The Project Gutenberg EBook of Katharina von Bora, by D. Albrecht Thoma

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Title: Katharina von Bora
       Geschichtliches Lebensbild

Author: D. Albrecht Thoma

Release Date: June 16, 2004 [EBook #12636]

Language: german

Character set encoding: ISO-8859-1

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[Illustration: Katharina von Bora

nach dem Gemlde von Lucas Cranach im Museum zu Schwerin

Phot. F. u. O. Breckmann Nachf., Dresden.

Verlag Georg Reimer, Berlin.]




Katharina von Bora


Geschichtliches Lebensbild

von D. Albrecht Thoma


Berlin

Druck und Verlag Georg Reimer.

1900.




Vorwort.


In dem "Leben Luthers" bietet das Kapitel "Luthers Huslichkeit" als
freundliche Idylle ein liebliches Ausruhen von den dramatischen Kmpfen
und dem epischen Gange einer reformatorischen Wirksamkeit. Die Briefe an
eine "liebe Hausfrau" sind unter den Tausenden seiner Episteln die
schnsten und originellsten. Dafr liegt der Grund doch nicht allein in
dem reichen Gemt und dem geistvollen Humor des groen Mannes, sondern
auch in der Persnlichkeit seiner lebhaften, temperamentvollen Gattin.
Es mu doch eine bedeutende Frau gewesen sein, die der groe Mann als
seine Lebensgefhrtin zu sich emporhob und die sich getraute, die Gattin
des gewaltigen Reformators zu werden und der es gelungen ist, ihm zu
gengen; und ein sympathischer Charakter mute das sein, an dem er seine
frohe Laune so schn entfalten konnte. Sie hat ihrem Doktor das schne
Heim geschaffen und das vorbildliche evangelische Pfarrhaus. Und so lebt
auch Luthers Kthe als die Genossin von dem Liebling und Stolz unserer
Nation in der Seele des deutschen Volkes in gutem Gedenken.

Es kann nun auffallen, da eine eigentliche Lebensgeschichte der Gattin
Luthers bisher noch gar nicht erschienen ist, da fast mehr
schmhschtige Feinde, wie vor hundertfnfzig Jahren ein Engelhard, ihre
wenig lauteren Knste an dieser Aufgabe gebt haben; und besonders ist
zu verwundern, da in dem letzten halben Jahrhundert, diesem so
hervorragend historischen Zeitalter,--seit den beiden gleichzeitig
erschienenen quellenreichen Skizzen von _Beste_ und _Hofmann_--keine
Biographie entstand, nicht einmal fr dieses Jubilumsjahr ihres
vierhundertjhrigen Geburtstages.

Der Grund dieser eigentmlichen Erscheinung liegt aber doch klar. Einmal
wird eben in "Luthers Leben" das Bild Katharinas von Bora stets mit
hineingemalt; sodann ist es schwierig, neben der gewaltigen Gestalt
ihres Gatten sie recht zur Geltung kommen zu lassen; endlich ist eine
mhsame Kleinarbeit erforderlich, um eine lebensvolle Zeichnung zu
entwerfen, und berraschende Entdeckungen sind bei aller Findigkeit hier
nicht zu machen.

Dennoch verdient Luthers Kthe--so viel das geschehen kann--fr sich
besonders betrachtet zu werden, wie ja ihr Bild so oft fr sich neben
demjenigen des groen Doktors gemalt ist. Ist Frau Kthe freilich nichts
ohne den D. Martinus, so kann man doch auch fragen: Was wre Luther ohne
seine Kthe? Dem Lebensbilde des groen Reformators fehlte das
menschlich Anziehende, fehlten die vor allem uns Deutschen ausbrechenden
gemtlichen Beziehungen des Familienlebens. Und das hat Frau Kthe ihm
geschaffen. Ihr ist es zu verdanken, da die Welt ihn so lange, und so
lange in geistiger Frische und freudigem Arbeitseifer gehabt hat.

So mag es ein Denkmal sein, und--wie es der schlichten deutschen
Hausfrau geziemt--ein anspruchsloses, was ihr hier zu ihrem
vierhundertjhrigen Gedchtnistage gesetzt ist.




Inhaltsverzeichnis.

1. Katharinas Herkunft und Familie.

Sachsen und Meien
Bora
Lippendorf
Eltern und Brder
"Muhme Lene" und Maria v. Bora
Armut der Familie
Der Eltern Tod


2. Im Kloster

"Ehrsame" Jungfrauen
Adelige Stifter
Klosterkinder
Nimbschen
Klosterfrauen
Klausur
Wrden
Klostergenossinnen
Die Novize
Kloster-Regel
Erziehung
Die Postulantin
Einsegnung
Tagewerk
Reliquien
Abla
Kloster-Erlebnisse
Nonnen-Beruf


3. Die Flucht aus dem Kloster

Luthers Schriften ber Abla, gute Werke, Klostergelbde
Vermittelung der Schriften
Leonhard Koppe
Austrittsgedanken
Die Verwandten
Klagebrief an Luther
Bedenken
Flucht-Plan
Das Entkommen aus dem Kloster
Die Flucht
Offener Brief an Koppe, "da Jungfrauen Kloster gttlich verlassen mgen"
Der Abt von Pforta
Neue Entweichungen


4. Eingewhnung ins weltliche Leben

Versorgung der Klosterjungfrauen
Katharina bei Reichenbach
Hier. Baumgrtner
D. Glatz


5. Katharinas Heirat

Luther drngt zur Ehe
Verehelichung von Priestern und Klosterleuten
Luther denkt zu heiraten
Eine Nonne soll's sein
Luthers Werbung
Trauung und Hochzeit
Gste
Geschenke
Das Fest

6. Das erste Jahr von Katharinas Ehestand.

Im "Schwarzen Kloster"
Ausstattung
Angewhnung
Unterhaltung
Bild
"Die erste Liebe"
Verstimmung der Freunde
Schmhungen der Feinde
Gefahren
Stimmungen


7. Katharina als Mutter ihrer Kinder und Hausgenossen.

Johannes
Elisabeth
Magdalena
Martin, Paul
Margareta
Elternfreuden
Muhme Lene
Neffen und Nichten
Zuchtmeister
Gesinde, Gste
Besuche


8. Katharinas Haushalt und Wirtschaft.

Das Regiment in Luthers Haus
Haus und Hof
Bauereien
Gerte
Schenkungs-Urkunde
Teurer Markt
Landwirtschaft
Grten
"Haus Bruno", Gut Boo
Zulsdorf
Grundbesitz
Arbeitsseligkeit


9. "Wunderliche Rechnung zwischen D. Martin und Kthe."

Armut
Einknfte
"Geschenke"
Umsonst
Hausrechnung. "Gieb Geld"
Luthers Mildthtigkeit
Schulden
insidiatrix Ketha
"Rtlichkeit"
"Wunderlicher Segen"
"Lob des tugendsamen Weibes"


10. Husliche Leiden und Freuden.

Schwerer Haushalt
Krankheitsanfall Luthers (1527)
Die Pest
Hochzeit und Tod
Flchtlinge und Hochzeiten
Visitationsreisen
Briefe von der Koburg
Die Groeltern
Besuche und Reisen
Ein Kardinal in Wittenberg
Tischgesellen, Famulus, Kthes Brder
Kinderzucht
Rosine
Kthes Tagelhner


11. Hochzeiten und Krankheiten, Pest und Tod.

"Mhmchen Lene" und Veit Dietrich
Lenchens Verlobung (1538)
"Des Teufels Fastnacht" (1535)
In den "hessischen Betten"
Luthers tdliche Krankheit in Schmalkalden (1537)
Muhme Lene [Symbol: gestorben]
Pflege der Elisabeth von Brandenburg
Wieder Pest (1539)
Kthes tdliche Krankheit (1539)
Briefe aus Weimar (1540)
Allerlei Sorgen
Hanna Strau verlobt und Mhmchen Lene verwitwet
Haus in Torgau, Lenchens Krankheit und Tod
Hansens Heimweh


12. Tischreden und Tischgenossen.

Eine akademische Hochzeit
Allerlei Feste
Besuche
_Cordatus_
_Stiefel_
_Kummer, Lauterbach_
_Schlaginhaufen, Weller_
_Hennik; Barnes; de Bai_
_Dietrich_
_Besold_
_Holstein; Schiefer; Matthesius_
_Goldschmidt u.a._
Kthes "Tischburse"
Die "Tischgesprche"


13. Hausfreunde.

Humanisten-Freundschaft
Der Freundeskreis des Lutherischen Hauses
Gre und Geschenke
_Amsdorf; Agrikola_
_Probst_
_Brisger, Biscampius, Zwilling; Mykonius; Capito_
Die Nrnberger: _Link_ und _Friedrich_; _Baumgrtner_
_Dietrich_; Geschwister _Weller_
_Hausmann_
_Schlaginhaufen_
_Lauterbach_
_Spalatin_
Hans von _Taubenheim_
Amtsgenossen
_Kreuziger_
_Bugenhagen_
_Jonas_
_Melanchthon_
Sabinus und Lemnius
Brief der Freunde an Kthe
Die Tafelrunde
Freundinnen


14. Kthe und Luther.

Die "Erzkchin"
Luthers Enthaltsamkeit und Festfreude
Kthe als Krankenpflegerin
Kthes Humor
Verdchtigungen Kthes
Kthes geistige Interessen
Was Luther von Kthe hielt
"Ihr" und "Du"
"Herr" Kthe
"Liebe" Kthe
Luthers ungnstige Aeuerungen
Lob des Weibes
"Huslicher Zorn"
Lob des Ehestandes und Kthes
Kthes "Bildung"
Ebenbrtigkeit
Kthes Bild


15. Luthers Tod.

Trbe Zeitlage
Hader im eigenen Lager
Die "garstigen" Juristen
Abscheiden der Freunde
Luthers zunehmende Krankheiten
Arbeit und Humor
Wegzugsgedanken
"Speckstudenten" und Kleidermoden
Abreise
Schrecken in Wittenberg
Reisen nach Eisleben
Briefe von Halle und Eisleben
Der letzte Brief
Die Todesnachricht
Zurstung zur Bestattung
Trostbrief des Kurfrsten
Der Leichenzug
Katharinas Stimmung


16. Luthers Testament.

"Die Welt ist undankbar, die Leute sind grob"
Dr. Brcks Zorn auf Katharina
Frstliche und freundschaftliche Frsorge
Das schsische Erbrecht
Katharinas Leibgeding
Die Erbschaft
Brcks und Katharinas Plne
Katharinas Bittschrift
Reden der vier Hausfreunde
Brcks Gutachten
Die Entscheidungen des Kurfrsten
Kampf um Wachsdorf und die Kinder
Wolf, Gesinde und Tischburse
Frsorge fr Florian von Bora
Mahnungen an den Dnenknig


17. Krieg und Flucht.

Beginn des Schmalkaldischen Kriegs, zweierlei Gebete
Anmarsch auf Wittenberg, Flucht
Belagerung Wittenbergs. In Magdeburg
Brief von und an Christian III.
Schreckensgerchte
Neue Flucht; in Braunschweig
Heimkehr


18. Der Witwenstand.

Wie's daheim aussah
Kriegsschden und Proce
Kosttisch; Anlehen
Das Interim. Hans Luther nach Knigsberg
Leiden und "gndige Hilfe"
Hans in Knigsberg
Kriegslasten
"Dringende Not"


19. Katharinas Tod

Flucht vor der "Pestilenz"
Der Unfall
Anna von Warbeck
Das Leichenprogramm und die Bestattung
Nachkommen und Reliquien
Denkmler
Katharinas Gedchtnis


Belege und Bemerkungen.


Register.




1. Kapitel

Katharinas Herkunft und Familie[1].


Zur Zeit der Reformation umfate das Land Sachsen etwa das heutige
Knigreich, den grten Teil der Provinz Sachsen und die
thringisch-schsischen Staaten. Diese schsischen Lande aber waren seit
dem Erbvertrag von 1485 zwischen den Ernestinern und Albertinern geteilt
in ein Kurfrstentum und ein Herzogtum. Wunderlich genug war diese
Teilung, aber ganz nach damaligen Verhltnissen: zum Albertinischen
Herzogtum, auch "Meien" genannt, gehrte der grte Teil vom heutigen
Knigreich mit den Stdten Meien, Dresden, Chemnitz; ferner ein
schmaler Streifen von Leipzig bis nach Langensalza. Dazwischen dehnte
sich das Kurfrstentum mit den Hauptstdten Wittenberg, Torgau, Weimar,
Gotha, Eisenach westwrts, und Zwickau und Koburg nach Sden. Die
Kursachsen sahen mit einigem Stolz auf ihre Nachbarn herab, welche blo
herzoglich waren, gebrauchten auch wohl den alten Spottreim: "Die
Meiner sind Gleisner". Wenn's auch nicht wahr war, es reimte sich doch
gut[2].

Aus dem Herzogtum Meien stammte nun Katharina von Bora, Luthers
Hausfrau[3], whrend er selbft ein geborener Mansfelder, dann ein Brger
der kurschsischen Residenz Wittenberg und Beamter des Kurfrsten war.
Er beklagte sich wohl bei seiner Frau ber ihren Landesherrn, Herzog
Georg den Brtigen, welcher, ein heftiger Gegner der Reformation, mit
Luther in steter Fehde lag, gehssige Schriften gegen ihn loslie und
die Lutheraner im Lande "Meien" verfolgte. Daneben neckte Luther seine
Kthe auch, als sie in Leipzig bei seinen Lebzeiten die Mre von seinem
Tode verbreiteten: "Solches erdichten die Naseweisen, deine
Landsleute"[4].

Im Meienschen nun hinter der Freiberger Mulde, eine Stunde ostwrts von
dem "Schlo und Stdtchen" Nossen lagen die beiden Ortschaften Wendisch-
und Deutschenbora[5], eine Viertelstunde von einander zwischen
Tannengehlzen, denn Tanne heit auf slavisch "Bor"[6]. Hier hatte das
Geschlecht der Bora seinen Stammsitz. Von dort verpflanzte es sich in
verschiedenen Zweigen an viele Orte des Sachsenlandes; so auch in die
Nhe von Bitterfeld und Borna, je fnf Stunden nrdlich und sdlich von
Leipzig. Sie fhrten alle im Wappen einen steigenden roten Lwen mit
erhobener rechter Pranke in goldenem Feld und den Pfauenschweif als
Helmzier[7].

Aus welchem dieser neun oder zehn Zweige aber Frau Katharina, des
Reformators Ehegattin, stammte, ist nicht mehr gewi auszumachen. Mehr
als sieben Orte, wie bei dem Vater der griechischen Dichtung, Homer,
streiten sich um die Ehre, ihre Geburtssttte zu sein: das ist fast
jeder Ort, wo frher oder spter Bora gewohnt und gewaltet haben. Aber
man kann eher noch beweisen, da sie aus acht dieser Orte nicht stammt,
als da sie am neunten Ort wirklich geboren sei[8].

Vielleicht ist Katharinas Geburtsort beim alten Stammsitz des
Geschlechts: zu Hirschfeld, einem sehr fruchtbaren Hofgut in der
drferreichen Hochebene, wo man nrdlich nach dem nahen Deutsch-Bora und
dem etwas ferneren Wendisch-Bora schaut, gen Westen aber, in einer
Entfernung von einer Stunde, die burggekrnte Bergnase von Nossen
erblickt.

Wahrscheinlicher aber wurde Kthe zu _Lippendorf_ geboren. Westwrts
nmlich von Borna an der Pleie zieht sich als meinisches Gebiet ein
weites Blachfeld, dessen Einfrmigkeit nur durch dunkle Gehlze
unterbrochen wird. Nur ein paar hundert Schritte von dem Kirchdorf
Medewitzsch erhebt sich das Huflein Huser des kleinen Drfchens
Lippendorf und etwas abseits gelegen ein greres Gut, mit einem Teiche
dahinter. Das war zwar kein rittermiger Hofsitz, aber doch ein
stattliches Lehngut, das heutzutage seinen Besitzer zu einem
wohlhabenden Bauern macht. Um 1482 sa dort ein Hans von Bora mit
seiner Gemahlin Katharina; um 1505 ist's ein Jan von Bora mit seiner
Gattin Margarete, einer geborenen von Ende. Wahrscheinlich ist Hans und
Jan nicht Vater und Sohn, sondern dieselbe Person und Margarete nur
seine zweite Ehefrau.

Hier wre nun Katharina an dem Ende des fnfzehnten Jahrhunderts, 15-1/4
Jahre nach Martin Luther, auf die Welt gekommen. In diesem
bauernhofhnlichen Anwesen wre sie--vielleicht unter einer
Stiefmutter--herangewachsen. An diesem Teich htte sie als Kind gespielt
und hinbergeschaut nach dem nahen Rittersitz Kieritzsch mit seinem
Schlopark und kleinen Kirchlein, und weiterhin ber die Wiesen und
Gehlze der Mark Nixdorf nach der "Wstung Zollsdorf"--wo sie spter als
ehrsame Hausfrau und Doktorin vom fernen Wittenberg herkommend hausen
und wirtschaften sollte, wie sie's zu Lippendorf in Hof und Stall, Kche
und Keller von der fleiigen Mutter gelernt.[9]

Aber sicher ist diese Annahme nicht. Es kann auch ein anderer Ort
Katharinas Geburtssttte sein.

Ja, sicher wei man nicht einmal den Namen von Vater und Mutter. Hans
konnte der Vater wohl geheien haben, so hie damals jeder dritte Mann,
auch im Bora'schen Geschlecht. Und nach einer andern, nicht
unglaubwrdigen Nachricht wre die Mutter eine geborene von Haubitz
gewesen und htte nach der Tradition den ebenfalls zu jener Zeit sehr
beliebten Namen Anna getragen. Dann wre freilich Lippendorf nicht
Kthes Heimat gewesen. Unzweifelhaft gewi ist nur ihr Geburtstag, der
29. Januar 1499; denn dieser Tag ist auf einer Schaumnze eingegraben,
die heute noch vorhanden ist[10].

Auch ihre nchsten Verwandten sind bekannt.

Katharina hatte wenigstens noch drei Brder. Der eine, dessen Name nicht
genannt ist, verheiratete sich mit einer gewissen Christina und starb
ziemlich frhzeitig, vielleicht schon um 1540. Denn sein Sohn Florian,
der etwa gleichaltrig mit Luthers Aeltestem d.h. damals vierzehn Jahre
alt war, wurde um diese Zeit ins Haus genommen und wollte 1546 die
Rechte studieren; damals war "Christina von Bora Witfraw"[11].

Der andere Bruder Katharinas ist _Hans_ von Bora. Er war 1531 in
Diensten des Herzogs Albrecht von Preuen, kehrte aber etwa 1534 von
dort zurck, um fr sich und seine Brder das Gtlein Zulsdorf als
"Erbdchlein" zu bernehmen. Er bekam in seinen Mannesjahren von seinem
Schwager Luther und von Justus Jonas das Lob eines "aufrichtigen, feinen
und treuen Menschen". "Treu und brav ist er, das wei ich, dazu auch
geschickt und fleiig", bezeugt ihm Luther[12].

Weniger Lbliches ist von dem dritten Bruder _Klemens_ bekannt. Er kam
mit Bruder Hans nach Knigsberg, geriet aber nach dessen Rckkehr in die
Gesellschaft eines adligen Raufboldes, der in seiner Gegenwart einen
Zimmergesellen im Rausch erstach, was ihm selbst beln Ruf zuzog und ihn
in Ungnaden bei dem Herzog brachte[13].

Auer den Brdern Katharinas ist auch eine Muhme (Base) Lene bekannt,
welche spter in Luthers Haus lebte. Es wird dies niemand anders sein
als die Magdalena von Bora, des Vaters Schwester[14], welche freilich
zur Zeit von Katharinas Geburt schon lange im Kloster Nimbschen lebte.

Wenn es wahr ist, da um 1525 eine Maria von Bora auf Zulsdorf sich nach
Wittenberg verheiratete[15], so mssen auf diesem Vorwerk in den
zwanziger Jahren noch nahe Verwandte gelebt haben. Reich konnten diese
aber nicht sein, denn das ganze Gut war nur 600 fl. wert und nhrte
seinen Mann nicht, wie spter Bruder Hans selbst erfuhr. Ein weiterer
Verwandter Katharinas war Paul von Rachwitz, welcher zu Bitterfeld
wohnte in dessen Nhe auch in Zweig der Bora hauste[16].

Die Familie Katharinas mu recht arm gewesen sein: es heit sogar: sie
war in die uerste Bedrngnis geraten. Florian, der Sohn des ltesten
Bruders, war jedenfalls nach seines Vaters Tod, obwohl dieser
wahrscheinlich das Erbgut besa, doch auf Stipendien angewiesen fr
seine Studien. Bruder Hans war am preuischen Hof so rmlich gestellt,
da Luther fr ihn dem Herzog Albrecht "beschwerlich sein" und schreiben
mute: "Nachdem meiner Kthen Bruder Hans von Bora nichts hat und am
Hofe Kleid und Futter genug nicht hat, wollten E.F.Gn. verschaffen, da
ihm jedes Vierteljahr ein paar Gulden wrden zugeworfen, damit er auch
Hemd und andere Notdurft bezahlen mchte.[17]"

Katharina selbst endlich hat, wie es scheint, nicht einmal ein
Leibgeding mit ins Kloster bekommen, wie es andere, wohlhabendere adlige
Frulein mit durchschnittlich 3 Schock[18] jhrlich erhielten; und auf
ihre Einsegnung konnte sie nur 30 Groschen spenden, whrend neue Nonnen
wohl 100 oder wenigstens 40 Groschen opferten. Bei ihrer Heirat konnte
sie keine Mitgift in die Ehe bringen[19].

So ist also Katharina von Bora--wo es auch sei--in gar engen
Verhltnissen aufgewachsen, und wenn man sich das junge Mdchen etwa als
zartes Ritterfrulein am Burgfenster mit dem Stickrahmen oder als
Jgerin auf stolzem Zelter vorstellen wollte, so gbe das ein gar
falsches Bild. Wir haben sie uns vielmehr zu denken wie eine junge
Bauerntochter auf dem Hofgut schaltend und waltend, der Mutter an die
Hand gehend in der Wirtschaft, zugleich als die Aelteste, vielleicht als
einziges Tchterlein, auch eine gewisse Selbstndigkeit und
Herrschergabe entfaltend, wie sie sich spter in der reifen Frau
entwickelt zeigt.

Freilich ein wirkliches anschauliches Bild ihrer Kindheit zu entwerfen
vermgen wir nicht, dazu fehlen alle Anhaltspunkte, alle Formen und
Farben. Wir mgen dies bestimmte Bild aus der ersten Jugendzeit, in die
wir uns bei einem Menschenleben so gerne versenken, bei Katharina
schmerzlich vermissen, da sich die ganze Umgebung, der Hintergrund der
Landschaft und selbst die notwendige Staffage von Vater und Mutter und
alles, was auf ein junges Menschenkind einwirkt, bis auf die Namen
verwischen und verschwinden, whrend zum Beispiel bei ihrem Gatten, dem
Doktor Luther, Elternhaus, Vater, Mutter, Geschwister, Gespielen, Heimat
und Schule so deutlich und plastisch sich herausheben, da sie ein gar
lebendiges und farbenreiches Gemlde geben. Aber man kann sich doch auch
wieder ber diesen Mangel leicht trsten.

Denn wie es scheint, sind die Eltern beide frh gestorben. Sobald
Katharina ins Licht der Geschichte tritt mit ihrer Heirat, ja schon bei
ihrer Entweichung aus dem Kloster, ist jede Spur von ihnen verschwunden:
die Eltern erscheinen nicht bei ihrer Hochzeit, wie die Eltern von
Luther; sie werden um ihre Einwilligung nicht gefragt, worauf doch
Luther sonst so groes Gewicht legt; ja sie kommen schon nicht in
Betracht bei der Flucht aus dem Kloster, als es sich um eine Unterkunft
handelt; und auch whrend der ganzen Klosterzeit kommt Vater und Mutter
nicht zum Vorschein, wie es doch oftmals bei Klosterjungfrauen der Fall
ist. Vielleicht ist gerade der Eltern frher Tod fr Katharina die
Veranlassung gewesen, so bald ins Kloster einzutreten.

Wie dem aber auch sei, die geistige Entwicklung des jungen Fruleins
fllt nicht in das Elternhaus. Denn sehr frh kam Katharina von daheim
fort und ihre bewute Jugendzeit verbrachte sie fern von der Heimat im
Jungfrauen-Stift.

So fllt Katharinas Eintritt, obwohl sie 15 Jahre jnger war, etwa in
dieselbe Zeit, als der Erfurter Magister Martin Luther die Studien
verlie und in das Kloster der Augustiner ging.




2. Kapitel

Im Kloster.


Wenn heutzutage ein armes Mdchen aus besseren Stnden versorgt werden
soll, das nicht auf groe Mitgift und darum auf Verheiratung rechnen und
somit dem natrlichen weiblichen Beruf, dem Familienleben,
voraussichtlich entsagen mu, so kommt es in eine Anstalt und bildet
sich zur Lehrerin oder dergleichen aus. Im Mittelalter kam so ein armes
Frulein, dessen Ausstattung die schmalen Erbgter der Stammhalter und
Schwestern noch mehr geschmlert htte, zur Versorgung ins Kloster. Die
alten Klster (der Benediktiner, Cisterzienser, Bernhardiner) wurden so
Versorgungsanstalten[20]. Es waren adelige Stifter, fromme Anstalten der
Vorfahren, worin "ehrsame" (d.h. adelige) Jungfrauen Gott dienen und fr
die Seelen der Lebenden und Verstorbenen beten sollten[21]. Statt des
jetzigen "geistigen" Berufs zum Wirken in der Welt fr lebendige
Menschen diente damals der "geistliche" Beruf zur Verehrung Gottes und
der Heiligen, zum ewigen Seelenheil der Lebenden, namentlich aber der
toten Anverwandten im Fegefeuer. Statt der heutigen freien und doch
nicht immer freiwilligen Entschlieung zu einem selbstgewhlten Beruf,
der freilich immer nur bedingungsweise und auf Zeit ergriffen wird, galt
es damals die "ewige" unwiderrufliche "Vergelbdung" auf Lebenszeit;
statt der "Emanzipation", welche einer auer dem Familienleben stehenden
Jungfrau heute mehr oder weniger wartet, harrte ihrer damals die
"Klausur", die Einschlieung in die Klostermauern in einem streng
geschlossenen Verband, dem "Orden", unter dem straffen Bande der
"Regel", der Klostersatzungen.

Nach Begabung und Neigung zu diesem geistlichen Beruf wurde da wenig
gefragt, und es konnte auch keine Rcksicht darauf genommen werden[22].
Dazu war in diesen Zeiten die elterliche Autoritt, namentlich ber
Tchter, viel zu gro, und der Familiensinn in solchen adeligen Husern
war ein zu stark ausgeprgter, als da sich ein Glied in individueller
Neigung gegen das Herkommen und die Familiensitte wie gegen die
Forderungen der Existenzbedingungen seines Geschlechts aufgelehnt htte.
Nach den kirchlichen Bestimmungen galt der Grundsatz: "Einen Mnch macht
entweder die elterliche Vergelbdung oder die eigene Einwilligung"[23],
also in erster Linie die Bestimmung der Eltern! Diese hielten es eben
fr eine standesgeme Versorgung und zugleich fr einen "guten seligen
Stand", wie eine Nonne aus dieser Zeit erklrt[24].

Zudem wurden die Tchter in einem Alter in das Stift gethan, wo von
einer Willensentscheidung gar keine Rede sein konnte[25]. Die Mdchen
waren noch Kinder. Der Eintritt konnte schon im sechsten Lebensjahr
geschehen; viele kamen auch spter hinein, wenn sich die
Familienverhltnisse durch Wachstum der Kinderzahl, Tod der Mutter und
dergleichen anders gestalteten. Aber auch in noch frherem Alter wurden
"Kostkinder" aufgenommen, welche dann auch oft Klosterjungfrauen wurden.

"Es ist eine hohe Not und Tyrannei, da man leider die Kinder,
sonderlich das schwache Weibervolk und junge Mdchen in die Klster
stet, reizet und gehen lt"--so uert sich Luther gerade ber das
Kloster, worin sich Katharina von Bora befand, und ruft entrstet aus:
"O die unbarmherzigen Eltern und Freunde (Verwandten), die mit den
Ihren so schrecklich und greulich verfahren!"[26]

Nicht anders erging es auch der Tochter aus dem verarmten Hause Bora.
Katharina ward ins Kloster geschickt--gefragt wurde das Kind natrlich
nicht; es geschah "ohne ihren Willen", wie denn Luther im allgemeinen
von ihr und ihren Mitschwestern von Verstoung ins Kloster redet und von
Zwang. Er fragt bei dieser Gelegenheit seine Zeitgenossen: "Wie viel
meinst du, da Nonnen in Klstern sind, die frhlich und mit Lust
ungezwungen ihren Gottesdienst thun und Orden tragen? Unter tausend kaum
eine. Was ist's, da du solches Kind lt also sein Leben und alle seine
Werke verlieren?"[27]

Katharina kam vielleicht schon mit dem 6. Lebensjahr ins Kloster; denn
in ihrem sechsten Lebensjahr verschreibt Jan von Bora auf Lippendorf
alle seine Gter allda seiner--vielleicht in diesem Jahr geheirateten
zweiten--Ehefrau. Jedenfalls war Katharina im zehnten Lebensjahr (1509)
schon Klosterjungfrau; und zwar nicht mehr die jngste, sondern die
zweitjngste von den Aufgenommenen und blieb noch lange Jahre (bis 1516)
die vorletzte in der Reihe der Schwestern[28].

Klster gab es damals genug im Land: es wurden allein im Meinischen
gegen 30 Nonnenklster gezhlt[29]. In welches Kloster Katharina
eintreten sollte, das stand von vornherein fest: es mute das adelige
Cisterzienserinnen-Kloster "Marienthron" oder "Gottesthron" _Nimbschen_
bei Borna im Kurfrstentum Sachsen sein[30]. Denn hier war eine Muhme
von Vaterseite, vielleicht Vatersschwester Magdalene von Bora schon
lange Zeit Klosterjungfrau und bekleidete von 1502-8 das Amt einer
Siechenmeisterin, d.h. Krankenwrterin der Nonnen. Auerdem waren,
scheint es, noch zwei Verwandte aus der mtterlichen Familie der Haubitz
da: eine ltere Margarete und eine jngere Anna.

Das Kloster Nimbschen hat eine hbsche Lage. Eine Stunde unterhalb,
nachdem die beiden Mulden, die Zwickauer von Sden und die Freiberger
von Osten her zusammengeflossen sind zu der groen Mulde, erweitert sich
das enge Fluthal zu einer viertelstundebreiten ebenen Aue, welche die
Form eines lnglichen Blattes hat und eine halbe Stunde lang ist. Am
Ostufer zieht sich eine schroffe Felswand aus Porphyr hin, an welche
das Muldebett sich anschmiegt; im Westen begrenzt eine niedrige, sanfter
ansteigende, waldbewachsene Hgelkette den Werder. Ueber der nrdlichen
Blattspitze, die scharf durch die zusammenrckenden Felswnde
abschliet, erhob sich eine Burg und jenseits der Thalsperre, ungesehen
von der Aue aus, liegt die Stadt Grimma; an dem obern Ende der Aue,
unmittelbar am Fue des westlichen Waldhgels, stand das Kloster. Es war
also abgelegen von der Welt, abgeschlossen durch die beiden Hgelreihen,
nur mit dem Blick auf die stille ruhige Aue. Drben flo die Mulde
ungesehen tief in ihren Ufern, berragt von der Felswand, hben erhob
sich der hgelige Klosterwald. Nordwrts davon schimmerte ein ziemlich
groer Teich, welcher die leckere Fastenspeise barg.

Aus dem Hgel unmittelbar neben dem Kloster waren die schmutzig braunen
Porphyrsteine gebrochen, mit welchen die Mauern und Klostergebude
aufgebaut waren; ein Graben an diesem Hgel hin verhinderte noch mehr
den unbefugten Zutritt.

Das Klostergebude war sehr umfangreich, denn so eine alte
Cisterzienser-Abtei bildete eine Welt fr sich: nach alter Regel mute
das Kloster alle seine Bedrfnisse selber durch eigene Wirtschaft
befriedigen[31]. Daher gab es neben dem eigentlichen "Gotteshaus", wie
ein geistliches Stift genannt wurde, noch allerlei Wirtschaftsgebude:
Stlle fr Pferde, Rinder, Schweine, Geflgel mit den ntigen Knechten
und Mgden, Hirten und Hirtinnen fr Fllen, Khe, Schafe (das Kloster
hatte deren 1800!), Schweine und Gnse; ferner Mher, Drescher,
Holzhauer, eine "Ksemutter". Das Kloster selbst zerfiel in zwei
Gebudekomplexe: "die Propstei" und die "Klausur". Die Propstei schlo
sich um den ueren Klosterhof und umfate die Wohnung des Vorstehers
oder Propstes, eines "Halbgeistlichen", welcher mit "Ehren" ("Ehr")
angeredet wurde, dann die Behausung des Verwalters oder Vogts (Voit)
samt dem Schreiber; ferner das "Predigerhaus", in welchem die zwei
"Herren an der Pforte", d.i. Mnche aus dem Kloster Pforta, als
Beichtvter wohnten, denn Pforta hatte die Oberaufsicht ber Nimbschen.
Ein Brauhaus, Backhaus, Schlachthaus, Schmiede, Mhle, Kche und Keller
waren noch da, worin die verschiedenen Klosterhandwerker hausten und
hantierten; auf dem Thorhaus sa der Thorwrter Thalheym. Ein
"Hellenheyszer" hatte die Oefen zu besorgen.

Es war eine gar umfangreiche Wirtschaft und ein groes Personal: 40-50
Leute waren in der Klosterzeit Katharinas von Bora tglich "ber den
Hof" zu speisen; und dazu muten Lhne gezahlt werden, vom Oberknecht
mit 4 Schock 16 Groschen und Vorsteher mit 4 Schock an bis zur
Gnsehirtin, welche nur 40 Groschen bekam.

Um alle diese Personen zu besolden und neben den Klosterfrauen zu
speisen, brauchte es natrlich groer Einknfte an Geld, Getreide,
Hhnern, Eiern u.s.w. von den Klosterdrfern und Hfen, auer den
Klostergtern, die vom Klosterpersonal selbst bewirtschaftet wurden.
Ferner hatten die Bauern noch gar manche Fronden mit Ackern, Dngen,
Dreschen, Mhen und Heuen, Schneiden, Holzmachen, Hopfen pflcken,
Flachs und Hanf raufen, riffeln und rsten, Schafscheren, Jagdfron
(Treiben bei der Jagd) wofr teilweise Essen und Trinken, bei der Jagd
auch Geld gereicht wurde.

Die Nonnen selbst wohnten in der "Klausur", einem zweiten
Gebudekomplex, welcher im Viereck um einen kleinen Hof gebaut war und
aus der Kirche, dem Refektorium (Speisehaus), dem Dormitorium
(Schlafhaus mit den Zellen) und dem Konvent (Versammlungshaus) bestand.
Die Abtei, die Wohnung der Aebtissin, welche nicht zur Klausur gehrte,
war zwischen dieser und dem Propsthofe.

Hier im Kloster lebten nun einige vierzig Tchter adeliger Huser aus
verschiedenen Gegenden des kurfrstlichen und herzoglichen Sachsen. Dazu
kamen noch ein halb Dutzend "Konversen" oder Laienschwestern, die um
Gottes willen, d.h. umsonst dienten. Ferner mehrere bezahlte
"Kochmeide", darunter eine Kchin, und die "Frauen-Meid", d.h. die
Dienerin der Aebtissin. Diese hatte auerdem noch zwei Knaben zu ihrer
Verfgung, die natrlich im uern Klosterhof wohnten und zu Kleidern
und Schuhen zusammen 1 Schock jhrlich erhielten[32].

Die adeligen Klosterfrauen bildeten die Sammlung, den Konvent und hieen
daher auch Konventualinnen. Das war eine kleine weibliche Adelsrepublik,
die sich in allen Dingen selbst regierte nach der "Regel", den
Gesetzen, auf die sie eingeschworen waren--blo unter Oberaufsicht ihres
Visitators, des Abtes von Pforta, der aber auch nur auf Grund der Regel
anordnen und rgen konnte. Die Regel war die des hl. Bernhard, eine
etwas strengere Abart derjenigen der gewhnlichen alten
Benediktinerinnen[33].

Die Nonnen waren auer der Aebtissin in die _Klausur_ eingeschlossen,
aus welcher sie nur in Klosterangelegenheiten mit besonderer Erlaubnis,
und dies selten und in Begleitung einer Seniorin und des Beichtvaters,
heraustreten durften. Ein Verkehr mit der Auenwelt oder auch nur mit
den Klosterleuten auf der Propstei fand nicht statt; auch in der Kirche
waren sie auf einem besonderen dicht vergitterten Nonnenchor den Blicken
der Weltleute entzogen. Verboten war ausdrcklich das Uebersteigen an
der Orgel und das Herauslehnen ber die Umzunung des Chors. Wenn jemand
von drauen (Geistlicher oder Weltlicher) mit einer Klosterjungfrau zu
reden hatte, etwa die Eltern und Geschwister zu Besuch kamen, so durften
sie nur mit besonderer Erlaubnis der Aebtissin, und nur wenn es die Not
erforderte, in der Redstube durch das vergitterte Redfenster und in
Gegenwart der Aebtissin mit ihr sprechen; es war unmglich gemacht, da
jemand die Hand oder ein Ding durch das Fenster steckte. Ebenso war der
Beichtstuhl vermacht, und selbst der Beichtvater durfte nur in
Krankheitsfllen in die Klausur eintreten. Festlichkeiten und
Ergtzungen sollten die Beichtvter nicht mit den Klosterjungfrauen
mitmachen. Der Pfrtnerin war bei Strafe verboten, Hunde (?), alte
Weiber und dgl. einzulassen[34]. Die Schwestern durften auch nicht mit
den Klosterkindern[35] zusammen schlafen.

In diesem klsterlichen Verband gab es zur Regierung und Verwaltung der
Gemeinschaft zahlreiche Aemter. Mit ziemlich unumschrnkter Gewalt
herrschte die gewhlte _Aebtissin_: ihrem Befehl und ihren Strafen war
mit wortlosem, unbedingtem Gehorsam nachzukommen; doch war sie gehalten,
berall den Rat ihrer "Geschworenen und Seniorinnen" zu hren. Ihr war
nicht nur die uere Verwaltung der Gemeinschaft bertragen, auch die
"Leitung der Seelen und Gewissen". Sie sollte sich bestreben, gleich
liebreich gegen alle, Junge und Alte, aufzutreten, fr alle, Gesunde
und Kranke, namentlich in ihrer leiblichen Notdurft, besorgt zu sein.

Mit Ehrfurcht nahten die Schwestern der Aebtissin, sie war die Domina
(Herrin), die ehrwrdige Mutter, und die drauen wenigstens nannten sie
"Meine gndige Frau." Im Jahr 1509, also kurz nachdem Katharina von Bora
in Nimbschen eingetreten war, starb die alte Aebtissin Katharina von
Schnberg, und Katharinas Verwandte, Margarete von Haubitz, wurde zur
Aebtissin gewhlt und feierlich vom Abt Balthasar aus Pforta in ihr Amt
eingefhrt[36].

Nach der Aebtissin kam an Wrde die Priorin ("Preilin"), einerseits die
Stellvertreterin und Gehlfin derselben, andererseits aber auch die
Vertreterin und Vertrauensperson des Konvents. Auf sie folgte die
"Kellnerin", die "Bursarin" (auch "Bursariusin", Kassiererin) die
Ksterin, die Sangmeisterin ("Sngerin"), die Siech- und
Gastmeisterin[37].

Die Schwesternschaft, in welche die junge Katharina eintrat, hatte einen
gleichartigen gesellschaftlichen Rang: sie waren alle aus dem kleinen
Adel und vielfach mit einander verwandt oder gar Schwestern: so die zwei
Haubitz, die zwei Schwestern Zeschau und Margarete und Ave von
Schnfeld, wozu noch eine Metze[38] Schnfeld kam, welche 1508
Siechenmeisterin und spter Priorin wurde. Aber die einen waren
wohlhabend mit einem ordentlichen Leibgeding an Geld und Naturalien, die
anderen arm, vielleicht nur bei dem Eintritt und bei der Einsegnung mit
einem kleinen Geschenke von ihren Verwandten abgefunden. Der Wohlstand
scheint nicht ohne Einflu auf die amtliche Stellung gewesen zu sein;
denn es ist doch wohl nicht Zufall, da die am reichsten
Verleibgedingte, Margarete von Haubitz, zur Aebtissin gewhlt wurde[39].
Auch das Alter war ein gar verschiedenes: da war die 70 jhrige Ursula
Osmund, die an hundert Jahre alt wurde, und die zehnjhrige Katharina
von Bora und die beiden jungen Schnfeld, welche in hnlichem Alter
standen. Lange Zeit wurden gar keine neuen Jungfrauen in das Stift
aufgenommen: von 1510 bis 1517 blieben Katharina und Ave die letzten,
vielleicht weil die Zahl 50 (mit den Konversen) berschritten war und
die Einknfte des Klosters nicht mehr Personen ertrugen. Da die
Klosterfrauen auch an Wesen, Charakter und Temperament verschieden
waren, ist natrlich; aber alle geistige Individualitt (alle
"Eigenschaft") wurde durch die Klosterregel und Klosterzucht ebenso
ausgelscht, wie die leibliche Verschiedenheit durch die gleiche Tracht:
Nonnen tragen auch eine geistige Uniform. Dazu sind Freundschaften
verboten. Von irgend einer Eigenheit einer Schwester erfhrt man nichts.
Nur die Aebtissin Margarete von Haubitz ist spter charakterisiert als:
"ehrliches (vornehmes), frommes, verstndiges Weibsbild"[40].

Ob die neue Klosterjungfrau _Katharina von Bora_ an ihr oder den anderen
Verwandten aus dem mtterlichen Geschlechte eine Annehmerin gefunden
habe, ist nicht zu sagen. Doch war nicht von vornherein die
Verwandtschaft mit der Aebtissin ein Grund zu einer freundlichen
Behandlung. Denn eine gleichzeitig mit Katharina in ein andres Kloster
eingetretene junge Nonne beklagt sich, da ihre Muhme, die Aebtissin,
ganz besonders gewaltthtig und grausam mit ihr verfahren sei.
Vielleicht hat Katharina eine Art mtterliche Freundin an ihrer anderen
Verwandten aus dem vterlichen Geschlecht gefunden, der ehemaligen
Siechenmeisterin Magdalena von Bora, weil diese nachher sich als "Muhme
Lene" so innig an Katharina und ihre neue Familie anschlo[41].

Zunchst wurde das junge Mdchen eingefhrt in die Ordensregel und den
Gottesdienst, wurde gewhnt an klsterliches Benehmen und an geistliches
Denken und Wesen, auch unterrichtet in einigen Kenntnissen und
Fertigkeiten. In Nimbschen wird keine besondere Novizenmeisterin
genannt; es war nur vom Abt bei der Einfhrung der neuen Aebtissin 1509
im allgemeinen aufs neue als Ordensregel eingeschrft: "Weil es ein Werk
der Frmmigkeit und Barmherzigkeit ist, die Ungelehrten gelehrter zu
machen, wollen wir, da diejenigen, welche mehr verstehn unter den
Jungfrauen, die andern zu belehren und unterrichten sich bestreben, in
dem Bewutsein, da sie einen groen Lohn fr diese Mhe empfangen, und
da sie durch diese Beschftigung viel Leichtfertigkeit vermeiden, wozu
die ausgeladene Jugend geneigt ist." Natrlich sollten aber alle
Aelteren den Jungen mit gutem Beispiel vorangehen.

Als "der Schlssel der Religion" mute zunchst berall, wo es die
Ordensregel vorschrieb, unbedingtes _Stillschweigen_ beobachtet
werden--auer dem unbedingten Gehorsam, an den sich die Novizin zu
gewhnen hatte, der wichtigste und hchste Punkt des klsterlichen
Lebens. Denn es mte Rechenschaft gegeben werden von jedem unntzen
Wort nicht nur vor Gottes Richterstuhl, sondern auch vor dem Beichtstuhl
des Priesters. Vielmehr sollten die Klosterjungfrauen auerhalb der
vorgeschriebenen Gebetszeiten und der Lektionen in besonderen Gebeten
mit dem Brutigam Christus reden oder in Beschaulichkeit schweigend
hren, was Gott in ihnen redet. Darum wurde streng darauf gesehen, da
die Kinder und heranwachsenden Jungfrauen nicht herumliefen und
schwatzten, sondern sich sittsam und schweigsam verhielten.

Es galt sodann in Kleidung und Haltung, in Gebrde und Rede sich das
rechte nonnenhafte Wesen anzueignen. "Am Ort der Bue", mute man "die
grte Einfachheit der Kleidung zeigen, sich weder mit weltlichen
Gewndern schmcken, noch auch mit den Fransen der Phariser", sondern
die Kutten bis an die Schultern herausziehen. Das Angesicht muten die
Novizen lernen stets zu neigen. "Denn die Scham ist die Hterin der
Jungfrauschaft, der kstlichen Perle, welche die geistlichen Tchter
bewahren sollen. So sollen sie mit Seufzen und Beklagen der verlorenen
Zeit die Ankunft des himmlischen Brutigams erwarten welcher seine
Verlobten,--die im Glauben und hl. Profe stets des Herrn harren,--mit
Frohlocken in sein Brautgemach fhrt."

"Damit sie sich aber nicht mit dem Laster des Eigentums beflecken,
welches in der Religion das schlimmste und verdammlichste und ein Netz
des Teufels ist, sollen sie bei Strafe der Exkommunikation alle
Geschenke von Freunden und andern drauen nicht als ihr Recht
beanspruchen, sondern der Aebtissin reichen, und demtig von ihr das
Ntige begehren."

Die Vorgesetzten aen zwar am besonderen Tisch und hatten bessere
Speisen und Getrnke: so bekamen sie echtes Bier, dagegen die
Konventualinnen nur "Kofent" (Konvent- d.h. Dnn-Bier)[646], aber
gleichmige Behandlung aller Klosterjungfrauen in Speisen und Getrnken
waren der Aebtissin zur Pflicht gemacht, und die Mahlzeiten lieen nach
herkmmlicher Klostersitte nichts zu wnschen brig[42]. "Festmahlzeiten
und Ergtzlichkeiten" waren den Schwestern unter sich von der Aebtissin
erlaubt.

Diese Ordnungen, zu welchen in Nimbschen bei Einfhrung der neuen
Aebtissin der Abt-Visitator eine Art Hirtenbrief als Erluterung und
Ergnzung der Ordensregel gegeben hatte, wurden alle Vierteljahre
kapitelweise im Konvent gelesen und durch die Aebtissin oder Priorin
Punkt fr Punkt erklrt, damit jede Klosterjungfrau--namentlich aber die
Neulinge--aus sich selbst die klsterliche Lebensweise und
Lebenseinrichtung annhmen.

In solche strenge Klosterzucht wurde nun das junge Mdchen eingefhrt.
Wenn auch die Praxis--wie sich bei jeder Visitation zeigte, namentlich
in der Verordnung von unntzen Reden--von der Theorie abwich, so war
doch zu dieser Zeit ein stramme ernstliche Einhaltung der Ordensregel in
Nimbschen durchgefhrt. Man hatte nmlich gerade um 1500 auch hier wie
in anderen Klstern eine "Reformation" der zerfallenen Klosterordnung
erstrebt[43].

Neben dieser Erziehung zum Klosterleben gab es auch einigen
_Unterricht_, der mit dem Ordensleben zusammen hing. Die Novizen muten
lesen lernen--was damals bei der krausen Schrift und dem noch krauseren
Stil nicht so ganz leicht war[44]. Sogar ins Lateinische muten die
Nonnen notdrftig eingefhrt werden: denn die Lesungen und Gebete,
besonders aber die Gesnge waren meist in der Kirchensprache
geschrieben--wenn es auch mit dem Verstndnis der Fremdsprache nicht
gerade weit her war: singen ja doch auch heute Kirchenchre in
Dorfgemeinden lateinische Hymnen und Messen. Auch schreiben hat
Katharina im Kloster gelernt, wenn sie auch spter--wie alle viel
beschftigten Frauen nicht gerne und viel schrieb und an Fremde und
hochgestellte Personen ihre Gedanken lieber einem Studenten oder
Magister in die Feder sagte. Sonst konnten nicht alle Klosterfrauen
diese Kunst. Eine eigentliche Schule, worin die Schulmeidlein gelehrt
wurden, gab es nicht, doch waren einige Klosterfrauen fhig, nach ihrem
Austritt Mdchenschulmeisterinnen zu werden, so die Schwester von
Staupitz und die Elsa von Kanitz[45].

Der _Gesang_ spielte eine groe Rolle im Kloster: waren doch alle
religisen Uebungen grtenteils gemeinschaftlich und muten so zum
Chorgesang werden. Es war eine Sngerin oder Sangmeisterin
(Kapellenmeisterin) bestellt, welche die Gesnge einzuben hatte. Und im
Kloster war ein altes "Sangbuch", welches 1417 fr 2 Schock Groschen
gekauft und vom markgrflichen Vogt zu Grimma bezahlt worden war. Es
waren aber im Kloster fremde Gesnge aufgekommen und es wurde gegen die
Regel des seligen Vaters Bernhard zu schnell und ungleich (d.h.
rhythmisch) gesungen, und kam der Unfug auf, da unvermittelt bald alle,
bald wenige Stimmen sangen; der Abt von Pforta ordnete daher an, da
rund, eine Silbe wie die andere gesungen werde, einhellig und mit
gleicher Stimme, nicht zu hoch und zu tief[46].

Im Jahre 1509, als Katharina von Bora zehn Jahre zhlte, war sie kein
Kostkind oder Schulmeidlein mehr, sondern wurde schon unter die
Klosterjungfrauen gezhlt. Sie war also einstweilen wenigstens
"Postulantin", Anwrterin fr die Pfrnde. Da meist das vierzehnte
Lebensjahr das Entscheidungsjahr fr die Klostergelbde war, so htte
sie mit dem dreizehnten ihr Noviziat antreten und ein Jahr darauf Profe
thun knnen. Es ist auffllig, da sich dies bei Katharina zwei Jahre
hinausschob, und sogar die spter eingetretene jngere Ave Schnfeld
_vor_ ihr mit ihrer lteren Schwester Margarete eingesegnet wurde[47].

Mit ihrem 15. Jahre also wurde Katharina von Bora nach dem Herkommen der
Sammlung von der Aebtissin "angegeben" (vorgeschlagen) und von dem
Konvent angenommen. Unter feierlichen Zeremonien in der Kirche wurden
ihr die Haare abgeschnitten, die mit Weihwedel und Rauchfa besprengten
und berucherten heiligen Kleider angethan: die weie Kutte bergezogen,
der weie Weiler (das Kopftuch (velum, der sog. Schleier)) ums Haupt
geschlungen; auf diesem wurde der Himmelsbraut der weie Rosenkranz
aufgesetzt und der Heiland im Kruzifix als Brutigam in die Arme gelegt,
dann hat sie ihm durch Opferung des Kranzes ewige Reinigkeit verheien
und geschworen. Darauf fiel die Postulantin der Reihe nach der Aebtissin
und jeder der einzelnen Klosterfrauen demtig zu Fen, wurde von ihnen
aufgehoben und mit einem Kusse als Schwester in die Gemeinschaft
aufgenommen[48].

Jetzt kam Katharina unter die strenge Zucht einer lteren Klosterfrau
und mute in dieser Probezeit im Ernst all die vielen Dinge ben in
Haltung und Gang, in Gebrde und Rede, welche eine Nonne auf Schritt und
Tritt zu beobachten hat, wenn sie nicht gegen die Regel sndigen und
dafr Bue erleiden will. So erzhlt eine Nonne: "Das Probejahr geschahe
nur, da wir Ordensweise lernten und uns versuchten, ob wir zum Orden
tchtig"[49].

Endlich, im Jahre 1515, "Montags nach Francisci Confessoris", d.h. am 8.
Oktober, war Katharinas "eynseghnug". Da mute sie "Profe thun", d.h.
das ewig bindende Klostergelbde ablegen. Es wird ihr gegangen sein wie
jener anderen Nonne, die um diese Zeit auch eingesegnet wurde und von
sich erzhlt: "Am Abend vor meiner Profession sagte mir die Aebtissin
vor der ganzen Versammlung im Kapitel: man solle mir die Schwierigkeit
der Regel vorlegen und mich fragen, ob ich das gesinnet wre zu halten?
wre aber nicht von nten, denn ich htte mich in der Einkleidung
genugsam verpflichtet. Und wenn ich gleichwohl gefragt worden wre,
htte ich doch nichts sagen drfen, htte mir auch nichts geholfen." Die
Einsegnung ging vor sich und zwar war Katharina von "Bhor" als einzige
auf diesen Tag geweiht. Sie spendete dabei dem Kloster von dem wenigen,
was sie vermochte, 30 Groschen[50].

Zwar nicht widerwillig, aber doch wie sie (bezw. Luther) spter sagte,
ohne "ihren Willen" wurde Katharina als Tochter des sel. Vaters Bernhard
verpflichtet. Trotzdem aber hat sie sich in die Klosterregel nicht nur
gefgt, sondern auch "hitzig und emsig und oft gebetet"[51].

Das entspricht ihrer gesamten entschiedenen Natur, wie sie sich spter
ausgereift zeigt. Sie war ja gelehrt worden, durch "gute Werke",
insbesondere durch Klosterwerke, erwerbe man sich himmlische Gter und
geldliches Vermgen und einen hohen seligen Sitz im Jenseits; also
strengte sie alle Kraft und allen Flei an, solchen Reichtum zu erwerben
und durch geistliche Uebungen sich einen guten Platz im Himmel zu
verdienen. Was sie spter als Frau einmal angriff, das erstrebte sie
auch mit der ganzen Gewalt und Zhigkeit ihres Willens, und so wird sie
es auch im Kloster gehalten haben als Nonne. Zudem pflegen junge
Klosterleute, namentlich weibliche, die eifrigsten zu sein in der Uebung
der Pflichten, auch wenn sie nichts von Schwrmerei an sich haben.

Und was hatte nun die junge Nonne fr hohe Werke und heilige Pflichten
zu thun?

Fast das gesamte Leben im Kloster fllten geistliche Uebungen aus, ihr
ganzes Tagewerk war Beten, Singen, Lesen, Hren erbaulicher Dinge, "da",
wie es in einer Klosterregel heit, "alle Klausur und geistliche Leute
erdacht und gemacht sind, da sie unserm Herrn und Gott dienen und fr
Tote und Lebende und alle Gebresthafte Bitten fllen". Das waren nun
auer dem Messesingen und den privaten Gebeten noch besonders die
gemeinsamen 7 Gebetszeiten, die Horen: Matutin, Terz, Sext, Non am
Morgen, Vesper und Komplet am Abend mit Psalmen, Martyrologien,
Ordensregeln. Auch nchtliche Gottesdienste wurden begangen: Metten und
Vigilien. Und sogar whrend des Essens, wo Stillschweigen geboten war,
wurde vorgelesen aus einem Erbauungsbuch. Abwechselnd hatte Katharina
auch selbst diese Vorlesung zu halten und mute dann nachspeisen[52].

Welchen Eindruck diese Vorschriften auf ein natrlich fhlendes und
religises Gemt machen muten, hren wir aus einem spteren Bericht:
"Da D. Martinus der Nonnen Statuten las, die gar kalt geschrieben und
gemacht waren, seufzte er sehr und sprach: "Das hat man mssen
hochhalten und hat dieweil Gottes Wort vermisset! Sehet nur, was fr
eine Stockmeisterei und Marter der Gewissen im Papsttum gewest ist, da
man auf die horas canonicas und Menschensatzungen drang, wie Hugo
geschrieben, da wer nur eine Silbe ausliee und nicht gar ausbetete,
mte Rechenschaft dafr geben am jngsten Gericht[53]."

Ob Katharina je ein Amt in dem Konvent bekleidet hat, wissen wir nicht;
jedenfalls konnte dies nur ein niederes, etwa das einer
"Siechenmeisterin" sein. Wahrscheinlich aber war sie noch zu jung, als
da bei so vielen Vorgngerinnen an sie die Reihe gekommen wre[54].

Eigentliche _Arbeit_ gab es im Kloster nicht: die Nonnen durften ja
nicht aus der Klausur, und die Hausarbeit in Kche und Stube schafften
die Laienschwestern und Klostermgde. Freilich so ganz arbeitslos wie
bei manchen adeligen Mnchsorden, wovon der Volkswitz sagt:

  Kleider aus und Kleider an
  Ist alles, was die Deutschherrn than.

--so trge verflo das Leben der Nonnen nicht. Konnten sie sich doch mit
weiblichen Handarbeiten abgeben wie Spinnen von dem Ertrag der groen
Schafherden fr die wollene Bekleidung, namentlich aber mit Stickereien,
wie Altardecken, Megewnder, Teppiche, Fahnen u.s.w., in Nimbschen,
wohl auch in Pforta fr die Kirche der dortigen Mnche und vielleicht
auch fr den Bischof von Meien, unter dem das Kloster stand[55]. So hat
jedenfalls auch Schwester Katharina manche kunstvolle Stickerei
verfertigt, wenn auch die mancherlei Handarbeiten, welche heutzutage da
und dort von Luthers Kthe gezeigt werden, wohl alle nicht echt sind.

Eine gewisse Unterhaltung gewhrte noch die Besichtigung und
Instandhaltung der zahllosen Reliquienstcke, welche in der Nimbscher
Kirche aufgespeichert waren, und welche es galt zu schmcken und in
Ordnung zu halten. Es waren da an den 12 Altren in Kreuzen,
Monstranzen, Kapseln, Tafeln wohl vierhundert hl. Partikeln. So von
Christi Tisch, Kreuz und Krippe, Kleid und Blut und Schweituch, vom
Stein und Boden, wo Jesus ber Jerusalem weinte, im Todesschwei betete,
gegeielt sa, gekreuzigt ward, gen Himmel fuhr; vom Haar, Hemd, Rock,
Grab der hl. Jungfrau; von den Aposteln allerlei Knochen, auch Blut
Pauli, vom Haupt und Kleid Johannes' des Tufers; von vielen Heiligen,
bekannten und unbekannten: den 11000 Jungfrauen, der hl. Elisabeth von
Thringen, der hl. Genoveva, dem hl. Nonnosus, der hl. Libine Zhne,
Hnde, Arme, Knochen, Schleier, Teppiche--, ferner Partikeln von der
Sule Christophs, vom Kreuz des Schchers u.a.[56].

Aber auch hier hatten die Seniorinnen, u.a. auch Magdalena von Bora, die
Obhut ber die hl. Kapseln.

Vor allen diesen Reliquien wurden bestimmte Antiphonien gesungen, was
eine gewisse Abwechslung in dem tglichen Gottesdienst gab.

Eine Abwechslung in dem ewigen Einerlei brachten auch die vielen
Festtage, Bittgnge und Prozessionen im Kreuzgang und auf dem
Kirchhof[57].

Eine groe Sache war die Visitation des Klosters durch den Abt von
Pforta--freilich auch eine kostspielige: der Abt mit seinen Begleitern
mute abgeholt und wieder heimgebracht und unterwegs und im Kloster
verkstigt, auch herkmmlich mit Erkenntlichkeiten bedacht werden[58].
Bei der Visitation gab's eine Untersuchung aller Mistnde, ein Verhr
aller einzelnen Schwestern und schlielich einen oft scharfen Bescheid.

Es kamen auch an den hohen Festtagen und deren Oktaven Wallfahrer ins
Kloster, denn dieses hatte von verschiedenen Kirchenfrsten Ablsse,
wenn auch nur 40tgige, erlangt fr Besucher und Wohlthter des
Klosters, fr Anhrung von Predigten und Kniebeugen beim Aveluten[59].

Der Hauptabla aber war an einem besondern Tag im Jahre, wahrscheinlich
an der Kirchweihe (23. August). Da war Messe und Jahrmarkt zu gunsten
des Klosters unter dem Namen "_Abla_" (wie in Bayern "Dult" = Indulgenz
= Abla). Zu diesem Tage kamen von weit und breit die Leute. Wenn so zu
Nimbschen jhrlich "Abla" war, muten fronweise aus jedem Klosterdorf
drei Mnner kommen und "zur Verhtung von Hndeln, bei Tag und Nacht zu
besorgend, Wache halten". Von all diesem Leben und Treiben freilich
sahen die Klosterfrauen so gut wie nichts, wenn sie auch von ihrer
Klausur aus den Lrm drauen hren konnten[60].

Allerdings nahm die Aebtissin, wenn sie einmal ausreiste, eine und die
andre Schwester mit; aber freilich an die jngern Klosterfrauen kam das
wohl schwerlich. Da ging es nach Grimma, ins nahe Stdchen, oder auch
ins ferne Torgau, die kurfrstliche Residenz an der Elbe, wo gerade das
groartige Schlo Hartenfels gebaut wurde. Dort hatte das Kloster
mancherlei Besitzungen an Aeckern und Wiesen und mute mit eigenem
Geschirr Getreide holen, whrend die Stadt verschiedene Gebrude Bier
selbst bringen mute. Mit diesen Fuhren wurde aber auch manches, was in
Torgau verkauft oder gekauft war, hin und zurck gebracht. Eingekauft
wurde vor allem bei dem Ratsherrn und Schffer Leonhard Koppe, z.B.
Tonnen Heringe, Kiepen (Rckkrbe) voll Stockfische, Hechte, Fsser
Bier, Aexte. Namentlich geschahen solche Einkufe zu Martini, wo "Meine
gndige Frau", die Aebtissin, mit einer wrdigen Jungfrau die Zinsen
einnahm, in der Herberge auch einige Groschen "zu vertrinken" gab und
bei Koppe einkaufte und die Rechnung persnlich bezahlte[61].

Das waren die besondern Ereignisse in dem steten Einerlei des Jahres. In
ihrer ganzen Klosterzeit erlebte Katharina von Bora auch nichts
besonderes Auerordentliches. Einzelne der Klosterfrauen gingen mit Tod
ab. Nachdem lange Katharina von Bora und Ave von Schnfeld die Jngsten
im Kloster gewesen waren, kamen anno 1516 auf einmal 9 Kostkinder
herein: 3 Schellenberger, 2 Hawbitzen (Verwandte Katharinas von
mtterlicher Seite), 1 Lauschkin, 1 Keritzin (Kieritsch?), 1 Poin, 1
Buttichin. Im folgenden Jahre traten drei Neulinge in den
Klosterverband, und ein Jahr darauf kamen wieder einige Kostkinder weg
und andere herein[62]. 1522 war ein Wechsel des Klostervorstehers
(Propstes), indem der alte, Johann Kretschmar, starb. Die Nonnen hielten
sehr zu ihrem Propst, whrend die Beichtvter verhat waren; denn diese,
"die 2 Herren an der Pforte" betrugen sich anspruchsvoll und anmaend,
mischten sich--wohl aus Langerweile--in Dinge, die sie nichts angingen,
wollten in die Verwaltung, also in den Geschftskreis des Propstes drein
reden, hetzten die Nonnen wider einander auf, so da gar oft Klagen
wider sie ergingen und der Konvent sogar die weltliche Gewalt wider sie
und gegen ihre Schtzer, die Aebte von Pforta, anrufen mute[63]. Da gab
es nun in diesen Jahren eine gar willkommene Gelegenheit, den Mnchen
ein Schnippchen zu schlagen. Zu Martini 1513 kam der Vorsteher vom
Hospital des Heilig-Geist-Ordens aus dem fernen Pforzheim im
Schwabenland, Matthias Heuthlin, und bot den Nonnen ein Privilegium an.
Weil seine Anstalt nmlich nicht genug Einknfte besa, hatte er sich
vom Papst Julius II. die Gnade erwirkt, da allen Wohlthtern des
Spitals die Wahl des Beichtvaters freigegeben wurde. Also gab die Domina
Aebtissin und ganze lbliche Sammlung des Klosters eine Beisteuer und
erhielten dafr einen gedruckten mit dem Namen "Niimitsch" ausgefllten
und vom Magister domus Hospitalis de Pfortzheim ord S. Spirit.
unterzeichneten Zettel, wonach das Kloster Nimbschen fr seine milde
Gabe in die Bruderschaft des hl. Geistordens ausgenommen und aller guten
Werke und Ablsse derselben teilhaftig und ihm insbesondere erlaubt
wurde, sich von einem beliebigen weltlichen oder mnchischen Beichtvater
Absolution von Snden, Uebertretungen und Verbrechen, sogar solchen,
welche dem apostolischen Stuhl vorbehalten waren, einmal im Leben und im
Todesfall, so oft es ntig erschien, erteilen zu lassen. Dieses
Privilegs machte sich das Kloster durch wiederholte Gaben in den
folgenden Jahren (1516, 1519, 1520) teilhaftig[64]. So war auch den
Nimbschener Nonnen eine von den zahllosen Hinterthren geffnet, durch
welche in der katholischen Kirche die geknechteten Seelen dem
geistlichen Zwang sich entziehen und auf Nebenwegen die Seligkeit
erlangen konnten.

Katharina erlebte auch im Kloster noch die Vorboten des Bauernkriegs.
Die Klosterdrfer hatten zwlferlei Fronden. Von diesen trotzten die
Bauern sich schon vorher vier ab, waren aber auch damit noch nicht
zufrieden, so da der neue Propst sich nach Rat und Hilfe umsehen
mute[65].

Das waren die kleinen und kleinlichen Eindrcke und Ereignisse, die in
das Leben der Nimbscher Jungfrauen und der Katharina von Bora
eingreifend, die glatte Oberflche ihres beschaulichen Daseins leicht
kruselten. Das waren die einfrmigen Beschftigungen, mit denen sie die
Zeit, die langen Tage, Wochen und Jahre mhsam hinwegtuschten. Solche
einseitigen Interessen und Anschauungen beherrschten den Gesichtskreis
eines jugendlichen Geistes. Wie das Klosterleben die krperliche Kraft
eines jungen Menschenkindes zurckhielt, so mute es auch die
aufstrebende Willenskraft erschlaffen. Die Klostermauern beengten nicht
nur das uere Gesichtsfeld, sie machten auch das geistige Auge
kurzsichtig. Wenn auch die ghnende Langeweile demjenigen nicht zu
Bewutsein kam, der von nichts anderem wute, so mute doch der Geist
nach Eindrcken lechzen, so da das Sprichwort begreiflich wird, welches
den Klosterbewohnern die Sehnsucht nach Erlebnissen zuschreibt:
"Neugierig wie eine Nonne". Und die stndige Aufgabe, "das Leben in
sich abzutten", konnte bei einer gesunden Natur erst recht die Frage
erwecken, was Leben sei. Wenn bei dem Mann im Kloster der Verstand sich
heihungrig auf die Wissenschaft werfen konnte, so blieb die
eigentmliche Lebenskraft des Weibes, das Gemt hier unbefriedigt[66].

Gewi die allermeisten dieser adligen Frulein hatten es uerlich
angesehen im Kloster besser, behaglicher, luxuriser als daheim im
beschrnkten Haushalt der Eltern oder eines eigenen Gatten; und das
Ansehen, das eine gottgeweihte Jungfrau in den Augen des Volkes und
besonders der Kirche, und nicht zum wenigsten in dem eigenen Bewutsein
hatte, war viel grer als dasjenige, das eine arme Edelfrau drauen in
der Welt finden konnte. Aber der ganze Zwang der Unnatur und die
Knstlichkeit all dieser Verhltnisse mute, wenn auch ohne klares
Bewutsein, auf einen wahrhaften und gesunden Geist drcken.

Nur das eine Gefhl konnte die Nonne ber alle Zweifel, alle Entsagung,
alle Pein, alle Langeweile des Klosterlebens hin wegheben: das
Bewutsein, ein gottwohlgeflliges Werk zu thun, sich ein besonderes
Verdienst vor Gott zu erwerben, sich die zeitliche Heiligkeit und die
ewige Seligkeit zu versichern. Aber wie dann, wenn diese Grundbedingung
alles Nonnentums, dieser Grundpfeiler alles Klosterlebens erschttert
und untergraben wurde, ja sich selbst als morsch und faul erwies? Dann
mute das ganze Gebu zusammenstrzen, dann mute eine gegen sich
aufrichtige und willensstarke Natur die Konsequenzen ziehen und ein
Leben verwerfen und verlassen, das als heiliger und seliger Beruf
erschienen war und bisher den ganzen Menschen erfllt hatte.

Und dieser Fall trat bei Katharina ein. Aber freilich ihr verstndiger,
nchterner Sinn wird sie auch davor bewahrt haben, in krankhafter
Schwermut sich unglckselig zu beklagen oder sich hinauszusehnen in eine
verschlossene Welt.

Es mute ihr erst die Mglichkeit sich ffnen, den Klostermauern zu
entrinnen, und das pflichtmige Recht, es zu drfen; dann aber erwachte
auch ihre ganze Thatkraft und mit aller Macht des Willens und Verstandes
setzte sie auch durch, was erreichbar und recht war.




3. Kapitel

Die Flucht aus dem Kloster


Kaum ein Jahr hatte Schwester Katharina das Nonnengelbde abgelegt, da
schlug der Augustinermnch Martin Luther in Wittenberg die 95 Stze
wider den Abla an. Nach einem Jahr stellte er sich dem Gesandten des
Papstes in Augsburg zur Verantwortung. Wieder ein Jahr spter war die
groe Redeschlacht mit Eck zu Leipzig. Am Ende des folgenden Jahres
verbrannte Luther die Bannbulle und im Frhjahr 1521 stand er vor Kaiser
und Reich in Worms.

Diese die Kirche und die ganze christliche Welt aufregenden Ereignisse
drangen auch in die Klster und erregten auch dort die Geister; dies um
so mehr, weil der Urheber all dieser gewaltigen Kmpfe selbst ein
Klosterbruder war, und zwar ein Augustiner, der dem Orden der alten
Benediktiner (Cisterzienser und Bernhardiner) verwandt war und darum als
Vorkmpfer dieses wider die gegnerischen Genossenschaften der
ketzerrichterischen Dominikaner angesehen und schon darum mit einer
gewissen Sympathie betrachtet wurde.

Aber noch tiefer in das Leben und die Gedankenwelt der Klosterbewohner
schnitten die Schriften ein, welche der Wittenberger Mnch und Doktor in
diesen groen Jahren schrieb. Schon die Disputation von "Kraft und Wert
des Ablasses" ber die 95 Thesen ging die Nonnen in Nimbschen besonders
an; denn auf "Kraft und Wert des Ablasses" ruhte ja ein sehr groer Teil
ihres geistlichen Vermgens: der Gottesdienst an jedem Festtag, ja das
Kniebeugen beim Aveluten brachte jedesmal vierzig Tage Abla ein. Aber
noch nher sollten ihre Person und ihren besonderen Beruf weitere
Schriften berhren[67].

Es erschien 1518 Luthers "Auslegung des Vaterunsers fr die
Einfltigen". Darin mute einem Klosterinsassen gar mancherlei
auffallen. Das Vaterunser, heit's da, ist das edelste und beste
Gebet--beim Rosenkranz aber kommt das Ave Maria 5 mal so oft vor!
Ferner: "Je weniger Worte, je besser Gebet; je mehr Worte, je weniger
Gebet. Da klappert einer mit den Paternosterkrnern und manche
geistliche Personen schlappern ihre Horen berhin und sagen ohne Scham:
'Ei nun bin ich froh, ich habe unsern Herrn bezahlt', meinen, sie haben
Gott genug gethan. Jetzt setzen wir unsere Zuversicht in viel Geplrr,
Geschrei und Gesang, was Christus doch verboten hat, da er sagt:
'niemand wird erhrt durch viel Worte machen'. Er spricht nicht: ihr
sollt ohne Unterla beten, Bltter umwenden, Rosenkranz-Ringlein ziehn,
viele Worte machen. Das Wesen des Gebets ist nichts anders als Erhebung
des Gemtes oder Herzens zu Gott, sonst ist's kein Gebet. Den Namen
Gottes verunehren die hoffrtigen Heiligen und Teufels-Martyrer, die
nicht sind wie andere Leute, sondern gleich dem Gleisner im Evangelium.
Wir beten nicht: La uns kommen zu deinem Reich, als sollten wir darnach
laufen; sondern: Dein Reich komme zu uns; denn Gottes Gnade und sein
Reich mu zu uns kommen, gleich wie Christus zu uns vom Himmel auf die
Erde gekommen ist und nicht wir zu ihm von der Erde gestiegen sind in
den Himmel. Das tgliche Brot ist das Wort Gottes, weil die Seele davon
gespeist, gestrkt, gro und fest wird. Es ist ein schweres Wesen zu
unser Zeit, da das Frnehmste im Gottesdienst dahinten bleibt."[68]

Dann kam 1520 der "Sermon von den guten Werken". Gute Werke waren ja
alles Thun im Kloster: Beten, Fasten, Wachen u.s.w. Was aber nennt nun
Luther wahrhaft gute Werke? "Das erste, hchste und alleredelste Werk
ist der Glauben an Christum. Darin mssen alle Werke geschehen und
dadurch erst gut werden. Beten, Fasten, Stiften ist ohne dies nichts.
Fragst du solche, ob sie das auch als gutes Werk betrachten, wenn sie
ihr Handwerk arbeiten und allerlei Werk thun zu des Leibes Nahrung oder
zum gemeinen Nutzen, so sagen sie nein! und spannen die guten Werke so
enge, da nur Kirchengehen, Beten, Fasten Almosen bleiben. So verkrzen
und verringern sie Gott seine Dienste. Ein Christenmensch vermisset sich
aller Ding, die zu thun sind, und thut's alles frhlich und frei; nicht
um viele gute Verdienste und Werke zu sammeln, sondern weil es ihm eine
Lust ist, Gott also wohlzugefallen. Eltern knnen an ihren eigenen
Kindern die Seligkeit erlangen; so sie die zu Gottes Dienst ziehen,
haben sie frwahr beide Hnde voll guter Werke an ihnen zu thun. O welch
ein selige Ehe und Haus wre das! Frwahr, es wre eine rechte Kirche,
ein auserwhlet Kloster, ja ein Paradies!"

Und hnliche Gedanken konnten die Klosterleute ausgefhrt finden in des
Doktors herrlichem Bchlein "Von der Freiheit eines Christenmenschen"
vom selben Jahr 1520. Da heit es: "Der Mensch lebt nicht fr sich
allein, sondern auch fr alle Menschen auf Erden; ja vielmehr allein fr
andere und nicht fr sich. Daher bin ich schmerzlich besorgt, da
heutzutage wenige oder keine Stifte und Klster christlich sind. Ich
frchte nmlich, da in dem Fasten und Beten allesamt nur das Unsere
gesucht wird, da damit unsere Snden gebt und unsere Seligkeit
gefunden wird."

Fr die Mnche und Nonnen aber eigens geschrieben waren mehrere
Schriften ber das Klosterleben. So das Bchlein ber "die
Klostergelbde. Aus der Wstenung (d.h. Wartburg) anno 1521". Darin
nimmt sich Luther der gefallenen und gengsteten Gewissen an und thut
aus Gottes Wort dar, da die Gelbde, die ohne und wider Gottes Gebot
geschehen und an sich unmglich sind, eines getauften Menschen Herz
nicht bestricken und gefangen halten knnen. Der Glaube und das
Taufgelbde sei das oberste, ohne welches man nichts geloben kann; denn
die Seelen werden durch die Taufe Verschworene und Verlobte Christi.
Falsch Verlobte wie die Klostersleute befreit der Sohn Gottes und nimmt
den aus Gnaden mit Freuden an, der sich zu ihm kehrt und dem ersten
Gelbde anhngt. "Dies Buch machte viele Bande ledig und befreite viel
gefangener Herzen", sagt eine Zeitgenosse[69].

Gleichfalls von der Wartburg aus erschien endlich ein deutsches
Predigtbuch ("Postilla") von Luther und zu Michaelis desselben Jahres
(1522) noch ein Wartburgswerk "Das Neue Testament deutsch". Da konnte
nun jedermann und vor allem die geistlichen Personen im Kloster, welche
die evangelischen Ratschlge befolgen und ein evangelisches Leben fhren
wollten, aus der Quelle erfahren, was wahres Christentum sei, wie es
Christus und die Apostel gelehrt, und wie es Luther ausgelegt hatte.

Demzufolge wandte sich die Stadt Grimma, in deren unmittelbarer Nhe
das Kloster Nimbschen gelegen war, dem Evangelium zu, und die Mnche in
mehreren umliegenden Klstern verlieen ihre Gotteshuser.

Diese Schriften und Nachrichten kamen auch in das Kloster Nimbschen,
denn so ganz verschlossen von der Welt waren auch Nonnenklster nicht.

Auf welchem Wege und durch wen wurden sie den Klosterfrauen vermittelt?

Zweierlei Wege und Personen zeigen sich da. In _Grimma_ war ein Kloster
von Luthers Kongregation: Augustiner-Eremiten. Dort hatte Luther 1516
schon Visitation gehalten und bei der Rckkehr von der Leipziger
Disputation (1519) blieb er mehrere Tage und predigte wohl auch
daselbst; denn die Mehrzahl der Einwohner Grimmas standen schon lngst
auf seiner Seite. Der Prior des Klosters Wolfgang von _Zeschau_ war
Luthers Freund. Er trat 1522 mit der Hlfte der Ordensbrder aus dem
Kloster und wurde "Hospitalherr" (Spittelmeister) am St. Georgen-Spital.

Von diesem Zeschau nun aber waren zwei Verwandte (Muhmen) im Kloster
Nimbschen, zwei leibliche Schwestern: Margarete und Veronika von
Zeschau. Gewi konnte dieser evangelisch gesinnte frhere Mnch
wenigstens vor seinem Austritt mit seinen Muhmen ohne Verdacht verkehren
und ihnen Luthers Schriften zustecken. Auch der eifrig evangelische
Stadtpfarrer in Grimma, Gareysen, war dazu imstande, welcher zu Ostern
1523 das hl. Abendmahl unter beiderlei Gestalt austeilte.

Auer dem nahen Stdtchen Grimma konnte aber auch das ferner gelegene
_Torgau_ der Ort sein, von welchem aus reformatorische Gedanken und
Schriften ins Kloster Nimbschen drangen. In Torgau war sehr frh und
sehr durchgreifend die Reformation eingefhrt worden, besonders seit der
frhere Klostergenosse Luthers, der feurige Magister Gabriel _Zwilling_
dort wirkte. Dieser, obwohl einugig und ein kleines Mnnlein mit
schwacher Stimme, hat doch durch seine begeisterte, ja strmische
Predigt, welche in Wittenberg sogar einen Melanchthon mit fortgerissen
hatte, die Brgerschaft zu einer ziemlich radikalen Abstellung aller
rmischen Mistnde und zu begeisterter Aufnahme des Evangeliums
bewogen. Ja ein Torgauer Brgersohn, Seifensieder seines Handwerks,
entfhrte zu dieser Zeit--ob vor oder nach 1523 ist ungewi,--zwei
Nonnen aus dem Kloster Riesa an der Elbe und versteckte sie in einen
hohlen Baum. Dann holte er Pferde und geleitete sie heim und heiratete
die eine der beiden Klosterjungfrauen. Und eine Torgauerin trat 1523 aus
dem Kloster Sitzerode[70].

Ein besonders entschiedener und thatkrftiger Anhnger war der ehemalige
Schsser, der "frsichtige und weise Ratsherr" Leonhard Koppe, in dessen
Kaufladen das Kloster seine Waren einzukaufen pflegte, und der wohl mit
seinem Fuhrwerk selber Lieferungen nach Nimbschen brachte. So war dieser
Laie, wenn auch seine evangelische Gesinnung bekannt sein mute,
vielleicht ein noch geeigneterer Mittelsmann fr evangelische Schriften,
als die doch immerhin verdchtigen bergetretenen Geistlichen von
Grimma, vor denen als gefhrlichen Wlfen die "zwei Herren an der
Pforte" ihren geistlichen Schafstall wohl gehtet haben werden. Mit
seinen Waren konnte Koppe leicht lutherische Schriften einschmuggeln und
auch einen Brief aus dem Kloster nach auen besorgen. Keck und schlau
genug war Koppe dazu[71].

Welchen Eindruck das Auftreten und die Schriften Luthers auf die Nonnen
machte, lt sich ersehen aus einem Bericht, den eine Nonne in gleicher
Lage und Zeit, jene Florentina von Eisleben, durch Luther in Druck gab.
"Als nun die Zeit gttlichen Trostes, in welcher das Evangelium, das so
lange verborgen, an den Tag gekommen, ganzer gemeiner Christenheit
erschienen: sind auch mir als einem verschmachteten hungrigen Schaf, das
lange der Weide gedarbt, die Schriften der rechten Hirten gekommen,
worinnen ich gefunden, da mein vermeintlich geistlich Leben ein
gestrackter Weg zu der Hlle sei"[72].

In Nimbschen ging es einem groen Teil der Klosterjungfrauen hnlich.
Ja, eine Anzahl derselben verabredete sich zu dem Plan, aus dem Kloster
auszutreten.

Das war ein schwerer Entschlu, der groe Ueberwindung kostete. Eine
ausgesprungene Nonne galt bisher fr einen Schandfleck in der Familie.
Der _freie_ Austritt aber war nur durch ppstlichen Dispens mit groen
Kosten und Mhen zu erreichen und eigentlich nur Gliedern frstlicher
Familien mglich. Freilich waren in dieser neuen, tieferregten Zeit
schon Mnche aus dem Klosterverband ausgetreten und weltlich geworden;
niemand wagte sie jetzt, wenigstens im kurfrstlichen Sachsen,
anzutasten, ja, sie erhielten sogar Aemter und Stellen von Stadt und
Staat. Aber der Austritt von Nonnen war fast noch unerhrt, jedenfalls
noch sehr ungewohnt[73]. Und wenn auch das Vorurteil der Welt und der
eigenen Angehrigen berwunden war, so fragte sich doch: was sollten die
ausgetretenen Nonnen drauen in der Welt anfangen, was thun und werden,
womit sich erhalten und durchs Leben bringen?[74]

Wenn darum also auch die meisten, wo nicht alle Nonnen in Nimbschen das
Klosterleben verwarfen, so haben sich doch nur die mutigsten
entschlossen, den Schritt zu thun, den sie fr recht und geboten
erachteten, nmlich nur diejenigen, welche vermge ihrer Bildung
selbstndig sich durchs Leben zu bringen im stande waren, wie die
Staupitz und Kanitz, oder die noch jung genug waren, sich in ein neues
Leben zu schicken, wie die beiden Schnfeld und Katharina von Bora. Es
waren in Nimbschen neun Nonnen zum Austritt bereit: Magdalena von
Staupitz, Elisabeth von Kanitz, Veronika und Margarete von Zeschau,
Loneta von Gohlis, Eva Groe, Ave und Margarete von Schnfeld und als
zweitjngste von ihnen Katharina von Bora[75].

Diese Kloster-"Kinder" (Nonnen) thaten nun das Naturgemeste und
Verstndigste: "sie ersuchten und baten ihre Eltern und Freundschaft
(d.i. Verwandte) aufs allerdemtigste um Hlfe, herauszukommen". Sie
zeigten genugsam an, da ihnen solch Leben der Seelen Seligkeit halber
nicht lnger zu dulden sei, erboten sich auch zu thun und zu leiden, was
fromme (brave) Kinder thun und leiden sollen"[76].

Aber freilich den Eltern und Verwandten war das Gesuch ihrer Tchter und
Basen eine Verlegenheit. Einmal: der Versorgung wegen waren ja diese
Tchter ins Kloster gethan worden--wie wollte man sie nun in den armen
Familien unterhalten? Ihr Erbe war schon in Wirklichkeit oder in
Gedanken verteilt, wer mochte es an diese weltentrckten,
gesellschaftlich toten Familienmitglieder herausgeben?[77] Ferner waren
solche Klosterfrauen der Welt entfremdet und taugten gar wenig ins
Leben. Wenn endlich auch nicht noch religise oder kirchliche Bedenken
abschreckten, so war es doch noch eine andere Furcht: die Lehen der
meisten Anverwandten der Klosterfrauen lagen im Lande Herzogs des
Brtigen, der ein heftiger Feind der Reformation und des Wittenberger
Doktors im besonderen war. Da konnte es wegen Entfhrung von
gottgeweihten Klosterfrauen empfindliche Strafen geben oder doch
Zurcksetzung bei Hofmtern. Kurzum das Gesuch der klosterflchtigen
Nonnen wurde abgeschlagen[78].

So standen die Aermsten von jedermann verlassen da, in nicht geringer
Gefahr, da ihr Vorhaben entdeckt und gehindert, die Beteiligten aber
empfindlich gestraft wrden, wie es z.B. der mehrerwhnten Florentina
geschah, als ihr Vorhaben, aus dem Kloster zu treten, entdeckt wurde.
Diese wurde von ihrer eigenen Muhme, der Aebtissin, unbarmherzig vier
Wochen bei groer Klte hrtiglich gefangen gesetzt, dann in Bann und
Bue in ihre Zelle gesperrt, mute sich beim Kirchgang platt auf die
Erde werfen und die anderen Nonnen ber sich hinschreiten lassen, beim
Essen mit einem Strohkrnzlein vor der Priorin auf die Erde setzen; dann
wurde sie bei einem neuen Versuch, sich an ihre Verwandten zu wenden,
durchgestupt und "7 Mittwoch und 7 Freitage von 10 Personen auf einmal
discipliniert", in Ketten gelegt und fr immer in die Zelle
gesperrt--bis sie durch Unachtsamkeit ihrer Schlieerin doch entkam.

Solches oder Aehnliches ist im Kloster Nimbschen mit den lutherisch
Gesinnten nicht geschehen; vielleicht schtzte sie ihre groe Zahl vor
solchen Gewaltmaregeln. Es war aber wohl auch die Gesinnung der
verstndigen Aebtissin, welche eine solche Bestrafung verhinderte:
Margarete von Haubitz ist ja nachher mit dem ganzen brig gebliebenen
Konvent zur Reformation bergetreten, obwohl sie mit den lteren Frauen
im Kloster blieb und das Leben darin nach evangelischen Grundstzen
einrichtete. Keineswegs aber konnte und wollte sie als Aebtissin schon
1523 den Klosterflchtigen Vorschub leisten in ihrem Vorhaben[79].

Da nun die Nonnen an den Ihrigen keinen Anhalt fanden, so hatten sie
gerechte Ursache, anderswo Hlf und Rat zu suchen, wie sie es haben
konnten. Sie fhlten sich ja gedrungen und gentigt, ihre Gewissen und
Seelen zu retten[80]. Wo anders aber sollten sie diese Hlfe suchen, als
bei dem, der sie durch seine evangelischen Schriften und geistkhne
Thaten auf diese Gedanken gebracht hatte? So machten sie's also wohl,
wie nach ihnen noch manche andere, einzelne und ganze Haufen von
Klosterjungfrauen: sie schrieben "an den hochgelehrten Dr. Martinus
Luther zu Wittenberg, einen Klage-Brief und elende Schrift, gaben ihm
ihr Gemt zu erkennen und begehrten von ihm Trost, Rat und Hlfe"[81].

Und der Ueberbringer dieses Briefes wird jedenfalls niemand anderes
gewesen sein als eben Leonhard Koppe von Torgau. Luther erkannte an, da
"sie beide hier haben helfen und raten knnen, und darum seien sie auch
schuldig, aus Pflicht christlicher Liebe die Seelen und Gewissen zu
retten"[82].

"Denn es ist eine hohe Not", erklrte er weiter, mit Bezug auf die
Nimbscher Nonnen, "da man leider die Kinder in die Klster gehen lt,
wo doch keine tgliche Uebung des gttlichen Wortes ist, ja selten oder
nimmermehr das Evangelium einmal recht gehrt wird. Diese Ursach ist
allein genug, da die Seelen herausgerissen und geraubt werden, wie man
kann, ob auch tausend Eide und Gelbde geschehen wren. Weil aber Gott
kein Dienst gefllt, es gehe denn willig von Herzen, so folgt, da auch
keine Gelbde weiter gelten, als sofern Lust und Lieb da ist; sonst sind
im Klosterleben furchtbare Gefahren, Versuchungen und Snden"[83].

"Aber wenn sich nun schwache Seelen an solchem Klosterraub rgern?"
konnte man einwenden.

Luther erklrte: "Aergernis hin, Aergernis her! Not bricht Eisen und hat
kein Aergernis. Ich werde die schwachen Gewissen schonen, sofern es ohne
Gefahr meiner Seele geschehen kann; wo nicht, so werde ich meiner Seele
raten, es rgere sich dann die ganze oder halbe Welt. Nun liegt hier der
Seele Gefahr in allen Stcken. Darum soll niemand von uns begehren, da
wir ihn nicht rgern, sondern wir sollen begehren, da sie unser Ding
billigen und sich nicht rgern. Das fordert die Liebe!"[84]

So dachte Luther und ihm gleichgesinnt war Leonhard Koppe. An ihn
stellte nun Luther das Ansinnen, die Befreiung zu bernehmen. Und Koppe
war trotz seiner sechzig Jahre ein entschlossener Mann, zu einem kecken
Wagnis bereit, und willigte ein; er nahm keine Rcksicht, ob es ihm im
Geschfte schaden knnte, noch weniger, ob es ihn beim Hof in Ungunst
bringen oder gar ans Leben gehen knnte; denn auf Nonnenraub stand
eigentlich Todesstrafe, und auch Kurfrst Friedrich, der vorsichtige
Schtzer Luthers mibilligte nicht nur jede ffentliche Gewaltthat,
sondern war auch geneigt, sie zu strafen. Aber trotz all dieser Bedenken
war Leonhard Koppe zu der That entschlossen, und wurde darin von dem
Torgauer Pfarrer D. Zwilling bestrkt; denn dieser war auch in die Sache
eingeweiht[85].

Zwischen Luther und Koppe wurde so der Plan verabredet. Das Unternehmen
sollte von Torgau ausgehen, welches in der Mitte zwischen Nimbschen und
Wittenberg gelegen war. Die Osterzeit wurde zur Ausfhrung ersehen.

Koppe brauchte aber Gehlfen zur Ausfhrung seines Unternehmens. Er
whlte dazu seines Bruders Sohn, einen verwegenen jungen Mann, und einen
Brger Wolfgang Tommitsch (oder Dommitsch), dessen Stieftochter, ein
Frulein von Seidewitz, kurz vorher aus dem Kloster entkommen war und
bald darauf einen ausgetretenen Augustiner-Propst, Mag. Nikolaus Demuth
heiratete, welcher dann Amtsschffer in Torgau wurde. Mit den neun
Klosterjungfrauen waren jedenfalls Verabredungen getroffen worden und
sie machten sich fluchtbereit[86].

In der Karwoche brachen nun die Torgauer auf einem oder mehreren mit
einer Blahe bedeckten Wagen, worin sie wohl weltliche Frauenkleider
verborgen hatten, von ihrer Stadt auf. Wenn die beiden Helfer nicht
eigene Wagen leiteten, so waren sie zu Pferde als Bedeckung dabei. Sie
kamen ber Grimma am Karsamstag abends den 4. April vor Nimbschen
an[87].

Hier rsteten sich die Nonnen in gewohnter Weise zu den Ostervigilien,
welche in der Auferstehungsnacht gefeiert wurden. Die auerordentliche
Zeit, wo die Regel und geordneten Beschftigungen der Klosterfrauen
aufgehoben waren, mu dem Fluchtplan gnstig geschienen haben. Whrend
die beiden Begleiter in dem nahen Gehlz gehalten haben werden, fuhr
Koppe an dem Kloster vor. Er nahm, wie berichtet wird, zum Vorwand,
leere Heringstonnen auf der Heimfahrt nach Torgau mitnehmen zu wollen.
Beim Aufsuchen und Aufladen derselben scheint er den Thorwart Thalheim
beschftigt und die Aufmerksamkeit der brigen Bewohner des uern
Klosterhofs, namentlich der zwei Beichtvter, abgelenkt zu haben. Aus
der Klausur entkamen die neun Verschworenen, indem die Pfrtnerin
entweder getuscht oder gar bei dem Plan beteiligt war (es konnte ganz
gut eine von diesen neun zu dieser Zeit Thrhterin sein). Ein alter
Berichterstatter erzhlt, man htte eine Lehmwand durchbrochen; ein
anderer, die Jungfrauen htten sich im Garten versammelt und seien da
ber die Mauer gestiegen. Aber auch zur hinteren Thre konnten sie
entkommen sein; denn an der Bewachung dieser lie es das Kloster fehlen.
Kurzum, die Neun entflohen, wurden von den beiden Begleitern Koppes
aufgenommen; dieser fuhr wohl mit seinem Wagen Heringstonnen ganz
unschuldig ab und nahm dann drauen die Jungfrauen auf. Die leeren
Tonnen--vorne aufgestellt--konnten ganz gut dazu dienen, den lebendigen
Inhalt des Wagens vor unberufenen Augen zu verbergen[88].

Auf diese oder hnliche Weise, jedenfalls "mit ausnehmender Ueberlegung
und Schlauheit", aber auch mit "uerster Keckheit"--nicht mit Gewalt
wurden die neun Jungfrauen durch Koppe aus Nimbschen befreit. Luther sah
es fast wie ein Wunder an[89].

Bei Nacht und Nebel fuhren nun die Retter und Geretteten davon, dem
Ostermorgen entgegen: es war eine eigene Ostervigilie in der Luft der
Freiheit durch die frhlingsjunge Gotteswelt[90]. Die Fahrt ging durch
die kurfrstlichen Lande, war also nicht bedroht durch die
Nachstellungen des lutherfeindlichen Herzogs Georg. Eine Verfolgung von
Nimbschen aus war nicht gerade zu befrchten: es waren dort keine
Mnner, welche etwa einen Kampf mit den Entfhrern gewagt htten. Auch
hat der kluge Koppe gewi ihre Spuren mglichst verdeckt und die
Verfolger irre gefhrt. Die weltliche Kleidung, welche die Jungfrauen
mittlerweile mit ihrer geistlichen vertauscht hatten, machte wohl die
Reise unauffllig, und so kam der Zug auch ungehindert am Ostertag in
Torgau an und wurde vom Magister Zwilling freudig empfangen. In Torgau
wurde bernachtet, die weltliche Kleidung der Klosterjungfrauen in der
Eile noch vervollstndigt und am anderen Tag ging es Wittenberg zu, weil
es doch nicht geraten schien, die Entflohenen so nahe bei dem Kloster
und auch so nahe beim kurfrstlichen Hof zu lassen[91].

Am Osterdienstag kam der Zug in Wittenberg an; ohne alle Ausstattung, in
ihrer geborgten und eilig zusammengerafften Kleidung, mit den
geschorenen Huptern ein "arm Vlklein", aber in ihrer groen Armut und
Angst ganz geduldig und frhlich[92].

Luther empfing sie mit wehmtiger Freude. Den khnen aber rief er zu:
"Ihr habt ein neu Werk gethan, davon Land und Leute singen und sagen
werden, welches viele fr groen Schaden ausschreien: aber die es mit
Gott halten, werden's fr groen Frommen preisen. Ihr habt die armen
Seelen aus dem Gefngnis menschlicher Tyrannei gefhrt eben um die
rechte Zeit: auf Ostern, da Christus auch der Seinen Gefngnis gefangen
nahm"[93]. Als dann die Befreier heimfuhren, empfahl er sie Gott und gab
ihnen Gre mit an Koppes "liebe Audi" und "alle Freunde in
Christo"[94].

Drei Tage darauf schrieb Luther zur Verantwortung fr sich, fr den
"seligen Ruber" Koppe und die es mit ihm ausgerichtet, sowie fr die
befreiten Jungfrauen zum Unterricht an alle, die diesem Exempel wollten
nachfolgen "dem Frsichtigen und Weisen Leonhard Koppe, Brger zu
Torgau, meinem besonderen Freunde" einen offenen Brief. "Auf da ich
unser aller Wort rede, fr mich, der ich's geraten und geboten, und fr
Euch und die Euern, die Ihr's ausgericht, und fr die Jungfrauen, die
der Erlsung bedurft haben, will ich hiermit in Krze vor Gott und aller
Welt Rechenschaft und Antwort geben". In dieser "Ursache und Antwort,
da Jungfrauen Klster gttlich verlassen mgen" berichtet er offen die
That und ihre Grnde und nennt die Namen der Befreier und Befreiten. Er
sagt ihnen:

"Seid gewi, da es Gott also verordnet hat und nicht Euer eigen Werk
noch Rat ist, und lasset das Geschrei derjenigen, die es fr das
allerrgste Werk tadeln. 'Pfui, pfui!' werden sie sagen, 'der Narr
Leonhard Koppe hat sich durch den verdammten ketzerischen Mnch fangen
lassen, fhrt zu und fhrt neun Nonnen auf einmal aus dem Kloster, und
hilft ihnen, ihr Gelbde und klsterlich Leben zu verleugnen und zu
verlassen'. Meint ihr, das ist all heimlich gehalten und verborgen? Ja,
verraten und verkauft, da auf mich gehetzt werde das ganze Kloster zu
Nimptzschen, weil sie nun hren, da ich der Ruber gewesen bin! Da ich
aber solches ausrufe und nicht geheim halte, thue ich aus redlichen
Grnden. Es ist durch mich nicht darum angeregt, da es heimlich bleiben
sollte, denn was wir thun, thun wir in Gott und scheuen uns des nicht am
Licht. Wollte Gott, ich knnte auf diese oder andere Weise alle
gefangenen Gewissen erretten und alle Klster ledig (leer) machen. Ich
wollt mich's darnach nicht scheuen, zu bekennen samt allen, die dazu
geholfen htten, (in) der Zuversicht, Christus, der nun sein Evangelium
an Tag gebracht, und des Endechrists (Antichrists) Reich zerstrt, wrde
hier Schutzherr sein, ob's auch das Leben kosten mte. Zum anderen thu
ich's, der armen Kinder und ihrer Freundschaft (Verwandtschaft) Ehren zu
erhalten, da niemand sagen darf, sie seien durch lose Buben unredlich
ausgefhrt und ihrer Ehre sich in Gefahr begeben. Zum dritten, zu warnen
die Herrn vom Adel und alle frommen Biederleute, so Kinder in Klstern
haben, da sie selbst dazu thun und sie herausnehmen"[95].

Diese Aufforderung und die gelungene Flucht der neun Nonnen ermutigte,
wie Luther gedacht, noch andere Klosterjungfrauen und deren Eltern zu
gleichem. Noch in derselben Osterwoche entwichen abermals drei Nonnen
aus Nimbschen und kamen zu ihren Angehrigen, und zu Pfingsten wurden
wieder drei von ihren Verwandten selbst aus dem Kloster geholt[96].

Da endlich ermannte sich der Abt von Pforta, der dem offenen Brief
Luthers nicht entgegenzutreten gewagt hatte,--Luther war ein zu
gefrchteter Kmpe. Am 9. Juni schrieb er eine Klage an den--Kurfrsten
ber diese Vorgnge, welche zur "Entrottung und Zerstrung des Klosters"
fhrten, und beschwerte sich, da die Nonnen von Sr. Kurf. Gn.
Unterthanen dazu geholfen und gefrdert worden seien. Der Kurfrst
Friedrich gab in seiner bekannten diplomatischen Weise die ausweichende
Antwort: "Nachdem Wir nit wissen, wie diese Sache bewandt und wie die
Klosterjungfrauen zu solch ihrem Furnehmen verursacht und Wir uns
bisher dieser und dergleichen Sachen nie angenommen, so lassen Wir's
bei ihrer selbst Verantwortung bleiben"[97].

Aber damit war die Klosterflucht in Nimbschen nicht zu Ende. Bis 1526
waren einige zwanzig--auch Magdalena von Bora--ausgetreten, so da jetzt
nur noch 19 Klosterjungfrauen da waren; und diese samt ihrer Aebtissin
wurden evangelisch, blieben aber im Kloster, bis sich der Konvent im
Jahre 1545 auflste[98].

Drei Wochen nach der Flucht der neun Nimbscher Nonnen, am 28. April,
wagten sechs Nonnen aus Sornzig die Flucht, trotzdem dies Kloster im
Lande des Reformationsfeindes Herzogs Georg lag, und trotz des
schrecklichen Schicksals, das um diese Zeit den Entfhrer einer Nonne
betroffen hatte, der zu Dresden gekpft worden war. Und weitere acht
flohen aus Peutwitz[99].

Im selben Jahre der Flucht Katharinas traten noch 16 Nonnen in
Widderstetten auf einmal aus. Zwei Jahre darauf wandten sich wieder
andere "elende Kinder" an Luther aus dem frstlichen Kloster Freiberg im
Gebiete seines grimmen Feindes, Herzogs Georg. Und wieder wandte sich
Luther an den bewhrten Nonnen-Entfhrer Leonhard Koppe, den er
scherzweise "Wrdiger Pater Prior" anredet. Luther wute, da diese
Zumutung fast zu viel und zu hoch sei--es konnte ja diesmal ernstlich
das Leben kosten--und meinte, Koppe wisse vielleicht jemand anderes, der
dazu helfen knnte. Aber der verwegene Mann lie sich um ein solches
wagehalsiges Stck schwerlich vergebens bitten und--zu Georgs
allerhchstem Verdru--glckte das Wagestck, wie die Entfhrung aus
Nimbschen[100].




4. Kapitel

Eingewhnung ins weltliche Leben.


Nachdem die Befreiung Katharinas und ihrer Mitschwestern so gut gelungen
war, fragte es sich nun, was sollte mit ihnen werden?

Die Sorge blieb an Luther hngen. Nochmals wandte er sich an die
Angehrigen der Entflohenen und wird ihnen die Gewissen genugsam geweckt
und ihre Pflicht eingeschrft haben, sich ihrer erbarmungswerten
Tchter, Schwestern und Basen anzunehmen; das geht aus dem offenen Brief
an Koppe und einem anderen an Spalatin hervor, worin es heit: "O, der
Tyrannen und grausamen Eltern in Deutschland!"[101]

Zugleich aber hatte er den Fall vorgesehen, da die Verwandten,
wenigstens zum Teil, ablehnten, fr die Nonnen zu sorgen. Daher
berdachte er, wie er sie unterbringen knnte. Aber von seinen
"Kapernaiten" (den Wittenbergern) konnte und wollte er keine
Gelduntersttzung oder Anleihe erhalten; dagegen erhielt er von mehreren
Seiten Versprechungen, den Geflchteten eine Unterkunft zu bieten.
Etliche wollte er auch, wenn er knne, verheiraten. Amsdorf schrieb
scherzend an Spalatin: "Sie sind schn und fein, und alle von Adel, und
keine fnfzigjhrige darunter. Die lteste unter ihnen, meines gndigen
Herrn und Oheims Dr. Staupitz Schwester, hab ich Dir, mein lieber
Bruder, zugerechnet zu einem ehelichen Gemahl, damit Du Dich mgest
eines solchen Schwagers rhmen. Willst Du aber eine jngere, so sollst
Du die Wahl unter den Schnsten haben"[102].

Bis dahin bat Luther und ebenso Amsdorf den Hofkaplan und
Geheimschreiber des Kurfrsten Friedrichs des Weisen, "dieser ehrbaren
Meidlein Vorbitter am Hofe zu sein und ein Werk der Liebe zu thun, und
bei den reichen Hofleuten und vielleicht dem Kurfrsten etwas Geld zu
betteln, auch wohl selbst etwas zu geben, damit die Geflchteten
einstweilen genhrt und auf acht bis vierzehn Tage, auch mit Kleidung
versehen werden knnten, denn sie hatten weder Schuhe noch Kleider."
Luther ging es nmlich damals so schlecht, da er selbst kaum etwas zu
essen hatte und sein Mitbruder, der Prior Brisger, einen Sack Malz
schuldig bleiben mute: so sehr blieben die Klostereinknfte aus, auf
die Luther und der letzte mit ihm lebende Mnch angewiesen war. Er
scherzt mit Beziehung auf seinen Bettelorden: "Der Bettelsack hat ein
Loch, das ist gro". Freilich der Hof des vorsichtigen Kurfrsten wollte
nicht recht, wenigstens nicht offen mit Untersttzungen herausrcken,
weshalb Luther seinen Freund nochmals mahnen mute: "Verget auch meiner
Kollekte nicht und ermahnt den Frsten um meinetwillen auch etwas
beizusteuern. O, ich will's fein heimlich halten und niemanden sagen,
da er etwas fr die abtrnnigen Jungfrauen gegeben--die doch wider
Willen geweihet und nun gerettet sind"[103].

Luthers Appell an die Verwandten verfing nicht. Er mute klagen: "Sie
sind arm und elend und von ihrer Freundschaft verlassen." Luther mute
also trotz seiner groen Armut die Nonnen mit groem Aufwand
untersttzen. Sonst erfuhr er, "was sie drauen von ihren Verwandten und
Brdern leiden mten"--wenn etwa eine nach Hause kme. Sie wollten
meist auch nicht zu ihrer "Freundschaft", weil sie in Herzog Jrgs Land
des gttlichen Wortes Mangel haben mten[104].

Magdalena Staupitz wurde mit der Zeit als "Schulmeisterin" der Mgdlein
in Grimma gesetzt, und ihr ein Huslein vom Mnchskloster gegeben. Die
Elsa von Kanitz fand bei einer Verwandten Aufenthalt; Luther wollte sie
1527 als Schulmeisterin der Mgdlein nach Wittenberg berufen. Die Ave
von Schnfeld verheiratete er mit dem Medikus Dr. Basilius Axt[105].

Katharinas Verwandte konnten sich ihrer offenbar nicht annehmen. Die
Eltern waren tot, Bruder Hans mute selber Dienste suchen im fernen
Preuen, dann Verwalterstellen in Sachsen. Der lteste Bruder war arm
verheiratet, hatte wohl keinen Platz fr die Schwester; vom jngsten,
Clemens, war vollends nichts zu erwarten.

So wurde denn das Frulein Katharina von Bora nach der Ueberlieferung im
Hause eines Wittenberger Brgers untergebracht, der in der
Brgermeistergasse wohnte. Es war der ehrsame gelehrte M. Philipp
Reichenbach, welcher 1525 in Wittenberg Stadtschreiber, 1529 Licentiat
der Rechte, 1530 Brgermeister und endlich Kurfrstlicher Rat
wurde[106].

In dem Wittenberger Brgerhause wurde die ehemalige Nonne mehr als eine
Art Pflegetochter gehalten und der Hausherr vertrat Vaterstelle an ihr.
Sie mu dort doch eine angesehene Stellung eingenommen haben. Sie war
bekannt und genannt im Kreise der Universittsgenossen, und der
Dnenknig Christiern II., der landesflchtig im Oktober 1523 nach
Wittenberg kam und bei dem Maler Lukas Kranach Wohnung hatte, beschenkte
Katharina mit einem goldenen Ringe. Die jungen Gelehrten in Wittenberg
sprachen mit Achtung von ihr; sie nannten sie in ihren vertrauten
Briefen, wohl wegen ihrer strengen Zurckhaltung, "die Katharina von
Siena"[107].

Bei dem Stadtschreiber, oder vielmehr bei seiner Frau, sollte nun
Katharina von Bora sich eingewhnen in das neue oder vielmehr alte
"weltliche", das brgerliche Leben.

Das war nicht so gar leicht. Mindestens vierzehn Jahre lang, also fast
ihr ganzes bewutes Leben, hatte Katharina im Kloster zugebracht. Alle
diese Jahre hatte sie die geistliche Tracht getragen, sich an
nonnenhafte Gebrde und Haltung, an geistliche Sitten und Reden gewhnt;
den Umgang mit weltlichen Menschen hatte sie verlernt oder eigentlich
nie recht gelernt, und ebenso die Arbeit, das Hantieren in Stube und
Kche; in der That, man begreift, da der praktische Luther beim Anblick
der neun weltunerfahrenen Nonnen ausrufen konnte: "Ein armes Vlklein"!
Wie in die weltliche Kleidung mute Katharina sich nun an weltliche
Sitte und Rede gewhnen; wie ihr bleiches Gesicht sich an Luft und Sonne
brunen, ihre zarten Hnde im Angreifen von Tpfen und Besen sich
hrten, so mute auch ihr geistiges Wesen an den rauheren, aber
gesnderen Anforderungen und Zumutungen der Welt sich krftigen. Aber
wie ihre abgeschnittenen Haare zu langen blonden Zpfen wuchsen, so nahm
auch Sorgen und Denken an die kleinen weltlichen Pflichten und die
groen weltlichen Interessen zu.

Und das gndige Frulein war nicht umsonst bei der Frau Magister. Sie
wurde hier tchtig vorgeschult fr ihren spteren groen
pflichtenreichen Haushalt. Und sie hat sich auch nach dem Zeugnis der
Wittenberger Universitt in dem Hause Reichenbach "stille und wohl
verhalten"[108].

Aber auch andere Gedanken und Gefhle erwachten in ihr und wurden ihr
von auen nahe gelegt. Und auch hier machte sie Erfahrungen und erfuhr
sie schmerzliche Enttuschungen, die sie weltkluger und vorsichtiger
machten.

Katharina war jetzt 24 Jahre alt, eine reife, ja nach den Anschauungen
jener Zeit, welcher das 15. bis 18. Lebensjahr einer Jungfrau fr das
richtigste heiratsfhige Alter galt, eine berreife Jungfrau. Da sie an
Verehelichung dachte, ist begreiflich. Denn sie hatte weder eine
Stellung noch Vermgen. Der Aufenthalt bei ihren Pflegeeltern konnte
doch nur ein vorbergehender und nicht befriedigender sein. Luther, der
die besondere Sorge fr diese, wie fr andere ausgetretene Klosterleute
bernommen, hatte ohnedies schon von Anfang die ausgesprochene Absicht,
diejenigen, welche in ihren Familien keinen Unterhalt und Aufenthalt
finden konnten, zu verheiraten. Und seine gesamte Anschauung ging
dahin--darin hatte er die echt buerliche Ansicht seines Vaters--da der
Mensch zum Familienleben geboren und gerade das Weib von Gott zur Ehe
bestimmt sei[109].

Nun kam damals im Mai oder Juni 1523 in die Universittsstadt Hieronymus
_Baumgrtner_, ein Patriziersohn aus Nrnberg, "ein junger Gesell mit
Gelehrsamkeit und Gottseligkeit begabt". Er hatte frher (1518-21) in
Wittenberg studiert und bei Melanchthon seinen Kosttisch gehabt und
wollte jetzt seine alten Lehrer und Freunde in Wittenberg: Luther und
besonders Melanchthon besuchen, mit dem er spter in regem Briefwechsel
stand[110]. Dieser junge Mann erschien Luther als der rechte Gatte fr
seine Schutzbefohlene: er war 25 Jahre alt, Kthe 24, beide aus
vornehmem Hause; sie ohne Vermgen, um so mehr pate in Luthers Augen
der wohlhabende Nrnberger fr sie. Und er wird wohl dafr gesorgt
haben, da Baumgrtner an sie heran kam und an ihr Wohlgefallen fand.
Auch Kthe fate eine raschaufwallende Neigung fr den jungen Mann, war
er ja wohl der erste, der sich der gewesenen Nonne nherte. Vielleicht
haben sich die beiden auch zuerst gefunden, und Luther betrieb es nun in
seiner Art eifrig, die zwei zusammenzubringen. Jedenfalls wurde die
gegenseitige Neigung in dem Freundeskreise bekannt, und man hielt da die
Heirat fr sicher.

Aber Baumgrtner zog heim nach Nrnberg und lie nichts mehr von sich
hren, trotzdem er versprochen hatte, nach ein paar Wochen wieder zu
kommen, um, wie man glaubte, Katharina heimzufhren. Die Freunde,
besonders Blickard Syndringer, erinnerten den Patriziersohn in ihren
Briefen neckend oft genug an die verlassene Geliebte. Sie sei wegen
seines Weggangs in eine Krankheit verfallen und habe sich in Sehnsucht
nach ihm verzehrt. Im Anfang des folgenden Jahres bestellte noch der
Nrnberger Ulrich Pinder von Wittenberg aus an Baumgrtner einen Gru
von "Katharina von Siena d.i. von Borra". Endlich schrieb Luther noch
einmal am 12. Oktober 1524 an Baumgrtner: "Wenn Du Deine Kthe von Bora
festhalten willst, so beeile Dich, bevor sie einem andern gegeben wird,
der zur Hand ist. Noch hat sie die Liebe zu Dir nicht verwunden. Und ich
wrde mich gar sehr freuen, wenn ihr beide mit einander verbunden
wrdet"[111].

Aber den Eltern Baumgrtners war offenbar die entlaufene Nonne anstig,
und da sie vermgenslos war, konnte sie erst recht nicht empfehlen.
Daher ging Hieronymus auf dieses Ultimatum des Freiwerbers Luther nicht
ein. Als er im Frhjahr 1525 in Nrnberg Ratsherr geworden war, verlobte
er sich mit einem Mdchen von 14 Jahren, Sibylle Dichtel von Tutzing
"mit sehr reicher Mitgift und was ihm noch erwnschter war, von sehr
angesehenen Eltern" und hielt mit ihr am 23. Januar 1526 in Mnchen die
Hochzeit[112].

Da aber Baumgrtner Katharina endgiltig aufgegeben hatte, so rckte
Luther nun mit dem andern Heiratskandidaten heraus, den er fr Kthe an
der Hand hatte. Das war D. Kaspar Glatz, der am 27. August 1524 von der
Universitt Wittenberg, deren Rektor er damals war, sich auf ihre
Patronatspfarrei Orlamnde hatte setzen lassen. Luther ging nun damit
um, seine Schutzbefohlene dem D. Glatz zu freien. Aber Kthe, welche
den Mann whrend seiner Lehrzeit in dem kleinen Wittenberg kennen
gelernt hatte, wollte ihn nicht haben, und sie hatte ein richtigeres
Gefhl als Luther. Glatz war, wie sich spter herausstellte, ein
rechthaberischer, eigensinniger Mensch, der Streitigkeiten mit seiner
Gemeinde bekam und deshalb entsetzt werden mute. Luther aber setzte
Kthe mit der Heirat zu. Da ging sie zu Luthers Amtsgenossen, dem
Professor Amsdorf und beklagte sich, da Luther sie wider ihren Willen
an D. Glatz verheiraten wolle; nun wisse sie, da Amsdorf Luthers
vertrauter Freund sei; darum bitte sie, er wolle bei Luther dies
Vorhaben hintertreiben.

Hier scheint nun Amsdorf, der diese Ablehnung fr adeligen Hochmut
auslegte, bemerkt zu haben: Ob ihr denn ein Doktor, Professor oder
Pfarrherr nicht gut genug sei? denn Katharina wurde zu der Erklrung
gedrngt: Wrde Amsdorf oder Luther sie zur Gattin begehren, so wolle
sie sich nicht weigern, D. Glatz aber knne sie nicht haben[113].

Diese Aeuerung, welche wohl ohne viel Absicht gesprochen war, hatte
ihre Folgen; zwar nicht fr Amsdorf, der immer ehelos blieb, aber fr
Luther. Auch er hatte die Bora "fr stolz und hoffrtig" gehalten,
whrend sie doch nur etwas Zurckhaltendes hatte und ein gewisses
Selbstbewutsein zeigte; er hatte sie also nicht recht gemocht. Durch
jene Erklrung an Amsdorf wurde er aber auf andere Gedanken
gebracht[114].




5. Kapitel.

Katharinas Heirat.


So machte Luther bei Kthe von Bora, aber auch bei anderen Nonnen den
Freiwerber; er that es aber auch in seinen Schriften, worin er den
Ehestand so hoch pries und jedermann dazu einlud. Daher scherzte er in
einer Epistel an Spalatin: "Es ist zu verwundern, da ich, der ich so
oft von der Ehe schreibe und so oft unter Weiber komme, nicht lngst
verweibischt oder beweibt bin." Und mehr im Ernst: "Ich drnge andere
mit so viel Grnden zur Ehe, da ich beinahe selbst dazu bewegt
werde"[115].

Wenn Luther so eifrig zur Ehe riet, so hatte er dabei vor allem seine
Amtsgenossen im Auge. Denn bis zur Reformation war es nicht nur Sitte,
sondern sogar Gesetz, da Universittslehrer sich nicht verehelichten:
so sehr wurden die Schulen, auch die Hochschulen als kirchliche, ja
geistliche Anstalten angesehen und die "geistigen" Personen als
"Geistliche". Nur beschrnkte Ausnahmen wurden allmhlich mit der
Verehelichung gestattet fr Mediziner und Juristen; Rektor konnte lange
Zeit, auch in Wittenberg, nur ein unverehelichter Professor werden. Die
Gelehrten aber betrachteten auch ihrerseits die Ehe als eine
Erniedrigung fr ihren hohen Stand. Darum hat Luther nur mit Mhe den
Gelehrten Melanchthon zur Heirat vermocht[116].

Da aber die eigentlichen Geistlichen, die Priester, heirateten, das war
vor Luther, seit Gregor des Siebenten Zeiten, das heit seit
sechsthalbhundert Jahren etwas Unerhrtes. Gerade aber _darauf_ hat nun
Luther allmhlich in seinen vielen Schriften gedrungen, um zu zeigen da
im Christentum der geistliche Stand nichts Besonderes sei, da vielmehr
alle, die aus der Taufe gekrochen, Bischfe und Pfarrer wren, und
umgekehrt die Geistlichen nichts anders als Christenmenschen. So hat er
all seine geglichen Freunde zur Ehe gedrngt und ihnen dazu mit Eifer
verholfen; auch den Hochmeister von Preuen und den Erzbischof von
Mainz. Er wollte sozusagen fr seine Anschauung vom allgemeinen
Priestertum und dem hl. Ehestand, wie der falschen Heiligkeit des
Clibats den Massenbeweis mit Tatsachen fhren. So mahnt er Spalatin
(Ostern 1525): "Warum schreitest Du nicht zur Ehe? Es ist mglich, da
ich selbst dazu komme, wenn die Feinde nicht aufhren diesen Lebensstand
zu verdammen und die Klglinge ihn tglich belcheln!"[117]

Der Gedanke, da auch _Klosterleute_ ehelich werden sollten, war Luther
anfangs befremdend: galt dies doch nach der Anschauung der Zeit so
sakrilegisch, da die weltlichen Rechte Heiraten von Mnchen und Nonnen
mit dem Tode bestraften[118]. Von der Wartburg schrieb Luther (am 6.
August 1521): "Unsere Wittenberger wollen sogar den Mnchen Weiber
geben? Nun mir sollen sie wenigstens keine Frau aufdringen," und mit
Melanchthon scherzt er, ob dieser sich wohl an ihm dafr rchen wolle,
da er ihm zu einer Frau verholfen habe? er werde sich aber zu hten
wissen. Doch nach wenigen Monaten hatte er sich berzeugt: "Das ehelose
Leben in Klstern ist auch der geistlichen Freiheit zuwider. Darum, wo
du nicht frei und mit Lust ehelos bist und mut es allein um Scham,
Furcht, Nutz oder Ehre willen, da la nur bald ab und werde ehelich." So
versorgte er nun auch Mnche und Nonnen in den Ehestand[119].

Aber wie er selber nur spt,--am sptesten unter den Brdern--dazu kam,
sein Klosterleben aufzugeben, seine Kutte--als die letzte zerschlissen
war--im Oktober 1524 mit dem Priesterrock und Professorentalar
vertauschte, so erging es ihm auch mit dem Heiraten. 1528 sagte er:
"Wenn mir jemand auf dem Wormser Reichstag gesagt htte, nach 7 Jahren
wrde ich Ehemann sein, der Frau und Kinder habe, so htte ich ihn
ausgelacht". Gerade wenn ihm seine Freunde und Freundinnen wie Argula
von Grumbach zuredeten oder davon sprachen, er werde doch noch heiraten,
erklrte er das fr Geschwtz. Noch am 30. November 1524 meinte er, bei
seiner bisherigen und jetzigen Gesinnung werde er keine Frau nehmen,
sein Gemt passe nicht zum Heiraten, er fhle sich dazu nicht geschickt.
Ja noch Ostern 1525 schreibt er, da er an keine Ehe denke[120].

Aber bald nach Ostern wurde er anderen Sinnes.

Es war gerade die bse Zeit der Bauernunruhen, wo radikale Schwrmer die
Sache der Reformation aufs uerste gefhrdeten, die Zeit, wo die Feinde
mit gehssiger Schadenfreude auf ihn wiesen, und die Freunde mit
ngstlicher Sorge nach ihm schauten; es war damals, da er umherzog die
fanatischen Bauernhaufen zu beschwichtigen und dabei zweimal in
Fhrlichkeiten des Todes gewesen, als er berhaupt dem Tode entgegen
sah[121]. Da erklrte er: "Mnzer und die Bauern haben dem Evangelium
bei uns so sehr geschadet und die Papisten so bermtig gemacht, da es
fast aussieht, als msse man das Evangelium wieder ganz von vorn
predigen." Deshalb wollte er's nunmehr "nicht mit dem Wort allein,
sondern mit der That bezeugen". Er wollte mit seinem Beispiel seine
Lehre bekrftigen, weil er so viele kleinmtig finde, und so auch dem
zaghaften Erzbischof von Mainz zum Exempel voran traben. Er war im
Sinne, ehe er aus diesem Leben scheide, sich im gottgeschaffenen
Ehestande finden zu lassen und "nichts von seinem vorigen papistischen
Leben an sich zu behalten", und sei es auch nur eine verlobte
Josephsehe: auf dem Todbett wollte er sich ein fromm Mgdlein antrauen
lassen und ihr zum Mahlschatz seine zwei silbernen Becher reichen. Als
er gar von Dr. Scharf das Wort hrte: "Wenn dieser Mensch ein Weib
nhme, so wrde die ganze Welt und der Teufel selber lachen und er all
seine Sach damit verderben", da entschlo er sich erst recht: "Kann
ich's schicken, so will ich dem Teufel zum Trotz noch heiraten, und die
Engel sollen sich freuen und der Teufel weinen." Endlich drngte ihn
auch sein Vater, mit dem er auf seinen damaligen Reisen zusammentraf,
seinen grten Lieblingswunsch zu erfllen, und Luther wollte "diesen
letzten Gehorsam seinem geliebenden Vater nicht weigern"[122].

Und gerade eine _Nonne_ sollte die Erwhlte sein, "dem Teufel mit seinen
Schuppen, den groen Hansen, Frsten und Bischfen zum Trotz, welche
schlechterdings unsinnig werden wollen, da geistliche Personen freien".
Und nicht nur den groen Hansen, sondern auch dem groen Haufen zum
Trotz, welcher nach seinem Aberglauben den Sohn eines Mnchs und einer
Nonne fr den Antichrist hielt. Also wollte er "mit der That das
Evangelium bezeugen, zum Hohn fr alle, welche triumphieren und Ju, ju
schreien, und eine Nonne zum Weibe nehmen"[123]. Diese Nonne aber sollte
_Katharina von Bora_ sein.

Sie war noch immer unversorgt im Reichenbachschen Hause, und er konnte
an ihr ein Werk der Barmherzigkeit thun. Sie hatte erklrt, sie werde
ihn nehmen, wenn er sie wolle. Und er hatte mittlerweile eine bessere
Meinung von ihr gewonnen.

Da Kthes auerordentliche Schnheit ihn in Feuer gesetzt habe, sagten
ihm seine Gegner in gehssiger Absicht nach. Luther redet nur einmal und
in ziemlich spter Zeit in einem Brief an seine Gattin, in ritterlich
schalkhafter Weise davon, da er "daheim eine schne Frau" habe.
Ausdrcklich aber erklrt er, in den ersten Tagen seiner Ehe, da er
nicht verliebt sei oder voll leidenschaftlichen Feuers, aber er habe
seine Frau gern. Sie war ja auch gar nicht besonders schn. Von
krperlicher Schnheit zitierte Luther den Reim:

  Ist der Apfel rosenrot,
  Ist ein Wrmlein drinnen,
  Ist das Maidlein suberlich,
  So hat's krause Sinnen.

Und da ihm ein heiratslustiger Freund einmal sagte, er mchte eine
Schne, Fromme, (d.h. Brave) und Reiche, so bemerkte Luther: "Ei, ja,
man soll dir eine malen mit vollen Wangen und weien Beinen; dieselben
sind auch die frmmsten, aber sie kochen nicht wohl und beten
bel"[124].

So traf er in der Stille und ohne leidenschaftliche Erregung seine Wahl.
Am 16. April scherzt er gegen Spalatin, da er ein gar arger Liebhaber
sei: "Drei Frauen habe ich zugleich gehabt und sie so wacker geliebt,
da ich zwei verloren habe, welche andere Verlobte nahmen, und die
dritte halte ich kaum am linken Arme, die mir vielleicht auch bald
weggenommen wird"[125].

Er hatte also doch bestimmte Persnlichkeiten ins Auge gefat.

Schon am 4. Mai, nach einem Besuche bei seinen Verwandten in Eisleben
und Mansfeld, redet er in einem vertrauten Briefe an seinen Schwager
Rhel zu Mansfeld von "meiner Kthe", die er nehmen wolle, so er's
schicken knne. Und wie seinen Schwager, hat er jedenfalls auch seine
Eltern in seine Plne eingeweiht, und der Vater redete ihm ernstlich
zu[126]. In Wittenberg selbst aber vertraute er es nur wenigen Leuten
an: dem Maler und Ratsherrn Lukas Kranach und seiner Frau. Gerade seinen
Amtsgenossen und brigen Freunden, vor allem auch Melanchthon, sagte er
nichts davon. Die Klugen wollten fr ihn gerade nicht, was Luther
wollte: eine Nonne, und dachten und redeten ber eine Mnchs- und
Nonnenheirat "lieblos". Und ganz besonders war ihnen Katharina von Bora
nicht recht; alle seine besten Freunde schrieen: "Nicht diese, sondern
eine andere!" Und wohl um es zu verhindern, brachten "bse Muler" sogar
eine boshafte Nachrede auf. Aber gerade das bewog Luther, der Sache
rasch ein Ende zu machen, bevor er die gegen ihn aufgebrachten Muler
zu hren gentigt wrde, wie es zu geschehen pflegt, und "weil der Satan
gern viel Hindernis und Gewirrs mache durch bse Zungen"[127]. Er
"betete zu unserm Herrn Gott mit Ernst", wie er berichtet, und handelte
dann ohne Menschen-Rat und -Bedenken, ja wie Melanchthon klagt, ohne
seinen Freunden etwas davon zu sagen[128].

Mit Katharina hatte sich Luther jedenfalls ins Einverstndnis gesetzt:
wenn er schon wochenlang schreiben konnte "Meine Kthe", so mute sie
doch von seinen Absichten wissen.

Da Kthe an Martin Luther auch ein rein menschliches Gefallen fand,
begreift sich. Er war wohl schon 42 Jahre alt und 16 lter wie sie
selbst. Aber ein Zeitgenosse bezeugt: "Ein fein klar und tapfer Gesicht
und Falkenaugen hatte er und war von Gliedmaen eine schne Person. Er
hatte auch eine helle feine reine Stimme, beides zu singen und zu reden,
war nicht ein groer Schreier". Auch einem edeln, feineren Geschmack
mute der ehemalige Mnch und Bauernsohn zusagen: er hielt etwas auf ein
ansprechendes Aeuere und wegen seiner Sorgfalt in der Kleidung nannten
ihn sogar seine Gegner tadelnd einen "feinen Hofmann", denn er trug
"Hemden mit Bndelein", hatte einen Fingerring und gelbe Stiefel[129].

Dabei war Luther fr alles Schne in Kunst und Natur eingenommen, ein
guter Snger und "Lautenist", heiteren Sinnes und frhlicher Laune.

Aber noch mehr mute Luthers Gemtsart einem weiblichen Wesen zusagen:
er war bei aller Heftigkeit doch gutmtig, bei aller Halsstarrigkeit
lenkbar wie ein Kind, bei aller Derbheit doch sinnig und feinfhlig.
Dabei war er "ein frommer (guter) Mann", der sein Weib herzlich lieb
haben konnte, und in dessen Besitz, wie er selber sagte, eine Frau sich
als Kaiserin dnken drfte[130].

Freilich auch die uere Stellung, welche Luthers Gemahlin einnahm,
mute einen hochstrebenden Sinn reizen. Das Doktorat war in dieser
Humanistenzeit noch hher gewertet als heutzutage die akademische
Professur, es stand mindestens dem Adel gleich. Der einfachste Doktor,
der vom Bauern- und Handwerkerstand sich emporgearbeitet hatte, wurde
von adeligen Jungfrauen als wnschenswerter Ehegenosse begehrt, soda
eine groe Anzahl Professorenfrauen in Wittenberg von Adel waren. Und
gar Luthers Gattin zu heien, des gefeiertsten Mannes nicht nur in ganz
Wittenberg, sondern in der ganzen Christenheit, mute einem Weibe von
Selbstgefhl schmeicheln, wenn es sich auch umgekehrt sagen mute, da
mit der Gre des Mannes auch all der Ha und die Beschimpfung mit in
Kauf zu nehmen, welche ihm die Feinde entgegenbrachten. Es war auch ein
gewagtes Unternehmen, einen solchen auerordentlichen Mann zu
befriedigen, des Gewaltigen ebenbrtige Lebensgefhrtin zu werden.
Jungfer Kthe hatte den Mut wie das Selbstbewutsein dazu.

So weigerte sich Kthe der Annherung Luthers nicht.

Die frmliche Bewerbung Luthers ist wahrscheinlich erst Dienstag den 13.
Juni geschehen, natrlich im Reichenbachschen Hause. Ein spterer
Bericht sagt, da Kthe berrascht war und anfnglich nicht gewut, ob
es Luthers Ernst sei, dann aber eingewilligt habe. Gleich abends am
selben Tage war die Trauung oder "das Verlbnis", entweder ebenfalls
beim Stadtschreiber oder mglicherweise in Luthers Behausung im Kloster.
Auf die Zeit des Nachtmahls lud der Doktor den Stadtpfarrer Bugenhagen
und den Stiftspropst Jonas, den Juristen Apel und den Ratsherrn und
Stadtkmmerer Meister Lukas Kranach und seine Frau--Melanchthon war
nicht dabei--was Jonas ausdrcklich als auffllig hervorhebt: er war so
ngstlich ber diesen Schritt seines groen Freundes, da er nicht zu
diesem Akt pate. Auch seinen Freund Dr. Hier. Schurf konnte Luther
nicht zu seinem Rechtsbeistand whlen, weil dieser Lehrer des
brgerlichen und kirchlichen Rechts allerlei juristische Bedenken hatte
gegen die Priesterehe[131].

Die Trauung geschah nach den herkmmlichen Bruchen[132]: der
Rechtsgelehrte vollzog die rechtlichen Formalitten, den schriftlichen
Ehevertrag, er (oder Bugenhagen) fragte im Beisein der Zeugen den
Brutigam, ob er die Braut zum Weibe nehmen und die Braut, ob sie den
Mann zum ehelichen Gemahl haben wollte. Dann gab der Pfarrer sie beide
mit Gebet und Segen zusammen. Darauf folgte ein kleines Abendessen und
dann das Beilager: Braut und Brutigam wurden zum Brautbett gefhrt,
lagerten sich darauf unter einer Decke und damit war die Ehe
gltig[133].

Das war Luthers "Gelbnis", wie es in der Wittenberger Redeweise hie.
Jonas konnte sich beim Anblick der Verlobten auf dem Brautlager nicht
enthalten, Thrnen zu vergieen, so sehr war er bewegt. Aber auch die
Gemter der anderen waren gewi in groer Bewegung, nicht zum wenigsten
Luther und Kthe[134].

Am folgenden Morgen, Mittwoch, gab Luther den Freunden ein kleines
Mittagsmahl, das damals um 10 Uhr stattfand. Da mittlerweile die
Vermhlung in dem kleinen Wittenberg rasch bekannt geworden war, so
sandte der Stadtrat einen Ehrentrunk von einem Stbchen (= 4 Ma)
Malvasier, einem Stbchen Rheinwein und anderthalb Stbchen
Frankenwein[135].

"Das Gelbnis" war aber nach damaliger Sitte nicht die "Beilage" oder
ffentliche Hochzeit; diese folgte erst spter mit ffentlichem
Kirchgang und der "Wirtschaft" (d.i. Hochzeitsschmaus) und feierlicher
Heimfhrung der "Jungfer Braut". Vierzehn Tage nach der Trauung,
Dienstag den 27. Juni, folgte nun bei Luther dieses hochzeitliche Mahl
und "Heimfahrt", denn das junge Ehepaar und seine Freunde wollten nicht
nur die Sitte ehren, sondern gerade recht auffllig in ffentlicher
Feierlichkeit vor der Welt ihren heiligen Ehestand ehrenvoll bezeugen.
Dazu lud der Doktor seine Eltern und seinen Schwager Dr. Rhel in
Mansfeld nebst noch zwei Mansfeldischen Rten, Johann Drr und Kaspar
Mller, ferner den Hofkaplan M. Spalatin und den Pfarrer Link in
Altenburg, den khnen Befreier der Nonnen Leonhard Koppe als "wrdigen
Vater Prior", den Kurfrstlichen Hofmarschall Dr. Johann von Dolzig, vor
allem aber den Superintendenten ("Bischof") Amsdorf in Magdeburg
u.a.[136].

Die mit Scherz und Ernst gewrzten Einladungsbriefe an diese
Gste--auer dem an die Eltern--sind noch vorhanden. Da schreibt Luther
an die drei Mansfeldischen Rte: "Bin willens, eine kleine Freude und
Heimfahrt zu machen. Solches habe ich Euch als guten Herren und Freunden
nicht wollen bergen und bitte, da Ihr den Segen helft darber sprechen.
Wo Ihr wolltet und knntet samt meinem lieben Vater und Mutter kommen,
mgt Ihr ermessen, da mir's eine besondere Freuden wre". An Link: "Der
Herr hat mich pltzlich, da ich's nicht dachte, wunderbarer Weise in
den Ehestand versetzt mit der Nonne Kthe von Bora.... Wenn Ihr kommt,
will ich durchaus nicht, da Ihr einen Becher oder irgend etwas
mitbringt". An Dolzig: "Es ist ohne Zweifel mein abenteuerlich Geschrei
fr Euch kommen, als sollt ich ein Ehemann worden sein. Wiewohl nun
dasselbige fast seltsam ist und ich's selbst kaum glaube, so sind doch
die Zeugen so stark, da ich's denselben zu Dienst und Ehren glauben
mu, und frgenommen, auf nchsten Dienstag mit Vater und Mutter samt
anderen guten Freunden in einer Kollation dasselbe zu versiegeln und
gewi zu machen. Bitte deshalben gar freundlich, wo es nicht
beschwerlich ist, wollet auch treulich beraten mit einem Wildbret und
selbst dabei sein und helfen das Siegel aufdrcken und was dazu
gehrt"[137].

Das Wildbret fehlte nicht; Wittenberg, welches wute, was die
Universitt und Stadt an Luther besa--er hat die kleine Stadt und
Universitt erst gro und berhmt gemacht--spendete reichliche
Geschenke. Der Stadtrat sandte "Doctori Martino zur Wirtschaft
und Beilage ein Fa Eimbeckisch Bier und zwanzig Gulden in
Schreckenbergern"; und die lbliche Universitt verehrte als
Brautgeschenk "H.D. Marthin Luthern und seiner Jungfraw Kthe von Bor"
einen hohen Deckelbecher aus Silber mit schnen vergoldeten
Verzierungen. Johann Pfister, der zu Ostern den Mnch ausgezogen und zu
Pfingsten nach Wittenberg gereist war, um da zu studieren, hat auf D.
Luthers Hochzeit das Amt eines Mundschenken versehen. Vielleicht waren
jetzt auch die Eheringe fertig, welche die Freunde besorgten. Diese
Eheringe soll der Kaiserl. Rat Willibald Pirkheimer in Nrnberg von
Albrecht Drer haben anfertigen lassen und geschenkt haben; desgleichen
auch eine goldene Denkmnze mit Luthers Bild. Der Trauring Luthers ist
ein zusammenlegbarer Doppelreif mit Diamant und Rubin, den Zeichen von
Liebe und Treue; unter dem hohen Kasten sind die Buchstaben M.L.D. und
C.V.B. und in dem Reif der Spruch: "Was Gott zusammenfget, soll kein
Mensch scheiden". Katharinas Ring hat einen Rubin und ist mit Kruzifix
u.a. geziert, mit der Inschrift: "D. Martinus Lutherus, Catharina von
Boren 13. Juni 1525"[138].

Da dabei Katharina in blichem Brautschmuck erschien, ist
selbstverstndlich, wenn dieser auch nicht so reich war, als das
angebliche Bild Katharinas von Bora im Hochzeitsstaat denken lt[139].

So wurde mit den guten Freunden eine frhliche Hochzeit gefeiert.
Freilich werden der unruhigen Zeitlufte wegen nicht alle Eingeladenen
erschienen sein--Luther setzte das schon in seinen Briefen voraus. Auch
Magister Philipp Melanchthon war nicht dabei, der ngstliche Gelehrte,
welcher gegen Luthers Ehe und besonders mit der Nonne war, wre ein
bler Hochzeitsgast gewesen. Von Katharinas Verwandten scheint niemand
anwesend gewesen zu sein. Vater und Mutter waren wohl schon lngst tot,
zwei Brder im fernen Preuen, der lteste vielleicht auch ferne; den
anderen Verwandten war Kthe doch durch ihr Klosterleben entfremdet, es
hatte sich ja auch bisher niemand von ihnen ihrer angenommen. So mute
sie ihre Gefreunde und Verwandte in ihren Pflegeeltern und Luthers
Freunden und Eltern sehen. Und wenn ihr's an ihrem Hochzeitsfest recht
wehmtig ums Herz gewesen sein wird, so mute sie doch die hohe
Verehrung und Freundschaft trsten, welche ihr Gatte bei seinen
Amtsgenossen und Landsleuten gefunden hatte.




6. Kapitel

Das erste Jahr von Katharinas Ehestand.


Luther fhrte nach seiner Vermhlung die junge Frau in seine Wohnung im
Augustinerkloster. Denn dies hatte ihm der Kurfrst Johann der
Bestndige, der seit Mai seinem Bruder Friedrich dem Weisen gefolgt war,
unter der Bedingung des Vorkaufsrechts zur Verfgung gestellt.

Das "schwarze Kloster" lag oben am Elsterthor, unmittelbar am Wall und
Graben, still und abgewandt von der Welt, von der Strae durch einen
groen Hof geschieden. Das dreistckige Hauptgebude gegen die Elbe zu
gelegen war die Behausung der Mnche gewesen und jetzt Luthers
Aufenthalt. In der westlichen Ecke nach Mittag gerichtet und mit
Aussicht auf die gelben Fluten des Stromes war Luthers Zelle, woraus er
"den Papst gestrmt hatte": sie blieb auch jetzt seine Studierstube.
Dagegen richtete das Ehepaar nach dem Hofe zu, wo die Gemcher des
ehemaligen Priorats lagen, die gerumige Wohnstube ein, worin auch
gespeist und die Besucher empfangen und Gste bewirtet wurden. Davor lag
ein kleineres Empfangszimmer mit Holzbnken. Die Decken der Gemcher und
bis zur halben Hhe auch die Wnde des behaglichen Wohnzimmers waren mit
Holzgetfel versehen, an den Wnden hin zogen sich Bnke, Pflcke
darber dienten zum Aufhngen von Gerten und Kleidern. Zwei groe
Fenster mit Butzenscheiben schauten in den Klosterhof. Aber um
deutlicher zu sehen, waren kleine Schiebfenster angebracht, welche
klirrend geffnet wurden, wenn dahinter etwas beobachtet werden sollte,
ein Besuch kam oder ging oder auf die Dienstboten und das Geziefer des
Hauses geachtet werden sollte. Dort in der Fensternische wurde ein
einfacher hlzerner Sitz aufgestellt mit einer Art Pult, der als
Nhtisch dienen mochte. Ein mchtiger Eichentisch auf Kreuzgestellen
stand in der Mitte und die eine Ecke fllte ein mchtiger Kachelofen.
Darum hie die Wohnstube auch "das gewhnliche Winterzimmer". Es war
wohl noch von der Klosterzeit her bemalt. Wahrscheinlich befand sich
auch hier ein Bild der Maria mit dem schlafenden Jesuskind[140].

Hinter dieser Wohnstube war das Schlafzimmer und eine weitere Kammer,
von dieser wurde spter eine Stiege mit einer Fallthre in das
Erdgescho angelegt, auf der man in die Wirtschaftsrume drunten
gelangen und namentlich die Speisen von der Kche innerhalb des Hauses
heraufbringen konnte. Denn Kche, Dienstbotenzimmer und dgl. waren unten
im ehemaligen Refektorium[141].

Schon in diesem Jahre, 1525, schenkte der Stadtrat verschiedene Fuhren
Kalk, womit das Klosterhaus innen und auen, wenigstens teilweise,
getnscht werden konnte. Vielleicht geschah dies bereits in der
Zwischenzeit zwischen der Trauung und Heimfhrung, dieser zu Ehren, als
das Haus viele festliche Besucher aufnehmen mute[142].

Die erste Ausstattung des Hauses wird drftig genug gewesen sein, denn
Luther konnte bei seiner bekannten Freigebigkeit und Gastfreiheit mit
seinem Gehalt kaum fr sich selbst bestehen, und obwohl der Kurfrst es
bei seiner Verheiratung auf 200 fl. aufbesserte, so waren daraus nicht
viel Anschaffungen zu machen, namentlich fr ein so weitluftiges
Gebude. Die 100 fl., die der Kurfrst, und die 20 fl., die der Stadtrat
zur Hochzeit schenkte, gingen darauf fr das kostspielige Festmahl. Der
Klosterhausrat, so weit er noch brig und nicht weggeschleift war durch
allerlei unberufene Hnde, war Luther von den Visitatoren geschenkt
worden. Aber es war geringfgig: Schsseln und Bratspiee, einiger
sonstiger Hausrat und Gartengerte--zusammen kaum 20 fl. wert. So werden
wohl die Freunde durch Hochzeitsgeschenke, die freilich in der Regel aus
silbernen Bechern bestanden, unmittelbar oder mittelbar dazu beigetragen
haben, die den Rume des Klosters ein bichen wohnlich zu gestalten.
Verwhnt durch mannigfaltigen Hausrat war man damals berhaupt nicht,
und die zwei ehemaligen Klosterleute noch weniger. So schenkte D.
Zwilling von Torgau einen Kasten, der war aber bald so lotter und
wurmstichig, da Frau Kthe kein Leinen mehr darin aufbewahren konnte
vor lauter Wurmmehl. Nach und nach kamen auch sonst von auswrts
allerlei Geschenke, sogar knstliche Uhren. Vom Stadtrat wurde das junge
Ehepaar ein ganzes Jahr lang mit Wein aus dem Ratskeller freigehalten,
brauchte aber nur (trotz vieler Gste) fr 3 Thlr. 4 Groschen 6
Pfennige. Auch schenkte die Stadt "Frau Katharinen Doktor Martini
ehelichem Weibe zum neuen Jahr (1526) ein Schwebisch" (schwbisches
Tuch)[143].

Der einzige Mitbewohner und neben Luther letzte Mnch, der Prior Brisger
verheiratete sich gleich nach Luther und zog nach einiger Zeit in sein
neugebautes Huschen, das neben dem Kloster, aber vorn an der Strae
gelegen war, dann auf die Pfarrei Altenburg. Von den alten
Klosterbewohnern blieb nur Luthers Famulus Wolfgang Sieberger im Hause,
der arm an Geld und Geistesgaben zwar zu studieren angefangen, aber es
nicht hatte fortsetzen und vollenden knnen, und besser zu einem Diener
taugte als zum Gelehrten, eine treue Seele, die von 1517 bis zu Luthers
Tod im Hause blieb und den Doktor nur um ein Jahr berlebte. Eine Magd
war auch da und andere folgten bald, als der Haushalt sich ausdehnte.

In diesem Hause nun gewhnte sich das junge Paar zunchst einigermaen
in Ruhe in den Ehestand und aneinander, und Luther schrieb da: "Ich bin
an meine Kthe gekettet und der Welt abgestorben"[144].

Es war dem 42jhrigen Gelehrten, Junggesellen und ehemaligen Mnch im
ersten Jahre des Ehestandes ein seltsames Gefhl, wenn er jetzt
selbander bei Tische sa statt allein, oder wenn er morgens erwachend
zwei Zpfe neben sich liegen sah. Aber auch der jngeren Ehefrau, der
frheren Nonne mochte ihr neuer Stand seltsam dnken, hier im ehemaligen
Kloster, namentlich an der Seite des gewaltigen Mannes, der die
Weltordnung umgekehrt hatte und mit Papst, Kaiser, Welt und Teufel im
Kampfe lag[145].

Da sa Kthe in dieser ersten Zeit bei Luther hinten in seiner
Studierstube, von wo er mit dem Flammenschwert seiner Feder den Papst
gestrmt, sah ihn von Bchern umgeben, den Tisch mit Briefen und
Schriftbogen bedeckt, spann und horchte ihm zu und that auch Fragen nach
diesem und jenem. Ihre Fragen zeugten nicht immer von Welterfahrung und
theologischer Bildung. So ergtzte es den Gelehrten, als sie einmal
fragte: "Ehr Doktor, ist der Hochmeister in Preuen des Markgrafen
Bruder?" Es war dieselbe Person. Luther weihte seine junge Frau bald in
theologische Fragen ein. Als ihm Jonas 1527 seine jetzige Ansicht ber
Erasmus meldete, las er seiner Frau ein Stck des Briefes vor. Da sprach
sie alsbald: "Ist nicht der teure Mann zur Krte geworden?" Und sie
freute sich, da Jonas nun die gleiche Ansicht mit Luther ber Erasmus
hatte. Mit der Zeit erweiterte sich ihr Wissen, sie lernte in ihres
Mannes Haus, wo so viele Fden der Kirchen- und Weltgeschichte
zusammenliefen und so viele bedeutende Mnner, Gelehrte, Staatsmnner
und Frsten einkehrten, die Weltdinge verstehen und lebte sich in die
theologische Gedankenwelt so ein, da sie an den Tischreden lebhaften
Anteil nahm und auch Gelehrte durch ihren gesunden Menschenverstand und
ihr natrliches Gefhl mitunter in Verlegenheit brachte[146].

Frau Kthe hatte eine ziemliche Beredsamkeit, so da Luther sie oftmals
damit neckte und sie einmal einem Englnder als Sprachlehrerin empfahl
oder auch davon redete, da sie das Amen nicht finden knnte bei ihren
Predigten. Er sagt aus der Erfahrung von seiner Gattin: "Weiber reden
vom Haushalten wohl als Meisterinnen mit Holdseligkeit und Lieblichkeit
der Stimm und also, da sie Cicero, den besten Redner, bertreffen; und
was sie mit Wohlredenheit nicht zu Wege bringen knnen, das erlangen sie
mit Weinen. Und zu solcher Wohlredenheit sind sie geboren, denn sie sind
viel beredter und geschickter von Natur zu diesen Hndeln, denn wir
Mnner, die wir's durch lange Erfahrung, Uebung und Studieren erlangen.
Wenn sie aber auer der Haushaltung reden, so taugen sie nichts."[147]

Zur Abwechslung arbeiteten die jungen Eheleute auch in dem umzunten
Klostergarten hinter dem Hause, worin auch ein Brunnen war. Da wurde
gegraben und gepflanzt und allerlei Kruter, Gemse und Obstbume, aber
auch zierliche Strucher und Blumen gepflegt. So konnte Luther schon im
folgenden Sommer Spalatin einladen: "Ich hab einen Garten gepflanzt,
einen Brunnen gegraben, beides mit gutem Glck. Komm, und Du sollst mit
Lilien und Rosen bekrnzt werden." Auch zu dem "Lutherbrunnen" vor dem
Elsterthore wandelten die Ehegatten hinaus, welchen der Doktor 1521
entdeckt hatte und 1526 fassen und mit einem "Lusthaus" berbauen lie,
in dem er manch liebes Mal in Mue mit seiner Frau und seinen Freunden
sa. Sonst ruhten die beiden unter dem Birnbaum im Klosterhofe, der
schon zu Staupitz' Zeiten manches ernste Gesprch vernommen[148].

Von dem jungen Ehepaar haben wir ein Bild aus der Werkstatt Kranachs.
Die junge Frau, mehr eine zarte als robuste Erscheinung, hat ein ovales
Gesicht mit feiner Hautfarbe, die Augenffnung erscheint ein bichen
"geschlitzt", die Backenknochen, welche in einem anderen Kthe-Typus
sehr stark hervortreten, sind normal. Charakteristisch ist die volle
Unterlippe. Die Augenbrauen sind schwach und hoch gewlbt, das wenig
ppige feine Haar hat rtliche oder blonde Farbe und die mattblauen
Augen schauen verstndig drein. Der Eindruck des ganzen Gesichtes lt
nchternen Ernst und eine gewisse zhe Energie erwarten[149].

Die Zeit der ersten Liebe schildert der Wittenbergische Doktor obwohl
"nicht von unmiger Liebesglut entflammt", mit den gleichen Worten wie
unser moderner Dichter: "Die hchste Gnade Gottes ist's, wenn im
Ehestande Eheleute einander herzlich stets fr und fr lieb haben. Die
erste Liebe ist fruchtbar und heftig, damit wir geblendet und wie die
Trunkenen hineingehen; wenn wir die Trunkenheit haben ausgeschlafen,
alsdann so bleibet in Gottesfrchtigen die rechtschaffene Liebe, die
Gottlosen aber haben den Reuwel."[150]

Freilich diese Zeit seines jungen Ehestandes ging dem Reformator weder
als mig tndelnde Flitterwochen, noch als ein ungetrbtes Idyll dahin.
Dafr sorgte der Drang seines gewaltigen Werkes, wie der Ha seiner
Gegner. Und mindestens eben so schwer, wie er, hatte seine junge Gattin
unter den giftigen und schmutzigen Angriffen zu leiden, die sofort die
Heirat des Reformators und ehemaligen Mnchs mit der gewesenen Nonne
beleidigten.

Luthers Heirat mit Katharina war eine zu ungeheuerliche That in den
Augen seiner Zeitgenossen, als da sie nicht das gewaltigste Aufsehen
erregen und auch zu den abenteuerlichsten Verdchtigungen Anla geben
muten[151].

Schon sofort nach der Trauung hatte Luther um dieses Werkes willen
Schmhungen und Lsterungen zu ertragen. Und nicht nur von den Feinden.
Die Klglinge "belchelten" seine Ehe oder verdammten sie auch: "Die
Weltweisen, auch unter den Unserigen, sind heftig darber erzrnt." Das
war nicht nur Dr. Schurf, sondern sogar sein naher Freund Melanchthon;
jener hatte gemeint, die ganze Welt, ja die Teufel wrden darber
lachen, und Luther wrde sein ganzes Werk vernichten. Dieser mibilligte
wohl die That an sich nicht, wohl aber, da sie nicht opportun sei und
unbedachtsam geschehen, so da die Feinde darin ihr groes Vergngen
haben und lstern; er meinte auch, "Luther habe sich durch Nonnenknste
fangen lassen und sei hereingefallen"[152].

So war es fr die Eheleute schon ein Schmerz, da der Hausfreund nicht
bei der Hochzeit war, ja nicht einmal dazu eingeladen werden konnte. Und
auf Luther mochte dies Verhalten der Freunde wenn auch nur zeitweilig
verstimmend und niederschlagend wirken. Da hatte Kthe wohl eine schwere
Aufgabe, ihn aufzurichten und zu ermuntern. Die anderen Freunde, seine
Gevattersleute Kranach vor allem, halfen dabei. Und schlielich migte
auch Melanchthon seinen Verdru, ja er trstete Luther und beeiferte
sich, seine Traurigkeit und ble Laune durch Freundlichkeit und
frhliche Unterhaltungen zu erheitern[153]. So kehrte Luthers Gemt
wieder zur alten Lebhaftigkeit zurck. Schon drei Tage nach der Trauung
schreibt er an Spalatin mit bezug auf Schurfs Rede im alten Ton frohen
und getrosten Trutzes: "Ich habe mich durch diese Heirat so
geringschtzig und verchtlich gemacht, da ich hoffe, es sollen die
_Engel lachen_ und die Teufel weinen. Die Welt mit ihren Klglingen
kennet dies Werk nicht, da es gttlich und heilig sei: sie nennen's an
meiner Person gottlos und teufelisch. Derohalben ich auch greren
Gefallen daran habe, da ihr Urteil durch meinen Ehestand verdammt wird,
so da sich daran stoen und rgern die, so ohne Erkenntnis Gottes
mutwillig zu bleiben fortfahren"[154].

Viel rger als die Freunde trieben's natrlich die Widersacher. Emser
verfertigte Spott- und Schmhgedichte, ja Eck gab ein ganzes Bchlein
von solchen Liedern auf Luthers Hochzeit heraus. Der Herzog Georg von
Sachsen, Luthers besonderer Feind, erlie ein Schreiben an Luther, worin
er ihn aufs heftigste schalt, und in einem Instruktionsschreiben zum
Speierer Reichstag (15. Mai 1526) an Otto von Pack beschimpft er ihn mit
der falschen Anschuldigung: "Es erscheint auch klrlich, indem Martinus
verworfen hat den Mnchsstand und so auch die Mnche aus dem Kloster zu
Wittenberg, da er desto mehr Raum habe mit seiner Kthchen zu wohnen,
davon sich ein ganzer Konvent hat nhren mgen." Der theologische Knig
Heinrich VIII. von England, damals noch Defensor Fidei (Verteidiger des
rmischen Glaubens) nachher Ritter Blaubart, fuhr in einem Briefe den
Reformator an: "Was? Du hast ihr nicht nur beigewohnt, sondern, was noch
unendlich fluchwrdiger ist, hast sie sogar ffentlich als Gattin
heimgefhrt!"[155]

Diese Schriften--auer der Georgs--waren lateinisch und gingen zunchst
in die Gelehrtenwelt. Unter das Volk aber wurden ehrenrhrige
Verleumdungen gegen die beiden Ehegatten gestreut. Der Humanistenknig
Erasmus machte sich lustig, indem er mit schndem Witze meint: wenn der
Antichrist ein Mnchs- und Nonnenkind wre, mte die Welt voll
Antichristen laufen; aber die Lge von einem frhgeborenen Kinde hat er
mit boshafter Geflissentlichkeit in seinen Briefen an hohe Herren
verbreitet, bis er sie dann widerrufen mute. Die Heirat Luthers ist dem
hochmtigen Humanisten aber immerhin eine Posse, mit der der gelehrte
Doktor den Philosophenmantel abgelegt und sich zu einem gewhnlichen
Menschen erniedrigt htte[156].

Aber noch nher trat der jungen Frau bald nach ihrer Heirat die
Schmhung. "Ein Brgersweib Klara, Eberhard Lorenz Jessners eheliche
Hausfrau hat unntze Worte gehabt und Herrn Dr. Luther und seine ehrbare
Hausfrau geschmht und gescholten," freilich "auch des Pfarrers Eheweib
bel angefahren" in Magister Joh. Lubecks Wirtschaft zu Wittenberg[157].

Endlich verfaten zwei Leipziger Magister, Joh. Hasenberg und Joachim
von der Heidten (Miricianus), in Prosa und Poesie lateinische und
deutsche Sendbriefe und lieen sie drucken. Hasenbergs Schmhschrift
richtete sich "an M. Luder und seine uneheliche Gattin Catharina von
Bohra, damit sie entweder mit dem verlorenen Sohn sich bekehren und zur
Bue und Heiligkeit des Klosterlebens zurckkehren oder doch Luther
seine Nonne ihrem Brutigam Christus und ihrer Mutter Kirche
zurckstelle" bei Hllenstrafe. Heidten schrieb "Ein Sendbrieff Kethen
von Bhora, Luthers vermeynthem eheweib sampt einem geschenk freundlicher
Weise zuvorfertigt". Die beiden jungen Menschen hatten die Frechheit,
diese Schriften durch einen eigenen Boten Luther und seiner Frau ins
Haus zu schicken, allerdings in der thrichten Hoffnung, wenigstens
Kthe von ihrem Manne abwendig zu machen und zur Rckkehr ins Kloster zu
bewegen.

Natrlich hatten diese beiden Schriften den entgegengesetzten Erfolg.
Luthers Diener trieben mit denselben ihren Spott, schickten sie den
"jungen Lffeln illuminiert (illustriert) im Hintergemach" mit dem Boten
zurck und dazu ein viereckiges Tfelein, darauf waren die 6 Buchstaben
_ASINI_ (Esel) so verteilt, da man sie von der Mitte aus gesehen, an
vierzig mal lesen konnte. Der ritterliche Luther aber nahm sich seines
Weibes an und lie "Eine neue Fabel Aesopii vom Esel und Lwen" mit
behaglichem Witze drucken und sandte sie an seinen Freund Link mit den
Worten: "Die Leipziger Esel haben meine Kthe mit albernen Schmhungen
verunglimpft; denen ist geantwortet worden, davon du hier vor Augen
siehst."[158]

Zu den Beschimpfungen gesellten sich Gefahren. In der Nacht vor
Michaelis 1525 hatte Luther es gewagt, im Gebiete seines heftigsten
Widersachers, des Herzogs Georg von Sachsen-Meien, dreizehn Jungfrauen
aus dem frstlichen Kloster Freiberg entfhren zu lassen. "Ich habe
diese Beute dem wtenden Tyrannen entrissen", meldet er triumphierend
seinem Freund Stiefel. Darber war natrlich Georg wtend, aber auch der
Adel zrnte ber Luthers Gewaltthat--muten doch die Angehrigen der
Nonnen durch ihren Austritt Vermgenseinbue befrchten: sogar adelige
_Freunde_ der Reformation nahmen es Luther bel. Es wurden Drohungen
gegen ihn laut, und sein Leben stand in Gefahr, wenn er irgendwie einem
Haufen Reisiger oder Bauern in die Hnde fiele, denn auch die Bauern
waren ihm ja seit dem Aufstand wenig gnstig. Nun war Luther auf den 19.
November zu Spalatins Hochzeit nach Altenburg geladen, wo der ehemalige
Geheimschreiber des verstorbenen Kurfrsten jetzt Stadtpfarrer war.
Luther wollte durchaus zu des Freundes Ehrentag. Aber Kthe hielt ihn
zurck und beschwor ihn sogar mit Thrnen vor der gefhrlichen Reise.
Also da ihr Gatte heldenmtig seines reformatorischen Befreieramtes
waltete und anderen armen Jungfrauen that, was ihr geschehen, und "dem
Satan diese Beute Christi abjagte", das hinderte Frau Kthe nicht, aber
das setzte sie durch, da er sich nicht ohne Not in Gefahr begab. Solche
Lebensgefahr mute sie ja immer fr ihren Gatten frchten, auf welchen
wie auf einen Frsten gar mancherlei Attentate geplant und versucht
wurden[159].

Dagegen lie sie es Ende Februar des folgenden Jahres zu, da Luther sie
nach Segrehna bei Kemberg begleitete. In diesem Dorfe hielt sich damals
der ehemalige Schwrmer, Bilderstrmer und Bauernagitator Karlstadt als
Bauersmann und Landkrmer versteckt. So viel Schmerzen und Sorgen ihm
auch Karlstadt gemacht, Luther hatte sich seines alten Amtsgenossen
angenommen und ihm Begnadigung beim Kurfrsten erwirkt. Und jetzt hatte
Karlstadt Luthers Gemahlin zur Gevatterin gebeten. Auch zu diesem
Liebesdienst war sie bereit, machte nicht nur selbst die beschwerliche
Reise, sondern lie sogar ihren Gemahl mitfahren[160].

Schon in diesem Jahre gemeinsamen Lebens lernte Luther seine Gattin
besser verstehen, tiefer lieben und hher achten. Hatte er sie vor der
Hochzeit fr stolz und hoffrtig gehalten, so schreibt er jetzt: "Sie
ist mir gottseidank willfhrig, gehorsam und gefllig, mehr als ich
htte hoffen knnen, so da ich meine Armut nicht mit des Crsus
Reichtum vertauschen mchte."[161]

Melanchthon hatte die Hoffnung ausgesprochen, Luthers Verheiratung werde
ihn gemessener machen, und sein ungestmes, derbes Wesen snftigen. Das
dachte wohl auch der Erzbischof Albrecht, der durch seinen Kanzler
Rhel, Luthers Schwager, der Frau zwanzig Goldgulden als
Hochzeitsgeschenk reichen lie, welche Katharina gern annahm, Luther
aber zurckwies. Erasmus glaubte auch bald die Bemerkung gemacht zu
haben, da Luther milder geworden sei und nicht mehr so viel mit der
Feder wte. Denn, setzt er in gewohnter spttischer Weise hinzu: "nichts
ist so wild, da ein Weib es nicht zhmt"[162].

Das wird ja im allgemeinen nicht abzustreiten sein. Und tatschlich lie
sich Luther--aber durch frstliche Zurede--im vershnlichen Tone gegen
Herzog Georg und Knig Heinrich VIII. hren--freilich ohne diese dadurch
vershnlich zu stimmen: sie beuteten vielmehr seine Schreiben aus, um
ihn verchtlich zu machen. Aber in seinem reformatorischen Beruf hat
Kthe ihren Mann weder hindern knnen noch wollen[163].

Nicht einmal in den ersten Tagen seiner Heirat. Ja, Frau Kthe plante
wohl selbst mit ihm whrend der Vorbereitung zu ihrer Heimfhrung die
Befreiung der Freiberger Nonnen: die Einladung an Koppe zur Hochzeit
enthielt zugleich die Aufforderung zu diesem neuen, noch keckeren
Klosterraub[164]!

Und am Neujahrstag 1526 malte Luther aufs neue in einer Spottschrift
das Papsttum mit seinen Gliedern ab und schrieb dazu: "Es meinen
etliche, man solle nun aufhren, das Papsttum und geistlichen Stand zu
spotten. Mit denen halt ichs nit, sondern mu ihr einschenken, bis
nichts Verchtlicheres auf Erden sei, denn diese blutgierige
Isabel."[165]




7. Kapitel.

Katharina als Mutter ihrer Kinder und Hausgenossen.


Ein Jahr nach ihrer Vermhlung am 7. Juni 1526, "da der Tag im Kalender
heit Dat." (d.i.: Er giebt) schenkte Kthe ihrem Gatten ein Shnlein,
das war, wie die Eltern mit Freuden sahen, gesund und ohne Fehl. Um 2
Uhr nachmittags kam es auf die Welt, schon um 4 Uhr wurde es nach
damaliger Sitte von Diakonus M. Rrer getauft. Taufpaten waren der
Superintendent D. Bugenhagen, der Propst Justus Jonas, Luthers Gevatter
L. Kranach, der Vizekanzler Baier und in Abwesenheit der Kanzler Mller
in Mansfeld. Eine der Patinnen war die Frau des Brgermeisters Hohndorf.
Nach dem Grovater erhielt das Kind den Namen Johannes[166].

Hnschen blieb auch wohlauf, wennschon die Mutter das Stillen nur
langsam fertig brachte und das Kind die Milch schwer vertrug. Der Knabe
wird bald frhlich und krftig und ein homo vorax et bibax (starker
Esser und Trinker), lernt auf den Knieen rutschen; zu Neujahr 1527
bekommt er Zhne, lernt stehen und gehen und fngt an zu lallen und mit
lieblichen Beleidigungen alle zu schelten. Zur Belohnung fr all diese
Knste schickt Jonas dem kleinen Hans einen "silbernen Johannes", ein
Geldstck mit dem Bild des Kurfrsten[167].

Bald ist der Zweijhrige gar stolz ber eine Klapper, die er vom
Pfarrer Hausmann geschenkt erhielt (1528). Dieser Erstgeborene wird
jahrelang in jedem Brief erwhnt und mu immer und berall hin die
Freunde gren. Es ist ein herziges Bild, wenn der Vater von seinem
Shnchen erzhlt: "Wenn ich sitze und schreibe oder thue sonst etwas, so
singet er mir ein Liedlein daher, und wenn er's zu laut will machen, so
fahre ich ihn ein wenig an; so singet er gleichwohl fort, aber er
machet's heimlicher und mit etwas Sorgen und Scheu. Also will Gott auch,
da wir immer frhlich sein sollen, jedoch mit Furcht und Ehrerbietung
gegen Gott." Und wieder sa Hnschen am Tisch und lallete vom Leben im
Himmel, wie eine so groe Freude da wre mit Essen und Tanzen, da wre
die grte Lust: die Wasser flssen mit eitel Milch und die Semmeln
wchsen auf den Bumen. Da freute sich der Doktor ber das selige Leben
des Kindes[168].

Anderthalb Jahre blieb Hnschen allein, da folgte am 10. Dezember 1527,
whrend die Pest in Wittenberg und im Hause Luthers wtete, ein
Schwesterlein, Elisabeth. Jonas gratuliert dem Doktor dazu und scherzt
von seinem kleinen Shnchen: "Mein Sohn begrt deine Tochter als seine
zuknftige Braut." Aber am 3. August des folgenden Jahres in der
gefhrlichen Zeit des Zahnens starb das zarte Tchterlein und wurde in
groer Trauer auf dem Gottesacker vorm Elsterthore bestattet. Da erhielt
es einen (noch vorhandenen) kleinen Grabstein mit der lateinischen
Inschrift: "Hier schlft Elisabeth, M. Luthers Tchterlein." Schwer nur
trsteten sich die trauernden Eltern mit dem Gedanken: "Elisabeth ist
von uns geschieden und zu Christo durch den Tod ins Leben gereist."[169]

Am 4. Mai des folgenden Jahres wurde ihnen Ersatz fr Elisabeth in einem
zweiten Tchterlein: Magdalena. Amsdorf, der Magdeburger Superintendent
(Bischof), und Frau Goritzen, Gattin des Magisters und spteren
Stadtrichters in Leipzig, wurden Paten. Der Gevatterbrief an Amsdorf
lautet:

"Achtbarer, wrdiger Herr! Gott der Vater aller Gnaden hat mir und
meiner lieben Kthe gndiglich eine junge Tochter beschert: so bitte ich
Ew. Wrden um Gottes Willen, wollet ein christlich Amt annehmen und
derselbigen armen Heidin christlicher Vater sein und zu der hl.
Christenheit helfen durch das himmlische hochwrdige Sakrament der
Taufe[170].

Der Gevatterinbrief lautet:

"Gnad' und Fried' in Christo! Ehrbare tugendsame Frau, liebe Freundin!
Ich bitt Euch um Gottes willen: Gott hat mir eine junge Heidin
bescheret, Ihr wollet so wohl thun und derselben armen Heidin zur
Christenheit helfen und ihre geistliche Mutter werden, damit sie durch
Euern Dienst und Hlfe auch komme aus der alten Geburt Adams zur neuen
Geburt Christi durch die hl. Taufe. Das will ich wiederum, womit ich
soll, um euch verdienen. Hiemit Gott befohlen. Amen. Ich hab selbst
nicht drfen ausgehen in die Luft. Martinus Luther."[171]

Als Magdalena heranwuchs, sah das Mdchen dem lteren Bruder Hnschen
"ber die Maen gleich mit Mund, Augen und Nase, in Summa mit dem ganzen
Gesicht", und war auch gutmtig und brav wie dieser. Diese zwei ltesten
Geschwister hingen auch sehr aneinander. Als Luther im folgenden Jahr
whrend des Augsburger Reichstags in Verborgenheit auf der Koburg weilte
und sich dort wie auf der Wartburg den Bart wachsen lie, um sich
unkenntlich zu machen, da lie Frau Kthe von dem kleinen Lenichen einen
Abri in schwarzer Kreide oder Tusche machen, welches freilich etwas zu
dunkel geraten scheint, und sandte es ihm als Herzstrkung in seine
"Wste", wo der Doktor in Einsamkeit und Thatlosigkeit oft trben
Gedanken nachhing, auch sich gar viel rgern mute ber den Gang der
Dinge in Augsburg; auch war gerade sein Vater gestorben, der alte Hans
Luther, was den Sohn tief bewegte, denn er hing mit kindlicher Liebe und
Ehrfurcht an ihm. Da der Vater das Konterfei des Tchterchens zuerst
ansah, konnt' er sie nicht erkennen. "Ei", sprach er, "die Lene ist ja
schwarz". Aber bald gefiel sie ihm wohl und dnkte ihm je lnger je
mehr, es sei Lenchen. Der Doktor hngte die Kontrefaktur gegen den Tisch
ber an die Wand im Frstenzimmer, wo er a, und verga ber die Maen
viel Gedanken mit dem Bilde."[172]

Das Mdchen wurde vom Vater anders behandelt als der Sohn. Dieser wurde
mit Ernst gezogen und Luther wollte, da man ihm nichts lasse gut sein.
Aber mit seinem Tchterlein scherzte er mehr. Dagegen zog die Mutter
naturgem den Sohn vor, namentlich den erstgeborenen und suchte des
Vaters Strenge gegen ihn zu mildern[173].

Am Vorabend vor Luthers Geburtstag, den 9. November 1531, traf zu
Wittenberg im schwarzen Kloster wieder ein Sohn ein, der deshalb des
Vaters Namen erhielt. Als jetzt der jngste wurde nunmehr er der
Liebling des Vaters. Denn, sagt dieser, "die Eltern haben die jngsten
Kinder stets am allerliebsten. Mein Martinchen ist mein liebster Schatz,
denn solche Kinder bedrfen der Eltern Sorge und Liebe wohl, da ihrer
fleiig gewartet wird. Hnschen und Lenchen knnen nun reden, bedrfen
solche Sorge so gro nicht."[174]

Am Namenstag des folgenden Jahres meldet Luther dem Paten Martins, dem
gestrengen und ehrenfesten Joh. von Rindesel Kurf. Kmmerer: "Euer Pate
will ein thtiger Mann werden, er greift zu und will sein Sinnchen
haben."[175]

Der Knabe war, scheint es, krnklich und ein kleiner Taugenichts, so da
der Vater frchtete, er mchte einmal Jurist werden[176]!

Dagegen war Hnschen ein stiller nachdenklicher Bursche, so da der
Vater meinte: "Er ist ein (geborener) Theologe." Der jngste Sohn Paul
aber, der am 28. Januar 1533 auf die Welt kam, ein krftiger mutiger
Junge, schien sich zum Trkenkrieger zu eignen. Daran dachte der Vater
schon bei seiner Geburt und whlte ihm vielleicht deshalb einen Ritter,
Hans von Lser, Erbmarschall und Landrentmeister, zum Paten. Aber auch
der Herzog Joh. Ernst von Sachsen, ferner D. Jonas und die Frau des
Kaspar Lindemann standen bei Paul zu Gevatter[177].

In dem Gevatterbrief an Lser, der noch in der Nacht des 28. Januar 1533
geschrieben wurde, damit der Knabe nicht lange ein Heide bleibe und
schon zur Vesper getauft werde, heit es: "Ew. Gestrengen wollen sich
demtigen Gott zu Ehren fr meinen jungen Sohn frderlich und fglich
erscheinen, damit er aus der alten Art Adams zur neuen Geburt Christi
durch das hl. Sakrament der Taufe kommen und ein Glied der Christenheit
werden mchte, ob vielleicht Gott der Herr einen neuen Feind des Papstes
oder des Trken erziehen wolle."[178]

Als Hans Lser zur Taufe kam, hat ihn Luther also empfangen: "Gott sei
Dank! Ich werde nicht ermangeln, Ew. Gestrengen in andern Sachen zu
dienen. Es ist heut ein junger Papst geboren worden; derohalben helfet
doch dem armen Schelm, da er getauft werde." Das Kind wurde im Schlosse
in einem Becken getauft. Hernach hat Luther seinen Gevatter zu Gaste
geladen, da sie denn viel freundliche Diskurse gefhrt. Luther sagte:
"Ich habe meinen Sohn lassen Paul heien, denn der hl. Paulus hat uns
viel groe Lehren und Sprche vorgetragen. Gott gebe ihm die Gnaden und
Gaben Pauli. Ich will, so Gott will, alle meine Shne von mir thun: der
Lust zum Krieg hat, den will ich zu Hans Lser thun; der Lust zu
studieren hat, zu Jonas und Philipp; der Lust zur Arbeit hat, den will
ich zum Bauern thun"[179].

Als eine Art Nachkmmling wurde das um Weihnachten 1534 geborene jngste
Kind angesehen, das nach Luthers (1531) verstorbenen Mutter Margareta
genannt wurde. Wenigstens sah der Vater voraus, da er nicht so alt
werden wrde, um sie zu versorgen. Darum schrieb er auch, als sie erst
vier Jahr alt war, ihrem Paten, dem Pfarrer Probst in Bremen: "Es gret
Euch meine Frau Kthe und Euer Patchen, mein Tchterlein Margaretchen,
der Ihr nach meinem Tode fr einen feinen frommen Mann sorgen sollt. Ihr
habt sie zum Patchen gewhlt, Euch befehle ich sie auch." Ein anderer,
sehr hoher Pate war der Frst Joachim von Anhalt, der Luther das
"christliche Amt geistlicher Vaterschaft" angetragen hatte und auch
bernahm[180].

Frau Kthe mute die Kinder oft ihrem Vater bringen, auch ins
Studierzimmer, da koste er mit ihnen und machte seine sinnigen
Bemerkungen ber Kindesnatur und Kindesleben; das zeige uns, wie's im
Paradies war und wie's im Gottesreich sein sollte. Der Vater schaute
aber auch mit Wohlgefallen zu, wie seine Kthe so freundlich mit ihrem
Martinchen redete und so viel Geduld und Erbarmen mit allen Kindern
hatte. Luther unterhielt sich mit ihnen bers Christkind, sah zu, wie
Martinchen eine Puppe als Braut schmckte und beschtzte, freute sich,
wenn die Kinder sich zankten und schnell vertrugen als ber ein Sinnbild
der Sndenvergebung der Gotteskinder; er sah, wie die Kinder um den
Tisch saen und in freudiger Erwartung auf Pfirsiche und Birnen sahen,
die darauf lagen, oder den Ast Kirschen, den ihnen Jonas gebracht, und
sagte: "Wer da sehen will das Bild eines, der sich in Hoffnung freuet,
der hat hier ein rechtes Konterfei. Ach da wir den jngsten Tag so
frhlich in Hoffnung knnten ansehen!" Sein herziger Mrchenbrief an
sein liebes Shnichen von der Koburg, ist das schnste Zeugnis eines
kinderfreundlichen Gemtes. Von Koburg aus besorgte Luther seinem Haus
ein gro schn Buch von Zucker aus dem schnen (Mrchen-)Garten in
Nrnberg. Auch sonst bringt er seinen Kindern von seinen Reisen immer
"Jahrmarkt" mit. Regelmig auch sendet er aus der Ferne Gre und Ksse
an Hnschen und Lenchen[181].

Die Gespielen der Lutherischen Kleinen waren Melanchthons und Jonas'
Kinder ("Lippus" und "Jost" im Mrchenbrief). Der Spielplatz war der
groe Klosterhof; da tummelten sie ihre Steckenpferde und schossen mit
Armbrsten, lrmten mit Pfeifen und Trommeln, tanzten oder "sprangen der
Kleider und des Baretts"; auch ein Hndlein durften die Kinder halten.
Spter richtete der Vater Luther fr sie und die andern jungen
Hausgenossen auch einen Kegelplan ein und sah zu, wie sie sich vermaen,
zwlf Kegel zu treffen, wo doch nur neun auf dem "Boleich" standen, und
schlielich froh waren, eine nicht zu fehlen. Ja, er selbst ma sich hie
und da als ein Meister des Spiels mit ihnen, "schub einmal die Kegel
umbwrts, das andere Mal seitwrts oder ber Eck"[182].

Aber Luther betete auch tglich den Katechismus mit seinem Sohn Hansen
und seinem Tchterlein Magdalene und die Kinder selbst muten "bei Tisch
beten und herlesen"; und auch sonst waren sie von Vater und Mutter
angehalten zum Gebet fr die Gnner und Schtzer der Reformation, fr
das Heil der Kirche und des Vaterlands. Martin und Paul hatten des
Vaters musikalische Anlagen geerbt und muten nach der Mahlzeit--allein
oder mit andern--die liturgischen Gesnge der jeweiligen Kirchenzeit
vortragen. Auch die kleine Margarete lernte mit fnf Jahren schon mit
schner Stimme singen: "Kommt her zu mir alle" und anderes[183].

In ihren Kindern sahen die Eltern ihr hchstes Glck und ihren
schnsten Schatz. "Kinder binden, sie sind ein Band der Ehe und Liebe",
pflegte Luther zu sagen. Er fand in ihnen seinen Trost und seine
Erholung von seinen Welt- und Kirchensorgen. "Ich bin zufrieden; ich
habe drei eheliche Kinder, die kein papistischer Theolog hat, und die
drei Kinder sind drei Knigreiche, die habe ich ehrlicher und erblicher
denn Ferdinandus Ungarn, Bhmen und das rmische Reich"[184].

Freilich, was fr den Vater in seinen Muestunden und bei Tisch eine
Freude und Erholung war, das brachte der Mutter Arbeit, Sorge und
Schmerzen. Es war doch keine Kleinigkeit fr die vielbeschftigte
Hausfrau in acht Jahren sechs kleine Kinder zu haben, zu pflegen und zu
erziehen--denn auf ihr lag doch das Hauptgeschft der Erziehung. Und ihr
Gatte sah das ein und bemerkte einmal, da nur unser Herrgott sich von
seinen Menschenkindern mehr gefallen lassen msse als eine Mutter[185].

Da war es denn ein groer Segen, da Frau Kthe in ihrem Hause eine
Sttze fand an ihrer Tante, _Magdalene von Bora_.

Diese war bald nach ihrer Nichte selber aus Nimbschen entwichen und
wohnte jetzt im schwarzen Kloster in einem besonderen Stblein. Sie war
als "Muhme Lene" der gute Hausgeist, die echte und rechte Kindertante in
der Lutherischen Familie. Als Siechenmeisterin hat sie sich ja zum
Warten und Pflegen schon im Kloster ausgebildet. Und so wartete und
htete sie die kleinen Groneffen und Gronichten, spielte und betete
mit ihnen, verwhnte sie auch wohl und vertuschte ihre bsen Streiche,
pflegte sie in den Kinderkrankheiten und war auch fr Frau Kthe in
ihren Kindbetten und Krankheiten die sorgsame Pflegerin und Lehrerin.
Luther will in dem Mrchenbrief von der Koburg an sein Shnchen Hans die
"Muhme Lene" auch mitbringen lassen in den schnen Wundergarten und lt
sie gren und ihr einen Ku "von meinetwegen" geben; und auch sonst
sendet er Muhme Lene seine Gre[186].

Zu den eigenen Kindern im Lutherischen Hause kamen bald andere. Zunchst
Verwandte, Neffen und Nichten, dann aber Kinder von Freunden und
Bekannten, und endlich fremde Kostgnger.

Der erste war Cyriak Kaufmann, der Sohn einer Schwester Luthers; er kam
als Studiosus nach Wittenberg und wurde am 22. November 1529
immatrikuliert. Er begleitete 1530 seinen Oheim auf die Koburg und
dieser schickte ihn im August nach Augsburg, da er sich in der groen
Stadt einmal das Treiben eines Reichstags ansehe; dann mute er wieder
zu seinen Studien nach Wittenberg; auf der Heimreise brachte er von
Nrnberg den Lebkuchen fr seinen kleinen Vetter Hans Luther mit[187].

Luthers Schwager und Schwester Kaufmann starben frh und so kamen
allmhlich alle fnf Waisen derselben zu ihrem Oheim nach Wittenberg,
auer dem genannten Cyriak noch seine jungen Geschwister, die Brder
Fabian und Andreas, welche 1533 am 8. Juni frhzeitig mit dem erst
siebenjhrigen Hans Luther zu Wittenberg als akademische Brger
eingeschrieben wurden, und die Schwestern Lene und Else. Es war keine
Kleinigkeit, fnf elternlosen Kindern Vater und besonders Mutter zu
sein, zumal, da sie nicht alle wohlgeraten waren und namentlich Lene
Sorge machte, so da Luther einmal erklrte, wenn sie nicht gut thun
wolle, werde er sie einem schwarzen Httenknecht (Bergmann) geben, statt
einen frommen und gelehrten Mann mit ihr betrgen.--Schlielich kam zu
den zwei Nichten noch eine kleine Gronichte, Anna Strau, die Enkelin
einer Schwester Luthers[188].

Mit Cyriak Kaufmann war ein andrer Schwestersohn, Hans Polner, als
Student ins Haus gekommen, der an Peter Weller anbefohlen wurde. Aber
Frau Katharina war aufgetragen zuzusehen, "da er sich gehorsamlich
halte", und auch sonst mute sie fr ihn sorgen. Dieser Polner wartete
als Famulus dem Doktor auf, studierte Theologie und predigte einmal in
der Pfarrkirche; die Doktorin meinte, den htte sie viel besser
verstehen knnen, als D. Pommer, welcher sonst von dem Thema weit
abweiche und andre Dinge in seine Predigt mit einfhre, oder, wie Jonas
sich ausdrckte, unterwegs manchen Landsknecht anspreche[189].

Noch ein Neffe Luthers, seines Lieblings-Bruders Jakob Sohn, Martin,
wurde spter zur Erziehung der Doktorsfamilie bergeben und 1539 an der
Universitt eingeschrieben; ebenso Florian von Bora, der Sohn von Kthes
ltestem Bruder. Martin und Florian wurden zusammen mit den Kindern
Luthers unterrichtet. Einer der Neffen sollte einmal zu Camerarius auf
die Schule kommen; spter kam Florian mit Hans nach Torgau[190].

Schlielich wurden dem Lutherischen Hause noch allerlei Schler und
angehende Studenten anvertraut, welche in dem Kloster wohnten, aen und
unterrichtet wurden.

Fr die eigenen und fremden Kinder wurden nun, bei der groen
anderweiten Inanspruchnahme Luthers, "allerlei Zuchtmeister und
Przeptoren" ntig: ltere Studenten, junge Magister, auch Leute von
gesetztem Alter, welche noch einmal die Universitt bezogen, um ihre
Kenntnisse zu erweitern oder die neue evangelische Theologie zu
studieren. Sie waren in Luthers Familie Hausgenossen und Tischgesellen,
untersttzten auch etwa Luther in seinen Arbeiten, ja auch (wie z.B.
Neuheller) Frau Kthe in der Wirtschaft und Aufsicht ber das Gesinde.

So waren nach und neben einander im Hause als "Schulmeister" und Luthers
Gehlfen die Nrnberger Veit Dietrich (1529-34) und Besold (1537-42),
Cordatus (1528-31), die Freiberger Hieronymus und Peter Kelter (1530),
Joh. Schlaginhaufen (1531-32), Jodocus Neuheller (Neobulus) (1537-38)
aus Lauterburg, Jakobus Lauterbach (1536-39), Schiefer (1539-41), ein
Franziskus und zuletzt Rutfeld (1546). Diese Przeptoren hatten sogar
oft wieder ihre eigenen Zglinge, welche mit im schwarzen Kloster
wohnten und aen oder auch nur dort unterrichtet wurden. Der Unterricht
begann oft in sehr frhen Jahren: der junge Hans Luther mute schon mit
vier Jahren tchtig "lernen", hauptschlich wohl lateinisch
sprechen--wie es heute mit dem Franzsischen geschieht.

Auer den Magistern hatte Luther noch Famuli, nicht nur seinen
lebenslnglichen Diener Wolf, sondern auch andere, wie der "fromme
Gesell", welcher "etliche Jahre treulich, fleiig und demtig gedienet
hat und altes gethan und gelitten" und 1532 wegzog. Der Famulus diente
bei Tisch, schenkte ein, besorgte Gartengeschfte, machte Ausgnge,
schrieb auch fr Frau Kthe Briefe[191].

Sogar eine Lehrerin wurde nach Wittenberg ins schwarze Kloster berufen:
nmlich im Jahre 1527 hat Luther auch eine Mitschwester Frau Kthe's,
die ehemalige Nonne und Flchtlingin von Nimbschen, die "ehrbare,
tugendsame Jungfrau Else von Kanitz" eingeladen auf eine Zeitlang nach
Wittenberg zu kommen. "Denn ich gedacht Euer zu brauchen, junge
Mgdelein zu lehren und durch Euch solch Werk andern zum Exempel
anzufahen. Bei mir sollt Ihr sein zu Hause und zu Tische, da Ihr keine
Fahr noch Sorge haben sollt. So bitte ich nu, da Ihr mir solchs nicht
wollt abschlagen." Die Kanitz kam aber nicht. Dafr erscheint jetzt ein
Frulein Margarete von Mochau, wahrscheinlich die Schwester von
Karlstadts Frau, im Klosterhause und wird ihre Stelle vertreten
haben[192].

Natrlich fehlte es bei dem groen Haushalt auch an sonstigem Gesinde
nicht und da gab es, wie berall gute und schlechte, dankbare und
undankbare, getreue und ungetreue Dienstboten. Alle aber wurden zur
"Familie" gerechnet und nahmen an der Hausandacht teil. Und der
abwesende Hausvater verfehlte nicht in seinen Briefen, das "gesamte
Gesinde" gren zu lassen. Aber er ermahnt es auch, da sie im Haus kein
Aergernis gben. Oft scherzt er in seinen Briefen ber Trgheit und
Bequemlichkeit seiner Dienstleute: so wenn er aus Nrnberg Handwerkszeug
bestellt, welches von selber geht, wenn Wolf schlft oder nachlssig
ist, oder einen Kronleuchter, der sich von selber putzt, damit er nicht
zerbricht oder beschdigt wird von der zornigen oder schlfrigen
Magd[193].

Natrlich auch Gste aller Art verkehrten im Schwarzen Kloster oder
wohnten darin in krzerem oder lngerem Aufenthalt, oft monate-, ja
jahrelang: vertriebene oder stellenlose Prediger, flchtige Fremde,
entwichene Mnche und Nonnen, Besuche und Festgenossen, "armseliges
Gesindlein" und frstliche Damen.

So beherbergte das Lutherhaus 1525 mehrere adlige Ordensschwestern; 1528
einige Monate lang sogar die Herzogin Ursula von Mnsterberg, Herzog
Georgs eigene Base, die mit zwei getreuen Klosterfrauen dem
Nonnenkloster zu Freiberg entflohen war; und zu Pfingsten 1529 wieder
drei Adelige aus demselben Konvent. Auerdem kamen auch allerlei Mnche,
sogar aus Frankreich, ins Lutherhaus nach Wittenberg, als der
allgemeinen Zufluchtssttte aller religis Bedrngten. So hat Herzog
Georg in begreiflichem Zorn, wenn auch mit unwahren Behauptungen, Luther
beschuldigt: "Du hast zu Wittenberg ein Asylum eingerichtet, da alle
Mnche und Nonnen, so uns unsre Klster berauben mit Nehmen und
Stehlen, die haben bei Dir Zuflucht und Aufenthalt, als wre Wittenberg,
hflich zu reden, ein Ganerbenhaus aller Abtrnnigen des Landes"[194].

Ja, die Wittenberger Freundinnen des Hauses, Bugenhagens und Dr. A.
Schurfs Frauen, warteten im schwarzen Kloster ihr Wochenbett oder ihre
Krankheit ab[195].

Aber auch frstliche Gste suchten das gastliche Haus der Luther'schen
Eheleute auf.

Die Kurfrstin Elisabeth von Brandenburg hatte sich, besonders durch den
Einflu ihres evangelisch gesinnten Leibarztes Ratzeberger, der
Reformation zugewandt, whrend ihr altglubiger Gemahl Joachim I. streng
darauf sah, da das Lutherische Gift nicht ber die schsische Grenze
herberkme. Da mute er von seiner 14jhrigen Tochter Elisabeth zu
seinem Schrecken erfahren, da seine eigene Gemahlin im Berliner
Schlosse heimlich das Abendmahl unter beiderlei Gestalt genommen habe.
Er sperrte die Kurfrstin ein; das Gercht ging, er wolle sie einmauern
lassen. Da entwich sie mit Hilfe ihres kniglichen Bruders Christiern,
der damals landflchtig in Deutschland umherirrte, samt Dr. Ratzeberger
(Mrz 1528) und floh zu ihrem Oheim Kurfrst Johann nach Sachsen. Ihren
Wohnsitz erhielt sie auf Schlo Lichtenberg, hielt sich aber oft in
Wittenberg auf und verkehrte viel im Klosterhause mit Luther und Frau
Kthe; sie stand sogar zu einem der Kinder Gevatter[196].

Auch der Frst Georg von Anhalt wollte im schwarzen Kloster Aufenthalt
nehmen, um Luthers Umgang und Geist recht zu genieen. Aber sein
Vizekanzler mute ihm davon abraten, da das Haus zu voll sei.

So wurde "das Haus des Herrn Doktor Luther von einer buntgemischten
Schar studierender Zglinge, Mdchen, alter Witwen und artiger Kinder
bewohnt. Darum herrschte viel Unruhe darin"[197].

Da begreift es sich, da, als der junge Hans anfangen sollte ernstlich
zu lernen, er der greren Mue wegen aus dem Hause gethan
wurde--vielleicht nach Torgau. Zu Neujahr 1537 ist der elfjhrige Sohn
irgendwo auf der Schule, wo er durch seine "Studien" und lateinischen
Briefe dem Vater Freude machte. Dieser erlaubt ihm, namentlich auf
Bitten von Muhme Lene, zu den nchsten Fastnachtsferien nach Hause zu
kommen zu Mutter und Muhme, Schwestern und Brdern[198].

Zu allen Haus- und Tischgenossen im Kloster kamen nun noch die tglichen
Besuche und Gste von Bekannten, Freunden, Verwandten, Amtsgenossen und
Mitbrgern: so aus der Ferne die Geistlichen Amsdorf und Spalatin,
Hausmann und Link, die Hofherren und Ritter Taubenheim und Lser, Bruder
Jakob oder Schwager Rhel von Mansfeld, Kthes Bruder Hans, Abgesandte
aus aller Herren Lnder, Staatsmnner und Kirchenbeamte aus England und
Frankreich, aus Skandinavien und Bhmen, Ungarn und Venedig; Stadtrte
und Brger von allen schsischen und deutschen Stdten, wandernde
Magister und fahrende Schler. Aus Wittenberg selbst verkehrten als
liebe und hufige Gste vor allem Magister Philipp (Melanchthon) und
Frau; die Grten der beiden Huser waren nicht weit von einander
und--wie man wenigstens heute erzhlt--ein Thrlein zwischen beiden
vermittelte den Verkehr der zwei Familien. Gerngesehene Hausfreunde
waren auch der Propst Jonas und seine Gattin; ferner noch andere
Gevattersleute, der Superintendent Bugenhagen, M. Kreuziger, M. Rrer,
der Buchdrucker Hans Lufft, der Meister Lukas Kranach mit seiner Frau
und der alte Meister Claus Bildenhauer oder "Bildenhain", wie Sophiele
Jonas ihn zu nennen pflegte, ein wackerer Knstler, der auch manchmal zu
Tische war; von ihm kaufte Luther spter einen Garten. Mit ihm, der auch
schon "zu viele Ostereier gegessen", gedachte Luther gern der guten
alten Zeiten[199].

Da wurde denn droben in der Familienstube um den groen Eichentisch oder
unten im Hof unter dem schattigen Birnbaum oder auch wohl vorm
Elsterthor drauen bei dem murmelnden Lutherbrunnen Gesellschaft und
Mahlzeit gehalten und Frau Kthe mute die Wirtin machen, ihr
treffliches Hausbru aufsetzen und auch zu den Kosten der Unterhaltung
ihr Scherflein beitragen.




8. Kapitel

Katharinas Haushalt und Wirtschaft[200].


Fr eine so zahlreiche Haus- und Tischgenossenschaft galt es eine Menge
Gemcher zu beschaffen und auszustatten; es mute Kche und Keller in
groem Mastabe in stand gesetzt werden; es war ntig, Stall und Garten
zu besorgen; es war erforderlich Markt und Einkauf, Rechnung und
Vermgensverwaltung zu verstehen; und endlich zur Regierung eines so
umfangreichen Hauswesens mit seinen vielen und vielerlei Gliedern,
Tischgngern und Hofmeistern, Kindern und Gesinde galt es eine weise
Umsicht, aber auch ein strammes Herrschaftstalent zu entfalten.

Das alles fiel nun der Hausfrau anheim. Denn es wre unmglich gewesen,
da Luther neben den gewaltigen Arbeiten seines Berufs als Prediger,
Seelsorger, Professor, Ratgeber fr einzelne Personen wie ganze Stdte
und Lnder, als Reformator nicht nur Deutschlands, sondern der halben
Christenheit sich um die Hauswirtschaft kmmern konnte, namentlich eine
so umfangreiche, die allein schon eine ganze Menschenkraft
erforderte[201]. Sodann aber war es des Doktors Anschauung, da in Haus
und Wirtschaft die Frau zu walten und zu regieren habe: "Das Weib habe
das Regiment im Hause, ohnbeschadet des Mannes Recht und Gerechtigkeit;
dafr ist es geschaffen. Denn das ist wahr, die huslichen Sachen, was
das Hausregiment betrifft, da sind die Weiber geschickter und beredter
als wir." "Ich bin zur Haushaltung sehr ungeschickt und fahrlssig. Ich
kann mich in das Haushalten nicht richten. Ich werde von meinem groen
Hauswesen erdrckt." Vor so etwas hatte er sich schon als Junggesell
gefrchtet. 1523 sagte er: "Nimmst Du ein Weib, so ist der erste Sto:
wie willt Du nun Dich, Dein Weib und Kind ernhren? Und das whret Dein
Lebenlang; beim ersten Kind denken die Eltern daran, ein Haus zu bauen,
Vermgen zu erwerben und die Nachkommenschaft zu versorgen"[202].
Andererseits aber war auch Frau Kthe so veranlagt und gewillt, da sie
dies Regiment gerne fhrte und ihrem Gatten alles das fernhalten wollte,
was ihn in seiner Wirksamkeit hindern und stren konnte. Und Luther lie
sich das gerne gefallen. "Meine Frau kann mich berreden, wie oft sie
will, denn sie hat die ganze Herrschaft allein in ihrer Hand, und ich
gestehe ihr auch gerne die gesamte Hauswirtschaft zu"[203].

So richtete nun Katharina zunchst das Haus her und ein, und der
Kurfrst und die Stadt Wittenberg, die Freunde des Hauses und die Eltern
der Kostgnger stifteten dazu mancherlei Baubedarf und Gerte.

Das schwarze Kloster war 1502 von Staupitz mit Untersttzung des
Kurfrsten gebaut, aber nur zu einem Drittel vollendet worden. Die
Kirche war nur angefangen, die Wirtschaftsgebude kaum vorhanden.
Eigentlich war nur das sog. Schlafhaus (dormitorium), die frheren
Wohnrume der Mnche fertig, die fr 40 Menschen reichten. Aber die
Zellen--meist im dritten Stock--waren zahlreich, dagegen klein, und
daher mute wohl manche Wand durchgebrochen und manche auch aufgerichtet
werden. Auf der Gartenseite war ein grerer Saal (jetzt die Aula) und
ein kleinerer, welche beide von Luther zu Vorlesungen und Hausandachten
benutzt wurden. Ein Zimmer daneben hatte oder erhielt eine Thre in
Luthers Studierstube. Im oberen Stock wurden die Gelasse zu Gastzimmern
fr die mancherlei Hausgenossen benutzt.

Das Erdgescho hatte Frau Kthe zu Wirtschaftsrumen eingerichtet und
zum leichteren Verkehr mit dem Oberstock eine Treppe in das Zimmer neben
das Schlafgemach fhren lassen.

Im Jahre 1539 auf 40 erfreute Frau Kthe ihren Gatten mit einem sinnigen
Geschenk: aus Pirna lie sie--durch den dortigen Pfarrer
Lauterbach--eine schngearbeitete Pforte aus weiem Sandstein kommen,
einen Spitzbogen mit hbschen Stben; auf der einen Seite Luthers
Brustbild, auf der anderen sein Wappen, die weie Rose mit dem roten
Herzen und schwarzen Kreuz darin, vom goldenen Ring der Ewigkeit umfat,
und die lateinische Inschrift: "Im Stillesein und Hoffen ruht meine
Strke." Auf beiden Seiten der Thre waren zwei Sitze angebracht zum
Ausruhen am Feierabend[204].

Der Klosterhof war gegen die Strae mit einem Zaun abgeschlossen;
spter kamen an das Thor zwei Buden, wohl fr die Bewachung des Anwesens
in der unruhigen und gefhrlichen Zeit des Festungsbaues, wo die
Stadtmauern am Elsterthor abgerissen und die Stadt allem Gesindel
geffnet war[205].

An der Westseite des Hofes wurden nun allerlei Wirtschaftsgebude
errichtet.

Eine Braustube war schon im Kloster vorhanden; denn der Kurfrst hatte
diesem die Braugerechtigkeit fr 12 "Gebrude" verliehen; diese ging auf
den neuen Besitzer ber und wurde von Frau Kthe selbst ausgebt. Das
war ein groer Vorteil fr den starken Haushalt; denn das Bier war in
Wittenberg auffllig teuer: die Kanne kostete drei Pfennige. Aber die
Herstellung des Brauhauses und die Gerte kosteten 150 fl. Eine
Badestube mit Wanne und Stnder baute sie nun auch und D. Lauterbach
mute ihr das Baumaterial dazu besorgen. Auch allerlei Viehstlle lie
sie errichten und hielt Pferde, Khe und namentlich Schweine, um
Arbeitskrfte, Milch und Fleisch fr den Hausbedarf zu haben: Schon 1527
hatte man einen Stall voll Schweine, mehr als fnf Stck; 1542 waren es
zehn und drei Ferkel, so da ein eigener Schweinehirt gehalten werden
mute; ferner hatte Kthe mehrere Pferde, fnf Khe, neun Klber und
eine Ziege mit zwei Zicklein. Ein Hhnerhof lieferte die ntigen Eier.
Endlich wurden auch noch einige Keller ausgebessert oder neu angelegt,
so der Weinkeller, der neue Keller und der groe Keller. Bei der
Besichtigung des letzteren kam das Ehepaar fast um's Leben, denn das
Gewlbe strzte hinter ihnen ein, gerade als sie es besichtigt und eben
herausgetreten waren[206].

Im Laufe der Zeiten wurden in dem halbfertigen Hause gar mancherlei
Reparaturen ntig und ebenso allerlei Neubauten. So erhielten Johann
Crafft und M. Plato ihre Stbchen, auch der Sohn Hans, als er
herangewachsen war; Muhme Lene hatte ihr Stblein mit Kammer und
Schornstein--jedes kostete 5 fl. herzurichten. Die obere Stube und
Kammer kam aber auf 100 fl. zu stehen und die untere auf 40 fl. Auer
dem groen Keller, der (mit dem "Schaden" beim Einsturz) auf 130 fl.
gekommen war, wurde noch der neue Keller fr 50 fl. gebaut und ein
Weinkeller fr 10 fl. eingerichtet. Endlich wurde noch ein "new Haus"
gebaut, welches 400 fl. kostete. Die Treppe mute zweimal hergestellt
werden und das Dach fters geflickt[207].

Dazu brauchte es manches Tausend Dachsteine (Ziegel) und Backsteine,
auch nicht wenige Tonnen und Wagen Kalk, besonders in den Baujahren
1535-39: 280 Wagen Kalk und 12500 Mauersteine und 1300 Dachsteine und
wieder von beiden Arten zusammen 2600. Freilich, das Tausend
"Dachsteine" kostete nur 40 Groschen, Mauersteine 57 Groschen und der
Wagen Kalk nur 4-5 Groschen. Das lieferte die Stadt, aus der eigenen
Brennerei. Luther machte sie bezahlt durch seine Dienste (unentgeltliche
Predigt und Seelsorge u.a.) und durch Abtretung von Boden an seinem
Klosterhof. Im Jahre 1542 hatte Luther allein 1155 fl. verbaut[208].

Spter erlebte man im Lutherhause schweren rger durch den neuen
Festungsbau. Der Zeugmeister Friedrich von der Grne war den Lutherschen
offenbar nicht grn. Er verschttete nicht nur--mit Luthers
Bewilligung--das untere Gemach, sondern auch ohne Not und Zustimmung das
mittlere, verderbte das Brauthor, bedrohte die Gartenmauer und die
Erdmauer am hinteren neuen Haus. Und wie der Herr, so machten's die
Knechte: die Deichknechte warfen Fenster ein und trieben sonst noch
allerlei Mutwillen. Luther frchtete sogar fr seine geliebte
Studierstube, darin er so viele schwere Stunden mit Studieren und
Anfechtungen erlebt, "daraus er den Papst gestrmet" und seine
wunderbaren Schriftwerke und Episteln in die Welt gesandt. Da mute der
Doktor einen gar zornigen Brief an den Zeugmeister schicken, der
wahrscheinlich seinen Eindruck nicht verfehlte[209].

Im Hof, dem ehemaligen Spitalkirchhof, waren die Fundamente der Kirche
angelegt, aber nur der Erde gleichgebracht. Mitten in diesen Fundamenten
stand eine alte Kapelle "von Holz gebaut und mit Lehm beklebt; diese war
sehr baufllig, war gesttzt auf allen Seiten. Es war bei 30 Schuhen
lang und 20 breit, hatte ein klein alt rostig Vorkirchlein, darauf 20
Menschen kaum mit Not stehen konnten. An der Wand gegen Mittag, war ein
Predigtstuhl von alten Brettern, die ungehobelt, ein Predigtsthlchen
gemacht, etwa 1-1/2 Ellen hoch von der Erde, worauf Luther einst
gepredigt hatte. In Summa, es hatte allenthalben das Ansehen, wie die
Maler den Stall malen zu Bethlehem, darinnen Christus geboren worden."
Erst im Jahre 1542 fiel es der Befestigung zum Opfer; Luther "murrte
rger darber als Jona ber die verdorrte Krbisstaude"[210].

Der Hof war mit einem Bretterverschlag gegen die Strae abgeschlossen
und wie der Kirchhof mit Bumen bepflanzt. Darin liefen Hhner, Gnse,
Enten, Tauben; Singvgel nisteten im Gebsch, Spatzen flogen zu und
wurden von einem Hndlein gescheucht[211].

Sonst diente er zum Tummelplatz der Kinder, zum Spielplatz und
Kegelschieben.

Zur Ausstattung des groen Haushaltes mute gar viel angeschafft und
geschenkt werden.

Von der Klosterzeit waren noch einige Sachen da: zinnerne Gefe und
Kchen- und Gartengerte als Schsseln, Bratspiee, Schaufeln, freilich
recht verbraucht und schadhaft, keine 20 fl. wert. Das mute bald
ergnzt und ersetzt werden. So auch der wurmstichige Kasten Dr.
Zwillings in Torgau. Dieser bot einen andern an; Frau Kthe wundert sich
ber den hohen Preis, den er kosten solle: 4 Florin, erkundigt sich, ob
er "reinlich" sei, mit einem "Sedel" (Sitzkasten) "fr leinen Gert
darin zu legen, da nicht Eisen durchgeschlagen das Leinen eisenmalich
macht"; sonst wollte sie sich einen in Wittenberg machen lassen. Einen
"Schatzkasten" hatte das Ehepaar bereits, nur war er "wohl tausendmal zu
weit" fr ihren Schatz; 1532 hatten sie nur einen einzigen Becher. Doch
fllte sich der Schrein allmhlich mit silbernen Bechern, Ringen,
Denkmnzen und andern Kleinodien. Auch geerbt hatten sie einen fast zu
kstlichen Pokal, den der Augsburger Brger Hans Honold dem groen
Doktor vermachte. Von Nrnberg schenkte der evangelische Abt Friedrich
eine kunstreiche Uhr, die das Lutherische Ehepaar gebhrend bewunderte;
1529 kam eine zweite (von Link) und 1542 eine dritte dazu. 1536
schickten die ltesten der Mhrischen Brder ein Dutzend bhmische
Messer[212].

Eine stndige Ausgabe machten die Anschaffungen fr Leinwand, Betten,
Federn, Leuchter in die Schlafkammern; fr zinnerne Kannen, Schsseln,
Teller, Becken, Kesseln, Pfannen in die Kche; fr Schaufeln,
Grabscheite, Gabeln, "Schupen", Mulden, Radbarn (Schubkarren) in den
Garten; fr Fsser, "Gelten" (niedere Kbel), Eimer in Keller und
Waschkche; fr Geschirr und Wagen zum Fuhrwerk[213].

Das Klosterhaus war bisher zwar im thatschlichen Besitze Luthers; aber
eine frmliche Verschreibung hatte er nicht, nur durch mndliche
Abmachung war das Gebude mit seinen Gerechtigkeiten ihm vom Kurfrsten
berlassen. Diesem hatte es Luther, der letzte Mnch des Wittenberger
Augustinerkonvents, als dem jngsten Erben zur Verfgung gestellt.
Nunmehr aber bettigte der ihm so wohlgewogene Kurfrst Johann vor
seinem Tode der Lutherschen Familie den Besitz des Anwesens
vorbehaltlich des Vorkaufsrechtes fr Staat und Stadt in einer
frmlichen Verschreibung. Die Urkunde besagt[214]:

"Von Gottes Gnaden Wir Johann Herzog von Sachsen thun kund mnniglich:

Nachdem der ehrwrdig und hochgelahrte unser lieber andchtige Herr M.
Luther D. aus sonderlicher Gnad und Schickung Gottes sich fast vom
Anfang bei unser Universitt zu Wittenberg mit Lesen in der heiligen
Schrift, Predigen, Ausbreitung und Verkndung des heiligen Evangelii
u.s.w. bemht, so haben Wir in Erwgung des alles und aus unser
selbsteigenen Bewegnis unersucht obgen. D.M. Luther, Katharin seinem
ehelichen Weib und ihrer beider Leibeserben die neu Behausung in unserer
Stadt Wittenberg, welche hievor das "Schwarze Kloster" genannt war,
darinnen D. Martinus seither gewohnt, mit seinem Begriff und Umfang samt
dem Garten und Hof zu einem _rechten freien Erbe_ verschrieben und sie
damit begabt und begnadet als ihr _Eigen_ und _Gut_.... Geben auch
vielgenanntem Doktor und seiner ehelichen Hausfrau aus sonderlichen
Gnaden diese _Freiheiten_, da sie zu ihrer beider Lebtag aller
brgerlichen Brden und Last derselben frei sein, also da sie keinen
Scho noch andre Pflicht wie Wachen und dgl. davon sollen thun und mgen
gleichwohl brauen, mlzen, schnken, Vieh halten und andere brgerliche
Handtirung treiben.

... Zu Urkund ...

Torgau, 4. Febr. 1532."

"Es war Wittenberg bis daher eine arme, unansehnliche Stadt mit kleinen
alten hlichen, niedrigen hlzernen Huslein, einem alten Dorfe
hnlicher als einer Stadt. Aber um diese Zeit kamen Leute aus aller
Welt, die da sehen, hren und etliche studieren wollten." Da wurde nun
freilich gebaut und gebessert. Aber in dem kleinen Stdtchen mit seinen
paar tausend Einwohnern und ebensoviel Studenten waren die alltglichen
Bedrfnisse nicht gar leicht zu bekommen. Melanchthon schon beklagte
sich bei seiner Uebersiedlung nach Wittenberg, da da nichts Rechtes zu
bekommen sei und Luther schreibt selbst: "Es ist unser Markt ein Dr.
----" Dazu war es teuer genug. Und so mute Frau Luther nicht nur einen
Kasten, einen Pelzrock fr die kleine Margarete nach angegebenem Ma von
auswrts bestellen, sondern allerlei Bedrfnisse, Smereien, Stecklinge,
sogar Borsdorfer Aepfel, ja Butter und Kse mute sie von weither aus
Pirna durch den dortigen Pfarrer Lauterbach oder von Erfurt und Nrnberg
kommen lassen[215].

Als Kthe fr Luthers Gronichte die Hochzeit ausrichten sollte (Januar
1542), mute ihr Gatte an den Hof nach Dessau um Wildbret schreiben.
"Hie ist wenig zu bekommen, denn die Menge (der Einwohner) und viel mehr
die Aemter und Hoflager haben schier alles aufgefressen, da weder
Hhner, noch ander Fleisch wohl zu bekommen, da, wo es fehlet (am
Wildbret) ich mit Wrsten und Kaldaunen mu nachfllen." Natrlich mute
sie auch Mehl kaufen, whrend Landpfarrer solches zu Kauf anboten, und
Frau Kthe konnte es sehr verdrieen, wenn ein solcher ihr, weil sie die
Frau Doktorin war, fr den Scheffel neunthalb Groschen forderte, also
mehr als die Bauern. Und ebenso vermerkte sie bel, da die Wittenberger
drei Pfennig fr ein Kandel Bier begehrten[216].

Wie alle Stadtbewohner des Mittelalters, auch die Professoren, Jonas,
Melanchthon u.a.[217], so strebte darum auch Frau Katharina nach
liegenden Grnden; als ehemaliges Edelfrulein und Klosterfrau hatte sie
ohnedies eine besondere Neigung zum Grundbesitz, und auch Luther hatte
seine Freude wenigstens an der Natur und der Landwirtschaft. So hielt
man es auch fr die sicherste Anlage und eigentliches Erbe fr die
Nachkommen, "Feld und Gut zu hinterlassen", und auch Frau Kthe "hoffte
zu Gott, er werde ihren Kindern, so sie leben und sich frommlich und
ehrlich halten werden, wohl Erbe bescheren"[218]. Freilich ist der Boden
auf dem rechten Elbufer, wo Wittenberg liegt, wie Luther klagt, drei
Meilen herum, sandige und steinige Heide, so da bei windigem Wetter
nach dem Witzwort 99 Prozent Landgter in der Luft herumfliegen. Er
fuhrt den plattdeutschen Spruch im Mund:

  Lndicken, Lndicken
  Du bist ein Sndicken!
  Wenn ik dik arbeite,
  So bist du licht (leicht);
  Wenn ik dik egge,
  So bist du schlicht;
  Wenn ik dik meie (mhe),
  So find ich nicht (nichts).

Ueber diese Wittenberger Gemarkung bemerkte er gegenber der seiner
Heimat: "In dieser unserer Gegend, welche sandig ist, giebt die Erde in
mittleren Jahren fr einen Scheffel 7 bis 8, in Thringen meist 12 und
mehr"[219]. Dennoch erwarben die Luthers bald mehrere Grundstcke, zwei
Hufen und zwei weitere Grten.

Schon 1531 kaufte Kthe einen Garten, wie Luther sagte "nicht fr mich,
ja gegen mich". Es ist wohl derselbe, dessen Kauf sie "mit Thrnen"
durchsetzte, so da er seinem Freund und ehemaligen Mitbruder Brisger
sein Huschen nicht abkaufen, ihm auch kein Geld leihen konnte. Dieser
Garten, an der Zahnischen Strae gelegen, wurde, scheint es, spter
veruert; dafr wurde (um 1536) von Claus Bildenhauer fr 900 fl. ein
grerer "Baum-Garten" mit allerlei Gebulichkeiten und einem
angestrichenen Zaun erworben. Einer dieser Grten lag vor der Stadt an
dem "Saumarkt"; deshalb adressiert Luther Briefe an die "Saumrkterin",
"auf dem Saumarkt zu finden"[220]. Hier flo die "Rische Bach" und
speiste wohl die "Fischteichlein", welche Frau Kthe mit allerlei
Fischen, sogar mit edlen Forellen besetzte. Am Hause wurde ferner im
selben Jahre (1536) ein Garten mit Bumen angelegt, der 400 fl. kostete.
Fr den Famulus Wolf wurde um 20 fl. ein Grtlein gekauft, wo er
wahrscheinlich seinen Vogelherd anlegte, mit dem ihn Luther
verschiedentlich neckt. Ferner wurden einige Hufen gekauft am
"Eichenpfuhl"[221].

Zwei Jahre vor Luthers Tode kam endlich noch zu Frau Kthes Wirtschaft
um 375 fl. ein Hopfengarten hinzu, der "an der Specke", einem
Eichwldchen auf der nahen Gemarkung des Dorfes Lopez, gelegen war, wo
die Studenten gerne lustwandelten und auch manchen Unfug trieben. Aus
diesem Garten gewann die Frau Doktorin ihren Hopfenbedarf fr ihr
Klosterbru[222].

So schaltete und waltete Frau Kthe im Haus und in ihren Grten und
Hufen als "Kchenmeisterin", "Buerin und Grtnerin", fuhrwerkte, baute
Aecker, kaufte Vieh, weidete Tiere u.s.f. Besonders verlegte sie sich
mit ihrem Gemahl auf die Obstzucht: Kirschen, Pfirsiche, Nsse, Apfel,
Birnen erntete die Doktorin. Auch mit Rebbau gab sie sich ab, und ihr
Faktotum Pfarrer Lauterbach mute ihr aus Pirna dazu die Pfhle, allein
10 Schock d.h. 600 Stck, besorgen; freilich wurde aus den Trauben nicht
Wein bereitet, sondern sie dienten zur Nachkost auf der Tafel. Selbst
mit Feigen- und Maulbeerbumen versuchte sie sich. Und als Gemse
pflanzte sie nicht nur die einheimischen: Kraut, Erbsen und Bohnen,
sondern auch Gurken, Krbisse und Melonen, wozu Link aus Nrnberg die
Samenkerne schickte. Mit Erfurter Riesenrettichen wollte Luther seine
Freunde nicht nur in Erstaunen setzen, sondern sie auch selbst gezogen
haben. Frau Kthe war sehr unglcklich, wenn Ungeziefer ihr das Gemse
schdigten: "denn Raupen im Kohl und Fliegen in der Suppe--ein sehr
ntzlich und lieblich Vieh!" hie es da. Aber noch rger war ihr's, wenn
Studenten, Spatzen und Dohlen ihr in die Grten einfielen, und ihr
Gemahl htte gern ein strenges Edikt "gegen die unntzen Sperlinge und
Krhen, Raben und Spechte erlassen, welche alles verderben"[223].

In einem der Grten waren Bienenstcke, vor welchen der grbelnde Doktor
das wunderbare Treiben der fleiigen Tierlein belauschte, die praktische
Hausfrau aber den sen Ertrag berechnete fr Met, Swein und
Honigkuchen. Im groen Garten drauen vor der Stadt, hatte Frau Kthe
ihre Fischteichlein, worin sie Hechte und Schmerle, Kaulbarsche und
Karpfen, sogar Forellen zog und von denen sie bei guter Gelegenheit
etliche "gesotten auf den Tisch brachte und mit groer Lust und Freude
und Danksagung davon a", und sie hatte "grere Freude ber den wenigen
Fischen, denn mancher Edelmann, wenn er etliche groe Teiche und Weiher
fischet und etliche hundert Schock Fische fhet"[224].

Mit diesen Grten waren aber die Gtererwerbungen der Lutherischen
Familie noch nicht abgeschlossen. Zunchst kam ein unwillkommener Erwerb
hinzu, den Luther aus Geflligkeit bernahm. Es war das kleine Haus
"Bruno", eine "Bude" ohne Gerechtigkeiten und Zubehr an Garten,
unmittelbar neben dem Kloster, aber vorn an der Kollegiengasse gelegen.
Das hatte Luthers letzter Klosterbruder Brisger fr sich bauen lassen,
dann aber bei seinem Wegzug dem Pfarrer Bruno Brauer zur Verwaltung
gegeben und Luther oft angeboten; dieser konnte es aber wegen anderer
Kufe nicht erwerben, auch forderte Brisger, der von seiner katholisch
gebliebenen Mutter enterbt wurde und, scheint es, in Geldbedrngnis war,
einen zu hohen Preis (440 fl.). Endlich kaufte es Luther als Lehen fr
seinen Diener Wolf Sieberger bezw. als Leibgedinge fr seine Gattin,
mute aber den Kaufschilling vllig schuldig bleiben. Der Besitz dieses
Hauses war unwillkommen, weil es erst wieder vermietet werden mute und
mehr Sorgen als Ertrag brachte; es kostete 250 fl. und mute noch um 70
fl. "geflickt" werden[225].

Der Sinn von Frau Kthe stand viel mehr auf landwirtschaftliche
Besitztmer, weil diese ihrer nutzbringenden Thtigkeit mehr
entsprachen. So bekam sie nach einem groem Pachtgut Verlangen, um
daraus ihre groen huslichen Bedrfnisse zu beschaffen; sie wollte
nicht abhngig sein von den teuren Lieferanten und strrischen Bauern,
welche manchmal eine knstliche Teuerung veranlaten. So hatte sie schon
1536 ihren Gevatter, den Landrentmeister Hans von Taubenheim, um
Ueberlassung eines gnstig gelegenen Gutes, Boo, gebeten, hatte es aber
nicht bekommen. Drei Jahre spter fing sie aufs neue Verhandlungen mit
Taubenheim an. Ihr Brief lautet in der ursprnglichen Schreibweise so:

"Gnad vnd fride yn Christo zuuor, gestrenger, ernuester, lieber herr
geuatter. Euch ist wol wissentlich, wie ich E.g. vngeferlich fur dreyen
jaren gebeten, da myr das gut "_Boo_" myt seynen zugehorungen vmb
eynen gewonlichen zyn zu meyner teglichen hawhaltung wie eynem andern
mochte gelassen werden, als denn auch meyn lieber herr bey doctor
Brug[226] diselbige zeyt deshalben hat angeregt; ist aber dasselbig mal
vorblieben, da ichs mecht bekommen, vylleycht da doselbst nicht lo
ist gewesen von seynem herrn, der es vmb den zyn hat ynnen gehabt. Ich
byn aber unterrichtet, wie der kruger von Brato, welcher es dysse zeyt
ynnengehabt, soll iezund solch gut logeschrieben haben, wo solchs also
were, ist meine freuntliche bytte an Euch also mynen lieben gevattern,
wollt myr zw solchem gut fodderlich seyn vmb denselbigen zyn, o eyn
ander gybt, wyll ichs von herczen gerne annehmen vnd die zyne deglich
an zwen orth vberychen. Bitte gancz freuntlich, e.g. wolde myr Ewer
gemueth wyder schreyben vnd das beste rathen yn dyssem fall vnd
anzceygen, wo ich etwas hyrin vnbyllichs begert vnd woldet denen nicht
stadgeben myt yrem argkwone, al olde ich solchs gut fur mich odder
meyne kinder erblich begeren, welche gedanken yn meyn hercz nie kommen
synd. Hoffe zu gott, er werde meynen kindern, o sie leben vnd sich
fromlich vnd ehrlich halten wurden, wol erbe beschern, bytte alleyne,
das myrs ein jar odder zwey vmb eynen zymlichen geburlichen zyn mochte
gelassen werden, damyt ich meyne haushaltung vnd vyhe deste bek(w)emer
erhalten mochte, weyl man alles alhier vfs tewerst kewfen mu vnd myr
solcher ort, der nahe gelegen, er nuezlich seyn mochte. Ich habe meynen
lieben herrn iczt yn dver sachen nicht wollen beschweren, an Euch
zuschreyben, der sunst vyl zu schaffen, ist auch on noth, da E.g.
solchs meyn antragen ferrer an ymandes odder an m. g'sten herrn wolde
gelangen lassen, under o Ir solche myne bytte fur byllich erkennet,
da Irs myt dem schozer zw Seyda bestellen wolt, da myr solch gut vmb
eynen geburlichen zyn wie eynen andern mochte eyngethan werden. Domyt
seyet gott bepholen. Gegeben zu Wyttembergk, Montag nach Jubilate ym
1539. jhare.

Catherina Lutherynu"[227].

Wiederum wurde aus der Pacht nichts. Dagegen kam Frau Kthe im folgenden
Jahre unverhofft zu einem eigenen Hofgut, das sogar ihr persnlich als
Leibgeding gehrte und ihr um so werter sein mute, als es der letzte
Rest von dem Erbgut der Bora war, welches sonst der Familie anscheinend
vollstndig abhanden gekommen war.

Es war das Gtchen Zulsdorf, das ihr Bruder Hans vor sieben Jahren
bernommen hatte, aber trotz der Mitgift der Witwe Apollonia von
Seidewitz, die er geheiratet hatte, nicht halten konnte, oder das zu
gering war, um ihn selbst zu ernhren. Es war freilich weitab von
Wittenberg gelegen, wohl zwei Tagereisen; aber es zog sie doch hin nach
dieser ihrer mutmalichen einstigen Heimat und ihrem knftigen
Witwensitz. So wurde Frau Kthe die Nachbarin von Amsdorf, dem Bischof
von Naumburg, dem sie jetzt ihren Gru entbietet als "gndigem Nachbar
und Gevatter". Ihr Gemahl that alles, "um die neue Knigin wrdig in ihr
Reich einzusetzen" und titulierte sie seitdem als die "Zulsdorferin",
"die gndige Frau von Zulsdorf", oder "Ihro Gnaden Frau von Bora und
Zulsdorf"[228].

Hier in ihrem, "neuen Knigreich" und Sondereigentum konnte ihr
unternehmender thatkrftiger Geist so recht nach Behagen schalten und
walten und ein Neues pflgen und schaffen. Denn das Gtchen war
verlottert, das Land eine "wste Mark", die Gebulichkeiten baufllig.
Sie ri nieder, baute, besserte, fuhrwerkte und nahm dabei, wie gewohnt,
auch die Hilfe der Freunde ihres Hauses in Anspruch: der Herr von Ende
mute ihr Hafer und Saatkorn liefern, der von Einsiedel Wagen stellen,
Spalatin ihre Fuhrleute beherbergen. Sie steckte viel Geld hinein, der
Kurfrst gab ihr Eichenbalken und anderes Holz und 600 fl.
"Begnadigung", aber auch das reichte zum Schmerze Kthes nicht fr
Reparatur und Zustandhaltung des heruntergekommenen Anwesens, so da
Luther im ersten Jahr schreibt: "Sie verschwendet in diesem Jahr dort,
was erzeugt wurde"[229].

Dabei hatte die Doktorin allerlei Aerger und Migeschick: die
Eichenstmme, die ihr der Kurfrst aus dem Altenburger Forst angewiesen
und die Luther selbst ausgesucht hatte, lie sie fllen, um sie in
Bretter schneiden zu lassen fr ein Scheunlein. Als sie aber mit ihrem
Fuhrwerk kam, die Bume abzuholen, waren sie vom Amtmann verkauft oder
unterschlagen. Und es mute geklagt, von neuem petitioniert und
verhandelt werden, bis wieder Holz angewiesen war und Kthe die Fuhren
besorgen konnte. Weitere Unannehmlichkeiten erlebte die Gutsbesitzerin
mit den Anliegern von Zulsdorf, den Kieritzscher Bauern, welche ihr das
Weiderecht beeintrchtigten. So hatte sie im Jahre 1541 monatelang vorm
Amtmann Heinrich von Einsiedel zu Borna mit denen von Kieritzsch zu
prozessieren. Das Urteil des Kurfrsten fiel gnstig fr die
Lutherischen aus; sie "htten in der Gte wohl mehr um Friedens und
guter Nachbarschaft willen eingerumt"[230].

Trotzdem verleidete der Doktorin der Besitz nicht. Wochenlang,
namentlich wenn Luther verreist war, hielt sich Frau Kthe in ihrem
neuen Besitztum auf, so da ihr der Gemahl manche Epistel dahin
schreiben mute. So im Herbst (13. September) 1541, wo sie vielleicht
mit einigen Kindern Obsternte dort hielt. Da schreibt er: "Meiner lieben
Hausfrauen Kthe Ludern von Bora zuhanden.

G.u.F.! Liebe Kthe! Ich lasse hiermit Urban zu Dir laufen, auf da Du
nicht erschrecken sollst, ob ein Geschrei vom Trken zu Dir kommen
wrde. Und mich wundert, da Du so gar nichts her schreibst oder
entbeutst, so Du wohl weit, da wir hie nicht ohne Sorge sind fr euch,
weil Mainz, Heinz und viel vom Adel in Meien uns sehr feind sind.
Verkaufe und bestelle, was Du kannst, und komme heim. Denn als mich's
ansieht, so will's Dreck regnen, und unsre Snde will Gott heimsuchen
durch seines Zornes Willen. Hiemit Gott befohlen, Amen.

Sonntags nach Lamperti 1541.

M. LutheR"[231].

Ja noch zu Wittenberg war Kthe mit ihren Gedanken oft abwesend auf
ihrem Lieblingssitz, so da ihr Gemahl adressiert: "Der reichen Frauen
zu Zulsdorf, Frauen Doktorin Katharin Lutherin, zu Wittenberg leiblich
wohnhaftig und zu Zulsdorf geistlich wandelnd, meinem Liebchen." Auch
Luther hielt sich manchmal in dem stillen Oertlein zur Erholung auf und
sendet von hier Briefe und Gre "von meinem Kthe und Herrn zu
Zulsdorf"[232].

Wohl weil Zulsdorf zu weit abgelegen und zu wenig eintrglich war, so
wandte in den letzten Jahren Frau Katharina ihre Augen auf das Gut
Wachsdorf bei Wittenberg, eine Stunde davon, jenseits der Elbe auf
fruchtbarem Boden gelegen, mit Hochwald umgeben; freilich etwas sumpfig.
Es gehrte des [Symbol: gestorben] Dr. Sebald Mnsterers Kindern und war
der Erbteilung wegen kuflich. Aber es wurde nichts daraus; namentlich
hintertrieb der Kanzler Brck die Erwerbung.

Auch der Doktor war mit dieser groen Ausdehnung der Wirtschaft nicht
mehr recht einverstanden, obwohl er den Hausspruch: "Eigen Wat gut ist
dat" sehr wohl kannte und anerkannte und sagte, alles Gute im Ehestand
sei eitel Segen Gottes was niemand erkenne, "als der Gott frchtet und
alles auf dem Markte kaufen mu." Er konnte sich in diese Haushaltung
nicht richten; er meinte, da die Sorge und Geschftigkeit um den groen
Haushalt sie abziehe, in stiller, gemtlicher, geistiger Weise sich
selbst zu leben und ihm und ihren Kindern. Auch klagte er gelegentlich
ber die vielen Dienstboten, welche in dem weitluftigen Hauswesen ntig
waren; so schon 1527 waren mehrere Mgde da, 1534 ein Kutscher, spter
sogar ein Schweinehirt. Er meinte: "Ich habe zu viel Gesinde." Mehr
Dienstboten als heutzutage waren ja auch in diesen Zeiten blich und
mglicherweise ist hierin Frau Kthe etwas weiter gegangen, was wohl mit
der zahlreichen Gesindeschar im Klosterleben zusammenhngen mochte[233].

Aber es ist doch begreiflich, da die Frau Doktorin darauf bedacht
war, ihre Wirtschaft zu erweitern. Es war nicht allein die
unternehmungslustige Thatkraft der energischen Frau, welche Neues
schaffen und ein groes Bereich beherrschen wollte, es war auch die
Sorge um die Bedrfnisse des groen Haushaltes selbst, es war aber ganz
besonders das Streben, die konomische Zukunft der nicht kleinen Familie
fr das Alter, namentlich aber fr die eigene Witwenschaft und das
Waisentum ihrer fnf Kinder, zu sichern, indem sie das in Luthers Hnden
gefhrdete flssige Geld in festes Gut umwandelte.

So bestand am Ende der gesamte Besitz der Lutherischen Familie aus einem
Landgut, dem groen und kleinen Haus, dem Klostergarten, dem
"Baumgarten" auf dem Saumarkt, dem Hopfengarten an der "Specke" und zwei
Hufen Landes. Das war ein ziemlich umfangreicher Besitz, der neben der
groen und weitlufigen Haushaltung gar viel Unruhe verursachte und viel
Zeit und Arbeit kostete, so da man kaum begreift, woher Frau Kthe nur
die Zeit nahm, um das alles zu besorgen und zu bersehen. Und wir
verstehen, da es ihr manchmal zu viel wurde und sie dem heftigen,
ungeduldigen Mann manchmal nicht rasch genug nachkommen konnte, so da
er klagt: "Ich bin unter einem unglcklichen Stern geboren, vielleicht
dem Saturn; was man mir thun und machen soll, kann nimmermehr fertig
werden; Schneider, Schuster, Buchbinder, mein Weib ziehen mich aufs
lngste hin." Aber er mu in derselben Zeit auch die vielgeplagte Frau
noch entschuldigen, wo sie ein Kind an der Brust und eins unter dem
Herzen nhrte: "Es ist schwer zwei Gste zu nhren, einen im Haus und
den andern vor der Thre." Und er erkennt ihre Anstrengungen und Sorgen
auch an: "Mein Wolf hat's besser denn ich und meine Kthe"[234].

Die Frau Doktorin war aber auch ein gar fleiiges Weib. Sie hat in ihrem
Bereich ebenso gewaltig und unermdlich geschafft und geschaffen, wie
der Doktor in dem seinigen.

Freilich schon morgens um 4 Uhr im Sommer, um 5 Uhr im Winter, oft auch
noch frher, stand sie auf, und darum wohl sagte ihr Gatte und ihre
Mitbrger: "Kthe von Bora ist der Morgenstern von Wittenberg." Und so
stand sie an der Arbeit bis abends um 9 Uhr, wo der Doktor unerbittlich
zum Schlafengehen drngte. Freilich hatte sie einen krftigen,
leistungsfhigen Krper und war, im Gegensatz zu ihrem viel krnklichen
Mann, so gesund, da fast niemals von einer Erkrankung Meldung
geschieht. Es ist nur einmal die Rede davon, da sie eines Abends
schwach wurde und ein Fieber bekam, so da ihr Gatte in Angst geriet und
sagte: "Liebe Kthe, stirb mir ja nicht." Ein andermal, da D.M. Luther
mit etlichen ber Tische redete, ging sie in die Kammer und fiel in
Ohnmacht. Aber das war alles vorbergehendes Unwohlsein. Nur _eine_
Krankheit machte sie durch infolge einer Frhgeburt; sonst scheint sie
gesund gewesen zu sein bis ins Alter[235].

Doch nicht nur unermdliche Geschftigkeit war Kthes Tugend, sondern
sie verstand es auch, das Hausregiment zu fhren in Kche und Keller, im
Brauhaus und Backhaus, in Garten und Feld, in der Kinder- und
Gesindestube, als Mutter und Gattin, als Wirtin und Herrin, als
"Predigerin, Bruerin, Grtnerin und was sie mehr sein kann", und mit
Bezug auf sie, die Hausregentin und "Kchenmeisterin", schrieb Luther an
den Rand seines Hausbuches:

  "Der Frauen Augen kochen wohl
  Mehr denn Magd, Knecht und Feuer und Kohl"[236].

Freilich Luther selbst war nicht weniger arbeitssam, auch mit
krperlicher Beschftigung; namentlich in den ersten Jahren: er grtelte
gern und viel, grub, sete, pfropfte; er drechselte auch auf seiner
eigenen Drehbank. Beides sah gewi Frau Kthe gern, nicht nur, weil es
manchen Tagelohn und Handwerksmann ersparte, sondern weil es auch
Luthers Gesundheit zutrglich war. Weniger Gefallen hatte sie an seiner
aus der Junggesellenzeit herbergenommenen Neigung, seine Kleider selber
zu flicken. Der Doktor that sich auf diese Kunst viel zu gut und dnkte
darin sich geschickter, wie die deutschen Schneider, welche keine
gutsitzenden Hosen fertig brchten. Da fand Frau Kthe eines Tags zu
ihrem nicht geringen Staunen und Verdru ein Paar Hosen ihres Buben, aus
denen ein Stck herausgeschnitten war: und als sie nachfragte, hatte der
Herr Gemahl den Flicken zum Ausbessern seiner eigenen Hose
verwendet[237]!--

Es war ein arbeitsseliges Haus, die ehemalige Sttte der
Beschaulichkeit. Droben in der Studierstube der groe Doktor, der mit
emsiger Gewissenhaftigkeit und dem angestammten Flei eines Bauernsohnes
seine Zeit auskaufte fr die geistliche Haushaltung der Kirche; und
unten die wirtliche Hausfrau, die in echter deutscher Geschftigkeit und
Treue sich ihrem Hause widmete, dem Gatten und den Kindern, dem Gesinde
und den Freunden, und deren Stolz und Ruhm es war, alles zu knnen und
alles zu thun.

So waltete Frau Kthe in ihrer "Wirtschaft".




9. Kapitel

"Wunderliche Rechnung zwischen D. Martin und Kthe."


Ein Grundbesitz, wie ihn das Lutherische Ehepaar am Ende aufwies, zeugte
von nicht geringer Vermglichkeit. Woher und wie war nun dieses Vermgen
zusammengekommen?

Katharina sowohl wie Luther brachten nichts in die Ehe. Sie waren am
Anfang ihres Hausstandes und noch lange fort vollstndig vermgenslos;
erst nach seiner Eltern Absterben (1530-31) erbte Luther eine kleine
Barschaft von 250 fl. Im Jahre 1527 war er noch gnzlich ohne Besitz, er
war arm und ein Bettler, konnte weder Haus, Aecker, liegende Grnde,
Geld noch Gut seinem Weib und Kind nach sich lassen, wenn er damals
gestorben wre. Denn auch das Klosteranwesen war noch nicht sein
ausgesprochenes Eigentum. "Armut ist mein Irrtum und meine Ketzerei",
sagte er noch 1530; und zwei Jahre darauf hat er nur einen Becher im
Schatzkstlein. Noch 1534 mute er es ablehnen, fr ein paar hundert
Gulden das kleine Haus Bruno zu kaufen: er wollte seine Armut nicht
offenbar werden lassen, weil er's fr unmglich hielt, jemals auch nur
die Hlfte einer solchen Summe zusammenzubringen[238].

In Ermangelung eines eingebrachte Heiratsgutes war das Ehepaar also auf
die Besoldung angewiesen, welche der Hausvater hatte, und auf den
Verdienst, welchen die Hausmutter von der Bebauung des Gutes und ihrem
Kosttisch zog.

Die Beamtenbesoldungen waren zu jener Zeit nicht etwa blo feste
Gehalte, sondern bestanden auch in allerlei Ehrengeschenken, meist in
Naturalien, welche den Angestellten bei besonderen Gelegenheiten und fr
besondere Dienstleistungen, als Reisen, Gutachten, Berichte, Schriften
u.a., von den Frsten und Stadtobrigkeiten zuflossen.

Seit seiner Verheiratung war Luthers Besoldung von einhundert auf
zweihundert Gulden erhht worden. Von 1532 ab, unter Kurfrst Johann
Friedrich, kamen noch jhrlich 100 Scheffel Korn, 100 Scheffel Malz fr
zwei Gebrude Bier, 60 (spter 100) Klafter Holz und zwei Fuder Heu
hinzu. Freilich blieben die Lieferungen "aus Unwillen" der Beamten
manchmal aus. Der kurfrstliche Keller zu Wittenberg stand den
hervorragenden Professoren immer offen. Auerdem kamen ihm vom Hofe
allerlei Viktualien zu: Wein, Most, Essig, Obst, Fische, Wildbret,
Arzneien, auch Kleider und Tuche. So sendet 1543 der Kurfrst "zwei Fa,
eins mit altem Wein, das andre mit heurigem gewachsenen Most, Suptezer,
so gut Uns der allmchtige Gott dies Jahr bescheret hat; den wollet von
Unseretwegen gutwillig annehmen und in Frhlichkeit genieen". Auch der
Dnenknig Christian III. sandte in den letzten Jahren (1543) zuerst
Butter und Heringe; als man aber unterwegs mit dieser "Kchenspeise
unschicklich umgegangen", wurde die Sendung in ein Geschenk von 50 fl.
verwandelt. Soviel erhielten auch die andern Wittenberger Theologen
Bugenhagen und Jonas: es war ein Ehrensold, den der Frst fr die
Ausbildung seiner Gottesgelehrten an die schsische Universitt
zahlte[239].

Wenn der Kurfrst Johann an Luther bei Aufhebung des Klosters den
Hausrat im Werte von 20 fl. und die Kchengerte, welche um 50 fl.
verkauft wurden, berlie, so war das eine Entschdigung dafr, da er
lange Zeit sein Deputat an Viktualien gar nicht oder nur sprlich
erhalten hatte. Fr den Hausrat hatte er "der Kirche und Universitt mit
Predigen, Lesen, Schreiben u.s.w. die langen Jahre her um Gotteswillen
und umsonst gedient; und fr die Kchengerte hatte er Nonnen und Mnche
(Diebe und Schlke mitunter) gekleidet, gespeiset und versorget mit
solchem Nutzen, da ich das Meine und 100 fl., so mir m. gn. H. Herzog
Hans zur Haushaltung geschenkt, gar weidlich zugesetzt habe"[240].

Aehnlich waren die Geschenke der Stadt Wittenberg auch nur
Gegenleistungen. So hat der Stadtrat aus seinen Brennereien
Baumaterialien, als Ziegelsteine und Kalk, nicht angerechnet, schenkte
auch sonst eine Jahresgabe oder besondere Erkenntlichkeit, so als
Luther in der Osterzeit jeden Tag gepredigt hatte, einen halben Lachs,
anno 1529 der Frau Doktor in Abwesenheit ihres Mannes 10 Thaler, "weil
man ihm dies Jahr sonst keine Verehrung gethan". Dafr war Luther ohne
Gehalt bei dreiig Jahre der Stadt Prediger gewesen, hatte auch oftmals
noch Bugenhagen auf krzere oder lngere Zeit, einmal sogar, als jener
auswrts reformierte, zwei Jahre lang (1535-37) vertreten. Auch mute
Luther auf seine Kosten "zu ihrer Kirche Dienst und Nutz" Diener halten,
ohne da der "gemeine Kasten" etwas fr sie beitrug. Ferner trat Luther
einen groen Raum vorm Klosterhof umsonst an die Stadt ab, gestattete
auch, da sein ganzes Anwesen nach seinem Tode und das Nebengebude auch
bei seinen Lebzeiten unter das Brgerrecht gestellt wurde, whrend es
vorher ganz frei gewesen. Ebenso wollte Luther, als der Kurfrst 1542
eine Trkensteuer ausschrieb, obgleich er grundsteuerfrei war, doch des
Beispiels wegen auch geschatzt sein[241].

Trotz solcher Gegendienste, welche mittelbar oder unmittelbar
"Geschenke" veranlaten, nahm doch Luther solche nicht ohne Wahl und Ma
an. Er lehnte nicht nur das Hochzeitsgeschenk des Mainzer Erzbischofs
ab, er wies auch eine Gabe des Kurfrsten zurck, weil er wisse, "da
der hohe Herr des Gebens viel habe und zu viel den Sack zerreie".
"Bitte derhalben Ew. Kurfrstliche Gnaden wollten harren, bis ich selber
klage und bitte, auf da ich durch solch Zuvorkommen Eurer Kurf. Gnaden
nicht scheu werde fr andre zu bitten, die viel wrdiger sind solcher
Gaben"[242].

Und ferner: "Ich will Ew. Kurf. Gn. unterthniglich bitten, nicht zu
glauben denen, die mich angeben, als habe ich Mangel; ich habe leider
mehr, sonderlich von Ew. K. Gn., denn ich im Gewissen vertragen
kann"[243].

Auch seine Freunde schilt er oft, da sie des Schenkens zu viel
machen[244].

Wenn er Sommers von einem Pfarrherrn oder Schultheien aufs Dorf zu
Gaste geladen wurde, so kam er gern mit einem Tischgesellen und hielt
eine Predigt. Aber er brachte allewege Speise und Trank fr sich und
seine Begleiter mit, die ihm daheim Frau Kthe zubereitet und in den
Wagen gepackt hatte[245].

Einem wegziehenden Famulus wrde er gerne zehn Gulden geben, wenn er
sie htte; aber unter fnf Gulden soll ihm seine Frau nicht geben und
was sie darber kann geben, bittet der Doktor sie, das solle sie
thun--also bis auf den letzten Gulden mutet er der Hausfrau zu sich zu
entblen und doch trgt er der Frau gleichzeitig auf, ein Mitbringsel
fr die Kinder zu kaufen, weil er selbst in Torgau nichts Sonderliches
fnde[246].

Fr seine Vorlesungen nahm Luther von den Studenten keine
Kollegiengelder. Ja, auch von seinen Schriften nahm er kein Honorar: 400
fl., die ihm ein Buchdrucker jhrlich fr den Verlag seiner Schriften
anbot, schlug er aus, auch die 1000 fl., welche Melanchthon ihm fr die
Ausarbeitung des deutschen Aesop versprach. Eine Kure im Silberbergwerk
zu Schneeberg, welche ihm der Kurfrst fr seine Bibelbersetzung 1529
schenken wollte, wies er ab: er wollte von der Welt seine geistige
Arbeit nicht bezahlt haben und wie Paulus mit dem Gotteswort nicht
Handel treiben[247].

Bei einer solchen Gesinnung und Handlungsweise ist es begreiflich, da
die praktische Frau Kthe auch einmal ber ihren Doktor mit seiner
Geldverachtung seufzte. Als der gleichfalls wenig haushlterische
Meister Philipp Melanchthon einmal bei Luther speiste und im Gesprch
ber den Weltlauf von einem Magister sprach, welcher dem Geiz ergeben,
ein sehr gutes Urteil ber gute und schlechte Gulden habe, bemerkte die
Doktorin: "Wenn mein Gemahl solchen Sinn htte, wrde er gar reich
sein." Melanchthon meinte darauf: "Das kann nicht sein, denn die
Geister, welche fr die Allgemeinheit arbeiten, knnen sich ihren
Privatangelegenheiten nicht hingeben"[248].

Den nicht gerade auerordentlichen Einnahmen Luthers standen nun aber
gewaltige Ausgaben gegenber. Zunchst einmal fr die ausgedehnte
Haushaltung; dann aber auch fr andere Zwecke und Anschaffungen. Einen
interessanten Einblick in diese Dinge gewhren die Aufzeichnungen
Luthers in seinem Haushaltungsbuch. Da ist[249] eine

"Wunderliche Rechnung gehalten zwischen Doc. Martin und Kthe

             1535
        Anno ----
             1536
das waren zwei halbe Jahr.
      90 fl. fr Getreide
      90 fl. fr die Hufen
      20 fl. fr Leinwat (Leinwand)
      30 fl. fr Schweine
      28 fl. Muhme Lene gen Borna(u)
      29 fl. fr Ochsen
      10 fl. Valt. Mollerstet      bezahlt
      10 fl. Geleitsmann              "
       8 Thaler M. Philipp            "
      40 fl. fr Gregor Tischer       "
      26 fl. Universitt              "
    -------
Zus. 389 fl. auer andern Viktualien. "

Diese "andern Viktualien" waren Gemse, Fleisch, Fisch und Geflgel,
Obst und Kolonialwaren, Getreide und Hopfen, Brot und Semmel, Oel und
Talg, Butter und Honig, Wein und Bier.

Dann hie es: "Gieb Geld fr Hanf und Flachs, Garn und Wachs, Ngel und
Haken, allerlei Geschirr und Gerte in Stube, Kche, Keller, Garten; fr
Wagen und Geschirr."

"Gieb Geld" forderten auch 29erlei Handwerker, ferner Buchfhrer
(Buchhndler), Arzt, Apotheker und Przeptor, Knechte, Mgde, Hirten,
Knaben und Jungfern, Brute und Gevattern, auch Bettler und--Diebe[250].

Ausgaben gab es dann fr manche Patengeschenke, Hochzeiten und
Gastungen, Geschenke zu Neujahr, Jahrmarkt und S. Niklas. Endlich kamen
die "grobe Stck: Hochzeit machen fr Sohn, Tochter, Freundin; dem
Krmer fr Seiden, Sammet und Wurze"[251].

Im ganzen waren es 135 Dinge, fr welche Frau Kthe stets die Hand
ausstrecken und "Gieb Geld" sagen mute.

Unter diesen Ausgaben machen namentlich die Ehrengeschenke und
Wohlthaten einen groen Posten aus; sie gehrten bei Luther zu den
besonders "groben Stcken". Auer den Gastungen gehren namentlich die
Patengeschenke und Hochzeiten hierher; Luther und Frau Kthe standen
zahllose Male zu Gevatter, denn in Wittenberg waren bei jedem Kinde
viele Paten blich, und fr jeden kostete es einen Silberbecher oder
eine groe Mnze. Die Hochzeiten und Hochzeitsgeschenke waren eine groe
Last. So klagt Luther (1543) am Ende selber: "Die tglichen Hochzeiten
hier erschpfen mich"[252]. Luthers Mildttigkeit kannte keine Grenzen.
Er sprach als Grundsatz aus: "Wer gerne giebt, dem wird gegeben; das
erhlt das Haus, darum, liebe Kthe, haben wir nicht mehr Geld, so
mssen die Becher daran." Und demgem handelt er. Wie viele andere
Theologen und sonstige gutmtige Menschen (auch Melanchthon) gab er
Bedrftigen und Bittenden ber Gebhr und Vermgen, und gar oft an
Unwrdige, so da er erst durch "bse Buben witzig gemacht" wurde. Er
gestand spter (1532) selbst seiner Frau: "Denke, wie oftmals wir haben
bsen Buben und undankbaren Schlern gegeben, da es alles verloren
gewesen ist." Wie weit er in seiner Gutherzigkeit ging, mgen von vielen
nur zwei Beispiele zeigen: Einem armen Studenten schenkt der Doktor,
weil kein Geld im Haus ist, einen silbernen Ehrenbecher, und als er
merkte, wie Frau Kthe ihm abwinkt, drckt er ihn schnell zusammen und
schickt den jungen Menschen damit zum Goldschmied; was er dafr lse,
solle er behalten, er brauche keinen silbernen Becher. Ja, als seine
Frau im Wochenbett liegt, gert er gar ber das Patengeschenk seines
jngsten Kindes, um einen bedrngten Bedrftigen nicht mit leerer Hand
gehen zu lassen, und meinte: "Gott ist reich, er wird anderes
bescheren"[253].

Das gesamte, so wenig berechnende Verhalten Luthers erklrt sich
einerseits aus seiner allem Eigennutz abgeneigten Natur und seinem
groartigen Gottvertrauen, andrerseits aber auch aus dem Mangel an
Berechnung, welche dem weltentfremdeten Mnch aus seiner Klosterzeit
noch anhaftete; dies mute aber bei einem "weltlichen" Haushalt
naturgem dazu fhren, da Einnahme und Ausgabe bald nicht mehr im
richtigen Verhltnis zu einander stand. So hatte das junge Paar im
zweiten Jahre seiner Ehe ber hundert Gulden Schulden, so da Luther
seinem Freunde und ehemaligen Klostergenossen Brisger keine acht Gulden
vorstrecken konnte. "Woher soll ich's nehmen?" fragt er. "Durch meinen
schweren Haushalt und meine Unvorsichtigkeit ist es so gekommen. Drei
Becher sind fr 50 fl. verpfndet. Dazu kommt, da Lukas (Cranach) und
Christian (Aurifaber, Goldschmied) mich nicht mehr als Brgen zulassen,
denn sie merken, da sie so (durch meine Brgschaft) auch nicht besser
daran sind oder ich ausgebeutelt werde. Ich habe ihnen jetzt auch den
vierten Becher gegeben, welchen sie dem fetten H. geliehen haben." Dabei
kommt ihm aber noch nicht in Sinn, wo der Rechnungsfehler stecke. Er
klagt: "Wie kommt's, da ich allein so ausgesaugt werde? nein, nicht nur
ausgesaugt, sondern sogar in Schulden verstrickt?" Sogar noch 1543 klagt
er dem allerdings etwas habschtigen Jonas gegenber, der von ihm bei
seiner zweiten Verheiratung wohl ein "fettes Hochzeitsgeschenk"
erwartete: "Du kennst meine Drftigkeit und meine Schuldenlast".[254]

Einmal fing er auch an zu rechnen--am Kleinen, ans Groe dachte er
nicht. Da brachte er heraus, da er allein jhrlich fr Semmeln 31
Groschen 4 Pfennig brauche; dazu noch der Trank mit 4 Pfennig tglich
und das Uebrige--eine Summe, die ihm zu gro war, und er schliet: "Ich
mag nie mehr rechnen, es macht einen gar verdrossen. Ich htte nicht
gemeint, da auf einen Menschen so viel gehen sollte"[255].

Dennoch stellte er 1536 eine Generalrechnung an fr "grobe Stck" und
brachte da allein 389 fl. Ausgaben heraus in zwei halben Jahren, ohne
die Viktualien u.a. Er schlo diese Zusammenstellung ab mit dem Seufzer:
"Rat, wo kommt dies Geld her? Sollt das nicht stinken und Schuld
machen[256]?"

Und als Luther im Jahre 1542, wo er sein "Testament" machte, seine
Ausgaben zusammenstellte und seine Einnahmen dagegen hielt, schliet er:
"Ich habe eine wunderliche Haushaltung, ich verzehre mehr als ich
einnehme; ich mu jedes Jahr 500 Gulden in der Haushaltung in die Kche
haben, zu geschweigen der Kleider, anderer Zierat und Almosens, da doch
meine jhrliche Besoldung sich nur auf 200 Gulden belauft." Dazu
schreibt er im Haushaltungsbuch neben anderen ernsten und launigen
Reimen den Stoseufzer:

  "Ich armer Mann! So halt ich Haus;
  Wo ich mein Geld soll geben aus,
  Bedrft ich's wohl an sieben Ort
  Und fehlt mir allweg hier und dort"[257].

Da war es freilich begreiflich, da manchmal die Fleischer und Fischer
von Wittenberg "grob" wurden und mit "ungestmen Worten der Frau"
gegenber ihre Schuld forderten. "Die Doktorin" half sich dann wohl
damit, bei "Philipp Melanchthon 20 Thaler zur Haushaltung zu leihen".
Und dann sprang etwa der Kurfrst ein, wenn er's durch den Kanzler Brck
erfuhr[258].

Diese "wunderliche Haushaltung" Luthers wurde in sehr Natur- und
sachgemer Weise geregelt durch die Hausfrau. Die "wunderliche Rechnung
gehalten zwischen Doktor Martin und Kthe", mit ihrem stndigen Defizit,
wurde in Ordnung gebracht durch diese gute Rechnerin und sparsame und
erwerbsame Haushlterin. Frau Kthe brachte einen Ausgleich zwischen
Soll und Haben: sie verminderte die Ausgaben, vermehrte die Einnahmen,
sie bezahlte die Schulden und erwarb ein Vermgen.

Eines der ersten Ereignisse in dem neuen Haushalt ist eine lustige
Familienszene, welche die gutmtige Verschwendung des Eheherrn und die
listige Sparsamkeit der Gattin zeigte. Es hatte nmlich das Ehepaar ein
hbsches Glasgeschirr mit Zinnverzierung von Hausmann geschenkt
bekommen; das htte Frau Kthe selbst gerne behalten, Luther aber an den
D. Agrikola, damals noch sein lieber Freund, der auch darnach Gelste
hatte, verschenkt. Luther hatte es gemerkt, wie sie darauf gelauert, und
wollte es kurz machen. Er hatte schon den Brief dazu geschrieben; als er
aber das Geschenk dazu packen wollte, war es fort: Frau Kthe hatte es
abhanden kommen lassen und die Hausfreunde D. Bugenhagen und D. Rhrer
hatten sich mit ihr verschworen und ihr dabei geholfen. So mute sich
Luther in einer Nachschrift entschuldigen, da er das Glas nicht
mitschicken knne; seiner insidiatrix Ketha (der hinterlistigen Kthe)
gegenber sei er ohnmchtig; er denke aber das Glas spter doch noch
einmal zu erwischen. Kthe aber hielt es fest wie ein bissiger
Kettenhund[259]. Sie brachte etwas strengere Ordnung in die Gesellschaft
der jungen Studenten und in ihre Hausrechnung, so da M. Veit Dietrich
sich ber sie beklagte und sein Landsmann und Nachfolger im Haus und am
Tisch Frau Kthes sie als stramm und knauserig beschrieb, "die alles zu
Rat gehalten und bei den Tischgenossen auf ntige Bezahlung
gedrungen"[260]. Auch Kanzler Brck warf ihr in feindseliger Stimmung
Knauserigkeit in der Haushaltung vor. Von Luther und andern hren wir
dagegen hierber keine Klagen; und da der Zudrang zu ihrem Kosttisch
von alt und jung ein groer und nicht zu befriedigender war, ist der
beste Beweis fr die Uebertriebenheit jener Vorwrfe. Aber ihre lbliche
Sparsamkeit und haushlterisches Zuratehalten wei ihr Gemahl wohl
anzuerkennen. Er sagt: "Das Weib kann den Mann wohl reich machen, aber
nicht der Mann das Weib. Denn der ersparte Pfennig ist besser denn der
erworbene. Also ist rtlich sein (zu rate halten) das beste
Einkommen"[261]. Und in sein Haushaltungsbuch schrieb Luther den
Sinnspruch:

  Es gehrt gar viel in ein Haus.
  Willst Du es aber rechnen aus,
  So mu noch viel mehr gehn heraus.
  Des nimm ein Exempel, mein Haus[262].

So hrte er mit Rechnen auf und berlie das seiner "rtlichen" und
wirtlichen Hausfrau, und wenn er selbst nicht wute, woher nehmen, so
schrieb er seiner Kthe: "Sieh, wo Du's kriegst"[263].

Und Kthe sah, wo sie's kriegte. Sie war nicht so heikel, wie Luther,
Verehrungen anzunehmen. Whrend sie Freund Link von einem
Hochzeitsbecher absolviert, hat sie die von Luther zurckgewiesen 20
Goldgulden des Mainzer Erzbischofs hinter seinem Rcken doch behalten.
Mit besserem Gewissen empfing sie die Flein Kse von der Herzogin
Elisabeth von Braunschweig und ebenso ein Ksegeschenk von Mykonius, dem
Stadtpfarrer in Gotha. In Notfllen wandte sich Frau Kthe auch einmal
an die kurfrstliche Kmmerei, so whrend Luthers Aufenthalt auf der
Koburg um 12 Scheffel Roggen. Kthe nahm berhaupt das Gehalt ein und
verrechnete es, so da es nicht mehr hie wie in Luthers
Junggesellenwirtschaft (1523): "Wir leben von einem Tag zum andern." Sie
scheute sich nicht, die sumigen Kostgnger an ihre Schuldigkeit zu
mahnen[264]. Ja es wird erzhlt, da sie in spterer Zeit durch Freunde
und Kostgnger des Hauses Anschaffungen machen lie, wofr sie die
Bezahlung vergessen habe, weil sie sich wohl fr Dienste ihres Mannes
dadurch bezahlt machte. Jedenfalls nahm sie auch die Dienste anderer in
Anspruch fr Geflligkeiten, welche ihr Mann ihnen erwies: hatte Luther
dem Freund Pfarrer Spalatin eine Vorrede zu einem Buche geschrieben, so
mu sich dafr Spalatin in Altenburg ihrer Fuhrleute und Arbeiter
annehmen, die sie nach Zulsdorf schickt; und Lauterbach, der in ihrem
Hause als Kostgnger und Nachschreiber von Luthers Tischreden allerlei
Vorteile und Freundlichkeiten genossen, hat zum Entgelt der Doktorin
allerlei Besorgungen zu machen[265].

Aber das Beste that doch Frau Kthe selber: Sie zchtete und mstete
Tiere, melkte und schlachtete, gewann Butter und Honig, Kse und Eier;
sie pflanzte Obst und Frchte, Gemse und Wrzkruter; sie baute
Getreide, buk Brot und braute das Bier fr den groen Haushalt, so da
das kleine Shnchen, als Luther es einmal fragte, wie viel Kostgeld es
eigentlich zahlen mte, sagen konnte: "Ei Vater, Essen und Trinken
kauft Ihr nicht; allein Aepfel und Birnen", meinte der Kleine, "gestehen
viel Geld"[266]. Fr Obst konnte also Frau Kthe damals nicht aufkommen,
weshalb sie dann auch endlich den Ankauf des Baumgartens von Bildenhauer
betrieb. Ebenso trachtete sie nach den Hufen und dem Hopfengarten, so
da nach den groen Ankufen von 1536 die schweren Haushaltsausgaben
geringer wurden und die Posten "Gieb Geld" immer weniger. Hatte Luther
am Anfang seiner Ehe den Stoseufzer gethan: "Der Herr, der meine
Unvorsichtigkeit straft, wird mich wieder erlsen"--von den Schulden, so
kann er am Ende derselben in seinem sogenannten "Testament" (1542)
schreiben: "Ich habe von meinem Einkommen und Geschenken so viel gebaut,
gekauft, groe und schwere Haushaltung gefhrt, da ich's mu neben
anderm selbst fr einen sonderlichen, wunderlichen Segen erkennen, da
ich's habe knnen erschwingen." Das "andere" neben dem gttlichen Segen,
war eben das haushlterische Talent seiner Gattin; sie hatte ihn von
seinen Schulden wieder erlst, ja das Weib hatte nach seinem Spruch den
Mann "reich" gemacht. Und so bezeugt er ihr mit "seiner Hand" im
Haushaltungsbuch: "Was sie jetzt hat, das hat sie selbst gezeuget
(errungen) neben mir"[267].

Ein Vermgen zu erwerben oder gar reich zu werden, daran dachte Luther
nicht, ja er wollte es nicht. "Mir gebhret nicht als einem Prediger,
Ueberflu zu haben, begehre es auch nicht", erklrte er. Ihm dnkte,
"da das lieblichste Leben sei ein mittelmiger Hausstand, Leben mit
einem frommen, willigen, gehorsamen Weibe in Fried und Einigkeit und
sich mit wenigem lassen begngen"[268].

Ja nicht einmal fr seine Kinder gedachte er ein Vermgen anzulegen. Er
segnete seiner Kindlein eins, das eine Muhme auf dem Arme trug und
sprach: "Gehe hin und bis fromm. Geld will ich Dir nicht lassen, aber
einen reichen Gott will ich Dir lassen. Der mir Dich nicht versume. Bis
nur fromm! Da helf Dir Gott zu." Und als ihn jemand ermahnte, er mchte
wenigstens zum Besten seiner Familie ein kleines Vermgen sammeln, da
gab er zur Antwort: "Das werde ich nicht thun; denn sonst verlassen sie
sich nicht auf Gott und ihre Hnde, sondern auf ihr Geld"[269]. Diesen
doch wohl allzu theologischen, ja mnchischen Standpunkt ergnzte der
praktisch nchterne Sinn Katharinas, welche gerade darauf aus war, ihren
fnf noch unversorgten Kindern ein Erbe zu erwerben; denn sie erkannte
besser als wie Luther, da nach dessen Tod die Gebefreudigkeit der
Frsten und Freunde wohl abnehmen werde mit dem Wegfall der groen
Vorteile, welche der lebendige Reformator seinem Land und seiner Stadt
und seinen Freunden verschaffte. So brachte sie es in der That zuwege,
da den Kindern doch ein ganz ansehnliches Familiengut brig blieb[270].

"Das Lob eines tugendsamen Weibes"--nicht nur in der Bibel hat es Luther
bersetzt, sondern auch bei Tisch und sonst oft angefhrt und auf seine
Kthe bezogen, so da es--erweitert mit Zustzen--unter den Tischreden
steht, wie ein Lob auf seine Hausfrau: "Der Mann verlt sich auf sie
und vertraut ihr altes. Da wird's an Nahrung nicht mangeln. Sie arbeitet
und schafft gern mit ihren Hnden, zeuget ins Haus und ist wie ein
Kaufmannsschiff, das aus fernen Landen viel War' und Gut bringt. Frhe
stehet sie auf, speiset ihr Gesinde und giebt den Mgden ihr beschieden
Teil. Sie denkt einem Acker nach und kauft ihn und lebt von der Frucht
ihrer Hnde. Sie verhtet Schaden und siehet, was Frommen bringt. Ihr
Schmuck ist, da sie reinlich und fleiig ist"[271].




10. Kapitel

Husliche Leiden und Freuden.


Es war ein schwerer Haushalt, den Frau Kthe zu fhren hatte, wenn man
auch nur der wirtschaftlichen Sorgen in Haus und Hof, in Kche
und Keller, im Garten und auf dem Felde gedenkt. Aber noch
bewunderungswrdiger wird ihre Leistungsfhigkeit, wenn man alle die
Menschen in Betracht zieht, die als Kinder und Gesinde, als Tisch- und
Hausgenossen tglich und stndlich Anspruch an ihre Frsorge machen in
Wohnung und Kleidung, in Speise und Trank, in Erziehung und Zucht--ganz
abgesehen von den Gsten und Freunden, die im Schwarzen Kloster ein und
ausgingen. Eine so beraus groe Familie verursachte aber nicht nur viel
Mhe und Arbeit, sondern brachte auch einen mannigfaltigen Wechsel von
Freud und Leid ins Haus. So erlebte Frau Kthe in wenigen Jahrzehnten
Krankheiten und Feste, Hochzeiten und Todesflle nach einander und oft
neben einander.

Gleich im zweiten Jahre ihres Ehestandes hatte die Doktorin schwere
Zeiten durchzumachen[272].

Frau Kthe wurde durch einen heftigen Krankheitsanfall ihres Gemahls
erschreckt, wie sie es in dieser Heftigkeit noch nicht an ihm erlebt
hatte, wiewohl er schon mehrmals Schwindelanflle erfahren. Eine
entsetzliche Angst und Beklemmung ging dem Anfall voraus. Samstags 6.
August morgens fhlte er am linken Ohr und Backen ein ungestmes Sausen
und Brausen wie Windsbraut und Meeresbrandung, so grlich und
unertrglich, da er es nur einer satanischen Einwirkung zuschreiben
konnte. Es ging gottlob rasch vorber. Aber er frchtete, dies sei
vielleicht der Vorbote eines noch schwereren, tdlichen Anfalls, darum
schickte er um 8 Uhr seinen Diener Wolf zu seinem Beichtvater
Bugenhagen, dieser mge eilend kommen. Bugenhagen eilte erschrocken ins
Kloster, fand aber da den Doktor in "gewhnlicher Gestalt" bei seiner
Hausfrau stehen. Warum er ihn habe rufen lassen? "Um keiner bsen Sache
willen", erwiderte Luther, ging mit ihm hierauf abseits, beichtete und
begehrte fr den folgenden Tag zum Abendmahl zu gehen.

Mittlerweile war es schier Zeit geworden zum Mittagsmahl (d.h. um 10
Uhr). Und weil Luther und Bugenhagen von etlichen Adeligen, Max von
Wallefels, Hans von Lser u.a. zu Gaste geladen war, forderte ihn
Bugenhagen auf, mitzukommen, indem er hoffte, die Zerstreuung sollte ihm
gut thun, wenn er nicht einsam daheim sitze, sondern mit Menschen
verkehre. Luther schlug es ab. Aber Bugenhagen steckte es hinter Frau
Kthe, und diese brachte Luther dazu, hinzugehn in Paul Schulthei'
Gasthof. Dort a und trank er, aber sehr wenig, und unterhielt die Gste
mit angemessener Frhlichkeit. Um zwlf Uhr stand er auf und ging in D.
Jonas Grtlein hinter dem Hause und unterhielt sich da zwei Stunden mit
dem Stiftspropst. Beim Weggehen lud er Jonas und seine Frau ein, sie
sollten auf den Abend mit ihm essen.

Recht angegriffen kehrte Luther zurck ins Kloster und legte sich ins
Bett, um sich zu erholen. Als um 5 Uhr die Jonischen kamen, lag er noch
und die Frau Doktorin bat die Gste, sich die Weile nicht lang sein zu
lassen, und so sich's ein wenig verzge, es seiner Schwachheit
zuzurechnen.

Nach einer Weile kam der Doktor herunter, um die Abendmahlzeit gemeinsam
mit den andern zu halten. Er klagte wieder ber groes unangenehmes
Brausen und Klingen des linken Ohrs. Das wurde ber Tisch heftiger, er
mute aufstehen und zog sich, begleitet von Jonas, hinauf in seine
Schlafkammer zurck; die Doktorin folgte, hatte aber noch unten an der
Treppe den Mgden zu befehlen. Da, als Luther gerade ber die Schwelle
der Schlafkammer trat, berkam ihn pltzlich eine Ohnmacht: "O Herr
Doktor Jona", rief der Kranke, "mir wird bel; Wasser her, oder was Ihr
habt, oder ich vergehe." Er sank leblos hin. Jonas erwischte erschrocken
und behend einen Topf mit kaltem Wasser und go es dem Ohnmchtigen ber
Kopf und Rcken. Er kam wieder zu sich und fing an zu beten.

Indem kommt auch die Doktorin hinauf; da sie nun sah, da er so
hinfllig und schier tot war, entsetzte sie sich sehr und rief laut den
Mgden. Dann schickte sie zum Hausarzt Dr. Augustin Schurf und zu dem
Hausfreund Bugenhagen. Mittlerweile zogen sie dem Kranken die Kleider
aus und legten ihn auf den Rcken. Er war sehr matt und vllig kraftlos.
Frau Kthe und Jonas rieben und khlten ihn, gaben ihm Labsal und
thaten, was sie konnten, bis der Arzt kam.

Da der Doktor so eiskalt und leblos war, so verordnete Schurf dem
Kranken warme Tcher, Kleider und Kissen, die man immer ber dem
Kohlenfeuer wrmte, aufzulegen auf Brust und Fe, lie auch seinen Leib
reiben, trstete ihn auch und hie ihn hoffen, es wrde, ob Gott will,
auf diesmal keine Not haben. Dann kam auch um 6 Uhr Dr. Pommer, und die
Freunde mahnten den Patienten, er solle mit ihnen dafr beten, da er
mge leben bleiben, ihnen und vielen zum Trost. Da antwortete er: "Zwar
fr meine Person wre Sterben mein Gewinn; aber im Fleische lnger
leben, wre ntig um vieler willen. Lieber Gott, Dein Wille geschehe."

Da aber die Ohnmacht wieder zunahm, betete er wieder um Erbarmen. Dann
sagte er zu seiner Hausfrau: "Meine allerliebste Kthe, ich bitte Dich,
will mich unser lieber Gott auf diesmal zu sich nehmen, da Du Dich in
seinen gndigen Willen ergebest. Du bist mein ehrlich Weib, dafr sollst
Du Dich gewi halten und gar keinen Zweifel daran haben. La die blinde,
gottlose Welt darber sagen, was sie will; richte Du Dich nach Gottes
Wort und halte fest daran, so hast Du einen gewissen bestndigen Trost
wider den Teufel und all seine Lstermuler."

Dann fragte er nach seinem Shnlein: "Wo ist denn mein allerliebstes
Hnsichen?" Da das Kind gebracht wurde, lachte es den Vater an. Da
sprach er: "O Du gutes armes Kindlein! Nun ich befehle meine
allerliebste Kthe und Dich armes Waislein meinem lieben, frommen,
treuen Gott. Ihr habt nichts, Gott aber, der ein Vater der Waisen und
Richter der Witwen ist, wird Euch wohl ernhren und versorgen."

Darauf redete er weiter mit seiner Hausfrau von den silbernen Bechern:
"Die ausgenommen weit Du, da wir sonst nichts haben." Ueber dieser und
andern Reden ihres Herrn war die Doktorin hoch erschrocken und betrbt.
Doch lie sie sich nicht merken, wie gro Leid ihr geschah, da sie
ihren lieben Herrn dergestalt so jmmerlich da vor Augen liegen sah,
sondern sie stellte sich getrost und sprach: "Mein liebster Herr Doktor!
Ist's Gottes Wille, so will ich Euch bei unserm lieben Herrn Gott lieber
denn bei mir wissen. Aber es ist nicht allein um mich und mein liebes
Kind zu thun, sondern um viel frommer, christlicher Leute, die Euer noch
bedrfen. Wollet Euch, mein allerliebster Herr, nicht bekmmern; ich
befehle Euch seinem gttlichen Willen, ich hoff und trau zu Gott, er
werde Euch gndiglich erhalten."

Bald fhlte der Kranke Besserung, die Schwche lie nach und der Doktor
meinte, wenn der Patient nur schwitzen knnte, so sollte es durch Gottes
Gnade fr diesmal keine Not mehr mit ihm haben.

Da gingen die drei Mnner, um ihm Ruhe zu gnnen, hinab in den Saal zur
Abendmahlzeit und hieen die Frauen stille sein. Der Patient geriet
wirklich in Schwei. Der Arzt sah spter wieder nach dem Kranken und
erklrte die Gefahr vorbei. Dann kamen auch die Freunde, begrten den
Genesenden, wnschten ihm "Selige Nacht" und gingen nach Hause.

Zwar dauerte das Ohrenbrausen am Sonntag noch fort; am Abend aber konnte
der Doktor aufstehen und mit den Freunden das Abendmahl halten. Das
krperliche Leiden war so bald gehoben; aber die "geistige Anfechtung",
wie Luther sagt, warf ihn noch eine ganze Woche in "Tod und Hlle"
umher, so da er zerschlagen an allen Gliedern bebte.

Kaum war dieser Schrecken vorbei, so nahte eine neue und viel lngere
Heimsuchung: die Pest, die damals ganz Deutschland durchzog, kam auch
nach Wittenberg. Alles was konnte, floh aus der Stadt; die Universitt
wurde nach Jena verlegt; Luther aber blieb zurck als Mann, Seelsorger
und Lehrer und seine treue Gattin mit ihm. Er war immer des Glaubens,
die Angst sei die schlimmste Seuche, die Hlfte der Leute strben an
Furcht davor, nicht an der Pest selbst. Er hielt es fr einen "Spuk des
Teufels", dem er trotzen msse, whrend der Bse sich freue, die
Menschen so zu ngstigen und die Universitt zu sprengen, die er nicht
umsonst so hasse. Er bleibe gerade wegen der ungeheuren Angst des
Volkes. Er ging ohne Scheu zu den Pestkranken: die Frau des
Brgermeisters Thilo Dene starb fast in seinen Armen; und andere
Pestverdchtige nahm er in sein Haus. Dagegen war, scheint's aus Furcht
vor der Pest, Elsa von Kanitz, welche in Wittenberg Mdchenlehrerin
werden und bei Luther wohnen sollte, nicht aufgezogen; an ihrer Statt
aber wohnte nun Frulein Magdalene von Mochau im Klosterhause[273].

Die Seuche brach in den Winkeln aus, kam aber bald ans
Elsterthor-Viertel, wo der Pestkirchhof lag[274]; zuerst wurde die
Umgebung angesteckt, so das Haus des nchsten Nachbarn, des D. Schurf
und endlich auch das Schwarze Kloster. Das wurde jetzt gerade ein
Spital, denn Luther nahm die kranke Frau Dr. Schurf, Hanna, herber. Die
von Mochau bekam die wirkliche Pest. Die Frau des Kaplan (Diakonus)
Rhrer, eines von Luther hochgeschtzen Amtsgenossen, starb (am 2. Nov.)
daran bei ihrer Entbindung samt dem Kinde. Und Bugenhagen flchtete
deshalb mit seiner Familie aus dem Pfarrhaus in das Schwarze Kloster.
Zwei Pflegetchter von Kthe erkrankten und auch der kleine Hans war vom
Zahnen so mitgenommen, da er mehrere Wochen nichts a und allein mit
Flssigkeit ernhrt wurde, so da er nur sehr langsam wieder zu Krften
kam. Dazu war Luther selbst noch immer eine lange Zeit (Juli bis
November) vom Unwohlsein geplagt, besonders mit Blutandrang nach dem
Kopf und infolge dessen von Schwermut, oder wie er sagte, vom Satan
angefochten und sehr entkrftet. Schlielich kam die Krankheit noch in
die Stlle und es fielen fnf Schweine. Die Bauern brachten der Stadt
keine Zufuhr, so da eine Teurung entstand und der Scheffel Mehl 5
Groschen galt, eine Gans 2 Groschen[275].

Nur Kthe hielt sich aufrecht in alt dieser Not, "tapfer im Glauben und
gesund am Krper", und doch war sie ihrer Entbindung nahe. Sie pflegte
Mann und Kind, Nichten und Gste. Den Diakonus Rhrer mit seinem
Knblein Paul, welches nach der Mutter schrie, nahm Kthe auch noch auf,
und Luther lud noch Jonas dringend zum Besuch ein, als es ein wenig
besser ging. Die von Mochau wurde in dem gewhnlichem Winterzimmer
(Wohnzimmer) eingeschlossen, Frau Hanna war in Katharinas Kemenate
(heizbarem Zimmer), Hnschen im Studierzimmer, der Doktor und die
Lutherin weilten in der vorderen groen Aula. Schlielich wurde der
"Mochau" die Beule aufgeschnitten, und nachdem das Gift heraus war, ging
es besser. Endlich, Mitte November, wich die Krankheit. Die Eheleute
waren froh, da der bse Geist der Pest nur in die Sue gefahren war und
sie mit diesem Opfer sich loskauften. Hnschen war wieder frisch und
munter, Hanna genas und die Mochau entrann mit Mhe dem Tode; auch
Luthers Zustand und Stimmung wurde besser, namentlich als die
Universitt allmhlich wiederkehrte und er seine gewohnte Lehrttigkeit
wieder beginnen konnte[276].

In dieser Zeit (am 10. Dezember) kam nun Kthe nach schmerzlichen Wochen
mit ihrem Tchterchen Elisabeth nieder, gerade als der Gemahl von einer
Vorlesung heimkehrte. Die vorausgegangenen Strapazen hatten doch ihre
Spuren hinterlassen, und die Mutter war recht angegriffen. Aber schon zu
Weihnachten wurde im Lutherhaus Verlobung gefeiert; die Hanna von Sala
wurde dem Petrus Eisenberg, einem braven Mann aus guter Familie,
Leut-Priester in Halle, anverlobt; schon am Neujahrstag war die
Hochzeit, und die kaum vom Wochenbett erstandene Hausfrau hatte schon
wieder diese frhliche Unmue durchzumachen[277].

Das neue Jahr (1528) war ein gesundes und im ganzen glckliches, Luther
und Kthe lebten wieder frisch auf. Sie brachten am 15. Mai wieder eine
Verlobung zustande, zwischen dem verwitweten Kaplan D. Georg Rhrer und
ihrer Pflegetochter Magdalene von Mochau. Die Hochzeit sollte frhlich
am Tag nach Laurenzi (11. August) gefeiert werden. Aber da kam Leid vor
die Freude: am 3. August starb "Elslein" und von dem lieben Tchterlein,
dessen Ankunft die glcklichen Eltern den Freunden in zahlreichen
Briefen angekndet hatten, muten sie jetzt, gar wehmtig und weich
gestimmt, wieder ihr Abscheiden in die ewige Heimat melden. "Es war ein
groes Herzeleid; denn es starb ein Stck an des Vaters und ein Teil
von der Mutter Leibe"[278].

Die durch Tod und Verheiratung in die Hausgenossenschaft gerissenen
Lcken wurden bald reichlich ausgefllt. Im Mai des folgenden Jahres
erschien das kleine Lenchen im Schwarzen Kloster. Auf gar wunderbare
Weise entkam die Herzogin Ursula von Mnsterberg, die Base des Herzogs
Georg aus dem Kloster Freiburg samt zwei andern brgerlichen
Klosterjungfrauen, von denen die eine ihr reiches Vermgen im Stiche
lie, um der Armut Christi zu folgen. Die drei flchteten nach
Wittenberg in die Freisttte des Lutherhauses: keinen Kreuzer brachten
sie mit, wohl aber den Ha des Herzogs und Verlegenheit fr Luthers
Landesherrn[279].

Das war im Herbst 1528. Zu Ostern 1529 hatte Frau Kthe wieder eine
Hochzeit auszurichten: dem Pfarrer Bruno Brauer zu Dobin, dessen Braut
natrlich auch schon ein paar Tage vorher sich im Hause aufhielt.
Amsdorf wird dazu eingeladen und wird ersucht, sich nicht mit Eisen und
Schwert, sondern mit Gold und Silber und Ranzen zu umgrten, denn ohne
Geschenk komme er nicht los. Im Sommer verlobten die beiden Ehegatten
den Professor der Medizin Milich mit Susanna von Muschwitz, der
Schwester von Frau D. Schurf[280].

Whrend dieser Zeit war der Hausherr vielfach abwesend auf der
Visitation des Kurkreises, welche Luther mit dem Stadthauptmann Herrn
Metsch, dem Edlen Hans von Taubenheim und dem Rechtsgelehrten Benedikt
Pauli vorzunehmen hatte. Dazu kam die Reise nach Marburg zum
Religionsgesprch mit Zwingli (1529).

Von Marburg stammt auch der erste Brief des Doktors an seine Ehefrau,
der erhalten geblieben ist. Er lautet[281]:

"Gnad und Fried in Christo!

Lieber Herr Kthe!

Wisset, da unser freundlich Gesprch zu Marburg ein Ende hat, und seynd
fast in allen Stcken eins worden, ohne da der Widerteil (Gegenpartei)
wollen eitel Brot und Wein im Abendmal behalten und Christum geistlich
darinnen gegenwrtig bekennen. Heute handelt der Landgraf, ob wir
knnten eins werden, oder doch gleichwohl, so wir uneins blieben,
dennoch (als) Brder und Christi Glieder unter einander uns halten. Da
arbeit der Landgraf heftig. Aber wir wollen des Brdern und Gliederns
nicht; friedlich und Guts wollen wir wohl....

Sage dem Herrn Pommer, da die besten Argument seind gewesen des
Zwingli, da corpus non potest esse sine loco: ergo Christi corpus non
est in pane; des Oecolampadii: dies sacramentum est Signun corporis
Christi. Ich achte, Gott habe sie verblendet, da sie nichts haben
mssen frbringen.

Ich habe viel zu thun und der Bot eilet. Sage allen gute Nacht und
bittet fr uns. Wir seind auch alle frisch und gesund und leben wie die
Frsten. Kt mir Lensgen und Hnsgen.

E. williger Diener

Martin Luther.

Ins folgende Jahr (1530), zur Zeit des Augsburger Reichstags, fllt der
lange halbjhrige Aufenthalt Luthers auf der Koburg (April bis Oktober).
Er reiste mit dem Kurfrsten Johann und Kanzler Brck und den
Wittenberger Theologen, Melanchthon und Jonas ab und nahm seinen Famulus
Veit Dietrich mit. Kthe konnte ihren Gatten nicht ohne Sorge zum
Reichstag scheiden sehen; denn bei seiner Abreise glaubte man, da auch
Luther nach Augsburg selbst gehe, also mitten in die Reihe seiner
Feinde. Bald erhielt sie die Nachricht, da ihr Gatte, eben um seine
Gegner, und namentlich den Kaiser, in dessen Acht er war, nicht zu
reizen, in der sdlichsten Stadt des Kurfrstentums bleibe, auf der
Feste Koburg, und zwar einigermaen in Verborgenheit, hnlich wie auf
der Wartburg. Er wurde morgens vor Tagesanbruch, samt seinem Famulus
Veit Dietrich, dahin gebracht; er lie sich da den Bart wachsen und dazu
schickte ihm auch noch ein Freund, Abt Friedrich aus Nrnberg, ein
Schwert. Also mute Frau Kthe in die "Einde Gruboc" allerlei Dinge
schicken, Bcher und Papier fr allerlei Schriften, und empfahl ihren
Gemahl der Frsorge der Kastellanin[282]. Freilich war vortrefflich fr
den Einsiedler auf seinem Sinai gesorgt, die erste Frhlingszeit mit
Dohlenschwarm, Kuckuck und Nachtigall stimmte frhlich; Veit Dietrich
wachte sorgfltig darber, da Luther keinen Ditfehler begehe und
veranlate ihn gar zum Armbrustschieen auf Fledermuse. Auch an
Besuchen fehlte es nicht, so da er schlielich klagte: "Die Wallfahrt
will zu gro werden hierher"[283]. Aber Luther litt bei der ungewohnten
Mue doch wieder an seinem alten Leiden: Flu am Bein, Kopfweh und
Schwindel, und infolgedessen "Anfechtungen" des Satans, so da er sich
schon ein Oertlein fr ein Grab aussuchte und meinte, unter dem Kreuz in
der Kapelle werde er wohl liegen. Davon meldete zwar der Doktor an seine
besorgte Ehehlfte kein Wrtlein; er schrieb vielmehr sie neckend: "Sie
wollen (in Augsburg) schlechterdings die Mnche und Nonnen wieder im
Kloster haben"[284]. Aber sie ahnte es doch, oder erfuhr es auf Umwegen
von den Freunden, denen er sein Leiden klagte, oder durch die Boten, die
vorbei kamen. Darum schickte sie ihm nicht nur Lenchens Bild, sondern
auch seinen Neffen Cyriak in Person samt seinem Przeptor. Boten mit
Briefen und Auftrgen gingen fleiig hin und her: so bestellte Frau
Kthe durch Luther Pomeranzen bei Link in Nrnberg, weil es keine in
Wittenberg gebe, und sie erfuhr zeitig und ausfhrlich, wie es auf
Koburg und in Augsburg ging, wo der Kaiser sich barsch benahm und
Melanchthon gar ngstlich war. Wenn aber zu Wittenberg Sonntags in der
Kirche fr glcklichen Ausgang des Augsburger Reichstages und fr die
abwesenden Theologen gebetet wurde, da war Frau Luther wohl von allen
Kirchgngerinnen die andchtigste; und zu Mittags bei Tisch mit ihren
Tischgesellen und Kinderlein und abends im Kmmerlein allein hat sie fr
den teuren Mann in der Ferne gefleht, wie er's in jedem Briefe
erbittet[285].

Einige Briefe Luthers von der Koburg an seine Hausfrau sind erhalten; so
kam um Pfingsten einer[286]:

"Gnad und Friede in Christo.

Liebe Kthe! Ich hab, acht ich, Deine Briefe alle empfangen. So ist dies
der vierte Brief, den ich Dir schreibe heut da Er Johann von hinnen
gegangen ist. Lenchen Konterfeit hab ich mit der Schachtel auch. Ich
kannte das H---- zuerst nicht, so schwarz deucht mir's (zu) sein. Ich
halte, wo Du es wilt absetzen von Whnen (d.h. entwhnen), das gut sei
weilinger Weise, also da Du ihr zuerst eines Tages einmal abbrechest,
darnach des Tages zweimal, bis es also suberlich ablt. Also hat mir
Georgen von Grumbachs Mutter, Frau Argula, geraten. Die ist hier bei uns
gewest und hat mit mir gessen. Hans Reinicke von Mansfeld auch und
George Rmer, da wir mssen an einen andern Ort; es will zu gemeiner
Wallfahrt hieher werden.

Sage Meister Christannus[287], da ich meins Tage schndlichere Brillen
nicht gesehen habe, denn die mit seinem Briefe (ist) kommen. Ich konnt
nicht ein Stich dadurch sehen. So ist mir auch der Brief an Kunzen Vater
nicht geworden. Auch bin ich nicht zu Koburg, (d.h. ich will nicht da zu
finden sein); kann ich aber sonst dazu thun, will ich's nicht lassen. Du
sollst aber gleichwohl Deine Briefe dem Kastner, (Schloverwalter)
[646], lassen zustellen; der wird sie mir wohl schaffen.

Man beginnt zu Nrnberg und Augsburg zu zweifeln, ob etwas aus dem
Reichstag werde. Der Kaiser verzeucht noch immer in Inspruck. Die
Pfaffen haben etwas vor und gehet mit Krutern zu. Gott gebe, da sie
der Teufel besch---- Amen.

La den Herrn Doctor Pommer den Brief an D. Wencels lesen.

Eilend. Der Bote wollt nicht harren. Gre, ksse, herze und sei
freundlich allen, jeden nach seinem Stande.

Am Pfingsttag frhe, 1530.

Martin Luther.

Meiner herzlieben Hausfrauen Katharin Lutherin zu Wittenberg zu handen."

Zu Wittenberg machte damals der Festungsbau den Einwohnern, namentlich
auch der Familie Jonas, viel Verdru und Aufregung; das Kloster blieb
einstweilen noch verschont.

Whrend Luthers Abwesenheit waren im Klosterhause Hieronymus Weller als
Przeptor des kleinen Huschens. Hieronymus war aber ein von Schwermut
geplagter Mann, und es wurde darum dankbar begrt, da auch sein Bruder
Peter ins Haus zog, der Przeptor von Luthers Neffen, Polner. Auch der
wrdige D. Pommer (Bugenhagen) kam ab und zu ins Schwarze Kloster, um
Frau Kthe zu beraten, und Frau Jonas, die allezeit frhliche, muntere
Gattin des in Augsburg abwesenden Stiftspropstes, welche freilich
damals ihr zweites Shnlein bald nach der Geburt verlor[288]. Mit hohem
Interesse wurden Luthers Schreiben empfangen und mit vieler Freude im
Kreise der zurckgebliebenen Freunde vorgelesen. Groen Jubel bei den
Tischgesellen erregte ein humorvoller Brief Luthers vom "Reichstag der
Dohlen und Krhen", dem lustigen Abbild des Augsburger Reichstags. Da
wird gar ergtzlich geschildert das Ab- und Zureiten "der Malztrken",
ihr Scharwnzen und Turnieren, ihr "Kecken" und Kriegsrat wider Korn und
Weizen. Und welche Freude erst war's, als goldene Frhpfel aus Nrnberg
mit dem Boten von Koburg fr die Tischgesellschaft ankamen! Wie
leuchteten aber erst die Augen der Kleinen und seiner Gespielen ber den
herzigen Mrchenbrief Luthers an sein "liebes Shnichen Johannes" von
dem schnen Paradiesesgarten. Wie hat sich da die Mutter gefreut und
Muhme Lene und des Jonas Jost und Melanchthons Lips, die auch in den
Garten kommen sollten, und der "Gru und Putz" wird der Muhme Lene von
dem kleinen Hans ausgerichtet worden sein. Hnschen war ein braver Bub
und wird von seinem Przeptor wegen seines Fleies und Eifers
gelobt[289].

Aber auch ernste Briefe kamen von Koburg an, welche Frau Kthe und die
Theologen interessierten und im Lutherhaus gemeinsam gelesen wurden,
oder auch unter den Freunden umliefen. Allerdings seine schwersten
Sorgen und Schmerzen schrieb Luther nicht darin, aber allerlei Anliegen
wegen der Zglinge und an seine Buchdrucker Schirlenz, Wei und Rau. So
kamen vom 14. und 15. August mit einem Boten zwei Episteln an seine
"herzliebe Hausfrau"[290].

"Gnade und Friede in Christo.

Meine liebe Kthe! Dieser Bote lief eilend vorber, da ich nichts mehr
schreiben konnte, nur da ich ihn nicht wollte ohne meine Handschrift
gehen lassen. Du magst Herr Johann Pommern und allen sagen, da ich bald
mehr schreiben will. Wir haben noch nichts von Augsburg, warten aber
alle Stunden auf Botschaft und Schrift. Aus fliegenden Reden haben wir,
da unsers Widerparts Antwort soll ffentlich gelesen sein; man habe
aber den Unsern keine Abschrift wollen geben, da sie darauf antworten
mchten. Wei nicht, ob's wahr ist. Wo sie das Licht so scheuen, werden
die Unsern nicht lange bleiben. Ich bin seit Lorenzentag recht gesund
gewesen und habe kein Sausen im Kopf gefhlt; das hat mich fein lustig
gemacht zu schreiben, denn bisher hat mich das Sausen wohl zerplaget.

Gre alle und alles; ein andermal weiter. Gott mit euch. Amen. Und
betet getrost: es ist wohl angelegt, und Gott wird helfen.

Gegeben am Sonntage nach Lorenzentag, Anno 1530."

Der Brief war kaum geschrieben, so kam weitere Nachricht von Augsburg.
Luther behielt deshalb den Boten bei sich ber Nacht und fgte am andern
Tage noch folgendes hinzu:

"Gnad' und Fried in Christo.

Meine liebe Kthe! Als ich den Brief hatte zugemacht, kamen mir diese
Briefe von Augsburg: da lie ich den Boten aufhalten, da er sie mit
sich nhme. Daraus werdet ihr wohl vernehmen, wie es zu Augsburg mit
unsrer Sache steht, fast wie ich im andern Brief geschrieben habe. La
Dir sie Peter Weilern lesen oder Herrn Johann Pommer[291]. Gott helfe
weiter, wie er gndiglich angefangen hat, Amen.

Jetzt kann ich nicht mehr schreiben, weil der Bote so wegfertig da sitzt
und harret kaum. Gre unsern lieben Sack.

Ich habe Deinen Brief an die Kstnerin (die Kastellanin vom Koburger
Schlo) gelesen, und sie dankt Dir sehr. Hans Polner habe ich Peter
Wellern befohlen: siehe zu, da er sich gehorsamlich halte. Gre Hansen
Luthern und seinen Schulmeister; dem will ich bald auch schreiben. Gre
Muhme Lenen und allesamt. Wir essen hier reife Weintrauben, wiewohl es
diesen Monat hierauen sehr na gewesen ist. Gott sei mit euch allen,
Amen.

Aus der Wsten, am Tage Maria Himmelfahrt 1530.

Mart. Luther.

Wie verdreut mich's, da unsere Drucker so schndlich verziehen mit den
Exemplaren[292]. Ich schicke solch Exemplar darum hinein, da sie bald
sollen fertig werden--da machen sie mir ein Lagerobst draus. Wollt' ich
sie so liegen haben, ich htte sie wohl hier bei mir auch wissen zu
halten. Ich hab' Dir geschrieben, da Du den Sermon, wo er nicht
angefangen, von Schirlenz nehmen und Georgen Rau geben solltest. Ich
kann doch wohl denken, da Schirlenz sein gro Exemplar kaum zu verlegen
hat mit Papier. Ist das nicht geschehen, so schaffe, da es noch bald
geschehe und der Sermon aufs frderlichste gefertigt werde."

Die Abwesenheit des Doktors zgerte sich gar lange hinaus: es wurde
Sommer und wurde Herbst und der Doktor war noch nicht da. Mit Sehnsucht
wurde er erwartet und voll Sehnsucht schrieb er nach Hause. So um "Maria
Geburt"[293]:

"Gnade und Friede in Christo.

Meine liebe Kthe! Dieser Bote lief eilend vorber, da ich nicht viel
schreiben konnte. Hoffe aber, wir wollen schier selbst kommen; denn
dieser Bote bringt uns von Augsburg Briefe, da die Handlung in unsrer
Sache ein Ende habe und man nur wartet, was der Kaiser schlieen und
urteilen wird. Man hlt's dafr, da es werde alles aufgehoben auf ein
knftig Konzilium; denn der Bischof zu Mainz und Augsburg halten noch
fest, so wollen der Pfalzgraf, Trier und Cln nicht zum Unfrieden oder
Krieg willigen. Die andern wollten gern wten und versehen sich, da der
Kaiser mit Ernst gebieten werde. Es geschehe, was Gott will: da nur des
Reichstags ein Ende werde! Wir haben genug gethan und erboten; die
Papisten wollen nicht ein Haarbreit weichen; damit wird einer kommen,
der sie lehren soll weichen und rumen.

Mich wundert, warum Hans Wei den Psalm nicht hat genommen. Ich htt'
nicht gemeint, da er so ekel wre, ist's doch ein kstlich Exemplar.
Schicke hier denselbigen vollends ganz mit und gnn' ihn Georgen Rau
wohl. Gefllt das Exemplar Herrn Johann Pommern und Kreuzigern, so la
immerhin drucken. Es ist doch nichts, da man den Teufel feiert.

Wer Dir gesagt hat, da ich krank sei, wundert mich sehr, und Du siehest
ja die Bcher vor Augen, die ich schreibe. So hab' ich ja die Propheten
alle aus, ohne den Ezechiel, darin ich jetzt bin und im Sermon vom
Sakrament, ohne was sonst des Schreibens mit Briefen und anders mehr
ist. Ich konnte jetzt nicht mehr vor Eilen schreiben. Grt alle und
alles.

Ich hab' ein gro schn Buch von Zucker fr Hansen Luther, das hat
Cyriakus von Nrnberg gebracht aus dem schnen Garten. Hiemit Gott
befohlen und betet.

Mit Polner mach's nach Rat des Pommers und Kellers.

Aus der Wsten, am 8. September 1530."

Als aber die Herren endlich wieder heimkehrten, samt Veit Dietrich,
Peter Weller und dem jungen Cyriak, der mit seinem Lehrer das Schauspiel
des Reichstag in Augsburg und die berhmte Stadt Nrnberg hatte besuchen
drfen, da war ein Erzhlen am Eichentisch im Wohnzimmer und unten im
Hof unterm Birnbaum, whrend der vierjhrige Studiosus Hans sich an
seinem Nrnberger Zuckerbuch erlustierte.

Ruhiger gingen die folgenden Jahre hin. Freilich wiederholten sich die
bengstigenden Schwindelanflle beim Doktor, so da er im Herbst 1531
eine Erholungsreise zu Gevatter Hans Lser nach Schlo Pretzsch machte,
um durch die Bewegung das Sausen loszuwerden. Da ging er viel spazieren,
fuhr auch zur Jagd[294].

Von Mansfeld waren auch die Groeltern einigemal nach Wittenberg
herbergekommen, obwohl das keine kleine Reise war; da schickte der
Stadtrat "Doktoris Martini Vater" einen Ehrentrunk. Dann herrschte groe
Freude im Kloster und der Doktor konnte eine Vergleichung anstellen
zwischen seiner harten Jugend und der Zrtlichkeit der alten Leute gegen
die Enkel und merken, da die Groeltern ihre Kindeskinder lieber haben
als ihre eigenen Kinder. Als im Anfang 1530 Bruder Jakob von Mansfeld
schrieb, der Vater wre "fhrlich krank", wre Luther aus der Maen gern
selbst kommen; aber er durfte es dorthin der Bauern und des Adels wegen
nicht wagen. Aber groe Freude sollt es ihm sein, schrieb er, wo es
mglich wre, da der Vater samt der Mutter sich liee herbeifhren nach
Wittenberg, was auch "Kthe mit Thrnen begehrte", in der Hoffnung, sie
aufs beste zu warten. Dazu wurde Cyriak in seine Vaterstadt abgefertigt,
zu sehen, ob das mglich wre. Aber die alten Leute konnten sich
begreiflicherweise nicht zu diesem Umzug entschlieen. Und nicht lange
darauf, als Luther auf der Koburg sa, starb der Vater. Im Sommer des
folgenden Jahres erkrankte die Gromutter. Das erregte groes Leid in
der Familie; Luther schrieb inmitten der Kinderschar einen Trostbrief:
darin schildert er gar anschaulich das echt kindliche Benehmen der
beiden eigenen Kinder und der andern Enkel, welche im Klosterhause
lebten: "Es bitten fr Euch alle Eure (Enkel-) Kinder und meine Kthe;
etliche weinen, etliche essen und sagen: Die Gromutter ist sehr krank."
Am 30. Juni schied auch sie vom Leben[295].

Von den Enkeln hatten freilich die Groeltern hchstens die drei ersten
gesehen: Hans, Elisabeth und Lenchen. Erst nach ihrem Tode kam der
vierte auf die Welt am Vorabend von Luthers Geburtstag und bekam deshalb
den Namen Martin. Es war gerade zur Zeit als die Bauern, wie man ihnen
nachsagte, eine knstliche Teuerung zu stande brachten. Fnfviertel
Jahre spter (am 28. Januar 1533) stellte sich Paul ein und endlich am
Ausgang des folgenden Jahres das Jngste, Margarete. Schon 1533 war der
siebenjhrige Erstgeborne--gewi nur, wie andre Professorenshne, der
Ehre halber--bei der Universitt als akademischer Brger angenommen
worden, zugleich mit seinen Vettern Fabian und Andreas Kaufmann[296].

In diesem Jahre 1533 war Luther wieder einen ganzen Monat krank an
Kopfleiden[297].

Im Februar 1534 kam seine Schwester zu Besuch nach Wittenberg. Da
tischte Frau Kthe fr die Schwgerin kstlich auf und lie Hechte
kommen aus den kurfrstlichen Teichen[298].

Seitdem Johann Friedrich Kurfrst geworden, war Luther gar oft zu dem
ihm vorher schon sehr befreundeten neuen Landesherrn allein oder mit
andern Theologen nach Torgau geladen, wo er predigte, disputierte und
bei Tisch in ernstem und frhlichem Gesprch verblieb. Von dort sandte
der Doktor auch einmal an "seinen freundlichen lieben Herrn, Frau
Katharina von Bora, D. Lutherin zu Wittenberg" einen heiteren
Brief[299]:

"Gnade und Friede in Christo.

Lieber Herr Kthe! Ich wei Dir nichts zu schreiben, weil Magister
Philipps samt den andern selbst kommen. Ich mu lnger hier bleiben, um
des frommen Frsten willen. Du magst denken, wie lange ich hier bleiben
werde, oder wie Du mich los machst. Ich halt', M. Franciscus wird mich
wieder los machen, wie ich ihn losgemacht habe, doch nicht so balde.

Gestern hatt' ich einen bsen Trunk gefat, da mut' ich singen. Trink'
ich nicht wohl, das ist mir leid und tht's so recht gerne, und hab
gedacht, wie gut Wein und Bier hab' ich daheime, dazu eine schne Frauen
oder (sollt' ich sagen) Herrn. Und Du thtest wohl, da Du mir
hinberschicktest den ganzen Keller voll meines Weines und eine Flaschen
Deines Biers, so oft Du kannst. Sonst komme ich vor dem neuen Bier nicht
wieder. Hiermit Gott befohlen samt unsern Jngern und altem Gesinde,
Amen.

Mittwoch nach Jakobi, 1534.

Dein Liebchen

Mart. LutheR, D."

Im Jahre 1535 kam der ppstliche Gesandte Kardinal _Vergerius_ durch
Wittenberg; mit glnzendem Gefolge, zwanzig Pferden und einem Esel zog
er ins Schlo und lie Luther dahin einladen. Der lie sich schn
schmcken, hngte eine goldene Kette um und fuhr mit Bugenhagen, als der
deutsche Papst mit Kardinal Pomeranus, ins Schlo, wo er dem Legaten
gegenber, wie er sich vorgenommen hatte, den rechten Luther spielte. Da
erzhlte er auch dem Kirchenfrsten, um ihn zu rgern, von seiner Frau,
der ehrwrdigen Nonne, und seinen fnf Kindern, von denen der
Erstgeborene hoffentlich ein groer evangelischer Theologe werden wrde
[300].

Whrend dieser Zeit waren mancherlei Verndernden im Kreise der
Lutherschen Hausgenossen eingetreten. Natrlich wechselte von Jahr zu
Jahr die Tafelrunde der jugendlichen Kostgnger durch Abgang oder Zugang
zur Schule. Aber es starb auch einmal ein Schler. So aus Nrnberg Hans
Zink Ostern 1531. Er war allen ein gar lieber Bube, sonderlich dem
Hausvater, indem er den Discant bei der abendlichen Hausmusik sang; aber
auch weil er fein still und zchtig (sittsam) und im Studium sonderlich
fleiig war, so da allen gar wehe geschehen ist durch seinen Abscheid.
Frau Kthe sparte zu seiner Pflege nichts an Flei, Sorge und Arzenei,
um das fremde liebe Kind wo nur mglich zu retten und zu erhalten. Aber
die Krankheit wurde bermchtig ber die Pflege, und der Knabe ist Gott
noch viel lieber gewesen als den Lutherschen, der hat ihn wollen haben.
Das meldete Luther im Trauer- und Trostbrief den betrbten fernen
Eltern. Auch spter kamen solche Sterbeflle noch vor; ja es starben
Ostern 1544, als in Wittenberg die Masern grassierten und auch Luthers
Kinder alle daran darniederlagen, auf einmal zwei Zglinge, ein
wohlgeschickter Knabe aus Lneburg und ein Straburger. Das war keine
kleine Verantwortung, welche Luther und besonders Kthe zu tragen hatte.
Das jngste, Margaretlein, hatte als Nachwehen 10 Wochen ein schweres
hitziges Fieber und kmpfte noch vor Weihnachten um Gesundheit und Leben
[301].

Der Diener Johannes Nischmann, der mehrere Jahre der Familie treulich
und "fleiig gedienet, dem Evangelium gem sich demtig gehalten und
alles gethan und gelitten", zog Lichtme 1534 aus dem Schwarzen Kloster
mit 5 fl. Lohn und einem guten Zeugnis. Von einem andern dagegen ging
ein bses Geschrei aus, da er sich von einem wenig achtbaren Mdchen
htte verfhren lassen[302].

Schmerz und Verdru bereiteten den Lutherischen Eheleuten in dieser Zeit
aber auch ihre Verwandten.

Zunchst Katharinas Brder. Da war Hans aus Preuen heimgekehrt, um das
Gut Zulsdorf zu bernehmen, hatte eine Witfrau des von Seidewitz, eine
geborene Marschall, mit einem oder mehrern Kindern geheiratet[303]; er
konnte aber von dem Gtchen nicht recht leben und seinen Dienst am
preuischen Hofe auch nicht mehr erhalten--und seine Ehe soll auch nicht
glcklich gewesen sein. Daher mute Kthe ihren Gatten um manche
Bittschrift fr ihn angehen. Ebenso machte Bruder Clemens Sorge, welcher
gleichfalls in Preuen wegen Beteiligung an einer Schlgerei seine
Stelle bei Hof verlor und, wie es scheint, nicht mehr in "vorigen Stand
kommen" konnte, trotz der Frbitte der evangelischen Bischfe von
Samland und Pomesan an den Herzog, ihn wieder zu Gnaden anzunehmen,
"damit er D. Martino und seiner geliebten Hausfrau nicht eine Betrbnis,
dazu Schimpf und Spott sei und also im Land hin und wieder und endlich
hinaus ziehet". Der Herzog "wolle ihn doch mit einem Klepper und
Zehrung und gndiger Frschrift an den Kurfrsten von Sachsen
abfertigen"[304].

Nher noch gingen den beiden Ehegatten allerlei Erlebnisse mit den
Kindern im Hause, den eignen und noch mehr den fremden.

Mit der Anzahl der Kinder wuchs auch die Erfahrung der jungen Eheleute
in der Zucht und Erziehung. Zu Anfang, als einmal eines der jungen
Kindlein schrie und weinte, da es niemand stillen konnte, waren Kthe
sowohl wie Luther eine ganze Stunde traurig und bekmmert. Spter
erkannten sie und der Vater sprach es aus: "Wenn junge Kinder recht
schreien, so wachsen sie wohl; denn durch Schreien dehnen sich die
Glieder und Adern auseinander, weil sie sonst keine andere Uebung haben,
sich zu bewegen"[305].

Als die Kinder grer wurden, gab es natrlich allerlei Unarten und
Vergehungen, und zwar sowohl bei den eignen, wie bei den angenommenen
Waisen. Das "Tauschen" ("Fuggern" nannte man's spter nach dem damals
berhmten Augsburger Handelshause) war natrlich auch bei den
Lutherskindern blich. Ja, auch das "Stehlen" ("Schieen" nannte man es
auch nach den "Schtzen" d.h. jungen fahrenden Schlern, den tirones
oder Plnklern in Vergleichung mit der rmischen Heeresordnung). Das war
nun beides recht verpnt im Luther-Hause, freilich wurde bei Ewaren,
namentlich Obst, als Kirschen, Aepfeln, Birnen, Nssen, die Strafe
gelinder bemessen. Aber wenn einmal etwas anderes genommen wurde, dann
gab es bses Wetter im Hause. Ganz besonders aufgebracht werden konnte
der heftige Hausvater wegen Ungehorsams: Gehorsam hielt er mit andern
Pdagogen fr die erste Tugend der Kinder. Darum lie er seinen
Erstgeborenen einmal drei Tage lang nicht vors Angesicht kommen und Frau
Kthe mute ihre ganze Ueberredungskraft und die Frsprache von Freunden
anwenden, um den erzrnten Vater umzustimmen[306].

Im Jahre 1536 that Luther seinen Erstgebornen schon aus dem Hause zu
einem tchtigen Schulmeister.--Die Unruhe war im Kloster gar zu gro.
Spter--1542--kam er wieder fort zu dem berhmten Przeptor Crodel in
Torgau[307].

Manchen Aerger hatten Luther und Kthe auch mit den fremden Kindern,
namentlich den Neffen.

Man wird frelich kein groes Aufhebens zu machen haben, wenn Luther
einmal sagt: "Wenn ich meinen Enders (d.i. Andreas Kaufmann) nicht htte
gestrichen, von seiner Untugend ber Tisch gesagt und ihm Zucker und
Mandelkerne gegeben htte, so htte ich ihn schlimmer gemacht." Aber von
Martin (seines Bruders Sohn) erzhlte Luther: "Derselbe hat mich einmal
also erzrnt und gettet, da ich ganz von meines Leibes Krften
gekommen bin." Als Fabian von Bora mit Hans Luther 1542 nach Torgau kam,
lie er sich auf der Reise dahin verleiten, dem kleinen Paul Luther ein
Messer zu nehmen und dem Schulmeister Crodel vorzulgen, der Oheim habe
es ihm gegeben, whrend er vorher dergleichen nie gethan. Darber
erzrnte Luther mchtig und diktierte dem armen Snder drei Tage
hintereinander Streiche[308].

Begreiflicherweise vertuschte auch die Mutter und Hausfrau gar manches,
was bei den Kindern und dem Gesinde in dem groen Haushalt vorfiel, vor
dem heftigen Mann, so da er in hellem Zorn aufflammen konnte: "Wenn sie
sndigen und allerlei Bberei treiben, so erfahre ich's nicht; man zeigt
mir's nicht an, sondern hlt's heimlich vor mir"[309].

Es war aber freilich nicht allein die Furcht vor des Doktors Zorn,
sondern doch auch die Rcksicht auf den vielbeschftigten und viel
gergerten Mann, was die Gattin bewegen mute, ihn mit den huslichen
Widerwrtigkeiten mglichst zu verschonen. Er sollte vor allem an den
Kindern sich erfreuen. Denn diese Freude an den Kindern war Luther
freilich die grte und schnste und er war einigermaen eiferschtig
auf "Muhme Lene", welche sie ihm "vorwegnahm", da die Kinder so an ihr
hingen und so viel um sie waren[310]. Luther wollte seine Kinder nicht
so hart erzogen haben, wie es ihm ergangen war. Aber fr Bosheit und
Schalkheit und Schaden sollten sie gestraft werden und es ihnen nicht
nachgesehen werden. Das war gewi auch Frau Kthes Meinung und
jedenfalls war sie mit ihres Mannes Anschauung einverstanden: eines
Geistlichen Kinder mten ganz besonders wohlgezogen sein, auf da
andere Leute davon erbaut und ein gut Exempel nhmen; ungezogene
Pfarrkinder gben andern "ein Aergernis und Privilegium zu sndigen".
Dasselbe galt auch vom Gesinde. Denn, sagt Luther, "der Teufel hat ein
scharpf Aug auf mich, damit er meine Lehre verdchtig mache oder gar
einen Schandfleck anhnge." Daher war es ein aufregendes Ereignis, als
ein Mdchen in Luthers Hause sich bel auffhrte[311].

Nach Muhme Lene's Abscheiden nmlich (1537) nahm das Luthersche Ehepaar
eine gefhrliche Person ins Haus. Sie kam zu Luther, nannte sich Rosine
von Truchses und gab vor, eine arme Nonne aus hohem Geschlecht zu sein.
Da Luther aber scharf in sie drang, so bekannte sie, sie wre eine
Brgerstochter aus Minderstadt in Franken; ihr Vater sei im
Bauernaufruhr gekpft worden; sie irre als verwaistes Kind umher und
bitte um Gotteswillen ihr zu verzeihen und sich ihrer zu erbarmen. Der
gutherzige Mann that es. Das Jngferlein bezeugte sich gar sittsam und
artig, wute sich in Gunst zu setzen und das Vertrauen aller im Hause zu
erschleichen, besonders sich bei den Kindern wohl anzumachen. Aber es
war ein schlechtes Weibsbild, das sich in das Haus gedrngt hatte. In
Keller, Kche und Kammer kam allerlei weg; niemand wute, wer der Dieb
war. Weiter lockte sie allerlei junge Leute an sich, die sie mit ihrer
angeblich hohen Abkunft beschwindelte, und trieb Unzucht mit ihnen.
Endlich entdeckte Frau Kthe die Sache und entfernte, whrend Luther auf
einer Reise war, die Person in aller Stille aus dem Hause. Luther war
froh, da er nichts von allem gewut hatte und da sie jetzt fort sei.
Aber die Schwindlerin zog umher in allen Pfarrhusern, berhmte sich
ihrer Bekanntschaft mit dem groen Doktor und seinem Hause, log, trog
und stahl weiter. Immer von neuem tauchte sie auf, zuletzt nach mehreren
Jahren noch in Leipzig, so da Luther dorthin an den Richter Gritz,
seinen Gevatter, schreiben mute, um ihrem Unfug ein Ende zu machen.
Luther litt unendlich unter dieser Schmach, die seinem Hause
widerfahren, und meinte, die Papisten htten ihm diese Teufelsperson auf
den Hals geschickt. Aber auch Frau Kthe mute es schwer tragen und dazu
noch die Vorwrfe ihres Mannes, welcher zrnte, da man dieses Weibsbild
hatte entkommen lassen und nicht gleich in der Elbe ertrnkt habe. Er
meinte durch diese Erfahrung gewitzigt zu sein, und doch bekam er vor
seinem Ende noch eine "andere Rosine" ins Haus, die ihm den Aufenthalt
in Wittenberg verleiden half[312].

Ein anderes Vorkommnis setzte Frau Kthe 1538 hart zu. Ein Tagelhner
arbeitete oft bei ihr, ein fleiiger und braver Mensch, nchtern sanfter
wie ein Lamm, aber in der Trunkenheit ein Krakehler. An einem Sonntag
lief er in der ganzen Stadt herum und prahlte, er sei Famulus bei
Luther, und in der Aufregung schlug er jemand tot. Dann ward er
nchtern, nahm mit Thrnen Abschied von Frau Luther und wurde flchtig.
Ein Weib und drei Kinder, die er im grten Elend zurcklie, fiel
natrlich Frau Kthe zur Last[313].




11. Kapitel

Hochzeiten und Krankheiten, Pest und Tod.


Besondere Geduld und Liebe, Vorsicht und Weisheit muten die Eheleute
brauchen in der Behandlung der ihnen anvertrauten Kinder.

Die verwaiste Pflegetochter Lenchen Kaufmann, "Mhmchen Lene die
Jngere", fing in noch recht jugendlichem Alter eine Liebelei mit
Magister Veit Dietrich an, der mit seinen sechs Scholaren im Schwarzen
Kloster lebte. Nun war Luther zwar der Meinung des Sprichworts: "Frh
aufstehn und jung freien" und ist fters fr junge ehrbare Leute, die
sich einander gern hatten und zu einander paten, bei ihren Eltern um
ihre Einwilligung eingetreten und hat sie gegen Eigensinn und
Selbstsucht der Vter und Mtter in Schutz genommen und
zusammengebracht. So hatte er sich auch schon 1523 eines Mdchens aus
Torgau angenommen, welchem der kurfrstliche Barbier die Ehe
versprochen und zum Unterpfand einen Ring gegeben und mit ihr eine Mnze
geteilt hatte[314].

Aber er wute auch, da es zu frh und ungeschickt sein knnte, das
konnte er an Melanchthons Tchterlein merken, welches auch als kaum
vierzehnjhriges Kind sich in einen begabten, aber leichtsinnigen jungen
Poeten verliebt hatte und, da die Eltern unbedacht nachgaben, einen
unglcklichen Ehestand erlebte. Luther meinte, "es wre nicht ratsam,
da junge Leute so bald in der ersten Hitze und pltzlich freiten; denn
wenn sie den Frwitz gebt htten, so gereuete sie's bald hernach und
knnte keine bestndige Ehe bleiben; es kme das Hndlein Reuel, das
viele Leute beit". Bestrkt wurde Luther in dieser Anschauung durch
seine Ehefrau, welche dem Veit Dietrich berhaupt nicht ganz hold war.
Das Jngferlein Lene wollte natrlich die Stimme der Vernunft nicht
hren und zeigte sich ungebrdig, so da Luther sogar einmal meinte,
"man sollte sie mit einem guten Knttel zchtigen, da ihr das
Mannnehmen verginge"[315].

Der Herr Magister Veit zog nun aus dem Hause und warf seinen Zorn vor
allem auf Frau Kthe, der er Herrschsucht und Habsucht vorwarf (1534).

Aber als Bschen Lene zu ihren vollkommenen Jahren gekommen war (1538)
und der Rechte kam, der auch mit Vorwissen der Pflegeeltern um sie
freite, da gaben diese ihre freudige Einwilligung. Es war M. Ambrosius
Berndt aus Jterbog, ein gesetzter, "recht frommer (braver) Mann, der
Christum lieb hatte", seit einem halben Jahr, wo ihm seine junge Frau im
ersten Kindbett samt dem Knblein gestorben war, kinderloser Witwer,
Professor der Philosophie und Schffer in Wittenberg, ein Amtsgenosse
und guter Bekannter und Gevattersmann der Lutherschen Familie. Von
dieser Verlobung und Hochzeit ist uns in den Tischreden Eingehendes
berichtet[316].

Martini 1538 beging Luther seinen Geburtstag. Dazu hatte Frau Kthe, wie
gewhnlich einen festlichen Schmaus gerichtet und viele Freunde, Jonas,
Kreuziger, Melanchthon, auch die fremden Gste Camerarius und Bucer,
welche damals in Wittenberg waren, eingeladen. Auch der Freier und
Lenchen Kaufmann waren zugeben. Vor dem Essen--es war ein
Nachtmahl--lie nun der M. Ambrosius bei Luther "ffentlich werben um
des Doktors Muhme Magdalene, da er ihm dieselbige wollte zur Ehegattin
geben, wie er ihm zuvor zugesagt". Da nahm D. Martinus die Jungfrau bei
der Hand und sagte: "Lieber Herr Schffer und Gevatter! Allhie habe ich
die Jungfrau, wie mir sie Gott gegeben und bescheret hat, die
berantworte ich Ihm. Gott gebe seinen Segen und Benedeiung, da sie
wohl und christlich mit einander leben!"

Die Gste wnschten Glck; man setzte sich zur Mahlzeit und waren alle
frhlich und guter Dinge. Luther sprach vom Freien und der Freiheit
eines neuen Brutigams, vom Kriegsdienst und allen andern Lasten und
Brden.

Als die Brautleute so eifrig und heimlich mit einander sprachen und die
Gesellschaft um sich her vergaen, lchelte der Doktor und sagte: "Es
wundert mich, da doch ein Brutigam mit der Braut so viel zu reden hat.
Ob sie auch mde werden knnen? Aber man darf sie nicht vexieren, denn
sie haben Freibriefe ber alle Macht und Gewohnheit."

Die Brautleute bekmmerten sich nun um die Herrichtung der Hochzeit und
das Gstebitten. Da sprach der Doktor: "Seid unbekmmert, solches geht
euch nichts an. Wir wollen bedacht sein auf solch zufllig Ding, das
nicht zum Wesen des Ehestandes gehrt."

So schrieb denn Luther an den Frsten von Anhalt um den Wild-Festbraten:
"Ich bitte ganz demtig, wo Ew. Frstl. Gnaden so viel Uebrigs htten,
wollten mir einen Frischling oder Schweinskopf schenken; denn ich soll
bis Mittwoch mein Waislein, meiner Schwester Tochter versorgen." Der
Wildbraten blieb natrlich nicht aus und Frau Kthe bereitete ihn zu,
auch der Stadtrat schickte zum Hochzeitsmahl ein "Stbchen" Frankenwein
und vier Quart Jterbogischen Wein--also aus des Brutigams Heimat[317].

So richteten nun die Pflegeeltern ihrer Nichte Hochzeit aus und sorgten
dafr, da es frhlich zuging und auch die Verwandten aus Mansfeld und
Eisleben eingeladen wurden. Luthers Lieblingsbruder Jakob kam herber
und sogar zwei Vatersbrder. Der Schulmeister mit den Sngern wurde
bestellt, und whrend Frau Kthe buk, briet und kochte, kostete der
Doktor die Weine im Keller. Er meinte: "Man soll den Gsten einen guten
Trunk geben, da sie frhlich werden: denn wie die Schrift sagt, das
Brot strkt des Menschen Herz, der Wein aber macht ihn frhlich." Es
sollte berhaupt in christlicher Frhlichkeit bei Hochzeit zugehen, nach
dem Grundsatz: "Bei der Hochzeit soll man die Braut schmcken, soll
essen, trinken, schn tanzen und sich darber kein Gewissen machen, denn
der Glaube und die Liebe lt sich nicht austanzen noch aussitzen, so du
zchtig und mig darinnen bist." Beim Hochzeitsschmaus selbst sorgte
Luther fr frhliche Unterhaltung und allerlei Rtselaufgaben. So fragte
er den "schwarzen Englnder" (wahrscheinlich Robert Barns, der seit 1533
in Wittenberg studierte und zur Hochzeit geladen war): "Wie wollt Ihr
Wein in einen Keller legen nicht eingeschroten und nicht eingefllt?"
Der Englnder wute es nicht; Luther aber sagte: "Man bringt Most
hinein, so wird schon Wein daraus; das ist eine natrliche Magie und
Kunststck." Weiter fragte er, welches die breiteten Wasser zu Lande
wren? Antwort: "Der Schnee, Regen und Tau"[318].

Dem neuen Ehepaare legte aber Luther einen seinen Spruch der Alten ans
Herz; der Braut: "Liebe Tochter, halte Dich also gegen Deinen Mann, da
er frhlich wird, wie er auf dem Heimwege die Spitze des Hauses sieht."
Und dem Brutigam: "Es soll der Mann leben mit seinem Weibe, da sie ihn
nicht gerne siehet wegziehen und frhlich wird, so er heimkommt"[319].

Diesen frhlichen Tagen sind schwere Jahre vorausgegangen und gefolgt.

Schon 1535 war die Pest wieder in Wittenberg eingekehrt. Obwohl der
Kurfrst Luther dringend mahnte, der Gefahr aus dem Wege zu gehen,
meinte er doch, es sei nichts Rechtes an der Sache, er glaubte nicht
daran und spottete darber in seinem Brief an den Kurfrsten: sein
"gewisser Wetterhahn", der Landvoigt Hans Metzsch, htte sonst mit
seiner Sprnase schon die Pestilenz gesprt. Luther meinte, die
Studenten hrten das Pestgeschrei gern, sie kriegten die Beule auf dem
Schulsack, die Kolik in den Bchern, den Grind an den Federn, die Gicht
am Papier; vielen sei die Tinte schimmlich geworden, oder sie htten die
Mutterbriefe gefressen und das Heimweh bekommen: da mten die Eltern
und die Obrigkeit eine starke Arznei wider solch Landsterben
verschreiben. Der Teufel scheine Fastnacht mit solchem Schrecken zu
halten oder Kirmes in der Hlle zu feiern mit solchen Larven. Die Sache
ging auch bald vorber[320].

Ernster wurde es aber 1537. Zu Lichtme dieses Jahres mute Luther auf
den Schmalkaldener Konvent. Er fuhr in eigenem Wagen mit Kthes Pferden.
Kthe sah ihren Gatten nicht ohne Sorgen abreisen; denn er war nicht
ganz wohl, das Wetter unwirtlich, die Wege schlecht, fremde Betten und
Mahlzeiten und das ungewohnte Leben waren ihm nicht zutrglich, wie sie
schon von frheren Reisen wute. Er fhlte sich nirgends so wohl wie
daheim, mit seinem gewohnten Essen und Trinken und Arbeiten. Luther
erkltete sich denn auch zu Schmalkalden in seiner unbequemen Herberge
in den feuchten "hessischen Betten" und verdarb sich an dem schweren,
festen Hofbrot den Magen. Sein Steinleiden stellte sich mit einer
unerhrten Heftigkeit ein; ber vierzehn Tage lang dauerte es und
verursachte die rasendsten Schmerzen, so da er sich den Tod wnschte
und seine Umgebung seinen Tod voraussah. Die Frstlichen Leibrzte
wuten ihm nicht zu helfen und sie marterten ihn mit Rokuren. Daher
wollte Luther lieber daheim sterben und sich von seinem Weibe zu tot
oder gesund pflegen lassen und lie sich am 26. Februar aus Schmalkalden
in kurfrstlichem Gefhrt wegfahren gen Wittenberg[321].

Hier hatte Jonas zu Anfang mehrere Briefe von Luther aus Schmalkalden
empfangen. Im ersten meldete er, da er gleich nach seiner Ankunft einen
Stein berstanden habe, sonst schrieb er aber vergngt, und fnf Tage
darauf, da der Valentinstag ihn valentulum d.h. zum Rekonvaleszenten
gemacht habe. Vier Briefe aber an Kthe waren nicht an sie gelangt:
wahrscheinlich waren sie von den ngstlichen Freunden vorsorglicherweise
zurckgehalten worden. Aber sie hatte doch Gerchte gehrt und nicht
geruht, bis wenigstens Jonas mit der Nichte Luthers dem kranken Mann
entgegenreiste. Frau Kthe erhielt erst spter, als es wieder besser
ging, folgenden Brief ihres Mannes aus Gotha[646]:

"Gnade und Friede in Christo!

Du magst dieweil andere Pferde mieten zu Deiner Notdurft, liebe Kthe;
denn mein gndiger Herr wird Deine Pferde behalten und mit dem Mag.
Philipp heimschicken. Denn ich selber gestern von Schmalkalden
aufgebrochen auf meines gndigen Herrn eigenem Wagen daher fuhr. Ist die
Ursach, ich bin nicht ber drei Tag hier gesund, und ist bis auf diese
Nacht vom ersten Sonntag an kein Trpflein Wasser von mir gelassen, hab'
nie geruhet noch geschlafen, kein Trinken noch Essen behalten mgen.
Summa, ich bin tot gewesen, und hab' Dich mit den Kindlein Gott befohlen
und meinem guten Herrn, als wrde ich euch nimmermehr sehen; hat mich
euer sehr erbarmet, aber ich hatte mich dem Grabe beschieden. Nun hat
man so hart gebeten fr mich zu Gott, da vieler Leute Thrnen vermocht
haben, da mir Gott diese Nacht geholfen hat und mich dnkt, ich sei
wieder von neuem geboren.

Darum danke Gott, und la die lieben Kindlein mit Muhme Lenen dem
rechten Vater danken; denn ihr httet diesen Vater gewilich verloren.
Der fromme Frst hat lassen laufen, reiten, holen und mit altem Vermgen
sein Hchstes versucht, ob mir mcht' geholfen werden; aber es hat nicht
wollen sein. Deine Kunst hilft nicht mit dem Mist[322]. Gott hat Wunder
an mir gethan diese Nacht und thut's noch durch frommer Leute Frbitte.

Solches schreib' ich Dir darum, denn ich halte, da mein gndigster Herr
habe befohlen dem Landvogt, Dich mir entgegen zu schicken, da ich ja
unterwegen strbe, da Du zuvor mit mir reden oder mich sehen mchtest;
welches nun nicht not ist und magst wohl daheim bleiben, weil mir Gott
so reichlich geholfen hat, da ich mich versehe, frhlich zu Dir zu
kommen. Heute liegen wir zu Gotha. Ich habe sonst viermal geschrieben,
wundert mich, da nichts zu euch kommen ist.

Dienstags nach Reminiscere. 1537.

Martinus Luther."

Wie mag das arme Weib erschrocken sein ber diese unglckliche Kunde!
und wie htte sie erst gebangt, wenn sie gewut htte, da am folgenden
Tag der tdliche Anfall sich wiederholte, bis wieder sechs Steine von
ihm gingen. Kthe fuhr nun ihrem Manne entgegen nach Altenburg, wo
Freund Spalatin als Pfarrer lebte. Bei diesem bereitete sie nun eine
Herberge, bis Jonas und die Muhme Lenchen mit dem Kranken von Weimar her
ankamen. Im gastlichen Altenburger Pfarrhaus pflegte Kthe den
Erschpften einige Tage und fuhr dann mit ihm Mitte Mrz langsam an
Kloster Nimbschen vorbei, mit einem Aufenthalt in Grimma nach Wittenberg
heim, wo sie am 14. Mrz ankamen[323].

Langsam nur erholte sich Luther; an allen Knochen wie zerschlagen,
konnte er sich kaum auf den Beinen halten, so erschpft war er. Er
lernte wieder essen und trinken: die Ruhe und Kthes sorgliche Pflege
brachte ihn allmhlich wieder zu Krften. Acht Tage darauf konnte er
wieder die feiernde Feder ergreifen und seinen Dankesbrief an Spalatin
schreiben. Frau Kthe, die in der Bestrzung den Tchtern Spalatins
nichts mitgebracht hatte, wollte ein paar Bcher binden lassen und zum
Andenken schicken. Ueber die Osterzeit hat Luther dann wieder fleiig
gepredigt. Aber als er spter wieder in die Hessenstadt zum Konvent
gehen sollte, hielt Kthe ihren Gatten zurck und er selbst warnte die
Freunde vor "den hessischen Betten"[324].

In diesem Jahre ging auch Muhme Lene heim und mit ihr ein guter
Hausgeist, eine Sttze der Hausfrau, eine geliebte Freundin und Hterin
der Kinder. Der Ersatz, den Frau Kthe fr sie suchte und erhielt in
"Muhme Lene" der jngeren, ihrer leichtherzigen Nichte, und gar in
fremden Sttzen der Hausfrau, war ein sehr zweifelhafter[325].

In diesem Jahre 1537 hatte Frau Kthe noch einen schweren Fall von
Krankenpflege in ihrem Hause: nmlich die Kurfrstin Elisabeth von
Brandenburg.

Die arme Frau war schon 1534 krnklich, bald besser, bald schwerer.
Damals war sie in Wittenberg. Luther mute aber auch fter zu ihr nach
Schlo Lichtenberg reisen. Im Todesjahre ihres Gemahls, 1537, aber, als
sich ihr Zustand zu einer Geistesstrung ausgebildet hatte, war sie zur
Verpflegung in Luthers Haus, wohl auf des Kurfrsten von Sachsen
Veranlassung. Nach langem Fiebertraum erwachte sie im September, war
aber so blde und kindisch, da sie wenig verstand. Frau Kthe sa bei
ihr auf dem Bette und schweigete sie[326]. Darauf wollte ihre Tochter,
Frstin Margarete von Anhalt, mit Gefolge zum Besuch der kranken Mutter
kommen, natrlich womglich auch in Luthers Behausung. Aber diese konnte
man nicht auch noch aufnehmen; war doch das groe Haus genug belegt;
auch in der Stadt, die als Festung so eng gebaut war und jetzt so
besucht von Studenten, war jedes Haus bis in den kleinsten Winkel
vollgepropft. So mute man den Besuch ablehnen, aber versichern, da
alles angewendet werde, um die Genesung der Kurfrstin zu
beschleunigen[327]. Die andere Tochter der Kurfrstin, Herzogin
Elisabeth von Braunschweig-Calenberg, welche einst ihre Mutter wegen des
evangelischen Abendmahls an den Vater und eine ungnstige Aeuerung
Luthers ber Herzog Georg an diesen verraten hatte, kam fter zum Besuch
ihrer kranken Mutter in Luthers Haus; und dieser Umgang brachte sie
dazu, da sie selbst evangelisch wurde und nach dem Tode ihres Gemahls
als Regentin des Landes in Braunschweig die Reformation einfhrte. Sie
wurde sehr befreundet mit Luther und Kthe, schickte ihr einmal eine
Sendung Kse und bekam dafr Maulbeer- und Feigen-Setzlinge[328].

Aber der Zustand der armen "Markgrfin" war ein trauriger und noch
monatelang mute sie Kthe pflegen. Dabei trugen sich allerlei
rgerliche Zwischenflle zu, namentlich durch die Zudringlichkeit
unberufener Leute: so drngte sich eine schmutzige Bhmin ins Haus, ins
Gemach und an die Seite der Frstin, suchte fr sich Gunst und andern
Ungunst zu erregen. Eine Zeitlang ging es noch gut; als die Kranke aber
Geld ausgezahlt bekam, da fing es wieder an, sie verschwendete malos an
jedermann ohne Unterschied; auch den Lutherischen Eheleuten wollte sie
zwei Strzbecher mit 100 Goldgulden darin schenken. Dazu machte sie
immer Reiseplne und schrieb heimlich berallhin und wollte durchaus
fort aus Wittenberg[329].

Luther und Kthe wren die unruhige Patientin, ber die sie nicht
vllige Gewalt hatten, mit der vielen Unmue gerne losgewesen, muten
aber warten, bis der Hofhalt in Lichtenberg wieder eingerichtet
war[330].

Die greise Kurfrstin wurde nachher wieder gesund und berlebte noch
Luther.

Nachdem das Jahr 1538 ebenfalls ein "fhrlich schwer Jahr" gewesen wegen
der mancherlei Krankheiten, spukte im Sptherbst 1539 die Pest wieder im
Lande. Die Leute hatten eine furchtbare Angst, der Bruder lie den
Bruder, der Sohn die Eltern im Stich; wenn ein Haus angesteckt war,
wurde es niedergerissen. Kein Bauer wollte Holz, Eier, Butter, Kse,
Korn in die verseuchte Stadt fahren. Da muten die Wittenberger zwei
Plagen fr eine leiden: Pestilenz und Hunger und Frost. Die Bauern luden
endlich ihre Sachen drauen vor den Thoren ab und die Stdter muten sie
auflesen[331].

Luther freilich nahm wie gewohnt "das Pestlein" leicht und hielt es nur
fr eine Seuche. Er zrnte und spottete ber die Pestfurcht: "Ich halt,
der Teufel hat die Leut besessen mit der _rechten_ Pestilenz, da sie so
schndlich erschrecken." Ja, er trotzte der Krankheit, um Tod und Teufel
zu verachten. Als er einmal einen Pestkranken besuchte, betastete er
ohne Scheu dessen Beulen. Und er war so sorglos, da er, als er heimkam,
sogar mit ungewaschenen Hnden sein Tchterlein Margarete unbedacht um
den Mund streichelte--es schadete freilich nichts. Ja, als die Gattin
des Kosmographen Dr. Sebald Mnster an der Seuche starb und dieser
selbst an sieben Beulen litt, nahm Luther zum Entsetzen der Wittenberger
die vier Kinder Sebalds aus dem verpesteten Hause zu sich. Guter Gott!
was entstand in der ganzen Stadt fr ein Geschrei gegen Luther! Er
wollte den Erbarmungslosen und Furchtsamen ein Exempel geben[332].

Diejenige, welche am wenigsten wider diese starkmtige Tapferkeit
Luthers einzuwenden hatte, war seine Gattin; und sie hatte doch die
grte Mhe und Sorge mit den bernommenen Kindern und war dazu wie vor
zehn Jahren ihrer Entbindung nahe. Und sie mute es ben. Sie kam
unglcklich nieder und schwebte lange Zeit zwischen Leben und Tod. Sie
fiel von einer Ohnmacht in die andre. Vergebens wurden alle strkenden
Mittel angewendet, die Entkrftung zu heben. Sie lag da wie eine atmende
Leiche, das Gesicht entstellt, die Gestalt verfallen. Wohl wurde sie von
besorgten Hnden aufs treulichste gepflegt und jeder Atemzug, jede
Bewegung beobachtet[333].

Luther wich nicht von der geliebten Frau und sagte darum seine Anwohnung
auf dem Schmalkalder Konvent ab. Er betete Kthe wieder lebendig, wie
einst zu Weimar seinen Freund Melanchthon. Denn wunderbarerweise siegte
Kthes starke Natur. Sie erholte sich, fing mit Appetit an zu essen und
zu trinken, stand wieder auf und kroch umher, indem sie sich mit den
Hnden an Tischen und Bnken hielt. Und bald that sie sich etwas zu gut
auf ihre wachsende Gesundheit und im April ist sie vllig wieder
hergestellt[334].

Die Freunde sahen in der wie durch ein Wunder genesenden Gattin des
Reformators das Weib der Offenbarung (Kap. 12): ein Sinnbild der durch
ein Gotteswunder genesenden kranken Kirche[335].

Im Sommer 1540 reiste Luther mit Melanchthon nach Eisenach, um dem
Reichstag in Hagenau nher zu sein, hnlich wie vor zehn Jahren in
Koburg dem Augsburger Tag. Melanchthon sollte nach Hagenau ziehen, aber
er wurde unterwegs in Weimar sterbenskrank; doch Luther hat ihn unsrem
Herrgott abgebetet. In Eisenach wohnte Luther im Pfarrhaus des Menius,
welcher mit nach Hagenau reiste. Sein "Fraulein" pflegte den
Wittenberger Doktor aufs sorgsamste und liebenswrdigste, so da Frau
Kthe unbesorgt sein konnte. Und der Kinderfreund Luther entschdigte
sich fr die Entfernung von seinen Kleinen dadurch, da er den
Pfarrbuben Timotheus ein Spiel mit Nssen lehrte. Von hier aus schrieb
Luther fleiig Briefe nach Haus, erhielt freilich von der
vielbeschftigten Frau Kthe nicht so leicht einen. Dafr muten die
Kinder und Hausgenossen schreiben, zu denen damals auch ein "Mariischen"
gehrte[336].

Die drei ersten Briefe sind verloren gegangen, der vierte aber
lautet[337]:

"Meiner herzlieben Kthe, Doktorin Kathrin und Frauen auf dem neuen
Saumarkt zu handen.

Gnade und Friede, liebe Jungfrau Kthe, gndige Frau von Zulsdorf und
wie Ew. Gnaden mehr heit! Ich fge Euch und Ew. Gnaden unterthniglich
zu wissen, da mir's hie wohl gehet: "ich fresse wie ein Bhme und saufe
wie ein Deutscher"[338]--das sei Gott gedankt, Amen. Das kommt daher:
Magister Philipps ist wahrlich tot gewesen und recht wie Lazarus vom Tod
auferstanden. Gott der liebe Vater hret unser Gebet, das sehen und
greifen wir, ohne da wir's dennoch nicht glauben: da sage niemand Amen
zu unserm schndlichen Unglauben.

Ich hab' dem Doktor Pommer Pfarrherr geschrieben, wie der Graf zu
Schwarzburg (um) einen Pfarrherrn gen Greuen bittet, da magst Du als
eine kluge Frau und Doktorin mit Magister Georg Rhrer und Magister
Ambrosio Berndt helfen raten, welcher unter den dreien sich wollte
bereden lassen, die ich dem Pommer angezeigt: es ist nicht eine
schlechte Pfarre; doch seid ihr klug und macht's besser.

Ich habe der Kinder Briefe, auch des Bacculaurien (Hans)--der kein Kind
ist, Mariische auch nicht--kriegt, aber von Ew. Gnaden hab' ich nichts
kriegt; werdet jetzt auf die vierte Schrift, ob Gott will, einmal
antworten mit Ew. gndigen Hand.

Ich schicke hie mit dem Magister Paul den silbernen Apfel, den mir Ihre
gndige Hand geschenkt hat, den magst Du, wie ich zuvor geredet habe,
unter die Kinder teilen und fragen, wie viel sie Kirschen und Aepfel
dafr nehmen wollen; die bezahle ihnen bar ber und behalt' Du den Stiel
davon.

Sage untern lieben Kostgngern, sonderlich Doktor Severo oder Schiefer,
mein freundlich Herz und guten Willen, und da sie helfen zusehen in
allen Sachen der Kirchen, Schulen, Haus und wo es not sein will. Auch M.
Georg Major und M. Ambrosio, da sie Dir zu Hause trstlich seien.
Will's Gott, so wollen wir bis Sonntag auf sein, von Weimar gen Eisenach
zu ziehen, und Philipps mit. Hiemit Gott befohlen. Sage Lycaoni nostro
(dem Diener Wolfgang), da er die Maulbeer nicht versume, er verschlafe
sie denn, das wird er nicht thun--er versehe es denn--und den Wein soll
er auch zur Zeit abziehen. Seid frhlich alle und betet. Amen.

Weimar, am Tage der Heimsuchung Mari (2. Juli) 1540.

Martinus Luther,

Dein Herzliebchen."

Mit dem folgenden Brief an "Frau Katherin Luderin zu Wittenberg, meiner
lieben Hausfrau" schickt Luther seiner "lieben Jungfer Kthe" durch den
Fuhrmann Wolf 42 Thaler Sold und 40 fl. Die "magst Du brauchen, bis wir
kommen, und wechseln lassen bei Haus von Taubenheim zu Torgau; denn wir
zu Hofe nicht einen Pfennig Kleinmnze mgen haben. Magister Philipps
kommt wieder zum Leben aus dem Grabe, siehet noch krnklich, aber doch
leberlich aus, scherzt und lacht wieder mit uns, isset und trinket wie
zuvor mit ber Tische. Gott sei Lob! Und danket ihr auch dem lieben
Vater im Himmel.... Was aber (zu Hagenau) geschieht, wissen wir nicht,
nur das: man achtet, sie werden uns heien: Thu das und das, oder wir
wollen euch fressen. Denn sie haben's bse im Sinn. Sage auch Doct.
Schiefer, da ich nichts mehr von Ferdinando halte; er gehet da hin zu
grunde. Doch hab ich Sorge, wie ich oft geweissagt, der Papst mchte den
Trken ber uns fhren.... Denn der Papst singet schon bereits: flectere
si nequeo Superos, Acheronta movebo: kann er den Kaiser nicht ber uns
treiben, so wird er's mit dem Trken versuchen; er will Christus nicht
nachgeben. So schlage denn Christus drein beides in Trken, Papst und
Teufel und beweise, da er der rechte Herr sei vom Vater zur Rechten
gesetzt. Amen!--Amsdorf ist auch noch hier bei uns. Hiemit Gott
befohlen. Amen.

Sonnabends nach Kiliani (10. Juli).

Mart. Luther."[339]

Sechs Tage darauf kam wieder ein Brief[340].

"Gnade und Friede. Meine liebe Jungfer und Frau Kthe! Euer Gnaden
sollen wissen, da wir hier, Gottlob, frisch und gesund sind; "fressen,
wie die Bhmen"--doch nicht sehr--"saufen wie die Deutschen"--doch nicht
viel--, sind aber frhlich. Denn unser gndiger Herr von Magdeburg,
Bischof Amsdorf, ist unser Tischgenosse. Mehr neue Zeitung wissen wir
nicht, denn da Doktor Kaspar Mekum und Menius sind von Hagenau gen
Straburg spazieren gezogen, Hans von Jenen zu Dienst und Ehren. M.
Philipps ist wiederum fein worden, Gottlob. Sage meinem lieben D.
Schiefer, da sein Knig Ferdinand ein Geschrei will kriegen, als wolle
er den Trken zu Gevatter bitten ber die evangelischen Frsten: hoffe
nicht, da es wahr sei, sonst wre es zu grob. Schreibe mir auch einmal,
ob Du alles kriegt hast, was ich Dir gesandt, als neulich 90 Fl. bei
Wolf Fuhrmann u.s.w. Hiermit Gott befohlen, Amen. Und la die Kinder
beten. Es ist allhier solche Hitze und Drre, da unsglich und
unertrglich ist bei Tag und Nacht. Komm, lieber jngster Tag, Amen.

Freitags nach Margareten, 1540. Der Bischof von Magdeburg lt Dich
freundlich gren.

Dein Liebchen

Martin Luther."

Und endlich als es wieder auf die Heimreise ging, kndigt Luther Kthe
die Rckkehr an und bestellt einen Willkommtrunk.

"Der reichen Frauen zu Zulsdorf, Frauen Doktorin Katherin Lutherin, zu
Wittenberg leiblich wohnhaftig und zu Zulsdorf geistlich wandelnd,
meinem Liebchen zu handen.--Abwesend dem Doktor Pomeran, Pfarrherr, zu
brechen und zu lesen.

... (Ew. Gnaden) ... wollen schaffen, da wir einen guten Trunk bei Euch
finden. Denn, ob Gott will, morgen Dienstag wollen wir auf sein gegen
Wittenberg zu. Es ist mit dem Reichstage zu Hagenow ein Dreck, ist Mhe
und Arbeit verloren und Unkost vergeblich. Doch, wo wir nichts mehr aus
gerichtet, so haben wir doch Magister Philippus wieder aus der Hlle
geholet und wieder aus dem Grabe frhlich heimbringen wollen, ob Gott
will und mit seiner Gnaden, Amen.

Es ist der Teufel hierauen selber mit neuen bsen Teufeln besessen,
brennt und thut Schaden, das schrecklich ist. Meinem gndigsten Herrn
ist im Thringer Wald mehr denn tausend Acker Holz abgebrannt und
brennet noch. Dazu kommt heute Zeitung, da der Wald bei Werda auch
angegangen sei und viel Orten mehr; hilft kein Lschen. Das will teuer
Holz machen. Betet und lasset beten wider den leidigen Satan, der uns
sucht nicht allein an Seele und Leib, sondern auch an Gut und Ehre aufs
allerheftigste. Christus, unser Herr, wolle vom Himmel kommen und auch
ein Feuerlein dem Teufel und seinen Gesellen aufblasen, da er nicht
lschen knnte, Amen.

Ich bin nicht gewi gewesen, ob Dich diese Briefe zu Wittenberg oder zu
Zulsdorf wrden finden; sonst wollt' ich geschrieben haben von mehr
Dingen. Hiemit Gott befohlen, Amen. Gre unsere Kinder, Kostgnger und
alle. Montags nach Jacobi (26. Juli) 1540.

Dein Liebchen

M. Luther, D.[341]

Um diese Zeit begann eine neue Sorge fr Kthe. Ihrem Bruder Hans wollte
es auf Zulsdorf gar nicht glcken. Daher kaufte sie ihm Zulsdorf ab.
Aber sie mute auch ihres Mannes vielfache Beziehungen zu frstlichen
Hfen angehen, um ihm wieder einen Hofdienst zu verschaffen, sei's in
Preuen, sei's in Sachsen. Luther konnte das mit gutem Gewissen, denn
Hans von Bora war keiner von den gromuligen "Scharhansen", wie sie in
dieser Zeit massenhaft aufgekommen waren. Aber vielleicht eben wegen
seiner Frommheit hatte er Unglck. Ein Gegner Luthers verdrngte ihn von
seinem Vorsteheramte am Neuen Kloster in Leipzig, bis er endlich einen
Teil des Klostergutes in Crimmitschau berkam[342].

Im Herbst dieses Jahres (1540) suchte die Stadt Wittenberg ein Fieber
heim, das zwar selten einen tdlichen Ausgang nahm, aber so ziemlich
alle Bewohner ergriff. Bugenhagen war so krank, da Luther fr ihn sein
Pfarramt versehen mute. Im eignen Hause waren zehn Todkranke und dazu
fhlte sich der Hausherr selber "alt und schwach". Da konnte wieder
Kthe ihre Sorge und Pflege anwenden[343].

Zu Ostern des folgenden Jahres (1541) wurde die Umgebung Wellenbergs
erschreckt durch Brandstiftungen und allerlei Vergiftungserscheinungen,
indem die Lebensmittel: Wein und Milch mit Gift und Gips gemischt
wurden. Es wurden allerlei Leute verhaftet und gefoltert, auch in
Wittenberg zwei Leute gerstet--ohne die Ursachen und die Urheber zu
entdecken. Luther fhlte sich in diesem Jahr gar nicht wohl, so da der
Kurfrst ihm sogar einmal zwei Aerzte schickte und er am Dreiknigstag
des folgenden Jahres (1542) sein Testament machte[344].

Noch eine Freude erlebten die Eheleute zu dieser Zeit: die Enkelin von
Luthers Schwerer, _Hanna Strau_, die in der Familie erzogen war, wurde
mit M. Heinrich von Klleda im Dezember 1541 verlobt, nachdem die
Pflegeeltern die Verlobung des Dr. Jakob Schenck (spter als Luthers
Gegner "der Jckel") abgewiesen hatten. Zu dem Verlbnis kam gerade von
den Anhalter Frstenbrdern ein Wildschwein, als Luther eben gebeten
hatte, wenn es mglich und thunlich wre, ihn zur Hochzeit "etwa mit
einem Wildbret zu begaben, denn ich einer Hausjungfrauen, meiner
Freundin (Verwandten) soll zu Ehren helfen in den hl. Stand der Ehe". Am
30. Januar 1542 wurde Hochzeit gemacht, die letzte in Luthers Haus.
Amsdorf u.a. schickten Hochzeitsgeschenke, und weiteres Wildbret von
Anhalt wird nicht gefehlt haben[345].

Aber zu gleicher Zeit (1541) starb auch nach nur vierjhriger Ehe D.
Ambros. Berndt, der Gatte der Magdalene Kaufmann, der Muhme Lene der
Jngeren. Die junge Witwe machte sich nun zum groen Verdrusse der
Lutherischen Verwandten an einen sehr jugendlichen Mediziner, Ernst
Reichet (Reuchlin), der noch studieren mute und heiratete ihn auch nach
Luthers Tod, so da sie eine zeitlang in rechte Bedrngnis geriet, bis
ihr Mann eine ehrenvolle Stellung erwarb[346].

Auch Lenes Bruder, Cyriak, bereitete Luther groen Aerger, indem er nach
dem Beispiel von Melanchthons und Dr. Beiers Sohn ein heimliches
Verlbnis einging, was die Wittenberger Juristen als giltig
anerkannten[347].

Am 26. August 1542 war der lteste Sohn, Hans Luther, jetzt 16jhrig und
bereits seit drei Jahren Baccalaureus, nach Torgau geschickt worden zu
Markus Crodel, der dort eine treffliche, von Luther hochgeschtzte
Knabenschule hielt, damit er in Sprachlehre und Musik ausgebildet werde,
auch Sitte und Anstand lerne, wozu in der studentenwimmelnden Kleinstadt
und in Luthers berflltem Hause nicht der rechte Ort war; Luther war
sich auch bewut, Theologen bilden zu knnen, aber keine Grammatiker und
Musiker. Daher wollte er Crodel, wenn er am Leben bliebe, noch spter
die zwei jngeren Shne schicken. Der Gesellschaft und Aneiferung wegen
wurde auch Kthes Brudersohn, Florian von Bora, mitgeschickt. Hans war
ein guter Junge, whrend Florian schon einer hrteren Zucht bedurfte.
Der Mutter that der Abschied weh, noch mehr aber der ltesten Schwester,
Lenchen, die mit besondrer Zrtlichkeit an ihm hing. Aber Hans gefiel es
gut im Pensionat des Przeptors, er hatte ihn und seine Frau zu rhmen;
er meinte sogar, es erginge ihm hier besser als daheim[646].

Kaum aber war der Bruder abgereist, so wurde Lenchen sterbenskrank.

Es war ein gar liebes frommes Mdchen, das seine Eltern ihr Lebtag nie
erzrnt hatte. Auf ihrem Sterbebette verlangte sie herzlich und
schmerzlich, ihren Bruder Hans nochmals zusehen; sie meinte, sie wrde
dann wieder gesund werden. Kthe mute ihren Wagen anspannen lassen und
der Kutscher Wolf fuhr mit dem Luther'schen Gefhrt nach Torgau. Er
brachte einen Brief vom Vater an den Przeptor, der lautete:

"Gnade und Friede, mein lieber Markus Krodel. Ich bitt' Euch, sagt
meinem Sohn Hans nicht, was ich Euch schreibe. Mein Tchterlein
Magdalena ist dem Ende nahe und wird bald heimkehren zu ihrem wahren
Vater im Himmel, wenn' s Gott nicht anders gefllig ist. Aber sie sehnt
sich so sehr darnach, den Bruder zu sehen, da ich den Wagen schicken
mute: sie lieben eins das andere gar so sehr--vielleicht, da sein
Kommen ihr neue Kraft geben knnte. Ich thue, was ich kann, damit mich
nicht spter mein Gewissen beschwert. So sagt ihm also--doch ohne die
Ursach'--da er mit diesem Wagen eilends herkomme, um bald wieder
zurckzukehren, wenn Lenchen im Herrn entschlafen oder wieder gesund
worden sein wird. Gott befohlen. Ihr mt ihm sagen, es warte seiner ein
heimlicher Auftrag. Sonst steht alles wohl. 6. September 1542."[348]

Hans kam zurck und auch rechtzeitig daheim an. Denn das arme Mdchen
mute noch vierzehn Tage leiden und mit dem Tode ringen: offenbar hatte
dies Wiedersehen des Bruders ihre Lebensgeister nochmals aufflammen
lassen. Es waren gar traurige Wochen in dem Lutherhaus. Das fromme
Mgdlein zwar wollte gerne sterben: beim irdischen Vater bleiben oder
zum himmlischen heimkehren. "Ja, herzer Vater", sagte es, "wie Gott
will!" Aber den Eltern kam der Abschied ihres Lieblings sehr hart an,
namentlich Luther, der hatte sie sehr lieb, denn die Vter hngen mehr
an den Tchtern, whrend Frau Kthe zu ihrem Hans grere Zuneigung
fhlte.

In der Nacht vor Lenchens Tode hatte die Mutter einen wundersamen Traum:
Es deuchte sie, zwei geschmckte, schne junge Gesellen kmen und
wollten ihr Lenchen zur Hochzeit fhren. Am Morgen kam Melanchthon
herber ins Kloster und fragte, was Lenchen machte. Da erzhlte Frau
Kthe ihren Traum. Magister Philipp, der bei andern im Geruch der
Wahrsagung und Traumdeuterei stand und sich selbst viel darauf zu gut
that, machte ein erschrockenes Gesicht. Und als er zu anderen Leuten
kam, deutete er den Traum: "Die jungen Gesellen sind die lieben Engel,
die werden kommen und diese Jungfrau in das Himmelreich zur rechten
Hochzeit heimfhren." Melanchthon hatte diesmal recht prophezeit.

Am 26. September um die neunte Stunde ging es zu Ende. Der Vater hielt
das Kind in seinen Armen, die Mutter stand dabei. Der Doktor weinte,
betete und trstete abwechselnd das Kind, sich selbst und die
Umstehenden: Frau Kthe, Melanchthon und D. Rhrer. Die Mutter war tief
ergriffen; als es zu Ende war, weinte sie ihren Jammer laut hinaus, so
da Luther sie beruhigen mute: "Liebe Kthe, bedenke doch, wo sie
hinkommt: sie kommt wohl."

Die traurigen Ereignisse gingen ihren Gang. Der Sarg kam; aber als das
Mgdlein hineingelegt werden sollte, hatte es der Tod gestreckt und ihr
Bettlein war ihr zu klein geworden. Die Leute kamen und bezeugten den
Eltern nach dem gemeinen Brauch ihr Beileid: "es wre ihnen ihre
Betrbnis leid". Der Schlerchor sang das Lied: "Herr, gedenk nicht
unsrer vorigen alten Missethat." Sie ward hinausgetragen auf den
Friedhof am Elsterthor, und eingescharrt. "Es ist die Auferstehung des
Fleisches", sagte Luther, der jedes Wort und jeden Akt mit einem
sinnigen Trostspruch begleitete. Dann ging der traurige Zug heim und der
Doktor sagte zu Kthe: "Nun ist unsere Tochter beschickt, an Leib und
Seel versorgt, wie es Eltern sollen thun, sonderlich mit den armen
Mgdlein." Darauf dichtete der Doktor seinem Tchterlein eine
lateinische Grabschrift, die lautet in treuherzigem Deutsch:

  Hie schlaf ich Lenchen, D. Luthers Tchterlein,
  Ruh mit allen Heiligen in mei'm Bettelein[349].

Aber noch monatelang sprach und schrieb Luther von seiner Trauer, zrnte
wider den Tod und milderte seinen Schmerz mit Thrnen um die geliebte
Tochter; und Kthe hatte die Augen voll Thrnen und schluchzte laut auf
beim Gedanken an das "gute gehorsame Tchterlein"[350].

Begreiflich, da Frau Kthe den erstgebornen Sohn mit schwerem Herzen
wieder in die Ferne entlie. "Wenn dir's bel gehen sollte, so komm nur
heim", hatte die Mutter in einer Anwandlung von Weh und Schwche zu Hans
gesagt. Es ging nun zwar Hans nicht schlecht in Crodels Hause, aber das
Heimweh nach Lenchen und die Sehnsucht nach dem Vaterhause wurde
bermchtig in ihm--es war ja gerade um die Weihnachtszeit. Er schrieb
einen klglichen Brief und berief sich auf die Rede der Mutter, er solle
heimkehren, wenn's ihm bel ginge. Da schrieb Luther am 2. Christtag an
den Przeptor und den Sohn zwei Episteln, in denen er Hans zur
mnnlichen Ueberwindung der weibischen Schwche ermahnt. Der Brief an
den Sohn lautet:

"Gnade und Friede im Herrn.

Mein lieber Sohn Hans. Ich und Deine Mutter und das ganze Haus sind
gesund. Gieb Dir Mhe, da Du Deine Thrnen mnnlich besiegst und Deiner
Mutter Schmerz und Sorge nicht noch mehrst, die so geneigt ist zu Sorge
und Angst. Gehorche Gott, der Dir durch uns befohlen hat dort zu
arbeiten, so wirst Du leicht dieser Schwche vergessen. Die Mutter kann
nicht schreiben und hat es auch nicht ntig geachtet; aber sie sagt,
alles was sie Dir gesagt habe--nmlich Du solltest heimkehren, wenn es
Dir bel ginge--habe sie von Krankheit gemeint; davon solltest Du, wenn
es geschehe, gleich Kunde geben. Sonst will sie, da Du diese Trauer
lassest und frhlich und ruhig studierest. Hiemit gehab Dich wohl im
Herrn.

Dein Vater Martin Luther."[351]

Der letzte Schmerz und Verlust, den Frau Kthe in diesem
schicksalsschweren Jahre noch erlebte, war der Tod ihrer besten
Freundin, der Frau Stiftspropst Katharina Jonas. Sie starb am
Weihnachtstage 1542, eine frohe freundliche Kinderseele; so ging sie
auch am Christfest hinein in den himmlischen Freudensaal zur ewigen
Weihnacht.

Frau Kthe aber war's, als sei ihr ein Stck von ihrer Seele
gestorben[352].




12. Kapitel

Tischgenossen und Tischreden.


"Unsere Herrin Kthe, die _Erzkchin_", so nennt Luther seine Gattin in
einem scherzhaften Einladungsbrief an Freund Jonas[353].

Und das war sie; sie kochte gern und gut und braute auch die
entsprechenden Getrnke dazu. Gelegenheit zu den manchfaltigsten
Gastereien hatte aber kein Weib so sehr als Frau Kthe.

Da gab es vor altem gar mancherlei Hochzeiten von Verwandten und
Freunden, deren Ausrichtung dem Herrn Doktor eine Herzensfreude war, bei
denen aber sein "Herr Kthe" eine ganz besonders hervorragende und liebe
Rolle spielte.

Und was so eine Hochzeit in Wittenberg auf sich hatte, kann man sich
kaum recht vorstellen. Da mute der "Haufe" geladen werden; bei einer
"akademischen" Hochzeit "die Universitt mit Kind und Kegel" und dazu
andere, die man Luthers halber "nicht wohl konnte au(en) lassen; so
bleibt's weder bei 9 noch bei 12 Tischen, 120 Gste ohne die Diener
u.s.w." war das Gewhnliche fr eine akademische Hochzeit. "Bei einem
Doktorschmaus machten die Mnner allein schon 7 bis 8 Tische voll; was
wurde es erst, wenn die Frauen, Kinder und noch das Gesinde zu speisen
und zu trnken waren?" Dazu dauerten die Hochzeiten mehrere Tage. Luther
hatte sich bei seiner Hochzeit auch nur "fr die gewhnlichen Gste" mit
einem Tage begngt. Und das alles bei dem schlechten Markt in
Wittenberg! Da war es fr die gute Kthe keine geringe Schwierigkeit,
einen solchen Schwarm in anstndiger Weise zu speisen, und sie wollte
doch weder auf den Ruhm ihres Mannes, noch der Gefeierten einen Makel
kommen lassen--natrlich auf ihren Ruhm auch nicht. Luther und Kthe
wollten beide keine Unehre einlegen[354].

Aber auch sonst richtete Frau Kthe gern Feste aus: Doktorschmuse,
Geburtstagsessen und auch sonstige Gesellschaften ohne besondere
Veranlassungen. Da ist Wilhelm Rink, D. Eisleben (Agricola), Alexander
Drachstett und Wolf Heinzen zu Besuch im Schwarzen Kloster; und weil der
Pfarrer Michael Stiefel in Lochau seltener dahin kommt, soll auch er
erscheinen und teilnehmen an den frhlichen Tagen. Da wird einer der
Freunde oder gar zwei: Rhrer oder Jak. Schenk, Hier. Heller, Nikolaus
Medler, "der Markgrfin Kaplan" (d.i. der Hofprediger der Kurfrstin
Elisabeth von Brandenburg) zum Doktor promoviert und Herr Kthe brt und
braut fr den blichen Schmaus. Da giebt sie ihrem eignen Doktor am 19.
Oktober ein festliches Abendmahl zum Jahrestage seines Doktorats. Am 10.
Martini wird mit dem Heiligen Martin auch der Geburtstag ihres D.
Martinus und spter noch ihres Martinleins festlich begangen[355]. Der
zehnte Jahrestag des Thesenanschlags ("der niedergetretenen Ablsse"),
der Allerheiligentag 1527, wird mit einem Fest begangen. Auch um ihn zu
trsten ber den Tod des lieben Freundes Hausmann, der Luther ungemein
nahe ging, lud Frau Kthe einen Kreis von Freunden ein: Jonas,
Melanchthon, Camerarius, Cokritz. Die Kindtaufschmuse fr ihre
Neugebornen mute die Wchnerin wenigstens einige Zeit vorher
vorbereiten und von ihrem Bette aus berwachen. Doch auch ohne besondere
festliche Veranlassung erschienen zu kleinerem Beisammensein am
geselligen Tisch die guten Freunde und Amtsgenossen: Jonas, Melanchthon,
Bugenhagen, so oft ein Stck Wildbret oder eine Sendung Fische ins Haus
geschickt wird, oder eine Kufe Bier, oder ein Fa Wein--manchmal mit der
ausdrcklichen Bestimmung, "Herr Philipp, D. Pommer und andere gute
Freunde sollten es mit dem Doktor gesund verbrauchen." Dann darf Frau
Kthe die Speisen bereiten und auftischen[356]. Manchmal mu sie auch
bei Hof um Wild zum Festbraten bitten lassen, wenn sonst keines zu
bekommen ist; oder sie bestellt bei einem guten Freunde "fr einen
Thaler Vgel, Gefieder, Geflgel und was im Reich der Luft fleugt,
ferner was er an Hasen und anderen Leckerbissen kaufen oder umsonst
erjagen kann." Oder Frau Kthe mute ihre eigenen Fischteichlein
ausrumen, wo neben Hechten und Karpfen, Schmerlen und Barsche, ja
sogar Forellen schwammen. Denn nicht immer kamen die Geschenke so
reichlich wie einmal vom Kurfrsten "ein Fuder Supstitzer, ein halb
Fuder Goreberger, vier Eimer Jenischen Weins, dazu ein Schock Karpfen
und ein Zentner Hechte, schne Fische"--war auf einmal zu viel, selbst
fr eine zahlreiche Gesellschaft[357].

Da sind Durchreisende und Besuche vom Frsten bis zum fahrenden Schler,
fremde Gesandte und stellenlose Magister, arme Witwen und vertriebene
Pfarrer, Englnder und Franzosen, Bhmen und Ungarn, sogar einmal ein
"Mohr": sie sitzen zu Gaste einen Tag, auch eine Woche und ein Jahr an
Kthes groem Tisch. Als Hartmut von Cronbergs verwitwete Schwester von
einem Juden entfhrt nach Wittenberg kam und heimlich sich da aufhielt,
entschuldigt sich Luther mit seinen bsen Erfahrungen an vornehmen und
geistlichen Schwindlerinnen, da er sich ihrer nicht an-, d.h. sie nicht
ins Haus genommen; bei ihrem Kinde stand er aber nachher Gevatter[358].

Da kamen Schwester und Bruder, Schwager und "Freunde" von Mansfeld. Oder
die Straburger Theologen speisten im Schwarzen Kloster. So machte der
feine Straburger Capito, der samt Butzer zur "Concordia" in Wittenberg
verhandelte, einen gar guten Eindruck auf Frau Kthe, und es war ihr ein
groes Unglck, da der goldene Ring, den er ihr verehrte und den sie
als Sinnbild der Vereinigung der schsischen und oberlndischen Kirche
betrachtete, ihr durch ein Migeschick abhanden kam [359].

Sogar dem Kurfrsten mute Frau Kthe hinter dem Wall eine Collation
auftischen (8.-14. Mrz 1534). Spter waren noch allerlei andere Frsten
wenigstens vorbergehend Tischgenossen Kthes, so der junge schsische
Johann Ernst und der Herzog Franz von Lneburg[360].

Stndige Tischgesellen waren die im Schwarzen Kloster wohnenden
Przeptoren, Famuli und Scholaren.

Einer der ltesten und ersten dieser Tischgenossen im Luther hause ist
Konrad _Cordatus_.

Er war sieben Jahre vor Luther von husitischen Bauern im
sterreichischen Weienkirchen geboren, studierte Theologie in Wien,
lebte einige Jahre in Rom; erhielt 1510 eine sehr gute Anstellung in
Ofen, schlo sich sofort 1517 der Reformation an, wurde abgesetzt, ging
1524 mittellos nach Wittenberg und studierte unter Luther, der sich
seiner annahm, kehrte heim und predigte das Evangelium, wird 38 Wochen
lang gefangen gehalten im tiefen Turm, in Finsternis bei "Nattern und
Schlangen", entkommt durch einen mitleidigen Wchter und flchtet zu
seinem kongenialen Lehrer D. Luther. Dort lebte er einige Zeit in dessen
jungem Haushalt 1526, und wieder stellenlos auf Einladung Luthers von
1528-29, nach zweijhrigem Pfarramt in Zwickau 1531-32 wieder fast ein
Jahr, bis er Pfarrer in Niemegk nahe bei Wittenberg wurde. Er ist einer
der besten Prediger der Reformationszeit. Er war eine trotzige Natur,
wie Luther; nur noch viel hitziger, schroffer und wenig vertrglich. Er
konnte sich auch in Frau Kthes Art nicht sonderlich schicken und machte
Luther Vorwrfe, da er sich von seiner Gattin bestimmen lasse. Dafr
macht er in seinen Tischreden einigemale eine bissige Bemerkung ber die
Doktorin, als wre sie herrschschtig und hoffrtig und berichtet
berhaupt mit einer gewissen Herbigkeit ber sie. Als Luther ihn und
seinen Freund Hausmann nicht so mit Geld untersttzen kann, wie er's
mchte, meint Cordatus, Luther htte seiner Frau nicht erlauben sollen,
einen Garten anzukaufen. Auch vertrug er schwer, da sie bestndig
Luthers "beste Reden unterbrach", weil er mit groem Eifer alle Worte
Luthers nachschrieb[361].

Am Dreiknigstag 1528 kam desgleichen aus Oesterreich vertrieben Luthers
alter Freund Michael _Stiefel_ an, welcher von 1525 an bei der edeln
Familie Jrger von Tollet Kaplan gewesen, "ein frommer, sittiger und
fleiiger Mensch". Er kannte Frau Kthe schon vor ihrer Vermhlung und
war bei seiner Abreise von Wittenberg am 3. Juni 1525 wahrscheinlich
schon in Luthers Absicht, zu heiraten, eingeweiht. Von Oesterreich aus
hatte er einen gar liebenswrdigen Brief an Frau Katharina geschrieben
und sie erwiderte seine Gre. Bis zu Michaelis 1528 blieb Stiefel in
Luthers Haus, fhlte sich aber durch diese Inanspruchnahme seiner
Gastfreundschaft bedrckt. Er bernahm darum die Pfarrei und Pfarrwitwe
von Lochau mit zwei Kindern. Das Luthersche Ehepaar besorgte seinen
Umzug. Der Verkehr mit dem Lochauer Pfarrhaus hielt an. Luther schreibt
und erhlt viele Briefe und auch Kthe bekommt eine freundliche Epistel
vom Pfarrherrn; die Pfarrerin schickt dem Doktor ein Geschenk. Bald wird
Stiefel eingeladen zu einer guten Gesellschaft im Schwarzen Kloster,
bald sagt sich Luther mit seiner ganzen Knabenschaar zum Kirschenbrechen
in Lochau an. Schlielich verfiel Stiefel zum Verdrusse Luthers aufs
Grbeln nach dem Jngsten Tag. Die Bevlkerung der ganzen Gegend bis
nach Schlesien hinein strmte dem Propheten zu und erwartete mit ihm am
19. Oktober 1533, 8 Uhr nachmittags, das Ende der Welt. Als dies nicht
eintraf, wurde der falsche Prophet vom Landesherrn verhaftet und so fr
den Unrat, den er angerichtet, gestraft, aber auch gegen die aufgeregten
Leute geschtzt und nach Wittenberg gebracht, wo er seinen Irrtum
bereute[362].

Gleichfalls ein Oesterreicher, _Kummer_ (Kommer), kam 1529 nach
Wittenberg. Auch er hatte, wegen des Evangeliums verfolgt, in
Weiberkleidern fliehen mssen, und nahm natrlich seine Zuflucht zu
Luther. Dessen Haus- und Tischgenosse scheint er ebenfalls gewesen zu
sein. Kummer war ein Freund und Studiengenosse Lauterbachs[363].

Im selben Jahre 1529 kam dieser Anton _Lauterbach_, geboren 1500 als
Sohn des Brgermeisters zu Stolpe, nach Wittenberg, wo er Magister wurde
und mindestens schon 1531 Luthers Hausgenosse und Tischgnger war und
Diakonus der Pfarrgemeinde wurde. Ein hochaufgeschossener Mensch, im
Gegensatz zu seinem Genossen Cordatus ein gutmtiger Geselle. Dienstag,
28. Januar 1533, diente er zu Tisch beim Kindtaufschmaus fr den kleinen
Paul. Er verheiratete sich in diesem Jahre mit einer Nonne Auguste,
wobei natrlich Frau Kthe wieder die Hochzeit herzurichten hatte. Dann
wurde er Diakonus in Leisnig, 1537-39 kam er wieder als Diakonus in die
Universittsstadt. Als darauf das Herzogtum Sachsen reformiert werden
sollte, wurde er als Superintendent nach Pirna berufen, wollte aber "das
heilige Wittenberg" nicht verlassen. Doch gab er den Mahnungen Luthers
und der andern Vter nach, seinem Vaterlande zu dienen und das
beschwerliche Amt zu bernehmen. Am Mittwoch, 25. Juli 1539 erschienen
in Wittenberg die Pirnaer Ratsherren mit zwei Wagen und holten ihren
ersten evangelischen Pfarrherrn ab. Unter Thrnen nahm er Abschied von
Luthers Familie. Am folgenden Freitag, Jacobi, kam er, feierlich mit
Willkommtrunk empfangen, in Pirna an, und es wurde mit der Reformation
"der Anfang deutsch und gut lutherisch zu taufen gemacht an Drillingen".
Aber aus der weiten Ferne blieb Lauterbach in lebhaftem und freundlichem
Verkehr mit Luther und Frau Kthe, der er gar mancherlei Besorgungen
machte[364].

Ohne Amt, aber auf eines wartend, zog im November 1531 der Oberpflzer
Joh. _Schlaginhaufen_--der lateinisch Turbicida oder gar griechisch
Ochloplectes genannt wurde--ins Schwarze Kloster nach Wittenberg, wo er
ein Jahrzehnt zuvor studiert hatte. Er war zum Trbsinn geneigt und
qulte sich mit dem Zweifel, ob er auch zur Zahl der Auserwhlten
gehre; und Luther mu den Schwermtigen oft aufheitern, wenn er
trbselig und teilnahmslos unter den Gsten und Tischgenossen dasitzt.
Trotzdem oder gerade deswegen steht er bei Frau Kthe hoch in Gunst, und
als ihr Gatte whrend der Rektoratswahl am 1. Mai 1532 einen
Ohnmachtsanfall bekommt, schickt sie zuerst nach Schlaginhaufen in die
Festversammlung und dann erst lt sie Melanchthon und Jonas rufen.
"Meister Hans" war willig zu jedem Dienst, nahm sich des Gartens und
besonders des Bienenstandes der Frau Kthe an, und wurde spter als
Pfarrer im nahen Zahna und dann in Kthen ein tchtiger
Bienenvater[365].

Seit 1527 war im Schwarzen Kloster als Hausgenosse der gesetzte, ernste
30jhrige _Hieronymus Weller_ aus Freiberg. Als Luther auf der Koburg
sa, war er der Hauslehrer des jungen Hans. Sein Bruder Peter, ein
junger Magister und juristischer Student, welcher ebenfalls spter
unterrichtete, zog 1530 auch in das Kloster; beide als mnnliche
"Schirmer" der von Luther und seinem Famulus Veit Dietrich verwaisten
Familie. Die Brder waren sehr musikalisch; ein dritter, namens
Matthias, sogar in seiner Vaterstadt am Dom Organist und Tonsetzer.
Peter und Hieronymus erfreuten also die Familie durch ihren hbschen
Gesang. Aber es war gut, da der heitere Bruder Peter noch ins Kloster
kam, denn der hochbegabte Hieronymus war--wie Matthias--zur Schwermut
geneigt. Und die vielbesorgte Hausfrau wird zugeredet haben, da der
Trbsinnige lieber eine Stelle in Dresden annehmen solle; aber er blieb
bis 1535 und war so acht Jahre in ihrem Haus. Daher kam es, da auch die
beiden andern Weller gar oft als Gste im Kloster weilten. So waren am
24. September 1533 die zwei oder gar drei Weller da und sangen mit
Luther. Ebenso 1534. Im folgenden Jahr wurde Hieronymus Doktor der
Theologie und den Doktorschmaus fr acht Tische mute Frau Kthe
ausrichten Mit dem Juristen Peter bi sich Luther weidlich herum[366].

Um diese Zeit gehrte auch ein adeliger Bhme, _Hennick_, ein Waldenser,
zu den Tischgenossen, der spter mit Peter Weller zum heiligen Lande
zog, wo beide gestorben und begraben sind[367].

Als fremdlndischer Haus- und Tischgenosse lebte im Lutherhause auch der
"schwarze Engeleser" Dr. theol. Antonius (Robert _Barns_), dem Luther im
Scherz seine Kthe zum deutschen Sprachmeister geben wollte und der auch
Gast bei den hufigen Hochzeiten im Schwarzen Kloster war. Er war 1529
seines Glaubens wegen aus der Heimat geflohen, dann von Heinrich VIII.
als Unterhndler seiner neuen Ehe und "Religion" gebraucht, aber dann
doch bei seiner Rckkehr mit zwei Gefhrten "von Knig Heinz wegen
seines evangelischen Glaubens auf das Schmidfeld hinausgefhrt und
verbrannt worden". Von dem Mrtyrertum "unseres guten Tischgesellen und
Hausgenossen" gab Luther dann eine Schrift heraus[368].

Kthes Tischgenosse war ferner der Ungar Matthias v. Vai, ein mutiger
Mann, dem es daheim besser erging als Robert Barns. Denn als er mit
seinen papistischem Amtsgenossen in Streit geriet, verklagte ihn dieser
bei des Woiwoden Bruder, dem Mnch Georg, damals Statthalter in Ofen.
Dieser wollte bald erfahren, wer recht habe, setzte zwei Tonnen Pulver
auf den Markt und sagte: "Wer seine Lehre fr gttlich erkennt, setze
sich Drauf--ich znde es an, wer lebendig bleibt, dess' Lehre ist
recht." Da sprang Vai flugs auf die Tonne, der Priester aber folgte
nicht und Georg strafte den Priester mit seinem Anhang um 4000 Gulden,
dem Vai aber erlaubte er, ffentlich zu predigen. Diese rettende,
mutige That erzhlte Luther mit Freude seinen Tischgenossen[369].

Lange Zeit (1529-1534) lebte auch M. Veit Dietrich im Lutherhause. Er
war ein Nrnberger (geb. 1506), der nach Wittenberg gekommen war, um
Medizin zu studieren, aber wie manche andere von Luther fr die
Theologie gewonnen wurde (1527) und ihm bald als vertrauter Famulus an
die Hand ging. Er begleitete Luther auf die Koburg. Dietrich hatte seine
eignen Zglinge; von der Koburg sandte er ihnen "Argumente", die sie
auswendig lernen sollten, whrend Luther dieselben durch seinen Brief
vom Dohlen-Reichstag erfreute. Als Luther vom Reichstag zurckgekehrt
war, schrieb er dem in Nrnberg zurckgebliebenen Dietrich von dem Stand
der Dinge in Wittenberg, auch Gre von der ganzen Tischgenossenschaft
und Frau Kthe, welche zugleich auszurichten befahl, "Dietrich solle
nicht glauben, da sie ihm erzrnt sei". Dietrich kam nmlich nicht
recht mit Frau Kthe aus. Er meinte von sich selbst, da er zwar keine
krausen Haare habe, aber einen krausen Sinn. Daher riet ihm Luther, ein
Weib zu nehmen, da werde ihm das schon vergehen. Das wollte Dietrich
auch. Aber bis er dazu kam, rieb er sich einstweilen, wie es scheint, an
Frau Kthe. Als sie ihm gar die Liebschaft mit Muhme Lene untersagte,
zog er im Herbst 1534 mit seinen sechs Scholaren aus dem Hause und
verbreitete die Rede, die Doktorin sei gegen seine Zglinge hochmtig
und berechnet gewesen. Fr die Hauswirtin mit ihren eignen fnf kleinen
Kindern und dem schweren Haushalt war dieser Wegzug wahrlich eine
Erleichterung[370].

Es gab nun natrlich zwischen Dietrich und dem Lutherischen Hause eine
Spannung. Diese aber ging vorber. Als Dietrich im folgenden Jahre in
seine Vaterstadt Nrnberg berufen wurde und heiratete, schrieb ihm nicht
nur Luther einen freundlichen Brief, sondern auch Kthe sandte ihm Gre
und Glckwnsche zum Ehestand und Amt. Der Briefwechsel dauerte fort bis
zu beider Mnner Tod und auch Kthes Gre blieben nicht aus[371].

Ein Landsmann von Veit Dietrich, _Hieronymus Besold_, kam einige Jahre
nach dessen Weggang ins Lutherhaus. Er war durch jenen gegen die
Hauswirtin eingenommen, so da er sich anfangs vor ihr als einer
herrischen und habschtigen Frau frchtete. Aber--er kam doch an ihren
Tisch und blieb da und verlor seine schlechte Meinung von ihr, wenn er
auch von Frau Kthe mit Bestellungen in Nrnberg in Anspruch genommen
wurde und dann einmal nicht wagte, sie an seine Auslagen zu
erinnern[372].

Um diese Zeit (1537-1542) war auch M. Johann (Sachse aus) _Holstein_ im
Klosterhaus Tischgenosse, auf dessen rotes Haar der "Schandpoetaster"
Simon Lemnius (1538) seine wohlfeilen Witze machte. Er war eines
"ehrbaren, frommen Gemts und stillen Wesens, dazu ein feiner Magister".
Er hatte 17 Jahre studiert und war ber zehn Jahre lang Magister
(Privatdozent) gewesen, gab im Lateinischen, Griechischen und
Hebrischen keinem etwas nach. Trotzdem konnte er nicht als ordentlicher
Professor ankommen, so da sich Luther bei dem Senior der
"Artistenfakultt", M. Melanchthon, erkundigen wollte, was fr ein Groll
und Neidhart dahinter stecke. Auch Frau Kthe nahm sich seiner an und
legte ein gutes Wort bei Meister Philipp ein, das aber eine bse Statt
fand. So mute sich Holstein weiter mit Knaben ernhren und wurde
schlielich Jurist[373].

1539 lebte bei Luther wieder ein "Oestreicher" als Kostgnger, Huttens
Freund Wolfgang Angst oder _Schiefer_ (Severus), gebrtig aus dem
sterreichischen Elsa zu Kaisersberg bei Kolmar. Er war zuvor
Hofmeister der Shne des Knigs Ferdinand, spter Kaiser Ferdinand I.,
Bruder Karls V. gewesen, mute aber seines Luthertums wegen flchten und
nahm nach Wittenberg seine Zuflucht. Er war ein sehr feiner Mann, noch
unbeweibt; Luther empfahl ihn dem Kurfrsten zum Hofmeister und hoffte,
er solle ihm "sehr wohl gefallen". Aber es wurde nichts daraus, und so
lebte Schiefer als ein lieber Freund Luthers ins folgende Jahr im Haus.
Schiefer beteiligt sich gar oft an den Tischgesprchen, ihm soll Frau
Kthe auch von Luther aus Weimar allerlei ber "seinen Knig Ferdinand"
ausrichten[374].

Ein ebenso gesetzter Mann kam um diese Zeit als Gast ins Lutherhaus nach
Wittenberg, _Matthesius_, der 36jhrige Schulmeister von Joachimsthal,
der noch Theologie studieren wollte, um daheim das Pfarramt zu
bernehmen. Von 1540-42 war er Genosse an Kthes Kosttisch. Er redet
mit groer Verehrung von ihr[375].

Und endlich kam noch _Goldschmidt_ (Aurifaber) ins Haus, ein Mansfelder.
Er studierte von 1537-40 Theologie; wurde dann Hofmeister des jungen
Grafen Mansfeld, und darauf Feldprediger, kam aber 1545 nochmals nach
Wittenberg und war die ganze Zeit bis zu Luthers Tod um ihn.
Gleichzeitig war _Rutfeld_ da als Famulus und Przeptor fr Luthers
Knaben[376].

In dieser letzten Lebenszeit Luthers sa wieder ein Oesterreicher an
Kthes Tisch, Ferdinand _a Mangis_, ferner ein M. _Plato_ und andere
Kostgnger[377].

Das war Luthers oder vielmehr Frau Kthes "Tischburse", an welcher
teilzunehmen alle, auch die Aeltesten, Geehrtesten und Gelehrtesten fr
ein hohes Glck und groe Auszeichnung ansahen. Und wenn es gar einen
Rundtrank gab aus dem Glase der heiligen Elisabeth von Thringen, das
Luther besa, so galt das als eine besonders feierliche Stunde[378].

Auer diesen erwachsenen und zum Teil sogar in sehr gesetztem Alter
stehenden Kostgngern gehrten zur "Tischburse" Luthers noch die
zahlreichen fremden Kinder, die als Pensionre gegen und ohne Entgelt im
Schwarzen Kloster lebten. Kthe setzte eine bestimmte Zahl von solchen
Kostgngern fest, ber die sie mit Recht nicht hinausgehen wollte. Als
daher der Kanzler Mller zu Mansfeld im Januar 1536 anfragte wegen
Uebernahme eines gewissen Kegel an Kthes Kosttisch, mute ihm der
Hausherr schreiben: "Den Kegel htte ich wohl gerne zum Kostgnger haben
mgen aus allerlei Ursachen, aber weil die Purse (Burse) wiederkummt von
Jena (wohin die Studenten wegen der Pest gezogen), so ist der Tisch voll
und ich kann die alten Compane nicht also verstoen. Wo aber eine Sttt
los (ein Platz leer) wrde (was nach Ostern geschehen mag), so will ich
meinen Willen Euch gern darthun, _wo anders Herr Kthe alsdann mir
gndig_ sein wird."[379]

Also Frau Kthe bestimmte ber den Kosttisch. Und das war auch sonst gut
so. Denn der gutmtige Doktor nahm jeden armen Schelm auf, der sonst
nicht unterkam oder sorgte fr ihn durch Stipendien, so da aus aller
Herren Lnder und aus allen Stdten, sogar aus "Mohrenland" Schler und
Studenten nach Wittenberg strmten "und wir allhie gar sehr berladen
sind und mehr denn unsre Armut vermag von vielen verjagten und sonst
guten Leuten, so gern studieren wollen, besucht werden um Hlfe". So
mute z.B. 1533 die Frau Doktorin ihren Mann drngen, an die Stadtrte
von Rothenburg an der Tauber zu schreiben, da sie sich eines ihrer
Stadtkinder annhmen, eines Georg Schnell, der "arm war und nichts
hatte" als einen guten Kopf und ein frommes Gemt, und tglicher Haus-
und Tischgeno im Schwarzen Kloster war[380]. Einen andern kleinen
Knaben, der ihnen 1541 vom reichen England durch einen Nrnberger
Geistlichen aufgehalst war, mute man nach Nrnberg ins Findlingshaus
(Waisenhaus) abschieben. Luther mute sich auf Kthes Vorstellungen an
den "ehrbaren und frsichtigen" Ratsherrn Hieron. Baumgrtner wenden,
ihrer beiden "lieben Herrn und guten Freund". "Auf gut Vertrauen, so ich
zu Euch habe, schicke ich hie einen Knaben, der mir aus England ist
schalkhaft aufgelogen. Nu ihr aber wisset, was fr eine Bettelstadt
unsre Stadt ist, dazu der Bube noch wohl bedarf einer Magd, die sein
warte mit Waschen und Lausen usw., mein Zins (Einkommen) aber nicht
vermge, ist meine ganz freundliche Bitte, wollet bei den Herren in
Nrnberg guter Fugge sein, da er ins Fndli-Haus mchte versetzt
werden. Wir sind sonst ohnedas, und ich sonderlich, hier gar hoch genug
beschwert und ber Vermgen beladen. Gott behte mich, da ich nicht
mehr so betrogen werde."[381] Aber auch die andern nicht gerade armen
Kostgnger lieen es an pnktlicher Bezahlung fehlen und empfanden es
als Hrte von Kthe der Hausfrau, wenn sie "auf richtige Bezahlung
drang", whrend sie von Luther her anders gewohnt und verwhnt
waren[382].

Gelegenheit, die jungen Leute nicht nur zu bekstigen, sondern auch in
Krankheit zu pflegen, hatte natrlich Frau Kthe auch genug. Ein junger
Adeliger, Sohn eines der vielen Lutherischen Gevattersleute, war 1534 im
Haus und hielt sich fein. Er machte die Masern durch und wurde von Kthe
"fleiig gewartet" nach Dr. Augustins (Schurff) Rat, des Hausarztes und
Nachbarn. Er wurde gesund. Aber manche diese Krankheiten fhrten auch
zum Tode und das mute den Pflegeeltern, insbesondere der Frau Kthe zu
schwerer Sorge werden[383].

Wie Frau Kthe bei den Mahlzeiten die leibliche Kost bereitete, so gab
der gesprchige, unterhaltsame Doktor die geistige Kost, die
"Tischwrze".

Luther war von Natur "ein gar frhlicher Gesell", ja voll
bersprudelndem Humor, wenn er sich wohl fhlte, aber auch, wenn er
Uebles erfahren hatte: Aerger und Verdru, dem zum Trotz. In seiner
Beichte vor seinem ersten Krankheitsanfall (1527) sagte er zu
Bugenhagen: "Viele denken, weil ich mich unterweilen in meinem uern
Wandel frhlich stelle, ich gehe auf lauter Rosen; aber Gott wei, wie
es um mich stehet meines Lebens halber. Ich habe mir oft vorgenommen,
ich wollte der Welt zu Dienst mich etwas ernstlicher und heiliger (wei
nicht, wie ich's nennen soll) stellen; aber Gott hat mir solches zu thun
nicht gegeben." Und Bugenhagen bezeugte dabei: "Thut er ihm unterweilen
ber Tisch mit Frhlichsein zu viel, so hat er selbst keinen Gefallen
daran und kann solches keinem gottseligen Menschen bel gefallen, viel
weniger ihn rgern, denn er ist ein leutseliger Mensch und aller
Gleisnerei und Heuchelei feind."[384]

Luther redete gut und gern und viel. Er liebte besonders Sprche,
sinnreiche Reden und hbsche Reime, Sprichwrter und Anekdoten. Deren
wute er sehr viel und die brachte er am Tisch wie auf der Kanzel vor.
Ueber und nach Tische wurde zwischen den Reden auch gesungen, und wer
eine gute Stimme hatte, auch Gste, muten mitthun; Luther, der ein
guter "Lautenist" war, begleitete den Gesang[385].

So entstanden die berhmten Tischgesprche, die sich um die tiefsten und
hchsten, die grten und kleinsten Dinge, gttliche und menschliche,
himmlische und irdische drehten, bald im erbaulichsten Ernst,
bald im lustigsten Scherz, jetzt sinnig zart, dann in derber
Natrlichkeit--obwohl der erste und Hauptherausgeber der Tischreden, der
ehemalige Feldprediger Aurifaber, spter Pfarrer in Erfurt, die derben
mit behaglicher Breite ausmalt, vergrbert und aus dem nicht ganz
sauberen Schatz seiner soldatischen Erinnerungen und Ausdrucksweisen
ergnzt[386].

Diese Tischreden wurden nmlich von Luthers Jngern auf- und
nachgeschrieben, wie Jesu und Sokrates' Aussprche und Gesprche; zuerst
nach dem Gedchtnis, spter nach gleichzeitigen Aufzeichnungen.

_Cordatus_ war der erste, der es wagte, hinter dem Tisch sitzend oder
davorstehend, die geistvollen Reden des Meisters--auch, wie ihm
Melanchthon warnend bedeutete, manches weniger zur Verewigung geeignete
Wort--in sein Notizbuch einzutragen. Andre Tischgenossen und Gste wie
_H. Weller_, _Veit Dietrich_, _Lauterbach_, _Besold_, _Schlaginhaufen_,
_Matthesius_, _Ferdinand a Mangis_, _Goldschmidt_ folgten seinem
Beispiel nach. Auch der Diakonus _Rhrer_, der berhmte Schnellschreiber
und Notarius (Protokollfhrer) der Evangelischen auf den Reichstagen und
Religionsgesprchen, verzeichnete "viel Kstliches". Und so sind unter
der zahllosen Menge von Lutherreden (3000) auch einzelne authentische
Worte der Doktorin berliefert[387].

Wie es bei diesen Tischgesprchen zuging, das erzhlt uns Matthesius.
Bescheiden und sittsam saen die Leute da und sahen auf "Seine Wrden,
den Herrn Doktor". "Wenn er uns nun Rede abgewinnen wollte, fing er an:
"Was hrt man Neues?" Diese erste Vermahnung lieen wir gehen. Wenn er
aber wieder anhob: "Ihr Prlaten, was Neues?" da fingen die Alten an zu
reden. D. Wolf Severus, so der Rmischen Kniglichen Majestt Przeptor
gewesen, sa oben an, der brachte, wo niemand Fremdes vorhanden, als
gewandter Hofmann was auf die Bahn. Wenn so das Gedber anging, doch mit
gebrlichem Anstand, so schossen die andern auch ihren Teil dazu"[388].

Alle mglichen Dinge und Vorkommnisse gaben den Anla zu krzeren oder
lngeren Reden, bald die Tagesneuigkeiten, bald ein Gast, jetzt die
Kinder mit ihrem Spiele oder Unarten und dann Peter Wellers Hund, der so
andchtig morgens zum Essen war wie kein Beter. Alles mute zum
Anknpfungspunkt oder zum Sinnbild fr hhere Wahrheiten dienen. Und
nicht selten gab Frau Kthe durch eine Rede oder durch ihre bloe
Anwesenheit die Veranlassung zu sinnigen Bemerkungen[389].

Die Tischreden wurden meist lateinisch gehalten, wie die Briefe Luthers
mit allen "gelehrten", d.h. akademisch gebildeten, Mnnern lateinisch
geschrieben wurden. Bei alltglichen Dingen, wo der deutsche Ausdruck
gelufiger war, ging es vom Latein ins Deutsche bunt durch einander.
Wenn ungelehrte Freunde oder Freundinnen zugegen waren, oder Frau und
Kinder der Unterhaltung folgen sollten, wurde deutsch gesprochen; doch
liefen auch da lateinische Brocken unter. Am treuesten ist dieser
Wechsel vom Latein und Deutsch bewahrt in Lauterbachs Tagebuch.

So viel verstanden aber auch die weiblichen Hausgenossen, teils vom
Kloster her, teils aus dem steten Hren von Lateinisch, da sie sich
drein mischen konnten, oft sogar selbst vielleicht mit lateinischen
Phrasen. So Muhme Lene, welche auf die Frage, ob sie wieder ins Kloster
wolle, mit Non, Non! antwortete. Besonders aber die Doctorissa, wie sie
bei den jungen Leuten respektvoll genannt und geschrieben wurde[390].

So redete Luther einmal von der elterlichen Liebe: "Lieber Gott, wie
wird sich ein Herzpochen erhoben haben, da Abraham seinen einigen und
allerliebsten Sohn Isaak hat sollen tten! Es wird ihm der Gang auf den
Berg Moria sauer angekommen sein. Er wird der Sarah nichts davon gesagt
haben." Da fing seine Hausfrau an und sagte: "Ich kann's in meinen Kopf
nicht bringen, da Gott so grausam Ding von jemands begehren sollte,
sein Kind selbst zu erwrgen." Luther widerlegte diese verstndig
natrliche Einwendung mit dem theologischen Hinweis auf Gott selbst, der
ja seinen eigenen Sohn habe kreuzigen lassen. Aber die Doktorin konnte
sich damit nicht ganz berzeugen lassen[391].

Frau Kthe wute auch Sagen. So erzhlte sie von einem Wasserweib, das
in der Mulde im Wasser in einem Loche wie in einer schnen Stube
gesessen und htte ihr das Wasser nichts geschadet; zu der sei eine
Wehemutter von einem "Geist" gefhrt worden, um ihr beizustehen[392].

Ein andermal wurde bei Tisch erzhlt, da einer in der Stadt die Ehe
gebrochen. Da entsetzte sich Frau Kthe und fragte den Herrn Doktor:
"Lieber Herr, wie knnen die Leute nur so bse sein und sich mit solchen
Snden beflecken?!" Da antwortete er: "Ja, liebe Kthe, die Leute beten
nicht; so ist dann der Teufel bei der Hand."[393]

Einmal fing der Doktor mit seiner Kthe eine Disputation an ber ihre
Heiligkeit. Sie erwies sich da als eine tchtige, in lutherischen
Gedankengngen gebte Theologin, wurde natrlich aber von dem
Sieggewaltigen doch widerlegt und berwunden. Er fragte sie, ob sie
glaube, da sie heilig wre? Sie dachte lange nach, dann erwiderte sie:
"Wie kann ich heilig sein, da ich eine so groe Snderin bin! So sehr
hat der Papst unser ganzes Wesen verdorben, seine Lehre hat unser
Innerstes so durchsetzt, da wir auch mit willigem Ohr Christus nicht
als unsern Erlser, als unsere Gerechtigkeit und Heiligkeit erkennen und
wunderbarer Weise glauben, getauft, ja Christen zu sein und doch nicht
glauben, heilig zu sein. Denn in der Taufe wird unsre Snde verbannt und
uns Christi Gerechtigkeit geschenkt und wir glauben doch nicht, heilig
geworden zu sein. Soweit wir Menschen, sind wir Snder, aber weil wir
getauft sind und glauben, so sind wir heilig durch Christum."

Luther entgegnete: "Ja, der ganze Christ ist heilig; denn wenn der
Teufel den Snder wegfhrt, wo bleibt der Christ? Daher ist die
Unterscheidung meiner Gattin nicht gltig. Denn wer durch festen Glauben
an seiner Taufe hngt, der ist ganz heilig (wie David sich heilig
nennt). Die Papisten, welche den Artikel von der Sndenvergebung nicht
verstehen, knnen diese Heiligkeit nicht glauben noch einsehen, rgern
sich nur, wenn sie solches von uns hren."[394]

Die Ritter vom Geiste waren zu jener Zeit ganz besonders kampfesfreudig
und die Fehden des Wortes wollten kein Ende nehmen. Insbesondere aber
waren an Luthers Tische die wissenshungrigen Magister auf diese
interessanten Privatissima erpicht und vor allem suchten die
Tagebuchschreiber, die auf jedes Wort vom Munde des Geistgewaltigen
lauerten, um es gedruckt in die Welt zu senden, diese Gesprche zu
verlngern. Natrlich hatte Frau Kthe viel weniger Freude an diesen
theologischen Turnieren; ihr lebhafter Geist, wie derjenige von Jonas,
mochte langen Errterungen nicht folgen. Sie unterbrach daher gar oft
die gelehrten Gesprche, indem sie den geistlichen Fechtern ganz
gewhnliche Knppel zwischen die Schwerter warf, vor allem ihrem
Gatten, der nicht leicht aufhren konnte, wenn er einmal im Zuge
war[395].

Wenn des Redens bei Tisch zu viel wurde und dabei die Speisen kalt und
warm der Trank, da brach Frau Kthe mit einer Strafpredigt los ber den
Text: "Was ist denn, da ihr ohne Unterbrechung redet und nicht et?"
Ueber diese Strung war der Tischredenschreiber Cordatus entrstet, er
hatte gerade eine gar schne Auseinandersetzung Luthers ber das
Vaterunser, den "Himmelsknecht Gabriel und den Himmelsfuhrmann Raphael",
die er "aus vollem glhenden Herzen" that, heimlich aufgeschrieben. Aber
Luther wandte die Sache zum Scherz und sagte: "Wenn nur ihr Frauen,
bevor ihr eine Predigt anfanget, auch beten knntet (d.h. euch sammeln
und besinnen); ein Paternoster solltet ihr zuvor sprechen!" [396]

Aber auch Frau Kthe stellte in der Rede ihren Mann. Ueber diese
weibliche Wohlredenheit wurde sie fter aufgezogen von Luther. Er fragte
sie lachend: ob sie predigen wolle und ihrer Predigt so viel Worte
Betens (als Einleitung) vorausschicke? Oder er neckte sie: die Weiber
drften nicht predigen, weil sie nicht beteten vor der Predigt; oder:
Gott lasse, durch ihr langes Gebet ermdet, sie gar nicht zum Predigen
kommen. Einst sa ein gelehrter "Engeleser" (Englnder) am Tische, der
kein Wort Deutsch konnte; da sagte Luther zu ihm: "Ich will Euch meine
Frau zum Lehrer in der deutschen Sprache vorschlagen, die ist gar
beredt. Sie kann's so fertig, da sie mich weit berwindet."[397]
Freilich setzte er hinzu: "Die Beredsamkeit ist nicht zu loben an
Frauen; es ziemt sich eher, da sie blo lispeln und stammeln. Das steht
ihnen wohl besser an." Und vom Unterschied der weiblichen und mnnlichen
Beredsamkeit sagt er in einem andern Tischgesprch: "Die Weiber sind von
Natur beredt und knnen die Rethoricam, die Redekunst wohl, welche doch
die Mnner mit groem Flei lernen und berkommen mssen. Das aber ist
wahr: in huslichen Sachen, was das Hausregiment, da sind die Weiber
geschickter und beredter; aber im weltlichen, politischen Regiment und
Hndeln taugen sie nichts. Dazu sind die Mnner geschaffen und geordnet
von Gott und nicht die Weiber. Denn wiewohl sie Worte genug haben, so
fehlet und mangelt's ihnen an Sachen, als die sie nicht verstehen; drum
reden sie davon auch lppisch, unordentlich und wste ber die Maen.
Daraus erscheint, da das Weib geschaffen ist zur Haushaltung, der Mann
aber zur Policei (Politik), weltlichem Regiment, zu Kriegen und
Gerichtshndeln, die zu verwalten und fhren."[398]

So kam Frau Kthe bei den Gesprchen der Mnner wohl weniger zum Wort,
als sie verdient htte; und noch weniger fand man bemerkenswert, was sie
sagte. Es ist schade, da die "Tischreden" so wenig von der Doctorissa
berichten. Aber den Tagebuchschreibern kam es vor allem auf theologische
Errterungen an--darum ist auch die einzige lngere Rede von Kthe, die
sie der Aufzeichnung wert erachtet haben, eine theologische; zum andern
wollten sie des Doktors Reden bringen: die Ergsse seines bergewaltigen
Geistes schienen ihnen allein der Nachwelt wrdig.




13. Kapitel

Hausfreunde.


Die Humanistenzeit hatte ein ausgeprgtes Freundschaftsbedrfnis,
welches nur ein Seitenstck findet in der freundesseligen Stimmung
unserer klassischen Litteraturperiode im vorigen Jahrhundert. Dieses
rege Freundschaftsgefhl uert sich einerseits in den zahlreichen
Besuchsreisen der befreundeten Humanisten, welche in jener Zeit der so
beschwerlichen Reisegelegenheiten doppelt auffallen, und dann in dem
heute ganz unbegreiflich reichen Briefwechsel, in welchem diese
Gelehrten damals mit einander standen. Alle mglichen Dinge teilte man
sich brieflich mit, selbst die intimsten persnlichen Erlebnisse und
Stimmungen; und wenn man gar nichts zu schreiben hatte, so schrieb man
sich auch dieses. "Ich schreibe Dir, um Dir zu schreiben, da ich nichts
zu schreiben habe", ist kein ungewhnlicher Briefinhalt dieser Zeit,
sogar bei Luther[399].

Den grtmglichen Freundeskreis zhlte aber begreiflicherweise das
Luthersche Ehepaar. Nicht etwa Luther allein, sondern auch Frau Kthe.
Die vielen jungen Leute, die bei ihr Kost und Pflege fanden, die
mancherlei Magister, die als Przeptoren ihrer und anderer Knaben im
Schwarzen Kloster hausten, die vielen Amtsgenossen und Schler ihres
Mannes, die zahllosen Gste, welche freundliche Aufnahme an ihrem Tische
erlebten: sie alte kannten und verehrten neben dem gewaltigen Doktor
auch die weibliche Genossin seiner Freundschaft und Gastlichkeit, Frau
Kthe. Aus den Schlern wurden Amtsgenossen, aus den Tischgenossen
Freunde--ein stets wachsender Haufen. Und Luthers alte Bekannte, welche
Frau Kthe erst durch Briefe oder Besuche kennen lernte, wurden mit der
Zeit auch ihre Freunde, namentlich wenn sie diese Freundschaft durch
Gre, Glckwnsche und Geschenke warm hielten.

Diese umfangreiche Freundschaft wurde auch lebhaft gepflegt. Da ist kaum
ein Brief, den Luther empfngt oder schreibt, in dem nicht auch die Frau
Kthe gegrt wird oder grt, oder Glckwnsche und Beileidsbezeugungen
zu allerlei Familienereignisse und Glckwechsel empfngt und sendet.

Gar oft begngt sich aber Frau Kthe nicht mit einem bloen Wortgru,
sie fgt auch in ihrer praktischen Weise einen guten Rat bei, eine
Mahnung, oder ein Rezept, eine Arzenei, eine Wurzel gut frs Steinleiden
u. dgl.

Noch viel hufiger aber hat Frau Kthe zu danken fr allerhand
Geschenke. Und nicht zum wenigsten ntzt die wirtliche Hausfrau die
Freundschaften aus zu allerlei hauswirtschaftlichen Auftrgen. Dies ging
bei Lauterbach sogar soweit, da Luther selber einmal bei einer solchen
Bestellung meint, sie htte den Freund frmlich in Dienst und Beschlag
genommen[400].

Wie begreiflich, waren die Hausfreunde in einem so ausnehmend
theologischen Hause auch fast lauter Theologen. Weltlich waren nur die
Verwandten: Geschwister, Schwger und Schwgerinnen, einige vornehme
Gevattersleute, wie die Kanzler Mller und Rhel in Mansfeld, die Goritz
in Leipzig, Hans von Riedtesel und Hans von Taubenheim, der
Landrentmeister in Torgau, an welchen Frau Kthe in die Ferne
freundliche und ehrerbietige Gre, Glckwnsche oder Einladungen
sendet oder gar selbst einmal zu einem Brief--natrlich einem
Geschftsbrief--sich aufschwingt. Auch der Straburger Syndikus Gerbel
lt Frau Kthe tausendmal gren. Der Stadtschreiber Roth von Zwickau
lt ein Exemplar seiner Postille fr die Doktorin binden und schenken
und sendet ein Glas, das "fein ganz" ankommt. Endlich war noch eine
liebenswrdige Adelsfamilie Jrger von Tollet im Oesterreichischen, eine
Mutter mit mehreren Shnen, welcher Luther einen evangelischen
Hauskaplan besorgt hatte (1525) und allerlei seelsorgerliche Ratschlge
gab, die sich nun dankbar erwies in zahlreichen und teuren Geschenken:
"ungarische Gulden", "Ktten-Latwerg" und andere "treue und teure
Gaben"; auch ein Stipendium sandte sie von 500 Goldgulden fr arme
Gesellen, die in der heiligen Schrift studieren. Spter studierte auch
ein Enkel der Jrgerin in Wittenberg. Mit dieser "ehrenreichen, edlen
Frauen Dorothea Jrgerin, als besonders guten Freundin", wurden gar
zahlreiche und freundliche Briefe gewechselt, worin auch Luthers
"Hausehre Frau Kthe" oft zum Grue kommt[401].

Mit dem evangelischen Bischof von Naumburg, Nikolaus _v. Amsdorf_,
wechselte Frau Kthe ehrerbietige Gre, namentlich seitdem sie durch
den Besitz von Zulsdorf die Nachbarin des gndigen Herrn Bischofs
geworden (1542); sogar mit einem Besuch "droht" sie auf "knftigen
Sommer". Sonst hatte man freilich mit dem ehelosen und hochgestellten
Mann weniger intime Beziehungen. Doch besorgte er auch einmal fr 7 fl.
Butter und Stockfisch ins Lutherhaus[402].

Mit dem kleinen M. Joh. _Agrikola_, dem Pfarrer von _Eisleben_ und
seiner Else, stand die Luthersche Familie gleich von Anfang an in
lebhaftem Verkehr. "Sie konnte ihn auch sehr wohl leiden." Er hatte
schon 1523 zu dem Kreise der jungen Nrnberger gehrt, welche ber die
Verlobung Baumgartens mit Kthe sich aussprachen und steht auch jetzt
noch in regem Briefwechsel mit Wittenberg[403]. Da giebt's Gre an Weib
und Kinder, hinber und herber; auch ein Pelzrock wird dorther besorgt,
der Frau Kthe nur zu teuer ausfllt, und Elsbeeren oder kleine
Mispelchen werden bestellt, nach denen Frau Kthe eben Gelste bekommt.
1529 wird Agrikola nach Wittenberg geladen. 1530 sendet er vom
Augsburger Reichstag ber Koburg einen scherzhaften Brief zur Besorgung
an Frau Kthe, ber den ihm Luther schreibt: "Ich errate leicht, was sie
Dir antworten wird. Wenn sie den Brief gelesen hat, wird sie lachen und
sagen: Ei, wie ist M. Eisleben doch ein Grundschalk!"[404] Luther nahm
sich Agrikolas an, als es dem beweglichen und ehrgeizigen Mann nicht
mehr in Eisleben gefiel. Und als er 1536 seine Stelle kndigte und in
Wittenberg nicht gleich eine bequeme Wohnung fand, so ffnete sich ihm
das Klosterhaus und Agrikola zog ein mit Weib und Kind. Als dann Luther
zu Anfang 1537 nach Schmalkalden zog, vertraute er Agrikola nicht nur
"Lehre, Predigtstuhl und Kirche an", sondern auch "Weib, Kind, Haus und
Heimlichkeit"[405]. Als aber Agrikola ein "Antinomist" (Bestreiter der
Giltigkeit des Gesetzes fr die Christen) wurde, da entbrannte Luthers
Zorn wider ihn und er entzog ihm die vorher gewhrte Erlaubnis, in
Wittenberg Vorlesungen zu halten. Agrikolas Frau, zu welcher Luther ganz
vterlich stand, so da er sie mit Du anredet, that zwar vor dem Doktor
einen Fufall und dieser nahm ihren Mann wieder zu Gnaden an (1538);
aber Agrikola entzog sich dem Einflu Luthers, ging nach Berlin und die
Freundschaft mit dem "Meister Grickel" hrte natrlich auch fr Frau
Kthe auf, ohne wieder angeknpft zu werden. Als spter einmal (1545)
Agrikola mit Weib und Tochter nach Wittenberg kam, durften blo die
beiden Frauen ins Klosterhaus kommen; aber das Tchterlein fanden die
Lutherischen eitel und vorlaut wie ihren Vater[406].

Mit dem Pfarrer Jakob _Probst_ in Bremen, einem frheren Klostergenossen
Luthers, auch einem Gevatter, stand ebenso die Lutherische Familie in
frher Verbindung. Familiennachrichten werden ausgiebig mitgeteilt;
Kthe und auch das kleine Patchen Margaretel senden regelmig Gre an
den fernen Gevatter und danken fr Patengulden und andere Geschenke. Ihm
empfehlen die Eltern ihre Jngste zur Versorgung, da Probst sie sich zum
Patchen auserlesen. Und "Herr Kthe" befiehlt ihrem Gatten, noch
scherzend anzufragen, ob denn die Nordsee ausgetrocknet sei, seitdem das
Evangelium die Erlaubnis zum Fleischessen gebracht habe? Denn niemals
habe es in Wittenberg weniger Seefische gegeben, so da man schon durch
die Hungersnot zum Fleischessen gezwungen werde, wo nicht etwa die
Fische und das Meer sich vor des Papstes Zorn ngstigten, nachdem man
ihn zu Lande verachte. Am 14. Juni 1542 kam Probst, jetzt ein alter
Mann, nach Wittenberg, um seinen Vater D. Martinus noch einmal zu sehen.
Das war ein gar unerwarteter lieber Besuch und Frau Kthe wird ihm den
Aufenthalt recht angenehm gemacht und das Margaretlein den Paten
frhlich begrt und ihm mit ihrer hbschen Stimme etwas vorgesungen
haben[407].

Weniger im Verkehr war man mit dem frheren Prior des Schwarzen Klosters
Eberhard _Brisger_, Pfarrer in Altenburg; doch tauschte auch mit ihm
Kthe Gre aus[408].

Der ehemalige Klosterbruder (Stiftsherr der "Brder vom gemeinsamen
Leben") Gerhard _Viscampius_ zu Herford war auch ein besonders guter
Freund der Familie Luther und Melanchthon und sie nahmen warmen Anteil
an ihm. 1528 sendet er an das Lutherische Ehepaar Tuch und zwei Lampen,
welche die zwei Gatten jede Nacht stndig gebrauchten. Dafr soll er
auch regelmig Luthers Schriften erhalten[409].

Der alte "Strmer und Schwrmer" D. Gabriel _Zwilling_, Luthers
Klostergenosse, der ihm auf der Wartburg mit seiner Bilderstrmerei so
zu schaffen machte, war, nachdem er seinen Radikalismus ausgetobt, ein
ruhiger Pfarrherr zu Torgau geworden. Er hatte zur Befreiung der Nonnen
aus Nimbschen mitgewirkt, und kam verschiedentlich nach Wittenberg,
durfte auch einen etwas schweren Auftrag Kthes wegen Beschaffung eines
Leinenkastens besorgen[410].

Der Reformator und Stadtprediger von Gotha, _Mykonius_, der auch zur
Zeit der "Wittenberger Konkordia" sich im Lutherhause aufhielt, bekam
von Kthe Gre, Glckwnsche, Danksagung fr ein "Kse-Geschenk", auch
Verhaltungsmaregeln gegen seine Frau und Teilnahme an seinem
Brustleiden[411].

Ein besonderer Verehrer der Frau Doktorin war der feine Straburger
_Capito_ (Kpflin), welcher im Jahre 1536 mit Butzer in Wittenberg die
"Konkordia" der schsischen und oberlndischen Kirche zustande brachte
und dabei im Lutherhause verkehrte. Er lt die "treffliche Frau
Katharina von Bora, seine Wirtin", gren und sendet nach seiner
Heimkehr ihr einen goldenen Ring als Zeichen seiner Gesinnung gegen sie,
"welche mit Recht so hoch geschtzt wird, weil sie mit hausmtterlicher
Sanftmut und Emsigkeit die Versorgung unsres Lehrers bt". Und auch Frau
Kthe schtzt den Straburger Gast. Wiederholt lt er sie gren und
verspricht ihr zur Frankfurter Messe 1537 einen Brief. Capito erbat sich
sogar mit den brigen Straburger Freunden Gerbel, Butzer u.s.w. den
Sohn Hans erziehen zu helfen[412].

In _Nrnberg_ hatte Luther und damit auch seine Kthe, allerlei gute
Freunde, besonders seine beiden Ordensbrder, Wenceslaus _Link_ und Abt
_Friedrich_ (Becker, Pistorius), die ihm manches schne Geschenk und
Gert an Uhren, Drechslerwerkzeug, Holz- und Kupferstichen, feines Obst,
Smereien aus der reichen Freistadt besorgten. Auch sie lt Kthe
gren[413].

In der Reichsstadt lebte aber auch ihre "alte Flamme", wie Luther
schreibt, der Ratsherr Hieronymus _Baumgrtner_. Die alte Liebe zu ihm
hatte sich zu herzlicher Freundschaft gestaltet, und es ist ein gar
schnes Zeichen eines natrlichen und gesunden Gefhls, da sowohl
Luther als Frau Kthe in ganz unbefangener offener Weise von dieser
liebenden Verehrung fr den ehemaligen Geliebten reden unter sich und
dem gemeinsamen Freund gegenber: "Es grt Euch verehrungsvoll meine
Kthe, Eure alte Flamme, welche Euch ob Eurer Tugenden und Vorzge mit
neuer Liebe umfat und von ganzem Herzen Euch wohl will." Von Koburg
schreibt Luther am 1. Oktober 1531 an Baumgrtner: "Ich gre Dich im
Namen meiner Herrin, Deiner einstigen Flamme; so werde ich ihr erzhlen,
wenn ich heim komme. So pflege ich auch sie in Deinem Namen zu necken."
Als 1543 Luther durch seinen Tischgnger Besold einen Brief erhielt,
rhmte er des Briefschreibers Sittenreinheit, Frmmigkeit und Tugend. Da
fragte Luthers Gattin "nach ihrer Gewohnheit", wer denn der Schreiber
des Briefes wre. Luther antwortete: "tuus ignis Amynthas: Dein alter
Buhle (Liebhaber)."[414] Der Ton, diesem Freunde gegenber, ist ein gar
herzlicher, namentlich in dem Trostbrief Luthers an Baumgrtner und
seine Frau, als der Nrnberger Kaufherr von dem Ritter Albrecht von
Rosenberg (bei Mergentheim) gefangen genommen und lange in Haft gehalten
wurde, so da Frau Sibylle mit ihren fnf unerzogenen Kindern lnger als
ein Jahr um das Leben ihres Ehewirts in Angst schwebte. Die Wittenberger
Freunde beteten in der Kirche ffentlich um die Freilassung und gingen
den Landgrafen von Hessen darum an[415].

Auch Veit _Dietrich_ blieb trotz seines Spanes mit Kthe nicht nur
Luthers Freund nach seinem Wegzug nach Nrnberg, wo er Pfarrer an der
Sebalduskirche wurde, sondern auch mit Frau Kthe stellte sich bald
wieder ein freundliches Verhltnis her. Sie lt ihn wiederholt
gren[416].

Mit den Freiberger "Geschwistern _Weller_", dem jngsten Peter, dem
Komponisten Matthias und besonders dem Theologen Hieronymus, aber auch
der Schwester Barbara Lischner standen die Lutherischen Eheleute in
freundschaftlichem Verhltnis. Der eine mute in seiner Schwermut
aufgerichtet werden, der andere versorgt, die Schwester belehrt ber den
heimlichen Empfang des heiligen Abendmahls[417]. Dem Komponisten
Matthias lt Luther mit Frau Kthe danken, fr sein "gutwillig Herz, so
er erzeigt hat mit dem Gesang und den Borsdorfern." Das Lied sngen die
Mnner unter Tisch, so gut sie's knnten. "Machen wir etliche Sue
(Bcke, Fehler) darunter, so ist's freilich Eure Schuld nicht, sondern
unsre Kunst. Wenn's schon alle Komponisten gut machen, so ist unser
Ernst wohl noch weit drber und knnen's bse genug singen. Es folgen
uns alle Regiment der ganzen Welt; sie lassen Gott und alte Vernunft
sehr gut Ding komponieren und stellen, aber sie singen auch, da sie
wert wren einen Markt eitel Wrste aus den Suen oder Klppel in den
Feldglocken[418]. Darum mt ihr Komponisten uns auch zugut halten, wenn
wir Sue machen in den Gesngen. Denn wir wollten's lieber treffen denn
fehlen. Solchen Scherz, bittet meine liebe Kthe, wollet ihr fr gut
annehmen, und lt Euch freundlich gren. Hiemit Gott befohlen. 1535.
Priska-Tag."[419]

Dr. Hieronymus Weller heiratete um diese Zeit ein Freiberger Mdchen,
die Tochter G. am Steige. Natrlich sollte ihm Frau Kthe die Hochzeit
in Wittenberg ausrichten. Aber Frau Kthe war damit nicht einverstanden;
kannte sie doch die groe Unmue und Unkosten, welche ein Doktor in
einer Universittsstadt aufwenden msse: und hier wre sowohl der
Hochzeiter, wie der Hochzeitgeber ein Doktor; daher mten viele Leute
eingeladen werden; Weller solle sich die Liste, die beigelegt sei,
einmal ansehen und werde dann merken, welche Menge geladen werden mte
(wenn man auch einige streichen knnte), wofern man des Hochzeiters und
seiner Angehrigen Ehre bedenke, zumal man die angesehenen Freunde doch
ehrenvoll bewirten msse. Das sei sehr schwer. Auch koste es mehr als
100 fl. Die Eheleute rieten Weller daher, die eigentliche Hochzeit
anderswo zu halten und es einzurichten wie M. Kreuziger und Dr. Brck,
nmlich mit geringer Begleitung nach der Universittsstadt zu kommen, zu
einem Morgen- oder Abendessen mit zwei oder drei Tischen. Hoffentlich
war der Dr. Hieronymus und seine Braut so verstndig und gingen darauf
ein. Whrend der ledige Doktor bei Luthers gewohnt hatte, zog er mit
seiner jungen Frau in ein eigenes Haus in der Nachbarschaft. Nicht lange
darauf wurde Weller Pfarrer in seiner Vaterstadt Freiberg, wo Herzog
Georgs Bruder Heinrich residierte und dem Evangelium beitrat; er blieb
aber in regem Verkehr mit dem Lutherhaus[420].

Nach Freiberg wurde 1538 auch M. Nikolaus _Hausmann_ als Stadtpfarrer
berufen. Er war einer der ltesten und besten Freunde des Lutherischen
Hauses, ein sanfter, liebenswrdiger Mann und Junggeselle. Zuerst in
Zwickau angestellt (bis 1532), wurde er dann Hofprediger bei den drei
Anhalter Frsten in Dessau (1532-38). Die Bekanntschaft Kthes mit ihm
ging durch ein zierliches und mhsam geflochtenes Krbchen und das
schne Glasgef, welches Hausmann selbst gemalt und als Andenken in den
jungen Haushalt geschickt hatte und das Kthes Wohlgefallen erregte (S.
96)[421]. Von da an sendete Frau Kthe dem Zwickauer Stadtpfarrer stets
angelegentliche Gre und wird wieder gegrt in den zahllosen Briefen,
die fast jede Woche zwischen dem Wittenberger Kloster und dem Zwickauer
Pfarrhaus hin und wieder fliegen. Sie empfiehlt sich in schweren Zeiten
seinem Gebet oder bedankt sich fr gesandtes Chemnitzer Leinen, wofr er
eine Last lutherischer Schriften durch den Pakettrger erhlt[422]. Auch
"lebendige Briefe" gingen hin und her: allerlei Freunde und Bekannte,
namentlich seitdem auch Cordatus nach Zwickau versetzt war, anfangs
1529.[423] Oefters wird Hausmann eingeladen: seine Stubella (Stblein)
sei bereitgestellt und alles gerstet--trotzdem Frau Kthe einen jungen
Erdenbrger erwartet. Einigemale kam auch Hausmann wirklich den weiten
Weg nach Wittenberg[424].

Im August 1531 ging Hausmann von dem schwierigen Zwickau weg, hielt sich
auch in Wittenberg auf. Von dem nahen Dessau aus war noch ein viel
regerer Verkehr mglich. Das erste Zeichen war ein Wildschwein, das von
der Residenz kam und zum Martinstag von den Freunden des Lutherhauses
verspeist wurde. Als er krank wird, bekmmert sich "Herr Kthe" in gar
"stattlichem stetem Gedanken um den Freund". Ja, da dieser so oft
krnklich ist, will Luther ihn gar zu sich nehmen, damit er der Stille
und Ruhe geniee. 1538 kam aber Nikolaus Hausmann als Superintendent
nach Freiberg, wo sein Bruder Valentin lebte. Hier traf ihn bei seiner
Antrittspredigt am 3. November auf der Kanzel der Schlag. Die Freunde
und die Hausfrau verheimlichten Luther den Tod seines lieben Genossen
und brachten ihm die Nachricht erst allmhlich bei--er aber sa einen
ganzen Tag und weinte, und auch Frau Kthe wird dem Getreuen ihre
Thrnen nachgeweint haben[425].

Der frhere Tischgenosse _Schlaginhaufen_ war im Jahre 1532 nach Zahna,
nur zwei Stunden von Wittenberg, als Pfarrer gesetzt worden, wo er mit
dem Lutherhause in enger Verbindung blieb, und z.B. einmal die von
Luther so geliebten Mispeln schickte. Aber in dem rmlichen und der
Gesundheit des schwachbrstigen Mannes wenig zutrglichen Orte hielt er
es nur ein Jahr aus. Er wurde dann Pfarrer in Kthen und reformierte
dies Lndchen. Dahin grt auch Frau Kthe. Er reiste mit nach
Schmalkalden, begleitete den erkrankten Luther zurck bis Tambach, lief
dann mit der Kunde von dessen Besserung nach Schmalkalden und rief zu
den Fenstern an der Herberge des Legaten hinauf: Lutherus vivit!
Lutherus vivit! (Luther lebt! Luther lebt!)[426].

Mit dem Pfarrhaus von Leisnig standen Luther und seine Kthe in regem
Verkehr. Sie senden in zahlreichen Briefen Gre an ihre ehemaligen
Tischgenossen M. _Lauterbach_ und seine Hagnes oder Nise (Agnese) und
Elslein ("Lamm" und "Lmmlein"); sie geben ihm allerlei zu besorgen, so
Frau Kthe einen Katechismus an eine arme ehemalige Nonne, Christina v.
Honsberg, jetzt Gattin von Georg Schmid. Der Bischof von Meien hatte
sich gegen Lauterbach gestrubt, weil er nicht geweiht wre; da sagte
Lauterbach zu dem bischflichen Amtmann: "Ich bin genug geweiht durch
mein Weib (denn sie war eine Nonne) und Mann und Weib ist ein
Leib"[427]. Da der andre Pfarrer in Leisnig sich nicht mit Lauterbach
vertrug, so verzog dieser als Diakonus nach Wittenberg, wo er von
1536-39 lebte, um dann als Superintendent nach Pirna ins evangelisch
gewordene Herzogtum Sachsen zu kommen. Zu Wittenberg als Amtsgenosse
Luthers verkehrte er viel im Klosterhaus; auch seine Frau war fter da
und gab einmal auf eine theologische Frage eine gar feine Antwort. Es
war an sie dieselbe Frage gerichtet, wie an Frau Kthe, ob sie heilig
wre; da sagte sie, sie wre heilig, so viel sie glaubte; wre aber eine
Snderin, sofern sie ein Mensch wre. Von Pirna hat Lauterbach die
Steinmetzarbeit an der Hausthr fr Frau Kthe besorgt, weiterhin
Rebpfhle, mehrmals Pelzrcke fr die Tchter, auch Butter und Aepfel,
Borsdorfer und andere, "rtliche", von welchen sich dann Frau Kthe auch
Zweige zur Veredlung bestellt[428].

Georg _Spalatin_ war bald nach Luthers Vermhlung aus dem Hofdienst
getreten, hatte sich verheiratet und war neben M. Eberhard Brisger
Oberpfarrer von Altenburg geworden. Weil diese Stadt ziemlich weit
ablag, so kam der alte Freund Luthers nur bei besonderen Veranlassungen
amtlicher Art nach Wittenberg; auch Luther konnte, so sehr er voll
Sehnsucht nach des Freundes Umgang war, schwer nach Altenburg kommen,
nicht einmal zur Hochzeit Spalatins, weil er eben die Flucht der 13
Nonnen aus Freiberg veranstaltet hatte. Um so hufiger aber sandten sich
die Freunde Briefe und Boten und teilten sich die huslichen
Vorkommnisse mit und Frau Kthe drngt dabei ihren Mann zum Schreiben.
"Meine Rippe" oder "mein Herr Kthe" senden an Spalatin und "seine
Rippe" oder "Kette" (sie hie auch Katharina), seine "Hindin" und ihre
Kleinen Gre und Glckwnsche, wnscht ihm auch ein kleines
"Spalatinlein, das ihn lehre, was sie sich rhmt von ihrem Hnslein
gelernt zu haben, nmlich die Frucht und Freude des Ehestandes, deren
der Papst mit seiner Welt nicht wert ist"[429]. Den in Schmalkalden
schwer erkrankten Luther lie Frau Kthe ins Altenburger Pfarrhaus
bringen und bleibt dort mehrere Tage. Voller Dankbarkeit und Anerkennung
ist sie fr die "freundliche Liebenswrdigkeit und liebenswrdige
Freundlichkeit", die sie mit ihrem Gatten im Hause des feinen Mannes
erfahren. Sie ist unglcklich, da sie in der Aufregung den Tchtern
Spalatins nichts mitgebracht und sendet ihnen schn gebundene Bchlein,
ihr gewhnliches Geschenk[430]. Nochmals nimmt sie die Liebenswrdigkeit
des Altenburger Pfarrherrn in Anspruch, als sie ihre Bauten in Zulsdorf
ausfhrt. Weil Spalatin gerade um diese Zeit nach Wittenberg kam, so
giebt sie ihm allerlei Auftrge mit, da Zulsdorf von Wittenberg so weit
weg und nher bei Altenburg lag und sie wegen der bestehenden
Winterszeit nicht dahin kommen konnte. Da soll er, der ehemalige
Hofmann, bei dem Schffer dafr sorgen, da sie Eichenstmme und dicke
Prgel fr Bauten bekomme in ihrem neuen Reich. Da empfiehlt sie ihre
Fuhrleute und Handwerker der Frsorge Spalatins. Und dieser interessiert
sich fr ihre Zulsdorfer Unternehmungen so sehr, da ihm Luther
ausfhrlich ber all die Migeschicke schreiben mu, welche seine Frau
mit den schsischen "Harpyen" hat, welche ihr Bauholz wegstibitzen.
Dafr schickt die arzneikundige Doktorin dem Herrn Oberpfarrer auch eine
Wurzel gegen den Stein, die sich bei Luther recht wirksam gezeigt
hatten.[431]

Ein Freund der Familie Luther war auch ihr Gevatter _Hans von
Taubenheim_. An ihn wendet Kthe sich vertraulich mit wirtschaftlichen
Anliegen. Aber sie nimmt auch Teil an seinem Schicksal, als er 1539,
scheint's, in Ungnade fiel. Luther mu ihm schreiben: "Meine Kthe lt
Euch herzlich gren und weinet bitterlich ber Euren Unfall und sagt:
wenn Euch Gott nicht so lieb htte, oder wret ein Papist, so wrd er
Euch solch Unglck nicht geschehen lassen."[432]

Alle diese Freunde des Lutherhauses lebten auswrts und waren nur
besuchsweise oder doch vorbergehend in Wittenberg. Die befreundeten
Familien in der Stadt selbst waren die der Amtsgenossen Luthers: die
Professoren Kreuziger, Jonas und Melanchthon und die Pfarrer Bugenhagen
und Rhrer, weniger bedeutend der andere Schloprediger D. Georg Major,
der Professor des Hebrischen Matthus Aurogallus (Goldhahn),
Melanchthons Busenfreund Paul Eber, D. Hier. Schurf, endlich sein
Bruder, der Hausarzt und Nachbar, Professor Augustin Schurf, dessen Weib
Hanna von Frau Kthe in der Pestzeit ins Haus genommen und gepflegt
wurde. Sie alle waren vielfach Gste in Luthers Haus, namentlich bei der
Bibel-Uebersetzung. In ihrem Kreise lie sich Luther mehr gehen, als an
der Tafelrunde der Tischgenossen, mit "frhlicher Laune und witzigem
Scherzwort"[433].

_Kreuziger_, Dr. der heiligen Schrift, Luthers treuer Freund und
"Frbund", den er (seit 1528) zu seinem "Elisa", seinem Nachfolger in
der Theologie erlesen hatte, der auch Luthers Testament unterschrieben
hat, war--ausnahmsweise--ein wohlhabender Theologe[434]. Fr ihn
besorgte Frau Kthe Auftrge und seine Frau Elisabeth, eine gewesene
Nonne aus Pommern, bringt ihr ein goldenes Megeschenk, wofr Luther an
Kreuzigers Frau ein gleiches schickt. Diese, Elisabeth von Meseritz, war
die Dichterin eines Liedes, das Luther in sein Gesangbuch setzen lie.
Es beginnt:

  Herr Christ, der Einige Gottes
  Vaters in Ewigkeit,
  Aus seinem Herz entsprossen
  Gleichwie geschrieben steit.
  Er ist der Morgenstern,
  Sein' Glanz streckt er so fern
  Vor andern Sternen dar[435].

Elisabeth starb frh, so da Kreuziger zur zweiten Ehe schritt (1530);
mit der Hochzeit wollte er aber Frau Kthe nicht beschweren und hielt
sie auf Schlo Eilenburg ab, das ihm der Kurfrst auf Luthers Bitte
dafr zur Verfgung stellte. Dagegen ist er eingeladen bei Luthers
Geburtstagsschmaus[436].

_Bugenhagen_ oder D. Pommer, der stattliche und wrdige Propst,
Professor und Stadtpfarrer und geborene General-Superintendent
(1536)[437], war mit seiner pommerschen Gelassenheit ein gar milderndes
Element in dem Lutherischen Hause, dessen Beichtvater er war. So hielt
er auch neben Luther ruhig in der Pestzeit aus. Trotz seines wrdevollen
Wesens war er doch "im gemeinen Wandel eines liberalischen, frhlichen
und fertigen Gemts". Er stellte sich von Anfang auf Frau Kthes Seite.
Er half ihr--nebst dem Kapellan Rhrer--das schne Glas vor Luthers
Geschenkwut retten. Er hielt sich gar viel im Kloster auf; ja er wohnte
sogar in Luthers Anfechtungen dort[438]. Luthers Briefe gren gar oft
in einem Atem: Dr. Pommer und meine Kthe oder meine Kthe und Dr.
Pommer. Einmal schreibt er sogar im Hause und Namen Luthers einen Brief
an Spalatin, worin "Dominus mea" ("meine Herr" Kthe) grte. Einen
Brief Luthers an Frau Kthe sollte in ihrer Abwesenheit Pfarrherr D.
Pommer erbrechen und lesen[439]. Umgekehrt hat Frau Kthe auch allerlei
an D. Pommer auszurichten, sogar allerlei Theologisches in lateinischen
Wendungen von den Argumenten Zwinglis in Marburg und Kirchenpolitisches
von Augsburg. "Sage D. Pommer", heit es dann in Luthers Briefen an
seine Frau[440]. Der behagliche Pommer ergtzte die Freunde gar sehr mit
seinen Sprchen, namentlich in breitem Platt; aber er lachte auch, wenn
der "schwbische" Pflzer Melanchthon sich im Plattdeutschen versuchen
wollte. Im Dezember 1527 erwartet der Propst im Lutherhause die
Niederkunft seiner Frau. Sie und Frau Katharina lagen fast zu gleicher
Zeit in den Wochen: Frau Pommer mit einem Knblein, Frau Kthe mit ihrem
Tchterlein Elsbeth. Bald darauf starben ihr zwei Shne[441]. 1528 wird
zu Bugenhagens Reise nach Braunschweig von Luthers "Eva" im Kloster ein
Abschiedsmahl gehalten; er wurde aber auch nach Hamburg "geliehen", dann
nach Lbeck, Pommern und Dnemark, und erzhlte dann daheim, nach der
Landesart gefragt, zum Ergtzen der "Tafelrunde", dort trnken die Leute
"Oel" und en "Schmeer" (d.h. Bier und Butter). Bugenhagen war also
viel weg von Wittenberg, zur groen Sorge Luthers, der seine
Arbeitslast als Stadtpfarrer und Professor noch dazu bernehmen mute.
So hatte auch Frau Kthe gar oft nach dem "Pommerischen Rom" mit seinen
kleinen Weltbrgern in der Superintendur am Kirchenplatz zu sehen[442].

Justus _Jonas_, "der Rechte Licentiat und Erfurter Kanonikus" nachher
(1521) Professor, D. der Theologie und Propst des Allerheiligenstiftes,
nahm im Lutherhause eine hnliche Stellung ein, wie Bugenhagen. Nur
hatte er in seinem Wesen nicht die stoische, gesunde Ruhe des D. Pommer.
Er war vielmehr krnklich und etwas erregt, ein lebhafter Sprecher,
"unser Demosthenes", der lieber redete als schrieb; denn er "drohte" nur
Briefe zu schreiben, fhrte es aber nicht aus, wie Luther scherzt. Die
Familie wohnte in der Fischervorstadt, hatte auch Garten und Weinberg.
Whrend der Pest 1527 und wieder 1535 zog Jonas mit Weib und Kind in
seine Vaterstadt Nordhausen bezw. nach Jena. Er war bei den
Verhandlungen in Augsburg, Marburg, Frankfurt, Schmalkalden u.s.w. viel
abwesend von Wittenberg, so da Luther viele und hufige Briefe an ihn
zu schreiben hatte, in denen Frau Kthe mit Gren, Auftrgen und
Mahnungen und dgl. sich hren lt. Umgekehrt grt auch Jonas die Frau
Doktorin, Muhme Lene, Hnschen, Lenchen--und sendet seinem Paten einen
silbernen Johannes, d.h. einen Joachimsthaler (Gulden) mit dem Bildnis
des Kurfrsten Johann[443]. Jonas hatte sich schon 1522 verheiratet mit
Katharina von Falk. Sie hatte eine groe Kinderschar (1530 schon 5
Shne), aber viele starben jung; bekannt sind davon Jost, Christoph,
"Sophiela", "Elisabethula", auch eine Gromutter lebte im Haus und
erhielt von Luther Gre[444]. Frau Kthe Jonas war eine muntere,
heitere Frau. Von ihr meldete im Sommer 1529 der Wittenberger
Stadtschreiber Baldunai: "Ich hab' Melanchthon mit der Prpstin tanzen
sehen! Es ist mir wunderlich gewesen." Auch Luther richtet an sie
gelegentlich einen scherzhaften Brief als der "Ehrbaren, Tugendsamen
Frauen Kathrin Dokterschen Jonischen, Propstin zu Wittenberg, meiner
gnstigen Freundin und lieben Gevatterin" und schliet: "meine Kthe und
Herr zu Zulsdorf gret Euch alle freundlich."[445]

Mit der "Jonischen" Familie war die Lutherische eng befreundet,
namentlich die beiden Kthen waren aufs innigste mit einander verbunden,
sie waren stets ein Herz und eine Seele: die lebhafte thatkrftige
Lutherin war offenbar recht angezogen von der frhlichen Natur der
Propstin. Aber auch den redegewandten Propst mochte die Frau Doktorin
gerne leiden. Nach Augsburg schickt sie in einem Brief an ihren Herrn
Martinus ein Billet ("Zedula"), worin sie von der Geburt eines Jonischen
fnften Sohnes berichtet[446]. Als die Propstfamilie whrend der Pest
mit der Universitt auch in Jena weilt, bestellt die "Erzkchin" bei
Jonas fr einen Thaler allerhand Geflgel und Wildbret zu einem
Doktorschmaus und will ihn mit einem guten Sud von ihrem gesunden und
heilsamen Bier nach Wittenberg locken. Dagegen warnt sie ihn, sich von
der "Gte des Weins" bei Spalatin bercken zu lassen, wodurch der Leib
so rauch und scharf von Steinen werde, wie die Weinfsser, wenn sie
ausgetrunken sind. Mit dem Bier wute Frau Jonas nicht so wohl Bescheid
wie Frau Lutherin; denn dasjenige, das sie Luther einmal schickte, war
verdorben. Angenehmer als dieses Geschenk waren der Wein, die Quitten
und Aepfel u.a., welche Jonas von seinen Reisen oder aus Halle
sandte[447]. Als Frau Kthe zu Anfang des Jahres 1540 schwer erkrankte,
da schrieb Jonas manchen betrbten Brief voll aufrichtiger Teilnahme und
Sorge. "Wenn mein Brief so trbselig ist, so ist die Trauer schuld um
die hochgeschtzte Frau, weil sie so krank darniederliegt." Und er freut
sich "dann, als [Griechisch: hae gynae] des Herrn D.M. Luther durch
gttliche Wunderkraft wieder gesundet." Im Frhjahr 1541 zog Jonas nach
Halle, um dort trotz des Bischofs "mit Volk und Rat" die Reformation
durchzufhren[448]. Da sich dieser Aufenthalt, wie es den Anschein
bekam, lange hinausziehen sollte, so zog im Herbst die Frau Propstin
ihrem Manne nach, whrend der Sohn Tischgenosse im Lutherhause werden
sollte. Sie verabschiedete sich so eifrig und eilig, da sie sogar
verga, Briefe von Luther mitzunehmen und dieser samt seiner Frau sie
neckte mit ihrer Liebessehnsucht. Leider sollten sie die Freundin nicht
mehr sehen. Nicht lange nach ihres lieben Tchterchens Lenchen Tod
verlor Frau Kthe auch ihre beste Freundin. Sie starb in Halle um
Weihnachten 1542, indem sie "mit gar frommen und heiligen Worten ihren
Glauben bezeugte." Frau Kthe war ganz weg bei der Trauerkunde[449].

Etwas weniger herzlich scheint das Verhltnis zur Familie Melanchthon
gewesen zu sein. Die beiden waren fast Gartennachbarn und wie die
Mnner, so werden auch die Frauen sich an dem Gartenzaun und in ihren
Grten und Husern doch vielfach begegnet sein. Die Kinder spielten mit
einander, wie aus dem Mrchenbrief Luthers ersichtlich ist, und Luther
schreibt dem ngstlichen Magister whrend seiner Abwesenheit genau alle
Vorkommnisse unter den Kindern[450]. Aber auffllig ist doch, da in
all' den vielen (3000) Briefen Luthers die Gattin seines Kollegen
ausdrcklich niemals erwhnt ist. Frau Kthe Melanchthon war der
temperamentvollen Doktorin wie dem Doktor nicht so sympathisch als die
Frau Kthe Jonas. Sie fhlte ihren Gemahl und sich nach den Epigrammen
des Lemnius, aber auch nach den Andeutungen Kreuzigers berall
zurckgesetzt und in den Schatten gestellt durch Luther und die
Doktorin. Die wohlhabende Brgermeisterstochter und das arme
Edelfrulein standen sich wohl von Anfang an gegenber, nochmehr aber,
als die fremde Nonne den gewaltigen Doktor, den ersten Mann der Stadt,
ja der Welt zum Gemahl bekam. Zur Erklrung der Stimmung von Frau
Melanchthon mu wohl auch auf die bestehende Kleiderordnung verwiesen
werden, welche derjenigen von 1572 hnlich gewesen sein wird. Die
Doktorsfrauen durften darnach eine guldene unverftterte Haube tragen,
und so ein alt Kleid zu kurz wird, es mit Sammet- und Seidegebrm
verlngern--die _Magisters_frauen nicht, und Frau Melanchthon war bloe
Magisterin. Ferner durften Doktoren 8 Tische, Magister blo 6 Tische bei
Hochzeiten haben; letztern waren auch Rcke, Barett oder Schlpplin aus
Sammet und Seide verboten[451].

Es traten sogar einmal Mistimmungen Luthers gegen Melanchthon ein,
welche sich natrlich auch auf die beiderseitigen Frauen bertrugen.

Melanchthons Schwiegersohn Sabinus, ein Humanist und Poet, hatte Luthers
alten Gegner, den Kardinal-Erzbischof Albrecht, der sich gern als Mcen
aufspielte, als seinen Gnner gefeiert, und bei seiner Hochzeit mit
Melanchthons Tchterlein (1536) war der erzbischfliche Kanzler Trk zu
Gast, ja Sabinus lebte eine zeitlang an Albrechts Hofe. Um diese Zeit
machten auch andere rmische Kirchenfrsten den Versuch, Melanchthon auf
ihre Seite zu bringen. Luther zrnte ber die "Erasmischen Vermittler",
wenn er auch nicht glaubte, Melanchthon werde ein zweiter Erasmus
werden. Die Anhnger Luthers, Cordatus und Schenk, gingen aber schrfer
gegen Melanchthon vor und dieser scheute sich in seiner ngstlichen Art
vor einer offenen Aussprache mit Luther. Kthe htte gerne eine
freundschaftliche Auseinandersetzung der beiden alten Freunde gewnscht;
die "Doktorin" beklagte die Entfremdung derselben, sprach dies auch
gegen Kreuziger und andere Freunde aus, in der Hoffnung, eine
Auseinandersetzung herbeizufhren. Aber dem widersetzte sich die
"Weibertyrannei" der Frau Melanchthon[452].

Jetzt kam noch etwas anderes hinzu. 1537 geriet ein gewisser M. Simon
Lemchen (Leminus) nach Wittenberg, der war ein Freund und
Gesinnungsgenosse des Sabinus, formgewandt, aber auch charakterlos wie
dieser. Fr diesen Schngeist verwendete sich Melanchthon um ein
Stipendium bei dem Rat von Augsburg, weil er zum Teil in Augsburg
erzogen war und diese lbliche Stadt fr sein Vaterland hielt. Er bekam
auch wirklich eine Untersttzung von 20 fl. Damals kam auch Sabinus nach
Wittenberg und verkehrte viel mit seinem Freunde[453].

Zu Pfingsten 1538 nun hat Lemnius, der "ehrlose Bube etliche Epigrammata
ausgehen und sogar an den Kirchthren verkaufen lassen, ein recht
Erzschund-, Schmach- und Lgenbuch, wider viel ehrliche Manns- und
Weibsbilder, dieser Stadt und Kirchen wohl bekannt." Natrlich machte
das Bchlein in der kleinen Stadt das peinlichste Aufsehen und erregte
hliche Geschwtze. Melanchthon hatte als Rektor die Zensur ber
litterarische Erscheinungen von Universittsangehrigen zu ben. Daher
erhob sich gegen ihn der Verdacht, da er mit Absicht die bse Schrift
habe drucken lassen. Aber Luther berzeugte sich bald, da es "hinter
Wissen und Willen derer, so es befahlen ist zu urteilen", ausgegangen
war. Und so beruhigte sich auch die Frau Doktorin bald wieder. Der
"Poetaster und Leuteschnder" Lemnius flchtete und wurde relegiert,
rchte sich aber durch ein unfltiges Schmhgedicht auf Luthers und
Kthes Ehe, wie auf andere Professorenfamilien in Wittenberg [454]. Das
gute Einvernehmen der beiden Familien stellte sich bald wieder her. Frau
Kthe lt nach wie vor dem abwesenden Magister Philipp ehrerbietig
Gre zusenden und dieser versumt nicht nach wie vor "Luthers
hochverehrte Gemahlin und se Kinder zu gren". Ja das Verhltnis zu
ihm zeigt sich nach diesem Vorkommnis noch viel freundlicher [455]. Sie
lt dem Magister besonders nachdrcklich danken, da er ihren Doktor
nicht mit nach Schmalkalden--schlimmen Angedenkens--mitgenommen hat. Sie
versichert ihn ihrer ganz besonders warmen Liebe und Zuneigung. Als
Melanchthon wegen der hessischen Ehegeschichte tdlich erschrocken
darniederlag, heit sie ihn tapfer und "frhlich" sein und versichert
ihn mit ihrem Gatten ihrer aufrichtigen Liebe und verspricht, eifrig und
krftig fr ihn zu beten. Nach Worms lt sie ihm melden, sie siede eben
fr ihn Wittenbergisch Bier, um ihn und seine Genossen damit zu
empfangen. Und M. Philipp lt sich auch sorglich ber ihr Wohlergehen
berichten und wre sehr beunruhigt, wenn er hren mte, es ginge der
Frau Doktorin bel. An Luthers Todestag noch sendet er in ihrem Auftrag
nach Eisleben Nachrichten und Arzeneien[456].

Eine gewi noch rascher vorbergehende Verstimmung trat 1544 ein infolge
eines Vorwurfs, den Frau Kthe Melanchthon machte und den der
empfindliche Meister Philipp wohl zu schwer nahm; sie sagte nmlich, man
glaube, er bevorzuge seine schwbischen Landsleute vor den Sachsen. Das
konnte doch weder so ernst gemeint noch genommen werden, wenn er auch in
einem Brief an Freund Jonas die [Griechisch: despoina] (Herrscherin)
darber verklagt[457].

Den Verkehr dieser Hausfreunde mit Frau Kthe kennzeichnet ein Brief,
den dieselben von Augsburg aus 1530 an die Doktorin geschrieben haben;
es ist der Ton achtungsvoller Freundlichkeit mit einem Anflug von
Lutherschem Humor; zugleich aber ein Beweis, wie geschftstchtig Frau
Kthe war, da Melanchthon sogar konomische Auftrge ihr gab, statt
seiner eigenen Gattin, die er wohl auch fr weniger schreibfertig halten
mute, als die Lutherin. Der Brief lautet samt der Adresse so[458]:

"Der ehrbaren tugendsamen Frau Katharina Lutherin Doktorin, meiner
besonders gnstigen Freundin.

Gottes Gnad' und alles Gute!

Ehrbare, tugendsame Frau Doktorin!

Ich fge Euch zu wissen, da wir nun, Gott gebe Gnad, bis gen Augsburg
kommen sind und haben den Herrn Doctor zu Coburg gelassen, wie er ohn
Zweifel Euch geschrieben hat. Ich hoff aber, in kurz bei ihm zu sein.
Bitt Euch, Ihr wollet mir schreiben, wie es Euch geht und wie sich der
Hauptmann Korns halber erzeiget hat. Womit ich Euch dienen kann, will
ich mit allem Flei, wie ich mich schuldig erkenne, solches thun und
ausrichten.

Beide Kanzler[459] gren Euch und wnschen altes Gute. Gott bewahre
Euch!

Datum Augsburg, Mittwoch nach Walpurgis. Philippus.

Herzog Georg von Sachsen soll morgen kommen. Der Kaiser ist noch ferne,
kommt aber.

Liebe Gevatter! Auch ich wnsche Euch, Hnschen Luther und Magdalenchen
und Muhme Lene viel selige Zeit. Pusset mir in meinem Namen meine
liebsten Jungen.

J. Jonas.

Ich, Johann Agricola Eileben, mein es auch gut, meine liebe Frau
Doktorin."

Wie hier im Brief, so maen sich an Kthes Tisch die Freunde an der
theologischen Tafelrunde im Redewettkampf um den Preis des krzesten
Tischgebets. Da zeigt sich nun Luthers Sinnigkeit, Bugenhagens
hausbackenes Behagen und Melanchthons zierliche Feinheit in den Sprchen
Luthers: Dominus Jesus sit potus et esus (der Herr Jesu sei Speis' und
Trank); Pommer: "Dit und dat, trg und natt, gesegen uns Gad"; und
Melanchthons: Benedictus benedicat (der Gesegnete segne)[460].

Auer den beiden Frauen der Kollegen Jonas und Melanchthon wird
Katharina wohl vorzglich mit Frau Barbara Kranach verkehrt haben und
Frau Brgermeister Reichenbach, ihrer Pflegemutter, beide ltere
Matronen, und ebenso mit der Familie des Buchdruckers Hans Lufft.
Selbstverstndlich gehrte die Gemahlin des Doktors zu den vornehmen
Kreisen, ja sie war bei weitem die angesehenste Frau Wittenbergs und es
entspricht ihrer Stellung, wenn Meister Lukas sie auf dem Altarbilde der
Stadtkirche mit ihrem Kinde in der vordersten Reihe malt. Sie trug auch
das feine goldschimmernde Pelzwerk um die Schultern oder in Streifen am
Kleid, das die Patrizierin auszeichnet. Ein gewisses Selbstgefhl lt
sie auch verschiedentlich durchblicken. So lt sie einen Freund ihres
Mannes "warnen, beileibe keinen Bauernkloppel zur Ehe zu nehmen; denn
sie sind grob und stolz, knnen die Mnner nicht fr gut haben, knnen
auch weder kochen noch keltern". Daneben freilich ging sie mit andern
Frauen (in der Weise unserer heutigen Frauenvereine) kranken Weibern und
Wchnerinnen mit Rat und That an die Hand[461].

Aber man versteht es auch, da eine Frau von der Anlage und dem
Temperament und Bildung Katharinas mehr auf den Umgang mit Mnnern
hielt, und da dieser Umgang, zu dem sie so viel Veranlassung und
Gelegenheit hatte, sie wenig geneigt machte, sich viel in weiblicher
Gesellschaft zu bewegen.

Freunde um sich zu haben, war Luther ein Bedrfnis. Er hate die
Einsamkeit aus Furcht vor "Anfechtungen"--mute er doch in den
Nachtstunden dem Teufel genug Rede stehen. "Ehe gehe ich zu meinem
Schweinehirten Johannes und zun Schweinen, denn da ich allein bliebe",
sagt er zum Exempel fr einen Angefochtenen. So war er auch stets in
Gesellschaft, wenn er spazieren fuhr[462].

Bei der Bibelbersetzung (1525-34) und der Bibelrevision (1539-42) kamen
die Gehilfen Luthers, Melanchthon, Bugenhagen, Jonas, Kreuziger,
Aurogallus und der Schnellschreiber und Korrektor Rhrer zum
evangelischen "Sanhedrin" zusammen, und nachher blieben sie oft zu
Tische da, disputierten weiter, oder erholten sich auch an heiterem
Gesprch und Gesang.

So war der Gasttisch in Kthes Haus nimmer leer--dafr sorgte Luther.

Aber auch ihm persnlich und besonders widmete sie als echte deutsche
Frau ihr Leben.




14. Kapitel.

Kthe und Luther.


"Das ist ein seliger Mann, der eine gute Ehe hat. Denn es ist kein
lieblicher, freundlicher noch holdseliger Verwandtnis, Gemeinschaft und
Gesellschaft, denn eine gute Ehe, wenn Eheleute mit einander in Frieden
und Einigkeit leben. Die hchste Gnade Gottes ist, ein fromm,
freundlich, gottesfrchtig Gemahl haben, mit der du friedlich lebest,
der du darffst all dein Gut und was du hast, ja dein Leib und Leben
anvertrauen." So preist Luther die Ehe, und _seine_ Ehe und seine
Gattin, die ihm das Wesen und das Ideal des Ehestandes vor Augen fhrte
und verwirklichte. Sie bereitete ihm ein schnes Heim, einen glcklichen
Hausstand, sie wartete und pflegte ihn treulich und diente ihm "wie eine
Ehefrau, ja wie eine Magd"[463].

Kthe sorgte vor allem fr ihres Herrn Doktors leibliches Wohl in
gesunden und kranken Tagen[464].

Die "Erzkchin" verstand den leiblichen Bedrfnissen ihres Mannes
gerecht zu werden; sie wute, was seinem Geschmack entsprach und was
seiner Gesundheit zutrglich war. Luther wute auch, was das heit, und
da "das ein gemarterter Mann sei, dess' Weib und Magd nichts wissen in
der Kche: es ist das erste Unglck, woraus viele Uebel folgen." Aber
auch das Gesinde thut's nicht, sondern, wie Luther in sein Hausbuch
schreibt: "Der Frauen Augen kochen wohl."[465]

Luther liebte, als ein echtes Bauernkind und mit gesundem Appetit
gesegnet, recht derbe Hausmannskost. Ueppige Speise machte ihm
Beschwerden. Er lobte sich eine reine, gute, gemeine Hausspeise:
Brathering und Erbsen war ihm ein Lieblingsgericht[466]. Aber seine
Gattin erkannte bald, da dem Doktor bei seiner sitzenden Lebensweise,
bei seiner angestrengten geistigen Thtigkeit und namentlich, weil er in
den Tagen seines unnatrlichen Kloster- und Junggesellenlebens seine
Natur sehr verdorben hatte und durch Verdauungsstrungen an schweren
Schwindelanfllen litt,--da diese derbe Kost ihm wenig zutrglich sei
und sie namentlich mit anderer Pflanzenkost, besonders Obst, nachhelfen
msse, und berhaupt war sie auf Wechsel in der Speise bedacht[467]. So
hatte sie denn in ihrer Speisekammer, in Keller und Speicher nicht nur
Erbsen und Hirsen, Grtze, Graupen und Reis vorrtig, da gab es auch
Kraut, Kohl, Mohren, Rben und Obst; die einheimischen Mispeln liebte
Luther mehr denn alle welschen Feigen, und die Pfirsiche schtzte er
besonders hoch und fast den Weintrauben gleich. Da wurden im Kloster
nicht nur Ochsen und Schweine geschlachtet, auch Gnse und Enten,
Hhner, Tauben und Krammetsvgel, frische und drre Fische und Krebse
kamen als Leckerbissen auf den Tisch. Wildbret war Hochzeitsbraten;
Luther fand es aber mit seinem schwarzen Fleisch zu "melancholisch".
Zwar hielt Kthe selber Rinder und Hhner, pflanzte allerlei Frucht und
Gemse, zog Obst, buk das tgliche Brot und sott Bier; aber vieles mute
noch dazu gekauft werden, oder man erhielt es geschenkt, namentlich
sorgte der Hof fr Wildbret und die Freunde fr schnes Obst:
Borsdorfer, Gold- und Blutpfel. Frau Kthe aber wrzte die Speisen mit
Salz, Pfeffer, Safran, mit Mohn, "Zippel" (Cipola, Zwiebel),
Petersilien, Kmmel und Karbey, schmlzte mit Butter und ste mit Honig
und Zucker. Zum Nachtisch war immer Obst da: Aepfel, Birnen, Pfirsiche
und Nsse; in der Kirschenzeit hing auch ein Kirschenast ber der
Tafel[468].

Daher schmeckte dem Doktor nichts besser als seine hausgemachten Speisen
und Getrnke und nirgends ist es ihm wohler, als daheim an seinem
wohlbestellten Tisch. Lieber als die gepreten Kse, welche Lauterbach
fern aus Pirna herschickt, sind ihm "unsre Kse von einfachem Stoff und
einfacher Form". Das von Jonas geschenkte Bier findet er schlecht,
whrend er jenem das Bier von seiner Kthe anpreist als ein erprobtes
Heilmittel gegen das Steinleiden; ja er nennt es geradezu die "Knigin
aller Biere". Bei Hof gedenkt er an seinen "freundlichen lieben Herrn"
Kthe, wie gut Wein und Bier daheim habe; dort msse er einen bsen
Trunk thun oder von den dicken schweren Brot essen, das ihm so schlecht
bekomme[469].

Und wie sehnte sich Luther immer von den Unbequemlichkeiten der Reise
und fremder Herberge nach seinem gemtlichen Heim und dem behaglichen
warmen Bett!

Kthe befolgte also die alte Regel, welche Luther so gerne jungen
Ehefrauen einschrfte: "Halt dich also gegen deinen Mann, da er
frhlich wird, wenn er auf dem Wiederwege des Hauses Spitzen
sieht."[470]

Freilich hatte Frau Kthe auch in Beziehung auf die Verkstigung ihres
Gatten mit dessen Eigensinn zu kmpfen, denn der Doktor geno oft
mehrere Tage lang gar nichts, oder er a nur einen Bratfisch und ein
Stck Brot; wenn er ganz ungestrt studieren wollte, nahm er einen
Bissen Brot und zog sich in sein Studierstblein, seine alte
Mnchszelle, ein und kam gar nicht zum Essen und--zum Schlafen. So
schlo er sich einmal, um den 22. Psalm zu erklren, mit Brot und Salz
ein und kam drei Tage nicht zum Vorschein. Da wurde Frau Kthe doch
ngstlich zu Mute, sie pochte und rief an der Thr. Keine Antwort. Sie
lie nun den Schlosser kommen und die Thre aufbrechen. Da rief er
unwillig: "Was wollt ihr? Meint ihr, es sei was Schlechtes, was ich
vorhabe? Weit Du nicht, da ich mu wirken, so lang es Tag ist; denn es
kommt die Nacht, da niemand wirken kann!" Ein andermal (1541) hatte sie
ihre liebe Not mit dem eigensinnigen Patienten, der bei seiner
"Anfechtung" vierzehn Tage nicht schlafen konnte und nichts essen und
nichts trinken wollte[471].

Freilich zu anderer Zeit war Luther auch aufgelegt zu einem festlichen
Schmaus oder einem kleinen Gelage im Freundeskreise, denn er meinte:
"Darf unser Herrgott groe Hechte und Rheinwein schaffen, so darf ich
sie auch essen und trinken; es ist dem lieben Gott recht, wenn du einmal
aus Herzensgrund dich freuest oder lachest." Da wute nun Frau Kthe
ihrem Manne den Geburtstag, den Doktorstag, den Thesentag u.a. festlich
zu schmcken. "Das Knigreich" wurde am 3. Mai mit einem Mahle gefeiert,
"da wurden Psalmen gesungen, Evangelien gesagt, der Katechismus, Gebete,
wie einem jeglichen aufgelegt war; darauf mute das Hausgesinde
antworten." An St. Niklas wurden die Kinder beschenkt; am Neujahr auch
das Gesinde. Besonders aber Weihnachten wurde festlich begangen und die
Kinder freuten sich darauf und die Eltern mit ihnen. Frau Kthe aber
sorgte dafr, da allerlei Gutes und Schnes ins Zimmer und auf den
Tisch kam[472].

Ganz vorzglich bewhrte sich aber Frau Kthe als Krankenpflegerin. Da
zeigte sie alle ihre Erfahrung, Geschicklichkeit und Energie. Und was es
alles fr Krankheiten in einer so groen Familie gab, lt sich denken.
Da waren nicht blo die Kinder und Schler, welche allerlei
Kinderkrankheiten, zum Teil tdliche, durchmachten; da schleppte Luther
noch alle kranken Freunde und Freundinnen ins Schwarze Kloster, so da
es nach seinem eigenen Ausdruck oft genug ein "Spital" war[473].

Der langwierigste und schwierigste Patient war freilich der Doktor
selber[474]. Krank war er eigentlich von Anfang an, und immer neue
Krankheiten kamen zu den alten: Ruhr, Fieber, schmerzliche
Hautausschlge und Geschwre, Rheuma, Hftenweh und Brustbeschwerden. Er
hatte insbesondere einen bsen Pfahl im Fleisch: den Stein, der ihn wie
"Faustschlge des Satans" plagte; sodann verursachten ihm seine
Verdauungsstrungen Beengungen, Blutandrang nach dem Haupt, Kopfweh,
Ohrensausen und Schwindel, Krmpfe und Ohnmachten: Anflle, vor denen er
als "Anfechtungen des Teufels" sich heftig frchtete und die ihn oft mit
tiefer Schwermut erfllten[475]. Da galt es, eine geduldige und
frhliche Krankenpflegerin sein. Und Frau Kthe verstand ihren Patienten
zu behandeln, besser als die groen Doktoren, die Herren Aerzte; sie
wute, wie man den Kranken behandeln mute mit Nahrung und
Arzneimitteln; sie hielt ihn vom Wein ab und sott ihm leibreinigendes
Bier; sie rieb ihm das Bein mit heilkrftiger Salbe und Aquavit ein und
erwrmte ihm den Leib mit heien Tchern: sie erquickte ihn mit
Kraftkchlein und allerlei Sften; sie kannte eine wirksame Wurzel gegen
den Stein und zahlreiche Hausmittel: sie schabte ihm Bernstein von einem
alten Rosenkranz und lste ihm die weien Bernsteinstckchen auf, welche
der Herzog von Preuen als Mittel gegen den Stein schickte[476]. Nach
dem Zeugnis ihres Sohnes, des nachherigen berhmten Arztes Paul Luther,
war sie eine halbe Doktorin. Dieser sagte in seiner Antrittsrede zu
seiner Professur in Jena: "Meine Mutter hat nicht allein in
Frauenkrankheiten durch Rat und Heilung vielen geholfen, sondern auch
Mnner oft von Seitenschmerzen befreit."[477] Ihr vertraute sich daher
Luther auch lieber an, als "unsers Herrgotts Flickern", den Aerzten und
den Apothekern. Als Luther zu Schmalkalden tdlich erkrankte und die
Aerzte ihm Arzneien gaben, "als ob er ein groer Ochs wre", und der
schwbische Carnifex (Schinder, Folterknecht) meinte: "Ei, lieber Herr
Doktor, Ihr habt einen guten, starken Leib, Ihr habt wohl noch
zuzusetzen; Ihr mt, bei Gott! leiden, wenn man Euch angreift"--da
dachte er an seine Hausfrau und ihre wohlthuenden Hausmittel und
begehrte, trotz aller Schrecken solcher Fahrt, nichts wie heim[477].

Luther hatte den Grundsatz: "Ich esse, was mir schmeckt und leide
darnach, was ich mu. Ich frage auch nach den Aerzten nichts; will mir
mein Leben, so mir von ihnen auf ein Jahr gestellt ist, nicht sauer
machen, sondern in Gottes Namen essen und trinken, was mir schmeckt." So
berichtet der Arzt Ratzeberger, Leibarzt der Kurfrstin Elisabeth von
Brandenburg, der mit ihr nach Wittenberg floh, dann des Grafen von
Mansfeld und zuletzt des Kurfrsten von Sachsen Leibarzt--auch zu Zeiten
Luthers eigener Arzt[478]:

"Da D. Luther zum erstenmal am Calculo (Stein) krank war, so war ihm der
Appetit entgangen und scheute sich auch sonsten vor gemeiner Arzenei aus
der Apotheke. Zudem hatte er groe krperliche Schmerzen und gar keine
Ruhe. Als er nun weder essen noch trinken konnte und alles, was ihm
seine Hausfrau aufs beste und fleiigste zugerichtet, von sich schob,
bittet sie ihn aufs fleiigste, er wolle doch selbst eine Speise
erwhlen, dazu er mchte Lust haben. "Wohlan", spricht er, "so richte
mir zu einen Brathering und ein Essen kalter Erbsen mit Senf, weil du ja
willst, da ich essen soll, und thue solches nur balde, ehe die Lust mir
vergeht; verzeuchst du lang, so mag ich hernacher nicht." Die Frau
thuet, wiewohl mit groen Sorgen, was ihr Herr befohlen, und richtet das
Essen zu, so geschwinde sie vermochte, und setzte es ihm vor. Als er nun
mit groer Lust davon isset, besuchen ihn die Aerzte--seine Medici
waren Augustin Schurf und Lic. Melchior Fend--ihrer Gewohnheit nach und
wollen sehen, wie sich die Krankheit anlasse. Da sie ihn nun essen
sahen, entsetzten sie sich vor dieser Kost, welche sie ihm schdlich und
ungesund achteten. "Ach, was thut Ihr doch, Herr Doktor", sagte Lic.
Fend, "da Ihr Euch wollet selber noch krnker machen!" D. Luther
schwieg ganz stille und a immer fort und hatte ein Mitleiden ob der
Medikorum Traurigkeit, die so hart fr ihn sorgten. Bald nachdem sie
Urlaub von ihm genommen und nunmehr gedachten, er wrde gar eine
tdliche Krankheit erwecken, kommt ein groer Stein von ihm, dessen sie
vorher nicht an ihm gewohnt waren und war Lutherus wieder gesund. Des
andern Morgens besuchten sie ihn und vermeinten ihn krank im Bette zu
finden; da sahen sie ihn aber in seinem Schreibstblein ber den Bchern
sitzen, dessen sie sich hoch verwundern."

Aber Frau Kthe wute ihren Mann nicht nur durch Speise und Arznei zu
erquicken, sondern auch aufzurichten und zu trsten.

Wenn er verstimmt war oder gar seine "Anfechtungen" hatte, so lud die
kluge, verstndige Frau heimlich den Dr. Jonas zu Tische, da dieser ihn
mit frohen Gesprchen aufheiterte; sie wute nmlich, da ihn niemand
durch Gesprch besser aufzumuntern verstand; oder sie lie Bugenhagen
gar im Kloster wohnen und nahm seine Frau, die ihrer Niederkunft
entgegensah, dazu[479].

Nicht nur, um ihre Bauerei und Landwirtschaft zu besorgen, hielt Frau
Kthe ein Fuhrwerk, sie lie auch oft ihre Pferde anspannen und ihren
Gatten mit seinen Freunden spazieren fhren, in ein "Holz" und auf die
Felder, um sich zu erlustieren, wo er dann frhlich wurde und sogar
Lieder sang; oder er fuhr ber Land in die Drfer, wobei er die Armen
beschenkte[480].

Diesen Beruf der Frau Doktorin, dem groen Reformator Leben und
Gesundheit und Geistesfrische zu erhalten, zum Segen der Kirche,
erkannte besonders der feine Capito an und spricht es aus in den Worten
an Luther: "Ich liebe sie von Herzen als diejenige, welche dazu geboren
ist, Deine Gesundheit aufrecht zu halten, damit Du desto lnger der
unter Dir geborenen Kirche, d.h. allen Christglubigen zum Heile dienen
kannst."[481]

Doch nicht blo als treffliche Kchin und ausgezeichnete
Krankenpflegerin stand Frau Kthe ihrem Gatten bei, wie er es von dem
Eheweib verlangt, "da sie ihres Mannes Unfall, Krankheit und Unglck
tragen zu helfen, schuldig sei"; sie war ihm auch "ein freundlicher,
holdseliger und kurzweiliger Gesell des Lebens"; in diesem Sinn nennt er
sie "Hausehre", da sie des Hauses Ehre, Schmuck und Zierde wre[482].

Ueber den Verkehr mit der Ehegattin spricht sich Luther bei der
Auslegung von 1. Moses 26, 8 aus, wo Isaak und Rebecca scherzen. "Das
ist ein ehrlicher Scherz, so einem frommen Weibe wohl ansteht. Wenn der
Hausherr mit seiner Schwester oder Gesinde dermaen scherzen wollte, das
wrde ihm nicht wohl anstehen. Denn da gehrt sich, da man sie heie,
was sie thun und lassen sollen, und da soll Ernst dabei sein, auch wenn
man sie trstet. Aber mit der, die mir Gott zugefget hat, will ich
scherzen, spielen und freundlich reden, auf da ich mit Vernunft und
Bescheidenheit bei ihr leben mge."[483]

So wute auch Katharina selbst ihren Gatten zu unterhalten, selber einen
Scherz zu machen und noch mehr Scherz und Neckerei ihres Eheherrn
auszuhalten. Und auch den Freunden und Gsten wei sie so zu begegnen.
Den Bremer Pfarrer Probst lt sie fragen, ob die Nordsee ausgetrocknet
sei, da es keine Fische gebe. Als D. Speratus eine Menge Fische schickt
durch den hochgewachsenen Cario, sagte sie zu Luther: "Ein groer
Bischof hat mir ein groes Fa geschickt." "Und zwar durch einen groen
Mann, unsern Charon", setzte Luther hinzu. "Ja, heut ist alles gro!"
meinte sie darauf[484].

In Luthers eigener sinniger Art, aber mit wirkungsvollem Handeln wute
sie ihrem Gemahl entgegenzutreten. Da war er einmal in einer Anwandlung
von Schwermut, an Gott und der Welt verzweifelnd, fortgegangen. Als er
heimkehrte, trat ihm Frau Kthe entgegen im schwarzen Trauergewand und
den Schleier tief im Gesicht. Erschrocken rief er: "Um Gotteswillen,
Kthe, was ist geschehen?" "O, Herr Doktor, ein groes Unglck",
erwiderte sie; "denket nur, unser lieber Hergott ist gestorben, des bin
ich so traurig." Da fiel Luther seinem Weibe um den Hals und rief: "Ja,
liebe Kthe, that ich doch, als wr' kein Gott im Himmel mehr!" Und so
gewann er neuen Mut, da er die Traurigkeit berwand[485].

Nicht nur Luthers Verstimmungen und Anfechtungen wute Frau Kthe
aufzuheitern, sondern auch den gewaltigen Willen des bei aller
Gutmtigkeit eigensinnigen und starrkpfigen Mannes zu brechen,
namentlich wenn es galt, ihn zu seinem eigenen Besten zur Ruhe und
Erholung zu bewegen. "Mein Kopf ist eigensinnig, wie ihr sagt", schreibt
er einmal an Melanchthon, "aber mir ist er eigensinnigissimmum, weil
mich der Satan so wider Willen zu feiern und Zeit zu verderben zwingt."
Die kluge Frau aber verstand es, nach seinem eigenen Gestndnis, ihn zu
berreden, so oft sie wollte[486].

Dagegen verwahrt sich Luther gegen den Verdacht, da er sich in
theologischen oder kirchlichen Dingen durch seine Frau bestimmen lasse.
Dennoch wurde das geglaubt und ihr namentlich ein schlimmer Einflu
zugetraut gegen gewisse Personen; so schreibt z.B. Kreuziger an Veit
Dietrich, der Frau Kthe an sich nicht hold war: "Du weit, da er
(Luther) zu vielem, was ihn entflammt, eine Fackel im Hause hat."
Namentlich bei seinem Streit mit den Juristen glaubten die Wittenberger
die persnliche Abneigung seiner Frau gegen gewisse Persnlichkeiten
dahinter zu wittern[487].

In einer so kleinen Stadt und bei den oft so kleinlichen Reibereien der
Gelehrten und ihrer Frauen, ist ein solcher Klatsch auch begreiflich, so
grundlos er auch sein mchte. Wir haben darber eine sehr lebhafte und
anschauliche Schilderung eines Augenzeugen. Am Sonntag Estomihi (24.
Februar) 1544 war bei Luther ein "Knigreich" mit dem blichen Schmause.
Auer Bugenhagen, Melanchthon, Rhrer, Major u.a. war auch der
Schulmeister Crodel aus Torgau zu seiner groen Freude und Genugthuung
eingeladen. Dieser, von einigen Wittenbergern dazu veranlat, brachte
das Gesprch auf das "verleumderische Gercht", da der Doktor "aus
Eingebung und Antrieb seiner Gattin predige". Mit groer Ernsthaftigkeit
und Wrme wies Luther diesen Verdacht ab und sagte u.a.: "Solcherlei
Worte, wie ich sie in dieser Sache (dem Streit mit den Juristen)
vorbringe, fallen--ohne da ich dem heiligen Geist eine Regel
vorgeschrieben haben will--keinem Weiberkopf ein. Ich la mich von
meinem Weibe etwa leiten in Sachen des Haushaltes und Tisches, aber in
Dingen des Gewissens und der Schrift erkenne ich keinen andern Lehrer
und Doktor an, als den heiligen Geist." Ein wenig darauf, nach einer
heftigen Rede, kam sein Weib her und fragte, was denn mit so groer
Heftigkeit verhandelt werde. Er schlo mit den Worten zu Crodel: "Sage
den Rechtsgelehrten, da ich in dieser Sache nicht von meiner Frau
geleitet werde; ich hebe es auf die Sache selbst und den Kern eines
Gegenstandes ab ohne Rcksicht auf eine Person." Crodel war dieses
Gesprch so wichtig, da er's wrtlich seinem Freunde Ratzeberger
schriftlich mitteilte, und es war auch bezeichnend genug: man mute
Luther wenig kennen, wenn man solchem Klatsch Glauben schenken
wollte[488].

Es kommt auch jetzt noch vor, da Luther seiner Kthe Briefe vorlas,
auch in ihrer Gegenwart solche schrieb und da sie ihm Auftrge dabei
gab; auch ermunterte sie ihn, an die Freunde zu schreiben, wenn er
sumig darinnen war. Freilich zu Stunden stiller Erholung, wie in den
ersten Jahren ihrer Ehe, werden die Gatten in der spteren Zeit des
groen Arbeitsdranges seltener mehr gekommen sein. Aber bei aller
huslichen Sorge und Thtigkeit in Garten und Feld ging Frau Kthe doch
nicht vllig in ihrer wirtschaftlichen Thtigkeit auf. Sie war ihrem
Manne in seinem Amt und Beruf, so viel das mglich und ntig war, doch
die Gehilfin seines Lebens. Nicht nur in dem Sinne, da sie ihm die
Sorgen abnahm fr Familie und Vermgen, sondern sie nimmt teil an seinem
Wirken, an den zeitbewegenden Fragen[489].

"Lehrest Du also den Katechismum und den Glauben?" schreibt der Doktor
von Eisleben an seine "sorgfltige" Hausfrau. Damit ist doch wohl
ausgesprochen, da Frau Kthe--mindestens in Abwesenheit des
Doktors--mit Kindern und Gesinde den Katechismus trieb, wie Luther mit
diesem Lehrbchlein allen christlichen Eltern zumutete[490].

Luther giebt aber auch seiner Hausfrau Auftrge wegen des Druckes seiner
Schriften; ja sie hat mit darein zu reden und bestimmt ihn, was er
drucken lassen solle oder nicht. Von Marburg aus schreibt er ber das
Religionsgesprch mit Zwingli, ber das Abendmahl sogar mit lateinischen
Schlagwrtern[491].

Fr diese Anteilnahme an ihres Gatten Arbeiten, Sorgen, wie an den
groen Zeitfragen und Weltbegebenheiten, geben die Briefe vor allem
Zeugnis, die er whrend seiner Abwesenheit bei Gelegenheit von
Reichstagen an sie schrieb. So die von Koburg (S. 109-113). Insbesondere
der letzte vom 24. September, "zuhanden Frauen Kathrin D. Lutherin zu
Wittenberg."

Gnade und Friede in Christo!

Meine liebe Kthe! Gestern hab ich Dir geschrieben und einen Brief in
gndigsten Herrn mitgeschickt, daraus Du vernehmen kannst, wie die
Unsern von Augsburg wollen auf sein. Darnach hoff ich, wo Gott Gnade
giebt, wollen wir in vierzehn Tagen bei Euch daheim sein. Wiewohl ich
achte, unsere Sache werde nicht gar unverdammt bleiben. Da liegt auch
nicht Macht an. Doch hat der Rietesel anhero geschrieben, er hoffe, man
werde in Augsburg mit Frieden abscheiden in allen Gassen. Das gebe Gott
und wre eine groe Gnade. So bedrfen wir's alle wohl, weil der Trke
so an uns will. Weiteres wirst Du wohl von Hornungen hren. Hiemit seid
Gott alle befohlen.

Sonnabends nach Matthi, 1530. Martinus LutheR."[492]

Zehn Jahre nachher, als der Reichstag und Konvent in Hagenau stattfand,
schreibt Luther am 10. Juli 1540 von Eisenach seiner "lieben Hausfrauen,
Frauen Kathrin Luderin zu Wittenberg" u.a.: "... Bittet mit Flei, wie
ihr schuldig seid, fr unsern Herrn Christum, d.i. fr uns alle, die an
ihn glauben, wider den Schwarm der Teufel, so jetzt zu Hagenau toben
wider den Herrn und seinen Gesalbten (Ps. 2)." (S.o.S. 130 f.)[493].

So redete Luther auch in den letzten Jahren mit seiner Hausfrau ber die
politische Lage, namentlich die hinterlistige Politik des Herzogs Moriz.
"Liebe Kthe", erklrte er da, "deine Landsleute haben mit meines
gndigsten Herrn Rten eine Hundskette gemacht und werden nicht eher
nachlassen, sie haben ihn denn verraten."[494]

Es ist naturgem und begreiflich, da wir von Frau Katharinas Wesen,
Wirken und Bedeutung so wenig direkte Zeugnisse besitzen. Denn sie
selbst hat nicht gerade viel geschrieben und ihre Briefe sind fast alle
verloren gegangen, whrend sie selbst ihres Doktors Briefe sorgfltig
aufbewahrt hat; ferner interessierten sich die Hausgenossen und
Zeitgenossen selbstverstndlich fast nur fr den groen Mann, der die
Welt bewegt hatte. Seine Gestalt berstrahlte die Hausfrau vllig. Nur
im Reflex von Luthers Briefen und Tischgesprchen, selten in Bemerkungen
seiner Bewunderer, finden wir Zge, die ihr Charakterbild darstellen.

Da aber demnach Frau Katharina neben dem Reformator eine selbstndige
Stellung und Geltung behauptete, beweist der Umstand, da die Freunde
und Luther selbst sie nicht nur respektvoll die "Domina" und Doktorin,
mit lateinischen und griechischen Worten nannten, sondern auch von der
verheirateten Frau noch den Namen "Katharina von Bora" gebrauchten.

Was hielt nun Luther von seiner Frau?

Da giebt es drei wichtige Zeugnisse, die Luther seiner Gattin ausstellt,
am Anfang, in der Mitte und am Ende seiner Ehe, nicht etwa blo
gelegentliche Aeuerungen guter oder schlechter Laune, sondern berlegte
und feierliche Anerkennung ihrer Vortrefflichkeit als Hausfrau und
Ehefrau.

Im zweiten Jahre seines Ehestands (1526) schreibt er an Stiefel: "Sie
ist mir willfhrig und in allen Dingen gehorsam und gefllig, viel mehr,
als ich zu hoffen gewagt hatte (Gott sei Dank!), so da ich meine Armut
nicht mit den Schtzen des Krsus tauschen mchte."[495]

Elf Jahre darauf, bei seinem tdlichen Krankheitsanfall auf der Reise
von Schmalkalden, diktierte Luther in Gotha sein Testament, worin es
heit: "Trstet meine Kthe, da sie dies trage dafr, da sie zwlf
Jahre mit mir froh gelebt hat. Sie selbst hat mir gedient nicht allein
wie eine Gattin, sondern auch wie eine Magd. Gott vergelt es ihr! Ihr
aber sollt fr sie sorgen und ihre Kinder, wie sich's geziemt" Und dann
sagte er: "Ich habe meine Kthe lieb, ja ich hab sie lieber denn mich
selber, das ist gewilich wahr; ich wollt lieber sterben, denn da sie
und die Kinderlein sterben sollten."[496]

Endlich schreibt Luther in seinem letzten und endgiltigen Testament i.J.
1542. "Ich M.D.L. bekenne mit dieser meiner eigenen Handschrift, da ich
meiner lieben und treuen Hausfrauen gegeben habe zum Leibgeding Gut,
Haus und Kleinode. Das thue ich darum, da sie mich als ein fromm
(brav), treu ehelich Gemahl allezeit lieb, wert und schn gehalten
hat."[497]

Und was so Luther in feierlichen Stunden bezeugte, das hat er wiederholt
sonst vor seinen Tischgenossen und Freunden bekannt. Sein langjhriger
Hausgenosse Hieronymus Weller schreibt in seinen Erinnerungen: "Ich
erinnere mich, wie der hochw. Mann oft sagte: er preise sich von Herzen
glcklich, da ihm Gott eine so folgsame, bescheidene und kluge Gemahlin
geschenkt, welche so ausgezeichnet fr seine Gesundheit sorge und
eintreten knne und sich so geschickt seinem Wesen anzupassen und seine
Fehler und Unannehmlichkeiten mit so stillem Gemte zu tragen wisse.
Denn er knne bei seinen vielen Arbeiten, Beschftigungen und
Anfechtungen nicht immer seinem Wohlbefinden Rechnung tragen."[498]

Das Verhltnis zwischen Kthe und Luther war das der achtungsvollen
Verehrung; das entsprach einmal der Anschauung des Mittelalters von der
Herrschaftsstellung des Mannes zum Weibe; anderseits rhrte es davon
her, da die fnfzehn Jahre jngere Frau zu dem lteren, durch
Gelehrsamkeit und hohes Ansehen ehrwrdigen Mann mit einer gewissen
Piett hinaufschaute. Daher redet er sie zwar immer mit "Du" an, _sie_
aber spricht zu _ihm_ immer mit "Ihr" und nennt ihn "Herr Doktor". Das
fand auch Luther selbstverstndlich. Als einmal von einem Manne die Rede
war, welcher an eine reiche Frau seine Freiheit verkauft hatte, sagte
er: "Ich hab's auch gern, wenn mir meine Kthe bers Maul fhrt--nur da
ich sie nicht viel dran lasse gewinnen als ein Maulschellium."[499] Und
ein andermal: "Sie hat allein die ganze Herrschaft in ihrer Hand. Ich
gestehe ihr auch gerne das ganze Hausregiment zu; aber mein Recht wollte
ich mir unversehrt erhalten und Weiberregiment hat nie nichts Gutes
ausgerichtet." Luther war seinem ganzen Wesen, aber auch seiner
Anschauung und seinen biblischen Grundstzen nach nicht der Mann, seine
eheherrlichen Rechte sich verkrzen zu lassen: einen Freund, der ihm die
Tyrannei seines Weibes klagt, verweist er tadelnd darauf, da man das
Ansehen des Mannes nicht drfe mit Fen treten lassen. So fhrte er
auch auf Hans Luffts Tochter Hochzeit die Braut zum Lager und sprach zum
Brutigam (dem Arzt M. Andreas Aurifaber): "Er soll's bei dem gemeinen
Lauf bleiben lassen und Herr im Hause sein (wenn die Frau nicht daheim
ist, setzte er scherzend hinzu). Und zum Zeichen zog er ihm einen Schuh
aus und legte ihn aufs Himmelbett, da er die Herrschaft und das
Regiment behielte[500].

Aber freilich Kthes resolutes Wesen, die Herrschaft, die sie im Haus
fhrte und die der Hausherr ihr auch vllig einrumte, fhrte ihn dazu,
da er sie auch scherzend seinen "Herrn" nannte. So schreibt er ihr vom
Hoflager in Torgau: "Gestern hab ich gedacht, wie ich daheim eine schne
Frauen habe, oder sollt ich sagen Herren?"[501]

Und gerade mit dieser resoluten Art ihres Wesens neckt er sie genugsam.
Und wie gerade recht willensstarke wenn auch gutmtige Eheherren,
gefllt er sich seinen Freunden gegenber in der humoristischen Rolle
des gehorsamen, unterdrckten Ehemanns. So sagte er einmal zu einem
Gast: "Nehmt frlieb mit einem frommen (braven) Wirt, denn er ist der
Frauen gehorsam." Ihr selbst gegenber spricht Luther in immer neuen
Wendungen von dieser angeblichen Eheherrschaft und charakterisiert jenes
gebieterische Wesen der Frau Kthe. "Meine Herrin" nennt er sie schon in
der ersten Woche ihrer Ehe. "Mein Kthe" (Meus Ketha) ist spter ihre
regelmige Bezeichnung in seinen vertrauten Briefen und in ebenso
drolliger Verbindung "Meine Herr Kthe", oder sprachlich richtiger "Mein
Herr Ktha", "Dr. Kethus", auch einmal "mein Herr und mein Moses" und
"meine Gebieterin" oder "Kaiserin"[502].

Aber sonst nennt er sie in zrtlichem Wortspiel gar hufig "meine
Kette", auch meine "Weinrebe", oder in Briefen an entfernter Stehende
respektvoll "meine Hausfrau", "meine Hausehre"[503].

Auch seiner Frau selber gegenber schlgt Luther gewhnlich jenen
neckischen Ton an, woraus einerseits zrtliche Neigung, andererseits
doch auch achtungsvolle Anerkennung blickt.

Schon in seinem ersten erhaltenen Brief und dann fast regelmig redet
er sie an "Lieber Herr Kth". Dann adressiert er--nach Sitte der
damaligen Zeit--"Meinem lieben Herrn, Frau Kathrin Lutherin zu
Wittenberg zu handen", oder "Meinem freundlichen lieben Herrn, Frau
Katherin von Bora, D. Lutherin, zu Wittenberg" oder noch umstndlicher
humoristisch pathetisch: "Meinem freundlichen lieben Herren Katherina
Lutherin, Doctorin, Predigerin zu Wittenbergh". Oder: "Meiner gndigen
Jungfer Katherin Lutherin von Bora und Zulsdorf gen Wittenberg, meinem
Liebchen". "Meiner herzlieben Hausfrauen Katherin Lutherin Doctorin
Zulsdorferin, Saumrkterin und was sie mehr sein kann." "Meiner
freundlichen lieben Hausfrau Katherinen Luther von Bora, Predigerin,
Brauerin, Grtnerin und was sie mehr sein kann." Dann aber heit es auch
innig und herzlich auf der Adresse "Meiner lieben" oder "herzlieben
Hausfrauen" oder "Meiner freundlichen lieben Kthe Lutherin" und in der
Anrede: "Liebe Jungfer Kthe" und zum Schlu "Dein altes Liebchen" oder
auch "Dein lieber Herr". Sogar in seinem tglichen Hausgebet bittet er
fr "mein liebes Weib"[504].

So dient dem Doktor seine Hausfrau manchmal auch zur Exemplifikation
seiner theologischen oder erfahrungsgemen Ansicht ber die Weiber, oft
in scherzhafter oder wohl auch einmal ernsthafter Uebertreibung. Da
spricht er ihnen Weisheit und Herrschaftstalent ab und macht sich lustig
ber ihre Redseligkeit, indem er verschiedentlich bemerkte, die Weiber
im allgemeinen und seine Kthe im besonderen vergen das Vaterunser,
wenn sie anfingen, zu predigen[505].

So "lachte der Doktor einmal seiner Kthe, als sie klug sein wollte; er
meinte, Gott habe dem Manne eine breite Brust als Sitz der Weisheit
gegeben, dem Weibe aber breite Hften und starke Schenkel, da sie
sollen daheim bleiben, im Hause still sitzen, haushalten, Kinder tragen
und ziehen. Weiberregiment im Haus und Staat taugt nichts. Der Mann hat
im Hause das Regiment. Das Gesetz nimmt den Weibern Weisheit und
Regiment." Er meinte berhaupt: "Es ist kein Rock noch Kleid, das einer
Frauen oder Jungfrauen beler ansteht, als wenn sie klug will sein."
Luther erklrte sogar einmal in einer Tischrede: "Den Weibern mangelt's
an Strke, Krften des Leibes und am Verstand. Den Mangel an
Leibeskrften soll man dulden, denn die Mnner sollen sie ernhren. Den
Mangel an Verstand sollen wir ihnen wnschen, doch ihre Sitten und Weise
mit Vernunft tragen, regieren und etwas zu Gute halten."[506]

Daneben aber erkennt er die Vorzge und die Bestimmung des weiblichen
Geschlechts rhmend an: "Ein Weib ist ein freundlicher, holdseliger und
kurzweiliger Gesell des Lebens. Weiber tragen Kinder und ziehen sie auf,
regieren das Haus und teilen ordentlich aus, was ein Mann hineinschaffet
und erwirbt, da es zu Rate gehalten und nicht unntze verthan werde,
sondern da einem jeglichen gegeben werde, was ihm gebhrt. Daher sie
vom heiligen Geiste Hausehren genannt werden, da sie des Hauses
Schmuck, Ehre und Zierde sein sollen. Sie sind geneigt zur
Barmherzigkeit, denn sie sind von Gott auch frnehmlich dazu geschaffen,
da sie sollen Kinder haben, der Mnner Lust und Freude und barmherzig
seien." "Es ist ein arm Ding ein Weib. Die grte Ehre, die es hat, ist,
da wir allzumal durch die Weiber geboren werden und auf die Welt
kommen. Ein Weib wird in der heiligen Schrift genannt "ein Lust und
Freude deiner Augen" (Sirach 26, 2). Ein fromm Weib soll darum geehret
und geliebet werden, erstlich, da sie Gottes Gabe und Geschenk ist; zum
andern, da Gott einem Weibe herrliche groe Tugenden verliehen, welche
andere Mngel und Gebrechen weit bertreffen, sonderlich wo sie Zucht,
Treue und Glauben halten." "Wenn die Weiber die Lehre des Evangeliums
annehmen, so sind sie viel strker und inbrnstiger im Glauben, halten
viel strker und steifer darber, als die Mnner, wie man siehet an der
lieben Anastasia und andern Mrtyrern; auch Magdalena war herzenhaftiger
denn Petrus."[507]

Einmal klagt er wohl auch: "Wenn ich noch eine freien sollte, so wollte
ich mir ein gehorsam Weib aus einem Steine hauen; so sehr hab ich
verzweifelt an aller Weiber Gehorsam." Aber so gar ernst war's ihm doch
nicht damit. Er wute wohl: "Es ist keine grere Plage noch Kreuz auf
Erden, denn ein bs, wunderlich, znkisch Weib." Bei ihm war's nicht so,
sonst liefe er davon, sagt er. Dagegen wei er seines Weibes
Willfhrigkeit und Dienstfertigkeit an vielen Orten und in mancherlei
Weise zu rhmen. So zitierte er auch gerne das Wort seiner Wirtin zu
Eisenach: "Es ist kein lieber Ding auf Erden als Frauenlieb, wem sie
kann werden." Und aus seiner eignen Erfahrung erklrt er: "Ein fromm
Eheweib ist eine Gesellin des Lebens, des Mannes Trost." [508]

Kleine eheliche Fehden nahm Luther als selbstverstndliche Dinge
leichten Herzens in den Kauf. Als er einmal einen kleinen Zwist mit
seiner Frau gehabt hatte, sagte er erklrend zu Veit Dietrich: "Er stehe
auch von ihr einen Zorn aus, er knne ja noch mehr ertragen." Er meint
von Eheleuten: "Ob sie gleich zuweilen schnurren und murren, das mu
nicht schaden; es gehet in der Ehe nicht allzeit schnurgleich zu, ist
ein zufllig Ding, des mu man sich ergeben. Adam und Eva werden sich
auch gar weidlich die neunhundert Jahre zerscholten haben und Eva zum
Adam gesagt: "Du hast den Apfel gessen." Herwiederum wird Adam
geantwortet haben: "Warum hast Du mir ihn gegeben?" Das Wesen der Ehe
wird durch solche Plnkeleien nicht geschdigt. "Denn wiewohl die
Weibsen gemeiniglich alle die Kunst kennen, da sie mit Weinen, Lgen,
Einreden einen Mann gefangen nehmen, knnen's fein verdrehen und die
besten Worte geben; wenn nur diese drei Stcke im Ehestand bleiben,
nmlich Treu und Glauben, Kinder und Leibesfrchte und Sakrament, da
man's nmlich fr ein heilig Ding und gttlichen Stand hlt, so ist's
gar ein seliger Stand, und das ein seliger Mann, der eine gute Ehefrau
hat."[509]

Einmal klagt er wohl: "Ich mu Geduld haben mit dem Papste, ich mu
Patienz haben mit den Schwrmern, ich mu Geduld haben mit den
Scharhaufen, ich mu Patienz haben mit dem Gesinde, ich mu Patienz
haben mit Kthen von Bora, und der Patienz ist so viel, da mein Leben
nichts sein will als Patienz. Der Prophet Jesaias (30, 15) spricht: "In
Schweigen und Hoffen steht eure Strke."--Wie wenig aber Kthe dies bel
nahm, beweist, da sie auf die steinerne Hausthre, welche sie in Pirna
fr Luther bestellte, grade diesen Prophetenspruch eingraben lie.
Luther bekennt aber auch: "Wer ein fromm (brav) Weib bekommt, der
bekommt eine gute Mitgift. Und da gleich ein Weib etwas bitter ist, doch
soll man mit ihr Geduld haben. Denn sie gehrt ins Haus und das Gesinde
bedarf's bisweilen auch sehr wohl, da man ihnen hart sei und weidlich
zuspreche." "Der husliche Zorn als Vater und Mutter, Herrn und Frau im
Hause, thut nicht groen Schaden. Huslicher Zorn ist, als wenn die
Kinder mit den Puppen spielen."[510]

Die Hochschtzung des Familienlebens, das Lob, das Luther in allen
Tonarten dem Ehestand anstimmt, ist doch auch ein Beweis fr die
glckliche Ehe, in der Luther mit seiner Kthe lebte. Das Kapitel ber
den Ehestand ist in seinen Tischreden das grte. So fing er bei der
Verlobung seiner Nichte (1538) an und konnte gar nicht aufhren, den
Ehestand zu loben, da er Gottes Ordnung und der allerbeste und
heiligste Stand sei. "Darum sollte man ihn mit den herrlichsten
Zeremonien (Feierlichkeiten) anfangen. Gott hat ein Kreuz (nmlich: des
Segens) ber den Ehestand gemacht und hlt's auch darber."[511]

In der Ehe soll eitel Liebe und Lust sein, freilich "mu es ein frommer
Mann und ein fromm Weib sein, welche Gemahl und Kinder von ganzem Herzen
lieben. Ein fromm Eheweib ist eine Gesellin des Lebens, des Mannes
Trost, wie geschrieben steht (Sprw. 31, 11): Des Mannes Herz verlt
sich auf sie. Das Weib hat das Lob der Geflligkeit und erfreuenden
Anmut." Das lieblichste Leben dnkte ihm: "leben mit einem frommen,
willigen, gehorsamen Weibe in Frieden und Einigkeit."[512]

Luther selber hatte nun in seiner Hausfrau und seinem Hausstand
gefunden, was er in dem rechten Ehestand suchte und von dem rechten
Eheweib erwartet. Er bezeugt: "Mir ist, gottlob! wohl geraten, denn ich
habe ein fromm (brav), getreu Weib, auf welche sich des Mannes Seele
verlassen darf, wie Salomon sagt (Sprw. 31, 11): Sie verderbet mir's
nicht."[513]

"Martinus redete von seiner Hausfrau und sagte: er achtete sie teurer
denn das Knigreich Frankreich und der Venediger Herrschaft. Denn ihm
wre ein fromm (brav) Weib von Gott geschenkt und gegeben. Zum andern,
er hre, da viel grer Gebrechen und Fehler allenthalben unter
Eheleuten seien, denn an ihr erfunden wre. Zum dritten: das wre
berflssige Ursach genug, sie lieb und wert zu halten, da sie Glauben
und sich ehrlich hielte, wie es einem frommen, zchtigen Weib gebhret.
Welches alles, da es ein Mann ansehe, so wrde er leichtlich berwinden,
was sich mchte zutragen, und triumphieren wider Zank und Uneinigkeit,
so der Satan pflegt unter Eheleuten anzurichten." "Die Ehe ist nicht ein
natrlich Ding, sondern Gottes Gabe, das allerseste, lieblichste und
keuscheste Leben. Ach, wie herzlich sehnte ich mich nach den Meinen, da
ich zu Schmalkalden todkrank lag! Ich meinte, ich wrde Weib und Kinder
hie nicht mehr sehen; wie weh that mir solche Scheidung und Trennung.
Nun glaub ich wohl, da in sterbenden Menschen solche natrliche Neigung
und Liebe, so ein Ehemann zu seinem Eheweib habe, am grten sei. Weil
ich aber nun gesund bin worden durch Gottes Gnade, so hab ich mein Weib
und Kinderlein desto lieber. Keiner ist so geistlich, der solche
angeborene Neigung und Liebe nicht fhlet. Denn es ist ein gro Ding um
das Bndnis und die Gemeinschaft zwischen Mann und Weib."[514]

Luther wute aber auch, da er keine zweite Frau in der Welt finden
knnte, die so gut fr ihn pate, als Katharina von Bora. Er warnte den
Pfarrer von Sitten vor einer zweiten Heirat und fgt bei der Umschau auf
seinen Bekanntenkreis hinzu: "Ich, wenn ich jung wre und die Bosheit
der Welt so kennete, ich wrde, wenn mir auch eine Knigin angeboten
wrde nach meiner Kthe, lieber sterben, als noch einmal heiraten." Und
doch schtzte er den Ehestand so hoch, da er ihn fr die schnste
Ordnung nach der Religion, fr den frnehmsten Stand auf Erden
hielt[515].

Luther kannte nichts Lieberes als seine Kthe. Er beteuert, er habe sie
lieber als sich selber. Ja er klagte darber als menschliche Schwche,
da er seine Kthe lieber habe als unsern Herrgott. Seine
Lieblingsepistel, den Galaterbrief, nannte er "seine Kthe im neuen
Testament". "Der Brief an die Galater ist meine liebe Epistel, der ich
mich vertrauet habe: sie ist meine Kthe von Bora." Und sein hchster
Trumpf war: "Ich setze meine Kthe zum Pfand!"[516]

Kthe war nicht eine geistreiche Frau, hoher Schwung der Gedanken,
glnzende Geistesgaben gingen ihr ab: sie ist eine nchterne und doch
nicht hausbackene, tchtige deutsche Frau.

Es ist eine unzeitgeme Sache, die Frage aufzuwerfen, ob denn Frau
Kthe "gebildet" war. Eine gelehrte Frau wie Argula von Grumbach war sie
glcklicherweise nicht; von einer solchen war Luther, wie seine
Aeuerungen zeigen, wenig erbaut und jedenfalls wre dann seine Wahl
nicht auf Katharina gefallen. (S. 185 f.) Eine geistvolle Frau wie die
Kirchenmutter Katharina Schtzin in Straburg, welche Sendschreiben an
die christlichen Frauen ergehen lie, brauchte sie neben Luther nicht zu
sein. Aber so gebildet wie irgend eine Frau ihres Standes war sie doch.

Frau Kthe, wird bezeugt, las gerne und eifrig in der Bibel und gewi
nicht blo wegen der von Luther versprochenen 50 fl. Einmal ermahnte der
Doktor sein Weib, da sie fleiig Gottes Wort lesen und hren solle, und
sonderlich den Psalter fleiig lesen. Sie aber sprach, da sie es genug
thte und tglich viel lese, und knne auch viel davon reden; wollte
Gott, sie thte auch darnach. Der Doktor meinte zwar, solch' Rhmen
msse der Vortrab des knftigen Ueberdrusses sein. Aber freilich, die
vielbeschftigte Frau konnte doch auch nicht stndig mit geistlichen
Dingen sich beschftigen, wie ihr theologischer Gemahl. Und ein andermal
fiel ihr selbst auf, da sie im Evangelium nicht mehr so hitzig und
emsig bete wie im Papsttum. Geistlich gesinnet sein konnte sie aber
deswegen doch. Von seinen Predigten ber Joh. 14-16 sagte Luther zu
seiner Gattin: "Das ist das beste unter allen Bchern, die ich je
geschrieben habe; darum liebe Kthe, la Dir's befohlen sein und halt es
fr mein Testament."[517]

Und von Eisleben aus schrieb er: "Lies Du, liebe Kthe, den Johannem und
den kleinen Katechismum, davon Du zu dem Male sagtest: "Es ist doch
alles in dem Buch von mir gesagt." Sie las also nicht nur in Schrift und
Glaubensbchlein, sondern wandte es auch auf sich an[518].

Es ist doch ein Zeugnis fr so eifriges Forschen in der Schrift, wenn
ihr von ihren Kindern auf ihrem Grabstein ein offenes Buch in die Hnde
gegeben wird.

Kthe konnte auch schreiben, und ihre Briefe, soweit sie diktiert und
nicht etwa von andern stilisiert sind, beweisen eine klare, bestimmte
und verstndige Denk- und Ausdrucksweise. Und wenn Luther seine Frau
auch einmal damit aufzieht, da sie "Kattegissimum" schrieb statt
Katechismum, so kann dies damals viel weniger wie heute als
orthographische Unbildung gelten zu einer Zeit, wo nicht nur Laien,
sondern auch Gelehrte hchstens das Lateinische einigermaen
orthographisch schrieben, das Deutsche aber in der krausesten Form, wie
es ihnen in die Feder kam mit allen Fehlern der undeutlichen,
verdorbenen mundartlichen Aussprache[519].

Ebenso wenig sachgem ist die Frage, ob Frau Katharina ihrem Gemahle
ebenbrtig war. An eine Vergleichung mit seinem geistigen Wesen, mit
Luthers Genialitt und Charakter, Wirksamkeit und weltgeschichtlicher
Bedeutung ist ja naturgem nicht zu denken. Aber da sie als Gattin,
als Hausfrau und Mutter seiner Kinder ihm das war, was er an ihr
brauchte und wollte, da sie Luthers rechte und somit ebenbrtige Gattin
war, das hat er immer wieder ausgesprochen und anerkannt.

Aber auch daran mu erinnert werden, da Frau Katharina doch ein
lebhaftes Interesse fr das Werk ihres Gatten, fr die Kirche und die
Reformation bezeugte. Frau Kthe hrte und las viele von den Briefen,
die ab- und eingingen. Sie drngte ihren Gatten zum Schreiben. Sie
sprach ein Wort darein, wenn er eine Schrift ausgehen lie. Sie durfte
als eine Doktorin auch ihren Rat bei Besetzung von Pfarrstellen geben
und bemhte sich fr junge Magister um Anstellung. Sie verstand die
Bedeutung ihres Gatten fr die Christenheit, sie wute seine
Persnlichkeit und sein Werk zu wrdigen. Sie betete und sorgte fr das
Heil der Christenheit und den Erfolg des Evangeliums noch auf ihrem
Totenbette. Und Luther mutete ihr solches Interesse auch zu.

Und wenn wir die Rolle in Betracht ziehen, welche Katharina gegenber
den anderen Professoren- und Reformatorenfrauen in dem mndlichen und
schriftlichen Gedankenaustausch der Zeitgenossen spielte, so z.B.
Melanchthons Frau, wenn wir sehen, wie sie allerseits geehrt, gegrt
und beachtet, in ihrer Krankheit um sie gebangt war, nicht blo um ihres
Gatten willen, dann ist auer Zweifel: seine Kthe ist des groen
Doktors wert und wrdig gewesen, und es ist doch bemerkenswert, da die
Freunde die Gattin Luthers mit dem Weibe der Offenbarung, dem Sinnbild
der christlichen Kirche verglichen[520].

Aus den spteren Jahren giebt es von Frau Katharina ein Kranachsches
Bild[521]. Das Gesicht ist etwas gebrunt, die Augen blicken trbe, fast
schmerzlich und mde, wie Luther in dieser Zeit sie schildert, als
"geneigt zu Mitrauen und Sorgen"[522]; wieder zeigt die starke
Unterlippe das krftige Selbstbewutsein, die zusammengelegten Hnde
deuten ruhige Gelassenheit an. Aber es ist das Bild einer geistig nicht
unbedeutenden Frau. Der ernste, ja strenge Ausdruck des Gesichts
verkndet ein schweres Geschick, das ihr bevorsteht, oder das sie schon
erlebt hat.




15. Kapitel.

Luthers Tod.


Die letzten Jahre der Ehe waren gar schwer und trbe. Das lag einerseits
in den Verhltnissen, die sich fast nach allen Seiten recht widerwrtig
gestalteten; andererseits aber in Luthers Zustand, der immer
krankhafter, immer hinflliger und damit trbseliger und verstimmter
wurde. Was Kthe bei dem zur Schwermut geneigten Temperament und der
zornmtigen Gereiztheit ihres Gatten unter all' diesen Verhltnissen zu
leiden hatte, ist leicht zu denken[523].

Die Weltlage, welche der Reformator begreiflicherweise mit aufmerksamem
Auge verfolgte, war eine seltsame und fr Luthers Empfinden geradezu
erschreckliche. Das stete Vordringen der Trken, das seinem
christlich-deutschen Herzen schwer weh that, die Verbindung christlicher
Mchte, wie Frankreichs und, wenigstens indirekt, Venedigs und des
Papstes mit dem Erbfeind der Christenheit erschien wie drohende
Vorzeichen des Jngsten Tages. Dazu das Verhalten des Kaisers und seines
Bruders, des Knigs Ferdinand, das deutlich darauf ausging, die
Protestanten hinzuhalten, sie, wie einstens die Husiten, mit einem
Brocken Zugestndnis abzuspeisen, wenn man aber einmal freie Hand htte,
mit Gewalt, wie Luther frchtete--verbunden mit Papst und Teufel, Trke
und Hlle, ber sie herzufallen. Das alles erfllte ihn mit bangen
Sorgen. Er weissagte an seinem letzten Geburtstag richtig: "Bei meinem
Leben wird es, ob Gott will, keine Not haben und guter Friede in
Germania bleiben; aber wenn ich nun tot bin, da wird alsdann das Beten
hoch vonnten sein. Unsere Kinder werden noch mssen den Spie in die
Hand nehmen; denn es wird bel zugehen in Deutschland. Das Konzil zu
Trient ist sehr zornig und meinet es sehr bse mit uns. Darum betet zu
Gott mit Flei."[524]

Noch verdrielicher aber und sorgenerregender waren fr Luther mit Recht
die Streitigkeiten in den eigenen Reihen. Darber sagte er seinen
Freunden beim letzten Geburtstagsfest: "Ich frchte mich nicht vor den
Papisten, das sind des mehren Teils grobe Esel; aber unsere Brder
werden dem Evangelium Schaden thun, die von uns ausgegangen sind, aber
nicht von uns sind." Da standen sich Kurfrst und Herzog von Sachsen
wegen Landbesitz feindlich gegenber im sogenannten "Fladenkrieg" (weil
um Ostern 1542). Herzog Moriz, welchem Luther Verrterei zutraute,
entzog sich dem evangelischen Bunde von Schmalkalden. Wohl waren--bis
auf den "geistlichen Trken", den Mainzer Erzbischof--die alten Feinde
Luthers: Herzog Georg und Kurfrst Joachim I. gestorben und das
Herzogtum Sachsen und Kurbrandenburg zum Protestantismus bergetreten
und sogar das Erzbistum Kln dazu bereit; aber in Berlin traten der
"Grickel und der Jckel" (Agricola und Schenk) auf mit ihren
gesetzesstrmerischen Lehren; in Kln wollte man die Luther so
unsympathische schweizerische "Sakramentiererei" einfhren und der groe
Vermittler Butzer und der milde Melanchthon, welche diese Klner
Reformation bernommen hatten, wurden Luther hchst verdchtig und das
ganze Werk rgerlich--es scheiterte ohnedies durch die Gewaltthat des
Kaisers. In Luthers Umgebung wuchs, nachdem die alten Mitarbeiter der
Reformation am Abgang waren, ein neues Geschlecht heran, das mit
epigonenhafter Uebertreibung die Gegenstze schrfte oder allerlei
Kleinigkeiten und Aeuerlichkeiten aufbauschte, wie die Zeremonien,
Auslegung der Offenbarung Johannes, Verbot von alten Osterbruchen und
andere "Geislein" "herfrgucken" lieen, die sie fhren wollten, um sich
wichtig zu machen; auch der alte Streit mit den Schweizern flammte
wieder auf[525].

Ja, auf Melanchthon selbst, seinen alten Freund und Mitarbeiter, wurde
Luther mitrauisch gemacht wegen allerlei Abweichungen vom "echten"
Luthertum und es entstand eine gefhrliche Spannung zwischen den beiden
Mnnern und ihren Familien, bis die Mistimmung endlich durch Luther
selbst beigelegt wurde, so da der Reformator doch bis ans Ende seines
Lebens mit ihm als dem treuesten Freunde verkehrte[526]. Mit seinen
Kollegen von der juristischen Fakultt, namentlich seinem alten Freunde
Hier. Schurf, bekam Luther einen bsen Span wegen der heimlichen
Verlbnisse, welche die "garstigen Juristen" mit einem Rckfall ins
kanonische Recht fr giltig erklrten, Luther aber verwarf[527]: er
hatte die Gefhrlichkeit der Sache an Melanchthons Sohn er fahren, der
sich--noch unmndig--von einem Mdchen hatte fangen und ohne Wissen und
Willen seiner Eltern ihr ein Eheversprechen gegeben hatte, worber M.
Philipp und sein Weib "schier verschmachtet" wren, wenn Luther es nicht
abgewendet htte. Und er selber mute es erfahren in seiner eigenen
Familie, indem seiner Schwester Sohn sich ungehorsamerweise ohne der
Freundschaft Rat verlobte. Er hatte infolgedessen zu klagen, da das
"Meidevolk in Wittenberg gar khn" geworden sei und die Eltern ihre
Shne von der Universitt zurckforderten, weil man ihnen da Weiber an
den Hals hnge[528].

Die alten Hausgenossen und Freunde waren in alle Welt zerstreut; aber in
ihren Anfechtungen, Verdrielichkeiten, Bedenken wandten sie sich an
ihren "heiligen Vater Luther". So hatte er zu schlichten, zu raten und
zu trsten--und das richtete ihn selber auf. Aber er hatte auch manchen
Aerger und manchen Schmerz[529]. Da plagte ihn M. Stiefel mit seinen
Grillen ber den Jngsten Tag, oder der Stadthauptmann Metzsch mit
seinem beln Wandel und seiner rcksichtslosen Niederlegung von vielen
Wohnhusern zum Festungsbau, wodurch die kleine, volkreiche Stadt noch
enger wurde und die armen Studenten noch elender wohnen muten. Einer
nach dem andern von den Zeitgenossen ging aus dem Leben. So schon 1538
der treue Hausmann. Dann Luthers letzter Klostergenosse Brisger, endlich
auch Spalatin (1545). Schon vorher (1542) war seine und Kthes
liebenswrdige, heitere Freundin, Kthe Jonas, verschieden, deren
Erscheinung ihm immer erfreulich und trstlich gewesen[530]; vor allem
aber der Sonnenschein des Hauses, das gute Magdalenchen. Der Sohn und
ein Neffe waren eine zeitlang fort in Torgau. In dieser Zeit starb auch
der Gatte seiner Nichte Lene, geb. Kaufmann; und diese machte ihm dann
schweren Verdru durch ihre zweite Heirat mit dem jugendlichen Mediziner
Ernst Reuchlin (Ende 1545).

Das Jahr 1544 war wieder ein Krankheitsjahr in Wittenberg und im
Lutherhaus. Um Ostern lagen alle Kinder an den Masern und die kleine
Margarete bekam davon ein schweres Fieber, an dem sie zehn Wochen
lebensgefhrlich darniederlag und von dem sie sich bis in den Dezember
hinein gar nicht erholen wollte. Was gab es da fr Kthe an Sorgen und
Mhen[531]!

Aber auch der Hausvater selbst war jetzt immer krank: bald fehlte ihm
dies, bald jenes; alle seine Leiden stellten sich mit Macht ein in dem
abgearbeiteten Krper und der erschpfte Lebensgeist war nicht mehr
recht widerstandsfhig gegen die mancherlei Angriffe auf die
verschiedenen Organe. Die Hausrzte und die kurfrstlichen Leibrzte
doktorten an ihm herum; der Hof schickte Arzneien; die Grfin von
Mansfeld wollte ihn in die Kur nehmen. Es war ein alter (noch jetzt
bestehender) Glaube, da groer Frsten und Herren Arznei, die sie
selbst gben und applizierten, krftig und heilsam seien, sonst nichts
wirkten, wenn's ein Medikus gbe[532]. Das meiste und beste that
freilich Frau Kthe.

Im Jahre 1541 war Luther lange Zeit so schwach, da er nicht eine Stunde
angestrengt lesen und sprechen konnte; er mute daheim bleiben und da
seine Hausgottesdienste halten. Einmal schrieb er auch an die
arzneikundige verwitwete Grfin Dorothea von Mansfeld, welche auch gern
dem "lieben togktor" geholfen htte. Denn die Schmerzen waren
entsetzlich, so da er jammerte: "Sterben will ich, aber diese Qualen
sind grlich."[533] Im folgenden Jahre machte er sein Testament, "satt
dieses Lebens, oder da ich's richtiger sage, dieses herben Todes". "Ich
habe mich ausgearbeitet und ausgelebt. Der Kopf ist kein nutz mehr. Ich
bin mde erschpft, bin nichts mehr."[534] Im April 1543 klagt er: "Wie
oft bin ich in diesem Jahre schon gestorben! Und doch lebe ich noch,
eine unntze Last der Erde." Am 13. und 14. Juli 1543 wurde er
wiederholt so ohnmchtig, da er zu sterben meinte und seinen Hans von
Torgau holen lassen wollte. Aber Frau Kthe hatte gelernt, ihn zu
ermutigen und redete ihm die Todesgedanken aus. Anfangs 1515 hatte er
einen Krankheitsanfall mit hnlichen Erscheinungen, wie sie ein Jahr
spter seinen Tod herbeifhrten, Leichenklte und die bengstigenden
Beklemmungen auf der Brust. Er konnte lange keine Predigt und keine
Vorlesung halten und mute selbst in einem Wgelchen sich zur Kirche
fahren lassen, um die Predigt zu hren[535]. "Ich glaube, meine
wirkliche Krankheit ist das Alter, dann meine Arbeiten und heftigen
Gedanken, besonders aber die Schlge Satans." "Da ich am Haupte
untchtig bin, ist nicht Wunder; das Alter ist da; der Krug geht solange
zu Wasser, bis er einmal zerbricht." "Ich bin trg, mde, kalt, das
heit alt und unntz; ich habe meinen Lauf vollendet und es bleibt
nichts brig, als da der Herr mich zu meinen Vtern versammle." Bei
seinen grlichen Qualen wnscht er, wenn nicht sanft, so doch tapfer zu
sterben[536].

Und bei all' diesen Leiden und Qualen sollte der alte Mann noch fr drei
arbeiten, so war er geplagt von Frsten und Stadtrten, von Freunden und
Amtsgenossen und Beichtkindern mit Briefschreiben, Bcherschreiben,
Vorlesungen, Predigten und Beratungen, "Bedenken", Trostschreiben; so
da er klagt: "Da sitze ich alter, abgelebter, fauler, mder, frostiger
und noch dazu einugiger Mann und schreibe. Hoffte ich doch, man sollte
mir Abgestorbenen nun die Ruhe gnnen, die ich mir, denkt mich, verdient
habe. Aber als htte ich niemals etwas gethan, geschrieben, geredet und
ausgefhrt, mu ich so viel reden, thun und ausfhren, da ich mir
keinen Rat wei. Ich bin so beschftigt, da ich gar selten Mue habe,
zu lesen oder fr mich zu beten, was mir beschwerlich ist.[537]

Freilich brach oft der angeborene Humor bei Luther durch, und das frohe
Gottvertrauen blieb wohl die Grundstimmung seines Wesens. Aber bei
seinem zur Schwermut neigenden Temperament und Gesundheitszustand
pflegte der alternde Mann doch vorwiegend die Schattenseiten aller
Erscheinungen zu sehen und nur selten konnte er sich sagen: "Ich lasse
das Antlitz unsrer Gemeinden nicht trauervoll zurck, sondern blhend,
durch reine und heilige Lehre mit vielen vortrefflichen und lauteren
Geistlichen, von Tag zu Tage wachsend.[538]

So war ihm Zeit und Welt widerwrtig geworden. "Welt ist Welt, war Welt
und wird Welt sein." Und er wnschte sich weg daraus. Er hoffte und
wnschte, da das Weltende nahe sei oder doch sein Lebensende. "Komm',
lieber jngster Tag!" seufzt er am Schlu eines Briefes an Kthe, und an
Frau Jrger schliet er (1544) ein Schreiben: "Es sollt ja nunmehr die
Zeit da sein meiner Heimfahrt und Ruhe; bittet fr mich um ein seliges
Stndlein."[539]

Da er aber nicht aus der Welt gehen und die Feiertagsruhe des Jngsten
Tages nicht selbst herbeifhren konnte, so wollte er wenigstens aus
_seiner_ Welt scheiden und von seinem Beruf. Denn so ist ja Stimmung und
Wunsch bei alten und kranken Leuten: da sie nicht aus dem Leben gehen
knnen, so suchen sie ihren Wohnort zu verndern und wnschen sich
daraus weg, mit so viel Beschwerden auch ein Wechsel und eine Reise
verbunden sein mag. So sagte Luther das ganze letzte Jahr zu seiner
Umgebung, "er begehre an einen anderen Ort zu ziehen". Und die Freunde
fanden es auch merkwrdig, da er in diesem Jahr vor seinem Tode fter
ausgezogen, denn in vielen Jahren; und sie sahen es als "Prophezeiung
an, da er die selige Reise werde thun in ein besser Leben"[540].

So ging es nun auch schon 1544, wo er mit einem Wegzug aus Wittenberg
gedroht und von den Freunden und Beamten Wittenbergs davon abgebracht
war. Im folgenden Jahr (1545) nachdem er am Johannistag von seinem
"Peiniger", dem Stein, fast umgebracht worden und dadurch in eine
gereizte Stimmung versetzt war, fhrte er diesen Entschlu wirklich
aus[541].

Es war gerade kein besonderer Anla zu diesem Schritte da. Aber
mancherlei hatte ihm den Aufenthalt in Wittenberg in der letzten Zeit
verleidet. Der Streit mit den Juristen, die rgerliche Geschichte im
Haus mit "einer andern Rosina und Schwindlerin", vor allem aber das
Leben und Treiben von Brgern und Studenten in Wittenberg, hatten ihn
hoch aufgebracht. Der ungeheure Studentenandrang nach Wittenberg brachte
begreiflicherweise nicht lauter gute, fromme und sittige Elemente dahin
und bei den 2000 Studierenden gab es natrlich viel mehr zu rgen und zu
strafen, als bei den frheren 200. Und unter diesen Tausenden waren
Leute aus allerlei Volk; nicht nur alle deutschen Stmme, sondern auch
Auslnder: "Reuen und Preuen, Hollnder und Engellender, Dnemarker
und Schweden, Bhmen, Polen, Hungern, Wenden und Winden, Walen und
Franzosen, Spanier und Grken." Die Brger beuteten die Studierenden
aus. Weibliches Gesindel zog herbei, wie Luther meinte, von den
Widersachern geschickt, und es gab manche "Speckstudenten", die sich
lieber in dem Lustwldchen "Specke" umhertrieben, statt in der Schule
Gottes Wort, Tugend und Zucht zu lernen. Gegen solche Unordentlichkeit
trat nun Luther als alter treuer Prediger mit vterlicher Vermahnung
auf. Er bittet seinen "Bruder Studium, sich still, zchtig und ehrlich
zu halten, des warten, warum sie hergesandt und mit schweren Kosten von
den Ihren erhalten werden, da sie Kunst und Tugend lernen, weil die
Zeit da ist und solche feine Przeptoren da sind." Er ermahnte den Rat,
die Laster zu strafen, und die Brger, dem "Geiz" zu steuern. Aber die
Brger der kleinen Universittsstadt hielten zumeist auf ihren Vorteil,
der Rat war lssig und ngstlich, wie Luther oftmals klagt gegenber der
schnen Ordnung in einer Reichsstadt wie Nrnberg, und die Studenten
wies er vergeblich auf seinen grauen Kopf; sie berhrten seine
schmerzlichen und herzlichen Mahnungen: "Ach, mein Bruder Studium,
schone mein und la es nicht dahin kommen, da ich msse schreien wie
St. Polykarpus: Ach Gott, warum hast Du mich das erleben lassen? Ich
hab's ja nicht verdient, sondern da sind vorhanden meine und euer
Przeptoren treue Arbeit, die euch zum besten dienen in diesem und jenem
Leben."[542]

Neben und mit diesem unordentlichen Wesen nahm die Ueppigkeit in der
Stadt bei Doktorschmusen und besonders bei Hochzeiten und Kindtaufen so
berhand, da mancher Mann (z.B. Georg Major durch sein Doktorat und
neun Kindtaufen) in Schulden geriet. Ja, es ri die neue Kleidertracht
ein, "die Jungfrauen zu blen, hinten und vorn", und niemand war da,
"der da strafe oder wehre"; es schien, wie Luther frchtet, sich
anzulassen, "da Wittenberg mit seinem Regiment nicht den S. Veitstanz
noch S. Johannistanz, sondern den Bettlertanz und Beelzebubtanz kriege".
Daher meinte Luther: "Nur weg aus dieser Sodoma!"[646]

Damit schien er nun Ernst zu machen. Im Juli 1545 unternahm er auf Frau
Kthes Fuhrwerk mit seinem ltesten Sohne Hans, D. Kreuziger und einem
Tischgenossen Ferdinand von Maugen eine Erholungsreise nach Leipzig und
Zeitz zu Freund Amsdorf, dem Bischof. Unterwegs hrte er, da die
Zustnde in Wittenberg viel mehr im Munde der Leute wren, als er
dachte. Da wollte er gar nicht mehr in die "unordige" Stadt zurck. Er
schrieb am 28. Juli von Zeitz aus an seine Frau folgenden Brief[543]:

"G(nade) und F(riede)!

Liebe Kthe! Wie unsre Reise ist gangen, wird Dir Hans wohl alles
sagen--wiewohl ich auch nicht gewi bin, ob er bei mir bleiben solle--,
dann werden's doch D. Kaspar Kreuziger und Ferdinandus wohl sagen. Ernst
von Schnfeld hat uns zu Lobnitz schn gehalten[544]. Noch viel schner
Heinz Scherle zu Leipzig.

Ich wollt's gerne so machen, da ich nicht mte wieder gen Wittenberg
kommen. Mein Herz ist erkaltet, da ich nicht gern da bin; wollt auch,
da Du verkauftest Garten und Hufe, Haus und Hof. So wollt ich (auch)
M(einem) G(ndigen) H(errn) das groe Haus[545] wieder schenken. Und
wre Dein Bestes, da Du Dich gen Zulsdorf setzest, weil (whrend) ich
noch lebe. Und (ich) knnte Dir mit dem Solde wohl helfen das Gtlein
bessern, denn ich hoffe, M.G.H. soll mir den Sold (aus)folgen lassen,
zum wenigsten ein Jahr meines letzten Lebens. Nach meinem Tode werden
Dich die vier Elemente[546] zu Wittenberg doch nicht wohl leiden; darum
wre es besser bei meinem Leben gethan, was dann zu thun sein will.

Ich habe auf dem Lande mehr gehrt, denn ich zu Wittenberg erfahre,
darum ich der Stadt mde bin und nicht wieder kommen will, da mir Gott
zu helfe.

Uebermorgen werde ich gen Merseburg fahren, denn Frst George hat mich
sehr darum lassen bitten[547].

Will also umherschweifen und eher das Bettelbrot essen, ehe ich meine
arm alte letzte Tage mit dem unordigen Wesen zu Wittenberg martern und
beunruhigen will mit Verlust meiner sauern und teuern Arbeit. Magst
solches, wo Du willst, D. Pommer und M. Philipps wissen lassen, und ob
D. Pommer wollt' hiemit Wittenberg von meinenwegen gesegnen[548]. Denn
ich kann des Zorns und Unlust nicht lnger leiden.

Hiemit Gott befohlen, Amen.

Martinus Luther."

Frau Kthe zeigte natrlich diesen drohenden Brief den beiden Freunden;
Melanchthon wiederum, welcher auf den Mittag zu Dr. Brck kam und mit
ihm a, erzhlte dem Kanzler Luthers Vorhaben. Das that seine Wirkung.
Denn was war Wittenberg ohne Luther? Auch Melanchthon erklrte, da er
dann nicht mehr bleiben knnte und sich vor dem Aergernis irgend wohin
verkriechen msse.

Da fuhr der Schrecken den Wittenbergern, Universitt, Rat und
Brgerschaft durch die Glieder. Der Senat und der Magistrat kamen
zusammen und berieten ber Maregeln, Luther zu halten. An den
Kurfrsten wurde mit einer Abschrift von Luthers Brief eine Botschaft
geschickt, damit er auch seinerseits auf den erzrnten Mann einwirke,
"da er sein Gemt ndere". Eine Abordnung von Universitt und Stadtrat:
Melanchthon, Bugenhagen, Major, der Brgermeister und der Stadtrichter
Hans Lufft, wurden zu Luther gesandt und auch vom Hof kam ein
beschwichtigender Brief und der liebenswrdige Leibarzt Ratzeberger, den
Luther gar gut leiden mochte, nach Merseburg. Der Doktor lie sich hart
genug gegen die Wittenberger Abgesandten aus ber "die Lockerung der
Zucht". Stadt und Regierung versprachen nun ernstliches Einschreiten
gegen das "verthunliche" Wesen bei Hochzeiten und Kindtaufen, gegen
leichtfertiges Treiben bei Tanzvergngungen, gegen das ungebhrliche
Geschrei auf den Straen u.s.w.[549]

So lie sich Luther besnftigen; er kehrte noch bei Hof an, um seinen
Forderungen Nachdruck zu geben; dann fuhr er langsam nach Hause. Die
Ausspannung und der Aufenthalt in freier Luft hatte ihm doch gut gethan,
und die Behaglichkeit in seinem schnen Heim, die Frsorge seiner treuen
Hausfrau lieen ihn die Gedanken an einen Auszug vergessen, bis die
endgiltige Wanderung in die jenseitige Welt ihn aller Unlust und
Widerwrtigkeiten, aller Leiden und Folterqualen der Krankheit
enthob[550].

Er sollte die verwickelten Streithndel seiner Landesherrn, der
Mansfelder Grafen, wegen der Bergwerksrechte beilegen und machte dazu im
folgenden Winter drei Reisen in seine Heimat. Der Kurfrst htte lieber
gesehen, wenn Luther "als ein alter abgelebter Mann mit diesen Sachen
verschont bliebe"; und das war Frau Kthes Meinung auch, welche es
betrieb, da Melanchthon, der doch viel jnger und gesunder war, nicht
nach Regensburg mute. Aber Luther selbst meinte: "Es mu, wiewohl ich
viel zu thun habe, um ein acht Tage nicht not haben, die ich daran wagen
will, damit ich mit Freuden mich in meinen Sarg legen mge, wo ich zuvor
meine lieben Landesherren vertragen und freundliches, einmtiges Herzens
gesehen habe." Nebenbei war es ihm eine Genugthuung, zu zeigen, was in
Streithndeln ein guter Christ fertig brchte, gegenber "den silbernen
und guldenen Juristen, welche die Sache oftmals als Vorteil und Geiz
wider alle Billigkeit erweitern und auf(hinaus)ziehen."[551]

Freilich Frau Kthe nahm diese Reisen viel schwerer, namentlich die
letzte in der schlimmsten Jahreszeit. Es war Ende Januar und ein gar
"unartiges", kaltes Wetter. Sie wute aus reicher Erfahrung, was eine
Erkltung fr den durch und durch kranken Mann bedeute. Sie hatte ja
auch gehrt, da Luther im November (1545) seine Vorlesung ber die
Genesis mit den Abschiedsworten geschlossen hatte: "Ich kann nicht mehr;
ich bin schwach; bittet Gott fr mich, da er mir ein gutes, seliges
Ende beschere." Endlich hatte ein Vorfall das ganze Haus mit banger
Ahnung erfllt. Kurz vorher hatten die studentischen Tisch- und
Hausgenossen im Schlafhaus, wo sie wohnten, eine Schlaguhr erneuern
lassen. Da begab sich's einstmals um Mitternacht, da bei dieser Uhr ein
sehr groer harter Fall gehrt wurde, als ob das ganze Gehuse mit samt
den Gewichten heruntergefallen wre. Am andern Morgen war alles
unversehrt. Da dies Luther gesagt war, sprach er zu den Tischgenossen:
"Ihr lieben Quiriten, erschreckt nicht davor. Denn dieser Fall bedeutet
mich, da ich bald sterben werde. Wenn ich von Eisleben komme, will ich
mich in Sarg legen. So bin ich der Welt mde, und scheide gerne wie ein
reifer Gast aus einer gemeinen Herberge." Dennoch wollte Frau Katharina
ihren Gatten an dem Friedenswerk in Mansfeld nicht hindern und nachdem
er zweimal die Reise glcklich berwunden, hoffte sie wohl auch auf
einen glcklichen Ausgang einer dritten und letzten. Sie gab ihm aber
nicht nur seinen Famulus Ambrosius Rutfeld mit, sondern auch ihre drei
Shne und in Halle sollte Herr D. Jonas einsteigen. Im Kloster blieben
als Tischgenossen Besold, Plato u.a. zurck[552].

Die Reisenden fuhren am Samstag, den 23. Januar, in Wittenberg ab. Es
trat nach scharfem Frost whrend der Nacht auf Sonntag Tauwetter ein,
mit Eisgang und Ueberschwemmung, so da die Reisegesellschaft, als sie
Sonntag vormittag in Halle anlangte, nicht ber die Saale kommen und
drei Tage in der Stadt verziehen mute; Freund Jonas, der seit vier
Jahren in Halle Pfarrer war, hie aber die Wittenberger Gste in seinem
Hause willkommen. Von Halle empfing nun Frau Kthe einen launigen Brief
ihres Eheherrn, der dessen gute Stimmung meldete. Er war adressiert
"Meiner freundlichen lieben Kthen Luthrin zu Wittenberg zu
Handen"[553].

"Gnad und Friede im Herrn!

Liebe Kthe!

Wir sind heute um acht Uhr zu Halle ankommen, aber nach Eisleben nicht
gefahren. Denn es begegnete uns eine groe Wiedertuferin mit
Wasserwogen und groen Eisschollen, die das Land bedeckte; die druete
uns mit der Wiedertaufe. So konnten wir auch nicht wieder zurckkommen,
von wegen der Mulda; muten also zu Halle zwischen den (beiden) Wassern
stille liegen. Nicht da uns durstete zu trinken, sondern nahmen gut
Torgisch Bier und guten rheinischen Wein; damit labeten und trsteten
wir uns dieweil, ob die Saale wollt wieder auszrnen. Denn weil die
Leute und Fuhrmeister, auch wir selbst zaghaftig waren, haben wir uns
nicht wollen in das Wasser begeben und Gott versuchen; denn der Teufel
wohnet im Wasser und ist uns gram; und ist besser verwahret denn
beklaget; und ist ohne Not, da wir dem Papst samt seinen Schuppen eine
Narrenfreude machen sollten. Ich htte nicht gemeint, da die Saale eine
solche Sod machen knnte, da sie ber Steinwege und alles rumpeln
sollte.

Jetzo nicht mehr, denn: betet fr uns und seid fromm. Ich halte, wrest
Du hier gewesen, so httest Du uns auch also zu thun geraten; so htten
wir Deinem Rat auch einmal gefolget.

Hiemit Gott befohlen! Amen.

Zu Halle am St. Paulus Bekehrungstage (25. Januar) Anno 1546.

Martinus Luther D."

Das lautete gar frhlich und vergngt, als man im Kloster diesen
lustigen Brief las, und Frau Kthe konnte einstweilen beruhigt sein.
Aber es dauerte acht Tage, bis wieder ein Brief kam. Das mute die
besorgte Frau schon nicht wenig aufregen und sie sandte Briefe ber
Briefe ab, was sonst bei der vielbeschftigten Frau nicht gerade
Gewohnheit war. Endlich nach Lichtme langte ein zweiter Brief Luthers
an. Der war freilich auch in demselben scherzhaften Ton geschrieben, wie
der vorige und die meisten Episteln des Doktors an seine Frau. Aber es
war doch eine Stelle darin, die bedenklich machen konnte.

"Meiner herzlieben Hausfrauen Katharin Lutherin, Doktorin, Zulsdorferin,
Saumrkterin und was sie sonst noch sein kann.

Gnade und Friede in Christo und meine alte, arme und, wie ich wei,
unkrftige Liebe zuvor.

Liebe Kthe! Ich bin schwach gewesen auf dem Wege hart vor Eisleben, das
war meine Schuld. Aber wenn Du wrest dagewesen, so httest Du gesagt,
es wre der Juden oder ihres Gottes Schuld gewesen. Denn wir muten
durch ein Dorf hart vor Eisleben, da viele Juden inne wohnten;
vielleicht haben sie mich so scharf angeblasen. So sind hier in der
Stadt Eisleben jetzt diese Stunde ber fnfzig Juden wohnhaftig (in
einem Hause). Und wahr ist's, da ich bei dem Dorf war, ging mir ein
solch kalter Wind hinten im Wagen ein auf meinen Kopf durchs Barett, als
wollte mir's das Hirn zu Eise machen. Solches mag nun zum Schwindel
etwas haben geholfen; aber jetzt bin ich gottlob! wohl geschickt,
ausgenommen, da die schnen Frauen mich so hart anfechten.

Ich trinke Naumburgisch Bier, fast des Geschmacks, den Du von Mansfeld
mir etwa hast gelobet. Es gefllt mir wohl.

Deine Shnchen sind nach Mansfeld gefahren ehegestern, weil sie Hans von
Jene[554] so demtiglich gebeten hatte; wei nicht, was sie da machen.
Wenn's kalt wre, so mchten sie helfen frieren. Nun es warm ist,
knnten sie wohl was anders thun oder leiden, wie es ihnen gefllt.

Hiermit Gott befohlen sammt allem Hause, und gre alle Tischgesellen.
Vigilia Purificationis, 1546.

M.L., Dein altes Liebchen."[555]

Also der Doktor hatte sich richtig erkltet und zwar durch eigene
Schuld; er war eine Zeitlang vom Wagen abgestiegen, hatte sich in
Schwei gelaufen bei dem auffallend warmen Winterwetter, war dann im
letzten Dorfe Nidorf, hart vor Eisleben, unvorsichtigerweise wieder auf
den Wagen gesessen und hatte sich in dem scharfen Luftzug des Fuhrwerks
erkltet. Frau Kthe wute, was das zu bedeuten hatte und war gar
ngstlich trotz des frhlichen Briefes. Sie hatte, scheint es, die Sache
schon vor Luthers eigener Meldung sonsther gehrt, auch da die sonst
immer offen gehaltene Wunde am Bein, welche, eine Art Fontanelle, den
kranken Sften einen Abflu gewhrte, bedenklicherweise zugeheilt war.
So schrieb sie nun einen Brief um den andern, an einem Tag (Freitag, 5.
Februar) sogar mehrere. Auch sandte sie von Wittenberg ihre gewhnlichen
Hausmittel: "Strkkchlein", allerlei Strkwasser, Rosenessig und
Aquavit, und hie Jonas, den Famulus und ihre Shne in dem Gemach des
Doktors schlafen[556]. Er zwar schreibt wieder ganz sorglos, nur
bedenklich wegen der heikeln Streitigkeiten, die er zu schlichten hatte,
am 6. Februar[557]:

"Der tiefgelehrten Frauen Katharin Lutherin, meiner gndigen Hausfrauen
zu Wittenberg.

Gnade und Friede.

Liebe Kthe! Wir sitzen hier und lassen uns martern und wren wohl gern
davon; aber es kann noch nicht sein, als mich dnkt, in acht Tagen. Mag.
Philippus magst Du sagen, da er seine Postille korrigiere; denn er hat
nicht verstanden, warum der Herr im Evangelio die Reichtmer Dornen
nennt. Hier ist die Schule, da man solches verstehen lernet. Aber mir
grauet, da allewege in der heiligen Schrift den Dornen das Feuer
gedroht wird; darum ich desto grere Geduld habe, ob ich mit Gottes
Hilfe mchte etwas Gutes ausrichten. Deine Shnchen sind noch zu
Mansfeld. Sonst haben wir zu essen und trinken genug und htten gute
Tage, wenn's der verdrieliche Handel tht. Mich dnkt, der Teufel
spotte unser; Gott woll' ihn wieder spotten, Amen.

Bittet fr uns. Der Bote eilte sehr.

Am Sankt Dorotheentage, 1546."

Trotz dieser Briefe war aber Frau Kthe so voller Sorge um den fernen
Gatten, da sie nicht schlafen konnte, und schrieb gar ngstliche
Episteln nach Eisleben, so da ihr der fromme Doktor eine lange Predigt
hielt ber Gottvertrauen in zwei aufeinanderfolgenden Briefen, am 7. und
10. Februar[558]:

"Meiner lieben Hausfrauen Katherin Lutherin, Doktorin, Selbstmartyrin zu
Wittenberg, meiner gndigen Frauen zu Hnden und Fen.

Gnade und Friede im Herrn.

Lies Du, liebe Kthe, den Johannem und den kleinen Katechismus, davon Du
einmal sagtest: es ist doch alles in dem Buch von mir gesagt. Denn Du
willst sorgen fr Deinen Gott, gerade als wre er nicht allmchtig, der
da knnte zehn Doktor Martinus schaffen, wo der einige alte ersffe in
der Saale oder im Ofenloch oder auf Wolfs Vogelherd. La mich in Frieden
mit Deiner Sorge: ich hab' einen bessern Sorger, denn Du und alle Engel
sind. Der liegt in der Krippe und hnget an einer Jungfrauen Brust; aber
sitzet gleichwohl zur rechten Hand Gottes des allmchtigen Vaters. Darum
sei in Frieden, Amen.

Betet, betet, betet und helft uns, da wir's gut machen. Denn ich heute
in Willen hatte, den Wagen zu schmieren in meinem Zorn; aber Jammer, so
mir einfiel, meines Vaterlandes hat mich gehalten. Ich bin nun auch ein
Jurist worden. Aber es wird ihnen nicht gedeihen. Es wre besser, sie
lieen mich einen Theologen bleiben. Komme ich unter sie, so ich leben
soll, ich mcht' ein Poltergeist werden, der ihren Stolz durch Gottes
Gnade hemmen mchte. Sie stellen sich, als wren sie Gott, davon mchten
sie wohl und billig bei Zeit abtreten, ehe denn ihre Gottheit zur
Teufelheit wrde, wie Luzifer geschah, der auch im Himmel vor Hoffart
nicht bleiben konnte. Wohlan, Gottes Wille geschehe.

Du sollst Mag. Philippus diesen Brief lesen lassen: denn ich nicht Zeit
hatte, ihm zu schreiben, damit Du Dich trsten kannst, da ich Dich gern
lieb htte, wenn ich knnte, wie Du weit, und er gegen seine Frauen
vielleicht auch wei und alles wohl verstehet.

Wir leben hier wohl, und der Rat schenkt mir zu jeglicher Mahlzeit ein
halb Stbchen Rheinfall, der ist sehr gut. Zuweilen trink ich's mit
meinen Gesellen. So ist der Landwein hier gut, und Naumburgisch Bier
sehr gut, ohne da mich dnkt, es macht mir die Brust voll phlegmate
(Schleim) mit seinem Pech. Der Teufel hat uns das Bier in aller Welt mit
Pech verdorben und bei euch den Wein mit Schwefel. Aber hier ist der
Wein rein, ohne was des Landes Art giebt.

Und wisse, da alle Briefe, die Du geschrieben hast, sind anher kommen
und heute sind die kommen, die Du am nchsten Freitag geschrieben hast
mit Mag. Philippus Briefen, damit Du nicht zrnest.

Am Sonntag nach Dorotheens Tag (7. Febr.) 1546.

       *       *       *       *       *

Dein lieber Herr M. Luther."

"Der heiligen sorgfltigen Frauen, Katherin Lutherin, Doktor
Zulsdorferin zu Wittenberg, meiner gndigen, lieben Hausfrauen.

Gnade und Friede in Christo.

Allerheiligste Frau Doktorin! Wir bedanken uns gar freundlich fr Eure
groe Sorge, davor Ihr nicht schlafen knnt; denn seit der Zeit Ihr fr
uns gesorget habt, wollt' uns das Feuer verzehret haben in unsrer
Herberg hart vor meiner Stubenthr; und gestern, ohne Zweifel aus Kraft
Eurer Sorge, hat uns schier ein Stein auf den Kopf gefallen und
zerquetscht, wie in einer Mausfallen. Der hatte im Sinn, Eurer heiligen
Sorge zu danken, wo die lieben heiligen Engel nicht gehtet htten. Ich
sorge, wo Du nicht aufhrst zu sorgen, es mchte uns zuletzt die Erde
verschlingen und alle Elemente verfolgen. Lehrest Du also den
Katechismum und den Glauben? Bete Du und la Gott sorgen, es heit:
"Wirf dein Anliegen auf den Herrn, der sorget fr dich (1. Petr. 5, 7)."

Wir sind, Gott Lob, frisch und gesund, ohne da uns die Sachen Unlust
machen, und Doktor Jonas wollt' gern einen bsen Schenkel haben, da er
sich an eine Lade ohngefhr gestoen: so gro ist der Neid in den
Leuten, da er mir nicht wollt' gnnen allein einen bsen Schenkel zu
haben.

Hiemit Gott befohlen. Wir wollten nun fort gerne los sein und
heimfahren, wenn's Gott wollt', Amen, Amen, Amen.

Euer Heiligen williger Diener Martinus Luther.

Am Tage Scholastic (10. Febr.) 1546."

Aber was Frau Kthe zu wenig an Gottvertrauen zeigte, das bewies der
Herr Doktor zu viel. Sie wute und hrte, da er, trotzdem er sich jeden
Abend mit warmen Tchern behandeln lassen mute, seinen alten
Predigteifer auch in der fremden Stadt in der kalten Kirche bethtigte;
zwei Geistliche ordinierte er und viermal predigte er, zuletzt am
Sonntag den 14. Februar. Abends schrieb er noch einen Brief an seine
Hausfrau, erwhnte aber nichts davon, da er heute morgen seine Predigt
hatte abbrechen mssen aus Schwachheit; er bat aber seine Frau um
Arzneien[559].

Der Brief schlgt wieder frhliche und hoffnungsvolle Tne an; die
Aussicht auf Rckkehr nach der lieben Heimat vergoldete die trbe
Stimmung[560]:

"Meiner freundlichen, lieben Hausfrauen, Katherin Lutherin von Bora zu
Wittenberg zu Hnden.

Gnade und Friede im Herrn.

Liebe Kthe! Wir hoffen diese Woche wieder heim zu kommen, ob Gott will.
Gott hat groe Gnade hier erzeigt; denn die Herren durch ihre Rte fast
altes verglichen haben, bis auf zwei Artikel oder drei, unter welchen
ist, da die zwei Brder Graf Gebhardt und Graf Albrecht wiederum Brder
werden, welches ich heute soll vornehmen und will sie zu mir zu Gaste
bitten, da sie auch mit einander reden; denn sie bis daher stumm
gewesen und mit Schriften sich hart verbittert haben. Sonst sind die
jungen Herren (die Shne der feindlichen Grafen) frhlich, fahren
zusammen mit den Narrenglcklein auf Schlitten und die Frulein auch und
bringen einander Mummenschanz, und sind guter Dinge, auch Graf Gebhardts
Sohn. Also mu man greifen, da Gott Gebete erhrt.

Ich schicke Dir Forellen, so mir die Grfin Albrecht geschenkt hat: die
ist von Herzen froh der Einigkeit. Deine Shnchen sind noch zu Mansfeld.
Jakob Luther will sie wohl versorgen. Wir haben hier zu essen und zu
trinken als die Herrn, und man wartet unser gar schn, nur allzu schn,
da wir Euer wohl vergessen mchten zu Wittenberg. So ficht mich der
Stein auch nicht an. Aber Doktor Jonas Bein wre schier gnad worden, so
hat's Lcher gewonnen auf dem Schienbein; aber Gott wird auch helfen.

Solches alles magst Du Mag. Philippus anzeigen, Doktor Pommer und Doktor
Kruziger. Hier ist das Gercht herkommen, da Doktor Martinus sei
weggefhrt, wie man zu Leipzig und Magdeburg redet. Solches erdichten
die Naseweisen, Deine Landsleute. Etliche sagen, der Kaiser sei dreiig
Meilen Wegs von hinnen bei Soest in Westphalen; etliche, da der
Franzose Knechte annehme, der Landgraf auch. Aber la sagen und singen:
wir wollen warten, was Gott thun wird. Hiemit Gott befohlen.

Zu Eisleben am Sonntag Valentini 1546.

M. Luther, Doktor."

Es war der letzte Brief an seine Ehefrau, der letzte, den Luther
berhaupt schrieb. Die heitere Epistel kam am Donnerstag in Kthes Hnde
und erregte bei den Klosterbewohnern groes Vergngen: in Eisleben aber
lag der Schreiber schon auf dem Totenbette. Der Gewaltige war am selben
Tage frh um 3 Uhr im Kreise seiner Freunde, Dr. Jonas, M. Aurifaber,
des Arztes, des Stadtpfarrers von Eisleben, des Grafen und der Grfin
Albrecht, sanft und selig entschlafen. In Wittenberg freilich dachte man
nicht daran. Melanchthon, dem Luther mit gleichem Boten geschrieben
hatte (u.a. da Papst Paul gestorben wre), verfate noch einen Brief an
den Freund und Frau Kthe schickte noch eine Salbe mit, zur
Wiederherstellung der Fontanelle am linken Schenkel. Aber am Freitag
frh 6 Uhr kam aus Torgau ein reitender kurfrstlicher Bote vor des
Kanzlers Brck Haus; dieser lie sogleich D. Bugenhagen, Kreuziger und
M. Philipp zu sich kommen; sie wuten aber bereits, was das
kurfrstliche Schreiben meldete, ehe er es ihnen zu lesen gab, denn vor
einer Viertelstunde war auch ein Bote mit einem Brief aus Eisleben von
Jonas an sie gelangt. Auf Brcks Bitten verfgten sich die drei Herren
mit des Kurfrsten und Jonas' Brief unsumig hinauf zu der Doktorin und
berichteten sie mit der besten Vorsicht von ihres Herrn Abgang. "Da ist
das arme Weib, wie leichtlich zu achten, hart erschrocken und in groer
Betrbnis gewesen." Aber wiederum nicht an sich dachte sie zumeist,
sondern an ihre Kinder, besonders, wie ihre drei Shne in der Ferne sich
ber des Vaters Tod halten mchten[561].

Katharinas bange Ahnung hatte sich also erfllt; ihre Sorge um den
krnklichen fernen Gatten war nicht ohne Grund gewesen. Das Trauervolle
war geschehen: der teure Mann, der gewaltige Reformator, der geistvolle
Lehrer und Prediger, der liebreiche Vater, der treue Gatte war nicht
mehr! Wenn auch nicht unerwartet, so doch zu frh fr die Welt und fr
die Familie war er dahin geschieden, wohin er sich so oft gesehnt; von
der Welt, ber die er so viel gescholten und die er doch mit so viel
Verstndnis und Freude erfat; von dem Amte, in dem er sich so mde
gearbeitet, und in dem er doch noch so Groes leistete; von der Familie,
die ihm zwar Sorgen, aber noch viel mehr Glck und Freude gebracht und
die er mit so viel Glauben und Liebe umfate; von der Gattin, die er so
oft geneckt und manchmal getadelt, die er aber ber alle Frauen
geschtzt und geliebt hatte.

"Es war eine harte Wunde, die sie durch den Tod ihres Ehegemahls
empfing. Und dazu mute sie noch klagen, da derselbe in einem anderen
Orte gestorben war, wo sie nicht bei dem Kranken Treue und die letzten
Liebesdienste hatte erweisen knnen."[562]

Ja, in der Fremde war er gestorben, zum groen Schmerze Katharinas, die
mit ihm zwanzig Jahre "in Friede und Freude" gelebt, die ihn in gesunden
und kranken Tagen so hingebungsvoll gepflegt und jetzt die letzten
Stunden seines Lebens nicht um ihn sein durfte, ihm in das liebe
Angesicht schauen und die treuen Augen zudrcken durfte. Es war kaum
ein Trost, da er im Kreise der Freunde verschieden war, da der Graf
Albrecht ihm selbst Einhorn geschabt und seine Gemahlin ihm den Puls mit
dem Strkwasser strich, welches die Doktorin geschickt, und da er in
ihres Sohnes Paul Armen ausgeatmet und ihm sein treuer Aurifaber die
Augen zugedrckt hatte[563].

Und jetzt konnte sie nicht einmal den Trost genieen, durch die Frsorge
fr die Bestattung des geliebten Toten ihren Geist abzulenken von dem
Gedanken des schmerzlichen Verlustes.

Das kurfrstliche Schreiben enthielt nmlich die Bestimmung, da der
Leib Luthers in der Schlokirche zu Wittenberg bestattet werden sollte,
bei Frsten und Frstinnen, deren zwanzig dort bestattet waren. Aber so
war wenigstens ihr lieber Herr bei ihr in ihrer Stadt und sie konnte mit
den anderen Freunden "ihren Heiligen daselbst nach seinem Tode
besuchen", wie Bugenhagen sich ausdrckte. Denn die Grafen von Mansfeld
htten "die Leiche des hochteuern, von Gott mit unaussprechlichen Gaben
begnadeten Mannes gern selbst in der Herrschaft behalten", folgten sie
aber "aus unterthnigem Gehorsam" dem Kurfrsten auf dessen Bitte
dienstwillig aus. So rstete sich nun die Doktorin, ihr Tchterlein und
das ganze Kloster fr das Leichenbegngnis nur mit Trauergewndern[564].

Aber auch die ganze Stadt und Universitt machte sich bereit, ihren
grten Brger mit feierlichem Leichengeprnge zu empfangen. Melanchthon
hatte sofort nach der Ankunft der Todeskunde am Freitag frh die
Studenten in einem Anschlag benachrichtigt, da der christliche Elias
von seinen Jngern genommen sei. Der Rektor der Akademie, Dr. Aug.
Schurf, befahl am Sonntag Morgen in einem Programme "allen Studenten am
Nachmittag, sobald das Zeichen mit der kleinen Glocke gegeben werde,
sich auf dem Markte zu versammeln und daselbst den ehrwrdigen
Pfarrherrn (D. Pommer) an der Kirche zu erwarten, ihm sofort zu folgen
und mit ihm die Leiche zu empfangen, welche gewesen ist und sein wird
eine Htte des heiligen Geistes." Von Wittenberg ritten dem Trauerzuge
entgegen, um ihn in Bitterfeld, an der Mansfeldischen Grenze zu
empfangen und ehrenvoll zu geleiten, die "Verordneten des Kurfrsten":
Erasmus Spiegel, der Hauptmann von Wittenberg, Gangolf von Heilingen zu
Dben und Dietrich von Taubenheim zu Brehne mit Gefolge[565].

Aber die Leiche kam am Sonntag noch nicht: in jeder Stadt wollte man sie
einholen, zurckhalten, begleiten; und so verzgerte sich die Ankunft
des Zuges, der zuletzt in Kemberg gerastet hatte. Und Melanchthon mute
am Schwarzen Brett, auf dem Programm des Rektors verkndigen, da die
Ankunft der Leiche und ihre Bestattung erst am andern Morgen, etwa um 9
Uhr, stattfinde[566].

Im Laufe des Sonntags kam ein Beileid-Schreiben des Kurfrsten[567]:

"An Catharina, Doctoris Martini seliger Gedchtnis verlassene Witwe zu
Wittenberg.

Herzog Johanns Friedrich, Kurfrst.

Liebe Besondere!

Wir zweifeln nicht, Ihr werdet nunmehr erfahren haben, da der
Ehrwrdige und Hochgelehrte, unser Lieber Andchtiger Doctor Martin
Luther seliges Gedchtnis, Euer Hauswirt, sein Leben in diesem
Jammerthal zu Eisleben am nchsten Dornstag frhe zwischen 2 und 3 Uhren
christlich und wohl mit gttlichen der hl. Schrift Sprchen beschlossen
hat und von hinnen geschieden ist, welches Wir aber mit betrbtem und
bekmmertem Gemt vernommen. Der allmchtige Gott wolle seiner Seelen,
wie Wir denn gar nicht zweifeln, gndig und barmherzig sein! Und wiewohl
Wir wohl ermessen mgen, da Euch solcher Euers Herrn tdlicher Abgang
schmerzlich und bekmmerlich sein wird, so kann doch in dem Gottes
gndigen Willen, des Allmchtigkeit es also mit ihm gndiglich und
christlich geschafft hat, nicht widerstrebt werden, sondern es will
solches Gott zu befehlen sein. Darum Ihr auch soviel destoweniger
bekmmern und seines christlichen Abscheidens Euch trsten wollet. Denn
Wir seind gndiglich geneigt, Euch und Eure Kinder um Eures Herren sel.
willen, dem Wir in sonderen Gnaden und Guten geneigt gewest, in gndigem
Befehl zu haben und nicht zu verlassen. Das wollen Wir Euch gndiger
Meinung nicht verhalten.

Datum Torgau, Sonnabends nach Valentini 1546."

Am Montag frh versammelten sich am Elsterthor Rektor, Magistri und
Doktores und die ganze lbliche Universitt, auch ein ehrbarer Rat samt
ganzer Gemeinde und Brgerschaft, dann die Geistlichen und Schulen. Auch
Frau Kthe machte sich auf mit ihrem Tchterlein Margarete und einigen
Frauen und stellten sich weinend an den Weg, dem toten Gatten entgegen
harrend.

Endlich um 9 Uhr, langte der Zug mit der teuren Leiche an: geleitet von
den kurfrstlichen Abgeordneten und den beiden jungen Mansfelder Grafen
Hans und Hoyer und einer groen Reiterschar. Auch die Mansfelder
Verwandten kamen mit, Luthers Lieblingsbruder Jakob, und seine
Schwestershne Jrg und Cyriak Kaufmann und andere von der
"Freundschaft". Vor allem aber die drei Shne Hans, Martin und Paul. Es
war ein schmerzliches Wiedersehen, das hier Frau Katharina erlebte. Die
Shne freilich konnte sie schluchzend in die Arme schlieen, aber das
Antlitz des teuren geliebten Gatten durfte sie nicht mehr sehen; da lag
er eingeschlossen im Sarg von Zinn, aufgebahrt auf dem Wagen, mit
schwarzem samtenem Tuch umhangen[568].

Darauf ordnete sich der Zug: voraus die Geistlichkeit und die Schulen
mit den herkmmlichen Gesngen und Zeremonien, darauf die "Berittenen"
auf ungefhr 65 Pferden. Gleich hinter dem vierspnnigen Leichenwagen
fuhr die "Frau Doktorin Katharina Lutherin" mit den Matronen, nach
herkmmlicher Sitte auf einem niederen Wgelein. Ihr folgten die drei
Shne, der Bruder, die Neffen und andere Verwandten. Dann in vollem
Ornat "der Rektor Magnificus der lblichen Universitt mit etlichen
jungen Frsten, Grafen und Freiherrn, so in der Universitt Wittenberg
Studii halber sich (auf)enthalten." Darnach kam als weiteres
Leichengefolge: Kanzler Brck, Melanchthon, Jonas, Bugenhagen,
Kreuziger, Hieronymus Schurf und andere lteste Doktoren; dann die
brigen Doktoren, Magister, der ehrbare Rat, Brgermeister Cranach samt
den Ratspersonen, darnach der ganze groe Haufen und herrliche Menge der
Studenten; darauf die Brgerschaft, desgleichen viele Brgerinnen,
Matronen, Frauen, Jungfrauen, viel "ehrliche" Kinder, jung und alt;
alles mit Weinen und Wehklagen. "In allen Gassen, auch auf dem Markt ist
das Gedrnge so gro und solche Menge des Volkes gewesen, da sich's
billig in der Eil zu verwunden und viele bekannt haben, da sie
dergleichen zu Wittenberg nicht gesehen."

So ging es unter Gesang und dem Gelute aller Glocken in unabsehbarem
Zuge vom Elsterthor die ganze Lnge der Stadt hin am Kloster vorbei, das
jetzt verwaist von seinem Vater und Herrn dalag, die Kollegienstrae
hinab zur Schlokirche. Dort wurde der Sarg am Predigtstuhl
niedergesetzt. Trauerlieder erschollen, bis Bugenhagen die Kanzel
bestieg und vor den ungezhlten Hrern, die in und vor der Kirche
standen, eine "gar festliche und trstliche Predigt" that. Darauf hat
Melanchthon "aus sonderlichem Mitleiden, um die Kirche zu trsten", eine
lateinische Gedchtnisrede gehalten, die vor dem allgemeinen Weinen und
Schluchzen kaum gehrt wurde. Seine Klage: "Wir sind wie arme Waisen,
die einen vortrefflichen Mann zum Vater gehabt und ihn verloren haben",
die den Grundton aller Rede bildeten, sie waren ganz besonders
denjenigen aus dem Herzen gesprochen, die dem teuren Toten am nchsten
standen, und am nchsten an seinem Sarg klagten: der trauernden Gattin,
den weinenden Kindern[569].

"Nach den Leichenreden trugen etliche Magister den Sarg nach der Gruft
und legten so das teure Werkzeug des heiligen Geistes, den Leib des
ehrwrdigen D. Martini zur Ruhe, nicht fern von dem Predigtstuhl, da er
im Leben manche gewaltige Predigt gethan." Der Kurfrst aber hatte schon
am Tag vorher verordnet, da eine Tafel aus Messing aufs Grab
niedergelegt wurde, dergestalt wie noch heutzutage zu sehen ist[570].

Wohl konnte das auerordentliche, wahrhaft frstliche Leichengeprnge
zeigen, welch ein Mann, ja, wie der Rektor ankndigte, welch ein "Frst
Gottes" der Dahingegangene gewesen, welche Liebe und Verehrung er bei
hoch und nieder genossen und die Teilnahme aller bewies, was die Welt an
ihm verlor und betrauern mute, und das ist ja fr die Hinterbliebenen
immer ein Trost in ihrem Schmerz. Aber diese Leichenfeier zeigte auch,
was die Angehrigen selber an ihm gehabt und beweinen muten.

Was Katharinas Stimmung und Gedanken in diesen schmerzlichen Tagen war,
das giebt sie kund in einem Briefe, den sie an ihre Schwgerin
Christina, die verwitwete Gemahlin eines ihrer Brder und Mutter des
Florian, welcher in Wittenberg ihr Hausgenosse war, richtete[571]. Da
schreibt sie:

"Der ehrbaren und tugendsamen Frauen Christina von Bora, meiner lieben
Schwester zuhand.

Gnad und Fried von Gott dem Vater unsers lieben Herrn Jesu Christi!

Freundliche liebe Schwester!

Da Ihr ein herzlich Mitleiden mit mir und meinen armen Kindern tragt,
glub' ich leichtlich. Denn wer wollt' nicht billig betrbt und
bekmmert sein um einen solchen teuern Mann, als mein lieber Herr
gewesen ist, der nicht allein einer Stadt oder einem einigen Land,
sondern der ganzen Welt viel gedienet hat. Derhalben ich wahrlich so
sehr betrbt bin, da ich mein groes Herzeleid keinem Menschen sagen
kann, und wei nicht, wie mir zu Sinn und zu Mut ist. Ich kann weder
essen noch trinken, auch dazu nicht schlafen. Und wenn ich htt' ein
Frstentum und Kaisertum gehabt, sollt' mir so leid nimmer geschehen
sein, so ich's verloren htt', als nun unser lieber Herrgott mir, und
nicht allein mir, sondern der ganzen Welt, diesen lieben und teuern Mann
genommen hat. Wenn ich daran gedenk', so kann ich vor Leid und
Weinen--das Gott wohl wei--weder reden noch schreiben.

  Katharina,
  des Herrn Doctor Martinus Luther
  gelassene Witfrau."




16. Kapitel.

Luthers Testament.


"Ich denke noch oft", erzhlt der treue Hieronymus Weller nach Luthers
Tod, "an den Mann Gottes, Doktor Martin Luther, da er sein Gemahl lie
den 31. Psalm auswendig lernen, da sie noch jung und frisch und frhlich
war und sie noch nicht wissen konnte, wie dieser Psalm so lieblich und
trstlich war. Aber ihr Mann that das nicht ohne Ursache. Denn er wute
wohl, da sie nach seinem Tode ein betrbtes, elendes Weib sein und
dieses Trostes, so der 31. Psalm in sich hat, sehr ntig werde
bedrfen." Und hnlich hat sich der Doktor auch in seinem Testament
ausgesprochen, wie in seinem Brief auf seiner Trutz-Fahrt[572].

Luther kannte eben die Welt und seine und seiner Familie Lage: er kannte
der Leute Undank[573], der Frsten Unzuverlssigkeit und ihrer Beamten
Untreue, der Amtsgenossen kleinliche Gesinnung, der Feinde Ha, der sich
schon bei Lebzeiten auch gegen sein Gemahl in unerhrter Beschimpfung
richtete und sich noch ungehemmter zeigen mute, wenn erst der
gefrchtete Kmpe den Schild nicht mehr ber sie deckte. Er wute, da
er ein kranker Mann war, da er sterben werde, ehe seine Kinder erzogen
und versorgt wren; er kannte die traurige Lage einer Witwe zu seiner
Zeit, die ohne Ansprche auf Witwengehalt, ja nach dem herkmmlichen
Recht ohne Ansprche auf die Hinterlassenschaft war. Deshalb war er in
Sorge fr seine treue Gattin; deshalb hat er aber auch, so viel an ihm
lag, Frsorge fr sie getroffen, um sie vor dem Schwersten zu bewahren.

Diese Gedanken hat Luther in seinem "zweiten" und "letzten" "Testament"
niedergelegt, welches vier Jahre vor seinem Tode, am 6. Januar 1542
niedergeschrieben ist. Darin setzt er seiner "lieben und treuen
Hausfrau" ein Leibgeding aus und will sie schtzen gegen "etlich
unntze, bse und neidische Muler", welche seine "liebe Kthe"
beschweren oder verunglimpfen mchten oder die Kinder aufhetzen. "Denn
der Teufel, so er mir nicht konnte nahe kommen, sollt er wohl meine
Kthe (auf) allerlei Weise (heim)suchen, (schon) allein (aus) der
Ursache, da sie des D.M. ehrliche Hausfrau gewesen und Gottlob noch
ist."[574]

So mute Frau Katharina auch bald spren, welcher Unterschied es sei,
die Gattin des groen Doktors zu sein, der nach dem Anspruch eines
groen Frsten neben dem Kaiser die Welt regierte, dessen Ansehen und
Ehre auch auf die "Hauswirtin" berging, und Luthers verlassene Witwe,
in deren Vermgens-und Familienverhltnisse, Hauswirtschaft und
Kindererziehung hineinzureden und hineinzuregieren sich jetzt viele
berufen fhlten, zum Teil aus gutem Willen und Verehrung fr den
dahingegangenen Freund und Reformator, whrend bisher Frau Katharina
selbst, hchstens mit Rat und Zustimmung ihres Eheherrn, in diesen
Dingen vollstndig selbstherrlich geschaltet hatte. Da sie, die
energische Frau, welche sich ihrer Tchtigkeit in der Leitung eines
groen Hauswesens wohl bewut war, und welcher Luther so bereitwillig
das Hausregiment berlassen hatte, dies Dreinreden und Dreinbefehlen
schwer empfand, ist begreiflich. Nicht wenig mute es sie auch schmerzen
und ihr Selbstgefhl verletzen, da sie bisher die erste Frau der Stadt,
ja der evangelischen Welt, nun bescheiden zurcktreten mute. Schwer
auch kam sie's gewi an, da sie das in so groem Stil gefhrte
Hauswesen mit seiner unerhrten Gastlichkeit beschrnken mute.

Zwar das trat nicht ein, was Luther gefrchtet hatte, da "die vier
Elemente (d.h. doch wohl die vier Fakultten der Universitt) sie nicht
wohl leiden" wrden. Auch davon hrt man nichts, was Luther in seinem
Testamente aussprach: "Ich bitt alle meine guten Freunde, sie wollten
meiner lieben Kthe Zeugen sein und sie entschuldigen helfen, wo etliche
unntze Muler sie beschweren und verunglimpfen wollten, als sollte sie
etwa eine Barschaft hinter sich haben, die sie den armen Kindern
entwenden oder unterschlagen wrde. Ich bin des Zeuge, da da keine
Barschaft ist, ohne die Becher und Kleinod droben im Wipgeding erzhlt
(aufgezhlt), vielmehr 450 fl. Schulden oder mehr."[575]

Aber Luther hatte noch ein weiteres vorausgesehen, was seiner Frau
vorgeworfen werden knnte: eine ble Wirtschaft. Es heit weiter im
Testament: "Es kann solches bei jedermann die Rechnung ffentlich geben,
weil man wei, wie viel ich Einkommens gehabt von meinen gestrengen
Herrn, ohn was Geschenk ist gewesen, welches droben unter den Kleinoden,
zumteil auch noch in der Schuld steckt und zu finden ist. Und ich doch
von solchem Einkommen und Geschenk so viel gebaut, gekauft und groe und
schwere Haushaltung gefhrt, da ich's mu neben anderem selbst fr
einen sonderlichen, wunderliche Segen erkennen, da ich's hab knnen
erschwingen, und nicht Wunder ist, da keine Barschaft, sondern da
nicht mehr Schuld da ist."[576]

Am meisten unzufrieden mit der gesamten Wirtschaft Katharinas war der
Kanzler Brck, Luthers Gevattersmann. Brck hatte schon 1536, als
Katharina das Gut Boo pachten wollte, ihr das nicht zukommen lassen,
aus Argwohn, sie wolle dies herrschaftliche Gut so unter der Hand
erblich an sich und ihre Kinder bringen, "welche Gedanken doch nie in
ihr Herz gekommen sind". Deshalb hatte sie auch den Landrentmeister
Taubenheim spter (1539), als das Gut wieder pachtfrei war, angegangen,
solchen ihren Antrag an niemand sonst, auch nicht an den Kurfrsten
(welchen dann Brck um Gutachten gefragt htte) gelangen zu lassen,
sondern ihr's unter der Hand zukommen zu lassen, was dann auch geschah.
Brck uerte sich auch sehr abschtzig ber Kthes Unternehmungen auf
ihrem Lieblingssitz Zulsdorf und hielt diese kostspieligen
Verbesserungen fr arge Verschwendungen. Er widersetzte sich endlich dem
Erwerb von Wachsdorf. Daher ist es begreiflich, da auch Katharina auf
ihn bel zu sprechen war, und berhaupt auf die frstlichen Amtleute,
welche scheel zu den Begnadigungen sahen, die sie vom Hofe erhielten,
und sogar sie darin verkrzten. Als Luther ein Jahr vor seinem Tode von
Wittenberg wegziehen wollte, und seine Frau beauftragte, seine
Besitzungen in der Stadt zu veruern, da lie Melanchthon gegen Brck
merken, da eigentlich Katharina das "treibe" und da es nicht das sei,
was Luther vorwende. Das berichtete der Kanzler dem Kurfrsten und fgte
mit einer gewissen Schadenfreude hinzu: es gebe Gottlob keine Kufer fr
so kostbare Huser und Gter[577].

Als dann die kurfrstliche Verordnung wegen "der Hochzeiten und
Kindtaufen" an Luther geschickt wurde, kamen Melanchthon und Bugenhagen
zu Brck und zeigten an, Luther wolle sie weder sehen noch hren; zu Hof
htte man nur sein Gesptt damit. Daraus schlo Brck, da der Doktor
durch seine Frau aufgewiegelt werde.

Es war also ein Zerwrfnis zwischen dem Schwarzen Kloster und dem Hof,
das heit zwischen Dr. Luther und Kanzler Brck, der den "Hof" vertrat,
so da Brck gar nicht mehr persnlich und direkt mit Luther
verhandelte, sondern die beiden Theologen sandte oder auch einen
Dritten[578]. Dieses Zerwrfnis hatte dann noch seine weitere
Geschichte.

Im Dezember 1545 schickte Brck einen Zwischenhndler ins Schwarze
Kloster "hinauf zu Sr. Ehrwrden", um Luther zu bewegen, er solle aus
einer vom Hof bestellten Schrift eine politisch bedenkliche Stelle
auslassen. "Da war Frau Kthe auch dabei und hat ihr Wort dazu gelegt
dergestalt: "Ei lieber Herr, sie lesen zu Hof nichts; das macht's,
wissen sie doch Euere Weise wohl u.s.w." Und Luther wurde ber diese
Zumutung des Kanzlers zornig und wunderlich und sagte, er wolle es
kurzum nicht thun. Diese Rede Kthes wurde natrlich dem Kanzler
hinterbracht und er berichtete sie sofort samt den vorhergehenden
Beobachtungen dem Kurfrsten mit dem Zusatz: "Ich sorg, weil sich Doktor
Martinus in mehr denn einem Weg wider den Hof bewegt vermerken lt, es
mu nochmals das Gtlein Wachsdorf dahinter stecken, und der gute,
fromme Herr durch die "Rippe" bewegt wird."[579]

Das alles spielte kurz vor Luthers Tode; begreiflich, da die
Verstimmung bei Brck jetzt noch frisch und krftig nachwirkte. Auch
Melanchthon und Bugenhagen scheinen gegen die Doktorin eingenommen, wenn
man den Berichten von Brck glauben soll. Es mu aber doch ausfallen,
da auer den Brckschen Berichten keine Belege fr Melanchthons und
Bugenhagens Feindseligkeit gegen Frau Kthe bekannt sind; ja die
Frsorge beider, namentlich Melanchthons und das Zutrauen Katharinas zu
diesem beweist eher das Gegenteil. Dennoch wre nach Brcks Eingabe eine
vorbergehende Erregung der beiden alten Freunde gegen sie vorhanden
gewesen.

Zunchst freilich wirkte die Liebe und Verehrung, die der gewaltige und
gemtreiche Mann genossen, auch noch auf seine Familie, insbesondere die
trauernde Gattin.

Der Kurfrst hatte einst vor neun Jahren in Schmalkalden an Luthers
vermeintlichem Sterbebett diesem versprochen: "Euer Weib soll mein Weib
sein und Euere Kinder sollen meine Kinder sein". Dessen gedachte er auch
jetzt nach des Doktors wirklichem Abscheiden und sandte an "die
Doktorin, Luthers liebe Hausfrau", jenes gndige Trostschreiben, worin
er sie und ihre Kinder seiner gndigen Frsorge versichert[580]. Diesem
Versprechen kam nun auch der Frst getreulich nach, so lange er in
Freiheit war und es vermochte.

Der Kanzler Brck hatte in einer Nachschrift zu seinem Briefe an den
Kurfrsten vom 19. bemerkt: "Philippus hat mir gesagt, er habe der
Doktorin bereits vor 14 Tagen 20 Thaler zur Haushaltung leihen mssen.
E. Kf. Gn. wollen 14 Thaler verordnen zur Haushaltung und anderem, das
dieses Falles Notdurft wohl erfordern will. Der Allmchtige wird es E.
Kf. Gn. reichlich vergelten!" Darauf sandte der Kurfrst sofort am
folgenden Tag hundert Gulden mit einem Schreiben an Melanchthon; darin
heit es: "Dieweil Wir auch vermerken, als solle gemeldten Doctor
Martini seligen Hausfrau und Witwe am Gelde Mangel haben, wie ihr denn
von Euch vor seinem Tode Frsehung (Vorschu) geschehen sein solle: als
schicken Wir Euch bei diesem Boten hundert Gulden. Davon wollet Euch des
Geldes, was Ihr geliehen habt, zuvor bezahlen und der Witwe die berma
(den berschu) von Unserntwegen zustellen."[581]

Und vielleicht nochmals zwei Tage nach der Beisetzung hat der Kurfrst
die Witwe Luthers seiner besonderen Gnade und Frsorge versichert. Auch
erbot er sich, ihren ltesten Sohn an den Hof und in die kurfrstliche
Kanzlei zu nehmen[582].

Auch die Freunde des Hauses nahmen sich der Witwe noch an. Melanchthon
erwies ihr eine kleine Aufmerksamkeit. Als er am 11. Mrz einen Hasen
und einen Pelz von Jonas erhielt, dachte er an das Mosesgesetz, da den
Priestern, welche die Brde der Kirchenregierung auf ihren Schultern
trugen, auch die Haut des Opfertieres gehren sollte, und damit an
Luther, der so lange Jahre auf seinen Schultern eine solche Last
Geschfte getragen, und er schickte den Pelz und Hasen an Luthers
Witwe[583].

Jonas berichtet am 15. April an Knig Christian III. von Dnemark ber
Luthers Tod und fgte die Bitte bei: "Bitt' unterthnigst E.K.Maj. wolle
der Witwe Domini D. Martini seiner drei Shne Martini, Pauli, Johannis
und eines Tchterlein Margret gndigster Herr sein."[584]

Sogar der Herzog von Preuen schrieb an den Kurfrsten von Sachsen fr
D. Martini seligen Witwe eine "Vorbitt", deren der Kurfrst freundlich
eingedenk zu sein verheit: "Dieweil Wir dem Doktor bei seinem Leben in
allem Guten geneigt gewesen, so achten Wir Uns auch schuldig, seine
nachgelassenen Kinder, seinen getreuen, fleiigen und christlichen
Dienst genieen zu lassen, wie Wir sie auch samt der Witwe in gutem
Befehl habend."[585]

Die Grafen von Mansfeld hatten Luther und seiner Familie fr seine
Vermittlung 2000 fl. zugesagt und haben diese dann auch am 8. Mai 1546
"Doktor Luthers nachgelassener Wittfrau und Kindern" verschrieben, zu
"Dankbarkeit solch christlichen Liebe und Erzeigung bemeldts D.M.
Luthers, da er sich gutwillig gen Eisleben gefgt und treumeinende
Handlung vorgenommen und also daselbst mit Friede sein Ende christlich
und seliglich beschlossen."[586]

Endlich bestand noch ein Vermchtnis des Kurfrsten Johann Friedrich von
1000 fl., welche Luthers Kindern ausgesetzt waren, und wovon einstweilen
die Renten ausbezahlt wurden, als eine Art Gnadengehalt fr die
Waisen[587].

Der Witwe war in diesen Verschreibungen nicht gedacht. Dagegen hatte
Luther fr seine Gattin schon vier Jahre vor seinem Tode ein Leibgeding
ausgesetzt.

Luther hatte nun in bekannter Miachtung der Juristen und des
juristischen Formen-Krams dies Dokument absichtlich selbst aufgesetzt
und nur von seinen theologischen Freunden Melanchthon, Kreuziger und
Bugenhagen unterschreiben lassen, in der Meinung, da ihn so "viele in
der Welt fr einen Lehrer der Wahrheit halten" trotz Papstes Bann und
des Kaisers, Knige, Frsten, Pfaffen, ja aller Teufel Zorn, so sollte
man ihm und seiner Handschrift auch in diesen geringen Sachen glauben."
Er schreibt darin: "Zuletzt bitt' ich jedermann, weil ich in dieser
Begabung oder Wibgeding nicht gebrauche der juristischen Formen und
Wrter (wozu ich Ursachen gehabt), man wolle mich lassen sein die
Person, die ich in Wahrheit bin, nmlich ffentlich im Himmel, auf Erden
und in der Hlle bekannt, der man trauen und glauben mag, mehr denn
keinem Notario."[588]

Daraus ergiebt sich eine Mistimmung gerade gegen Brck, der ja in
diesem Falle besonders htte gehrt werden mssen. Aber die
Rechtsgelehrten konnten dies Testament auch anfechten und scheinen dies
gethan zu haben eben darum, weil Luther in so geflissentlicher Weise die
verhaten Juristen bergangen hatte. Waren doch die Juristen immer noch
bedenklich ber die Rechtsgltigkeit der Priesterehe und gar der Ehe von
Mnchen und Nonnen, also da Luther frchten mute, da sie seine "Ehre
und Bettelstcke seinen Kindern nicht gedenken zuzusprechen". Da konnte
nur eine besondere Entscheidung der Staatshoheit der Witwe zu ihrem
Rechte verhelfen, wie auch Luther selbst in dem Testament vorgesehen
hatte: "Und bitt auch hiemit unterthniglich, S.K.G. wollten solche
Begabung oder Wibgeding schtzen und handhaben."[589]

Dies sog. "Testament" Luthers war eigentlich ein Leibgeding fr seine
Hausfrau, ein "Weibgedinge", wie es herkmmlich von Ehemnnern frher
oder spter ausgestellt zu werden pflegte. Es hatte um so grere
Bedeutung, als es fr Beamten-, wie Professorenfrauen kein Witwengehalt
gab und das schsische Erbrecht fr Frauen so ungnstig war.

Alle evangelischen Pfarrer der Reformationszeit, deren Besoldung sehr
unsicher, oft nur ein Gnadengehalt war, strebten deshalb danach, ihren
Frauen, wie Luther sich ausdrckt, ein "Erbdchlein und Herdlin", d.h.
Grundbesitz, zu verschaffen; und jeder Ehemann in Sachsen pflegte der
Ehefrau ein Leibgedinge zu verschreiben. "Wie wenige findet man," sagt
Luthers langjhriger Hausgenosse Hieronymus Weller, als er Pfarrer in
Freiberg war und Weib und Kind hatte, "wie wenige findet man, die sich
kmmern um Witwen und Waisen von verstorbenen Dienern der Kirche! Darum
folge ich Luthers Beispiele und kaufe ein Haus zur Zuflucht fr die
Meinen in der Zukunft." So dachte auch Luther. Er uerte sich sehr
unzufrieden ber das schsische Recht wegen seiner Behandlung der
weiblichen Ansprche. "Sachsenrecht", sagte er, "ist allzustreng und
hart, als das da anordnet, da man einem Weibe nach ihres Mannes Tode
geben soll nur einen Stuhl und Rocken". Dies legte aber Luther so aus:
"_Stuhl_, das ist Haus und Hof; _Rocken_, das ist Nahrung, dabei sie
sich in ihrem Alter auch knne erhalten; mu man doch Dienstboten
besolden und jhrlich ihnen ihren Lohn geben, ja man giebt doch einem
Bettler mehr."[590]

Demgem handelte nun auch Luther und schrieb--schon am Dreiknigstag
1542--sein "Testament", d.h. das "Weibgeding" fr seine Gattin[591].

"Ich, M.L.D. bekenne mit dieser meiner eigenen Handschrift, da ich
meiner lieben u. treuen Hausfrauen Katherin gegeben habe zum Wipgeding
(oder wie man es nennen kann) auf ihr Lebenlang, damit sie ihres
Gefallens u. zu ihrem Besten gebaren muge, und gebe ihr das in Kraft
dieses Briefs, gegenwartiges und heutigen Tages:

Nmlich das Guttlein Zeilsdorff, wie ichs bis daher gehabt habe.

Zum andern das Haus Bruno zur Wohnung, so ich unter meines Wolfs Namen
gekauft habe.

Zum dritten die Becher und Kleinod, als Ringe, Ketten, Schenkgroschen,
gulden und silbern, welche ungefhrlich sollten bey 1000 Fl. werth seyn.

Das thue ich darumb,

Erstlich, da sie mich als ein frum, treu ehelich Gemahel allezeit lieb,
werth u. schn gehalten, und mir durch reichen Gottes-Segen fnf
lebendige Kinder (die noch furhanden, Gott geb lange) geboren und
erzogen hat.

Zum andern, da sie die Schuld, so ich noch schuldig bin (wo ich sie nit
bey Leben ablege), auf sich nehmen und bezahlen soll, welcher mag seyn
ungefhr, mir bewut, 450 fl. mugen sich vielleicht wohl mehr finden.

Zum dritten, und allermeist darumb, da ich will, sie msse nicht den
Kindern, sonder die Kinder ihr in die Hnde sehen, sie in Ehren halten,
und unterworfen seyn, wie Gott geboten hat. Denn ich wohl gesehen und
erfahren, wie der Teufel wider die Gebot die Kinder hetzet und reizet,
wenn sie gleich frum sind, durch bse und neidische Muler, sonderlich
wenn die Mtter Witwen sind, und die Shne Ehefrauen, und die Tchter
Ehemnner kriegen, und wiederumb socrus nurum, nurus socrum. Denn ich
halte, da die Mutter werde ihrer eigenen Kinder der beste Vormund seyn,
und slch Guttlein und Wipgeding nicht zu der Kinder Schaden oder
Nachtheil, sondern zu Nutz und Besserung brauchen, als die ihr Fleisch
und Blut sind und sie unter ihrem Herzen getragen hat.

Und ob sie nach meinem Tode genthiget oder sonst vorursachet wurde
(denn ich Gott in seinen Werken und Willen kein Ziel setzen kann) sich
zu vorndern: so traue ich doch, und will hiemit slches Vertrauen
haben, sie werde sich mutterlich gegen unser beyder Kinder halten, und
alles treulich, es sey Wipgeding oder anders, wie recht ist, mit ihnen
theilen.

Auch bitt ich alle meine gutten Freunde, sie wollten meiner lieben
Kthen Zeugen seyn und sie entschuldigen helfen, wo etzliche unnutze
Muler sie beschweren oder verunglimpfen wollten, als sollt sie etwa
eine Barschaft hinter sich haben, die sie den armen Kindern entwenden
oder unterschlagen wrde. Ich bin de Zeuge, da da keine Barschaft ist,
ohn die Becher und Kleinod, droben im Wipgeding erzhlet.

Und zwar sollts bey iedermann die Rechnung offentlich geben, weil man
wei, wie viel ich Einkummens gehabt vom M. gestr. Herr, und sonst nicht
ein Heller noch Krnlein von iemand einzukummen gehabt, ohn was Geschenk
ist gewesen, welches droben unter den Kleinoden, zum Theil auch noch in
der Schuld steckt, und zu finden ist. Die bitte ich darumb: denn der
Teufel, so er mir nicht kunnt nher kummen, sollt er wohl meine Kthe,
allein der Ursachen, allerley Weise suchen, da sie des Mannes D.M.
eheliche Hausfrau gewesen, und (Gott Lob) noch ist."--

Auer diesem Witwengut bestand das Lutherische Vermgen aus folgendem:
dem Klosterhaus, hernach zu 3700 fl. verkauft, den beiden Grten zu 500
fl., Hausrat und Bibliothek zu 1000 fl. zusammen 5200 fl. Das Leibgeding
der Mutter betrug im Verkaufswert 2300 fl., nmlich das Gut Zulsdorf 956
fl., das Haus "Bruno" zu 343 fl., bisher "um einen liederlichen Zins"
vermietet, dazu noch die 1000 fl. Silbergeschirre; davon gingen
allerdings die genannten 450 fl. Schulden ab, wenn sie bei Luthers Tod
noch standen; diese Schulden machten ihr viel Sorgen; eine "Barschaft"
war--auch nach D. Brcks Zeugnis "nicht da". Freilich Luther selber
hatte diesen Besitz viel hher angeschlagen; in der Schtzung 1542
berechnet er ihn auf 9000 fl. Das Einkommen aber aus allem schtzt er
auf kaum 100 fl. Dazu kamen noch seit einiger Zeit 50 fl. jhrliche
Rente, aus dem verschriebenen kurfrstlichen Legate von 1000 fl. und
endlich noch 2000 fl. des Grafen von Mansfeld[592].

Das war wohl ein groer, weitlufiger Besitz; aber er war wenig
eintrglich; alles in allem warf er 250 fl. ab. Ob davon eine grere
Familie ohne gar zu groe Einschrnkung leben konnte? Die Kinder waren
noch alle unversorgt und unmndig. Der lteste Sohn Hans war 20 Jahre
alt, das jngste Tchterlein Margarete erst 11, Martin 14 und Paul 15.
Und die drei Shne sollten nach Luthers Wunsch alle studieren: Hans nach
der Mutter Meinung die Rechte, Martin wollte Theologe werden, Paul hatte
sich schon mit des Vaters Beifall fr die Medizin entschlossen. Zudem
war noch der alte lahme Famulus Wolf da, der als gewohntes Erbstck mit
versorgt werden mute; er hatte zwar auf Luthers Ansuchen vom Kurfrsten
ein Stipendium von 40 fl. bekommen, dies aber ging in Luthers Haushalt
mit auf[593]. Man konnte Luthers Witwe, die einen so groen und
gastfreien Haushalt gewohnt war, doch nicht zumuten, das alte liebe Haus
zu verlassen und sich in rmlichster Weise, etwa in die "Bude" Bruno
oder auf Zulsdorf zurckzuziehen und die Kinder unter fremde Leute zu
geben. Brck war freilich dieser Meinung. Frau Katharina dagegen wollte
alle Kinder bei sich behalten, was ja wohl auch das billigste war; sie
wollte ferner im Klosterhaus bleiben und Kostgnger nehmen in noch
ausgedehnterem Mae wie bisher; sie wollte endlich nicht nur "die Bse"
(das Gut Boo), die sie etliche Jahre her zur Miete und um einen
"liederlichen Zins" innegehabt, ferner auch also behalten, sondern noch
ein weiteres landwirtschaftliches Anwesen erwerben, um ihre Einnahmen zu
vermehren[594]. Dies alles aus Frsorge fr sich und ihre Kinder; aber
auch, wie der Kanzler Dr. Brck gewi richtig versteht, "damit sie zu
thun, zu schaffen und zu gebieten genug hab, und ihr demnach an der
vorigen Reputation nichts abgehe". Namentlich war ihr das neue Landgut
angelegen: hatte sie ja fr die Landwirtschaft besondere Neigung aus
wirtschaftlichem Interesse, aber wohl auch aus ihrem adeligen Bewutsein
heraus. Schon vor mehreren Jahren nmlich war ihrem Gatten das groe Gut
Wachsdorf zum Kaufe angetragen worden, welches eine Stunde von
Wittenberg, jenseits der Elbe, also viel gnstiger als das ferne
Zulsdorf gelegen, auch fruchtbarer und eintrglicher, freilich auch
teurer war als dies. Das wurde ihr nun aufs neue angeboten[595].

Die Witwe fragte nun Melanchthon um Rat. Der sah fr gut an, man sollte
den Kauf von Wachsdorf anlangend des Kurfrsten Rat und, wo dieser es
riete, seine gndige Hilfe erbitten. Sie aber wollte das schlechterdings
nicht haben--gewi nur deshalb, weil sie von vorn herein wute, da der
kurfrstliche Rat--der Rat Dr. Brcks sei, dem die Sache zur
Begutachtung bergeben wrde und der dem Vorhaben Katharinas durchaus
entgegen war. Sie entwarf nun eine Eingabe an den Kurfrsten
dahingehend: Weil sie gedenke, das Gut Wachsdorf zu kaufen, so wolle
S.K.Gn. ihr dazu gndige Hilfe thun, und sie mit Vormndern bedenken,
damit ihre Kinder und sie zu ihrer Unterhaltung bedacht werden mchten,
dieweil kein Geld, Gesinde oder Vorrat vorhanden, denn das Gut wre
nicht angerichtet (eingerichtet).

Diese Bittschrift gab Frau Katharina Melanchthon zur Begutachtung.
Dieser brachte sie nun am Dienstag, 9. Mrz, abends in die Sitzung mit,
welche er, Bugenhagen und Kreuziger mit Brck wegen des Regensburger
Religionsgesprches bei dem Kanzler hielten, und gab sie--Brck. Und der
Kanzler las sie nun "ffentlich" vor.

Als Bugenhagen den Plan Katharinas wegen Wachsdorf vernahm, rief er: "Da
hrt man wohl, wer alleweg nach dem Gut Wachsdorf getrachtet. Vorher hat
man's auf den Doktor geworfen, der wolle es schlechterdings haben; aber
jetzt merkt man wohl, wessen Getrieb es gewest."

Darnach fielen allerlei Reden zwischen den vier Mnnern und meinten
dieselben "fast insgemein": "Kriegte sie das Gut, so wrde sie ein
solches Bauen darauf anfangen, zu ihrem und der Kinder groem Schaden,
wie sie mit dem Gut Zulsdorf auch gethan, welches sie ber 1600(!)
Gulden zu stehen kam und wollt ihr nicht gern 600 Gulden gelten[596].
Weiter wurde bedacht: Wenn sie drauen (in Wachsdorf) bauen und wohnen
wollte, so wrde sie die Shne zu sich hinaus vom Studium abziehen, da
sie junkern lernten und Vgel fangen[597]. Ferner berschwemme die Elbe
sofort und bedecke das Gut mehrern Teils mit Wasser; man knne keinen
Keller bauen, es sei berhaupt "ein wstes Gtlein".

Aber Melanchthon, der das Ungehrige seines Schrittes wohl einsah, bat,
man solle nicht ber die Bittschrift verhandeln, sondern sie, wie sie
wre, an den Kurfrsten abgehen lassen; "die Frau liee sich doch nit
raten, sondern ihr Gutdnken und Meinung msse alleweg fr rcken".

Brck sagte: "Will sie um Vormnder bitten, so wird sie ja mit derselben
Rate handeln und vorgehen mssen. Und ich dchte, da Kreuziger und M.
Melanchthon neben andern die besten Vormnder wren; denn sie wissen ja
um des Herrn sel. Gelegenheit; die Kinder mssen ihnen auch des Studiums
halber vor anderen folgen."

Aber die beiden schlugen die Vormundschaft "alsbald glatt ab", aus
Ursachen, da "die Frau nicht folge und sie oft beschwerliche Reden von
ihr wrden einnehmen mssen".

Ferner lie sich Melanchthon vernehmen, da sie der Kinder keins wolle
von sich thun, sondern dieselben sollten bei ihr in Wittenberg
unterhalten werden. Und wiewohl der ltere Sohn Hans nicht ungeneigt
gewesen wre, auf des Kurfrst gndiges Erbieten gen Hof und in die
kurf. Kanzlei zu ziehen, so htte sie ihn doch (ab)wendig gemacht.
Man[598] habe von andern auch dergleichen gehrt, da sie vorgbe: es
wre ein alberner Gesell, man wrde ihn in der Kanzlei nur ffen und zum
Narren machen. Zum Studium tauge er nach Melanchthons Meinung gar nicht,
denn er wre zu gro und es fehlten ihm die Grundlagen. Endlich war der
Kanzler der Meinung, man sollte die Behausung des Klosters, diese
weitlufige Wohnung, verkaufen oder verlassen. Aber Melanchthon
erklrte, da "ihr Gemt (Sinn) nicht wre", das zu thun, sondern sie
gedcht es zu behalten, ingleichen auch das Gut Zulsdorf, selbst wenn
Wachsdorf dazu kme.

So war--nach Brcks Bericht--die Unterredung der vier Freunde und
Gevattern Luthers ber seine Witwe.

Melanchthon hatte also gegen den Willen der Frau Doktorin ihr Anliegen
dem Kanzler vorgetragen, dessen Dreinreden sie gerade--und mit gutem
Grund--vermeiden wollte; und er hatte auch noch allerlei mndliche
Mitteilungen gemacht, welche nicht dazu dienen konnten, die Stimmung der
Freunde gegen die Doktorin zu verbessern.

Ohne von dieser Behandlung ihrer vertraulichen Mitteilung etwas zu
wissen, lie nun Frau Katharina ihre Eingabe durch den Hausfreund
Ratzeberger, den kurfrstlichen Leibarzt, bei Hofe im Torgauer Schlo
einreichen. Es geschah am Mittwoch, und schon Donnerstag, 11. Mrz,
fordert der Kurfrst den Kanzler Brck in Wittenberg um ein Gutachten
ber die Bittschrift Katharinas auf, die er seinem Schreiben beilegte.

Das Gutachten des Kanzlers ist nun ein eigentmlich gehssiges
Schreiben. Brck berichtet darin an den Kurfrsten zuerst die
vertrauliche Beratung der drei Theologen mit allen fr Katharina
ungnstigen Bemerkungen derselben, und zwar, wie es scheint, verschrft.
Htte das Melanchthon gewut, so htte er's wohl unterlassen, Brck "von
der Frauen wegen um sein Bedenken" zu bitten. Ferner erwhnt der Kanzler
in dem Schriftstck allerlei gehssiges und sogar verlogenes Geschwtz
"von andern". "Viel Leut wollen's dafr halten, es werde endlich
schwerlich unterbleiben, da sie sich wieder verndern wird"--so wagt
Brck drei Wochen nach ihres Gatten Tod von einer 47jhrigen Frau zu
schreiben! und dies, obwohl er sich bewut ist und ausdrcklich erklrt,
es sollte vermieden werden, da "man mit der Frauen disputiere, ob sie
sich verndern wird oder nit". Ferner berichtet er an den Kurfrsten:
"Man sagt mir, es hab ein jeder Knab einen eigenen Prceptor und
Famulum"--hinterher stellt sich aber heraus, da es blo ein einziger
ist, Rutfeld, und ein gelehrter und treuer Geselle. Ebenso wird es
Uebertreibung sein, wenn er als "ffentlich" hinstellt, was "des andern
Gesindes vorhanden ist"--wie sie nmlich "mit vielem Volk" (Gesinde)
berladen sei. Endlich giebt der Kanzler seiner Abneigung gegen die
Doctorin noch verschiedentlich klaren Ausdruck. Er nennt ihre Bitte
"stumpf und kurz"; er rechnet dem Kurfrsten _wiederholt_ vor, da er
600 fl. Gnadengeld zur Erbauung des Gutes Zulsdorf gegeben und noch dazu
fr 100 fl. Holz; er spricht die Verdchtigung aus, welche doch auch Dr.
Luther trfe: "Der arme lahme Wolf ist auch noch da; wollt sie ihn bei
sich behalten und er bei ihr bleiben, so htt sie die vierzig Gulden
auch mit einzubrocken, wie denn bisher geschehen, da der arme Mensch
derselben wenig genossen hat,--besorg ich", setzt er doch etwas
bedenklich hinzu. Das Gut Wachsdorf macht Brck so schlecht wie mglich
und meint, es "erobere" keine hundert Gulden Reinertrag, also nicht
einmal die Kapitalzinsen. Er verdchtigt die Doctorin weiter, "es sei
ihren Kindern nichts nutz" und es sei ihr nur darum zu thun, teil zu
haben an dem Gut. Und sein ganzes Bestreben geht dahin, nur den Kindern
und immer den Kindern alles zugut kommen zu lassen und die Witwe vom
Besitz und Genu auszuschlieen. Und weiterhin ist Brcks Rat und
Absicht, "ihr die stattliche--ein andermal heits: "groe und
verthunliche"--Haushaltung zu brechen". Endlich geht er mit aller Macht
darauf aus, der Mutter die Kinder zu entziehen. Whrend Luther in seinem
Testament zu seiner Gattin das gute Zutrauen hatte, "die Mutter werde
ihren eigenen Kindern der beste Vormund sein", erklrte Brck, wie es
scheint mit direkter Beziehung auf diese Meinung Luthers: "Nach
schsischem Recht kann sie nit Vormund sein, dieweil sie bei ihrem
Witwenstand selbst Vormnder bedrftig; so wr es auch sorglich, da
(wenn) sich die Frau anderweit wrde verehelichen." Am rgsten wohl
tritt er der Witwe zu nahe, wenn er ausfhrt, die Knaben wrden bei ihr
junkern und spazieren gehen und vom Studio abgezogen, sie mten daher
"zu gelehrten Leuten gethan werden, vor denen sie Furcht und Scheu
htten, bei welchen sie auch einen bequemen Tisch htten"--als ob die
Kinder bei ihr--der "Erzkchin"--sogar in ihrer leiblichen Pflege
versumt wrden! Die einzige gegrndete Veranlassung zu dem Mitrauen in
Katharinas Erziehungskunst konnten doch nur die geringen Fortschritte
geben, die der wenig begabte Erstgeborne im Studium bisher gemacht.

Fast eher wie bses Gewissen sieht es aus, als wie Scheu vor Frau
Katharinas starkem Willen, wenn der Kanzler an den Kurfrsten schreibt:
"Nun wr ich in Unterthnigkeit willig gewest, mit der Frauen selbst
oder dem Philippo von den Sachen auf E. Kurf. Gn. Befehl zu reden; so
hat mich doch dies abgescheuet, da ich dazumal vom Philippo verstanden,
da ihr Gemt nit wre das Haus allhie zu verkaufen oder zu verlassen,
sondern gedcht es zu behalten, ingleichen Zulsdorf und Wachsdorf; darum
des Verkaufens des Hauses gegen ihr nit zu gedenken sein wollte."

Sachlich macht der Kanzler dem Kurfrsten nun folgende Vorschlge:

1. Damit die Domina nicht Ursache habe S.K.Gn. zu Unglimpf zu gedenken,
mge der Kurfrst zu den bisherig verschriebenen 1000 fl. noch 1000
fl.--aber nur fr die Kinder--hinzuthun und beides zusammen mit 100 fl.
verzinsen, das auf das Mdchen (Margarete) fallende Viertel aber (500
fl.) bis zu ihrer Verheiratung verpensionieren.

2. Der Kurfrst solle der Mutter und den Kindern besondere Vormnder
geben. Diese beiderseitigen Vormnder sollten dann das Eigentum der
Witwe und das der Waisen reinlich scheiden.

3. "Darnach mssen die Vormnder beiderseits davon reden, wie, wovon und
welcher Gestalt die Kinder sollen unterhalten werden. Da wird sich denn
das Gebei zwischen der Frau und den beiderseitigen Vormndern ergeben.
Denn der Kinder Vormnder werden sagen: es sei kein bessers, denn Hansen
den ltern Sohn thue man gen Hof in E.K.G. Kanzlei; so mchte es sich
mit der Zeit also schicken, da er zu etwas kme, so ihm sonst fehlen
mchte. Denn wenn ihm E.K.G. ein Stipendium verordnet und es wollt mit
dem Studium nicht fort, so wird es schimpflich, es ihm zu kndigen.
Ferner werden sie sagen, da mit den andern Knaben auch kein besser
wre, denn da man sie von einander tht und da sie nit bei der Mutter
wren." Dazu knne ihnen der Kurfrst noch ein weiteres Stipendium
geben.

4. Das Tchterlein knne man bei der Mutter lassen, und von den 500 fl.
30 fl. Rente geben, und wenn es nicht reiche: 40 fl. Davon knnte es die
Mutter mit einem kleinen Meidlein, das ihm aufwartet, wohl erhalten und
es von dem Mansfeldischen Geld- oder Zinsanteil mit Kleidung versehen.

5. Auf diesem Weg wrde der Frau ihre groe und verthunliche Haushaltung
gebrochen werden und dem vorgebeugt, da aus den Kindern "Junker und
Lappen" werden.

6. "Wrde die Frau unsern Vormndern dann sagen: "Wovon solle sie denn
erhalten werden?", so knnten die Vormnder der Kinder erwidern: Sie
brauche mit ihrer Tochter nicht groe Haushaltung, nicht viel Gesinde,
htte die Wohnung umsonst, knne Kostgnger halten, die Anwesen zum Teil
vermieten, brauen, den Genu vom Garten, Hufen und Zulsdorf haben und
Anteil an den Mansfeldschen Kapitalzinsen. Auch knne der Kurfrst ihr
und der Tochter jhrlich 2 Wispel Korn geben und vielleicht etliche
Klafter Holz.

7. "Wenn sie (die Domina) vermerkte, da E.K.G. den _Kindern_ bewilligen
wollte, Wachsdorf zu kaufen und dazu die 2000 fl. ausfolgen lassen, so
wird sie des Gutes bald vergessen und sich der Mhe und des Bauens nicht
wollen beladen, so sie nicht zum wenigsten die Hlfte daran
mitberechtigt wird." Es gebe auch jhrlich kaum 100 fl. Reinertrag, und
habe dazu auch die Last eines halben Lehnspferdes. Darber aber solle
der Hauptmann zu Wittenberg Asmus Spiegel befinden, ob das Gut mehr
eintrage als das Kapital.

Der Kurfrst war rcksichtsvoller als sein Kanzler. Er schien dessen
Abneigung zu merken und ordnete in einem Schreiben an Brck und
Melanchthon an, da Vormnder fr die Witwe und fr die Waisen bestellt
wrden, und verschrieb den Kindern noch 1000 fl.; ber den Kauf von
Wachsdorf sollten die Vormnder befinden[599].

Zwar erbot sich Brck, "hinauf zu fahren (zur Doktorin) und die
Anzeigung mit zu thun; Philippus aber meinte, es wre ohne Not, er wollt
es von unser beider wegen wohl ausrichten." Also ging Melanchthon am
Freitag frh mit dem kurfrstlichen Schreiben zu der Doktorin[600].

Sie bedankte sich bei ihm und dem Kurfrsten fr die Begnadigungs-Zulage
zu gunsten ihrer Kinder und erklrte dann folgendes:

1. Sie wnsche fr sich zu Vormndern den jeweiligen Stadthauptmann von
Wittenberg und ihren Bruder Hans von Bora; fr die Kinder des Doktors
sel. Bruder Jakob, den jetzigen Brgermeister Reuter von Wittenberg und
Melanchthon, Dr. G. Major lehnte sie ab; auch Kreuziger scheint sie
abgelehnt zu haben, welcher im vertrauten Briefwechsel mit Veit Dietrich
Kthe eine "Hausfackel" genannt hatte. Sie erklrte sich aber mit der
Vormundschaft des Kurfrstl. Leibarztes Dr. Ratzeberger einverstanden,
der "seines Weibes halber selber der Freundschaft (= Verwandtschaft)
war."[601]

2. Sie war einverstanden, da die 1500 fl. vom Kurfrsten fr ihre
_Shne_ auf Wachsdorf angelegt wrden. Der Kanzler hatte ihr also auch
darin Unrecht gethan, da er meinte, die Domina wolle Wachsdorf nur oder
hauptschlich fr sich haben und bewirtschaften, statt fr ihre Shne.

Der Kanzler schlug nun dem Kurfrsten vor, Melanchthon "nicht mit der
Vormundschaft zu beladen, denn er ist fromm und wenig (gutherzig und
schwach), dienet nit dazu, da man der Frau wird sollen Oppositum
(Opposition) halten." Man solle die beiden Theologen Melanchthon und
Kreuzinger nur zu Mitvormndern in Bezug auf die Erziehung der Kinder
machen, da die Shne zu "Gottesfurcht, Lehre, Zucht und Tugend mchten
gezogen werden".[602]

So wurde es dann auch vom Kurfrsten angenommen und die Vormnder
bestellt, fr die Kinder auch Kreuziger in Stellvertretung fr
Ratzeberger, welcher nur bei den wichtigsten Verhandlungen abkommen
knnte[603].

Auch das Testament Luthers wurde, "nachdem Uns Unsre Liebe Besondere
Katharina, des Ehrwrdigen und Hochgelehrten Unsers Lieben Andchtigen
Ehr Martin Luthers, der hl. Schrift Doctors seligen nachgelassene Witwe
ihres Herrn Testament und Verordnung vortragen und bitten lassen"--zu
Judica vom Kurfrsten "gndiglich besttiget und konfirmiret, ob es
gleich an Zierlichkeiten und Solemnitten, so die Rechte erfordern,
mangelhaft wre."[604]

Nun gab es noch lange mhsame Verhandlungen zwischen dem Kanzler und
Kurfrsten einerseits und zwischen den Vormndern und der Doctorin
anderseits wegen der Erwerbung des Gutes Wachsdorf und der Erziehung der
Kinder[605].

Der Kanzler riet energisch von dem Kauf des Gutes ab, aber noch
hartnckiger "arbeitete" Frau Katharina darauf, und erbot sich, ihren
Kindern zu gut sich mit dieser Sache zu "beladen"; denn sie verhoffte
daraus groe Nutznieung zu ziehen und versprach auch "keine
sonderlichen Gebude allda vorzunehmen". Darum haben die Vormnder "es
auch nit hrter bestreiten wollen und durch ihr Widerfechten das Ansehen
bei ihr haben, als wollten sie ihre Wohlfahrt hindern und des Herrn
(Luthers) Wohlthaten vergessen". "Also hat es die tugendsame Frau
Doctorin und die Vormnder neben ihr angenommen."[606] Das Gut kostete
aber 2200 fl. Weil das Mansfeldische Kapital erst in zwei Jahren flssig
wurde, so gaben die Vormnder dem Kurfrsten zu bedenken, "da um des
lblichen Herrn Doctors willen der Witfrauen auch etwas zu willfahren
ist, und da sie wahrlich zwischen Thr und Angel stecken." Darum gab
der Kurfrst die 2000 fl. her, darunter auch die 500 fl. der Margarete,
welche aber bis zu ihrer Verehelichung als Hypothek auf Wachsdorf
gestellt und mit 30 fl. verzinst werden muten. Von den fehlenden 200
fl. gab Melanchthon und ein Freund die Hlfte, um die andere ging er den
wohlhabenden Amsdorf an. Am Pfingstmontag (14. Juni 1546) zahlte der
Kanzler Brck die 2000 fl. an die Vormnder Ratzeberger, Reuter und
Jacob Luther aus, und Frau Kthe, die so "fleiig angehalten, da
gemeldte Gabe in liegende Gter umgewandelt werde", erbot sich, "da sie
solche Gter den vier Kindern zu Gute treulich und fleiig warten
wollte". Zur Verwaltung des Gutes htte sie freilich gerne noch einen
Teil des Mansfeldschen Kapitals gehabt und begab sich dieserhalb zu dem
Grafen, und wie es scheint, mit teilweisem Erfolg[607].

In hnlicher Weise ging es auch mit der Erziehung der Kinder. Der
Kanzler drang zwar darauf, da Johann in die kurfrstl. Kanzlei kme und
die beiden andern, Paul und Martin, mit der Mutter Verwilligung weg zu
einem Magister in Wohnung, Kost und Unterricht, also zu fremden Leuten
gethan wrden. Und so billigte es auch der Kurfrst[608].

Damit mute auch die Witwe zufrieden sein und "ihr solches gefallen
lassen und sich mit den Vormndern darber vergleichen." So berichtete
wenigstens Brck an den Kurfrsten. Nun ordnete der Kurfrst auf den
Bericht des Kanzlers an, da die Vormnder den ltesten Sohn vor sich
forderten und an ihm vernhmen, ob er im Studio fortzufahren geneigt und
wenn er jetzo dermaen geschickt, da seines Studieren halber Hoffnungen
sei, so solle man es noch ein halb Jahr mit ihm versuchen; sollte er
aber dazu weder geschickt noch geneigt sein, so wolle der Kurfrst ihn
auf seine Kanzlei nehmen. Die zwei jungen Shne aber sollten "von der
Mutter zu einem tauglichen Magister oder Prceptor gethan werden, bei
denen sie wesentlich sein und ihre um ein gleich (billiges) Geld Kost
haben oder irgendwo mit ihm zu Tisch gehen, bei denen sie auch eine
Scheu und Furcht haben und also in der Lehr und Zucht zum besten
aufgezogen werden und darinnen verharren." Mit dieser Entfernung der
Kinder aus dem Hause sollte nun auch zugleich die Haushaltung der Witwe
aufgelst werden[609].

Da diese Zumutungen bei Katharina einen groen Kampf kosteten, lt
sich denken. Wenn sie auch wohl zuerst bei dem gemeinsamen Ansturm aller
Freunde und Gnner diesen Plnen nachgegeben hatte, jetzt, als sie zur
wirklichen Ausfhrung kommen sollten, wehrte sich die Mutter mit aller
Macht dagegen. Vier Wochen dauerte der Kampf und--Katharina blieb
siegreich[610].

Die Vormnder Kreuziger, Melanchthon und Reuter nahmen auf des
Kurfrsten Befehl zuerst den ltesten, Johann, vor. Sie stellten ihm
vor, da S.K.Gn. geneigt wre, ihn in seine Kanzlei zu nehmen. "Dieweil
er denn in einem solchen Alter wre, da er billig bedenken solle, was
er endlich vornehmen wolle: ob er bei dem Studio wollte bleiben oder
nicht, und die Vormnder ihn zur Kanzlei tchtiger erachteten, so
wollten sie ihm gern dazu raten; zudem da es an sich ein lblicher und
ntzlicher Stand sei, darin er zu Gottes Lob und zu gemeiner Wohlfahrt
dienen und seiner lieben Mutter, Schwester und Brdern trstlich sein
knne; er sollte daher dankbar das kurfrstliche Anerbieten annehmen und
diesen Stand nicht ausschlagen."

Darauf folgte eine lange Hin- und Widerrede und eine schriftliche
Antwort von Hans des Inhalts: "Ehrwrdige, liebe Herren! Des Durchl.
Kurf. Befehl meine Person anlangend habe ich in Untertnigkeit und
dankend angehrt. Nun versteh ich wohl, da der Stand in der Kanzlei ein
sehr ehrlicher (ehrenvoller) Dienst ist, ich wei aber, da mein lieber
Vater vor dieser Zeit nicht hat willigen wollen, da ich auer der Schul
ziehen soll. So wollt ich gern lnger studieren. Ich will mich auch
durch Gottes Gnade in allem Gehorsam und Unterthnigkeit gegen Gott, S.
Kurf. Gn. und meiner lieben Mutter allezeit halten. Und bitte, S. Kurf.
Gn. wollen mir gndiglich zulassen, noch ein Jahr in artibus ("in den
freien Knsten") zu studiren, mich in lateinischer Schrift besser zu
ben. Und so ich alsdann zu einer Fakultt tchtig, wollt ich lieber
procediren (fortfahren) im Studio; so mich aber S.K.Gn. alsdann
gndiglich gebrauchen wollten, stelle ich dasselbe auch zu S.K.Gn. in
Unterthnigkeit. Johannes Lutherus."

Weiterhin forderten die Vormnder den jetzigen Przeptor der zwei jungen
Knaben, Ambros Rutfeld, vor und erkundigten sich nach den Knaben. Des
einen, Martin, Schrift sahen sie an und befanden ihn wohl studiert; Paul
war etliche Wochen krank gewesen, erwies sich zur Musik geschickt, der
Grammatik aber nicht so fhig.

Dann zeigten die Vormnder der Mutter Sr. Kurf. Gn. "gndiges Gemt an,
da sie zum Studio treulich und fleiig angehalten und mit Lehr und
Wohnung bei einem Magister in der Stadt bestellet wrden."

Die Mutter gab folgende Antwort: "Sie zweifle nicht, S. Kurf. Gn. meine
dieses gndiglich, und sie danke unterthnig. Aber sie bitte zu
bedenken, weil der jngste oft schwach (krank) sei, da er an andern
Oertern nicht besser sein knne, denn bei der Mutter. Zudem so seien
allhie die Magistri also beladen (bersetzt) in ihren eigenen Wohnungen,
da die Kinder ohne Fhrlichkeit ihrer Gesundheit nicht wohl bei ihnen
zu bestellen seien. Auch mchten sie unter dem fremden ungleichen jungen
Volk eher in bse Gesellschaft geraten, denn bei ihr, dieweil sie doch
aus dem Haus ohne ihre Erlaubnis nicht gehen drften."

Diese Grnde erkannten die Vormnder an; und weil nun die Shne nicht
von der Mutter kommen, sondern weiter bei ihr bleiben sollten, so
erheischte auch der Kinder und der Witwe Notdurft nicht mehr, da die
Haushaltung eingezogen und vergebliche Kosten abgeschnitten wurden. Die
Vormnder brachten darum auch den weiteren kurfrstlichen Auftrag gar
nicht zur Verhandlung, "da das unntige Gesinde hinweg gethan wurde und
von dem jhrlichen Einkommen die Witwe und Kinder ihre Haushaltung
bequemlich haben, auch darber nicht in Schulden gedeihen mchten." Die
Vormnder erklrten vielmehr dem Kurfrsten, die Knaben seien jetzund
mit einem gelehrten treuen Gesellen bestellet, sie wollten auch selber
ein Aufsehen auf Martini Studio haben, htten auch bereits das Ntige
angeordnet. Und sie trugen darum auch um so lieber auf den Ankauf des
Gutes Wachsdorf an. Demgem entschied nun der Kurfrst mit Ratzebergers
Zustimmung: er wolle es bei dem Entschlusse Hansens bewenden lassen; sei
auch einverstanden, da er und seine Brder nun bei der Mutter blieben,
versehe sich aber nun, da des Doktors sel. Shne alle drei unter dem
Hauslehrer und der Vormnder Aufsicht zu Zucht, Tugend und Lehre mit
Flei angehalten wrden, ihnen auch nicht viel versumliches Spazierens
verstattet werde. "Denn Wir wissen, da des Doktors Gemt mit hchster
Begierde dahin gerichtet gewest, da seine Shne studieren sollten." Von
einer Einschrnkung oder Auslsung der Haushaltung war nicht mehr die
Rede.

So hatte Frau Katharina schlielich doch ihr "Gemt" durchgesetzt: das
alte, liebgewordene, durch so viele groe Erinnerungen geheiligte
Klosterhaus blieb ihr Besitz und ihr Wohnsitz, die Kinder durfte sie
alle um sich haben und Wachsdorf wurde den Shnen zu teil als ein
rittermiges Mannlehen; und damit hatte sie die Genugthuung, da ihre
Kinder wieder ein edelmnnisches Erbgut besaen, nachdem der adelige
Besitz ihrer eigenen Familie vllig zerstoben war.

Die Familie blieb also im Klosterhause beisammen. Hans besuchte die
Kollegien und die beiden Knaben lernten bei ihrem Przeptor Rutfeld. Das
Tchterlein wurde von der Mutter erzogen.

In der ersten Trauerzeit hatte die Frau Doktorin unmglich ihren groen
Haushalt und Kosttisch mit den vielen fremden Tischgenossen weiter
fhren knnen. So waren manche ausgezogen. M. Besold z.B. bat
Melanchthon, ihn aufzunehmen. Frau Katharina kam auch wohl wegen der
ungewissen Zukunft ihrer Lage nicht so bald dazu, den Kosttisch wieder
im alten Umfang anzufangen.

Der lahme alte Wolf, der Famulus des Doctors, war auch noch da. Die
Vormnder muten hren, ob er noch lnger bei der Frau bleiben, auch ob
sie ihn behalten wollte oder nicht. Wahrscheinlich ist er, der so sehr
mit dem Klosterhause verwachsen war, doch geblieben, obwohl er einmal
auf eine frhere gleiche Anfrage Luthers, ob er bei seiner Frau bleiben
wolle, ausweichend geantwortet hatte, wenn Luther sterbe, mchte er am
liebsten auch selber gleich begraben werden, und Frau Katharina wird ihn
auch behalten haben; abgesehen von den 40 Gulden Pension, die sie, wie
Kanzler Bruck meinte, "mit einbrocken" konnte, war er doch zu sehr
eingeweiht in alle Verhltnisse des Hauses, und Frau Kthe behielt ihn,
wenn er auch nicht nur lahm, sondern nach Luthers Zeugnis auch
nachlssig, bequem und gedankenlos war und am liebsten am Vogelherd sa.

Das brige Gesinde wird wohl beschrnkt worden sein, wie der Kanzler und
der Kurfrst verschiedentlich betont hatten. Denn auch die
Gastfreundschaft war in dem Klosterhause nicht mehr in dem alten Umfang
ntig: die Besuche, Feste, Tischgesellschaften der zahlreichen Freunde
und Bekannten, der flchtigen und Bittsteller, der Gesandtschaften und
Studierenden lieen nach oder hrten ganz auf. Aber freilich neue Mhe
und Arbeit erwuchs der Doktorin in dem neuen Landgut, zumal da jetzt die
Heu- und Fruchternte bevorstand. Doch solche Arbeit war der
thatkrftigen Domina eine Lust und Freude. Neben der Landwirtschaft
betrieb Frau Kthe jetzt ihre "Tischburse" weiter. Es starb ihr aber
leider gar bald am 30. Mai ein junger Tischgeselle Weidhofer aus
Oesterreich hinweg[611].

Die eben Witwe gewordene hatte auch selber zu sorgen fr eine andere
Waise, ihren Neffen Florian. Die Mutter desselben hatte sie angegangen,
dem jungen Studenten namentlich mit Bchern nachzuhelfen; sie meinte
wohl--irrigerweise--, das knnte aus der Bibliothek Luthers geschehen
oder durch Bcher von einem abgehenden oder verdorbenen andern
Tischgenossen, wie das ja vorkam. Frau Kthe schreibt da ihrer
Schwgerin:

"Was Euern Sohn, meinen lieben Ohmen antrifft, will ich gerne thun, so
viel ich kann, wenn es allein sollt an ihm angelegt sein. Wie ich mich
denn gnzlich versehe, er werde dem Studieren mit allem Flei folgen und
seine kstliche, edle Jugend nicht unntzlich und vergeblich zubringen.
Wenn er aber in seinem Studieren ein wenig besser zunehmen und nun
andere und mehr Bcher bedarf, sonderlich so er die Rechte studieren
sollte, knnt Ihr, liebe Schwester, selbst gedenken, da ich ihm solche
Bcher, die er dazu bedarf, nicht werde geben knnen. Und (er) wird ein
wenig einen grern Nachdruck mssen haben, damit er sich das Ding
alles, was dazu gehrt, schicken kann. Wr' derhalben sehr vonnten,
da, wie Ihr mir schreibet, Euren Sohn, meinem lieben Ohmen, ein
jhrlich Geld zum Stipendio gegeben wrde. Also knnte er desto besser
beim Studieren bleiben und seinem Ding leichtlicher nachkommen.--Von dem
allem aber, das ich bei ihm thun kann, will ich Euch bei (durch) meinem
Bruder Hans von Bora, alsbald er hieher zu mir kommen wird, weiterm
Bericht und Bescheid geben."[612]

Dies Stipendium erhielt auch Florian mit Hilfe Katharinas[613].

Zu Ostern kam also Bruder Hans von Krimmitschau, wo ihm vom Kurfrsten
die Karlhause als Rittergut um migen Kaufpreis berlassen worden war,
zu Besuch bei der verwitweten Schwester. Freilich helfen konnte Hans von
Bora auch nicht eigentlich, am wenigsten mit handgreiflicher
Untersttzung; denn er hatte selbst mit Sorgen der Nahrung und des
Lebens zu kmpfen.

Dagegen wandten sich die Freunde der Lutherschen Familie, besonders
Bugenhagen, der Reformator des Nordens, wiederholt an den alten Gnner
D. Luthers, den Knig Christian III. von Dnemark. Nachdem zu Pfingsten
auf Jonas' allgemeines Schreiben noch keine Antwort eingetroffen war,
schrieb der Dr. Pommer am 5. Juni bestimmt und deutlich: "Der Herr
Philippus und ich bitten, E.M. wolle unsern Sold (100 Thlr.) und 50
Thaler, die noch gehren in diesem Jahr unserm lieben Vater Doctori
Martino (welchen Christus herrlich hat aus diesem Jammerthal zu sich
genommen vor einem Vierteljahr) geben diesem Herrn Christophero, Ritter,
an uns zu bringen. Die fnfzig Thaler wollen wir Doctor Martini Weib und
Kindern verantworten."[614]


Bald darauf kam die knigliche Antwort auf D. Jonas' Brief: "Wir wollen
auch Uns des seligen und teuern Mann Gottes nachgelassene Witwe und
Kinder gndigst befohlen sein lassen." Aber der fllige Sold kam nicht,
so da Bugenhagen im Herbst (am 15. Nov.) nochmals eine deutliche
Mahnung an den Knig abgehen lie: "Ich habe Ew. Knigl. Majestt
fleiig geschrieben um Pfingsten bei Ehr Christoffer, Ritter aus
Schweden, von unserm Solde, welchen Ehr Christoffer wollt uns hieher
bringen, auch gebeten fr D. Martini nachgelassene Witwe da sie diesmal
noch die fnfzig Thaler mchte kriegen aus Gnaden E.K.M. Aber Ehr
Christoffer ist nicht wieder kommen, hat mir auch gar nicht
geschrieben."[615]

So harrte Frau Katharina vergeblich auf diese Beisteuer und sie htte
sie doch so ntig gehabt. Denn mittlerweile war aufs neue groes Unheil
ber Wittenberg und das Klosterhaus hereingebrochen.




17. Kapitel.

Krieg und Flucht.


Die Witwe konnte sich kaum in ihren neuen Stand einleben, da nahte schon
das Unglck, das Luther vorausgesehen und vorausgesagt: es kam der
Schmalkaldische Krieg und mit ihm Verwstung, Plnderung, Flucht, Elend
ber Frau Katharina.

Die Ereignisse folgten sich rasch im Frhling und Sommer: die
Protestanten verwerfen das Tridentinische Konzil; der Regensburger
Konvent verluft ohne Ergebnis; der evangelische Erzbischof Hermann von
Kln kommt in Bann. Herzog Moriz verbndet sich mit dem Kaiser; das
protestantische Oberdeutschland greift zu den Waffen, dann auch
Kursachsen und Hessen; die beiden Frsten werden gechtet, der Krieg
erklrt und der Papst ordnet Gebete an fr Ausrottung der Ketzer. Schon
zehn Tage vorher am dritten Sonntag nach Pfingsten hrte Frau Katharina
in der Kirche zu Wittenberg das evangelische Kriegsgebet und flehte mit
besonderer Inbrunst um Hilfe in dem Gewaltkampf, der gegen ihres seligen
Mannes Werk entbrennen sollte: "Dieweil Du siehst die groe Not unserer
Herrschaft, unser aller: Mann, Weib und Kinder, und da unsre Feinde
frnehmlich suchen Vertilgung rechter Lehre und Aufrichtung und
Besttigung ihrer schndlichen Abgtterei: so bitten wir Dich, Du
wollest um Deiner Ehre willen unsre Herrschaft, unsere Kirchen, uns,
unsere Kinder und Huslein gndiglich schtzen und bewahren, wie Du Dein
Volk Israel im Roten Meer erhalten und geschtzet hast, und wollest der
Feinde Macht zerstren und die mrderische fremde Nation ihre Unzucht
und Grausamkeit nicht an unsern Weibern und Kindern ben lassen." Und
Melanchthon gab die "Warnung D. Martini Luther an seine lieben
Deutschen" in Kriegsgefahr aufs neue heraus[616].

Sorge und Schrecken verbreitete sich in Wittenberg als der Hauptfestung
Kursachsens und dem geistigen Hauptbollwerk des Protestantismus, und
ganz besonders im Schwarzen Kloster, von dem aus der Sturm gegen das
Papsttum begonnen war.

Im Sommer kamen unter Hauptmann von Mila viele gute Kriegsknechte in die
Stadt, auch viel Proviant, Bchsen und Pulver. Die einen waren
ordentlich und fromm, andere lebten roh und praten. Die Brger zogen
mit den Kriegsknechten auf die Wache, ergriffen Spiee, Hellebarden und
Arkebusen und bezogen die Schanzen, Hans Lufft, der Drucker mit seinen
Gesellen, den groen Berg, wo die "Singerin", ein groes Geschtz,
aufgestellt war. Eine sptere Nachricht erzhlt, da auch Hans Luther
als Fhnrich in den "kaiserischen Elbkrieg" gezogen sei[617].

Alles war in Aufregung, namentlich als Herzog Moriz von Sachsen, dem
schon Luther Verrat an der evangelischen Sache zugetraut hatte, sich auf
die Seite des Kaisers schlug und in Kursachsen einfiel, von den Welschen
und "Hussern" des Knigs Ferdinand begleitet[618].

Die Universitt begann sich zu zerstreuen aus Furcht vor Belagerung. Der
Krieg nherte sich. Am 6. November wird Zwickau umzingelt, daher die
Hochschule aufgelst. Am 9. kommt die Kunde, Zwickau sei an Moriz
bergeben und das feindliche Kriegsvolk ziehe auf Wittenberg heran.
Jetzt flchtete alles, was konnte, aus der festen Stadt: Greise, Weiber,
Kinder, nach allen Richtungen in zahllosen Wagen, whrend der fallende
Winterschnee Menschen, Tiere und Gefhrte bedeckte. Nur Pfarrer und
Schulmeister blieben zurck von den Beamten[619].

Frau Kthe hatte schon vor vierzehn Tagen ihren Wagen einspannen und
auer ihren Kindern das Wertvollste und Notwendigste an Hab und Gut
aufladen lassen. Auch der Neffe Fabian Kaufmann und wohl noch andere
Verwandte und Tischgenossen waren bei dem traurigen Zug; der Famulus
Wolf aber blieb zur Hut des Hauses zurck. Die Flucht ging ber Dessau
und Zerbst nach dem festen Magdeburg, wohin sich die meisten Professoren
begaben; nur Melanchthon blieb mit seiner Familie in Zerbst, wo er einen
kleinen Schlerkreis sammelte, kam aber fters nach Magdeburg herber.
Fabian wurde spter nach Wittenberg zurckgeschickt, wo neben Kreuziger
und Bugenhagen auch Paul Eber verblieben war, der sich des jungen
Menschen annehmen konnte; wahrscheinlich sollte Fabian in der Stadt mit
Wolf Sieberger auf das Schwarze Kloster und den Lutherischen Besitz
achtgeben.

Bald kam die betrbende Kunde von Wittenberg: "Man hat (am 16. November)
die Vorstdte samt allen Grten und Lusthusern weggebrannt, die Aecker
verwstet und ist den armen Leuten wohl eine Tonne Goldes Schaden
geschehen und ein groer Jammer." Dann kam Moriz mit seinen Meinern und
mit Knig Ferdinands "Hussern", und sie streiften bis an die Mauern der
Stadt und schrieen hinein. Herzog Moriz, des "Teufels Ritter und
Soldat", berannte die Stadt am 18. November. Da hie es nach dem Liede:

  Zu Wittenberg auf dem hohen Wall
  Hrt man die Bchsen krachen.

Der Sturm wurde abgeschlagen, aber die "Hussern" plnderten und
schndeten in der Umgegend[620].

Indessen diesmal ging die Belagerung Wittenbergs rasch vorber; denn
Moriz wurde um Weihnachten von dem aus Sddeutschland herbeigeeilten
Kurfrsten zurckgetrieben. Jedoch der Krieg in Sachsen dauerte fort und
an eine Heimkehr nach Wittenberg war nicht zu denken; nur Melanchthon
war einmal Mitte Januar 1547 dort[621].

Der Aufenthalt in Magdeburg war nichts weniger als behaglich, Unterkunft
war gar schwer zu finden; dem Stadtrat war die Masse der Schler
unbequem. Die Nachbarschaft, besonders die Halloren, waren gegen sie
aufgebracht und bedrohten sie. Daher suchten die Professoren andere
Stellungen, namentlich Major mit seiner zahlreichen Familie[622].

In dieser Zeit der Not kam eine Hlfe, die fast nicht mehr erwartet war.
Die 50 Thaler, um welche Bugenhagen den dnischen Knig fr Luthers
Witwe schon zu Pfingsten und dann nochmals nach der Flucht der Witwe
geschrieben hatte, waren bis jetzt nicht gekommen. Nun aber am 10.
Januar 1547 wurden die gewhrten 150 "Joachimer" durch Vermittelung des
Hamburgers Mller an Professor Veit Winsheimer, welcher bei dem ehrbaren
Herrn Emeran Tucher zu Magdeburg wohnte, geschickt, und Frau Katharina
empfing erfreut ihren Anteil[623]. Und nicht lange darauf kam wieder ein
Bote mit 50 Thalern und einem gndigen Schreiben an "Doktor Luthers
Witwe":

"Unsern gndigsten Gru zuvor.

Ehrbare und viel Tugendsame, Liebe, Besondre!

Nachdem Wir berichtet, da Ihr in jetzigen gefhrlichen Zeiten neben
anderen aus Wittenberg nach Magdeburg gewichen, haben Wir nicht
unterlassen wollen an Euch zu schreiben, Euch Unsern gndigsten Willen
und Neigung zu vermelden. Und als Ihr dermaen Eure Haushaltung und Euch
an fremden Orten unterhalten mt, worber wir ein besonders Mitleid
haben, schicken Wir Euch bei gegenwrtigem Boten, dem alten Schlesier,
zu Eurer Haushaltung fnfzig Thaler; die wollet zu Gefallen annehmen und
Unsere gndigste Neigung daraus vermerken. Wir wollen auch jederzeit
Euer gndiger Herr sein und Uns gegen Euch zu erzeigen wissen. Wollten
Euch solches gndigst nicht vorenthalten und sind Euch mit Gnaden und
allem Guten geneigt."[624]

Frau Katharina schrieb dafr ihren Dankesbrief:

"Gnad und Friede von Gott dem Vater durch seinen eingeborenen Sohn
Christum Jesum.

Durchlauchtigster, gromchtigster Knig, gndigster Herr!

E.K.M. sei mein andchtig Gebet gegen Gott dem Herrn vor (fr) E.K.M.
und aller der Ihren Wohlfahrt und glckselig Regiment allzeit mit hohem
Flei zuvoran bereitet. Gndigster Herr! Nachdem ich in diesem Jahre
viel groe und schwere Bekmmernis und Herzeleids gehabt, als da
erstlich mein und meiner Kinder Elend mit Absterben (jedoch seliger und
frhlicher Heimfahrt zu unserm Heiland Christo Jesu) meines lieben
Herrn, welches Jahrzeit jetzt den 18. Februarii sich nahet, angangen;
darnach auch diese fhrliche Kriege und die Verwstung dieser Lnder
unsers lieben Vaterlandes gefolget und noch kein Ende dieses Jammers und
Elends zu sehen: ist mir in solchem Bekmmernis ein groer und hoher
Trost gewesen, da E.K.M. beides, mit gndigster Schrift und
Uebersendung der funfzig Thaler zu bequemer Unterhaltung meiner und
meiner Kinder, auch ferner E.K.M. gndigster Erbietung, Ihre gndigste
Neigung gegen mir armen verlassenen Witfrau und meiner armen Waisen
vermeldet; welches auch vieler andern zuvor gndigst erzeigten Wohltaten
halber gegen E.K.M. ich mich unterthnigst bedanke; verhoffend, Gott der
Herr, welcher sich einen Vater der Witwen und Waisen nennet, wie ich
denn tglich zu ihm bitte, werde solches E.K.M. reichlich belohnen; in
welches gndigen Schutz und Schirm E.K.M. und Ihr Gemahl, meine
gndigste Frau Knigin, und die ganze junge Herrschaft samt Ihren Landen
und Leuten hiemit und allezeit fleiig thue befehlen.

Geben zu Magdeburg, den 9. Februarii A.D. XLVII.

  E.K.M.

  gehorsame
  Katharina Lutherin,
  seliger Gedchtnis Doctoris
  Martini Luthers
  verlassne Witfrau."[625]

Die so Beglckte dachte aber auch an andere Hilfsbedrftige, an den
Amtsgenossen ihres Gatten, D.G. Major, der mit seiner groen
Kinderschaar in dieser schlimmen Zeit sich vergeblich nach einer
Stellung umsah. Frau Katharina legte in diese Danksagung als Beilage
noch eine Frbitte ein:

"Gndigster Herr! Nachdem ich erfahren, was vor gndigste und
christliche Neigung E.K.M. gegen den (die) Theologen der Universitt zu
Wittenberg tragen und mein lieber Herr seliger Gedchtnis Doctor Georgen
Major stets nun ber zwanzig Jahre als seinen Sohn gehalten und lieb
gehabt, welcher zu dieser Zeit allhie bei mir im Elend samt zehen
lebendigen Kindern: will E.K.M. gedachten Doctor ich mich unterthnigst
befohlen haben bittend, E.K.M. wollen ob solchem kein ungndigst
Gefallen haben. Denn Theologi je mit Weib und Kindern sonderlichen zu
diesen jmmerlichen Zeiten, betteln mssen, wie ich schier selbst
erfahren, da sie nicht von Frsten und Herren ihre Errettung und
Unterhaltung haben werden."

Zu Ostern erhielt nun auch D. Major "auf der tugendsamen Frauen
Katharina, des seligen und lblichen Gedchtnis Doctoris Martini Luthers
verlassenen Witfrauen Vorschrift und Vorbitte 50 Thaler bei dem
Schlesiger gndiglich berschickt"[626].

Da es mit der Einnahme Wittenbergs durch Moriz nichts geworden, so war
mittlerweile die tapfere Frau Katharina wieder nach Wittenberg
zurckgekehrt, aber ihres Bleibens war nicht lange dort. Denn der Kaiser
Karl und sein Bruder Ferdinand kamen aus Sddeutschland und Bhmen mit
ihren Spaniern und Italienern, Bhmen und Ungarn ihrem Verbndeten Moriz
zu Hilfe und es stand eine neue Belagerung Wittenbergs bevor, die
diesmal ernstlich und gefhrlich werden sollte. Und jetzt mute Frau
Katharina erst recht flchten, denn berall hin verbreitete sich die
Kunde von den unerhrten Greuelthaten und Grausamkeiten der fremden
Vlker, sogar gegen unschuldige Kinder: "sie raubten, mordeten,
plnderten, schndeten Frauen und Jungfrauen und warfen Kinder auf der
Gasse ber die Zune". Namentlich aber wteten Spanier und Italiener
gegen die evangelischen Geistlichen und ihre Familien. Dem Pfarrer in
Altenburg entfhrten sie zwei Tchter, den von Kemberg bei Wittenberg
ermordeten sie[627]. Da hie es: "Die ungarischen Ruber, gemeiniglich
Hussirer genannt, sind ein ruberisch und unbarmherzig Volk; bei Eger
hieben sie den Kindern die Hnde und Fe ab und steckten sie als
Federbsche auf die Hte". So erzhlte man, und Melanchthon schrieb:
"Ihr Fhrer Lodran (Lateranus) sagte, er werde nach Eroberung unserer
Stadt Luthers Leib ausgraben und den Hunden vorwerfen lassen; und redete
namentlich davon, mich in Stcke zu hauen." Oder gar: "Man werde Luthers
Gebeine ausgraben und verbrennen, die Sttte, wo er geruht, zerstren
und die Stadt schleifen, Melanchthon erwrgen und D. Pommer zerhacken,
da man sich mit den Stcken werfen mchte." Deshalb setzte Melanchthon,
welcher zu Anfang 1547 wieder in Wittenberg weilte, fr die dortigen
Pfarrfrauen eine Bittschrift an den Kaiser auf[628].

Frau Katharina hielt in Wittenberg aus, so lange als mglich. Da aber
kam am Ostertag morgens in aller Frhe die schreckliche Kunde, da am
Karsamstag 24. April der Kurfrst Johann Friedrich von der kaiserlichen
Uebermacht auf der Lochauer Heide geschlagen und gefangen worden sei und
das feindliche Heer sich gegen Wittenberg heranwlze. Hals ber Kopf
mute nun Luthers Witwe aufs neue ins Elend" ziehen[629].

So kam sie pltzlich wieder nach Magdeburg und bat die Freunde,
besonders Melanchthon als Vormund ihrer Kinder unter Thrnen, ihnen ein
Nest zu suchen. Am liebsten wre sie nach Dnemark gegangen, zu dem
einzigen Frsten, der sich ihrer anzunehmen versprochen hatte, nachdem
von dem unglcklichen Kurfrsten nichts mehr zu erwarten stand. Sie bat
zunchst, sie nach Braunschweig fhren zu lassen. Die Theologen
schienen, als sie die Trmmer des geschlagenen kurschsischen Heeres
durch Magdeburg ziehen sahen, sich auch nicht mehr in Magdeburg sicher
zu fhlen, und Melanchthon und Major mit ihren Familien zogen samt der
Lutherischen ber Helmstdt nach Braunschweig. In Helmstdt wurden sie
vom Stadtrat freigebig bewirtet. In Braunschweig brachte Melanchthon die
beiden anderen Familien bei dem evangelischen Abt unter, whrend er fr
sich selbst recht lange sich nach einer kleinen Wohnung umthun mute. Er
wurde als begehrter Professor von den verschiedensten Frsten
eingeladen; aber um Luthers Witwe kmmerte sich niemand: sie konnte in
dieser Zeit der katholischen Reaktion hchstens eine Verlegenheit sein.
Deshalb drngte sie darauf, nach Dnemark zu kommen. Aber als die
Flchtlinge kaum einige Meilen von Braunschweig nrdlich nach Gifhorn
gekommen waren, zeigten sich alle Wege im Herzogtum Lneburg voll
Soldaten und Herzog Franz machte Schwierigkeiten; so kehrte man wieder
nach Braunschweig zurck. Dort blieb nun Katharina mit ihren Kindern,
whrend Melanchthon zu Himmelfahrt nach Nordhausen zog, wohin ihn sein
Freund, der Brgermeister Meienburg, eingeladen halte; und Major folgte,
willens sich nach seiner Vaterstadt Nrnberg zu begeben[630].

Am 23. Mai, Montag vor Pfingsten, wurde Wittenberg vom kaiserlichen Heer
besetzt; am Mittwoch ritt der Kaiser und der Knig Ferdinand in die
Stadt ein vor die Schlokirche und lie sich vom Studiosus Johann Burges
aus Quedlinburg "die Begrbnis" Luthers zeigen, die zu entweihen er aber
nicht zulie, so feind die Spanier sonst D. Luthern waren[631]. Am 6.
Juni mute Wittenberg dem neuen Kurfrsten Moriz huldigen, der den
Kurhut und das Kurland als Preis fr seinen Verrat an der evangelischen
Sache erhalten hatte. Zwei Tage darauf lud der Rektor die Universitt
zur Rckkehr nach Wittenberg ein. Auch Kthe wurde Ende Juni von D.
Pommer und Brgermeister Reuter zur Rckkehr aufgefordert: es sei alles
sicher und Haus und Hof unverheert. So kehrte sie, wenn auch erst Ende
Juli, aus Braunschweig heim ins liebe Wittenberg[632].




18. Kapitel.

Der Witwenstand.


Es war eine traurige Heimkehr, als Frau Katharina mit ihren Kindern und
dem Rest der geretteten Habe auf ihrem Fuhrwerk durch das Coswiger Thor,
die Schlostrae und die Kollegiengasse herauf fuhr und vor dem
Klosterhause hielt. Leichter waren Koffer und Kasten geworden--es waren
vergoldete und silberne Kredenzbecher im Werte von 600 fl. versetzt
worden--und das Herz voll schwerer Sorge. Und doch war's ein Gefhl der
Ruhe und Sicherheit, wieder daheim zu sein nach der langen Flucht
drauen im "Elend". Und tapfer griff Frau Kthe es an, das Leben neu zu
gestalten.

Das Haus war noch im alten Stande und vom Hausrat nichts versehrt. Die
Stadt hatte zwar eine Belagerung und einen Sturm durch Moriz
ausgehalten, aber friedlich war sie nach der Mhlberger Schlacht an den
neuen Regenten bergeben worden und keine Spanier hatten darin hausen
drfen; nur deutsche Vlker waren zugelassen. Das Klosterhaus war
whrend der Flucht in der Hut des alten treuen Wolf gestanden. Der aber
war nicht mehr, als die Doctorin mit den Kindern heimkehrte: einige
Wochen zuvor, am 14. Juni, war er dahin gegangen, als man seiner nicht
mehr zu bedrfen schien[633].

Wenn aber auch Haus und Hof unangetastet dastand, um so schlimmer stand
es mit den Gtern drauen. Die Vorstdte waren bei Beginn der ersten
Belagerung niedergebrannt worden und so waren auch die Gebulichkeiten
in den Grten ein Opfer der Flammen geworden. Dann hatten die "Hussern"
die Nachbarschaft von Wittenberg geplndert. Auch sonst, bei Grimma,
unweit Nimbschen und Zulsdorf, hatte (schon 1546) der Nachtrab bel
gehaust: Hhner, Gnse und Schafe geraubt, auch ungedroschenes Getreide
zur Streu fr die Pferde verwendet. Noch schlimmer hatten im folgenden
Jahr die Spanier mit Morden und Brennen, Plndern und Verjagen
geschaltet; wo nichts zu plndern war, verbrannten sie drauen im Lande
alles Gewchs bis auf die Stoppeln[634].

So hatte Luthers Witwe groen Schaden erlitten im Krieg. Wenn Jonas den
seinigen bei den zwei Fluchten auf 400 fl. schtzt, so mu derjenige
Katharinas bei ihrem ausgedehnten Grundbesitz weit mehr betragen haben.
Ihre Grten und Gter: das Baumstck mit seinen Gebulichkeiten, das Gut
Wachsdorf und das Vorwerk Zulsdorf waren verwstet, so da sie auf Jahre
hinaus sie "schwer zu versorgen" wute, wie Bugenhagen in Briefen an den
dnischen Knig klagt[635].

Und wenn man die vielgeplagte Witwe nur in Frieden gelassen htte, da
sie ruhig sich ihrer verwsteten Gter htte annehmen knnen. Aber da
wurde sie noch von bsen Nachbarn geplagt und von harten Beamten. Ein
znkischer Mensch fing Streit mit ihr an wegen eines Servituts
(vielleicht der Nachbar von Zulsdorf auf Kieritzsch). Melanchthon war zu
einem Vergleich bereit, aber der Mann forderte eine malose Summe und
auch Bruder Hans riet vom Vergleich ab. So kam es zum Proze, wobei Dr.
Stromberg in Leipzig und auch Camerarius, die Freunde Melanchthons, sich
der armen Frau annahmen (1548). Dieser Proze dauerte aber jahrelang und
noch 1550 mute Frau Katharina mit Melanchthon vor dem Stadthauptmann in
Leipzig zur Tagfahrt erscheinen[636].

Da galt es nicht verzagen, sondern mit neuem Mut das Werk angreifen, um
sich und ihre Kinder in Ehren durchzubringen. Der Kosttisch wurde wieder
eingerichtet, wenn es auch schwer hielt, in diesen wirren Zeiten, wo die
Universitt zersprengt war und nur mit Mhe sich wieder sammelte, zumal
das neue Kursachsen jetzt zwei Hochschulen hatte: Leipzig und
Wittenberg, und die Shne des gefangenen Kurfrsten sich bestrebten, in
Jena eine eigene zu errichten und dahin die echten Lutheraner unter den
Professoren und Studenten von Wittenberg zu ziehen; erst im August wurde
das Wittenberger Kollegienhaus vom Schmutz der Einquartierung gereinigt
und neu getncht[637]. Ferner konnte von groem Verdienst keine Rede
sein, wenn bei dem Rektor Crodel in Torgau zwei Schler in der Woche fr
Wohnung und Kost, dazu mittags und abends zwei Kannen Bier, nur 14
Groschen zahlten, und Matthesius in Wittenberg, ehe er zu Frau Luther
kam, bei Wolf Jan von Rochlitz "einen sehr guten trocknen Tisch um 5
Silbergroschen" hatte "neben alten gelehrten, ehrlichen (ehrbaren),
guten Tafelbrdern". Als solcher Tischgenosse wird genannt: Johann
Stromer, der fnf Jahre bei der Witwe wohnte und a. Vielleicht war
damals unter den Tischgenossen Kthes auch der Preue Georg von Kunheim,
der am 15. August 1550 in Wittenberg Student wurde und so mit der
Lutherischen Familie bekannt und spter verwandt wurde[638].

Auer den Stuben wurden auch noch die Sle zu Vorlesungen an Docenten
vermietet, und so las im Sommer 1551 in Luthers Aula, wo der groe
Doktor sonst ber biblische Bcher vorgetragen hatte, Bartholomus Lasan
ber Herodot[639].

Trotz alledem mute Frau Katharina auer der Verpfndung der Becher noch
auf ihr Gtlein Zulsdorf ein Anlehen von 400 fl. aufnehmen bei Dr. Franz
Kram und auerdem mute sie sich entschlieen, selbst an den Knig von
Dnemark zu schreiben, als den "einzigen Knig auf Erden, zu dem wir
armen Christen Zuflucht haben mgen und von dem allein erwartet werden
konnte, da den armen christlichen Prdikanten und ihren armen Witwen
und Waisen Wohlthaten erzeiget wrden." Zu diesem Brief war sie
gezwungen, nachdem die Schreiben der Freunde Bugenhagen und Melanchthon
ohne Erfolg gewesen. So bittet nun am 6. Oktober 1550 "D.M. Luthers
nachgelassene Witfrau, nachdem sie und ihre Kinder jetzund weniger Hilfe
haben und die Unruhe dieser Zeit viele Beschwerungen bringet", S.K.M.
wolle ihr solche Hilfe gndiglich auch hinfro verordnen. Sie will
treulich und ernstlich bitten, Gott mge Sr.K.M. Wohlthaten, die er den
armen evangelischen Pfarrherren und ihren Familien erzeigt, vergelten
und dafr besondere Gaben und Segen verleihen. "Der allmchtige Gott
wolle E.K.M. und E.K.M. Knigin und junge Herrschaft gndiglich
bewahren."

Auch dies eigene Schreiben der Witwe war, scheint es, ohne Erfolg,
trotzdem sie den Knig an ihres "lieben Herrn groe Last und Arbeit"
mahnen konnte, die S.K. Maj. ohne Zweifel nicht vergessen habe[640].

Die Zeitlufe waren sehr traurig. Kreuziger starb 1548, und seine Frau
wollte fast vergehen; auch Veit Dietrich in Nrnberg schied bald darauf.
Andere Freunde waren verzogen oder auch gestorben. Dazu kam die Not der
Kirche, welche der Witwe Luthers nahe genug ging: "das Interim" mit dem
"Schalk hinter ihm" erregte die Evangelischen aufs rgste. Der neue
Landesherr Moriz, bei dessen Anblick sogar die Spanier und Italiener
"Schelm! Schelm!" riefen und den die Protestanten als "Judas"
bezeichneten, hatte kein warmes Herz, weder fr die protestantische
Sache, noch fr die hauptschlichsten Vertreter derselben, die
Universitt zu Wittenberg und deren Angehrige. Da gab es trbe Tage in
der alten Elbstadt[641].

Die vier Kinder Katharinas waren bei ihr; und wohl auch einige junge
Verwandte. Den Neffen Luthers, Fabian Kaufmann, jetzt mit dem
lateinischen Gelehrtennamen Mercator, empfahl Jonas 1548 zu einer
Hofstelle an die Frsten von Anhalt[642].

Johannes studierte in Wittenberg weiter als Rechtsbeflissener.
Mglicherweise hat er, ehe nach den Unruhen des Krieges die Mue und
Gelegenheit zum Studium wieder eintrat, "auf den vterlichen Gtern ein
lndliches Leben gefhrt", d.h. der Mutter bei der Landwirtschaft
beigestanden, wie einmal berichtet wird[643]. Nach Ostern 1549 kam nun
Melanchthons Schwiegersohn Sabinus, Rektor der Knigsberger Hochschule,
nach Wittenberg. Dieser erzhlte viel von des Preuenherzogs Wohlwollen
gegen Luthers Familie. Da riet Melanchthon, den jungen Mann nach
Knigsberg zu schicken, damit er dort durch die Gunst des Knigs seine
Studien vollende. So schrieb nun Frau Kthe an Herzog Albrecht einen
Brief.

"Gnade und Frieden in Christo samt meinem armen Gebet zu Gott fr
E.F.Gn. zuvoran.

Durchlauchtigster und hochgeborner Frst und Herr!

Da sich E.F.Gn. gegen meinen lieben Herrn gottseligen, Doctorem Martinum
mit sonderlichen Gnaden allezeit erzeigt, so hab ich in keinen Zweifel
gestellt, E.F.Gn. wrden auch mir aus sonderlichen Gnaden, so unser
lieber Gott E.F.Gn. zu seinem gttlichen Wort, das zu lieben, zu
schtzen und zu handhaben verliehen, auch um meines lieben Herrn seliger
willen als eines wahren Propheten dieser letzten gefhrlichen und
unruhigen Zeiten mich und meine lieben Kinder als nachgelassene Witwe
und Waisen in gndigen Schutz nehmen und Ihnen befohlen sein lassen.

Als ohne Not, E.F.Gn. zu erinnern, in wie schwere Not meiner Haushaltung
ich nach jetzt ergangener Kriegsfhrung gediehen, auch wie kmmerlich
ich bisher von meinen armen verwsteten und verheerten Gtern mich samt
meinen Kindern ernhren und erhalten mssen--hab ich aus Rat des Herrn
Philippi und Anzeigen des Herrn Dr. Sabini, wie geneigt E.F.Gn. meinen
Kindern sei, meinen ltesten Sohn Hans an E.F.Gn. abgefertigt, und
nachdem dann E.F.Gn. ihn noch eine Zeitlang bei den Studien zu erhalten
sich gndigst erboten, will gegen E.F.Gn. ich mich derselbigen gndigen
Frderung und Mitsorge fr meine nachgelassenen armen Kinder aufs
demtigste bedankt haben.

Dieweil aber dies meines Sohnes erstes Abreise ist, und ich auch
derhalben ihn zumeist abgefertigt, (damit er) neben seinen Studien gegen
die Leute lerne wissen sich zu (ver)halten, so ist an E.F.Gn. dies meine
demtige Bitte, dieselben wollten diesen meinen Sohn um meines lieben
Herrn gottseliger willen in Gnade und Schutz aufnehmen und da er sich
sonst in der erste in allem gegen E.F.Gn. nicht zu erzeigen wte,
solches noch seiner Unwissenheit und ersten Ausfahrt gndiglich zu gute
halten und Geduld mit ihm tragen. Als zweifel ich nicht, er wird sich
gegen E.F.Gn. zu unterthnigem und seinen Prceptoribus zu schuldigem
Gehorsam wohl zu verhalten wissen, seinen Studiis und demjenigen, so ihm
oblieget, fleiig nachgehen und gegen E.F.Gn. ehrbar und denkbarlich in
aller Untertnigkeit sich zu erzeigen wissen.

Dies dann E.F.Gn. gndige Befrderung unser lieber Gott auch reichlich
wiederum belohnen wird und bin fr E.F.Gn. gegen Gott um langwhrende
Regierung und Wohlfahrt frzubitten allezeit demtiglich beflissen.

Datum Wittenberg, den 29. Mai anno 49.

E.F.G.

  demtige und unterthenige
  Catharina, D. Martin Luthers
  seligers nachgelassene Witwe."

Melanchthon schrieb einen Empfehlungsbrief an den Herzog fr den jungen
Mann, worin er ihn lobt als "tugendhaft im Wesen, unbescholten,
bescheiden, aufrichtig, rein, von guter Anlage und Beredsamkeit; sein
Krper sei gewandt und leistungsfhig und wenn er sich am Hofe be, so
knne sein Eifer dem Staat zu groem Nutzen gedeihen." Auch Jonas
empfahl in einem Schreiben dem Herzog seinen "lieben Freund, den Sohn
des gttlichen Propheten, empfehlenswert schon durch seinen Vater" und
entbot "Sr. Hoheit das Gebet der hochverehrten Frau und Witwe des hochw.
D. Luther". Zu mehreren Empfehlung legte Jonas eine Erzhlung von dem
Krieg bei und ein handschriftliches Schreiben Luthers, "des Propheten
Deutschlands", worin er diesen Krieg prophezeit habe[644].

So reiste denn Johannes Ende Mai mit Dr. Sabinus ab, der auch sein von
Melanchthon erzogenes Tchterlein zu des Grovaters tiefem Schmerz
mitnahm. Auch Jonas' Sohn, Dr. Christoph und Johann Camerar, der Sohn
von Melanchthons Busenfreund, sind wahrscheinlich mit Hans Luther nach
Knigsberg gezogen[645].

Es kam nun auch ein Brief von Hans an Melanchthon, worin er einen Teil
der Reise beschrieb. Den andern Teil scheint er schuldig geblieben zu
sein. Auch mu ihm Melanchthon schreiben, Mutter, Schwester und Brder
warteten mit Sehnsucht auf einen Brief, worin er von all seinen Sachen
berichten mchte; zur Leipziger Weihnachtsmesse gebe es schon genug
Gelegenheit zur Briefbefrderung[646].

Lange hrte man nichts mehr von Hans Luther. Daheim aber dauerten die
bsen Zeiten fort; denn die Unruhen und Aufregungen wegen des Interims,
das der Kaiser den Lutheranern aufgezwungen hatte, lieen nicht nach;
die Erbitterungen zwischen dem ehemaligen und jetzigen kurfrstlichen
Hause waren eher im Wachsen, zumal der gefangene Kurfrst noch immer
nicht freigegeben, sondern vom Kaiser in unwrdiger Weise
umhergeschleppt wurde. Die Belagerung Magdeburgs, das wegen Nichtannahme
des Interims gechtet und durch Moriz angegriffen war, brachte allerlei
landschdigende Truppenbewegungen, und die Universitt konnte also nicht
so leicht zur Mue und Blte kommen. Auch die Anfechtungen durch "die
bsen Nachbarn" dauerten bei Katharina fort. Die Einknfte in diesen
unruhigen Zeiten wollten nur schwer reichen fr den Haushalt und die
Erziehung der Kinder; Frau Katharina "litt an Armut", so da die 15
Rosenobel (50 Thaler) Gnadengehalt von dem dnischen Knig Christian
III., um welche die Freunde regelmig einkamen und Katharina selbst
schrieb, fr "die arme Frau, unseres lieben Vaters Doctoris Martini
Witwe mit ihren Kindern" eine gar erwnschte "gndige Hilfe" waren. Die
"Begnadigungen", welche sonst die Lutherische Familie von ihren
Landesherren gewohnt war, blieben aus, da der alte Kurfrst gefangen sa
und der neue bei seinen groen Plnen und steten Kriegen nichts brig
hatte fr sie. Daher konnte Frau Katharina klagen, "da wenig Leut sind,
die fr die groen Wohlthaten meines lieben Herrn seinen armen Waisen
Hilfe zu thun gedchten"[647].

Die vielerlei Schicksalsschlge trafen die arme Witwe so schwer, da
sie, die stets gesunde, jetzt krnklich wurde und ber "Schwachheit" zu
klagen hatte.

In dieser schweren Zeit, "da es ihr Vermgen nicht war, ihren und ihres
lieben Herrn Kindern nach Notdurft zu helfen", war es fr Frau Katharina
ein Trost, da der preuische Herzog "nun selber Vater sein" solle. In
dieser Zuversicht wandte sie sich zu Georgi (23. April) 1551 an S.F.Gn.
unter Verdankung fr die gndige Aufnahme und Unterhaltung ihres Sohnes
mit der Bitte, ihm ferner zur Vollendung seines angefangenen Studii in
Frankreich oder Italien Unterhaltung zu verordnen, damit er dem Herzog
ntzlicher dienen knne. Zuvor aber mge der Herzog ihren Sohn eine
kurze Zeit zu ihr kommen lassen, damit sie in ihrer Schwachheit etliche
ntzliche Sachen mit ihm reden knne, daran ihm und seinen Brdern und
seiner Schwester merklich gelegen; dann mge er wieder nach Knigsberg
oder nach Italien und Frankreich gehen, wie S.F.Gn. bestimmen wrde.
Wahrscheinlich hatte Hans der Mutter diesen Plan an die Hand gegeben.

Welchen Schmerz aber mute die Mutter ber ihren Lieblingssohn erleben,
als darauf vom Herzog Albrecht folgende Antwort eintraf:

"Wir befinden, da Unser gndiger Wille bei ihm nicht dermaen, wie Wir
wohl gehofft, angewendet. Denn wie Wir berichtet (sind), soll er seiner
Studien zur Gebhr nit abwarten. So wissen Wir auch gewi, da er sich
etlicher guter Hndel, deren er wohl mig gehen konnte, teilhaftig
macht. Derwegen zu bedenken, da Uns wahrlich etwas beschwerlich (fllt,
da) Unsere gndige Gewogenheit so wenig bei ihm bedacht wird." Daher
schlage es der Herzog ab, Hans reisen zu lassen; wolle er aber in
Knigsberg vor gut annehmen, so sei der Herzog geneigt, um seines Vaters
willen ihn mit Unterhalt zu versorgen[648].

Das war ein Schlag fr Katharinas Mutterherz! Also weder fleiig noch
ordentlich war ihr Liebling und beides wre er doch nicht nur dem
Herzog, sondern auch seinem Vater und seiner Mutter schuldig gewesen.
Und wenn sie sich auch sagen mochte, der Herzog sei strenge gegen seine
Schtzlinge: wie einst gegen ihren Bruder Clemens, so jetzt gegen ihren
Sohn Hans und wenn sie auch wohl mit ebenso viel Recht geltend machen
konnte, der junge, sonst gut geartete und willige Mensch sei durch bse
Gesellschaften verfhrt worden, so blieb doch die Thatsache stehen, da
sie dem Sohn zu viel und zu Gutes zugetraut, und da die Vormnder doch
recht gehabt mit der Behauptung, Hans habe nicht das Zeug zum
Studium--war er doch auch jetzt schon 25 Jahre alt! Daran konnte auch
das gute Zeugnis nichts abbrechen, das die Universitt Knigsberg dem
Sohne Luthers wohl allzu gnstig ausstellte[649].

Und als nun Hans vollends das Stipendium und Studium in Knigsberg
aufgab und auf weitem Weg langsam heimkehrte, so war der Beweis
geliefert, da er zu nichts Besserem tauge als auf die herzogliche
Kanzlei. Dahin kam er denn auch in Weimar.

Um so besser gediehen die Shne Martin und Paul, von denen der eine
Theologie, der andere Medizin studierte; Margarete wuchs zur blhenden
Jungfrau heran.

Der Schmalkaldische Krieg war wohl sonst zu Ende, nur nicht in Sachsen;
es entstand allerlei Unruhe und Kriegsgercht, neue Sorge und Angst.
Sachsen wimmelte von Soldaten, Wittenberg hatte starke Einquartierung.
Und obwohl es Freundesvlker waren, so geschahen doch von der rohen
Soldateska allerlei Gewaltthaten. In der festen Stadt waren die Brger
vor ihren eigenen Quartiergsten nicht sicher, vor die Mauern
hinauszugehen wagte niemand, denn drauen in den Stdtlein gab es Mord
und Totschlag; bermtig forderten die Kriegsknechte das
Unmgliche[650].

Und wie sah es nun wieder drauen auf den Hfen und in den Grten aus,
wo eben mit Mhe die Schden des Schmalkaldischen Krieges wieder
hergestellt waren! Da waren Verwstungen und Kontribution auf ihren
Hfen vorgekommen. "Es ist am Tage", klagt Bugenhagen, "da sie in ihren
Gtern dies Jahr (1551) groen Schaden gelitten." "Derwegen mute sie zu
Recht gehen vor des Kurfrsten Gericht wider Jan Lser." Jan Lser--des
alten Hans Lser ([Symbol: gestorben] 1541), ihres Gevatters Sohn und
Luthers Paten--mute Frau Katharina verklagen. Das war frwahr ein
bittrer Gang[651].

Und ob sie ihr Recht bekommen?

Der Kurfrst Moriz rstete sich eben zum Schlage gegen den alten Kaiser.
Da hatte er wohl keine Zeit und Lust, eine klagende Witwe anzuhren.

So mute Frau Katharina nochmals den sauren Schritt thun und sich an den
dnischen Knig wenden, an den sie am 8. Januar 1552 u.a. schreibt:

"E.K.M. wissen sich gndiglich zu entsinnen, wie da E.K.M. meinem
lieben Herrn seligen samt dem Herrn Philippo und D. Pomerano jhrlich
ein Gnadengeld geschenkt, welches sie zu Unterhalt ihrer Haushaltung und
Kinderlein haben sollten, welches denn bishero gemeldeten Herrn von
E.K.M. berreichet (worden). Dieweil aber mein seliger lieber Herr
E.K.M. allzeit geliebet und fr den christlichsten Knig gehalten, auch
E.K.M. sich in solchen Gnaden gegen seligen meinen Herrn verhalten: so
werde ich _durch dringende Not bewogen, E.K.M. in meinem Elend_
unterthniglich zu ersuchen, des Verhoffens, E.K.M. werden mir armen und
itzt von jedermann verlassenen Witwen solch mein unwrdig Schreiben
gndiglich zu gut halten und mir aus Gnaden solch Geld folgen lassen.
Denn E.K.M. sonder Zweifel bewut, wie es nu nach dem Abgang meines sel.
Mannes gestanden, _wie man die Elenden gedrckt_, Witwen und Waisen
gemacht, also da (es) zu erbarmen; ja (auch) _mir mehr durch Freunde
als durch Feinde Schaden zugefgt_; welches alles E.K.M. zu erzhlen zu
lang wre. Aus diesen und anderen Ursachen werde ich _gedrnget_, E.K.M.
unterthnig zu ersuchen, nachdem sich ein jeder so fremd gegen mir
stellt und sich meiner niemand erbarmen will."

Bugenhagen untersttzte in einer Beilage diese Bitte der Witwe "Patris
Lutheri", welche "fast (sehr) klaget". Und mit Erfolg: am 22. Mrz kam
das Geld in seine Hand und er schreibt, da S.M. "sehr wohl gethan", die
Witwe zu trsten[646].

Im Februar 1552, als die Kriegsknechte am rohesten hausten, wurden die
Gemter in Wittenberg noch erschreckt mitten im Winter durch heftige
Gewitter mit Blitz und Donnerschlgen. Aber bald darauf zogen die
Kriegsvlker ab.

Es kam nun Kunde, da Moriz mit seinen Sachsen, den Brandenburgern und
Hessen den Kaiser in die Flucht gejagt und beinahe gefangen htte (Mai
1552). Die gefangenen Frsten (Kurfrst Johann Friedrich und Landgraf
Philipp von Hessen) wurden freigegeben, und freigegeben auch die
Religion im "Passauer Vertrag" (August 1552).

Mittlerweile war es Frhling geworden und Sommer. Frau Kthe konnte sen
und ernten und sich des Friedens freuen, der endlich nach sechs Jahren
Krieg, Flucht, Verwstung eingetreten war, auch des Friedens in Sachen
des evangelischen Glaubens, um deswillen ihr "lieber Herr" ein Feuer
angezndet hatte im deutschen Lande, dessen Flamme auch sie, und sie am
schwersten, fhlen mute.

Jetzt htte die arme Witwe aufatmen knnen vom langen Leid: da traf sie
der letzte, tdliche Streich.




19. Kapitel.

Katharinas Tod.


Die Kriegsvlker waren aus Wittenberg abgezogen, aber sie hatten ein
bses Andenken hinterlassen: eine ansteckende Seuche, die "Pestilenz",
die in der sumpfumgebenen engen Festung wieder rasch um sich griff und
mit der Sommerhitze wuchs. Am 1. Juni wurde ber Verlegung der
Universitt beraten, am 10. bot Torgau ihr Herberge an. Aber bis 6. Juli
hielt sie noch in Wittenberg aus. Dann zog auch die Hochschule in die
Nachbarstadt und wurde in den engen winkeligen Rumen des
Barferklosters untergebracht, welches seinerzeit Leonhard Koppe zu
Fastnacht gestrmt hatte und das jetzt leer stand.

Frau Katharina blieb aber in Wittenberg, wohl wegen der Gter, die sie
besorgen mute; wahrscheinlich hatten die studierenden Shne und
Tischgesellen dennoch von dem einen und andern Magister, der im
Schwarzen Kloster wohnte, Vorlesungen. In dem groen, gesund gelegenen
Hause war es ja auch einstweilen noch auszuhalten. Aber im Herbst wurde
auch das Klosterhaus von der Seuche angesteckt. Und um ihre Kinder aus
der Gefahr zu reien, unterzog sich die besorgte Mutter wiederum den
Beschwerlichkeiten der Auswanderung. So lie sie denn einspannen, lud
das Ntigste auf den Wagen und fuhr mit ihren Kindern, die noch bei ihr
waren: Paul und Margarete, whrend Martin scheint's schon vorher der
Universitt nachgezogen war und Hans in Weimar auf der Kanzlei
arbeitete, das Elsterthor hinaus, Torgau zu[652].

Da geschah das Unglck: die Pferde wurden scheu und gingen mit dem Wagen
durch ber Stock und Stein. Die erschrockene Frau suchte das Leben ihrer
Kinder zu retten, und um die wilden Pferde aufzuhalten, sprang sie vom
Wagen, fiel aber so unglcklich, da sie mit dem Leib heftig auf den
Boden anprallte und dann in einen Graben mit kaltem Wasser strzte. Die
Aufregung, der Fall, die Erkltung und wohl auch eine innere Verletzung
fhrten eine schwere Krankheit herbei[653].

So kam die Familie Luther nach Torgau. Hier wohnte sie vom Kloster aus
in der "nchsten Strae, die nach dem Schlo fhrt", in einem Eckhause
bei der Klosterkirche zur Herberge. Hier lag nun Frau Katharina in
groen Schmerzen langsam dahinsiechend, gepflegt von ihrer Wirtin und
ihrer Tochter Margarete, welche jetzt 18 Jahre zhlte[646].

Noch einen Lichtblick erlebte die Witwe Luthers in diesen Leidenstagen.
Ihr jngster Sohn Paul, der sich zu einem tchtigen Mediziner
heranbildete, verlobte sich in dieser Zeit mit Anna von Warbeck, der
Tochter des weiland Herrn Veit von Warbeck, gewesenen Domherrn von
Altenburg und Kurfrstl. Hofrat und Vizekanzler zu Torgau, eines Edeln
aus Schwaben. Ihre Mutter, Anna von Hack--auch eine geborne
Schwbin--lebte noch und hatte ein eigenes Haus zu Torgau in der
Fischergasse[646].

Frulein Anna war ein resolutes Frauenzimmer. Sie hatte einen Damastrock
mit Samtschleppe getragen und war deshalb vom Stadtrat mit Berufung auf
eine kurfrstliche Kleiderordnung in Strafe gezogen worden. Dagegen
wehrte sie sich und appellierte an den Kurfrsten, so da ein ehrbarer
Stadtrat einen Boten mit Bericht ber Anna Warbeckin Supplicien gen
Dresden schicken mute fr Lohn und Trinkgeld. S. Kurf. Gn. sandte nun
in diesem Betreff an den ehrbaren Rat zu Torgau folgenden Erla:

"Lieben Getreuen! Wir sind von der ehrbaren und lieben besondern
Jungfrau Anne von Warbeck demtiglichen Klag berichtet worden, wie da
Ihr ihr den damastenen Rock mit samtenem Schweif zu tragen zu enthalten
und noch dazu etliche Gulden zur Strafe entrichten sollt auferlegt
haben. Wiewohl Wir Uns zu erinnern wissen, was Wir der Kleidung halber
in der Polizei-Ordnung haben ausgehen lassen, so vermerken Wir doch, da
der gedachten Jungfrauen Vater einer von Adel und frstl. Rat gewesen,
auch die Damasten, davon der Rock gemacht, frstliches Geschenk und die
Rcke _vor_ obenerwhnt ausgegangener Ordnung gemacht. Derwegen Wir denn
geschehen lassen, da sie solche Rcke zu Ehren tragen mge. Und
begehren demnach, Ihr wollet ihr solches verstatten und sie mit
geforderter Strafe verschonen, Euch auch sonst gegen sie dermaen
verhalten und erzeigen, da sie sich keiner Beschwerung zu beklagen hab.
Daran geschieht Unsere gnzlich zuverlssige Meinung. Datum Dresden, 30.
Jan. Anno LII"[654].

Dieses adelige Frulein wurde also die Schwiegertochter Frau Katharinas
und diese wird an dem entschlossenen Wesen ihrer knftigen Sohnsfrau ihr
Gefallen gehabt haben. Aber die Freude der Hochzeit erlebte Frau
Katharina nicht mehr.

Drei Monate lang dauerte das Siechtum der Kranken. Mit christlicher
Geduld ertrug sie die Leiden und die Sorge fr die Kinder. "In der
ganzen Zeit ihrer Krankheit trstete sie sich selbst und hielt sich
aufrecht mit Gottes Wort. In heien Gebeten erflehte sie sich ein
friedliches Hinscheiden aus diesem mhseligen Leben. Oftmals auch befahl
sie Gott die Kirche und ihre Kinder und betete, da die Reinheit der
Lehre, welche Gott durch ihres Gatten Werk dieser Zeit wiedergebracht,
unverflscht den Nachkommen berliefert werden knne." Sie selbst aber
wollte "an Christus kleben, wie die Klette am Kleid", ein Wort, das ihr
nachher fromme Snger im Liede nachsprachen[655].

Am 20. Dezember 1552 hauchte sie ihre Seele aus.

Der Vice-Rektor der Universitt, Paul Eber, gab dies den Studenten durch
ein von Melanchthon verfates lateinisches "Leichenprogramm" kund, worin
ihr Leben und Leiden kurz geschildert war. Namentlich die Erinnerung an
die sechs letzten Leidensjahre schwebten dem treuen Freunde des Hauses
vor Augen und fast scheint es auch, das Unrecht, das sie von Kanzler
Brck u.a. erlitten. "Mit ihren verwaisten Kindern mute die als Witwe
schon schwer Belastete unter den grten Gefahren umherirren wie eine
Gechtete; groen Undank hat sie von vielen erfahren, und von denen sie
wegen der ungeheuren Verdienste ihres Mannes um die Kirche Wohlthaten
hoffen durfte, ist sie oft schmhlich getuscht worden." Statt des
derben deutschen Spruches, mit welchem Luther in seinem Hausbuch seinen
Befrchtungen ber die Behandlung seiner Witwe Luft gemacht hatte: "Die
Leute sind grob; die Welt ist undankbar", whlte der gelehrte Freund fr
das Leichenprogramm als Motto einen griechischen Spruch des Euripides
(Orist. 1-3), der allerdings auf die schwere Leidenszeit der Witwe
Luthers pat: "Es giebt kein Unheil, kein Geschick, kein Leid, das Gott
verhngt und das die Sprache nennt, nichts Schreckliches, das nicht der
Mensch erlebet."

Dieser Erfahrung des heidnischen Dichters gegenber weist das "Programm"
auf den Trost und die Hoffnung des Christentums, dessen sich auch die
Selige getrstet habe bei der herben Wunde durch den Tod ihres
Ehegemahls, ihrer Flucht mit den verwaisten Kindern in der Kriegszeit,
den manchfachen Trbsalen des Witwenstandes und dem Undank vieler Leute
gegen die Witwe des ehrwrdigen und heiligen Mannes D. Luther. Die
Universitt lade nun alle ihre Hrer zum Leichenbegngnis ein, "um der
verehrten Frau die letzte Pflicht zu erweisen und so zu bezeugen, da
sie die Frmmigkeit der Witwe, welche so herrlich an ihr leuchtete, ihr
ganzes Leben lang hochhielten; da sie der Waisen tiefe Trauer zu Herzen
nhmen; und da sie nicht vergen die Verdienste ihres Vaters, die so
gro sind, da sie keine Rede genug preisen kann; da sie endlich
zusammen Gott im Gebete anflehen, das Licht des Evangeliums rein zu
halten und seine Lehrer und Verkndiger zu schtzen und zu regieren, die
Staaten zu behten und den Kirchen und Schulen geziemende
Zufluchtssttten zu gewhren"[656].

Am folgenden Tag, nachmittags drei Uhr, war der Leichenzug der "edlen
Gemahlin des heiligen Mannes D. Luther". Von ihrer Gastwohnung die
Schlogasse hinab an der neuerbauten groartigen kurfrstlichen Residenz
Hartenfels vorbei bewegte sich der gewaltige Zug von Brgern,
Professoren und Studenten durch die Wintergrne nach der Stadtkirche
St. Marien. Hier unter dem Knabenchor mit seiner schnen Inschrift:
"Laudate dominum pueri!" wurde die mde Pilgerin unter den blichen
Feierlichkeiten bestattet und die Knaben werden ihr auch von droben ein
Abschiedslied gesungen haben[657].

Am Grabe der Mutter trauerten ihre Tochter und drei Shne.

_Hans_ war herzoglich schsischer Kanzleirat; er heiratete im folgenden
Jahre Elisabeth, die Tochter des Professors und Propstes an der
Schlokirche in Wittenberg D. Kreuziger, den sich sein Vater selbst zum
Nachfolger erkoren hatte, der aber schon bald nach dem groen Doktor
gestorben war. Spter kam Hans Luther zu seinem alten Gnner, dem Herzog
Albrecht von Preuen, in Dienst und starb nicht lange nach diesem 1575.

_Martin_, von dem sein Vater gefrchtet hatte, er werde einmal ein
Jurist, studierte Theologie; er mute aber anhaltender Krnklichkeit
wegen als Privatgelehrter leben und starb jung im vierunddreiigsten
Jahr, nachdem er mit Brgermeister Heilingers Tochter in Wittenberg
einige Zeit in kinderloser Ehe gelebt hatte.

_Paul_, der jngste, wurde ein angesehener Arzt, Dr. und Professor zu
Jena und herzoglicher Leibarzt, dann Rat und Leibarzt des
brandenburgischen und spter des schsischen Kurfrsten. Er vermhlte
sich bald nach der Mutter Tod mit seiner Verlobten Jungfrau Anna von
Warbeck, und Nachkommen von ihm in weiblicher Linie leben noch heute.

_Margarete_ vermhlte sich 1555 "im Beisein vieler Grafen und Herren"
mit Georg von Kunheim, Erbherrn auf Knauten bei Knigsberg, der in
Wittenberg studiert und vielleicht bei Frau Katharina gewohnt und
gespeist hatte. Sie lebte mit ihrem Gemahl, dem herzoglich preuischen
Landrichter zu Tapiau, in glcklichster Ehe und starb als Mutter von
neun Kindern im Jahre 1570[646].

Von dem zahlreichen Geschlecht Luthers und der Ahnmutter Katharina sind
heutzutage noch wenige Nachkommen brig. Vom Kloster Nimbschen, wo
Jungfrau Katharina 15 Jahre lebte, stehen jetzt nur noch drei
altersgraue Mauern, von wilden Reben umrankt. Ueber Zulsdorf geht seit
1801 der Pflug und nur ein Denkmal bezeichnet die Sttte, wo sie so
gern gewaltet hat. Ihre Grten in Wittenberg, in denen sie arbeitete und
erntete, sind zum Teil mit neuen Huserreihen berbaut. Nur das
Klosterhaus steht noch, wo sie zwanzig Jahre mit dem groen Doktor
gehaust, wenn auch nur die Wohnstube einigermaen im alten Zustand ist.

In der Stadtkirche zu Torgau aber wurde Frau Katharinen--wohl von ihren
Kindern--ein Grabdenkmal errichtet in grauem Sandstein, allerdings kein
sonderliches Kunstwerk, nach dem Modell des Gipsreliefs, das von einem
realistischen Knstler verfertigt in Zulsdorf hing und heute noch in der
Kirche zu Kieritzsch zu sehen ist. Auf ihrem Grabmal ist Frau Katharina
in halberhabener Arbeit ausgehauen als Matrone im langen Mantel und
weien Kopftuch. Mit heiterem Angesicht schaut sie vor sich hin, wie
eine Mutter am Sonntag auf ein wohl verbrachtes Tagewerk; in den Hnden
hlt sie ein offenes Buch zum Zeichen ihrer Frmmigkeit und ihres Eifers
im Bibellesen; also als andchtige Maria ist die fleiige Martha
dargestellt. Ihr zu Hupten sind die Wappen von Luther und von Bora. Um
den Rand steht die Inschrift: "Anno 1552 den 20. December Ist in Gott
Selig entscha | ffen alhier in Torgau Herrn | D. Martini Luthers seligen
Hinderlassene wittbe Katharina | von Borau."[658]

Ein knstlerisches Idealbild neben den mancherlei realistischen
Konterfeien Katharinas hat Meister Lukas Kranach geschaffen auf dem
Altarblatt in Wittenberg. Da sitzt Frau Katharina als andchtige
Zuhrerin ihres predigenden Gatten mit ihrem Kindlein in vorderster
Reihe vor der Gemeinde--also ebenfalls als sinnige Maria.

Ein dichterisches Denkmal hat der Hausfrau Luthers beim ersten
Reformations-Jubilum 1617 der gekrnte Dichter Balthasar Mencius, Pota
Laureatus, gewidmet, in schlichten, treuherzigen Knittelversen[659]:

  Cathrin von Bora bin ich gnant
  geboren in dem Meissner Landt
  aus einem alten Edlen Stamm
  wie solchs mein Anherrn zeigen an
  die Gott und dem Rmischen Reich
  mit Ehr und Ruhm gedienet gleich.
  Als ich erwuchs, zu Jahren kam,
  der Tugendt mich tht nehmen an
  und jedermann bethret war
  vom Pabst und seiner Mnche Lahr,
  und hoch erhaben der Nonnen-Stand,
  ward ich ins Kloster Nimetzsch gesand;
  mein Ehr und Amt hatt ich in acht
  rief zu Gott, bethet Tag und Nacht
  fr die Wohlfarth der Christenheit.
  Gott mich erhrt und auch erfreut;
  Doctor Luther den khnen Held
  mir zu einm Ehmann auerwehlt,
  dem ich im keuschen Ehstandt mein
  gebahr drei Shn und Tchterlein.
  Im Witwenstand lebt sieben Jahr
  nachdem mein Herr gestorben war.
  Zu Torgau in der schnen Stadt
  man meinen Leib begraben hat;
  bi Gottes Posaun thut ergehn
  und alle Menschen heit aufstehn;
  alsdann will ich mit meinem Herrn
  Gott ewig lobn, rhmen, ehrn
  und mit der Auerwhlten Schaar
  in Freuden leben immerdar.

Weniger freundliche Denkmler haben der Gattin Luthers katholische
Schriftsteller gesetzt, welche die Ehe des Mnches und der Nonne als ein
Sakrileg und Skandal auffaten und in ihrer Weise ausbeuteten, wie
Luther selbst schon vor seinem Tode vorausgesehen und in seinem
Testament vorausgesagt hatte. Von protestantischer Seite sind fast nur
Verteidigungsschriften wider diese Verleumdungen ergangen, oder auch
gelehrte Stoffsammlungen und kleine Volksschriften[646].

Und doch lebt Katharina im Andenken des deutschen evangelischen Volkes
in deutlicher und freundlicher Erinnerung als die Gattin des gewaltigen
Doktors und deutsche Pfarrfrau, welche mit ihrem Manne das
gemtansprechende Vorbild eines evangelischen Pfarrhauses geschaffen
hat.

Und mit Recht. Sie war eine tchtige und brave Frau, wie man's zu ihrer
Zeit ausdrckte: ein "frommes Weib", eine echte deutsche Hausfrau. Sie
hatte den Mut, Martinus Luther, "den khnen Held", zu ihrem Ehegemahl zu
erwhlen, sie hat es gewagt, mit dem Geistesgewaltigen, dem
kaiserbrtigen Regenten der Kirche[646] zu leben, ihm zu gengen, ihn zu
befriedigen. Und sie hat geleistet, was sie unternommen. Der groe
Doktor hat sie geachtet, hat sie geliebt und gelobt. "Das aber ist das
wahre Lob, gelobt zu werden von gelobten Mnnern."

[Illustration: Katharinas Handschrift und Siegel.][660]




Belege und Bemerkungen


Abkrzungen


_Anton_, D.M.L. Zeitverkrzungen. L. 1804.

_W. Beste_, Die Geschichte Katharinas von Bora, nach den Quellen bearb.
Halle 1843.

_Br. s.u._

_G. Buchwald_, Zur Wittenb. Stadt- u. Univers.-Gesch. L. 1893.

_C.A.H. Burkhardt_, Dr. M.L. Briefwechsel. L. 1866.

Consilia Theol. Witteb. Fr. 1664.

_Cordatus_, Tagebuch ber Luther. 1553. Von H. Wrampelmeyer, Halle 1883.

_C.R._ = Corpus Reformatorum. Bretschneider, Halle 1834 ff.

_Grulich_, Denkwrdigkeiten von Torgau. 2. Aufl. Torgau 1855.

_A. Hausrath_, Kleine Schriften religionsgesch. Inhalts. Leipz. 1883. S.
237-298.

_M.Fr.G. Hofmann_, Kath. v. Bora oder Dr. M. Luther als Gatte u. Vater.
Leipz. 1845.

_Juncker_, Ehrengedchtnis Lutheri. Frankf. 1706.

_Kaweran_, Briefwechsel v. J. Jonas. 2 Bde.

_Kolde_, Analecta Lutherana. Gotha 1883.

_Kstlin_, M. Luther. 2 Bde. 2. Aufl. Elberfeld 1883.

_M.A. Lauterbachs_ Tagebuch. 1538. Von I.K. Seidemann, Dresden 1862.

_Lingke_, D.M.L. Reisegeschichte. L. 1769.

_G. Lsche_, Analecta Lutherana et Melanth. Gotha 1892.

_L.W._ = _Walch_, Luthers Deutsche Werke, Halle 1739-50.

_Mayeri_, Vita Catharinae Boriae. Hamburg 1698. Deutsch: Unsterbl.
Ehrengedchtnis Frauen Katharinen Lutherin. Frankf. u. L. 1724.

_Mathesius_, Predigten ber Dr. M.L. Nrnberg 1576.

_Ratzebergers_ Handschr. Gesch. ber L.u.s. Zeit von Chr. G. Neudecker.
1850.

_Richter_, Geneal. Lutherorum. Berlin u. L. 1723.

_J. Schlaginhaufen_, Tischreden L. 1531/2. Von W. Preger, L. 1888.

_Seckendorf_, De Lurtheranismo Comment. Leipz. 1692.

_Seidemann_, Luthers _Grundbesitz_, in Zeitschr. fr histor. Theol.
1866.

_Seidemann_, _Erluterungen_ zur Ref.-Gesch. Dr. 1844.

_Seidemann_, Beitrge zur Ref.-Gesch. Dr. 1846-48.

_Stier_, Denkwrdigkeiten Wittenbergs. Dessau u. L.

T.-R. = _Frstemann-Bindseil_, D.M.L. Tischreden. 4 Bde. Berlin 1844-48.

Urkb. = Urkundenbuch von Grimma und Nimbschen. Herausgegeben von L.
Schmidt in Cod. dipl. Sax. reg. II. 15. Bd. L. 1898.

W. = _Walch_, Wahrh. Gesch. der sel. Frau Katharina v.B. Halle 1752.

NB. _Ohne Namen u. Titel_ oder mit _Br._ citiert sind _De Wette_ und
_Seidemann_, Dr. M. Luthers Briefe. 6 Bde. 1825-56.

       *       *       *       *       *




1. Katharinas Herkunft und Familie.

[1] Die Herkunft und Heimat Katharinas ist noch lange streitig und wird
sich nicht so leicht feststellen lassen, selbst wenn neue Urkunden
aufgefunden werden; hauptschlich ist die weite Verzweigung der Familie
und die Unsicherheit der Elternnamen Katharinas daran schuld. Der
Stammbaum Katharinas von Bora ist am eingehendsten verfolgt worden von
dem jetzt verstorbenen _Georg von Hirschfeld_: "Beziehungen Luthers und
seiner Gemahlin zur Familie Hirschfeld" in Beitrge zur Schs. K.-Gesch.
II, 86-141 (bezw. 309). Dies geschah auf Grund einer lteren Chronik
(vgl. Hofmann 63) von Philipp von Hirschfeld ([Symbol: gestorben] 1748).
Sodann von _Ernst Wezel_ ([Symbol: gestorben] 1898) zuerst
in der "Wissensch. Beilage der Leipz. Leitung" 1883 Nr. 71,
dann in der Festschrift zur 100jhrigen Jubelfeier des K.
Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums in Berlin. "Das Adelsgeschlecht derer von
Bora", A.W. Hagens Erben 1897, mit Auszgen aus zahlreichen Urkunden
(vgl. Br. VI, 647 f. 705), eine Schrift, welche noch vervollstndigt
herausgegeben werden soll.

Nach G. von Hirschfelds Stammbaum wre Katharina von Bora eine Tochter
des Hans von (Bora zu) Hirschfeld-A. (vgl. Br. VI, 648, 28) und der Anna
von Haugwitz: Hans veruerte aber (zwischen 1525-30) Hirschfeld-A. an
Hans von Mergenthal und Reinsberg, zog nach Lben, bergab dies seinem
Erstgebornen und zog dann nach Moderwitz, welches der Familie Hayr
gehrte.--

Diese Aufstellung ist nicht mehr kontrollierbar, denn das Hirschfeldsche
Archiv ist verschwunden. Und dazu beruht dies Ergebnis noch auf den
Annahmen: 1. da es zwei Gter Hirschfeld gegeben habe (S. 119); 2. da
eine Linie Bora sich Mergenthal genannt und ihr Wappen (vom roten Lwen
in eine Lilie) verndert habe (97); 3. da Phil. v.H. verschiedene
Personen (z.B. zwei Katharinen) verwechselte (116). (Eine lutherisch
gesinnte Katharina von Mergenthal war im Kloster zu Freiberg; sie war
einmal zu Besuch bei ihrem Bruder in Hirschfeld bei Bora. N. Archiv f.
Schs. Gesch. IV, 298. Sie entwich anfangs Juni 1529 aus dem Kloster und
kam zu Luther. A.a.O. 318. Br. III, 469. Die Verwechslung dieser
Katharina von Mergenthal aus Hirschfeld bei Deutschen-Bora findet sich
schon Schs. Kirchen-Gal. I, 110. Seidemann, Erl. zur Ref.-Gesch.
Dresden 1844. S. 110, 120, 122, 469); 4. da Irrtmer in dem schs.
Teilungsvertrag von 1485 vorkamen; 5. da die wunderliche und nicht mehr
auffindbare Notiz, wonach Luther "seinem Schwhervater, dem edeln und
festen Herrn Hans von Bora zu Moderwitz ein Bchlein (Joel) oder gar
eine Bibel verehret" (Br. VI. 684), richtig sei.

Gegen diese Aufstellung sprechen aber auer den knstlichen Umstellungen
der Umstand, da Katharinas Eltern bei ihrer Flucht aus dem Kloster und
bei ihrer Verheiratung hchst wahrscheinlich nicht mehr lebten. Ferner
sollte man meinen, da die Luthersche Familie mit dem Staatsmann
Bernhard von Hirschfeld (1490-1551; Br. II, 55, 245, 448; C.R. IV, 349)
in vertrauterem Verkehr gestanden haben mte, wenn sie mit ihm so nahe
verwandt gewesen wre. Das war aber gerade nach 1525 nicht der Fall.

Fr _Lippendorf_ als Geburtssttte von Katharina spricht folgendes: 1.
Zu Lippendorf verschreibt ums Jahr 1482 Hans von Bore seiner Ehefrau
Katharina als Leibgeding das Dorf Sale; ebenso 1505 Jan von Bore alle
seine Gter zu Lippendorf seiner Hausfrau Margarete (E. Wezel, Wiss.
Beil. der Leipz. Z. 1883, Nr. 71, S. 422 f.). Solche Verschreibungen
wurden nicht etwa (wie G. v. Hirschfeld meint) auf dem Todbette, sondern
gerade am Vermhlungstag gemacht (wie auch die in beiden Urkunden
vorkommende Formel beweist: "nach ihres ehelichen Mannes Tode, ob sie
den erlebet, u. nicht eher"). Es wre nun sehr erklrlich, da Katharina
wegen und bei der Schlieung der zweiten Ehe ihres Vaters ins Kloster
gebracht wurde. 2. Wegen dem eine halbe Stunde davon gelegenen "Gtlein"
Zulsdorf hat Katharinas Bruder Hans sich aus Preuen hier einfinden und
"lange herauen aufhalten, auch mssen selbes beziehen u. sich
verehelichen, bis er's an sich bracht" und hat das "aus Not, (um) sein
u. seiner Brder Gtlein zu bekrftigen, mssen thun u. fr sein
Kindlein das Gtlein u. armes Erbdchlein beschicken". (Br. V, 106, f.)
3. Als Bruder Hans Zulsdorf nicht mehr halten konnte (1540), so kaufte
es seine Schwester, obwohl es wenig eintrglich und zwei Tagereisen weit
von Wittenberg entfernt lag, und hat sich mit Vorliebe hier aufgehalten.
(S.S. 84 f.)

Allerdings gehrte wenigstens seit 1504 Zulsdorf zu Kieritzsch und nicht
zu Lippendorf und wurde 1515 von Denen zu Kieritzsch an einen Jan von
Lenau verkauft (Br. VI, 705; Lpz. Z. 1883 Nr. 70 S. 413); aber um 1525
heiratete eine Marie von Bora zu Zulsdorf einen Siegm. Wolf von Niemeck
zu Wittenberg (Schumann, Lexikon von Sachsen XIII, S. 671), und nach
Katharinas Tod (1553) brachte ein Christoph von Niemeck, also wohl ein
Sohn des vorigen, das Gut Zulsdorf wieder an sich. (Lexikon von Sachsen
XIII, S. 671; vgl. Seidemann, Grundbes. S. 529; ber die Niemeck vgl.
Wittenb. Urbar V.H., Schmalbecker Hufen). _Also scheint Zulsdorf in der
That ein "Erbdchlein" Derer von Bora gewesen zu sein._ (Die
Wittenberger Familie Zulsdorfer, die Stifter der "Zulsdorfer Kapelle",
stammt aus Zulsdorf bei Lochau. Vgl. Wittenb. Urbar III, 296 c. XI; 299
c. XII.)

Im Amte Weienfels, wozu Lippendorf und Zulsdorf gehrten, gab es um
1510 noch Bora; da wurde ein Siegmund von Bora in einer Streitsache vor
Amt geladen (Staatsarchiv zu Dresden), und zwar, wie es scheint, der
Bruder einer verehelichten "Haugwitz".

Gegen die Abstammung Katharinas von Hans oder Jan zu Lippendorf kann man
geltend machen: 1. Die erste Gemahlin hie Katharina und war vielleicht
eine geborne von Miltitz, die zweite, Margarete, eine geborne von Ende,
wenn nmlich der erste in den Urkunden genannte Zeuge oder Vormund, wie
gewhnlich, der Bruder der Frau ist. Dagegen soll Katharina von Boras
Mutter eine geborene Haubitz gewesen sein. Wenigstens berichten die
(freilich erst 1664 verffentlichten) Consilia Theolog. Wittenb. IV p.
17 (ebenso Keil histor. Nachr. 15 und Luthers merkw. Lebensweise IV 320)
da Katharinas Mutter eine von Haubitz gewesen. Haubitz heit ein
Vorwerk stlich von Grimma, also bei Nimbschen (Urkundenb. 409), ein
anderes liegt eine Stunde von Lippendorf (Wezel 423). _Seckendorf_ (III
92), dessen Schwester 1580 einen Georg von Haubitz heiratete (Engelhard
Lucifer Wittemb. I 13, meint, er sei dadurch ein Verwandter der
Katharina v. B. geworden) und nach ihm _Mayer_ p. 4 nennt sie eine
_Haugwitz_, darum sagt Richter 295 (vgl. 675): "von Haubitz _oder_
Haugwitz". (Walch 12, 5 und nach ihm Hofmann 62 irren, wenn sie
berichten, in den Consil. W. stehe Haugwitz.) Uebrigens ist Siegmund von
Bora 1510 Vormund fr eine von Haugwitz, welche also seine Schwester
gewesen sein wird (Dresdner Landesarchiv s.o.) Freilich die beiden Namen
werden oft verwechselt bzw. gleichgesetzt, z.B. im Kloster Nimbschen
(Urkundenbuch 322, 326, 328, 331, 332 vgl. 409 unter "Haubitz"). Diese
Verwechslung beruht auf der mundartlichen Aussprache, indem das b in
Haubitz wie w und das g in Haugwitz sehr weich gesprochen wurde, so da
es verschwand. Die spteren Biographen behalten Haugwitz bei und
behaupten (freilich ohne Quellenangabe), der Vorname von Katharinas
Mutter sei _Anna_ gewesen. Soll das ein Miverstndnis aus Una de
Haugwitz sein? (Wezel 423) oder eine Verwechslung mit Anna von Haubitz
aus Flberg (bei Grimma), welche gleichzeitig mit Katharina im Kloster
Nimbschen war und kurz nach ihr daraus entfloh? Ob die Mutter
Katharinas aber wirklich eine geborene von Haugwitz war? Dagegen
spricht, da ein Kanonikus Christoph von Haugwitz 1536 eine Schrift mit
einer Vorrede Bugenhagens verffentlichte, worin keine Rede ist von der
Verwandtschaft Katharinas mit der Familie Haugwitz. (_Seckendorf_ ad
Indicem I histor. XXXIII, Wezel 423). Gegen _Haubitz_, wenn Katharinas
Mutter aus dem Geschlechte der Nimbscher Nonnen war, spricht der
Umstand, da der Vater Annas v. H. ein _kurschsischer_ Unterthan war
(Hirschfeld 97 f.), weshalb sie auch zu Pfingsten 1523 aus Nimbschen
austreten und zu ihrer Familie heimkehren konnte. Dagegen die drei
Linien Haugwitz waren herzogliche Vasallen (A. Fr. _Glasey_, Kern der
hohen kur- und frstl. H. zu Sachsen, 4. Aufl. Nrnberg 1753, S. 795.
Hirschfeld 127).--Doch war unter den kurschsischen Visitatoren von
Thringen auch ein Erasmus von Haugwitz (Seckendorf II S. 101). Der
Bruder der Nimbscher Abtissin Margarethe von Haubitz, Asmus, war 1526-35
Vorsteher des evangelisch gewordenen Klosters Nimbschen (Gromann,
Visitationsakten der Dices Grimma L. 1873, S. 78). Oder sind beide
(Asmus = Erasmus) dieselbe Person?

2. Ferner spricht gegen Lippendorf, da Jan von Bora 1505 alle seine
Gter zu Lippendorf seiner Hausfrauen zu einem Leibgeding
bekennt.--Lippendorf als damaliger Sitz dieser Linie wre doch
naturgem nicht als Leibgeding an die Ehefrau, sondern als Erblehen an
die Kinder bergegangen (dieser Grund bestimmt G. v. Hirschfeld S. 110
f., gegen Lippendorf als Geburtsort Katharinas zu stimmen, und ihm folgt
jetzt 1897 aus demselben Grunde auch Wezel, nachdem er 1883 Leipz. 8.
Wiss. Beil. 71 dafr gewesen war). Indes war auch Sale ein "Sitz" und
wurde dennoch von Hans von Bora zu Lippendorf an seine Ehefrau Katharina
verleibgedingt. Es kann ja ganz gut auer Lippendorf noch ein weiterer
"Sitz" fr den Aeltesten vorhanden gewesen sein. Aeltere Mnner pflegen
in zweiter Ehe die Frauen zu Ungunsten der Kinder zu bevorzugen. Dies
ist doppelt begreiflich in diesem Falle, wo aus erster Ehe, wie es
scheint, nur ein Mdchen, Katharina, vorhanden war, hchstens noch ein
Bruder, der mit einem geringen Gtchen abgefunden wurde (s.u. zu S. 4).

Schon Seidemann meint, L. scheine K.s Geburtsort zu sein (Br. VI, 647)
und neuerdings (1899) hat ein aus Medewitzsch gebrtiger Lehrer Dr.
Krebs in Lippendorf am Hofgut als der Geburtssttte Katharinas eine
Tafel anbringen lassen.

Lippendorf gehrte zum Amte Weienfels und dieses mit seinen
Zugehrungen nach dem Teilungsvertrag 1485 zum Herzogtum Sachsen (A. Fr.
_Glasen_, Kern der Gesch. der hohen kur- u. frstl. H. zu Sachsen. 4.
Aufl. Nrnberg, 1753, S. 792.)

[2] Vielleicht wirkte auch die strkere Mischung mit slavischem Blut bei
den Meinern auf diese Miachtung.

[3] Katharinas Leichenprogramm C.R. VII. 1155. Nata ex nobili familia
equestris ardinis in Misnia.

[4] Br. V. 792.

[5] 1733 bei _M.D. Richter_, Geneal Lutherorum, S. 750, "Alt- und
Neu-Boren, Wendisch- und Deutschen-Boren". Nossen liegt genau in der
Mitte des heutigen K.-R. Sachen.

[6] _Grimm_, D. Mythologie, Gttingen 1835. S. 478. "Bor" eigentlich
Fhre, vgl. Fohre.--Der Name Bora wird sehr verschieden geschrieben:
Bhor, Bohra, Bhora, Bor(a)ra, Bor, Bora, Borau, Boren, Born, Borna,
Borna, Pora, lat. Boria, Bornia, Borana, Borenia, Borensis, griech.
[Griechisch: hae Boreia]. So steht sogar in ein und derselben Urkunde
(27. Nov. 1534, Dresden, Copialb 82, Wiss. Beil. zur Leipz. Z. 70, S.
413 u. 414) oben "Hansen vonn Bora" und unten "dem von Borau". Auch auf
dem Grabstein Katharinas in Torgau stand frher unten Borau, aber das
Wort war schon vor 100 Jahren ganz von Salpeter zerfressen und ist jetzt
gnzlich verschwunden. _Keil_, hist. Nachr. v. Geschl. L., S. 6.9. So
wechselt auch durch die mundartliche Aussprache Torga und Torgau, sogar
in derselben Urkunde, drei Zeilen von einander. _Kolde_, An. L. 200.

[7] _Beste_, 9.--Das Wappen ist auch auf K.'s Grabstein ausgehauen. Die
Farben dazu wurden bei einer Renovation i.J. 1617 aus Eilenburg von
einer an den dortigen Pfarrer Bhm verheirateten Enkelin Luthers geholt.
Torgau. Kmmerei-Rechnung.

[8] Schon Hofmann 63 f. weist eine Anzahl Bora-Sttten ab. Ebenso G. v.
Kirchfeld. a.a.o. S. 87-110, 113, 116-118. Aus _Dohna_ stammt K. nicht,
denn das dortige Bora-Haus am Markt kam erst 1573 in die Hnde des
Groneffen Katharinas: Clemens. Aus _Moderwitz_ (s.o. S. 267) bei
Neustadt an der Orla nicht, denn das dortige Gut war kurschsisch und
gehrte der Familie Hayn, _Motterwitz_ bei Leisnig aber denen von
Bressen und das andere Motterwitz dem Geschlecht Staupitz, aus dem
Luthers geistlicher Vater stammt. (Schmidt, Urkundenbuch S. 312: Gnther
von Staupitz auf Motterwitz, 1501.) Aus _Schlesien_ stammt Katharina
auch nicht, woher einmal ein alter Edelmann (Bernhard) von Bora,
wahrscheinlich der Hauptmann von Oels, zu Luther nach Wittenberg kam und
sich bei ihm ber den Schwrmer Schwenkfeld Rats erholte. Denn dies
schlesische Geschlecht heit eigentlich Borau-Kessel und hat ein ganz
anderes Wappen: im silbernen Feld nebeneinander drei rote Rosen und
gelbe Butten. Br. VI, 647. Noch weniger stammt K. aus _Ungarn_, wie auch
einmal behauptet wurde (Hofmann 64). Diese Meinung rhrt wohl daher, da
der ehemalige Wittenberger Brgermeister Christoph von Niemeck, dessen
Mutter wohl eine Maria von Bora aus Zulsdorf war (s.o. S. 270 f.) in
Ungarn Fundgrberei trieb und dort (1564?) starb. (Seidemann, Ztschr. f.
hist. Th. 1860, S. 529.)--Aus _Simselwitz_ bei Dbeln kann K. auch
nicht herstammen, weil die dortige Bora-Linie schon 1490, d.h. vor ihrer
Geburt ausstarb (G. v. Hirschfeld a.a.o.).

Bisher hatte die Ueberlieferung sehr allgemein und zu verchtlich
behauptet. Katharina von Bora sei in Steinlausig an der Mulde (setzt
"Muldenstein"), ein paar Stunden nrdlich von Bitterfeld auf die Welt
gekommen, weil 1525 nach dem Tode Friedrichs des Weisen ein dort
begterter Ritter, Hans von Bora, nach Wittenberg gekommen ist und dem
neuen Kurfrsten Johann Erbhuldigung gethan und dort eine Luther-Linde
steht(!). Ja, es wurde sogar erzhlt, da Katharina in das dortige
Kloster eingetreten sei. Diese Ansicht wurde festgehalten auf Grund der
Nachricht von Mayer (S. 7): "welches wir in der Weimarischen Bibel
(1641!) aufgezeichnet gefunden", wo es heit. "Geborene au dem
Adelichen Geschlechte derer von Bora, so in der Chur oder (!)
Herzogthumb Sachsen zu Stein-Lausig (!) sehaft gewest, wie au der
Ritterschaft im Chur-Krei Erbhuldung zu Wittenberg (!) 1525 zu
vernehmen." Aber um 1500 war Stein-Lausig ("Lussigk", eine wste Mark),
wie die ganze Gegend _kur_frstlich, und dieser Hans von Bora
_kur_frstlicher Vasall (daher er eben dem _Kur_frsten
huldigt)--whrend doch Katharina aus Meien stammte und Unterthanin des
Herzogs Georg war. Dieser Hans v.B. auf Steinlausig starb auch ohne
Shne, so da sein Leben an Luthers Gevatter, Hans von Taubenheim, kam.
Steinlausig endlich war ein _Mnnerkloster_! (Emil Obst, "Muldenstein
und Steinlausig", Bitterfeld, Selbstverlag, 1895, S. 30-35). Vgl. Wezel,
S. 421.--Bemerkenswert ist, da um 1520 in Nimbschen eine Katharina von
Lausigk Bursarin war (Urkundenb. 166). Vielleicht suchte man Katharinas
Geburtsort auch darum in Stein-Lausig, weil die Gemahlin von Katharinas
Bruder Hans, Apollonia geb. von Marschall, verwitwete Seidewitz, aus
Jenitz stammte. So hieen fnf Orte, darunter der bedeutendste: die
Stadt Jenitz, nicht weit nrdlich von Steinlausig. Thatschlich ist
aber das Dorf Jenitz bei Dbeln ihre Heimat. Br. VI. 705.

[9] _Zulsdorf_. (Zlsdorf, Zllsdorf, Zlldorf, Zeilsdorf u.s.w.) "das
wste Dorf oder die Wstung Czollsstorff" (a. 1105: Zulnestorff),
burggrflich-leisnigsches Lehen, gehrte zur Pfarrei Kieritzsch.
_Nixdorf_: "Holzmark zw. Z. u. Kieritzsch". Archiv f. Schs. Gesch.
1864, S. 209. 97. Vgl. Br. VI, 705. Wezel 413.
[Transkriptions-Anmerkung: Die genaue Position des Verweises im Text
nicht markiert.]

[10] Beste 12.

[11] Br. VI, 649 f. V, 492. _Walch_, K.v.B. 23. 65. k.

[12] IV, 291. V, 106. 201. 411. 516. _Burkh._ Br. 303. 401. 423.

[13] _Seidemann_, Ztschr. f. histor. Th. 1860. S. 265-69.

[14] Urkundenbuch 318 ff. Sie war 1509 die 14. unter 43 Klosterfrauen,
gehrte also schon unter die Seniorinnen. Muhme bedeutet freilich nicht
blo Tante, sondern im allgemeinen soviel wie das sddeutsche Base
(sogar = Nichte); ebenso "Ohm" = "Vetter" (auch = Neffe). So nennt
Luther seine Nichte (Lene) "Muhme" (T.R. IV, 54) und Katharina ihren
Neffen (Florian) "Ohm". S.o.S. 239.

[15] _Schumanns_ Lexikon von Sachsen. Bd. 13, S. 671.

[16] Br. V, 64.

[17] _Richter_. 674, nobilis sed tum fere ad incitas redacta prosapia.
Br. VI, 649 f. IV, 291.

[18] _Lorenz_, Sachsengrn, 1861, 1, S. 82; Z.B. die 2 Schnfeld 3 Sch.
20 Gr., Ilse Kitschers 40 Gr., die 2 Zeschau je 4 fl. rh., Magd. v.
Staupitz 2 fl. Hirschfeld a.a.O. 127.

[19] Wiss. Beil. zur Leipz. Z. 1899, S. 35a Erasmus Epist. ed. Cler.
Tom. III pag. 790 indotata (ohne Aussteuer).--Vgl. Luthers Rede und
Gebet bei seiner Krankheit 1527. L.W XIX, S. 160 ff.--Das sog. Bild
Katharinas von Bora, das sie angeblich im reichen Brautstaat mit dicken
silbernen und goldenen Ketten zeigt (bei Fr. G. Hofmann, Katharina v.B.,
Leipzig 1845) stellt sie gar nicht vor, wie schon die gestickte Schrift
C A B an der Haube beweist, denn das heit nicht etwa C. a Bora.
_Seidemann_, Beitr. I, 92. Vgl. brigens das Siegel 266.


2. Im Kloster

Hierher bes. "Urkundenbuch". Ferner: "Sachsengrn" Kulturhist. Ztschr. I
S. 82; Br, Wissensch. Beil. der Leipz. Zeitung 1899, Nr. 9. Vgl. A.
_Thoma_, Gesch. des Klosters Frauenalb, Freiburg 1899.

[20] _Vierordt_, Gesch. der ev. Kirche im Groherz. Baden, Karlsruhe
1847, I. Bd. S. 30 ff. Frauenalb S. 18. Th. Murner, Schelmenzunft
(1512). "Kloster und Stifte sind berall gemeiner Edellt Spital".

[21] Frauenalb S. 31: "Da alle Klausur und geistlichen Leute erdacht und
gemacht sind, da sie unserm Herrn und Gott dienen und fr Tote und
Lebende und alle Gebresthafte Bitten fllen".

[22] Vgl. "Wie Gott einer Klosterjungfrau ausgeholfen", Walch, L.W. XIX
2095 ff. Diese Nonne Florentina von Oberweimar. "Da ich 24 Jahre alt
wurde, begann ich mein Gemt und meine Geschicklichkeit zu fhlen und
erkennen".

[23] Monachum aut paterna devotio aut propria professio facit. Decret II
part. c. 3. C. XX qu. 1. Vgl. Kstlin I 592, Frauenalb 19.

[24] Florentina a.a.O.: "Von meinen Eltern, welche geistlichen Stand
fr gut und selig angesehen, durch Bitt und Anregung meiner Muhme, der
Domina (Aebtissin) zu Eisleben, wurde ich in das Jungfrauenkloster
daselbst gegeben."

[25] Frauenalb 19.--Ave Grossin wurde in Nimbschen als Kind
angenommen--(Sachsengrn 81). Florentina, welche mit dem 6. Jahr ins
Kloster kam, erzhlt. "Da ich 11 Jahre, bin ich durch Angeben der Domina
(Aebtissin) ohne alles Befragen (und wenn ich gleich wohl befragt, htte
ich keinen Verstand gehabt) also unwissend eingesegnet".

[26] Br. II, 323. 319.

[27] Br. II, 331 (lies invito dicatis). 324.

[28] Urkundenbuch 319 ff. Die Nonnen pflegten nicht nach dem
Lebensalter, sondern nach dem Eintrittsjahr aufgezhlt zu werden.
(Frauenalb 42 f.)

[29] _Seckendorf I_, 274. _Engelhard_, Lucifer Wittenbergensis v.d.
Morgenstern v.W., d.i. vollstnd. Lebenslauff der Cath. v.B., des
vermeynten Ehe-Weibs D.M.L. Landsperg, 1747. I, 27.

[30] _Nimbschen_. Der Name lautet: Nimetzsch, Nimtsch(en), Nympschen,
Nimptschen. Br a.a.O.--"Gestiftet zur Ehre und zum Dienste Gottes und
seiner geheiligten jungfrulichen Mutter".--Das Amt und Kloster fiel bei
der Teilung 1485 an das Kurfrstentum. Sachsengrn, I, 82.

[31] Zu S. 8 ff. Vgl. Thoma, Frauenalb 77 ff. Zu S. 9-12 s. Urkundenbuch
319 ff. Br, 35a.

[32] Urkundenbuch 337. Zum damaligen Geldwert: l Schock = 60 Groschen.
20 Gr. = 1 fl. 14 gute Schock = 40 fl.--Damals kostete 1 Huhn 1/2 Gr.; 1
Schock (60) Eier 1 Gr.; 1 Scheffel Weizen 7 Gr.; ein Scheffel Hafer 3
Gr. Urkb. S. 376.

[33] Amsdorfs Brief an Spalatin vom 11. April 1523. "Ordinis B.
Bernardi".

[34] Im Freiberger Kloster gingen durch das Fenster am Chor Sachen (bes.
Schriften) aus und ein. (Seidemann 128).--canes (statt canas?) vetulas.

[35] cum pueris heit es. Sollten die Knaben der Aebtissin (S. 11)
gemeint sein?

[36] Ueber die Feierlichkeiten s. Frauenalb S. 23-25.

[37] Urkundenbuch S. 166. Frauenalb 22.

[38] Metze = Magda(lena).

[39] Margarete hatte (1497) von ihrem Vater Hans v. Haubitz samt ihrer
Tante als Leibgeding 64 Groschen Geld, 9 Hhner, 30 Eier und ein
Hofichen Butter vom Vorwerk Haubitz verschrieben. (Urkb. zu 1497).

[40] Als das Stift evangelisch geworden war. _Gromann_, Die
Visitations-Akten der Dices Grimma I.H. Leipzig 1873, S. 181.

[41] S. _Seidemann_, Kollektaneen auf der Dresdener Hofbibliothek II
unter "Bora". Zu S. 13-15 Urkundenb. 319 f.

[42] _Cordatus_ Nr. 954.

[43] Urkb. 303: 1504 nahm das Kloster "zur Anhebung der hl. Reformation"
Geld auf. 324: "Obgleich noch viel zur Reformation gehrt."

[44] Die stndige Eingangsformel eines Antwortschreibens lautet: Euern
Brief habe ich erhalten und verstanden.

[45] In der Zeit, da das Kloster evangelisch geworden war, wurde den
Schreibverstndigen unter den Klosterfrauen aufgegeben, die jungen
wenigstens, die es noch nicht konnten, schreiben zu lehren. _Dr.
Gromann a.a.O._ S. 80.

[46] Sachsengrn, 81, Urkb. 319, 323. Altes Gesangbuch 290.

[47] _Seidemann_, Kollekt. Pars II unter "Bora".

[48] Florentina bei Walch XIX 2095 ff.

[49] Florentina. Walch a.a.O.

[50] Br a.a.O. Anderwrts waren die Spenden bei der Einsegnung
tarifmig festgesetzt und sehr betrchtlich; z.B. im Kloster Hausdorf
erhielt der Propst allein 32 Gr. und 1 Fingerlin (Ring), die Priorin und
Kellnerin je einen Schleier, 15 Gr., 4 Stck Fleisch, 1-1/2 Stbchen
Bier und ein St. Wein, und alle Beamte und Bedienstete bis zum
Blasbalgtreter, Luter und Fensterknecht, sowie jegliche Jungfer, ihren
ganzen oder halben Solidus. _Mitzschke_, N. Archiv fr Schs Gesch. XIX,
347.

[51] T.-R. II 233. "Wider Willen geweiht": Br. II 330, lies: invito
dic(a)tis "Hitzig", T.-R. II, 233, vgl. Urkb. 324: "in Gottesliebe
hitzig".

[52] Frauenalb. 31. Urkb. 324.

[53] T.-R. III 230, II 124. 235 sagt Luther: "Es war eine lautere
Stockmeisterei und Marter der Gewissen im Beten. Da war nur ein
Geplapper und Gewsch von vielen Worten; kein Gebet, sondern nur ein
Werk des Gehorsams."

[54] Da Katharina, wie seltsamerweise die katholischen Schriftsteller
bis auf Evers hartnckig behaupten (vgl. S. 262, Z. 27), Aebtissin
gewesen sei, wird schon durch die Thatsache widerlegt, da Margarete von
Haubitz von 1509 bis zur Aufhebung des Klosters Vorsteherin war.

[55] Von den Nonnenklstern stammen die zahllosen Paramentstcke der
mittelalterlichen Gotteshuser. So hatte die Wittenberger Stiftskirche
32 Teppiche, 18 Fahnen, 12 Samtdecken, 138 seidene Vorhnge und 221
Megewnder! _G. Stier_, Denkwrdigkeiten Wittenbergs, S. 10.

[56] Urkb. 316-319.

[57] Ebenda.--Vgl. _Myconius_, Summarium der Ref.-Geschichte 4:
"Vielfeiern: Tag und Nacht singen, plrren, murmeln".

[58] Sachsengrn, I, S. 82.--Der Bischof von Merseburg (Adolf, Frst von
Anhalt) kam am 28. April 1524 zur Visitation nach Grimma mit 40 Pferden
und sechs Geistlichen. _Frstemann_, Neues Urkundenbuch, Hamburg 1842,
S. 97.

[59] 1. Jan. 1291. 7. Okt. 1296; s. Urkb. 226.

[60] 23. Aug. 1311. Urkb. S. 221. 337.

[61] Weimarer Archiv, Rechnungen von 1517, 1519, 1530. _Seidemann_,
Kollekt. II. Vgl. _Grulich_, Denkw., S. 27. Urkb. 315.

[62] Urkb. 322 ff.

[63] Urkb. 334. Sachsengrn I, 82. Urkb. 303, 307. 313: Beschwerden ber
die Mnche: "Alle Diener (Beamte), die vom Frsten dahingesetzt, worber
die Aebtissin und Sammlung hlt, werden von den Mnchen verfolgt. Sie
wollen auch die neue Abtissin entsetzen wie die alte, aus Neid."

[64] Urkb. 328. Der Vorsteher hie Matthias Heuthlin.

[65] Urkb. 329. 337 f.

[66] Urkb. 344. "Mutter Khnen wartet auf die kranken Jungfrauen." So
beklagten sich die Nonnen in Freiberg, da ihnen keine Liebesdienste,
wie Krankenpflege und dgl. verstattet sei. Urkundenb. 325: Die Aebtissin
ermahnt die Nonnen, den Statuten nachzufolgen, "da ihr also durch
dieselben geistlich lebet, auf da ihr aufs letzte das Verdienst der
guten Werke ("Uebungen") und Vergeltung eurer Arbeit mit dem ewigen
Leben mget erlangen."


3. Die Flucht aus dem Kloster.

[67] L.W. XIX, S. 1797-2155.

[68] T.-R. II 124, S. oben S. 18, 2. [Transkriptions-Anmerkung: Die
genaue Position des Verweises im Text nicht markiert.]

[69] _Matthesius_ 31, wonach auch der Inhalt des Bchleins angegeben
ist. Vgl. _Seidemann_, Erluterungen zur Ref.-Gesch. 113.

[70] _Grulich_, Denkw. v.T., S. 28. S. unten S. 32.

[71] S.o.S. 21. _Walch_, Leben der sel. Kath. v. Bora 64 f.

[72] Florentina a.a.O.

[73] Vgl. Ztschr. f.d. Gesch. d. Oberrheins, 1899, H. 1. S.o.S. 28 und
S. 32.

[74] Br. III 321, 322.--1534, als Luther allerlei Erfahrungen in dieser
Hinsicht gemacht hatte, mute er die austrittlustigen Nonnen auf diese
Schwierigkeiten aufmerksam machen. Br. II, 322, IV, 580, 583.

[75] Br. II, 322. 327.

[76] Br. II, 323.--"Kinder" = freigeborne Shne und Tchter (liberi);
vgl. Frauenalb 18. Damit sind Seidemanns (Erluterungen zur Ref.-Gesch.,
Dresden 1844, S. 109) Bedenken ber die "Sammlung (Konvent) von Kindern"
in Freiberg erledigt.

[77] Br. II, 320. Luthers Auslegung von I. Cor., 7. _Walch_ XII, 287
f.--So enthielt der Ave Schnfeld ihr Bruder nach ihrem Austritt ihr
Erbe vor, indem er sich auf das ppstliche (kanonische) Recht berief.
Br. III, 289 f.

[78] _E. Wezel_, Kath. v.B. Geburtsort, Wiss. Beil. z. Leipz. Z., 1883,
Nr. 71, S. 423 f.--Br. II, 323.

[79] Vergleichen kann man mit den Nimbschener Zustnden diejenigen im
Kloster Freiberg. Hier vermittelte die Herzogin Heinrich (Enkelin des
Bhmenknigs Georg Podiebrad) die Schriften Luthers. Die Schriften kamen
auch durch den Klosterprediger, den Balbierer Meister Philipp ins
Kloster, wurden abgeschrieben u.s.w. Bei einer Visitation vergrub die
Herzogin Ursula einen ganzen Sack voll lutherischer Bchlein ins Korn.
Beim Salva Regina sangen die Lutherischen andere Wrter.--Viele,
darunter Katharina von Mergenthal, die Herzogin von Mnsterberg "waren
rege und wollten springen; die Heerfhrerin drohte immer mit Auslaufen"
(Seidemann, 120). Unter den 77 Freiberger Nonnen waren ein gut Drittel
(besonders die jungen) lutherisch, ein anderes Drittel altglubig, das
dritte Drittel "wie der Wind geht". Die einen hielten die andern fr
"bnnisch". Die Priorin war lutherisch und half zur Flucht. N. Archiv f.
Schs. Gesch. III, 290-320, _Seidemann_, Erl. zur Ref.-Gesch., Dr. 1844,
S. 109 ff.

[80] Br. II 323.

[81] III, 9.

[82] II, 323.

[83] II, 323.

[84] II, 327.

[85] Br. II, 321, 322 f.--Auch Luther dachte an Todesgefahr: "ob's auch
das Leben kosten mte". Um diese Zeit, vor oder nach Ostern 1523 wurde
Heinrich Kelner, welcher eine Nonne aus Kloster Sornzig entfhrt hatte,
durch Herzog Georg zu Dresden gekpft, gespiet und an den Galgen
gesteckt. S. 36. Und als um Fastnacht (4. Mrz 1524(?)) zu Torgau 16
Brger das Barferkloster strmten, erregte das den grten Unwillen
des Kurfrsten Friedrich, zumal damals gerade kaiserliche Gesandte sich
in Torgau aufhielten, um ber die Religions-Angelegenheiten zu
verhandeln. Der Kurfrst wollte den 16 an das Leben, so da sie Frau
und Kinder in Stich lassen muten und flchtig wurden; ein Glck, da
Kurfrst Friedrich bald starb und sein Bruder Johann milder gegen die
Verjagten gestimmt war.

[86] _Hofmann_, S. 8 f., Torgauische Denkwrdigkeiten 1749, S. 38;
_Grulich_, Denkwrdigkeiten Torgaus, Torgau 1855, 2. Aufl. S. 24 f. M.
Sam. _Schneider_, Neue Beitrge 1758. "Im Jahre spter strmte Koppe mit
anderm Pbelvolk das Mnchskloster."--Der Klosterstrmer war aber
wahrscheinlich der gleichnamige Neffe des alten Koppe; auf den Neffen
pat das Herumtreiben mit jungen Edelleuten whrend der Flucht. Der
junge Koppe konnte auch verwandt mit Kunz von Kaufungen sein.--Der
Klostersturm war auch wahrscheinlich 1525 nicht 1524, sonst wrde sich
nicht reimen, da der Kurfrst bald starb. Auch ist 1525 das Jahr der
Bauernunruhen, wo sich eine solche aufgeregte That eher erklrt. Noch
weniger kann es 1523 sein; denn sonst htte Koppe, sei's der ltere oder
jngere, nicht nach Torgau sich wagen drfen.

[87] Hofmann, S. 9 f.

[88] Die verschiedenen Berichte ber die Flucht s. bei _Walch_ 64,
_Hofmann_ 11, _Seidemann_, Ztschr. f. histor. Th. 1860, S. 475.
Lutherbr. 14. _Br_ 36. Von Heringstonnen berichtet _Arnold_,
Kirchen-und Ketzerhistorie II, 513. Vgl. _Beste_ 17 f. Die oft erwhnte
Florentina entkam ohne weiteres, als ihre Hterin ihre Zelle zu
schlieen versumte und die andern Nonnen im Schlafhaus waren. Die
Herzogin Ursula von Mnsterberg entwich durch die schlecht verwahrte
Hintertr im Garten (N. Archiv fr Schs. Gesch. III, 304, Seidemann 118
f.); auch in Nimbschen war die hintere Pforte schlecht verwahrt.
(Urkundenbuch 324). Die mndliche Sage in der Umgegend erzhlt, es
htten sich alle neun Nonnen durch das Fenster in der Zelle Katharinas
herabgelassen; auch habe diese bei der Flucht ihren Pantoffel verloren.
Das Fenster wird an den heutigen Ruinen (des Refektoriums?) noch gezeigt
und lange Zeit sangen die Zglinge der Landesschule zu Grimma, an welche
das Kloster mit seinen Einknften bergegangen ist, dort bei Ausflgen
lateinische und deutsche Hymnen. Das Fenster aber hat schwerlich zu
einer Zelle gehrt. Ebenso wird noch in Nimbschen der Pantoffel
gewiesen, der aber ist ein Machwerk des vorigen Jahrhunderts.

[89] _Menken_ Annal. a. 1523. Script. rer. Sax. 571: singulari consilio
et calliditate. Facinus plane audacissimum. Asus est ex monasterio clam
abducere. Br. II, 319; satis mirabile evaserunt.

[90] Br. II, 318; vom 8. April ex captivitate accepi heri ex Nimpschen 9
moriales.

[91] _Grulich_. Denkwrdigkeiten S. 29. "Auch Zwilling war bei der Hand
und fhrte den Zug der Nonnen an".

[92] Br. II, 319. vulgus miserabile. Kolde Ann. Luth. 443.

[93] Anspielung auf 1. Petri 3, 19 und Ephes. 4, 8, wonach Christus am
Karsamstag zu den Geistern ins Gefngnis hinabstieg und die armen Seelen
befreite, wie das auf mittelalterlichen Bildern mit so groer Vorliebe
dargestellt wird.

[94] Br. II, 321. "Euer Audi" lt Luther auch in der Einladung zur
Hochzeit gren III, 9.

[95] Der offene Brief an Koppe Br. II, 321-7.

[96] _Burkhardt_, 56. 109. _Lorenz_: die Stadt Grimma, 1112 f.
_Lauterbach_ 163 f.

[97] Dr. _Br_ 36. _Lauterbach_ 163 f. _Seckendorf_ I 272: Elcetor
dissimulavit factum. Die Aebtissin schrieb schon vorher an den
Kurfrsten.

[98] _Seidemann_, Beitr. zur Ref.-Gesch. I, Dresden 1846, S. 60.
_Lorenz_ 1108 f. Urkundenbuch 340. _Gromann_, Visitationsakten der
Dices Grimma I, L. 1873 S. 78 ff. 181.

[99] _Hofmann_ 14. _Seidemann_, Beitr. I, 92.

[100] Br. II, 354. III, 9. 32. 33.


4. Eingewhnung ins weltliche Leben.

[101] II, 323. 319.

[102] II, 319 f. _Kolde_, Ann. L. 443.

[103] Br. II, 334. 433. 473. 584. 330.

[104] Br. IV, 580.

[105] Br. III, 170. 229 f. 236. Schnfeld, T.-R. IV, 50. Burkh. 193.

[106] Reichenbach stammte aus Zwickau und studierte in Wittenberg
1510-11. 1525 nahm er sein Haus in Lehen, 1530 wird er Brgermeister,
1541 heiratete seine Tochter, 1543 starb er. (_Buchwald_ 74 f. 173).
_Consil. Theol. Witt._ IV, 19. _Hofmann_ 13 f. Reichenbachs Haus ist
brigens nur in dem hundert Jahre spter erschienenen Werk der _Consil.
Theol. Witteb._ als Katharinas Zufluchtsort genannt. Bei allen
gleichzeitigen Quellen kommt es nicht vor; auch in allen Berichten ber
die Trauung und Hochzeit wird das Ehepaar nicht erwhnt und von irgend
welcher Beziehung des Lutherschen Hauses mir der Familie Reichenbach
findet sich keine Spur. Er gehrte allerdings in den Freundeskreis
Dietrichs und Baumgartners. Dietrich meldet diesem am 29. Jan. 1535 die
Vermhlung von Reichenbachs Schwester mit dem Nrnberger Strauch.
(Ztschr. f. hist. Th. 1874 S. 546 f.) Dagegen weisen andere Anzeichen
darauf hin, da Kthe vielmehr in dem _Kranach_schen Hause gelebt habe;
der Knig Christian, welcher im Oktober 1523 dort wohnte, verehrte der
Jungfrau Kthe einen Ring: das kann doch nur fr Dienste geschehen sein,
die sie im Kranachschen Hause that. Ferner ist bei der Trauung Luthers
als einzige Frau die Kranachin zugeben. Endlich steht Luther, wie Kthe,
mit den beiden Eheleuten, seinen Gevattern, auch in spteren Jahren noch
in reger Beziehung, whrend nirgendswo von einem Verkehr mit dem
Reichenbachschen Ehepaar im Leben Katharinas geredet wird. Ich mchte
daher vermuten, da Kthe nur kurze Zeit im Reichenbachschen Hause
untergebracht wurde, dagegen im brigen in dem sehr umfangreichen und
wohlhabenden Hause der Kranach als Sttze der Hausfrau Verwendung
gefunden. Bei Kranach konnte auch Ave von Schnfeld untergebracht sein,
weil ihr spterer Gatte Lic. Basilius Axt in Kranachs Apotheke
beschftigt war. In dem Brief, worin Luther den Medicus Basilius Axt
empfiehlt, wird von diesem gesagt, er sei Apotheker bei Kranach gewesen
und seine Gattin (Ave von Schnfeld) eine Mitschwester von Luthers Frau.
(B. III, 292 vgl. 291).

[107] _Beste_ 20. _Hofmann_ 13, 26.

[Transkriptions-Anmerkung: Zur folgenden Bemerkung gibt es keinen
Verweis im Text.]

_Seidemann_, Ztschr. f. hist. Th. 1874. S. 533 ff.

[108] Consil Witt. IV, p. 19.

[109] Br. II, 325.

[110] Br. II, 553. W.L.W. XXI, 916. Beste 22, 2.

[111] Ztschr. f. hist. Th. 1874. S. 544-58. Br. II, 553.

[112] Corp. Ref. I, 1114. Br. III, 532, wo Luther und Melanchthon an Abt
Friedrich fr eine Wittenbergerin frsprechen, welche ein junger
Nrnberger heiraten will.

[113] _Abr. Scultetus_ Ann. ad. ev. renov. ad a. 1525. p. 80.
_Seckendorf_ II, 17. _Walch_ 92-96. _Beste_ 23 f.

[114] "Meine Kthe hatte ich damals nicht lieb, denn ich hielt sie
verdchtig, als wre sie stolz und hoffrtig." T.-R. IV, 50.


5. Katharinas Heirat.

[115] Ostern 1525. Br. II, 643. 646.--Vgl. T.-R. IV, 132.

[116] _Schadow_, Wittenberger Denkwrdigkeiten, W. 1825, S. 61.

[117] Hochmeister: Br. II, 673 f. 678. Spalatin: II, 643. _Seckendorf_
II, 274.

[118] T.-R. IV, 145: "Die kaiserlichen Rechte sagen: Wer eine Nonne
nimmt, der habe das Leben verloren und das Schwert verdient".

[119] Br.: II, 35. 40. 49. 102 f. 583. 637.

[120] _Cordatus_ 1509. Argula. Br. II, 570. 646. W. XXI, 931.

[121] _Lingke_, D.M.L. Reisegeschichte, L. 1769, S. 157. Luther war vom
16. April bis 6. Mai auf der Reise. Br. II, 643.--Anfangs Mrz bat
Luther Amsdorf, zu ihm zu kommen, um ihm in seinen Anfechtungen ein
Trost zu sein. Br. II, 634.

[122] W. XX, 1685. X, 861. _Seckendorf_ II, 17, I, 274. _Scultetus_ p.
80. 274. Br. II, 643. 655. 678, III, 1. 3. 13. 21. 32. Consil. Theol.
Witteb. IV, 19. _Lingke_ 151-3.--"Es ist der Welt Gott der Teufel (der
ja selbst ein Hagestolz ist), der Versptter jeder Gott geflligen
Gattenliebe und jedes ehrsamen Familienlebens, der den Ehestand so
verleumdet und schmhlich gemacht hat" (W. X, 806). "Wer dem Ehestand
zuwider ist und redet bel davon, der ist gewi vom Teufel." (Matthes.
138.) Erasmus spttelte, Luther erlaube andern, was er selber nicht
wage. _Schlegel_, Vita Spalatini, 211. 214.--T.-R. IV, 36.

[123] W. X, 962. Erasmi Opera ed Cler. III, 1 ep. 80. Br. III, 21. So
schreibt L. 1526 bei der Taufe seines Erstgebornen. "Ich scheu des
Prangens, als wollt ich mich mit einem Mnchs- und Nonnen-Kinde
herfrthun" (III, 113).--Nonne trotz kaiserl. Rechte: T.-R. IV, 145.

[124] Die Schnheit Katharinas behauptet u.a. Erasmus III, 1 ep. 730.
"Ein Mgdlein von feiner Gestalt". "Eine schne Frau": IV, 553. "Nicht
in Leidenschaft entbrannt": III, 9. Reim: Seidemann in Schnorrs Archiv
IX, S. 3. Ueber schne Frauen, T.-R. IV, 40.

[125] II, 646. Diese 2 Frauen waren wohl 1. die Ave von Schnfeld, von
welcher L. 1536 sagt: "Wenn ich vor 13 Jahren htte freien wollen, so
htte ich Eva Schnfeldin genommen, die jetzt der D. Basilius, der
Medicus, in Preuen hat" (T.-R. IV, 50); und 2. "jene Alemannin, meine
Verlobte", von welcher im Januar 1526 das Gercht ging, Amsdorf habe sie
geheiratet. Br. III, 77. Salus (=Ave) Allemanna, vgl. die vier Brder
Alemann III, 418. Man deutet aber diese Aeuerung L. drei "Frauen" auch
allegorisch auf die drei Mnchsgelbde (_Beste_ 31) u.a.

[126] II, 655. Luther war am 19., 28., 29. April in Eisleben.

[127] Die ble Nachrede (III, 2 infamantibus me cum Catharina Borana)
war vielleicht die Lge von einem frhzeitigen unerlaubten Umgang der
beiden Brautleute, welche auch Melanchthon in seinem bekannten
vertrauten Brief an Camerarius zurckweist. S. 58. Luther war wegen der
an sich selbst erfahrenen und auch sonst wahrnehmbaren Verleumdung
Verlobter gegen lange Verlobungszeit. T.-R. IV, 41, Br. III, 1-3, 9-12.

[128] T.-R. IV, 73. Cord. 1511.

[129] Luthers Augen beschreibt Melanchthon (Ztschr. f. K.-G. IV, 326)
als braun mit einem gelben Ring darum: der Ausdruck habe den
kampflustigen Blick des Lwen.--Ueber Luthers Aeuere vgl.
Kchenmeister, L.'s Krankheitsgeschichte, 42. 116. Bei dem Besuch bei
Kardinal Bergerins (s.o.S. 115) trug, wie dieser bemerkte und
aufschrieb, Luther ein Wams aus dunklem Kamelot, die Aermel mit Atlas
eingefat, darber einen kurzen Rock von Sersche mit Fuchspelz
gefttert, an den Fingern mehrere Ringe, um den Hals eine schwere
goldene Kette. Luther wollte damals dem Kardinal imponieren und recht
jung aussehen, um ihn zu rgern; er meinte, so msse man mit Fchsen und
Schlangen handeln.

[130] T.-R. IV, 38.

[131] _Kawerau_, der Briefwechsel des J. Jonas, Halle 1884/5, I, S. 94.

[132] "Herkmml. Bruche": im Briefe Mel. an Camer. (ed. _W. Meyer_,
Mnchen, Akadem. Buchdr., 1876, S. 6 f. Vgl. _Kstlin_ I, 768 f., 817
f.--T.-R. IV, 72: L. fhrt nach dem Nachtessen die Braut zum Bette.
S.u.S. 121 f.

[133] Die Trauform in Luthers Traubchlein (1529), welche sich wohl dem
herkmmlichen Gebrauch anlehnt, ist folgende: Vor der Kirche geschieht
die Trauung durch einen Weltlichen oder Geistlichen. Da wird "Hans und
Grete" gefragt: Willst Du den oder die zum ehelichen Gemahl haben? Auf
das Ja! wechseln sie Trauringe; der Trauende fgt die Hnde zusammen und
spricht: "Was Gott zusammengefgt hat, soll der Mensch nicht scheiden."
Und: "Weil denn Hans N. und Grete N. einander zur Ehe begehren und
solches hier ffentlich vor Gott und der Welt bekennen, daraufhin sich
die Hnde und Trauringe gegeben haben, so spreche ich sie ehelich
zusammen im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes."
Darauf folgt in der Kirche Gebet und Segen. Spter wurde in Wittenberg
die Trauung in der Kirche blich. Kstlin II, 642, 63. Vgl. T.-R. IV,
53. "Da verlachet D. Philipp hhnisch, wenn wir Braut und Brutigam in
der Kirche ffentlich zusammengeben, gleich als drfte man nicht beten
zu solchen Sachen."

[134] _Kawerau_, Jonas' Briefw. a.a.O.--"Gelbnis" Wittenb.
Stadtrechnung. Vgl. V, 196: sponsalia confimare.

[135] _Hofmann_ 47.

[136] W. X, 855 f. 967 f. III 2, 567 f. 2565. Bugenhagen an Spalatin.
Luther fordert im "Traubchlein", die Ehe als ffentlicher Stand solle
auch ffentlich vor der Gemeinde vollzogen werden, vor oder in der
Kirche, wie es die Brautleute begehren.--Auch _Matthes._ redet
von einem ffentlichen Kirchgang Luthers, desgl. Consil. Theol.
Witteb.--Bezeichnungen fr die Hochzeit bei _Schild_, Denkwrdigkeiten
Wittenbergs, W. 1892, S. 25. Luther hielt--gegenber Melanchthon--sehr
auf die herkmmlichen kirchlichen Bruche bei der Hochzeit. T.-R. IV.
72. Als Wittenberger Brauch der Heimfhrung wird (_Buchwald_, Zur
Wittenberger Stadt- und Universitts-Gesch. 35) erzhlt: "Rhrer fhrte
seine Braut nach der Hochzeit im Hause Dr. Beiers in unser Haus mit
feierlichem Geleite der Frauen." Vgl. M.H. Gottl. _Kreuler_, Denkmler
der Ref., L. 1817, S. 29. "Die kleine Gesellschaft brachte das Brautpaar
heim."

[137] Hochzeitsbriefe III, 1. 3. 9. 11-14.

[138] Hochzeitsgeschenke, Hofmann, 52 f.

[139] Siehe bei _Hofmann_ das Titelbild. _Seidemann_, Beitr. zur
Ref.-Gesch. I, 92.


6. Das erste Jahr von Katharinas Ehestand.


Br. II, 582, III, 32.

[140] "Schwarzes Kloster" d.h. Kloster der schwarzgekleideten Augustiner
im Gegensatz zu dem unteren "grauen Kloster", dem Sitz der grauen
"Minderbrder".--Studierstube, Br. II, 543, T.-R. IV, 476. Ausrstung,
Br. III, 472 f. Winterzimmer, III, 221. Bilder: Der Karlstadtianer
Ickelsamer ("Klag etlicher Brder") rgt, "Luther wolle bei sich gemalte
gtzische Bilder haben." T.-R. I, 137: "Gemlde an der Wand. Das
Kindlein Jesus schlft in seiner Mutter Arm". S. 311. "Da D.M.
das Kindlein Jesus gemalt im Schoe der reinen Jungfrauen
ansahe".--_Seidemann_, Grundbesitz 496. Die gesamte jetzige Einrichtung
des Lutherzimmers ist nicht echt, namentlich Tisch und Ofen aus spterer
Zeit. Ueber das Lutherhaus s. H. Stein, Geschichte des Lutherhauses,
Wittenberg 1883. Das Lutherstblein war aber nicht im Turm, sondern ist
das vorhandene.--S. Seite 74 f. und Anmerkung dazu. S. 285.

[141] In dem Krankheitsbericht des Jonas von 1527 speist die Familie,
scheint es, im untern Stock und Luther geht von da in das Schlafzimmer
hinauf.

[142] _Seidemann_, Grundbes. 484. S. 8. Kapitel und [239].

[143] _Frstemann_, N. Mitteilungen a.d. Gebiete hist.-antiq.
Forschungen III, S. 113: "1 Schwbisch, Frau katharin Doctoris Martinj
Ehelichen Weyb zeum Newen Jhare geschenckt."--Consil. Theol. Witteb.,
Frankf. 1664, S. 19: "1 Sch. 8 Gr. 3 Heller vor ein Schwebisch _Haub_
Frau Katharinen, Doctoris Martini Ehelichem Weibe zum Neuen Jahre
geschenckt." Hofmann 52 meint: Ein Stck oder Schock schwbische
Leinwand. Kasten V, 162. Gerte VI, 325 f.

[144] III, 18. "Ich bin an Kethen gebunden und gefangen und liege auf
der Bore (Bahre) scilicet mortuus mundo. Salutat tuam Catenam mea
Catena. III, 9: "Ich bin meiner Metzen (Meid = Jungfrau) in die Zpfe
geflochten". S. oben [38].

[145] T.-R. IV, 41.

[146] Im Studierstblein Bcher auf Bnken und Fenstern, 111,
472.--Hochmeister Cord. 1510. Vielleicht aber meinte Kthe den
Markgrafen Georg von Ansbach.--Brief ber Erasmus 111, 212.

[147] Cord. 38. T.-R. II, 208, IV, 121, vgl. 78: "Die Weiber sind von
Natur beredt und knnen die Rhetorikam, die Redekunst wohl, welche doch
die Mnner mit groem Flei lernen und berkommen mssen."

[148] Garten und Brunnen III, 117. _Schild_ a.a.O. Birnbaum, T.-R. II,
369.

[149] Das als Titelbild diesem Buch vorgesetzte Bild weicht bedeutend
von dem im Text geschilderten ab.

[150] T.-R. IV, 114.

[151] Luther nennt es selbst "meine abenteuerlich Geschrei".

[152] Br. III, 10. Camerarius. Narratio de Vita Mel., L. 1723, p. 103,
CXXX.

[153] C.R. I, 754, Melanchthon. Camerarius p. 103 f. Vgl. _Hausrath_,
Kleine Schriften, L. 1883, S. 253 f.

[154] III, 3.

[155] Quellensammlung frnk. Gesch., Bamberg 1853, IV p. LXII. Beste
103-6.

[156] Erasmi Opp. ed. Clerie. III 1. ep. 781. 790. 900.

[157] _Seidemann_ 555.

[Transkriptions-Anmerkung: Zur folgenden Bemerkung gibt es keinen
Verweis im Text.]

Schmhschriften. _Hofmann_ 190 ff.

[158] W. XIV, 1335 f. Br. III, 299. 365.

[159] S.o.S. 36. Br. III, 9. 32. 49. _Hofmann_ 77. _Ratzeberger_ 69 ff.

[160] III, 94 f.

[161] III, 125: Mihi morigera et in omnibus obsequens est et commoda
plus quam sperarem.

[162] Mel. griech. Brief an Camerar. Vgl. _Hausrath_ 254. T.-R. IV, 304.

[163] Br. III, 55. 58. 32. 49. _Seckendorf_ II, 81.

[164] III, 9.

[165] L.W. "Das Pabstum mit seinen Gliedern gemalet".

7. Katharina als Mutter ihrer Kinder und Hausgenossen.

[166] Der Gevatterbrief an Kanzler Mller lautet. "Gerne tht ich's, da
ich m. gn. Herrn (d.i. wohl der Graf von Mansfeld) zu Gevatter bte:
aber ich scheu des Prangens, das man mir wrde zumessen, als der ich
mich mit einem Mnchen- und Nonnenkinde wollt herfrthun und groe
Herren zu Gevatter bitten. Darum will ich hieneiden bleiben und bitte
Euch, sich des Kindes annehmen und geistlicher Vater mit sein, da es
zum Christen mchte geboren werden." Br. III 113. T.-R. III 144. Br. III
115 f. 125. 128.

[167] III, 173. 213. 264. Kolde, An. L. 97. Natrlich sugte Katharina
ihre Kinder selber. T.-R. II, 165.

[168] III, 364. T.-R. I, 44. 199. Cord. 639.

[169] _Kawerau_, Briefw. des J. Jonas, Halle 1884, I, 116. Beste 74. Br.
III, 246. 364 f. 376. 390.

[170] III, 448.--Es war am Himmelfahrtsabend.

[171] III, 447 f. T.-R. II, 274.

[172] Mayer p. 40. Veit Dietrich 19. Juni an Kthe.

[173] T.-R. I, 205 f.

[174] Beste 77 f. Br. IV, 313. 320. 414. T.-R. I, 118. 200. IV, 131.

[175] Br. IV, 419.

[176] _Hofmann_ 156 f. Vgl. T.-R. IV, 515. 525.

[177] Br. IV, 436. Hofmann 156-88.

[178] IV, 436 f.

[179] _Mayer_  22. _Cord._ 1235.

[180] IV, 574. 623. V, 129. 163. VI, 153.

[181] T.-R. I, 118. 178. 181. 198 ff. 211. Br. III, 123. IV, 343.

[182] T.-R. I, 26. 213. Ratzeberger 60. Rietschel L. und sein Haus.
Halle 1888. S. 45. ("Der Kleider und des Baretts springen"--Sack- oder
Hosenlaufen und Barlauf?) Jost Br. IV, 7. Jost und Lippus; 41.

[183] T.-R. I, 13. _Matthesius_ 145a. Br. IV, 41 f. 343. V, 163.
_Ratzeberger_ 59.

[184] T.-R. I, 294. 212. 185. 178. Cord. 732. _Weilinger_ in seiner
Schmhschrift "Fri Vogel oder stirb" (Straburg, 1726, S. 78) hat ein
Familienbild: D. Luther, die Frau Kth und liebe Jugendt; darauf stehen
in einer Gruppe das Ehepaar, an den Vater angeschmiegt "Hnchen", dann
dem Alter nach "Lisel", als erwachsenes Mdchen (obwohl sie mit einem
halben Jahr gestorben ist.), "Lenchen, Martin, Paulus, Gretel"; in der
Thr steht ein lterer Knabe mit der Schrift. "Ich hei
Andrsel".--Dies Bild hat mit Weglassung von Elisabeth ein Straburger
Maler etwas veredelt nachgebildet und diese Nachbildung ist in der
"Niederlage Christlicher Schriften" in Straburg als Photographie
erschienen und in G. Buchwalds D.M.L. deutsche Briefe (L. Bernh. Richter
1899) reproduziert.--Vielleicht ist das Weilingersche Bild unter
schmhschtigem Hinzuthun des "Andrsel" einem lteren Original
nachgebildet; die Tracht der Kinder weist zum Teil auf die Wende des 16.
Jahrhunderts. Bei Luther, Kthe und Lenchen hatte der Zeichner offenbar
die bekannten Originale vor Augen.

[185] Muhme Lene. Magdalena von Bora fehlt in dem Nimbschener
Personenverzeichnis von 1525/6. Von 1520-25 fehlt ein solches. IV, 44 f.
Vgl. T.-R. I, 200.

[186] T.-R. III, 153. Br. IV, 42. 132. 343.

[187] _Lauterbach_ 2. 141 f. 164 f. Cyriak Br. III, 550. IV, 8. 15. 121.
139. VI, 123.

[188] Lies. gleichzeitig, statt "frhzeitig". Von dem Adoptivsohn
_Andreas_ schreiben sich die katholischen Verleumdungen des Lutherschen
Ehepaares her, da er als "Sohn" bald nach der Hochzeit geboren sei.
(Vgl. oben S. 58). Ueber diese Verleumdung vgl. Lauterbach V und 141
Anm. desgl. _Lutherophilus_, "Das 6. Gebot und Luthers Leben." Halle,
1893.

Fabian hatte in der "Specke" ein Abenteuer mit einigen Schlangen, das er
daheim natrlich gehrig bertrieben erzhlte: als er dahin spazierte
und sich darin schlafen legen wollte, trat er auf ein Nest voll
Schlangen, die ber einen Haufen lagen; die Tiere zischten ihm entgegen,
der junge Siegfried aber zog sein Schwert, hieb unter sie, der einen den
Kopf, der andern den Schwanz ab, bis das ganze Nest zerstrt war. T.-R.
I, 233.

[189] Hans Polner Br. IV, 131. VI, 123. 151. Cord. 444 N. lies: Hans
statt Andreas Polner.

[190] V, 492. VI, 649 f. _Kolde_, Anm. Luth. 428. Ztschr. f.
Kirchengesch. 1878, S. 145. Neobulos, eigentlich Neobolos.

[191] IV, 342 f. T.-R. I, 350.

[192] III, 217 ff. VI, 683 unter "Mocha".

[193] III, 178. V, 189.

[194] Ganerben = Gesamterben. Wie falsch diese Beschuldigung des
Stehlens war, geht daraus hervor, da die Herzogin mittellos zu L. kam
und ihre Begleiterin ein groes Vermgen im Stich gelassen hatte. (Br.
III, 290). Katharina von Mergenthal, (IV, 469) Anna und Christina Korb
hatten nichts mitgebracht, als ihr Pelzlein und Ziechen vom Bettgewand.
(N. Archiv f. schs. Gesch. III, S. 319).

[195] S. 104. Br. III, 219.--Die Matronen Luther, Melanchthon u.a.
pflegten in der Stadt schwangere Frauen zu besuchen und zu beraten.
_Seidemann_, Beitr. S. 496. Kollekt. unter "Bora".

[196] _Kstlin_ II, 115. Nach _Seckendorf_ II, 122 war die Kurfrstin
drei Monate im Lutherhaus.

[197] _Kolde_, An. Luth. 378.

[198] V, 46 f.

[199] "Bildenhauer" ([Symbol: gestorben] 1539) T.-R. I, 206. 248. Br. V,
201. VI, 328.


8. Katharinas Haushalt und Wirtschaft.

[200] _Seidemann_, Luthers Grundbesitz. Ztschr. f. histor. Th., 1860,
475-570. _Stein_, die Geschichte des Lutherhauses. Wittenberg, 1883.
Vgl. _J. v. Dorneth_. M. Luther, Berlin 1886. II, c. 12. III, c. 10. 24.

[201] Luther wute, was ihm alles auferlegt wurde: "Luther hat einen
dicken Rcken, er wird auch diese Last tragen." IV, 294.

[202] _Cord._ 1057. T.-R. IV, 78. 114. Br. III, 417. C. Ref. IV, 890.
Vgl. _Hofmann_ 93.--Zu I Cor. 7. W. II, 2830.

[203] Cord. 1079.

[204] V, 228. CR. VI, 625. VII, 144.

[205] _H. Stein_, Geschichte des Lutherhauses. Wittenb. 1883.

[206] T.-R. IV, 272 (Kellereinsturz). Vieh: _Burkh._ 409. 1 Kuh war
damals wert 3 fl.; 1 groes Kalb 2 fl.; 1 Ziege mit 2 Jungen 2 fl.; 1
Schwein 1 fl.; 1 Ferkel 1/3 fl.--Hhner T.-R. II, 81. IV, 24.
Schweinehirt Johannes T.R. III, 128.

[207] Reparaturen. VI, 327. V, 424.

[208] Grundbes. 484 f. Br. VI 324-326.

[209] 1541. _Burkh._ 403 f.

[210] _Stein a.a.O._

[211] T.-R. I, 102. 123. 183. 213. IV, 291.

[212] Gerte VI, 325. Kasten V, 162. Becher IV, 342. Vermchtnis: Burkh.
362. Uhren III, 168. 449. Messer: Burkh. 270.

[213] Br. VI, 331.

[214] Urkunde: _Burkh._ 202 f.

[215] Myconii Summarium der Ref.-Gesch. Cyprian IV, 27. (2. Aufl.) W.
XI, 67. Br. V, 11. 127. 493. 668. 629. 319. 602. III, 156. Ueber das
teure Leben in Wittenberg beklagte sich auch ein Student 1532.
_Buchwald_ 103. Sonst 1 Kandel Wein 3 [Symbol: Pfennig]. T.-R. I, 268.

[Illustration: Grundri des Lutherhauses (um 1540).

(Nach H. Stein, Gesch. des Lutherhauses, Wittenberg 1883.)

  a   Kollegienstrae.
  b   Huser darin.
  c   "Haus Bruno".
  d   "Des Rymers Huslein an Thor".
  e   Eingang.
  f   Hof.
  g   frherer Kirchhof.
  h   altes Kirchlein.
  i   Stlle.
  k   Brauhaus.
  l   Brauthor.
  m   Thordurchgang (Turm?).
  n   Garten.
  o   Thr in der Mauer.
  p   "Das hindere neue Haus".
  q   Lutherhaus (Schwarzes Kloster) 1. Stock.
  r   Haupteingang.
  s   Turm mit Wendeltreppe.
  t   Flur im 1. Stock.
  u   Vorzimmer
  v   _Wohnzimmer_.
  w   Schlafkammer.
  x   Feuerungsraum.
  y   Zimmer mit Fallthr und Treppe.
  z   _Studierstube_.
  ab  Aula.
  A   Vorlesungssaal.
  B   Stadtmauer.
  C   Stadtmauer.
  D   Wall.
  E   Nebeneingang mit Wendeltreppe.

[216] VI, 297. T.-R. I, 258. 274 f.

[217] Jonas hatte einen Weinberg, Melanchthon (wohl durch seine Frau,
eine Wittenberger Brgermeisterstochter) verschiedene Grundstcke.

[218] _Burkh._ 319.

[219] T.-R. I, 141. 142. 146. IV, 667. C.R. XXIV, 392.

[220] Br. VI, 328. Garten: Burkh. 409.--Der Platz "Am Saumarkt", spter
"Viehmarkt", wo der kurfrstliche Karpfenteich war, ("Saumrkterin" V,
783, "auf dem neuen Saumarkt", _Burkh._ 356 f.) ist heute die
Lutherstrae. (Wittenberger Urbar VIa. 1625, Lagerplan.)--Richter,
Geneal. 398 ff. Beste 127. Fischteichlein T.-R. I, 179.--In der
Hausrechnung (VI, 2) 1536 ist nur vom Bildenhauerschen Garten geredet,
in dem Steuerschlag 1542 (_Burkh._ 409) vom Garten an der Zahnischen
Strae, im Teil-Rece 1553 (_Beste_ 127) vom "Baumgarten am Sewmargkt",
der samt dem Hopfengarten an der Specke fr 500 fl. angeschlagen
wird--also scheint er an Gelnde oder Gebude (durch den Krieg?)
verloren zu haben. Oder sollte der Garten an der "Zahnischen Strae" =
am Saumarkt sein? Nach weiteren Erhebungen ist wahrscheinlich, da die
Zahnische Strae den Anfang der heutigen Dr. Friedrichstrae bildete.
Dann wre thatschlich der Saumarkt da, wo die Zahnische Strae und die
Faule Bach sich schneiden.

Die Lage wre so.

[Illustration: a-b Zahnische Strae. c-d Faule Bach. e-f Rische Bach.]

Der Bildenhauersche Garten (fr 900 fl.) lag nach dem Steueranschlag
nicht "unter dem Rat" wie der an der Zahnischen Strae. (_Burkh._ 409)

[221] Br. IV, 575. VI, 328 f. Wolfs Vogelherd: 154 f. V 787. Vgl.
_Burkh._ 409.

[222] _Burkh._ 403. _Hofmann_ 98.--Der "Lutherbrunnen" gehrte der
Stadt.

[223] Br. VI, 547. Grundbes. 520. Pfhle Br. V, 637. Hauspostille 1.
September 1532. Rebenstock II, 124b. Stehlen: Grundbes. 530.

[224] Bienenstock. _Rebenst._ II, 109. Fische T.-R. II, 80.

[225] a. 1542 schtzt L. Braunen Haus auf 420 fl. IV, 575. Grundbesitz
502. Br. VI, 328: Die 250 fl. scheinen brigens eine Abschlagszahlung
gewesen zu sein, denn das Haus kam hher zu stehen. Der Kaufbrief (v.
1541) bei _Richter_ Geneal. Luth. lautet: Bruno Brauer Pfarrer zu Dobin
verkauft erblich eine Bude im Elsterviertel zwischen D. Luthers
Behausung und Bruno Brauer an Luther und seine Erben mit allen
Gerechtigkeiten und mit Gehft und Raum von der vordern Sule bis auf
die erste Ecke des Brunnens und von der hintern Ecke des Brunnens bis
auf die alte Badestube, zusamt derselben Badestube fr 430 fl. zu 20
Groschen jeden.

[226] "Mein lieber Herr" ist = mein Gemahl.

[227] Burkh. 319. Nach dem Bericht von Kanzler Brck an den Kurfrsten
vom 13. Mrz 1546 hat Frau Kthe dennoch "die Bse (das ist doch wohl
das Gut Boos) zur Miet und um einen liederlichen Zins etliche Jahr her
inne gehabt". _Frstemann_, D.M.L. Testamente. Nordhausen 1846, S. 31.

[228] S.o.S. 3. T.-R. II, 233. Br. V, 358. 298. 318. 431. 434. 753. VI,
304. _Burkh._ 357.

[229] V, 312 f. 358. 495. 605. 609. 323. Ueber Kthes Walten in Zulsdorf
vgl. _Anton_ 193 ff.

[230] VI, 318. V, 313. 427. 448 f. 482. 507. 528. _Burkhardt_, Th. Stud.
und Krit. 1896, S. 161. Der Scheunenbau spielt zwei Jahre lang. C.-R.
VII, 125.

[231] Zulsdorf wird in 21 Briefen und T.-R. II, 233 erwhnt. (S. Br. VI,
705). V, 300. 318. 323. 394. 400. Den Mainzer Erzbischof und den Herzog
Heinrich von Braunschweig nennt Lauterbach in dieser Zeit "die wahren
Trken". V, 401.

[232] V, 299. 659. VI, 304.--An der Decke war einer der bekannten
Tintenflecke und am Balken ein Spruch, angeblich von Luthers (?) Hand.
"Willt du Trost haben, so gehe nach Drodorf" (1/4 Stunde davon
gelegen). Da das Gtlein nicht ganz ohne Schmuck war, zeigen die noch
vorhandenen Reliefbilder von Luther und Kthe, zwei Medaillons, das eine
in Stein, das andre in Gips; beide, besonders das letztere, kra
realistisch; sie sind spter auf das Hofgut Kieritzsch und dann in die
dortige Kirche gekommen. Eine Nachbildung des Reliefbildes von Katharina
ist in der Leipziger Illustr. Zeitung vom 2. Febr. 1899. Vgl. oben S.
263.

[233] L.W. II, 279. T.-R. IV, 59. L.W. XXI, 169*. Br. IV, 643. T.-R.
III, 128. IV, 62.

[234] _Cord._ 1471. 1597. 589. _Schlaginhaufen_ 419. T.-R. IV, 199.

[235] T.-R. IV, 306 (Cord. 980). L. fhrte diese Bezeichnung Kthes als
"Morgenstern" als Beispiel fr die zahlreichen "Metaphern" oder
"verblmte Wort" der deutschen Sprache an, neben Redensarten wie
"gro Geschrei--wenig Wolle"; "er hngt den Mantel nach dem
Winde".--Bekanntlich hat _Engelhard_ diese Methapher im gehssigen Sinn
als Lucifer Wittenbergensis zum Titel seiner Schmhschrift gemacht:
"Lucifer Wittenbergensis oder der Morgenstern von Wittenb., d.i.
Vollstndiger Lebenslauff C. von Bore, des vermerkten Ehe-Weibs D.M.
Lutheri, in welchem alle ihre Scheintugenden, erdichtete Grothaten,
falsche Erscheinungen weitluffig erzehlet werden v. R.D. Euseb.
Engelhard." Landsperg 1747.--Kthes Krankheiten: Cord. 965. T.-R. IV,
24. II, 230. 233. III, 37. 122. 131. IV, 259. Br. IV, 530. V, 271.

[236] VI, 547. 332.

[237] _Lauterb._ 111. T.-R. IV, 593. Rietschl 43 f. L.W. XXI, 163*.


9. "Wunderliche Rechnung zwischen D. Martin und Kthe."

[238] Br. VI, 151. V, 403. IV, 342. Widerruf vom Fegefeuer. Cord. 105 f.
Br. IV, 575.

[239] L. Grundbes. 518. (_Burkhardt_) Stud. und Krit. 1896, S. 158 ff.
1894 S. 769. _Burkh._ 432. _Kolde_, An. L. 396. 409.

[240] VI, 325 f. II, 524, 618.

[241] Diener III, 342. 449. VI, 324 f. _Kolde_, An. L. 195. _Seidemann_,
Grundbes. 484 f.

[242] Br. III, 104. T.-R. III, 308. Br. III, 496.

[243] III, 495.

[244] V, 189.

[245] _Ratzeberger_ 59 f.

[246] IV. 342.

[247] _Mathes._ 144b. 377. Vgl. Kolde, An. Luth. 254. Hoffmann 99 f.

[248] _Lauterbach_ S. 5.

[249] VI, 328 ff.

[250] Eine Schneiderrechnung: "1 Rock, Hosen und Wams Doktori Martino zu
machen bei Schneider Cunz Krug 18 Gr."

[251] Wrze und Zucker durfte allein der Apotheker (Lukas Kranach)
verkaufen.--1 Loth Seide kostete 1 Gr. 6 [Symbol: Pfennig]; 5 Ellen
Barchent 21 Gr. 8 [Symbol: Pfennig].--"10 Ellen schwarz puritanisch Tuch
vor 3 Schock 20 Gr. hat der Rat (1524) D.M.L. zum Rock geschenkt und
Hier. Krapp (Melanchthons Schwager war ein Gewandschneider) bezahlt."
_Schild_, Denkw. Wittenb. S. 27.

[252] Die Paten waren in Wittenberg sehr zahlreich, wie man schon bei
Luthers Kindern sieht. Am 20. Jan. 1536 wurden neun Kinder auf einmal
getauft; da war natrlich auch D. Martinus, ferner D. Pommer, M. Philipp
und viele andere treffliche ehrsame Leute Gevattern. T.-R. IV, 146.
Luther stand zahllose Male zu Gevatter. Er hatte es so oft versprochen,
da er einmal gar nicht mehr wute, wem, und es seinem Famulus auftrug,
es auszukundschaften. IV, 559. (Das erinnert an den vergebenen Traum
Nebukadnezars, Daniel 2). Hochzeiten V, 570.

[253] Br. IV. 342. _Mathes._ 144b: In der Teuerung zur Pestzeit borgte
L. beim Schsser etliche Scheffel Frucht und "wagte sie an die armen
Leute". T.-R. II, 212. Bezeichnend ist ein Zettel des Doktors (an den
Stadtrat?) vom Mrz 1539: "Lieben Herrn! Es mu dieser arme Gesell auch
Hungers wegen davon. Nu hat er keine Zehrung wie die andern und mu fern
reisen; weil er aber ein fromm gelehrt Mann ist, so mu man ihm helfen.
So wisset Ihr, da meines Gebens ohn das viel und tglich ist, da ich's
nicht kann alles erschwingen. Bitt derhalben, wollet ihm 30 Gr. geben;
wo nicht so viel da ist, so gebet 20, so will ich 10 geben; wo nicht, so
gebet die Hlfte. 15, so will ich die andere Hlfte geben. Gott wird's
wohl wiedergeben. Martinus Luther." VI, 226.

[254] III, 157. V, 570.

[255] _Cord._ 1601.

[256] VI, 329.

[257] _Cordatus_ Nr. 1057 hat nur 50 fl. Im Jahre 1537 aber bei der
zahlreichen Familie und den vielen Kostgngern kann das lange nicht
gereicht haben, wenn er auch nur die Barauslagen rechnet. Sonst wre ja
auch die Haushaltung nicht "wunderlich".--VI, 331.

[258] _Frstemann_, Denkmale D.M.L. errichtet. Nordh. 1846. S. 27.

[259] III, 111. 115.

[260] Potentem et avarum. Strobel, Beitr. II, 481. C.R. V, 314. "Die
_richtige_ Bezahlung". _Frstemann_, Luthers Testamente. Nordhausen
1846, S. 3.

[261] T.-R. IV, 62.

[262] VI, 329.

[263] IV, 342.

[264] An Link: III, 10. 104 an Rhel. "L. Hr. Dr. und Schwager! Das ihr
meine Kthe hie zu W. geben habt, bin ich lang hernach inne worden;
meinte nicht anders, Ihr httet's hinweg, wie ich bat."--Kse: IV, 556
und 599 u.a. Kolde, Ann. L. 423. Kolde, M. Luther II, 519.

[265] Br. V, 605. S.o.S. 155 ff.

[266] _Cord._ 662.

[267] III, 157. V, 424. VI, 326.

[268] T.-R. I, 274. Br. III, 495.

[269] T.-R. IV, 130.

[270] Uebrigens war Kthe im Grundsatz mit Luther einigermaen
einverstanden, vgl. den Brief an Lser S. 83.

[271] T.-R. IV, 70 f. Spr. Sal. 31, 10-31.


10. Husliche Leiden und Freuden.

[272] Das Folg. in D.T. Pommerani und I. Jon Historie von L. geistl.
und leibl. Anfechtungen. a. 1527. L.W. XXI, 158* ff. Br. III, 187-190.

[273] Br. III, 191. 205. Vgl. 200. 213. 170.--Ueber die Fortschritte
der Pest. Vgl. auch G. _Buchwald_, zur Wittenb. Stadt- und
Universittsgeschichte, L. 1893, S. 3-17.--Mocha(u): VI, 683.

[274] _Buchwald_ S. 7. Auf dem Pestkirchhof wurden die Kleider der
Pestkranken verbrannt; daher wohl verbrannte dort Luther auch die
Bannbulle.

[275] Br. III, 217 f. 221. _Buchwald_ 9. 12. 15. Br. III, 188. 193 ff.
212. 215. 217-19. 221. Teuerung. _Vogt_, Bugenhagens Briefw. Stettin
1888. S. 106.

[276] III, 218. 221. 225. 240. 241. 243. 247. 253.

[277] III, 222. 246. 248 f.

[278] III, 314. 364 f. 376. 390. VI, 96.

[279] III, 390. 404. 423.

[280] III, 432. 469.

[281] III, 512.

[282] IV, 1 f. 34. 132. 179. V, 186--"Gruboc" umgekehrt von Coburg.

[283] Luth. Ztsch. 1880, 50. C.-R. II, 40 f. Br. IV, 115. 132. 2. 10.
12. 32. V, 186.

[284] IV, 132. 10. 19. 32. 43. 120. T.-R. IV, 244. "Oertlein" 270.

[285] IV, 121. 51. 10 174.

[286] _F. Eysenhardt_ und _A. v. Dommer_. Mitteil. a.d. Stadtbibl. zu
Hamburg II, 1885, S. 96.--H ... "Hrlein". Es ist bekannt, da fr
Kinder als Kosenamen oft die hlichen Wrter gewhlt werden z.B. "Du
Spitzbub. Du Schelm!" So hrte ich einmal eine alte Kindsmagd im
Ueberschwang ihrer Gefhle sagen. "Du liebes Schindluderle".--Luther
gebrauchte also, wie sonstige Gelehrte, zum _Lesen_ schon frh (1525)
eine Brille. II,624.--Ueber den Goldschmied Christian Dring s. Br. VI,
657.

[287] IV, 7.

[288] IV. 39. 41. 7. 9. 16-18 (vgl. III, 219).

[289] IV, 4. 7 f. 13 f. 51 f. 41 f. 39.

[290] IV, 131 ff.

[291] Die Briefe waren lateinisch.

[292] Exemplar = Manuskript.

[293] VI, 121 f.

[294] Br. IV, 230. 322.

[295] Groeltern. T.-R. I, 201. Brief an den kranken Vater III 550 f.,
an die Mutter IV, 256 ff.

[296] Martin IV, 313. 320. 414. T.-R. 201. Paul IV, 411. 431. 436.
Margarethe IV, 574, vgl. 555. Hans immatrikuliert, _Lauterbach_ 141.

[297] _Kolde_, An L. 184. Br. VI, 144.

[298] Burkh., St. und Krit., a.a.O., 158.

[299] IV, 553.

[300] _Kstlin_ IV, 380 f.

[301] IV, 362. V, 560. 643. 703 f., vgl. 524: "Euer Sohn hat jetzt die
Masern gehabt; haben sein mit Flei gewartet nach Dr. Augustin (Schurf)
Rat; ist nun wieder gesund."

[302] IV, 342. T.-R. IV, 93, lies: Rischmann.

[303] Wenigstens wird Jakobs von Seidewitz sel. Sohn, Kammerjunker
Martin von Seidewitz erwhnt. Ztschr. f. hist. Theol., 1860, S. 570.

[304] V, 106. 201. 411. 516. Ztschr. f. hist. Th., 1860, 565-69.

[305] T.-R. IV, 451 f. 244.

[306] T.-R. I. 201 f. 204. 205.

[307] V, 46 f. 492 f. Da Luther seinen Sohn Hans schon (1533) im 7.
Jahr ein lateinisches Urteil ber Erasmus und im 11. Jahr (1537) einen
lateinischen Brief schreibt (Br. IV, 497, V, 46), ist nicht zu
verwundern; schrieb doch der 11jhrige Herzog Wilhelm von Sachsen an
Hans Luther auch eine, wohl mit Hilfe seines Lehrers, verfate
lateinische Epistel 1541, _Mayer_  17. (D. D. _Richter_, Geneal.
Luther. 379).

[308] _Lauterbach_ 141. Martin. T.-R. I, 205. _Kstlin_ II, 491.
Florian, Ztschr. f. K.-Gesch. II, 145 f.: L. diktiert dem Buben zum
Willkomm drei Tage hintereinander je des Tages einen guten fetten
Schilling.--Zeile 10 lies: Florian (st. Fabian).

[309] T.-R. I, 202.

[310] T.-R. IV, 76. 64.

[311] T.-R. IV, 129. _Matthes._ 145.

[312] Muhme Lehnes Tod. T.-R. III, 153.--Rosine, Br. V, 625. 396. 506.
753.

[313] V, 101.

11. Hochzeiten und Krankheiten, Pest und Tod.

[314] T.-R. IV, 41. 84. 104. Br. V, 186 f. 198. II, 317.

[315] T.-R. IV, 53, 75. 51.

[316] VI, 189 f. 196. T.-R. III, 147. IV, 54-56.

[317] Br. VI, 217.

[318] T.-R. IV, 58. I, 184.--Wein und Brot. T.R. I. 106. Wenn Luther das
Tanzen empfiehlt, so vgl. [445].

[319] T.-R. IV, 59.

[320] IV, 610 f. 618. 625. 627. _Burkh._ 237 f.

[321] V, 49 ff. 57 f. ("hessische Betten"). _Ratzeberger_ 105 f. (nasse
Bettcher), _Seckendorf_ III,  60. _Burkh._ 276.

[322] Mist: In Schmalkalden gab man Luther ein Getrnk? von Pferdemist
und Knoblauch ein. Man hielt viel auf solche Mistkuren: T.-R. I 120:
"Pferdemist dienet fr Pleurosie".

[323] V, 59 f.

[324] V, 59. 270. 58.

[325] Muhme Lene [Symbol: gestorben] T.-R. III, 153.

[326] IV, 524. V, 188. _Burkh._ 259. _Schmidt_, Ztschr. f. Gesch. II,
256. VI, 187 f.

[327] VI, 188.

[328] V, 579. 259 f. VI, 291. _Seckendorf_ III, 182. V, 127.

[329] VI, 444 ff. schrofa (d.i. scropha) ista Boemica "jene bhmische
Sau", _Burkh._ 285 f. 289-95.

[330] Burkh. 365. 467.

[331] T.-R. I, 225. II, 212.

[332] T.-R. II, 441 f. IV, 257. Br. V, 218 f. 225. Auch Dr. Sebald und
seine Frau hatte er besucht, angegriffen und betastet. Und da er ihre
Kinder ins Haus genommen, gaben ihm etliche einen Stich, als wollte er
Gott versuchen, T.-R. IV, 251.

[333] Jonas' Briefw. I, 381 f. Diese Krankheit mu es gewesen sein, von
der Luther T.-R. IV, 259 redet. Als nmlich von den Schrecken des Todes
die Rede war, sagte er. "Da fraget meine Kthe drum, ob sie des etwas
gefhlet hat, denn sie war recht gestorben." Sie aber antwortete. "Herr
Doktor, ich habe gar nichts gefhlet."

[334] V, 269-271. 273. 277. 218. _Ratzeberger_, 104. T.-R. II, 230. 233.

[335] Jonas' Briefw. I, 383.

[336] V, 300.

[337] _Burkh._ 356 ff.

[338] Sprichwrtlich, vgl. S. 131. Seltsamerweise kehrt die alte
Schreibart des Namens wieder, vielleicht bei einem Abschreiber, obwohl
man auch damals wute, da L. seinen Namen von Lothar ("vom Kaiser
Luther") habe, wie der Stadtpfarrer M. Clius zu Eisleben in seiner
Leichenrede erklrt. _Frstemann_, Denkm., Nordh. 1846, S. 55.

[339] _Burkh._ 131, I. VI, 269 f.

[340] V, 298.

[341] V, 299 f.

[342] V, 107. 201. 411. 516. _Faber_, Briefw. 14. _Burkh._ 401. 423.

[343] V, 306.

[344] V, 336. 346. 348-52.

[345] V, 416, 431. VI, 297.

[346] V, 744. 763.

[347] Vgl. S. 196. Cyriak: andere nehmen seinen Bruder Fabian als den
heimlich Verlobten an; er war gleichzeitig mit seinem Bruder Andreas und
seinem Vetter Hans Luther an Trinitatis 1533 immatrikuliert--also jnger
wie Cyriak, welcher schon 1529 Student war. Daher wird auf diesen die
Verlobung eher passen.--T.-R. IV, 96. 84 ff. 491 ff. 500 ff. Beier: Br.
V, 619. 676. Burkh. 453 f. C.R. V, 313, 286 ff. Mel. d. J. Verlbnis.
Kreuzigers Klagebrief ber die Wittenb. Hndel. Br. V, 620: L. hat
Melanchthon bermocht, da er seinem Sohn nicht nachgebe. 616: Phil. und
sein Weib vergehen fast an ihrem Sohn.

[348] V, 497.--Das folgende steht in T.-R. 258-265.

[349] Die folgenden Verse, in deutscher Uebersetzung, lauten:

  "Die ich in Snden war geborn
  Htt ewig mssen sein verlorn,
  Aber ich leb nun und hab's gut,
  Herr Christe erlst mit deinen Blut."

Sie sind vielleicht vom Berichterstatter. _Mayer_  20.--_M. Richter_,
Geneal. Luther. 352.

[350] V, 502 f. 506.

[351] V, 520.

[352] V, 519.


12. Tischgenossen und Tischreden.

Vgl. _Anton_, Zeitverk. 145 ff.

[353] IV, 629.

[354] _Schadow_, Wittberg Denkw. 60 f. Br. III, 14. V, 11. 15. 19.
Verlbnis 196.

[355] IV, 476. 629. C.R. XXIV, 397. Burkh. 237 f. Br. IV, 641. 414.

[356] III, 217. VI, 286. _Lauterb._ 158. V, 767. _Kolde_ 377.

[357] _Burkh._ 238. Br. IV, 413. 629. T.-R. I, 179. V, 767.

[358] V, 619. 624 f. 630.

[359] Besuch von Mansfeld, z.B. 30. November 1538, T.-R. III,
358.--Capito V, 70.

[360] _Burkhardt_, Th. St. u. Krit. 1896, S. 192. 161.

[361] Cordatus, S. 13. 20. 22. T.-R. I, 414.

[362] II, 153. 46. 677. III, 9. 31. 59. 130. 149 f. 210. 394. 401 f.
476. IV, 272. 370. 388 f. T.-R. IV, 297. _Burkh._ 216 ff. _Kolde_, An.
Luth. 197.

[363] Lauterb. IX.

[364] T.-R. IV, 667. _Seidemann_, M.A. Lauterbachs Tagebuch, Dresden
1872, V-VII, _Waltz_, Ztschr. f. K.-Gesch. 1878, S. 629 f., vgl. Beitr.
zur Schs. K.-G., 1893, S. 74 ff. 79.

[365] _M. Preger_, Tischreden L.s nach den Aufz. von Schlaginhaufen, L.
1888, S. VI-X. T.-R. III, 118 f.

[366] _H. Nobbe_. Dr. H. Weller, Ztschr. f. hist. Th. 1870, S. 153 ff.
Br. IV, 38 f. 131. 477. 586. Beide Weller des jungen Musikus Joh. Jppel
gute Freunde! 535. Ruf nach Dresden 161. Schwermut 556 f. Cord. 601, 6.
783. Br. V, 11. T.-R. 538. Cord. 1774: "Lieber Weller, lgt Euch nicht
zu Tode; Ihr knnt noch wohl ein Jurist werden."

[367] T.-R. II, 46. Mayer, p. 56 f.

[368] T.-R. II, 210. L.-W. XXI. 186* ff.

[369] T.-R. I, 57 f.

[370] _Hirsch_ und _Wrfel_, Lebensbeschr. aller Hh. Geistlichen in
Nrnberg. Nrnb., 1756. III, 4-6.--Br. IV, 363. 192. 199. Krause Sinne:
T.-R. III, 184. Cord. 920. _Hausrath_ 278. Vgl. oben S. 121.

[371] Briefe aus Wittenberg an H. Baumgarten. Ztschr. f. hist. Th.,
1874, S. 546 f.--Br. IV, 665. V, 564.

[372] C. Ref. V, 314^4. S.o.S. 963. Stud. und Krit. 1887, S. 354.
_Kstlin_ II, 496.--Die Klagen Besolds ber Frau Kthe werfen nicht
gerade ein schlechtes Licht auf ihren Charakter. Ihre "Habsucht" belegt
er damit, da sie "alles zu Rate gehalten und bei den Tischgenossen auf
richtige Bezahlung gedrungen"; ihre "Herrsucht" damit, da sie
"diejenigen Theologos nicht leiden knnen, welche Weiber von schlechten
Stande geheiratet." Beides ist nur ein Beweis fr ihre gesunde
praktische Lebensansicht.

[373] Lemnius: "ein Poetaster und Leuteschnder" Matthes. 126. Br. V,
105. 381 f. 385-7.--T.-R. II, 223. III, 317. IV, 95. 259. 705. M.
Holstein, "der neue Jurist": T.-R. III, 317.--Th. St. und Krit. 1887, S.
354. Ztschr. f. hist. Th. 1874, S. 570 ff.

[374] Br. VI, 234. 270. V, 29. T.-R. III, 293. 381. IV, 285.--Vgl. o.S.
131.

[375] Matthes. 68. T.-R. IV, 444.

[376] T.-R. IV, p. XX, s.u. 204. 206. 229. 236.

[377] T.-R. IV, p. XVIIIf. Br. VI, 328. Matthes. 131. Nach M.D.
_Richter_, Geneal. Luth. 369, war auch der Jurist Joh. Schneidewin 10
Jahre Kthes Haus- und Tischgenosse und wurde nachher Zeuge fr
Margarete L. beim Teilrece 1554.

[378] Matth. 68. 209a. 211.

[379] IV, 667 f.

[380] V, 115. IV, 435 f.

[381] V, 402.

[382] C.-R. V, 314^4.

[383] IV, 524. S.o.S. 116.

[384] L.-W. XXI* 166. 165.

[385] _Matthes._ 141. 143. 209.

[386] _Waltz_, Ztschr. f. K.-Geschichte, 1878. S. 629. _Hausrath_ 266
bis 273.

[387] Cord. 133. _Matthes._ 151.

[388] _Matthes._ 133. 211.

[389] T.-R. II, 247.

[390] _Cord._ 731. _Lauterb._ 5. 38.

[391] T.-R. IV, 131 f. Vgl. _Schlaginhaufen_ Nr. 147. "Luther: Der Satan
hat Gottes Sohn erwrget. Respondit uxor D.: Ei mein lieber Herr Doktor
von Credo."

[392] T.-R. III, 90 f.

[393] T.-R. IV, 134.

[394] Cord. 1205. Der groe Zwischensatz sieht allerdings aus, wie eine
Einwendung Luthers; aber der Berichterstatter, der doch sonst Katharina
nicht sonderlich wohl will, schreibt die _ganze_ Rede ihr zu.

[395] Cord. 120.

[396] Cord. 110 f.

[397] _Lauterb._ 156.--Der gelehrte "Engeleser" war wohl "der schwarze
Engeleser" Dr. Antonius Robert Barns (Barnes) S. 144.

[398] T.-R. IV, 78. 121 f. Vgl. o.S. 55. 73. Schlaginhaufen Nr. 187. Als
die Rede auf den Trken kam, sagte die Doktorin: "Ei beht uns Gott vor
dem Trken!" Der Doktor: "Ei, er mu einmal den Pelz laufen." 216: Die
Doktorin stach was in die Seite; da schreit sie laut auf: "Ave Maria!"
Sagt der Doktor. "Warum hast Du nicht billig am Ende den angerufen, der
am Anfang? Wre nicht Jesus Christus auch ein trstlich Anrufen?" 228:
Der Doktor neckte einmal seine Frau, es werde noch dahin kommen, da
ein Mann mehr als ein Weib nehme. Da sagte die Doktorin: "Das glaub der
Teufel!" Und als Luther auf Grnde der Natur wies, da berief sich Kthe
auf Paulus; als aber der Doktor auch dies widerlegte, sagte sie: "Bevor
ich das zugbe, wrde ich lieber wieder ins Kloster gehen und Euch und
alle Kinder verlassen."

[399] Br. III, 35.


13. Hausfreunde

Vgl. _Anton_ D.M.L. Zeitverkrzungen. L. 1804, S. 94 ff.

[400] V, 668. Vgl. Matthesius zu 1529: Luthers "Discipel" fangen an zu
lesen.

[401] Br. IV, 503. 565. 636. _Burkh._ 319. _Kolde_, An. L. 82.
_Buchwald_ 48. 52. Br. II, 677. III, 150 u.a. IV, 344. VI, 138. 411.
"Ktten-Latwerg" d.i. Quitten-Latwerge.

[402] IV, 500. V, 434. 503. III, 77.

[403] Fr. S. Keil, Dr. M.L. Merkw. Lebensumst., S. 699. Ztschr. f. hist.
Th., 1874, S. 551.--

[404] III, 35. 128. IV,36. V, 96. 426. VI, 450. T.-R. III.

[405] _Kawerau_, Ztschr. f. K.-Gesch., IV, 301. T.-R. III, 375.

[406] "Grickel und Jckel". T.-R. III, 358-82.--_Anton_, L.s
Zeitverkrzungen 145. Vgl. das Katechismusglas T.-R. II, 174. Kstlin
II, 465. 469.--Das berlaute Schreien Agrikolas charakterisiert
Creuziger in einem Brief an Veit Dietrich: er lehre in der Schule nach
Gewohnheit grandibus buccis (mit vollen Backen).

[407] III, 253 u.a. V, 162 f. 450. 703. T.-R. I, 272. 328.

[408] III, 226.

[409] III, 199 f. 389 f.

[410] T.-R. III, 358. 370. 376. Br. IV, 161. S.o.S. 53. S. 77.--L. kommt
zur Taufe nach Torgau. _Lingke_, L. Reisegesch. 159.

[411] III, 523. IV, 556. V, 67. 74. 326.

[412] _Kolde_, An. L. 234. 241. 239. 307. Br. V, 70.

[413] III, 17. IV, 198.

[414] IV, 176. VI, 129. 367. V, 402. C.-R. V, 214^4. _Seidemann_,
Ztschr. f. hist. Th., 1874. S. 555 ff.

[415] V, 672. Th. Studien und Krit., 1887. S. 353 ff. Oeffentliche
Gebete in W. fr B.--Reden und Jammern bei Tisch. Vgl. Melanchthon an B.
am 25. Mrz 1546: (C.-R. VI, 93): "Von Dir hat Luther immer mit Liebe
und Verehrung gesprochen." Ueber die Gefangenschaft Baumgartens vom 31.
Mai 1544 bis anfangs August 1545. _S. Seidemann_, Kollektaneen. Anz. f.
d. K. der d. Vorzeit. R.F. 1854. 1855.

[416] Vgl. oben S. 1. 4. 5. Br. IV. 665. V, 564.

[417] IV, 556. 607 f. 247. VI, 736. IV, 611. 596.

[418] "Feldglocken" = Galgen, also Galgenschwengel.

[419] IV, 586.

[420] V, 11. 15. 19. 22. 274.

[421] T.-R. I, 414. III, 96. 115.

[422] III, 219. IV, 31. 499.

[423] III, 447. 492. IV, 183. 215. III, 434.

[424] IV, 261. 312. 317. 490. III, 490. IV. 343.

[425] IV, 414, 476. V, 22. 139. Vgl. _Kolde_, An. Luth. 332--T.-R. IV,
256 f.

[426]. IV, 494. VI, 266. V, 57. Matthes. 319

[427] V, 38. 271. 285. 401 u.f.f. Vgl. Br. VI, 533-35. 674. IV, 583 f.
T.-R. IV, 47.

[428] Tischgesprch: II, 265. Besorgungen: Br. V, 228. 493. 668. 602.
628. 637.

[429] III, 53. 119. 154. 254. 372. V, 330. 148.

[430] V, 59. S.o.S. 126.

[431] V, 312 f. VI, 318. V, 507. 605. 609. 627.

[432] Ztschr. f. K.-G., 1878, S. 304.

[433] _Anton_, L. Zeitverf. S. 116 f.

[434] _F.W. Lhe_, Ztschr. f. hist. Th. 1840, S. 175-247. _Piper_,
Zeugen der Wahrheit L. 1874, Bd. IV, S. 375-82. Elisa, Br. IV, 654.
Testament, Br. V, 425. T.-R. II, 397. Kreuziger war der Protokollfhrer
der Evangelischen und Nachschreiber von Luthers Predigten. Myconii
Historia Reform. 1517-42 v. E.S. Cyprian, L. 1718. S. 47.

[435] Auftrge IV, 10, Megeschenk 422. Frau Elis. Kreuziger: Ztschr. f.
hist. Th., 1874, S. 554. _Lauterb._ 183.

[436] IV, 684. V, 11. IV, 414.

[437] _Piper_, Bd. IV, 356-368.

[438] III, 230. 111. 219.

[439] IV, 375. III, 304. 245. 252 f. 264. 281. V, 299. u.s.w.

[440] III, 512. IV, 131.

[441] III, 244. 253. 314.

[442] III, 314. 375. _Zitzlaff_, Bugenhagen, Wittenb. 1885, S. 106.
"Pomerisches Rom", Br. V, 48. Mit "Oel" = Bier; vgl. das englische ale.

[443] _Piper_ IV, 368-75.--VI, 304. Jonas' Briefwechsel I, 115. 153.
160. 174. II, 77.

[444] Br. IV, 10. 16 f. 18 f. V, 414. 557. 109. 114. 201.

[445] _Buchwald_ 62. V, 7. VI. 303.

[446] V, 519. IV, 9.

[447] IV, 629 f. V, 3 f. 100. 394 f. 470.

[448] Briefw. I, 380-3. (_Kolde_, An. L. 134, Br. IV, 629). [Griechisch:
hae gynae] vgl. Offenb. Joh. 12, 1.

[449] Jonas in Halle, V, 346. Neckerei 396. Seine Frau [Symbol:
gestorben] 519.

[450] Ueber Luthers Verhltnis zu Melanchthon vgl. _Anton_ 31-33. V,
336. 171. 344. 270.

[451] Zur Charakteristik von Frau Melanchthon, C.R. III. 390. 396. 398.
Kolde, M.L. II, 463. 471. 603. Kleiderordnung, Schadow, Wittenb. Denkw.,
S. 60 f.

[452] C.R. III, 398. T.-R. III, 390. Vgl. Kstlin II, 462.

[453] Kolde, An. L., 311. 318. Br. V, 105. T.-R III, 275 ff.

[454] VI, 199. T.-R. III, 275 ff. IV, 126, vgl. Matthes. 126. Kolde, 321
f. 326 f. Hofmann 193.

[455] C.R. V, 641. 123 f. IV, 143. 154. 169. 303. V, 113. VI, 20 f.

[456] V, 273. 277. Frhlich sein: 294. 323. C.R. VI. 53 f.

[457] C.-R. V, 410.--Kthe oder Melanchthon meint dabei wohl den
"Schwaben" Simon Lemnius und den Sachsen (Joh. Sachse aus) Holstein
(s.o.S. 146). Sie stellte brigens dem Melanchthon dies nicht als _ihre_
Meinung, sondern als Klage des Holstein dar.

[458] C.-R., V, 410.

[459] Die beiden Kanzler sind Brck und Beier.

[460] _Zitzlaff_, Bugenhagen S. 107.

[461] _Kreuler_, Denkmler der Reformation L. 1817. S. 29. Abneigung
gegen Theologen-Weiber aus niederem Stande. Br. VI, 419. C.-R. V, 314^4.
S.o.S. 146^1. _Seidem._, Beitr. z. Ref.-Gesch. 496. Auch mit dem alten
Bildenhauer verkehrte L. viel. Vgl. T.-R. I, 24 ff.--Die
Krankenpflegerinnen des Mittelalters waren die "Beguinen oder
Seelweiber", _Matthes._ 159b.

[462] T.-R. III, 127. II, 210.


14. Kthe und Luther.

Vgl. _Anton_ 117 ff.

[463] T.-R. IV, 124. 38. (77).

[464] _Kchenmeister_: L. Krankheitsgeschichte. S. 54.

[465] T.-R. IV, 53. Br. VI, 332.

[466] _Lauterbach_ 2. _Kchenmeister_ 111.

[467] _Lauterbach_ 2. _Kchenmeister_ 111. Br. V, 51.

[468] Br. 330. T.-R. I, 134. 212. 213. IV, 129.

[469] Kse V, 319. Bier von Jonas V, 100. Knigin der Biere V, 470.
Sehnsucht vom Hof nach Haus: IV, 553. Hofbrot V, 51.

[470] T.-R. IV, 69: "Wenn ich bei mir selbs (daheim?) bin, dank ich
unserm Herrgott fr das Erkenntnis der Ehe" T.-R. IV, 59. S.o.S. 123, 2.

[471] _Melanchthon_, Vita Lutheri p. 8. _Mayer_ 27. _Hofmann_ 148. Das
Katechismusglas, T.-R. II, 144. III, 170.

[472] T.-R. IV, 300 f. Vgl. I, 103. Br. VI, 330.

[473] S.o.S. 71. 104 f. 126-128.

[474] Dr. Fr. _Kchenmeister_, L.s Krankengeschichte. L. 1881.

[475] II, 616. III, 254. V. 330. VI, 115. 130. 144.

[476] T.-R. I, 208. _Walch_ XXI, 275*. _Kchenmeister_ 52 f.

[477] Die Antrittsrede (_Hofmann_ 110) ist brigens nach damaliger Sitte
von Melanchthon verfat.--Zum folg. vgl. S. 124.

[478] T.-R. IV, 271.--_Ratzeberger_ S. 61 f.

[479] Br. III, 219. 244.

[480] T.-R. II, 210. III, 51.

[481] _Kolde_, An. Luth. 234.

[482] _Mayer_ 27. Keil II, 199. T.-R. I, 212. 210.

[483] _Anton_, L. Zeitverk. S. 117 ff.

[484] V, 163. IV, 599.

[485] Diese Anekdote, welche u.a. Albert _Richter_, Deutsche Frauen, L.,
Brandsttter 1896, S. 162 erzhlt, habe ich aus den Quellen nicht
belegen knnen.

[486] T.-R. III, 131. Br. IV, 123. Vgl. T.-R. II, 215. Da sagt L. von
seinen cholerischen Temperament: "Ich habe kein besser Werk denn Zorn
und Eifer; denn wenn ich wohl dichten, schreiben, beten und predigen
will, so mu ich zornig sein: da erfrischt sich mein Geblte, mein
Verstand wird geschrft und alle unlustigen Gedanken und Anfechtungen
weichen."

[487] _Strobel_, Beitr. II, 481 (C.-R. V, 314). (14. Febr. 1544). Scis
illum habere ad multa quae cum inflammant facem domesticam. Als 1533 der
Stadtschreiber _Roth_ von Zwickau mit seiner Frau und den dortigen
Geistlichen in Hader lebte und infolgedessen auch Luther gegen ihn
aufgebracht war, berichtete ein Student, Peter von Neumark, an Roth von
Dorothea, einer Verwandten von Roth, die an einen "seinen und zchtigen
Schustergesellen" verheiratet war. "Sie (Dorothea Kersten) hat mir auch
darneben geklagt, wi das die Doktor Martinus Lutherin wiliche doch Hader
und Zank stillen solde ja vil mher htte angericht." _Buchwald_ 37.
104.--Das ist aber nach den Verhltnissen eine recht unlautere Quelle.

[488] _Buchwald_ 176. Vgl. Kstlin II, 492. 608 f.

[489] _Mayer_ 27. Keil II, 199.

[490] Br. V, 790.

[491] S.o.S. 112. 106 f.

[492] IV, 174. Riedtesel: Kurf. Direktor.

[493] IV, 553. VI, 270.

[494] _Ratzeberger_ 122.

[495] III, 125. Vgl. IV, 49. Cord. 22.

[496] VI, 185. L. Test. S. 6.

[497] V, 422.

[498] Hier. _Weller_ Opp. I, 871. Test. 7.

[499] Cord. 1005. 1079. 55. T.-R. IV, 48. Der Sinn ist in beiden
Redensarten: Maulschellen geben = ber den Mund fahren; bildlich: auf
eine scharfe Redensart mit einer scharfen (oder schrferen)
erwidern.--Da Luther es nicht wrtlich meinte (wie Wrampelmeyer a.a.O.
anzunehmen scheint), geht aus T.-R. IV, 38 hervor, wo Luther von
Eheleuten, die einander "raufen und schlagen", sagt: "das sind nicht
Menschen." Uebrigens steht T.-R. IV. 48 die Rede in einem bestimmten
Zusammenhang. Da ist von einem Magister die Rede, der seine Freiheit an
eine reiche Frau verkauft hatte und dem diese bers Maul fuhr: "Du
httest mssen ein Bettler sein, wenn ich Dich nicht genommen." Da sagt
Luther: "Ich _htt_ auch gerne, da" ...; da konnte man meinen, L. wolle
sagen: "Ich htte auch gerne, wenn mir meine Frau so bers Maul
fahre"--freilich u.s.w.

[500] T.-R. IV, 72.

[501] IV, 553. Cordatus bemerkt in seiner bissigen Weise dazu: Das ist
sicherlich wahr (Nr. 1837). So ist auch in der Rede, worin Luther von
ihrem "Stolz" spricht, dessen er sie vor seiner Verheiratung fr
verdchtig hielt, die Einschaltung--vom Herausgeber der Reden oder als
neckende Bemerkung von Luther?--gemacht: ut est (wie es auch ist).
Lauterbach 162*.

[502] III, 10. IV, 649. V, 19. 59. 110. 304. 431. IV, 221. 524. VI, 304.
III, 512. 145. IV, 221. Auch Jonas' Frau nennt L. tuum dictative. III,
213.

[503] III, 15. IV, 632. V, 10.

[504] Br. III, 512. IV, 552. 132. 553. VI, 545. V, 296. 783. (786). VI,
269. 547. III, 341. V, 122. 127. 780. 784. 788. T.-R. IV, 119.

[505] T.-R. IV, 78. Vgl. 126.

[506] T.-R. IV, 78. I, 209. 208. 211 f. IV, 212.

[507] T.-R. I, 210. IV, 44. 125. I, 208. Sehr scharf spricht sich L. aus
ber Schmhungen von "Frauen und Jungfrauen". "Ob sie gleich Mangel und
Fehl haben." T.-R. IV, 126.

[508] T.-R. IV, 120. 77. III, 75. IV, 78. Cord. 48. Uebereinstimmend mit
dem Spruch der Frau Cotta schreibt L. in einem Beileidbrief (1536, Br.
IV, 687). "Es ist der hchste Schatz auf Erden eine liebe Hausfrau."

[509] T.-R. IV, 52. _Cord._ 22. T.-R. IV, 50. 53.

[510] _Cord._ 249. 1780. T.-R. IV, 40.

[511] T.-R. 43 f. 54 ff. Reden ber den Ehestand. IV, 34-156. Vgl.
_Frobse_, D.M.L. ernste krftige Worte ber Ehe und ehel. Verhltnisse.
Hannover, 1823.

[512] T.-R. IV, 34. 38. 77. 73. 49. Cord. 1379.

[513] T.-R. IV, 50. 204.

[514] _Cord._ 22. T.-R. IV, 72. 50 f.

[515] Br. V, 126. T.-R. 58. 37 f.

[516] T.-R. I, 116. Com in ep. ad. Gal.--Seckendorf I,  63.
_Lauterbach_ 2. 37.

[517] Br. IV, 645. 649. (Das Lesen Br. IV, 649 wird wohl vom Flachslesen
gemeint sein.) T.-R. I, 20.--Vgl. Was Luther von den Juden sagt: "Sie
schreien wohl sehr und beten heftig, mit groem Ernst und Eifer; mich
wundert's, da Gott sie nicht erhrt." T.-R. I, 109.--_Kstlin_ II, 437.

[518] V, 787.--Link in Nrnberg schickt sogar seinen Annotationes in
Genesim an Kthe. V, 713, vgl. _Buchw._ 48.

[519] Die Schreibkunst hochstehender Frauen veranschaulicht ein Brief
der Grfin von Mansfeld an Luther (vom 14. Sept. 1545), welcher so
anfngt: "Lieber togktor ich besyntt au eurem berichtt, das es kein
Flo (Flu, Rheuma) ist noch wirtt" u.s.f. _Kolde_, An. L. 391.

[520] So erkundigt sich die Herzogin Sibylle schriftlich bei Luther nach
seinem lieben Weibe. So entbietet Herzog Albrechts liebe Gemahel Luthers
und Melanchthons Husern und tugendsamen Frau Dienst und Gru. _Burkh._
162. Br. V, 638. _Kolde_, An. L. 189. Vgl. die Besuche von Frsten und
Frstinnen.--Kthe heit auch bei den Freunden respektvoll die Domina,
Doctorissa, [Griechisch: despoina didaschalae] (vgl. S. 171)

[521] Im Museum zu Leipzig.

[522] V, 520.


15. Luthers Tod.

Hierzu besonders _Frstemann_, Denkmale dem D.M.L. von s. Zeitgenossen
errichtet. Nordhausen 1846.

[523] S.o.S. 181, 2.

[524] V, 522. 544. 628 f. 642. T.-R. II, 261. Bndnis mit den Trken:
T.-R. IV, 661.

[525] Fladenkrieg. T.-R. IV, 444-47. _Ratzeberger_ 112. Mainz: Br. 522.
602. "Grickel und Jckel": V, 383. 629. 734. T.-R. II, 470. Klner
Reform V, 584. 708. Epigonen: V, 527. 529. 539. 550. 553. 572. 586. 659.
663. V, 537. 571. 708 f. 727.

[526] V, 616. 708. _Ratzeb._ 123 f.

[527] Vgl. zu S. 134, 2. T.-R. IV, 98 f. 104. 500 ff. Ueberhaupt ber
"die garstigen Juristen", (495): 478-541. 523: "Es ist ein ewiger Hader
und Kampf zwischen den Juristen und Theologen, wie zwischen Gesetz und
Gnade." _Beste_ 77 f. _Hofmann_. 156 f.

[528] Heimliche Verlbnisse. V, 616 ff. 627. 715. 747. 744. 763. T.-R.
IV, 99. 491 f. _Kstlin_, II, 580.

[529] V, 527. 586. 604. 679. 683. 688. 700. 704. 711. 726.

[530] V, 518.

[531] V, 643. 703.

[532] T.-R. III, 15 f.

[533] V, 359. _Kolde_, An. L. 391.

[534] V, 529. 743.

[535] V, 571. 534. Denkmale 31. 26. _Ratzeb._ 137.

[536] V, 600. 555. 638. 703. 743.

[537] V, 541. 571. 778.

[538] T.-R. III, 131. Br. V, 571.

[539] VI, 590. 628 ff. 570. 600. 642. 299. 674. Nach dem jngsten Tag
seufzt Luther auch sonst: Als L. einmal ein Paternoster (einen
Rosenkranz) von weien Agatsteinen in der Hand hatte, sprach er: "O
wollte Gott, da der Tag nur balde komme! Ich wollte das Paternoster
jetzt essen, da er morgen kme." T.-R. I, 63.

[540] So Bugenhagen in seiner Leichenrede fr Luther. Denkm. 92.

[541] V, 747.

[542] V, 753. 561. 710. VI, 302. Lob Nrnbergs: T.-R. IV, 665. _Burkh._
463. _Kolde_, An. L. 423. Br. V, 753.--"Kleiderordnungen" von 1562 und
1576; vgl. _Schadow_, Denkw. 60. 92.

[543] Br. V, 752 f.

[544] Ernst von Schnfeld ist ein Bruder der Ave aus Nimbschen, welche
den Basilius Axt geheiratet hatte. Ueber ihn hatte sich L. 1540 beklagt,
da er seiner Schwester ihre tochterliche oder fruliche Gebhr
vor(ent)hielt. L. nimmt sich der Ave, (fr die er sich einst
interessiert hatte, s.S. 46, 2, T.-R. IV, 50), in einem Briefe an den
Kurfrsten an, auch nach dem Tode ihres Mannes und ihrer Kinder (1541).
V, 289. 403. S.o.S. 16. 29.

[545] Das Schwarze Kloster.

[546] Die vier Fakultten?

[547] Georg von Anhalt, Bischof von Merseburg.

[548] "gesegnen von meinenwegen" = in meinem Namen Lebewohl sagen.

[549] _Burkh._ 475 ff. 483. _Kolde_, An. L. 416. 423.

[550] _Lingke_, L. Reisegeschichte, 284 f.

[551] Denkm. 1. 2. Br. V, 779. 771. _Ratzeb._ 134 ff. 129. Denkm. 22.

[552] "Unartiges" Wetter, _Ratzeb._ 134.--Reisegenossen, Jonas' Briefw.
II, 182 ff.--Vorbedeutung: _Ratzeb._ 130 f.

[553] V, 780 f.

[554] "Hans von Jena hat sie gebeten" = die Langeweile hat sie geplagt.

[555] V, 783 f., vgl. Jonas' Briefw. II, 182.

[556] C.R. VI, 60. Jonas' Briefw. II, 183. C.R. VI, 56. Denkm. 10. 64.

[557] V, 786.

[558] V, 787 f. 789 f.

[559] Hier und zum Folgenden L. Krankheits- und Sterbegeschichte von
Jonas, L.W. XXI, 274-393 und K. Ed. _Frstemann_, Denkmale dem Dr. M.L.
errichtet, Nordhausen 1846.

[560] V, 791.

[561] Denkm. 23. C.R. VI, 54.--Man wollte bei dreien Nchten einen
Kometen gesehen haben; sonderlich behauptete das der Bote von Jonas an
Melanchthon, der sich fr so etwas ganz besonders interessierte. Denkm.
21. 23. 25 ff. Jonas' Briefw. II, 282 f.

[562] Aus dem "Leichenprogramm" beim Tode Katharinas. Hofmann 136.

[563] Denkm. 10. 11.

[564] C.R. VI, 274. Denkm. 26. 53.

[565] Denkm. 78 f.

[566] Denkm. 81.

[567] Denkm. 76 f.

[568] Jonas Briefw. II, 183. Hofmann 112.

[569] "10 Gr. denen Pulsanten gegeben an Tag Cathedra Petri von allen
Glocken zu luten, do man den Ehrwrdigen Herr Doctorem Martinum zu
Grabe getragen". Wittenb., Kmmerei-Rechnung, Dm. 82. 142.

[570] Das eherne Bild, das mit den Zgen des Doktors in die Wand
eingelassen werden sollte, kam des Krieges wegen erst spter zustande
und in die Kirche zu Jena, weil Wittenberg dem Kurhause verloren ging.
Denkm. 78 f.

[571] Br. VI, 650. Der Brief ist faksimiliert in der Illustr. Zeitung
1899, S. 149 f.; ist aber nicht von Katharinas Hand, sondern diktiert.
S. Seidemann, a.a.O.


16. Luthers Testament

Hierzu vgl. K. Ed. _Frstemann_, D.M.L. Testamente. Nordhausen 1846.
Seidemann, Ztschr. f. histor. Th. 1860. S. 475 bis 564.

[572] _Rade_ (P. Martin) D.M.L., Neusalza 1887, III, 699. S.o.S. 201.

[573] "Die Welt ist undankbar" setzte L. an die Spitze seines
Hausbuches, in welchem er fr die Seinigen eine Art testamentarische
Aufzeichnung machte, wegen ihrer Zukunft. VI, 324.

[574] V, 424.

[575] S.o.S. 201. V, 424.

[576] V, 424. VI, 324. 326.

[577] S.o.S. 83. _Kolde_, An. L. 416. _Burkh._ 482 f.

[578] T.-R. IV, 522 heit es zwar: "Nur _ein_ Jurist ist fromm (brav)
und weise. Dr. Gregorius _Brck_." Dagegen 525. "Etliche sind fromm wie
Dr. _Sebald_; etliche aber sind eitel Teufel."

[579] _Burkh._ 482. _Kolde_, An. L. 421-23. _Buchwald_ 180: L. zieht weg
propter pessimos mores.

[580] Grundbes. 531. Br. V, 304. Denkm. 76 f.

[581] Denkm. 27. 79. L.W. XXI, 299*.--Hierbei hatte Brck von den
"groben Fleischern und Fischern" geredet: "Man soll (wird) der Frauen
wohl bald mit ungestmen Worten, wenn man schuldig ist, zu Halse laufen"
(S. 95 f.). Auch Luther hatte in Beziehung auf die Wittenberger Brger
an die Spitze seines Tagebuchs geschrieben: "Die Leute sind grob". (VI,
324.)

[582] _Seckendorf_ III, 647. am 24. Febr., wenn hier keine Verwechslung
mit dem Schreiben vom 20. vorliegt.

[583] C.R. VI, 81.

[584] Denkm. 163.

[585] Denkm. 167 f.

[586] Denkm. 169.

[587] Th. St. und Krit. 1896, S. 161.

[588] V, 25 f. 424.

[589] T.-R. IV, 521: "L. klagte ber die Armut und Elend der Theologen,
wie sie allenthalben gedrckt wrden und dazu helfet ihr Juristen
redlich und drckt uns weidlich."--IV, 145: "Wir arme Mnche und Nonnen
mssen herhalten. Dr. Pommer sollte nach weltlichem Rechte entsetzt
werden. Weil aber solche Rechte noch nicht exequieret und vollzogen
sind, so ist die Frage, ob seine Kinder auch seiner Gter Erben sein
knnen."

[590] V, 403, vgl. 307. Grundbes. 511 ff. _Nobbe_ Ztschr. f. hist. Th.,
1870, S. 173.

[591] Br. V, 422 ff. Sachsenrecht. T.-R. IV, 51.

[592] Sorge: _Rebenstock_ I, 229.--Barschaft Testam. 48, vgl. 28. Br.
VI, 324 f.--Schatzung Br. VI, 304. V, 499. Verschreibung des Kurfrsten,
_Burkh._ 402 f. Der Grafen, Denkm. 169.

[593] Wolfs "Gnadenbrief". _Richter_ 379. _Seidemann_, N. Mitt. VIII,
37. 21. 26. Grundbes. 508.

[594] S.o.S. 82 f. und Anmerkg.--Test. 31.

[595] S.o.S. 85. Grundbes. 530 f. zu S. 227 ff. Brcks Gutachten, Test.
29-41.

[596] Ob die 100 fl. Bauholz fr ein Scheunlein nicht zu hoch gegriffen
sind?--Wenn das Gtlein Zulsdorf Kthen auf 1600 fl. zu stehen gekommen
wre, so mte sie in dasselbe, welches nur 610 fl. kostete, 1000 fl.
verbaut haben. Uebrigens wurde das Gut 1553 trotz der Kriegsverwstung
um 956 fl. verkauft.

[597] "Vgel fangen", wohl auf Wolfs Vogelherd, s. "Klageschrift der
Vgel an Lutherum ber seinen Diener Wolfgang Siebergern." Br. VI, 164.
Vgl. oben S. 207.

[598] "Man": Der Text lt nicht erkennen, ob Melanchthon oder Brck
darunter gemeint ist.

[599] Test. 41-44.

[600] Test. 44 f.

[601] Br. V, 754 an Ratzeberger: uxori tuae commatri, affini et
Landsmanninae Meae.

[602] Test. 44-46.

[603] Test. 46 f. 48. Vormnder: 50-52.

[604] Test. 52 f. Richter 375.--Am 21. Mrz hatte Melanchthon an M.
Grodel in Torgau geschrieben, er mchte dafr besorgt sein, da ihre
Eingabe an den Kurfrsten durch Dr. Ratzeberger richtig bergeben werde;
diese Eingabe ist wohl Katharinas Bitte um Besttigung des
"Testamentes". Diese Bettigung zgerte sich brigens 3 Wochen, bis zum
11. April hinaus.

[605] Test. 47-66.

[606] Test. 47-50. 59 f. 62-64.

[607] Test. 64. (C.R. VI, 149). Grundbes. 548. Quittung fr 2000 fl.
Test. 65 f.

[608] Test. 35-37. 46. 49.

[609] Test. 44. 51. 54-57.

[610] S. 235-237. Test. 57-62. Grundbes. 530-564.

[611] Grundbes. 494.

[612] Br. V, 650.

[613] Br. V, 649.

[614] C.R. VI, 81.

[615] Hofmann 122, 84.


17. Krieg und Flucht.

[616] C.R. VI, An. IX. 185. 190.

[617] Zitzlaff 119. C.R. VI, 249. Arnold in seiner Kirchen- und
Ketzerhistorie meldet, nicht in freundlicher Absicht, Hans, der
Erstgeborene und Katharinas Lieblingssohn, sei mit dem Kurfrsten in
den Krieg gezogen als Fhnrich. Das entsprche freilich ganz dem Willen
des Vaters, der seine Shne wenigstens gegen den Trken schicken wollte,
ja selber wider ihn ziehe, wenn er noch htte knnen. Br. V, 450 sagt
Luther: "Wo ich nicht zu alt und zu schwach, mchte ich persnlich unter
den Haufen sein" (gegen die Trken 1542). Vgl. Cord 834.--Robsten,
Beitr. zur Geneal. des Luth. Geschlechtes, Jena 1754, p. 7.

[618] Vgl. hier und zum Folgenden: Voigt, Ztschr. f. K.-G. 1877, S. 158
ff.

[619] C.R. VI, 268.

[620] C.R. VI, 290. _Liliencron_, Histor. Volkslieder IV, Nr. 546.

[621] Grundbes. 521. _Zitzlaff_ 121.

[622] C.R. VI, 296-299. 301. _Waltz_, Ztschr. f. K.-G. 1878, S. 167.

[623] C.R. 345. 355. 535.

[624] _Kolde_, An. L. 433 f.

[625] _Hofmann_ 123 f.

[626] _Hofmann_ 124.

[627] Grundbes. 537 f. C.R. VI, 513. 515. 537.

[628] _Zastrow_, Mohnike I, 260. C.R. VI, 355. 428. 431. 520-31.

[629] _Zitzlaff_ 122. Bugenhagen: "Mein Weib kommt sehr frhe gelaufen
ans Bett und ruft: "Ach, mein lieber Herr, unser lieber Landesfrst ist
gefangen." Ich sagt: "Das ist, will's Gott, nicht wahr."--Er habe diese
Stadt und Kirche, welche Luther ihm als Braut anvertraut, mit zerissenem
Haar und Kleid gesehen.

[630] C.R. VI, 534-38. 621. 625. 640. 541. 549.

[631] C.R. VI, p. XII. _Ratzeberger_ 170 f. "Er war berredet worden,
da man ber Luthers Begrbnis Nacht und Tag brennende Lampen hnge und
Wachskerzen stehen htte, und davor betete, als in den papistischen
Kirchen vor der Heiligen Reliquien geschehen." _Zastrow_ (Mohnike) II,
22.

[632] C.R. VI, 563. 586.


18. Der Witwenstand.

[633] Vgl. Teil-Rece. _Beste_ 129. C.R. VI. 585. _Zitzlaff_,
"Bugenhagen" 122. Da nur Deutsche in die Stadt durften, hatten sich die
Wittenberger ausbedungen. Als nun aber die Spanier mit dem Kaiser am
Schlothor eindringen wollten, warfen die Wittenberger sie in den
Graben, "da sie na wurden wie die Katzen".

[634] Briefw. des Jonas II, 281. _Zitzlaff_ 121 f. Die Hussern waren
nicht so schlimm, wie die Spanier.

[635] Briefw. Jonas II, 281. Grundbes. 558.

[636] C.R. VII, 125. 536.

[637] _Richter_ 390 f. C.R. VI, 669-693. 714.

[638] _Grulich_, Torgau 112. _Matthes._ 68 (7. Pred.) _Richter_ 390.
396.

[639] Grundbes. 494.

[640] _Hofmann_ 129.

[641] Waltz 181.

[642] Jonas' Briefw. 259.

[643] _Robsten_, Beitrge zur Geneal. des Luther. Geschl., Jena 1754.
_Keil_, Leben Han L., p. 89: "Joh. L. miles redux vitam egit
domesticam."

[Transkriptions-Anmerkung: Zu den folgenden beiden Bemerkungen gibt es
keine Verweise im Text.]

C.R. VII, 409 ff. Grundbes. 558. Jonas' Briefw. 280 ff. 295.

C.R. VII, 408 f. 430.

[644] C.R. VII, 502.

[645] _Kolde_, An. L. 433. Grundbes. 558 f.

[646] [Transkriptions-Anmerkung: Keine Bemerkung zum Verweis vorhanden.]

[647] Grundbes. 559. C.R. VII, 411.

[648] _Richter_, 325 f. C.R. VII, 611. 637.

[649] C.R. VII, 945.

[Transkriptions-Anmerkung: Zur folgenden Bemerkung gibt es keinen
Verweis im Text.]

Grundbes. 559.

[650] _Hofmann_ 141 f.

[651] [Transkriptions-Anmerkung: Keine Bemerkung zum Verweis vorhanden.]


19. Katharinas Tod.

[Transkriptions-Anmerkung: Zu den folgenden 4 Bemerkungen gibt es keine
Verweise im Text.]

_Grulich_, Denkw. Torgaus S. 86.

_Mayer_ 62. 122. _J.T. Lingke_, Hrn. D.M.L. Geschfte und Andenken zu
Torgau, 1764. S. 69-75.

Nach _Grulich_ wohnte K. beim Stadtrichter M. Reichenbach im
Grnwaldschen Hause. Das Haus "Auf dem Scharfenberg" (heute
"Lutherhaus") in dem "Karniergchen" (heute "Luthergasse") war nicht
Katharinens hospitium; es hatte nur nach Wittenberg Zins zu zahlen.
_Grulich_ S. 70 f. 86. _Grulich_, Annales th. eccl., 1734. S. 176.
_Lingke_ a.a.O. S. 70.--Sollte M. Reichenbach in Torgau eine
Verwechslung sein mit M. Reichenbach in Wittenberg, bei dem K. 1523
wohnte (S. 39)? Die Familie Reichenbach, auch der Pflegevater Katharinas
stammt aus Zwickau. _T. Schmidt_, Chronik der Stadt Zwickau, 472.
_Buchwald_ 108.

_Juncker_ 250.

[652] _Richter_ 493 f. Vgl. die Kleiderordnung fr Wittenberg 1576. S.
169.

[653] Diese Rede Katharinas wurde von zwei Dichtern in Kirchenliedern
verwendet. In dem Liede eines unbekannten Verfassers (Anna von Stolberg
1600?, nicht Simon Graf, geb. 1609): "Christus, der ist mein Leben,"
heit die letzte (7.) Strophe. "_Und la mich an dir kleben, wie eine
Klett am Kleid_, und ewig bei dir leben in Himmelswonn und Freud."
Ebenso heit es in Chr. Reimanns (1607-1662) Lied: "Meinen Jesus la ich
nicht, weil er sich fr mich gegeben, so erfordert meine Pflicht,
klettenweis an ihm zu kleben." _E.E. Koch_, Gesch. der Kirchenlieder IV,
667, behauptet zwar, der Ausdruck schreibe sich von Herzogin Katharina
von Sachsen, geb. von Mecklenburg ([Symbol: gestorben] 1561) her, welche
bei ihrem Ende gesagt habe, "sie wolle an ihrem Herrn Jesus mit Glauben
kleben bleiben, wie die Klette am Kleid."--Jedenfalls hat Katharina die
Prioritt.

[654] C.R. VII, 1155 f.

[655] _Lingke_ 71. _Grulich_ 87.

[656] Der Leichenstein wurde zum Reformations-Jubelfest 1617 von "Daniel
Fritschen dem Mahler" fr 9 Groschen bermalt. Dazu wurde ein Bote (fr
2-1/2 Gr.) nach Eilenburg geschickt, zu Prediger M. Behem, mit welchem
Luthers Enkelin Katharina, die Tochter von Hans Luther, verheiratet war.
_Lingke_ 73.

[657] _Juncker_, Ehrenged. L. (deutsch.) 243 f.

[658] Br. V, 424.--Vgl. die ltere Litteratur bei _Hofmann_
183-203.--_Bhringer_, K.v.B., Barmen. _Meurer, K.v.B.L._ 1876.
_Rietschel_, L. und sein Haus. Halle 1888. Romanhaft gehalten. _Armin
Stein_ (H. Nietschmann), K.v.B., Luthers Ehegemahl, ein Lebensbild. 4.
A. Halle 1897.

[659] Bugenhagen schreibt an Knig Christian als "Wort eines groen
Frsten": "Wir haben hier zwei Regenten gehabt ber weltliches und
geistliches Regiment, den Kaiser und Luther." _Zitzlaff_ 106.

[660] Das Faksimile ist von einem Brief Katharinas an den dnischen
Knig, original in Kopenhagen. 3/4 n. Gr. Vgl. folg. Brief:

"Von den drei im hiesigen Archiv aufbewahrten Briefen von Katharina von
Bora an den Knig Christian III. von Dnemark sind die zwei entschieden
nicht eigenhndig. Der dritte ist auch von einer Schreiberhand
herrhrend; von dessen Unterschrift sind aber, wie aus dem beifolgenden
Faksimile hervorgeht, die Buchstaben: "E.K.M. vnterthenige" von einer
andern Hand als der Brief selbst geschrieben, und die eigentliche
Unterschrift wieder von einer dritten. Die Originalurkunde giebt den
Eindruck, da Katharina selbst die Unterschrift angefangen, dieselbe
aber aus irgend einer Ursache aufgegeben habe und da also nur die oben
zitierten Buchstaben von ihr eigenhndig sind."

_Thiset_, Archivar.

Dieser Einsatz wird um so mehr von Katharina herrhren, als auch eine
Einfgung in dem ersten Brief Katharinas an den Herzog Albrecht ("ge"
S. 252, Z. 19, original in Knigsberg) Aehnlichkeit mit dieser
Handschrift im Kopenhagener Brief zeigt.

Da smtliche vorhandene Briefe Katharinas Kanzleischrift haben, so sind
diese drei Buchstaben "E.K.M." und das Wort "vnterthenige" wohl das
einzige, was von Katharinas Hand erhalten ist.

Das _Siegel_ Katharinas ist von den Briefen an Herzog Albrecht, wohl ein
Siegelring; es zeigt den Lwen Derer "v. Bora".

_Bilder_ Katharinas sind (unvollstndig) verzeichnet bei Hofmann S. 168
f. Hier sei nur bemerkt, da das S. 55 beschriebene Bild im Lutherhaus
in Wittenberg hngt; das auf S. 193 erwhnte im Museum zu Leipzig. Das
Nrnberger, frher in der Morizkapelle, jetzt im German. Museum, ist
weder von Kranach, noch stellt es Katharina vor.




Register.


Abla
Aebtissin
Agnes (Nisa) Lauterbach
Agricola, Joh. = M. Eisleben
Agricola, Frau Elisabeth
Alemann, Ave
Altenburg
Amsdorf, Nicolaus von
Anhalt, Frsten
Apel
Audi Koppe
Augsburg
Aurifaber = Goldschmidt
Aurogallus, Matth.
Axt, Lic. Basilius

Bader, Kastner (Kastellan) auf Koburg und Frau
Barnes, D. Robert
Baumgrtner, Hieron.
Bayer (Baier, Beier), Vizekanzler
Berndt, Ambros
Besold
Bildenhain, Bildenhauer
Boo (Bse) Gut
Bora
Bora, Christina
Bora, Clemens
Bora, Florian, (lies Florian statt Fabian)
Bora, Hans
Bora, Katharina
Bora, Maria
Bora, Magdalene (s. "Muhme Lene")
Borna
Brandenburg, Herzog Albrecht
Brandenburg, Elisabeth von
Brandenburg, Georg Markgraf
Brandenburg, Joachim Kurfrst I.
Braunschweig
Braunschweig, Herzogin Elisabeth
Briefe Luthers an Kthe:
  Von Marburg
  von Wittenberg
  von Koburg
  von Torgau
  von Schmalkalden
  von Eisenach
  von Zeitz
  von Halle
  von Eisleben
  Brief der Hausfreunde an Kthe
Briefe Kthes
Brisger, Eberhard
Brck, Dr. Gregorius
Bruno (Brauer, Haus Bruno)
Bugenhagen, Joh. = D. Pommer
Bugenhagen, Frau
Butzer (Bucer)

Camerarius, Joachim
Canitz, Elisabetha (Else) von
Capito, Wolfg.
Cario, Joh.
Carlstadt
Coburg
Cordatus
Crafft
Cranach
Crodel, Marcus, Schulmeister in Torgau
Cronberg, Hartmut von

Dnemark, Christian II. von, 39. 71.
Dnemark, Christian III.
Dene, Thilo
Dessau
Dietrich, Veit
Doctores
  Doktorschmaus
Dolzig, Hofmarschall
Domina
  = Aebtissin
  = Frau D. Luther
Dring, Christian (Aurifaber)
Drr, Kanzler
Drer, Albrecht

Eber, Paul
Eck
Einsiedel, Heinrich von
Eisenach
Eisleben, Stadt
Eisleben, D.
Emser
England, Heinrich VIII., Knig
Englnder ("Engeleser") s. Barnes
Erasmus
Erfurt

Ferdinand, Knig
Feste
Fladenkrieg
Florentina, eine Nonne
Freiberg
Friedrich Becker (Pistorius), Abt in Nrnberg
Fndli-Haus zu Nrnberg

Gabriel = Zwilling
Gerbel, Lic.
Glatz, D.
Goldschmidt s. Aurifaber.
Goritz
Gotha
Grimma
Gro Ave
Grumbach, Argula von,
Grne, Friedr. von, Feldzeugmeister

Hagenau, Reichstag
Halle
Hasenberg
Haubitz, Anna von
Haubitz, Margarete von
Haugwitz
Hausfreunde
Hausmann
Heinrich VIII., von England
Heidten
Hennick
Heuthlin
Hirsfeld (Hirschfeld), Bernhard von
Hohndorf, Brgermeister
Holstein
Honold, Hans, Brger von Augsburg
Horen
Humanisten

Jckel s. Jakob Schenk
Jena
  "Hans von Jena"
Johannes, der Schweinehirt,
Jonas, Justus
Jonas, Christoph
Jonas, Elisabeth
Jonas, Justus d.J.
Jonas, Katharina
Jonas, Sofia
Jrger, Christoph und Dorothea von Tollet
Juristen

K siehe C.
Kanitz s. Canitz.
Karl V.
Karlstadt s. Carlstadt
Kaufmann, Andreas
Kaufmann, Cyriac
Kaufmann, Jrg
Kaufmann, Fabian
Kaufmann, Lehne (s. Muhmchen Lene)
Kaufmann, Else
Kegel
Kieritzsch
Klausur
Klosterkinder
Kloster-Regel
Koburg s. Coburg.
Knigsberg
Koppe, Leonhard.
Kreuziger (Cruciger) Kasper
  (Frauen)
Kummer
Kunheim, von

Lauterbach
Lauterbach, Frau
Leipzig
Lemle (Leminus)
Lene (von Bora), Muhme, d. Aeltere
Lene, (Kaufmann) Muhme, d. Jngere
Lichtenberg
Lindemann, Kaspar
Link, Wenzel
Lippendorf
Lischnerin, Barbara
Lser, Hans, zu Pretsch, Erbmarschall
Lser, Hans, der Sohn
Lufft, Hans, Buchdrucker
Lneburg, Herzog
D.M. Luther
  Tischreden
  Geselligkeit
  Krankheiten
Luthers Eltern
Luthers Kinder
  Hans, d.J.
  Elisabeth
  Magdalene
  Martin
  Paul
  Margareta
Luthers Bruder: Jacob
Luthers Neffe: Martin
Luthers Schwester: Dorothea
Lutherbrunnen

Magdeburg
Magister
Mainz, Kurfrst Erzbischof Albrecht
Mhrische Brder
Major Georg
Mansfeld, Stadt
Mansfeld, Grafen
  Graf Albrecht
  Grfin
  Shne
Marburg
Matthesius, Joh.
Maugen (a Maugis)
Medler
Melanchthon, M. Philipp
Melanchthon, Lippus
Melanchthons Frau, Katharina
Menius
Meien
Mergenthal, Hans von
Mergenthal, Kath. von
Metsch, Hans
Mohr (Aetiops)
Mochau, Margr. v.
Mnche
Morgenstern v. Wittenberg
Mller, Kaspar Kanzler
Motterwitz
Mnster, Dr. Sebald
Mnsterberg, Ursula, Herzogin
Myconius (Mekum) Fr.

Naumburg
Neobolus (Neuheller)
Niemeck
Nimbschen
Nonnen im Kloster
  entflohen
Nonnen-Ehe
  Nonnen-Kind
Novizen
Nordhausen
Nrnberg

Pfister
Pforta
Pforzheim
Pirkheimer
Pirna
Plato
Polner, Hans
Pommer = Bugenhagen
Preuen, Albrecht, Herzog von
Probst
Professoren

Ratzeberger, Dr. Matthias
Reichenbach, M. Phil.
Reliquien
Reuchlin = Reichel
Reuter, Brgermeister
Riedtesel
Rischmann
Rhrer (Rorer, Rorarius) Gg.
Rosina
Roth
Rothenburg
Rhel
Rutfeld

Sabinus, Melanchthons Schwiegersohn
Sachsen, Land
Sachsen: Georg, Herzog
  Heinrich
  Moriz
  Kurfrst Friedrich
  Johann
  Joh. Friedrich
  Johann Ernst
Sala, Hanna von
Saumarkt
Schenck, Jakob
Sibylle, Herzogin
Schiefer
Schla(g)inhausen
Schmalkalden
Schnell, Georg
Schnfeld, Ave (Eva)
  Ernst
Schurf, Augustin, Arzt
  Hieron., Jurist
  Hanna, geb. Muschwitz
Severus = Schiefer.
Sieberger, Wolfgang
Spalatin
Specke
Speckstudenten
Speratus
Spiegel, Erasmus, Stadthauptmann von Wittenberg
Staupitz, Joh. von
Staupitz, Magdalena
Stiefel, Michael
Strau, Anna (Hanna)
Studenten, "Bruder Studium"

Taglhner Kthes
Taubenheim, Hans von
Taubenheim, Dietrich
Tischreden
Tollet s. Jrger
Tommitzsch, Wolf
Torgau

Ursula s. Mnsterberg

de Vay
Vergerius, Kardinal
Viscamp

Wachsdorf
Warbeck
Weimar
Weller, Hieron.
Weller, Mathias
Weller, Peter
  S. Lischner.
Wittenberg, Stadt und Rat
Wolf(gang) s. Sieberger

Zeschan
Zell, Katharina (Schtzin)
Zink, Hans
Zulsdorf
Zwilling





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To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
distribution of electronic works, by using or distributing this work
(or any other work associated in any way with the phrase "Project
Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
Gutenberg-tm License (available with this file or online at
https://gutenberg.org/license).


Section 1.  General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
electronic works

1.A.  By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
and accept all the terms of this license and intellectual property
(trademark/copyright) agreement.  If you do not agree to abide by all
the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.

1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
permission of the copyright holder found at the beginning of this work.

1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5.  Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
word processing or hypertext form.  However, if you provide access to or
distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
form.  Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8.  You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
that

- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
     you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
     does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
     License.  You must require such a user to return or
     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH F3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
refund.  If you received the work electronically, the person or entity
providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
https://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at https://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit https://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including including checks, online payments and credit card
donations.  To donate, please visit: https://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     https://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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