Nach Hause kehren, Leute von Sorrent;
Denn ich muss nach Sorrent hinbereilen.
Dort wohnet meine Schwester, die mit mir
Die Schmerzensfreude meiner Eltern war.
Im Schiffe bin ich still, und trete dann
Auch schweigend an das Land, ich gehe sacht
Den Pfad hinauf, und an dem Tore frag' ich:
Wo wohnt Cornelia? Zeigt mir es an!
Cornelia Sersale? Freundlich deutet
Mir eine Spinnerinn die Strae, sie
Bezeichnet mir das Haus. So steig' ich weiter.
Die Kinder laufen nebenher und schauen
Das wilde Haar, den dstern Fremdling an.
So komm' ich an die Schwelle. Offen steht
Die Tre schon, so tret' ich in das Haus--

Prinzessin.
Blick' auf, o Tasso, wenn es mglich ist,
Erkenne die Gefahr, in der du schwebst!
Ich schone dich; denn sonst wrd' ich dir sagen:
Ist's edel so zu reden, wie du sprichst?
Ist's edel, nur allein an sich zu denken,
Als krnktest du der Freunde Herzen nicht?
Ist's dir verborgen wie mein Bruder denkt?
Wie beide Schwestern dich zu schtzen wissen?
Hast du es nicht empfunden und erkannt?
Ist alles denn in wenig Augenblicken
Verndert? Tasso! Wenn du scheiden willst,
So lass uns Schmerz und Sorge nicht zurck.

(Tasso wendet sich weg.)

Prinzessin.
Wie trstlich ist es, einem Freunde, der
Auf eine kurze Zeit verreisen will,
Ein klein Geschenk zu geben, sei es nur
Ein neuer Mantel oder eine Waffe!
Dir kann man nichts mehr geben; denn du wirfst
Unwillig alles weg, was du besitzest.
Die Pilgermuschel und den schwarzen Kittel,
Den langen Stab erwhlst du dir und gehst
Freiwillig arm dahin und nimmst uns weg,
Was du mit uns allein genieen konntest.

Tasso.
So willst du mich nicht ganz und gar verstoen?
O ses Wort, o schner, teurer Trost!
Vertritt mich! Nimm in deinen Schutz mich auf!--
Lass mich in Belriguardo hier, versetze
Mich nach Consandoli, wohin du willst!
Es hat der Frst so manches schne Schloss,
So manchen Garten, der das ganze Jahr
Gewartet wird, und ihr betretet kaum
Ihn einen Tag, vielleicht nur eine Stunde.
Ja, whlet den entferntsten aus, den ihr
In ganzen Jahren nicht besuchen geht,
Und der vielleicht jetzt ohne Sorge liegt:
Dort schickt mich hin! Dort lasst mich euer sein!
Wie will ich deine Bume pflegen! Die Zitronen
Im Herbst mit Brettern und mit Ziegeln decken,
Und mit verbundnem Rohre wohl verwahren!
Es sollen schne Blumen in den Beeten
Die breiten Wurzeln schlagen; rein und zierlich
Soll jeder Gang und jedes Fleckchen sein.
Und lasst mir auch die Sorge des Palastes!
Ich will zur rechten Zeit die Fenster ffnen,
Dass Feuchtigkeit nicht den Gemlden schade;
Die schn mit Stuckatur verzierten Wnde
Will ich mit einem leichten Wedel subern;
Es soll das Estrich blank und reinlich glnzen;
Es soll kein Stein, kein Ziegel sich verrcken;
Es soll kein Gras aus einer Ritze keimen!

Prinzessin.
Ich finde keinen Rat in meinem Busen,
Und finde keinen Trost fr dich und--uns.
Mein Auge blickt umher, ob nicht ein Gott
Uns Hilfe reichen mchte, mchte mir
Ein heilsam Kraut entdecken, einen Trank,
Der deinem Sinne Frieden brchte, Frieden uns.
Das treuste Wort, das von der Lippe fliet,
Das schnste Heilungsmittel wirkt nicht mehr.
Ich muss dich lassen, und verlassen kann
Mein Herz dich nicht.

Tasso.
            Ihr Gtter, ist sie's doch,
Die mit dir spricht und deiner sich erbarmt?
Und konntest du das edle Herz verkennen?
War's mglich, dass in ihrer Gegenwart
Der Kleinmut dich ergriff und dich bezwang?
Nein, nein, du bist's! Und nun, ich bin es auch.
O fahre fort und lass mich jeden Trost
Aus deinem Munde hren! Deinen Rat
Entzieh mir nicht! O sprich: Was soll ich tun,
Damit dein Bruder mir vergeben knne,
Damit du selbst mir gern vergeben mgest,
Damit ihr wieder zu den Euren mich
Mit Freuden zhlen mget? Sag' mir an!

Prinzessin.
Gar wenig ist's, was wir von dir verlangen,
Und dennoch scheint es allzu viel zu sein.
Du sollst dich selbst uns freundlich berlassen.
Wir wollen nichts von dir, was du nicht bist,
Wenn du nur erst dir mit dir selbst gefllst.
Du machst uns Freude, wenn du Freude hast,
Und du betrbst uns nur, wenn du sie fliehst;
Und wenn du uns auch ungeduldig machst,
So ist es nur, dass wir dir helfen mchten,
Und, leider! Sehn, dass nicht zu helfen ist,
Wenn du nicht selbst des Freundes Hand ergreifst,
Die, sehnlich ausgereckt, dich nicht erreicht.

Tasso.
Du bist es selbst, wie du zum ersten Mal,
Ein heil'ger Engel, mir entgegen kamst!
Verzeih dem trben Blick des Sterblichen,
Wenn er auf Augenblicke dich verkannt.
Er kennt dich wieder! Ganz erffnet sich
Die Seele, nur dich ewig zu verehren.
Es fllt sich ganz das Herz von Zrtlichkeit--
Sie ist's, sie steht vor mir. Welch ein Gefhl!
Ist es Verirrung, was mich nach dir zieht?
Ist's Raserei? Ist's ein erhhter Sinn,
Der erst die hchste, reinste Wahrheit fasst?
Ja, es ist das Gefhl, das mich allein
Auf dieser Erde glcklich machen kann,
Das mich allein so elend werden lie,
Wenn ich ihm widerstand und aus dem Herzen
Es bannen wollte. Diese Leidenschaft
Gedacht' ich zu bekmpfen; stritt und stritt
Mit meinem tiefsten Sein, zerstrte frech
Mein eignes Selbst, dem du so ganz gehrst--

Prinzessin.
Wenn ich dich, Tasso, lnger hren soll,
So mige die Glut, die mich erschreckt.

Tasso.
Beschrnkt der Rand des Bechers einen Wein,
Der schumend wallt und brausend berschwillt?
Mit jedem Wort' erhhest du mein Glck,
Mit jedem Worte glnzt dein Auge heller.
Ich fhle mich im Innersten verndert,
Ich fhle mich von aller Not entladen,
Frei wie ein Gott, und alles dank' ich dir!
Unsgliche Gewalt, die mich beherrscht,
Entflieet deinen Lippen; ja, du machst
Mich ganz dir eigen. Nichts gehret mir
Von meinem ganzen Ich mir knftig an.
Es trbt mein Auge sich in Glck und Licht,
Es schwankt mein Sinn. Mich hlt der Fu nicht mehr.
Unwiderstehlich ziehst du mich zu dir,
Und unaufhaltsam dringt mein Herz dir zu.
Du hast mich ganz auf ewig dir gewonnen,
So nimm denn auch mein ganzes Wesen hin!

(Er fllt ihr in die Arme und drckt sie fest an sich.)

Prinzessin (ihn von sich stoend und hinweg eilend).
Hinweg!

Leonore (die sich schon eine Weile im Grunde sehen lassen, herbeieilend).
            Was ist geschehen? Tasso! Tasso!

(Sie geht der Prinzessin nach.)

Tasso (im Begriff, ihnen zu folgen).
O Gott!

Alphons (der sich schon eine Zeitlang mit Antonio genhert).
            Er kommt von Sinnen, halt ihn fest. (Ab.)



Fnfter Auftritt
Tasso. Antonio.

Antonio.
O stnde jetzt, so wie du immer glaubst,
Dass du von Feinden rings umgeben bist,
Ein Feind bei dir, wie wrd' er triumphieren!
Unglcklicher, noch kaum erhol' ich mich!
Wenn ganz was Unerwartetes begegnet,
Wenn unser Blick was Ungeheures sieht,
Steht unser Geist auf eine Weile still:
Wir haben nichts, womit wir das vergleichen.

Tasso (nach einer langen Pause).
Vollende nur dein Amt--ich seh', du bist's!
Ja, du verdienst das frstliche Vertraun;
Vollende nur dein Amt, und martre mich,
Da mir der Stab gebrochen ist, noch langsam
Zu Tode! Ziehe! Zieh am Pfeile nur,
Dass ich den Widerhaken grimmig fhle,
Der mich zerfleischt!
Du bist ein teures Werkzeug des Tyrannen,
Sei Kerkermeister, sei der Marterknecht,
Wie wohl, wie eigen steht dir beides an!

(Gegen die Szene.)

Ja, gehe nur, Tyrann! Du konntest dich
Nicht bis zuletzt verstellen, triumphiere!
Du hast den Sklaven wohl gekettet, hast
Ihn wohl gespart zu ausgedachten Qualen:
Geh nur, ich hasse dich, ich fhle ganz
Den Abscheu, den die bermacht erregt,
Die frevelhaft und ungerecht ergreift.

(Nach einer Pause.)

So seh' ich mich am Ende denn verbannt,
Verstoen und verbannt als Bettler hier!
So hat man mich bekrnzt, um mich geschmckt
Als Opfertier vor den Altar zu fhren!
So lockte man mir noch am letzten Tage
Mein einzig Eigentum, mir mein Gedicht
Mit glatten Worten ab, und hielt es fest!
Mein einzig Gut ist nun in euren Hnden,
Das mich an jedem Ort empfohlen htte,
Das mir noch blieb, vom Hunger mich zu retten!
Jetzt seh' ich wohl, warum ich feiern soll.
Es ist Verschwrung, und du bist das Haupt.
Damit mein Lied nur nicht vollkommner werde,
Dass nur mein Name sich nicht mehr verbreite,
Dass meine Neider tausend Schwchen finden,
Dass man am Ende meiner gar vergesse,
Drum soll ich mich zum Miggang gewhnen,
Drum soll ich mich und meine Sinne schonen.
O werte Freundschaft, teure Sorglichkeit!
Abscheulich dacht' ich die Verschwrung mir,
Die unsichtbar und rastlos mich umspann,
Allein abscheulicher ist es geworden.
  Und du, Sirene! Die du mich so zart,
So himmlisch angelockt, ich sehe nun
Dich auf einmal! O Gott, warum so spt!
  Allein wir selbst betrgen uns so gern
Und ehren die Verworfnen, die uns ehren.
Die Menschen kennen sich einander nicht;
Nur die Galeerensklaven kennen sich,
Die eng an eine Bank geschmiedet keuchen;
Wo keiner was zu fordern hat und keiner
Was zu verlieren hat, die kennen sich;
Wo jeder sich fr einen Schelmen gibt
Und seinesgleichen auch fr Schelmen nimmt.
Doch wir verkennen nur die andern hflich,
Damit sie wieder uns verkennen sollen.
  Wie lang verdeckte mir dein heilig Bild
Die Buhlerin, die kleine Knste treibt.
Die Maske fllt: Armide seh' ich nun
Entblt von allen Reizen--ja, du bist's!
Von dir hat ahndungsvoll mein Lied gesungen!
  Und die verschmitzte kleine Mittlerin!
Wie tief erniedrigt seh' ich sie vor mir!
Ich hre nun die leisen Tritte rauschen,
Ich kenne nun den Kreis, um den sie schlich.
Euch alle kenn' ich! Sei mir das genug!
Und wenn das Elend alles mir geraubt,
So preis' ich's doch: Die Wahrheit lehrt es mich.

Antonio.
Ich hre, Tasso, dich mit Staunen an,
So sehr ich wei, wie leicht dein rascher Geist
Von einer Grenze zu der andern schwankt.
Besinne dich! Gebiete dieser Wut!
Du lsterst, du erlaubst dir Wort auf Wort,
Das deinen Schmerzen zu verzeihen ist,
Doch das du selbst dir nie verzeihen kannst.

Tasso.
O sprich mir nicht mit sanfter Lippe zu,
Lass mich kein kluges Wort von dir vernehmen!
Lass mir das dumpfe Glck, damit ich nicht
Mich erst besinne, dann von Sinnen komme.
Ich fhle mir das innerste Gebein
Zerschmettert, und ich leb' um es zu fhlen.
Verzweiflung fasst mit aller Wut mich an,
Und in der Hllenqual, die mich vernichtet,
Wird Lstrung nur ein leiser Schmerzenslaut.
Ich will hinweg! Und wenn du redlich bist,
So zeig' es mir, und lass mich gleich von hinnen!

Antonio.
Ich werde dich in dieser Not nicht lassen;
Und wenn es dir an Fassung ganz gebricht,
So soll mir's an Geduld gewiss nicht fehlen.

Tasso.
So muss ich mich dir denn gefangen geben?
Ich gebe mich, und so ist es getan;
Ich widerstehe nicht, so ist mir wohl--
Und lass es dann mich schmerzlich wiederholen,
Wie schn es war, was ich mir selbst verscherzte.
Sie gehn hinweg--O Gott! Dort seh' ich schon
Den Staub, der von den Wagen sich erhebt--
Die Reiter sind voraus--Dort fahren sie,
Dort gehn sie hin! Kam ich nicht auch daher?
Sie sind hinweg, sie sind erzrnt auf mich.
O ksst' ich nur noch einmal seine Hand!
O dass ich nur noch Abschied nehmen knnte!
Nur einmal noch zu sagen: O verzeiht!
Nur noch zu hren: Geh, dir ist verziehn!
Allein ich hr' es nicht, ich hr' es nie--
Ich will ja gehn! Lasst mich nur Abschied nehmen,
Nur Abschied nehmen! Gebt, o gebt mir nur
Auf einen Augenblick die Gegenwart
Zurck! Vielleicht genes' ich wieder. Nein,
Ich bin verstoen, bin verbannt, ich habe
Mich selbst verbannt, ich werde diese Stimme
Nicht mehr vernehmen, diesem Blicke nicht,
Nicht mehr begegnen--

Antonio.
Lass eines Mannes Stimme dich erinnern,
Der neben dir nicht ohne Rhrung steht!
Du bist so elend nicht, als wie du glaubst.
Ermanne dich! Du gibst zu viel dir nach.

Tasso.
Und bin ich denn so elend, wie ich scheine?
Bin ich so schwach, wie ich vor dir mich zeige?
Ist alles denn verloren? Hat der Schmerz,
Als schtterte der Boden, das Gebude
In einen grausen Haufen Schutt verwandelt?
Ist kein Talent mehr brig, tausendfltig
Mich zu zerstreun, zu untersttzen?
Ist alle Kraft erloschen, die sich sonst
In meinem Busen regte? Bin ich nichts,
Ganz nichts geworden?
Nein, es ist alles da, und ich bin nichts;
Ich bin mir selbst entwandt, sie ist es mir!

Antonio.
Und wenn du ganz dich zu verlieren scheinst,
Vergleiche dich! Erkenne, was du bist!

Tasso.
Ja, du erinnerst mich zur rechten Zeit!--
Hilft denn kein Beispiel der Geschichte mehr?
Stellt sich kein edler Mann mir vor die Augen,
Der mehr gelitten, als ich jemals litt,
Damit ich mich mit ihm vergleichend fasse?
Nein, alles ist dahin!--Nur eines bleibt:
Die Trne hat uns die Natur verliehen,
Den Schrei des Schmerzens, wenn der Mann zuletzt
Es nicht mehr trgt--Und mir noch ber alles--
Sie lie im Schmerz mir Melodie und Rede,
Die tiefste Flle meiner Not zu klagen:
Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt,
Gab mir ein Gott, zu sagen wie ich leide.

Antonio (tritt zu ihm und nimmt ihn bei der Hand).

Tasso.
O edler Mann! Du stehest fest und still,
Ich scheine nur die sturmbewegte Welle.
Allein bedenk' und berhebe nicht
Dich deiner Kraft! Die mchtige Natur,
Die diesen Felsen grndete, hat auch
Der Welle die Beweglichkeit gegeben.
Sie sendet ihren Sturm, die Welle flieht
Und schwankt und schwillt und beugt sich schumend ber.
In dieser Woge spiegelte so schn
Die Sonne sich, es ruhten die Gestirne
An dieser Brust, die zrtlich sich bewegte.
Verschwunden ist der Glanz, entflohn die Ruhe.
Ich kenne mich in der Gefahr nicht mehr,
Und schme mich nicht mehr es zu bekennen.
Zerbrochen ist das Steuer, und es kracht
Das Schiff an allen Seiten. Berstend reit
Der Boden unter meinen Fen auf!
Ich fasse dich mit beiden Armen an!
So klammert sich der Schiffer endlich noch
Am Felsen fest, an dem er scheitern sollte.




***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK TORQUATO TASSO***


******* This file should be named 10425-8.txt or 10425-8.zip *******


This and all associated files of various formats will be found in:
https://www.gutenberg.org/1/0/4/2/10425


Updated editions will replace the previous one--the old editions
will be renamed.

Creating the works from public domain print editions means that no
one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
(and you!) can copy and distribute it in the United States without
permission and without paying copyright royalties.  Special rules,
set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark.  Project
Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
charge for the eBooks, unless you receive specific permission.  If you
do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
rules is very easy.  You may use this eBook for nearly any purpose
such as creation of derivative works, reports, performances and
research.  They may be modified and printed and given away--you may do
practically ANYTHING with public domain eBooks.  Redistribution is
subject to the trademark license, especially commercial
redistribution.



*** START: FULL LICENSE ***

THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK

To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
distribution of electronic works, by using or distributing this work
(or any other work associated in any way with the phrase "Project
Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
Gutenberg-tm License (available with this file or online at
https://gutenberg.org/license).


Section 1.  General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
electronic works

1.A.  By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
and accept all the terms of this license and intellectual property
(trademark/copyright) agreement.  If you do not agree to abide by all
the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.

1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
permission of the copyright holder found at the beginning of this work.

1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5.  Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
word processing or hypertext form.  However, if you provide access to or
distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
form.  Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8.  You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
that

- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
     you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
     does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
     License.  You must require such a user to return or
     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH F3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
refund.  If you received the work electronically, the person or entity
providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS," WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
https://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at https://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org

Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit https://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including including checks, online payments and credit card
donations.  To donate, please visit: https://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.

Each eBook is in a subdirectory of the same number as the eBook's
eBook number, often in several formats including plain vanilla ASCII,
compressed (zipped), HTML and others.

Corrected EDITIONS of our eBooks replace the old file and take over
the old filename and etext number.  The replaced older file is renamed.
VERSIONS based on separate sources are treated as new eBooks receiving
new filenames and etext numbers.

Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

https://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.

EBooks posted prior to November 2003, with eBook numbers BELOW #10000,
are filed in directories based on their release date.  If you want to
download any of these eBooks directly, rather than using the regular
search system you may utilize the following addresses and just
download by the etext year.

http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext06

    (Or /etext 05, 04, 03, 02, 01, 00, 99,
     98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, 91 or 90)

EBooks posted since November 2003, with etext numbers OVER #10000, are
filed in a different way.  The year of a release date is no longer part
of the directory path.  The path is based on the etext number (which is
identical to the filename).  The path to the file is made up of single
digits corresponding to all but the last digit in the filename.  For
example an eBook of filename 10234 would be found at:

https://www.gutenberg.org/1/0/2/3/10234

or filename 24689 would be found at:
https://www.gutenberg.org/2/4/6/8/24689

An alternative method of locating eBooks:
https://www.gutenberg.org/GUTINDEX.ALL

*** END: FULL LICENSE ***
