The Project Gutenberg EBook of Katharina von Bora, by D. Albrecht Thoma

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org


Title: Katharina von Bora
       Geschichtliches Lebensbild

Author: D. Albrecht Thoma

Release Date: June 16, 2004 [EBook #12636]

Language: german

Character set encoding: ASCII

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KATHARINA VON BORA ***




Produced by Charles Franks and the DP Team




[Illustration: Katharina von Bora

nach dem Gemaelde von Lucas Cranach im Museum zu Schwerin

Phot. F. u. O. Breckmann Nachf., Dresden.

Verlag Georg Reimer, Berlin.]




Katharina von Bora


Geschichtliches Lebensbild

von D. Albrecht Thoma


Berlin

Druck und Verlag Georg Reimer.

1900.




Vorwort.


In dem "Leben Luthers" bietet das Kapitel "Luthers Haeuslichkeit" als
freundliche Idylle ein liebliches Ausruhen von den dramatischen Kaempfen
und dem epischen Gange einer reformatorischen Wirksamkeit. Die Briefe an
eine "liebe Hausfrau" sind unter den Tausenden seiner Episteln die
schoensten und originellsten. Dafuer liegt der Grund doch nicht allein in
dem reichen Gemuet und dem geistvollen Humor des grossen Mannes, sondern
auch in der Persoenlichkeit seiner lebhaften, temperamentvollen Gattin.
Es muss doch eine bedeutende Frau gewesen sein, die der grosse Mann als
seine Lebensgefaehrtin zu sich emporhob und die sich getraute, die Gattin
des gewaltigen Reformators zu werden und der es gelungen ist, ihm zu
genuegen; und ein sympathischer Charakter musste das sein, an dem er seine
frohe Laune so schoen entfalten konnte. Sie hat ihrem Doktor das schoene
Heim geschaffen und das vorbildliche evangelische Pfarrhaus. Und so lebt
auch Luthers Kaethe als die Genossin von dem Liebling und Stolz unserer
Nation in der Seele des deutschen Volkes in gutem Gedenken.

Es kann nun auffallen, dass eine eigentliche Lebensgeschichte der Gattin
Luthers bisher noch gar nicht erschienen ist, dass fast mehr
schmaehsuechtige Feinde, wie vor hundertfuenfzig Jahren ein Engelhard, ihre
wenig lauteren Kuenste an dieser Aufgabe geuebt haben; und besonders ist
zu verwundern, dass in dem letzten halben Jahrhundert, diesem so
hervorragend historischen Zeitalter,--seit den beiden gleichzeitig
erschienenen quellenreichen Skizzen von _Beste_ und _Hofmann_--keine
Biographie entstand, nicht einmal fuer dieses Jubilaeumsjahr ihres
vierhundertjaehrigen Geburtstages.

Der Grund dieser eigentuemlichen Erscheinung liegt aber doch klar. Einmal
wird eben in "Luthers Leben" das Bild Katharinas von Bora stets mit
hineingemalt; sodann ist es schwierig, neben der gewaltigen Gestalt
ihres Gatten sie recht zur Geltung kommen zu lassen; endlich ist eine
muehsame Kleinarbeit erforderlich, um eine lebensvolle Zeichnung zu
entwerfen, und ueberraschende Entdeckungen sind bei aller Findigkeit hier
nicht zu machen.

Dennoch verdient Luthers Kaethe--so viel das geschehen kann--fuer sich
besonders betrachtet zu werden, wie ja ihr Bild so oft fuer sich neben
demjenigen des grossen Doktors gemalt ist. Ist Frau Kaethe freilich nichts
ohne den D. Martinus, so kann man doch auch fragen: Was waere Luther ohne
seine Kaethe? Dem Lebensbilde des grossen Reformators fehlte das
menschlich Anziehende, fehlten die vor allem uns Deutschen ausbrechenden
gemuetlichen Beziehungen des Familienlebens. Und das hat Frau Kaethe ihm
geschaffen. Ihr ist es zu verdanken, dass die Welt ihn so lange, und so
lange in geistiger Frische und freudigem Arbeitseifer gehabt hat.

So mag es ein Denkmal sein, und--wie es der schlichten deutschen
Hausfrau geziemt--ein anspruchsloses, was ihr hier zu ihrem
vierhundertjaehrigen Gedaechtnistage gesetzt ist.




Inhaltsverzeichnis.

1. Katharinas Herkunft und Familie.

Sachsen und Meissen
Bora
Lippendorf
Eltern und Brueder
"Muhme Lene" und Maria v. Bora
Armut der Familie
Der Eltern Tod


2. Im Kloster

"Ehrsame" Jungfrauen
Adelige Stifter
Klosterkinder
Nimbschen
Klosterfrauen
Klausur
Wuerden
Klostergenossinnen
Die Novize
Kloster-Regel
Erziehung
Die Postulantin
Einsegnung
Tagewerk
Reliquien
Ablass
Kloster-Erlebnisse
Nonnen-Beruf


3. Die Flucht aus dem Kloster

Luthers Schriften ueber Ablass, gute Werke, Klostergeluebde
Vermittelung der Schriften
Leonhard Koppe
Austrittsgedanken
Die Verwandten
Klagebrief an Luther
Bedenken
Flucht-Plan
Das Entkommen aus dem Kloster
Die Flucht
Offener Brief an Koppe, "dass Jungfrauen Kloster goettlich verlassen moegen"
Der Abt von Pforta
Neue Entweichungen


4. Eingewoehnung ins weltliche Leben

Versorgung der Klosterjungfrauen
Katharina bei Reichenbach
Hier. Baumgaertner
D. Glatz


5. Katharinas Heirat

Luther draengt zur Ehe
Verehelichung von Priestern und Klosterleuten
Luther denkt zu heiraten
Eine Nonne soll's sein
Luthers Werbung
Trauung und Hochzeit
Gaeste
Geschenke
Das Fest

6. Das erste Jahr von Katharinas Ehestand.

Im "Schwarzen Kloster"
Ausstattung
Angewoehnung
Unterhaltung
Bild
"Die erste Liebe"
Verstimmung der Freunde
Schmaehungen der Feinde
Gefahren
Stimmungen


7. Katharina als Mutter ihrer Kinder und Hausgenossen.

Johannes
Elisabeth
Magdalena
Martin, Paul
Margareta
Elternfreuden
Muhme Lene
Neffen und Nichten
Zuchtmeister
Gesinde, Gaeste
Besuche


8. Katharinas Haushalt und Wirtschaft.

Das Regiment in Luthers Haus
Haus und Hof
Bauereien
Geraete
Schenkungs-Urkunde
Teurer Markt
Landwirtschaft
Gaerten
"Haus Bruno", Gut Booss
Zulsdorf
Grundbesitz
Arbeitsseligkeit


9. "Wunderliche Rechnung zwischen D. Martin und Kaethe."

Armut
Einkuenfte
"Geschenke"
Umsonst
Hausrechnung. "Gieb Geld"
Luthers Mildthaetigkeit
Schulden
insidiatrix Ketha
"Raetlichkeit"
"Wunderlicher Segen"
"Lob des tugendsamen Weibes"


10. Haeusliche Leiden und Freuden.

Schwerer Haushalt
Krankheitsanfall Luthers (1527)
Die Pest
Hochzeit und Tod
Fluechtlinge und Hochzeiten
Visitationsreisen
Briefe von der Koburg
Die Grosseltern
Besuche und Reisen
Ein Kardinal in Wittenberg
Tischgesellen, Famulus, Kaethes Brueder
Kinderzucht
Rosine
Kaethes Tageloehner


11. Hochzeiten und Krankheiten, Pest und Tod.

"Muehmchen Lene" und Veit Dietrich
Lenchens Verlobung (1538)
"Des Teufels Fastnacht" (1535)
In den "hessischen Betten"
Luthers toedliche Krankheit in Schmalkalden (1537)
Muhme Lene [Symbol: gestorben]
Pflege der Elisabeth von Brandenburg
Wieder Pest (1539)
Kaethes toedliche Krankheit (1539)
Briefe aus Weimar (1540)
Allerlei Sorgen
Hanna Strauss verlobt und Muehmchen Lene verwitwet
Haus in Torgau, Lenchens Krankheit und Tod
Hansens Heimweh


12. Tischreden und Tischgenossen.

Eine akademische Hochzeit
Allerlei Feste
Besuche
_Cordatus_
_Stiefel_
_Kummer, Lauterbach_
_Schlaginhaufen, Weller_
_Hennik; Barnes; de Bai_
_Dietrich_
_Besold_
_Holstein; Schiefer; Matthesius_
_Goldschmidt u.a._
Kaethes "Tischburse"
Die "Tischgespraeche"


13. Hausfreunde.

Humanisten-Freundschaft
Der Freundeskreis des Lutherischen Hauses
Gruesse und Geschenke
_Amsdorf; Agrikola_
_Probst_
_Brisger, Biscampius, Zwilling; Mykonius; Capito_
Die Nuernberger: _Link_ und _Friedrich_; _Baumgaertner_
_Dietrich_; Geschwister _Weller_
_Hausmann_
_Schlaginhaufen_
_Lauterbach_
_Spalatin_
Hans von _Taubenheim_
Amtsgenossen
_Kreuziger_
_Bugenhagen_
_Jonas_
_Melanchthon_
Sabinus und Lemnius
Brief der Freunde an Kaethe
Die Tafelrunde
Freundinnen


14. Kaethe und Luther.

Die "Erzkoechin"
Luthers Enthaltsamkeit und Festfreude
Kaethe als Krankenpflegerin
Kaethes Humor
Verdaechtigungen Kaethes
Kaethes geistige Interessen
Was Luther von Kaethe hielt
"Ihr" und "Du"
"Herr" Kaethe
"Liebe" Kaethe
Luthers unguenstige Aeusserungen
Lob des Weibes
"Haeuslicher Zorn"
Lob des Ehestandes und Kaethes
Kaethes "Bildung"
Ebenbuertigkeit
Kaethes Bild


15. Luthers Tod.

Truebe Zeitlage
Hader im eigenen Lager
Die "garstigen" Juristen
Abscheiden der Freunde
Luthers zunehmende Krankheiten
Arbeit und Humor
Wegzugsgedanken
"Speckstudenten" und Kleidermoden
Abreise
Schrecken in Wittenberg
Reisen nach Eisleben
Briefe von Halle und Eisleben
Der letzte Brief
Die Todesnachricht
Zuruestung zur Bestattung
Trostbrief des Kurfuersten
Der Leichenzug
Katharinas Stimmung


16. Luthers Testament.

"Die Welt ist undankbar, die Leute sind grob"
Dr. Bruecks Zorn auf Katharina
Fuerstliche und freundschaftliche Fuersorge
Das saechsische Erbrecht
Katharinas Leibgeding
Die Erbschaft
Bruecks und Katharinas Plaene
Katharinas Bittschrift
Reden der vier Hausfreunde
Bruecks Gutachten
Die Entscheidungen des Kurfuersten
Kampf um Wachsdorf und die Kinder
Wolf, Gesinde und Tischburse
Fuersorge fuer Florian von Bora
Mahnungen an den Daenenkoenig


17. Krieg und Flucht.

Beginn des Schmalkaldischen Kriegs, zweierlei Gebete
Anmarsch auf Wittenberg, Flucht
Belagerung Wittenbergs. In Magdeburg
Brief von und an Christian III.
Schreckensgeruechte
Neue Flucht; in Braunschweig
Heimkehr


18. Der Witwenstand.

Wie's daheim aussah
Kriegsschaeden und Process
Kosttisch; Anlehen
Das Interim. Hans Luther nach Koenigsberg
Leiden und "gnaedige Hilfe"
Hans in Koenigsberg
Kriegslasten
"Dringende Not"


19. Katharinas Tod

Flucht vor der "Pestilenz"
Der Unfall
Anna von Warbeck
Das Leichenprogramm und die Bestattung
Nachkommen und Reliquien
Denkmaeler
Katharinas Gedaechtnis


Belege und Bemerkungen.


Register.




1. Kapitel

Katharinas Herkunft und Familie[1].


Zur Zeit der Reformation umfasste das Land Sachsen etwa das heutige
Koenigreich, den groessten Teil der Provinz Sachsen und die
thueringisch-saechsischen Staaten. Diese saechsischen Lande aber waren seit
dem Erbvertrag von 1485 zwischen den Ernestinern und Albertinern geteilt
in ein Kurfuerstentum und ein Herzogtum. Wunderlich genug war diese
Teilung, aber ganz nach damaligen Verhaeltnissen: zum Albertinischen
Herzogtum, auch "Meissen" genannt, gehoerte der groesste Teil vom heutigen
Koenigreich mit den Staedten Meissen, Dresden, Chemnitz; ferner ein
schmaler Streifen von Leipzig bis nach Langensalza. Dazwischen dehnte
sich das Kurfuerstentum mit den Hauptstaedten Wittenberg, Torgau, Weimar,
Gotha, Eisenach westwaerts, und Zwickau und Koburg nach Sueden. Die
Kursachsen sahen mit einigem Stolz auf ihre Nachbarn herab, welche bloss
herzoglich waren, gebrauchten auch wohl den alten Spottreim: "Die
Meissner sind Gleisner". Wenn's auch nicht wahr war, es reimte sich doch
gut[2].

Aus dem Herzogtum Meissen stammte nun Katharina von Bora, Luthers
Hausfrau[3], waehrend er selbft ein geborener Mansfelder, dann ein Buerger
der kursaechsischen Residenz Wittenberg und Beamter des Kurfuersten war.
Er beklagte sich wohl bei seiner Frau ueber ihren Landesherrn, Herzog
Georg den Baertigen, welcher, ein heftiger Gegner der Reformation, mit
Luther in steter Fehde lag, gehaessige Schriften gegen ihn losliess und
die Lutheraner im Lande "Meissen" verfolgte. Daneben neckte Luther seine
Kaethe auch, als sie in Leipzig bei seinen Lebzeiten die Maere von seinem
Tode verbreiteten: "Solches erdichten die Naseweisen, deine
Landsleute"[4].

Im Meissenschen nun hinter der Freiberger Mulde, eine Stunde ostwaerts von
dem "Schloss und Staedtchen" Nossen lagen die beiden Ortschaften Wendisch-
und Deutschenbora[5], eine Viertelstunde von einander zwischen
Tannengehoelzen, denn Tanne heisst auf slavisch "Bor"[6]. Hier hatte das
Geschlecht der Bora seinen Stammsitz. Von dort verpflanzte es sich in
verschiedenen Zweigen an viele Orte des Sachsenlandes; so auch in die
Naehe von Bitterfeld und Borna, je fuenf Stunden noerdlich und suedlich von
Leipzig. Sie fuehrten alle im Wappen einen steigenden roten Loewen mit
erhobener rechter Pranke in goldenem Feld und den Pfauenschweif als
Helmzier[7].

Aus welchem dieser neun oder zehn Zweige aber Frau Katharina, des
Reformators Ehegattin, stammte, ist nicht mehr gewiss auszumachen. Mehr
als sieben Orte, wie bei dem Vater der griechischen Dichtung, Homer,
streiten sich um die Ehre, ihre Geburtsstaette zu sein: das ist fast
jeder Ort, wo frueher oder spaeter Bora gewohnt und gewaltet haben. Aber
man kann eher noch beweisen, dass sie aus acht dieser Orte nicht stammt,
als dass sie am neunten Ort wirklich geboren sei[8].

Vielleicht ist Katharinas Geburtsort beim alten Stammsitz des
Geschlechts: zu Hirschfeld, einem sehr fruchtbaren Hofgut in der
doerferreichen Hochebene, wo man noerdlich nach dem nahen Deutsch-Bora und
dem etwas ferneren Wendisch-Bora schaut, gen Westen aber, in einer
Entfernung von einer Stunde, die burggekroente Bergnase von Nossen
erblickt.

Wahrscheinlicher aber wurde Kaethe zu _Lippendorf_ geboren. Westwaerts
naemlich von Borna an der Pleisse zieht sich als meissnisches Gebiet ein
weites Blachfeld, dessen Einfoermigkeit nur durch dunkle Gehoelze
unterbrochen wird. Nur ein paar hundert Schritte von dem Kirchdorf
Medewitzsch erhebt sich das Haeuflein Haeuser des kleinen Doerfchens
Lippendorf und etwas abseits gelegen ein groesseres Gut, mit einem Teiche
dahinter. Das war zwar kein rittermaessiger Hofsitz, aber doch ein
stattliches Lehngut, das heutzutage seinen Besitzer zu einem
wohlhabenden Bauern macht. Um 1482 sass dort ein Hans von Bora mit
seiner Gemahlin Katharina; um 1505 ist's ein Jan von Bora mit seiner
Gattin Margarete, einer geborenen von Ende. Wahrscheinlich ist Hans und
Jan nicht Vater und Sohn, sondern dieselbe Person und Margarete nur
seine zweite Ehefrau.

Hier waere nun Katharina an dem Ende des fuenfzehnten Jahrhunderts, 15-1/4
Jahre nach Martin Luther, auf die Welt gekommen. In diesem
bauernhofaehnlichen Anwesen waere sie--vielleicht unter einer
Stiefmutter--herangewachsen. An diesem Teich haette sie als Kind gespielt
und hinuebergeschaut nach dem nahen Rittersitz Kieritzsch mit seinem
Schlosspark und kleinen Kirchlein, und weiterhin ueber die Wiesen und
Gehoelze der Mark Nixdorf nach der "Wuestung Zollsdorf"--wo sie spaeter als
ehrsame Hausfrau und Doktorin vom fernen Wittenberg herkommend hausen
und wirtschaften sollte, wie sie's zu Lippendorf in Hof und Stall, Kueche
und Keller von der fleissigen Mutter gelernt.[9]

Aber sicher ist diese Annahme nicht. Es kann auch ein anderer Ort
Katharinas Geburtsstaette sein.

Ja, sicher weiss man nicht einmal den Namen von Vater und Mutter. Hans
konnte der Vater wohl geheissen haben, so hiess damals jeder dritte Mann,
auch im Bora'schen Geschlecht. Und nach einer andern, nicht
unglaubwuerdigen Nachricht waere die Mutter eine geborene von Haubitz
gewesen und haette nach der Tradition den ebenfalls zu jener Zeit sehr
beliebten Namen Anna getragen. Dann waere freilich Lippendorf nicht
Kaethes Heimat gewesen. Unzweifelhaft gewiss ist nur ihr Geburtstag, der
29. Januar 1499; denn dieser Tag ist auf einer Schaumuenze eingegraben,
die heute noch vorhanden ist[10].

Auch ihre naechsten Verwandten sind bekannt.

Katharina hatte wenigstens noch drei Brueder. Der eine, dessen Name nicht
genannt ist, verheiratete sich mit einer gewissen Christina und starb
ziemlich fruehzeitig, vielleicht schon um 1540. Denn sein Sohn Florian,
der etwa gleichaltrig mit Luthers Aeltestem d.h. damals vierzehn Jahre
alt war, wurde um diese Zeit ins Haus genommen und wollte 1546 die
Rechte studieren; damals war "Christina von Bora Witfraw"[11].

Der andere Bruder Katharinas ist _Hans_ von Bora. Er war 1531 in
Diensten des Herzogs Albrecht von Preussen, kehrte aber etwa 1534 von
dort zurueck, um fuer sich und seine Brueder das Guetlein Zulsdorf als
"Erbdaechlein" zu uebernehmen. Er bekam in seinen Mannesjahren von seinem
Schwager Luther und von Justus Jonas das Lob eines "aufrichtigen, feinen
und treuen Menschen". "Treu und brav ist er, das weiss ich, dazu auch
geschickt und fleissig", bezeugt ihm Luther[12].

Weniger Loebliches ist von dem dritten Bruder _Klemens_ bekannt. Er kam
mit Bruder Hans nach Koenigsberg, geriet aber nach dessen Rueckkehr in die
Gesellschaft eines adligen Raufboldes, der in seiner Gegenwart einen
Zimmergesellen im Rausch erstach, was ihm selbst uebeln Ruf zuzog und ihn
in Ungnaden bei dem Herzog brachte[13].

Ausser den Bruedern Katharinas ist auch eine Muhme (Base) Lene bekannt,
welche spaeter in Luthers Haus lebte. Es wird dies niemand anders sein
als die Magdalena von Bora, des Vaters Schwester[14], welche freilich
zur Zeit von Katharinas Geburt schon lange im Kloster Nimbschen lebte.

Wenn es wahr ist, dass um 1525 eine Maria von Bora auf Zulsdorf sich nach
Wittenberg verheiratete[15], so muessen auf diesem Vorwerk in den
zwanziger Jahren noch nahe Verwandte gelebt haben. Reich konnten diese
aber nicht sein, denn das ganze Gut war nur 600 fl. wert und naehrte
seinen Mann nicht, wie spaeter Bruder Hans selbst erfuhr. Ein weiterer
Verwandter Katharinas war Paul von Rachwitz, welcher zu Bitterfeld
wohnte in dessen Naehe auch in Zweig der Bora hauste[16].

Die Familie Katharinas muss recht arm gewesen sein: es heisst sogar: sie
war in die aeusserste Bedraengnis geraten. Florian, der Sohn des aeltesten
Bruders, war jedenfalls nach seines Vaters Tod, obwohl dieser
wahrscheinlich das Erbgut besass, doch auf Stipendien angewiesen fuer
seine Studien. Bruder Hans war am preussischen Hof so aermlich gestellt,
dass Luther fuer ihn dem Herzog Albrecht "beschwerlich sein" und schreiben
musste: "Nachdem meiner Kaethen Bruder Hans von Bora nichts hat und am
Hofe Kleid und Futter genug nicht hat, wollten E.F.Gn. verschaffen, dass
ihm jedes Vierteljahr ein paar Gulden wuerden zugeworfen, damit er auch
Hemd und andere Notdurft bezahlen moechte.[17]"

Katharina selbst endlich hat, wie es scheint, nicht einmal ein
Leibgeding mit ins Kloster bekommen, wie es andere, wohlhabendere adlige
Fraeulein mit durchschnittlich 3 Schock[18] jaehrlich erhielten; und auf
ihre Einsegnung konnte sie nur 30 Groschen spenden, waehrend neue Nonnen
wohl 100 oder wenigstens 40 Groschen opferten. Bei ihrer Heirat konnte
sie keine Mitgift in die Ehe bringen[19].

So ist also Katharina von Bora--wo es auch sei--in gar engen
Verhaeltnissen aufgewachsen, und wenn man sich das junge Maedchen etwa als
zartes Ritterfraeulein am Burgfenster mit dem Stickrahmen oder als
Jaegerin auf stolzem Zelter vorstellen wollte, so gaebe das ein gar
falsches Bild. Wir haben sie uns vielmehr zu denken wie eine junge
Bauerntochter auf dem Hofgut schaltend und waltend, der Mutter an die
Hand gehend in der Wirtschaft, zugleich als die Aelteste, vielleicht als
einziges Toechterlein, auch eine gewisse Selbstaendigkeit und
Herrschergabe entfaltend, wie sie sich spaeter in der reifen Frau
entwickelt zeigt.

Freilich ein wirkliches anschauliches Bild ihrer Kindheit zu entwerfen
vermoegen wir nicht, dazu fehlen alle Anhaltspunkte, alle Formen und
Farben. Wir moegen dies bestimmte Bild aus der ersten Jugendzeit, in die
wir uns bei einem Menschenleben so gerne versenken, bei Katharina
schmerzlich vermissen, da sich die ganze Umgebung, der Hintergrund der
Landschaft und selbst die notwendige Staffage von Vater und Mutter und
alles, was auf ein junges Menschenkind einwirkt, bis auf die Namen
verwischen und verschwinden, waehrend zum Beispiel bei ihrem Gatten, dem
Doktor Luther, Elternhaus, Vater, Mutter, Geschwister, Gespielen, Heimat
und Schule so deutlich und plastisch sich herausheben, dass sie ein gar
lebendiges und farbenreiches Gemaelde geben. Aber man kann sich doch auch
wieder ueber diesen Mangel leicht troesten.

Denn wie es scheint, sind die Eltern beide frueh gestorben. Sobald
Katharina ins Licht der Geschichte tritt mit ihrer Heirat, ja schon bei
ihrer Entweichung aus dem Kloster, ist jede Spur von ihnen verschwunden:
die Eltern erscheinen nicht bei ihrer Hochzeit, wie die Eltern von
Luther; sie werden um ihre Einwilligung nicht gefragt, worauf doch
Luther sonst so grosses Gewicht legt; ja sie kommen schon nicht in
Betracht bei der Flucht aus dem Kloster, als es sich um eine Unterkunft
handelt; und auch waehrend der ganzen Klosterzeit kommt Vater und Mutter
nicht zum Vorschein, wie es doch oftmals bei Klosterjungfrauen der Fall
ist. Vielleicht ist gerade der Eltern frueher Tod fuer Katharina die
Veranlassung gewesen, so bald ins Kloster einzutreten.

Wie dem aber auch sei, die geistige Entwicklung des jungen Fraeuleins
faellt nicht in das Elternhaus. Denn sehr frueh kam Katharina von daheim
fort und ihre bewusste Jugendzeit verbrachte sie fern von der Heimat im
Jungfrauen-Stift.

So faellt Katharinas Eintritt, obwohl sie 15 Jahre juenger war, etwa in
dieselbe Zeit, als der Erfurter Magister Martin Luther die Studien
verliess und in das Kloster der Augustiner ging.




2. Kapitel

Im Kloster.


Wenn heutzutage ein armes Maedchen aus besseren Staenden versorgt werden
soll, das nicht auf grosse Mitgift und darum auf Verheiratung rechnen und
somit dem natuerlichen weiblichen Beruf, dem Familienleben,
voraussichtlich entsagen muss, so kommt es in eine Anstalt und bildet
sich zur Lehrerin oder dergleichen aus. Im Mittelalter kam so ein armes
Fraeulein, dessen Ausstattung die schmalen Erbgueter der Stammhalter und
Schwestern noch mehr geschmaelert haette, zur Versorgung ins Kloster. Die
alten Kloester (der Benediktiner, Cisterzienser, Bernhardiner) wurden so
Versorgungsanstalten[20]. Es waren adelige Stifter, fromme Anstalten der
Vorfahren, worin "ehrsame" (d.h. adelige) Jungfrauen Gott dienen und fuer
die Seelen der Lebenden und Verstorbenen beten sollten[21]. Statt des
jetzigen "geistigen" Berufs zum Wirken in der Welt fuer lebendige
Menschen diente damals der "geistliche" Beruf zur Verehrung Gottes und
der Heiligen, zum ewigen Seelenheil der Lebenden, namentlich aber der
toten Anverwandten im Fegefeuer. Statt der heutigen freien und doch
nicht immer freiwilligen Entschliessung zu einem selbstgewaehlten Beruf,
der freilich immer nur bedingungsweise und auf Zeit ergriffen wird, galt
es damals die "ewige" unwiderrufliche "Vergeluebdung" auf Lebenszeit;
statt der "Emanzipation", welche einer ausser dem Familienleben stehenden
Jungfrau heute mehr oder weniger wartet, harrte ihrer damals die
"Klausur", die Einschliessung in die Klostermauern in einem streng
geschlossenen Verband, dem "Orden", unter dem straffen Bande der
"Regel", der Klostersatzungen.

Nach Begabung und Neigung zu diesem geistlichen Beruf wurde da wenig
gefragt, und es konnte auch keine Ruecksicht darauf genommen werden[22].
Dazu war in diesen Zeiten die elterliche Autoritaet, namentlich ueber
Toechter, viel zu gross, und der Familiensinn in solchen adeligen Haeusern
war ein zu stark ausgepraegter, als dass sich ein Glied in individueller
Neigung gegen das Herkommen und die Familiensitte wie gegen die
Forderungen der Existenzbedingungen seines Geschlechts aufgelehnt haette.
Nach den kirchlichen Bestimmungen galt der Grundsatz: "Einen Moench macht
entweder die elterliche Vergeluebdung oder die eigene Einwilligung"[23],
also in erster Linie die Bestimmung der Eltern! Diese hielten es eben
fuer eine standesgemaesse Versorgung und zugleich fuer einen "guten seligen
Stand", wie eine Nonne aus dieser Zeit erklaert[24].

Zudem wurden die Toechter in einem Alter in das Stift gethan, wo von
einer Willensentscheidung gar keine Rede sein konnte[25]. Die Maedchen
waren noch Kinder. Der Eintritt konnte schon im sechsten Lebensjahr
geschehen; viele kamen auch spaeter hinein, wenn sich die
Familienverhaeltnisse durch Wachstum der Kinderzahl, Tod der Mutter und
dergleichen anders gestalteten. Aber auch in noch frueherem Alter wurden
"Kostkinder" aufgenommen, welche dann auch oft Klosterjungfrauen wurden.

"Es ist eine hohe Not und Tyrannei, dass man leider die Kinder,
sonderlich das schwache Weibervolk und junge Maedchen in die Kloester
stoesset, reizet und gehen laesst"--so aeussert sich Luther gerade ueber das
Kloster, worin sich Katharina von Bora befand, und ruft entruestet aus:
"O die unbarmherzigen Eltern und Freunde (Verwandten), die mit den
Ihren so schrecklich und greulich verfahren!"[26]

Nicht anders erging es auch der Tochter aus dem verarmten Hause Bora.
Katharina ward ins Kloster geschickt--gefragt wurde das Kind natuerlich
nicht; es geschah "ohne ihren Willen", wie denn Luther im allgemeinen
von ihr und ihren Mitschwestern von Verstossung ins Kloster redet und von
Zwang. Er fragt bei dieser Gelegenheit seine Zeitgenossen: "Wie viel
meinst du, dass Nonnen in Kloestern sind, die froehlich und mit Lust
ungezwungen ihren Gottesdienst thun und Orden tragen? Unter tausend kaum
eine. Was ist's, dass du solches Kind laesst also sein Leben und alle seine
Werke verlieren?"[27]

Katharina kam vielleicht schon mit dem 6. Lebensjahr ins Kloster; denn
in ihrem sechsten Lebensjahr verschreibt Jan von Bora auf Lippendorf
alle seine Gueter allda seiner--vielleicht in diesem Jahr geheirateten
zweiten--Ehefrau. Jedenfalls war Katharina im zehnten Lebensjahr (1509)
schon Klosterjungfrau; und zwar nicht mehr die juengste, sondern die
zweitjuengste von den Aufgenommenen und blieb noch lange Jahre (bis 1516)
die vorletzte in der Reihe der Schwestern[28].

Kloester gab es damals genug im Land: es wurden allein im Meissnischen
gegen 30 Nonnenkloester gezaehlt[29]. In welches Kloster Katharina
eintreten sollte, das stand von vornherein fest: es musste das adelige
Cisterzienserinnen-Kloster "Marienthron" oder "Gottesthron" _Nimbschen_
bei Borna im Kurfuerstentum Sachsen sein[30]. Denn hier war eine Muhme
von Vaterseite, vielleicht Vatersschwester Magdalene von Bora schon
lange Zeit Klosterjungfrau und bekleidete von 1502-8 das Amt einer
Siechenmeisterin, d.h. Krankenwaerterin der Nonnen. Ausserdem waren,
scheint es, noch zwei Verwandte aus der muetterlichen Familie der Haubitz
da: eine aeltere Margarete und eine juengere Anna.

Das Kloster Nimbschen hat eine huebsche Lage. Eine Stunde unterhalb,
nachdem die beiden Mulden, die Zwickauer von Sueden und die Freiberger
von Osten her zusammengeflossen sind zu der grossen Mulde, erweitert sich
das enge Flussthal zu einer viertelstundebreiten ebenen Aue, welche die
Form eines laenglichen Blattes hat und eine halbe Stunde lang ist. Am
Ostufer zieht sich eine schroffe Felswand aus Porphyr hin, an welche
das Muldebett sich anschmiegt; im Westen begrenzt eine niedrige, sanfter
ansteigende, waldbewachsene Huegelkette den Werder. Ueber der noerdlichen
Blattspitze, die scharf durch die zusammenrueckenden Felswaende
abschliesst, erhob sich eine Burg und jenseits der Thalsperre, ungesehen
von der Aue aus, liegt die Stadt Grimma; an dem obern Ende der Aue,
unmittelbar am Fusse des westlichen Waldhuegels, stand das Kloster. Es war
also abgelegen von der Welt, abgeschlossen durch die beiden Huegelreihen,
nur mit dem Blick auf die stille ruhige Aue. Drueben floss die Mulde
ungesehen tief in ihren Ufern, ueberragt von der Felswand, hueben erhob
sich der huegelige Klosterwald. Nordwaerts davon schimmerte ein ziemlich
grosser Teich, welcher die leckere Fastenspeise barg.

Aus dem Huegel unmittelbar neben dem Kloster waren die schmutzig braunen
Porphyrsteine gebrochen, mit welchen die Mauern und Klostergebaeude
aufgebaut waren; ein Graben an diesem Huegel hin verhinderte noch mehr
den unbefugten Zutritt.

Das Klostergebaeude war sehr umfangreich, denn so eine alte
Cisterzienser-Abtei bildete eine Welt fuer sich: nach alter Regel musste
das Kloster alle seine Beduerfnisse selber durch eigene Wirtschaft
befriedigen[31]. Daher gab es neben dem eigentlichen "Gotteshaus", wie
ein geistliches Stift genannt wurde, noch allerlei Wirtschaftsgebaeude:
Staelle fuer Pferde, Rinder, Schweine, Gefluegel mit den noetigen Knechten
und Maegden, Hirten und Hirtinnen fuer Fuellen, Kuehe, Schafe (das Kloster
hatte deren 1800!), Schweine und Gaense; ferner Maeher, Drescher,
Holzhauer, eine "Kaesemutter". Das Kloster selbst zerfiel in zwei
Gebaeudekomplexe: "die Propstei" und die "Klausur". Die Propstei schloss
sich um den aeusseren Klosterhof und umfasste die Wohnung des Vorstehers
oder Propstes, eines "Halbgeistlichen", welcher mit "Ehren" ("Ehr")
angeredet wurde, dann die Behausung des Verwalters oder Vogts (Voit)
samt dem Schreiber; ferner das "Predigerhaus", in welchem die zwei
"Herren an der Pforte", d.i. Moenche aus dem Kloster Pforta, als
Beichtvaeter wohnten, denn Pforta hatte die Oberaufsicht ueber Nimbschen.
Ein Brauhaus, Backhaus, Schlachthaus, Schmiede, Muehle, Kueche und Keller
waren noch da, worin die verschiedenen Klosterhandwerker hausten und
hantierten; auf dem Thorhaus sass der Thorwaerter Thalheym. Ein
"Hellenheyszer" hatte die Oefen zu besorgen.

Es war eine gar umfangreiche Wirtschaft und ein grosses Personal: 40-50
Leute waren in der Klosterzeit Katharinas von Bora taeglich "ueber den
Hof" zu speisen; und dazu mussten Loehne gezahlt werden, vom Oberknecht
mit 4 Schock 16 Groschen und Vorsteher mit 4 Schock an bis zur
Gaensehirtin, welche nur 40 Groschen bekam.

Um alle diese Personen zu besolden und neben den Klosterfrauen zu
speisen, brauchte es natuerlich grosser Einkuenfte an Geld, Getreide,
Huehnern, Eiern u.s.w. von den Klosterdoerfern und Hoefen, ausser den
Klosterguetern, die vom Klosterpersonal selbst bewirtschaftet wurden.
Ferner hatten die Bauern noch gar manche Fronden mit Ackern, Duengen,
Dreschen, Maehen und Heuen, Schneiden, Holzmachen, Hopfen pfluecken,
Flachs und Hanf raufen, riffeln und roesten, Schafscheren, Jagdfron
(Treiben bei der Jagd) wofuer teilweise Essen und Trinken, bei der Jagd
auch Geld gereicht wurde.

Die Nonnen selbst wohnten in der "Klausur", einem zweiten
Gebaeudekomplex, welcher im Viereck um einen kleinen Hof gebaut war und
aus der Kirche, dem Refektorium (Speisehaus), dem Dormitorium
(Schlafhaus mit den Zellen) und dem Konvent (Versammlungshaus) bestand.
Die Abtei, die Wohnung der Aebtissin, welche nicht zur Klausur gehoerte,
war zwischen dieser und dem Propsthofe.

Hier im Kloster lebten nun einige vierzig Toechter adeliger Haeuser aus
verschiedenen Gegenden des kurfuerstlichen und herzoglichen Sachsen. Dazu
kamen noch ein halb Dutzend "Konversen" oder Laienschwestern, die um
Gottes willen, d.h. umsonst dienten. Ferner mehrere bezahlte
"Kochmeide", darunter eine Koechin, und die "Frauen-Meid", d.h. die
Dienerin der Aebtissin. Diese hatte ausserdem noch zwei Knaben zu ihrer
Verfuegung, die natuerlich im aeussern Klosterhof wohnten und zu Kleidern
und Schuhen zusammen 1 Schock jaehrlich erhielten[32].

Die adeligen Klosterfrauen bildeten die Sammlung, den Konvent und hiessen
daher auch Konventualinnen. Das war eine kleine weibliche Adelsrepublik,
die sich in allen Dingen selbst regierte nach der "Regel", den
Gesetzen, auf die sie eingeschworen waren--bloss unter Oberaufsicht ihres
Visitators, des Abtes von Pforta, der aber auch nur auf Grund der Regel
anordnen und ruegen konnte. Die Regel war die des hl. Bernhard, eine
etwas strengere Abart derjenigen der gewoehnlichen alten
Benediktinerinnen[33].

Die Nonnen waren ausser der Aebtissin in die _Klausur_ eingeschlossen,
aus welcher sie nur in Klosterangelegenheiten mit besonderer Erlaubnis,
und dies selten und in Begleitung einer Seniorin und des Beichtvaters,
heraustreten durften. Ein Verkehr mit der Aussenwelt oder auch nur mit
den Klosterleuten auf der Propstei fand nicht statt; auch in der Kirche
waren sie auf einem besonderen dicht vergitterten Nonnenchor den Blicken
der Weltleute entzogen. Verboten war ausdruecklich das Uebersteigen an
der Orgel und das Herauslehnen ueber die Umzaeunung des Chors. Wenn jemand
von draussen (Geistlicher oder Weltlicher) mit einer Klosterjungfrau zu
reden hatte, etwa die Eltern und Geschwister zu Besuch kamen, so durften
sie nur mit besonderer Erlaubnis der Aebtissin, und nur wenn es die Not
erforderte, in der Redstube durch das vergitterte Redfenster und in
Gegenwart der Aebtissin mit ihr sprechen; es war unmoeglich gemacht, dass
jemand die Hand oder ein Ding durch das Fenster steckte. Ebenso war der
Beichtstuhl vermacht, und selbst der Beichtvater durfte nur in
Krankheitsfaellen in die Klausur eintreten. Festlichkeiten und
Ergoetzungen sollten die Beichtvaeter nicht mit den Klosterjungfrauen
mitmachen. Der Pfoertnerin war bei Strafe verboten, Hunde (?), alte
Weiber und dgl. einzulassen[34]. Die Schwestern durften auch nicht mit
den Klosterkindern[35] zusammen schlafen.

In diesem kloesterlichen Verband gab es zur Regierung und Verwaltung der
Gemeinschaft zahlreiche Aemter. Mit ziemlich unumschraenkter Gewalt
herrschte die gewaehlte _Aebtissin_: ihrem Befehl und ihren Strafen war
mit wortlosem, unbedingtem Gehorsam nachzukommen; doch war sie gehalten,
ueberall den Rat ihrer "Geschworenen und Seniorinnen" zu hoeren. Ihr war
nicht nur die aeussere Verwaltung der Gemeinschaft uebertragen, auch die
"Leitung der Seelen und Gewissen". Sie sollte sich bestreben, gleich
liebreich gegen alle, Junge und Alte, aufzutreten, fuer alle, Gesunde
und Kranke, namentlich in ihrer leiblichen Notdurft, besorgt zu sein.

Mit Ehrfurcht nahten die Schwestern der Aebtissin, sie war die Domina
(Herrin), die ehrwuerdige Mutter, und die draussen wenigstens nannten sie
"Meine gnaedige Frau." Im Jahr 1509, also kurz nachdem Katharina von Bora
in Nimbschen eingetreten war, starb die alte Aebtissin Katharina von
Schoenberg, und Katharinas Verwandte, Margarete von Haubitz, wurde zur
Aebtissin gewaehlt und feierlich vom Abt Balthasar aus Pforta in ihr Amt
eingefuehrt[36].

Nach der Aebtissin kam an Wuerde die Priorin ("Preilin"), einerseits die
Stellvertreterin und Gehuelfin derselben, andererseits aber auch die
Vertreterin und Vertrauensperson des Konvents. Auf sie folgte die
"Kellnerin", die "Bursarin" (auch "Bursariusin", Kassiererin) die
Kuesterin, die Sangmeisterin ("Saengerin"), die Siech- und
Gastmeisterin[37].

Die Schwesternschaft, in welche die junge Katharina eintrat, hatte einen
gleichartigen gesellschaftlichen Rang: sie waren alle aus dem kleinen
Adel und vielfach mit einander verwandt oder gar Schwestern: so die zwei
Haubitz, die zwei Schwestern Zeschau und Margarete und Ave von
Schoenfeld, wozu noch eine Metze[38] Schoenfeld kam, welche 1508
Siechenmeisterin und spaeter Priorin wurde. Aber die einen waren
wohlhabend mit einem ordentlichen Leibgeding an Geld und Naturalien, die
anderen arm, vielleicht nur bei dem Eintritt und bei der Einsegnung mit
einem kleinen Geschenke von ihren Verwandten abgefunden. Der Wohlstand
scheint nicht ohne Einfluss auf die amtliche Stellung gewesen zu sein;
denn es ist doch wohl nicht Zufall, dass die am reichsten
Verleibgedingte, Margarete von Haubitz, zur Aebtissin gewaehlt wurde[39].
Auch das Alter war ein gar verschiedenes: da war die 70 jaehrige Ursula
Osmund, die an hundert Jahre alt wurde, und die zehnjaehrige Katharina
von Bora und die beiden jungen Schoenfeld, welche in aehnlichem Alter
standen. Lange Zeit wurden gar keine neuen Jungfrauen in das Stift
aufgenommen: von 1510 bis 1517 blieben Katharina und Ave die letzten,
vielleicht weil die Zahl 50 (mit den Konversen) ueberschritten war und
die Einkuenfte des Klosters nicht mehr Personen ertrugen. Dass die
Klosterfrauen auch an Wesen, Charakter und Temperament verschieden
waren, ist natuerlich; aber alle geistige Individualitaet (alle
"Eigenschaft") wurde durch die Klosterregel und Klosterzucht ebenso
ausgeloescht, wie die leibliche Verschiedenheit durch die gleiche Tracht:
Nonnen tragen auch eine geistige Uniform. Dazu sind Freundschaften
verboten. Von irgend einer Eigenheit einer Schwester erfaehrt man nichts.
Nur die Aebtissin Margarete von Haubitz ist spaeter charakterisiert als:
"ehrliches (vornehmes), frommes, verstaendiges Weibsbild"[40].

Ob die neue Klosterjungfrau _Katharina von Bora_ an ihr oder den anderen
Verwandten aus dem muetterlichen Geschlechte eine Annehmerin gefunden
habe, ist nicht zu sagen. Doch war nicht von vornherein die
Verwandtschaft mit der Aebtissin ein Grund zu einer freundlichen
Behandlung. Denn eine gleichzeitig mit Katharina in ein andres Kloster
eingetretene junge Nonne beklagt sich, dass ihre Muhme, die Aebtissin,
ganz besonders gewaltthaetig und grausam mit ihr verfahren sei.
Vielleicht hat Katharina eine Art muetterliche Freundin an ihrer anderen
Verwandten aus dem vaeterlichen Geschlecht gefunden, der ehemaligen
Siechenmeisterin Magdalena von Bora, weil diese nachher sich als "Muhme
Lene" so innig an Katharina und ihre neue Familie anschloss[41].

Zunaechst wurde das junge Maedchen eingefuehrt in die Ordensregel und den
Gottesdienst, wurde gewoehnt an kloesterliches Benehmen und an geistliches
Denken und Wesen, auch unterrichtet in einigen Kenntnissen und
Fertigkeiten. In Nimbschen wird keine besondere Novizenmeisterin
genannt; es war nur vom Abt bei der Einfuehrung der neuen Aebtissin 1509
im allgemeinen aufs neue als Ordensregel eingeschaerft: "Weil es ein Werk
der Froemmigkeit und Barmherzigkeit ist, die Ungelehrten gelehrter zu
machen, wollen wir, dass diejenigen, welche mehr verstehn unter den
Jungfrauen, die andern zu belehren und unterrichten sich bestreben, in
dem Bewusstsein, dass sie einen grossen Lohn fuer diese Muehe empfangen, und
dass sie durch diese Beschaeftigung viel Leichtfertigkeit vermeiden, wozu
die ausgeladene Jugend geneigt ist." Natuerlich sollten aber alle
Aelteren den Jungen mit gutem Beispiel vorangehen.

Als "der Schluessel der Religion" musste zunaechst ueberall, wo es die
Ordensregel vorschrieb, unbedingtes _Stillschweigen_ beobachtet
werden--ausser dem unbedingten Gehorsam, an den sich die Novizin zu
gewoehnen hatte, der wichtigste und hoechste Punkt des kloesterlichen
Lebens. Denn es muesste Rechenschaft gegeben werden von jedem unnuetzen
Wort nicht nur vor Gottes Richterstuhl, sondern auch vor dem Beichtstuhl
des Priesters. Vielmehr sollten die Klosterjungfrauen ausserhalb der
vorgeschriebenen Gebetszeiten und der Lektionen in besonderen Gebeten
mit dem Braeutigam Christus reden oder in Beschaulichkeit schweigend
hoeren, was Gott in ihnen redet. Darum wurde streng darauf gesehen, dass
die Kinder und heranwachsenden Jungfrauen nicht herumliefen und
schwatzten, sondern sich sittsam und schweigsam verhielten.

Es galt sodann in Kleidung und Haltung, in Gebaerde und Rede sich das
rechte nonnenhafte Wesen anzueignen. "Am Ort der Busse", musste man "die
groesste Einfachheit der Kleidung zeigen, sich weder mit weltlichen
Gewaendern schmuecken, noch auch mit den Fransen der Pharisaeer", sondern
die Kutten bis an die Schultern herausziehen. Das Angesicht mussten die
Novizen lernen stets zu neigen. "Denn die Scham ist die Hueterin der
Jungfrauschaft, der koestlichen Perle, welche die geistlichen Toechter
bewahren sollen. So sollen sie mit Seufzen und Beklagen der verlorenen
Zeit die Ankunft des himmlischen Braeutigams erwarten welcher seine
Verlobten,--die im Glauben und hl. Profess stets des Herrn harren,--mit
Frohlocken in sein Brautgemach fuehrt."

"Damit sie sich aber nicht mit dem Laster des Eigentums beflecken,
welches in der Religion das schlimmste und verdammlichste und ein Netz
des Teufels ist, sollen sie bei Strafe der Exkommunikation alle
Geschenke von Freunden und andern draussen nicht als ihr Recht
beanspruchen, sondern der Aebtissin reichen, und demuetig von ihr das
Noetige begehren."

Die Vorgesetzten assen zwar am besonderen Tisch und hatten bessere
Speisen und Getraenke: so bekamen sie echtes Bier, dagegen die
Konventualinnen nur "Kofent" (Konvent- d.h. Duenn-Bier)[646], aber
gleichmaessige Behandlung aller Klosterjungfrauen in Speisen und Getraenken
waren der Aebtissin zur Pflicht gemacht, und die Mahlzeiten liessen nach
herkoemmlicher Klostersitte nichts zu wuenschen uebrig[42]. "Festmahlzeiten
und Ergoetzlichkeiten" waren den Schwestern unter sich von der Aebtissin
erlaubt.

Diese Ordnungen, zu welchen in Nimbschen bei Einfuehrung der neuen
Aebtissin der Abt-Visitator eine Art Hirtenbrief als Erlaeuterung und
Ergaenzung der Ordensregel gegeben hatte, wurden alle Vierteljahre
kapitelweise im Konvent gelesen und durch die Aebtissin oder Priorin
Punkt fuer Punkt erklaert, damit jede Klosterjungfrau--namentlich aber die
Neulinge--aus sich selbst die kloesterliche Lebensweise und
Lebenseinrichtung annaehmen.

In solche strenge Klosterzucht wurde nun das junge Maedchen eingefuehrt.
Wenn auch die Praxis--wie sich bei jeder Visitation zeigte, namentlich
in der Verordnung von unnuetzen Reden--von der Theorie abwich, so war
doch zu dieser Zeit ein stramme ernstliche Einhaltung der Ordensregel in
Nimbschen durchgefuehrt. Man hatte naemlich gerade um 1500 auch hier wie
in anderen Kloestern eine "Reformation" der zerfallenen Klosterordnung
erstrebt[43].

Neben dieser Erziehung zum Klosterleben gab es auch einigen
_Unterricht_, der mit dem Ordensleben zusammen hing. Die Novizen mussten
lesen lernen--was damals bei der krausen Schrift und dem noch krauseren
Stil nicht so ganz leicht war[44]. Sogar ins Lateinische mussten die
Nonnen notduerftig eingefuehrt werden: denn die Lesungen und Gebete,
besonders aber die Gesaenge waren meist in der Kirchensprache
geschrieben--wenn es auch mit dem Verstaendnis der Fremdsprache nicht
gerade weit her war: singen ja doch auch heute Kirchenchoere in
Dorfgemeinden lateinische Hymnen und Messen. Auch schreiben hat
Katharina im Kloster gelernt, wenn sie auch spaeter--wie alle viel
beschaeftigten Frauen nicht gerne und viel schrieb und an Fremde und
hochgestellte Personen ihre Gedanken lieber einem Studenten oder
Magister in die Feder sagte. Sonst konnten nicht alle Klosterfrauen
diese Kunst. Eine eigentliche Schule, worin die Schulmeidlein gelehrt
wurden, gab es nicht, doch waren einige Klosterfrauen faehig, nach ihrem
Austritt Maedchenschulmeisterinnen zu werden, so die Schwester von
Staupitz und die Elsa von Kanitz[45].

Der _Gesang_ spielte eine grosse Rolle im Kloster: waren doch alle
religioesen Uebungen groesstenteils gemeinschaftlich und mussten so zum
Chorgesang werden. Es war eine Saengerin oder Sangmeisterin
(Kapellenmeisterin) bestellt, welche die Gesaenge einzuueben hatte. Und im
Kloster war ein altes "Sangbuch", welches 1417 fuer 2 Schock Groschen
gekauft und vom markgraeflichen Vogt zu Grimma bezahlt worden war. Es
waren aber im Kloster fremde Gesaenge aufgekommen und es wurde gegen die
Regel des seligen Vaters Bernhard zu schnell und ungleich (d.h.
rhythmisch) gesungen, und kam der Unfug auf, dass unvermittelt bald alle,
bald wenige Stimmen sangen; der Abt von Pforta ordnete daher an, dass
rund, eine Silbe wie die andere gesungen werde, einhellig und mit
gleicher Stimme, nicht zu hoch und zu tief[46].

Im Jahre 1509, als Katharina von Bora zehn Jahre zaehlte, war sie kein
Kostkind oder Schulmeidlein mehr, sondern wurde schon unter die
Klosterjungfrauen gezaehlt. Sie war also einstweilen wenigstens
"Postulantin", Anwaerterin fuer die Pfruende. Da meist das vierzehnte
Lebensjahr das Entscheidungsjahr fuer die Klostergeluebde war, so haette
sie mit dem dreizehnten ihr Noviziat antreten und ein Jahr darauf Profess
thun koennen. Es ist auffaellig, dass sich dies bei Katharina zwei Jahre
hinausschob, und sogar die spaeter eingetretene juengere Ave Schoenfeld
_vor_ ihr mit ihrer aelteren Schwester Margarete eingesegnet wurde[47].

Mit ihrem 15. Jahre also wurde Katharina von Bora nach dem Herkommen der
Sammlung von der Aebtissin "angegeben" (vorgeschlagen) und von dem
Konvent angenommen. Unter feierlichen Zeremonien in der Kirche wurden
ihr die Haare abgeschnitten, die mit Weihwedel und Rauchfass besprengten
und beraeucherten heiligen Kleider angethan: die weisse Kutte uebergezogen,
der weisse Weiler (das Kopftuch (velum, der sog. Schleier)) ums Haupt
geschlungen; auf diesem wurde der Himmelsbraut der weisse Rosenkranz
aufgesetzt und der Heiland im Kruzifix als Braeutigam in die Arme gelegt,
dann hat sie ihm durch Opferung des Kranzes ewige Reinigkeit verheissen
und geschworen. Darauf fiel die Postulantin der Reihe nach der Aebtissin
und jeder der einzelnen Klosterfrauen demuetig zu Fuessen, wurde von ihnen
aufgehoben und mit einem Kusse als Schwester in die Gemeinschaft
aufgenommen[48].

Jetzt kam Katharina unter die strenge Zucht einer aelteren Klosterfrau
und musste in dieser Probezeit im Ernst all die vielen Dinge ueben in
Haltung und Gang, in Gebaerde und Rede, welche eine Nonne auf Schritt und
Tritt zu beobachten hat, wenn sie nicht gegen die Regel suendigen und
dafuer Busse erleiden will. So erzaehlt eine Nonne: "Das Probejahr geschahe
nur, dass wir Ordensweise lernten und uns versuchten, ob wir zum Orden
tuechtig"[49].

Endlich, im Jahre 1515, "Montags nach Francisci Confessoris", d.h. am 8.
Oktober, war Katharinas "eynseghnug". Da musste sie "Profess thun", d.h.
das ewig bindende Klostergeluebde ablegen. Es wird ihr gegangen sein wie
jener anderen Nonne, die um diese Zeit auch eingesegnet wurde und von
sich erzaehlt: "Am Abend vor meiner Profession sagte mir die Aebtissin
vor der ganzen Versammlung im Kapitel: man solle mir die Schwierigkeit
der Regel vorlegen und mich fragen, ob ich das gesinnet waere zu halten?
waere aber nicht von noeten, denn ich haette mich in der Einkleidung
genugsam verpflichtet. Und wenn ich gleichwohl gefragt worden waere,
haette ich doch nichts sagen duerfen, haette mir auch nichts geholfen." Die
Einsegnung ging vor sich und zwar war Katharina von "Bhor" als einzige
auf diesen Tag geweiht. Sie spendete dabei dem Kloster von dem wenigen,
was sie vermochte, 30 Groschen[50].

Zwar nicht widerwillig, aber doch wie sie (bezw. Luther) spaeter sagte,
ohne "ihren Willen" wurde Katharina als Tochter des sel. Vaters Bernhard
verpflichtet. Trotzdem aber hat sie sich in die Klosterregel nicht nur
gefuegt, sondern auch "hitzig und emsig und oft gebetet"[51].

Das entspricht ihrer gesamten entschiedenen Natur, wie sie sich spaeter
ausgereift zeigt. Sie war ja gelehrt worden, durch "gute Werke",
insbesondere durch Klosterwerke, erwerbe man sich himmlische Gueter und
geldliches Vermoegen und einen hohen seligen Sitz im Jenseits; also
strengte sie alle Kraft und allen Fleiss an, solchen Reichtum zu erwerben
und durch geistliche Uebungen sich einen guten Platz im Himmel zu
verdienen. Was sie spaeter als Frau einmal angriff, das erstrebte sie
auch mit der ganzen Gewalt und Zaehigkeit ihres Willens, und so wird sie
es auch im Kloster gehalten haben als Nonne. Zudem pflegen junge
Klosterleute, namentlich weibliche, die eifrigsten zu sein in der Uebung
der Pflichten, auch wenn sie nichts von Schwaermerei an sich haben.

Und was hatte nun die junge Nonne fuer hohe Werke und heilige Pflichten
zu thun?

Fast das gesamte Leben im Kloster fuellten geistliche Uebungen aus, ihr
ganzes Tagewerk war Beten, Singen, Lesen, Hoeren erbaulicher Dinge, "da",
wie es in einer Klosterregel heisst, "alle Klausur und geistliche Leute
erdacht und gemacht sind, dass sie unserm Herrn und Gott dienen und fuer
Tote und Lebende und alle Gebresthafte Bitten fuellen". Das waren nun
ausser dem Messesingen und den privaten Gebeten noch besonders die
gemeinsamen 7 Gebetszeiten, die Horen: Matutin, Terz, Sext, Non am
Morgen, Vesper und Komplet am Abend mit Psalmen, Martyrologien,
Ordensregeln. Auch naechtliche Gottesdienste wurden begangen: Metten und
Vigilien. Und sogar waehrend des Essens, wo Stillschweigen geboten war,
wurde vorgelesen aus einem Erbauungsbuch. Abwechselnd hatte Katharina
auch selbst diese Vorlesung zu halten und musste dann nachspeisen[52].

Welchen Eindruck diese Vorschriften auf ein natuerlich fuehlendes und
religioeses Gemuet machen mussten, hoeren wir aus einem spaeteren Bericht:
"Da D. Martinus der Nonnen Statuten las, die gar kalt geschrieben und
gemacht waren, seufzte er sehr und sprach: "Das hat man muessen
hochhalten und hat dieweil Gottes Wort vermisset! Sehet nur, was fuer
eine Stockmeisterei und Marter der Gewissen im Papsttum gewest ist, da
man auf die horas canonicas und Menschensatzungen drang, wie Hugo
geschrieben, dass wer nur eine Silbe ausliesse und nicht gar ausbetete,
muesste Rechenschaft dafuer geben am juengsten Gericht[53]."

Ob Katharina je ein Amt in dem Konvent bekleidet hat, wissen wir nicht;
jedenfalls konnte dies nur ein niederes, etwa das einer
"Siechenmeisterin" sein. Wahrscheinlich aber war sie noch zu jung, als
dass bei so vielen Vorgaengerinnen an sie die Reihe gekommen waere[54].

Eigentliche _Arbeit_ gab es im Kloster nicht: die Nonnen durften ja
nicht aus der Klausur, und die Hausarbeit in Kueche und Stube schafften
die Laienschwestern und Klostermaegde. Freilich so ganz arbeitslos wie
bei manchen adeligen Moenchsorden, wovon der Volkswitz sagt:

  Kleider aus und Kleider an
  Ist alles, was die Deutschherrn than.

--so traege verfloss das Leben der Nonnen nicht. Konnten sie sich doch mit
weiblichen Handarbeiten abgeben wie Spinnen von dem Ertrag der grossen
Schafherden fuer die wollene Bekleidung, namentlich aber mit Stickereien,
wie Altardecken, Messgewaender, Teppiche, Fahnen u.s.w., in Nimbschen,
wohl auch in Pforta fuer die Kirche der dortigen Moenche und vielleicht
auch fuer den Bischof von Meissen, unter dem das Kloster stand[55]. So hat
jedenfalls auch Schwester Katharina manche kunstvolle Stickerei
verfertigt, wenn auch die mancherlei Handarbeiten, welche heutzutage da
und dort von Luthers Kaethe gezeigt werden, wohl alle nicht echt sind.

Eine gewisse Unterhaltung gewaehrte noch die Besichtigung und
Instandhaltung der zahllosen Reliquienstuecke, welche in der Nimbscher
Kirche aufgespeichert waren, und welche es galt zu schmuecken und in
Ordnung zu halten. Es waren da an den 12 Altaeren in Kreuzen,
Monstranzen, Kapseln, Tafeln wohl vierhundert hl. Partikeln. So von
Christi Tisch, Kreuz und Krippe, Kleid und Blut und Schweisstuch, vom
Stein und Boden, wo Jesus ueber Jerusalem weinte, im Todesschweiss betete,
gegeisselt sass, gekreuzigt ward, gen Himmel fuhr; vom Haar, Hemd, Rock,
Grab der hl. Jungfrau; von den Aposteln allerlei Knochen, auch Blut
Pauli, vom Haupt und Kleid Johannes' des Taeufers; von vielen Heiligen,
bekannten und unbekannten: den 11000 Jungfrauen, der hl. Elisabeth von
Thueringen, der hl. Genoveva, dem hl. Nonnosus, der hl. Libine Zaehne,
Haende, Arme, Knochen, Schleier, Teppiche--, ferner Partikeln von der
Saeule Christophs, vom Kreuz des Schaechers u.a.[56].

Aber auch hier hatten die Seniorinnen, u.a. auch Magdalena von Bora, die
Obhut ueber die hl. Kapseln.

Vor allen diesen Reliquien wurden bestimmte Antiphonien gesungen, was
eine gewisse Abwechslung in dem taeglichen Gottesdienst gab.

Eine Abwechslung in dem ewigen Einerlei brachten auch die vielen
Festtage, Bittgaenge und Prozessionen im Kreuzgang und auf dem
Kirchhof[57].

Eine grosse Sache war die Visitation des Klosters durch den Abt von
Pforta--freilich auch eine kostspielige: der Abt mit seinen Begleitern
musste abgeholt und wieder heimgebracht und unterwegs und im Kloster
verkoestigt, auch herkoemmlich mit Erkenntlichkeiten bedacht werden[58].
Bei der Visitation gab's eine Untersuchung aller Missstaende, ein Verhoer
aller einzelnen Schwestern und schliesslich einen oft scharfen Bescheid.

Es kamen auch an den hohen Festtagen und deren Oktaven Wallfahrer ins
Kloster, denn dieses hatte von verschiedenen Kirchenfuersten Ablaesse,
wenn auch nur 40taegige, erlangt fuer Besucher und Wohlthaeter des
Klosters, fuer Anhoerung von Predigten und Kniebeugen beim Avelaeuten[59].

Der Hauptablass aber war an einem besondern Tag im Jahre, wahrscheinlich
an der Kirchweihe (23. August). Da war Messe und Jahrmarkt zu gunsten
des Klosters unter dem Namen "_Ablass_" (wie in Bayern "Dult" = Indulgenz
= Ablass). Zu diesem Tage kamen von weit und breit die Leute. Wenn so zu
Nimbschen jaehrlich "Ablass" war, mussten fronweise aus jedem Klosterdorf
drei Maenner kommen und "zur Verhuetung von Haendeln, bei Tag und Nacht zu
besorgend, Wache halten". Von all diesem Leben und Treiben freilich
sahen die Klosterfrauen so gut wie nichts, wenn sie auch von ihrer
Klausur aus den Laerm draussen hoeren konnten[60].

Allerdings nahm die Aebtissin, wenn sie einmal ausreiste, eine und die
andre Schwester mit; aber freilich an die juengern Klosterfrauen kam das
wohl schwerlich. Da ging es nach Grimma, ins nahe Staedchen, oder auch
ins ferne Torgau, die kurfuerstliche Residenz an der Elbe, wo gerade das
grossartige Schloss Hartenfels gebaut wurde. Dort hatte das Kloster
mancherlei Besitzungen an Aeckern und Wiesen und musste mit eigenem
Geschirr Getreide holen, waehrend die Stadt verschiedene Gebraeude Bier
selbst bringen musste. Mit diesen Fuhren wurde aber auch manches, was in
Torgau verkauft oder gekauft war, hin und zurueck gebracht. Eingekauft
wurde vor allem bei dem Ratsherrn und Schoeffer Leonhard Koppe, z.B.
Tonnen Heringe, Kiepen (Rueckkoerbe) voll Stockfische, Hechte, Faesser
Bier, Aexte. Namentlich geschahen solche Einkaeufe zu Martini, wo "Meine
gnaedige Frau", die Aebtissin, mit einer wuerdigen Jungfrau die Zinsen
einnahm, in der Herberge auch einige Groschen "zu vertrinken" gab und
bei Koppe einkaufte und die Rechnung persoenlich bezahlte[61].

Das waren die besondern Ereignisse in dem steten Einerlei des Jahres. In
ihrer ganzen Klosterzeit erlebte Katharina von Bora auch nichts
besonderes Ausserordentliches. Einzelne der Klosterfrauen gingen mit Tod
ab. Nachdem lange Katharina von Bora und Ave von Schoenfeld die Juengsten
im Kloster gewesen waren, kamen anno 1516 auf einmal 9 Kostkinder
herein: 3 Schellenberger, 2 Hawbitzen (Verwandte Katharinas von
muetterlicher Seite), 1 Lauschkin, 1 Keritzin (Kieritsch?), 1 Possin, 1
Buttichin. Im folgenden Jahre traten drei Neulinge in den
Klosterverband, und ein Jahr darauf kamen wieder einige Kostkinder weg
und andere herein[62]. 1522 war ein Wechsel des Klostervorstehers
(Propstes), indem der alte, Johann Kretschmar, starb. Die Nonnen hielten
sehr zu ihrem Propst, waehrend die Beichtvaeter verhasst waren; denn diese,
"die 2 Herren an der Pforte" betrugen sich anspruchsvoll und anmassend,
mischten sich--wohl aus Langerweile--in Dinge, die sie nichts angingen,
wollten in die Verwaltung, also in den Geschaeftskreis des Propstes drein
reden, hetzten die Nonnen wider einander auf, so dass gar oft Klagen
wider sie ergingen und der Konvent sogar die weltliche Gewalt wider sie
und gegen ihre Schuetzer, die Aebte von Pforta, anrufen musste[63]. Da gab
es nun in diesen Jahren eine gar willkommene Gelegenheit, den Moenchen
ein Schnippchen zu schlagen. Zu Martini 1513 kam der Vorsteher vom
Hospital des Heilig-Geist-Ordens aus dem fernen Pforzheim im
Schwabenland, Matthias Heuthlin, und bot den Nonnen ein Privilegium an.
Weil seine Anstalt naemlich nicht genug Einkuenfte besass, hatte er sich
vom Papst Julius II. die Gnade erwirkt, dass allen Wohlthaetern des
Spitals die Wahl des Beichtvaters freigegeben wurde. Also gab die Domina
Aebtissin und ganze loebliche Sammlung des Klosters eine Beisteuer und
erhielten dafuer einen gedruckten mit dem Namen "Niimitsch" ausgefuellten
und vom Magister domus Hospitalis de Pfortzheim ord S. Spirit.
unterzeichneten Zettel, wonach das Kloster Nimbschen fuer seine milde
Gabe in die Bruderschaft des hl. Geistordens ausgenommen und aller guten
Werke und Ablaesse derselben teilhaftig und ihm insbesondere erlaubt
wurde, sich von einem beliebigen weltlichen oder moenchischen Beichtvater
Absolution von Suenden, Uebertretungen und Verbrechen, sogar solchen,
welche dem apostolischen Stuhl vorbehalten waren, einmal im Leben und im
Todesfall, so oft es noetig erschien, erteilen zu lassen. Dieses
Privilegs machte sich das Kloster durch wiederholte Gaben in den
folgenden Jahren (1516, 1519, 1520) teilhaftig[64]. So war auch den
Nimbschener Nonnen eine von den zahllosen Hinterthueren geoeffnet, durch
welche in der katholischen Kirche die geknechteten Seelen dem
geistlichen Zwang sich entziehen und auf Nebenwegen die Seligkeit
erlangen konnten.

Katharina erlebte auch im Kloster noch die Vorboten des Bauernkriegs.
Die Klosterdoerfer hatten zwoelferlei Fronden. Von diesen trotzten die
Bauern sich schon vorher vier ab, waren aber auch damit noch nicht
zufrieden, so dass der neue Propst sich nach Rat und Hilfe umsehen
musste[65].

Das waren die kleinen und kleinlichen Eindruecke und Ereignisse, die in
das Leben der Nimbscher Jungfrauen und der Katharina von Bora
eingreifend, die glatte Oberflaeche ihres beschaulichen Daseins leicht
kraeuselten. Das waren die einfoermigen Beschaeftigungen, mit denen sie die
Zeit, die langen Tage, Wochen und Jahre muehsam hinwegtaeuschten. Solche
einseitigen Interessen und Anschauungen beherrschten den Gesichtskreis
eines jugendlichen Geistes. Wie das Klosterleben die koerperliche Kraft
eines jungen Menschenkindes zurueckhielt, so musste es auch die
aufstrebende Willenskraft erschlaffen. Die Klostermauern beengten nicht
nur das aeussere Gesichtsfeld, sie machten auch das geistige Auge
kurzsichtig. Wenn auch die gaehnende Langeweile demjenigen nicht zu
Bewusstsein kam, der von nichts anderem wusste, so musste doch der Geist
nach Eindruecken lechzen, so dass das Sprichwort begreiflich wird, welches
den Klosterbewohnern die Sehnsucht nach Erlebnissen zuschreibt:
"Neugierig wie eine Nonne". Und die staendige Aufgabe, "das Leben in
sich abzutoeten", konnte bei einer gesunden Natur erst recht die Frage
erwecken, was Leben sei. Wenn bei dem Mann im Kloster der Verstand sich
heisshungrig auf die Wissenschaft werfen konnte, so blieb die
eigentuemliche Lebenskraft des Weibes, das Gemuet hier unbefriedigt[66].

Gewiss die allermeisten dieser adligen Fraeulein hatten es aeusserlich
angesehen im Kloster besser, behaglicher, luxurioeser als daheim im
beschraenkten Haushalt der Eltern oder eines eigenen Gatten; und das
Ansehen, das eine gottgeweihte Jungfrau in den Augen des Volkes und
besonders der Kirche, und nicht zum wenigsten in dem eigenen Bewusstsein
hatte, war viel groesser als dasjenige, das eine arme Edelfrau draussen in
der Welt finden konnte. Aber der ganze Zwang der Unnatur und die
Kuenstlichkeit all dieser Verhaeltnisse musste, wenn auch ohne klares
Bewusstsein, auf einen wahrhaften und gesunden Geist druecken.

Nur das eine Gefuehl konnte die Nonne ueber alle Zweifel, alle Entsagung,
alle Pein, alle Langeweile des Klosterlebens hin wegheben: das
Bewusstsein, ein gottwohlgefaelliges Werk zu thun, sich ein besonderes
Verdienst vor Gott zu erwerben, sich die zeitliche Heiligkeit und die
ewige Seligkeit zu versichern. Aber wie dann, wenn diese Grundbedingung
alles Nonnentums, dieser Grundpfeiler alles Klosterlebens erschuettert
und untergraben wurde, ja sich selbst als morsch und faul erwies? Dann
musste das ganze Gebaeu zusammenstuerzen, dann musste eine gegen sich
aufrichtige und willensstarke Natur die Konsequenzen ziehen und ein
Leben verwerfen und verlassen, das als heiliger und seliger Beruf
erschienen war und bisher den ganzen Menschen erfuellt hatte.

Und dieser Fall trat bei Katharina ein. Aber freilich ihr verstaendiger,
nuechterner Sinn wird sie auch davor bewahrt haben, in krankhafter
Schwermut sich unglueckselig zu beklagen oder sich hinauszusehnen in eine
verschlossene Welt.

Es musste ihr erst die Moeglichkeit sich oeffnen, den Klostermauern zu
entrinnen, und das pflichtmaessige Recht, es zu duerfen; dann aber erwachte
auch ihre ganze Thatkraft und mit aller Macht des Willens und Verstandes
setzte sie auch durch, was erreichbar und recht war.




3. Kapitel

Die Flucht aus dem Kloster


Kaum ein Jahr hatte Schwester Katharina das Nonnengeluebde abgelegt, da
schlug der Augustinermoench Martin Luther in Wittenberg die 95 Saetze
wider den Ablass an. Nach einem Jahr stellte er sich dem Gesandten des
Papstes in Augsburg zur Verantwortung. Wieder ein Jahr spaeter war die
grosse Redeschlacht mit Eck zu Leipzig. Am Ende des folgenden Jahres
verbrannte Luther die Bannbulle und im Fruehjahr 1521 stand er vor Kaiser
und Reich in Worms.

Diese die Kirche und die ganze christliche Welt aufregenden Ereignisse
drangen auch in die Kloester und erregten auch dort die Geister; dies um
so mehr, weil der Urheber all dieser gewaltigen Kaempfe selbst ein
Klosterbruder war, und zwar ein Augustiner, der dem Orden der alten
Benediktiner (Cisterzienser und Bernhardiner) verwandt war und darum als
Vorkaempfer dieses wider die gegnerischen Genossenschaften der
ketzerrichterischen Dominikaner angesehen und schon darum mit einer
gewissen Sympathie betrachtet wurde.

Aber noch tiefer in das Leben und die Gedankenwelt der Klosterbewohner
schnitten die Schriften ein, welche der Wittenberger Moench und Doktor in
diesen grossen Jahren schrieb. Schon die Disputation von "Kraft und Wert
des Ablasses" ueber die 95 Thesen ging die Nonnen in Nimbschen besonders
an; denn auf "Kraft und Wert des Ablasses" ruhte ja ein sehr grosser Teil
ihres geistlichen Vermoegens: der Gottesdienst an jedem Festtag, ja das
Kniebeugen beim Avelaeuten brachte jedesmal vierzig Tage Ablass ein. Aber
noch naeher sollten ihre Person und ihren besonderen Beruf weitere
Schriften beruehren[67].

Es erschien 1518 Luthers "Auslegung des Vaterunsers fuer die
Einfaeltigen". Darin musste einem Klosterinsassen gar mancherlei
auffallen. Das Vaterunser, heisst's da, ist das edelste und beste
Gebet--beim Rosenkranz aber kommt das Ave Maria 5 mal so oft vor!
Ferner: "Je weniger Worte, je besser Gebet; je mehr Worte, je weniger
Gebet. Da klappert einer mit den Paternosterkoernern und manche
geistliche Personen schlappern ihre Horen ueberhin und sagen ohne Scham:
'Ei nun bin ich froh, ich habe unsern Herrn bezahlt', meinen, sie haben
Gott genug gethan. Jetzt setzen wir unsere Zuversicht in viel Geplaerr,
Geschrei und Gesang, was Christus doch verboten hat, da er sagt:
'niemand wird erhoert durch viel Worte machen'. Er spricht nicht: ihr
sollt ohne Unterlass beten, Blaetter umwenden, Rosenkranz-Ringlein ziehn,
viele Worte machen. Das Wesen des Gebets ist nichts anders als Erhebung
des Gemuetes oder Herzens zu Gott, sonst ist's kein Gebet. Den Namen
Gottes verunehren die hoffaertigen Heiligen und Teufels-Martyrer, die
nicht sind wie andere Leute, sondern gleich dem Gleisner im Evangelium.
Wir beten nicht: Lass uns kommen zu deinem Reich, als sollten wir darnach
laufen; sondern: Dein Reich komme zu uns; denn Gottes Gnade und sein
Reich muss zu uns kommen, gleich wie Christus zu uns vom Himmel auf die
Erde gekommen ist und nicht wir zu ihm von der Erde gestiegen sind in
den Himmel. Das taegliche Brot ist das Wort Gottes, weil die Seele davon
gespeist, gestaerkt, gross und fest wird. Es ist ein schweres Wesen zu
unser Zeit, dass das Fuernehmste im Gottesdienst dahinten bleibt."[68]

Dann kam 1520 der "Sermon von den guten Werken". Gute Werke waren ja
alles Thun im Kloster: Beten, Fasten, Wachen u.s.w. Was aber nennt nun
Luther wahrhaft gute Werke? "Das erste, hoechste und alleredelste Werk
ist der Glauben an Christum. Darin muessen alle Werke geschehen und
dadurch erst gut werden. Beten, Fasten, Stiften ist ohne dies nichts.
Fragst du solche, ob sie das auch als gutes Werk betrachten, wenn sie
ihr Handwerk arbeiten und allerlei Werk thun zu des Leibes Nahrung oder
zum gemeinen Nutzen, so sagen sie nein! und spannen die guten Werke so
enge, dass nur Kirchengehen, Beten, Fasten Almosen bleiben. So verkuerzen
und verringern sie Gott seine Dienste. Ein Christenmensch vermisset sich
aller Ding, die zu thun sind, und thut's alles froehlich und frei; nicht
um viele gute Verdienste und Werke zu sammeln, sondern weil es ihm eine
Lust ist, Gott also wohlzugefallen. Eltern koennen an ihren eigenen
Kindern die Seligkeit erlangen; so sie die zu Gottes Dienst ziehen,
haben sie fuerwahr beide Haende voll guter Werke an ihnen zu thun. O welch
ein selige Ehe und Haus waere das! Fuerwahr, es waere eine rechte Kirche,
ein auserwaehlet Kloster, ja ein Paradies!"

Und aehnliche Gedanken konnten die Klosterleute ausgefuehrt finden in des
Doktors herrlichem Buechlein "Von der Freiheit eines Christenmenschen"
vom selben Jahr 1520. Da heisst es: "Der Mensch lebt nicht fuer sich
allein, sondern auch fuer alle Menschen auf Erden; ja vielmehr allein fuer
andere und nicht fuer sich. Daher bin ich schmerzlich besorgt, dass
heutzutage wenige oder keine Stifte und Kloester christlich sind. Ich
fuerchte naemlich, dass in dem Fasten und Beten allesamt nur das Unsere
gesucht wird, dass damit unsere Suenden gebuesst und unsere Seligkeit
gefunden wird."

Fuer die Moenche und Nonnen aber eigens geschrieben waren mehrere
Schriften ueber das Klosterleben. So das Buechlein ueber "die
Klostergeluebde. Aus der Wuestenung (d.h. Wartburg) anno 1521". Darin
nimmt sich Luther der gefallenen und geaengsteten Gewissen an und thut
aus Gottes Wort dar, dass die Geluebde, die ohne und wider Gottes Gebot
geschehen und an sich unmoeglich sind, eines getauften Menschen Herz
nicht bestricken und gefangen halten koennen. Der Glaube und das
Taufgeluebde sei das oberste, ohne welches man nichts geloben kann; denn
die Seelen werden durch die Taufe Verschworene und Verlobte Christi.
Falsch Verlobte wie die Klostersleute befreit der Sohn Gottes und nimmt
den aus Gnaden mit Freuden an, der sich zu ihm kehrt und dem ersten
Geluebde anhaengt. "Dies Buch machte viele Bande ledig und befreite viel
gefangener Herzen", sagt eine Zeitgenosse[69].

Gleichfalls von der Wartburg aus erschien endlich ein deutsches
Predigtbuch ("Postilla") von Luther und zu Michaelis desselben Jahres
(1522) noch ein Wartburgswerk "Das Neue Testament deutsch". Da konnte
nun jedermann und vor allem die geistlichen Personen im Kloster, welche
die evangelischen Ratschlaege befolgen und ein evangelisches Leben fuehren
wollten, aus der Quelle erfahren, was wahres Christentum sei, wie es
Christus und die Apostel gelehrt, und wie es Luther ausgelegt hatte.

Demzufolge wandte sich die Stadt Grimma, in deren unmittelbarer Naehe
das Kloster Nimbschen gelegen war, dem Evangelium zu, und die Moenche in
mehreren umliegenden Kloestern verliessen ihre Gotteshaeuser.

Diese Schriften und Nachrichten kamen auch in das Kloster Nimbschen,
denn so ganz verschlossen von der Welt waren auch Nonnenkloester nicht.

Auf welchem Wege und durch wen wurden sie den Klosterfrauen vermittelt?

Zweierlei Wege und Personen zeigen sich da. In _Grimma_ war ein Kloster
von Luthers Kongregation: Augustiner-Eremiten. Dort hatte Luther 1516
schon Visitation gehalten und bei der Rueckkehr von der Leipziger
Disputation (1519) blieb er mehrere Tage und predigte wohl auch
daselbst; denn die Mehrzahl der Einwohner Grimmas standen schon laengst
auf seiner Seite. Der Prior des Klosters Wolfgang von _Zeschau_ war
Luthers Freund. Er trat 1522 mit der Haelfte der Ordensbrueder aus dem
Kloster und wurde "Hospitalherr" (Spittelmeister) am St. Georgen-Spital.

Von diesem Zeschau nun aber waren zwei Verwandte (Muhmen) im Kloster
Nimbschen, zwei leibliche Schwestern: Margarete und Veronika von
Zeschau. Gewiss konnte dieser evangelisch gesinnte fruehere Moench
wenigstens vor seinem Austritt mit seinen Muhmen ohne Verdacht verkehren
und ihnen Luthers Schriften zustecken. Auch der eifrig evangelische
Stadtpfarrer in Grimma, Gareysen, war dazu imstande, welcher zu Ostern
1523 das hl. Abendmahl unter beiderlei Gestalt austeilte.

Ausser dem nahen Staedtchen Grimma konnte aber auch das ferner gelegene
_Torgau_ der Ort sein, von welchem aus reformatorische Gedanken und
Schriften ins Kloster Nimbschen drangen. In Torgau war sehr frueh und
sehr durchgreifend die Reformation eingefuehrt worden, besonders seit der
fruehere Klostergenosse Luthers, der feurige Magister Gabriel _Zwilling_
dort wirkte. Dieser, obwohl einaeugig und ein kleines Maennlein mit
schwacher Stimme, hat doch durch seine begeisterte, ja stuermische
Predigt, welche in Wittenberg sogar einen Melanchthon mit fortgerissen
hatte, die Buergerschaft zu einer ziemlich radikalen Abstellung aller
roemischen Missstaende und zu begeisterter Aufnahme des Evangeliums
bewogen. Ja ein Torgauer Buergersohn, Seifensieder seines Handwerks,
entfuehrte zu dieser Zeit--ob vor oder nach 1523 ist ungewiss,--zwei
Nonnen aus dem Kloster Riesa an der Elbe und versteckte sie in einen
hohlen Baum. Dann holte er Pferde und geleitete sie heim und heiratete
die eine der beiden Klosterjungfrauen. Und eine Torgauerin trat 1523 aus
dem Kloster Sitzerode[70].

Ein besonders entschiedener und thatkraeftiger Anhaenger war der ehemalige
Schoesser, der "fuersichtige und weise Ratsherr" Leonhard Koppe, in dessen
Kaufladen das Kloster seine Waren einzukaufen pflegte, und der wohl mit
seinem Fuhrwerk selber Lieferungen nach Nimbschen brachte. So war dieser
Laie, wenn auch seine evangelische Gesinnung bekannt sein musste,
vielleicht ein noch geeigneterer Mittelsmann fuer evangelische Schriften,
als die doch immerhin verdaechtigen uebergetretenen Geistlichen von
Grimma, vor denen als gefaehrlichen Woelfen die "zwei Herren an der
Pforte" ihren geistlichen Schafstall wohl gehuetet haben werden. Mit
seinen Waren konnte Koppe leicht lutherische Schriften einschmuggeln und
auch einen Brief aus dem Kloster nach aussen besorgen. Keck und schlau
genug war Koppe dazu[71].

Welchen Eindruck das Auftreten und die Schriften Luthers auf die Nonnen
machte, laesst sich ersehen aus einem Bericht, den eine Nonne in gleicher
Lage und Zeit, jene Florentina von Eisleben, durch Luther in Druck gab.
"Als nun die Zeit goettlichen Trostes, in welcher das Evangelium, das so
lange verborgen, an den Tag gekommen, ganzer gemeiner Christenheit
erschienen: sind auch mir als einem verschmachteten hungrigen Schaf, das
lange der Weide gedarbt, die Schriften der rechten Hirten gekommen,
worinnen ich gefunden, dass mein vermeintlich geistlich Leben ein
gestrackter Weg zu der Hoelle sei"[72].

In Nimbschen ging es einem grossen Teil der Klosterjungfrauen aehnlich.
Ja, eine Anzahl derselben verabredete sich zu dem Plan, aus dem Kloster
auszutreten.

Das war ein schwerer Entschluss, der grosse Ueberwindung kostete. Eine
ausgesprungene Nonne galt bisher fuer einen Schandfleck in der Familie.
Der _freie_ Austritt aber war nur durch paepstlichen Dispens mit grossen
Kosten und Muehen zu erreichen und eigentlich nur Gliedern fuerstlicher
Familien moeglich. Freilich waren in dieser neuen, tieferregten Zeit
schon Moenche aus dem Klosterverband ausgetreten und weltlich geworden;
niemand wagte sie jetzt, wenigstens im kurfuerstlichen Sachsen,
anzutasten, ja, sie erhielten sogar Aemter und Stellen von Stadt und
Staat. Aber der Austritt von Nonnen war fast noch unerhoert, jedenfalls
noch sehr ungewohnt[73]. Und wenn auch das Vorurteil der Welt und der
eigenen Angehoerigen ueberwunden war, so fragte sich doch: was sollten die
ausgetretenen Nonnen draussen in der Welt anfangen, was thun und werden,
womit sich erhalten und durchs Leben bringen?[74]

Wenn darum also auch die meisten, wo nicht alle Nonnen in Nimbschen das
Klosterleben verwarfen, so haben sich doch nur die mutigsten
entschlossen, den Schritt zu thun, den sie fuer recht und geboten
erachteten, naemlich nur diejenigen, welche vermoege ihrer Bildung
selbstaendig sich durchs Leben zu bringen im stande waren, wie die
Staupitz und Kanitz, oder die noch jung genug waren, sich in ein neues
Leben zu schicken, wie die beiden Schoenfeld und Katharina von Bora. Es
waren in Nimbschen neun Nonnen zum Austritt bereit: Magdalena von
Staupitz, Elisabeth von Kanitz, Veronika und Margarete von Zeschau,
Loneta von Gohlis, Eva Grosse, Ave und Margarete von Schoenfeld und als
zweitjuengste von ihnen Katharina von Bora[75].

Diese Kloster-"Kinder" (Nonnen) thaten nun das Naturgemaesseste und
Verstaendigste: "sie ersuchten und baten ihre Eltern und Freundschaft
(d.i. Verwandte) aufs allerdemuetigste um Huelfe, herauszukommen". Sie
zeigten genugsam an, dass ihnen solch Leben der Seelen Seligkeit halber
nicht laenger zu dulden sei, erboten sich auch zu thun und zu leiden, was
fromme (brave) Kinder thun und leiden sollen"[76].

Aber freilich den Eltern und Verwandten war das Gesuch ihrer Toechter und
Basen eine Verlegenheit. Einmal: der Versorgung wegen waren ja diese
Toechter ins Kloster gethan worden--wie wollte man sie nun in den armen
Familien unterhalten? Ihr Erbe war schon in Wirklichkeit oder in
Gedanken verteilt, wer mochte es an diese weltentrueckten,
gesellschaftlich toten Familienmitglieder herausgeben?[77] Ferner waren
solche Klosterfrauen der Welt entfremdet und taugten gar wenig ins
Leben. Wenn endlich auch nicht noch religioese oder kirchliche Bedenken
abschreckten, so war es doch noch eine andere Furcht: die Lehen der
meisten Anverwandten der Klosterfrauen lagen im Lande Herzogs des
Baertigen, der ein heftiger Feind der Reformation und des Wittenberger
Doktors im besonderen war. Da konnte es wegen Entfuehrung von
gottgeweihten Klosterfrauen empfindliche Strafen geben oder doch
Zuruecksetzung bei Hofaemtern. Kurzum das Gesuch der klosterfluechtigen
Nonnen wurde abgeschlagen[78].

So standen die Aermsten von jedermann verlassen da, in nicht geringer
Gefahr, dass ihr Vorhaben entdeckt und gehindert, die Beteiligten aber
empfindlich gestraft wuerden, wie es z.B. der mehrerwaehnten Florentina
geschah, als ihr Vorhaben, aus dem Kloster zu treten, entdeckt wurde.
Diese wurde von ihrer eigenen Muhme, der Aebtissin, unbarmherzig vier
Wochen bei grosser Kaelte haertiglich gefangen gesetzt, dann in Bann und
Busse in ihre Zelle gesperrt, musste sich beim Kirchgang platt auf die
Erde werfen und die anderen Nonnen ueber sich hinschreiten lassen, beim
Essen mit einem Strohkraenzlein vor der Priorin auf die Erde setzen; dann
wurde sie bei einem neuen Versuch, sich an ihre Verwandten zu wenden,
durchgestaeupt und "7 Mittwoch und 7 Freitage von 10 Personen auf einmal
discipliniert", in Ketten gelegt und fuer immer in die Zelle
gesperrt--bis sie durch Unachtsamkeit ihrer Schliesserin doch entkam.

Solches oder Aehnliches ist im Kloster Nimbschen mit den lutherisch
Gesinnten nicht geschehen; vielleicht schuetzte sie ihre grosse Zahl vor
solchen Gewaltmassregeln. Es war aber wohl auch die Gesinnung der
verstaendigen Aebtissin, welche eine solche Bestrafung verhinderte:
Margarete von Haubitz ist ja nachher mit dem ganzen uebrig gebliebenen
Konvent zur Reformation uebergetreten, obwohl sie mit den aelteren Frauen
im Kloster blieb und das Leben darin nach evangelischen Grundsaetzen
einrichtete. Keineswegs aber konnte und wollte sie als Aebtissin schon
1523 den Klosterfluechtigen Vorschub leisten in ihrem Vorhaben[79].

Da nun die Nonnen an den Ihrigen keinen Anhalt fanden, so hatten sie
gerechte Ursache, anderswo Huelf und Rat zu suchen, wie sie es haben
konnten. Sie fuehlten sich ja gedrungen und genoetigt, ihre Gewissen und
Seelen zu retten[80]. Wo anders aber sollten sie diese Huelfe suchen, als
bei dem, der sie durch seine evangelischen Schriften und geistkuehne
Thaten auf diese Gedanken gebracht hatte? So machten sie's also wohl,
wie nach ihnen noch manche andere, einzelne und ganze Haufen von
Klosterjungfrauen: sie schrieben "an den hochgelehrten Dr. Martinus
Luther zu Wittenberg, einen Klage-Brief und elende Schrift, gaben ihm
ihr Gemuet zu erkennen und begehrten von ihm Trost, Rat und Huelfe"[81].

Und der Ueberbringer dieses Briefes wird jedenfalls niemand anderes
gewesen sein als eben Leonhard Koppe von Torgau. Luther erkannte an, dass
"sie beide hier haben helfen und raten koennen, und darum seien sie auch
schuldig, aus Pflicht christlicher Liebe die Seelen und Gewissen zu
retten"[82].

"Denn es ist eine hohe Not", erklaerte er weiter, mit Bezug auf die
Nimbscher Nonnen, "dass man leider die Kinder in die Kloester gehen laesst,
wo doch keine taegliche Uebung des goettlichen Wortes ist, ja selten oder
nimmermehr das Evangelium einmal recht gehoert wird. Diese Ursach ist
allein genug, dass die Seelen herausgerissen und geraubt werden, wie man
kann, ob auch tausend Eide und Geluebde geschehen waeren. Weil aber Gott
kein Dienst gefaellt, es gehe denn willig von Herzen, so folgt, dass auch
keine Geluebde weiter gelten, als sofern Lust und Lieb da ist; sonst sind
im Klosterleben furchtbare Gefahren, Versuchungen und Suenden"[83].

"Aber wenn sich nun schwache Seelen an solchem Klosterraub aergern?"
konnte man einwenden.

Luther erklaerte: "Aergernis hin, Aergernis her! Not bricht Eisen und hat
kein Aergernis. Ich werde die schwachen Gewissen schonen, sofern es ohne
Gefahr meiner Seele geschehen kann; wo nicht, so werde ich meiner Seele
raten, es aergere sich dann die ganze oder halbe Welt. Nun liegt hier der
Seele Gefahr in allen Stuecken. Darum soll niemand von uns begehren, dass
wir ihn nicht aergern, sondern wir sollen begehren, dass sie unser Ding
billigen und sich nicht aergern. Das fordert die Liebe!"[84]

So dachte Luther und ihm gleichgesinnt war Leonhard Koppe. An ihn
stellte nun Luther das Ansinnen, die Befreiung zu uebernehmen. Und Koppe
war trotz seiner sechzig Jahre ein entschlossener Mann, zu einem kecken
Wagnis bereit, und willigte ein; er nahm keine Ruecksicht, ob es ihm im
Geschaefte schaden koennte, noch weniger, ob es ihn beim Hof in Ungunst
bringen oder gar ans Leben gehen koennte; denn auf Nonnenraub stand
eigentlich Todesstrafe, und auch Kurfuerst Friedrich, der vorsichtige
Schuetzer Luthers missbilligte nicht nur jede oeffentliche Gewaltthat,
sondern war auch geneigt, sie zu strafen. Aber trotz all dieser Bedenken
war Leonhard Koppe zu der That entschlossen, und wurde darin von dem
Torgauer Pfarrer D. Zwilling bestaerkt; denn dieser war auch in die Sache
eingeweiht[85].

Zwischen Luther und Koppe wurde so der Plan verabredet. Das Unternehmen
sollte von Torgau ausgehen, welches in der Mitte zwischen Nimbschen und
Wittenberg gelegen war. Die Osterzeit wurde zur Ausfuehrung ersehen.

Koppe brauchte aber Gehuelfen zur Ausfuehrung seines Unternehmens. Er
waehlte dazu seines Bruders Sohn, einen verwegenen jungen Mann, und einen
Buerger Wolfgang Tommitsch (oder Dommitsch), dessen Stieftochter, ein
Fraeulein von Seidewitz, kurz vorher aus dem Kloster entkommen war und
bald darauf einen ausgetretenen Augustiner-Propst, Mag. Nikolaus Demuth
heiratete, welcher dann Amtsschoeffer in Torgau wurde. Mit den neun
Klosterjungfrauen waren jedenfalls Verabredungen getroffen worden und
sie machten sich fluchtbereit[86].

In der Karwoche brachen nun die Torgauer auf einem oder mehreren mit
einer Blahe bedeckten Wagen, worin sie wohl weltliche Frauenkleider
verborgen hatten, von ihrer Stadt auf. Wenn die beiden Helfer nicht
eigene Wagen leiteten, so waren sie zu Pferde als Bedeckung dabei. Sie
kamen ueber Grimma am Karsamstag abends den 4. April vor Nimbschen
an[87].

Hier ruesteten sich die Nonnen in gewohnter Weise zu den Ostervigilien,
welche in der Auferstehungsnacht gefeiert wurden. Die ausserordentliche
Zeit, wo die Regel und geordneten Beschaeftigungen der Klosterfrauen
aufgehoben waren, muss dem Fluchtplan guenstig geschienen haben. Waehrend
die beiden Begleiter in dem nahen Gehoelz gehalten haben werden, fuhr
Koppe an dem Kloster vor. Er nahm, wie berichtet wird, zum Vorwand,
leere Heringstonnen auf der Heimfahrt nach Torgau mitnehmen zu wollen.
Beim Aufsuchen und Aufladen derselben scheint er den Thorwart Thalheim
beschaeftigt und die Aufmerksamkeit der uebrigen Bewohner des aeussern
Klosterhofs, namentlich der zwei Beichtvaeter, abgelenkt zu haben. Aus
der Klausur entkamen die neun Verschworenen, indem die Pfoertnerin
entweder getaeuscht oder gar bei dem Plan beteiligt war (es konnte ganz
gut eine von diesen neun zu dieser Zeit Thuerhueterin sein). Ein alter
Berichterstatter erzaehlt, man haette eine Lehmwand durchbrochen; ein
anderer, die Jungfrauen haetten sich im Garten versammelt und seien da
ueber die Mauer gestiegen. Aber auch zur hinteren Thuere konnten sie
entkommen sein; denn an der Bewachung dieser liess es das Kloster fehlen.
Kurzum, die Neun entflohen, wurden von den beiden Begleitern Koppes
aufgenommen; dieser fuhr wohl mit seinem Wagen Heringstonnen ganz
unschuldig ab und nahm dann draussen die Jungfrauen auf. Die leeren
Tonnen--vorne aufgestellt--konnten ganz gut dazu dienen, den lebendigen
Inhalt des Wagens vor unberufenen Augen zu verbergen[88].

Auf diese oder aehnliche Weise, jedenfalls "mit ausnehmender Ueberlegung
und Schlauheit", aber auch mit "aeusserster Keckheit"--nicht mit Gewalt
wurden die neun Jungfrauen durch Koppe aus Nimbschen befreit. Luther sah
es fast wie ein Wunder an[89].

Bei Nacht und Nebel fuhren nun die Retter und Geretteten davon, dem
Ostermorgen entgegen: es war eine eigene Ostervigilie in der Luft der
Freiheit durch die fruehlingsjunge Gotteswelt[90]. Die Fahrt ging durch
die kurfuerstlichen Lande, war also nicht bedroht durch die
Nachstellungen des lutherfeindlichen Herzogs Georg. Eine Verfolgung von
Nimbschen aus war nicht gerade zu befuerchten: es waren dort keine
Maenner, welche etwa einen Kampf mit den Entfuehrern gewagt haetten. Auch
hat der kluge Koppe gewiss ihre Spuren moeglichst verdeckt und die
Verfolger irre gefuehrt. Die weltliche Kleidung, welche die Jungfrauen
mittlerweile mit ihrer geistlichen vertauscht hatten, machte wohl die
Reise unauffaellig, und so kam der Zug auch ungehindert am Ostertag in
Torgau an und wurde vom Magister Zwilling freudig empfangen. In Torgau
wurde uebernachtet, die weltliche Kleidung der Klosterjungfrauen in der
Eile noch vervollstaendigt und am anderen Tag ging es Wittenberg zu, weil
es doch nicht geraten schien, die Entflohenen so nahe bei dem Kloster
und auch so nahe beim kurfuerstlichen Hof zu lassen[91].

Am Osterdienstag kam der Zug in Wittenberg an; ohne alle Ausstattung, in
ihrer geborgten und eilig zusammengerafften Kleidung, mit den
geschorenen Haeuptern ein "arm Voelklein", aber in ihrer grossen Armut und
Angst ganz geduldig und froehlich[92].

Luther empfing sie mit wehmuetiger Freude. Den kuehnen aber rief er zu:
"Ihr habt ein neu Werk gethan, davon Land und Leute singen und sagen
werden, welches viele fuer grossen Schaden ausschreien: aber die es mit
Gott halten, werden's fuer grossen Frommen preisen. Ihr habt die armen
Seelen aus dem Gefaengnis menschlicher Tyrannei gefuehrt eben um die
rechte Zeit: auf Ostern, da Christus auch der Seinen Gefaengnis gefangen
nahm"[93]. Als dann die Befreier heimfuhren, empfahl er sie Gott und gab
ihnen Gruesse mit an Koppes "liebe Audi" und "alle Freunde in
Christo"[94].

Drei Tage darauf schrieb Luther zur Verantwortung fuer sich, fuer den
"seligen Raeuber" Koppe und die es mit ihm ausgerichtet, sowie fuer die
befreiten Jungfrauen zum Unterricht an alle, die diesem Exempel wollten
nachfolgen "dem Fuersichtigen und Weisen Leonhard Koppe, Buerger zu
Torgau, meinem besonderen Freunde" einen offenen Brief. "Auf dass ich
unser aller Wort rede, fuer mich, der ich's geraten und geboten, und fuer
Euch und die Euern, die Ihr's ausgericht, und fuer die Jungfrauen, die
der Erloesung bedurft haben, will ich hiermit in Kuerze vor Gott und aller
Welt Rechenschaft und Antwort geben". In dieser "Ursache und Antwort,
dass Jungfrauen Kloester goettlich verlassen moegen" berichtet er offen die
That und ihre Gruende und nennt die Namen der Befreier und Befreiten. Er
sagt ihnen:

"Seid gewiss, dass es Gott also verordnet hat und nicht Euer eigen Werk
noch Rat ist, und lasset das Geschrei derjenigen, die es fuer das
alleraergste Werk tadeln. 'Pfui, pfui!' werden sie sagen, 'der Narr
Leonhard Koppe hat sich durch den verdammten ketzerischen Moench fangen
lassen, faehrt zu und fuehrt neun Nonnen auf einmal aus dem Kloster, und
hilft ihnen, ihr Geluebde und kloesterlich Leben zu verleugnen und zu
verlassen'. Meint ihr, das ist all heimlich gehalten und verborgen? Ja,
verraten und verkauft, dass auf mich gehetzt werde das ganze Kloster zu
Nimptzschen, weil sie nun hoeren, dass ich der Raeuber gewesen bin! Dass ich
aber solches ausrufe und nicht geheim halte, thue ich aus redlichen
Gruenden. Es ist durch mich nicht darum angeregt, dass es heimlich bleiben
sollte, denn was wir thun, thun wir in Gott und scheuen uns des nicht am
Licht. Wollte Gott, ich koennte auf diese oder andere Weise alle
gefangenen Gewissen erretten und alle Kloester ledig (leer) machen. Ich
wollt mich's darnach nicht scheuen, zu bekennen samt allen, die dazu
geholfen haetten, (in) der Zuversicht, Christus, der nun sein Evangelium
an Tag gebracht, und des Endechrists (Antichrists) Reich zerstoert, wuerde
hier Schutzherr sein, ob's auch das Leben kosten muesste. Zum anderen thu
ich's, der armen Kinder und ihrer Freundschaft (Verwandtschaft) Ehren zu
erhalten, dass niemand sagen darf, sie seien durch lose Buben unredlich
ausgefuehrt und ihrer Ehre sich in Gefahr begeben. Zum dritten, zu warnen
die Herrn vom Adel und alle frommen Biederleute, so Kinder in Kloestern
haben, dass sie selbst dazu thun und sie herausnehmen"[95].

Diese Aufforderung und die gelungene Flucht der neun Nonnen ermutigte,
wie Luther gedacht, noch andere Klosterjungfrauen und deren Eltern zu
gleichem. Noch in derselben Osterwoche entwichen abermals drei Nonnen
aus Nimbschen und kamen zu ihren Angehoerigen, und zu Pfingsten wurden
wieder drei von ihren Verwandten selbst aus dem Kloster geholt[96].

Da endlich ermannte sich der Abt von Pforta, der dem offenen Brief
Luthers nicht entgegenzutreten gewagt hatte,--Luther war ein zu
gefuerchteter Kaempe. Am 9. Juni schrieb er eine Klage an den--Kurfuersten
ueber diese Vorgaenge, welche zur "Entrottung und Zerstoerung des Klosters"
fuehrten, und beschwerte sich, dass die Nonnen von Sr. Kurf. Gn.
Unterthanen dazu geholfen und gefoerdert worden seien. Der Kurfuerst
Friedrich gab in seiner bekannten diplomatischen Weise die ausweichende
Antwort: "Nachdem Wir nit wissen, wie diese Sache bewandt und wie die
Klosterjungfrauen zu solch ihrem Furnehmen verursacht und Wir uns
bisher dieser und dergleichen Sachen nie angenommen, so lassen Wir's
bei ihrer selbst Verantwortung bleiben"[97].

Aber damit war die Klosterflucht in Nimbschen nicht zu Ende. Bis 1526
waren einige zwanzig--auch Magdalena von Bora--ausgetreten, so dass jetzt
nur noch 19 Klosterjungfrauen da waren; und diese samt ihrer Aebtissin
wurden evangelisch, blieben aber im Kloster, bis sich der Konvent im
Jahre 1545 aufloeste[98].

Drei Wochen nach der Flucht der neun Nimbscher Nonnen, am 28. April,
wagten sechs Nonnen aus Sornzig die Flucht, trotzdem dies Kloster im
Lande des Reformationsfeindes Herzogs Georg lag, und trotz des
schrecklichen Schicksals, das um diese Zeit den Entfuehrer einer Nonne
betroffen hatte, der zu Dresden gekoepft worden war. Und weitere acht
flohen aus Peutwitz[99].

Im selben Jahre der Flucht Katharinas traten noch 16 Nonnen in
Widderstetten auf einmal aus. Zwei Jahre darauf wandten sich wieder
andere "elende Kinder" an Luther aus dem fuerstlichen Kloster Freiberg im
Gebiete seines grimmen Feindes, Herzogs Georg. Und wieder wandte sich
Luther an den bewaehrten Nonnen-Entfuehrer Leonhard Koppe, den er
scherzweise "Wuerdiger Pater Prior" anredet. Luther wusste, dass diese
Zumutung fast zu viel und zu hoch sei--es konnte ja diesmal ernstlich
das Leben kosten--und meinte, Koppe wisse vielleicht jemand anderes, der
dazu helfen koennte. Aber der verwegene Mann liess sich um ein solches
wagehalsiges Stueck schwerlich vergebens bitten und--zu Georgs
allerhoechstem Verdruss--glueckte das Wagestueck, wie die Entfuehrung aus
Nimbschen[100].




4. Kapitel

Eingewoehnung ins weltliche Leben.


Nachdem die Befreiung Katharinas und ihrer Mitschwestern so gut gelungen
war, fragte es sich nun, was sollte mit ihnen werden?

Die Sorge blieb an Luther haengen. Nochmals wandte er sich an die
Angehoerigen der Entflohenen und wird ihnen die Gewissen genugsam geweckt
und ihre Pflicht eingeschaerft haben, sich ihrer erbarmungswerten
Toechter, Schwestern und Basen anzunehmen; das geht aus dem offenen Brief
an Koppe und einem anderen an Spalatin hervor, worin es heisst: "O, der
Tyrannen und grausamen Eltern in Deutschland!"[101]

Zugleich aber hatte er den Fall vorgesehen, dass die Verwandten,
wenigstens zum Teil, ablehnten, fuer die Nonnen zu sorgen. Daher
ueberdachte er, wie er sie unterbringen koennte. Aber von seinen
"Kapernaiten" (den Wittenbergern) konnte und wollte er keine
Geldunterstuetzung oder Anleihe erhalten; dagegen erhielt er von mehreren
Seiten Versprechungen, den Gefluechteten eine Unterkunft zu bieten.
Etliche wollte er auch, wenn er koenne, verheiraten. Amsdorf schrieb
scherzend an Spalatin: "Sie sind schoen und fein, und alle von Adel, und
keine fuenfzigjaehrige darunter. Die aelteste unter ihnen, meines gnaedigen
Herrn und Oheims Dr. Staupitz Schwester, hab ich Dir, mein lieber
Bruder, zugerechnet zu einem ehelichen Gemahl, damit Du Dich moegest
eines solchen Schwagers ruehmen. Willst Du aber eine juengere, so sollst
Du die Wahl unter den Schoensten haben"[102].

Bis dahin bat Luther und ebenso Amsdorf den Hofkaplan und
Geheimschreiber des Kurfuersten Friedrichs des Weisen, "dieser ehrbaren
Meidlein Vorbitter am Hofe zu sein und ein Werk der Liebe zu thun, und
bei den reichen Hofleuten und vielleicht dem Kurfuersten etwas Geld zu
betteln, auch wohl selbst etwas zu geben, damit die Gefluechteten
einstweilen genaehrt und auf acht bis vierzehn Tage, auch mit Kleidung
versehen werden koennten, denn sie hatten weder Schuhe noch Kleider."
Luther ging es naemlich damals so schlecht, dass er selbst kaum etwas zu
essen hatte und sein Mitbruder, der Prior Brisger, einen Sack Malz
schuldig bleiben musste: so sehr blieben die Klostereinkuenfte aus, auf
die Luther und der letzte mit ihm lebende Moench angewiesen war. Er
scherzt mit Beziehung auf seinen Bettelorden: "Der Bettelsack hat ein
Loch, das ist gross". Freilich der Hof des vorsichtigen Kurfuersten wollte
nicht recht, wenigstens nicht offen mit Unterstuetzungen herausruecken,
weshalb Luther seinen Freund nochmals mahnen musste: "Vergesst auch meiner
Kollekte nicht und ermahnt den Fuersten um meinetwillen auch etwas
beizusteuern. O, ich will's fein heimlich halten und niemanden sagen,
dass er etwas fuer die abtruennigen Jungfrauen gegeben--die doch wider
Willen geweihet und nun gerettet sind"[103].

Luthers Appell an die Verwandten verfing nicht. Er musste klagen: "Sie
sind arm und elend und von ihrer Freundschaft verlassen." Luther musste
also trotz seiner grossen Armut die Nonnen mit grossem Aufwand
unterstuetzen. Sonst erfuhr er, "was sie draussen von ihren Verwandten und
Bruedern leiden muessten"--wenn etwa eine nach Hause kaeme. Sie wollten
meist auch nicht zu ihrer "Freundschaft", weil sie in Herzog Joergs Land
des goettlichen Wortes Mangel haben muessten[104].

Magdalena Staupitz wurde mit der Zeit als "Schulmeisterin" der Maegdlein
in Grimma gesetzt, und ihr ein Haeuslein vom Moenchskloster gegeben. Die
Elsa von Kanitz fand bei einer Verwandten Aufenthalt; Luther wollte sie
1527 als Schulmeisterin der Maegdlein nach Wittenberg berufen. Die Ave
von Schoenfeld verheiratete er mit dem Medikus Dr. Basilius Axt[105].

Katharinas Verwandte konnten sich ihrer offenbar nicht annehmen. Die
Eltern waren tot, Bruder Hans musste selber Dienste suchen im fernen
Preussen, dann Verwalterstellen in Sachsen. Der aelteste Bruder war arm
verheiratet, hatte wohl keinen Platz fuer die Schwester; vom juengsten,
Clemens, war vollends nichts zu erwarten.

So wurde denn das Fraeulein Katharina von Bora nach der Ueberlieferung im
Hause eines Wittenberger Buergers untergebracht, der in der
Buergermeistergasse wohnte. Es war der ehrsame gelehrte M. Philipp
Reichenbach, welcher 1525 in Wittenberg Stadtschreiber, 1529 Licentiat
der Rechte, 1530 Buergermeister und endlich Kurfuerstlicher Rat
wurde[106].

In dem Wittenberger Buergerhause wurde die ehemalige Nonne mehr als eine
Art Pflegetochter gehalten und der Hausherr vertrat Vaterstelle an ihr.
Sie muss dort doch eine angesehene Stellung eingenommen haben. Sie war
bekannt und genannt im Kreise der Universitaetsgenossen, und der
Daenenkoenig Christiern II., der landesfluechtig im Oktober 1523 nach
Wittenberg kam und bei dem Maler Lukas Kranach Wohnung hatte, beschenkte
Katharina mit einem goldenen Ringe. Die jungen Gelehrten in Wittenberg
sprachen mit Achtung von ihr; sie nannten sie in ihren vertrauten
Briefen, wohl wegen ihrer strengen Zurueckhaltung, "die Katharina von
Siena"[107].

Bei dem Stadtschreiber, oder vielmehr bei seiner Frau, sollte nun
Katharina von Bora sich eingewoehnen in das neue oder vielmehr alte
"weltliche", das buergerliche Leben.

Das war nicht so gar leicht. Mindestens vierzehn Jahre lang, also fast
ihr ganzes bewusstes Leben, hatte Katharina im Kloster zugebracht. Alle
diese Jahre hatte sie die geistliche Tracht getragen, sich an
nonnenhafte Gebaerde und Haltung, an geistliche Sitten und Reden gewoehnt;
den Umgang mit weltlichen Menschen hatte sie verlernt oder eigentlich
nie recht gelernt, und ebenso die Arbeit, das Hantieren in Stube und
Kueche; in der That, man begreift, dass der praktische Luther beim Anblick
der neun weltunerfahrenen Nonnen ausrufen konnte: "Ein armes Voelklein"!
Wie in die weltliche Kleidung musste Katharina sich nun an weltliche
Sitte und Rede gewoehnen; wie ihr bleiches Gesicht sich an Luft und Sonne
braeunen, ihre zarten Haende im Angreifen von Toepfen und Besen sich
haerten, so musste auch ihr geistiges Wesen an den rauheren, aber
gesuenderen Anforderungen und Zumutungen der Welt sich kraeftigen. Aber
wie ihre abgeschnittenen Haare zu langen blonden Zoepfen wuchsen, so nahm
auch Sorgen und Denken an die kleinen weltlichen Pflichten und die
grossen weltlichen Interessen zu.

Und das gnaedige Fraeulein war nicht umsonst bei der Frau Magister. Sie
wurde hier tuechtig vorgeschult fuer ihren spaeteren grossen
pflichtenreichen Haushalt. Und sie hat sich auch nach dem Zeugnis der
Wittenberger Universitaet in dem Hause Reichenbach "stille und wohl
verhalten"[108].

Aber auch andere Gedanken und Gefuehle erwachten in ihr und wurden ihr
von aussen nahe gelegt. Und auch hier machte sie Erfahrungen und erfuhr
sie schmerzliche Enttaeuschungen, die sie weltkluger und vorsichtiger
machten.

Katharina war jetzt 24 Jahre alt, eine reife, ja nach den Anschauungen
jener Zeit, welcher das 15. bis 18. Lebensjahr einer Jungfrau fuer das
richtigste heiratsfaehige Alter galt, eine ueberreife Jungfrau. Dass sie an
Verehelichung dachte, ist begreiflich. Denn sie hatte weder eine
Stellung noch Vermoegen. Der Aufenthalt bei ihren Pflegeeltern konnte
doch nur ein voruebergehender und nicht befriedigender sein. Luther, der
die besondere Sorge fuer diese, wie fuer andere ausgetretene Klosterleute
uebernommen, hatte ohnedies schon von Anfang die ausgesprochene Absicht,
diejenigen, welche in ihren Familien keinen Unterhalt und Aufenthalt
finden konnten, zu verheiraten. Und seine gesamte Anschauung ging
dahin--darin hatte er die echt baeuerliche Ansicht seines Vaters--dass der
Mensch zum Familienleben geboren und gerade das Weib von Gott zur Ehe
bestimmt sei[109].

Nun kam damals im Mai oder Juni 1523 in die Universitaetsstadt Hieronymus
_Baumgaertner_, ein Patriziersohn aus Nuernberg, "ein junger Gesell mit
Gelehrsamkeit und Gottseligkeit begabt". Er hatte frueher (1518-21) in
Wittenberg studiert und bei Melanchthon seinen Kosttisch gehabt und
wollte jetzt seine alten Lehrer und Freunde in Wittenberg: Luther und
besonders Melanchthon besuchen, mit dem er spaeter in regem Briefwechsel
stand[110]. Dieser junge Mann erschien Luther als der rechte Gatte fuer
seine Schutzbefohlene: er war 25 Jahre alt, Kaethe 24, beide aus
vornehmem Hause; sie ohne Vermoegen, um so mehr passte in Luthers Augen
der wohlhabende Nuernberger fuer sie. Und er wird wohl dafuer gesorgt
haben, dass Baumgaertner an sie heran kam und an ihr Wohlgefallen fand.
Auch Kaethe fasste eine raschaufwallende Neigung fuer den jungen Mann, war
er ja wohl der erste, der sich der gewesenen Nonne naeherte. Vielleicht
haben sich die beiden auch zuerst gefunden, und Luther betrieb es nun in
seiner Art eifrig, die zwei zusammenzubringen. Jedenfalls wurde die
gegenseitige Neigung in dem Freundeskreise bekannt, und man hielt da die
Heirat fuer sicher.

Aber Baumgaertner zog heim nach Nuernberg und liess nichts mehr von sich
hoeren, trotzdem er versprochen hatte, nach ein paar Wochen wieder zu
kommen, um, wie man glaubte, Katharina heimzufuehren. Die Freunde,
besonders Blickard Syndringer, erinnerten den Patriziersohn in ihren
Briefen neckend oft genug an die verlassene Geliebte. Sie sei wegen
seines Weggangs in eine Krankheit verfallen und habe sich in Sehnsucht
nach ihm verzehrt. Im Anfang des folgenden Jahres bestellte noch der
Nuernberger Ulrich Pinder von Wittenberg aus an Baumgaertner einen Gruss
von "Katharina von Siena d.i. von Borra". Endlich schrieb Luther noch
einmal am 12. Oktober 1524 an Baumgaertner: "Wenn Du Deine Kaethe von Bora
festhalten willst, so beeile Dich, bevor sie einem andern gegeben wird,
der zur Hand ist. Noch hat sie die Liebe zu Dir nicht verwunden. Und ich
wuerde mich gar sehr freuen, wenn ihr beide mit einander verbunden
wuerdet"[111].

Aber den Eltern Baumgaertners war offenbar die entlaufene Nonne anstoessig,
und dass sie vermoegenslos war, konnte sie erst recht nicht empfehlen.
Daher ging Hieronymus auf dieses Ultimatum des Freiwerbers Luther nicht
ein. Als er im Fruehjahr 1525 in Nuernberg Ratsherr geworden war, verlobte
er sich mit einem Maedchen von 14 Jahren, Sibylle Dichtel von Tutzing
"mit sehr reicher Mitgift und was ihm noch erwuenschter war, von sehr
angesehenen Eltern" und hielt mit ihr am 23. Januar 1526 in Muenchen die
Hochzeit[112].

Da aber Baumgaertner Katharina endgiltig aufgegeben hatte, so rueckte
Luther nun mit dem andern Heiratskandidaten heraus, den er fuer Kaethe an
der Hand hatte. Das war D. Kaspar Glatz, der am 27. August 1524 von der
Universitaet Wittenberg, deren Rektor er damals war, sich auf ihre
Patronatspfarrei Orlamuende hatte setzen lassen. Luther ging nun damit
um, seine Schutzbefohlene dem D. Glatz zu freien. Aber Kaethe, welche
den Mann waehrend seiner Lehrzeit in dem kleinen Wittenberg kennen
gelernt hatte, wollte ihn nicht haben, und sie hatte ein richtigeres
Gefuehl als Luther. Glatz war, wie sich spaeter herausstellte, ein
rechthaberischer, eigensinniger Mensch, der Streitigkeiten mit seiner
Gemeinde bekam und deshalb entsetzt werden musste. Luther aber setzte
Kaethe mit der Heirat zu. Da ging sie zu Luthers Amtsgenossen, dem
Professor Amsdorf und beklagte sich, dass Luther sie wider ihren Willen
an D. Glatz verheiraten wolle; nun wisse sie, dass Amsdorf Luthers
vertrauter Freund sei; darum bitte sie, er wolle bei Luther dies
Vorhaben hintertreiben.

Hier scheint nun Amsdorf, der diese Ablehnung fuer adeligen Hochmut
auslegte, bemerkt zu haben: Ob ihr denn ein Doktor, Professor oder
Pfarrherr nicht gut genug sei? denn Katharina wurde zu der Erklaerung
gedraengt: Wuerde Amsdorf oder Luther sie zur Gattin begehren, so wolle
sie sich nicht weigern, D. Glatz aber koenne sie nicht haben[113].

Diese Aeusserung, welche wohl ohne viel Absicht gesprochen war, hatte
ihre Folgen; zwar nicht fuer Amsdorf, der immer ehelos blieb, aber fuer
Luther. Auch er hatte die Bora "fuer stolz und hoffaertig" gehalten,
waehrend sie doch nur etwas Zurueckhaltendes hatte und ein gewisses
Selbstbewusstsein zeigte; er hatte sie also nicht recht gemocht. Durch
jene Erklaerung an Amsdorf wurde er aber auf andere Gedanken
gebracht[114].




5. Kapitel.

Katharinas Heirat.


So machte Luther bei Kaethe von Bora, aber auch bei anderen Nonnen den
Freiwerber; er that es aber auch in seinen Schriften, worin er den
Ehestand so hoch pries und jedermann dazu einlud. Daher scherzte er in
einer Epistel an Spalatin: "Es ist zu verwundern, dass ich, der ich so
oft von der Ehe schreibe und so oft unter Weiber komme, nicht laengst
verweibischt oder beweibt bin." Und mehr im Ernst: "Ich draenge andere
mit so viel Gruenden zur Ehe, dass ich beinahe selbst dazu bewegt
werde"[115].

Wenn Luther so eifrig zur Ehe riet, so hatte er dabei vor allem seine
Amtsgenossen im Auge. Denn bis zur Reformation war es nicht nur Sitte,
sondern sogar Gesetz, dass Universitaetslehrer sich nicht verehelichten:
so sehr wurden die Schulen, auch die Hochschulen als kirchliche, ja
geistliche Anstalten angesehen und die "geistigen" Personen als
"Geistliche". Nur beschraenkte Ausnahmen wurden allmaehlich mit der
Verehelichung gestattet fuer Mediziner und Juristen; Rektor konnte lange
Zeit, auch in Wittenberg, nur ein unverehelichter Professor werden. Die
Gelehrten aber betrachteten auch ihrerseits die Ehe als eine
Erniedrigung fuer ihren hohen Stand. Darum hat Luther nur mit Muehe den
Gelehrten Melanchthon zur Heirat vermocht[116].

Dass aber die eigentlichen Geistlichen, die Priester, heirateten, das war
vor Luther, seit Gregor des Siebenten Zeiten, das heisst seit
sechsthalbhundert Jahren etwas Unerhoertes. Gerade aber _darauf_ hat nun
Luther allmaehlich in seinen vielen Schriften gedrungen, um zu zeigen dass
im Christentum der geistliche Stand nichts Besonderes sei, dass vielmehr
alle, die aus der Taufe gekrochen, Bischoefe und Pfarrer waeren, und
umgekehrt die Geistlichen nichts anders als Christenmenschen. So hat er
all seine geglichen Freunde zur Ehe gedraengt und ihnen dazu mit Eifer
verholfen; auch den Hochmeister von Preussen und den Erzbischof von
Mainz. Er wollte sozusagen fuer seine Anschauung vom allgemeinen
Priestertum und dem hl. Ehestand, wie der falschen Heiligkeit des
Coelibats den Massenbeweis mit Tatsachen fuehren. So mahnt er Spalatin
(Ostern 1525): "Warum schreitest Du nicht zur Ehe? Es ist moeglich, dass
ich selbst dazu komme, wenn die Feinde nicht aufhoeren diesen Lebensstand
zu verdammen und die Klueglinge ihn taeglich belaecheln!"[117]

Der Gedanke, dass auch _Klosterleute_ ehelich werden sollten, war Luther
anfangs befremdend: galt dies doch nach der Anschauung der Zeit so
sakrilegisch, dass die weltlichen Rechte Heiraten von Moenchen und Nonnen
mit dem Tode bestraften[118]. Von der Wartburg schrieb Luther (am 6.
August 1521): "Unsere Wittenberger wollen sogar den Moenchen Weiber
geben? Nun mir sollen sie wenigstens keine Frau aufdringen," und mit
Melanchthon scherzt er, ob dieser sich wohl an ihm dafuer raechen wolle,
dass er ihm zu einer Frau verholfen habe? er werde sich aber zu hueten
wissen. Doch nach wenigen Monaten hatte er sich ueberzeugt: "Das ehelose
Leben in Kloestern ist auch der geistlichen Freiheit zuwider. Darum, wo
du nicht frei und mit Lust ehelos bist und musst es allein um Scham,
Furcht, Nutz oder Ehre willen, da lass nur bald ab und werde ehelich." So
versorgte er nun auch Moenche und Nonnen in den Ehestand[119].

Aber wie er selber nur spaet,--am spaetesten unter den Bruedern--dazu kam,
sein Klosterleben aufzugeben, seine Kutte--als die letzte zerschlissen
war--im Oktober 1524 mit dem Priesterrock und Professorentalar
vertauschte, so erging es ihm auch mit dem Heiraten. 1528 sagte er:
"Wenn mir jemand auf dem Wormser Reichstag gesagt haette, nach 7 Jahren
wuerde ich Ehemann sein, der Frau und Kinder habe, so haette ich ihn
ausgelacht". Gerade wenn ihm seine Freunde und Freundinnen wie Argula
von Grumbach zuredeten oder davon sprachen, er werde doch noch heiraten,
erklaerte er das fuer Geschwaetz. Noch am 30. November 1524 meinte er, bei
seiner bisherigen und jetzigen Gesinnung werde er keine Frau nehmen,
sein Gemuet passe nicht zum Heiraten, er fuehle sich dazu nicht geschickt.
Ja noch Ostern 1525 schreibt er, dass er an keine Ehe denke[120].

Aber bald nach Ostern wurde er anderen Sinnes.

Es war gerade die boese Zeit der Bauernunruhen, wo radikale Schwaermer die
Sache der Reformation aufs aeusserste gefaehrdeten, die Zeit, wo die Feinde
mit gehaessiger Schadenfreude auf ihn wiesen, und die Freunde mit
aengstlicher Sorge nach ihm schauten; es war damals, da er umherzog die
fanatischen Bauernhaufen zu beschwichtigen und dabei zweimal in
Faehrlichkeiten des Todes gewesen, als er ueberhaupt dem Tode entgegen
sah[121]. Da erklaerte er: "Muenzer und die Bauern haben dem Evangelium
bei uns so sehr geschadet und die Papisten so uebermuetig gemacht, dass es
fast aussieht, als muesse man das Evangelium wieder ganz von vorn
predigen." Deshalb wollte er's nunmehr "nicht mit dem Wort allein,
sondern mit der That bezeugen". Er wollte mit seinem Beispiel seine
Lehre bekraeftigen, weil er so viele kleinmuetig finde, und so auch dem
zaghaften Erzbischof von Mainz zum Exempel voran traben. Er war im
Sinne, ehe er aus diesem Leben scheide, sich im gottgeschaffenen
Ehestande finden zu lassen und "nichts von seinem vorigen papistischen
Leben an sich zu behalten", und sei es auch nur eine verlobte
Josephsehe: auf dem Todbett wollte er sich ein fromm Maegdlein antrauen
lassen und ihr zum Mahlschatz seine zwei silbernen Becher reichen. Als
er gar von Dr. Scharf das Wort hoerte: "Wenn dieser Mensch ein Weib
naehme, so wuerde die ganze Welt und der Teufel selber lachen und er all
seine Sach damit verderben", da entschloss er sich erst recht: "Kann
ich's schicken, so will ich dem Teufel zum Trotz noch heiraten, und die
Engel sollen sich freuen und der Teufel weinen." Endlich draengte ihn
auch sein Vater, mit dem er auf seinen damaligen Reisen zusammentraf,
seinen groessten Lieblingswunsch zu erfuellen, und Luther wollte "diesen
letzten Gehorsam seinem geliebenden Vater nicht weigern"[122].

Und gerade eine _Nonne_ sollte die Erwaehlte sein, "dem Teufel mit seinen
Schuppen, den grossen Hansen, Fuersten und Bischoefen zum Trotz, welche
schlechterdings unsinnig werden wollen, dass geistliche Personen freien".
Und nicht nur den grossen Hansen, sondern auch dem grossen Haufen zum
Trotz, welcher nach seinem Aberglauben den Sohn eines Moenchs und einer
Nonne fuer den Antichrist hielt. Also wollte er "mit der That das
Evangelium bezeugen, zum Hohn fuer alle, welche triumphieren und Ju, ju
schreien, und eine Nonne zum Weibe nehmen"[123]. Diese Nonne aber sollte
_Katharina von Bora_ sein.

Sie war noch immer unversorgt im Reichenbachschen Hause, und er konnte
an ihr ein Werk der Barmherzigkeit thun. Sie hatte erklaert, sie werde
ihn nehmen, wenn er sie wolle. Und er hatte mittlerweile eine bessere
Meinung von ihr gewonnen.

Dass Kaethes ausserordentliche Schoenheit ihn in Feuer gesetzt habe, sagten
ihm seine Gegner in gehaessiger Absicht nach. Luther redet nur einmal und
in ziemlich spaeter Zeit in einem Brief an seine Gattin, in ritterlich
schalkhafter Weise davon, dass er "daheim eine schoene Frau" habe.
Ausdruecklich aber erklaert er, in den ersten Tagen seiner Ehe, dass er
nicht verliebt sei oder voll leidenschaftlichen Feuers, aber er habe
seine Frau gern. Sie war ja auch gar nicht besonders schoen. Von
koerperlicher Schoenheit zitierte Luther den Reim:

  Ist der Apfel rosenrot,
  Ist ein Wuermlein drinnen,
  Ist das Maidlein saeuberlich,
  So hat's krause Sinnen.

Und da ihm ein heiratslustiger Freund einmal sagte, er moechte eine
Schoene, Fromme, (d.h. Brave) und Reiche, so bemerkte Luther: "Ei, ja,
man soll dir eine malen mit vollen Wangen und weissen Beinen; dieselben
sind auch die froemmsten, aber sie kochen nicht wohl und beten
uebel"[124].

So traf er in der Stille und ohne leidenschaftliche Erregung seine Wahl.
Am 16. April scherzt er gegen Spalatin, dass er ein gar arger Liebhaber
sei: "Drei Frauen habe ich zugleich gehabt und sie so wacker geliebt,
dass ich zwei verloren habe, welche andere Verlobte nahmen, und die
dritte halte ich kaum am linken Arme, die mir vielleicht auch bald
weggenommen wird"[125].

Er hatte also doch bestimmte Persoenlichkeiten ins Auge gefasst.

Schon am 4. Mai, nach einem Besuche bei seinen Verwandten in Eisleben
und Mansfeld, redet er in einem vertrauten Briefe an seinen Schwager
Ruehel zu Mansfeld von "meiner Kaethe", die er nehmen wolle, so er's
schicken koenne. Und wie seinen Schwager, hat er jedenfalls auch seine
Eltern in seine Plaene eingeweiht, und der Vater redete ihm ernstlich
zu[126]. In Wittenberg selbst aber vertraute er es nur wenigen Leuten
an: dem Maler und Ratsherrn Lukas Kranach und seiner Frau. Gerade seinen
Amtsgenossen und uebrigen Freunden, vor allem auch Melanchthon, sagte er
nichts davon. Die Klugen wollten fuer ihn gerade nicht, was Luther
wollte: eine Nonne, und dachten und redeten ueber eine Moenchs- und
Nonnenheirat "lieblos". Und ganz besonders war ihnen Katharina von Bora
nicht recht; alle seine besten Freunde schrieen: "Nicht diese, sondern
eine andere!" Und wohl um es zu verhindern, brachten "boese Maeuler" sogar
eine boshafte Nachrede auf. Aber gerade das bewog Luther, der Sache
rasch ein Ende zu machen, bevor er die gegen ihn aufgebrachten Maeuler
zu hoeren genoetigt wuerde, wie es zu geschehen pflegt, und "weil der Satan
gern viel Hindernis und Gewirrs mache durch boese Zungen"[127]. Er
"betete zu unserm Herrn Gott mit Ernst", wie er berichtet, und handelte
dann ohne Menschen-Rat und -Bedenken, ja wie Melanchthon klagt, ohne
seinen Freunden etwas davon zu sagen[128].

Mit Katharina hatte sich Luther jedenfalls ins Einverstaendnis gesetzt:
wenn er schon wochenlang schreiben konnte "Meine Kaethe", so musste sie
doch von seinen Absichten wissen.

Dass Kaethe an Martin Luther auch ein rein menschliches Gefallen fand,
begreift sich. Er war wohl schon 42 Jahre alt und 16 aelter wie sie
selbst. Aber ein Zeitgenosse bezeugt: "Ein fein klar und tapfer Gesicht
und Falkenaugen hatte er und war von Gliedmassen eine schoene Person. Er
hatte auch eine helle feine reine Stimme, beides zu singen und zu reden,
war nicht ein grosser Schreier". Auch einem edeln, feineren Geschmack
musste der ehemalige Moench und Bauernsohn zusagen: er hielt etwas auf ein
ansprechendes Aeussere und wegen seiner Sorgfalt in der Kleidung nannten
ihn sogar seine Gegner tadelnd einen "feinen Hofmann", denn er trug
"Hemden mit Baendelein", hatte einen Fingerring und gelbe Stiefel[129].

Dabei war Luther fuer alles Schoene in Kunst und Natur eingenommen, ein
guter Saenger und "Lautenist", heiteren Sinnes und froehlicher Laune.

Aber noch mehr musste Luthers Gemuetsart einem weiblichen Wesen zusagen:
er war bei aller Heftigkeit doch gutmuetig, bei aller Halsstarrigkeit
lenkbar wie ein Kind, bei aller Derbheit doch sinnig und feinfuehlig.
Dabei war er "ein frommer (guter) Mann", der sein Weib herzlich lieb
haben konnte, und in dessen Besitz, wie er selber sagte, eine Frau sich
als Kaiserin duenken duerfte[130].

Freilich auch die aeussere Stellung, welche Luthers Gemahlin einnahm,
musste einen hochstrebenden Sinn reizen. Das Doktorat war in dieser
Humanistenzeit noch hoeher gewertet als heutzutage die akademische
Professur, es stand mindestens dem Adel gleich. Der einfachste Doktor,
der vom Bauern- und Handwerkerstand sich emporgearbeitet hatte, wurde
von adeligen Jungfrauen als wuenschenswerter Ehegenosse begehrt, sodass
eine grosse Anzahl Professorenfrauen in Wittenberg von Adel waren. Und
gar Luthers Gattin zu heissen, des gefeiertsten Mannes nicht nur in ganz
Wittenberg, sondern in der ganzen Christenheit, musste einem Weibe von
Selbstgefuehl schmeicheln, wenn es sich auch umgekehrt sagen musste, dass
mit der Groesse des Mannes auch all der Hass und die Beschimpfung mit in
Kauf zu nehmen, welche ihm die Feinde entgegenbrachten. Es war auch ein
gewagtes Unternehmen, einen solchen ausserordentlichen Mann zu
befriedigen, des Gewaltigen ebenbuertige Lebensgefaehrtin zu werden.
Jungfer Kaethe hatte den Mut wie das Selbstbewusstsein dazu.

So weigerte sich Kaethe der Annaeherung Luthers nicht.

Die foermliche Bewerbung Luthers ist wahrscheinlich erst Dienstag den 13.
Juni geschehen, natuerlich im Reichenbachschen Hause. Ein spaeterer
Bericht sagt, dass Kaethe ueberrascht war und anfaenglich nicht gewusst, ob
es Luthers Ernst sei, dann aber eingewilligt habe. Gleich abends am
selben Tage war die Trauung oder "das Verloebnis", entweder ebenfalls
beim Stadtschreiber oder moeglicherweise in Luthers Behausung im Kloster.
Auf die Zeit des Nachtmahls lud der Doktor den Stadtpfarrer Bugenhagen
und den Stiftspropst Jonas, den Juristen Apel und den Ratsherrn und
Stadtkaemmerer Meister Lukas Kranach und seine Frau--Melanchthon war
nicht dabei--was Jonas ausdruecklich als auffaellig hervorhebt: er war so
aengstlich ueber diesen Schritt seines grossen Freundes, dass er nicht zu
diesem Akt passte. Auch seinen Freund Dr. Hier. Schurf konnte Luther
nicht zu seinem Rechtsbeistand waehlen, weil dieser Lehrer des
buergerlichen und kirchlichen Rechts allerlei juristische Bedenken hatte
gegen die Priesterehe[131].

Die Trauung geschah nach den herkoemmlichen Braeuchen[132]: der
Rechtsgelehrte vollzog die rechtlichen Formalitaeten, den schriftlichen
Ehevertrag, er (oder Bugenhagen) fragte im Beisein der Zeugen den
Braeutigam, ob er die Braut zum Weibe nehmen und die Braut, ob sie den
Mann zum ehelichen Gemahl haben wollte. Dann gab der Pfarrer sie beide
mit Gebet und Segen zusammen. Darauf folgte ein kleines Abendessen und
dann das Beilager: Braut und Braeutigam wurden zum Brautbett gefuehrt,
lagerten sich darauf unter einer Decke und damit war die Ehe
gueltig[133].

Das war Luthers "Geloebnis", wie es in der Wittenberger Redeweise hiess.
Jonas konnte sich beim Anblick der Verlobten auf dem Brautlager nicht
enthalten, Thraenen zu vergiessen, so sehr war er bewegt. Aber auch die
Gemueter der anderen waren gewiss in grosser Bewegung, nicht zum wenigsten
Luther und Kaethe[134].

Am folgenden Morgen, Mittwoch, gab Luther den Freunden ein kleines
Mittagsmahl, das damals um 10 Uhr stattfand. Da mittlerweile die
Vermaehlung in dem kleinen Wittenberg rasch bekannt geworden war, so
sandte der Stadtrat einen Ehrentrunk von einem Stuebchen (= 4 Mass)
Malvasier, einem Stuebchen Rheinwein und anderthalb Stuebchen
Frankenwein[135].

"Das Geloebnis" war aber nach damaliger Sitte nicht die "Beilage" oder
oeffentliche Hochzeit; diese folgte erst spaeter mit oeffentlichem
Kirchgang und der "Wirtschaft" (d.i. Hochzeitsschmaus) und feierlicher
Heimfuehrung der "Jungfer Braut". Vierzehn Tage nach der Trauung,
Dienstag den 27. Juni, folgte nun bei Luther dieses hochzeitliche Mahl
und "Heimfahrt", denn das junge Ehepaar und seine Freunde wollten nicht
nur die Sitte ehren, sondern gerade recht auffaellig in oeffentlicher
Feierlichkeit vor der Welt ihren heiligen Ehestand ehrenvoll bezeugen.
Dazu lud der Doktor seine Eltern und seinen Schwager Dr. Ruehel in
Mansfeld nebst noch zwei Mansfeldischen Raeten, Johann Duerr und Kaspar
Mueller, ferner den Hofkaplan M. Spalatin und den Pfarrer Link in
Altenburg, den kuehnen Befreier der Nonnen Leonhard Koppe als "wuerdigen
Vater Prior", den Kurfuerstlichen Hofmarschall Dr. Johann von Dolzig, vor
allem aber den Superintendenten ("Bischof") Amsdorf in Magdeburg
u.a.[136].

Die mit Scherz und Ernst gewuerzten Einladungsbriefe an diese
Gaeste--ausser dem an die Eltern--sind noch vorhanden. Da schreibt Luther
an die drei Mansfeldischen Raete: "Bin willens, eine kleine Freude und
Heimfahrt zu machen. Solches habe ich Euch als guten Herren und Freunden
nicht wollen bergen und bitte, dass Ihr den Segen helft darueber sprechen.
Wo Ihr wolltet und koenntet samt meinem lieben Vater und Mutter kommen,
moegt Ihr ermessen, dass mir's eine besondere Freuden waere". An Link: "Der
Herr hat mich ploetzlich, da ich's nicht dachte, wunderbarer Weise in
den Ehestand versetzt mit der Nonne Kaethe von Bora.... Wenn Ihr kommt,
will ich durchaus nicht, dass Ihr einen Becher oder irgend etwas
mitbringt". An Dolzig: "Es ist ohne Zweifel mein abenteuerlich Geschrei
fuer Euch kommen, als sollt ich ein Ehemann worden sein. Wiewohl nun
dasselbige fast seltsam ist und ich's selbst kaum glaube, so sind doch
die Zeugen so stark, dass ich's denselben zu Dienst und Ehren glauben
muss, und fuergenommen, auf naechsten Dienstag mit Vater und Mutter samt
anderen guten Freunden in einer Kollation dasselbe zu versiegeln und
gewiss zu machen. Bitte deshalben gar freundlich, wo es nicht
beschwerlich ist, wollet auch treulich beraten mit einem Wildbret und
selbst dabei sein und helfen das Siegel aufdruecken und was dazu
gehoert"[137].

Das Wildbret fehlte nicht; Wittenberg, welches wusste, was die
Universitaet und Stadt an Luther besass--er hat die kleine Stadt und
Universitaet erst gross und beruehmt gemacht--spendete reichliche
Geschenke. Der Stadtrat sandte "Doctori Martino zur Wirtschaft
und Beilage ein Fass Eimbeckisch Bier und zwanzig Gulden in
Schreckenbergern"; und die loebliche Universitaet verehrte als
Brautgeschenk "H.D. Marthin Luthern und seiner Jungfraw Kaethe von Bor"
einen hohen Deckelbecher aus Silber mit schoenen vergoldeten
Verzierungen. Johann Pfister, der zu Ostern den Moench ausgezogen und zu
Pfingsten nach Wittenberg gereist war, um da zu studieren, hat auf D.
Luthers Hochzeit das Amt eines Mundschenken versehen. Vielleicht waren
jetzt auch die Eheringe fertig, welche die Freunde besorgten. Diese
Eheringe soll der Kaiserl. Rat Willibald Pirkheimer in Nuernberg von
Albrecht Duerer haben anfertigen lassen und geschenkt haben; desgleichen
auch eine goldene Denkmuenze mit Luthers Bild. Der Trauring Luthers ist
ein zusammenlegbarer Doppelreif mit Diamant und Rubin, den Zeichen von
Liebe und Treue; unter dem hohen Kasten sind die Buchstaben M.L.D. und
C.V.B. und in dem Reif der Spruch: "Was Gott zusammenfueget, soll kein
Mensch scheiden". Katharinas Ring hat einen Rubin und ist mit Kruzifix
u.a. geziert, mit der Inschrift: "D. Martinus Lutherus, Catharina von
Boren 13. Juni 1525"[138].

Dass dabei Katharina in ueblichem Brautschmuck erschien, ist
selbstverstaendlich, wenn dieser auch nicht so reich war, als das
angebliche Bild Katharinas von Bora im Hochzeitsstaat denken laesst[139].

So wurde mit den guten Freunden eine froehliche Hochzeit gefeiert.
Freilich werden der unruhigen Zeitlaeufte wegen nicht alle Eingeladenen
erschienen sein--Luther setzte das schon in seinen Briefen voraus. Auch
Magister Philipp Melanchthon war nicht dabei, der aengstliche Gelehrte,
welcher gegen Luthers Ehe und besonders mit der Nonne war, waere ein
uebler Hochzeitsgast gewesen. Von Katharinas Verwandten scheint niemand
anwesend gewesen zu sein. Vater und Mutter waren wohl schon laengst tot,
zwei Brueder im fernen Preussen, der aelteste vielleicht auch ferne; den
anderen Verwandten war Kaethe doch durch ihr Klosterleben entfremdet, es
hatte sich ja auch bisher niemand von ihnen ihrer angenommen. So musste
sie ihre Gefreunde und Verwandte in ihren Pflegeeltern und Luthers
Freunden und Eltern sehen. Und wenn ihr's an ihrem Hochzeitsfest recht
wehmuetig ums Herz gewesen sein wird, so musste sie doch die hohe
Verehrung und Freundschaft troesten, welche ihr Gatte bei seinen
Amtsgenossen und Landsleuten gefunden hatte.




6. Kapitel

Das erste Jahr von Katharinas Ehestand.


Luther fuehrte nach seiner Vermaehlung die junge Frau in seine Wohnung im
Augustinerkloster. Denn dies hatte ihm der Kurfuerst Johann der
Bestaendige, der seit Mai seinem Bruder Friedrich dem Weisen gefolgt war,
unter der Bedingung des Vorkaufsrechts zur Verfuegung gestellt.

Das "schwarze Kloster" lag oben am Elsterthor, unmittelbar am Wall und
Graben, still und abgewandt von der Welt, von der Strasse durch einen
grossen Hof geschieden. Das dreistoeckige Hauptgebaeude gegen die Elbe zu
gelegen war die Behausung der Moenche gewesen und jetzt Luthers
Aufenthalt. In der westlichen Ecke nach Mittag gerichtet und mit
Aussicht auf die gelben Fluten des Stromes war Luthers Zelle, woraus er
"den Papst gestuermt hatte": sie blieb auch jetzt seine Studierstube.
Dagegen richtete das Ehepaar nach dem Hofe zu, wo die Gemaecher des
ehemaligen Priorats lagen, die geraeumige Wohnstube ein, worin auch
gespeist und die Besucher empfangen und Gaeste bewirtet wurden. Davor lag
ein kleineres Empfangszimmer mit Holzbaenken. Die Decken der Gemaecher und
bis zur halben Hoehe auch die Waende des behaglichen Wohnzimmers waren mit
Holzgetaefel versehen, an den Waenden hin zogen sich Baenke, Pfloecke
darueber dienten zum Aufhaengen von Geraeten und Kleidern. Zwei grosse
Fenster mit Butzenscheiben schauten in den Klosterhof. Aber um
deutlicher zu sehen, waren kleine Schiebfenster angebracht, welche
klirrend geoeffnet wurden, wenn dahinter etwas beobachtet werden sollte,
ein Besuch kam oder ging oder auf die Dienstboten und das Geziefer des
Hauses geachtet werden sollte. Dort in der Fensternische wurde ein
einfacher hoelzerner Sitz aufgestellt mit einer Art Pult, der als
Naehtisch dienen mochte. Ein maechtiger Eichentisch auf Kreuzgestellen
stand in der Mitte und die eine Ecke fuellte ein maechtiger Kachelofen.
Darum hiess die Wohnstube auch "das gewoehnliche Winterzimmer". Es war
wohl noch von der Klosterzeit her bemalt. Wahrscheinlich befand sich
auch hier ein Bild der Maria mit dem schlafenden Jesuskind[140].

Hinter dieser Wohnstube war das Schlafzimmer und eine weitere Kammer,
von dieser wurde spaeter eine Stiege mit einer Fallthuere in das
Erdgeschoss angelegt, auf der man in die Wirtschaftsraeume drunten
gelangen und namentlich die Speisen von der Kueche innerhalb des Hauses
heraufbringen konnte. Denn Kueche, Dienstbotenzimmer und dgl. waren unten
im ehemaligen Refektorium[141].

Schon in diesem Jahre, 1525, schenkte der Stadtrat verschiedene Fuhren
Kalk, womit das Klosterhaus innen und aussen, wenigstens teilweise,
getuenscht werden konnte. Vielleicht geschah dies bereits in der
Zwischenzeit zwischen der Trauung und Heimfuehrung, dieser zu Ehren, als
das Haus viele festliche Besucher aufnehmen musste[142].

Die erste Ausstattung des Hauses wird duerftig genug gewesen sein, denn
Luther konnte bei seiner bekannten Freigebigkeit und Gastfreiheit mit
seinem Gehalt kaum fuer sich selbst bestehen, und obwohl der Kurfuerst es
bei seiner Verheiratung auf 200 fl. aufbesserte, so waren daraus nicht
viel Anschaffungen zu machen, namentlich fuer ein so weitlaeuftiges
Gebaeude. Die 100 fl., die der Kurfuerst, und die 20 fl., die der Stadtrat
zur Hochzeit schenkte, gingen darauf fuer das kostspielige Festmahl. Der
Klosterhausrat, so weit er noch uebrig und nicht weggeschleift war durch
allerlei unberufene Haende, war Luther von den Visitatoren geschenkt
worden. Aber es war geringfuegig: Schuesseln und Bratspiesse, einiger
sonstiger Hausrat und Gartengeraete--zusammen kaum 20 fl. wert. So werden
wohl die Freunde durch Hochzeitsgeschenke, die freilich in der Regel aus
silbernen Bechern bestanden, unmittelbar oder mittelbar dazu beigetragen
haben, die oeden Raeume des Klosters ein bisschen wohnlich zu gestalten.
Verwoehnt durch mannigfaltigen Hausrat war man damals ueberhaupt nicht,
und die zwei ehemaligen Klosterleute noch weniger. So schenkte D.
Zwilling von Torgau einen Kasten, der war aber bald so lotter und
wurmstichig, dass Frau Kaethe kein Leinen mehr darin aufbewahren konnte
vor lauter Wurmmehl. Nach und nach kamen auch sonst von auswaerts
allerlei Geschenke, sogar kuenstliche Uhren. Vom Stadtrat wurde das junge
Ehepaar ein ganzes Jahr lang mit Wein aus dem Ratskeller freigehalten,
brauchte aber nur (trotz vieler Gaeste) fuer 3 Thlr. 4 Groschen 6
Pfennige. Auch schenkte die Stadt "Frau Katharinen Doktor Martini
ehelichem Weibe zum neuen Jahr (1526) ein Schwebisch" (schwaebisches
Tuch)[143].

Der einzige Mitbewohner und neben Luther letzte Moench, der Prior Brisger
verheiratete sich gleich nach Luther und zog nach einiger Zeit in sein
neugebautes Haeuschen, das neben dem Kloster, aber vorn an der Strasse
gelegen war, dann auf die Pfarrei Altenburg. Von den alten
Klosterbewohnern blieb nur Luthers Famulus Wolfgang Sieberger im Hause,
der arm an Geld und Geistesgaben zwar zu studieren angefangen, aber es
nicht hatte fortsetzen und vollenden koennen, und besser zu einem Diener
taugte als zum Gelehrten, eine treue Seele, die von 1517 bis zu Luthers
Tod im Hause blieb und den Doktor nur um ein Jahr ueberlebte. Eine Magd
war auch da und andere folgten bald, als der Haushalt sich ausdehnte.

In diesem Hause nun gewoehnte sich das junge Paar zunaechst einigermassen
in Ruhe in den Ehestand und aneinander, und Luther schrieb da: "Ich bin
an meine Kaethe gekettet und der Welt abgestorben"[144].

Es war dem 42jaehrigen Gelehrten, Junggesellen und ehemaligen Moench im
ersten Jahre des Ehestandes ein seltsames Gefuehl, wenn er jetzt
selbander bei Tische sass statt allein, oder wenn er morgens erwachend
zwei Zoepfe neben sich liegen sah. Aber auch der juengeren Ehefrau, der
frueheren Nonne mochte ihr neuer Stand seltsam duenken, hier im ehemaligen
Kloster, namentlich an der Seite des gewaltigen Mannes, der die
Weltordnung umgekehrt hatte und mit Papst, Kaiser, Welt und Teufel im
Kampfe lag[145].

Da sass Kaethe in dieser ersten Zeit bei Luther hinten in seiner
Studierstube, von wo er mit dem Flammenschwert seiner Feder den Papst
gestuermt, sah ihn von Buechern umgeben, den Tisch mit Briefen und
Schriftbogen bedeckt, spann und horchte ihm zu und that auch Fragen nach
diesem und jenem. Ihre Fragen zeugten nicht immer von Welterfahrung und
theologischer Bildung. So ergoetzte es den Gelehrten, als sie einmal
fragte: "Ehr Doktor, ist der Hochmeister in Preussen des Markgrafen
Bruder?" Es war dieselbe Person. Luther weihte seine junge Frau bald in
theologische Fragen ein. Als ihm Jonas 1527 seine jetzige Ansicht ueber
Erasmus meldete, las er seiner Frau ein Stueck des Briefes vor. Da sprach
sie alsbald: "Ist nicht der teure Mann zur Kroete geworden?" Und sie
freute sich, dass Jonas nun die gleiche Ansicht mit Luther ueber Erasmus
hatte. Mit der Zeit erweiterte sich ihr Wissen, sie lernte in ihres
Mannes Haus, wo so viele Faeden der Kirchen- und Weltgeschichte
zusammenliefen und so viele bedeutende Maenner, Gelehrte, Staatsmaenner
und Fuersten einkehrten, die Weltdinge verstehen und lebte sich in die
theologische Gedankenwelt so ein, dass sie an den Tischreden lebhaften
Anteil nahm und auch Gelehrte durch ihren gesunden Menschenverstand und
ihr natuerliches Gefuehl mitunter in Verlegenheit brachte[146].

Frau Kaethe hatte eine ziemliche Beredsamkeit, so dass Luther sie oftmals
damit neckte und sie einmal einem Englaender als Sprachlehrerin empfahl
oder auch davon redete, dass sie das Amen nicht finden koennte bei ihren
Predigten. Er sagt aus der Erfahrung von seiner Gattin: "Weiber reden
vom Haushalten wohl als Meisterinnen mit Holdseligkeit und Lieblichkeit
der Stimm und also, dass sie Cicero, den besten Redner, uebertreffen; und
was sie mit Wohlredenheit nicht zu Wege bringen koennen, das erlangen sie
mit Weinen. Und zu solcher Wohlredenheit sind sie geboren, denn sie sind
viel beredter und geschickter von Natur zu diesen Haendeln, denn wir
Maenner, die wir's durch lange Erfahrung, Uebung und Studieren erlangen.
Wenn sie aber ausser der Haushaltung reden, so taugen sie nichts."[147]

Zur Abwechslung arbeiteten die jungen Eheleute auch in dem umzaeunten
Klostergarten hinter dem Hause, worin auch ein Brunnen war. Da wurde
gegraben und gepflanzt und allerlei Kraeuter, Gemuese und Obstbaeume, aber
auch zierliche Straeucher und Blumen gepflegt. So konnte Luther schon im
folgenden Sommer Spalatin einladen: "Ich hab einen Garten gepflanzt,
einen Brunnen gegraben, beides mit gutem Glueck. Komm, und Du sollst mit
Lilien und Rosen bekraenzt werden." Auch zu dem "Lutherbrunnen" vor dem
Elsterthore wandelten die Ehegatten hinaus, welchen der Doktor 1521
entdeckt hatte und 1526 fassen und mit einem "Lusthaus" ueberbauen liess,
in dem er manch liebes Mal in Musse mit seiner Frau und seinen Freunden
sass. Sonst ruhten die beiden unter dem Birnbaum im Klosterhofe, der
schon zu Staupitz' Zeiten manches ernste Gespraech vernommen[148].

Von dem jungen Ehepaar haben wir ein Bild aus der Werkstatt Kranachs.
Die junge Frau, mehr eine zarte als robuste Erscheinung, hat ein ovales
Gesicht mit feiner Hautfarbe, die Augenoeffnung erscheint ein bisschen
"geschlitzt", die Backenknochen, welche in einem anderen Kaethe-Typus
sehr stark hervortreten, sind normal. Charakteristisch ist die volle
Unterlippe. Die Augenbrauen sind schwach und hoch gewoelbt, das wenig
ueppige feine Haar hat roetliche oder blonde Farbe und die mattblauen
Augen schauen verstaendig drein. Der Eindruck des ganzen Gesichtes laesst
nuechternen Ernst und eine gewisse zaehe Energie erwarten[149].

Die Zeit der ersten Liebe schildert der Wittenbergische Doktor obwohl
"nicht von unmaessiger Liebesglut entflammt", mit den gleichen Worten wie
unser moderner Dichter: "Die hoechste Gnade Gottes ist's, wenn im
Ehestande Eheleute einander herzlich stets fuer und fuer lieb haben. Die
erste Liebe ist fruchtbar und heftig, damit wir geblendet und wie die
Trunkenen hineingehen; wenn wir die Trunkenheit haben ausgeschlafen,
alsdann so bleibet in Gottesfuerchtigen die rechtschaffene Liebe, die
Gottlosen aber haben den Reuwel."[150]

Freilich diese Zeit seines jungen Ehestandes ging dem Reformator weder
als muessig taendelnde Flitterwochen, noch als ein ungetruebtes Idyll dahin.
Dafuer sorgte der Drang seines gewaltigen Werkes, wie der Hass seiner
Gegner. Und mindestens eben so schwer, wie er, hatte seine junge Gattin
unter den giftigen und schmutzigen Angriffen zu leiden, die sofort die
Heirat des Reformators und ehemaligen Moenchs mit der gewesenen Nonne
beleidigten.

Luthers Heirat mit Katharina war eine zu ungeheuerliche That in den
Augen seiner Zeitgenossen, als dass sie nicht das gewaltigste Aufsehen
erregen und auch zu den abenteuerlichsten Verdaechtigungen Anlass geben
mussten[151].

Schon sofort nach der Trauung hatte Luther um dieses Werkes willen
Schmaehungen und Laesterungen zu ertragen. Und nicht nur von den Feinden.
Die Klueglinge "belaechelten" seine Ehe oder verdammten sie auch: "Die
Weltweisen, auch unter den Unserigen, sind heftig darueber erzuernt." Das
war nicht nur Dr. Schurf, sondern sogar sein naher Freund Melanchthon;
jener hatte gemeint, die ganze Welt, ja die Teufel wuerden darueber
lachen, und Luther wuerde sein ganzes Werk vernichten. Dieser missbilligte
wohl die That an sich nicht, wohl aber, dass sie nicht opportun sei und
unbedachtsam geschehen, so dass die Feinde darin ihr grosses Vergnuegen
haben und laestern; er meinte auch, "Luther habe sich durch Nonnenkuenste
fangen lassen und sei hereingefallen"[152].

So war es fuer die Eheleute schon ein Schmerz, dass der Hausfreund nicht
bei der Hochzeit war, ja nicht einmal dazu eingeladen werden konnte. Und
auf Luther mochte dies Verhalten der Freunde wenn auch nur zeitweilig
verstimmend und niederschlagend wirken. Da hatte Kaethe wohl eine schwere
Aufgabe, ihn aufzurichten und zu ermuntern. Die anderen Freunde, seine
Gevattersleute Kranach vor allem, halfen dabei. Und schliesslich maessigte
auch Melanchthon seinen Verdruss, ja er troestete Luther und beeiferte
sich, seine Traurigkeit und ueble Laune durch Freundlichkeit und
froehliche Unterhaltungen zu erheitern[153]. So kehrte Luthers Gemuet
wieder zur alten Lebhaftigkeit zurueck. Schon drei Tage nach der Trauung
schreibt er an Spalatin mit bezug auf Schurfs Rede im alten Ton frohen
und getrosten Trutzes: "Ich habe mich durch diese Heirat so
geringschaetzig und veraechtlich gemacht, dass ich hoffe, es sollen die
_Engel lachen_ und die Teufel weinen. Die Welt mit ihren Klueglingen
kennet dies Werk nicht, dass es goettlich und heilig sei: sie nennen's an
meiner Person gottlos und teufelisch. Derohalben ich auch groesseren
Gefallen daran habe, dass ihr Urteil durch meinen Ehestand verdammt wird,
so dass sich daran stossen und aergern die, so ohne Erkenntnis Gottes
mutwillig zu bleiben fortfahren"[154].

Viel aerger als die Freunde trieben's natuerlich die Widersacher. Emser
verfertigte Spott- und Schmaehgedichte, ja Eck gab ein ganzes Buechlein
von solchen Liedern auf Luthers Hochzeit heraus. Der Herzog Georg von
Sachsen, Luthers besonderer Feind, erliess ein Schreiben an Luther, worin
er ihn aufs heftigste schalt, und in einem Instruktionsschreiben zum
Speierer Reichstag (15. Mai 1526) an Otto von Pack beschimpft er ihn mit
der falschen Anschuldigung: "Es erscheint auch klaerlich, indem Martinus
verworfen hat den Moenchsstand und so auch die Moenche aus dem Kloster zu
Wittenberg, dass er desto mehr Raum habe mit seiner Kaethchen zu wohnen,
davon sich ein ganzer Konvent hat naehren moegen." Der theologische Koenig
Heinrich VIII. von England, damals noch Defensor Fidei (Verteidiger des
roemischen Glaubens) nachher Ritter Blaubart, fuhr in einem Briefe den
Reformator an: "Was? Du hast ihr nicht nur beigewohnt, sondern, was noch
unendlich fluchwuerdiger ist, hast sie sogar oeffentlich als Gattin
heimgefuehrt!"[155]

Diese Schriften--ausser der Georgs--waren lateinisch und gingen zunaechst
in die Gelehrtenwelt. Unter das Volk aber wurden ehrenruehrige
Verleumdungen gegen die beiden Ehegatten gestreut. Der Humanistenkoenig
Erasmus machte sich lustig, indem er mit schnoedem Witze meint: wenn der
Antichrist ein Moenchs- und Nonnenkind waere, muesste die Welt voll
Antichristen laufen; aber die Luege von einem fruehgeborenen Kinde hat er
mit boshafter Geflissentlichkeit in seinen Briefen an hohe Herren
verbreitet, bis er sie dann widerrufen musste. Die Heirat Luthers ist dem
hochmuetigen Humanisten aber immerhin eine Posse, mit der der gelehrte
Doktor den Philosophenmantel abgelegt und sich zu einem gewoehnlichen
Menschen erniedrigt haette[156].

Aber noch naeher trat der jungen Frau bald nach ihrer Heirat die
Schmaehung. "Ein Buergersweib Klara, Eberhard Lorenz Jessners eheliche
Hausfrau hat unnuetze Worte gehabt und Herrn Dr. Luther und seine ehrbare
Hausfrau geschmaeht und gescholten," freilich "auch des Pfarrers Eheweib
uebel angefahren" in Magister Joh. Lubecks Wirtschaft zu Wittenberg[157].

Endlich verfassten zwei Leipziger Magister, Joh. Hasenberg und Joachim
von der Heidten (Miricianus), in Prosa und Poesie lateinische und
deutsche Sendbriefe und liessen sie drucken. Hasenbergs Schmaehschrift
richtete sich "an M. Luder und seine uneheliche Gattin Catharina von
Bohra, damit sie entweder mit dem verlorenen Sohn sich bekehren und zur
Busse und Heiligkeit des Klosterlebens zurueckkehren oder doch Luther
seine Nonne ihrem Braeutigam Christus und ihrer Mutter Kirche
zurueckstelle" bei Hoellenstrafe. Heidten schrieb "Ein Sendbrieff Kethen
von Bhora, Luthers vermeynthem eheweib sampt einem geschenk freundlicher
Weise zuvorfertigt". Die beiden jungen Menschen hatten die Frechheit,
diese Schriften durch einen eigenen Boten Luther und seiner Frau ins
Haus zu schicken, allerdings in der thoerichten Hoffnung, wenigstens
Kaethe von ihrem Manne abwendig zu machen und zur Rueckkehr ins Kloster zu
bewegen.

Natuerlich hatten diese beiden Schriften den entgegengesetzten Erfolg.
Luthers Diener trieben mit denselben ihren Spott, schickten sie den
"jungen Loeffeln illuminiert (illustriert) im Hintergemach" mit dem Boten
zurueck und dazu ein viereckiges Taefelein, darauf waren die 6 Buchstaben
_ASINI_ (Esel) so verteilt, dass man sie von der Mitte aus gesehen, an
vierzig mal lesen konnte. Der ritterliche Luther aber nahm sich seines
Weibes an und liess "Eine neue Fabel Aesopii vom Esel und Loewen" mit
behaglichem Witze drucken und sandte sie an seinen Freund Link mit den
Worten: "Die Leipziger Esel haben meine Kaethe mit albernen Schmaehungen
verunglimpft; denen ist geantwortet worden, davon du hier vor Augen
siehst."[158]

Zu den Beschimpfungen gesellten sich Gefahren. In der Nacht vor
Michaelis 1525 hatte Luther es gewagt, im Gebiete seines heftigsten
Widersachers, des Herzogs Georg von Sachsen-Meissen, dreizehn Jungfrauen
aus dem fuerstlichen Kloster Freiberg entfuehren zu lassen. "Ich habe
diese Beute dem wuetenden Tyrannen entrissen", meldet er triumphierend
seinem Freund Stiefel. Darueber war natuerlich Georg wuetend, aber auch der
Adel zuernte ueber Luthers Gewaltthat--mussten doch die Angehoerigen der
Nonnen durch ihren Austritt Vermoegenseinbusse befuerchten: sogar adelige
_Freunde_ der Reformation nahmen es Luther uebel. Es wurden Drohungen
gegen ihn laut, und sein Leben stand in Gefahr, wenn er irgendwie einem
Haufen Reisiger oder Bauern in die Haende fiele, denn auch die Bauern
waren ihm ja seit dem Aufstand wenig guenstig. Nun war Luther auf den 19.
November zu Spalatins Hochzeit nach Altenburg geladen, wo der ehemalige
Geheimschreiber des verstorbenen Kurfuersten jetzt Stadtpfarrer war.
Luther wollte durchaus zu des Freundes Ehrentag. Aber Kaethe hielt ihn
zurueck und beschwor ihn sogar mit Thraenen vor der gefaehrlichen Reise.
Also dass ihr Gatte heldenmuetig seines reformatorischen Befreieramtes
waltete und anderen armen Jungfrauen that, was ihr geschehen, und "dem
Satan diese Beute Christi abjagte", das hinderte Frau Kaethe nicht, aber
das setzte sie durch, dass er sich nicht ohne Not in Gefahr begab. Solche
Lebensgefahr musste sie ja immer fuer ihren Gatten fuerchten, auf welchen
wie auf einen Fuersten gar mancherlei Attentate geplant und versucht
wurden[159].

Dagegen liess sie es Ende Februar des folgenden Jahres zu, dass Luther sie
nach Segrehna bei Kemberg begleitete. In diesem Dorfe hielt sich damals
der ehemalige Schwaermer, Bilderstuermer und Bauernagitator Karlstadt als
Bauersmann und Landkraemer versteckt. So viel Schmerzen und Sorgen ihm
auch Karlstadt gemacht, Luther hatte sich seines alten Amtsgenossen
angenommen und ihm Begnadigung beim Kurfuersten erwirkt. Und jetzt hatte
Karlstadt Luthers Gemahlin zur Gevatterin gebeten. Auch zu diesem
Liebesdienst war sie bereit, machte nicht nur selbst die beschwerliche
Reise, sondern liess sogar ihren Gemahl mitfahren[160].

Schon in diesem Jahre gemeinsamen Lebens lernte Luther seine Gattin
besser verstehen, tiefer lieben und hoeher achten. Hatte er sie vor der
Hochzeit fuer stolz und hoffaertig gehalten, so schreibt er jetzt: "Sie
ist mir gottseidank willfaehrig, gehorsam und gefaellig, mehr als ich
haette hoffen koennen, so dass ich meine Armut nicht mit des Croesus
Reichtum vertauschen moechte."[161]

Melanchthon hatte die Hoffnung ausgesprochen, Luthers Verheiratung werde
ihn gemessener machen, und sein ungestuemes, derbes Wesen saenftigen. Das
dachte wohl auch der Erzbischof Albrecht, der durch seinen Kanzler
Ruehel, Luthers Schwager, der Frau zwanzig Goldgulden als
Hochzeitsgeschenk reichen liess, welche Katharina gern annahm, Luther
aber zurueckwies. Erasmus glaubte auch bald die Bemerkung gemacht zu
haben, dass Luther milder geworden sei und nicht mehr so viel mit der
Feder wuete. Denn, setzt er in gewohnter spoettischer Weise hinzu: "nichts
ist so wild, dass ein Weib es nicht zaehmt"[162].

Das wird ja im allgemeinen nicht abzustreiten sein. Und tatsaechlich liess
sich Luther--aber durch fuerstliche Zurede--im versoehnlichen Tone gegen
Herzog Georg und Koenig Heinrich VIII. hoeren--freilich ohne diese dadurch
versoehnlich zu stimmen: sie beuteten vielmehr seine Schreiben aus, um
ihn veraechtlich zu machen. Aber in seinem reformatorischen Beruf hat
Kaethe ihren Mann weder hindern koennen noch wollen[163].

Nicht einmal in den ersten Tagen seiner Heirat. Ja, Frau Kaethe plante
wohl selbst mit ihm waehrend der Vorbereitung zu ihrer Heimfuehrung die
Befreiung der Freiberger Nonnen: die Einladung an Koppe zur Hochzeit
enthielt zugleich die Aufforderung zu diesem neuen, noch keckeren
Klosterraub[164]!

Und am Neujahrstag 1526 malte Luther aufs neue in einer Spottschrift
das Papsttum mit seinen Gliedern ab und schrieb dazu: "Es meinen
etliche, man solle nun aufhoeren, das Papsttum und geistlichen Stand zu
spotten. Mit denen halt ichs nit, sondern muss ihr einschenken, bis
nichts Veraechtlicheres auf Erden sei, denn diese blutgierige
Isabel."[165]




7. Kapitel.

Katharina als Mutter ihrer Kinder und Hausgenossen.


Ein Jahr nach ihrer Vermaehlung am 7. Juni 1526, "da der Tag im Kalender
heisst Dat." (d.i.: Er giebt) schenkte Kaethe ihrem Gatten ein Soehnlein,
das war, wie die Eltern mit Freuden sahen, gesund und ohne Fehl. Um 2
Uhr nachmittags kam es auf die Welt, schon um 4 Uhr wurde es nach
damaliger Sitte von Diakonus M. Roerer getauft. Taufpaten waren der
Superintendent D. Bugenhagen, der Propst Justus Jonas, Luthers Gevatter
L. Kranach, der Vizekanzler Baier und in Abwesenheit der Kanzler Mueller
in Mansfeld. Eine der Patinnen war die Frau des Buergermeisters Hohndorf.
Nach dem Grossvater erhielt das Kind den Namen Johannes[166].

Haenschen blieb auch wohlauf, wennschon die Mutter das Stillen nur
langsam fertig brachte und das Kind die Milch schwer vertrug. Der Knabe
wird bald froehlich und kraeftig und ein homo vorax et bibax (starker
Esser und Trinker), lernt auf den Knieen rutschen; zu Neujahr 1527
bekommt er Zaehne, lernt stehen und gehen und faengt an zu lallen und mit
lieblichen Beleidigungen alle zu schelten. Zur Belohnung fuer all diese
Kuenste schickt Jonas dem kleinen Hans einen "silbernen Johannes", ein
Geldstueck mit dem Bild des Kurfuersten[167].

Bald ist der Zweijaehrige gar stolz ueber eine Klapper, die er vom
Pfarrer Hausmann geschenkt erhielt (1528). Dieser Erstgeborene wird
jahrelang in jedem Brief erwaehnt und muss immer und ueberall hin die
Freunde gruessen. Es ist ein herziges Bild, wenn der Vater von seinem
Soehnchen erzaehlt: "Wenn ich sitze und schreibe oder thue sonst etwas, so
singet er mir ein Liedlein daher, und wenn er's zu laut will machen, so
fahre ich ihn ein wenig an; so singet er gleichwohl fort, aber er
machet's heimlicher und mit etwas Sorgen und Scheu. Also will Gott auch,
dass wir immer froehlich sein sollen, jedoch mit Furcht und Ehrerbietung
gegen Gott." Und wieder sass Haenschen am Tisch und lallete vom Leben im
Himmel, wie eine so grosse Freude da waere mit Essen und Tanzen, da waere
die groesste Lust: die Wasser floessen mit eitel Milch und die Semmeln
wuechsen auf den Baeumen. Da freute sich der Doktor ueber das selige Leben
des Kindes[168].

Anderthalb Jahre blieb Haenschen allein, da folgte am 10. Dezember 1527,
waehrend die Pest in Wittenberg und im Hause Luthers wuetete, ein
Schwesterlein, Elisabeth. Jonas gratuliert dem Doktor dazu und scherzt
von seinem kleinen Soehnchen: "Mein Sohn begruesst deine Tochter als seine
zukuenftige Braut." Aber am 3. August des folgenden Jahres in der
gefaehrlichen Zeit des Zahnens starb das zarte Toechterlein und wurde in
grosser Trauer auf dem Gottesacker vorm Elsterthore bestattet. Da erhielt
es einen (noch vorhandenen) kleinen Grabstein mit der lateinischen
Inschrift: "Hier schlaeft Elisabeth, M. Luthers Toechterlein." Schwer nur
troesteten sich die trauernden Eltern mit dem Gedanken: "Elisabeth ist
von uns geschieden und zu Christo durch den Tod ins Leben gereist."[169]

Am 4. Mai des folgenden Jahres wurde ihnen Ersatz fuer Elisabeth in einem
zweiten Toechterlein: Magdalena. Amsdorf, der Magdeburger Superintendent
(Bischof), und Frau Goritzen, Gattin des Magisters und spaeteren
Stadtrichters in Leipzig, wurden Paten. Der Gevatterbrief an Amsdorf
lautet:

"Achtbarer, wuerdiger Herr! Gott der Vater aller Gnaden hat mir und
meiner lieben Kaethe gnaediglich eine junge Tochter beschert: so bitte ich
Ew. Wuerden um Gottes Willen, wollet ein christlich Amt annehmen und
derselbigen armen Heidin christlicher Vater sein und zu der hl.
Christenheit helfen durch das himmlische hochwuerdige Sakrament der
Taufe[170].

Der Gevatterinbrief lautet:

"Gnad' und Fried' in Christo! Ehrbare tugendsame Frau, liebe Freundin!
Ich bitt Euch um Gottes willen: Gott hat mir eine junge Heidin
bescheret, Ihr wollet so wohl thun und derselben armen Heidin zur
Christenheit helfen und ihre geistliche Mutter werden, damit sie durch
Euern Dienst und Huelfe auch komme aus der alten Geburt Adams zur neuen
Geburt Christi durch die hl. Taufe. Das will ich wiederum, womit ich
soll, um euch verdienen. Hiemit Gott befohlen. Amen. Ich hab selbst
nicht duerfen ausgehen in die Luft. Martinus Luther."[171]

Als Magdalena heranwuchs, sah das Maedchen dem aelteren Bruder Haenschen
"ueber die Massen gleich mit Mund, Augen und Nase, in Summa mit dem ganzen
Gesicht", und war auch gutmuetig und brav wie dieser. Diese zwei aeltesten
Geschwister hingen auch sehr aneinander. Als Luther im folgenden Jahr
waehrend des Augsburger Reichstags in Verborgenheit auf der Koburg weilte
und sich dort wie auf der Wartburg den Bart wachsen liess, um sich
unkenntlich zu machen, da liess Frau Kaethe von dem kleinen Lenichen einen
Abriss in schwarzer Kreide oder Tusche machen, welches freilich etwas zu
dunkel geraten scheint, und sandte es ihm als Herzstaerkung in seine
"Wueste", wo der Doktor in Einsamkeit und Thatlosigkeit oft trueben
Gedanken nachhing, auch sich gar viel aergern musste ueber den Gang der
Dinge in Augsburg; auch war gerade sein Vater gestorben, der alte Hans
Luther, was den Sohn tief bewegte, denn er hing mit kindlicher Liebe und
Ehrfurcht an ihm. Da der Vater das Konterfei des Toechterchens zuerst
ansah, konnt' er sie nicht erkennen. "Ei", sprach er, "die Lene ist ja
schwarz". Aber bald gefiel sie ihm wohl und duenkte ihm je laenger je
mehr, es sei Lenchen. Der Doktor haengte die Kontrefaktur gegen den Tisch
ueber an die Wand im Fuerstenzimmer, wo er ass, und vergass ueber die Massen
viel Gedanken mit dem Bilde."[172]

Das Maedchen wurde vom Vater anders behandelt als der Sohn. Dieser wurde
mit Ernst gezogen und Luther wollte, dass man ihm nichts lasse gut sein.
Aber mit seinem Toechterlein scherzte er mehr. Dagegen zog die Mutter
naturgemaess den Sohn vor, namentlich den erstgeborenen und suchte des
Vaters Strenge gegen ihn zu mildern[173].

Am Vorabend vor Luthers Geburtstag, den 9. November 1531, traf zu
Wittenberg im schwarzen Kloster wieder ein Sohn ein, der deshalb des
Vaters Namen erhielt. Als jetzt der juengste wurde nunmehr er der
Liebling des Vaters. Denn, sagt dieser, "die Eltern haben die juengsten
Kinder stets am allerliebsten. Mein Martinchen ist mein liebster Schatz,
denn solche Kinder beduerfen der Eltern Sorge und Liebe wohl, dass ihrer
fleissig gewartet wird. Haenschen und Lenchen koennen nun reden, beduerfen
solche Sorge so gross nicht."[174]

Am Namenstag des folgenden Jahres meldet Luther dem Paten Martins, dem
gestrengen und ehrenfesten Joh. von Rindesel Kurf. Kaemmerer: "Euer Pate
will ein thaetiger Mann werden, er greift zu und will sein Sinnchen
haben."[175]

Der Knabe war, scheint es, kraenklich und ein kleiner Taugenichts, so dass
der Vater fuerchtete, er moechte einmal Jurist werden[176]!

Dagegen war Haenschen ein stiller nachdenklicher Bursche, so dass der
Vater meinte: "Er ist ein (geborener) Theologe." Der juengste Sohn Paul
aber, der am 28. Januar 1533 auf die Welt kam, ein kraeftiger mutiger
Junge, schien sich zum Tuerkenkrieger zu eignen. Daran dachte der Vater
schon bei seiner Geburt und waehlte ihm vielleicht deshalb einen Ritter,
Hans von Loeser, Erbmarschall und Landrentmeister, zum Paten. Aber auch
der Herzog Joh. Ernst von Sachsen, ferner D. Jonas und die Frau des
Kaspar Lindemann standen bei Paul zu Gevatter[177].

In dem Gevatterbrief an Loeser, der noch in der Nacht des 28. Januar 1533
geschrieben wurde, damit der Knabe nicht lange ein Heide bleibe und
schon zur Vesper getauft werde, heisst es: "Ew. Gestrengen wollen sich
demuetigen Gott zu Ehren fuer meinen jungen Sohn foerderlich und fueglich
erscheinen, damit er aus der alten Art Adams zur neuen Geburt Christi
durch das hl. Sakrament der Taufe kommen und ein Glied der Christenheit
werden moechte, ob vielleicht Gott der Herr einen neuen Feind des Papstes
oder des Tuerken erziehen wolle."[178]

Als Hans Loeser zur Taufe kam, hat ihn Luther also empfangen: "Gott sei
Dank! Ich werde nicht ermangeln, Ew. Gestrengen in andern Sachen zu
dienen. Es ist heut ein junger Papst geboren worden; derohalben helfet
doch dem armen Schelm, dass er getauft werde." Das Kind wurde im Schlosse
in einem Becken getauft. Hernach hat Luther seinen Gevatter zu Gaste
geladen, da sie denn viel freundliche Diskurse gefuehrt. Luther sagte:
"Ich habe meinen Sohn lassen Paul heissen, denn der hl. Paulus hat uns
viel grosse Lehren und Sprueche vorgetragen. Gott gebe ihm die Gnaden und
Gaben Pauli. Ich will, so Gott will, alle meine Soehne von mir thun: der
Lust zum Krieg hat, den will ich zu Hans Loeser thun; der Lust zu
studieren hat, zu Jonas und Philipp; der Lust zur Arbeit hat, den will
ich zum Bauern thun"[179].

Als eine Art Nachkoemmling wurde das um Weihnachten 1534 geborene juengste
Kind angesehen, das nach Luthers (1531) verstorbenen Mutter Margareta
genannt wurde. Wenigstens sah der Vater voraus, dass er nicht so alt
werden wuerde, um sie zu versorgen. Darum schrieb er auch, als sie erst
vier Jahr alt war, ihrem Paten, dem Pfarrer Probst in Bremen: "Es gruesset
Euch meine Frau Kaethe und Euer Patchen, mein Toechterlein Margaretchen,
der Ihr nach meinem Tode fuer einen feinen frommen Mann sorgen sollt. Ihr
habt sie zum Patchen gewaehlt, Euch befehle ich sie auch." Ein anderer,
sehr hoher Pate war der Fuerst Joachim von Anhalt, der Luther das
"christliche Amt geistlicher Vaterschaft" angetragen hatte und auch
uebernahm[180].

Frau Kaethe musste die Kinder oft ihrem Vater bringen, auch ins
Studierzimmer, da koste er mit ihnen und machte seine sinnigen
Bemerkungen ueber Kindesnatur und Kindesleben; das zeige uns, wie's im
Paradies war und wie's im Gottesreich sein sollte. Der Vater schaute
aber auch mit Wohlgefallen zu, wie seine Kaethe so freundlich mit ihrem
Martinchen redete und so viel Geduld und Erbarmen mit allen Kindern
hatte. Luther unterhielt sich mit ihnen uebers Christkind, sah zu, wie
Martinchen eine Puppe als Braut schmueckte und beschuetzte, freute sich,
wenn die Kinder sich zankten und schnell vertrugen als ueber ein Sinnbild
der Suendenvergebung der Gotteskinder; er sah, wie die Kinder um den
Tisch sassen und in freudiger Erwartung auf Pfirsiche und Birnen sahen,
die darauf lagen, oder den Ast Kirschen, den ihnen Jonas gebracht, und
sagte: "Wer da sehen will das Bild eines, der sich in Hoffnung freuet,
der hat hier ein rechtes Konterfei. Ach dass wir den juengsten Tag so
froehlich in Hoffnung koennten ansehen!" Sein herziger Maerchenbrief an
sein liebes Soehnichen von der Koburg, ist das schoenste Zeugnis eines
kinderfreundlichen Gemuetes. Von Koburg aus besorgte Luther seinem Haus
ein gross schoen Buch von Zucker aus dem schoenen (Maerchen-)Garten in
Nuernberg. Auch sonst bringt er seinen Kindern von seinen Reisen immer
"Jahrmarkt" mit. Regelmaessig auch sendet er aus der Ferne Gruesse und Kuesse
an Haenschen und Lenchen[181].

Die Gespielen der Lutherischen Kleinen waren Melanchthons und Jonas'
Kinder ("Lippus" und "Jost" im Maerchenbrief). Der Spielplatz war der
grosse Klosterhof; da tummelten sie ihre Steckenpferde und schossen mit
Armbruesten, laermten mit Pfeifen und Trommeln, tanzten oder "sprangen der
Kleider und des Baretts"; auch ein Huendlein durften die Kinder halten.
Spaeter richtete der Vater Luther fuer sie und die andern jungen
Hausgenossen auch einen Kegelplan ein und sah zu, wie sie sich vermassen,
zwoelf Kegel zu treffen, wo doch nur neun auf dem "Bossleich" standen, und
schliesslich froh waren, eine nicht zu fehlen. Ja, er selbst mass sich hie
und da als ein Meister des Spiels mit ihnen, "schub einmal die Kegel
umbwaerts, das andere Mal seitwaerts oder ueber Eck"[182].

Aber Luther betete auch taeglich den Katechismus mit seinem Sohn Hansen
und seinem Toechterlein Magdalene und die Kinder selbst mussten "bei Tisch
beten und herlesen"; und auch sonst waren sie von Vater und Mutter
angehalten zum Gebet fuer die Goenner und Schuetzer der Reformation, fuer
das Heil der Kirche und des Vaterlands. Martin und Paul hatten des
Vaters musikalische Anlagen geerbt und mussten nach der Mahlzeit--allein
oder mit andern--die liturgischen Gesaenge der jeweiligen Kirchenzeit
vortragen. Auch die kleine Margarete lernte mit fuenf Jahren schon mit
schoener Stimme singen: "Kommt her zu mir alle" und anderes[183].

In ihren Kindern sahen die Eltern ihr hoechstes Glueck und ihren
schoensten Schatz. "Kinder binden, sie sind ein Band der Ehe und Liebe",
pflegte Luther zu sagen. Er fand in ihnen seinen Trost und seine
Erholung von seinen Welt- und Kirchensorgen. "Ich bin zufrieden; ich
habe drei eheliche Kinder, die kein papistischer Theolog hat, und die
drei Kinder sind drei Koenigreiche, die habe ich ehrlicher und erblicher
denn Ferdinandus Ungarn, Boehmen und das roemische Reich"[184].

Freilich, was fuer den Vater in seinen Mussestunden und bei Tisch eine
Freude und Erholung war, das brachte der Mutter Arbeit, Sorge und
Schmerzen. Es war doch keine Kleinigkeit fuer die vielbeschaeftigte
Hausfrau in acht Jahren sechs kleine Kinder zu haben, zu pflegen und zu
erziehen--denn auf ihr lag doch das Hauptgeschaeft der Erziehung. Und ihr
Gatte sah das ein und bemerkte einmal, dass nur unser Herrgott sich von
seinen Menschenkindern mehr gefallen lassen muesse als eine Mutter[185].

Da war es denn ein grosser Segen, dass Frau Kaethe in ihrem Hause eine
Stuetze fand an ihrer Tante, _Magdalene von Bora_.

Diese war bald nach ihrer Nichte selber aus Nimbschen entwichen und
wohnte jetzt im schwarzen Kloster in einem besonderen Stueblein. Sie war
als "Muhme Lene" der gute Hausgeist, die echte und rechte Kindertante in
der Lutherischen Familie. Als Siechenmeisterin hat sie sich ja zum
Warten und Pflegen schon im Kloster ausgebildet. Und so wartete und
huetete sie die kleinen Grossneffen und Grossnichten, spielte und betete
mit ihnen, verwoehnte sie auch wohl und vertuschte ihre boesen Streiche,
pflegte sie in den Kinderkrankheiten und war auch fuer Frau Kaethe in
ihren Kindbetten und Krankheiten die sorgsame Pflegerin und Lehrerin.
Luther will in dem Maerchenbrief von der Koburg an sein Soehnchen Hans die
"Muhme Lene" auch mitbringen lassen in den schoenen Wundergarten und laesst
sie gruessen und ihr einen Kuss "von meinetwegen" geben; und auch sonst
sendet er Muhme Lene seine Gruesse[186].

Zu den eigenen Kindern im Lutherischen Hause kamen bald andere. Zunaechst
Verwandte, Neffen und Nichten, dann aber Kinder von Freunden und
Bekannten, und endlich fremde Kostgaenger.

Der erste war Cyriak Kaufmann, der Sohn einer Schwester Luthers; er kam
als Studiosus nach Wittenberg und wurde am 22. November 1529
immatrikuliert. Er begleitete 1530 seinen Oheim auf die Koburg und
dieser schickte ihn im August nach Augsburg, dass er sich in der grossen
Stadt einmal das Treiben eines Reichstags ansehe; dann musste er wieder
zu seinen Studien nach Wittenberg; auf der Heimreise brachte er von
Nuernberg den Lebkuchen fuer seinen kleinen Vetter Hans Luther mit[187].

Luthers Schwager und Schwester Kaufmann starben frueh und so kamen
allmaehlich alle fuenf Waisen derselben zu ihrem Oheim nach Wittenberg,
ausser dem genannten Cyriak noch seine jungen Geschwister, die Brueder
Fabian und Andreas, welche 1533 am 8. Juni fruehzeitig mit dem erst
siebenjaehrigen Hans Luther zu Wittenberg als akademische Buerger
eingeschrieben wurden, und die Schwestern Lene und Else. Es war keine
Kleinigkeit, fuenf elternlosen Kindern Vater und besonders Mutter zu
sein, zumal, da sie nicht alle wohlgeraten waren und namentlich Lene
Sorge machte, so dass Luther einmal erklaerte, wenn sie nicht gut thun
wolle, werde er sie einem schwarzen Huettenknecht (Bergmann) geben, statt
einen frommen und gelehrten Mann mit ihr betruegen.--Schliesslich kam zu
den zwei Nichten noch eine kleine Grossnichte, Anna Strauss, die Enkelin
einer Schwester Luthers[188].

Mit Cyriak Kaufmann war ein andrer Schwestersohn, Hans Polner, als
Student ins Haus gekommen, der an Peter Weller anbefohlen wurde. Aber
Frau Katharina war aufgetragen zuzusehen, "dass er sich gehorsamlich
halte", und auch sonst musste sie fuer ihn sorgen. Dieser Polner wartete
als Famulus dem Doktor auf, studierte Theologie und predigte einmal in
der Pfarrkirche; die Doktorin meinte, den haette sie viel besser
verstehen koennen, als D. Pommer, welcher sonst von dem Thema weit
abweiche und andre Dinge in seine Predigt mit einfuehre, oder, wie Jonas
sich ausdrueckte, unterwegs manchen Landsknecht anspreche[189].

Noch ein Neffe Luthers, seines Lieblings-Bruders Jakob Sohn, Martin,
wurde spaeter zur Erziehung der Doktorsfamilie uebergeben und 1539 an der
Universitaet eingeschrieben; ebenso Florian von Bora, der Sohn von Kaethes
aeltestem Bruder. Martin und Florian wurden zusammen mit den Kindern
Luthers unterrichtet. Einer der Neffen sollte einmal zu Camerarius auf
die Schule kommen; spaeter kam Florian mit Hans nach Torgau[190].

Schliesslich wurden dem Lutherischen Hause noch allerlei Schueler und
angehende Studenten anvertraut, welche in dem Kloster wohnten, assen und
unterrichtet wurden.

Fuer die eigenen und fremden Kinder wurden nun, bei der grossen
anderweiten Inanspruchnahme Luthers, "allerlei Zuchtmeister und
Praezeptoren" noetig: aeltere Studenten, junge Magister, auch Leute von
gesetztem Alter, welche noch einmal die Universitaet bezogen, um ihre
Kenntnisse zu erweitern oder die neue evangelische Theologie zu
studieren. Sie waren in Luthers Familie Hausgenossen und Tischgesellen,
unterstuetzten auch etwa Luther in seinen Arbeiten, ja auch (wie z.B.
Neuheller) Frau Kaethe in der Wirtschaft und Aufsicht ueber das Gesinde.

So waren nach und neben einander im Hause als "Schulmeister" und Luthers
Gehuelfen die Nuernberger Veit Dietrich (1529-34) und Besold (1537-42),
Cordatus (1528-31), die Freiberger Hieronymus und Peter Kelter (1530),
Joh. Schlaginhaufen (1531-32), Jodocus Neuheller (Neobulus) (1537-38)
aus Lauterburg, Jakobus Lauterbach (1536-39), Schiefer (1539-41), ein
Franziskus und zuletzt Rutfeld (1546). Diese Praezeptoren hatten sogar
oft wieder ihre eigenen Zoeglinge, welche mit im schwarzen Kloster
wohnten und assen oder auch nur dort unterrichtet wurden. Der Unterricht
begann oft in sehr fruehen Jahren: der junge Hans Luther musste schon mit
vier Jahren tuechtig "lernen", hauptsaechlich wohl lateinisch
sprechen--wie es heute mit dem Franzoesischen geschieht.

Ausser den Magistern hatte Luther noch Famuli, nicht nur seinen
lebenslaenglichen Diener Wolf, sondern auch andere, wie der "fromme
Gesell", welcher "etliche Jahre treulich, fleissig und demuetig gedienet
hat und altes gethan und gelitten" und 1532 wegzog. Der Famulus diente
bei Tisch, schenkte ein, besorgte Gartengeschaefte, machte Ausgaenge,
schrieb auch fuer Frau Kaethe Briefe[191].

Sogar eine Lehrerin wurde nach Wittenberg ins schwarze Kloster berufen:
naemlich im Jahre 1527 hat Luther auch eine Mitschwester Frau Kaethe's,
die ehemalige Nonne und Fluechtlingin von Nimbschen, die "ehrbare,
tugendsame Jungfrau Else von Kanitz" eingeladen auf eine Zeitlang nach
Wittenberg zu kommen. "Denn ich gedacht Euer zu brauchen, junge
Maegdelein zu lehren und durch Euch solch Werk andern zum Exempel
anzufahen. Bei mir sollt Ihr sein zu Hause und zu Tische, dass Ihr keine
Fahr noch Sorge haben sollt. So bitte ich nu, dass Ihr mir solchs nicht
wollt abschlagen." Die Kanitz kam aber nicht. Dafuer erscheint jetzt ein
Fraeulein Margarete von Mochau, wahrscheinlich die Schwester von
Karlstadts Frau, im Klosterhause und wird ihre Stelle vertreten
haben[192].

Natuerlich fehlte es bei dem grossen Haushalt auch an sonstigem Gesinde
nicht und da gab es, wie ueberall gute und schlechte, dankbare und
undankbare, getreue und ungetreue Dienstboten. Alle aber wurden zur
"Familie" gerechnet und nahmen an der Hausandacht teil. Und der
abwesende Hausvater verfehlte nicht in seinen Briefen, das "gesamte
Gesinde" gruessen zu lassen. Aber er ermahnt es auch, dass sie im Haus kein
Aergernis gaeben. Oft scherzt er in seinen Briefen ueber Traegheit und
Bequemlichkeit seiner Dienstleute: so wenn er aus Nuernberg Handwerkszeug
bestellt, welches von selber geht, wenn Wolf schlaeft oder nachlaessig
ist, oder einen Kronleuchter, der sich von selber putzt, damit er nicht
zerbricht oder beschaedigt wird von der zornigen oder schlaefrigen
Magd[193].

Natuerlich auch Gaeste aller Art verkehrten im Schwarzen Kloster oder
wohnten darin in kuerzerem oder laengerem Aufenthalt, oft monate-, ja
jahrelang: vertriebene oder stellenlose Prediger, fluechtige Fremde,
entwichene Moenche und Nonnen, Besuche und Festgenossen, "armseliges
Gesindlein" und fuerstliche Damen.

So beherbergte das Lutherhaus 1525 mehrere adlige Ordensschwestern; 1528
einige Monate lang sogar die Herzogin Ursula von Muensterberg, Herzog
Georgs eigene Base, die mit zwei getreuen Klosterfrauen dem
Nonnenkloster zu Freiberg entflohen war; und zu Pfingsten 1529 wieder
drei Adelige aus demselben Konvent. Ausserdem kamen auch allerlei Moenche,
sogar aus Frankreich, ins Lutherhaus nach Wittenberg, als der
allgemeinen Zufluchtsstaette aller religioes Bedraengten. So hat Herzog
Georg in begreiflichem Zorn, wenn auch mit unwahren Behauptungen, Luther
beschuldigt: "Du hast zu Wittenberg ein Asylum eingerichtet, dass alle
Moenche und Nonnen, so uns unsre Kloester berauben mit Nehmen und
Stehlen, die haben bei Dir Zuflucht und Aufenthalt, als waere Wittenberg,
hoeflich zu reden, ein Ganerbenhaus aller Abtruennigen des Landes"[194].

Ja, die Wittenberger Freundinnen des Hauses, Bugenhagens und Dr. A.
Schurfs Frauen, warteten im schwarzen Kloster ihr Wochenbett oder ihre
Krankheit ab[195].

Aber auch fuerstliche Gaeste suchten das gastliche Haus der Luther'schen
Eheleute auf.

Die Kurfuerstin Elisabeth von Brandenburg hatte sich, besonders durch den
Einfluss ihres evangelisch gesinnten Leibarztes Ratzeberger, der
Reformation zugewandt, waehrend ihr altglaeubiger Gemahl Joachim I. streng
darauf sah, dass das Lutherische Gift nicht ueber die saechsische Grenze
herueberkaeme. Da musste er von seiner 14jaehrigen Tochter Elisabeth zu
seinem Schrecken erfahren, dass seine eigene Gemahlin im Berliner
Schlosse heimlich das Abendmahl unter beiderlei Gestalt genommen habe.
Er sperrte die Kurfuerstin ein; das Geruecht ging, er wolle sie einmauern
lassen. Da entwich sie mit Hilfe ihres koeniglichen Bruders Christiern,
der damals landfluechtig in Deutschland umherirrte, samt Dr. Ratzeberger
(Maerz 1528) und floh zu ihrem Oheim Kurfuerst Johann nach Sachsen. Ihren
Wohnsitz erhielt sie auf Schloss Lichtenberg, hielt sich aber oft in
Wittenberg auf und verkehrte viel im Klosterhause mit Luther und Frau
Kaethe; sie stand sogar zu einem der Kinder Gevatter[196].

Auch der Fuerst Georg von Anhalt wollte im schwarzen Kloster Aufenthalt
nehmen, um Luthers Umgang und Geist recht zu geniessen. Aber sein
Vizekanzler musste ihm davon abraten, da das Haus zu voll sei.

So wurde "das Haus des Herrn Doktor Luther von einer buntgemischten
Schar studierender Zoeglinge, Maedchen, alter Witwen und artiger Kinder
bewohnt. Darum herrschte viel Unruhe darin"[197].

Da begreift es sich, dass, als der junge Hans anfangen sollte ernstlich
zu lernen, er der groesseren Musse wegen aus dem Hause gethan
wurde--vielleicht nach Torgau. Zu Neujahr 1537 ist der elfjaehrige Sohn
irgendwo auf der Schule, wo er durch seine "Studien" und lateinischen
Briefe dem Vater Freude machte. Dieser erlaubt ihm, namentlich auf
Bitten von Muhme Lene, zu den naechsten Fastnachtsferien nach Hause zu
kommen zu Mutter und Muhme, Schwestern und Bruedern[198].

Zu allen Haus- und Tischgenossen im Kloster kamen nun noch die taeglichen
Besuche und Gaeste von Bekannten, Freunden, Verwandten, Amtsgenossen und
Mitbuergern: so aus der Ferne die Geistlichen Amsdorf und Spalatin,
Hausmann und Link, die Hofherren und Ritter Taubenheim und Loeser, Bruder
Jakob oder Schwager Ruehel von Mansfeld, Kaethes Bruder Hans, Abgesandte
aus aller Herren Laender, Staatsmaenner und Kirchenbeamte aus England und
Frankreich, aus Skandinavien und Boehmen, Ungarn und Venedig; Stadtraete
und Buerger von allen saechsischen und deutschen Staedten, wandernde
Magister und fahrende Schueler. Aus Wittenberg selbst verkehrten als
liebe und haeufige Gaeste vor allem Magister Philipp (Melanchthon) und
Frau; die Gaerten der beiden Haeuser waren nicht weit von einander
und--wie man wenigstens heute erzaehlt--ein Thuerlein zwischen beiden
vermittelte den Verkehr der zwei Familien. Gerngesehene Hausfreunde
waren auch der Propst Jonas und seine Gattin; ferner noch andere
Gevattersleute, der Superintendent Bugenhagen, M. Kreuziger, M. Roerer,
der Buchdrucker Hans Lufft, der Meister Lukas Kranach mit seiner Frau
und der alte Meister Claus Bildenhauer oder "Bildenhain", wie Sophiele
Jonas ihn zu nennen pflegte, ein wackerer Kuenstler, der auch manchmal zu
Tische war; von ihm kaufte Luther spaeter einen Garten. Mit ihm, der auch
schon "zu viele Ostereier gegessen", gedachte Luther gern der guten
alten Zeiten[199].

Da wurde denn droben in der Familienstube um den grossen Eichentisch oder
unten im Hof unter dem schattigen Birnbaum oder auch wohl vorm
Elsterthor draussen bei dem murmelnden Lutherbrunnen Gesellschaft und
Mahlzeit gehalten und Frau Kaethe musste die Wirtin machen, ihr
treffliches Hausbraeu aufsetzen und auch zu den Kosten der Unterhaltung
ihr Scherflein beitragen.




8. Kapitel

Katharinas Haushalt und Wirtschaft[200].


Fuer eine so zahlreiche Haus- und Tischgenossenschaft galt es eine Menge
Gemaecher zu beschaffen und auszustatten; es musste Kueche und Keller in
grossem Massstabe in stand gesetzt werden; es war noetig, Stall und Garten
zu besorgen; es war erforderlich Markt und Einkauf, Rechnung und
Vermoegensverwaltung zu verstehen; und endlich zur Regierung eines so
umfangreichen Hauswesens mit seinen vielen und vielerlei Gliedern,
Tischgaengern und Hofmeistern, Kindern und Gesinde galt es eine weise
Umsicht, aber auch ein strammes Herrschaftstalent zu entfalten.

Das alles fiel nun der Hausfrau anheim. Denn es waere unmoeglich gewesen,
dass Luther neben den gewaltigen Arbeiten seines Berufs als Prediger,
Seelsorger, Professor, Ratgeber fuer einzelne Personen wie ganze Staedte
und Laender, als Reformator nicht nur Deutschlands, sondern der halben
Christenheit sich um die Hauswirtschaft kuemmern konnte, namentlich eine
so umfangreiche, die allein schon eine ganze Menschenkraft
erforderte[201]. Sodann aber war es des Doktors Anschauung, dass in Haus
und Wirtschaft die Frau zu walten und zu regieren habe: "Das Weib habe
das Regiment im Hause, ohnbeschadet des Mannes Recht und Gerechtigkeit;
dafuer ist es geschaffen. Denn das ist wahr, die haeuslichen Sachen, was
das Hausregiment betrifft, da sind die Weiber geschickter und beredter
als wir." "Ich bin zur Haushaltung sehr ungeschickt und fahrlaessig. Ich
kann mich in das Haushalten nicht richten. Ich werde von meinem grossen
Hauswesen erdrueckt." Vor so etwas hatte er sich schon als Junggesell
gefuerchtet. 1523 sagte er: "Nimmst Du ein Weib, so ist der erste Stoss:
wie willt Du nun Dich, Dein Weib und Kind ernaehren? Und das waehret Dein
Lebenlang; beim ersten Kind denken die Eltern daran, ein Haus zu bauen,
Vermoegen zu erwerben und die Nachkommenschaft zu versorgen"[202].
Andererseits aber war auch Frau Kaethe so veranlagt und gewillt, dass sie
dies Regiment gerne fuehrte und ihrem Gatten alles das fernhalten wollte,
was ihn in seiner Wirksamkeit hindern und stoeren konnte. Und Luther liess
sich das gerne gefallen. "Meine Frau kann mich ueberreden, wie oft sie
will, denn sie hat die ganze Herrschaft allein in ihrer Hand, und ich
gestehe ihr auch gerne die gesamte Hauswirtschaft zu"[203].

So richtete nun Katharina zunaechst das Haus her und ein, und der
Kurfuerst und die Stadt Wittenberg, die Freunde des Hauses und die Eltern
der Kostgaenger stifteten dazu mancherlei Baubedarf und Geraete.

Das schwarze Kloster war 1502 von Staupitz mit Unterstuetzung des
Kurfuersten gebaut, aber nur zu einem Drittel vollendet worden. Die
Kirche war nur angefangen, die Wirtschaftsgebaeude kaum vorhanden.
Eigentlich war nur das sog. Schlafhaus (dormitorium), die frueheren
Wohnraeume der Moenche fertig, die fuer 40 Menschen reichten. Aber die
Zellen--meist im dritten Stock--waren zahlreich, dagegen klein, und
daher musste wohl manche Wand durchgebrochen und manche auch aufgerichtet
werden. Auf der Gartenseite war ein groesserer Saal (jetzt die Aula) und
ein kleinerer, welche beide von Luther zu Vorlesungen und Hausandachten
benutzt wurden. Ein Zimmer daneben hatte oder erhielt eine Thuere in
Luthers Studierstube. Im oberen Stock wurden die Gelasse zu Gastzimmern
fuer die mancherlei Hausgenossen benutzt.

Das Erdgeschoss hatte Frau Kaethe zu Wirtschaftsraeumen eingerichtet und
zum leichteren Verkehr mit dem Oberstock eine Treppe in das Zimmer neben
das Schlafgemach fuehren lassen.

Im Jahre 1539 auf 40 erfreute Frau Kaethe ihren Gatten mit einem sinnigen
Geschenk: aus Pirna liess sie--durch den dortigen Pfarrer
Lauterbach--eine schoengearbeitete Pforte aus weissem Sandstein kommen,
einen Spitzbogen mit huebschen Staeben; auf der einen Seite Luthers
Brustbild, auf der anderen sein Wappen, die weisse Rose mit dem roten
Herzen und schwarzen Kreuz darin, vom goldenen Ring der Ewigkeit umfasst,
und die lateinische Inschrift: "Im Stillesein und Hoffen ruht meine
Staerke." Auf beiden Seiten der Thuere waren zwei Sitze angebracht zum
Ausruhen am Feierabend[204].

Der Klosterhof war gegen die Strasse mit einem Zaun abgeschlossen;
spaeter kamen an das Thor zwei Buden, wohl fuer die Bewachung des Anwesens
in der unruhigen und gefaehrlichen Zeit des Festungsbaues, wo die
Stadtmauern am Elsterthor abgerissen und die Stadt allem Gesindel
geoeffnet war[205].

An der Westseite des Hofes wurden nun allerlei Wirtschaftsgebaeude
errichtet.

Eine Braustube war schon im Kloster vorhanden; denn der Kurfuerst hatte
diesem die Braugerechtigkeit fuer 12 "Gebraeude" verliehen; diese ging auf
den neuen Besitzer ueber und wurde von Frau Kaethe selbst ausgeuebt. Das
war ein grosser Vorteil fuer den starken Haushalt; denn das Bier war in
Wittenberg auffaellig teuer: die Kanne kostete drei Pfennige. Aber die
Herstellung des Brauhauses und die Geraete kosteten 150 fl. Eine
Badestube mit Wanne und Staender baute sie nun auch und D. Lauterbach
musste ihr das Baumaterial dazu besorgen. Auch allerlei Viehstaelle liess
sie errichten und hielt Pferde, Kuehe und namentlich Schweine, um
Arbeitskraefte, Milch und Fleisch fuer den Hausbedarf zu haben: Schon 1527
hatte man einen Stall voll Schweine, mehr als fuenf Stueck; 1542 waren es
zehn und drei Ferkel, so dass ein eigener Schweinehirt gehalten werden
musste; ferner hatte Kaethe mehrere Pferde, fuenf Kuehe, neun Kaelber und
eine Ziege mit zwei Zicklein. Ein Huehnerhof lieferte die noetigen Eier.
Endlich wurden auch noch einige Keller ausgebessert oder neu angelegt,
so der Weinkeller, der neue Keller und der grosse Keller. Bei der
Besichtigung des letzteren kam das Ehepaar fast um's Leben, denn das
Gewoelbe stuerzte hinter ihnen ein, gerade als sie es besichtigt und eben
herausgetreten waren[206].

Im Laufe der Zeiten wurden in dem halbfertigen Hause gar mancherlei
Reparaturen noetig und ebenso allerlei Neubauten. So erhielten Johann
Crafft und M. Plato ihre Stuebchen, auch der Sohn Hans, als er
herangewachsen war; Muhme Lene hatte ihr Stueblein mit Kammer und
Schornstein--jedes kostete 5 fl. herzurichten. Die obere Stube und
Kammer kam aber auf 100 fl. zu stehen und die untere auf 40 fl. Ausser
dem grossen Keller, der (mit dem "Schaden" beim Einsturz) auf 130 fl.
gekommen war, wurde noch der neue Keller fuer 50 fl. gebaut und ein
Weinkeller fuer 10 fl. eingerichtet. Endlich wurde noch ein "new Haus"
gebaut, welches 400 fl. kostete. Die Treppe musste zweimal hergestellt
werden und das Dach oefters geflickt[207].

Dazu brauchte es manches Tausend Dachsteine (Ziegel) und Backsteine,
auch nicht wenige Tonnen und Wagen Kalk, besonders in den Baujahren
1535-39: 280 Wagen Kalk und 12500 Mauersteine und 1300 Dachsteine und
wieder von beiden Arten zusammen 2600. Freilich, das Tausend
"Dachsteine" kostete nur 40 Groschen, Mauersteine 57 Groschen und der
Wagen Kalk nur 4-5 Groschen. Das lieferte die Stadt, aus der eigenen
Brennerei. Luther machte sie bezahlt durch seine Dienste (unentgeltliche
Predigt und Seelsorge u.a.) und durch Abtretung von Boden an seinem
Klosterhof. Im Jahre 1542 hatte Luther allein 1155 fl. verbaut[208].

Spaeter erlebte man im Lutherhause schweren Aerger durch den neuen
Festungsbau. Der Zeugmeister Friedrich von der Gruene war den Lutherschen
offenbar nicht gruen. Er verschuettete nicht nur--mit Luthers
Bewilligung--das untere Gemach, sondern auch ohne Not und Zustimmung das
mittlere, verderbte das Brauthor, bedrohte die Gartenmauer und die
Erdmauer am hinteren neuen Haus. Und wie der Herr, so machten's die
Knechte: die Deichknechte warfen Fenster ein und trieben sonst noch
allerlei Mutwillen. Luther fuerchtete sogar fuer seine geliebte
Studierstube, darin er so viele schwere Stunden mit Studieren und
Anfechtungen erlebt, "daraus er den Papst gestuermet" und seine
wunderbaren Schriftwerke und Episteln in die Welt gesandt. Da musste der
Doktor einen gar zornigen Brief an den Zeugmeister schicken, der
wahrscheinlich seinen Eindruck nicht verfehlte[209].

Im Hof, dem ehemaligen Spitalkirchhof, waren die Fundamente der Kirche
angelegt, aber nur der Erde gleichgebracht. Mitten in diesen Fundamenten
stand eine alte Kapelle "von Holz gebaut und mit Lehm beklebt; diese war
sehr baufaellig, war gestuetzt auf allen Seiten. Es war bei 30 Schuhen
lang und 20 breit, hatte ein klein alt rostig Vorkirchlein, darauf 20
Menschen kaum mit Not stehen konnten. An der Wand gegen Mittag, war ein
Predigtstuhl von alten Brettern, die ungehobelt, ein Predigtstuehlchen
gemacht, etwa 1-1/2 Ellen hoch von der Erde, worauf Luther einst
gepredigt hatte. In Summa, es hatte allenthalben das Ansehen, wie die
Maler den Stall malen zu Bethlehem, darinnen Christus geboren worden."
Erst im Jahre 1542 fiel es der Befestigung zum Opfer; Luther "murrte
aerger darueber als Jona ueber die verdorrte Kuerbisstaude"[210].

Der Hof war mit einem Bretterverschlag gegen die Strasse abgeschlossen
und wie der Kirchhof mit Baeumen bepflanzt. Darin liefen Huehner, Gaense,
Enten, Tauben; Singvoegel nisteten im Gebuesch, Spatzen flogen zu und
wurden von einem Huendlein gescheucht[211].

Sonst diente er zum Tummelplatz der Kinder, zum Spielplatz und
Kegelschieben.

Zur Ausstattung des grossen Haushaltes musste gar viel angeschafft und
geschenkt werden.

Von der Klosterzeit waren noch einige Sachen da: zinnerne Gefaesse und
Kuechen- und Gartengeraete als Schuesseln, Bratspiesse, Schaufeln, freilich
recht verbraucht und schadhaft, keine 20 fl. wert. Das musste bald
ergaenzt und ersetzt werden. So auch der wurmstichige Kasten Dr.
Zwillings in Torgau. Dieser bot einen andern an; Frau Kaethe wundert sich
ueber den hohen Preis, den er kosten solle: 4 Florin, erkundigt sich, ob
er "reinlich" sei, mit einem "Sedel" (Sitzkasten) "fuer leinen Geraet
darin zu legen, da nicht Eisen durchgeschlagen das Leinen eisenmalich
macht"; sonst wollte sie sich einen in Wittenberg machen lassen. Einen
"Schatzkasten" hatte das Ehepaar bereits, nur war er "wohl tausendmal zu
weit" fuer ihren Schatz; 1532 hatten sie nur einen einzigen Becher. Doch
fuellte sich der Schrein allmaehlich mit silbernen Bechern, Ringen,
Denkmuenzen und andern Kleinodien. Auch geerbt hatten sie einen fast zu
koestlichen Pokal, den der Augsburger Buerger Hans Honold dem grossen
Doktor vermachte. Von Nuernberg schenkte der evangelische Abt Friedrich
eine kunstreiche Uhr, die das Lutherische Ehepaar gebuehrend bewunderte;
1529 kam eine zweite (von Link) und 1542 eine dritte dazu. 1536
schickten die Aeltesten der Maehrischen Brueder ein Dutzend boehmische
Messer[212].

Eine staendige Ausgabe machten die Anschaffungen fuer Leinwand, Betten,
Federn, Leuchter in die Schlafkammern; fuer zinnerne Kannen, Schuesseln,
Teller, Becken, Kesseln, Pfannen in die Kueche; fuer Schaufeln,
Grabscheite, Gabeln, "Schupen", Mulden, Radbarn (Schubkarren) in den
Garten; fuer Faesser, "Gelten" (niedere Kuebel), Eimer in Keller und
Waschkueche; fuer Geschirr und Wagen zum Fuhrwerk[213].

Das Klosterhaus war bisher zwar im thatsaechlichen Besitze Luthers; aber
eine foermliche Verschreibung hatte er nicht, nur durch muendliche
Abmachung war das Gebaeude mit seinen Gerechtigkeiten ihm vom Kurfuersten
ueberlassen. Diesem hatte es Luther, der letzte Moench des Wittenberger
Augustinerkonvents, als dem juengsten Erben zur Verfuegung gestellt.
Nunmehr aber betaetigte der ihm so wohlgewogene Kurfuerst Johann vor
seinem Tode der Lutherschen Familie den Besitz des Anwesens
vorbehaltlich des Vorkaufsrechtes fuer Staat und Stadt in einer
foermlichen Verschreibung. Die Urkunde besagt[214]:

"Von Gottes Gnaden Wir Johann Herzog von Sachsen thun kund maenniglich:

Nachdem der ehrwuerdig und hochgelahrte unser lieber andaechtige Herr M.
Luther D. aus sonderlicher Gnad und Schickung Gottes sich fast vom
Anfang bei unser Universitaet zu Wittenberg mit Lesen in der heiligen
Schrift, Predigen, Ausbreitung und Verkuendung des heiligen Evangelii
u.s.w. bemueht, so haben Wir in Erwaegung des alles und aus unser
selbsteigenen Bewegnis unersucht obgen. D.M. Luther, Katharin seinem
ehelichen Weib und ihrer beider Leibeserben die neu Behausung in unserer
Stadt Wittenberg, welche hievor das "Schwarze Kloster" genannt war,
darinnen D. Martinus seither gewohnt, mit seinem Begriff und Umfang samt
dem Garten und Hof zu einem _rechten freien Erbe_ verschrieben und sie
damit begabt und begnadet als ihr _Eigen_ und _Gut_.... Geben auch
vielgenanntem Doktor und seiner ehelichen Hausfrau aus sonderlichen
Gnaden diese _Freiheiten_, dass sie zu ihrer beider Lebtag aller
buergerlichen Buerden und Last derselben frei sein, also dass sie keinen
Schoss noch andre Pflicht wie Wachen und dgl. davon sollen thun und moegen
gleichwohl brauen, maelzen, schaenken, Vieh halten und andere buergerliche
Handtirung treiben.

... Zu Urkund ...

Torgau, 4. Febr. 1532."

"Es war Wittenberg bis daher eine arme, unansehnliche Stadt mit kleinen
alten haesslichen, niedrigen hoelzernen Haeuslein, einem alten Dorfe
aehnlicher als einer Stadt. Aber um diese Zeit kamen Leute aus aller
Welt, die da sehen, hoeren und etliche studieren wollten." Da wurde nun
freilich gebaut und gebessert. Aber in dem kleinen Staedtchen mit seinen
paar tausend Einwohnern und ebensoviel Studenten waren die alltaeglichen
Beduerfnisse nicht gar leicht zu bekommen. Melanchthon schon beklagte
sich bei seiner Uebersiedlung nach Wittenberg, dass da nichts Rechtes zu
bekommen sei und Luther schreibt selbst: "Es ist unser Markt ein Dr.
----" Dazu war es teuer genug. Und so musste Frau Luther nicht nur einen
Kasten, einen Pelzrock fuer die kleine Margarete nach angegebenem Mass von
auswaerts bestellen, sondern allerlei Beduerfnisse, Saemereien, Stecklinge,
sogar Borsdorfer Aepfel, ja Butter und Kaese musste sie von weither aus
Pirna durch den dortigen Pfarrer Lauterbach oder von Erfurt und Nuernberg
kommen lassen[215].

Als Kaethe fuer Luthers Grossnichte die Hochzeit ausrichten sollte (Januar
1542), musste ihr Gatte an den Hof nach Dessau um Wildbret schreiben.
"Hie ist wenig zu bekommen, denn die Menge (der Einwohner) und viel mehr
die Aemter und Hoflager haben schier alles aufgefressen, dass weder
Huehner, noch ander Fleisch wohl zu bekommen, dass, wo es fehlet (am
Wildbret) ich mit Wuersten und Kaldaunen muss nachfuellen." Natuerlich musste
sie auch Mehl kaufen, waehrend Landpfarrer solches zu Kauf anboten, und
Frau Kaethe konnte es sehr verdriessen, wenn ein solcher ihr, weil sie die
Frau Doktorin war, fuer den Scheffel neunthalb Groschen forderte, also
mehr als die Bauern. Und ebenso vermerkte sie uebel, dass die Wittenberger
drei Pfennig fuer ein Kandel Bier begehrten[216].

Wie alle Stadtbewohner des Mittelalters, auch die Professoren, Jonas,
Melanchthon u.a.[217], so strebte darum auch Frau Katharina nach
liegenden Gruenden; als ehemaliges Edelfraeulein und Klosterfrau hatte sie
ohnedies eine besondere Neigung zum Grundbesitz, und auch Luther hatte
seine Freude wenigstens an der Natur und der Landwirtschaft. So hielt
man es auch fuer die sicherste Anlage und eigentliches Erbe fuer die
Nachkommen, "Feld und Gut zu hinterlassen", und auch Frau Kaethe "hoffte
zu Gott, er werde ihren Kindern, so sie leben und sich frommlich und
ehrlich halten werden, wohl Erbe bescheren"[218]. Freilich ist der Boden
auf dem rechten Elbufer, wo Wittenberg liegt, wie Luther klagt, drei
Meilen herum, sandige und steinige Heide, so dass bei windigem Wetter
nach dem Witzwort 99 Prozent Landgueter in der Luft herumfliegen. Er
fuhrt den plattdeutschen Spruch im Mund:

  Laendicken, Laendicken
  Du bist ein Saendicken!
  Wenn ik dik arbeite,
  So bist du licht (leicht);
  Wenn ik dik egge,
  So bist du schlicht;
  Wenn ik dik meie (maehe),
  So find ich nicht (nichts).

Ueber diese Wittenberger Gemarkung bemerkte er gegenueber der seiner
Heimat: "In dieser unserer Gegend, welche sandig ist, giebt die Erde in
mittleren Jahren fuer einen Scheffel 7 bis 8, in Thueringen meist 12 und
mehr"[219]. Dennoch erwarben die Luthers bald mehrere Grundstuecke, zwei
Hufen und zwei weitere Gaerten.

Schon 1531 kaufte Kaethe einen Garten, wie Luther sagte "nicht fuer mich,
ja gegen mich". Es ist wohl derselbe, dessen Kauf sie "mit Thraenen"
durchsetzte, so dass er seinem Freund und ehemaligen Mitbruder Brisger
sein Haeuschen nicht abkaufen, ihm auch kein Geld leihen konnte. Dieser
Garten, an der Zahnischen Strasse gelegen, wurde, scheint es, spaeter
veraeussert; dafuer wurde (um 1536) von Claus Bildenhauer fuer 900 fl. ein
groesserer "Baum-Garten" mit allerlei Gebaeulichkeiten und einem
angestrichenen Zaun erworben. Einer dieser Gaerten lag vor der Stadt an
dem "Saumarkt"; deshalb adressiert Luther Briefe an die "Saumaerkterin",
"auf dem Saumarkt zu finden"[220]. Hier floss die "Rische Bach" und
speiste wohl die "Fischteichlein", welche Frau Kaethe mit allerlei
Fischen, sogar mit edlen Forellen besetzte. Am Hause wurde ferner im
selben Jahre (1536) ein Garten mit Baeumen angelegt, der 400 fl. kostete.
Fuer den Famulus Wolf wurde um 20 fl. ein Gaertlein gekauft, wo er
wahrscheinlich seinen Vogelherd anlegte, mit dem ihn Luther
verschiedentlich neckt. Ferner wurden einige Hufen gekauft am
"Eichenpfuhl"[221].

Zwei Jahre vor Luthers Tode kam endlich noch zu Frau Kaethes Wirtschaft
um 375 fl. ein Hopfengarten hinzu, der "an der Specke", einem
Eichwaeldchen auf der nahen Gemarkung des Dorfes Lopez, gelegen war, wo
die Studenten gerne lustwandelten und auch manchen Unfug trieben. Aus
diesem Garten gewann die Frau Doktorin ihren Hopfenbedarf fuer ihr
Klosterbraeu[222].

So schaltete und waltete Frau Kaethe im Haus und in ihren Gaerten und
Hufen als "Kuechenmeisterin", "Baeuerin und Gaertnerin", fuhrwerkte, baute
Aecker, kaufte Vieh, weidete Tiere u.s.f. Besonders verlegte sie sich
mit ihrem Gemahl auf die Obstzucht: Kirschen, Pfirsiche, Nuesse, Apfel,
Birnen erntete die Doktorin. Auch mit Rebbau gab sie sich ab, und ihr
Faktotum Pfarrer Lauterbach musste ihr aus Pirna dazu die Pfaehle, allein
10 Schock d.h. 600 Stueck, besorgen; freilich wurde aus den Trauben nicht
Wein bereitet, sondern sie dienten zur Nachkost auf der Tafel. Selbst
mit Feigen- und Maulbeerbaeumen versuchte sie sich. Und als Gemuese
pflanzte sie nicht nur die einheimischen: Kraut, Erbsen und Bohnen,
sondern auch Gurken, Kuerbisse und Melonen, wozu Link aus Nuernberg die
Samenkerne schickte. Mit Erfurter Riesenrettichen wollte Luther seine
Freunde nicht nur in Erstaunen setzen, sondern sie auch selbst gezogen
haben. Frau Kaethe war sehr ungluecklich, wenn Ungeziefer ihr das Gemuese
schaedigten: "denn Raupen im Kohl und Fliegen in der Suppe--ein sehr
nuetzlich und lieblich Vieh!" hiess es da. Aber noch aerger war ihr's, wenn
Studenten, Spatzen und Dohlen ihr in die Gaerten einfielen, und ihr
Gemahl haette gern ein strenges Edikt "gegen die unnuetzen Sperlinge und
Kraehen, Raben und Spechte erlassen, welche alles verderben"[223].

In einem der Gaerten waren Bienenstoecke, vor welchen der gruebelnde Doktor
das wunderbare Treiben der fleissigen Tierlein belauschte, die praktische
Hausfrau aber den suessen Ertrag berechnete fuer Met, Suesswein und
Honigkuchen. Im grossen Garten draussen vor der Stadt, hatte Frau Kaethe
ihre Fischteichlein, worin sie Hechte und Schmerle, Kaulbarsche und
Karpfen, sogar Forellen zog und von denen sie bei guter Gelegenheit
etliche "gesotten auf den Tisch brachte und mit grosser Lust und Freude
und Danksagung davon ass", und sie hatte "groessere Freude ueber den wenigen
Fischen, denn mancher Edelmann, wenn er etliche grosse Teiche und Weiher
fischet und etliche hundert Schock Fische faehet"[224].

Mit diesen Gaerten waren aber die Guetererwerbungen der Lutherischen
Familie noch nicht abgeschlossen. Zunaechst kam ein unwillkommener Erwerb
hinzu, den Luther aus Gefaelligkeit uebernahm. Es war das kleine Haus
"Bruno", eine "Bude" ohne Gerechtigkeiten und Zubehoer an Garten,
unmittelbar neben dem Kloster, aber vorn an der Kollegiengasse gelegen.
Das hatte Luthers letzter Klosterbruder Brisger fuer sich bauen lassen,
dann aber bei seinem Wegzug dem Pfarrer Bruno Brauer zur Verwaltung
gegeben und Luther oft angeboten; dieser konnte es aber wegen anderer
Kaeufe nicht erwerben, auch forderte Brisger, der von seiner katholisch
gebliebenen Mutter enterbt wurde und, scheint es, in Geldbedraengnis war,
einen zu hohen Preis (440 fl.). Endlich kaufte es Luther als Lehen fuer
seinen Diener Wolf Sieberger bezw. als Leibgedinge fuer seine Gattin,
musste aber den Kaufschilling voellig schuldig bleiben. Der Besitz dieses
Hauses war unwillkommen, weil es erst wieder vermietet werden musste und
mehr Sorgen als Ertrag brachte; es kostete 250 fl. und musste noch um 70
fl. "geflickt" werden[225].

Der Sinn von Frau Kaethe stand viel mehr auf landwirtschaftliche
Besitztuemer, weil diese ihrer nutzbringenden Thaetigkeit mehr
entsprachen. So bekam sie nach einem grossem Pachtgut Verlangen, um
daraus ihre grossen haeuslichen Beduerfnisse zu beschaffen; sie wollte
nicht abhaengig sein von den teuren Lieferanten und stoerrischen Bauern,
welche manchmal eine kuenstliche Teuerung veranlassten. So hatte sie schon
1536 ihren Gevatter, den Landrentmeister Hans von Taubenheim, um
Ueberlassung eines guenstig gelegenen Gutes, Booss, gebeten, hatte es aber
nicht bekommen. Drei Jahre spaeter fing sie aufs neue Verhandlungen mit
Taubenheim an. Ihr Brief lautet in der urspruenglichen Schreibweise so:

"Gnad vnd fride yn Christo zuuor, gestrenger, ernuester, lieber herr
geuatter. Euch ist wol wissentlich, wie ich E.g. vngeferlich fur dreyen
jaren gebeten, dass myr das gut "_Booss_" myt seynen zugehorungen vmb
eynen gewonlichen zynss zu meyner teglichen hawsshaltung wie eynem andern
mochte gelassen werden, als denn auch meyn lieber herr bey doctor
Brug[226] diselbige zeyt deshalben hat angeregt; ist aber dasselbig mal
vorblieben, dass ichs mecht bekommen, vylleycht dass doselbst nicht loss
ist gewesen von seynem herrn, der es vmb den zynss hat ynnen gehabt. Ich
byn aber unterrichtet, wie der kruger von Brato, welcher es dysse zeyt
ynnengehabt, soll iezund solch gut lossgeschrieben haben, wo solchs also
were, ist meine freuntliche bytte an Euch also mynen lieben gevattern,
wollt myr zw solchem gut fodderlich seyn vmb denselbigen zynss, sso eyn
ander gybt, wyll ichs von herczen gerne annehmen vnd die zynsse deglich
an zwen orth vberychen. Bitte gancz freuntlich, e.g. wolde myr Ewer
gemueth wyder schreyben vnd das beste rathen yn dyssem fall vnd
anzceygen, wo ich etwas hyrin vnbyllichs begert vnd woldet denen nicht
stadgeben myt yrem argkwone, alss ssolde ich solchs gut fur mich odder
meyne kinder erblich begeren, welche gedanken yn meyn hercz nie kommen
synd. Hoffe zu gott, er werde meynen kindern, sso sie leben vnd sich
fromlich vnd ehrlich halten wurden, wol erbe beschern, bytte alleyne,
das myrs ein jar odder zwey vmb eynen zymlichen geburlichen zynss mochte
gelassen werden, damyt ich meyne haushaltung vnd vyhe deste bek(w)emer
erhalten mochte, weyl man alles alhier vfs tewerst kewfen muss vnd myr
solcher ort, der nahe gelegen, sser nuezlich seyn mochte. Ich habe meynen
lieben herrn iczt yn dvsser sachen nicht wollen beschweren, an Euch
zuschreyben, der sunst vyl zu schaffen, ist auch on noth, dass E.g.
solchs meyn antragen ferrer an ymandes odder an m. g'sten herrn wolde
gelangen lassen, ssunder sso Ir solche myne bytte fur byllich erkennet,
dass Irs myt dem schosszer zw Seyda bestellen wolt, dass myr solch gut vmb
eynen geburlichen zynss wie eynen andern mochte eyngethan werden. Domyt
seyet gott bepholen. Gegeben zu Wyttembergk, Montag nach Jubilate ym
1539. jhare.

Catherina Lutherynu"[227].

Wiederum wurde aus der Pacht nichts. Dagegen kam Frau Kaethe im folgenden
Jahre unverhofft zu einem eigenen Hofgut, das sogar ihr persoenlich als
Leibgeding gehoerte und ihr um so werter sein musste, als es der letzte
Rest von dem Erbgut der Bora war, welches sonst der Familie anscheinend
vollstaendig abhanden gekommen war.

Es war das Guetchen Zulsdorf, das ihr Bruder Hans vor sieben Jahren
uebernommen hatte, aber trotz der Mitgift der Witwe Apollonia von
Seidewitz, die er geheiratet hatte, nicht halten konnte, oder das zu
gering war, um ihn selbst zu ernaehren. Es war freilich weitab von
Wittenberg gelegen, wohl zwei Tagereisen; aber es zog sie doch hin nach
dieser ihrer mutmasslichen einstigen Heimat und ihrem kuenftigen
Witwensitz. So wurde Frau Kaethe die Nachbarin von Amsdorf, dem Bischof
von Naumburg, dem sie jetzt ihren Gruss entbietet als "gnaedigem Nachbar
und Gevatter". Ihr Gemahl that alles, "um die neue Koenigin wuerdig in ihr
Reich einzusetzen" und titulierte sie seitdem als die "Zulsdorferin",
"die gnaedige Frau von Zulsdorf", oder "Ihro Gnaden Frau von Bora und
Zulsdorf"[228].

Hier in ihrem, "neuen Koenigreich" und Sondereigentum konnte ihr
unternehmender thatkraeftiger Geist so recht nach Behagen schalten und
walten und ein Neues pfluegen und schaffen. Denn das Guetchen war
verlottert, das Land eine "wueste Mark", die Gebaeulichkeiten baufaellig.
Sie riss nieder, baute, besserte, fuhrwerkte und nahm dabei, wie gewohnt,
auch die Hilfe der Freunde ihres Hauses in Anspruch: der Herr von Ende
musste ihr Hafer und Saatkorn liefern, der von Einsiedel Wagen stellen,
Spalatin ihre Fuhrleute beherbergen. Sie steckte viel Geld hinein, der
Kurfuerst gab ihr Eichenbalken und anderes Holz und 600 fl.
"Begnadigung", aber auch das reichte zum Schmerze Kaethes nicht fuer
Reparatur und Zustandhaltung des heruntergekommenen Anwesens, so dass
Luther im ersten Jahr schreibt: "Sie verschwendet in diesem Jahr dort,
was erzeugt wurde"[229].

Dabei hatte die Doktorin allerlei Aerger und Missgeschick: die
Eichenstaemme, die ihr der Kurfuerst aus dem Altenburger Forst angewiesen
und die Luther selbst ausgesucht hatte, liess sie faellen, um sie in
Bretter schneiden zu lassen fuer ein Scheunlein. Als sie aber mit ihrem
Fuhrwerk kam, die Baeume abzuholen, waren sie vom Amtmann verkauft oder
unterschlagen. Und es musste geklagt, von neuem petitioniert und
verhandelt werden, bis wieder Holz angewiesen war und Kaethe die Fuhren
besorgen konnte. Weitere Unannehmlichkeiten erlebte die Gutsbesitzerin
mit den Anliegern von Zulsdorf, den Kieritzscher Bauern, welche ihr das
Weiderecht beeintraechtigten. So hatte sie im Jahre 1541 monatelang vorm
Amtmann Heinrich von Einsiedel zu Borna mit denen von Kieritzsch zu
prozessieren. Das Urteil des Kurfuersten fiel guenstig fuer die
Lutherischen aus; sie "haetten in der Guete wohl mehr um Friedens und
guter Nachbarschaft willen eingeraeumt"[230].

Trotzdem verleidete der Doktorin der Besitz nicht. Wochenlang,
namentlich wenn Luther verreist war, hielt sich Frau Kaethe in ihrem
neuen Besitztum auf, so dass ihr der Gemahl manche Epistel dahin
schreiben musste. So im Herbst (13. September) 1541, wo sie vielleicht
mit einigen Kindern Obsternte dort hielt. Da schreibt er: "Meiner lieben
Hausfrauen Kaethe Ludern von Bora zuhanden.

G.u.F.! Liebe Kaethe! Ich lasse hiermit Urban zu Dir laufen, auf dass Du
nicht erschrecken sollst, ob ein Geschrei vom Tuerken zu Dir kommen
wuerde. Und mich wundert, dass Du so gar nichts her schreibst oder
entbeutst, so Du wohl weisst, dass wir hie nicht ohne Sorge sind fuer euch,
weil Mainz, Heinz und viel vom Adel in Meissen uns sehr feind sind.
Verkaufe und bestelle, was Du kannst, und komme heim. Denn als mich's
ansieht, so will's Dreck regnen, und unsre Suende will Gott heimsuchen
durch seines Zornes Willen. Hiemit Gott befohlen, Amen.

Sonntags nach Lamperti 1541.

M. LutheR"[231].

Ja noch zu Wittenberg war Kaethe mit ihren Gedanken oft abwesend auf
ihrem Lieblingssitz, so dass ihr Gemahl adressiert: "Der reichen Frauen
zu Zulsdorf, Frauen Doktorin Katharin Lutherin, zu Wittenberg leiblich
wohnhaftig und zu Zulsdorf geistlich wandelnd, meinem Liebchen." Auch
Luther hielt sich manchmal in dem stillen Oertlein zur Erholung auf und
sendet von hier Briefe und Gruesse "von meinem Kaethe und Herrn zu
Zulsdorf"[232].

Wohl weil Zulsdorf zu weit abgelegen und zu wenig eintraeglich war, so
wandte in den letzten Jahren Frau Katharina ihre Augen auf das Gut
Wachsdorf bei Wittenberg, eine Stunde davon, jenseits der Elbe auf
fruchtbarem Boden gelegen, mit Hochwald umgeben; freilich etwas sumpfig.
Es gehoerte des [Symbol: gestorben] Dr. Sebald Muensterers Kindern und war
der Erbteilung wegen kaeuflich. Aber es wurde nichts daraus; namentlich
hintertrieb der Kanzler Brueck die Erwerbung.

Auch der Doktor war mit dieser grossen Ausdehnung der Wirtschaft nicht
mehr recht einverstanden, obwohl er den Hausspruch: "Eigen Wat gut ist
dat" sehr wohl kannte und anerkannte und sagte, alles Gute im Ehestand
sei eitel Segen Gottes was niemand erkenne, "als der Gott fuerchtet und
alles auf dem Markte kaufen muss." Er konnte sich in diese Haushaltung
nicht richten; er meinte, dass die Sorge und Geschaeftigkeit um den grossen
Haushalt sie abziehe, in stiller, gemuetlicher, geistiger Weise sich
selbst zu leben und ihm und ihren Kindern. Auch klagte er gelegentlich
ueber die vielen Dienstboten, welche in dem weitlaeuftigen Hauswesen noetig
waren; so schon 1527 waren mehrere Maegde da, 1534 ein Kutscher, spaeter
sogar ein Schweinehirt. Er meinte: "Ich habe zu viel Gesinde." Mehr
Dienstboten als heutzutage waren ja auch in diesen Zeiten ueblich und
moeglicherweise ist hierin Frau Kaethe etwas weiter gegangen, was wohl mit
der zahlreichen Gesindeschar im Klosterleben zusammenhaengen mochte[233].

Aber es ist doch begreiflich, dass die Frau Doktorin darauf bedacht
war, ihre Wirtschaft zu erweitern. Es war nicht allein die
unternehmungslustige Thatkraft der energischen Frau, welche Neues
schaffen und ein grosses Bereich beherrschen wollte, es war auch die
Sorge um die Beduerfnisse des grossen Haushaltes selbst, es war aber ganz
besonders das Streben, die oekonomische Zukunft der nicht kleinen Familie
fuer das Alter, namentlich aber fuer die eigene Witwenschaft und das
Waisentum ihrer fuenf Kinder, zu sichern, indem sie das in Luthers Haenden
gefaehrdete fluessige Geld in festes Gut umwandelte.

So bestand am Ende der gesamte Besitz der Lutherischen Familie aus einem
Landgut, dem grossen und kleinen Haus, dem Klostergarten, dem
"Baumgarten" auf dem Saumarkt, dem Hopfengarten an der "Specke" und zwei
Hufen Landes. Das war ein ziemlich umfangreicher Besitz, der neben der
grossen und weitlaeufigen Haushaltung gar viel Unruhe verursachte und viel
Zeit und Arbeit kostete, so dass man kaum begreift, woher Frau Kaethe nur
die Zeit nahm, um das alles zu besorgen und zu uebersehen. Und wir
verstehen, dass es ihr manchmal zu viel wurde und sie dem heftigen,
ungeduldigen Mann manchmal nicht rasch genug nachkommen konnte, so dass
er klagt: "Ich bin unter einem ungluecklichen Stern geboren, vielleicht
dem Saturn; was man mir thun und machen soll, kann nimmermehr fertig
werden; Schneider, Schuster, Buchbinder, mein Weib ziehen mich aufs
laengste hin." Aber er muss in derselben Zeit auch die vielgeplagte Frau
noch entschuldigen, wo sie ein Kind an der Brust und eins unter dem
Herzen naehrte: "Es ist schwer zwei Gaeste zu naehren, einen im Haus und
den andern vor der Thuere." Und er erkennt ihre Anstrengungen und Sorgen
auch an: "Mein Wolf hat's besser denn ich und meine Kaethe"[234].

Die Frau Doktorin war aber auch ein gar fleissiges Weib. Sie hat in ihrem
Bereich ebenso gewaltig und unermuedlich geschafft und geschaffen, wie
der Doktor in dem seinigen.

Freilich schon morgens um 4 Uhr im Sommer, um 5 Uhr im Winter, oft auch
noch frueher, stand sie auf, und darum wohl sagte ihr Gatte und ihre
Mitbuerger: "Kaethe von Bora ist der Morgenstern von Wittenberg." Und so
stand sie an der Arbeit bis abends um 9 Uhr, wo der Doktor unerbittlich
zum Schlafengehen draengte. Freilich hatte sie einen kraeftigen,
leistungsfaehigen Koerper und war, im Gegensatz zu ihrem viel kraenklichen
Mann, so gesund, dass fast niemals von einer Erkrankung Meldung
geschieht. Es ist nur einmal die Rede davon, dass sie eines Abends
schwach wurde und ein Fieber bekam, so dass ihr Gatte in Angst geriet und
sagte: "Liebe Kaethe, stirb mir ja nicht." Ein andermal, da D.M. Luther
mit etlichen ueber Tische redete, ging sie in die Kammer und fiel in
Ohnmacht. Aber das war alles voruebergehendes Unwohlsein. Nur _eine_
Krankheit machte sie durch infolge einer Fruehgeburt; sonst scheint sie
gesund gewesen zu sein bis ins Alter[235].

Doch nicht nur unermuedliche Geschaeftigkeit war Kaethes Tugend, sondern
sie verstand es auch, das Hausregiment zu fuehren in Kueche und Keller, im
Brauhaus und Backhaus, in Garten und Feld, in der Kinder- und
Gesindestube, als Mutter und Gattin, als Wirtin und Herrin, als
"Predigerin, Braeuerin, Gaertnerin und was sie mehr sein kann", und mit
Bezug auf sie, die Hausregentin und "Kuechenmeisterin", schrieb Luther an
den Rand seines Hausbuches:

  "Der Frauen Augen kochen wohl
  Mehr denn Magd, Knecht und Feuer und Kohl"[236].

Freilich Luther selbst war nicht weniger arbeitssam, auch mit
koerperlicher Beschaeftigung; namentlich in den ersten Jahren: er gaertelte
gern und viel, grub, saeete, pfropfte; er drechselte auch auf seiner
eigenen Drehbank. Beides sah gewiss Frau Kaethe gern, nicht nur, weil es
manchen Tagelohn und Handwerksmann ersparte, sondern weil es auch
Luthers Gesundheit zutraeglich war. Weniger Gefallen hatte sie an seiner
aus der Junggesellenzeit heruebergenommenen Neigung, seine Kleider selber
zu flicken. Der Doktor that sich auf diese Kunst viel zu gut und duenkte
darin sich geschickter, wie die deutschen Schneider, welche keine
gutsitzenden Hosen fertig braechten. Da fand Frau Kaethe eines Tags zu
ihrem nicht geringen Staunen und Verdruss ein Paar Hosen ihres Buben, aus
denen ein Stueck herausgeschnitten war: und als sie nachfragte, hatte der
Herr Gemahl den Flicken zum Ausbessern seiner eigenen Hose
verwendet[237]!--

Es war ein arbeitsseliges Haus, die ehemalige Staette der
Beschaulichkeit. Droben in der Studierstube der grosse Doktor, der mit
emsiger Gewissenhaftigkeit und dem angestammten Fleiss eines Bauernsohnes
seine Zeit auskaufte fuer die geistliche Haushaltung der Kirche; und
unten die wirtliche Hausfrau, die in echter deutscher Geschaeftigkeit und
Treue sich ihrem Hause widmete, dem Gatten und den Kindern, dem Gesinde
und den Freunden, und deren Stolz und Ruhm es war, alles zu koennen und
alles zu thun.

So waltete Frau Kaethe in ihrer "Wirtschaft".




9. Kapitel

"Wunderliche Rechnung zwischen D. Martin und Kaethe."


Ein Grundbesitz, wie ihn das Lutherische Ehepaar am Ende aufwies, zeugte
von nicht geringer Vermoeglichkeit. Woher und wie war nun dieses Vermoegen
zusammengekommen?

Katharina sowohl wie Luther brachten nichts in die Ehe. Sie waren am
Anfang ihres Hausstandes und noch lange fort vollstaendig vermoegenslos;
erst nach seiner Eltern Absterben (1530-31) erbte Luther eine kleine
Barschaft von 250 fl. Im Jahre 1527 war er noch gaenzlich ohne Besitz, er
war arm und ein Bettler, konnte weder Haus, Aecker, liegende Gruende,
Geld noch Gut seinem Weib und Kind nach sich lassen, wenn er damals
gestorben waere. Denn auch das Klosteranwesen war noch nicht sein
ausgesprochenes Eigentum. "Armut ist mein Irrtum und meine Ketzerei",
sagte er noch 1530; und zwei Jahre darauf hat er nur einen Becher im
Schatzkaestlein. Noch 1534 musste er es ablehnen, fuer ein paar hundert
Gulden das kleine Haus Bruno zu kaufen: er wollte seine Armut nicht
offenbar werden lassen, weil er's fuer unmoeglich hielt, jemals auch nur
die Haelfte einer solchen Summe zusammenzubringen[238].

In Ermangelung eines eingebrachte Heiratsgutes war das Ehepaar also auf
die Besoldung angewiesen, welche der Hausvater hatte, und auf den
Verdienst, welchen die Hausmutter von der Bebauung des Gutes und ihrem
Kosttisch zog.

Die Beamtenbesoldungen waren zu jener Zeit nicht etwa bloss feste
Gehalte, sondern bestanden auch in allerlei Ehrengeschenken, meist in
Naturalien, welche den Angestellten bei besonderen Gelegenheiten und fuer
besondere Dienstleistungen, als Reisen, Gutachten, Berichte, Schriften
u.a., von den Fuersten und Stadtobrigkeiten zuflossen.

Seit seiner Verheiratung war Luthers Besoldung von einhundert auf
zweihundert Gulden erhoeht worden. Von 1532 ab, unter Kurfuerst Johann
Friedrich, kamen noch jaehrlich 100 Scheffel Korn, 100 Scheffel Malz fuer
zwei Gebraeude Bier, 60 (spaeter 100) Klafter Holz und zwei Fuder Heu
hinzu. Freilich blieben die Lieferungen "aus Unwillen" der Beamten
manchmal aus. Der kurfuerstliche Keller zu Wittenberg stand den
hervorragenden Professoren immer offen. Ausserdem kamen ihm vom Hofe
allerlei Viktualien zu: Wein, Most, Essig, Obst, Fische, Wildbret,
Arzneien, auch Kleider und Tuche. So sendet 1543 der Kurfuerst "zwei Fass,
eins mit altem Wein, das andre mit heurigem gewachsenen Most, Suptezer,
so gut Uns der allmaechtige Gott dies Jahr bescheret hat; den wollet von
Unseretwegen gutwillig annehmen und in Froehlichkeit geniessen". Auch der
Daenenkoenig Christian III. sandte in den letzten Jahren (1543) zuerst
Butter und Heringe; als man aber unterwegs mit dieser "Kuechenspeise
unschicklich umgegangen", wurde die Sendung in ein Geschenk von 50 fl.
verwandelt. Soviel erhielten auch die andern Wittenberger Theologen
Bugenhagen und Jonas: es war ein Ehrensold, den der Fuerst fuer die
Ausbildung seiner Gottesgelehrten an die saechsische Universitaet
zahlte[239].

Wenn der Kurfuerst Johann an Luther bei Aufhebung des Klosters den
Hausrat im Werte von 20 fl. und die Kuechengeraete, welche um 50 fl.
verkauft wurden, ueberliess, so war das eine Entschaedigung dafuer, dass er
lange Zeit sein Deputat an Viktualien gar nicht oder nur spaerlich
erhalten hatte. Fuer den Hausrat hatte er "der Kirche und Universitaet mit
Predigen, Lesen, Schreiben u.s.w. die langen Jahre her um Gotteswillen
und umsonst gedient; und fuer die Kuechengeraete hatte er Nonnen und Moenche
(Diebe und Schaelke mitunter) gekleidet, gespeiset und versorget mit
solchem Nutzen, dass ich das Meine und 100 fl., so mir m. gn. H. Herzog
Hans zur Haushaltung geschenkt, gar weidlich zugesetzt habe"[240].

Aehnlich waren die Geschenke der Stadt Wittenberg auch nur
Gegenleistungen. So hat der Stadtrat aus seinen Brennereien
Baumaterialien, als Ziegelsteine und Kalk, nicht angerechnet, schenkte
auch sonst eine Jahresgabe oder besondere Erkenntlichkeit, so als
Luther in der Osterzeit jeden Tag gepredigt hatte, einen halben Lachs,
anno 1529 der Frau Doktor in Abwesenheit ihres Mannes 10 Thaler, "weil
man ihm dies Jahr sonst keine Verehrung gethan". Dafuer war Luther ohne
Gehalt bei dreissig Jahre der Stadt Prediger gewesen, hatte auch oftmals
noch Bugenhagen auf kuerzere oder laengere Zeit, einmal sogar, als jener
auswaerts reformierte, zwei Jahre lang (1535-37) vertreten. Auch musste
Luther auf seine Kosten "zu ihrer Kirche Dienst und Nutz" Diener halten,
ohne dass der "gemeine Kasten" etwas fuer sie beitrug. Ferner trat Luther
einen grossen Raum vorm Klosterhof umsonst an die Stadt ab, gestattete
auch, dass sein ganzes Anwesen nach seinem Tode und das Nebengebaeude auch
bei seinen Lebzeiten unter das Buergerrecht gestellt wurde, waehrend es
vorher ganz frei gewesen. Ebenso wollte Luther, als der Kurfuerst 1542
eine Tuerkensteuer ausschrieb, obgleich er grundsteuerfrei war, doch des
Beispiels wegen auch geschatzt sein[241].

Trotz solcher Gegendienste, welche mittelbar oder unmittelbar
"Geschenke" veranlassten, nahm doch Luther solche nicht ohne Wahl und Mass
an. Er lehnte nicht nur das Hochzeitsgeschenk des Mainzer Erzbischofs
ab, er wies auch eine Gabe des Kurfuersten zurueck, weil er wisse, "dass
der hohe Herr des Gebens viel habe und zu viel den Sack zerreisse".
"Bitte derhalben Ew. Kurfuerstliche Gnaden wollten harren, bis ich selber
klage und bitte, auf dass ich durch solch Zuvorkommen Eurer Kurf. Gnaden
nicht scheu werde fuer andre zu bitten, die viel wuerdiger sind solcher
Gaben"[242].

Und ferner: "Ich will Ew. Kurf. Gn. unterthaeniglich bitten, nicht zu
glauben denen, die mich angeben, als habe ich Mangel; ich habe leider
mehr, sonderlich von Ew. K. Gn., denn ich im Gewissen vertragen
kann"[243].

Auch seine Freunde schilt er oft, dass sie des Schenkens zu viel
machen[244].

Wenn er Sommers von einem Pfarrherrn oder Schultheissen aufs Dorf zu
Gaste geladen wurde, so kam er gern mit einem Tischgesellen und hielt
eine Predigt. Aber er brachte allewege Speise und Trank fuer sich und
seine Begleiter mit, die ihm daheim Frau Kaethe zubereitet und in den
Wagen gepackt hatte[245].

Einem wegziehenden Famulus wuerde er gerne zehn Gulden geben, wenn er
sie haette; aber unter fuenf Gulden soll ihm seine Frau nicht geben und
was sie darueber kann geben, bittet der Doktor sie, das solle sie
thun--also bis auf den letzten Gulden mutet er der Hausfrau zu sich zu
entbloessen und doch traegt er der Frau gleichzeitig auf, ein Mitbringsel
fuer die Kinder zu kaufen, weil er selbst in Torgau nichts Sonderliches
faende[246].

Fuer seine Vorlesungen nahm Luther von den Studenten keine
Kollegiengelder. Ja, auch von seinen Schriften nahm er kein Honorar: 400
fl., die ihm ein Buchdrucker jaehrlich fuer den Verlag seiner Schriften
anbot, schlug er aus, auch die 1000 fl., welche Melanchthon ihm fuer die
Ausarbeitung des deutschen Aesop versprach. Eine Kure im Silberbergwerk
zu Schneeberg, welche ihm der Kurfuerst fuer seine Bibeluebersetzung 1529
schenken wollte, wies er ab: er wollte von der Welt seine geistige
Arbeit nicht bezahlt haben und wie Paulus mit dem Gotteswort nicht
Handel treiben[247].

Bei einer solchen Gesinnung und Handlungsweise ist es begreiflich, dass
die praktische Frau Kaethe auch einmal ueber ihren Doktor mit seiner
Geldverachtung seufzte. Als der gleichfalls wenig haushaelterische
Meister Philipp Melanchthon einmal bei Luther speiste und im Gespraech
ueber den Weltlauf von einem Magister sprach, welcher dem Geiz ergeben,
ein sehr gutes Urteil ueber gute und schlechte Gulden habe, bemerkte die
Doktorin: "Wenn mein Gemahl solchen Sinn haette, wuerde er gar reich
sein." Melanchthon meinte darauf: "Das kann nicht sein, denn die
Geister, welche fuer die Allgemeinheit arbeiten, koennen sich ihren
Privatangelegenheiten nicht hingeben"[248].

Den nicht gerade ausserordentlichen Einnahmen Luthers standen nun aber
gewaltige Ausgaben gegenueber. Zunaechst einmal fuer die ausgedehnte
Haushaltung; dann aber auch fuer andere Zwecke und Anschaffungen. Einen
interessanten Einblick in diese Dinge gewaehren die Aufzeichnungen
Luthers in seinem Haushaltungsbuch. Da ist[249] eine

"Wunderliche Rechnung gehalten zwischen Doc. Martin und Kaethe

             1535
        Anno ----
             1536
das waren zwei halbe Jahr.
      90 fl. fuer Getreide
      90 fl. fuer die Hufen
      20 fl. fuer Leinwat (Leinwand)
      30 fl. fuer Schweine
      28 fl. Muhme Lene gen Borna(u)
      29 fl. fuer Ochsen
      10 fl. Valt. Mollerstet      bezahlt
      10 fl. Geleitsmann              "
       8 Thaler M. Philipp            "
      40 fl. fuer Gregor Tischer       "
      26 fl. Universitaet              "
    -------
Zus. 389 fl. ausser andern Viktualien. "

Diese "andern Viktualien" waren Gemuese, Fleisch, Fisch und Gefluegel,
Obst und Kolonialwaren, Getreide und Hopfen, Brot und Semmel, Oel und
Talg, Butter und Honig, Wein und Bier.

Dann hiess es: "Gieb Geld fuer Hanf und Flachs, Garn und Wachs, Naegel und
Haken, allerlei Geschirr und Geraete in Stube, Kueche, Keller, Garten; fuer
Wagen und Geschirr."

"Gieb Geld" forderten auch 29erlei Handwerker, ferner Buchfuehrer
(Buchhaendler), Arzt, Apotheker und Praezeptor, Knechte, Maegde, Hirten,
Knaben und Jungfern, Braeute und Gevattern, auch Bettler und--Diebe[250].

Ausgaben gab es dann fuer manche Patengeschenke, Hochzeiten und
Gastungen, Geschenke zu Neujahr, Jahrmarkt und S. Niklas. Endlich kamen
die "grobe Stueck: Hochzeit machen fuer Sohn, Tochter, Freundin; dem
Kraemer fuer Seiden, Sammet und Wurze"[251].

Im ganzen waren es 135 Dinge, fuer welche Frau Kaethe stets die Hand
ausstrecken und "Gieb Geld" sagen musste.

Unter diesen Ausgaben machen namentlich die Ehrengeschenke und
Wohlthaten einen grossen Posten aus; sie gehoerten bei Luther zu den
besonders "groben Stuecken". Ausser den Gastungen gehoeren namentlich die
Patengeschenke und Hochzeiten hierher; Luther und Frau Kaethe standen
zahllose Male zu Gevatter, denn in Wittenberg waren bei jedem Kinde
viele Paten ueblich, und fuer jeden kostete es einen Silberbecher oder
eine grosse Muenze. Die Hochzeiten und Hochzeitsgeschenke waren eine grosse
Last. So klagt Luther (1543) am Ende selber: "Die taeglichen Hochzeiten
hier erschoepfen mich"[252]. Luthers Mildtaetigkeit kannte keine Grenzen.
Er sprach als Grundsatz aus: "Wer gerne giebt, dem wird gegeben; das
erhaelt das Haus, darum, liebe Kaethe, haben wir nicht mehr Geld, so
muessen die Becher daran." Und demgemaess handelt er. Wie viele andere
Theologen und sonstige gutmuetige Menschen (auch Melanchthon) gab er
Beduerftigen und Bittenden ueber Gebuehr und Vermoegen, und gar oft an
Unwuerdige, so dass er erst durch "boese Buben witzig gemacht" wurde. Er
gestand spaeter (1532) selbst seiner Frau: "Denke, wie oftmals wir haben
boesen Buben und undankbaren Schuelern gegeben, da es alles verloren
gewesen ist." Wie weit er in seiner Gutherzigkeit ging, moegen von vielen
nur zwei Beispiele zeigen: Einem armen Studenten schenkt der Doktor,
weil kein Geld im Haus ist, einen silbernen Ehrenbecher, und als er
merkte, wie Frau Kaethe ihm abwinkt, drueckt er ihn schnell zusammen und
schickt den jungen Menschen damit zum Goldschmied; was er dafuer loese,
solle er behalten, er brauche keinen silbernen Becher. Ja, als seine
Frau im Wochenbett liegt, geraet er gar ueber das Patengeschenk seines
juengsten Kindes, um einen bedraengten Beduerftigen nicht mit leerer Hand
gehen zu lassen, und meinte: "Gott ist reich, er wird anderes
bescheren"[253].

Das gesamte, so wenig berechnende Verhalten Luthers erklaert sich
einerseits aus seiner allem Eigennutz abgeneigten Natur und seinem
grossartigen Gottvertrauen, andrerseits aber auch aus dem Mangel an
Berechnung, welche dem weltentfremdeten Moench aus seiner Klosterzeit
noch anhaftete; dies musste aber bei einem "weltlichen" Haushalt
naturgemaess dazu fuehren, dass Einnahme und Ausgabe bald nicht mehr im
richtigen Verhaeltnis zu einander stand. So hatte das junge Paar im
zweiten Jahre seiner Ehe ueber hundert Gulden Schulden, so dass Luther
seinem Freunde und ehemaligen Klostergenossen Brisger keine acht Gulden
vorstrecken konnte. "Woher soll ich's nehmen?" fragt er. "Durch meinen
schweren Haushalt und meine Unvorsichtigkeit ist es so gekommen. Drei
Becher sind fuer 50 fl. verpfaendet. Dazu kommt, dass Lukas (Cranach) und
Christian (Aurifaber, Goldschmied) mich nicht mehr als Buergen zulassen,
denn sie merken, dass sie so (durch meine Buergschaft) auch nicht besser
daran sind oder ich ausgebeutelt werde. Ich habe ihnen jetzt auch den
vierten Becher gegeben, welchen sie dem fetten H. geliehen haben." Dabei
kommt ihm aber noch nicht in Sinn, wo der Rechnungsfehler stecke. Er
klagt: "Wie kommt's, dass ich allein so ausgesaugt werde? nein, nicht nur
ausgesaugt, sondern sogar in Schulden verstrickt?" Sogar noch 1543 klagt
er dem allerdings etwas habsuechtigen Jonas gegenueber, der von ihm bei
seiner zweiten Verheiratung wohl ein "fettes Hochzeitsgeschenk"
erwartete: "Du kennst meine Duerftigkeit und meine Schuldenlast".[254]

Einmal fing er auch an zu rechnen--am Kleinen, ans Grosse dachte er
nicht. Da brachte er heraus, dass er allein jaehrlich fuer Semmeln 31
Groschen 4 Pfennig brauche; dazu noch der Trank mit 4 Pfennig taeglich
und das Uebrige--eine Summe, die ihm zu gross war, und er schliesst: "Ich
mag nie mehr rechnen, es macht einen gar verdrossen. Ich haette nicht
gemeint, dass auf einen Menschen so viel gehen sollte"[255].

Dennoch stellte er 1536 eine Generalrechnung an fuer "grobe Stueck" und
brachte da allein 389 fl. Ausgaben heraus in zwei halben Jahren, ohne
die Viktualien u.a. Er schloss diese Zusammenstellung ab mit dem Seufzer:
"Rat, wo kommt dies Geld her? Sollt das nicht stinken und Schuld
machen[256]?"

Und als Luther im Jahre 1542, wo er sein "Testament" machte, seine
Ausgaben zusammenstellte und seine Einnahmen dagegen hielt, schliesst er:
"Ich habe eine wunderliche Haushaltung, ich verzehre mehr als ich
einnehme; ich muss jedes Jahr 500 Gulden in der Haushaltung in die Kueche
haben, zu geschweigen der Kleider, anderer Zierat und Almosens, da doch
meine jaehrliche Besoldung sich nur auf 200 Gulden belauft." Dazu
schreibt er im Haushaltungsbuch neben anderen ernsten und launigen
Reimen den Stossseufzer:

  "Ich armer Mann! So halt ich Haus;
  Wo ich mein Geld soll geben aus,
  Beduerft ich's wohl an sieben Ort
  Und fehlt mir allweg hier und dort"[257].

Da war es freilich begreiflich, dass manchmal die Fleischer und Fischer
von Wittenberg "grob" wurden und mit "ungestuemen Worten der Frau"
gegenueber ihre Schuld forderten. "Die Doktorin" half sich dann wohl
damit, bei "Philipp Melanchthon 20 Thaler zur Haushaltung zu leihen".
Und dann sprang etwa der Kurfuerst ein, wenn er's durch den Kanzler Brueck
erfuhr[258].

Diese "wunderliche Haushaltung" Luthers wurde in sehr Natur- und
sachgemaesser Weise geregelt durch die Hausfrau. Die "wunderliche Rechnung
gehalten zwischen Doktor Martin und Kaethe", mit ihrem staendigen Defizit,
wurde in Ordnung gebracht durch diese gute Rechnerin und sparsame und
erwerbsame Haushaelterin. Frau Kaethe brachte einen Ausgleich zwischen
Soll und Haben: sie verminderte die Ausgaben, vermehrte die Einnahmen,
sie bezahlte die Schulden und erwarb ein Vermoegen.

Eines der ersten Ereignisse in dem neuen Haushalt ist eine lustige
Familienszene, welche die gutmuetige Verschwendung des Eheherrn und die
listige Sparsamkeit der Gattin zeigte. Es hatte naemlich das Ehepaar ein
huebsches Glasgeschirr mit Zinnverzierung von Hausmann geschenkt
bekommen; das haette Frau Kaethe selbst gerne behalten, Luther aber an den
D. Agrikola, damals noch sein lieber Freund, der auch darnach Gelueste
hatte, verschenkt. Luther hatte es gemerkt, wie sie darauf gelauert, und
wollte es kurz machen. Er hatte schon den Brief dazu geschrieben; als er
aber das Geschenk dazu packen wollte, war es fort: Frau Kaethe hatte es
abhanden kommen lassen und die Hausfreunde D. Bugenhagen und D. Roehrer
hatten sich mit ihr verschworen und ihr dabei geholfen. So musste sich
Luther in einer Nachschrift entschuldigen, dass er das Glas nicht
mitschicken koenne; seiner insidiatrix Ketha (der hinterlistigen Kaethe)
gegenueber sei er ohnmaechtig; er denke aber das Glas spaeter doch noch
einmal zu erwischen. Kaethe aber hielt es fest wie ein bissiger
Kettenhund[259]. Sie brachte etwas strengere Ordnung in die Gesellschaft
der jungen Studenten und in ihre Hausrechnung, so dass M. Veit Dietrich
sich ueber sie beklagte und sein Landsmann und Nachfolger im Haus und am
Tisch Frau Kaethes sie als stramm und knauserig beschrieb, "die alles zu
Rat gehalten und bei den Tischgenossen auf noetige Bezahlung
gedrungen"[260]. Auch Kanzler Brueck warf ihr in feindseliger Stimmung
Knauserigkeit in der Haushaltung vor. Von Luther und andern hoeren wir
dagegen hierueber keine Klagen; und dass der Zudrang zu ihrem Kosttisch
von alt und jung ein grosser und nicht zu befriedigender war, ist der
beste Beweis fuer die Uebertriebenheit jener Vorwuerfe. Aber ihre loebliche
Sparsamkeit und haushaelterisches Zuratehalten weiss ihr Gemahl wohl
anzuerkennen. Er sagt: "Das Weib kann den Mann wohl reich machen, aber
nicht der Mann das Weib. Denn der ersparte Pfennig ist besser denn der
erworbene. Also ist raetlich sein (zu rate halten) das beste
Einkommen"[261]. Und in sein Haushaltungsbuch schrieb Luther den
Sinnspruch:

  Es gehoert gar viel in ein Haus.
  Willst Du es aber rechnen aus,
  So muss noch viel mehr gehn heraus.
  Des nimm ein Exempel, mein Haus[262].

So hoerte er mit Rechnen auf und ueberliess das seiner "raetlichen" und
wirtlichen Hausfrau, und wenn er selbst nicht wusste, woher nehmen, so
schrieb er seiner Kaethe: "Sieh, wo Du's kriegst"[263].

Und Kaethe sah, wo sie's kriegte. Sie war nicht so heikel, wie Luther,
Verehrungen anzunehmen. Waehrend sie Freund Link von einem
Hochzeitsbecher absolviert, hat sie die von Luther zurueckgewiesen 20
Goldgulden des Mainzer Erzbischofs hinter seinem Ruecken doch behalten.
Mit besserem Gewissen empfing sie die Faesslein Kaese von der Herzogin
Elisabeth von Braunschweig und ebenso ein Kaesegeschenk von Mykonius, dem
Stadtpfarrer in Gotha. In Notfaellen wandte sich Frau Kaethe auch einmal
an die kurfuerstliche Kaemmerei, so waehrend Luthers Aufenthalt auf der
Koburg um 12 Scheffel Roggen. Kaethe nahm ueberhaupt das Gehalt ein und
verrechnete es, so dass es nicht mehr hiess wie in Luthers
Junggesellenwirtschaft (1523): "Wir leben von einem Tag zum andern." Sie
scheute sich nicht, die saeumigen Kostgaenger an ihre Schuldigkeit zu
mahnen[264]. Ja es wird erzaehlt, dass sie in spaeterer Zeit durch Freunde
und Kostgaenger des Hauses Anschaffungen machen liess, wofuer sie die
Bezahlung vergessen habe, weil sie sich wohl fuer Dienste ihres Mannes
dadurch bezahlt machte. Jedenfalls nahm sie auch die Dienste anderer in
Anspruch fuer Gefaelligkeiten, welche ihr Mann ihnen erwies: hatte Luther
dem Freund Pfarrer Spalatin eine Vorrede zu einem Buche geschrieben, so
muss sich dafuer Spalatin in Altenburg ihrer Fuhrleute und Arbeiter
annehmen, die sie nach Zulsdorf schickt; und Lauterbach, der in ihrem
Hause als Kostgaenger und Nachschreiber von Luthers Tischreden allerlei
Vorteile und Freundlichkeiten genossen, hat zum Entgelt der Doktorin
allerlei Besorgungen zu machen[265].

Aber das Beste that doch Frau Kaethe selber: Sie zuechtete und maestete
Tiere, melkte und schlachtete, gewann Butter und Honig, Kaese und Eier;
sie pflanzte Obst und Fruechte, Gemuese und Wuerzkraeuter; sie baute
Getreide, buk Brot und braute das Bier fuer den grossen Haushalt, so dass
das kleine Soehnchen, als Luther es einmal fragte, wie viel Kostgeld es
eigentlich zahlen muesste, sagen konnte: "Ei Vater, Essen und Trinken
kauft Ihr nicht; allein Aepfel und Birnen", meinte der Kleine, "gestehen
viel Geld"[266]. Fuer Obst konnte also Frau Kaethe damals nicht aufkommen,
weshalb sie dann auch endlich den Ankauf des Baumgartens von Bildenhauer
betrieb. Ebenso trachtete sie nach den Hufen und dem Hopfengarten, so
dass nach den grossen Ankaeufen von 1536 die schweren Haushaltsausgaben
geringer wurden und die Posten "Gieb Geld" immer weniger. Hatte Luther
am Anfang seiner Ehe den Stossseufzer gethan: "Der Herr, der meine
Unvorsichtigkeit straft, wird mich wieder erloesen"--von den Schulden, so
kann er am Ende derselben in seinem sogenannten "Testament" (1542)
schreiben: "Ich habe von meinem Einkommen und Geschenken so viel gebaut,
gekauft, grosse und schwere Haushaltung gefuehrt, dass ich's muss neben
anderm selbst fuer einen sonderlichen, wunderlichen Segen erkennen, dass
ich's habe koennen erschwingen." Das "andere" neben dem goettlichen Segen,
war eben das haushaelterische Talent seiner Gattin; sie hatte ihn von
seinen Schulden wieder erloest, ja das Weib hatte nach seinem Spruch den
Mann "reich" gemacht. Und so bezeugt er ihr mit "seiner Hand" im
Haushaltungsbuch: "Was sie jetzt hat, das hat sie selbst gezeuget
(errungen) neben mir"[267].

Ein Vermoegen zu erwerben oder gar reich zu werden, daran dachte Luther
nicht, ja er wollte es nicht. "Mir gebuehret nicht als einem Prediger,
Ueberfluss zu haben, begehre es auch nicht", erklaerte er. Ihm duenkte,
"dass das lieblichste Leben sei ein mittelmaessiger Hausstand, Leben mit
einem frommen, willigen, gehorsamen Weibe in Fried und Einigkeit und
sich mit wenigem lassen begnuegen"[268].

Ja nicht einmal fuer seine Kinder gedachte er ein Vermoegen anzulegen. Er
segnete seiner Kindlein eins, das eine Muhme auf dem Arme trug und
sprach: "Gehe hin und bis fromm. Geld will ich Dir nicht lassen, aber
einen reichen Gott will ich Dir lassen. Der mir Dich nicht versaeume. Bis
nur fromm! Da helf Dir Gott zu." Und als ihn jemand ermahnte, er moechte
wenigstens zum Besten seiner Familie ein kleines Vermoegen sammeln, da
gab er zur Antwort: "Das werde ich nicht thun; denn sonst verlassen sie
sich nicht auf Gott und ihre Haende, sondern auf ihr Geld"[269]. Diesen
doch wohl allzu theologischen, ja moenchischen Standpunkt ergaenzte der
praktisch nuechterne Sinn Katharinas, welche gerade darauf aus war, ihren
fuenf noch unversorgten Kindern ein Erbe zu erwerben; denn sie erkannte
besser als wie Luther, dass nach dessen Tod die Gebefreudigkeit der
Fuersten und Freunde wohl abnehmen werde mit dem Wegfall der grossen
Vorteile, welche der lebendige Reformator seinem Land und seiner Stadt
und seinen Freunden verschaffte. So brachte sie es in der That zuwege,
dass den Kindern doch ein ganz ansehnliches Familiengut uebrig blieb[270].

"Das Lob eines tugendsamen Weibes"--nicht nur in der Bibel hat es Luther
uebersetzt, sondern auch bei Tisch und sonst oft angefuehrt und auf seine
Kaethe bezogen, so dass es--erweitert mit Zusaetzen--unter den Tischreden
steht, wie ein Lob auf seine Hausfrau: "Der Mann verlaesst sich auf sie
und vertraut ihr altes. Da wird's an Nahrung nicht mangeln. Sie arbeitet
und schafft gern mit ihren Haenden, zeuget ins Haus und ist wie ein
Kaufmannsschiff, das aus fernen Landen viel War' und Gut bringt. Fruehe
stehet sie auf, speiset ihr Gesinde und giebt den Maegden ihr beschieden
Teil. Sie denkt einem Acker nach und kauft ihn und lebt von der Frucht
ihrer Haende. Sie verhuetet Schaden und siehet, was Frommen bringt. Ihr
Schmuck ist, dass sie reinlich und fleissig ist"[271].




10. Kapitel

Haeusliche Leiden und Freuden.


Es war ein schwerer Haushalt, den Frau Kaethe zu fuehren hatte, wenn man
auch nur der wirtschaftlichen Sorgen in Haus und Hof, in Kueche
und Keller, im Garten und auf dem Felde gedenkt. Aber noch
bewunderungswuerdiger wird ihre Leistungsfaehigkeit, wenn man alle die
Menschen in Betracht zieht, die als Kinder und Gesinde, als Tisch- und
Hausgenossen taeglich und stuendlich Anspruch an ihre Fuersorge machen in
Wohnung und Kleidung, in Speise und Trank, in Erziehung und Zucht--ganz
abgesehen von den Gaesten und Freunden, die im Schwarzen Kloster ein und
ausgingen. Eine so ueberaus grosse Familie verursachte aber nicht nur viel
Muehe und Arbeit, sondern brachte auch einen mannigfaltigen Wechsel von
Freud und Leid ins Haus. So erlebte Frau Kaethe in wenigen Jahrzehnten
Krankheiten und Feste, Hochzeiten und Todesfaelle nach einander und oft
neben einander.

Gleich im zweiten Jahre ihres Ehestandes hatte die Doktorin schwere
Zeiten durchzumachen[272].

Frau Kaethe wurde durch einen heftigen Krankheitsanfall ihres Gemahls
erschreckt, wie sie es in dieser Heftigkeit noch nicht an ihm erlebt
hatte, wiewohl er schon mehrmals Schwindelanfaelle erfahren. Eine
entsetzliche Angst und Beklemmung ging dem Anfall voraus. Samstags 6.
August morgens fuehlte er am linken Ohr und Backen ein ungestuemes Sausen
und Brausen wie Windsbraut und Meeresbrandung, so graesslich und
unertraeglich, dass er es nur einer satanischen Einwirkung zuschreiben
konnte. Es ging gottlob rasch vorueber. Aber er fuerchtete, dies sei
vielleicht der Vorbote eines noch schwereren, toedlichen Anfalls, darum
schickte er um 8 Uhr seinen Diener Wolf zu seinem Beichtvater
Bugenhagen, dieser moege eilend kommen. Bugenhagen eilte erschrocken ins
Kloster, fand aber da den Doktor in "gewoehnlicher Gestalt" bei seiner
Hausfrau stehen. Warum er ihn habe rufen lassen? "Um keiner boesen Sache
willen", erwiderte Luther, ging mit ihm hierauf abseits, beichtete und
begehrte fuer den folgenden Tag zum Abendmahl zu gehen.

Mittlerweile war es schier Zeit geworden zum Mittagsmahl (d.h. um 10
Uhr). Und weil Luther und Bugenhagen von etlichen Adeligen, Max von
Wallefels, Hans von Loeser u.a. zu Gaste geladen war, forderte ihn
Bugenhagen auf, mitzukommen, indem er hoffte, die Zerstreuung sollte ihm
gut thun, wenn er nicht einsam daheim sitze, sondern mit Menschen
verkehre. Luther schlug es ab. Aber Bugenhagen steckte es hinter Frau
Kaethe, und diese brachte Luther dazu, hinzugehn in Paul Schultheiss'
Gasthof. Dort ass und trank er, aber sehr wenig, und unterhielt die Gaeste
mit angemessener Froehlichkeit. Um zwoelf Uhr stand er auf und ging in D.
Jonas Gaertlein hinter dem Hause und unterhielt sich da zwei Stunden mit
dem Stiftspropst. Beim Weggehen lud er Jonas und seine Frau ein, sie
sollten auf den Abend mit ihm essen.

Recht angegriffen kehrte Luther zurueck ins Kloster und legte sich ins
Bett, um sich zu erholen. Als um 5 Uhr die Jonischen kamen, lag er noch
und die Frau Doktorin bat die Gaeste, sich die Weile nicht lang sein zu
lassen, und so sich's ein wenig verzoege, es seiner Schwachheit
zuzurechnen.

Nach einer Weile kam der Doktor herunter, um die Abendmahlzeit gemeinsam
mit den andern zu halten. Er klagte wieder ueber grosses unangenehmes
Brausen und Klingen des linken Ohrs. Das wurde ueber Tisch heftiger, er
musste aufstehen und zog sich, begleitet von Jonas, hinauf in seine
Schlafkammer zurueck; die Doktorin folgte, hatte aber noch unten an der
Treppe den Maegden zu befehlen. Da, als Luther gerade ueber die Schwelle
der Schlafkammer trat, ueberkam ihn ploetzlich eine Ohnmacht: "O Herr
Doktor Jona", rief der Kranke, "mir wird uebel; Wasser her, oder was Ihr
habt, oder ich vergehe." Er sank leblos hin. Jonas erwischte erschrocken
und behend einen Topf mit kaltem Wasser und goss es dem Ohnmaechtigen ueber
Kopf und Ruecken. Er kam wieder zu sich und fing an zu beten.

Indem kommt auch die Doktorin hinauf; da sie nun sah, dass er so
hinfaellig und schier tot war, entsetzte sie sich sehr und rief laut den
Maegden. Dann schickte sie zum Hausarzt Dr. Augustin Schurf und zu dem
Hausfreund Bugenhagen. Mittlerweile zogen sie dem Kranken die Kleider
aus und legten ihn auf den Ruecken. Er war sehr matt und voellig kraftlos.
Frau Kaethe und Jonas rieben und kuehlten ihn, gaben ihm Labsal und
thaten, was sie konnten, bis der Arzt kam.

Da der Doktor so eiskalt und leblos war, so verordnete Schurf dem
Kranken warme Tuecher, Kleider und Kissen, die man immer ueber dem
Kohlenfeuer waermte, aufzulegen auf Brust und Fuesse, liess auch seinen Leib
reiben, troestete ihn auch und hiess ihn hoffen, es wuerde, ob Gott will,
auf diesmal keine Not haben. Dann kam auch um 6 Uhr Dr. Pommer, und die
Freunde mahnten den Patienten, er solle mit ihnen dafuer beten, dass er
moege leben bleiben, ihnen und vielen zum Trost. Da antwortete er: "Zwar
fuer meine Person waere Sterben mein Gewinn; aber im Fleische laenger
leben, waere noetig um vieler willen. Lieber Gott, Dein Wille geschehe."

Da aber die Ohnmacht wieder zunahm, betete er wieder um Erbarmen. Dann
sagte er zu seiner Hausfrau: "Meine allerliebste Kaethe, ich bitte Dich,
will mich unser lieber Gott auf diesmal zu sich nehmen, dass Du Dich in
seinen gnaedigen Willen ergebest. Du bist mein ehrlich Weib, dafuer sollst
Du Dich gewiss halten und gar keinen Zweifel daran haben. Lass die blinde,
gottlose Welt darueber sagen, was sie will; richte Du Dich nach Gottes
Wort und halte fest daran, so hast Du einen gewissen bestaendigen Trost
wider den Teufel und all seine Laestermaeuler."

Dann fragte er nach seinem Soehnlein: "Wo ist denn mein allerliebstes
Haensichen?" Da das Kind gebracht wurde, lachte es den Vater an. Da
sprach er: "O Du gutes armes Kindlein! Nun ich befehle meine
allerliebste Kaethe und Dich armes Waislein meinem lieben, frommen,
treuen Gott. Ihr habt nichts, Gott aber, der ein Vater der Waisen und
Richter der Witwen ist, wird Euch wohl ernaehren und versorgen."

Darauf redete er weiter mit seiner Hausfrau von den silbernen Bechern:
"Die ausgenommen weisst Du, dass wir sonst nichts haben." Ueber dieser und
andern Reden ihres Herrn war die Doktorin hoch erschrocken und betruebt.
Doch liess sie sich nicht merken, wie gross Leid ihr geschah, dass sie
ihren lieben Herrn dergestalt so jaemmerlich da vor Augen liegen sah,
sondern sie stellte sich getrost und sprach: "Mein liebster Herr Doktor!
Ist's Gottes Wille, so will ich Euch bei unserm lieben Herrn Gott lieber
denn bei mir wissen. Aber es ist nicht allein um mich und mein liebes
Kind zu thun, sondern um viel frommer, christlicher Leute, die Euer noch
beduerfen. Wollet Euch, mein allerliebster Herr, nicht bekuemmern; ich
befehle Euch seinem goettlichen Willen, ich hoff und trau zu Gott, er
werde Euch gnaediglich erhalten."

Bald fuehlte der Kranke Besserung, die Schwaeche liess nach und der Doktor
meinte, wenn der Patient nur schwitzen koennte, so sollte es durch Gottes
Gnade fuer diesmal keine Not mehr mit ihm haben.

Da gingen die drei Maenner, um ihm Ruhe zu goennen, hinab in den Saal zur
Abendmahlzeit und hiessen die Frauen stille sein. Der Patient geriet
wirklich in Schweiss. Der Arzt sah spaeter wieder nach dem Kranken und
erklaerte die Gefahr vorbei. Dann kamen auch die Freunde, begruessten den
Genesenden, wuenschten ihm "Selige Nacht" und gingen nach Hause.

Zwar dauerte das Ohrenbrausen am Sonntag noch fort; am Abend aber konnte
der Doktor aufstehen und mit den Freunden das Abendmahl halten. Das
koerperliche Leiden war so bald gehoben; aber die "geistige Anfechtung",
wie Luther sagt, warf ihn noch eine ganze Woche in "Tod und Hoelle"
umher, so dass er zerschlagen an allen Gliedern bebte.

Kaum war dieser Schrecken vorbei, so nahte eine neue und viel laengere
Heimsuchung: die Pest, die damals ganz Deutschland durchzog, kam auch
nach Wittenberg. Alles was konnte, floh aus der Stadt; die Universitaet
wurde nach Jena verlegt; Luther aber blieb zurueck als Mann, Seelsorger
und Lehrer und seine treue Gattin mit ihm. Er war immer des Glaubens,
die Angst sei die schlimmste Seuche, die Haelfte der Leute stuerben an
Furcht davor, nicht an der Pest selbst. Er hielt es fuer einen "Spuk des
Teufels", dem er trotzen muesse, waehrend der Boese sich freue, die
Menschen so zu aengstigen und die Universitaet zu sprengen, die er nicht
umsonst so hasse. Er bleibe gerade wegen der ungeheuren Angst des
Volkes. Er ging ohne Scheu zu den Pestkranken: die Frau des
Buergermeisters Thilo Dene starb fast in seinen Armen; und andere
Pestverdaechtige nahm er in sein Haus. Dagegen war, scheint's aus Furcht
vor der Pest, Elsa von Kanitz, welche in Wittenberg Maedchenlehrerin
werden und bei Luther wohnen sollte, nicht aufgezogen; an ihrer Statt
aber wohnte nun Fraeulein Magdalene von Mochau im Klosterhause[273].

Die Seuche brach in den Winkeln aus, kam aber bald ans
Elsterthor-Viertel, wo der Pestkirchhof lag[274]; zuerst wurde die
Umgebung angesteckt, so das Haus des naechsten Nachbarn, des D. Schurf
und endlich auch das Schwarze Kloster. Das wurde jetzt gerade ein
Spital, denn Luther nahm die kranke Frau Dr. Schurf, Hanna, herueber. Die
von Mochau bekam die wirkliche Pest. Die Frau des Kaplan (Diakonus)
Roehrer, eines von Luther hochgeschaetzen Amtsgenossen, starb (am 2. Nov.)
daran bei ihrer Entbindung samt dem Kinde. Und Bugenhagen fluechtete
deshalb mit seiner Familie aus dem Pfarrhaus in das Schwarze Kloster.
Zwei Pflegetoechter von Kaethe erkrankten und auch der kleine Hans war vom
Zahnen so mitgenommen, dass er mehrere Wochen nichts ass und allein mit
Fluessigkeit ernaehrt wurde, so dass er nur sehr langsam wieder zu Kraeften
kam. Dazu war Luther selbst noch immer eine lange Zeit (Juli bis
November) vom Unwohlsein geplagt, besonders mit Blutandrang nach dem
Kopf und infolge dessen von Schwermut, oder wie er sagte, vom Satan
angefochten und sehr entkraeftet. Schliesslich kam die Krankheit noch in
die Staelle und es fielen fuenf Schweine. Die Bauern brachten der Stadt
keine Zufuhr, so dass eine Teurung entstand und der Scheffel Mehl 5
Groschen galt, eine Gans 2 Groschen[275].

Nur Kaethe hielt sich aufrecht in alt dieser Not, "tapfer im Glauben und
gesund am Koerper", und doch war sie ihrer Entbindung nahe. Sie pflegte
Mann und Kind, Nichten und Gaeste. Den Diakonus Roehrer mit seinem
Knaeblein Paul, welches nach der Mutter schrie, nahm Kaethe auch noch auf,
und Luther lud noch Jonas dringend zum Besuch ein, als es ein wenig
besser ging. Die von Mochau wurde in dem gewoehnlichem Winterzimmer
(Wohnzimmer) eingeschlossen, Frau Hanna war in Katharinas Kemenate
(heizbarem Zimmer), Haenschen im Studierzimmer, der Doktor und die
Lutherin weilten in der vorderen grossen Aula. Schliesslich wurde der
"Mochau" die Beule aufgeschnitten, und nachdem das Gift heraus war, ging
es besser. Endlich, Mitte November, wich die Krankheit. Die Eheleute
waren froh, dass der boese Geist der Pest nur in die Saeue gefahren war und
sie mit diesem Opfer sich loskauften. Haenschen war wieder frisch und
munter, Hanna genas und die Mochau entrann mit Muehe dem Tode; auch
Luthers Zustand und Stimmung wurde besser, namentlich als die
Universitaet allmaehlich wiederkehrte und er seine gewohnte Lehrtaetigkeit
wieder beginnen konnte[276].

In dieser Zeit (am 10. Dezember) kam nun Kaethe nach schmerzlichen Wochen
mit ihrem Toechterchen Elisabeth nieder, gerade als der Gemahl von einer
Vorlesung heimkehrte. Die vorausgegangenen Strapazen hatten doch ihre
Spuren hinterlassen, und die Mutter war recht angegriffen. Aber schon zu
Weihnachten wurde im Lutherhaus Verlobung gefeiert; die Hanna von Sala
wurde dem Petrus Eisenberg, einem braven Mann aus guter Familie,
Leut-Priester in Halle, anverlobt; schon am Neujahrstag war die
Hochzeit, und die kaum vom Wochenbett erstandene Hausfrau hatte schon
wieder diese froehliche Unmusse durchzumachen[277].

Das neue Jahr (1528) war ein gesundes und im ganzen glueckliches, Luther
und Kaethe lebten wieder frisch auf. Sie brachten am 15. Mai wieder eine
Verlobung zustande, zwischen dem verwitweten Kaplan D. Georg Roehrer und
ihrer Pflegetochter Magdalene von Mochau. Die Hochzeit sollte froehlich
am Tag nach Laurenzi (11. August) gefeiert werden. Aber da kam Leid vor
die Freude: am 3. August starb "Elslein" und von dem lieben Toechterlein,
dessen Ankunft die gluecklichen Eltern den Freunden in zahlreichen
Briefen angekuendet hatten, mussten sie jetzt, gar wehmuetig und weich
gestimmt, wieder ihr Abscheiden in die ewige Heimat melden. "Es war ein
grosses Herzeleid; denn es starb ein Stueck an des Vaters und ein Teil
von der Mutter Leibe"[278].

Die durch Tod und Verheiratung in die Hausgenossenschaft gerissenen
Luecken wurden bald reichlich ausgefuellt. Im Mai des folgenden Jahres
erschien das kleine Lenchen im Schwarzen Kloster. Auf gar wunderbare
Weise entkam die Herzogin Ursula von Muensterberg, die Base des Herzogs
Georg aus dem Kloster Freiburg samt zwei andern buergerlichen
Klosterjungfrauen, von denen die eine ihr reiches Vermoegen im Stiche
liess, um der Armut Christi zu folgen. Die drei fluechteten nach
Wittenberg in die Freistaette des Lutherhauses: keinen Kreuzer brachten
sie mit, wohl aber den Hass des Herzogs und Verlegenheit fuer Luthers
Landesherrn[279].

Das war im Herbst 1528. Zu Ostern 1529 hatte Frau Kaethe wieder eine
Hochzeit auszurichten: dem Pfarrer Bruno Brauer zu Dobin, dessen Braut
natuerlich auch schon ein paar Tage vorher sich im Hause aufhielt.
Amsdorf wird dazu eingeladen und wird ersucht, sich nicht mit Eisen und
Schwert, sondern mit Gold und Silber und Ranzen zu umguerten, denn ohne
Geschenk komme er nicht los. Im Sommer verlobten die beiden Ehegatten
den Professor der Medizin Milich mit Susanna von Muschwitz, der
Schwester von Frau D. Schurf[280].

Waehrend dieser Zeit war der Hausherr vielfach abwesend auf der
Visitation des Kurkreises, welche Luther mit dem Stadthauptmann Herrn
Metsch, dem Edlen Hans von Taubenheim und dem Rechtsgelehrten Benedikt
Pauli vorzunehmen hatte. Dazu kam die Reise nach Marburg zum
Religionsgespraech mit Zwingli (1529).

Von Marburg stammt auch der erste Brief des Doktors an seine Ehefrau,
der erhalten geblieben ist. Er lautet[281]:

"Gnad und Fried in Christo!

Lieber Herr Kaethe!

Wisset, dass unser freundlich Gespraech zu Marburg ein Ende hat, und seynd
fast in allen Stuecken eins worden, ohne dass der Widerteil (Gegenpartei)
wollen eitel Brot und Wein im Abendmal behalten und Christum geistlich
darinnen gegenwaertig bekennen. Heute handelt der Landgraf, ob wir
koennten eins werden, oder doch gleichwohl, so wir uneins blieben,
dennoch (als) Brueder und Christi Glieder unter einander uns halten. Da
arbeit der Landgraf heftig. Aber wir wollen des Bruedern und Gliederns
nicht; friedlich und Guts wollen wir wohl....

Sage dem Herrn Pommer, dass die besten Argument seind gewesen des
Zwingli, dass corpus non potest esse sine loco: ergo Christi corpus non
est in pane; des Oecolampadii: dies sacramentum est Signun corporis
Christi. Ich achte, Gott habe sie verblendet, dass sie nichts haben
muessen fuerbringen.

Ich habe viel zu thun und der Bot eilet. Sage allen gute Nacht und
bittet fuer uns. Wir seind auch alle frisch und gesund und leben wie die
Fuersten. Kuesst mir Lensgen und Haensgen.

E. williger Diener

Martin Luther.

Ins folgende Jahr (1530), zur Zeit des Augsburger Reichstags, faellt der
lange halbjaehrige Aufenthalt Luthers auf der Koburg (April bis Oktober).
Er reiste mit dem Kurfuersten Johann und Kanzler Brueck und den
Wittenberger Theologen, Melanchthon und Jonas ab und nahm seinen Famulus
Veit Dietrich mit. Kaethe konnte ihren Gatten nicht ohne Sorge zum
Reichstag scheiden sehen; denn bei seiner Abreise glaubte man, dass auch
Luther nach Augsburg selbst gehe, also mitten in die Reihe seiner
Feinde. Bald erhielt sie die Nachricht, dass ihr Gatte, eben um seine
Gegner, und namentlich den Kaiser, in dessen Acht er war, nicht zu
reizen, in der suedlichsten Stadt des Kurfuerstentums bleibe, auf der
Feste Koburg, und zwar einigermassen in Verborgenheit, aehnlich wie auf
der Wartburg. Er wurde morgens vor Tagesanbruch, samt seinem Famulus
Veit Dietrich, dahin gebracht; er liess sich da den Bart wachsen und dazu
schickte ihm auch noch ein Freund, Abt Friedrich aus Nuernberg, ein
Schwert. Also musste Frau Kaethe in die "Einoede Gruboc" allerlei Dinge
schicken, Buecher und Papier fuer allerlei Schriften, und empfahl ihren
Gemahl der Fuersorge der Kastellanin[282]. Freilich war vortrefflich fuer
den Einsiedler auf seinem Sinai gesorgt, die erste Fruehlingszeit mit
Dohlenschwarm, Kuckuck und Nachtigall stimmte froehlich; Veit Dietrich
wachte sorgfaeltig darueber, dass Luther keinen Diaetfehler begehe und
veranlasste ihn gar zum Armbrustschiessen auf Fledermaeuse. Auch an
Besuchen fehlte es nicht, so dass er schliesslich klagte: "Die Wallfahrt
will zu gross werden hierher"[283]. Aber Luther litt bei der ungewohnten
Musse doch wieder an seinem alten Leiden: Fluss am Bein, Kopfweh und
Schwindel, und infolgedessen "Anfechtungen" des Satans, so dass er sich
schon ein Oertlein fuer ein Grab aussuchte und meinte, unter dem Kreuz in
der Kapelle werde er wohl liegen. Davon meldete zwar der Doktor an seine
besorgte Ehehaelfte kein Woertlein; er schrieb vielmehr sie neckend: "Sie
wollen (in Augsburg) schlechterdings die Moenche und Nonnen wieder im
Kloster haben"[284]. Aber sie ahnte es doch, oder erfuhr es auf Umwegen
von den Freunden, denen er sein Leiden klagte, oder durch die Boten, die
vorbei kamen. Darum schickte sie ihm nicht nur Lenchens Bild, sondern
auch seinen Neffen Cyriak in Person samt seinem Praezeptor. Boten mit
Briefen und Auftraegen gingen fleissig hin und her: so bestellte Frau
Kaethe durch Luther Pomeranzen bei Link in Nuernberg, weil es keine in
Wittenberg gebe, und sie erfuhr zeitig und ausfuehrlich, wie es auf
Koburg und in Augsburg ging, wo der Kaiser sich barsch benahm und
Melanchthon gar aengstlich war. Wenn aber zu Wittenberg Sonntags in der
Kirche fuer gluecklichen Ausgang des Augsburger Reichstages und fuer die
abwesenden Theologen gebetet wurde, da war Frau Luther wohl von allen
Kirchgaengerinnen die andaechtigste; und zu Mittags bei Tisch mit ihren
Tischgesellen und Kinderlein und abends im Kaemmerlein allein hat sie fuer
den teuren Mann in der Ferne gefleht, wie er's in jedem Briefe
erbittet[285].

Einige Briefe Luthers von der Koburg an seine Hausfrau sind erhalten; so
kam um Pfingsten einer[286]:

"Gnad und Friede in Christo.

Liebe Kaethe! Ich hab, acht ich, Deine Briefe alle empfangen. So ist dies
der vierte Brief, den ich Dir schreibe heut dass Er Johann von hinnen
gegangen ist. Lenchen Konterfeit hab ich mit der Schachtel auch. Ich
kannte das H---- zuerst nicht, so schwarz deucht mir's (zu) sein. Ich
halte, wo Du es wilt absetzen von Woehnen (d.h. entwoehnen), das gut sei
weilinger Weise, also dass Du ihr zuerst eines Tages einmal abbrechest,
darnach des Tages zweimal, bis es also saeuberlich ablaesst. Also hat mir
Georgen von Grumbachs Mutter, Frau Argula, geraten. Die ist hier bei uns
gewest und hat mit mir gessen. Hans Reinicke von Mansfeld auch und
George Roemer, dass wir muessen an einen andern Ort; es will zu gemeiner
Wallfahrt hieher werden.

Sage Meister Christannus[287], dass ich meins Tage schaendlichere Brillen
nicht gesehen habe, denn die mit seinem Briefe (ist) kommen. Ich konnt
nicht ein Stich dadurch sehen. So ist mir auch der Brief an Kunzen Vater
nicht geworden. Auch bin ich nicht zu Koburg, (d.h. ich will nicht da zu
finden sein); kann ich aber sonst dazu thun, will ich's nicht lassen. Du
sollst aber gleichwohl Deine Briefe dem Kastner, (Schlossverwalter)
[646], lassen zustellen; der wird sie mir wohl schaffen.

Man beginnt zu Nuernberg und Augsburg zu zweifeln, ob etwas aus dem
Reichstag werde. Der Kaiser verzeucht noch immer in Inspruck. Die
Pfaffen haben etwas vor und gehet mit Kraeutern zu. Gott gebe, dass sie
der Teufel besch---- Amen.

Lass den Herrn Doctor Pommer den Brief an D. Wencels lesen.

Eilend. Der Bote wollt nicht harren. Gruesse, kuesse, herze und sei
freundlich allen, jeden nach seinem Stande.

Am Pfingsttag fruehe, 1530.

Martin Luther.

Meiner herzlieben Hausfrauen Katharin Lutherin zu Wittenberg zu handen."

Zu Wittenberg machte damals der Festungsbau den Einwohnern, namentlich
auch der Familie Jonas, viel Verdruss und Aufregung; das Kloster blieb
einstweilen noch verschont.

Waehrend Luthers Abwesenheit waren im Klosterhause Hieronymus Weller als
Praezeptor des kleinen Haeuschens. Hieronymus war aber ein von Schwermut
geplagter Mann, und es wurde darum dankbar begruesst, dass auch sein Bruder
Peter ins Haus zog, der Praezeptor von Luthers Neffen, Polner. Auch der
wuerdige D. Pommer (Bugenhagen) kam ab und zu ins Schwarze Kloster, um
Frau Kaethe zu beraten, und Frau Jonas, die allezeit froehliche, muntere
Gattin des in Augsburg abwesenden Stiftspropstes, welche freilich
damals ihr zweites Soehnlein bald nach der Geburt verlor[288]. Mit hohem
Interesse wurden Luthers Schreiben empfangen und mit vieler Freude im
Kreise der zurueckgebliebenen Freunde vorgelesen. Grossen Jubel bei den
Tischgesellen erregte ein humorvoller Brief Luthers vom "Reichstag der
Dohlen und Kraehen", dem lustigen Abbild des Augsburger Reichstags. Da
wird gar ergoetzlich geschildert das Ab- und Zureiten "der Malztuerken",
ihr Scharwaenzen und Turnieren, ihr "Kecken" und Kriegsrat wider Korn und
Weizen. Und welche Freude erst war's, als goldene Fruehaepfel aus Nuernberg
mit dem Boten von Koburg fuer die Tischgesellschaft ankamen! Wie
leuchteten aber erst die Augen der Kleinen und seiner Gespielen ueber den
herzigen Maerchenbrief Luthers an sein "liebes Soehnichen Johannes" von
dem schoenen Paradiesesgarten. Wie hat sich da die Mutter gefreut und
Muhme Lene und des Jonas Jost und Melanchthons Lips, die auch in den
Garten kommen sollten, und der "Gruss und Putz" wird der Muhme Lene von
dem kleinen Hans ausgerichtet worden sein. Haenschen war ein braver Bub
und wird von seinem Praezeptor wegen seines Fleisses und Eifers
gelobt[289].

Aber auch ernste Briefe kamen von Koburg an, welche Frau Kaethe und die
Theologen interessierten und im Lutherhaus gemeinsam gelesen wurden,
oder auch unter den Freunden umliefen. Allerdings seine schwersten
Sorgen und Schmerzen schrieb Luther nicht darin, aber allerlei Anliegen
wegen der Zoeglinge und an seine Buchdrucker Schirlenz, Weiss und Rau. So
kamen vom 14. und 15. August mit einem Boten zwei Episteln an seine
"herzliebe Hausfrau"[290].

"Gnade und Friede in Christo.

Meine liebe Kaethe! Dieser Bote lief eilend vorueber, dass ich nichts mehr
schreiben konnte, nur dass ich ihn nicht wollte ohne meine Handschrift
gehen lassen. Du magst Herr Johann Pommern und allen sagen, dass ich bald
mehr schreiben will. Wir haben noch nichts von Augsburg, warten aber
alle Stunden auf Botschaft und Schrift. Aus fliegenden Reden haben wir,
dass unsers Widerparts Antwort soll oeffentlich gelesen sein; man habe
aber den Unsern keine Abschrift wollen geben, dass sie darauf antworten
moechten. Weiss nicht, ob's wahr ist. Wo sie das Licht so scheuen, werden
die Unsern nicht lange bleiben. Ich bin seit Lorenzentag recht gesund
gewesen und habe kein Sausen im Kopf gefuehlt; das hat mich fein lustig
gemacht zu schreiben, denn bisher hat mich das Sausen wohl zerplaget.

Gruesse alle und alles; ein andermal weiter. Gott mit euch. Amen. Und
betet getrost: es ist wohl angelegt, und Gott wird helfen.

Gegeben am Sonntage nach Lorenzentag, Anno 1530."

Der Brief war kaum geschrieben, so kam weitere Nachricht von Augsburg.
Luther behielt deshalb den Boten bei sich ueber Nacht und fuegte am andern
Tage noch folgendes hinzu:

"Gnad' und Fried in Christo.

Meine liebe Kaethe! Als ich den Brief hatte zugemacht, kamen mir diese
Briefe von Augsburg: da liess ich den Boten aufhalten, dass er sie mit
sich naehme. Daraus werdet ihr wohl vernehmen, wie es zu Augsburg mit
unsrer Sache steht, fast wie ich im andern Brief geschrieben habe. Lass
Dir sie Peter Weilern lesen oder Herrn Johann Pommer[291]. Gott helfe
weiter, wie er gnaediglich angefangen hat, Amen.

Jetzt kann ich nicht mehr schreiben, weil der Bote so wegfertig da sitzt
und harret kaum. Gruesse unsern lieben Sack.

Ich habe Deinen Brief an die Kaestnerin (die Kastellanin vom Koburger
Schloss) gelesen, und sie dankt Dir sehr. Hans Polner habe ich Peter
Wellern befohlen: siehe zu, dass er sich gehorsamlich halte. Gruesse Hansen
Luthern und seinen Schulmeister; dem will ich bald auch schreiben. Gruesse
Muhme Lenen und allesamt. Wir essen hier reife Weintrauben, wiewohl es
diesen Monat hieraussen sehr nass gewesen ist. Gott sei mit euch allen,
Amen.

Aus der Wuesten, am Tage Maria Himmelfahrt 1530.

Mart. Luther.

Wie verdreusst mich's, dass unsere Drucker so schaendlich verziehen mit den
Exemplaren[292]. Ich schicke solch Exemplar darum hinein, dass sie bald
sollen fertig werden--da machen sie mir ein Lagerobst draus. Wollt' ich
sie so liegen haben, ich haette sie wohl hier bei mir auch wissen zu
halten. Ich hab' Dir geschrieben, dass Du den Sermon, wo er nicht
angefangen, von Schirlenz nehmen und Georgen Rau geben solltest. Ich
kann doch wohl denken, dass Schirlenz sein gross Exemplar kaum zu verlegen
hat mit Papier. Ist das nicht geschehen, so schaffe, dass es noch bald
geschehe und der Sermon aufs foerderlichste gefertigt werde."

Die Abwesenheit des Doktors zoegerte sich gar lange hinaus: es wurde
Sommer und wurde Herbst und der Doktor war noch nicht da. Mit Sehnsucht
wurde er erwartet und voll Sehnsucht schrieb er nach Hause. So um "Maria
Geburt"[293]:

"Gnade und Friede in Christo.

Meine liebe Kaethe! Dieser Bote lief eilend vorueber, dass ich nicht viel
schreiben konnte. Hoffe aber, wir wollen schier selbst kommen; denn
dieser Bote bringt uns von Augsburg Briefe, dass die Handlung in unsrer
Sache ein Ende habe und man nur wartet, was der Kaiser schliessen und
urteilen wird. Man haelt's dafuer, dass es werde alles aufgehoben auf ein
kuenftig Konzilium; denn der Bischof zu Mainz und Augsburg halten noch
fest, so wollen der Pfalzgraf, Trier und Coeln nicht zum Unfrieden oder
Krieg willigen. Die andern wollten gern wueten und versehen sich, dass der
Kaiser mit Ernst gebieten werde. Es geschehe, was Gott will: dass nur des
Reichstags ein Ende werde! Wir haben genug gethan und erboten; die
Papisten wollen nicht ein Haarbreit weichen; damit wird einer kommen,
der sie lehren soll weichen und raeumen.

Mich wundert, warum Hans Weiss den Psalm nicht hat genommen. Ich haett'
nicht gemeint, dass er so ekel waere, ist's doch ein koestlich Exemplar.
Schicke hier denselbigen vollends ganz mit und goenn' ihn Georgen Rau
wohl. Gefaellt das Exemplar Herrn Johann Pommern und Kreuzigern, so lass
immerhin drucken. Es ist doch nichts, dass man den Teufel feiert.

Wer Dir gesagt hat, dass ich krank sei, wundert mich sehr, und Du siehest
ja die Buecher vor Augen, die ich schreibe. So hab' ich ja die Propheten
alle aus, ohne den Ezechiel, darin ich jetzt bin und im Sermon vom
Sakrament, ohne was sonst des Schreibens mit Briefen und anders mehr
ist. Ich konnte jetzt nicht mehr vor Eilen schreiben. Gruesst alle und
alles.

Ich hab' ein gross schoen Buch von Zucker fuer Hansen Luther, das hat
Cyriakus von Nuernberg gebracht aus dem schoenen Garten. Hiemit Gott
befohlen und betet.

Mit Polner mach's nach Rat des Pommers und Kellers.

Aus der Wuesten, am 8. September 1530."

Als aber die Herren endlich wieder heimkehrten, samt Veit Dietrich,
Peter Weller und dem jungen Cyriak, der mit seinem Lehrer das Schauspiel
des Reichstag in Augsburg und die beruehmte Stadt Nuernberg hatte besuchen
duerfen, da war ein Erzaehlen am Eichentisch im Wohnzimmer und unten im
Hof unterm Birnbaum, waehrend der vierjaehrige Studiosus Hans sich an
seinem Nuernberger Zuckerbuch erlustierte.

Ruhiger gingen die folgenden Jahre hin. Freilich wiederholten sich die
beaengstigenden Schwindelanfaelle beim Doktor, so dass er im Herbst 1531
eine Erholungsreise zu Gevatter Hans Loeser nach Schloss Pretzsch machte,
um durch die Bewegung das Sausen loszuwerden. Da ging er viel spazieren,
fuhr auch zur Jagd[294].

Von Mansfeld waren auch die Grosseltern einigemal nach Wittenberg
heruebergekommen, obwohl das keine kleine Reise war; da schickte der
Stadtrat "Doktoris Martini Vater" einen Ehrentrunk. Dann herrschte grosse
Freude im Kloster und der Doktor konnte eine Vergleichung anstellen
zwischen seiner harten Jugend und der Zaertlichkeit der alten Leute gegen
die Enkel und merken, dass die Grosseltern ihre Kindeskinder lieber haben
als ihre eigenen Kinder. Als im Anfang 1530 Bruder Jakob von Mansfeld
schrieb, der Vater waere "faehrlich krank", waere Luther aus der Massen gern
selbst kommen; aber er durfte es dorthin der Bauern und des Adels wegen
nicht wagen. Aber grosse Freude sollt es ihm sein, schrieb er, wo es
moeglich waere, dass der Vater samt der Mutter sich liesse herbeifuehren nach
Wittenberg, was auch "Kaethe mit Thraenen begehrte", in der Hoffnung, sie
aufs beste zu warten. Dazu wurde Cyriak in seine Vaterstadt abgefertigt,
zu sehen, ob das moeglich waere. Aber die alten Leute konnten sich
begreiflicherweise nicht zu diesem Umzug entschliessen. Und nicht lange
darauf, als Luther auf der Koburg sass, starb der Vater. Im Sommer des
folgenden Jahres erkrankte die Grossmutter. Das erregte grosses Leid in
der Familie; Luther schrieb inmitten der Kinderschar einen Trostbrief:
darin schildert er gar anschaulich das echt kindliche Benehmen der
beiden eigenen Kinder und der andern Enkel, welche im Klosterhause
lebten: "Es bitten fuer Euch alle Eure (Enkel-) Kinder und meine Kaethe;
etliche weinen, etliche essen und sagen: Die Grossmutter ist sehr krank."
Am 30. Juni schied auch sie vom Leben[295].

Von den Enkeln hatten freilich die Grosseltern hoechstens die drei ersten
gesehen: Hans, Elisabeth und Lenchen. Erst nach ihrem Tode kam der
vierte auf die Welt am Vorabend von Luthers Geburtstag und bekam deshalb
den Namen Martin. Es war gerade zur Zeit als die Bauern, wie man ihnen
nachsagte, eine kuenstliche Teuerung zu stande brachten. Fuenfviertel
Jahre spaeter (am 28. Januar 1533) stellte sich Paul ein und endlich am
Ausgang des folgenden Jahres das Juengste, Margarete. Schon 1533 war der
siebenjaehrige Erstgeborne--gewiss nur, wie andre Professorensoehne, der
Ehre halber--bei der Universitaet als akademischer Buerger angenommen
worden, zugleich mit seinen Vettern Fabian und Andreas Kaufmann[296].

In diesem Jahre 1533 war Luther wieder einen ganzen Monat krank an
Kopfleiden[297].

Im Februar 1534 kam seine Schwester zu Besuch nach Wittenberg. Da
tischte Frau Kaethe fuer die Schwaegerin koestlich auf und liess Hechte
kommen aus den kurfuerstlichen Teichen[298].

Seitdem Johann Friedrich Kurfuerst geworden, war Luther gar oft zu dem
ihm vorher schon sehr befreundeten neuen Landesherrn allein oder mit
andern Theologen nach Torgau geladen, wo er predigte, disputierte und
bei Tisch in ernstem und froehlichem Gespraech verblieb. Von dort sandte
der Doktor auch einmal an "seinen freundlichen lieben Herrn, Frau
Katharina von Bora, D. Lutherin zu Wittenberg" einen heiteren
Brief[299]:

"Gnade und Friede in Christo.

Lieber Herr Kaethe! Ich weiss Dir nichts zu schreiben, weil Magister
Philipps samt den andern selbst kommen. Ich muss laenger hier bleiben, um
des frommen Fuersten willen. Du magst denken, wie lange ich hier bleiben
werde, oder wie Du mich los machst. Ich halt', M. Franciscus wird mich
wieder los machen, wie ich ihn losgemacht habe, doch nicht so balde.

Gestern hatt' ich einen boesen Trunk gefasst, da musst' ich singen. Trink'
ich nicht wohl, das ist mir leid und thaet's so recht gerne, und hab
gedacht, wie gut Wein und Bier hab' ich daheime, dazu eine schoene Frauen
oder (sollt' ich sagen) Herrn. Und Du thaetest wohl, dass Du mir
hinueberschicktest den ganzen Keller voll meines Weines und eine Flaschen
Deines Biers, so oft Du kannst. Sonst komme ich vor dem neuen Bier nicht
wieder. Hiermit Gott befohlen samt unsern Juengern und altem Gesinde,
Amen.

Mittwoch nach Jakobi, 1534.

Dein Liebchen

Mart. LutheR, D."

Im Jahre 1535 kam der paepstliche Gesandte Kardinal _Vergerius_ durch
Wittenberg; mit glaenzendem Gefolge, zwanzig Pferden und einem Esel zog
er ins Schloss und liess Luther dahin einladen. Der liess sich schoen
schmuecken, haengte eine goldene Kette um und fuhr mit Bugenhagen, als der
deutsche Papst mit Kardinal Pomeranus, ins Schloss, wo er dem Legaten
gegenueber, wie er sich vorgenommen hatte, den rechten Luther spielte. Da
erzaehlte er auch dem Kirchenfuersten, um ihn zu aergern, von seiner Frau,
der ehrwuerdigen Nonne, und seinen fuenf Kindern, von denen der
Erstgeborene hoffentlich ein grosser evangelischer Theologe werden wuerde
[300].

Waehrend dieser Zeit waren mancherlei Veraendernden im Kreise der
Lutherschen Hausgenossen eingetreten. Natuerlich wechselte von Jahr zu
Jahr die Tafelrunde der jugendlichen Kostgaenger durch Abgang oder Zugang
zur Schule. Aber es starb auch einmal ein Schueler. So aus Nuernberg Hans
Zink Ostern 1531. Er war allen ein gar lieber Bube, sonderlich dem
Hausvater, indem er den Discant bei der abendlichen Hausmusik sang; aber
auch weil er fein still und zuechtig (sittsam) und im Studium sonderlich
fleissig war, so dass allen gar wehe geschehen ist durch seinen Abscheid.
Frau Kaethe sparte zu seiner Pflege nichts an Fleiss, Sorge und Arzenei,
um das fremde liebe Kind wo nur moeglich zu retten und zu erhalten. Aber
die Krankheit wurde uebermaechtig ueber die Pflege, und der Knabe ist Gott
noch viel lieber gewesen als den Lutherschen, der hat ihn wollen haben.
Das meldete Luther im Trauer- und Trostbrief den betruebten fernen
Eltern. Auch spaeter kamen solche Sterbefaelle noch vor; ja es starben
Ostern 1544, als in Wittenberg die Masern grassierten und auch Luthers
Kinder alle daran darniederlagen, auf einmal zwei Zoeglinge, ein
wohlgeschickter Knabe aus Lueneburg und ein Strassburger. Das war keine
kleine Verantwortung, welche Luther und besonders Kaethe zu tragen hatte.
Das juengste, Margaretlein, hatte als Nachwehen 10 Wochen ein schweres
hitziges Fieber und kaempfte noch vor Weihnachten um Gesundheit und Leben
[301].

Der Diener Johannes Nischmann, der mehrere Jahre der Familie treulich
und "fleissig gedienet, dem Evangelium gemaess sich demuetig gehalten und
alles gethan und gelitten", zog Lichtmess 1534 aus dem Schwarzen Kloster
mit 5 fl. Lohn und einem guten Zeugnis. Von einem andern dagegen ging
ein boeses Geschrei aus, dass er sich von einem wenig achtbaren Maedchen
haette verfuehren lassen[302].

Schmerz und Verdruss bereiteten den Lutherischen Eheleuten in dieser Zeit
aber auch ihre Verwandten.

Zunaechst Katharinas Brueder. Da war Hans aus Preussen heimgekehrt, um das
Gut Zulsdorf zu uebernehmen, hatte eine Witfrau des von Seidewitz, eine
geborene Marschall, mit einem oder mehrern Kindern geheiratet[303]; er
konnte aber von dem Guetchen nicht recht leben und seinen Dienst am
preussischen Hofe auch nicht mehr erhalten--und seine Ehe soll auch nicht
gluecklich gewesen sein. Daher musste Kaethe ihren Gatten um manche
Bittschrift fuer ihn angehen. Ebenso machte Bruder Clemens Sorge, welcher
gleichfalls in Preussen wegen Beteiligung an einer Schlaegerei seine
Stelle bei Hof verlor und, wie es scheint, nicht mehr in "vorigen Stand
kommen" konnte, trotz der Fuerbitte der evangelischen Bischoefe von
Samland und Pomesan an den Herzog, ihn wieder zu Gnaden anzunehmen,
"damit er D. Martino und seiner geliebten Hausfrau nicht eine Betruebnis,
dazu Schimpf und Spott sei und also im Land hin und wieder und endlich
hinaus ziehet". Der Herzog "wolle ihn doch mit einem Klepper und
Zehrung und gnaediger Fuerschrift an den Kurfuersten von Sachsen
abfertigen"[304].

Naeher noch gingen den beiden Ehegatten allerlei Erlebnisse mit den
Kindern im Hause, den eignen und noch mehr den fremden.

Mit der Anzahl der Kinder wuchs auch die Erfahrung der jungen Eheleute
in der Zucht und Erziehung. Zu Anfang, als einmal eines der jungen
Kindlein schrie und weinte, dass es niemand stillen konnte, waren Kaethe
sowohl wie Luther eine ganze Stunde traurig und bekuemmert. Spaeter
erkannten sie und der Vater sprach es aus: "Wenn junge Kinder recht
schreien, so wachsen sie wohl; denn durch Schreien dehnen sich die
Glieder und Adern auseinander, weil sie sonst keine andere Uebung haben,
sich zu bewegen"[305].

Als die Kinder groesser wurden, gab es natuerlich allerlei Unarten und
Vergehungen, und zwar sowohl bei den eignen, wie bei den angenommenen
Waisen. Das "Tauschen" ("Fuggern" nannte man's spaeter nach dem damals
beruehmten Augsburger Handelshause) war natuerlich auch bei den
Lutherskindern ueblich. Ja, auch das "Stehlen" ("Schiessen" nannte man es
auch nach den "Schuetzen" d.h. jungen fahrenden Schuelern, den tirones
oder Plaenklern in Vergleichung mit der roemischen Heeresordnung). Das war
nun beides recht verpoent im Luther-Hause, freilich wurde bei Esswaren,
namentlich Obst, als Kirschen, Aepfeln, Birnen, Nuessen, die Strafe
gelinder bemessen. Aber wenn einmal etwas anderes genommen wurde, dann
gab es boeses Wetter im Hause. Ganz besonders aufgebracht werden konnte
der heftige Hausvater wegen Ungehorsams: Gehorsam hielt er mit andern
Paedagogen fuer die erste Tugend der Kinder. Darum liess er seinen
Erstgeborenen einmal drei Tage lang nicht vors Angesicht kommen und Frau
Kaethe musste ihre ganze Ueberredungskraft und die Fuersprache von Freunden
anwenden, um den erzuernten Vater umzustimmen[306].

Im Jahre 1536 that Luther seinen Erstgebornen schon aus dem Hause zu
einem tuechtigen Schulmeister.--Die Unruhe war im Kloster gar zu gross.
Spaeter--1542--kam er wieder fort zu dem beruehmten Praezeptor Crodel in
Torgau[307].

Manchen Aerger hatten Luther und Kaethe auch mit den fremden Kindern,
namentlich den Neffen.

Man wird frelich kein grosses Aufhebens zu machen haben, wenn Luther
einmal sagt: "Wenn ich meinen Enders (d.i. Andreas Kaufmann) nicht haette
gestrichen, von seiner Untugend ueber Tisch gesagt und ihm Zucker und
Mandelkerne gegeben haette, so haette ich ihn schlimmer gemacht." Aber von
Martin (seines Bruders Sohn) erzaehlte Luther: "Derselbe hat mich einmal
also erzuernt und getoetet, dass ich ganz von meines Leibes Kraeften
gekommen bin." Als Fabian von Bora mit Hans Luther 1542 nach Torgau kam,
liess er sich auf der Reise dahin verleiten, dem kleinen Paul Luther ein
Messer zu nehmen und dem Schulmeister Crodel vorzuluegen, der Oheim habe
es ihm gegeben, waehrend er vorher dergleichen nie gethan. Darueber
erzuernte Luther maechtig und diktierte dem armen Suender drei Tage
hintereinander Streiche[308].

Begreiflicherweise vertuschte auch die Mutter und Hausfrau gar manches,
was bei den Kindern und dem Gesinde in dem grossen Haushalt vorfiel, vor
dem heftigen Mann, so dass er in hellem Zorn aufflammen konnte: "Wenn sie
suendigen und allerlei Bueberei treiben, so erfahre ich's nicht; man zeigt
mir's nicht an, sondern haelt's heimlich vor mir"[309].

Es war aber freilich nicht allein die Furcht vor des Doktors Zorn,
sondern doch auch die Ruecksicht auf den vielbeschaeftigten und viel
geaergerten Mann, was die Gattin bewegen musste, ihn mit den haeuslichen
Widerwaertigkeiten moeglichst zu verschonen. Er sollte vor allem an den
Kindern sich erfreuen. Denn diese Freude an den Kindern war Luther
freilich die groesste und schoenste und er war einigermassen eifersuechtig
auf "Muhme Lene", welche sie ihm "vorwegnahm", da die Kinder so an ihr
hingen und so viel um sie waren[310]. Luther wollte seine Kinder nicht
so hart erzogen haben, wie es ihm ergangen war. Aber fuer Bosheit und
Schalkheit und Schaden sollten sie gestraft werden und es ihnen nicht
nachgesehen werden. Das war gewiss auch Frau Kaethes Meinung und
jedenfalls war sie mit ihres Mannes Anschauung einverstanden: eines
Geistlichen Kinder muessten ganz besonders wohlgezogen sein, auf dass
andere Leute davon erbaut und ein gut Exempel naehmen; ungezogene
Pfarrkinder gaeben andern "ein Aergernis und Privilegium zu suendigen".
Dasselbe galt auch vom Gesinde. Denn, sagt Luther, "der Teufel hat ein
scharpf Aug auf mich, damit er meine Lehre verdaechtig mache oder gar
einen Schandfleck anhaenge." Daher war es ein aufregendes Ereignis, als
ein Maedchen in Luthers Hause sich uebel auffuehrte[311].

Nach Muhme Lene's Abscheiden naemlich (1537) nahm das Luthersche Ehepaar
eine gefaehrliche Person ins Haus. Sie kam zu Luther, nannte sich Rosine
von Truchses und gab vor, eine arme Nonne aus hohem Geschlecht zu sein.
Da Luther aber scharf in sie drang, so bekannte sie, sie waere eine
Buergerstochter aus Minderstadt in Franken; ihr Vater sei im
Bauernaufruhr gekoepft worden; sie irre als verwaistes Kind umher und
bitte um Gotteswillen ihr zu verzeihen und sich ihrer zu erbarmen. Der
gutherzige Mann that es. Das Juengferlein bezeugte sich gar sittsam und
artig, wusste sich in Gunst zu setzen und das Vertrauen aller im Hause zu
erschleichen, besonders sich bei den Kindern wohl anzumachen. Aber es
war ein schlechtes Weibsbild, das sich in das Haus gedraengt hatte. In
Keller, Kueche und Kammer kam allerlei weg; niemand wusste, wer der Dieb
war. Weiter lockte sie allerlei junge Leute an sich, die sie mit ihrer
angeblich hohen Abkunft beschwindelte, und trieb Unzucht mit ihnen.
Endlich entdeckte Frau Kaethe die Sache und entfernte, waehrend Luther auf
einer Reise war, die Person in aller Stille aus dem Hause. Luther war
froh, dass er nichts von allem gewusst hatte und dass sie jetzt fort sei.
Aber die Schwindlerin zog umher in allen Pfarrhaeusern, beruehmte sich
ihrer Bekanntschaft mit dem grossen Doktor und seinem Hause, log, trog
und stahl weiter. Immer von neuem tauchte sie auf, zuletzt nach mehreren
Jahren noch in Leipzig, so dass Luther dorthin an den Richter Goeritz,
seinen Gevatter, schreiben musste, um ihrem Unfug ein Ende zu machen.
Luther litt unendlich unter dieser Schmach, die seinem Hause
widerfahren, und meinte, die Papisten haetten ihm diese Teufelsperson auf
den Hals geschickt. Aber auch Frau Kaethe musste es schwer tragen und dazu
noch die Vorwuerfe ihres Mannes, welcher zuernte, dass man dieses Weibsbild
hatte entkommen lassen und nicht gleich in der Elbe ertraenkt habe. Er
meinte durch diese Erfahrung gewitzigt zu sein, und doch bekam er vor
seinem Ende noch eine "andere Rosine" ins Haus, die ihm den Aufenthalt
in Wittenberg verleiden half[312].

Ein anderes Vorkommnis setzte Frau Kaethe 1538 hart zu. Ein Tageloehner
arbeitete oft bei ihr, ein fleissiger und braver Mensch, nuechtern sanfter
wie ein Lamm, aber in der Trunkenheit ein Krakehler. An einem Sonntag
lief er in der ganzen Stadt herum und prahlte, er sei Famulus bei
Luther, und in der Aufregung schlug er jemand tot. Dann ward er
nuechtern, nahm mit Thraenen Abschied von Frau Luther und wurde fluechtig.
Ein Weib und drei Kinder, die er im groessten Elend zurueckliess, fiel
natuerlich Frau Kaethe zur Last[313].




11. Kapitel

Hochzeiten und Krankheiten, Pest und Tod.


Besondere Geduld und Liebe, Vorsicht und Weisheit mussten die Eheleute
brauchen in der Behandlung der ihnen anvertrauten Kinder.

Die verwaiste Pflegetochter Lenchen Kaufmann, "Muehmchen Lene die
Juengere", fing in noch recht jugendlichem Alter eine Liebelei mit
Magister Veit Dietrich an, der mit seinen sechs Scholaren im Schwarzen
Kloster lebte. Nun war Luther zwar der Meinung des Sprichworts: "Frueh
aufstehn und jung freien" und ist oefters fuer junge ehrbare Leute, die
sich einander gern hatten und zu einander passten, bei ihren Eltern um
ihre Einwilligung eingetreten und hat sie gegen Eigensinn und
Selbstsucht der Vaeter und Muetter in Schutz genommen und
zusammengebracht. So hatte er sich auch schon 1523 eines Maedchens aus
Torgau angenommen, welchem der kurfuerstliche Barbier die Ehe
versprochen und zum Unterpfand einen Ring gegeben und mit ihr eine Muenze
geteilt hatte[314].

Aber er wusste auch, dass es zu frueh und ungeschickt sein koennte, das
konnte er an Melanchthons Toechterlein merken, welches auch als kaum
vierzehnjaehriges Kind sich in einen begabten, aber leichtsinnigen jungen
Poeten verliebt hatte und, da die Eltern unbedacht nachgaben, einen
ungluecklichen Ehestand erlebte. Luther meinte, "es waere nicht ratsam,
dass junge Leute so bald in der ersten Hitze und ploetzlich freiten; denn
wenn sie den Fuerwitz gebuesst haetten, so gereuete sie's bald hernach und
koennte keine bestaendige Ehe bleiben; es kaeme das Huendlein Reuel, das
viele Leute beisst". Bestaerkt wurde Luther in dieser Anschauung durch
seine Ehefrau, welche dem Veit Dietrich ueberhaupt nicht ganz hold war.
Das Juengferlein Lene wollte natuerlich die Stimme der Vernunft nicht
hoeren und zeigte sich ungebaerdig, so dass Luther sogar einmal meinte,
"man sollte sie mit einem guten Knuettel zuechtigen, dass ihr das
Mannnehmen verginge"[315].

Der Herr Magister Veit zog nun aus dem Hause und warf seinen Zorn vor
allem auf Frau Kaethe, der er Herrschsucht und Habsucht vorwarf (1534).

Aber als Baeschen Lene zu ihren vollkommenen Jahren gekommen war (1538)
und der Rechte kam, der auch mit Vorwissen der Pflegeeltern um sie
freite, da gaben diese ihre freudige Einwilligung. Es war M. Ambrosius
Berndt aus Jueterbog, ein gesetzter, "recht frommer (braver) Mann, der
Christum lieb hatte", seit einem halben Jahr, wo ihm seine junge Frau im
ersten Kindbett samt dem Knaeblein gestorben war, kinderloser Witwer,
Professor der Philosophie und Schoeffer in Wittenberg, ein Amtsgenosse
und guter Bekannter und Gevattersmann der Lutherschen Familie. Von
dieser Verlobung und Hochzeit ist uns in den Tischreden Eingehendes
berichtet[316].

Martini 1538 beging Luther seinen Geburtstag. Dazu hatte Frau Kaethe, wie
gewoehnlich einen festlichen Schmaus gerichtet und viele Freunde, Jonas,
Kreuziger, Melanchthon, auch die fremden Gaeste Camerarius und Bucer,
welche damals in Wittenberg waren, eingeladen. Auch der Freier und
Lenchen Kaufmann waren zugeben. Vor dem Essen--es war ein
Nachtmahl--liess nun der M. Ambrosius bei Luther "oeffentlich werben um
des Doktors Muhme Magdalene, dass er ihm dieselbige wollte zur Ehegattin
geben, wie er ihm zuvor zugesagt". Da nahm D. Martinus die Jungfrau bei
der Hand und sagte: "Lieber Herr Schoeffer und Gevatter! Allhie habe ich
die Jungfrau, wie mir sie Gott gegeben und bescheret hat, die
ueberantworte ich Ihm. Gott gebe seinen Segen und Benedeiung, dass sie
wohl und christlich mit einander leben!"

Die Gaeste wuenschten Glueck; man setzte sich zur Mahlzeit und waren alle
froehlich und guter Dinge. Luther sprach vom Freien und der Freiheit
eines neuen Braeutigams, vom Kriegsdienst und allen andern Lasten und
Buerden.

Als die Brautleute so eifrig und heimlich mit einander sprachen und die
Gesellschaft um sich her vergassen, laechelte der Doktor und sagte: "Es
wundert mich, dass doch ein Braeutigam mit der Braut so viel zu reden hat.
Ob sie auch muede werden koennen? Aber man darf sie nicht vexieren, denn
sie haben Freibriefe ueber alle Macht und Gewohnheit."

Die Brautleute bekuemmerten sich nun um die Herrichtung der Hochzeit und
das Gaestebitten. Da sprach der Doktor: "Seid unbekuemmert, solches geht
euch nichts an. Wir wollen bedacht sein auf solch zufaellig Ding, das
nicht zum Wesen des Ehestandes gehoert."

So schrieb denn Luther an den Fuersten von Anhalt um den Wild-Festbraten:
"Ich bitte ganz demuetig, wo Ew. Fuerstl. Gnaden so viel Uebrigs haetten,
wollten mir einen Frischling oder Schweinskopf schenken; denn ich soll
bis Mittwoch mein Waislein, meiner Schwester Tochter versorgen." Der
Wildbraten blieb natuerlich nicht aus und Frau Kaethe bereitete ihn zu,
auch der Stadtrat schickte zum Hochzeitsmahl ein "Stuebchen" Frankenwein
und vier Quart Jueterbogischen Wein--also aus des Braeutigams Heimat[317].

So richteten nun die Pflegeeltern ihrer Nichte Hochzeit aus und sorgten
dafuer, dass es froehlich zuging und auch die Verwandten aus Mansfeld und
Eisleben eingeladen wurden. Luthers Lieblingsbruder Jakob kam herueber
und sogar zwei Vatersbrueder. Der Schulmeister mit den Saengern wurde
bestellt, und waehrend Frau Kaethe buk, briet und kochte, kostete der
Doktor die Weine im Keller. Er meinte: "Man soll den Gaesten einen guten
Trunk geben, dass sie froehlich werden: denn wie die Schrift sagt, das
Brot staerkt des Menschen Herz, der Wein aber macht ihn froehlich." Es
sollte ueberhaupt in christlicher Froehlichkeit bei Hochzeit zugehen, nach
dem Grundsatz: "Bei der Hochzeit soll man die Braut schmuecken, soll
essen, trinken, schoen tanzen und sich darueber kein Gewissen machen, denn
der Glaube und die Liebe laesst sich nicht austanzen noch aussitzen, so du
zuechtig und maessig darinnen bist." Beim Hochzeitsschmaus selbst sorgte
Luther fuer froehliche Unterhaltung und allerlei Raetselaufgaben. So fragte
er den "schwarzen Englaender" (wahrscheinlich Robert Barns, der seit 1533
in Wittenberg studierte und zur Hochzeit geladen war): "Wie wollt Ihr
Wein in einen Keller legen nicht eingeschroten und nicht eingefuellt?"
Der Englaender wusste es nicht; Luther aber sagte: "Man bringt Most
hinein, so wird schon Wein daraus; das ist eine natuerliche Magie und
Kunststueck." Weiter fragte er, welches die breiteten Wasser zu Lande
waeren? Antwort: "Der Schnee, Regen und Tau"[318].

Dem neuen Ehepaare legte aber Luther einen seinen Spruch der Alten ans
Herz; der Braut: "Liebe Tochter, halte Dich also gegen Deinen Mann, dass
er froehlich wird, wie er auf dem Heimwege die Spitze des Hauses sieht."
Und dem Braeutigam: "Es soll der Mann leben mit seinem Weibe, dass sie ihn
nicht gerne siehet wegziehen und froehlich wird, so er heimkommt"[319].

Diesen froehlichen Tagen sind schwere Jahre vorausgegangen und gefolgt.

Schon 1535 war die Pest wieder in Wittenberg eingekehrt. Obwohl der
Kurfuerst Luther dringend mahnte, der Gefahr aus dem Wege zu gehen,
meinte er doch, es sei nichts Rechtes an der Sache, er glaubte nicht
daran und spottete darueber in seinem Brief an den Kurfuersten: sein
"gewisser Wetterhahn", der Landvoigt Hans Metzsch, haette sonst mit
seiner Spuernase schon die Pestilenz gespuert. Luther meinte, die
Studenten hoerten das Pestgeschrei gern, sie kriegten die Beule auf dem
Schulsack, die Kolik in den Buechern, den Grind an den Federn, die Gicht
am Papier; vielen sei die Tinte schimmlich geworden, oder sie haetten die
Mutterbriefe gefressen und das Heimweh bekommen: da muessten die Eltern
und die Obrigkeit eine starke Arznei wider solch Landsterben
verschreiben. Der Teufel scheine Fastnacht mit solchem Schrecken zu
halten oder Kirmes in der Hoelle zu feiern mit solchen Larven. Die Sache
ging auch bald vorueber[320].

Ernster wurde es aber 1537. Zu Lichtmess dieses Jahres musste Luther auf
den Schmalkaldener Konvent. Er fuhr in eigenem Wagen mit Kaethes Pferden.
Kaethe sah ihren Gatten nicht ohne Sorgen abreisen; denn er war nicht
ganz wohl, das Wetter unwirtlich, die Wege schlecht, fremde Betten und
Mahlzeiten und das ungewohnte Leben waren ihm nicht zutraeglich, wie sie
schon von frueheren Reisen wusste. Er fuehlte sich nirgends so wohl wie
daheim, mit seinem gewohnten Essen und Trinken und Arbeiten. Luther
erkaeltete sich denn auch zu Schmalkalden in seiner unbequemen Herberge
in den feuchten "hessischen Betten" und verdarb sich an dem schweren,
festen Hofbrot den Magen. Sein Steinleiden stellte sich mit einer
unerhoerten Heftigkeit ein; ueber vierzehn Tage lang dauerte es und
verursachte die rasendsten Schmerzen, so dass er sich den Tod wuenschte
und seine Umgebung seinen Tod voraussah. Die Fuerstlichen Leibaerzte
wussten ihm nicht zu helfen und sie marterten ihn mit Rosskuren. Daher
wollte Luther lieber daheim sterben und sich von seinem Weibe zu tot
oder gesund pflegen lassen und liess sich am 26. Februar aus Schmalkalden
in kurfuerstlichem Gefaehrt wegfahren gen Wittenberg[321].

Hier hatte Jonas zu Anfang mehrere Briefe von Luther aus Schmalkalden
empfangen. Im ersten meldete er, dass er gleich nach seiner Ankunft einen
Stein ueberstanden habe, sonst schrieb er aber vergnuegt, und fuenf Tage
darauf, dass der Valentinstag ihn valentulum d.h. zum Rekonvaleszenten
gemacht habe. Vier Briefe aber an Kaethe waren nicht an sie gelangt:
wahrscheinlich waren sie von den aengstlichen Freunden vorsorglicherweise
zurueckgehalten worden. Aber sie hatte doch Geruechte gehoert und nicht
geruht, bis wenigstens Jonas mit der Nichte Luthers dem kranken Mann
entgegenreiste. Frau Kaethe erhielt erst spaeter, als es wieder besser
ging, folgenden Brief ihres Mannes aus Gotha[646]:

"Gnade und Friede in Christo!

Du magst dieweil andere Pferde mieten zu Deiner Notdurft, liebe Kaethe;
denn mein gnaediger Herr wird Deine Pferde behalten und mit dem Mag.
Philipp heimschicken. Denn ich selber gestern von Schmalkalden
aufgebrochen auf meines gnaedigen Herrn eigenem Wagen daher fuhr. Ist die
Ursach, ich bin nicht ueber drei Tag hier gesund, und ist bis auf diese
Nacht vom ersten Sonntag an kein Troepflein Wasser von mir gelassen, hab'
nie geruhet noch geschlafen, kein Trinken noch Essen behalten moegen.
Summa, ich bin tot gewesen, und hab' Dich mit den Kindlein Gott befohlen
und meinem guten Herrn, als wuerde ich euch nimmermehr sehen; hat mich
euer sehr erbarmet, aber ich hatte mich dem Grabe beschieden. Nun hat
man so hart gebeten fuer mich zu Gott, dass vieler Leute Thraenen vermocht
haben, dass mir Gott diese Nacht geholfen hat und mich duenkt, ich sei
wieder von neuem geboren.

Darum danke Gott, und lass die lieben Kindlein mit Muhme Lenen dem
rechten Vater danken; denn ihr haettet diesen Vater gewisslich verloren.
Der fromme Fuerst hat lassen laufen, reiten, holen und mit altem Vermoegen
sein Hoechstes versucht, ob mir moecht' geholfen werden; aber es hat nicht
wollen sein. Deine Kunst hilft nicht mit dem Mist[322]. Gott hat Wunder
an mir gethan diese Nacht und thut's noch durch frommer Leute Fuerbitte.

Solches schreib' ich Dir darum, denn ich halte, dass mein gnaedigster Herr
habe befohlen dem Landvogt, Dich mir entgegen zu schicken, da ich ja
unterwegen stuerbe, dass Du zuvor mit mir reden oder mich sehen moechtest;
welches nun nicht not ist und magst wohl daheim bleiben, weil mir Gott
so reichlich geholfen hat, dass ich mich versehe, froehlich zu Dir zu
kommen. Heute liegen wir zu Gotha. Ich habe sonst viermal geschrieben,
wundert mich, dass nichts zu euch kommen ist.

Dienstags nach Reminiscere. 1537.

Martinus Luther."

Wie mag das arme Weib erschrocken sein ueber diese unglueckliche Kunde!
und wie haette sie erst gebangt, wenn sie gewusst haette, dass am folgenden
Tag der toedliche Anfall sich wiederholte, bis wieder sechs Steine von
ihm gingen. Kaethe fuhr nun ihrem Manne entgegen nach Altenburg, wo
Freund Spalatin als Pfarrer lebte. Bei diesem bereitete sie nun eine
Herberge, bis Jonas und die Muhme Lenchen mit dem Kranken von Weimar her
ankamen. Im gastlichen Altenburger Pfarrhaus pflegte Kaethe den
Erschoepften einige Tage und fuhr dann mit ihm Mitte Maerz langsam an
Kloster Nimbschen vorbei, mit einem Aufenthalt in Grimma nach Wittenberg
heim, wo sie am 14. Maerz ankamen[323].

Langsam nur erholte sich Luther; an allen Knochen wie zerschlagen,
konnte er sich kaum auf den Beinen halten, so erschoepft war er. Er
lernte wieder essen und trinken: die Ruhe und Kaethes sorgliche Pflege
brachte ihn allmaehlich wieder zu Kraeften. Acht Tage darauf konnte er
wieder die feiernde Feder ergreifen und seinen Dankesbrief an Spalatin
schreiben. Frau Kaethe, die in der Bestuerzung den Toechtern Spalatins
nichts mitgebracht hatte, wollte ein paar Buecher binden lassen und zum
Andenken schicken. Ueber die Osterzeit hat Luther dann wieder fleissig
gepredigt. Aber als er spaeter wieder in die Hessenstadt zum Konvent
gehen sollte, hielt Kaethe ihren Gatten zurueck und er selbst warnte die
Freunde vor "den hessischen Betten"[324].

In diesem Jahre ging auch Muhme Lene heim und mit ihr ein guter
Hausgeist, eine Stuetze der Hausfrau, eine geliebte Freundin und Hueterin
der Kinder. Der Ersatz, den Frau Kaethe fuer sie suchte und erhielt in
"Muhme Lene" der juengeren, ihrer leichtherzigen Nichte, und gar in
fremden Stuetzen der Hausfrau, war ein sehr zweifelhafter[325].

In diesem Jahre 1537 hatte Frau Kaethe noch einen schweren Fall von
Krankenpflege in ihrem Hause: naemlich die Kurfuerstin Elisabeth von
Brandenburg.

Die arme Frau war schon 1534 kraenklich, bald besser, bald schwerer.
Damals war sie in Wittenberg. Luther musste aber auch oefter zu ihr nach
Schloss Lichtenberg reisen. Im Todesjahre ihres Gemahls, 1537, aber, als
sich ihr Zustand zu einer Geistesstoerung ausgebildet hatte, war sie zur
Verpflegung in Luthers Haus, wohl auf des Kurfuersten von Sachsen
Veranlassung. Nach langem Fiebertraum erwachte sie im September, war
aber so bloede und kindisch, dass sie wenig verstand. Frau Kaethe sass bei
ihr auf dem Bette und schweigete sie[326]. Darauf wollte ihre Tochter,
Fuerstin Margarete von Anhalt, mit Gefolge zum Besuch der kranken Mutter
kommen, natuerlich womoeglich auch in Luthers Behausung. Aber diese konnte
man nicht auch noch aufnehmen; war doch das grosse Haus genug belegt;
auch in der Stadt, die als Festung so eng gebaut war und jetzt so
besucht von Studenten, war jedes Haus bis in den kleinsten Winkel
vollgepropft. So musste man den Besuch ablehnen, aber versichern, dass
alles angewendet werde, um die Genesung der Kurfuerstin zu
beschleunigen[327]. Die andere Tochter der Kurfuerstin, Herzogin
Elisabeth von Braunschweig-Calenberg, welche einst ihre Mutter wegen des
evangelischen Abendmahls an den Vater und eine unguenstige Aeusserung
Luthers ueber Herzog Georg an diesen verraten hatte, kam oefter zum Besuch
ihrer kranken Mutter in Luthers Haus; und dieser Umgang brachte sie
dazu, dass sie selbst evangelisch wurde und nach dem Tode ihres Gemahls
als Regentin des Landes in Braunschweig die Reformation einfuehrte. Sie
wurde sehr befreundet mit Luther und Kaethe, schickte ihr einmal eine
Sendung Kaese und bekam dafuer Maulbeer- und Feigen-Setzlinge[328].

Aber der Zustand der armen "Markgraefin" war ein trauriger und noch
monatelang musste sie Kaethe pflegen. Dabei trugen sich allerlei
aergerliche Zwischenfaelle zu, namentlich durch die Zudringlichkeit
unberufener Leute: so draengte sich eine schmutzige Boehmin ins Haus, ins
Gemach und an die Seite der Fuerstin, suchte fuer sich Gunst und andern
Ungunst zu erregen. Eine Zeitlang ging es noch gut; als die Kranke aber
Geld ausgezahlt bekam, da fing es wieder an, sie verschwendete masslos an
jedermann ohne Unterschied; auch den Lutherischen Eheleuten wollte sie
zwei Stuerzbecher mit 100 Goldgulden darin schenken. Dazu machte sie
immer Reiseplaene und schrieb heimlich ueberallhin und wollte durchaus
fort aus Wittenberg[329].

Luther und Kaethe waeren die unruhige Patientin, ueber die sie nicht
voellige Gewalt hatten, mit der vielen Unmusse gerne losgewesen, mussten
aber warten, bis der Hofhalt in Lichtenberg wieder eingerichtet
war[330].

Die greise Kurfuerstin wurde nachher wieder gesund und ueberlebte noch
Luther.

Nachdem das Jahr 1538 ebenfalls ein "faehrlich schwer Jahr" gewesen wegen
der mancherlei Krankheiten, spukte im Spaetherbst 1539 die Pest wieder im
Lande. Die Leute hatten eine furchtbare Angst, der Bruder liess den
Bruder, der Sohn die Eltern im Stich; wenn ein Haus angesteckt war,
wurde es niedergerissen. Kein Bauer wollte Holz, Eier, Butter, Kaese,
Korn in die verseuchte Stadt fahren. Da mussten die Wittenberger zwei
Plagen fuer eine leiden: Pestilenz und Hunger und Frost. Die Bauern luden
endlich ihre Sachen draussen vor den Thoren ab und die Staedter mussten sie
auflesen[331].

Luther freilich nahm wie gewohnt "das Pestlein" leicht und hielt es nur
fuer eine Seuche. Er zuernte und spottete ueber die Pestfurcht: "Ich halt,
der Teufel hat die Leut besessen mit der _rechten_ Pestilenz, dass sie so
schaendlich erschrecken." Ja, er trotzte der Krankheit, um Tod und Teufel
zu verachten. Als er einmal einen Pestkranken besuchte, betastete er
ohne Scheu dessen Beulen. Und er war so sorglos, dass er, als er heimkam,
sogar mit ungewaschenen Haenden sein Toechterlein Margarete unbedacht um
den Mund streichelte--es schadete freilich nichts. Ja, als die Gattin
des Kosmographen Dr. Sebald Muenster an der Seuche starb und dieser
selbst an sieben Beulen litt, nahm Luther zum Entsetzen der Wittenberger
die vier Kinder Sebalds aus dem verpesteten Hause zu sich. Guter Gott!
was entstand in der ganzen Stadt fuer ein Geschrei gegen Luther! Er
wollte den Erbarmungslosen und Furchtsamen ein Exempel geben[332].

Diejenige, welche am wenigsten wider diese starkmuetige Tapferkeit
Luthers einzuwenden hatte, war seine Gattin; und sie hatte doch die
groesste Muehe und Sorge mit den uebernommenen Kindern und war dazu wie vor
zehn Jahren ihrer Entbindung nahe. Und sie musste es buessen. Sie kam
ungluecklich nieder und schwebte lange Zeit zwischen Leben und Tod. Sie
fiel von einer Ohnmacht in die andre. Vergebens wurden alle staerkenden
Mittel angewendet, die Entkraeftung zu heben. Sie lag da wie eine atmende
Leiche, das Gesicht entstellt, die Gestalt verfallen. Wohl wurde sie von
besorgten Haenden aufs treulichste gepflegt und jeder Atemzug, jede
Bewegung beobachtet[333].

Luther wich nicht von der geliebten Frau und sagte darum seine Anwohnung
auf dem Schmalkalder Konvent ab. Er betete Kaethe wieder lebendig, wie
einst zu Weimar seinen Freund Melanchthon. Denn wunderbarerweise siegte
Kaethes starke Natur. Sie erholte sich, fing mit Appetit an zu essen und
zu trinken, stand wieder auf und kroch umher, indem sie sich mit den
Haenden an Tischen und Baenken hielt. Und bald that sie sich etwas zu gut
auf ihre wachsende Gesundheit und im April ist sie voellig wieder
hergestellt[334].

Die Freunde sahen in der wie durch ein Wunder genesenden Gattin des
Reformators das Weib der Offenbarung (Kap. 12): ein Sinnbild der durch
ein Gotteswunder genesenden kranken Kirche[335].

Im Sommer 1540 reiste Luther mit Melanchthon nach Eisenach, um dem
Reichstag in Hagenau naeher zu sein, aehnlich wie vor zehn Jahren in
Koburg dem Augsburger Tag. Melanchthon sollte nach Hagenau ziehen, aber
er wurde unterwegs in Weimar sterbenskrank; doch Luther hat ihn unsrem
Herrgott abgebetet. In Eisenach wohnte Luther im Pfarrhaus des Menius,
welcher mit nach Hagenau reiste. Sein "Fraulein" pflegte den
Wittenberger Doktor aufs sorgsamste und liebenswuerdigste, so dass Frau
Kaethe unbesorgt sein konnte. Und der Kinderfreund Luther entschaedigte
sich fuer die Entfernung von seinen Kleinen dadurch, dass er den
Pfarrbuben Timotheus ein Spiel mit Nuessen lehrte. Von hier aus schrieb
Luther fleissig Briefe nach Haus, erhielt freilich von der
vielbeschaeftigten Frau Kaethe nicht so leicht einen. Dafuer mussten die
Kinder und Hausgenossen schreiben, zu denen damals auch ein "Mariischen"
gehoerte[336].

Die drei ersten Briefe sind verloren gegangen, der vierte aber
lautet[337]:

"Meiner herzlieben Kaethe, Doktorin Kathrin und Frauen auf dem neuen
Saumarkt zu handen.

Gnade und Friede, liebe Jungfrau Kaethe, gnaedige Frau von Zulsdorf und
wie Ew. Gnaden mehr heisst! Ich fuege Euch und Ew. Gnaden unterthaeniglich
zu wissen, dass mir's hie wohl gehet: "ich fresse wie ein Boehme und saufe
wie ein Deutscher"[338]--das sei Gott gedankt, Amen. Das kommt daher:
Magister Philipps ist wahrlich tot gewesen und recht wie Lazarus vom Tod
auferstanden. Gott der liebe Vater hoeret unser Gebet, das sehen und
greifen wir, ohne dass wir's dennoch nicht glauben: da sage niemand Amen
zu unserm schaendlichen Unglauben.

Ich hab' dem Doktor Pommer Pfarrherr geschrieben, wie der Graf zu
Schwarzburg (um) einen Pfarrherrn gen Greussen bittet, da magst Du als
eine kluge Frau und Doktorin mit Magister Georg Roehrer und Magister
Ambrosio Berndt helfen raten, welcher unter den dreien sich wollte
bereden lassen, die ich dem Pommer angezeigt: es ist nicht eine
schlechte Pfarre; doch seid ihr klug und macht's besser.

Ich habe der Kinder Briefe, auch des Bacculaurien (Hans)--der kein Kind
ist, Mariische auch nicht--kriegt, aber von Ew. Gnaden hab' ich nichts
kriegt; werdet jetzt auf die vierte Schrift, ob Gott will, einmal
antworten mit Ew. gnaedigen Hand.

Ich schicke hie mit dem Magister Paul den silbernen Apfel, den mir Ihre
gnaedige Hand geschenkt hat, den magst Du, wie ich zuvor geredet habe,
unter die Kinder teilen und fragen, wie viel sie Kirschen und Aepfel
dafuer nehmen wollen; die bezahle ihnen bar ueber und behalt' Du den Stiel
davon.

Sage untern lieben Kostgaengern, sonderlich Doktor Severo oder Schiefer,
mein freundlich Herz und guten Willen, und dass sie helfen zusehen in
allen Sachen der Kirchen, Schulen, Haus und wo es not sein will. Auch M.
Georg Major und M. Ambrosio, dass sie Dir zu Hause troestlich seien.
Will's Gott, so wollen wir bis Sonntag auf sein, von Weimar gen Eisenach
zu ziehen, und Philipps mit. Hiemit Gott befohlen. Sage Lycaoni nostro
(dem Diener Wolfgang), dass er die Maulbeer nicht versaeume, er verschlafe
sie denn, das wird er nicht thun--er versehe es denn--und den Wein soll
er auch zur Zeit abziehen. Seid froehlich alle und betet. Amen.

Weimar, am Tage der Heimsuchung Mariae (2. Juli) 1540.

Martinus Luther,

Dein Herzliebchen."

Mit dem folgenden Brief an "Frau Katherin Luderin zu Wittenberg, meiner
lieben Hausfrau" schickt Luther seiner "lieben Jungfer Kaethe" durch den
Fuhrmann Wolf 42 Thaler Sold und 40 fl. Die "magst Du brauchen, bis wir
kommen, und wechseln lassen bei Haus von Taubenheim zu Torgau; denn wir
zu Hofe nicht einen Pfennig Kleinmuenze moegen haben. Magister Philipps
kommt wieder zum Leben aus dem Grabe, siehet noch kraenklich, aber doch
leberlich aus, scherzt und lacht wieder mit uns, isset und trinket wie
zuvor mit ueber Tische. Gott sei Lob! Und danket ihr auch dem lieben
Vater im Himmel.... Was aber (zu Hagenau) geschieht, wissen wir nicht,
nur das: man achtet, sie werden uns heissen: Thu das und das, oder wir
wollen euch fressen. Denn sie haben's boese im Sinn. Sage auch Doct.
Schiefer, dass ich nichts mehr von Ferdinando halte; er gehet da hin zu
grunde. Doch hab ich Sorge, wie ich oft geweissagt, der Papst moechte den
Tuerken ueber uns fuehren.... Denn der Papst singet schon bereits: flectere
si nequeo Superos, Acheronta movebo: kann er den Kaiser nicht ueber uns
treiben, so wird er's mit dem Tuerken versuchen; er will Christus nicht
nachgeben. So schlage denn Christus drein beides in Tuerken, Papst und
Teufel und beweise, dass er der rechte Herr sei vom Vater zur Rechten
gesetzt. Amen!--Amsdorf ist auch noch hier bei uns. Hiemit Gott
befohlen. Amen.

Sonnabends nach Kiliani (10. Juli).

Mart. Luther."[339]

Sechs Tage darauf kam wieder ein Brief[340].

"Gnade und Friede. Meine liebe Jungfer und Frau Kaethe! Euer Gnaden
sollen wissen, dass wir hier, Gottlob, frisch und gesund sind; "fressen,
wie die Boehmen"--doch nicht sehr--"saufen wie die Deutschen"--doch nicht
viel--, sind aber froehlich. Denn unser gnaediger Herr von Magdeburg,
Bischof Amsdorf, ist unser Tischgenosse. Mehr neue Zeitung wissen wir
nicht, denn dass Doktor Kaspar Mekum und Menius sind von Hagenau gen
Strassburg spazieren gezogen, Hans von Jenen zu Dienst und Ehren. M.
Philipps ist wiederum fein worden, Gottlob. Sage meinem lieben D.
Schiefer, dass sein Koenig Ferdinand ein Geschrei will kriegen, als wolle
er den Tuerken zu Gevatter bitten ueber die evangelischen Fuersten: hoffe
nicht, dass es wahr sei, sonst waere es zu grob. Schreibe mir auch einmal,
ob Du alles kriegt hast, was ich Dir gesandt, als neulich 90 Fl. bei
Wolf Fuhrmann u.s.w. Hiermit Gott befohlen, Amen. Und lass die Kinder
beten. Es ist allhier solche Hitze und Duerre, dass unsaeglich und
unertraeglich ist bei Tag und Nacht. Komm, lieber juengster Tag, Amen.

Freitags nach Margareten, 1540. Der Bischof von Magdeburg laesst Dich
freundlich gruessen.

Dein Liebchen

Martin Luther."

Und endlich als es wieder auf die Heimreise ging, kuendigt Luther Kaethe
die Rueckkehr an und bestellt einen Willkommtrunk.

"Der reichen Frauen zu Zulsdorf, Frauen Doktorin Katherin Lutherin, zu
Wittenberg leiblich wohnhaftig und zu Zulsdorf geistlich wandelnd,
meinem Liebchen zu handen.--Abwesend dem Doktor Pomeran, Pfarrherr, zu
brechen und zu lesen.

... (Ew. Gnaden) ... wollen schaffen, dass wir einen guten Trunk bei Euch
finden. Denn, ob Gott will, morgen Dienstag wollen wir auf sein gegen
Wittenberg zu. Es ist mit dem Reichstage zu Hagenow ein Dreck, ist Muehe
und Arbeit verloren und Unkost vergeblich. Doch, wo wir nichts mehr aus
gerichtet, so haben wir doch Magister Philippus wieder aus der Hoelle
geholet und wieder aus dem Grabe froehlich heimbringen wollen, ob Gott
will und mit seiner Gnaden, Amen.

Es ist der Teufel hieraussen selber mit neuen boesen Teufeln besessen,
brennt und thut Schaden, das schrecklich ist. Meinem gnaedigsten Herrn
ist im Thueringer Wald mehr denn tausend Acker Holz abgebrannt und
brennet noch. Dazu kommt heute Zeitung, dass der Wald bei Werda auch
angegangen sei und viel Orten mehr; hilft kein Loeschen. Das will teuer
Holz machen. Betet und lasset beten wider den leidigen Satan, der uns
sucht nicht allein an Seele und Leib, sondern auch an Gut und Ehre aufs
allerheftigste. Christus, unser Herr, wolle vom Himmel kommen und auch
ein Feuerlein dem Teufel und seinen Gesellen aufblasen, dass er nicht
loeschen koennte, Amen.

Ich bin nicht gewiss gewesen, ob Dich diese Briefe zu Wittenberg oder zu
Zulsdorf wuerden finden; sonst wollt' ich geschrieben haben von mehr
Dingen. Hiemit Gott befohlen, Amen. Gruesse unsere Kinder, Kostgaenger und
alle. Montags nach Jacobi (26. Juli) 1540.

Dein Liebchen

M. Luther, D.[341]

Um diese Zeit begann eine neue Sorge fuer Kaethe. Ihrem Bruder Hans wollte
es auf Zulsdorf gar nicht gluecken. Daher kaufte sie ihm Zulsdorf ab.
Aber sie musste auch ihres Mannes vielfache Beziehungen zu fuerstlichen
Hoefen angehen, um ihm wieder einen Hofdienst zu verschaffen, sei's in
Preussen, sei's in Sachsen. Luther konnte das mit gutem Gewissen, denn
Hans von Bora war keiner von den grossmaeuligen "Scharhansen", wie sie in
dieser Zeit massenhaft aufgekommen waren. Aber vielleicht eben wegen
seiner Frommheit hatte er Unglueck. Ein Gegner Luthers verdraengte ihn von
seinem Vorsteheramte am Neuen Kloster in Leipzig, bis er endlich einen
Teil des Klostergutes in Crimmitschau ueberkam[342].

Im Herbst dieses Jahres (1540) suchte die Stadt Wittenberg ein Fieber
heim, das zwar selten einen toedlichen Ausgang nahm, aber so ziemlich
alle Bewohner ergriff. Bugenhagen war so krank, dass Luther fuer ihn sein
Pfarramt versehen musste. Im eignen Hause waren zehn Todkranke und dazu
fuehlte sich der Hausherr selber "alt und schwach". Da konnte wieder
Kaethe ihre Sorge und Pflege anwenden[343].

Zu Ostern des folgenden Jahres (1541) wurde die Umgebung Wellenbergs
erschreckt durch Brandstiftungen und allerlei Vergiftungserscheinungen,
indem die Lebensmittel: Wein und Milch mit Gift und Gips gemischt
wurden. Es wurden allerlei Leute verhaftet und gefoltert, auch in
Wittenberg zwei Leute geroestet--ohne die Ursachen und die Urheber zu
entdecken. Luther fuehlte sich in diesem Jahr gar nicht wohl, so dass der
Kurfuerst ihm sogar einmal zwei Aerzte schickte und er am Dreikoenigstag
des folgenden Jahres (1542) sein Testament machte[344].

Noch eine Freude erlebten die Eheleute zu dieser Zeit: die Enkelin von
Luthers Schwerer, _Hanna Strauss_, die in der Familie erzogen war, wurde
mit M. Heinrich von Koelleda im Dezember 1541 verlobt, nachdem die
Pflegeeltern die Verlobung des Dr. Jakob Schenck (spaeter als Luthers
Gegner "der Jaeckel") abgewiesen hatten. Zu dem Verloebnis kam gerade von
den Anhalter Fuerstenbruedern ein Wildschwein, als Luther eben gebeten
hatte, wenn es moeglich und thunlich waere, ihn zur Hochzeit "etwa mit
einem Wildbret zu begaben, denn ich einer Hausjungfrauen, meiner
Freundin (Verwandten) soll zu Ehren helfen in den hl. Stand der Ehe". Am
30. Januar 1542 wurde Hochzeit gemacht, die letzte in Luthers Haus.
Amsdorf u.a. schickten Hochzeitsgeschenke, und weiteres Wildbret von
Anhalt wird nicht gefehlt haben[345].

Aber zu gleicher Zeit (1541) starb auch nach nur vierjaehriger Ehe D.
Ambros. Berndt, der Gatte der Magdalene Kaufmann, der Muhme Lene der
Juengeren. Die junge Witwe machte sich nun zum grossen Verdrusse der
Lutherischen Verwandten an einen sehr jugendlichen Mediziner, Ernst
Reichet (Reuchlin), der noch studieren musste und heiratete ihn auch nach
Luthers Tod, so dass sie eine zeitlang in rechte Bedraengnis geriet, bis
ihr Mann eine ehrenvolle Stellung erwarb[346].

Auch Lenes Bruder, Cyriak, bereitete Luther grossen Aerger, indem er nach
dem Beispiel von Melanchthons und Dr. Beiers Sohn ein heimliches
Verloebnis einging, was die Wittenberger Juristen als giltig
anerkannten[347].

Am 26. August 1542 war der aelteste Sohn, Hans Luther, jetzt 16jaehrig und
bereits seit drei Jahren Baccalaureus, nach Torgau geschickt worden zu
Markus Crodel, der dort eine treffliche, von Luther hochgeschaetzte
Knabenschule hielt, damit er in Sprachlehre und Musik ausgebildet werde,
auch Sitte und Anstand lerne, wozu in der studentenwimmelnden Kleinstadt
und in Luthers ueberfuelltem Hause nicht der rechte Ort war; Luther war
sich auch bewusst, Theologen bilden zu koennen, aber keine Grammatiker und
Musiker. Daher wollte er Crodel, wenn er am Leben bliebe, noch spaeter
die zwei juengeren Soehne schicken. Der Gesellschaft und Aneiferung wegen
wurde auch Kaethes Brudersohn, Florian von Bora, mitgeschickt. Hans war
ein guter Junge, waehrend Florian schon einer haerteren Zucht bedurfte.
Der Mutter that der Abschied weh, noch mehr aber der aeltesten Schwester,
Lenchen, die mit besondrer Zaertlichkeit an ihm hing. Aber Hans gefiel es
gut im Pensionat des Praezeptors, er hatte ihn und seine Frau zu ruehmen;
er meinte sogar, es erginge ihm hier besser als daheim[646].

Kaum aber war der Bruder abgereist, so wurde Lenchen sterbenskrank.

Es war ein gar liebes frommes Maedchen, das seine Eltern ihr Lebtag nie
erzuernt hatte. Auf ihrem Sterbebette verlangte sie herzlich und
schmerzlich, ihren Bruder Hans nochmals zusehen; sie meinte, sie wuerde
dann wieder gesund werden. Kaethe musste ihren Wagen anspannen lassen und
der Kutscher Wolf fuhr mit dem Luther'schen Gefaehrt nach Torgau. Er
brachte einen Brief vom Vater an den Praezeptor, der lautete:

"Gnade und Friede, mein lieber Markus Krodel. Ich bitt' Euch, sagt
meinem Sohn Hans nicht, was ich Euch schreibe. Mein Toechterlein
Magdalena ist dem Ende nahe und wird bald heimkehren zu ihrem wahren
Vater im Himmel, wenn' s Gott nicht anders gefaellig ist. Aber sie sehnt
sich so sehr darnach, den Bruder zu sehen, dass ich den Wagen schicken
musste: sie lieben eins das andere gar so sehr--vielleicht, dass sein
Kommen ihr neue Kraft geben koennte. Ich thue, was ich kann, damit mich
nicht spaeter mein Gewissen beschwert. So sagt ihm also--doch ohne die
Ursach'--dass er mit diesem Wagen eilends herkomme, um bald wieder
zurueckzukehren, wenn Lenchen im Herrn entschlafen oder wieder gesund
worden sein wird. Gott befohlen. Ihr muesst ihm sagen, es warte seiner ein
heimlicher Auftrag. Sonst steht alles wohl. 6. September 1542."[348]

Hans kam zurueck und auch rechtzeitig daheim an. Denn das arme Maedchen
musste noch vierzehn Tage leiden und mit dem Tode ringen: offenbar hatte
dies Wiedersehen des Bruders ihre Lebensgeister nochmals aufflammen
lassen. Es waren gar traurige Wochen in dem Lutherhaus. Das fromme
Maegdlein zwar wollte gerne sterben: beim irdischen Vater bleiben oder
zum himmlischen heimkehren. "Ja, herzer Vater", sagte es, "wie Gott
will!" Aber den Eltern kam der Abschied ihres Lieblings sehr hart an,
namentlich Luther, der hatte sie sehr lieb, denn die Vaeter haengen mehr
an den Toechtern, waehrend Frau Kaethe zu ihrem Hans groessere Zuneigung
fuehlte.

In der Nacht vor Lenchens Tode hatte die Mutter einen wundersamen Traum:
Es deuchte sie, zwei geschmueckte, schoene junge Gesellen kaemen und
wollten ihr Lenchen zur Hochzeit fuehren. Am Morgen kam Melanchthon
herueber ins Kloster und fragte, was Lenchen machte. Da erzaehlte Frau
Kaethe ihren Traum. Magister Philipp, der bei andern im Geruch der
Wahrsagung und Traumdeuterei stand und sich selbst viel darauf zu gut
that, machte ein erschrockenes Gesicht. Und als er zu anderen Leuten
kam, deutete er den Traum: "Die jungen Gesellen sind die lieben Engel,
die werden kommen und diese Jungfrau in das Himmelreich zur rechten
Hochzeit heimfuehren." Melanchthon hatte diesmal recht prophezeit.

Am 26. September um die neunte Stunde ging es zu Ende. Der Vater hielt
das Kind in seinen Armen, die Mutter stand dabei. Der Doktor weinte,
betete und troestete abwechselnd das Kind, sich selbst und die
Umstehenden: Frau Kaethe, Melanchthon und D. Roehrer. Die Mutter war tief
ergriffen; als es zu Ende war, weinte sie ihren Jammer laut hinaus, so
dass Luther sie beruhigen musste: "Liebe Kaethe, bedenke doch, wo sie
hinkommt: sie kommt wohl."

Die traurigen Ereignisse gingen ihren Gang. Der Sarg kam; aber als das
Maegdlein hineingelegt werden sollte, hatte es der Tod gestreckt und ihr
Bettlein war ihr zu klein geworden. Die Leute kamen und bezeugten den
Eltern nach dem gemeinen Brauch ihr Beileid: "es waere ihnen ihre
Betruebnis leid". Der Schuelerchor sang das Lied: "Herr, gedenk nicht
unsrer vorigen alten Missethat." Sie ward hinausgetragen auf den
Friedhof am Elsterthor, und eingescharrt. "Es ist die Auferstehung des
Fleisches", sagte Luther, der jedes Wort und jeden Akt mit einem
sinnigen Trostspruch begleitete. Dann ging der traurige Zug heim und der
Doktor sagte zu Kaethe: "Nun ist unsere Tochter beschickt, an Leib und
Seel versorgt, wie es Eltern sollen thun, sonderlich mit den armen
Maegdlein." Darauf dichtete der Doktor seinem Toechterlein eine
lateinische Grabschrift, die lautet in treuherzigem Deutsch:

  Hie schlaf ich Lenchen, D. Luthers Toechterlein,
  Ruh mit allen Heiligen in mei'm Bettelein[349].

Aber noch monatelang sprach und schrieb Luther von seiner Trauer, zuernte
wider den Tod und milderte seinen Schmerz mit Thraenen um die geliebte
Tochter; und Kaethe hatte die Augen voll Thraenen und schluchzte laut auf
beim Gedanken an das "gute gehorsame Toechterlein"[350].

Begreiflich, dass Frau Kaethe den erstgebornen Sohn mit schwerem Herzen
wieder in die Ferne entliess. "Wenn dir's uebel gehen sollte, so komm nur
heim", hatte die Mutter in einer Anwandlung von Weh und Schwaeche zu Hans
gesagt. Es ging nun zwar Hans nicht schlecht in Crodels Hause, aber das
Heimweh nach Lenchen und die Sehnsucht nach dem Vaterhause wurde
uebermaechtig in ihm--es war ja gerade um die Weihnachtszeit. Er schrieb
einen klaeglichen Brief und berief sich auf die Rede der Mutter, er solle
heimkehren, wenn's ihm uebel ginge. Da schrieb Luther am 2. Christtag an
den Praezeptor und den Sohn zwei Episteln, in denen er Hans zur
maennlichen Ueberwindung der weibischen Schwaeche ermahnt. Der Brief an
den Sohn lautet:

"Gnade und Friede im Herrn.

Mein lieber Sohn Hans. Ich und Deine Mutter und das ganze Haus sind
gesund. Gieb Dir Muehe, dass Du Deine Thraenen maennlich besiegst und Deiner
Mutter Schmerz und Sorge nicht noch mehrst, die so geneigt ist zu Sorge
und Angst. Gehorche Gott, der Dir durch uns befohlen hat dort zu
arbeiten, so wirst Du leicht dieser Schwaeche vergessen. Die Mutter kann
nicht schreiben und hat es auch nicht noetig geachtet; aber sie sagt,
alles was sie Dir gesagt habe--naemlich Du solltest heimkehren, wenn es
Dir uebel ginge--habe sie von Krankheit gemeint; davon solltest Du, wenn
es geschehe, gleich Kunde geben. Sonst will sie, dass Du diese Trauer
lassest und froehlich und ruhig studierest. Hiemit gehab Dich wohl im
Herrn.

Dein Vater Martin Luther."[351]

Der letzte Schmerz und Verlust, den Frau Kaethe in diesem
schicksalsschweren Jahre noch erlebte, war der Tod ihrer besten
Freundin, der Frau Stiftspropst Katharina Jonas. Sie starb am
Weihnachtstage 1542, eine frohe freundliche Kinderseele; so ging sie
auch am Christfest hinein in den himmlischen Freudensaal zur ewigen
Weihnacht.

Frau Kaethe aber war's, als sei ihr ein Stueck von ihrer Seele
gestorben[352].




12. Kapitel

Tischgenossen und Tischreden.


"Unsere Herrin Kaethe, die _Erzkoechin_", so nennt Luther seine Gattin in
einem scherzhaften Einladungsbrief an Freund Jonas[353].

Und das war sie; sie kochte gern und gut und braute auch die
entsprechenden Getraenke dazu. Gelegenheit zu den manchfaltigsten
Gastereien hatte aber kein Weib so sehr als Frau Kaethe.

Da gab es vor altem gar mancherlei Hochzeiten von Verwandten und
Freunden, deren Ausrichtung dem Herrn Doktor eine Herzensfreude war, bei
denen aber sein "Herr Kaethe" eine ganz besonders hervorragende und liebe
Rolle spielte.

Und was so eine Hochzeit in Wittenberg auf sich hatte, kann man sich
kaum recht vorstellen. Da musste der "Haufe" geladen werden; bei einer
"akademischen" Hochzeit "die Universitaet mit Kind und Kegel" und dazu
andere, die man Luthers halber "nicht wohl konnte auss(en) lassen; so
bleibt's weder bei 9 noch bei 12 Tischen, 120 Gaeste ohne die Diener
u.s.w." war das Gewoehnliche fuer eine akademische Hochzeit. "Bei einem
Doktorschmaus machten die Maenner allein schon 7 bis 8 Tische voll; was
wurde es erst, wenn die Frauen, Kinder und noch das Gesinde zu speisen
und zu traenken waren?" Dazu dauerten die Hochzeiten mehrere Tage. Luther
hatte sich bei seiner Hochzeit auch nur "fuer die gewoehnlichen Gaeste" mit
einem Tage begnuegt. Und das alles bei dem schlechten Markt in
Wittenberg! Da war es fuer die gute Kaethe keine geringe Schwierigkeit,
einen solchen Schwarm in anstaendiger Weise zu speisen, und sie wollte
doch weder auf den Ruhm ihres Mannes, noch der Gefeierten einen Makel
kommen lassen--natuerlich auf ihren Ruhm auch nicht. Luther und Kaethe
wollten beide keine Unehre einlegen[354].

Aber auch sonst richtete Frau Kaethe gern Feste aus: Doktorschmaeuse,
Geburtstagsessen und auch sonstige Gesellschaften ohne besondere
Veranlassungen. Da ist Wilhelm Rink, D. Eisleben (Agricola), Alexander
Drachstett und Wolf Heinzen zu Besuch im Schwarzen Kloster; und weil der
Pfarrer Michael Stiefel in Lochau seltener dahin kommt, soll auch er
erscheinen und teilnehmen an den froehlichen Tagen. Da wird einer der
Freunde oder gar zwei: Roehrer oder Jak. Schenk, Hier. Heller, Nikolaus
Medler, "der Markgraefin Kaplan" (d.i. der Hofprediger der Kurfuerstin
Elisabeth von Brandenburg) zum Doktor promoviert und Herr Kaethe braet und
braut fuer den ueblichen Schmaus. Da giebt sie ihrem eignen Doktor am 19.
Oktober ein festliches Abendmahl zum Jahrestage seines Doktorats. Am 10.
Martini wird mit dem Heiligen Martin auch der Geburtstag ihres D.
Martinus und spaeter noch ihres Martinleins festlich begangen[355]. Der
zehnte Jahrestag des Thesenanschlags ("der niedergetretenen Ablaesse"),
der Allerheiligentag 1527, wird mit einem Fest begangen. Auch um ihn zu
troesten ueber den Tod des lieben Freundes Hausmann, der Luther ungemein
nahe ging, lud Frau Kaethe einen Kreis von Freunden ein: Jonas,
Melanchthon, Camerarius, Cokritz. Die Kindtaufschmaeuse fuer ihre
Neugebornen musste die Woechnerin wenigstens einige Zeit vorher
vorbereiten und von ihrem Bette aus ueberwachen. Doch auch ohne besondere
festliche Veranlassung erschienen zu kleinerem Beisammensein am
geselligen Tisch die guten Freunde und Amtsgenossen: Jonas, Melanchthon,
Bugenhagen, so oft ein Stueck Wildbret oder eine Sendung Fische ins Haus
geschickt wird, oder eine Kufe Bier, oder ein Fass Wein--manchmal mit der
ausdruecklichen Bestimmung, "Herr Philipp, D. Pommer und andere gute
Freunde sollten es mit dem Doktor gesund verbrauchen." Dann darf Frau
Kaethe die Speisen bereiten und auftischen[356]. Manchmal muss sie auch
bei Hof um Wild zum Festbraten bitten lassen, wenn sonst keines zu
bekommen ist; oder sie bestellt bei einem guten Freunde "fuer einen
Thaler Voegel, Gefieder, Gefluegel und was im Reich der Luft fleugt,
ferner was er an Hasen und anderen Leckerbissen kaufen oder umsonst
erjagen kann." Oder Frau Kaethe musste ihre eigenen Fischteichlein
ausraeumen, wo neben Hechten und Karpfen, Schmerlen und Barsche, ja
sogar Forellen schwammen. Denn nicht immer kamen die Geschenke so
reichlich wie einmal vom Kurfuersten "ein Fuder Supstitzer, ein halb
Fuder Goreberger, vier Eimer Jenischen Weins, dazu ein Schock Karpfen
und ein Zentner Hechte, schoene Fische"--war auf einmal zu viel, selbst
fuer eine zahlreiche Gesellschaft[357].

Da sind Durchreisende und Besuche vom Fuersten bis zum fahrenden Schueler,
fremde Gesandte und stellenlose Magister, arme Witwen und vertriebene
Pfarrer, Englaender und Franzosen, Boehmen und Ungarn, sogar einmal ein
"Mohr": sie sitzen zu Gaste einen Tag, auch eine Woche und ein Jahr an
Kaethes grossem Tisch. Als Hartmut von Cronbergs verwitwete Schwester von
einem Juden entfuehrt nach Wittenberg kam und heimlich sich da aufhielt,
entschuldigt sich Luther mit seinen boesen Erfahrungen an vornehmen und
geistlichen Schwindlerinnen, dass er sich ihrer nicht an-, d.h. sie nicht
ins Haus genommen; bei ihrem Kinde stand er aber nachher Gevatter[358].

Da kamen Schwester und Bruder, Schwager und "Freunde" von Mansfeld. Oder
die Strassburger Theologen speisten im Schwarzen Kloster. So machte der
feine Strassburger Capito, der samt Butzer zur "Concordia" in Wittenberg
verhandelte, einen gar guten Eindruck auf Frau Kaethe, und es war ihr ein
grosses Unglueck, dass der goldene Ring, den er ihr verehrte und den sie
als Sinnbild der Vereinigung der saechsischen und oberlaendischen Kirche
betrachtete, ihr durch ein Missgeschick abhanden kam [359].

Sogar dem Kurfuersten musste Frau Kaethe hinter dem Wall eine Collation
auftischen (8.-14. Maerz 1534). Spaeter waren noch allerlei andere Fuersten
wenigstens voruebergehend Tischgenossen Kaethes, so der junge saechsische
Johann Ernst und der Herzog Franz von Lueneburg[360].

Staendige Tischgesellen waren die im Schwarzen Kloster wohnenden
Praezeptoren, Famuli und Scholaren.

Einer der aeltesten und ersten dieser Tischgenossen im Luther hause ist
Konrad _Cordatus_.

Er war sieben Jahre vor Luther von husitischen Bauern im
oesterreichischen Weissenkirchen geboren, studierte Theologie in Wien,
lebte einige Jahre in Rom; erhielt 1510 eine sehr gute Anstellung in
Ofen, schloss sich sofort 1517 der Reformation an, wurde abgesetzt, ging
1524 mittellos nach Wittenberg und studierte unter Luther, der sich
seiner annahm, kehrte heim und predigte das Evangelium, wird 38 Wochen
lang gefangen gehalten im tiefen Turm, in Finsternis bei "Nattern und
Schlangen", entkommt durch einen mitleidigen Waechter und fluechtet zu
seinem kongenialen Lehrer D. Luther. Dort lebte er einige Zeit in dessen
jungem Haushalt 1526, und wieder stellenlos auf Einladung Luthers von
1528-29, nach zweijaehrigem Pfarramt in Zwickau 1531-32 wieder fast ein
Jahr, bis er Pfarrer in Niemegk nahe bei Wittenberg wurde. Er ist einer
der besten Prediger der Reformationszeit. Er war eine trotzige Natur,
wie Luther; nur noch viel hitziger, schroffer und wenig vertraeglich. Er
konnte sich auch in Frau Kaethes Art nicht sonderlich schicken und machte
Luther Vorwuerfe, dass er sich von seiner Gattin bestimmen lasse. Dafuer
macht er in seinen Tischreden einigemale eine bissige Bemerkung ueber die
Doktorin, als waere sie herrschsuechtig und hoffaertig und berichtet
ueberhaupt mit einer gewissen Herbigkeit ueber sie. Als Luther ihn und
seinen Freund Hausmann nicht so mit Geld unterstuetzen kann, wie er's
moechte, meint Cordatus, Luther haette seiner Frau nicht erlauben sollen,
einen Garten anzukaufen. Auch vertrug er schwer, dass sie bestaendig
Luthers "beste Reden unterbrach", weil er mit grossem Eifer alle Worte
Luthers nachschrieb[361].

Am Dreikoenigstag 1528 kam desgleichen aus Oesterreich vertrieben Luthers
alter Freund Michael _Stiefel_ an, welcher von 1525 an bei der edeln
Familie Joerger von Tollet Kaplan gewesen, "ein frommer, sittiger und
fleissiger Mensch". Er kannte Frau Kaethe schon vor ihrer Vermaehlung und
war bei seiner Abreise von Wittenberg am 3. Juni 1525 wahrscheinlich
schon in Luthers Absicht, zu heiraten, eingeweiht. Von Oesterreich aus
hatte er einen gar liebenswuerdigen Brief an Frau Katharina geschrieben
und sie erwiderte seine Gruesse. Bis zu Michaelis 1528 blieb Stiefel in
Luthers Haus, fuehlte sich aber durch diese Inanspruchnahme seiner
Gastfreundschaft bedrueckt. Er uebernahm darum die Pfarrei und Pfarrwitwe
von Lochau mit zwei Kindern. Das Luthersche Ehepaar besorgte seinen
Umzug. Der Verkehr mit dem Lochauer Pfarrhaus hielt an. Luther schreibt
und erhaelt viele Briefe und auch Kaethe bekommt eine freundliche Epistel
vom Pfarrherrn; die Pfarrerin schickt dem Doktor ein Geschenk. Bald wird
Stiefel eingeladen zu einer guten Gesellschaft im Schwarzen Kloster,
bald sagt sich Luther mit seiner ganzen Knabenschaar zum Kirschenbrechen
in Lochau an. Schliesslich verfiel Stiefel zum Verdrusse Luthers aufs
Gruebeln nach dem Juengsten Tag. Die Bevoelkerung der ganzen Gegend bis
nach Schlesien hinein stroemte dem Propheten zu und erwartete mit ihm am
19. Oktober 1533, 8 Uhr nachmittags, das Ende der Welt. Als dies nicht
eintraf, wurde der falsche Prophet vom Landesherrn verhaftet und so fuer
den Unrat, den er angerichtet, gestraft, aber auch gegen die aufgeregten
Leute geschuetzt und nach Wittenberg gebracht, wo er seinen Irrtum
bereute[362].

Gleichfalls ein Oesterreicher, _Kummer_ (Kommer), kam 1529 nach
Wittenberg. Auch er hatte, wegen des Evangeliums verfolgt, in
Weiberkleidern fliehen muessen, und nahm natuerlich seine Zuflucht zu
Luther. Dessen Haus- und Tischgenosse scheint er ebenfalls gewesen zu
sein. Kummer war ein Freund und Studiengenosse Lauterbachs[363].

Im selben Jahre 1529 kam dieser Anton _Lauterbach_, geboren 1500 als
Sohn des Buergermeisters zu Stolpe, nach Wittenberg, wo er Magister wurde
und mindestens schon 1531 Luthers Hausgenosse und Tischgaenger war und
Diakonus der Pfarrgemeinde wurde. Ein hochaufgeschossener Mensch, im
Gegensatz zu seinem Genossen Cordatus ein gutmuetiger Geselle. Dienstag,
28. Januar 1533, diente er zu Tisch beim Kindtaufschmaus fuer den kleinen
Paul. Er verheiratete sich in diesem Jahre mit einer Nonne Auguste,
wobei natuerlich Frau Kaethe wieder die Hochzeit herzurichten hatte. Dann
wurde er Diakonus in Leisnig, 1537-39 kam er wieder als Diakonus in die
Universitaetsstadt. Als darauf das Herzogtum Sachsen reformiert werden
sollte, wurde er als Superintendent nach Pirna berufen, wollte aber "das
heilige Wittenberg" nicht verlassen. Doch gab er den Mahnungen Luthers
und der andern Vaeter nach, seinem Vaterlande zu dienen und das
beschwerliche Amt zu uebernehmen. Am Mittwoch, 25. Juli 1539 erschienen
in Wittenberg die Pirnaer Ratsherren mit zwei Wagen und holten ihren
ersten evangelischen Pfarrherrn ab. Unter Thraenen nahm er Abschied von
Luthers Familie. Am folgenden Freitag, Jacobi, kam er, feierlich mit
Willkommtrunk empfangen, in Pirna an, und es wurde mit der Reformation
"der Anfang deutsch und gut lutherisch zu taufen gemacht an Drillingen".
Aber aus der weiten Ferne blieb Lauterbach in lebhaftem und freundlichem
Verkehr mit Luther und Frau Kaethe, der er gar mancherlei Besorgungen
machte[364].

Ohne Amt, aber auf eines wartend, zog im November 1531 der Oberpfaelzer
Joh. _Schlaginhaufen_--der lateinisch Turbicida oder gar griechisch
Ochloplectes genannt wurde--ins Schwarze Kloster nach Wittenberg, wo er
ein Jahrzehnt zuvor studiert hatte. Er war zum Truebsinn geneigt und
quaelte sich mit dem Zweifel, ob er auch zur Zahl der Auserwaehlten
gehoere; und Luther muss den Schwermuetigen oft aufheitern, wenn er
truebselig und teilnahmslos unter den Gaesten und Tischgenossen dasitzt.
Trotzdem oder gerade deswegen steht er bei Frau Kaethe hoch in Gunst, und
als ihr Gatte waehrend der Rektoratswahl am 1. Mai 1532 einen
Ohnmachtsanfall bekommt, schickt sie zuerst nach Schlaginhaufen in die
Festversammlung und dann erst laesst sie Melanchthon und Jonas rufen.
"Meister Hans" war willig zu jedem Dienst, nahm sich des Gartens und
besonders des Bienenstandes der Frau Kaethe an, und wurde spaeter als
Pfarrer im nahen Zahna und dann in Koethen ein tuechtiger
Bienenvater[365].

Seit 1527 war im Schwarzen Kloster als Hausgenosse der gesetzte, ernste
30jaehrige _Hieronymus Weller_ aus Freiberg. Als Luther auf der Koburg
sass, war er der Hauslehrer des jungen Hans. Sein Bruder Peter, ein
junger Magister und juristischer Student, welcher ebenfalls spaeter
unterrichtete, zog 1530 auch in das Kloster; beide als maennliche
"Schirmer" der von Luther und seinem Famulus Veit Dietrich verwaisten
Familie. Die Brueder waren sehr musikalisch; ein dritter, namens
Matthias, sogar in seiner Vaterstadt am Dom Organist und Tonsetzer.
Peter und Hieronymus erfreuten also die Familie durch ihren huebschen
Gesang. Aber es war gut, dass der heitere Bruder Peter noch ins Kloster
kam, denn der hochbegabte Hieronymus war--wie Matthias--zur Schwermut
geneigt. Und die vielbesorgte Hausfrau wird zugeredet haben, dass der
Truebsinnige lieber eine Stelle in Dresden annehmen solle; aber er blieb
bis 1535 und war so acht Jahre in ihrem Haus. Daher kam es, dass auch die
beiden andern Weller gar oft als Gaeste im Kloster weilten. So waren am
24. September 1533 die zwei oder gar drei Weller da und sangen mit
Luther. Ebenso 1534. Im folgenden Jahr wurde Hieronymus Doktor der
Theologie und den Doktorschmaus fuer acht Tische musste Frau Kaethe
ausrichten Mit dem Juristen Peter biss sich Luther weidlich herum[366].

Um diese Zeit gehoerte auch ein adeliger Boehme, _Hennick_, ein Waldenser,
zu den Tischgenossen, der spaeter mit Peter Weller zum heiligen Lande
zog, wo beide gestorben und begraben sind[367].

Als fremdlaendischer Haus- und Tischgenosse lebte im Lutherhause auch der
"schwarze Engeleser" Dr. theol. Antonius (Robert _Barns_), dem Luther im
Scherz seine Kaethe zum deutschen Sprachmeister geben wollte und der auch
Gast bei den haeufigen Hochzeiten im Schwarzen Kloster war. Er war 1529
seines Glaubens wegen aus der Heimat geflohen, dann von Heinrich VIII.
als Unterhaendler seiner neuen Ehe und "Religion" gebraucht, aber dann
doch bei seiner Rueckkehr mit zwei Gefaehrten "von Koenig Heinz wegen
seines evangelischen Glaubens auf das Schmidfeld hinausgefuehrt und
verbrannt worden". Von dem Maertyrertum "unseres guten Tischgesellen und
Hausgenossen" gab Luther dann eine Schrift heraus[368].

Kaethes Tischgenosse war ferner der Ungar Matthias v. Vai, ein mutiger
Mann, dem es daheim besser erging als Robert Barns. Denn als er mit
seinen papistischem Amtsgenossen in Streit geriet, verklagte ihn dieser
bei des Woiwoden Bruder, dem Moench Georg, damals Statthalter in Ofen.
Dieser wollte bald erfahren, wer recht habe, setzte zwei Tonnen Pulver
auf den Markt und sagte: "Wer seine Lehre fuer goettlich erkennt, setze
sich Drauf--ich zuende es an, wer lebendig bleibt, dess' Lehre ist
recht." Da sprang Vai flugs auf die Tonne, der Priester aber folgte
nicht und Georg strafte den Priester mit seinem Anhang um 4000 Gulden,
dem Vai aber erlaubte er, oeffentlich zu predigen. Diese rettende,
mutige That erzaehlte Luther mit Freude seinen Tischgenossen[369].

Lange Zeit (1529-1534) lebte auch M. Veit Dietrich im Lutherhause. Er
war ein Nuernberger (geb. 1506), der nach Wittenberg gekommen war, um
Medizin zu studieren, aber wie manche andere von Luther fuer die
Theologie gewonnen wurde (1527) und ihm bald als vertrauter Famulus an
die Hand ging. Er begleitete Luther auf die Koburg. Dietrich hatte seine
eignen Zoeglinge; von der Koburg sandte er ihnen "Argumente", die sie
auswendig lernen sollten, waehrend Luther dieselben durch seinen Brief
vom Dohlen-Reichstag erfreute. Als Luther vom Reichstag zurueckgekehrt
war, schrieb er dem in Nuernberg zurueckgebliebenen Dietrich von dem Stand
der Dinge in Wittenberg, auch Gruesse von der ganzen Tischgenossenschaft
und Frau Kaethe, welche zugleich auszurichten befahl, "Dietrich solle
nicht glauben, dass sie ihm erzuernt sei". Dietrich kam naemlich nicht
recht mit Frau Kaethe aus. Er meinte von sich selbst, dass er zwar keine
krausen Haare habe, aber einen krausen Sinn. Daher riet ihm Luther, ein
Weib zu nehmen, da werde ihm das schon vergehen. Das wollte Dietrich
auch. Aber bis er dazu kam, rieb er sich einstweilen, wie es scheint, an
Frau Kaethe. Als sie ihm gar die Liebschaft mit Muhme Lene untersagte,
zog er im Herbst 1534 mit seinen sechs Scholaren aus dem Hause und
verbreitete die Rede, die Doktorin sei gegen seine Zoeglinge hochmuetig
und berechnet gewesen. Fuer die Hauswirtin mit ihren eignen fuenf kleinen
Kindern und dem schweren Haushalt war dieser Wegzug wahrlich eine
Erleichterung[370].

Es gab nun natuerlich zwischen Dietrich und dem Lutherischen Hause eine
Spannung. Diese aber ging vorueber. Als Dietrich im folgenden Jahre in
seine Vaterstadt Nuernberg berufen wurde und heiratete, schrieb ihm nicht
nur Luther einen freundlichen Brief, sondern auch Kaethe sandte ihm Gruesse
und Glueckwuensche zum Ehestand und Amt. Der Briefwechsel dauerte fort bis
zu beider Maenner Tod und auch Kaethes Gruesse blieben nicht aus[371].

Ein Landsmann von Veit Dietrich, _Hieronymus Besold_, kam einige Jahre
nach dessen Weggang ins Lutherhaus. Er war durch jenen gegen die
Hauswirtin eingenommen, so dass er sich anfangs vor ihr als einer
herrischen und habsuechtigen Frau fuerchtete. Aber--er kam doch an ihren
Tisch und blieb da und verlor seine schlechte Meinung von ihr, wenn er
auch von Frau Kaethe mit Bestellungen in Nuernberg in Anspruch genommen
wurde und dann einmal nicht wagte, sie an seine Auslagen zu
erinnern[372].

Um diese Zeit (1537-1542) war auch M. Johann (Sachse aus) _Holstein_ im
Klosterhaus Tischgenosse, auf dessen rotes Haar der "Schandpoetaster"
Simon Lemnius (1538) seine wohlfeilen Witze machte. Er war eines
"ehrbaren, frommen Gemuets und stillen Wesens, dazu ein feiner Magister".
Er hatte 17 Jahre studiert und war ueber zehn Jahre lang Magister
(Privatdozent) gewesen, gab im Lateinischen, Griechischen und
Hebraeischen keinem etwas nach. Trotzdem konnte er nicht als ordentlicher
Professor ankommen, so dass sich Luther bei dem Senior der
"Artistenfakultaet", M. Melanchthon, erkundigen wollte, was fuer ein Groll
und Neidhart dahinter stecke. Auch Frau Kaethe nahm sich seiner an und
legte ein gutes Wort bei Meister Philipp ein, das aber eine boese Statt
fand. So musste sich Holstein weiter mit Knaben ernaehren und wurde
schliesslich Jurist[373].

1539 lebte bei Luther wieder ein "Oestreicher" als Kostgaenger, Huttens
Freund Wolfgang Angst oder _Schiefer_ (Severus), gebuertig aus dem
oesterreichischen Elsass zu Kaisersberg bei Kolmar. Er war zuvor
Hofmeister der Soehne des Koenigs Ferdinand, spaeter Kaiser Ferdinand I.,
Bruder Karls V. gewesen, musste aber seines Luthertums wegen fluechten und
nahm nach Wittenberg seine Zuflucht. Er war ein sehr feiner Mann, noch
unbeweibt; Luther empfahl ihn dem Kurfuersten zum Hofmeister und hoffte,
er solle ihm "sehr wohl gefallen". Aber es wurde nichts daraus, und so
lebte Schiefer als ein lieber Freund Luthers ins folgende Jahr im Haus.
Schiefer beteiligt sich gar oft an den Tischgespraechen, ihm soll Frau
Kaethe auch von Luther aus Weimar allerlei ueber "seinen Koenig Ferdinand"
ausrichten[374].

Ein ebenso gesetzter Mann kam um diese Zeit als Gast ins Lutherhaus nach
Wittenberg, _Matthesius_, der 36jaehrige Schulmeister von Joachimsthal,
der noch Theologie studieren wollte, um daheim das Pfarramt zu
uebernehmen. Von 1540-42 war er Genosse an Kaethes Kosttisch. Er redet
mit grosser Verehrung von ihr[375].

Und endlich kam noch _Goldschmidt_ (Aurifaber) ins Haus, ein Mansfelder.
Er studierte von 1537-40 Theologie; wurde dann Hofmeister des jungen
Grafen Mansfeld, und darauf Feldprediger, kam aber 1545 nochmals nach
Wittenberg und war die ganze Zeit bis zu Luthers Tod um ihn.
Gleichzeitig war _Rutfeld_ da als Famulus und Praezeptor fuer Luthers
Knaben[376].

In dieser letzten Lebenszeit Luthers sass wieder ein Oesterreicher an
Kaethes Tisch, Ferdinand _a Mangis_, ferner ein M. _Plato_ und andere
Kostgaenger[377].

Das war Luthers oder vielmehr Frau Kaethes "Tischburse", an welcher
teilzunehmen alle, auch die Aeltesten, Geehrtesten und Gelehrtesten fuer
ein hohes Glueck und grosse Auszeichnung ansahen. Und wenn es gar einen
Rundtrank gab aus dem Glase der heiligen Elisabeth von Thueringen, das
Luther besass, so galt das als eine besonders feierliche Stunde[378].

Ausser diesen erwachsenen und zum Teil sogar in sehr gesetztem Alter
stehenden Kostgaengern gehoerten zur "Tischburse" Luthers noch die
zahlreichen fremden Kinder, die als Pensionaere gegen und ohne Entgelt im
Schwarzen Kloster lebten. Kaethe setzte eine bestimmte Zahl von solchen
Kostgaengern fest, ueber die sie mit Recht nicht hinausgehen wollte. Als
daher der Kanzler Mueller zu Mansfeld im Januar 1536 anfragte wegen
Uebernahme eines gewissen Kegel an Kaethes Kosttisch, musste ihm der
Hausherr schreiben: "Den Kegel haette ich wohl gerne zum Kostgaenger haben
moegen aus allerlei Ursachen, aber weil die Purse (Burse) wiederkummt von
Jena (wohin die Studenten wegen der Pest gezogen), so ist der Tisch voll
und ich kann die alten Compane nicht also verstossen. Wo aber eine Staett
los (ein Platz leer) wuerde (was nach Ostern geschehen mag), so will ich
meinen Willen Euch gern darthun, _wo anders Herr Kaethe alsdann mir
gnaedig_ sein wird."[379]

Also Frau Kaethe bestimmte ueber den Kosttisch. Und das war auch sonst gut
so. Denn der gutmuetige Doktor nahm jeden armen Schelm auf, der sonst
nicht unterkam oder sorgte fuer ihn durch Stipendien, so dass aus aller
Herren Laender und aus allen Staedten, sogar aus "Mohrenland" Schueler und
Studenten nach Wittenberg stroemten "und wir allhie gar sehr ueberladen
sind und mehr denn unsre Armut vermag von vielen verjagten und sonst
guten Leuten, so gern studieren wollen, besucht werden um Huelfe". So
musste z.B. 1533 die Frau Doktorin ihren Mann draengen, an die Stadtraete
von Rothenburg an der Tauber zu schreiben, dass sie sich eines ihrer
Stadtkinder annaehmen, eines Georg Schnell, der "arm war und nichts
hatte" als einen guten Kopf und ein frommes Gemuet, und taeglicher Haus-
und Tischgenoss im Schwarzen Kloster war[380]. Einen andern kleinen
Knaben, der ihnen 1541 vom reichen England durch einen Nuernberger
Geistlichen aufgehalst war, musste man nach Nuernberg ins Findlingshaus
(Waisenhaus) abschieben. Luther musste sich auf Kaethes Vorstellungen an
den "ehrbaren und fuersichtigen" Ratsherrn Hieron. Baumgaertner wenden,
ihrer beiden "lieben Herrn und guten Freund". "Auf gut Vertrauen, so ich
zu Euch habe, schicke ich hie einen Knaben, der mir aus England ist
schalkhaft aufgelogen. Nu ihr aber wisset, was fuer eine Bettelstadt
unsre Stadt ist, dazu der Bube noch wohl bedarf einer Magd, die sein
warte mit Waschen und Lausen usw., mein Zins (Einkommen) aber nicht
vermoege, ist meine ganz freundliche Bitte, wollet bei den Herren in
Nuernberg guter Fugge sein, dass er ins Fuendli-Haus moechte versetzt
werden. Wir sind sonst ohnedas, und ich sonderlich, hier gar hoch genug
beschwert und ueber Vermoegen beladen. Gott behuete mich, dass ich nicht
mehr so betrogen werde."[381] Aber auch die andern nicht gerade armen
Kostgaenger liessen es an puenktlicher Bezahlung fehlen und empfanden es
als Haerte von Kaethe der Hausfrau, wenn sie "auf richtige Bezahlung
drang", waehrend sie von Luther her anders gewohnt und verwoehnt
waren[382].

Gelegenheit, die jungen Leute nicht nur zu bekoestigen, sondern auch in
Krankheit zu pflegen, hatte natuerlich Frau Kaethe auch genug. Ein junger
Adeliger, Sohn eines der vielen Lutherischen Gevattersleute, war 1534 im
Haus und hielt sich fein. Er machte die Masern durch und wurde von Kaethe
"fleissig gewartet" nach Dr. Augustins (Schurff) Rat, des Hausarztes und
Nachbarn. Er wurde gesund. Aber manche diese Krankheiten fuehrten auch
zum Tode und das musste den Pflegeeltern, insbesondere der Frau Kaethe zu
schwerer Sorge werden[383].

Wie Frau Kaethe bei den Mahlzeiten die leibliche Kost bereitete, so gab
der gespraechige, unterhaltsame Doktor die geistige Kost, die
"Tischwuerze".

Luther war von Natur "ein gar froehlicher Gesell", ja voll
uebersprudelndem Humor, wenn er sich wohl fuehlte, aber auch, wenn er
Uebles erfahren hatte: Aerger und Verdruss, dem zum Trotz. In seiner
Beichte vor seinem ersten Krankheitsanfall (1527) sagte er zu
Bugenhagen: "Viele denken, weil ich mich unterweilen in meinem aeussern
Wandel froehlich stelle, ich gehe auf lauter Rosen; aber Gott weiss, wie
es um mich stehet meines Lebens halber. Ich habe mir oft vorgenommen,
ich wollte der Welt zu Dienst mich etwas ernstlicher und heiliger (weiss
nicht, wie ich's nennen soll) stellen; aber Gott hat mir solches zu thun
nicht gegeben." Und Bugenhagen bezeugte dabei: "Thut er ihm unterweilen
ueber Tisch mit Froehlichsein zu viel, so hat er selbst keinen Gefallen
daran und kann solches keinem gottseligen Menschen uebel gefallen, viel
weniger ihn aergern, denn er ist ein leutseliger Mensch und aller
Gleisnerei und Heuchelei feind."[384]

Luther redete gut und gern und viel. Er liebte besonders Sprueche,
sinnreiche Reden und huebsche Reime, Sprichwoerter und Anekdoten. Deren
wusste er sehr viel und die brachte er am Tisch wie auf der Kanzel vor.
Ueber und nach Tische wurde zwischen den Reden auch gesungen, und wer
eine gute Stimme hatte, auch Gaeste, mussten mitthun; Luther, der ein
guter "Lautenist" war, begleitete den Gesang[385].

So entstanden die beruehmten Tischgespraeche, die sich um die tiefsten und
hoechsten, die groessten und kleinsten Dinge, goettliche und menschliche,
himmlische und irdische drehten, bald im erbaulichsten Ernst,
bald im lustigsten Scherz, jetzt sinnig zart, dann in derber
Natuerlichkeit--obwohl der erste und Hauptherausgeber der Tischreden, der
ehemalige Feldprediger Aurifaber, spaeter Pfarrer in Erfurt, die derben
mit behaglicher Breite ausmalt, vergroebert und aus dem nicht ganz
sauberen Schatz seiner soldatischen Erinnerungen und Ausdrucksweisen
ergaenzt[386].

Diese Tischreden wurden naemlich von Luthers Juengern auf- und
nachgeschrieben, wie Jesu und Sokrates' Aussprueche und Gespraeche; zuerst
nach dem Gedaechtnis, spaeter nach gleichzeitigen Aufzeichnungen.

_Cordatus_ war der erste, der es wagte, hinter dem Tisch sitzend oder
davorstehend, die geistvollen Reden des Meisters--auch, wie ihm
Melanchthon warnend bedeutete, manches weniger zur Verewigung geeignete
Wort--in sein Notizbuch einzutragen. Andre Tischgenossen und Gaeste wie
_H. Weller_, _Veit Dietrich_, _Lauterbach_, _Besold_, _Schlaginhaufen_,
_Matthesius_, _Ferdinand a Mangis_, _Goldschmidt_ folgten seinem
Beispiel nach. Auch der Diakonus _Roehrer_, der beruehmte Schnellschreiber
und Notarius (Protokollfuehrer) der Evangelischen auf den Reichstagen und
Religionsgespraechen, verzeichnete "viel Koestliches". Und so sind unter
der zahllosen Menge von Lutherreden (3000) auch einzelne authentische
Worte der Doktorin ueberliefert[387].

Wie es bei diesen Tischgespraechen zuging, das erzaehlt uns Matthesius.
Bescheiden und sittsam sassen die Leute da und sahen auf "Seine Wuerden,
den Herrn Doktor". "Wenn er uns nun Rede abgewinnen wollte, fing er an:
"Was hoert man Neues?" Diese erste Vermahnung liessen wir gehen. Wenn er
aber wieder anhob: "Ihr Praelaten, was Neues?" da fingen die Alten an zu
reden. D. Wolf Severus, so der Roemischen Koeniglichen Majestaet Praezeptor
gewesen, sass oben an, der brachte, wo niemand Fremdes vorhanden, als
gewandter Hofmann was auf die Bahn. Wenn so das Gedoeber anging, doch mit
gebuerlichem Anstand, so schossen die andern auch ihren Teil dazu"[388].

Alle moeglichen Dinge und Vorkommnisse gaben den Anlass zu kuerzeren oder
laengeren Reden, bald die Tagesneuigkeiten, bald ein Gast, jetzt die
Kinder mit ihrem Spiele oder Unarten und dann Peter Wellers Hund, der so
andaechtig morgens zum Essen war wie kein Beter. Alles musste zum
Anknuepfungspunkt oder zum Sinnbild fuer hoehere Wahrheiten dienen. Und
nicht selten gab Frau Kaethe durch eine Rede oder durch ihre blosse
Anwesenheit die Veranlassung zu sinnigen Bemerkungen[389].

Die Tischreden wurden meist lateinisch gehalten, wie die Briefe Luthers
mit allen "gelehrten", d.h. akademisch gebildeten, Maennern lateinisch
geschrieben wurden. Bei alltaeglichen Dingen, wo der deutsche Ausdruck
gelaeufiger war, ging es vom Latein ins Deutsche bunt durch einander.
Wenn ungelehrte Freunde oder Freundinnen zugegen waren, oder Frau und
Kinder der Unterhaltung folgen sollten, wurde deutsch gesprochen; doch
liefen auch da lateinische Brocken unter. Am treuesten ist dieser
Wechsel vom Latein und Deutsch bewahrt in Lauterbachs Tagebuch.

So viel verstanden aber auch die weiblichen Hausgenossen, teils vom
Kloster her, teils aus dem steten Hoeren von Lateinisch, dass sie sich
drein mischen konnten, oft sogar selbst vielleicht mit lateinischen
Phrasen. So Muhme Lene, welche auf die Frage, ob sie wieder ins Kloster
wolle, mit Non, Non! antwortete. Besonders aber die Doctorissa, wie sie
bei den jungen Leuten respektvoll genannt und geschrieben wurde[390].

So redete Luther einmal von der elterlichen Liebe: "Lieber Gott, wie
wird sich ein Herzpochen erhoben haben, da Abraham seinen einigen und
allerliebsten Sohn Isaak hat sollen toeten! Es wird ihm der Gang auf den
Berg Moria sauer angekommen sein. Er wird der Sarah nichts davon gesagt
haben." Da fing seine Hausfrau an und sagte: "Ich kann's in meinen Kopf
nicht bringen, dass Gott so grausam Ding von jemands begehren sollte,
sein Kind selbst zu erwuergen." Luther widerlegte diese verstaendig
natuerliche Einwendung mit dem theologischen Hinweis auf Gott selbst, der
ja seinen eigenen Sohn habe kreuzigen lassen. Aber die Doktorin konnte
sich damit nicht ganz ueberzeugen lassen[391].

Frau Kaethe wusste auch Sagen. So erzaehlte sie von einem Wasserweib, das
in der Mulde im Wasser in einem Loche wie in einer schoenen Stube
gesessen und haette ihr das Wasser nichts geschadet; zu der sei eine
Wehemutter von einem "Geist" gefuehrt worden, um ihr beizustehen[392].

Ein andermal wurde bei Tisch erzaehlt, dass einer in der Stadt die Ehe
gebrochen. Da entsetzte sich Frau Kaethe und fragte den Herrn Doktor:
"Lieber Herr, wie koennen die Leute nur so boese sein und sich mit solchen
Suenden beflecken?!" Da antwortete er: "Ja, liebe Kaethe, die Leute beten
nicht; so ist dann der Teufel bei der Hand."[393]

Einmal fing der Doktor mit seiner Kaethe eine Disputation an ueber ihre
Heiligkeit. Sie erwies sich da als eine tuechtige, in lutherischen
Gedankengaengen geuebte Theologin, wurde natuerlich aber von dem
Sieggewaltigen doch widerlegt und ueberwunden. Er fragte sie, ob sie
glaube, dass sie heilig waere? Sie dachte lange nach, dann erwiderte sie:
"Wie kann ich heilig sein, da ich eine so grosse Suenderin bin! So sehr
hat der Papst unser ganzes Wesen verdorben, seine Lehre hat unser
Innerstes so durchsetzt, dass wir auch mit willigem Ohr Christus nicht
als unsern Erloeser, als unsere Gerechtigkeit und Heiligkeit erkennen und
wunderbarer Weise glauben, getauft, ja Christen zu sein und doch nicht
glauben, heilig zu sein. Denn in der Taufe wird unsre Suende verbannt und
uns Christi Gerechtigkeit geschenkt und wir glauben doch nicht, heilig
geworden zu sein. Soweit wir Menschen, sind wir Suender, aber weil wir
getauft sind und glauben, so sind wir heilig durch Christum."

Luther entgegnete: "Ja, der ganze Christ ist heilig; denn wenn der
Teufel den Suender wegfuehrt, wo bleibt der Christ? Daher ist die
Unterscheidung meiner Gattin nicht gueltig. Denn wer durch festen Glauben
an seiner Taufe haengt, der ist ganz heilig (wie David sich heilig
nennt). Die Papisten, welche den Artikel von der Suendenvergebung nicht
verstehen, koennen diese Heiligkeit nicht glauben noch einsehen, aergern
sich nur, wenn sie solches von uns hoeren."[394]

Die Ritter vom Geiste waren zu jener Zeit ganz besonders kampfesfreudig
und die Fehden des Wortes wollten kein Ende nehmen. Insbesondere aber
waren an Luthers Tische die wissenshungrigen Magister auf diese
interessanten Privatissima erpicht und vor allem suchten die
Tagebuchschreiber, die auf jedes Wort vom Munde des Geistgewaltigen
lauerten, um es gedruckt in die Welt zu senden, diese Gespraeche zu
verlaengern. Natuerlich hatte Frau Kaethe viel weniger Freude an diesen
theologischen Turnieren; ihr lebhafter Geist, wie derjenige von Jonas,
mochte langen Eroerterungen nicht folgen. Sie unterbrach daher gar oft
die gelehrten Gespraeche, indem sie den geistlichen Fechtern ganz
gewoehnliche Knueppel zwischen die Schwerter warf, vor allem ihrem
Gatten, der nicht leicht aufhoeren konnte, wenn er einmal im Zuge
war[395].

Wenn des Redens bei Tisch zu viel wurde und dabei die Speisen kalt und
warm der Trank, da brach Frau Kaethe mit einer Strafpredigt los ueber den
Text: "Was ist denn, dass ihr ohne Unterbrechung redet und nicht esst?"
Ueber diese Stoerung war der Tischredenschreiber Cordatus entruestet, er
hatte gerade eine gar schoene Auseinandersetzung Luthers ueber das
Vaterunser, den "Himmelsknecht Gabriel und den Himmelsfuhrmann Raphael",
die er "aus vollem gluehenden Herzen" that, heimlich aufgeschrieben. Aber
Luther wandte die Sache zum Scherz und sagte: "Wenn nur ihr Frauen,
bevor ihr eine Predigt anfanget, auch beten koenntet (d.h. euch sammeln
und besinnen); ein Paternoster solltet ihr zuvor sprechen!" [396]

Aber auch Frau Kaethe stellte in der Rede ihren Mann. Ueber diese
weibliche Wohlredenheit wurde sie oefter aufgezogen von Luther. Er fragte
sie lachend: ob sie predigen wolle und ihrer Predigt so viel Worte
Betens (als Einleitung) vorausschicke? Oder er neckte sie: die Weiber
duerften nicht predigen, weil sie nicht beteten vor der Predigt; oder:
Gott lasse, durch ihr langes Gebet ermuedet, sie gar nicht zum Predigen
kommen. Einst sass ein gelehrter "Engeleser" (Englaender) am Tische, der
kein Wort Deutsch konnte; da sagte Luther zu ihm: "Ich will Euch meine
Frau zum Lehrer in der deutschen Sprache vorschlagen, die ist gar
beredt. Sie kann's so fertig, dass sie mich weit ueberwindet."[397]
Freilich setzte er hinzu: "Die Beredsamkeit ist nicht zu loben an
Frauen; es ziemt sich eher, dass sie bloss lispeln und stammeln. Das steht
ihnen wohl besser an." Und vom Unterschied der weiblichen und maennlichen
Beredsamkeit sagt er in einem andern Tischgespraech: "Die Weiber sind von
Natur beredt und koennen die Rethoricam, die Redekunst wohl, welche doch
die Maenner mit grossem Fleiss lernen und ueberkommen muessen. Das aber ist
wahr: in haeuslichen Sachen, was das Hausregiment, da sind die Weiber
geschickter und beredter; aber im weltlichen, politischen Regiment und
Haendeln taugen sie nichts. Dazu sind die Maenner geschaffen und geordnet
von Gott und nicht die Weiber. Denn wiewohl sie Worte genug haben, so
fehlet und mangelt's ihnen an Sachen, als die sie nicht verstehen; drum
reden sie davon auch laeppisch, unordentlich und wueste ueber die Massen.
Daraus erscheint, dass das Weib geschaffen ist zur Haushaltung, der Mann
aber zur Policei (Politik), weltlichem Regiment, zu Kriegen und
Gerichtshaendeln, die zu verwalten und fuehren."[398]

So kam Frau Kaethe bei den Gespraechen der Maenner wohl weniger zum Wort,
als sie verdient haette; und noch weniger fand man bemerkenswert, was sie
sagte. Es ist schade, dass die "Tischreden" so wenig von der Doctorissa
berichten. Aber den Tagebuchschreibern kam es vor allem auf theologische
Eroerterungen an--darum ist auch die einzige laengere Rede von Kaethe, die
sie der Aufzeichnung wert erachtet haben, eine theologische; zum andern
wollten sie des Doktors Reden bringen: die Erguesse seines uebergewaltigen
Geistes schienen ihnen allein der Nachwelt wuerdig.




13. Kapitel

Hausfreunde.


Die Humanistenzeit hatte ein ausgepraegtes Freundschaftsbeduerfnis,
welches nur ein Seitenstueck findet in der freundesseligen Stimmung
unserer klassischen Litteraturperiode im vorigen Jahrhundert. Dieses
rege Freundschaftsgefuehl aeussert sich einerseits in den zahlreichen
Besuchsreisen der befreundeten Humanisten, welche in jener Zeit der so
beschwerlichen Reisegelegenheiten doppelt auffallen, und dann in dem
heute ganz unbegreiflich reichen Briefwechsel, in welchem diese
Gelehrten damals mit einander standen. Alle moeglichen Dinge teilte man
sich brieflich mit, selbst die intimsten persoenlichen Erlebnisse und
Stimmungen; und wenn man gar nichts zu schreiben hatte, so schrieb man
sich auch dieses. "Ich schreibe Dir, um Dir zu schreiben, dass ich nichts
zu schreiben habe", ist kein ungewoehnlicher Briefinhalt dieser Zeit,
sogar bei Luther[399].

Den groesstmoeglichen Freundeskreis zaehlte aber begreiflicherweise das
Luthersche Ehepaar. Nicht etwa Luther allein, sondern auch Frau Kaethe.
Die vielen jungen Leute, die bei ihr Kost und Pflege fanden, die
mancherlei Magister, die als Praezeptoren ihrer und anderer Knaben im
Schwarzen Kloster hausten, die vielen Amtsgenossen und Schueler ihres
Mannes, die zahllosen Gaeste, welche freundliche Aufnahme an ihrem Tische
erlebten: sie alte kannten und verehrten neben dem gewaltigen Doktor
auch die weibliche Genossin seiner Freundschaft und Gastlichkeit, Frau
Kaethe. Aus den Schuelern wurden Amtsgenossen, aus den Tischgenossen
Freunde--ein stets wachsender Haufen. Und Luthers alte Bekannte, welche
Frau Kaethe erst durch Briefe oder Besuche kennen lernte, wurden mit der
Zeit auch ihre Freunde, namentlich wenn sie diese Freundschaft durch
Gruesse, Glueckwuensche und Geschenke warm hielten.

Diese umfangreiche Freundschaft wurde auch lebhaft gepflegt. Da ist kaum
ein Brief, den Luther empfaengt oder schreibt, in dem nicht auch die Frau
Kaethe gegruesst wird oder gruesst, oder Glueckwuensche und Beileidsbezeugungen
zu allerlei Familienereignisse und Glueckwechsel empfaengt und sendet.

Gar oft begnuegt sich aber Frau Kaethe nicht mit einem blossen Wortgruss,
sie fuegt auch in ihrer praktischen Weise einen guten Rat bei, eine
Mahnung, oder ein Rezept, eine Arzenei, eine Wurzel gut fuers Steinleiden
u. dgl.

Noch viel haeufiger aber hat Frau Kaethe zu danken fuer allerhand
Geschenke. Und nicht zum wenigsten nuetzt die wirtliche Hausfrau die
Freundschaften aus zu allerlei hauswirtschaftlichen Auftraegen. Dies ging
bei Lauterbach sogar soweit, dass Luther selber einmal bei einer solchen
Bestellung meint, sie haette den Freund foermlich in Dienst und Beschlag
genommen[400].

Wie begreiflich, waren die Hausfreunde in einem so ausnehmend
theologischen Hause auch fast lauter Theologen. Weltlich waren nur die
Verwandten: Geschwister, Schwaeger und Schwaegerinnen, einige vornehme
Gevattersleute, wie die Kanzler Mueller und Ruehel in Mansfeld, die Goritz
in Leipzig, Hans von Riedtesel und Hans von Taubenheim, der
Landrentmeister in Torgau, an welchen Frau Kaethe in die Ferne
freundliche und ehrerbietige Gruesse, Glueckwuensche oder Einladungen
sendet oder gar selbst einmal zu einem Brief--natuerlich einem
Geschaeftsbrief--sich aufschwingt. Auch der Strassburger Syndikus Gerbel
laesst Frau Kaethe tausendmal gruessen. Der Stadtschreiber Roth von Zwickau
laesst ein Exemplar seiner Postille fuer die Doktorin binden und schenken
und sendet ein Glas, das "fein ganz" ankommt. Endlich war noch eine
liebenswuerdige Adelsfamilie Joerger von Tollet im Oesterreichischen, eine
Mutter mit mehreren Soehnen, welcher Luther einen evangelischen
Hauskaplan besorgt hatte (1525) und allerlei seelsorgerliche Ratschlaege
gab, die sich nun dankbar erwies in zahlreichen und teuren Geschenken:
"ungarische Gulden", "Kuetten-Latwerg" und andere "treue und teure
Gaben"; auch ein Stipendium sandte sie von 500 Goldgulden fuer arme
Gesellen, die in der heiligen Schrift studieren. Spaeter studierte auch
ein Enkel der Joergerin in Wittenberg. Mit dieser "ehrenreichen, edlen
Frauen Dorothea Joergerin, als besonders guten Freundin", wurden gar
zahlreiche und freundliche Briefe gewechselt, worin auch Luthers
"Hausehre Frau Kaethe" oft zum Grusse kommt[401].

Mit dem evangelischen Bischof von Naumburg, Nikolaus _v. Amsdorf_,
wechselte Frau Kaethe ehrerbietige Gruesse, namentlich seitdem sie durch
den Besitz von Zulsdorf die Nachbarin des gnaedigen Herrn Bischofs
geworden (1542); sogar mit einem Besuch "droht" sie auf "kuenftigen
Sommer". Sonst hatte man freilich mit dem ehelosen und hochgestellten
Mann weniger intime Beziehungen. Doch besorgte er auch einmal fuer 7 fl.
Butter und Stockfisch ins Lutherhaus[402].

Mit dem kleinen M. Joh. _Agrikola_, dem Pfarrer von _Eisleben_ und
seiner Else, stand die Luthersche Familie gleich von Anfang an in
lebhaftem Verkehr. "Sie konnte ihn auch sehr wohl leiden." Er hatte
schon 1523 zu dem Kreise der jungen Nuernberger gehoert, welche ueber die
Verlobung Baumgartens mit Kaethe sich aussprachen und steht auch jetzt
noch in regem Briefwechsel mit Wittenberg[403]. Da giebt's Gruesse an Weib
und Kinder, hinueber und herueber; auch ein Pelzrock wird dorther besorgt,
der Frau Kaethe nur zu teuer ausfaellt, und Elsbeeren oder kleine
Mispelchen werden bestellt, nach denen Frau Kaethe eben Gelueste bekommt.
1529 wird Agrikola nach Wittenberg geladen. 1530 sendet er vom
Augsburger Reichstag ueber Koburg einen scherzhaften Brief zur Besorgung
an Frau Kaethe, ueber den ihm Luther schreibt: "Ich errate leicht, was sie
Dir antworten wird. Wenn sie den Brief gelesen hat, wird sie lachen und
sagen: Ei, wie ist M. Eisleben doch ein Grundschalk!"[404] Luther nahm
sich Agrikolas an, als es dem beweglichen und ehrgeizigen Mann nicht
mehr in Eisleben gefiel. Und als er 1536 seine Stelle kuendigte und in
Wittenberg nicht gleich eine bequeme Wohnung fand, so oeffnete sich ihm
das Klosterhaus und Agrikola zog ein mit Weib und Kind. Als dann Luther
zu Anfang 1537 nach Schmalkalden zog, vertraute er Agrikola nicht nur
"Lehre, Predigtstuhl und Kirche an", sondern auch "Weib, Kind, Haus und
Heimlichkeit"[405]. Als aber Agrikola ein "Antinomist" (Bestreiter der
Giltigkeit des Gesetzes fuer die Christen) wurde, da entbrannte Luthers
Zorn wider ihn und er entzog ihm die vorher gewaehrte Erlaubnis, in
Wittenberg Vorlesungen zu halten. Agrikolas Frau, zu welcher Luther ganz
vaeterlich stand, so dass er sie mit Du anredet, that zwar vor dem Doktor
einen Fussfall und dieser nahm ihren Mann wieder zu Gnaden an (1538);
aber Agrikola entzog sich dem Einfluss Luthers, ging nach Berlin und die
Freundschaft mit dem "Meister Grickel" hoerte natuerlich auch fuer Frau
Kaethe auf, ohne wieder angeknuepft zu werden. Als spaeter einmal (1545)
Agrikola mit Weib und Tochter nach Wittenberg kam, durften bloss die
beiden Frauen ins Klosterhaus kommen; aber das Toechterlein fanden die
Lutherischen eitel und vorlaut wie ihren Vater[406].

Mit dem Pfarrer Jakob _Probst_ in Bremen, einem frueheren Klostergenossen
Luthers, auch einem Gevatter, stand ebenso die Lutherische Familie in
frueher Verbindung. Familiennachrichten werden ausgiebig mitgeteilt;
Kaethe und auch das kleine Patchen Margaretel senden regelmaessig Gruesse an
den fernen Gevatter und danken fuer Patengulden und andere Geschenke. Ihm
empfehlen die Eltern ihre Juengste zur Versorgung, da Probst sie sich zum
Patchen auserlesen. Und "Herr Kaethe" befiehlt ihrem Gatten, noch
scherzend anzufragen, ob denn die Nordsee ausgetrocknet sei, seitdem das
Evangelium die Erlaubnis zum Fleischessen gebracht habe? Denn niemals
habe es in Wittenberg weniger Seefische gegeben, so dass man schon durch
die Hungersnot zum Fleischessen gezwungen werde, wo nicht etwa die
Fische und das Meer sich vor des Papstes Zorn aengstigten, nachdem man
ihn zu Lande verachte. Am 14. Juni 1542 kam Probst, jetzt ein alter
Mann, nach Wittenberg, um seinen Vater D. Martinus noch einmal zu sehen.
Das war ein gar unerwarteter lieber Besuch und Frau Kaethe wird ihm den
Aufenthalt recht angenehm gemacht und das Margaretlein den Paten
froehlich begruesst und ihm mit ihrer huebschen Stimme etwas vorgesungen
haben[407].

Weniger im Verkehr war man mit dem frueheren Prior des Schwarzen Klosters
Eberhard _Brisger_, Pfarrer in Altenburg; doch tauschte auch mit ihm
Kaethe Gruesse aus[408].

Der ehemalige Klosterbruder (Stiftsherr der "Brueder vom gemeinsamen
Leben") Gerhard _Viscampius_ zu Herford war auch ein besonders guter
Freund der Familie Luther und Melanchthon und sie nahmen warmen Anteil
an ihm. 1528 sendet er an das Lutherische Ehepaar Tuch und zwei Lampen,
welche die zwei Gatten jede Nacht staendig gebrauchten. Dafuer soll er
auch regelmaessig Luthers Schriften erhalten[409].

Der alte "Stuermer und Schwaermer" D. Gabriel _Zwilling_, Luthers
Klostergenosse, der ihm auf der Wartburg mit seiner Bilderstuermerei so
zu schaffen machte, war, nachdem er seinen Radikalismus ausgetobt, ein
ruhiger Pfarrherr zu Torgau geworden. Er hatte zur Befreiung der Nonnen
aus Nimbschen mitgewirkt, und kam verschiedentlich nach Wittenberg,
durfte auch einen etwas schweren Auftrag Kaethes wegen Beschaffung eines
Leinenkastens besorgen[410].

Der Reformator und Stadtprediger von Gotha, _Mykonius_, der auch zur
Zeit der "Wittenberger Konkordia" sich im Lutherhause aufhielt, bekam
von Kaethe Gruesse, Glueckwuensche, Danksagung fuer ein "Kaese-Geschenk", auch
Verhaltungsmassregeln gegen seine Frau und Teilnahme an seinem
Brustleiden[411].

Ein besonderer Verehrer der Frau Doktorin war der feine Strassburger
_Capito_ (Koepflin), welcher im Jahre 1536 mit Butzer in Wittenberg die
"Konkordia" der saechsischen und oberlaendischen Kirche zustande brachte
und dabei im Lutherhause verkehrte. Er laesst die "treffliche Frau
Katharina von Bora, seine Wirtin", gruessen und sendet nach seiner
Heimkehr ihr einen goldenen Ring als Zeichen seiner Gesinnung gegen sie,
"welche mit Recht so hoch geschaetzt wird, weil sie mit hausmuetterlicher
Sanftmut und Emsigkeit die Versorgung unsres Lehrers uebt". Und auch Frau
Kaethe schaetzt den Strassburger Gast. Wiederholt laesst er sie gruessen und
verspricht ihr zur Frankfurter Messe 1537 einen Brief. Capito erbat sich
sogar mit den uebrigen Strassburger Freunden Gerbel, Butzer u.s.w. den
Sohn Hans erziehen zu helfen[412].

In _Nuernberg_ hatte Luther und damit auch seine Kaethe, allerlei gute
Freunde, besonders seine beiden Ordensbrueder, Wenceslaus _Link_ und Abt
_Friedrich_ (Becker, Pistorius), die ihm manches schoene Geschenk und
Geraet an Uhren, Drechslerwerkzeug, Holz- und Kupferstichen, feines Obst,
Saemereien aus der reichen Freistadt besorgten. Auch sie laesst Kaethe
gruessen[413].

In der Reichsstadt lebte aber auch ihre "alte Flamme", wie Luther
schreibt, der Ratsherr Hieronymus _Baumgaertner_. Die alte Liebe zu ihm
hatte sich zu herzlicher Freundschaft gestaltet, und es ist ein gar
schoenes Zeichen eines natuerlichen und gesunden Gefuehls, dass sowohl
Luther als Frau Kaethe in ganz unbefangener offener Weise von dieser
liebenden Verehrung fuer den ehemaligen Geliebten reden unter sich und
dem gemeinsamen Freund gegenueber: "Es gruesst Euch verehrungsvoll meine
Kaethe, Eure alte Flamme, welche Euch ob Eurer Tugenden und Vorzuege mit
neuer Liebe umfasst und von ganzem Herzen Euch wohl will." Von Koburg
schreibt Luther am 1. Oktober 1531 an Baumgaertner: "Ich gruesse Dich im
Namen meiner Herrin, Deiner einstigen Flamme; so werde ich ihr erzaehlen,
wenn ich heim komme. So pflege ich auch sie in Deinem Namen zu necken."
Als 1543 Luther durch seinen Tischgaenger Besold einen Brief erhielt,
ruehmte er des Briefschreibers Sittenreinheit, Froemmigkeit und Tugend. Da
fragte Luthers Gattin "nach ihrer Gewohnheit", wer denn der Schreiber
des Briefes waere. Luther antwortete: "tuus ignis Amynthas: Dein alter
Buhle (Liebhaber)."[414] Der Ton, diesem Freunde gegenueber, ist ein gar
herzlicher, namentlich in dem Trostbrief Luthers an Baumgaertner und
seine Frau, als der Nuernberger Kaufherr von dem Ritter Albrecht von
Rosenberg (bei Mergentheim) gefangen genommen und lange in Haft gehalten
wurde, so dass Frau Sibylle mit ihren fuenf unerzogenen Kindern laenger als
ein Jahr um das Leben ihres Ehewirts in Angst schwebte. Die Wittenberger
Freunde beteten in der Kirche oeffentlich um die Freilassung und gingen
den Landgrafen von Hessen darum an[415].

Auch Veit _Dietrich_ blieb trotz seines Spanes mit Kaethe nicht nur
Luthers Freund nach seinem Wegzug nach Nuernberg, wo er Pfarrer an der
Sebalduskirche wurde, sondern auch mit Frau Kaethe stellte sich bald
wieder ein freundliches Verhaeltnis her. Sie laesst ihn wiederholt
gruessen[416].

Mit den Freiberger "Geschwistern _Weller_", dem juengsten Peter, dem
Komponisten Matthias und besonders dem Theologen Hieronymus, aber auch
der Schwester Barbara Lischner standen die Lutherischen Eheleute in
freundschaftlichem Verhaeltnis. Der eine musste in seiner Schwermut
aufgerichtet werden, der andere versorgt, die Schwester belehrt ueber den
heimlichen Empfang des heiligen Abendmahls[417]. Dem Komponisten
Matthias laesst Luther mit Frau Kaethe danken, fuer sein "gutwillig Herz, so
er erzeigt hat mit dem Gesang und den Borsdorfern." Das Lied saengen die
Maenner unter Tisch, so gut sie's koennten. "Machen wir etliche Saeue
(Boecke, Fehler) darunter, so ist's freilich Eure Schuld nicht, sondern
unsre Kunst. Wenn's schon alle Komponisten gut machen, so ist unser
Ernst wohl noch weit drueber und koennen's boese genug singen. Es folgen
uns alle Regiment der ganzen Welt; sie lassen Gott und alte Vernunft
sehr gut Ding komponieren und stellen, aber sie singen auch, dass sie
wert waeren einen Markt eitel Wuerste aus den Saeuen oder Kloeppel in den
Feldglocken[418]. Darum muesst ihr Komponisten uns auch zugut halten, wenn
wir Saeue machen in den Gesaengen. Denn wir wollten's lieber treffen denn
fehlen. Solchen Scherz, bittet meine liebe Kaethe, wollet ihr fuer gut
annehmen, und laesst Euch freundlich gruessen. Hiemit Gott befohlen. 1535.
Priska-Tag."[419]

Dr. Hieronymus Weller heiratete um diese Zeit ein Freiberger Maedchen,
die Tochter G. am Steige. Natuerlich sollte ihm Frau Kaethe die Hochzeit
in Wittenberg ausrichten. Aber Frau Kaethe war damit nicht einverstanden;
kannte sie doch die grosse Unmusse und Unkosten, welche ein Doktor in
einer Universitaetsstadt aufwenden muesse: und hier waere sowohl der
Hochzeiter, wie der Hochzeitgeber ein Doktor; daher muessten viele Leute
eingeladen werden; Weller solle sich die Liste, die beigelegt sei,
einmal ansehen und werde dann merken, welche Menge geladen werden muesste
(wenn man auch einige streichen koennte), wofern man des Hochzeiters und
seiner Angehoerigen Ehre bedenke, zumal man die angesehenen Freunde doch
ehrenvoll bewirten muesse. Das sei sehr schwer. Auch koste es mehr als
100 fl. Die Eheleute rieten Weller daher, die eigentliche Hochzeit
anderswo zu halten und es einzurichten wie M. Kreuziger und Dr. Brueck,
naemlich mit geringer Begleitung nach der Universitaetsstadt zu kommen, zu
einem Morgen- oder Abendessen mit zwei oder drei Tischen. Hoffentlich
war der Dr. Hieronymus und seine Braut so verstaendig und gingen darauf
ein. Waehrend der ledige Doktor bei Luthers gewohnt hatte, zog er mit
seiner jungen Frau in ein eigenes Haus in der Nachbarschaft. Nicht lange
darauf wurde Weller Pfarrer in seiner Vaterstadt Freiberg, wo Herzog
Georgs Bruder Heinrich residierte und dem Evangelium beitrat; er blieb
aber in regem Verkehr mit dem Lutherhaus[420].

Nach Freiberg wurde 1538 auch M. Nikolaus _Hausmann_ als Stadtpfarrer
berufen. Er war einer der aeltesten und besten Freunde des Lutherischen
Hauses, ein sanfter, liebenswuerdiger Mann und Junggeselle. Zuerst in
Zwickau angestellt (bis 1532), wurde er dann Hofprediger bei den drei
Anhalter Fuersten in Dessau (1532-38). Die Bekanntschaft Kaethes mit ihm
ging durch ein zierliches und muehsam geflochtenes Koerbchen und das
schoene Glasgefaess, welches Hausmann selbst gemalt und als Andenken in den
jungen Haushalt geschickt hatte und das Kaethes Wohlgefallen erregte (S.
96)[421]. Von da an sendete Frau Kaethe dem Zwickauer Stadtpfarrer stets
angelegentliche Gruesse und wird wieder gegruesst in den zahllosen Briefen,
die fast jede Woche zwischen dem Wittenberger Kloster und dem Zwickauer
Pfarrhaus hin und wieder fliegen. Sie empfiehlt sich in schweren Zeiten
seinem Gebet oder bedankt sich fuer gesandtes Chemnitzer Leinen, wofuer er
eine Last lutherischer Schriften durch den Pakettraeger erhaelt[422]. Auch
"lebendige Briefe" gingen hin und her: allerlei Freunde und Bekannte,
namentlich seitdem auch Cordatus nach Zwickau versetzt war, anfangs
1529.[423] Oefters wird Hausmann eingeladen: seine Stubella (Stueblein)
sei bereitgestellt und alles geruestet--trotzdem Frau Kaethe einen jungen
Erdenbuerger erwartet. Einigemale kam auch Hausmann wirklich den weiten
Weg nach Wittenberg[424].

Im August 1531 ging Hausmann von dem schwierigen Zwickau weg, hielt sich
auch in Wittenberg auf. Von dem nahen Dessau aus war noch ein viel
regerer Verkehr moeglich. Das erste Zeichen war ein Wildschwein, das von
der Residenz kam und zum Martinstag von den Freunden des Lutherhauses
verspeist wurde. Als er krank wird, bekuemmert sich "Herr Kaethe" in gar
"stattlichem stetem Gedanken um den Freund". Ja, da dieser so oft
kraenklich ist, will Luther ihn gar zu sich nehmen, damit er der Stille
und Ruhe geniesse. 1538 kam aber Nikolaus Hausmann als Superintendent
nach Freiberg, wo sein Bruder Valentin lebte. Hier traf ihn bei seiner
Antrittspredigt am 3. November auf der Kanzel der Schlag. Die Freunde
und die Hausfrau verheimlichten Luther den Tod seines lieben Genossen
und brachten ihm die Nachricht erst allmaehlich bei--er aber sass einen
ganzen Tag und weinte, und auch Frau Kaethe wird dem Getreuen ihre
Thraenen nachgeweint haben[425].

Der fruehere Tischgenosse _Schlaginhaufen_ war im Jahre 1532 nach Zahna,
nur zwei Stunden von Wittenberg, als Pfarrer gesetzt worden, wo er mit
dem Lutherhause in enger Verbindung blieb, und z.B. einmal die von
Luther so geliebten Mispeln schickte. Aber in dem aermlichen und der
Gesundheit des schwachbruestigen Mannes wenig zutraeglichen Orte hielt er
es nur ein Jahr aus. Er wurde dann Pfarrer in Koethen und reformierte
dies Laendchen. Dahin gruesst auch Frau Kaethe. Er reiste mit nach
Schmalkalden, begleitete den erkrankten Luther zurueck bis Tambach, lief
dann mit der Kunde von dessen Besserung nach Schmalkalden und rief zu
den Fenstern an der Herberge des Legaten hinauf: Lutherus vivit!
Lutherus vivit! (Luther lebt! Luther lebt!)[426].

Mit dem Pfarrhaus von Leisnig standen Luther und seine Kaethe in regem
Verkehr. Sie senden in zahlreichen Briefen Gruesse an ihre ehemaligen
Tischgenossen M. _Lauterbach_ und seine Hagnes oder Nise (Agnese) und
Elslein ("Lamm" und "Laemmlein"); sie geben ihm allerlei zu besorgen, so
Frau Kaethe einen Katechismus an eine arme ehemalige Nonne, Christina v.
Honsberg, jetzt Gattin von Georg Schmid. Der Bischof von Meissen hatte
sich gegen Lauterbach gestraeubt, weil er nicht geweiht waere; da sagte
Lauterbach zu dem bischoeflichen Amtmann: "Ich bin genug geweiht durch
mein Weib (denn sie war eine Nonne) und Mann und Weib ist ein
Leib"[427]. Da der andre Pfarrer in Leisnig sich nicht mit Lauterbach
vertrug, so verzog dieser als Diakonus nach Wittenberg, wo er von
1536-39 lebte, um dann als Superintendent nach Pirna ins evangelisch
gewordene Herzogtum Sachsen zu kommen. Zu Wittenberg als Amtsgenosse
Luthers verkehrte er viel im Klosterhaus; auch seine Frau war oefter da
und gab einmal auf eine theologische Frage eine gar feine Antwort. Es
war an sie dieselbe Frage gerichtet, wie an Frau Kaethe, ob sie heilig
waere; da sagte sie, sie waere heilig, so viel sie glaubte; waere aber eine
Suenderin, sofern sie ein Mensch waere. Von Pirna hat Lauterbach die
Steinmetzarbeit an der Hausthuer fuer Frau Kaethe besorgt, weiterhin
Rebpfaehle, mehrmals Pelzroecke fuer die Toechter, auch Butter und Aepfel,
Borsdorfer und andere, "roetliche", von welchen sich dann Frau Kaethe auch
Zweige zur Veredlung bestellt[428].

Georg _Spalatin_ war bald nach Luthers Vermaehlung aus dem Hofdienst
getreten, hatte sich verheiratet und war neben M. Eberhard Brisger
Oberpfarrer von Altenburg geworden. Weil diese Stadt ziemlich weit
ablag, so kam der alte Freund Luthers nur bei besonderen Veranlassungen
amtlicher Art nach Wittenberg; auch Luther konnte, so sehr er voll
Sehnsucht nach des Freundes Umgang war, schwer nach Altenburg kommen,
nicht einmal zur Hochzeit Spalatins, weil er eben die Flucht der 13
Nonnen aus Freiberg veranstaltet hatte. Um so haeufiger aber sandten sich
die Freunde Briefe und Boten und teilten sich die haeuslichen
Vorkommnisse mit und Frau Kaethe draengt dabei ihren Mann zum Schreiben.
"Meine Rippe" oder "mein Herr Kaethe" senden an Spalatin und "seine
Rippe" oder "Kette" (sie hiess auch Katharina), seine "Hindin" und ihre
Kleinen Gruesse und Glueckwuensche, wuenscht ihm auch ein kleines
"Spalatinlein, das ihn lehre, was sie sich ruehmt von ihrem Haenslein
gelernt zu haben, naemlich die Frucht und Freude des Ehestandes, deren
der Papst mit seiner Welt nicht wert ist"[429]. Den in Schmalkalden
schwer erkrankten Luther liess Frau Kaethe ins Altenburger Pfarrhaus
bringen und bleibt dort mehrere Tage. Voller Dankbarkeit und Anerkennung
ist sie fuer die "freundliche Liebenswuerdigkeit und liebenswuerdige
Freundlichkeit", die sie mit ihrem Gatten im Hause des feinen Mannes
erfahren. Sie ist ungluecklich, dass sie in der Aufregung den Toechtern
Spalatins nichts mitgebracht und sendet ihnen schoen gebundene Buechlein,
ihr gewoehnliches Geschenk[430]. Nochmals nimmt sie die Liebenswuerdigkeit
des Altenburger Pfarrherrn in Anspruch, als sie ihre Bauten in Zulsdorf
ausfuehrt. Weil Spalatin gerade um diese Zeit nach Wittenberg kam, so
giebt sie ihm allerlei Auftraege mit, da Zulsdorf von Wittenberg so weit
weg und naeher bei Altenburg lag und sie wegen der bestehenden
Winterszeit nicht dahin kommen konnte. Da soll er, der ehemalige
Hofmann, bei dem Schoeffer dafuer sorgen, dass sie Eichenstaemme und dicke
Pruegel fuer Bauten bekomme in ihrem neuen Reich. Da empfiehlt sie ihre
Fuhrleute und Handwerker der Fuersorge Spalatins. Und dieser interessiert
sich fuer ihre Zulsdorfer Unternehmungen so sehr, dass ihm Luther
ausfuehrlich ueber all die Missgeschicke schreiben muss, welche seine Frau
mit den saechsischen "Harpyen" hat, welche ihr Bauholz wegstibitzen.
Dafuer schickt die arzneikundige Doktorin dem Herrn Oberpfarrer auch eine
Wurzel gegen den Stein, die sich bei Luther recht wirksam gezeigt
hatten.[431]

Ein Freund der Familie Luther war auch ihr Gevatter _Hans von
Taubenheim_. An ihn wendet Kaethe sich vertraulich mit wirtschaftlichen
Anliegen. Aber sie nimmt auch Teil an seinem Schicksal, als er 1539,
scheint's, in Ungnade fiel. Luther muss ihm schreiben: "Meine Kaethe laesst
Euch herzlich gruessen und weinet bitterlich ueber Euren Unfall und sagt:
wenn Euch Gott nicht so lieb haette, oder waeret ein Papist, so wuerd er
Euch solch Unglueck nicht geschehen lassen."[432]

Alle diese Freunde des Lutherhauses lebten auswaerts und waren nur
besuchsweise oder doch voruebergehend in Wittenberg. Die befreundeten
Familien in der Stadt selbst waren die der Amtsgenossen Luthers: die
Professoren Kreuziger, Jonas und Melanchthon und die Pfarrer Bugenhagen
und Roehrer, weniger bedeutend der andere Schlossprediger D. Georg Major,
der Professor des Hebraeischen Matthaeus Aurogallus (Goldhahn),
Melanchthons Busenfreund Paul Eber, D. Hier. Schurf, endlich sein
Bruder, der Hausarzt und Nachbar, Professor Augustin Schurf, dessen Weib
Hanna von Frau Kaethe in der Pestzeit ins Haus genommen und gepflegt
wurde. Sie alle waren vielfach Gaeste in Luthers Haus, namentlich bei der
Bibel-Uebersetzung. In ihrem Kreise liess sich Luther mehr gehen, als an
der Tafelrunde der Tischgenossen, mit "froehlicher Laune und witzigem
Scherzwort"[433].

_Kreuziger_, Dr. der heiligen Schrift, Luthers treuer Freund und
"Fuerbund", den er (seit 1528) zu seinem "Elisa", seinem Nachfolger in
der Theologie erlesen hatte, der auch Luthers Testament unterschrieben
hat, war--ausnahmsweise--ein wohlhabender Theologe[434]. Fuer ihn
besorgte Frau Kaethe Auftraege und seine Frau Elisabeth, eine gewesene
Nonne aus Pommern, bringt ihr ein goldenes Messgeschenk, wofuer Luther an
Kreuzigers Frau ein gleiches schickt. Diese, Elisabeth von Meseritz, war
die Dichterin eines Liedes, das Luther in sein Gesangbuch setzen liess.
Es beginnt:

  Herr Christ, der Einige Gottes
  Vaters in Ewigkeit,
  Aus seinem Herz entsprossen
  Gleichwie geschrieben steit.
  Er ist der Morgenstern,
  Sein' Glanz streckt er so fern
  Vor andern Sternen dar[435].

Elisabeth starb frueh, so dass Kreuziger zur zweiten Ehe schritt (1530);
mit der Hochzeit wollte er aber Frau Kaethe nicht beschweren und hielt
sie auf Schloss Eilenburg ab, das ihm der Kurfuerst auf Luthers Bitte
dafuer zur Verfuegung stellte. Dagegen ist er eingeladen bei Luthers
Geburtstagsschmaus[436].

_Bugenhagen_ oder D. Pommer, der stattliche und wuerdige Propst,
Professor und Stadtpfarrer und geborene General-Superintendent
(1536)[437], war mit seiner pommerschen Gelassenheit ein gar milderndes
Element in dem Lutherischen Hause, dessen Beichtvater er war. So hielt
er auch neben Luther ruhig in der Pestzeit aus. Trotz seines wuerdevollen
Wesens war er doch "im gemeinen Wandel eines liberalischen, froehlichen
und fertigen Gemuets". Er stellte sich von Anfang auf Frau Kaethes Seite.
Er half ihr--nebst dem Kapellan Roehrer--das schoene Glas vor Luthers
Geschenkwut retten. Er hielt sich gar viel im Kloster auf; ja er wohnte
sogar in Luthers Anfechtungen dort[438]. Luthers Briefe gruessen gar oft
in einem Atem: Dr. Pommer und meine Kaethe oder meine Kaethe und Dr.
Pommer. Einmal schreibt er sogar im Hause und Namen Luthers einen Brief
an Spalatin, worin "Dominus mea" ("meine Herr" Kaethe) gruesste. Einen
Brief Luthers an Frau Kaethe sollte in ihrer Abwesenheit Pfarrherr D.
Pommer erbrechen und lesen[439]. Umgekehrt hat Frau Kaethe auch allerlei
an D. Pommer auszurichten, sogar allerlei Theologisches in lateinischen
Wendungen von den Argumenten Zwinglis in Marburg und Kirchenpolitisches
von Augsburg. "Sage D. Pommer", heisst es dann in Luthers Briefen an
seine Frau[440]. Der behagliche Pommer ergoetzte die Freunde gar sehr mit
seinen Spruechen, namentlich in breitem Platt; aber er lachte auch, wenn
der "schwaebische" Pfaelzer Melanchthon sich im Plattdeutschen versuchen
wollte. Im Dezember 1527 erwartet der Propst im Lutherhause die
Niederkunft seiner Frau. Sie und Frau Katharina lagen fast zu gleicher
Zeit in den Wochen: Frau Pommer mit einem Knaeblein, Frau Kaethe mit ihrem
Toechterlein Elsbeth. Bald darauf starben ihr zwei Soehne[441]. 1528 wird
zu Bugenhagens Reise nach Braunschweig von Luthers "Eva" im Kloster ein
Abschiedsmahl gehalten; er wurde aber auch nach Hamburg "geliehen", dann
nach Luebeck, Pommern und Daenemark, und erzaehlte dann daheim, nach der
Landesart gefragt, zum Ergoetzen der "Tafelrunde", dort traenken die Leute
"Oel" und aessen "Schmeer" (d.h. Bier und Butter). Bugenhagen war also
viel weg von Wittenberg, zur grossen Sorge Luthers, der seine
Arbeitslast als Stadtpfarrer und Professor noch dazu uebernehmen musste.
So hatte auch Frau Kaethe gar oft nach dem "Pommerischen Rom" mit seinen
kleinen Weltbuergern in der Superintendur am Kirchenplatz zu sehen[442].

Justus _Jonas_, "der Rechte Licentiat und Erfurter Kanonikus" nachher
(1521) Professor, D. der Theologie und Propst des Allerheiligenstiftes,
nahm im Lutherhause eine aehnliche Stellung ein, wie Bugenhagen. Nur
hatte er in seinem Wesen nicht die stoische, gesunde Ruhe des D. Pommer.
Er war vielmehr kraenklich und etwas erregt, ein lebhafter Sprecher,
"unser Demosthenes", der lieber redete als schrieb; denn er "drohte" nur
Briefe zu schreiben, fuehrte es aber nicht aus, wie Luther scherzt. Die
Familie wohnte in der Fischervorstadt, hatte auch Garten und Weinberg.
Waehrend der Pest 1527 und wieder 1535 zog Jonas mit Weib und Kind in
seine Vaterstadt Nordhausen bezw. nach Jena. Er war bei den
Verhandlungen in Augsburg, Marburg, Frankfurt, Schmalkalden u.s.w. viel
abwesend von Wittenberg, so dass Luther viele und haeufige Briefe an ihn
zu schreiben hatte, in denen Frau Kaethe mit Gruessen, Auftraegen und
Mahnungen und dgl. sich hoeren laesst. Umgekehrt gruesst auch Jonas die Frau
Doktorin, Muhme Lene, Haenschen, Lenchen--und sendet seinem Paten einen
silbernen Johannes, d.h. einen Joachimsthaler (Gulden) mit dem Bildnis
des Kurfuersten Johann[443]. Jonas hatte sich schon 1522 verheiratet mit
Katharina von Falk. Sie hatte eine grosse Kinderschar (1530 schon 5
Soehne), aber viele starben jung; bekannt sind davon Jost, Christoph,
"Sophiela", "Elisabethula", auch eine Grossmutter lebte im Haus und
erhielt von Luther Gruesse[444]. Frau Kaethe Jonas war eine muntere,
heitere Frau. Von ihr meldete im Sommer 1529 der Wittenberger
Stadtschreiber Baldunai: "Ich hab' Melanchthon mit der Proepstin tanzen
sehen! Es ist mir wunderlich gewesen." Auch Luther richtet an sie
gelegentlich einen scherzhaften Brief als der "Ehrbaren, Tugendsamen
Frauen Kathrin Dokterschen Jonischen, Propstin zu Wittenberg, meiner
guenstigen Freundin und lieben Gevatterin" und schliesst: "meine Kaethe und
Herr zu Zulsdorf gruesset Euch alle freundlich."[445]

Mit der "Jonischen" Familie war die Lutherische eng befreundet,
namentlich die beiden Kaethen waren aufs innigste mit einander verbunden,
sie waren stets ein Herz und eine Seele: die lebhafte thatkraeftige
Lutherin war offenbar recht angezogen von der froehlichen Natur der
Propstin. Aber auch den redegewandten Propst mochte die Frau Doktorin
gerne leiden. Nach Augsburg schickt sie in einem Brief an ihren Herrn
Martinus ein Billet ("Zedula"), worin sie von der Geburt eines Jonischen
fuenften Sohnes berichtet[446]. Als die Propstfamilie waehrend der Pest
mit der Universitaet auch in Jena weilt, bestellt die "Erzkoechin" bei
Jonas fuer einen Thaler allerhand Gefluegel und Wildbret zu einem
Doktorschmaus und will ihn mit einem guten Sud von ihrem gesunden und
heilsamen Bier nach Wittenberg locken. Dagegen warnt sie ihn, sich von
der "Guete des Weins" bei Spalatin beruecken zu lassen, wodurch der Leib
so rauch und scharf von Steinen werde, wie die Weinfaesser, wenn sie
ausgetrunken sind. Mit dem Bier wusste Frau Jonas nicht so wohl Bescheid
wie Frau Lutherin; denn dasjenige, das sie Luther einmal schickte, war
verdorben. Angenehmer als dieses Geschenk waren der Wein, die Quitten
und Aepfel u.a., welche Jonas von seinen Reisen oder aus Halle
sandte[447]. Als Frau Kaethe zu Anfang des Jahres 1540 schwer erkrankte,
da schrieb Jonas manchen betruebten Brief voll aufrichtiger Teilnahme und
Sorge. "Wenn mein Brief so truebselig ist, so ist die Trauer schuld um
die hochgeschaetzte Frau, weil sie so krank darniederliegt." Und er freut
sich "dann, als [Griechisch: hae gynae] des Herrn D.M. Luther durch
goettliche Wunderkraft wieder gesundet." Im Fruehjahr 1541 zog Jonas nach
Halle, um dort trotz des Bischofs "mit Volk und Rat" die Reformation
durchzufuehren[448]. Da sich dieser Aufenthalt, wie es den Anschein
bekam, lange hinausziehen sollte, so zog im Herbst die Frau Propstin
ihrem Manne nach, waehrend der Sohn Tischgenosse im Lutherhause werden
sollte. Sie verabschiedete sich so eifrig und eilig, dass sie sogar
vergass, Briefe von Luther mitzunehmen und dieser samt seiner Frau sie
neckte mit ihrer Liebessehnsucht. Leider sollten sie die Freundin nicht
mehr sehen. Nicht lange nach ihres lieben Toechterchens Lenchen Tod
verlor Frau Kaethe auch ihre beste Freundin. Sie starb in Halle um
Weihnachten 1542, indem sie "mit gar frommen und heiligen Worten ihren
Glauben bezeugte." Frau Kaethe war ganz weg bei der Trauerkunde[449].

Etwas weniger herzlich scheint das Verhaeltnis zur Familie Melanchthon
gewesen zu sein. Die beiden waren fast Gartennachbarn und wie die
Maenner, so werden auch die Frauen sich an dem Gartenzaun und in ihren
Gaerten und Haeusern doch vielfach begegnet sein. Die Kinder spielten mit
einander, wie aus dem Maerchenbrief Luthers ersichtlich ist, und Luther
schreibt dem aengstlichen Magister waehrend seiner Abwesenheit genau alle
Vorkommnisse unter den Kindern[450]. Aber auffaellig ist doch, dass in
all' den vielen (3000) Briefen Luthers die Gattin seines Kollegen
ausdruecklich niemals erwaehnt ist. Frau Kaethe Melanchthon war der
temperamentvollen Doktorin wie dem Doktor nicht so sympathisch als die
Frau Kaethe Jonas. Sie fuehlte ihren Gemahl und sich nach den Epigrammen
des Lemnius, aber auch nach den Andeutungen Kreuzigers ueberall
zurueckgesetzt und in den Schatten gestellt durch Luther und die
Doktorin. Die wohlhabende Buergermeisterstochter und das arme
Edelfraeulein standen sich wohl von Anfang an gegenueber, nochmehr aber,
als die fremde Nonne den gewaltigen Doktor, den ersten Mann der Stadt,
ja der Welt zum Gemahl bekam. Zur Erklaerung der Stimmung von Frau
Melanchthon muss wohl auch auf die bestehende Kleiderordnung verwiesen
werden, welche derjenigen von 1572 aehnlich gewesen sein wird. Die
Doktorsfrauen durften darnach eine guldene unverfuetterte Haube tragen,
und so ein alt Kleid zu kurz wird, es mit Sammet- und Seidegebraem
verlaengern--die _Magisters_frauen nicht, und Frau Melanchthon war blosse
Magisterin. Ferner durften Doktoren 8 Tische, Magister bloss 6 Tische bei
Hochzeiten haben; letztern waren auch Roecke, Barett oder Schlaepplin aus
Sammet und Seide verboten[451].

Es traten sogar einmal Missstimmungen Luthers gegen Melanchthon ein,
welche sich natuerlich auch auf die beiderseitigen Frauen uebertrugen.

Melanchthons Schwiegersohn Sabinus, ein Humanist und Poet, hatte Luthers
alten Gegner, den Kardinal-Erzbischof Albrecht, der sich gern als Maecen
aufspielte, als seinen Goenner gefeiert, und bei seiner Hochzeit mit
Melanchthons Toechterlein (1536) war der erzbischoefliche Kanzler Tuerk zu
Gast, ja Sabinus lebte eine zeitlang an Albrechts Hofe. Um diese Zeit
machten auch andere roemische Kirchenfuersten den Versuch, Melanchthon auf
ihre Seite zu bringen. Luther zuernte ueber die "Erasmischen Vermittler",
wenn er auch nicht glaubte, Melanchthon werde ein zweiter Erasmus
werden. Die Anhaenger Luthers, Cordatus und Schenk, gingen aber schaerfer
gegen Melanchthon vor und dieser scheute sich in seiner aengstlichen Art
vor einer offenen Aussprache mit Luther. Kaethe haette gerne eine
freundschaftliche Auseinandersetzung der beiden alten Freunde gewuenscht;
die "Doktorin" beklagte die Entfremdung derselben, sprach dies auch
gegen Kreuziger und andere Freunde aus, in der Hoffnung, eine
Auseinandersetzung herbeizufuehren. Aber dem widersetzte sich die
"Weibertyrannei" der Frau Melanchthon[452].

Jetzt kam noch etwas anderes hinzu. 1537 geriet ein gewisser M. Simon
Lemchen (Leminus) nach Wittenberg, der war ein Freund und
Gesinnungsgenosse des Sabinus, formgewandt, aber auch charakterlos wie
dieser. Fuer diesen Schoengeist verwendete sich Melanchthon um ein
Stipendium bei dem Rat von Augsburg, weil er zum Teil in Augsburg
erzogen war und diese loebliche Stadt fuer sein Vaterland hielt. Er bekam
auch wirklich eine Unterstuetzung von 20 fl. Damals kam auch Sabinus nach
Wittenberg und verkehrte viel mit seinem Freunde[453].

Zu Pfingsten 1538 nun hat Lemnius, der "ehrlose Bube etliche Epigrammata
ausgehen und sogar an den Kirchthueren verkaufen lassen, ein recht
Erzschund-, Schmach- und Luegenbuch, wider viel ehrliche Manns- und
Weibsbilder, dieser Stadt und Kirchen wohl bekannt." Natuerlich machte
das Buechlein in der kleinen Stadt das peinlichste Aufsehen und erregte
haessliche Geschwaetze. Melanchthon hatte als Rektor die Zensur ueber
litterarische Erscheinungen von Universitaetsangehoerigen zu ueben. Daher
erhob sich gegen ihn der Verdacht, dass er mit Absicht die boese Schrift
habe drucken lassen. Aber Luther ueberzeugte sich bald, dass es "hinter
Wissen und Willen derer, so es befahlen ist zu urteilen", ausgegangen
war. Und so beruhigte sich auch die Frau Doktorin bald wieder. Der
"Poetaster und Leuteschaender" Lemnius fluechtete und wurde relegiert,
raechte sich aber durch ein unflaetiges Schmaehgedicht auf Luthers und
Kaethes Ehe, wie auf andere Professorenfamilien in Wittenberg [454]. Das
gute Einvernehmen der beiden Familien stellte sich bald wieder her. Frau
Kaethe laesst nach wie vor dem abwesenden Magister Philipp ehrerbietig
Gruesse zusenden und dieser versaeumt nicht nach wie vor "Luthers
hochverehrte Gemahlin und suesse Kinder zu gruessen". Ja das Verhaeltnis zu
ihm zeigt sich nach diesem Vorkommnis noch viel freundlicher [455]. Sie
laesst dem Magister besonders nachdruecklich danken, dass er ihren Doktor
nicht mit nach Schmalkalden--schlimmen Angedenkens--mitgenommen hat. Sie
versichert ihn ihrer ganz besonders warmen Liebe und Zuneigung. Als
Melanchthon wegen der hessischen Ehegeschichte toedlich erschrocken
darniederlag, heisst sie ihn tapfer und "froehlich" sein und versichert
ihn mit ihrem Gatten ihrer aufrichtigen Liebe und verspricht, eifrig und
kraeftig fuer ihn zu beten. Nach Worms laesst sie ihm melden, sie siede eben
fuer ihn Wittenbergisch Bier, um ihn und seine Genossen damit zu
empfangen. Und M. Philipp laesst sich auch sorglich ueber ihr Wohlergehen
berichten und waere sehr beunruhigt, wenn er hoeren muesste, es ginge der
Frau Doktorin uebel. An Luthers Todestag noch sendet er in ihrem Auftrag
nach Eisleben Nachrichten und Arzeneien[456].

Eine gewiss noch rascher voruebergehende Verstimmung trat 1544 ein infolge
eines Vorwurfs, den Frau Kaethe Melanchthon machte und den der
empfindliche Meister Philipp wohl zu schwer nahm; sie sagte naemlich, man
glaube, er bevorzuge seine schwaebischen Landsleute vor den Sachsen. Das
konnte doch weder so ernst gemeint noch genommen werden, wenn er auch in
einem Brief an Freund Jonas die [Griechisch: despoina] (Herrscherin)
darueber verklagt[457].

Den Verkehr dieser Hausfreunde mit Frau Kaethe kennzeichnet ein Brief,
den dieselben von Augsburg aus 1530 an die Doktorin geschrieben haben;
es ist der Ton achtungsvoller Freundlichkeit mit einem Anflug von
Lutherschem Humor; zugleich aber ein Beweis, wie geschaeftstuechtig Frau
Kaethe war, dass Melanchthon sogar oekonomische Auftraege ihr gab, statt
seiner eigenen Gattin, die er wohl auch fuer weniger schreibfertig halten
musste, als die Lutherin. Der Brief lautet samt der Adresse so[458]:

"Der ehrbaren tugendsamen Frau Katharina Lutherin Doktorin, meiner
besonders guenstigen Freundin.

Gottes Gnad' und alles Gute!

Ehrbare, tugendsame Frau Doktorin!

Ich fuege Euch zu wissen, dass wir nun, Gott gebe Gnad, bis gen Augsburg
kommen sind und haben den Herrn Doctor zu Coburg gelassen, wie er ohn
Zweifel Euch geschrieben hat. Ich hoff aber, in kurz bei ihm zu sein.
Bitt Euch, Ihr wollet mir schreiben, wie es Euch geht und wie sich der
Hauptmann Korns halber erzeiget hat. Womit ich Euch dienen kann, will
ich mit allem Fleiss, wie ich mich schuldig erkenne, solches thun und
ausrichten.

Beide Kanzler[459] gruessen Euch und wuenschen altes Gute. Gott bewahre
Euch!

Datum Augsburg, Mittwoch nach Walpurgis. Philippus.

Herzog Georg von Sachsen soll morgen kommen. Der Kaiser ist noch ferne,
kommt aber.

Liebe Gevatter! Auch ich wuensche Euch, Haenschen Luther und Magdalenchen
und Muhme Lene viel selige Zeit. Pusset mir in meinem Namen meine
liebsten Jungen.

J. Jonas.

Ich, Johann Agricola Eissleben, mein es auch gut, meine liebe Frau
Doktorin."

Wie hier im Brief, so massen sich an Kaethes Tisch die Freunde an der
theologischen Tafelrunde im Redewettkampf um den Preis des kuerzesten
Tischgebets. Da zeigt sich nun Luthers Sinnigkeit, Bugenhagens
hausbackenes Behagen und Melanchthons zierliche Feinheit in den Spruechen
Luthers: Dominus Jesus sit potus et esus (der Herr Jesu sei Speis' und
Trank); Pommer: "Dit und dat, traeg und natt, gesegen uns Gad"; und
Melanchthons: Benedictus benedicat (der Gesegnete segne)[460].

Ausser den beiden Frauen der Kollegen Jonas und Melanchthon wird
Katharina wohl vorzueglich mit Frau Barbara Kranach verkehrt haben und
Frau Buergermeister Reichenbach, ihrer Pflegemutter, beide aeltere
Matronen, und ebenso mit der Familie des Buchdruckers Hans Lufft.
Selbstverstaendlich gehoerte die Gemahlin des Doktors zu den vornehmen
Kreisen, ja sie war bei weitem die angesehenste Frau Wittenbergs und es
entspricht ihrer Stellung, wenn Meister Lukas sie auf dem Altarbilde der
Stadtkirche mit ihrem Kinde in der vordersten Reihe malt. Sie trug auch
das feine goldschimmernde Pelzwerk um die Schultern oder in Streifen am
Kleid, das die Patrizierin auszeichnet. Ein gewisses Selbstgefuehl laesst
sie auch verschiedentlich durchblicken. So laesst sie einen Freund ihres
Mannes "warnen, beileibe keinen Bauernkloppel zur Ehe zu nehmen; denn
sie sind grob und stolz, koennen die Maenner nicht fuer gut haben, koennen
auch weder kochen noch keltern". Daneben freilich ging sie mit andern
Frauen (in der Weise unserer heutigen Frauenvereine) kranken Weibern und
Woechnerinnen mit Rat und That an die Hand[461].

Aber man versteht es auch, dass eine Frau von der Anlage und dem
Temperament und Bildung Katharinas mehr auf den Umgang mit Maennern
hielt, und dass dieser Umgang, zu dem sie so viel Veranlassung und
Gelegenheit hatte, sie wenig geneigt machte, sich viel in weiblicher
Gesellschaft zu bewegen.

Freunde um sich zu haben, war Luther ein Beduerfnis. Er hasste die
Einsamkeit aus Furcht vor "Anfechtungen"--musste er doch in den
Nachtstunden dem Teufel genug Rede stehen. "Ehe gehe ich zu meinem
Schweinehirten Johannes und zun Schweinen, denn dass ich allein bliebe",
sagt er zum Exempel fuer einen Angefochtenen. So war er auch stets in
Gesellschaft, wenn er spazieren fuhr[462].

Bei der Bibeluebersetzung (1525-34) und der Bibelrevision (1539-42) kamen
die Gehilfen Luthers, Melanchthon, Bugenhagen, Jonas, Kreuziger,
Aurogallus und der Schnellschreiber und Korrektor Roehrer zum
evangelischen "Sanhedrin" zusammen, und nachher blieben sie oft zu
Tische da, disputierten weiter, oder erholten sich auch an heiterem
Gespraech und Gesang.

So war der Gasttisch in Kaethes Haus nimmer leer--dafuer sorgte Luther.

Aber auch ihm persoenlich und besonders widmete sie als echte deutsche
Frau ihr Leben.




14. Kapitel.

Kaethe und Luther.


"Das ist ein seliger Mann, der eine gute Ehe hat. Denn es ist kein
lieblicher, freundlicher noch holdseliger Verwandtnis, Gemeinschaft und
Gesellschaft, denn eine gute Ehe, wenn Eheleute mit einander in Frieden
und Einigkeit leben. Die hoechste Gnade Gottes ist, ein fromm,
freundlich, gottesfuerchtig Gemahl haben, mit der du friedlich lebest,
der du darffst all dein Gut und was du hast, ja dein Leib und Leben
anvertrauen." So preist Luther die Ehe, und _seine_ Ehe und seine
Gattin, die ihm das Wesen und das Ideal des Ehestandes vor Augen fuehrte
und verwirklichte. Sie bereitete ihm ein schoenes Heim, einen gluecklichen
Hausstand, sie wartete und pflegte ihn treulich und diente ihm "wie eine
Ehefrau, ja wie eine Magd"[463].

Kaethe sorgte vor allem fuer ihres Herrn Doktors leibliches Wohl in
gesunden und kranken Tagen[464].

Die "Erzkoechin" verstand den leiblichen Beduerfnissen ihres Mannes
gerecht zu werden; sie wusste, was seinem Geschmack entsprach und was
seiner Gesundheit zutraeglich war. Luther wusste auch, was das heisst, und
dass "das ein gemarterter Mann sei, dess' Weib und Magd nichts wissen in
der Kueche: es ist das erste Unglueck, woraus viele Uebel folgen." Aber
auch das Gesinde thut's nicht, sondern, wie Luther in sein Hausbuch
schreibt: "Der Frauen Augen kochen wohl."[465]

Luther liebte, als ein echtes Bauernkind und mit gesundem Appetit
gesegnet, recht derbe Hausmannskost. Ueppige Speise machte ihm
Beschwerden. Er lobte sich eine reine, gute, gemeine Hausspeise:
Brathering und Erbsen war ihm ein Lieblingsgericht[466]. Aber seine
Gattin erkannte bald, dass dem Doktor bei seiner sitzenden Lebensweise,
bei seiner angestrengten geistigen Thaetigkeit und namentlich, weil er in
den Tagen seines unnatuerlichen Kloster- und Junggesellenlebens seine
Natur sehr verdorben hatte und durch Verdauungsstoerungen an schweren
Schwindelanfaellen litt,--dass diese derbe Kost ihm wenig zutraeglich sei
und sie namentlich mit anderer Pflanzenkost, besonders Obst, nachhelfen
muesse, und ueberhaupt war sie auf Wechsel in der Speise bedacht[467]. So
hatte sie denn in ihrer Speisekammer, in Keller und Speicher nicht nur
Erbsen und Hirsen, Gruetze, Graupen und Reis vorraetig, da gab es auch
Kraut, Kohl, Mohren, Rueben und Obst; die einheimischen Mispeln liebte
Luther mehr denn alle welschen Feigen, und die Pfirsiche schaetzte er
besonders hoch und fast den Weintrauben gleich. Da wurden im Kloster
nicht nur Ochsen und Schweine geschlachtet, auch Gaense und Enten,
Huehner, Tauben und Krammetsvoegel, frische und duerre Fische und Krebse
kamen als Leckerbissen auf den Tisch. Wildbret war Hochzeitsbraten;
Luther fand es aber mit seinem schwarzen Fleisch zu "melancholisch".
Zwar hielt Kaethe selber Rinder und Huehner, pflanzte allerlei Frucht und
Gemuese, zog Obst, buk das taegliche Brot und sott Bier; aber vieles musste
noch dazu gekauft werden, oder man erhielt es geschenkt, namentlich
sorgte der Hof fuer Wildbret und die Freunde fuer schoenes Obst:
Borsdorfer, Gold- und Blutaepfel. Frau Kaethe aber wuerzte die Speisen mit
Salz, Pfeffer, Safran, mit Mohn, "Zippel" (Cipola, Zwiebel),
Petersilien, Kuemmel und Karbey, schmaelzte mit Butter und suesste mit Honig
und Zucker. Zum Nachtisch war immer Obst da: Aepfel, Birnen, Pfirsiche
und Nuesse; in der Kirschenzeit hing auch ein Kirschenast ueber der
Tafel[468].

Daher schmeckte dem Doktor nichts besser als seine hausgemachten Speisen
und Getraenke und nirgends ist es ihm wohler, als daheim an seinem
wohlbestellten Tisch. Lieber als die gepressten Kaese, welche Lauterbach
fern aus Pirna herschickt, sind ihm "unsre Kaese von einfachem Stoff und
einfacher Form". Das von Jonas geschenkte Bier findet er schlecht,
waehrend er jenem das Bier von seiner Kaethe anpreist als ein erprobtes
Heilmittel gegen das Steinleiden; ja er nennt es geradezu die "Koenigin
aller Biere". Bei Hof gedenkt er an seinen "freundlichen lieben Herrn"
Kaethe, wie gut Wein und Bier daheim habe; dort muesse er einen boesen
Trunk thun oder von den dicken schweren Brot essen, das ihm so schlecht
bekomme[469].

Und wie sehnte sich Luther immer von den Unbequemlichkeiten der Reise
und fremder Herberge nach seinem gemuetlichen Heim und dem behaglichen
warmen Bett!

Kaethe befolgte also die alte Regel, welche Luther so gerne jungen
Ehefrauen einschaerfte: "Halt dich also gegen deinen Mann, dass er
froehlich wird, wenn er auf dem Wiederwege des Hauses Spitzen
sieht."[470]

Freilich hatte Frau Kaethe auch in Beziehung auf die Verkoestigung ihres
Gatten mit dessen Eigensinn zu kaempfen, denn der Doktor genoss oft
mehrere Tage lang gar nichts, oder er ass nur einen Bratfisch und ein
Stueck Brot; wenn er ganz ungestoert studieren wollte, nahm er einen
Bissen Brot und zog sich in sein Studierstueblein, seine alte
Moenchszelle, ein und kam gar nicht zum Essen und--zum Schlafen. So
schloss er sich einmal, um den 22. Psalm zu erklaeren, mit Brot und Salz
ein und kam drei Tage nicht zum Vorschein. Da wurde Frau Kaethe doch
aengstlich zu Mute, sie pochte und rief an der Thuer. Keine Antwort. Sie
liess nun den Schlosser kommen und die Thuere aufbrechen. Da rief er
unwillig: "Was wollt ihr? Meint ihr, es sei was Schlechtes, was ich
vorhabe? Weisst Du nicht, dass ich muss wirken, so lang es Tag ist; denn es
kommt die Nacht, da niemand wirken kann!" Ein andermal (1541) hatte sie
ihre liebe Not mit dem eigensinnigen Patienten, der bei seiner
"Anfechtung" vierzehn Tage nicht schlafen konnte und nichts essen und
nichts trinken wollte[471].

Freilich zu anderer Zeit war Luther auch aufgelegt zu einem festlichen
Schmaus oder einem kleinen Gelage im Freundeskreise, denn er meinte:
"Darf unser Herrgott grosse Hechte und Rheinwein schaffen, so darf ich
sie auch essen und trinken; es ist dem lieben Gott recht, wenn du einmal
aus Herzensgrund dich freuest oder lachest." Da wusste nun Frau Kaethe
ihrem Manne den Geburtstag, den Doktorstag, den Thesentag u.a. festlich
zu schmuecken. "Das Koenigreich" wurde am 3. Mai mit einem Mahle gefeiert,
"da wurden Psalmen gesungen, Evangelien gesagt, der Katechismus, Gebete,
wie einem jeglichen aufgelegt war; darauf musste das Hausgesinde
antworten." An St. Niklas wurden die Kinder beschenkt; am Neujahr auch
das Gesinde. Besonders aber Weihnachten wurde festlich begangen und die
Kinder freuten sich darauf und die Eltern mit ihnen. Frau Kaethe aber
sorgte dafuer, dass allerlei Gutes und Schoenes ins Zimmer und auf den
Tisch kam[472].

Ganz vorzueglich bewaehrte sich aber Frau Kaethe als Krankenpflegerin. Da
zeigte sie alle ihre Erfahrung, Geschicklichkeit und Energie. Und was es
alles fuer Krankheiten in einer so grossen Familie gab, laesst sich denken.
Da waren nicht bloss die Kinder und Schueler, welche allerlei
Kinderkrankheiten, zum Teil toedliche, durchmachten; da schleppte Luther
noch alle kranken Freunde und Freundinnen ins Schwarze Kloster, so dass
es nach seinem eigenen Ausdruck oft genug ein "Spital" war[473].

Der langwierigste und schwierigste Patient war freilich der Doktor
selber[474]. Krank war er eigentlich von Anfang an, und immer neue
Krankheiten kamen zu den alten: Ruhr, Fieber, schmerzliche
Hautausschlaege und Geschwuere, Rheuma, Hueftenweh und Brustbeschwerden. Er
hatte insbesondere einen boesen Pfahl im Fleisch: den Stein, der ihn wie
"Faustschlaege des Satans" plagte; sodann verursachten ihm seine
Verdauungsstoerungen Beengungen, Blutandrang nach dem Haupt, Kopfweh,
Ohrensausen und Schwindel, Kraempfe und Ohnmachten: Anfaelle, vor denen er
als "Anfechtungen des Teufels" sich heftig fuerchtete und die ihn oft mit
tiefer Schwermut erfuellten[475]. Da galt es, eine geduldige und
froehliche Krankenpflegerin sein. Und Frau Kaethe verstand ihren Patienten
zu behandeln, besser als die grossen Doktoren, die Herren Aerzte; sie
wusste, wie man den Kranken behandeln musste mit Nahrung und
Arzneimitteln; sie hielt ihn vom Wein ab und sott ihm leibreinigendes
Bier; sie rieb ihm das Bein mit heilkraeftiger Salbe und Aquavitae ein und
erwaermte ihm den Leib mit heissen Tuechern: sie erquickte ihn mit
Kraftkuechlein und allerlei Saeften; sie kannte eine wirksame Wurzel gegen
den Stein und zahlreiche Hausmittel: sie schabte ihm Bernstein von einem
alten Rosenkranz und loeste ihm die weissen Bernsteinstueckchen auf, welche
der Herzog von Preussen als Mittel gegen den Stein schickte[476]. Nach
dem Zeugnis ihres Sohnes, des nachherigen beruehmten Arztes Paul Luther,
war sie eine halbe Doktorin. Dieser sagte in seiner Antrittsrede zu
seiner Professur in Jena: "Meine Mutter hat nicht allein in
Frauenkrankheiten durch Rat und Heilung vielen geholfen, sondern auch
Maenner oft von Seitenschmerzen befreit."[477] Ihr vertraute sich daher
Luther auch lieber an, als "unsers Herrgotts Flickern", den Aerzten und
den Apothekern. Als Luther zu Schmalkalden toedlich erkrankte und die
Aerzte ihm Arzneien gaben, "als ob er ein grosser Ochs waere", und der
schwaebische Carnifex (Schinder, Folterknecht) meinte: "Ei, lieber Herr
Doktor, Ihr habt einen guten, starken Leib, Ihr habt wohl noch
zuzusetzen; Ihr muesst, bei Gott! leiden, wenn man Euch angreift"--da
dachte er an seine Hausfrau und ihre wohlthuenden Hausmittel und
begehrte, trotz aller Schrecken solcher Fahrt, nichts wie heim[477].

Luther hatte den Grundsatz: "Ich esse, was mir schmeckt und leide
darnach, was ich muss. Ich frage auch nach den Aerzten nichts; will mir
mein Leben, so mir von ihnen auf ein Jahr gestellt ist, nicht sauer
machen, sondern in Gottes Namen essen und trinken, was mir schmeckt." So
berichtet der Arzt Ratzeberger, Leibarzt der Kurfuerstin Elisabeth von
Brandenburg, der mit ihr nach Wittenberg floh, dann des Grafen von
Mansfeld und zuletzt des Kurfuersten von Sachsen Leibarzt--auch zu Zeiten
Luthers eigener Arzt[478]:

"Da D. Luther zum erstenmal am Calculo (Stein) krank war, so war ihm der
Appetit entgangen und scheute sich auch sonsten vor gemeiner Arzenei aus
der Apotheke. Zudem hatte er grosse koerperliche Schmerzen und gar keine
Ruhe. Als er nun weder essen noch trinken konnte und alles, was ihm
seine Hausfrau aufs beste und fleissigste zugerichtet, von sich schob,
bittet sie ihn aufs fleissigste, er wolle doch selbst eine Speise
erwaehlen, dazu er moechte Lust haben. "Wohlan", spricht er, "so richte
mir zu einen Brathering und ein Essen kalter Erbsen mit Senf, weil du ja
willst, dass ich essen soll, und thue solches nur balde, ehe die Lust mir
vergeht; verzeuchst du lang, so mag ich hernacher nicht." Die Frau
thuet, wiewohl mit grossen Sorgen, was ihr Herr befohlen, und richtet das
Essen zu, so geschwinde sie vermochte, und setzte es ihm vor. Als er nun
mit grosser Lust davon isset, besuchen ihn die Aerzte--seine Medici
waren Augustin Schurf und Lic. Melchior Fend--ihrer Gewohnheit nach und
wollen sehen, wie sich die Krankheit anlasse. Da sie ihn nun essen
sahen, entsetzten sie sich vor dieser Kost, welche sie ihm schaedlich und
ungesund achteten. "Ach, was thut Ihr doch, Herr Doktor", sagte Lic.
Fend, "dass Ihr Euch wollet selber noch kraenker machen!" D. Luther
schwieg ganz stille und ass immer fort und hatte ein Mitleiden ob der
Medikorum Traurigkeit, die so hart fuer ihn sorgten. Bald nachdem sie
Urlaub von ihm genommen und nunmehr gedachten, er wuerde gar eine
toedliche Krankheit erwecken, kommt ein grosser Stein von ihm, dessen sie
vorher nicht an ihm gewohnt waren und war Lutherus wieder gesund. Des
andern Morgens besuchten sie ihn und vermeinten ihn krank im Bette zu
finden; da sahen sie ihn aber in seinem Schreibstueblein ueber den Buechern
sitzen, dessen sie sich hoch verwundern."

Aber Frau Kaethe wusste ihren Mann nicht nur durch Speise und Arznei zu
erquicken, sondern auch aufzurichten und zu troesten.

Wenn er verstimmt war oder gar seine "Anfechtungen" hatte, so lud die
kluge, verstaendige Frau heimlich den Dr. Jonas zu Tische, dass dieser ihn
mit frohen Gespraechen aufheiterte; sie wusste naemlich, dass ihn niemand
durch Gespraech besser aufzumuntern verstand; oder sie liess Bugenhagen
gar im Kloster wohnen und nahm seine Frau, die ihrer Niederkunft
entgegensah, dazu[479].

Nicht nur, um ihre Bauerei und Landwirtschaft zu besorgen, hielt Frau
Kaethe ein Fuhrwerk, sie liess auch oft ihre Pferde anspannen und ihren
Gatten mit seinen Freunden spazieren fuehren, in ein "Holz" und auf die
Felder, um sich zu erlustieren, wo er dann froehlich wurde und sogar
Lieder sang; oder er fuhr ueber Land in die Doerfer, wobei er die Armen
beschenkte[480].

Diesen Beruf der Frau Doktorin, dem grossen Reformator Leben und
Gesundheit und Geistesfrische zu erhalten, zum Segen der Kirche,
erkannte besonders der feine Capito an und spricht es aus in den Worten
an Luther: "Ich liebe sie von Herzen als diejenige, welche dazu geboren
ist, Deine Gesundheit aufrecht zu halten, damit Du desto laenger der
unter Dir geborenen Kirche, d.h. allen Christglaeubigen zum Heile dienen
kannst."[481]

Doch nicht bloss als treffliche Koechin und ausgezeichnete
Krankenpflegerin stand Frau Kaethe ihrem Gatten bei, wie er es von dem
Eheweib verlangt, "dass sie ihres Mannes Unfall, Krankheit und Unglueck
tragen zu helfen, schuldig sei"; sie war ihm auch "ein freundlicher,
holdseliger und kurzweiliger Gesell des Lebens"; in diesem Sinn nennt er
sie "Hausehre", dass sie des Hauses Ehre, Schmuck und Zierde waere[482].

Ueber den Verkehr mit der Ehegattin spricht sich Luther bei der
Auslegung von 1. Moses 26, 8 aus, wo Isaak und Rebecca scherzen. "Das
ist ein ehrlicher Scherz, so einem frommen Weibe wohl ansteht. Wenn der
Hausherr mit seiner Schwester oder Gesinde dermassen scherzen wollte, das
wuerde ihm nicht wohl anstehen. Denn da gehoert sich, dass man sie heisse,
was sie thun und lassen sollen, und da soll Ernst dabei sein, auch wenn
man sie troestet. Aber mit der, die mir Gott zugefueget hat, will ich
scherzen, spielen und freundlich reden, auf dass ich mit Vernunft und
Bescheidenheit bei ihr leben moege."[483]

So wusste auch Katharina selbst ihren Gatten zu unterhalten, selber einen
Scherz zu machen und noch mehr Scherz und Neckerei ihres Eheherrn
auszuhalten. Und auch den Freunden und Gaesten weiss sie so zu begegnen.
Den Bremer Pfarrer Probst laesst sie fragen, ob die Nordsee ausgetrocknet
sei, dass es keine Fische gebe. Als D. Speratus eine Menge Fische schickt
durch den hochgewachsenen Cario, sagte sie zu Luther: "Ein grosser
Bischof hat mir ein grosses Fass geschickt." "Und zwar durch einen grossen
Mann, unsern Charon", setzte Luther hinzu. "Ja, heut ist alles gross!"
meinte sie darauf[484].

In Luthers eigener sinniger Art, aber mit wirkungsvollem Handeln wusste
sie ihrem Gemahl entgegenzutreten. Da war er einmal in einer Anwandlung
von Schwermut, an Gott und der Welt verzweifelnd, fortgegangen. Als er
heimkehrte, trat ihm Frau Kaethe entgegen im schwarzen Trauergewand und
den Schleier tief im Gesicht. Erschrocken rief er: "Um Gotteswillen,
Kaethe, was ist geschehen?" "O, Herr Doktor, ein grosses Unglueck",
erwiderte sie; "denket nur, unser lieber Hergott ist gestorben, des bin
ich so traurig." Da fiel Luther seinem Weibe um den Hals und rief: "Ja,
liebe Kaethe, that ich doch, als waer' kein Gott im Himmel mehr!" Und so
gewann er neuen Mut, dass er die Traurigkeit ueberwand[485].

Nicht nur Luthers Verstimmungen und Anfechtungen wusste Frau Kaethe
aufzuheitern, sondern auch den gewaltigen Willen des bei aller
Gutmuetigkeit eigensinnigen und starrkoepfigen Mannes zu brechen,
namentlich wenn es galt, ihn zu seinem eigenen Besten zur Ruhe und
Erholung zu bewegen. "Mein Kopf ist eigensinnig, wie ihr sagt", schreibt
er einmal an Melanchthon, "aber mir ist er eigensinnigissimmum, weil
mich der Satan so wider Willen zu feiern und Zeit zu verderben zwingt."
Die kluge Frau aber verstand es, nach seinem eigenen Gestaendnis, ihn zu
ueberreden, so oft sie wollte[486].

Dagegen verwahrt sich Luther gegen den Verdacht, dass er sich in
theologischen oder kirchlichen Dingen durch seine Frau bestimmen lasse.
Dennoch wurde das geglaubt und ihr namentlich ein schlimmer Einfluss
zugetraut gegen gewisse Personen; so schreibt z.B. Kreuziger an Veit
Dietrich, der Frau Kaethe an sich nicht hold war: "Du weisst, dass er
(Luther) zu vielem, was ihn entflammt, eine Fackel im Hause hat."
Namentlich bei seinem Streit mit den Juristen glaubten die Wittenberger
die persoenliche Abneigung seiner Frau gegen gewisse Persoenlichkeiten
dahinter zu wittern[487].

In einer so kleinen Stadt und bei den oft so kleinlichen Reibereien der
Gelehrten und ihrer Frauen, ist ein solcher Klatsch auch begreiflich, so
grundlos er auch sein moechte. Wir haben darueber eine sehr lebhafte und
anschauliche Schilderung eines Augenzeugen. Am Sonntag Estomihi (24.
Februar) 1544 war bei Luther ein "Koenigreich" mit dem ueblichen Schmause.
Ausser Bugenhagen, Melanchthon, Roehrer, Major u.a. war auch der
Schulmeister Crodel aus Torgau zu seiner grossen Freude und Genugthuung
eingeladen. Dieser, von einigen Wittenbergern dazu veranlasst, brachte
das Gespraech auf das "verleumderische Geruecht", dass der Doktor "aus
Eingebung und Antrieb seiner Gattin predige". Mit grosser Ernsthaftigkeit
und Waerme wies Luther diesen Verdacht ab und sagte u.a.: "Solcherlei
Worte, wie ich sie in dieser Sache (dem Streit mit den Juristen)
vorbringe, fallen--ohne dass ich dem heiligen Geist eine Regel
vorgeschrieben haben will--keinem Weiberkopf ein. Ich lass mich von
meinem Weibe etwa leiten in Sachen des Haushaltes und Tisches, aber in
Dingen des Gewissens und der Schrift erkenne ich keinen andern Lehrer
und Doktor an, als den heiligen Geist." Ein wenig darauf, nach einer
heftigen Rede, kam sein Weib her und fragte, was denn mit so grosser
Heftigkeit verhandelt werde. Er schloss mit den Worten zu Crodel: "Sage
den Rechtsgelehrten, dass ich in dieser Sache nicht von meiner Frau
geleitet werde; ich hebe es auf die Sache selbst und den Kern eines
Gegenstandes ab ohne Ruecksicht auf eine Person." Crodel war dieses
Gespraech so wichtig, dass er's woertlich seinem Freunde Ratzeberger
schriftlich mitteilte, und es war auch bezeichnend genug: man musste
Luther wenig kennen, wenn man solchem Klatsch Glauben schenken
wollte[488].

Es kommt auch jetzt noch vor, dass Luther seiner Kaethe Briefe vorlas,
auch in ihrer Gegenwart solche schrieb und dass sie ihm Auftraege dabei
gab; auch ermunterte sie ihn, an die Freunde zu schreiben, wenn er
saeumig darinnen war. Freilich zu Stunden stiller Erholung, wie in den
ersten Jahren ihrer Ehe, werden die Gatten in der spaeteren Zeit des
grossen Arbeitsdranges seltener mehr gekommen sein. Aber bei aller
haeuslichen Sorge und Thaetigkeit in Garten und Feld ging Frau Kaethe doch
nicht voellig in ihrer wirtschaftlichen Thaetigkeit auf. Sie war ihrem
Manne in seinem Amt und Beruf, so viel das moeglich und noetig war, doch
die Gehilfin seines Lebens. Nicht nur in dem Sinne, dass sie ihm die
Sorgen abnahm fuer Familie und Vermoegen, sondern sie nimmt teil an seinem
Wirken, an den zeitbewegenden Fragen[489].

"Lehrest Du also den Katechismum und den Glauben?" schreibt der Doktor
von Eisleben an seine "sorgfaeltige" Hausfrau. Damit ist doch wohl
ausgesprochen, dass Frau Kaethe--mindestens in Abwesenheit des
Doktors--mit Kindern und Gesinde den Katechismus trieb, wie Luther mit
diesem Lehrbuechlein allen christlichen Eltern zumutete[490].

Luther giebt aber auch seiner Hausfrau Auftraege wegen des Druckes seiner
Schriften; ja sie hat mit darein zu reden und bestimmt ihn, was er
drucken lassen solle oder nicht. Von Marburg aus schreibt er ueber das
Religionsgespraech mit Zwingli, ueber das Abendmahl sogar mit lateinischen
Schlagwoertern[491].

Fuer diese Anteilnahme an ihres Gatten Arbeiten, Sorgen, wie an den
grossen Zeitfragen und Weltbegebenheiten, geben die Briefe vor allem
Zeugnis, die er waehrend seiner Abwesenheit bei Gelegenheit von
Reichstagen an sie schrieb. So die von Koburg (S. 109-113). Insbesondere
der letzte vom 24. September, "zuhanden Frauen Kathrin D. Lutherin zu
Wittenberg."

Gnade und Friede in Christo!

Meine liebe Kaethe! Gestern hab ich Dir geschrieben und einen Brief in
gnaedigsten Herrn mitgeschickt, daraus Du vernehmen kannst, wie die
Unsern von Augsburg wollen auf sein. Darnach hoff ich, wo Gott Gnade
giebt, wollen wir in vierzehn Tagen bei Euch daheim sein. Wiewohl ich
achte, unsere Sache werde nicht gar unverdammt bleiben. Da liegt auch
nicht Macht an. Doch hat der Rietesel anhero geschrieben, er hoffe, man
werde in Augsburg mit Frieden abscheiden in allen Gassen. Das gebe Gott
und waere eine grosse Gnade. So beduerfen wir's alle wohl, weil der Tuerke
so an uns will. Weiteres wirst Du wohl von Hornungen hoeren. Hiemit seid
Gott alle befohlen.

Sonnabends nach Matthaei, 1530. Martinus LutheR."[492]

Zehn Jahre nachher, als der Reichstag und Konvent in Hagenau stattfand,
schreibt Luther am 10. Juli 1540 von Eisenach seiner "lieben Hausfrauen,
Frauen Kathrin Luderin zu Wittenberg" u.a.: "... Bittet mit Fleiss, wie
ihr schuldig seid, fuer unsern Herrn Christum, d.i. fuer uns alle, die an
ihn glauben, wider den Schwarm der Teufel, so jetzt zu Hagenau toben
wider den Herrn und seinen Gesalbten (Ps. 2)." (S.o.S. 130 f.)[493].

So redete Luther auch in den letzten Jahren mit seiner Hausfrau ueber die
politische Lage, namentlich die hinterlistige Politik des Herzogs Moriz.
"Liebe Kaethe", erklaerte er da, "deine Landsleute haben mit meines
gnaedigsten Herrn Raeten eine Hundskette gemacht und werden nicht eher
nachlassen, sie haben ihn denn verraten."[494]

Es ist naturgemaess und begreiflich, dass wir von Frau Katharinas Wesen,
Wirken und Bedeutung so wenig direkte Zeugnisse besitzen. Denn sie
selbst hat nicht gerade viel geschrieben und ihre Briefe sind fast alle
verloren gegangen, waehrend sie selbst ihres Doktors Briefe sorgfaeltig
aufbewahrt hat; ferner interessierten sich die Hausgenossen und
Zeitgenossen selbstverstaendlich fast nur fuer den grossen Mann, der die
Welt bewegt hatte. Seine Gestalt ueberstrahlte die Hausfrau voellig. Nur
im Reflex von Luthers Briefen und Tischgespraechen, selten in Bemerkungen
seiner Bewunderer, finden wir Zuege, die ihr Charakterbild darstellen.

Dass aber demnach Frau Katharina neben dem Reformator eine selbstaendige
Stellung und Geltung behauptete, beweist der Umstand, dass die Freunde
und Luther selbst sie nicht nur respektvoll die "Domina" und Doktorin,
mit lateinischen und griechischen Worten nannten, sondern auch von der
verheirateten Frau noch den Namen "Katharina von Bora" gebrauchten.

Was hielt nun Luther von seiner Frau?

Da giebt es drei wichtige Zeugnisse, die Luther seiner Gattin ausstellt,
am Anfang, in der Mitte und am Ende seiner Ehe, nicht etwa bloss
gelegentliche Aeusserungen guter oder schlechter Laune, sondern ueberlegte
und feierliche Anerkennung ihrer Vortrefflichkeit als Hausfrau und
Ehefrau.

Im zweiten Jahre seines Ehestands (1526) schreibt er an Stiefel: "Sie
ist mir willfaehrig und in allen Dingen gehorsam und gefaellig, viel mehr,
als ich zu hoffen gewagt hatte (Gott sei Dank!), so dass ich meine Armut
nicht mit den Schaetzen des Kroesus tauschen moechte."[495]

Elf Jahre darauf, bei seinem toedlichen Krankheitsanfall auf der Reise
von Schmalkalden, diktierte Luther in Gotha sein Testament, worin es
heisst: "Troestet meine Kaethe, dass sie dies trage dafuer, dass sie zwoelf
Jahre mit mir froh gelebt hat. Sie selbst hat mir gedient nicht allein
wie eine Gattin, sondern auch wie eine Magd. Gott vergelt es ihr! Ihr
aber sollt fuer sie sorgen und ihre Kinder, wie sich's geziemt" Und dann
sagte er: "Ich habe meine Kaethe lieb, ja ich hab sie lieber denn mich
selber, das ist gewisslich wahr; ich wollt lieber sterben, denn dass sie
und die Kinderlein sterben sollten."[496]

Endlich schreibt Luther in seinem letzten und endgiltigen Testament i.J.
1542. "Ich M.D.L. bekenne mit dieser meiner eigenen Handschrift, dass ich
meiner lieben und treuen Hausfrauen gegeben habe zum Leibgeding Gut,
Haus und Kleinode. Das thue ich darum, dass sie mich als ein fromm
(brav), treu ehelich Gemahl allezeit lieb, wert und schoen gehalten
hat."[497]

Und was so Luther in feierlichen Stunden bezeugte, das hat er wiederholt
sonst vor seinen Tischgenossen und Freunden bekannt. Sein langjaehriger
Hausgenosse Hieronymus Weller schreibt in seinen Erinnerungen: "Ich
erinnere mich, wie der hochw. Mann oft sagte: er preise sich von Herzen
gluecklich, dass ihm Gott eine so folgsame, bescheidene und kluge Gemahlin
geschenkt, welche so ausgezeichnet fuer seine Gesundheit sorge und
eintreten koenne und sich so geschickt seinem Wesen anzupassen und seine
Fehler und Unannehmlichkeiten mit so stillem Gemuete zu tragen wisse.
Denn er koenne bei seinen vielen Arbeiten, Beschaeftigungen und
Anfechtungen nicht immer seinem Wohlbefinden Rechnung tragen."[498]

Das Verhaeltnis zwischen Kaethe und Luther war das der achtungsvollen
Verehrung; das entsprach einmal der Anschauung des Mittelalters von der
Herrschaftsstellung des Mannes zum Weibe; anderseits ruehrte es davon
her, dass die fuenfzehn Jahre juengere Frau zu dem aelteren, durch
Gelehrsamkeit und hohes Ansehen ehrwuerdigen Mann mit einer gewissen
Pietaet hinaufschaute. Daher redet er sie zwar immer mit "Du" an, _sie_
aber spricht zu _ihm_ immer mit "Ihr" und nennt ihn "Herr Doktor". Das
fand auch Luther selbstverstaendlich. Als einmal von einem Manne die Rede
war, welcher an eine reiche Frau seine Freiheit verkauft hatte, sagte
er: "Ich hab's auch gern, wenn mir meine Kaethe uebers Maul faehrt--nur dass
ich sie nicht viel dran lasse gewinnen als ein Maulschellium."[499] Und
ein andermal: "Sie hat allein die ganze Herrschaft in ihrer Hand. Ich
gestehe ihr auch gerne das ganze Hausregiment zu; aber mein Recht wollte
ich mir unversehrt erhalten und Weiberregiment hat nie nichts Gutes
ausgerichtet." Luther war seinem ganzen Wesen, aber auch seiner
Anschauung und seinen biblischen Grundsaetzen nach nicht der Mann, seine
eheherrlichen Rechte sich verkuerzen zu lassen: einen Freund, der ihm die
Tyrannei seines Weibes klagt, verweist er tadelnd darauf, dass man das
Ansehen des Mannes nicht duerfe mit Fuessen treten lassen. So fuehrte er
auch auf Hans Luffts Tochter Hochzeit die Braut zum Lager und sprach zum
Braeutigam (dem Arzt M. Andreas Aurifaber): "Er soll's bei dem gemeinen
Lauf bleiben lassen und Herr im Hause sein (wenn die Frau nicht daheim
ist, setzte er scherzend hinzu). Und zum Zeichen zog er ihm einen Schuh
aus und legte ihn aufs Himmelbett, dass er die Herrschaft und das
Regiment behielte[500].

Aber freilich Kaethes resolutes Wesen, die Herrschaft, die sie im Haus
fuehrte und die der Hausherr ihr auch voellig einraeumte, fuehrte ihn dazu,
dass er sie auch scherzend seinen "Herrn" nannte. So schreibt er ihr vom
Hoflager in Torgau: "Gestern hab ich gedacht, wie ich daheim eine schoene
Frauen habe, oder sollt ich sagen Herren?"[501]

Und gerade mit dieser resoluten Art ihres Wesens neckt er sie genugsam.
Und wie gerade recht willensstarke wenn auch gutmuetige Eheherren,
gefaellt er sich seinen Freunden gegenueber in der humoristischen Rolle
des gehorsamen, unterdrueckten Ehemanns. So sagte er einmal zu einem
Gast: "Nehmt fuerlieb mit einem frommen (braven) Wirt, denn er ist der
Frauen gehorsam." Ihr selbst gegenueber spricht Luther in immer neuen
Wendungen von dieser angeblichen Eheherrschaft und charakterisiert jenes
gebieterische Wesen der Frau Kaethe. "Meine Herrin" nennt er sie schon in
der ersten Woche ihrer Ehe. "Mein Kaethe" (Meus Ketha) ist spaeter ihre
regelmaessige Bezeichnung in seinen vertrauten Briefen und in ebenso
drolliger Verbindung "Meine Herr Kaethe", oder sprachlich richtiger "Mein
Herr Kaetha", "Dr. Kethus", auch einmal "mein Herr und mein Moses" und
"meine Gebieterin" oder "Kaiserin"[502].

Aber sonst nennt er sie in zaertlichem Wortspiel gar haeufig "meine
Kette", auch meine "Weinrebe", oder in Briefen an entfernter Stehende
respektvoll "meine Hausfrau", "meine Hausehre"[503].

Auch seiner Frau selber gegenueber schlaegt Luther gewoehnlich jenen
neckischen Ton an, woraus einerseits zaertliche Neigung, andererseits
doch auch achtungsvolle Anerkennung blickt.

Schon in seinem ersten erhaltenen Brief und dann fast regelmaessig redet
er sie an "Lieber Herr Kaeth". Dann adressiert er--nach Sitte der
damaligen Zeit--"Meinem lieben Herrn, Frau Kathrin Lutherin zu
Wittenberg zu handen", oder "Meinem freundlichen lieben Herrn, Frau
Katherin von Bora, D. Lutherin, zu Wittenberg" oder noch umstaendlicher
humoristisch pathetisch: "Meinem freundlichen lieben Herren Katherina
Lutherin, Doctorin, Predigerin zu Wittenbergh". Oder: "Meiner gnaedigen
Jungfer Katherin Lutherin von Bora und Zulsdorf gen Wittenberg, meinem
Liebchen". "Meiner herzlieben Hausfrauen Katherin Lutherin Doctorin
Zulsdorferin, Saumaerkterin und was sie mehr sein kann." "Meiner
freundlichen lieben Hausfrau Katherinen Luther von Bora, Predigerin,
Brauerin, Gaertnerin und was sie mehr sein kann." Dann aber heisst es auch
innig und herzlich auf der Adresse "Meiner lieben" oder "herzlieben
Hausfrauen" oder "Meiner freundlichen lieben Kaethe Lutherin" und in der
Anrede: "Liebe Jungfer Kaethe" und zum Schluss "Dein altes Liebchen" oder
auch "Dein lieber Herr". Sogar in seinem taeglichen Hausgebet bittet er
fuer "mein liebes Weib"[504].

So dient dem Doktor seine Hausfrau manchmal auch zur Exemplifikation
seiner theologischen oder erfahrungsgemaessen Ansicht ueber die Weiber, oft
in scherzhafter oder wohl auch einmal ernsthafter Uebertreibung. Da
spricht er ihnen Weisheit und Herrschaftstalent ab und macht sich lustig
ueber ihre Redseligkeit, indem er verschiedentlich bemerkte, die Weiber
im allgemeinen und seine Kaethe im besonderen vergaessen das Vaterunser,
wenn sie anfingen, zu predigen[505].

So "lachte der Doktor einmal seiner Kaethe, als sie klug sein wollte; er
meinte, Gott habe dem Manne eine breite Brust als Sitz der Weisheit
gegeben, dem Weibe aber breite Hueften und starke Schenkel, dass sie
sollen daheim bleiben, im Hause still sitzen, haushalten, Kinder tragen
und ziehen. Weiberregiment im Haus und Staat taugt nichts. Der Mann hat
im Hause das Regiment. Das Gesetz nimmt den Weibern Weisheit und
Regiment." Er meinte ueberhaupt: "Es ist kein Rock noch Kleid, das einer
Frauen oder Jungfrauen uebeler ansteht, als wenn sie klug will sein."
Luther erklaerte sogar einmal in einer Tischrede: "Den Weibern mangelt's
an Staerke, Kraeften des Leibes und am Verstand. Den Mangel an
Leibeskraeften soll man dulden, denn die Maenner sollen sie ernaehren. Den
Mangel an Verstand sollen wir ihnen wuenschen, doch ihre Sitten und Weise
mit Vernunft tragen, regieren und etwas zu Gute halten."[506]

Daneben aber erkennt er die Vorzuege und die Bestimmung des weiblichen
Geschlechts ruehmend an: "Ein Weib ist ein freundlicher, holdseliger und
kurzweiliger Gesell des Lebens. Weiber tragen Kinder und ziehen sie auf,
regieren das Haus und teilen ordentlich aus, was ein Mann hineinschaffet
und erwirbt, dass es zu Rate gehalten und nicht unnuetze verthan werde,
sondern dass einem jeglichen gegeben werde, was ihm gebuehrt. Daher sie
vom heiligen Geiste Hausehren genannt werden, dass sie des Hauses
Schmuck, Ehre und Zierde sein sollen. Sie sind geneigt zur
Barmherzigkeit, denn sie sind von Gott auch fuernehmlich dazu geschaffen,
dass sie sollen Kinder haben, der Maenner Lust und Freude und barmherzig
seien." "Es ist ein arm Ding ein Weib. Die groesste Ehre, die es hat, ist,
dass wir allzumal durch die Weiber geboren werden und auf die Welt
kommen. Ein Weib wird in der heiligen Schrift genannt "ein Lust und
Freude deiner Augen" (Sirach 26, 2). Ein fromm Weib soll darum geehret
und geliebet werden, erstlich, dass sie Gottes Gabe und Geschenk ist; zum
andern, dass Gott einem Weibe herrliche grosse Tugenden verliehen, welche
andere Maengel und Gebrechen weit uebertreffen, sonderlich wo sie Zucht,
Treue und Glauben halten." "Wenn die Weiber die Lehre des Evangeliums
annehmen, so sind sie viel staerker und inbruenstiger im Glauben, halten
viel staerker und steifer darueber, als die Maenner, wie man siehet an der
lieben Anastasia und andern Maertyrern; auch Magdalena war herzenhaftiger
denn Petrus."[507]

Einmal klagt er wohl auch: "Wenn ich noch eine freien sollte, so wollte
ich mir ein gehorsam Weib aus einem Steine hauen; so sehr hab ich
verzweifelt an aller Weiber Gehorsam." Aber so gar ernst war's ihm doch
nicht damit. Er wusste wohl: "Es ist keine groessere Plage noch Kreuz auf
Erden, denn ein boes, wunderlich, zaenkisch Weib." Bei ihm war's nicht so,
sonst liefe er davon, sagt er. Dagegen weiss er seines Weibes
Willfaehrigkeit und Dienstfertigkeit an vielen Orten und in mancherlei
Weise zu ruehmen. So zitierte er auch gerne das Wort seiner Wirtin zu
Eisenach: "Es ist kein lieber Ding auf Erden als Frauenlieb, wem sie
kann werden." Und aus seiner eignen Erfahrung erklaert er: "Ein fromm
Eheweib ist eine Gesellin des Lebens, des Mannes Trost." [508]

Kleine eheliche Fehden nahm Luther als selbstverstaendliche Dinge
leichten Herzens in den Kauf. Als er einmal einen kleinen Zwist mit
seiner Frau gehabt hatte, sagte er erklaerend zu Veit Dietrich: "Er stehe
auch von ihr einen Zorn aus, er koenne ja noch mehr ertragen." Er meint
von Eheleuten: "Ob sie gleich zuweilen schnurren und murren, das muss
nicht schaden; es gehet in der Ehe nicht allzeit schnurgleich zu, ist
ein zufaellig Ding, des muss man sich ergeben. Adam und Eva werden sich
auch gar weidlich die neunhundert Jahre zerscholten haben und Eva zum
Adam gesagt: "Du hast den Apfel gessen." Herwiederum wird Adam
geantwortet haben: "Warum hast Du mir ihn gegeben?" Das Wesen der Ehe
wird durch solche Plaenkeleien nicht geschaedigt. "Denn wiewohl die
Weibsen gemeiniglich alle die Kunst kennen, dass sie mit Weinen, Luegen,
Einreden einen Mann gefangen nehmen, koennen's fein verdrehen und die
besten Worte geben; wenn nur diese drei Stuecke im Ehestand bleiben,
naemlich Treu und Glauben, Kinder und Leibesfruechte und Sakrament, dass
man's naemlich fuer ein heilig Ding und goettlichen Stand haelt, so ist's
gar ein seliger Stand, und das ein seliger Mann, der eine gute Ehefrau
hat."[509]

Einmal klagt er wohl: "Ich muss Geduld haben mit dem Papste, ich muss
Patienz haben mit den Schwaermern, ich muss Geduld haben mit den
Scharhaufen, ich muss Patienz haben mit dem Gesinde, ich muss Patienz
haben mit Kaethen von Bora, und der Patienz ist so viel, dass mein Leben
nichts sein will als Patienz. Der Prophet Jesaias (30, 15) spricht: "In
Schweigen und Hoffen steht eure Staerke."--Wie wenig aber Kaethe dies uebel
nahm, beweist, dass sie auf die steinerne Hausthuere, welche sie in Pirna
fuer Luther bestellte, grade diesen Prophetenspruch eingraben liess.
Luther bekennt aber auch: "Wer ein fromm (brav) Weib bekommt, der
bekommt eine gute Mitgift. Und da gleich ein Weib etwas bitter ist, doch
soll man mit ihr Geduld haben. Denn sie gehoert ins Haus und das Gesinde
bedarf's bisweilen auch sehr wohl, dass man ihnen hart sei und weidlich
zuspreche." "Der haeusliche Zorn als Vater und Mutter, Herrn und Frau im
Hause, thut nicht grossen Schaden. Haeuslicher Zorn ist, als wenn die
Kinder mit den Puppen spielen."[510]

Die Hochschaetzung des Familienlebens, das Lob, das Luther in allen
Tonarten dem Ehestand anstimmt, ist doch auch ein Beweis fuer die
glueckliche Ehe, in der Luther mit seiner Kaethe lebte. Das Kapitel ueber
den Ehestand ist in seinen Tischreden das groesste. So fing er bei der
Verlobung seiner Nichte (1538) an und konnte gar nicht aufhoeren, den
Ehestand zu loben, dass er Gottes Ordnung und der allerbeste und
heiligste Stand sei. "Darum sollte man ihn mit den herrlichsten
Zeremonien (Feierlichkeiten) anfangen. Gott hat ein Kreuz (naemlich: des
Segens) ueber den Ehestand gemacht und haelt's auch darueber."[511]

In der Ehe soll eitel Liebe und Lust sein, freilich "muss es ein frommer
Mann und ein fromm Weib sein, welche Gemahl und Kinder von ganzem Herzen
lieben. Ein fromm Eheweib ist eine Gesellin des Lebens, des Mannes
Trost, wie geschrieben steht (Sprw. 31, 11): Des Mannes Herz verlaesst
sich auf sie. Das Weib hat das Lob der Gefaelligkeit und erfreuenden
Anmut." Das lieblichste Leben duenkte ihm: "leben mit einem frommen,
willigen, gehorsamen Weibe in Frieden und Einigkeit."[512]

Luther selber hatte nun in seiner Hausfrau und seinem Hausstand
gefunden, was er in dem rechten Ehestand suchte und von dem rechten
Eheweib erwartet. Er bezeugt: "Mir ist, gottlob! wohl geraten, denn ich
habe ein fromm (brav), getreu Weib, auf welche sich des Mannes Seele
verlassen darf, wie Salomon sagt (Sprw. 31, 11): Sie verderbet mir's
nicht."[513]

"Martinus redete von seiner Hausfrau und sagte: er achtete sie teurer
denn das Koenigreich Frankreich und der Venediger Herrschaft. Denn ihm
waere ein fromm (brav) Weib von Gott geschenkt und gegeben. Zum andern,
er hoere, dass viel groesser Gebrechen und Fehler allenthalben unter
Eheleuten seien, denn an ihr erfunden waere. Zum dritten: das waere
ueberfluessige Ursach genug, sie lieb und wert zu halten, dass sie Glauben
und sich ehrlich hielte, wie es einem frommen, zuechtigen Weib gebuehret.
Welches alles, da es ein Mann ansehe, so wuerde er leichtlich ueberwinden,
was sich moechte zutragen, und triumphieren wider Zank und Uneinigkeit,
so der Satan pflegt unter Eheleuten anzurichten." "Die Ehe ist nicht ein
natuerlich Ding, sondern Gottes Gabe, das allersuesseste, lieblichste und
keuscheste Leben. Ach, wie herzlich sehnte ich mich nach den Meinen, da
ich zu Schmalkalden todkrank lag! Ich meinte, ich wuerde Weib und Kinder
hie nicht mehr sehen; wie weh that mir solche Scheidung und Trennung.
Nun glaub ich wohl, dass in sterbenden Menschen solche natuerliche Neigung
und Liebe, so ein Ehemann zu seinem Eheweib habe, am groessten sei. Weil
ich aber nun gesund bin worden durch Gottes Gnade, so hab ich mein Weib
und Kinderlein desto lieber. Keiner ist so geistlich, der solche
angeborene Neigung und Liebe nicht fuehlet. Denn es ist ein gross Ding um
das Buendnis und die Gemeinschaft zwischen Mann und Weib."[514]

Luther wusste aber auch, dass er keine zweite Frau in der Welt finden
koennte, die so gut fuer ihn passte, als Katharina von Bora. Er warnte den
Pfarrer von Sitten vor einer zweiten Heirat und fuegt bei der Umschau auf
seinen Bekanntenkreis hinzu: "Ich, wenn ich jung waere und die Bosheit
der Welt so kennete, ich wuerde, wenn mir auch eine Koenigin angeboten
wuerde nach meiner Kaethe, lieber sterben, als noch einmal heiraten." Und
doch schaetzte er den Ehestand so hoch, dass er ihn fuer die schoenste
Ordnung nach der Religion, fuer den fuernehmsten Stand auf Erden
hielt[515].

Luther kannte nichts Lieberes als seine Kaethe. Er beteuert, er habe sie
lieber als sich selber. Ja er klagte darueber als menschliche Schwaeche,
dass er seine Kaethe lieber habe als unsern Herrgott. Seine
Lieblingsepistel, den Galaterbrief, nannte er "seine Kaethe im neuen
Testament". "Der Brief an die Galater ist meine liebe Epistel, der ich
mich vertrauet habe: sie ist meine Kaethe von Bora." Und sein hoechster
Trumpf war: "Ich setze meine Kaethe zum Pfand!"[516]

Kaethe war nicht eine geistreiche Frau, hoher Schwung der Gedanken,
glaenzende Geistesgaben gingen ihr ab: sie ist eine nuechterne und doch
nicht hausbackene, tuechtige deutsche Frau.

Es ist eine unzeitgemaesse Sache, die Frage aufzuwerfen, ob denn Frau
Kaethe "gebildet" war. Eine gelehrte Frau wie Argula von Grumbach war sie
gluecklicherweise nicht; von einer solchen war Luther, wie seine
Aeusserungen zeigen, wenig erbaut und jedenfalls waere dann seine Wahl
nicht auf Katharina gefallen. (S. 185 f.) Eine geistvolle Frau wie die
Kirchenmutter Katharina Schuetzin in Strassburg, welche Sendschreiben an
die christlichen Frauen ergehen liess, brauchte sie neben Luther nicht zu
sein. Aber so gebildet wie irgend eine Frau ihres Standes war sie doch.

Frau Kaethe, wird bezeugt, las gerne und eifrig in der Bibel und gewiss
nicht bloss wegen der von Luther versprochenen 50 fl. Einmal ermahnte der
Doktor sein Weib, dass sie fleissig Gottes Wort lesen und hoeren solle, und
sonderlich den Psalter fleissig lesen. Sie aber sprach, dass sie es genug
thaete und taeglich viel lese, und koenne auch viel davon reden; wollte
Gott, sie thaete auch darnach. Der Doktor meinte zwar, solch' Ruehmen
muesse der Vortrab des kuenftigen Ueberdrusses sein. Aber freilich, die
vielbeschaeftigte Frau konnte doch auch nicht staendig mit geistlichen
Dingen sich beschaeftigen, wie ihr theologischer Gemahl. Und ein andermal
fiel ihr selbst auf, dass sie im Evangelium nicht mehr so hitzig und
emsig bete wie im Papsttum. Geistlich gesinnet sein konnte sie aber
deswegen doch. Von seinen Predigten ueber Joh. 14-16 sagte Luther zu
seiner Gattin: "Das ist das beste unter allen Buechern, die ich je
geschrieben habe; darum liebe Kaethe, lass Dir's befohlen sein und halt es
fuer mein Testament."[517]

Und von Eisleben aus schrieb er: "Lies Du, liebe Kaethe, den Johannem und
den kleinen Katechismum, davon Du zu dem Male sagtest: "Es ist doch
alles in dem Buch von mir gesagt." Sie las also nicht nur in Schrift und
Glaubensbuechlein, sondern wandte es auch auf sich an[518].

Es ist doch ein Zeugnis fuer so eifriges Forschen in der Schrift, wenn
ihr von ihren Kindern auf ihrem Grabstein ein offenes Buch in die Haende
gegeben wird.

Kaethe konnte auch schreiben, und ihre Briefe, soweit sie diktiert und
nicht etwa von andern stilisiert sind, beweisen eine klare, bestimmte
und verstaendige Denk- und Ausdrucksweise. Und wenn Luther seine Frau
auch einmal damit aufzieht, dass sie "Kattegissimum" schrieb statt
Katechismum, so kann dies damals viel weniger wie heute als
orthographische Unbildung gelten zu einer Zeit, wo nicht nur Laien,
sondern auch Gelehrte hoechstens das Lateinische einigermassen
orthographisch schrieben, das Deutsche aber in der krausesten Form, wie
es ihnen in die Feder kam mit allen Fehlern der undeutlichen,
verdorbenen mundartlichen Aussprache[519].

Ebenso wenig sachgemaess ist die Frage, ob Frau Katharina ihrem Gemahle
ebenbuertig war. An eine Vergleichung mit seinem geistigen Wesen, mit
Luthers Genialitaet und Charakter, Wirksamkeit und weltgeschichtlicher
Bedeutung ist ja naturgemaess nicht zu denken. Aber dass sie als Gattin,
als Hausfrau und Mutter seiner Kinder ihm das war, was er an ihr
brauchte und wollte, dass sie Luthers rechte und somit ebenbuertige Gattin
war, das hat er immer wieder ausgesprochen und anerkannt.

Aber auch daran muss erinnert werden, dass Frau Katharina doch ein
lebhaftes Interesse fuer das Werk ihres Gatten, fuer die Kirche und die
Reformation bezeugte. Frau Kaethe hoerte und las viele von den Briefen,
die ab- und eingingen. Sie draengte ihren Gatten zum Schreiben. Sie
sprach ein Wort darein, wenn er eine Schrift ausgehen liess. Sie durfte
als eine Doktorin auch ihren Rat bei Besetzung von Pfarrstellen geben
und bemuehte sich fuer junge Magister um Anstellung. Sie verstand die
Bedeutung ihres Gatten fuer die Christenheit, sie wusste seine
Persoenlichkeit und sein Werk zu wuerdigen. Sie betete und sorgte fuer das
Heil der Christenheit und den Erfolg des Evangeliums noch auf ihrem
Totenbette. Und Luther mutete ihr solches Interesse auch zu.

Und wenn wir die Rolle in Betracht ziehen, welche Katharina gegenueber
den anderen Professoren- und Reformatorenfrauen in dem muendlichen und
schriftlichen Gedankenaustausch der Zeitgenossen spielte, so z.B.
Melanchthons Frau, wenn wir sehen, wie sie allerseits geehrt, gegruesst
und beachtet, in ihrer Krankheit um sie gebangt war, nicht bloss um ihres
Gatten willen, dann ist ausser Zweifel: seine Kaethe ist des grossen
Doktors wert und wuerdig gewesen, und es ist doch bemerkenswert, dass die
Freunde die Gattin Luthers mit dem Weibe der Offenbarung, dem Sinnbild
der christlichen Kirche verglichen[520].

Aus den spaeteren Jahren giebt es von Frau Katharina ein Kranachsches
Bild[521]. Das Gesicht ist etwas gebraeunt, die Augen blicken truebe, fast
schmerzlich und muede, wie Luther in dieser Zeit sie schildert, als
"geneigt zu Misstrauen und Sorgen"[522]; wieder zeigt die starke
Unterlippe das kraeftige Selbstbewusstsein, die zusammengelegten Haende
deuten ruhige Gelassenheit an. Aber es ist das Bild einer geistig nicht
unbedeutenden Frau. Der ernste, ja strenge Ausdruck des Gesichts
verkuendet ein schweres Geschick, das ihr bevorsteht, oder das sie schon
erlebt hat.




15. Kapitel.

Luthers Tod.


Die letzten Jahre der Ehe waren gar schwer und truebe. Das lag einerseits
in den Verhaeltnissen, die sich fast nach allen Seiten recht widerwaertig
gestalteten; andererseits aber in Luthers Zustand, der immer
krankhafter, immer hinfaelliger und damit truebseliger und verstimmter
wurde. Was Kaethe bei dem zur Schwermut geneigten Temperament und der
zornmuetigen Gereiztheit ihres Gatten unter all' diesen Verhaeltnissen zu
leiden hatte, ist leicht zu denken[523].

Die Weltlage, welche der Reformator begreiflicherweise mit aufmerksamem
Auge verfolgte, war eine seltsame und fuer Luthers Empfinden geradezu
erschreckliche. Das stete Vordringen der Tuerken, das seinem
christlich-deutschen Herzen schwer weh that, die Verbindung christlicher
Maechte, wie Frankreichs und, wenigstens indirekt, Venedigs und des
Papstes mit dem Erbfeind der Christenheit erschien wie drohende
Vorzeichen des Juengsten Tages. Dazu das Verhalten des Kaisers und seines
Bruders, des Koenigs Ferdinand, das deutlich darauf ausging, die
Protestanten hinzuhalten, sie, wie einstens die Husiten, mit einem
Brocken Zugestaendnis abzuspeisen, wenn man aber einmal freie Hand haette,
mit Gewalt, wie Luther fuerchtete--verbunden mit Papst und Teufel, Tuerke
und Hoelle, ueber sie herzufallen. Das alles erfuellte ihn mit bangen
Sorgen. Er weissagte an seinem letzten Geburtstag richtig: "Bei meinem
Leben wird es, ob Gott will, keine Not haben und guter Friede in
Germania bleiben; aber wenn ich nun tot bin, da wird alsdann das Beten
hoch vonnoeten sein. Unsere Kinder werden noch muessen den Spiess in die
Hand nehmen; denn es wird uebel zugehen in Deutschland. Das Konzil zu
Trient ist sehr zornig und meinet es sehr boese mit uns. Darum betet zu
Gott mit Fleiss."[524]

Noch verdriesslicher aber und sorgenerregender waren fuer Luther mit Recht
die Streitigkeiten in den eigenen Reihen. Darueber sagte er seinen
Freunden beim letzten Geburtstagsfest: "Ich fuerchte mich nicht vor den
Papisten, das sind des mehren Teils grobe Esel; aber unsere Brueder
werden dem Evangelium Schaden thun, die von uns ausgegangen sind, aber
nicht von uns sind." Da standen sich Kurfuerst und Herzog von Sachsen
wegen Landbesitz feindlich gegenueber im sogenannten "Fladenkrieg" (weil
um Ostern 1542). Herzog Moriz, welchem Luther Verraeterei zutraute,
entzog sich dem evangelischen Bunde von Schmalkalden. Wohl waren--bis
auf den "geistlichen Tuerken", den Mainzer Erzbischof--die alten Feinde
Luthers: Herzog Georg und Kurfuerst Joachim I. gestorben und das
Herzogtum Sachsen und Kurbrandenburg zum Protestantismus uebergetreten
und sogar das Erzbistum Koeln dazu bereit; aber in Berlin traten der
"Grickel und der Jaeckel" (Agricola und Schenk) auf mit ihren
gesetzesstuermerischen Lehren; in Koeln wollte man die Luther so
unsympathische schweizerische "Sakramentiererei" einfuehren und der grosse
Vermittler Butzer und der milde Melanchthon, welche diese Koelner
Reformation uebernommen hatten, wurden Luther hoechst verdaechtig und das
ganze Werk aergerlich--es scheiterte ohnedies durch die Gewaltthat des
Kaisers. In Luthers Umgebung wuchs, nachdem die alten Mitarbeiter der
Reformation am Abgang waren, ein neues Geschlecht heran, das mit
epigonenhafter Uebertreibung die Gegensaetze schaerfte oder allerlei
Kleinigkeiten und Aeusserlichkeiten aufbauschte, wie die Zeremonien,
Auslegung der Offenbarung Johannes, Verbot von alten Osterbraeuchen und
andere "Geislein" "herfuergucken" liessen, die sie fuehren wollten, um sich
wichtig zu machen; auch der alte Streit mit den Schweizern flammte
wieder auf[525].

Ja, auf Melanchthon selbst, seinen alten Freund und Mitarbeiter, wurde
Luther misstrauisch gemacht wegen allerlei Abweichungen vom "echten"
Luthertum und es entstand eine gefaehrliche Spannung zwischen den beiden
Maennern und ihren Familien, bis die Missstimmung endlich durch Luther
selbst beigelegt wurde, so dass der Reformator doch bis ans Ende seines
Lebens mit ihm als dem treuesten Freunde verkehrte[526]. Mit seinen
Kollegen von der juristischen Fakultaet, namentlich seinem alten Freunde
Hier. Schurf, bekam Luther einen boesen Span wegen der heimlichen
Verloebnisse, welche die "garstigen Juristen" mit einem Rueckfall ins
kanonische Recht fuer giltig erklaerten, Luther aber verwarf[527]: er
hatte die Gefaehrlichkeit der Sache an Melanchthons Sohn er fahren, der
sich--noch unmuendig--von einem Maedchen hatte fangen und ohne Wissen und
Willen seiner Eltern ihr ein Eheversprechen gegeben hatte, worueber M.
Philipp und sein Weib "schier verschmachtet" waeren, wenn Luther es nicht
abgewendet haette. Und er selber musste es erfahren in seiner eigenen
Familie, indem seiner Schwester Sohn sich ungehorsamerweise ohne der
Freundschaft Rat verlobte. Er hatte infolgedessen zu klagen, dass das
"Meidevolk in Wittenberg gar kuehn" geworden sei und die Eltern ihre
Soehne von der Universitaet zurueckforderten, weil man ihnen da Weiber an
den Hals haenge[528].

Die alten Hausgenossen und Freunde waren in alle Welt zerstreut; aber in
ihren Anfechtungen, Verdriesslichkeiten, Bedenken wandten sie sich an
ihren "heiligen Vater Luther". So hatte er zu schlichten, zu raten und
zu troesten--und das richtete ihn selber auf. Aber er hatte auch manchen
Aerger und manchen Schmerz[529]. Da plagte ihn M. Stiefel mit seinen
Grillen ueber den Juengsten Tag, oder der Stadthauptmann Metzsch mit
seinem uebeln Wandel und seiner ruecksichtslosen Niederlegung von vielen
Wohnhaeusern zum Festungsbau, wodurch die kleine, volkreiche Stadt noch
enger wurde und die armen Studenten noch elender wohnen mussten. Einer
nach dem andern von den Zeitgenossen ging aus dem Leben. So schon 1538
der treue Hausmann. Dann Luthers letzter Klostergenosse Brisger, endlich
auch Spalatin (1545). Schon vorher (1542) war seine und Kaethes
liebenswuerdige, heitere Freundin, Kaethe Jonas, verschieden, deren
Erscheinung ihm immer erfreulich und troestlich gewesen[530]; vor allem
aber der Sonnenschein des Hauses, das gute Magdalenchen. Der Sohn und
ein Neffe waren eine zeitlang fort in Torgau. In dieser Zeit starb auch
der Gatte seiner Nichte Lene, geb. Kaufmann; und diese machte ihm dann
schweren Verdruss durch ihre zweite Heirat mit dem jugendlichen Mediziner
Ernst Reuchlin (Ende 1545).

Das Jahr 1544 war wieder ein Krankheitsjahr in Wittenberg und im
Lutherhaus. Um Ostern lagen alle Kinder an den Masern und die kleine
Margarete bekam davon ein schweres Fieber, an dem sie zehn Wochen
lebensgefaehrlich darniederlag und von dem sie sich bis in den Dezember
hinein gar nicht erholen wollte. Was gab es da fuer Kaethe an Sorgen und
Muehen[531]!

Aber auch der Hausvater selbst war jetzt immer krank: bald fehlte ihm
dies, bald jenes; alle seine Leiden stellten sich mit Macht ein in dem
abgearbeiteten Koerper und der erschoepfte Lebensgeist war nicht mehr
recht widerstandsfaehig gegen die mancherlei Angriffe auf die
verschiedenen Organe. Die Hausaerzte und die kurfuerstlichen Leibaerzte
doktorten an ihm herum; der Hof schickte Arzneien; die Graefin von
Mansfeld wollte ihn in die Kur nehmen. Es war ein alter (noch jetzt
bestehender) Glaube, dass grosser Fuersten und Herren Arznei, die sie
selbst gaeben und applizierten, kraeftig und heilsam seien, sonst nichts
wirkten, wenn's ein Medikus gaebe[532]. Das meiste und beste that
freilich Frau Kaethe.

Im Jahre 1541 war Luther lange Zeit so schwach, dass er nicht eine Stunde
angestrengt lesen und sprechen konnte; er musste daheim bleiben und da
seine Hausgottesdienste halten. Einmal schrieb er auch an die
arzneikundige verwitwete Graefin Dorothea von Mansfeld, welche auch gern
dem "lieben togktor" geholfen haette. Denn die Schmerzen waren
entsetzlich, so dass er jammerte: "Sterben will ich, aber diese Qualen
sind graesslich."[533] Im folgenden Jahre machte er sein Testament, "satt
dieses Lebens, oder dass ich's richtiger sage, dieses herben Todes". "Ich
habe mich ausgearbeitet und ausgelebt. Der Kopf ist kein nutz mehr. Ich
bin muede erschoepft, bin nichts mehr."[534] Im April 1543 klagt er: "Wie
oft bin ich in diesem Jahre schon gestorben! Und doch lebe ich noch,
eine unnuetze Last der Erde." Am 13. und 14. Juli 1543 wurde er
wiederholt so ohnmaechtig, dass er zu sterben meinte und seinen Hans von
Torgau holen lassen wollte. Aber Frau Kaethe hatte gelernt, ihn zu
ermutigen und redete ihm die Todesgedanken aus. Anfangs 1515 hatte er
einen Krankheitsanfall mit aehnlichen Erscheinungen, wie sie ein Jahr
spaeter seinen Tod herbeifuehrten, Leichenkaelte und die beaengstigenden
Beklemmungen auf der Brust. Er konnte lange keine Predigt und keine
Vorlesung halten und musste selbst in einem Waegelchen sich zur Kirche
fahren lassen, um die Predigt zu hoeren[535]. "Ich glaube, meine
wirkliche Krankheit ist das Alter, dann meine Arbeiten und heftigen
Gedanken, besonders aber die Schlaege Satans." "Dass ich am Haupte
untuechtig bin, ist nicht Wunder; das Alter ist da; der Krug geht solange
zu Wasser, bis er einmal zerbricht." "Ich bin traeg, muede, kalt, das
heisst alt und unnuetz; ich habe meinen Lauf vollendet und es bleibt
nichts uebrig, als dass der Herr mich zu meinen Vaetern versammle." Bei
seinen graesslichen Qualen wuenscht er, wenn nicht sanft, so doch tapfer zu
sterben[536].

Und bei all' diesen Leiden und Qualen sollte der alte Mann noch fuer drei
arbeiten, so war er geplagt von Fuersten und Stadtraeten, von Freunden und
Amtsgenossen und Beichtkindern mit Briefschreiben, Buecherschreiben,
Vorlesungen, Predigten und Beratungen, "Bedenken", Trostschreiben; so
dass er klagt: "Da sitze ich alter, abgelebter, fauler, mueder, frostiger
und noch dazu einaeugiger Mann und schreibe. Hoffte ich doch, man sollte
mir Abgestorbenen nun die Ruhe goennen, die ich mir, denkt mich, verdient
habe. Aber als haette ich niemals etwas gethan, geschrieben, geredet und
ausgefuehrt, muss ich so viel reden, thun und ausfuehren, dass ich mir
keinen Rat weiss. Ich bin so beschaeftigt, dass ich gar selten Musse habe,
zu lesen oder fuer mich zu beten, was mir beschwerlich ist.[537]

Freilich brach oft der angeborene Humor bei Luther durch, und das frohe
Gottvertrauen blieb wohl die Grundstimmung seines Wesens. Aber bei
seinem zur Schwermut neigenden Temperament und Gesundheitszustand
pflegte der alternde Mann doch vorwiegend die Schattenseiten aller
Erscheinungen zu sehen und nur selten konnte er sich sagen: "Ich lasse
das Antlitz unsrer Gemeinden nicht trauervoll zurueck, sondern bluehend,
durch reine und heilige Lehre mit vielen vortrefflichen und lauteren
Geistlichen, von Tag zu Tage wachsend.[538]

So war ihm Zeit und Welt widerwaertig geworden. "Welt ist Welt, war Welt
und wird Welt sein." Und er wuenschte sich weg daraus. Er hoffte und
wuenschte, dass das Weltende nahe sei oder doch sein Lebensende. "Komm',
lieber juengster Tag!" seufzt er am Schluss eines Briefes an Kaethe, und an
Frau Joerger schliesst er (1544) ein Schreiben: "Es sollt ja nunmehr die
Zeit da sein meiner Heimfahrt und Ruhe; bittet fuer mich um ein seliges
Stuendlein."[539]

Da er aber nicht aus der Welt gehen und die Feiertagsruhe des Juengsten
Tages nicht selbst herbeifuehren konnte, so wollte er wenigstens aus
_seiner_ Welt scheiden und von seinem Beruf. Denn so ist ja Stimmung und
Wunsch bei alten und kranken Leuten: da sie nicht aus dem Leben gehen
koennen, so suchen sie ihren Wohnort zu veraendern und wuenschen sich
daraus weg, mit so viel Beschwerden auch ein Wechsel und eine Reise
verbunden sein mag. So sagte Luther das ganze letzte Jahr zu seiner
Umgebung, "er begehre an einen anderen Ort zu ziehen". Und die Freunde
fanden es auch merkwuerdig, dass er in diesem Jahr vor seinem Tode oefter
ausgezogen, denn in vielen Jahren; und sie sahen es als "Prophezeiung
an, dass er die selige Reise werde thun in ein besser Leben"[540].

So ging es nun auch schon 1544, wo er mit einem Wegzug aus Wittenberg
gedroht und von den Freunden und Beamten Wittenbergs davon abgebracht
war. Im folgenden Jahr (1545) nachdem er am Johannistag von seinem
"Peiniger", dem Stein, fast umgebracht worden und dadurch in eine
gereizte Stimmung versetzt war, fuehrte er diesen Entschluss wirklich
aus[541].

Es war gerade kein besonderer Anlass zu diesem Schritte da. Aber
mancherlei hatte ihm den Aufenthalt in Wittenberg in der letzten Zeit
verleidet. Der Streit mit den Juristen, die aergerliche Geschichte im
Haus mit "einer andern Rosina und Schwindlerin", vor allem aber das
Leben und Treiben von Buergern und Studenten in Wittenberg, hatten ihn
hoch aufgebracht. Der ungeheure Studentenandrang nach Wittenberg brachte
begreiflicherweise nicht lauter gute, fromme und sittige Elemente dahin
und bei den 2000 Studierenden gab es natuerlich viel mehr zu ruegen und zu
strafen, als bei den frueheren 200. Und unter diesen Tausenden waren
Leute aus allerlei Volk; nicht nur alle deutschen Staemme, sondern auch
Auslaender: "Reussen und Preussen, Hollaender und Engellender, Daenemarker
und Schweden, Boehmen, Polen, Hungern, Wenden und Winden, Walen und
Franzosen, Spanier und Graeken." Die Buerger beuteten die Studierenden
aus. Weibliches Gesindel zog herbei, wie Luther meinte, von den
Widersachern geschickt, und es gab manche "Speckstudenten", die sich
lieber in dem Lustwaeldchen "Specke" umhertrieben, statt in der Schule
Gottes Wort, Tugend und Zucht zu lernen. Gegen solche Unordentlichkeit
trat nun Luther als alter treuer Prediger mit vaeterlicher Vermahnung
auf. Er bittet seinen "Bruder Studium, sich still, zuechtig und ehrlich
zu halten, des warten, warum sie hergesandt und mit schweren Kosten von
den Ihren erhalten werden, dass sie Kunst und Tugend lernen, weil die
Zeit da ist und solche feine Praezeptoren da sind." Er ermahnte den Rat,
die Laster zu strafen, und die Buerger, dem "Geiz" zu steuern. Aber die
Buerger der kleinen Universitaetsstadt hielten zumeist auf ihren Vorteil,
der Rat war laessig und aengstlich, wie Luther oftmals klagt gegenueber der
schoenen Ordnung in einer Reichsstadt wie Nuernberg, und die Studenten
wies er vergeblich auf seinen grauen Kopf; sie ueberhoerten seine
schmerzlichen und herzlichen Mahnungen: "Ach, mein Bruder Studium,
schone mein und lass es nicht dahin kommen, dass ich muesse schreien wie
St. Polykarpus: Ach Gott, warum hast Du mich das erleben lassen? Ich
hab's ja nicht verdient, sondern da sind vorhanden meine und euer
Praezeptoren treue Arbeit, die euch zum besten dienen in diesem und jenem
Leben."[542]

Neben und mit diesem unordentlichen Wesen nahm die Ueppigkeit in der
Stadt bei Doktorschmaeusen und besonders bei Hochzeiten und Kindtaufen so
ueberhand, dass mancher Mann (z.B. Georg Major durch sein Doktorat und
neun Kindtaufen) in Schulden geriet. Ja, es riss die neue Kleidertracht
ein, "die Jungfrauen zu bloessen, hinten und vorn", und niemand war da,
"der da strafe oder wehre"; es schien, wie Luther fuerchtet, sich
anzulassen, "dass Wittenberg mit seinem Regiment nicht den S. Veitstanz
noch S. Johannistanz, sondern den Bettlertanz und Beelzebubtanz kriege".
Daher meinte Luther: "Nur weg aus dieser Sodoma!"[646]

Damit schien er nun Ernst zu machen. Im Juli 1545 unternahm er auf Frau
Kaethes Fuhrwerk mit seinem aeltesten Sohne Hans, D. Kreuziger und einem
Tischgenossen Ferdinand von Maugen eine Erholungsreise nach Leipzig und
Zeitz zu Freund Amsdorf, dem Bischof. Unterwegs hoerte er, dass die
Zustaende in Wittenberg viel mehr im Munde der Leute waeren, als er
dachte. Da wollte er gar nicht mehr in die "unordige" Stadt zurueck. Er
schrieb am 28. Juli von Zeitz aus an seine Frau folgenden Brief[543]:

"G(nade) und F(riede)!

Liebe Kaethe! Wie unsre Reise ist gangen, wird Dir Hans wohl alles
sagen--wiewohl ich auch nicht gewiss bin, ob er bei mir bleiben solle--,
dann werden's doch D. Kaspar Kreuziger und Ferdinandus wohl sagen. Ernst
von Schoenfeld hat uns zu Lobnitz schoen gehalten[544]. Noch viel schoener
Heinz Scherle zu Leipzig.

Ich wollt's gerne so machen, dass ich nicht muesste wieder gen Wittenberg
kommen. Mein Herz ist erkaltet, dass ich nicht gern da bin; wollt auch,
dass Du verkauftest Garten und Hufe, Haus und Hof. So wollt ich (auch)
M(einem) G(naedigen) H(errn) das grosse Haus[545] wieder schenken. Und
waere Dein Bestes, dass Du Dich gen Zulsdorf setzest, weil (waehrend) ich
noch lebe. Und (ich) koennte Dir mit dem Solde wohl helfen das Guetlein
bessern, denn ich hoffe, M.G.H. soll mir den Sold (aus)folgen lassen,
zum wenigsten ein Jahr meines letzten Lebens. Nach meinem Tode werden
Dich die vier Elemente[546] zu Wittenberg doch nicht wohl leiden; darum
waere es besser bei meinem Leben gethan, was dann zu thun sein will.

Ich habe auf dem Lande mehr gehoert, denn ich zu Wittenberg erfahre,
darum ich der Stadt muede bin und nicht wieder kommen will, da mir Gott
zu helfe.

Uebermorgen werde ich gen Merseburg fahren, denn Fuerst George hat mich
sehr darum lassen bitten[547].

Will also umherschweifen und eher das Bettelbrot essen, ehe ich meine
arm alte letzte Tage mit dem unordigen Wesen zu Wittenberg martern und
beunruhigen will mit Verlust meiner sauern und teuern Arbeit. Magst
solches, wo Du willst, D. Pommer und M. Philipps wissen lassen, und ob
D. Pommer wollt' hiemit Wittenberg von meinenwegen gesegnen[548]. Denn
ich kann des Zorns und Unlust nicht laenger leiden.

Hiemit Gott befohlen, Amen.

Martinus Luther."

Frau Kaethe zeigte natuerlich diesen drohenden Brief den beiden Freunden;
Melanchthon wiederum, welcher auf den Mittag zu Dr. Brueck kam und mit
ihm ass, erzaehlte dem Kanzler Luthers Vorhaben. Das that seine Wirkung.
Denn was war Wittenberg ohne Luther? Auch Melanchthon erklaerte, dass er
dann nicht mehr bleiben koennte und sich vor dem Aergernis irgend wohin
verkriechen muesse.

Da fuhr der Schrecken den Wittenbergern, Universitaet, Rat und
Buergerschaft durch die Glieder. Der Senat und der Magistrat kamen
zusammen und berieten ueber Massregeln, Luther zu halten. An den
Kurfuersten wurde mit einer Abschrift von Luthers Brief eine Botschaft
geschickt, damit er auch seinerseits auf den erzuernten Mann einwirke,
"dass er sein Gemuet aendere". Eine Abordnung von Universitaet und Stadtrat:
Melanchthon, Bugenhagen, Major, der Buergermeister und der Stadtrichter
Hans Lufft, wurden zu Luther gesandt und auch vom Hof kam ein
beschwichtigender Brief und der liebenswuerdige Leibarzt Ratzeberger, den
Luther gar gut leiden mochte, nach Merseburg. Der Doktor liess sich hart
genug gegen die Wittenberger Abgesandten aus ueber "die Lockerung der
Zucht". Stadt und Regierung versprachen nun ernstliches Einschreiten
gegen das "verthunliche" Wesen bei Hochzeiten und Kindtaufen, gegen
leichtfertiges Treiben bei Tanzvergnuegungen, gegen das ungebuehrliche
Geschrei auf den Strassen u.s.w.[549]

So liess sich Luther besaenftigen; er kehrte noch bei Hof an, um seinen
Forderungen Nachdruck zu geben; dann fuhr er langsam nach Hause. Die
Ausspannung und der Aufenthalt in freier Luft hatte ihm doch gut gethan,
und die Behaglichkeit in seinem schoenen Heim, die Fuersorge seiner treuen
Hausfrau liessen ihn die Gedanken an einen Auszug vergessen, bis die
endgiltige Wanderung in die jenseitige Welt ihn aller Unlust und
Widerwaertigkeiten, aller Leiden und Folterqualen der Krankheit
enthob[550].

Er sollte die verwickelten Streithaendel seiner Landesherrn, der
Mansfelder Grafen, wegen der Bergwerksrechte beilegen und machte dazu im
folgenden Winter drei Reisen in seine Heimat. Der Kurfuerst haette lieber
gesehen, wenn Luther "als ein alter abgelebter Mann mit diesen Sachen
verschont bliebe"; und das war Frau Kaethes Meinung auch, welche es
betrieb, dass Melanchthon, der doch viel juenger und gesunder war, nicht
nach Regensburg musste. Aber Luther selbst meinte: "Es muss, wiewohl ich
viel zu thun habe, um ein acht Tage nicht not haben, die ich daran wagen
will, damit ich mit Freuden mich in meinen Sarg legen moege, wo ich zuvor
meine lieben Landesherren vertragen und freundliches, einmuetiges Herzens
gesehen habe." Nebenbei war es ihm eine Genugthuung, zu zeigen, was in
Streithaendeln ein guter Christ fertig braechte, gegenueber "den silbernen
und guldenen Juristen, welche die Sache oftmals als Vorteil und Geiz
wider alle Billigkeit erweitern und auf(hinaus)ziehen."[551]

Freilich Frau Kaethe nahm diese Reisen viel schwerer, namentlich die
letzte in der schlimmsten Jahreszeit. Es war Ende Januar und ein gar
"unartiges", kaltes Wetter. Sie wusste aus reicher Erfahrung, was eine
Erkaeltung fuer den durch und durch kranken Mann bedeute. Sie hatte ja
auch gehoert, dass Luther im November (1545) seine Vorlesung ueber die
Genesis mit den Abschiedsworten geschlossen hatte: "Ich kann nicht mehr;
ich bin schwach; bittet Gott fuer mich, dass er mir ein gutes, seliges
Ende beschere." Endlich hatte ein Vorfall das ganze Haus mit banger
Ahnung erfuellt. Kurz vorher hatten die studentischen Tisch- und
Hausgenossen im Schlafhaus, wo sie wohnten, eine Schlaguhr erneuern
lassen. Da begab sich's einstmals um Mitternacht, dass bei dieser Uhr ein
sehr grosser harter Fall gehoert wurde, als ob das ganze Gehaeuse mit samt
den Gewichten heruntergefallen waere. Am andern Morgen war alles
unversehrt. Da dies Luther gesagt war, sprach er zu den Tischgenossen:
"Ihr lieben Quiriten, erschreckt nicht davor. Denn dieser Fall bedeutet
mich, dass ich bald sterben werde. Wenn ich von Eisleben komme, will ich
mich in Sarg legen. So bin ich der Welt muede, und scheide gerne wie ein
reifer Gast aus einer gemeinen Herberge." Dennoch wollte Frau Katharina
ihren Gatten an dem Friedenswerk in Mansfeld nicht hindern und nachdem
er zweimal die Reise gluecklich ueberwunden, hoffte sie wohl auch auf
einen gluecklichen Ausgang einer dritten und letzten. Sie gab ihm aber
nicht nur seinen Famulus Ambrosius Rutfeld mit, sondern auch ihre drei
Soehne und in Halle sollte Herr D. Jonas einsteigen. Im Kloster blieben
als Tischgenossen Besold, Plato u.a. zurueck[552].

Die Reisenden fuhren am Samstag, den 23. Januar, in Wittenberg ab. Es
trat nach scharfem Frost waehrend der Nacht auf Sonntag Tauwetter ein,
mit Eisgang und Ueberschwemmung, so dass die Reisegesellschaft, als sie
Sonntag vormittag in Halle anlangte, nicht ueber die Saale kommen und
drei Tage in der Stadt verziehen musste; Freund Jonas, der seit vier
Jahren in Halle Pfarrer war, hiess aber die Wittenberger Gaeste in seinem
Hause willkommen. Von Halle empfing nun Frau Kaethe einen launigen Brief
ihres Eheherrn, der dessen gute Stimmung meldete. Er war adressiert
"Meiner freundlichen lieben Kaethen Luthrin zu Wittenberg zu
Handen"[553].

"Gnad und Friede im Herrn!

Liebe Kaethe!

Wir sind heute um acht Uhr zu Halle ankommen, aber nach Eisleben nicht
gefahren. Denn es begegnete uns eine grosse Wiedertaeuferin mit
Wasserwogen und grossen Eisschollen, die das Land bedeckte; die draeuete
uns mit der Wiedertaufe. So konnten wir auch nicht wieder zurueckkommen,
von wegen der Mulda; mussten also zu Halle zwischen den (beiden) Wassern
stille liegen. Nicht dass uns durstete zu trinken, sondern nahmen gut
Torgisch Bier und guten rheinischen Wein; damit labeten und troesteten
wir uns dieweil, ob die Saale wollt wieder auszuernen. Denn weil die
Leute und Fuhrmeister, auch wir selbst zaghaftig waren, haben wir uns
nicht wollen in das Wasser begeben und Gott versuchen; denn der Teufel
wohnet im Wasser und ist uns gram; und ist besser verwahret denn
beklaget; und ist ohne Not, dass wir dem Papst samt seinen Schuppen eine
Narrenfreude machen sollten. Ich haette nicht gemeint, dass die Saale eine
solche Sod machen koennte, dass sie ueber Steinwege und alles rumpeln
sollte.

Jetzo nicht mehr, denn: betet fuer uns und seid fromm. Ich halte, waerest
Du hier gewesen, so haettest Du uns auch also zu thun geraten; so haetten
wir Deinem Rat auch einmal gefolget.

Hiemit Gott befohlen! Amen.

Zu Halle am St. Paulus Bekehrungstage (25. Januar) Anno 1546.

Martinus Luther D."

Das lautete gar froehlich und vergnuegt, als man im Kloster diesen
lustigen Brief las, und Frau Kaethe konnte einstweilen beruhigt sein.
Aber es dauerte acht Tage, bis wieder ein Brief kam. Das musste die
besorgte Frau schon nicht wenig aufregen und sie sandte Briefe ueber
Briefe ab, was sonst bei der vielbeschaeftigten Frau nicht gerade
Gewohnheit war. Endlich nach Lichtmess langte ein zweiter Brief Luthers
an. Der war freilich auch in demselben scherzhaften Ton geschrieben, wie
der vorige und die meisten Episteln des Doktors an seine Frau. Aber es
war doch eine Stelle darin, die bedenklich machen konnte.

"Meiner herzlieben Hausfrauen Katharin Lutherin, Doktorin, Zulsdorferin,
Saumaerkterin und was sie sonst noch sein kann.

Gnade und Friede in Christo und meine alte, arme und, wie ich weiss,
unkraeftige Liebe zuvor.

Liebe Kaethe! Ich bin schwach gewesen auf dem Wege hart vor Eisleben, das
war meine Schuld. Aber wenn Du waerest dagewesen, so haettest Du gesagt,
es waere der Juden oder ihres Gottes Schuld gewesen. Denn wir mussten
durch ein Dorf hart vor Eisleben, da viele Juden inne wohnten;
vielleicht haben sie mich so scharf angeblasen. So sind hier in der
Stadt Eisleben jetzt diese Stunde ueber fuenfzig Juden wohnhaftig (in
einem Hause). Und wahr ist's, da ich bei dem Dorf war, ging mir ein
solch kalter Wind hinten im Wagen ein auf meinen Kopf durchs Barett, als
wollte mir's das Hirn zu Eise machen. Solches mag nun zum Schwindel
etwas haben geholfen; aber jetzt bin ich gottlob! wohl geschickt,
ausgenommen, dass die schoenen Frauen mich so hart anfechten.

Ich trinke Naumburgisch Bier, fast des Geschmacks, den Du von Mansfeld
mir etwa hast gelobet. Es gefaellt mir wohl.

Deine Soehnchen sind nach Mansfeld gefahren ehegestern, weil sie Hans von
Jene[554] so demuetiglich gebeten hatte; weiss nicht, was sie da machen.
Wenn's kalt waere, so moechten sie helfen frieren. Nun es warm ist,
koennten sie wohl was anders thun oder leiden, wie es ihnen gefaellt.

Hiermit Gott befohlen sammt allem Hause, und gruesse alle Tischgesellen.
Vigilia Purificationis, 1546.

M.L., Dein altes Liebchen."[555]

Also der Doktor hatte sich richtig erkaeltet und zwar durch eigene
Schuld; er war eine Zeitlang vom Wagen abgestiegen, hatte sich in
Schweiss gelaufen bei dem auffallend warmen Winterwetter, war dann im
letzten Dorfe Nissdorf, hart vor Eisleben, unvorsichtigerweise wieder auf
den Wagen gesessen und hatte sich in dem scharfen Luftzug des Fuhrwerks
erkaeltet. Frau Kaethe wusste, was das zu bedeuten hatte und war gar
aengstlich trotz des froehlichen Briefes. Sie hatte, scheint es, die Sache
schon vor Luthers eigener Meldung sonsther gehoert, auch dass die sonst
immer offen gehaltene Wunde am Bein, welche, eine Art Fontanelle, den
kranken Saeften einen Abfluss gewaehrte, bedenklicherweise zugeheilt war.
So schrieb sie nun einen Brief um den andern, an einem Tag (Freitag, 5.
Februar) sogar mehrere. Auch sandte sie von Wittenberg ihre gewoehnlichen
Hausmittel: "Staerkkuechlein", allerlei Staerkwasser, Rosenessig und
Aquavitae, und hiess Jonas, den Famulus und ihre Soehne in dem Gemach des
Doktors schlafen[556]. Er zwar schreibt wieder ganz sorglos, nur
bedenklich wegen der heikeln Streitigkeiten, die er zu schlichten hatte,
am 6. Februar[557]:

"Der tiefgelehrten Frauen Katharin Lutherin, meiner gnaedigen Hausfrauen
zu Wittenberg.

Gnade und Friede.

Liebe Kaethe! Wir sitzen hier und lassen uns martern und waeren wohl gern
davon; aber es kann noch nicht sein, als mich duenkt, in acht Tagen. Mag.
Philippus magst Du sagen, dass er seine Postille korrigiere; denn er hat
nicht verstanden, warum der Herr im Evangelio die Reichtuemer Dornen
nennt. Hier ist die Schule, da man solches verstehen lernet. Aber mir
grauet, dass allewege in der heiligen Schrift den Dornen das Feuer
gedroht wird; darum ich desto groessere Geduld habe, ob ich mit Gottes
Hilfe moechte etwas Gutes ausrichten. Deine Soehnchen sind noch zu
Mansfeld. Sonst haben wir zu essen und trinken genug und haetten gute
Tage, wenn's der verdriessliche Handel thaet. Mich duenkt, der Teufel
spotte unser; Gott woll' ihn wieder spotten, Amen.

Bittet fuer uns. Der Bote eilte sehr.

Am Sankt Dorotheentage, 1546."

Trotz dieser Briefe war aber Frau Kaethe so voller Sorge um den fernen
Gatten, dass sie nicht schlafen konnte, und schrieb gar aengstliche
Episteln nach Eisleben, so dass ihr der fromme Doktor eine lange Predigt
hielt ueber Gottvertrauen in zwei aufeinanderfolgenden Briefen, am 7. und
10. Februar[558]:

"Meiner lieben Hausfrauen Katherin Lutherin, Doktorin, Selbstmartyrin zu
Wittenberg, meiner gnaedigen Frauen zu Haenden und Fuessen.

Gnade und Friede im Herrn.

Lies Du, liebe Kaethe, den Johannem und den kleinen Katechismus, davon Du
einmal sagtest: es ist doch alles in dem Buch von mir gesagt. Denn Du
willst sorgen fuer Deinen Gott, gerade als waere er nicht allmaechtig, der
da koennte zehn Doktor Martinus schaffen, wo der einige alte ersoeffe in
der Saale oder im Ofenloch oder auf Wolfs Vogelherd. Lass mich in Frieden
mit Deiner Sorge: ich hab' einen bessern Sorger, denn Du und alle Engel
sind. Der liegt in der Krippe und haenget an einer Jungfrauen Brust; aber
sitzet gleichwohl zur rechten Hand Gottes des allmaechtigen Vaters. Darum
sei in Frieden, Amen.

Betet, betet, betet und helft uns, dass wir's gut machen. Denn ich heute
in Willen hatte, den Wagen zu schmieren in meinem Zorn; aber Jammer, so
mir einfiel, meines Vaterlandes hat mich gehalten. Ich bin nun auch ein
Jurist worden. Aber es wird ihnen nicht gedeihen. Es waere besser, sie
liessen mich einen Theologen bleiben. Komme ich unter sie, so ich leben
soll, ich moecht' ein Poltergeist werden, der ihren Stolz durch Gottes
Gnade hemmen moechte. Sie stellen sich, als waeren sie Gott, davon moechten
sie wohl und billig bei Zeit abtreten, ehe denn ihre Gottheit zur
Teufelheit wuerde, wie Luzifer geschah, der auch im Himmel vor Hoffart
nicht bleiben konnte. Wohlan, Gottes Wille geschehe.

Du sollst Mag. Philippus diesen Brief lesen lassen: denn ich nicht Zeit
hatte, ihm zu schreiben, damit Du Dich troesten kannst, dass ich Dich gern
lieb haette, wenn ich koennte, wie Du weisst, und er gegen seine Frauen
vielleicht auch weiss und alles wohl verstehet.

Wir leben hier wohl, und der Rat schenkt mir zu jeglicher Mahlzeit ein
halb Stuebchen Rheinfall, der ist sehr gut. Zuweilen trink ich's mit
meinen Gesellen. So ist der Landwein hier gut, und Naumburgisch Bier
sehr gut, ohne dass mich duenkt, es macht mir die Brust voll phlegmate
(Schleim) mit seinem Pech. Der Teufel hat uns das Bier in aller Welt mit
Pech verdorben und bei euch den Wein mit Schwefel. Aber hier ist der
Wein rein, ohne was des Landes Art giebt.

Und wisse, dass alle Briefe, die Du geschrieben hast, sind anher kommen
und heute sind die kommen, die Du am naechsten Freitag geschrieben hast
mit Mag. Philippus Briefen, damit Du nicht zuernest.

Am Sonntag nach Dorotheens Tag (7. Febr.) 1546.

       *       *       *       *       *

Dein lieber Herr M. Luther."

"Der heiligen sorgfaeltigen Frauen, Katherin Lutherin, Doktor
Zulsdorferin zu Wittenberg, meiner gnaedigen, lieben Hausfrauen.

Gnade und Friede in Christo.

Allerheiligste Frau Doktorin! Wir bedanken uns gar freundlich fuer Eure
grosse Sorge, davor Ihr nicht schlafen koennt; denn seit der Zeit Ihr fuer
uns gesorget habt, wollt' uns das Feuer verzehret haben in unsrer
Herberg hart vor meiner Stubenthuer; und gestern, ohne Zweifel aus Kraft
Eurer Sorge, hat uns schier ein Stein auf den Kopf gefallen und
zerquetscht, wie in einer Mausfallen. Der hatte im Sinn, Eurer heiligen
Sorge zu danken, wo die lieben heiligen Engel nicht gehuetet haetten. Ich
sorge, wo Du nicht aufhoerst zu sorgen, es moechte uns zuletzt die Erde
verschlingen und alle Elemente verfolgen. Lehrest Du also den
Katechismum und den Glauben? Bete Du und lass Gott sorgen, es heisst:
"Wirf dein Anliegen auf den Herrn, der sorget fuer dich (1. Petr. 5, 7)."

Wir sind, Gott Lob, frisch und gesund, ohne dass uns die Sachen Unlust
machen, und Doktor Jonas wollt' gern einen boesen Schenkel haben, dass er
sich an eine Lade ohngefaehr gestossen: so gross ist der Neid in den
Leuten, dass er mir nicht wollt' goennen allein einen boesen Schenkel zu
haben.

Hiemit Gott befohlen. Wir wollten nun fort gerne los sein und
heimfahren, wenn's Gott wollt', Amen, Amen, Amen.

Euer Heiligen williger Diener Martinus Luther.

Am Tage Scholasticae (10. Febr.) 1546."

Aber was Frau Kaethe zu wenig an Gottvertrauen zeigte, das bewies der
Herr Doktor zu viel. Sie wusste und hoerte, dass er, trotzdem er sich jeden
Abend mit warmen Tuechern behandeln lassen musste, seinen alten
Predigteifer auch in der fremden Stadt in der kalten Kirche bethaetigte;
zwei Geistliche ordinierte er und viermal predigte er, zuletzt am
Sonntag den 14. Februar. Abends schrieb er noch einen Brief an seine
Hausfrau, erwaehnte aber nichts davon, dass er heute morgen seine Predigt
hatte abbrechen muessen aus Schwachheit; er bat aber seine Frau um
Arzneien[559].

Der Brief schlaegt wieder froehliche und hoffnungsvolle Toene an; die
Aussicht auf Rueckkehr nach der lieben Heimat vergoldete die truebe
Stimmung[560]:

"Meiner freundlichen, lieben Hausfrauen, Katherin Lutherin von Bora zu
Wittenberg zu Haenden.

Gnade und Friede im Herrn.

Liebe Kaethe! Wir hoffen diese Woche wieder heim zu kommen, ob Gott will.
Gott hat grosse Gnade hier erzeigt; denn die Herren durch ihre Raete fast
altes verglichen haben, bis auf zwei Artikel oder drei, unter welchen
ist, dass die zwei Brueder Graf Gebhardt und Graf Albrecht wiederum Brueder
werden, welches ich heute soll vornehmen und will sie zu mir zu Gaste
bitten, dass sie auch mit einander reden; denn sie bis daher stumm
gewesen und mit Schriften sich hart verbittert haben. Sonst sind die
jungen Herren (die Soehne der feindlichen Grafen) froehlich, fahren
zusammen mit den Narrengloecklein auf Schlitten und die Fraeulein auch und
bringen einander Mummenschanz, und sind guter Dinge, auch Graf Gebhardts
Sohn. Also muss man greifen, dass Gott Gebete erhoert.

Ich schicke Dir Forellen, so mir die Graefin Albrecht geschenkt hat: die
ist von Herzen froh der Einigkeit. Deine Soehnchen sind noch zu Mansfeld.
Jakob Luther will sie wohl versorgen. Wir haben hier zu essen und zu
trinken als die Herrn, und man wartet unser gar schoen, nur allzu schoen,
dass wir Euer wohl vergessen moechten zu Wittenberg. So ficht mich der
Stein auch nicht an. Aber Doktor Jonas Bein waere schier gnad worden, so
hat's Loecher gewonnen auf dem Schienbein; aber Gott wird auch helfen.

Solches alles magst Du Mag. Philippus anzeigen, Doktor Pommer und Doktor
Kruziger. Hier ist das Geruecht herkommen, dass Doktor Martinus sei
weggefuehrt, wie man zu Leipzig und Magdeburg redet. Solches erdichten
die Naseweisen, Deine Landsleute. Etliche sagen, der Kaiser sei dreissig
Meilen Wegs von hinnen bei Soest in Westphalen; etliche, dass der
Franzose Knechte annehme, der Landgraf auch. Aber lass sagen und singen:
wir wollen warten, was Gott thun wird. Hiemit Gott befohlen.

Zu Eisleben am Sonntag Valentini 1546.

M. Luther, Doktor."

Es war der letzte Brief an seine Ehefrau, der letzte, den Luther
ueberhaupt schrieb. Die heitere Epistel kam am Donnerstag in Kaethes Haende
und erregte bei den Klosterbewohnern grosses Vergnuegen: in Eisleben aber
lag der Schreiber schon auf dem Totenbette. Der Gewaltige war am selben
Tage frueh um 3 Uhr im Kreise seiner Freunde, Dr. Jonas, M. Aurifaber,
des Arztes, des Stadtpfarrers von Eisleben, des Grafen und der Graefin
Albrecht, sanft und selig entschlafen. In Wittenberg freilich dachte man
nicht daran. Melanchthon, dem Luther mit gleichem Boten geschrieben
hatte (u.a. dass Papst Paul gestorben waere), verfasste noch einen Brief an
den Freund und Frau Kaethe schickte noch eine Salbe mit, zur
Wiederherstellung der Fontanelle am linken Schenkel. Aber am Freitag
frueh 6 Uhr kam aus Torgau ein reitender kurfuerstlicher Bote vor des
Kanzlers Brueck Haus; dieser liess sogleich D. Bugenhagen, Kreuziger und
M. Philipp zu sich kommen; sie wussten aber bereits, was das
kurfuerstliche Schreiben meldete, ehe er es ihnen zu lesen gab, denn vor
einer Viertelstunde war auch ein Bote mit einem Brief aus Eisleben von
Jonas an sie gelangt. Auf Bruecks Bitten verfuegten sich die drei Herren
mit des Kurfuersten und Jonas' Brief unsaeumig hinauf zu der Doktorin und
berichteten sie mit der besten Vorsicht von ihres Herrn Abgang. "Da ist
das arme Weib, wie leichtlich zu achten, hart erschrocken und in grosser
Betruebnis gewesen." Aber wiederum nicht an sich dachte sie zumeist,
sondern an ihre Kinder, besonders, wie ihre drei Soehne in der Ferne sich
ueber des Vaters Tod halten moechten[561].

Katharinas bange Ahnung hatte sich also erfuellt; ihre Sorge um den
kraenklichen fernen Gatten war nicht ohne Grund gewesen. Das Trauervolle
war geschehen: der teure Mann, der gewaltige Reformator, der geistvolle
Lehrer und Prediger, der liebreiche Vater, der treue Gatte war nicht
mehr! Wenn auch nicht unerwartet, so doch zu frueh fuer die Welt und fuer
die Familie war er dahin geschieden, wohin er sich so oft gesehnt; von
der Welt, ueber die er so viel gescholten und die er doch mit so viel
Verstaendnis und Freude erfasst; von dem Amte, in dem er sich so muede
gearbeitet, und in dem er doch noch so Grosses leistete; von der Familie,
die ihm zwar Sorgen, aber noch viel mehr Glueck und Freude gebracht und
die er mit so viel Glauben und Liebe umfasste; von der Gattin, die er so
oft geneckt und manchmal getadelt, die er aber ueber alle Frauen
geschaetzt und geliebt hatte.

"Es war eine harte Wunde, die sie durch den Tod ihres Ehegemahls
empfing. Und dazu musste sie noch klagen, dass derselbe in einem anderen
Orte gestorben war, wo sie nicht bei dem Kranken Treue und die letzten
Liebesdienste hatte erweisen koennen."[562]

Ja, in der Fremde war er gestorben, zum grossen Schmerze Katharinas, die
mit ihm zwanzig Jahre "in Friede und Freude" gelebt, die ihn in gesunden
und kranken Tagen so hingebungsvoll gepflegt und jetzt die letzten
Stunden seines Lebens nicht um ihn sein durfte, ihm in das liebe
Angesicht schauen und die treuen Augen zudruecken durfte. Es war kaum
ein Trost, dass er im Kreise der Freunde verschieden war, dass der Graf
Albrecht ihm selbst Einhorn geschabt und seine Gemahlin ihm den Puls mit
dem Staerkwasser strich, welches die Doktorin geschickt, und dass er in
ihres Sohnes Paul Armen ausgeatmet und ihm sein treuer Aurifaber die
Augen zugedrueckt hatte[563].

Und jetzt konnte sie nicht einmal den Trost geniessen, durch die Fuersorge
fuer die Bestattung des geliebten Toten ihren Geist abzulenken von dem
Gedanken des schmerzlichen Verlustes.

Das kurfuerstliche Schreiben enthielt naemlich die Bestimmung, dass der
Leib Luthers in der Schlosskirche zu Wittenberg bestattet werden sollte,
bei Fuersten und Fuerstinnen, deren zwanzig dort bestattet waren. Aber so
war wenigstens ihr lieber Herr bei ihr in ihrer Stadt und sie konnte mit
den anderen Freunden "ihren Heiligen daselbst nach seinem Tode
besuchen", wie Bugenhagen sich ausdrueckte. Denn die Grafen von Mansfeld
haetten "die Leiche des hochteuern, von Gott mit unaussprechlichen Gaben
begnadeten Mannes gern selbst in der Herrschaft behalten", folgten sie
aber "aus unterthaenigem Gehorsam" dem Kurfuersten auf dessen Bitte
dienstwillig aus. So ruestete sich nun die Doktorin, ihr Toechterlein und
das ganze Kloster fuer das Leichenbegaengnis nur mit Trauergewaendern[564].

Aber auch die ganze Stadt und Universitaet machte sich bereit, ihren
groessten Buerger mit feierlichem Leichengepraenge zu empfangen. Melanchthon
hatte sofort nach der Ankunft der Todeskunde am Freitag frueh die
Studenten in einem Anschlag benachrichtigt, dass der christliche Elias
von seinen Juengern genommen sei. Der Rektor der Akademie, Dr. Aug.
Schurf, befahl am Sonntag Morgen in einem Programme "allen Studenten am
Nachmittag, sobald das Zeichen mit der kleinen Glocke gegeben werde,
sich auf dem Markte zu versammeln und daselbst den ehrwuerdigen
Pfarrherrn (D. Pommer) an der Kirche zu erwarten, ihm sofort zu folgen
und mit ihm die Leiche zu empfangen, welche gewesen ist und sein wird
eine Huette des heiligen Geistes." Von Wittenberg ritten dem Trauerzuge
entgegen, um ihn in Bitterfeld, an der Mansfeldischen Grenze zu
empfangen und ehrenvoll zu geleiten, die "Verordneten des Kurfuersten":
Erasmus Spiegel, der Hauptmann von Wittenberg, Gangolf von Heilingen zu
Dueben und Dietrich von Taubenheim zu Brehne mit Gefolge[565].

Aber die Leiche kam am Sonntag noch nicht: in jeder Stadt wollte man sie
einholen, zurueckhalten, begleiten; und so verzoegerte sich die Ankunft
des Zuges, der zuletzt in Kemberg gerastet hatte. Und Melanchthon musste
am Schwarzen Brett, auf dem Programm des Rektors verkuendigen, dass die
Ankunft der Leiche und ihre Bestattung erst am andern Morgen, etwa um 9
Uhr, stattfinde[566].

Im Laufe des Sonntags kam ein Beileid-Schreiben des Kurfuersten[567]:

"An Catharina, Doctoris Martini seliger Gedaechtnis verlassene Witwe zu
Wittenberg.

Herzog Johanns Friedrich, Kurfuerst.

Liebe Besondere!

Wir zweifeln nicht, Ihr werdet nunmehr erfahren haben, dass der
Ehrwuerdige und Hochgelehrte, unser Lieber Andaechtiger Doctor Martin
Luther seliges Gedaechtnis, Euer Hauswirt, sein Leben in diesem
Jammerthal zu Eisleben am naechsten Dornstag fruehe zwischen 2 und 3 Uhren
christlich und wohl mit goettlichen der hl. Schrift Spruechen beschlossen
hat und von hinnen geschieden ist, welches Wir aber mit betruebtem und
bekuemmertem Gemuet vernommen. Der allmaechtige Gott wolle seiner Seelen,
wie Wir denn gar nicht zweifeln, gnaedig und barmherzig sein! Und wiewohl
Wir wohl ermessen moegen, dass Euch solcher Euers Herrn toedlicher Abgang
schmerzlich und bekuemmerlich sein wird, so kann doch in dem Gottes
gnaedigen Willen, des Allmaechtigkeit es also mit ihm gnaediglich und
christlich geschafft hat, nicht widerstrebt werden, sondern es will
solches Gott zu befehlen sein. Darum Ihr auch soviel destoweniger
bekuemmern und seines christlichen Abscheidens Euch troesten wollet. Denn
Wir seind gnaediglich geneigt, Euch und Eure Kinder um Eures Herren sel.
willen, dem Wir in sonderen Gnaden und Guten geneigt gewest, in gnaedigem
Befehl zu haben und nicht zu verlassen. Das wollen Wir Euch gnaediger
Meinung nicht verhalten.

Datum Torgau, Sonnabends nach Valentini 1546."

Am Montag frueh versammelten sich am Elsterthor Rektor, Magistri und
Doktores und die ganze loebliche Universitaet, auch ein ehrbarer Rat samt
ganzer Gemeinde und Buergerschaft, dann die Geistlichen und Schulen. Auch
Frau Kaethe machte sich auf mit ihrem Toechterlein Margarete und einigen
Frauen und stellten sich weinend an den Weg, dem toten Gatten entgegen
harrend.

Endlich um 9 Uhr, langte der Zug mit der teuren Leiche an: geleitet von
den kurfuerstlichen Abgeordneten und den beiden jungen Mansfelder Grafen
Hans und Hoyer und einer grossen Reiterschar. Auch die Mansfelder
Verwandten kamen mit, Luthers Lieblingsbruder Jakob, und seine
Schwestersoehne Joerg und Cyriak Kaufmann und andere von der
"Freundschaft". Vor allem aber die drei Soehne Hans, Martin und Paul. Es
war ein schmerzliches Wiedersehen, das hier Frau Katharina erlebte. Die
Soehne freilich konnte sie schluchzend in die Arme schliessen, aber das
Antlitz des teuren geliebten Gatten durfte sie nicht mehr sehen; da lag
er eingeschlossen im Sarg von Zinn, aufgebahrt auf dem Wagen, mit
schwarzem samtenem Tuch umhangen[568].

Darauf ordnete sich der Zug: voraus die Geistlichkeit und die Schulen
mit den herkoemmlichen Gesaengen und Zeremonien, darauf die "Berittenen"
auf ungefaehr 65 Pferden. Gleich hinter dem vierspaennigen Leichenwagen
fuhr die "Frau Doktorin Katharina Lutherin" mit den Matronen, nach
herkoemmlicher Sitte auf einem niederen Waegelein. Ihr folgten die drei
Soehne, der Bruder, die Neffen und andere Verwandten. Dann in vollem
Ornat "der Rektor Magnificus der loeblichen Universitaet mit etlichen
jungen Fuersten, Grafen und Freiherrn, so in der Universitaet Wittenberg
Studii halber sich (auf)enthalten." Darnach kam als weiteres
Leichengefolge: Kanzler Brueck, Melanchthon, Jonas, Bugenhagen,
Kreuziger, Hieronymus Schurf und andere aelteste Doktoren; dann die
uebrigen Doktoren, Magister, der ehrbare Rat, Buergermeister Cranach samt
den Ratspersonen, darnach der ganze grosse Haufen und herrliche Menge der
Studenten; darauf die Buergerschaft, desgleichen viele Buergerinnen,
Matronen, Frauen, Jungfrauen, viel "ehrliche" Kinder, jung und alt;
alles mit Weinen und Wehklagen. "In allen Gassen, auch auf dem Markt ist
das Gedraenge so gross und solche Menge des Volkes gewesen, dass sich's
billig in der Eil zu verwunden und viele bekannt haben, dass sie
dergleichen zu Wittenberg nicht gesehen."

So ging es unter Gesang und dem Gelaeute aller Glocken in unabsehbarem
Zuge vom Elsterthor die ganze Laenge der Stadt hin am Kloster vorbei, das
jetzt verwaist von seinem Vater und Herrn dalag, die Kollegienstrasse
hinab zur Schlosskirche. Dort wurde der Sarg am Predigtstuhl
niedergesetzt. Trauerlieder erschollen, bis Bugenhagen die Kanzel
bestieg und vor den ungezaehlten Hoerern, die in und vor der Kirche
standen, eine "gar festliche und troestliche Predigt" that. Darauf hat
Melanchthon "aus sonderlichem Mitleiden, um die Kirche zu troesten", eine
lateinische Gedaechtnisrede gehalten, die vor dem allgemeinen Weinen und
Schluchzen kaum gehoert wurde. Seine Klage: "Wir sind wie arme Waisen,
die einen vortrefflichen Mann zum Vater gehabt und ihn verloren haben",
die den Grundton aller Rede bildeten, sie waren ganz besonders
denjenigen aus dem Herzen gesprochen, die dem teuren Toten am naechsten
standen, und am naechsten an seinem Sarg klagten: der trauernden Gattin,
den weinenden Kindern[569].

"Nach den Leichenreden trugen etliche Magister den Sarg nach der Gruft
und legten so das teure Werkzeug des heiligen Geistes, den Leib des
ehrwuerdigen D. Martini zur Ruhe, nicht fern von dem Predigtstuhl, da er
im Leben manche gewaltige Predigt gethan." Der Kurfuerst aber hatte schon
am Tag vorher verordnet, dass eine Tafel aus Messing aufs Grab
niedergelegt wurde, dergestalt wie noch heutzutage zu sehen ist[570].

Wohl konnte das ausserordentliche, wahrhaft fuerstliche Leichengepraenge
zeigen, welch ein Mann, ja, wie der Rektor ankuendigte, welch ein "Fuerst
Gottes" der Dahingegangene gewesen, welche Liebe und Verehrung er bei
hoch und nieder genossen und die Teilnahme aller bewies, was die Welt an
ihm verlor und betrauern musste, und das ist ja fuer die Hinterbliebenen
immer ein Trost in ihrem Schmerz. Aber diese Leichenfeier zeigte auch,
was die Angehoerigen selber an ihm gehabt und beweinen mussten.

Was Katharinas Stimmung und Gedanken in diesen schmerzlichen Tagen war,
das giebt sie kund in einem Briefe, den sie an ihre Schwaegerin
Christina, die verwitwete Gemahlin eines ihrer Brueder und Mutter des
Florian, welcher in Wittenberg ihr Hausgenosse war, richtete[571]. Da
schreibt sie:

"Der ehrbaren und tugendsamen Frauen Christina von Bora, meiner lieben
Schwester zuhand.

Gnad und Fried von Gott dem Vater unsers lieben Herrn Jesu Christi!

Freundliche liebe Schwester!

Dass Ihr ein herzlich Mitleiden mit mir und meinen armen Kindern tragt,
glaeub' ich leichtlich. Denn wer wollt' nicht billig betruebt und
bekuemmert sein um einen solchen teuern Mann, als mein lieber Herr
gewesen ist, der nicht allein einer Stadt oder einem einigen Land,
sondern der ganzen Welt viel gedienet hat. Derhalben ich wahrlich so
sehr betruebt bin, dass ich mein grosses Herzeleid keinem Menschen sagen
kann, und weiss nicht, wie mir zu Sinn und zu Mut ist. Ich kann weder
essen noch trinken, auch dazu nicht schlafen. Und wenn ich haett' ein
Fuerstentum und Kaisertum gehabt, sollt' mir so leid nimmer geschehen
sein, so ich's verloren haett', als nun unser lieber Herrgott mir, und
nicht allein mir, sondern der ganzen Welt, diesen lieben und teuern Mann
genommen hat. Wenn ich daran gedenk', so kann ich vor Leid und
Weinen--das Gott wohl weiss--weder reden noch schreiben.

  Katharina,
  des Herrn Doctor Martinus Luther
  gelassene Witfrau."




16. Kapitel.

Luthers Testament.


"Ich denke noch oft", erzaehlt der treue Hieronymus Weller nach Luthers
Tod, "an den Mann Gottes, Doktor Martin Luther, dass er sein Gemahl liess
den 31. Psalm auswendig lernen, da sie noch jung und frisch und froehlich
war und sie noch nicht wissen konnte, wie dieser Psalm so lieblich und
troestlich war. Aber ihr Mann that das nicht ohne Ursache. Denn er wusste
wohl, dass sie nach seinem Tode ein betruebtes, elendes Weib sein und
dieses Trostes, so der 31. Psalm in sich hat, sehr noetig werde
beduerfen." Und aehnlich hat sich der Doktor auch in seinem Testament
ausgesprochen, wie in seinem Brief auf seiner Trutz-Fahrt[572].

Luther kannte eben die Welt und seine und seiner Familie Lage: er kannte
der Leute Undank[573], der Fuersten Unzuverlaessigkeit und ihrer Beamten
Untreue, der Amtsgenossen kleinliche Gesinnung, der Feinde Hass, der sich
schon bei Lebzeiten auch gegen sein Gemahl in unerhoerter Beschimpfung
richtete und sich noch ungehemmter zeigen musste, wenn erst der
gefuerchtete Kaempe den Schild nicht mehr ueber sie deckte. Er wusste, dass
er ein kranker Mann war, dass er sterben werde, ehe seine Kinder erzogen
und versorgt waeren; er kannte die traurige Lage einer Witwe zu seiner
Zeit, die ohne Ansprueche auf Witwengehalt, ja nach dem herkoemmlichen
Recht ohne Ansprueche auf die Hinterlassenschaft war. Deshalb war er in
Sorge fuer seine treue Gattin; deshalb hat er aber auch, so viel an ihm
lag, Fuersorge fuer sie getroffen, um sie vor dem Schwersten zu bewahren.

Diese Gedanken hat Luther in seinem "zweiten" und "letzten" "Testament"
niedergelegt, welches vier Jahre vor seinem Tode, am 6. Januar 1542
niedergeschrieben ist. Darin setzt er seiner "lieben und treuen
Hausfrau" ein Leibgeding aus und will sie schuetzen gegen "etlich
unnuetze, boese und neidische Maeuler", welche seine "liebe Kaethe"
beschweren oder verunglimpfen moechten oder die Kinder aufhetzen. "Denn
der Teufel, so er mir nicht konnte nahe kommen, sollt er wohl meine
Kaethe (auf) allerlei Weise (heim)suchen, (schon) allein (aus) der
Ursache, dass sie des D.M. ehrliche Hausfrau gewesen und Gottlob noch
ist."[574]

So musste Frau Katharina auch bald spueren, welcher Unterschied es sei,
die Gattin des grossen Doktors zu sein, der nach dem Anspruch eines
grossen Fuersten neben dem Kaiser die Welt regierte, dessen Ansehen und
Ehre auch auf die "Hauswirtin" ueberging, und Luthers verlassene Witwe,
in deren Vermoegens-und Familienverhaeltnisse, Hauswirtschaft und
Kindererziehung hineinzureden und hineinzuregieren sich jetzt viele
berufen fuehlten, zum Teil aus gutem Willen und Verehrung fuer den
dahingegangenen Freund und Reformator, waehrend bisher Frau Katharina
selbst, hoechstens mit Rat und Zustimmung ihres Eheherrn, in diesen
Dingen vollstaendig selbstherrlich geschaltet hatte. Dass sie, die
energische Frau, welche sich ihrer Tuechtigkeit in der Leitung eines
grossen Hauswesens wohl bewusst war, und welcher Luther so bereitwillig
das Hausregiment ueberlassen hatte, dies Dreinreden und Dreinbefehlen
schwer empfand, ist begreiflich. Nicht wenig musste es sie auch schmerzen
und ihr Selbstgefuehl verletzen, dass sie bisher die erste Frau der Stadt,
ja der evangelischen Welt, nun bescheiden zuruecktreten musste. Schwer
auch kam sie's gewiss an, dass sie das in so grossem Stil gefuehrte
Hauswesen mit seiner unerhoerten Gastlichkeit beschraenken musste.

Zwar das trat nicht ein, was Luther gefuerchtet hatte, dass "die vier
Elemente (d.h. doch wohl die vier Fakultaeten der Universitaet) sie nicht
wohl leiden" wuerden. Auch davon hoert man nichts, was Luther in seinem
Testamente aussprach: "Ich bitt alle meine guten Freunde, sie wollten
meiner lieben Kaethe Zeugen sein und sie entschuldigen helfen, wo etliche
unnuetze Maeuler sie beschweren und verunglimpfen wollten, als sollte sie
etwa eine Barschaft hinter sich haben, die sie den armen Kindern
entwenden oder unterschlagen wuerde. Ich bin des Zeuge, dass da keine
Barschaft ist, ohne die Becher und Kleinod droben im Wipgeding erzaehlt
(aufgezaehlt), vielmehr 450 fl. Schulden oder mehr."[575]

Aber Luther hatte noch ein weiteres vorausgesehen, was seiner Frau
vorgeworfen werden koennte: eine ueble Wirtschaft. Es heisst weiter im
Testament: "Es kann solches bei jedermann die Rechnung oeffentlich geben,
weil man weiss, wie viel ich Einkommens gehabt von meinen gestrengen
Herrn, ohn was Geschenk ist gewesen, welches droben unter den Kleinoden,
zumteil auch noch in der Schuld steckt und zu finden ist. Und ich doch
von solchem Einkommen und Geschenk so viel gebaut, gekauft und grosse und
schwere Haushaltung gefuehrt, dass ich's muss neben anderem selbst fuer
einen sonderlichen, wunderliche Segen erkennen, dass ich's hab koennen
erschwingen, und nicht Wunder ist, dass keine Barschaft, sondern dass
nicht mehr Schuld da ist."[576]

Am meisten unzufrieden mit der gesamten Wirtschaft Katharinas war der
Kanzler Brueck, Luthers Gevattersmann. Brueck hatte schon 1536, als
Katharina das Gut Booss pachten wollte, ihr das nicht zukommen lassen,
aus Argwohn, sie wolle dies herrschaftliche Gut so unter der Hand
erblich an sich und ihre Kinder bringen, "welche Gedanken doch nie in
ihr Herz gekommen sind". Deshalb hatte sie auch den Landrentmeister
Taubenheim spaeter (1539), als das Gut wieder pachtfrei war, angegangen,
solchen ihren Antrag an niemand sonst, auch nicht an den Kurfuersten
(welchen dann Brueck um Gutachten gefragt haette) gelangen zu lassen,
sondern ihr's unter der Hand zukommen zu lassen, was dann auch geschah.
Brueck aeusserte sich auch sehr abschaetzig ueber Kaethes Unternehmungen auf
ihrem Lieblingssitz Zulsdorf und hielt diese kostspieligen
Verbesserungen fuer arge Verschwendungen. Er widersetzte sich endlich dem
Erwerb von Wachsdorf. Daher ist es begreiflich, dass auch Katharina auf
ihn uebel zu sprechen war, und ueberhaupt auf die fuerstlichen Amtleute,
welche scheel zu den Begnadigungen sahen, die sie vom Hofe erhielten,
und sogar sie darin verkuerzten. Als Luther ein Jahr vor seinem Tode von
Wittenberg wegziehen wollte, und seine Frau beauftragte, seine
Besitzungen in der Stadt zu veraeussern, da liess Melanchthon gegen Brueck
merken, dass eigentlich Katharina das "treibe" und dass es nicht das sei,
was Luther vorwende. Das berichtete der Kanzler dem Kurfuersten und fuegte
mit einer gewissen Schadenfreude hinzu: es gebe Gottlob keine Kaeufer fuer
so kostbare Haeuser und Gueter[577].

Als dann die kurfuerstliche Verordnung wegen "der Hochzeiten und
Kindtaufen" an Luther geschickt wurde, kamen Melanchthon und Bugenhagen
zu Brueck und zeigten an, Luther wolle sie weder sehen noch hoeren; zu Hof
haette man nur sein Gespoett damit. Daraus schloss Brueck, dass der Doktor
durch seine Frau aufgewiegelt werde.

Es war also ein Zerwuerfnis zwischen dem Schwarzen Kloster und dem Hof,
das heisst zwischen Dr. Luther und Kanzler Brueck, der den "Hof" vertrat,
so dass Brueck gar nicht mehr persoenlich und direkt mit Luther
verhandelte, sondern die beiden Theologen sandte oder auch einen
Dritten[578]. Dieses Zerwuerfnis hatte dann noch seine weitere
Geschichte.

Im Dezember 1545 schickte Brueck einen Zwischenhaendler ins Schwarze
Kloster "hinauf zu Sr. Ehrwuerden", um Luther zu bewegen, er solle aus
einer vom Hof bestellten Schrift eine politisch bedenkliche Stelle
auslassen. "Da war Frau Kaethe auch dabei und hat ihr Wort dazu gelegt
dergestalt: "Ei lieber Herr, sie lesen zu Hof nichts; das macht's,
wissen sie doch Euere Weise wohl u.s.w." Und Luther wurde ueber diese
Zumutung des Kanzlers zornig und wunderlich und sagte, er wolle es
kurzum nicht thun. Diese Rede Kaethes wurde natuerlich dem Kanzler
hinterbracht und er berichtete sie sofort samt den vorhergehenden
Beobachtungen dem Kurfuersten mit dem Zusatz: "Ich sorg, weil sich Doktor
Martinus in mehr denn einem Weg wider den Hof bewegt vermerken laesst, es
muss nochmals das Guetlein Wachsdorf dahinter stecken, und der gute,
fromme Herr durch die "Rippe" bewegt wird."[579]

Das alles spielte kurz vor Luthers Tode; begreiflich, dass die
Verstimmung bei Brueck jetzt noch frisch und kraeftig nachwirkte. Auch
Melanchthon und Bugenhagen scheinen gegen die Doktorin eingenommen, wenn
man den Berichten von Brueck glauben soll. Es muss aber doch ausfallen,
dass ausser den Brueckschen Berichten keine Belege fuer Melanchthons und
Bugenhagens Feindseligkeit gegen Frau Kaethe bekannt sind; ja die
Fuersorge beider, namentlich Melanchthons und das Zutrauen Katharinas zu
diesem beweist eher das Gegenteil. Dennoch waere nach Bruecks Eingabe eine
voruebergehende Erregung der beiden alten Freunde gegen sie vorhanden
gewesen.

Zunaechst freilich wirkte die Liebe und Verehrung, die der gewaltige und
gemuetreiche Mann genossen, auch noch auf seine Familie, insbesondere die
trauernde Gattin.

Der Kurfuerst hatte einst vor neun Jahren in Schmalkalden an Luthers
vermeintlichem Sterbebett diesem versprochen: "Euer Weib soll mein Weib
sein und Euere Kinder sollen meine Kinder sein". Dessen gedachte er auch
jetzt nach des Doktors wirklichem Abscheiden und sandte an "die
Doktorin, Luthers liebe Hausfrau", jenes gnaedige Trostschreiben, worin
er sie und ihre Kinder seiner gnaedigen Fuersorge versichert[580]. Diesem
Versprechen kam nun auch der Fuerst getreulich nach, so lange er in
Freiheit war und es vermochte.

Der Kanzler Brueck hatte in einer Nachschrift zu seinem Briefe an den
Kurfuersten vom 19. bemerkt: "Philippus hat mir gesagt, er habe der
Doktorin bereits vor 14 Tagen 20 Thaler zur Haushaltung leihen muessen.
E. Kf. Gn. wollen 14 Thaler verordnen zur Haushaltung und anderem, das
dieses Falles Notdurft wohl erfordern will. Der Allmaechtige wird es E.
Kf. Gn. reichlich vergelten!" Darauf sandte der Kurfuerst sofort am
folgenden Tag hundert Gulden mit einem Schreiben an Melanchthon; darin
heisst es: "Dieweil Wir auch vermerken, als solle gemeldten Doctor
Martini seligen Hausfrau und Witwe am Gelde Mangel haben, wie ihr denn
von Euch vor seinem Tode Fuersehung (Vorschuss) geschehen sein solle: als
schicken Wir Euch bei diesem Boten hundert Gulden. Davon wollet Euch des
Geldes, was Ihr geliehen habt, zuvor bezahlen und der Witwe die Uebermass
(den Ueberschuss) von Unserntwegen zustellen."[581]

Und vielleicht nochmals zwei Tage nach der Beisetzung hat der Kurfuerst
die Witwe Luthers seiner besonderen Gnade und Fuersorge versichert. Auch
erbot er sich, ihren aeltesten Sohn an den Hof und in die kurfuerstliche
Kanzlei zu nehmen[582].

Auch die Freunde des Hauses nahmen sich der Witwe noch an. Melanchthon
erwies ihr eine kleine Aufmerksamkeit. Als er am 11. Maerz einen Hasen
und einen Pelz von Jonas erhielt, dachte er an das Mosesgesetz, dass den
Priestern, welche die Buerde der Kirchenregierung auf ihren Schultern
trugen, auch die Haut des Opfertieres gehoeren sollte, und damit an
Luther, der so lange Jahre auf seinen Schultern eine solche Last
Geschaefte getragen, und er schickte den Pelz und Hasen an Luthers
Witwe[583].

Jonas berichtet am 15. April an Koenig Christian III. von Daenemark ueber
Luthers Tod und fuegte die Bitte bei: "Bitt' unterthaenigst E.K.Maj. wolle
der Witwe Domini D. Martini seiner drei Soehne Martini, Pauli, Johannis
und eines Toechterlein Margret gnaedigster Herr sein."[584]

Sogar der Herzog von Preussen schrieb an den Kurfuersten von Sachsen fuer
D. Martini seligen Witwe eine "Vorbitt", deren der Kurfuerst freundlich
eingedenk zu sein verheisst: "Dieweil Wir dem Doktor bei seinem Leben in
allem Guten geneigt gewesen, so achten Wir Uns auch schuldig, seine
nachgelassenen Kinder, seinen getreuen, fleissigen und christlichen
Dienst geniessen zu lassen, wie Wir sie auch samt der Witwe in gutem
Befehl habend."[585]

Die Grafen von Mansfeld hatten Luther und seiner Familie fuer seine
Vermittlung 2000 fl. zugesagt und haben diese dann auch am 8. Mai 1546
"Doktor Luthers nachgelassener Wittfrau und Kindern" verschrieben, zu
"Dankbarkeit solch christlichen Liebe und Erzeigung bemeldts D.M.
Luthers, dass er sich gutwillig gen Eisleben gefuegt und treumeinende
Handlung vorgenommen und also daselbst mit Friede sein Ende christlich
und seliglich beschlossen."[586]

Endlich bestand noch ein Vermaechtnis des Kurfuersten Johann Friedrich von
1000 fl., welche Luthers Kindern ausgesetzt waren, und wovon einstweilen
die Renten ausbezahlt wurden, als eine Art Gnadengehalt fuer die
Waisen[587].

Der Witwe war in diesen Verschreibungen nicht gedacht. Dagegen hatte
Luther fuer seine Gattin schon vier Jahre vor seinem Tode ein Leibgeding
ausgesetzt.

Luther hatte nun in bekannter Missachtung der Juristen und des
juristischen Formen-Krams dies Dokument absichtlich selbst aufgesetzt
und nur von seinen theologischen Freunden Melanchthon, Kreuziger und
Bugenhagen unterschreiben lassen, in der Meinung, da ihn so "viele in
der Welt fuer einen Lehrer der Wahrheit halten" trotz Papstes Bann und
des Kaisers, Koenige, Fuersten, Pfaffen, ja aller Teufel Zorn, so sollte
man ihm und seiner Handschrift auch in diesen geringen Sachen glauben."
Er schreibt darin: "Zuletzt bitt' ich jedermann, weil ich in dieser
Begabung oder Wibgeding nicht gebrauche der juristischen Formen und
Woerter (wozu ich Ursachen gehabt), man wolle mich lassen sein die
Person, die ich in Wahrheit bin, naemlich oeffentlich im Himmel, auf Erden
und in der Hoelle bekannt, der man trauen und glauben mag, mehr denn
keinem Notario."[588]

Daraus ergiebt sich eine Missstimmung gerade gegen Brueck, der ja in
diesem Falle besonders haette gehoert werden muessen. Aber die
Rechtsgelehrten konnten dies Testament auch anfechten und scheinen dies
gethan zu haben eben darum, weil Luther in so geflissentlicher Weise die
verhassten Juristen uebergangen hatte. Waren doch die Juristen immer noch
bedenklich ueber die Rechtsgueltigkeit der Priesterehe und gar der Ehe von
Moenchen und Nonnen, also dass Luther fuerchten musste, dass sie seine "Ehre
und Bettelstuecke seinen Kindern nicht gedenken zuzusprechen". Da konnte
nur eine besondere Entscheidung der Staatshoheit der Witwe zu ihrem
Rechte verhelfen, wie auch Luther selbst in dem Testament vorgesehen
hatte: "Und bitt auch hiemit unterthaeniglich, S.K.G. wollten solche
Begabung oder Wibgeding schuetzen und handhaben."[589]

Dies sog. "Testament" Luthers war eigentlich ein Leibgeding fuer seine
Hausfrau, ein "Weibgedinge", wie es herkoemmlich von Ehemaennern frueher
oder spaeter ausgestellt zu werden pflegte. Es hatte um so groessere
Bedeutung, als es fuer Beamten-, wie Professorenfrauen kein Witwengehalt
gab und das saechsische Erbrecht fuer Frauen so unguenstig war.

Alle evangelischen Pfarrer der Reformationszeit, deren Besoldung sehr
unsicher, oft nur ein Gnadengehalt war, strebten deshalb danach, ihren
Frauen, wie Luther sich ausdrueckt, ein "Erbdaechlein und Herdlin", d.h.
Grundbesitz, zu verschaffen; und jeder Ehemann in Sachsen pflegte der
Ehefrau ein Leibgedinge zu verschreiben. "Wie wenige findet man," sagt
Luthers langjaehriger Hausgenosse Hieronymus Weller, als er Pfarrer in
Freiberg war und Weib und Kind hatte, "wie wenige findet man, die sich
kuemmern um Witwen und Waisen von verstorbenen Dienern der Kirche! Darum
folge ich Luthers Beispiele und kaufe ein Haus zur Zuflucht fuer die
Meinen in der Zukunft." So dachte auch Luther. Er aeusserte sich sehr
unzufrieden ueber das saechsische Recht wegen seiner Behandlung der
weiblichen Ansprueche. "Sachsenrecht", sagte er, "ist allzustreng und
hart, als das da anordnet, dass man einem Weibe nach ihres Mannes Tode
geben soll nur einen Stuhl und Rocken". Dies legte aber Luther so aus:
"_Stuhl_, das ist Haus und Hof; _Rocken_, das ist Nahrung, dabei sie
sich in ihrem Alter auch koenne erhalten; muss man doch Dienstboten
besolden und jaehrlich ihnen ihren Lohn geben, ja man giebt doch einem
Bettler mehr."[590]

Demgemaess handelte nun auch Luther und schrieb--schon am Dreikoenigstag
1542--sein "Testament", d.h. das "Weibgeding" fuer seine Gattin[591].

"Ich, M.L.D. bekenne mit dieser meiner eigenen Handschrift, dass ich
meiner lieben u. treuen Hausfrauen Katherin gegeben habe zum Wipgeding
(oder wie man es nennen kann) auf ihr Lebenlang, damit sie ihres
Gefallens u. zu ihrem Besten gebaren muge, und gebe ihr das in Kraft
dieses Briefs, gegenwartiges und heutigen Tages:

Naemlich das Guttlein Zeilsdorff, wie ichs bis daher gehabt habe.

Zum andern das Haus Bruno zur Wohnung, so ich unter meines Wolfs Namen
gekauft habe.

Zum dritten die Becher und Kleinod, als Ringe, Ketten, Schenkgroschen,
gulden und silbern, welche ungefaehrlich sollten bey 1000 Fl. werth seyn.

Das thue ich darumb,

Erstlich, dass sie mich als ein frum, treu ehelich Gemahel allezeit lieb,
werth u. schoen gehalten, und mir durch reichen Gottes-Segen fuenf
lebendige Kinder (die noch furhanden, Gott geb lange) geboren und
erzogen hat.

Zum andern, dass sie die Schuld, so ich noch schuldig bin (wo ich sie nit
bey Leben ablege), auf sich nehmen und bezahlen soll, welcher mag seyn
ungefaehr, mir bewusst, 450 fl. mugen sich vielleicht wohl mehr finden.

Zum dritten, und allermeist darumb, dass ich will, sie muesse nicht den
Kindern, sonder die Kinder ihr in die Haende sehen, sie in Ehren halten,
und unterworfen seyn, wie Gott geboten hat. Denn ich wohl gesehen und
erfahren, wie der Teufel wider diess Gebot die Kinder hetzet und reizet,
wenn sie gleich frum sind, durch boese und neidische Maeuler, sonderlich
wenn die Muetter Witwen sind, und die Soehne Ehefrauen, und die Toechter
Ehemaenner kriegen, und wiederumb socrus nurum, nurus socrum. Denn ich
halte, dass die Mutter werde ihrer eigenen Kinder der beste Vormund seyn,
und soelch Guttlein und Wipgeding nicht zu der Kinder Schaden oder
Nachtheil, sondern zu Nutz und Besserung brauchen, als die ihr Fleisch
und Blut sind und sie unter ihrem Herzen getragen hat.

Und ob sie nach meinem Tode genoethiget oder sonst vorursachet wurde
(denn ich Gott in seinen Werken und Willen kein Ziel setzen kann) sich
zu voraendern: so traue ich doch, und will hiemit soelches Vertrauen
haben, sie werde sich mutterlich gegen unser beyder Kinder halten, und
alles treulich, es sey Wipgeding oder anders, wie recht ist, mit ihnen
theilen.

Auch bitt ich alle meine gutten Freunde, sie wollten meiner lieben
Kaethen Zeugen seyn und sie entschuldigen helfen, wo etzliche unnutze
Maeuler sie beschweren oder verunglimpfen wollten, als sollt sie etwa
eine Barschaft hinter sich haben, die sie den armen Kindern entwenden
oder unterschlagen wuerde. Ich bin dess Zeuge, dass da keine Barschaft ist,
ohn die Becher und Kleinod, droben im Wipgeding erzaehlet.

Und zwar sollts bey iedermann die Rechnung offentlich geben, weil man
weiss, wie viel ich Einkummens gehabt vom M. gestr. Herr, und sonst nicht
ein Heller noch Koernlein von iemand einzukummen gehabt, ohn was Geschenk
ist gewesen, welches droben unter den Kleinoden, zum Theil auch noch in
der Schuld steckt, und zu finden ist. Diess bitte ich darumb: denn der
Teufel, so er mir nicht kunnt naeher kummen, sollt er wohl meine Kaethe,
allein der Ursachen, allerley Weise suchen, dass sie des Mannes D.M.
eheliche Hausfrau gewesen, und (Gott Lob) noch ist."--

Ausser diesem Witwengut bestand das Lutherische Vermoegen aus folgendem:
dem Klosterhaus, hernach zu 3700 fl. verkauft, den beiden Gaerten zu 500
fl., Hausrat und Bibliothek zu 1000 fl. zusammen 5200 fl. Das Leibgeding
der Mutter betrug im Verkaufswert 2300 fl., naemlich das Gut Zulsdorf 956
fl., das Haus "Bruno" zu 343 fl., bisher "um einen liederlichen Zins"
vermietet, dazu noch die 1000 fl. Silbergeschirre; davon gingen
allerdings die genannten 450 fl. Schulden ab, wenn sie bei Luthers Tod
noch standen; diese Schulden machten ihr viel Sorgen; eine "Barschaft"
war--auch nach D. Bruecks Zeugnis "nicht da". Freilich Luther selber
hatte diesen Besitz viel hoeher angeschlagen; in der Schaetzung 1542
berechnet er ihn auf 9000 fl. Das Einkommen aber aus allem schaetzt er
auf kaum 100 fl. Dazu kamen noch seit einiger Zeit 50 fl. jaehrliche
Rente, aus dem verschriebenen kurfuerstlichen Legate von 1000 fl. und
endlich noch 2000 fl. des Grafen von Mansfeld[592].

Das war wohl ein grosser, weitlaeufiger Besitz; aber er war wenig
eintraeglich; alles in allem warf er 250 fl. ab. Ob davon eine groessere
Familie ohne gar zu grosse Einschraenkung leben konnte? Die Kinder waren
noch alle unversorgt und unmuendig. Der aelteste Sohn Hans war 20 Jahre
alt, das juengste Toechterlein Margarete erst 11, Martin 14 und Paul 15.
Und die drei Soehne sollten nach Luthers Wunsch alle studieren: Hans nach
der Mutter Meinung die Rechte, Martin wollte Theologe werden, Paul hatte
sich schon mit des Vaters Beifall fuer die Medizin entschlossen. Zudem
war noch der alte lahme Famulus Wolf da, der als gewohntes Erbstueck mit
versorgt werden musste; er hatte zwar auf Luthers Ansuchen vom Kurfuersten
ein Stipendium von 40 fl. bekommen, dies aber ging in Luthers Haushalt
mit auf[593]. Man konnte Luthers Witwe, die einen so grossen und
gastfreien Haushalt gewohnt war, doch nicht zumuten, das alte liebe Haus
zu verlassen und sich in aermlichster Weise, etwa in die "Bude" Bruno
oder auf Zulsdorf zurueckzuziehen und die Kinder unter fremde Leute zu
geben. Brueck war freilich dieser Meinung. Frau Katharina dagegen wollte
alle Kinder bei sich behalten, was ja wohl auch das billigste war; sie
wollte ferner im Klosterhaus bleiben und Kostgaenger nehmen in noch
ausgedehnterem Masse wie bisher; sie wollte endlich nicht nur "die Boese"
(das Gut Booss), die sie etliche Jahre her zur Miete und um einen
"liederlichen Zins" innegehabt, ferner auch also behalten, sondern noch
ein weiteres landwirtschaftliches Anwesen erwerben, um ihre Einnahmen zu
vermehren[594]. Dies alles aus Fuersorge fuer sich und ihre Kinder; aber
auch, wie der Kanzler Dr. Brueck gewiss richtig versteht, "damit sie zu
thun, zu schaffen und zu gebieten genug hab, und ihr demnach an der
vorigen Reputation nichts abgehe". Namentlich war ihr das neue Landgut
angelegen: hatte sie ja fuer die Landwirtschaft besondere Neigung aus
wirtschaftlichem Interesse, aber wohl auch aus ihrem adeligen Bewusstsein
heraus. Schon vor mehreren Jahren naemlich war ihrem Gatten das grosse Gut
Wachsdorf zum Kaufe angetragen worden, welches eine Stunde von
Wittenberg, jenseits der Elbe, also viel guenstiger als das ferne
Zulsdorf gelegen, auch fruchtbarer und eintraeglicher, freilich auch
teurer war als dies. Das wurde ihr nun aufs neue angeboten[595].

Die Witwe fragte nun Melanchthon um Rat. Der sah fuer gut an, man sollte
den Kauf von Wachsdorf anlangend des Kurfuersten Rat und, wo dieser es
riete, seine gnaedige Hilfe erbitten. Sie aber wollte das schlechterdings
nicht haben--gewiss nur deshalb, weil sie von vorn herein wusste, dass der
kurfuerstliche Rat--der Rat Dr. Bruecks sei, dem die Sache zur
Begutachtung uebergeben wuerde und der dem Vorhaben Katharinas durchaus
entgegen war. Sie entwarf nun eine Eingabe an den Kurfuersten
dahingehend: Weil sie gedenke, das Gut Wachsdorf zu kaufen, so wolle
S.K.Gn. ihr dazu gnaedige Hilfe thun, und sie mit Vormuendern bedenken,
damit ihre Kinder und sie zu ihrer Unterhaltung bedacht werden moechten,
dieweil kein Geld, Gesinde oder Vorrat vorhanden, denn das Gut waere
nicht angerichtet (eingerichtet).

Diese Bittschrift gab Frau Katharina Melanchthon zur Begutachtung.
Dieser brachte sie nun am Dienstag, 9. Maerz, abends in die Sitzung mit,
welche er, Bugenhagen und Kreuziger mit Brueck wegen des Regensburger
Religionsgespraeches bei dem Kanzler hielten, und gab sie--Brueck. Und der
Kanzler las sie nun "oeffentlich" vor.

Als Bugenhagen den Plan Katharinas wegen Wachsdorf vernahm, rief er: "Da
hoert man wohl, wer alleweg nach dem Gut Wachsdorf getrachtet. Vorher hat
man's auf den Doktor geworfen, der wolle es schlechterdings haben; aber
jetzt merkt man wohl, wessen Getrieb es gewest."

Darnach fielen allerlei Reden zwischen den vier Maennern und meinten
dieselben "fast insgemein": "Kriegte sie das Gut, so wuerde sie ein
solches Bauen darauf anfangen, zu ihrem und der Kinder grossem Schaden,
wie sie mit dem Gut Zulsdorf auch gethan, welches sie ueber 1600(!)
Gulden zu stehen kam und wollt ihr nicht gern 600 Gulden gelten[596].
Weiter wurde bedacht: Wenn sie draussen (in Wachsdorf) bauen und wohnen
wollte, so wuerde sie die Soehne zu sich hinaus vom Studium abziehen, dass
sie junkern lernten und Voegel fangen[597]. Ferner ueberschwemme die Elbe
sofort und bedecke das Gut mehrern Teils mit Wasser; man koenne keinen
Keller bauen, es sei ueberhaupt "ein wuestes Guetlein".

Aber Melanchthon, der das Ungehoerige seines Schrittes wohl einsah, bat,
man solle nicht ueber die Bittschrift verhandeln, sondern sie, wie sie
waere, an den Kurfuersten abgehen lassen; "die Frau liesse sich doch nit
raten, sondern ihr Gutduenken und Meinung muesse alleweg fuer ruecken".

Brueck sagte: "Will sie um Vormuender bitten, so wird sie ja mit derselben
Rate handeln und vorgehen muessen. Und ich daechte, dass Kreuziger und M.
Melanchthon neben andern die besten Vormuender waeren; denn sie wissen ja
um des Herrn sel. Gelegenheit; die Kinder muessen ihnen auch des Studiums
halber vor anderen folgen."

Aber die beiden schlugen die Vormundschaft "alsbald glatt ab", aus
Ursachen, dass "die Frau nicht folge und sie oft beschwerliche Reden von
ihr wuerden einnehmen muessen".

Ferner liess sich Melanchthon vernehmen, dass sie der Kinder keins wolle
von sich thun, sondern dieselben sollten bei ihr in Wittenberg
unterhalten werden. Und wiewohl der aeltere Sohn Hans nicht ungeneigt
gewesen waere, auf des Kurfuerst gnaediges Erbieten gen Hof und in die
kurf. Kanzlei zu ziehen, so haette sie ihn doch (ab)wendig gemacht.
Man[598] habe von andern auch dergleichen gehoert, dass sie vorgaebe: es
waere ein alberner Gesell, man wuerde ihn in der Kanzlei nur aeffen und zum
Narren machen. Zum Studium tauge er nach Melanchthons Meinung gar nicht,
denn er waere zu gross und es fehlten ihm die Grundlagen. Endlich war der
Kanzler der Meinung, man sollte die Behausung des Klosters, diese
weitlaeufige Wohnung, verkaufen oder verlassen. Aber Melanchthon
erklaerte, dass "ihr Gemuet (Sinn) nicht waere", das zu thun, sondern sie
gedaecht es zu behalten, ingleichen auch das Gut Zulsdorf, selbst wenn
Wachsdorf dazu kaeme.

So war--nach Bruecks Bericht--die Unterredung der vier Freunde und
Gevattern Luthers ueber seine Witwe.

Melanchthon hatte also gegen den Willen der Frau Doktorin ihr Anliegen
dem Kanzler vorgetragen, dessen Dreinreden sie gerade--und mit gutem
Grund--vermeiden wollte; und er hatte auch noch allerlei muendliche
Mitteilungen gemacht, welche nicht dazu dienen konnten, die Stimmung der
Freunde gegen die Doktorin zu verbessern.

Ohne von dieser Behandlung ihrer vertraulichen Mitteilung etwas zu
wissen, liess nun Frau Katharina ihre Eingabe durch den Hausfreund
Ratzeberger, den kurfuerstlichen Leibarzt, bei Hofe im Torgauer Schloss
einreichen. Es geschah am Mittwoch, und schon Donnerstag, 11. Maerz,
fordert der Kurfuerst den Kanzler Brueck in Wittenberg um ein Gutachten
ueber die Bittschrift Katharinas auf, die er seinem Schreiben beilegte.

Das Gutachten des Kanzlers ist nun ein eigentuemlich gehaessiges
Schreiben. Brueck berichtet darin an den Kurfuersten zuerst die
vertrauliche Beratung der drei Theologen mit allen fuer Katharina
unguenstigen Bemerkungen derselben, und zwar, wie es scheint, verschaerft.
Haette das Melanchthon gewusst, so haette er's wohl unterlassen, Brueck "von
der Frauen wegen um sein Bedenken" zu bitten. Ferner erwaehnt der Kanzler
in dem Schriftstueck allerlei gehaessiges und sogar verlogenes Geschwaetz
"von andern". "Viel Leut wollen's dafuer halten, es werde endlich
schwerlich unterbleiben, dass sie sich wieder veraendern wird"--so wagt
Brueck drei Wochen nach ihres Gatten Tod von einer 47jaehrigen Frau zu
schreiben! und dies, obwohl er sich bewusst ist und ausdruecklich erklaert,
es sollte vermieden werden, dass "man mit der Frauen disputiere, ob sie
sich veraendern wird oder nit". Ferner berichtet er an den Kurfuersten:
"Man sagt mir, es hab ein jeder Knab einen eigenen Praeceptor und
Famulum"--hinterher stellt sich aber heraus, dass es bloss ein einziger
ist, Rutfeld, und ein gelehrter und treuer Geselle. Ebenso wird es
Uebertreibung sein, wenn er als "oeffentlich" hinstellt, was "des andern
Gesindes vorhanden ist"--wie sie naemlich "mit vielem Volk" (Gesinde)
ueberladen sei. Endlich giebt der Kanzler seiner Abneigung gegen die
Doctorin noch verschiedentlich klaren Ausdruck. Er nennt ihre Bitte
"stumpf und kurz"; er rechnet dem Kurfuersten _wiederholt_ vor, dass er
600 fl. Gnadengeld zur Erbauung des Gutes Zulsdorf gegeben und noch dazu
fuer 100 fl. Holz; er spricht die Verdaechtigung aus, welche doch auch Dr.
Luther traefe: "Der arme lahme Wolf ist auch noch da; wollt sie ihn bei
sich behalten und er bei ihr bleiben, so haett sie die vierzig Gulden
auch mit einzubrocken, wie denn bisher geschehen, dass der arme Mensch
derselben wenig genossen hat,--besorg ich", setzt er doch etwas
bedenklich hinzu. Das Gut Wachsdorf macht Brueck so schlecht wie moeglich
und meint, es "erobere" keine hundert Gulden Reinertrag, also nicht
einmal die Kapitalzinsen. Er verdaechtigt die Doctorin weiter, "es sei
ihren Kindern nichts nutz" und es sei ihr nur darum zu thun, teil zu
haben an dem Gut. Und sein ganzes Bestreben geht dahin, nur den Kindern
und immer den Kindern alles zugut kommen zu lassen und die Witwe vom
Besitz und Genuss auszuschliessen. Und weiterhin ist Bruecks Rat und
Absicht, "ihr die stattliche--ein andermal heissts: "grosse und
verthunliche"--Haushaltung zu brechen". Endlich geht er mit aller Macht
darauf aus, der Mutter die Kinder zu entziehen. Waehrend Luther in seinem
Testament zu seiner Gattin das gute Zutrauen hatte, "die Mutter werde
ihren eigenen Kindern der beste Vormund sein", erklaerte Brueck, wie es
scheint mit direkter Beziehung auf diese Meinung Luthers: "Nach
saechsischem Recht kann sie nit Vormund sein, dieweil sie bei ihrem
Witwenstand selbst Vormuender beduerftig; so waer es auch sorglich, da
(wenn) sich die Frau anderweit wuerde verehelichen." Am aergsten wohl
tritt er der Witwe zu nahe, wenn er ausfuehrt, die Knaben wuerden bei ihr
junkern und spazieren gehen und vom Studio abgezogen, sie muessten daher
"zu gelehrten Leuten gethan werden, vor denen sie Furcht und Scheu
haetten, bei welchen sie auch einen bequemen Tisch haetten"--als ob die
Kinder bei ihr--der "Erzkoechin"--sogar in ihrer leiblichen Pflege
versaeumt wuerden! Die einzige gegruendete Veranlassung zu dem Misstrauen in
Katharinas Erziehungskunst konnten doch nur die geringen Fortschritte
geben, die der wenig begabte Erstgeborne im Studium bisher gemacht.

Fast eher wie boeses Gewissen sieht es aus, als wie Scheu vor Frau
Katharinas starkem Willen, wenn der Kanzler an den Kurfuersten schreibt:
"Nun waer ich in Unterthaenigkeit willig gewest, mit der Frauen selbst
oder dem Philippo von den Sachen auf E. Kurf. Gn. Befehl zu reden; so
hat mich doch dies abgescheuet, dass ich dazumal vom Philippo verstanden,
dass ihr Gemuet nit waere das Haus allhie zu verkaufen oder zu verlassen,
sondern gedaecht es zu behalten, ingleichen Zulsdorf und Wachsdorf; darum
des Verkaufens des Hauses gegen ihr nit zu gedenken sein wollte."

Sachlich macht der Kanzler dem Kurfuersten nun folgende Vorschlaege:

1. Damit die Domina nicht Ursache habe S.K.Gn. zu Unglimpf zu gedenken,
moege der Kurfuerst zu den bisherig verschriebenen 1000 fl. noch 1000
fl.--aber nur fuer die Kinder--hinzuthun und beides zusammen mit 100 fl.
verzinsen, das auf das Maedchen (Margarete) fallende Viertel aber (500
fl.) bis zu ihrer Verheiratung verpensionieren.

2. Der Kurfuerst solle der Mutter und den Kindern besondere Vormuender
geben. Diese beiderseitigen Vormuender sollten dann das Eigentum der
Witwe und das der Waisen reinlich scheiden.

3. "Darnach muessen die Vormuender beiderseits davon reden, wie, wovon und
welcher Gestalt die Kinder sollen unterhalten werden. Da wird sich denn
das Gebeiss zwischen der Frau und den beiderseitigen Vormuendern ergeben.
Denn der Kinder Vormuender werden sagen: es sei kein bessers, denn Hansen
den aeltern Sohn thue man gen Hof in E.K.G. Kanzlei; so moechte es sich
mit der Zeit also schicken, dass er zu etwas kaeme, so ihm sonst fehlen
moechte. Denn wenn ihm E.K.G. ein Stipendium verordnet und es wollt mit
dem Studium nicht fort, so wird es schimpflich, es ihm zu kuendigen.
Ferner werden sie sagen, dass mit den andern Knaben auch kein besser
waere, denn dass man sie von einander thaet und dass sie nit bei der Mutter
waeren." Dazu koenne ihnen der Kurfuerst noch ein weiteres Stipendium
geben.

4. Das Toechterlein koenne man bei der Mutter lassen, und von den 500 fl.
30 fl. Rente geben, und wenn es nicht reiche: 40 fl. Davon koennte es die
Mutter mit einem kleinen Meidlein, das ihm aufwartet, wohl erhalten und
es von dem Mansfeldischen Geld- oder Zinsanteil mit Kleidung versehen.

5. Auf diesem Weg wuerde der Frau ihre grosse und verthunliche Haushaltung
gebrochen werden und dem vorgebeugt, dass aus den Kindern "Junker und
Lappen" werden.

6. "Wuerde die Frau unsern Vormuendern dann sagen: "Wovon solle sie denn
erhalten werden?", so koennten die Vormuender der Kinder erwidern: Sie
brauche mit ihrer Tochter nicht grosse Haushaltung, nicht viel Gesinde,
haette die Wohnung umsonst, koenne Kostgaenger halten, die Anwesen zum Teil
vermieten, brauen, den Genuss vom Garten, Hufen und Zulsdorf haben und
Anteil an den Mansfeldschen Kapitalzinsen. Auch koenne der Kurfuerst ihr
und der Tochter jaehrlich 2 Wispel Korn geben und vielleicht etliche
Klafter Holz.

7. "Wenn sie (die Domina) vermerkte, dass E.K.G. den _Kindern_ bewilligen
wollte, Wachsdorf zu kaufen und dazu die 2000 fl. ausfolgen lassen, so
wird sie des Gutes bald vergessen und sich der Muehe und des Bauens nicht
wollen beladen, so sie nicht zum wenigsten die Haelfte daran
mitberechtigt wird." Es gebe auch jaehrlich kaum 100 fl. Reinertrag, und
habe dazu auch die Last eines halben Lehnspferdes. Darueber aber solle
der Hauptmann zu Wittenberg Asmus Spiegel befinden, ob das Gut mehr
eintrage als das Kapital.

Der Kurfuerst war ruecksichtsvoller als sein Kanzler. Er schien dessen
Abneigung zu merken und ordnete in einem Schreiben an Brueck und
Melanchthon an, dass Vormuender fuer die Witwe und fuer die Waisen bestellt
wuerden, und verschrieb den Kindern noch 1000 fl.; ueber den Kauf von
Wachsdorf sollten die Vormuender befinden[599].

Zwar erbot sich Brueck, "hinauf zu fahren (zur Doktorin) und die
Anzeigung mit zu thun; Philippus aber meinte, es waere ohne Not, er wollt
es von unser beider wegen wohl ausrichten." Also ging Melanchthon am
Freitag frueh mit dem kurfuerstlichen Schreiben zu der Doktorin[600].

Sie bedankte sich bei ihm und dem Kurfuersten fuer die Begnadigungs-Zulage
zu gunsten ihrer Kinder und erklaerte dann folgendes:

1. Sie wuensche fuer sich zu Vormuendern den jeweiligen Stadthauptmann von
Wittenberg und ihren Bruder Hans von Bora; fuer die Kinder des Doktors
sel. Bruder Jakob, den jetzigen Buergermeister Reuter von Wittenberg und
Melanchthon, Dr. G. Major lehnte sie ab; auch Kreuziger scheint sie
abgelehnt zu haben, welcher im vertrauten Briefwechsel mit Veit Dietrich
Kaethe eine "Hausfackel" genannt hatte. Sie erklaerte sich aber mit der
Vormundschaft des Kurfuerstl. Leibarztes Dr. Ratzeberger einverstanden,
der "seines Weibes halber selber der Freundschaft (= Verwandtschaft)
war."[601]

2. Sie war einverstanden, dass die 1500 fl. vom Kurfuersten fuer ihre
_Soehne_ auf Wachsdorf angelegt wuerden. Der Kanzler hatte ihr also auch
darin Unrecht gethan, dass er meinte, die Domina wolle Wachsdorf nur oder
hauptsaechlich fuer sich haben und bewirtschaften, statt fuer ihre Soehne.

Der Kanzler schlug nun dem Kurfuersten vor, Melanchthon "nicht mit der
Vormundschaft zu beladen, denn er ist fromm und wenig (gutherzig und
schwach), dienet nit dazu, da man der Frau wird sollen Oppositum
(Opposition) halten." Man solle die beiden Theologen Melanchthon und
Kreuzinger nur zu Mitvormuendern in Bezug auf die Erziehung der Kinder
machen, dass die Soehne zu "Gottesfurcht, Lehre, Zucht und Tugend moechten
gezogen werden".[602]

So wurde es dann auch vom Kurfuersten angenommen und die Vormuender
bestellt, fuer die Kinder auch Kreuziger in Stellvertretung fuer
Ratzeberger, welcher nur bei den wichtigsten Verhandlungen abkommen
koennte[603].

Auch das Testament Luthers wurde, "nachdem Uns Unsre Liebe Besondere
Katharina, des Ehrwuerdigen und Hochgelehrten Unsers Lieben Andaechtigen
Ehr Martin Luthers, der hl. Schrift Doctors seligen nachgelassene Witwe
ihres Herrn Testament und Verordnung vortragen und bitten lassen"--zu
Judica vom Kurfuersten "gnaediglich bestaetiget und konfirmiret, ob es
gleich an Zierlichkeiten und Solemnitaeten, so die Rechte erfordern,
mangelhaft waere."[604]

Nun gab es noch lange muehsame Verhandlungen zwischen dem Kanzler und
Kurfuersten einerseits und zwischen den Vormuendern und der Doctorin
anderseits wegen der Erwerbung des Gutes Wachsdorf und der Erziehung der
Kinder[605].

Der Kanzler riet energisch von dem Kauf des Gutes ab, aber noch
hartnaeckiger "arbeitete" Frau Katharina darauf, und erbot sich, ihren
Kindern zu gut sich mit dieser Sache zu "beladen"; denn sie verhoffte
daraus grosse Nutzniessung zu ziehen und versprach auch "keine
sonderlichen Gebaeude allda vorzunehmen". Darum haben die Vormuender "es
auch nit haerter bestreiten wollen und durch ihr Widerfechten das Ansehen
bei ihr haben, als wollten sie ihre Wohlfahrt hindern und des Herrn
(Luthers) Wohlthaten vergessen". "Also hat es die tugendsame Frau
Doctorin und die Vormuender neben ihr angenommen."[606] Das Gut kostete
aber 2200 fl. Weil das Mansfeldische Kapital erst in zwei Jahren fluessig
wurde, so gaben die Vormuender dem Kurfuersten zu bedenken, "dass um des
loeblichen Herrn Doctors willen der Witfrauen auch etwas zu willfahren
ist, und dass sie wahrlich zwischen Thuer und Angel stecken." Darum gab
der Kurfuerst die 2000 fl. her, darunter auch die 500 fl. der Margarete,
welche aber bis zu ihrer Verehelichung als Hypothek auf Wachsdorf
gestellt und mit 30 fl. verzinst werden mussten. Von den fehlenden 200
fl. gab Melanchthon und ein Freund die Haelfte, um die andere ging er den
wohlhabenden Amsdorf an. Am Pfingstmontag (14. Juni 1546) zahlte der
Kanzler Brueck die 2000 fl. an die Vormuender Ratzeberger, Reuter und
Jacob Luther aus, und Frau Kaethe, die so "fleissig angehalten, dass
gemeldte Gabe in liegende Gueter umgewandelt werde", erbot sich, "dass sie
solche Gueter den vier Kindern zu Gute treulich und fleissig warten
wollte". Zur Verwaltung des Gutes haette sie freilich gerne noch einen
Teil des Mansfeldschen Kapitals gehabt und begab sich dieserhalb zu dem
Grafen, und wie es scheint, mit teilweisem Erfolg[607].

In aehnlicher Weise ging es auch mit der Erziehung der Kinder. Der
Kanzler drang zwar darauf, dass Johann in die kurfuerstl. Kanzlei kaeme und
die beiden andern, Paul und Martin, mit der Mutter Verwilligung weg zu
einem Magister in Wohnung, Kost und Unterricht, also zu fremden Leuten
gethan wuerden. Und so billigte es auch der Kurfuerst[608].

Damit musste auch die Witwe zufrieden sein und "ihr solches gefallen
lassen und sich mit den Vormuendern darueber vergleichen." So berichtete
wenigstens Brueck an den Kurfuersten. Nun ordnete der Kurfuerst auf den
Bericht des Kanzlers an, dass die Vormuender den aeltesten Sohn vor sich
forderten und an ihm vernaehmen, ob er im Studio fortzufahren geneigt und
wenn er jetzo dermassen geschickt, dass seines Studieren halber Hoffnungen
sei, so solle man es noch ein halb Jahr mit ihm versuchen; sollte er
aber dazu weder geschickt noch geneigt sein, so wolle der Kurfuerst ihn
auf seine Kanzlei nehmen. Die zwei jungen Soehne aber sollten "von der
Mutter zu einem tauglichen Magister oder Praeceptor gethan werden, bei
denen sie wesentlich sein und ihre um ein gleich (billiges) Geld Kost
haben oder irgendwo mit ihm zu Tisch gehen, bei denen sie auch eine
Scheu und Furcht haben und also in der Lehr und Zucht zum besten
aufgezogen werden und darinnen verharren." Mit dieser Entfernung der
Kinder aus dem Hause sollte nun auch zugleich die Haushaltung der Witwe
aufgeloest werden[609].

Dass diese Zumutungen bei Katharina einen grossen Kampf kosteten, laesst
sich denken. Wenn sie auch wohl zuerst bei dem gemeinsamen Ansturm aller
Freunde und Goenner diesen Plaenen nachgegeben hatte, jetzt, als sie zur
wirklichen Ausfuehrung kommen sollten, wehrte sich die Mutter mit aller
Macht dagegen. Vier Wochen dauerte der Kampf und--Katharina blieb
siegreich[610].

Die Vormuender Kreuziger, Melanchthon und Reuter nahmen auf des
Kurfuersten Befehl zuerst den aeltesten, Johann, vor. Sie stellten ihm
vor, dass S.K.Gn. geneigt waere, ihn in seine Kanzlei zu nehmen. "Dieweil
er denn in einem solchen Alter waere, dass er billig bedenken solle, was
er endlich vornehmen wolle: ob er bei dem Studio wollte bleiben oder
nicht, und die Vormuender ihn zur Kanzlei tuechtiger erachteten, so
wollten sie ihm gern dazu raten; zudem dass es an sich ein loeblicher und
nuetzlicher Stand sei, darin er zu Gottes Lob und zu gemeiner Wohlfahrt
dienen und seiner lieben Mutter, Schwester und Bruedern troestlich sein
koenne; er sollte daher dankbar das kurfuerstliche Anerbieten annehmen und
diesen Stand nicht ausschlagen."

Darauf folgte eine lange Hin- und Widerrede und eine schriftliche
Antwort von Hans des Inhalts: "Ehrwuerdige, liebe Herren! Des Durchl.
Kurf. Befehl meine Person anlangend habe ich in Untertaenigkeit und
dankend angehoert. Nun versteh ich wohl, dass der Stand in der Kanzlei ein
sehr ehrlicher (ehrenvoller) Dienst ist, ich weiss aber, dass mein lieber
Vater vor dieser Zeit nicht hat willigen wollen, dass ich ausser der Schul
ziehen soll. So wollt ich gern laenger studieren. Ich will mich auch
durch Gottes Gnade in allem Gehorsam und Unterthaenigkeit gegen Gott, S.
Kurf. Gn. und meiner lieben Mutter allezeit halten. Und bitte, S. Kurf.
Gn. wollen mir gnaediglich zulassen, noch ein Jahr in artibus ("in den
freien Kuensten") zu studiren, mich in lateinischer Schrift besser zu
ueben. Und so ich alsdann zu einer Fakultaet tuechtig, wollt ich lieber
procediren (fortfahren) im Studio; so mich aber S.K.Gn. alsdann
gnaediglich gebrauchen wollten, stelle ich dasselbe auch zu S.K.Gn. in
Unterthaenigkeit. Johannes Lutherus."

Weiterhin forderten die Vormuender den jetzigen Praezeptor der zwei jungen
Knaben, Ambros Rutfeld, vor und erkundigten sich nach den Knaben. Des
einen, Martin, Schrift sahen sie an und befanden ihn wohl studiert; Paul
war etliche Wochen krank gewesen, erwies sich zur Musik geschickt, der
Grammatik aber nicht so faehig.

Dann zeigten die Vormuender der Mutter Sr. Kurf. Gn. "gnaediges Gemuet an,
dass sie zum Studio treulich und fleissig angehalten und mit Lehr und
Wohnung bei einem Magister in der Stadt bestellet wuerden."

Die Mutter gab folgende Antwort: "Sie zweifle nicht, S. Kurf. Gn. meine
dieses gnaediglich, und sie danke unterthaenig. Aber sie bitte zu
bedenken, weil der juengste oft schwach (krank) sei, dass er an andern
Oertern nicht besser sein koenne, denn bei der Mutter. Zudem so seien
allhie die Magistri also beladen (uebersetzt) in ihren eigenen Wohnungen,
dass die Kinder ohne Faehrlichkeit ihrer Gesundheit nicht wohl bei ihnen
zu bestellen seien. Auch moechten sie unter dem fremden ungleichen jungen
Volk eher in boese Gesellschaft geraten, denn bei ihr, dieweil sie doch
aus dem Haus ohne ihre Erlaubnis nicht gehen duerften."

Diese Gruende erkannten die Vormuender an; und weil nun die Soehne nicht
von der Mutter kommen, sondern weiter bei ihr bleiben sollten, so
erheischte auch der Kinder und der Witwe Notdurft nicht mehr, dass die
Haushaltung eingezogen und vergebliche Kosten abgeschnitten wurden. Die
Vormuender brachten darum auch den weiteren kurfuerstlichen Auftrag gar
nicht zur Verhandlung, "dass das unnoetige Gesinde hinweg gethan wurde und
von dem jaehrlichen Einkommen die Witwe und Kinder ihre Haushaltung
bequemlich haben, auch darueber nicht in Schulden gedeihen moechten." Die
Vormuender erklaerten vielmehr dem Kurfuersten, die Knaben seien jetzund
mit einem gelehrten treuen Gesellen bestellet, sie wollten auch selber
ein Aufsehen auf Martini Studio haben, haetten auch bereits das Noetige
angeordnet. Und sie trugen darum auch um so lieber auf den Ankauf des
Gutes Wachsdorf an. Demgemaess entschied nun der Kurfuerst mit Ratzebergers
Zustimmung: er wolle es bei dem Entschlusse Hansens bewenden lassen; sei
auch einverstanden, dass er und seine Brueder nun bei der Mutter blieben,
versehe sich aber nun, dass des Doktors sel. Soehne alle drei unter dem
Hauslehrer und der Vormuender Aufsicht zu Zucht, Tugend und Lehre mit
Fleiss angehalten wuerden, ihnen auch nicht viel versaeumliches Spazierens
verstattet werde. "Denn Wir wissen, dass des Doktors Gemuet mit hoechster
Begierde dahin gerichtet gewest, dass seine Soehne studieren sollten." Von
einer Einschraenkung oder Ausloesung der Haushaltung war nicht mehr die
Rede.

So hatte Frau Katharina schliesslich doch ihr "Gemuet" durchgesetzt: das
alte, liebgewordene, durch so viele grosse Erinnerungen geheiligte
Klosterhaus blieb ihr Besitz und ihr Wohnsitz, die Kinder durfte sie
alle um sich haben und Wachsdorf wurde den Soehnen zu teil als ein
rittermaessiges Mannlehen; und damit hatte sie die Genugthuung, dass ihre
Kinder wieder ein edelmaennisches Erbgut besassen, nachdem der adelige
Besitz ihrer eigenen Familie voellig zerstoben war.

Die Familie blieb also im Klosterhause beisammen. Hans besuchte die
Kollegien und die beiden Knaben lernten bei ihrem Praezeptor Rutfeld. Das
Toechterlein wurde von der Mutter erzogen.

In der ersten Trauerzeit hatte die Frau Doktorin unmoeglich ihren grossen
Haushalt und Kosttisch mit den vielen fremden Tischgenossen weiter
fuehren koennen. So waren manche ausgezogen. M. Besold z.B. bat
Melanchthon, ihn aufzunehmen. Frau Katharina kam auch wohl wegen der
ungewissen Zukunft ihrer Lage nicht so bald dazu, den Kosttisch wieder
im alten Umfang anzufangen.

Der lahme alte Wolf, der Famulus des Doctors, war auch noch da. Die
Vormuender mussten hoeren, ob er noch laenger bei der Frau bleiben, auch ob
sie ihn behalten wollte oder nicht. Wahrscheinlich ist er, der so sehr
mit dem Klosterhause verwachsen war, doch geblieben, obwohl er einmal
auf eine fruehere gleiche Anfrage Luthers, ob er bei seiner Frau bleiben
wolle, ausweichend geantwortet hatte, wenn Luther sterbe, moechte er am
liebsten auch selber gleich begraben werden, und Frau Katharina wird ihn
auch behalten haben; abgesehen von den 40 Gulden Pension, die sie, wie
Kanzler Bruck meinte, "mit einbrocken" konnte, war er doch zu sehr
eingeweiht in alle Verhaeltnisse des Hauses, und Frau Kaethe behielt ihn,
wenn er auch nicht nur lahm, sondern nach Luthers Zeugnis auch
nachlaessig, bequem und gedankenlos war und am liebsten am Vogelherd sass.

Das uebrige Gesinde wird wohl beschraenkt worden sein, wie der Kanzler und
der Kurfuerst verschiedentlich betont hatten. Denn auch die
Gastfreundschaft war in dem Klosterhause nicht mehr in dem alten Umfang
noetig: die Besuche, Feste, Tischgesellschaften der zahlreichen Freunde
und Bekannten, der fluechtigen und Bittsteller, der Gesandtschaften und
Studierenden liessen nach oder hoerten ganz auf. Aber freilich neue Muehe
und Arbeit erwuchs der Doktorin in dem neuen Landgut, zumal da jetzt die
Heu- und Fruchternte bevorstand. Doch solche Arbeit war der
thatkraeftigen Domina eine Lust und Freude. Neben der Landwirtschaft
betrieb Frau Kaethe jetzt ihre "Tischburse" weiter. Es starb ihr aber
leider gar bald am 30. Mai ein junger Tischgeselle Weidhofer aus
Oesterreich hinweg[611].

Die eben Witwe gewordene hatte auch selber zu sorgen fuer eine andere
Waise, ihren Neffen Florian. Die Mutter desselben hatte sie angegangen,
dem jungen Studenten namentlich mit Buechern nachzuhelfen; sie meinte
wohl--irrigerweise--, das koennte aus der Bibliothek Luthers geschehen
oder durch Buecher von einem abgehenden oder verdorbenen andern
Tischgenossen, wie das ja vorkam. Frau Kaethe schreibt da ihrer
Schwaegerin:

"Was Euern Sohn, meinen lieben Ohmen antrifft, will ich gerne thun, so
viel ich kann, wenn es allein sollt an ihm angelegt sein. Wie ich mich
denn gaenzlich versehe, er werde dem Studieren mit allem Fleiss folgen und
seine koestliche, edle Jugend nicht unnuetzlich und vergeblich zubringen.
Wenn er aber in seinem Studieren ein wenig besser zunehmen und nun
andere und mehr Buecher bedarf, sonderlich so er die Rechte studieren
sollte, koennt Ihr, liebe Schwester, selbst gedenken, dass ich ihm solche
Buecher, die er dazu bedarf, nicht werde geben koennen. Und (er) wird ein
wenig einen groessern Nachdruck muessen haben, damit er sich das Ding
alles, was dazu gehoert, schicken kann. Waer' derhalben sehr vonnoeten,
dass, wie Ihr mir schreibet, Euren Sohn, meinem lieben Ohmen, ein
jaehrlich Geld zum Stipendio gegeben wuerde. Also koennte er desto besser
beim Studieren bleiben und seinem Ding leichtlicher nachkommen.--Von dem
allem aber, das ich bei ihm thun kann, will ich Euch bei (durch) meinem
Bruder Hans von Bora, alsbald er hieher zu mir kommen wird, weiterm
Bericht und Bescheid geben."[612]

Dies Stipendium erhielt auch Florian mit Hilfe Katharinas[613].

Zu Ostern kam also Bruder Hans von Krimmitschau, wo ihm vom Kurfuersten
die Karlhause als Rittergut um maessigen Kaufpreis ueberlassen worden war,
zu Besuch bei der verwitweten Schwester. Freilich helfen konnte Hans von
Bora auch nicht eigentlich, am wenigsten mit handgreiflicher
Unterstuetzung; denn er hatte selbst mit Sorgen der Nahrung und des
Lebens zu kaempfen.

Dagegen wandten sich die Freunde der Lutherschen Familie, besonders
Bugenhagen, der Reformator des Nordens, wiederholt an den alten Goenner
D. Luthers, den Koenig Christian III. von Daenemark. Nachdem zu Pfingsten
auf Jonas' allgemeines Schreiben noch keine Antwort eingetroffen war,
schrieb der Dr. Pommer am 5. Juni bestimmt und deutlich: "Der Herr
Philippus und ich bitten, E.M. wolle unsern Sold (100 Thlr.) und 50
Thaler, die noch gehoeren in diesem Jahr unserm lieben Vater Doctori
Martino (welchen Christus herrlich hat aus diesem Jammerthal zu sich
genommen vor einem Vierteljahr) geben diesem Herrn Christophero, Ritter,
an uns zu bringen. Die fuenfzig Thaler wollen wir Doctor Martini Weib und
Kindern verantworten."[614]


Bald darauf kam die koenigliche Antwort auf D. Jonas' Brief: "Wir wollen
auch Uns des seligen und teuern Mann Gottes nachgelassene Witwe und
Kinder gnaedigst befohlen sein lassen." Aber der faellige Sold kam nicht,
so dass Bugenhagen im Herbst (am 15. Nov.) nochmals eine deutliche
Mahnung an den Koenig abgehen liess: "Ich habe Ew. Koenigl. Majestaet
fleissig geschrieben um Pfingsten bei Ehr Christoffer, Ritter aus
Schweden, von unserm Solde, welchen Ehr Christoffer wollt uns hieher
bringen, auch gebeten fuer D. Martini nachgelassene Witwe dass sie diesmal
noch die fuenfzig Thaler moechte kriegen aus Gnaden E.K.M. Aber Ehr
Christoffer ist nicht wieder kommen, hat mir auch gar nicht
geschrieben."[615]

So harrte Frau Katharina vergeblich auf diese Beisteuer und sie haette
sie doch so noetig gehabt. Denn mittlerweile war aufs neue grosses Unheil
ueber Wittenberg und das Klosterhaus hereingebrochen.




17. Kapitel.

Krieg und Flucht.


Die Witwe konnte sich kaum in ihren neuen Stand einleben, da nahte schon
das Unglueck, das Luther vorausgesehen und vorausgesagt: es kam der
Schmalkaldische Krieg und mit ihm Verwuestung, Pluenderung, Flucht, Elend
ueber Frau Katharina.

Die Ereignisse folgten sich rasch im Fruehling und Sommer: die
Protestanten verwerfen das Tridentinische Konzil; der Regensburger
Konvent verlaeuft ohne Ergebnis; der evangelische Erzbischof Hermann von
Koeln kommt in Bann. Herzog Moriz verbuendet sich mit dem Kaiser; das
protestantische Oberdeutschland greift zu den Waffen, dann auch
Kursachsen und Hessen; die beiden Fuersten werden geaechtet, der Krieg
erklaert und der Papst ordnet Gebete an fuer Ausrottung der Ketzer. Schon
zehn Tage vorher am dritten Sonntag nach Pfingsten hoerte Frau Katharina
in der Kirche zu Wittenberg das evangelische Kriegsgebet und flehte mit
besonderer Inbrunst um Hilfe in dem Gewaltkampf, der gegen ihres seligen
Mannes Werk entbrennen sollte: "Dieweil Du siehst die grosse Not unserer
Herrschaft, unser aller: Mann, Weib und Kinder, und dass unsre Feinde
fuernehmlich suchen Vertilgung rechter Lehre und Aufrichtung und
Bestaetigung ihrer schaendlichen Abgoetterei: so bitten wir Dich, Du
wollest um Deiner Ehre willen unsre Herrschaft, unsere Kirchen, uns,
unsere Kinder und Haeuslein gnaediglich schuetzen und bewahren, wie Du Dein
Volk Israel im Roten Meer erhalten und geschuetzet hast, und wollest der
Feinde Macht zerstoeren und die moerderische fremde Nation ihre Unzucht
und Grausamkeit nicht an unsern Weibern und Kindern ueben lassen." Und
Melanchthon gab die "Warnung D. Martini Luther an seine lieben
Deutschen" in Kriegsgefahr aufs neue heraus[616].

Sorge und Schrecken verbreitete sich in Wittenberg als der Hauptfestung
Kursachsens und dem geistigen Hauptbollwerk des Protestantismus, und
ganz besonders im Schwarzen Kloster, von dem aus der Sturm gegen das
Papsttum begonnen war.

Im Sommer kamen unter Hauptmann von Mila viele gute Kriegsknechte in die
Stadt, auch viel Proviant, Buechsen und Pulver. Die einen waren
ordentlich und fromm, andere lebten roh und prassten. Die Buerger zogen
mit den Kriegsknechten auf die Wache, ergriffen Spiesse, Hellebarden und
Arkebusen und bezogen die Schanzen, Hans Lufft, der Drucker mit seinen
Gesellen, den grossen Berg, wo die "Singerin", ein grosses Geschuetz,
aufgestellt war. Eine spaetere Nachricht erzaehlt, dass auch Hans Luther
als Faehnrich in den "kaiserischen Elbkrieg" gezogen sei[617].

Alles war in Aufregung, namentlich als Herzog Moriz von Sachsen, dem
schon Luther Verrat an der evangelischen Sache zugetraut hatte, sich auf
die Seite des Kaisers schlug und in Kursachsen einfiel, von den Welschen
und "Hussern" des Koenigs Ferdinand begleitet[618].

Die Universitaet begann sich zu zerstreuen aus Furcht vor Belagerung. Der
Krieg naeherte sich. Am 6. November wird Zwickau umzingelt, daher die
Hochschule aufgeloest. Am 9. kommt die Kunde, Zwickau sei an Moriz
uebergeben und das feindliche Kriegsvolk ziehe auf Wittenberg heran.
Jetzt fluechtete alles, was konnte, aus der festen Stadt: Greise, Weiber,
Kinder, nach allen Richtungen in zahllosen Wagen, waehrend der fallende
Winterschnee Menschen, Tiere und Gefaehrte bedeckte. Nur Pfarrer und
Schulmeister blieben zurueck von den Beamten[619].

Frau Kaethe hatte schon vor vierzehn Tagen ihren Wagen einspannen und
ausser ihren Kindern das Wertvollste und Notwendigste an Hab und Gut
aufladen lassen. Auch der Neffe Fabian Kaufmann und wohl noch andere
Verwandte und Tischgenossen waren bei dem traurigen Zug; der Famulus
Wolf aber blieb zur Hut des Hauses zurueck. Die Flucht ging ueber Dessau
und Zerbst nach dem festen Magdeburg, wohin sich die meisten Professoren
begaben; nur Melanchthon blieb mit seiner Familie in Zerbst, wo er einen
kleinen Schuelerkreis sammelte, kam aber oefters nach Magdeburg herueber.
Fabian wurde spaeter nach Wittenberg zurueckgeschickt, wo neben Kreuziger
und Bugenhagen auch Paul Eber verblieben war, der sich des jungen
Menschen annehmen konnte; wahrscheinlich sollte Fabian in der Stadt mit
Wolf Sieberger auf das Schwarze Kloster und den Lutherischen Besitz
achtgeben.

Bald kam die betruebende Kunde von Wittenberg: "Man hat (am 16. November)
die Vorstaedte samt allen Gaerten und Lusthaeusern weggebrannt, die Aecker
verwuestet und ist den armen Leuten wohl eine Tonne Goldes Schaden
geschehen und ein grosser Jammer." Dann kam Moriz mit seinen Meissnern und
mit Koenig Ferdinands "Hussern", und sie streiften bis an die Mauern der
Stadt und schrieen hinein. Herzog Moriz, des "Teufels Ritter und
Soldat", berannte die Stadt am 18. November. Da hiess es nach dem Liede:

  Zu Wittenberg auf dem hohen Wall
  Hoert man die Buechsen krachen.

Der Sturm wurde abgeschlagen, aber die "Hussern" pluenderten und
schaendeten in der Umgegend[620].

Indessen diesmal ging die Belagerung Wittenbergs rasch vorueber; denn
Moriz wurde um Weihnachten von dem aus Sueddeutschland herbeigeeilten
Kurfuersten zurueckgetrieben. Jedoch der Krieg in Sachsen dauerte fort und
an eine Heimkehr nach Wittenberg war nicht zu denken; nur Melanchthon
war einmal Mitte Januar 1547 dort[621].

Der Aufenthalt in Magdeburg war nichts weniger als behaglich, Unterkunft
war gar schwer zu finden; dem Stadtrat war die Masse der Schueler
unbequem. Die Nachbarschaft, besonders die Halloren, waren gegen sie
aufgebracht und bedrohten sie. Daher suchten die Professoren andere
Stellungen, namentlich Major mit seiner zahlreichen Familie[622].

In dieser Zeit der Not kam eine Huelfe, die fast nicht mehr erwartet war.
Die 50 Thaler, um welche Bugenhagen den daenischen Koenig fuer Luthers
Witwe schon zu Pfingsten und dann nochmals nach der Flucht der Witwe
geschrieben hatte, waren bis jetzt nicht gekommen. Nun aber am 10.
Januar 1547 wurden die gewaehrten 150 "Joachimer" durch Vermittelung des
Hamburgers Mueller an Professor Veit Winsheimer, welcher bei dem ehrbaren
Herrn Emeran Tucher zu Magdeburg wohnte, geschickt, und Frau Katharina
empfing erfreut ihren Anteil[623]. Und nicht lange darauf kam wieder ein
Bote mit 50 Thalern und einem gnaedigen Schreiben an "Doktor Luthers
Witwe":

"Unsern gnaedigsten Gruss zuvor.

Ehrbare und viel Tugendsame, Liebe, Besondre!

Nachdem Wir berichtet, dass Ihr in jetzigen gefaehrlichen Zeiten neben
anderen aus Wittenberg nach Magdeburg gewichen, haben Wir nicht
unterlassen wollen an Euch zu schreiben, Euch Unsern gnaedigsten Willen
und Neigung zu vermelden. Und als Ihr dermassen Eure Haushaltung und Euch
an fremden Orten unterhalten muesst, worueber wir ein besonders Mitleid
haben, schicken Wir Euch bei gegenwaertigem Boten, dem alten Schlesier,
zu Eurer Haushaltung fuenfzig Thaler; die wollet zu Gefallen annehmen und
Unsere gnaedigste Neigung daraus vermerken. Wir wollen auch jederzeit
Euer gnaediger Herr sein und Uns gegen Euch zu erzeigen wissen. Wollten
Euch solches gnaedigst nicht vorenthalten und sind Euch mit Gnaden und
allem Guten geneigt."[624]

Frau Katharina schrieb dafuer ihren Dankesbrief:

"Gnad und Friede von Gott dem Vater durch seinen eingeborenen Sohn
Christum Jesum.

Durchlauchtigster, grossmaechtigster Koenig, gnaedigster Herr!

E.K.M. sei mein andaechtig Gebet gegen Gott dem Herrn vor (fuer) E.K.M.
und aller der Ihren Wohlfahrt und glueckselig Regiment allzeit mit hohem
Fleiss zuvoran bereitet. Gnaedigster Herr! Nachdem ich in diesem Jahre
viel grosse und schwere Bekuemmernis und Herzeleids gehabt, als da
erstlich mein und meiner Kinder Elend mit Absterben (jedoch seliger und
froehlicher Heimfahrt zu unserm Heiland Christo Jesu) meines lieben
Herrn, welches Jahrzeit jetzt den 18. Februarii sich nahet, angangen;
darnach auch diese faehrliche Kriege und die Verwuestung dieser Laender
unsers lieben Vaterlandes gefolget und noch kein Ende dieses Jammers und
Elends zu sehen: ist mir in solchem Bekuemmernis ein grosser und hoher
Trost gewesen, dass E.K.M. beides, mit gnaedigster Schrift und
Uebersendung der funfzig Thaler zu bequemer Unterhaltung meiner und
meiner Kinder, auch ferner E.K.M. gnaedigster Erbietung, Ihre gnaedigste
Neigung gegen mir armen verlassenen Witfrau und meiner armen Waisen
vermeldet; welches auch vieler andern zuvor gnaedigst erzeigten Wohltaten
halber gegen E.K.M. ich mich unterthaenigst bedanke; verhoffend, Gott der
Herr, welcher sich einen Vater der Witwen und Waisen nennet, wie ich
denn taeglich zu ihm bitte, werde solches E.K.M. reichlich belohnen; in
welches gnaedigen Schutz und Schirm E.K.M. und Ihr Gemahl, meine
gnaedigste Frau Koenigin, und die ganze junge Herrschaft samt Ihren Landen
und Leuten hiemit und allezeit fleissig thue befehlen.

Geben zu Magdeburg, den 9. Februarii A.D. XLVII.

  E.K.M.

  gehorsame
  Katharina Lutherin,
  seliger Gedaechtnis Doctoris
  Martini Luthers
  verlassne Witfrau."[625]

Die so Beglueckte dachte aber auch an andere Hilfsbeduerftige, an den
Amtsgenossen ihres Gatten, D.G. Major, der mit seiner grossen
Kinderschaar in dieser schlimmen Zeit sich vergeblich nach einer
Stellung umsah. Frau Katharina legte in diese Danksagung als Beilage
noch eine Fuerbitte ein:

"Gnaedigster Herr! Nachdem ich erfahren, was vor gnaedigste und
christliche Neigung E.K.M. gegen den (die) Theologen der Universitaet zu
Wittenberg tragen und mein lieber Herr seliger Gedaechtnis Doctor Georgen
Major stets nun ueber zwanzig Jahre als seinen Sohn gehalten und lieb
gehabt, welcher zu dieser Zeit allhie bei mir im Elend samt zehen
lebendigen Kindern: will E.K.M. gedachten Doctor ich mich unterthaenigst
befohlen haben bittend, E.K.M. wollen ob solchem kein ungnaedigst
Gefallen haben. Denn Theologi je mit Weib und Kindern sonderlichen zu
diesen jaemmerlichen Zeiten, betteln muessen, wie ich schier selbst
erfahren, da sie nicht von Fuersten und Herren ihre Errettung und
Unterhaltung haben werden."

Zu Ostern erhielt nun auch D. Major "auf der tugendsamen Frauen
Katharina, des seligen und loeblichen Gedaechtnis Doctoris Martini Luthers
verlassenen Witfrauen Vorschrift und Vorbitte 50 Thaler bei dem
Schlesiger gnaediglich ueberschickt"[626].

Da es mit der Einnahme Wittenbergs durch Moriz nichts geworden, so war
mittlerweile die tapfere Frau Katharina wieder nach Wittenberg
zurueckgekehrt, aber ihres Bleibens war nicht lange dort. Denn der Kaiser
Karl und sein Bruder Ferdinand kamen aus Sueddeutschland und Boehmen mit
ihren Spaniern und Italienern, Boehmen und Ungarn ihrem Verbuendeten Moriz
zu Hilfe und es stand eine neue Belagerung Wittenbergs bevor, die
diesmal ernstlich und gefaehrlich werden sollte. Und jetzt musste Frau
Katharina erst recht fluechten, denn ueberall hin verbreitete sich die
Kunde von den unerhoerten Greuelthaten und Grausamkeiten der fremden
Voelker, sogar gegen unschuldige Kinder: "sie raubten, mordeten,
pluenderten, schaendeten Frauen und Jungfrauen und warfen Kinder auf der
Gasse ueber die Zaeune". Namentlich aber wueteten Spanier und Italiener
gegen die evangelischen Geistlichen und ihre Familien. Dem Pfarrer in
Altenburg entfuehrten sie zwei Toechter, den von Kemberg bei Wittenberg
ermordeten sie[627]. Da hiess es: "Die ungarischen Raeuber, gemeiniglich
Hussirer genannt, sind ein raeuberisch und unbarmherzig Volk; bei Eger
hieben sie den Kindern die Haende und Fuesse ab und steckten sie als
Federbuesche auf die Huete". So erzaehlte man, und Melanchthon schrieb:
"Ihr Fuehrer Lodran (Lateranus) sagte, er werde nach Eroberung unserer
Stadt Luthers Leib ausgraben und den Hunden vorwerfen lassen; und redete
namentlich davon, mich in Stuecke zu hauen." Oder gar: "Man werde Luthers
Gebeine ausgraben und verbrennen, die Staette, wo er geruht, zerstoeren
und die Stadt schleifen, Melanchthon erwuergen und D. Pommer zerhacken,
dass man sich mit den Stuecken werfen moechte." Deshalb setzte Melanchthon,
welcher zu Anfang 1547 wieder in Wittenberg weilte, fuer die dortigen
Pfarrfrauen eine Bittschrift an den Kaiser auf[628].

Frau Katharina hielt in Wittenberg aus, so lange als moeglich. Da aber
kam am Ostertag morgens in aller Fruehe die schreckliche Kunde, dass am
Karsamstag 24. April der Kurfuerst Johann Friedrich von der kaiserlichen
Uebermacht auf der Lochauer Heide geschlagen und gefangen worden sei und
das feindliche Heer sich gegen Wittenberg heranwaelze. Hals ueber Kopf
musste nun Luthers Witwe aufs neue ins Elend" ziehen[629].

So kam sie ploetzlich wieder nach Magdeburg und bat die Freunde,
besonders Melanchthon als Vormund ihrer Kinder unter Thraenen, ihnen ein
Nest zu suchen. Am liebsten waere sie nach Daenemark gegangen, zu dem
einzigen Fuersten, der sich ihrer anzunehmen versprochen hatte, nachdem
von dem ungluecklichen Kurfuersten nichts mehr zu erwarten stand. Sie bat
zunaechst, sie nach Braunschweig fuehren zu lassen. Die Theologen
schienen, als sie die Truemmer des geschlagenen kursaechsischen Heeres
durch Magdeburg ziehen sahen, sich auch nicht mehr in Magdeburg sicher
zu fuehlen, und Melanchthon und Major mit ihren Familien zogen samt der
Lutherischen ueber Helmstaedt nach Braunschweig. In Helmstaedt wurden sie
vom Stadtrat freigebig bewirtet. In Braunschweig brachte Melanchthon die
beiden anderen Familien bei dem evangelischen Abt unter, waehrend er fuer
sich selbst recht lange sich nach einer kleinen Wohnung umthun musste. Er
wurde als begehrter Professor von den verschiedensten Fuersten
eingeladen; aber um Luthers Witwe kuemmerte sich niemand: sie konnte in
dieser Zeit der katholischen Reaktion hoechstens eine Verlegenheit sein.
Deshalb draengte sie darauf, nach Daenemark zu kommen. Aber als die
Fluechtlinge kaum einige Meilen von Braunschweig noerdlich nach Gifhorn
gekommen waren, zeigten sich alle Wege im Herzogtum Lueneburg voll
Soldaten und Herzog Franz machte Schwierigkeiten; so kehrte man wieder
nach Braunschweig zurueck. Dort blieb nun Katharina mit ihren Kindern,
waehrend Melanchthon zu Himmelfahrt nach Nordhausen zog, wohin ihn sein
Freund, der Buergermeister Meienburg, eingeladen halte; und Major folgte,
willens sich nach seiner Vaterstadt Nuernberg zu begeben[630].

Am 23. Mai, Montag vor Pfingsten, wurde Wittenberg vom kaiserlichen Heer
besetzt; am Mittwoch ritt der Kaiser und der Koenig Ferdinand in die
Stadt ein vor die Schlosskirche und liess sich vom Studiosus Johann Burges
aus Quedlinburg "die Begraebnis" Luthers zeigen, die zu entweihen er aber
nicht zuliess, so feind die Spanier sonst D. Luthern waren[631]. Am 6.
Juni musste Wittenberg dem neuen Kurfuersten Moriz huldigen, der den
Kurhut und das Kurland als Preis fuer seinen Verrat an der evangelischen
Sache erhalten hatte. Zwei Tage darauf lud der Rektor die Universitaet
zur Rueckkehr nach Wittenberg ein. Auch Kaethe wurde Ende Juni von D.
Pommer und Buergermeister Reuter zur Rueckkehr aufgefordert: es sei alles
sicher und Haus und Hof unverheert. So kehrte sie, wenn auch erst Ende
Juli, aus Braunschweig heim ins liebe Wittenberg[632].




18. Kapitel.

Der Witwenstand.


Es war eine traurige Heimkehr, als Frau Katharina mit ihren Kindern und
dem Rest der geretteten Habe auf ihrem Fuhrwerk durch das Coswiger Thor,
die Schlossstrasse und die Kollegiengasse herauf fuhr und vor dem
Klosterhause hielt. Leichter waren Koffer und Kasten geworden--es waren
vergoldete und silberne Kredenzbecher im Werte von 600 fl. versetzt
worden--und das Herz voll schwerer Sorge. Und doch war's ein Gefuehl der
Ruhe und Sicherheit, wieder daheim zu sein nach der langen Flucht
draussen im "Elend". Und tapfer griff Frau Kaethe es an, das Leben neu zu
gestalten.

Das Haus war noch im alten Stande und vom Hausrat nichts versehrt. Die
Stadt hatte zwar eine Belagerung und einen Sturm durch Moriz
ausgehalten, aber friedlich war sie nach der Muehlberger Schlacht an den
neuen Regenten uebergeben worden und keine Spanier hatten darin hausen
duerfen; nur deutsche Voelker waren zugelassen. Das Klosterhaus war
waehrend der Flucht in der Hut des alten treuen Wolf gestanden. Der aber
war nicht mehr, als die Doctorin mit den Kindern heimkehrte: einige
Wochen zuvor, am 14. Juni, war er dahin gegangen, als man seiner nicht
mehr zu beduerfen schien[633].

Wenn aber auch Haus und Hof unangetastet dastand, um so schlimmer stand
es mit den Guetern draussen. Die Vorstaedte waren bei Beginn der ersten
Belagerung niedergebrannt worden und so waren auch die Gebaeulichkeiten
in den Gaerten ein Opfer der Flammen geworden. Dann hatten die "Hussern"
die Nachbarschaft von Wittenberg gepluendert. Auch sonst, bei Grimma,
unweit Nimbschen und Zulsdorf, hatte (schon 1546) der Nachtrab uebel
gehaust: Huehner, Gaense und Schafe geraubt, auch ungedroschenes Getreide
zur Streu fuer die Pferde verwendet. Noch schlimmer hatten im folgenden
Jahr die Spanier mit Morden und Brennen, Pluendern und Verjagen
geschaltet; wo nichts zu pluendern war, verbrannten sie draussen im Lande
alles Gewaechs bis auf die Stoppeln[634].

So hatte Luthers Witwe grossen Schaden erlitten im Krieg. Wenn Jonas den
seinigen bei den zwei Fluchten auf 400 fl. schaetzt, so muss derjenige
Katharinas bei ihrem ausgedehnten Grundbesitz weit mehr betragen haben.
Ihre Gaerten und Gueter: das Baumstueck mit seinen Gebaeulichkeiten, das Gut
Wachsdorf und das Vorwerk Zulsdorf waren verwuestet, so dass sie auf Jahre
hinaus sie "schwer zu versorgen" wusste, wie Bugenhagen in Briefen an den
daenischen Koenig klagt[635].

Und wenn man die vielgeplagte Witwe nur in Frieden gelassen haette, dass
sie ruhig sich ihrer verwuesteten Gueter haette annehmen koennen. Aber da
wurde sie noch von boesen Nachbarn geplagt und von harten Beamten. Ein
zaenkischer Mensch fing Streit mit ihr an wegen eines Servituts
(vielleicht der Nachbar von Zulsdorf auf Kieritzsch). Melanchthon war zu
einem Vergleich bereit, aber der Mann forderte eine masslose Summe und
auch Bruder Hans riet vom Vergleich ab. So kam es zum Prozess, wobei Dr.
Stromberg in Leipzig und auch Camerarius, die Freunde Melanchthons, sich
der armen Frau annahmen (1548). Dieser Prozess dauerte aber jahrelang und
noch 1550 musste Frau Katharina mit Melanchthon vor dem Stadthauptmann in
Leipzig zur Tagfahrt erscheinen[636].

Da galt es nicht verzagen, sondern mit neuem Mut das Werk angreifen, um
sich und ihre Kinder in Ehren durchzubringen. Der Kosttisch wurde wieder
eingerichtet, wenn es auch schwer hielt, in diesen wirren Zeiten, wo die
Universitaet zersprengt war und nur mit Muehe sich wieder sammelte, zumal
das neue Kursachsen jetzt zwei Hochschulen hatte: Leipzig und
Wittenberg, und die Soehne des gefangenen Kurfuersten sich bestrebten, in
Jena eine eigene zu errichten und dahin die echten Lutheraner unter den
Professoren und Studenten von Wittenberg zu ziehen; erst im August wurde
das Wittenberger Kollegienhaus vom Schmutz der Einquartierung gereinigt
und neu getuencht[637]. Ferner konnte von grossem Verdienst keine Rede
sein, wenn bei dem Rektor Crodel in Torgau zwei Schueler in der Woche fuer
Wohnung und Kost, dazu mittags und abends zwei Kannen Bier, nur 14
Groschen zahlten, und Matthesius in Wittenberg, ehe er zu Frau Luther
kam, bei Wolf Jan von Rochlitz "einen sehr guten trocknen Tisch um 5
Silbergroschen" hatte "neben alten gelehrten, ehrlichen (ehrbaren),
guten Tafelbruedern". Als solcher Tischgenosse wird genannt: Johann
Stromer, der fuenf Jahre bei der Witwe wohnte und ass. Vielleicht war
damals unter den Tischgenossen Kaethes auch der Preusse Georg von Kunheim,
der am 15. August 1550 in Wittenberg Student wurde und so mit der
Lutherischen Familie bekannt und spaeter verwandt wurde[638].

Ausser den Stuben wurden auch noch die Saele zu Vorlesungen an Docenten
vermietet, und so las im Sommer 1551 in Luthers Aula, wo der grosse
Doktor sonst ueber biblische Buecher vorgetragen hatte, Bartholomaeus Lasan
ueber Herodot[639].

Trotz alledem musste Frau Katharina ausser der Verpfaendung der Becher noch
auf ihr Guetlein Zulsdorf ein Anlehen von 400 fl. aufnehmen bei Dr. Franz
Kram und ausserdem musste sie sich entschliessen, selbst an den Koenig von
Daenemark zu schreiben, als den "einzigen Koenig auf Erden, zu dem wir
armen Christen Zuflucht haben moegen und von dem allein erwartet werden
konnte, dass den armen christlichen Praedikanten und ihren armen Witwen
und Waisen Wohlthaten erzeiget wuerden." Zu diesem Brief war sie
gezwungen, nachdem die Schreiben der Freunde Bugenhagen und Melanchthon
ohne Erfolg gewesen. So bittet nun am 6. Oktober 1550 "D.M. Luthers
nachgelassene Witfrau, nachdem sie und ihre Kinder jetzund weniger Hilfe
haben und die Unruhe dieser Zeit viele Beschwerungen bringet", S.K.M.
wolle ihr solche Hilfe gnaediglich auch hinfuero verordnen. Sie will
treulich und ernstlich bitten, Gott moege Sr.K.M. Wohlthaten, die er den
armen evangelischen Pfarrherren und ihren Familien erzeigt, vergelten
und dafuer besondere Gaben und Segen verleihen. "Der allmaechtige Gott
wolle E.K.M. und E.K.M. Koenigin und junge Herrschaft gnaediglich
bewahren."

Auch dies eigene Schreiben der Witwe war, scheint es, ohne Erfolg,
trotzdem sie den Koenig an ihres "lieben Herrn grosse Last und Arbeit"
mahnen konnte, die S.K. Maj. ohne Zweifel nicht vergessen habe[640].

Die Zeitlaeufe waren sehr traurig. Kreuziger starb 1548, und seine Frau
wollte fast vergehen; auch Veit Dietrich in Nuernberg schied bald darauf.
Andere Freunde waren verzogen oder auch gestorben. Dazu kam die Not der
Kirche, welche der Witwe Luthers nahe genug ging: "das Interim" mit dem
"Schalk hinter ihm" erregte die Evangelischen aufs aergste. Der neue
Landesherr Moriz, bei dessen Anblick sogar die Spanier und Italiener
"Schelm! Schelm!" riefen und den die Protestanten als "Judas"
bezeichneten, hatte kein warmes Herz, weder fuer die protestantische
Sache, noch fuer die hauptsaechlichsten Vertreter derselben, die
Universitaet zu Wittenberg und deren Angehoerige. Da gab es truebe Tage in
der alten Elbstadt[641].

Die vier Kinder Katharinas waren bei ihr; und wohl auch einige junge
Verwandte. Den Neffen Luthers, Fabian Kaufmann, jetzt mit dem
lateinischen Gelehrtennamen Mercator, empfahl Jonas 1548 zu einer
Hofstelle an die Fuersten von Anhalt[642].

Johannes studierte in Wittenberg weiter als Rechtsbeflissener.
Moeglicherweise hat er, ehe nach den Unruhen des Krieges die Musse und
Gelegenheit zum Studium wieder eintrat, "auf den vaeterlichen Guetern ein
laendliches Leben gefuehrt", d.h. der Mutter bei der Landwirtschaft
beigestanden, wie einmal berichtet wird[643]. Nach Ostern 1549 kam nun
Melanchthons Schwiegersohn Sabinus, Rektor der Koenigsberger Hochschule,
nach Wittenberg. Dieser erzaehlte viel von des Preussenherzogs Wohlwollen
gegen Luthers Familie. Da riet Melanchthon, den jungen Mann nach
Koenigsberg zu schicken, damit er dort durch die Gunst des Koenigs seine
Studien vollende. So schrieb nun Frau Kaethe an Herzog Albrecht einen
Brief.

"Gnade und Frieden in Christo samt meinem armen Gebet zu Gott fuer
E.F.Gn. zuvoran.

Durchlauchtigster und hochgeborner Fuerst und Herr!

Da sich E.F.Gn. gegen meinen lieben Herrn gottseligen, Doctorem Martinum
mit sonderlichen Gnaden allezeit erzeigt, so hab ich in keinen Zweifel
gestellt, E.F.Gn. wuerden auch mir aus sonderlichen Gnaden, so unser
lieber Gott E.F.Gn. zu seinem goettlichen Wort, das zu lieben, zu
schuetzen und zu handhaben verliehen, auch um meines lieben Herrn seliger
willen als eines wahren Propheten dieser letzten gefaehrlichen und
unruhigen Zeiten mich und meine lieben Kinder als nachgelassene Witwe
und Waisen in gnaedigen Schutz nehmen und Ihnen befohlen sein lassen.

Als ohne Not, E.F.Gn. zu erinnern, in wie schwere Not meiner Haushaltung
ich nach jetzt ergangener Kriegsfuehrung gediehen, auch wie kuemmerlich
ich bisher von meinen armen verwuesteten und verheerten Guetern mich samt
meinen Kindern ernaehren und erhalten muessen--hab ich aus Rat des Herrn
Philippi und Anzeigen des Herrn Dr. Sabini, wie geneigt E.F.Gn. meinen
Kindern sei, meinen aeltesten Sohn Hans an E.F.Gn. abgefertigt, und
nachdem dann E.F.Gn. ihn noch eine Zeitlang bei den Studien zu erhalten
sich gnaedigst erboten, will gegen E.F.Gn. ich mich derselbigen gnaedigen
Foerderung und Mitsorge fuer meine nachgelassenen armen Kinder aufs
demuetigste bedankt haben.

Dieweil aber dies meines Sohnes erstes Abreise ist, und ich auch
derhalben ihn zumeist abgefertigt, (damit er) neben seinen Studien gegen
die Leute lerne wissen sich zu (ver)halten, so ist an E.F.Gn. dies meine
demuetige Bitte, dieselben wollten diesen meinen Sohn um meines lieben
Herrn gottseliger willen in Gnade und Schutz aufnehmen und da er sich
sonst in der erste in allem gegen E.F.Gn. nicht zu erzeigen wuesste,
solches noch seiner Unwissenheit und ersten Ausfahrt gnaediglich zu gute
halten und Geduld mit ihm tragen. Als zweifel ich nicht, er wird sich
gegen E.F.Gn. zu unterthaenigem und seinen Praeceptoribus zu schuldigem
Gehorsam wohl zu verhalten wissen, seinen Studiis und demjenigen, so ihm
oblieget, fleissig nachgehen und gegen E.F.Gn. ehrbar und denkbarlich in
aller Untertaenigkeit sich zu erzeigen wissen.

Dies dann E.F.Gn. gnaedige Befoerderung unser lieber Gott auch reichlich
wiederum belohnen wird und bin fuer E.F.Gn. gegen Gott um langwaehrende
Regierung und Wohlfahrt fuerzubitten allezeit demuetiglich beflissen.

Datum Wittenberg, den 29. Mai anno 49.

E.F.G.

  demuetige und unterthenige
  Catharina, D. Martin Luthers
  seligers nachgelassene Witwe."

Melanchthon schrieb einen Empfehlungsbrief an den Herzog fuer den jungen
Mann, worin er ihn lobt als "tugendhaft im Wesen, unbescholten,
bescheiden, aufrichtig, rein, von guter Anlage und Beredsamkeit; sein
Koerper sei gewandt und leistungsfaehig und wenn er sich am Hofe uebe, so
koenne sein Eifer dem Staat zu grossem Nutzen gedeihen." Auch Jonas
empfahl in einem Schreiben dem Herzog seinen "lieben Freund, den Sohn
des goettlichen Propheten, empfehlenswert schon durch seinen Vater" und
entbot "Sr. Hoheit das Gebet der hochverehrten Frau und Witwe des hochw.
D. Luther". Zu mehreren Empfehlung legte Jonas eine Erzaehlung von dem
Krieg bei und ein handschriftliches Schreiben Luthers, "des Propheten
Deutschlands", worin er diesen Krieg prophezeit habe[644].

So reiste denn Johannes Ende Mai mit Dr. Sabinus ab, der auch sein von
Melanchthon erzogenes Toechterlein zu des Grossvaters tiefem Schmerz
mitnahm. Auch Jonas' Sohn, Dr. Christoph und Johann Camerar, der Sohn
von Melanchthons Busenfreund, sind wahrscheinlich mit Hans Luther nach
Koenigsberg gezogen[645].

Es kam nun auch ein Brief von Hans an Melanchthon, worin er einen Teil
der Reise beschrieb. Den andern Teil scheint er schuldig geblieben zu
sein. Auch muss ihm Melanchthon schreiben, Mutter, Schwester und Brueder
warteten mit Sehnsucht auf einen Brief, worin er von all seinen Sachen
berichten moechte; zur Leipziger Weihnachtsmesse gebe es schon genug
Gelegenheit zur Briefbefoerderung[646].

Lange hoerte man nichts mehr von Hans Luther. Daheim aber dauerten die
boesen Zeiten fort; denn die Unruhen und Aufregungen wegen des Interims,
das der Kaiser den Lutheranern aufgezwungen hatte, liessen nicht nach;
die Erbitterungen zwischen dem ehemaligen und jetzigen kurfuerstlichen
Hause waren eher im Wachsen, zumal der gefangene Kurfuerst noch immer
nicht freigegeben, sondern vom Kaiser in unwuerdiger Weise
umhergeschleppt wurde. Die Belagerung Magdeburgs, das wegen Nichtannahme
des Interims geaechtet und durch Moriz angegriffen war, brachte allerlei
landschaedigende Truppenbewegungen, und die Universitaet konnte also nicht
so leicht zur Musse und Bluete kommen. Auch die Anfechtungen durch "die
boesen Nachbarn" dauerten bei Katharina fort. Die Einkuenfte in diesen
unruhigen Zeiten wollten nur schwer reichen fuer den Haushalt und die
Erziehung der Kinder; Frau Katharina "litt an Armut", so dass die 15
Rosenobel (50 Thaler) Gnadengehalt von dem daenischen Koenig Christian
III., um welche die Freunde regelmaessig einkamen und Katharina selbst
schrieb, fuer "die arme Frau, unseres lieben Vaters Doctoris Martini
Witwe mit ihren Kindern" eine gar erwuenschte "gnaedige Hilfe" waren. Die
"Begnadigungen", welche sonst die Lutherische Familie von ihren
Landesherren gewohnt war, blieben aus, da der alte Kurfuerst gefangen sass
und der neue bei seinen grossen Plaenen und steten Kriegen nichts uebrig
hatte fuer sie. Daher konnte Frau Katharina klagen, "dass wenig Leut sind,
die fuer die grossen Wohlthaten meines lieben Herrn seinen armen Waisen
Hilfe zu thun gedaechten"[647].

Die vielerlei Schicksalsschlaege trafen die arme Witwe so schwer, dass
sie, die stets gesunde, jetzt kraenklich wurde und ueber "Schwachheit" zu
klagen hatte.

In dieser schweren Zeit, "da es ihr Vermoegen nicht war, ihren und ihres
lieben Herrn Kindern nach Notdurft zu helfen", war es fuer Frau Katharina
ein Trost, dass der preussische Herzog "nun selber Vater sein" solle. In
dieser Zuversicht wandte sie sich zu Georgi (23. April) 1551 an S.F.Gn.
unter Verdankung fuer die gnaedige Aufnahme und Unterhaltung ihres Sohnes
mit der Bitte, ihm ferner zur Vollendung seines angefangenen Studii in
Frankreich oder Italien Unterhaltung zu verordnen, damit er dem Herzog
nuetzlicher dienen koenne. Zuvor aber moege der Herzog ihren Sohn eine
kurze Zeit zu ihr kommen lassen, damit sie in ihrer Schwachheit etliche
nuetzliche Sachen mit ihm reden koenne, daran ihm und seinen Bruedern und
seiner Schwester merklich gelegen; dann moege er wieder nach Koenigsberg
oder nach Italien und Frankreich gehen, wie S.F.Gn. bestimmen wuerde.
Wahrscheinlich hatte Hans der Mutter diesen Plan an die Hand gegeben.

Welchen Schmerz aber musste die Mutter ueber ihren Lieblingssohn erleben,
als darauf vom Herzog Albrecht folgende Antwort eintraf:

"Wir befinden, dass Unser gnaediger Wille bei ihm nicht dermassen, wie Wir
wohl gehofft, angewendet. Denn wie Wir berichtet (sind), soll er seiner
Studien zur Gebuehr nit abwarten. So wissen Wir auch gewiss, dass er sich
etlicher guter Haendel, deren er wohl muessig gehen konnte, teilhaftig
macht. Derwegen zu bedenken, dass Uns wahrlich etwas beschwerlich (faellt,
dass) Unsere gnaedige Gewogenheit so wenig bei ihm bedacht wird." Daher
schlage es der Herzog ab, Hans reisen zu lassen; wolle er aber in
Koenigsberg vor gut annehmen, so sei der Herzog geneigt, um seines Vaters
willen ihn mit Unterhalt zu versorgen[648].

Das war ein Schlag fuer Katharinas Mutterherz! Also weder fleissig noch
ordentlich war ihr Liebling und beides waere er doch nicht nur dem
Herzog, sondern auch seinem Vater und seiner Mutter schuldig gewesen.
Und wenn sie sich auch sagen mochte, der Herzog sei strenge gegen seine
Schuetzlinge: wie einst gegen ihren Bruder Clemens, so jetzt gegen ihren
Sohn Hans und wenn sie auch wohl mit ebenso viel Recht geltend machen
konnte, der junge, sonst gut geartete und willige Mensch sei durch boese
Gesellschaften verfuehrt worden, so blieb doch die Thatsache stehen, dass
sie dem Sohn zu viel und zu Gutes zugetraut, und dass die Vormuender doch
recht gehabt mit der Behauptung, Hans habe nicht das Zeug zum
Studium--war er doch auch jetzt schon 25 Jahre alt! Daran konnte auch
das gute Zeugnis nichts abbrechen, das die Universitaet Koenigsberg dem
Sohne Luthers wohl allzu guenstig ausstellte[649].

Und als nun Hans vollends das Stipendium und Studium in Koenigsberg
aufgab und auf weitem Weg langsam heimkehrte, so war der Beweis
geliefert, dass er zu nichts Besserem tauge als auf die herzogliche
Kanzlei. Dahin kam er denn auch in Weimar.

Um so besser gediehen die Soehne Martin und Paul, von denen der eine
Theologie, der andere Medizin studierte; Margarete wuchs zur bluehenden
Jungfrau heran.

Der Schmalkaldische Krieg war wohl sonst zu Ende, nur nicht in Sachsen;
es entstand allerlei Unruhe und Kriegsgeruecht, neue Sorge und Angst.
Sachsen wimmelte von Soldaten, Wittenberg hatte starke Einquartierung.
Und obwohl es Freundesvoelker waren, so geschahen doch von der rohen
Soldateska allerlei Gewaltthaten. In der festen Stadt waren die Buerger
vor ihren eigenen Quartiergaesten nicht sicher, vor die Mauern
hinauszugehen wagte niemand, denn draussen in den Staedtlein gab es Mord
und Totschlag; uebermuetig forderten die Kriegsknechte das
Unmoegliche[650].

Und wie sah es nun wieder draussen auf den Hoefen und in den Gaerten aus,
wo eben mit Muehe die Schaeden des Schmalkaldischen Krieges wieder
hergestellt waren! Da waren Verwuestungen und Kontribution auf ihren
Hoefen vorgekommen. "Es ist am Tage", klagt Bugenhagen, "dass sie in ihren
Guetern dies Jahr (1551) grossen Schaden gelitten." "Derwegen musste sie zu
Recht gehen vor des Kurfuersten Gericht wider Jan Loeser." Jan Loeser--des
alten Hans Loeser ([Symbol: gestorben] 1541), ihres Gevatters Sohn und
Luthers Paten--musste Frau Katharina verklagen. Das war fuerwahr ein
bittrer Gang[651].

Und ob sie ihr Recht bekommen?

Der Kurfuerst Moriz ruestete sich eben zum Schlage gegen den alten Kaiser.
Da hatte er wohl keine Zeit und Lust, eine klagende Witwe anzuhoeren.

So musste Frau Katharina nochmals den sauren Schritt thun und sich an den
daenischen Koenig wenden, an den sie am 8. Januar 1552 u.a. schreibt:

"E.K.M. wissen sich gnaediglich zu entsinnen, wie dass E.K.M. meinem
lieben Herrn seligen samt dem Herrn Philippo und D. Pomerano jaehrlich
ein Gnadengeld geschenkt, welches sie zu Unterhalt ihrer Haushaltung und
Kinderlein haben sollten, welches denn bishero gemeldeten Herrn von
E.K.M. ueberreichet (worden). Dieweil aber mein seliger lieber Herr
E.K.M. allzeit geliebet und fuer den christlichsten Koenig gehalten, auch
E.K.M. sich in solchen Gnaden gegen seligen meinen Herrn verhalten: so
werde ich _durch dringende Not bewogen, E.K.M. in meinem Elend_
unterthaeniglich zu ersuchen, des Verhoffens, E.K.M. werden mir armen und
itzt von jedermann verlassenen Witwen solch mein unwuerdig Schreiben
gnaediglich zu gut halten und mir aus Gnaden solch Geld folgen lassen.
Denn E.K.M. sonder Zweifel bewusst, wie es nu nach dem Abgang meines sel.
Mannes gestanden, _wie man die Elenden gedrueckt_, Witwen und Waisen
gemacht, also dass (es) zu erbarmen; ja (auch) _mir mehr durch Freunde
als durch Feinde Schaden zugefuegt_; welches alles E.K.M. zu erzaehlen zu
lang waere. Aus diesen und anderen Ursachen werde ich _gedraenget_, E.K.M.
unterthaenig zu ersuchen, nachdem sich ein jeder so fremd gegen mir
stellt und sich meiner niemand erbarmen will."

Bugenhagen unterstuetzte in einer Beilage diese Bitte der Witwe "Patris
Lutheri", welche "fast (sehr) klaget". Und mit Erfolg: am 22. Maerz kam
das Geld in seine Hand und er schreibt, dass S.M. "sehr wohl gethan", die
Witwe zu troesten[646].

Im Februar 1552, als die Kriegsknechte am rohesten hausten, wurden die
Gemueter in Wittenberg noch erschreckt mitten im Winter durch heftige
Gewitter mit Blitz und Donnerschlaegen. Aber bald darauf zogen die
Kriegsvoelker ab.

Es kam nun Kunde, dass Moriz mit seinen Sachsen, den Brandenburgern und
Hessen den Kaiser in die Flucht gejagt und beinahe gefangen haette (Mai
1552). Die gefangenen Fuersten (Kurfuerst Johann Friedrich und Landgraf
Philipp von Hessen) wurden freigegeben, und freigegeben auch die
Religion im "Passauer Vertrag" (August 1552).

Mittlerweile war es Fruehling geworden und Sommer. Frau Kaethe konnte saeen
und ernten und sich des Friedens freuen, der endlich nach sechs Jahren
Krieg, Flucht, Verwuestung eingetreten war, auch des Friedens in Sachen
des evangelischen Glaubens, um deswillen ihr "lieber Herr" ein Feuer
angezuendet hatte im deutschen Lande, dessen Flamme auch sie, und sie am
schwersten, fuehlen musste.

Jetzt haette die arme Witwe aufatmen koennen vom langen Leid: da traf sie
der letzte, toedliche Streich.




19. Kapitel.

Katharinas Tod.


Die Kriegsvoelker waren aus Wittenberg abgezogen, aber sie hatten ein
boeses Andenken hinterlassen: eine ansteckende Seuche, die "Pestilenz",
die in der sumpfumgebenen engen Festung wieder rasch um sich griff und
mit der Sommerhitze wuchs. Am 1. Juni wurde ueber Verlegung der
Universitaet beraten, am 10. bot Torgau ihr Herberge an. Aber bis 6. Juli
hielt sie noch in Wittenberg aus. Dann zog auch die Hochschule in die
Nachbarstadt und wurde in den engen winkeligen Raeumen des
Barfuesserklosters untergebracht, welches seinerzeit Leonhard Koppe zu
Fastnacht gestuermt hatte und das jetzt leer stand.

Frau Katharina blieb aber in Wittenberg, wohl wegen der Gueter, die sie
besorgen musste; wahrscheinlich hatten die studierenden Soehne und
Tischgesellen dennoch von dem einen und andern Magister, der im
Schwarzen Kloster wohnte, Vorlesungen. In dem grossen, gesund gelegenen
Hause war es ja auch einstweilen noch auszuhalten. Aber im Herbst wurde
auch das Klosterhaus von der Seuche angesteckt. Und um ihre Kinder aus
der Gefahr zu reissen, unterzog sich die besorgte Mutter wiederum den
Beschwerlichkeiten der Auswanderung. So liess sie denn einspannen, lud
das Noetigste auf den Wagen und fuhr mit ihren Kindern, die noch bei ihr
waren: Paul und Margarete, waehrend Martin scheint's schon vorher der
Universitaet nachgezogen war und Hans in Weimar auf der Kanzlei
arbeitete, das Elsterthor hinaus, Torgau zu[652].

Da geschah das Unglueck: die Pferde wurden scheu und gingen mit dem Wagen
durch ueber Stock und Stein. Die erschrockene Frau suchte das Leben ihrer
Kinder zu retten, und um die wilden Pferde aufzuhalten, sprang sie vom
Wagen, fiel aber so ungluecklich, dass sie mit dem Leib heftig auf den
Boden anprallte und dann in einen Graben mit kaltem Wasser stuerzte. Die
Aufregung, der Fall, die Erkaeltung und wohl auch eine innere Verletzung
fuehrten eine schwere Krankheit herbei[653].

So kam die Familie Luther nach Torgau. Hier wohnte sie vom Kloster aus
in der "naechsten Strasse, die nach dem Schloss fuehrt", in einem Eckhause
bei der Klosterkirche zur Herberge. Hier lag nun Frau Katharina in
grossen Schmerzen langsam dahinsiechend, gepflegt von ihrer Wirtin und
ihrer Tochter Margarete, welche jetzt 18 Jahre zaehlte[646].

Noch einen Lichtblick erlebte die Witwe Luthers in diesen Leidenstagen.
Ihr juengster Sohn Paul, der sich zu einem tuechtigen Mediziner
heranbildete, verlobte sich in dieser Zeit mit Anna von Warbeck, der
Tochter des weiland Herrn Veit von Warbeck, gewesenen Domherrn von
Altenburg und Kurfuerstl. Hofrat und Vizekanzler zu Torgau, eines Edeln
aus Schwaben. Ihre Mutter, Anna von Hack--auch eine geborne
Schwaebin--lebte noch und hatte ein eigenes Haus zu Torgau in der
Fischergasse[646].

Fraeulein Anna war ein resolutes Frauenzimmer. Sie hatte einen Damastrock
mit Samtschleppe getragen und war deshalb vom Stadtrat mit Berufung auf
eine kurfuerstliche Kleiderordnung in Strafe gezogen worden. Dagegen
wehrte sie sich und appellierte an den Kurfuersten, so dass ein ehrbarer
Stadtrat einen Boten mit Bericht ueber Anna Warbeckin Supplicien gen
Dresden schicken musste fuer Lohn und Trinkgeld. S. Kurf. Gn. sandte nun
in diesem Betreff an den ehrbaren Rat zu Torgau folgenden Erlass:

"Lieben Getreuen! Wir sind von der ehrbaren und lieben besondern
Jungfrau Anne von Warbeck demuetiglichen Klag berichtet worden, wie dass
Ihr ihr den damastenen Rock mit samtenem Schweif zu tragen zu enthalten
und noch dazu etliche Gulden zur Strafe entrichten sollt auferlegt
haben. Wiewohl Wir Uns zu erinnern wissen, was Wir der Kleidung halber
in der Polizei-Ordnung haben ausgehen lassen, so vermerken Wir doch, dass
der gedachten Jungfrauen Vater einer von Adel und fuerstl. Rat gewesen,
auch die Damasten, davon der Rock gemacht, fuerstliches Geschenk und die
Roecke _vor_ obenerwaehnt ausgegangener Ordnung gemacht. Derwegen Wir denn
geschehen lassen, dass sie solche Roecke zu Ehren tragen moege. Und
begehren demnach, Ihr wollet ihr solches verstatten und sie mit
geforderter Strafe verschonen, Euch auch sonst gegen sie dermassen
verhalten und erzeigen, dass sie sich keiner Beschwerung zu beklagen hab.
Daran geschieht Unsere gaenzlich zuverlaessige Meinung. Datum Dresden, 30.
Jan. Anno LII"[654].

Dieses adelige Fraeulein wurde also die Schwiegertochter Frau Katharinas
und diese wird an dem entschlossenen Wesen ihrer kuenftigen Sohnsfrau ihr
Gefallen gehabt haben. Aber die Freude der Hochzeit erlebte Frau
Katharina nicht mehr.

Drei Monate lang dauerte das Siechtum der Kranken. Mit christlicher
Geduld ertrug sie die Leiden und die Sorge fuer die Kinder. "In der
ganzen Zeit ihrer Krankheit troestete sie sich selbst und hielt sich
aufrecht mit Gottes Wort. In heissen Gebeten erflehte sie sich ein
friedliches Hinscheiden aus diesem muehseligen Leben. Oftmals auch befahl
sie Gott die Kirche und ihre Kinder und betete, dass die Reinheit der
Lehre, welche Gott durch ihres Gatten Werk dieser Zeit wiedergebracht,
unverfaelscht den Nachkommen ueberliefert werden koenne." Sie selbst aber
wollte "an Christus kleben, wie die Klette am Kleid", ein Wort, das ihr
nachher fromme Saenger im Liede nachsprachen[655].

Am 20. Dezember 1552 hauchte sie ihre Seele aus.

Der Vice-Rektor der Universitaet, Paul Eber, gab dies den Studenten durch
ein von Melanchthon verfasstes lateinisches "Leichenprogramm" kund, worin
ihr Leben und Leiden kurz geschildert war. Namentlich die Erinnerung an
die sechs letzten Leidensjahre schwebten dem treuen Freunde des Hauses
vor Augen und fast scheint es auch, das Unrecht, das sie von Kanzler
Brueck u.a. erlitten. "Mit ihren verwaisten Kindern musste die als Witwe
schon schwer Belastete unter den groessten Gefahren umherirren wie eine
Geaechtete; grossen Undank hat sie von vielen erfahren, und von denen sie
wegen der ungeheuren Verdienste ihres Mannes um die Kirche Wohlthaten
hoffen durfte, ist sie oft schmaehlich getaeuscht worden." Statt des
derben deutschen Spruches, mit welchem Luther in seinem Hausbuch seinen
Befuerchtungen ueber die Behandlung seiner Witwe Luft gemacht hatte: "Die
Leute sind grob; die Welt ist undankbar", waehlte der gelehrte Freund fuer
das Leichenprogramm als Motto einen griechischen Spruch des Euripides
(Orist. 1-3), der allerdings auf die schwere Leidenszeit der Witwe
Luthers passt: "Es giebt kein Unheil, kein Geschick, kein Leid, das Gott
verhaengt und das die Sprache nennt, nichts Schreckliches, das nicht der
Mensch erlebet."

Dieser Erfahrung des heidnischen Dichters gegenueber weist das "Programm"
auf den Trost und die Hoffnung des Christentums, dessen sich auch die
Selige getroestet habe bei der herben Wunde durch den Tod ihres
Ehegemahls, ihrer Flucht mit den verwaisten Kindern in der Kriegszeit,
den manchfachen Truebsalen des Witwenstandes und dem Undank vieler Leute
gegen die Witwe des ehrwuerdigen und heiligen Mannes D. Luther. Die
Universitaet lade nun alle ihre Hoerer zum Leichenbegaengnis ein, "um der
verehrten Frau die letzte Pflicht zu erweisen und so zu bezeugen, dass
sie die Froemmigkeit der Witwe, welche so herrlich an ihr leuchtete, ihr
ganzes Leben lang hochhielten; dass sie der Waisen tiefe Trauer zu Herzen
naehmen; und dass sie nicht vergaessen die Verdienste ihres Vaters, die so
gross sind, dass sie keine Rede genug preisen kann; dass sie endlich
zusammen Gott im Gebete anflehen, das Licht des Evangeliums rein zu
halten und seine Lehrer und Verkuendiger zu schuetzen und zu regieren, die
Staaten zu behueten und den Kirchen und Schulen geziemende
Zufluchtsstaetten zu gewaehren"[656].

Am folgenden Tag, nachmittags drei Uhr, war der Leichenzug der "edlen
Gemahlin des heiligen Mannes D. Luther". Von ihrer Gastwohnung die
Schlossgasse hinab an der neuerbauten grossartigen kurfuerstlichen Residenz
Hartenfels vorbei bewegte sich der gewaltige Zug von Buergern,
Professoren und Studenten durch die Wintergruene nach der Stadtkirche
St. Marien. Hier unter dem Knabenchor mit seiner schoenen Inschrift:
"Laudate dominum pueri!" wurde die muede Pilgerin unter den ueblichen
Feierlichkeiten bestattet und die Knaben werden ihr auch von droben ein
Abschiedslied gesungen haben[657].

Am Grabe der Mutter trauerten ihre Tochter und drei Soehne.

_Hans_ war herzoglich saechsischer Kanzleirat; er heiratete im folgenden
Jahre Elisabeth, die Tochter des Professors und Propstes an der
Schlosskirche in Wittenberg D. Kreuziger, den sich sein Vater selbst zum
Nachfolger erkoren hatte, der aber schon bald nach dem grossen Doktor
gestorben war. Spaeter kam Hans Luther zu seinem alten Goenner, dem Herzog
Albrecht von Preussen, in Dienst und starb nicht lange nach diesem 1575.

_Martin_, von dem sein Vater gefuerchtet hatte, er werde einmal ein
Jurist, studierte Theologie; er musste aber anhaltender Kraenklichkeit
wegen als Privatgelehrter leben und starb jung im vierunddreissigsten
Jahr, nachdem er mit Buergermeister Heilingers Tochter in Wittenberg
einige Zeit in kinderloser Ehe gelebt hatte.

_Paul_, der juengste, wurde ein angesehener Arzt, Dr. und Professor zu
Jena und herzoglicher Leibarzt, dann Rat und Leibarzt des
brandenburgischen und spaeter des saechsischen Kurfuersten. Er vermaehlte
sich bald nach der Mutter Tod mit seiner Verlobten Jungfrau Anna von
Warbeck, und Nachkommen von ihm in weiblicher Linie leben noch heute.

_Margarete_ vermaehlte sich 1555 "im Beisein vieler Grafen und Herren"
mit Georg von Kunheim, Erbherrn auf Knauten bei Koenigsberg, der in
Wittenberg studiert und vielleicht bei Frau Katharina gewohnt und
gespeist hatte. Sie lebte mit ihrem Gemahl, dem herzoglich preussischen
Landrichter zu Tapiau, in gluecklichster Ehe und starb als Mutter von
neun Kindern im Jahre 1570[646].

Von dem zahlreichen Geschlecht Luthers und der Ahnmutter Katharina sind
heutzutage noch wenige Nachkommen uebrig. Vom Kloster Nimbschen, wo
Jungfrau Katharina 15 Jahre lebte, stehen jetzt nur noch drei
altersgraue Mauern, von wilden Reben umrankt. Ueber Zulsdorf geht seit
1801 der Pflug und nur ein Denkmal bezeichnet die Staette, wo sie so
gern gewaltet hat. Ihre Gaerten in Wittenberg, in denen sie arbeitete und
erntete, sind zum Teil mit neuen Haeuserreihen ueberbaut. Nur das
Klosterhaus steht noch, wo sie zwanzig Jahre mit dem grossen Doktor
gehaust, wenn auch nur die Wohnstube einigermassen im alten Zustand ist.

In der Stadtkirche zu Torgau aber wurde Frau Katharinen--wohl von ihren
Kindern--ein Grabdenkmal errichtet in grauem Sandstein, allerdings kein
sonderliches Kunstwerk, nach dem Modell des Gipsreliefs, das von einem
realistischen Kuenstler verfertigt in Zulsdorf hing und heute noch in der
Kirche zu Kieritzsch zu sehen ist. Auf ihrem Grabmal ist Frau Katharina
in halberhabener Arbeit ausgehauen als Matrone im langen Mantel und
weissen Kopftuch. Mit heiterem Angesicht schaut sie vor sich hin, wie
eine Mutter am Sonntag auf ein wohl verbrachtes Tagewerk; in den Haenden
haelt sie ein offenes Buch zum Zeichen ihrer Froemmigkeit und ihres Eifers
im Bibellesen; also als andaechtige Maria ist die fleissige Martha
dargestellt. Ihr zu Haeupten sind die Wappen von Luther und von Bora. Um
den Rand steht die Inschrift: "Anno 1552 den 20. December Ist in Gott
Selig entscha | ffen alhier in Torgau Herrn | D. Martini Luthers seligen
Hinderlassene wittbe Katharina | von Borau."[658]

Ein kuenstlerisches Idealbild neben den mancherlei realistischen
Konterfeien Katharinas hat Meister Lukas Kranach geschaffen auf dem
Altarblatt in Wittenberg. Da sitzt Frau Katharina als andaechtige
Zuhoererin ihres predigenden Gatten mit ihrem Kindlein in vorderster
Reihe vor der Gemeinde--also ebenfalls als sinnige Maria.

Ein dichterisches Denkmal hat der Hausfrau Luthers beim ersten
Reformations-Jubilaeum 1617 der gekroente Dichter Balthasar Mencius, Poeta
Laureatus, gewidmet, in schlichten, treuherzigen Knittelversen[659]:

  Cathrin von Bora bin ich gnant
  geboren in dem Meissner Landt
  aus einem alten Edlen Stamm
  wie solchs mein Anherrn zeigen an
  die Gott und dem Roemischen Reich
  mit Ehr und Ruhm gedienet gleich.
  Als ich erwuchs, zu Jahren kam,
  der Tugendt mich thaet nehmen an
  und jedermann bethoeret war
  vom Pabst und seiner Muenche Lahr,
  und hoch erhaben der Nonnen-Stand,
  ward ich ins Kloster Nimetzsch gesand;
  mein Ehr und Amt hatt ich in acht
  rief zu Gott, bethet Tag und Nacht
  fuer die Wohlfarth der Christenheit.
  Gott mich erhoert und auch erfreut;
  Doctor Luther den kuehnen Held
  mir zu einm Ehmann ausserwehlt,
  dem ich im keuschen Ehstandt mein
  gebahr drei Soehn und Toechterlein.
  Im Witwenstand lebt sieben Jahr
  nachdem mein Herr gestorben war.
  Zu Torgau in der schoenen Stadt
  man meinen Leib begraben hat;
  biss Gottes Posaun thut ergehn
  und alle Menschen heisst aufstehn;
  alsdann will ich mit meinem Herrn
  Gott ewig lobn, ruehmen, ehrn
  und mit der Ausserwaehlten Schaar
  in Freuden leben immerdar.

Weniger freundliche Denkmaeler haben der Gattin Luthers katholische
Schriftsteller gesetzt, welche die Ehe des Moenches und der Nonne als ein
Sakrileg und Skandal auffassten und in ihrer Weise ausbeuteten, wie
Luther selbst schon vor seinem Tode vorausgesehen und in seinem
Testament vorausgesagt hatte. Von protestantischer Seite sind fast nur
Verteidigungsschriften wider diese Verleumdungen ergangen, oder auch
gelehrte Stoffsammlungen und kleine Volksschriften[646].

Und doch lebt Katharina im Andenken des deutschen evangelischen Volkes
in deutlicher und freundlicher Erinnerung als die Gattin des gewaltigen
Doktors und deutsche Pfarrfrau, welche mit ihrem Manne das
gemuetansprechende Vorbild eines evangelischen Pfarrhauses geschaffen
hat.

Und mit Recht. Sie war eine tuechtige und brave Frau, wie man's zu ihrer
Zeit ausdrueckte: ein "frommes Weib", eine echte deutsche Hausfrau. Sie
hatte den Mut, Martinus Luther, "den kuehnen Held", zu ihrem Ehegemahl zu
erwaehlen, sie hat es gewagt, mit dem Geistesgewaltigen, dem
kaiserbuertigen Regenten der Kirche[646] zu leben, ihm zu genuegen, ihn zu
befriedigen. Und sie hat geleistet, was sie unternommen. Der grosse
Doktor hat sie geachtet, hat sie geliebt und gelobt. "Das aber ist das
wahre Lob, gelobt zu werden von gelobten Maennern."

[Illustration: Katharinas Handschrift und Siegel.][660]




Belege und Bemerkungen


Abkuerzungen


_Anton_, D.M.L. Zeitverkuerzungen. L. 1804.

_W. Beste_, Die Geschichte Katharinas von Bora, nach den Quellen bearb.
Halle 1843.

_Br. s.u._

_G. Buchwald_, Zur Wittenb. Stadt- u. Univers.-Gesch. L. 1893.

_C.A.H. Burkhardt_, Dr. M.L. Briefwechsel. L. 1866.

Consilia Theol. Witteb. Fr. 1664.

_Cordatus_, Tagebuch ueber Luther. 1553. Von H. Wrampelmeyer, Halle 1883.

_C.R._ = Corpus Reformatorum. Bretschneider, Halle 1834 ff.

_Grulich_, Denkwuerdigkeiten von Torgau. 2. Aufl. Torgau 1855.

_A. Hausrath_, Kleine Schriften religionsgesch. Inhalts. Leipz. 1883. S.
237-298.

_M.Fr.G. Hofmann_, Kath. v. Bora oder Dr. M. Luther als Gatte u. Vater.
Leipz. 1845.

_Juncker_, Ehrengedaechtnis Lutheri. Frankf. 1706.

_Kaweran_, Briefwechsel v. J. Jonas. 2 Bde.

_Kolde_, Analecta Lutherana. Gotha 1883.

_Koestlin_, M. Luther. 2 Bde. 2. Aufl. Elberfeld 1883.

_M.A. Lauterbachs_ Tagebuch. 1538. Von I.K. Seidemann, Dresden 1862.

_Lingke_, D.M.L. Reisegeschichte. L. 1769.

_G. Loesche_, Analecta Lutherana et Melanth. Gotha 1892.

_L.W._ = _Walch_, Luthers Deutsche Werke, Halle 1739-50.

_Mayeri_, Vita Catharinae Boriae. Hamburg 1698. Deutsch: Unsterbl.
Ehrengedaechtnis Frauen Katharinen Lutherin. Frankf. u. L. 1724.

_Mathesius_, Predigten ueber Dr. M.L. Nuernberg 1576.

_Ratzebergers_ Handschr. Gesch. ueber L.u.s. Zeit von Chr. G. Neudecker.
1850.

_Richter_, Geneal. Lutherorum. Berlin u. L. 1723.

_J. Schlaginhaufen_, Tischreden L. 1531/2. Von W. Preger, L. 1888.

_Seckendorf_, De Lurtheranismo Comment. Leipz. 1692.

_Seidemann_, Luthers _Grundbesitz_, in Zeitschr. fuer histor. Theol.
1866.

_Seidemann_, _Erlaeuterungen_ zur Ref.-Gesch. Dr. 1844.

_Seidemann_, Beitraege zur Ref.-Gesch. Dr. 1846-48.

_Stier_, Denkwuerdigkeiten Wittenbergs. Dessau u. L.

T.-R. = _Foerstemann-Bindseil_, D.M.L. Tischreden. 4 Bde. Berlin 1844-48.

Urkb. = Urkundenbuch von Grimma und Nimbschen. Herausgegeben von L.
Schmidt in Cod. dipl. Sax. reg. II. 15. Bd. L. 1898.

W. = _Walch_, Wahrh. Gesch. der sel. Frau Katharina v.B. Halle 1752.

NB. _Ohne Namen u. Titel_ oder mit _Br._ citiert sind _De Wette_ und
_Seidemann_, Dr. M. Luthers Briefe. 6 Bde. 1825-56.

       *       *       *       *       *




1. Katharinas Herkunft und Familie.

[1] Die Herkunft und Heimat Katharinas ist noch lange streitig und wird
sich nicht so leicht feststellen lassen, selbst wenn neue Urkunden
aufgefunden werden; hauptsaechlich ist die weite Verzweigung der Familie
und die Unsicherheit der Elternnamen Katharinas daran schuld. Der
Stammbaum Katharinas von Bora ist am eingehendsten verfolgt worden von
dem jetzt verstorbenen _Georg von Hirschfeld_: "Beziehungen Luthers und
seiner Gemahlin zur Familie Hirschfeld" in Beitraege zur Saechs. K.-Gesch.
II, 86-141 (bezw. 309). Dies geschah auf Grund einer aelteren Chronik
(vgl. Hofmann 63) von Philipp von Hirschfeld ([Symbol: gestorben] 1748).
Sodann von _Ernst Wezel_ ([Symbol: gestorben] 1898) zuerst
in der "Wissensch. Beilage der Leipz. Leitung" 1883 Nr. 71,
dann in der Festschrift zur 100jaehrigen Jubelfeier des K.
Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums in Berlin. "Das Adelsgeschlecht derer von
Bora", A.W. Hagens Erben 1897, mit Auszuegen aus zahlreichen Urkunden
(vgl. Br. VI, 647 f. 705), eine Schrift, welche noch vervollstaendigt
herausgegeben werden soll.

Nach G. von Hirschfelds Stammbaum waere Katharina von Bora eine Tochter
des Hans von (Bora zu) Hirschfeld-A. (vgl. Br. VI, 648, 28) und der Anna
von Haugwitz: Hans veraeusserte aber (zwischen 1525-30) Hirschfeld-A. an
Hans von Mergenthal und Reinsberg, zog nach Loeben, uebergab dies seinem
Erstgebornen und zog dann nach Moderwitz, welches der Familie Hayr
gehoerte.--

Diese Aufstellung ist nicht mehr kontrollierbar, denn das Hirschfeldsche
Archiv ist verschwunden. Und dazu beruht dies Ergebnis noch auf den
Annahmen: 1. dass es zwei Gueter Hirschfeld gegeben habe (S. 119); 2. dass
eine Linie Bora sich Mergenthal genannt und ihr Wappen (vom roten Loewen
in eine Lilie) veraendert habe (97); 3. dass Phil. v.H. verschiedene
Personen (z.B. zwei Katharinen) verwechselte (116). (Eine lutherisch
gesinnte Katharina von Mergenthal war im Kloster zu Freiberg; sie war
einmal zu Besuch bei ihrem Bruder in Hirschfeld bei Bora. N. Archiv f.
Saechs. Gesch. IV, 298. Sie entwich anfangs Juni 1529 aus dem Kloster und
kam zu Luther. A.a.O. 318. Br. III, 469. Die Verwechslung dieser
Katharina von Mergenthal aus Hirschfeld bei Deutschen-Bora findet sich
schon Saechs. Kirchen-Gal. I, 110. Seidemann, Erl. zur Ref.-Gesch.
Dresden 1844. S. 110, 120, 122, 469); 4. dass Irrtuemer in dem saechs.
Teilungsvertrag von 1485 vorkamen; 5. dass die wunderliche und nicht mehr
auffindbare Notiz, wonach Luther "seinem Schwaehervater, dem edeln und
festen Herrn Hans von Bora zu Moderwitz ein Buechlein (Joel) oder gar
eine Bibel verehret" (Br. VI. 684), richtig sei.

Gegen diese Aufstellung sprechen aber ausser den kuenstlichen Umstellungen
der Umstand, dass Katharinas Eltern bei ihrer Flucht aus dem Kloster und
bei ihrer Verheiratung hoechst wahrscheinlich nicht mehr lebten. Ferner
sollte man meinen, dass die Luthersche Familie mit dem Staatsmann
Bernhard von Hirschfeld (1490-1551; Br. II, 55, 245, 448; C.R. IV, 349)
in vertrauterem Verkehr gestanden haben muesste, wenn sie mit ihm so nahe
verwandt gewesen waere. Das war aber gerade nach 1525 nicht der Fall.

Fuer _Lippendorf_ als Geburtsstaette von Katharina spricht folgendes: 1.
Zu Lippendorf verschreibt ums Jahr 1482 Hans von Bore seiner Ehefrau
Katharina als Leibgeding das Dorf Sale; ebenso 1505 Jan von Bore alle
seine Gueter zu Lippendorf seiner Hausfrau Margarete (E. Wezel, Wiss.
Beil. der Leipz. Z. 1883, Nr. 71, S. 422 f.). Solche Verschreibungen
wurden nicht etwa (wie G. v. Hirschfeld meint) auf dem Todbette, sondern
gerade am Vermaehlungstag gemacht (wie auch die in beiden Urkunden
vorkommende Formel beweist: "nach ihres ehelichen Mannes Tode, ob sie
den erlebet, u. nicht eher"). Es waere nun sehr erklaerlich, dass Katharina
wegen und bei der Schliessung der zweiten Ehe ihres Vaters ins Kloster
gebracht wurde. 2. Wegen dem eine halbe Stunde davon gelegenen "Guetlein"
Zulsdorf hat Katharinas Bruder Hans sich aus Preussen hier einfinden und
"lange heraussen aufhalten, auch muessen selbes beziehen u. sich
verehelichen, bis er's an sich bracht" und hat das "aus Not, (um) sein
u. seiner Brueder Guetlein zu bekraeftigen, muessen thun u. fuer sein
Kindlein das Guetlein u. armes Erbdaechlein beschicken". (Br. V, 106, f.)
3. Als Bruder Hans Zulsdorf nicht mehr halten konnte (1540), so kaufte
es seine Schwester, obwohl es wenig eintraeglich und zwei Tagereisen weit
von Wittenberg entfernt lag, und hat sich mit Vorliebe hier aufgehalten.
(S.S. 84 f.)

Allerdings gehoerte wenigstens seit 1504 Zulsdorf zu Kieritzsch und nicht
zu Lippendorf und wurde 1515 von Denen zu Kieritzsch an einen Jan von
Lenau verkauft (Br. VI, 705; Lpz. Z. 1883 Nr. 70 S. 413); aber um 1525
heiratete eine Marie von Bora zu Zulsdorf einen Siegm. Wolf von Niemeck
zu Wittenberg (Schumann, Lexikon von Sachsen XIII, S. 671), und nach
Katharinas Tod (1553) brachte ein Christoph von Niemeck, also wohl ein
Sohn des vorigen, das Gut Zulsdorf wieder an sich. (Lexikon von Sachsen
XIII, S. 671; vgl. Seidemann, Grundbes. S. 529; ueber die Niemeck vgl.
Wittenb. Urbar V.H., Schmalbecker Hufen). _Also scheint Zulsdorf in der
That ein "Erbdaechlein" Derer von Bora gewesen zu sein._ (Die
Wittenberger Familie Zulsdorfer, die Stifter der "Zulsdorfer Kapelle",
stammt aus Zulsdorf bei Lochau. Vgl. Wittenb. Urbar III, 296 c. XI; 299
c. XII.)

Im Amte Weissenfels, wozu Lippendorf und Zulsdorf gehoerten, gab es um
1510 noch Bora; da wurde ein Siegmund von Bora in einer Streitsache vor
Amt geladen (Staatsarchiv zu Dresden), und zwar, wie es scheint, der
Bruder einer verehelichten "Haugwitz".

Gegen die Abstammung Katharinas von Hans oder Jan zu Lippendorf kann man
geltend machen: 1. Die erste Gemahlin hiess Katharina und war vielleicht
eine geborne von Miltitz, die zweite, Margarete, eine geborne von Ende,
wenn naemlich der erste in den Urkunden genannte Zeuge oder Vormund, wie
gewoehnlich, der Bruder der Frau ist. Dagegen soll Katharina von Boras
Mutter eine geborene Haubitz gewesen sein. Wenigstens berichten die
(freilich erst 1664 veroeffentlichten) Consilia Theolog. Wittenb. IV p.
17 (ebenso Keil histor. Nachr. 15 und Luthers merkw. Lebensweise IV 320)
dass Katharinas Mutter eine von Haubitz gewesen. Haubitz heisst ein
Vorwerk oestlich von Grimma, also bei Nimbschen (Urkundenb. 409), ein
anderes liegt eine Stunde von Lippendorf (Wezel 423). _Seckendorf_ (III
92), dessen Schwester 1580 einen Georg von Haubitz heiratete (Engelhard
Lucifer Wittemb. I 13, meint, er sei dadurch ein Verwandter der
Katharina v. B. geworden) und nach ihm _Mayer_ p. 4 nennt sie eine
_Haugwitz_, darum sagt Richter 295 (vgl. 675): "von Haubitz _oder_
Haugwitz". (Walch 12, 5 und nach ihm Hofmann 62 irren, wenn sie
berichten, in den Consil. W. stehe Haugwitz.) Uebrigens ist Siegmund von
Bora 1510 Vormund fuer eine von Haugwitz, welche also seine Schwester
gewesen sein wird (Dresdner Landesarchiv s.o.) Freilich die beiden Namen
werden oft verwechselt bzw. gleichgesetzt, z.B. im Kloster Nimbschen
(Urkundenbuch 322, 326, 328, 331, 332 vgl. 409 unter "Haubitz"). Diese
Verwechslung beruht auf der mundartlichen Aussprache, indem das b in
Haubitz wie w und das g in Haugwitz sehr weich gesprochen wurde, so dass
es verschwand. Die spaeteren Biographen behalten Haugwitz bei und
behaupten (freilich ohne Quellenangabe), der Vorname von Katharinas
Mutter sei _Anna_ gewesen. Soll das ein Missverstaendnis aus Una de
Haugwitz sein? (Wezel 423) oder eine Verwechslung mit Anna von Haubitz
aus Floessberg (bei Grimma), welche gleichzeitig mit Katharina im Kloster
Nimbschen war und kurz nach ihr daraus entfloh? Ob die Mutter
Katharinas aber wirklich eine geborene von Haugwitz war? Dagegen
spricht, dass ein Kanonikus Christoph von Haugwitz 1536 eine Schrift mit
einer Vorrede Bugenhagens veroeffentlichte, worin keine Rede ist von der
Verwandtschaft Katharinas mit der Familie Haugwitz. (_Seckendorf_ ad
Indicem I histor. XXXIII, Wezel 423). Gegen _Haubitz_, wenn Katharinas
Mutter aus dem Geschlechte der Nimbscher Nonnen war, spricht der
Umstand, dass der Vater Annas v. H. ein _kursaechsischer_ Unterthan war
(Hirschfeld 97 f.), weshalb sie auch zu Pfingsten 1523 aus Nimbschen
austreten und zu ihrer Familie heimkehren konnte. Dagegen die drei
Linien Haugwitz waren herzogliche Vasallen (A. Fr. _Glasey_, Kern der
hohen kur- und fuerstl. H. zu Sachsen, 4. Aufl. Nuernberg 1753, S. 795.
Hirschfeld 127).--Doch war unter den kursaechsischen Visitatoren von
Thueringen auch ein Erasmus von Haugwitz (Seckendorf II S. 101). Der
Bruder der Nimbscher Abtissin Margarethe von Haubitz, Asmus, war 1526-35
Vorsteher des evangelisch gewordenen Klosters Nimbschen (Grossmann,
Visitationsakten der Dioeces Grimma L. 1873, S. 78). Oder sind beide
(Asmus = Erasmus) dieselbe Person?

2. Ferner spricht gegen Lippendorf, dass Jan von Bora 1505 alle seine
Gueter zu Lippendorf seiner Hausfrauen zu einem Leibgeding
bekennt.--Lippendorf als damaliger Sitz dieser Linie waere doch
naturgemaess nicht als Leibgeding an die Ehefrau, sondern als Erblehen an
die Kinder uebergegangen (dieser Grund bestimmt G. v. Hirschfeld S. 110
f., gegen Lippendorf als Geburtsort Katharinas zu stimmen, und ihm folgt
jetzt 1897 aus demselben Grunde auch Wezel, nachdem er 1883 Leipz. 8.
Wiss. Beil. 71 dafuer gewesen war). Indes war auch Sale ein "Sitz" und
wurde dennoch von Hans von Bora zu Lippendorf an seine Ehefrau Katharina
verleibgedingt. Es kann ja ganz gut ausser Lippendorf noch ein weiterer
"Sitz" fuer den Aeltesten vorhanden gewesen sein. Aeltere Maenner pflegen
in zweiter Ehe die Frauen zu Ungunsten der Kinder zu bevorzugen. Dies
ist doppelt begreiflich in diesem Falle, wo aus erster Ehe, wie es
scheint, nur ein Maedchen, Katharina, vorhanden war, hoechstens noch ein
Bruder, der mit einem geringen Guetchen abgefunden wurde (s.u. zu S. 4).

Schon Seidemann meint, L. scheine K.s Geburtsort zu sein (Br. VI, 647)
und neuerdings (1899) hat ein aus Medewitzsch gebuertiger Lehrer Dr.
Krebs in Lippendorf am Hofgut als der Geburtsstaette Katharinas eine
Tafel anbringen lassen.

Lippendorf gehoerte zum Amte Weissenfels und dieses mit seinen
Zugehoerungen nach dem Teilungsvertrag 1485 zum Herzogtum Sachsen (A. Fr.
_Glasen_, Kern der Gesch. der hohen kur- u. fuerstl. H. zu Sachsen. 4.
Aufl. Nuernberg, 1753, S. 792.)

[2] Vielleicht wirkte auch die staerkere Mischung mit slavischem Blut bei
den Meissnern auf diese Missachtung.

[3] Katharinas Leichenprogramm C.R. VII. 1155. Nata ex nobili familia
equestris ardinis in Misnia.

[4] Br. V. 792.

[5] 1733 bei _M.D. Richter_, Geneal Lutherorum, S. 750, "Alt- und
Neu-Boren, Wendisch- und Deutschen-Boren". Nossen liegt genau in der
Mitte des heutigen K.-R. Sachen.

[6] _Grimm_, D. Mythologie, Goettingen 1835. S. 478. "Bor" eigentlich
Foehre, vgl. Fohre.--Der Name Bora wird sehr verschieden geschrieben:
Bhor, Bohra, Bhora, Bor(a)ra, Bor, Bora, Borau, Boren, Born, Borna,
Borna, Pora, lat. Boria, Bornia, Borana, Borenia, Borensis, griech.
[Griechisch: hae Boreia]. So steht sogar in ein und derselben Urkunde
(27. Nov. 1534, Dresden, Copialb 82, Wiss. Beil. zur Leipz. Z. 70, S.
413 u. 414) oben "Hansen vonn Bora" und unten "dem von Borau". Auch auf
dem Grabstein Katharinas in Torgau stand frueher unten Borau, aber das
Wort war schon vor 100 Jahren ganz von Salpeter zerfressen und ist jetzt
gaenzlich verschwunden. _Keil_, hist. Nachr. v. Geschl. L., S. 6.9. So
wechselt auch durch die mundartliche Aussprache Torga und Torgau, sogar
in derselben Urkunde, drei Zeilen von einander. _Kolde_, An. L. 200.

[7] _Beste_, 9.--Das Wappen ist auch auf K.'s Grabstein ausgehauen. Die
Farben dazu wurden bei einer Renovation i.J. 1617 aus Eilenburg von
einer an den dortigen Pfarrer Boehm verheirateten Enkelin Luthers geholt.
Torgau. Kaemmerei-Rechnung.

[8] Schon Hofmann 63 f. weist eine Anzahl Bora-Staetten ab. Ebenso G. v.
Kirchfeld. a.a.o. S. 87-110, 113, 116-118. Aus _Dohna_ stammt K. nicht,
denn das dortige Bora-Haus am Markt kam erst 1573 in die Haende des
Grossneffen Katharinas: Clemens. Aus _Moderwitz_ (s.o. S. 267) bei
Neustadt an der Orla nicht, denn das dortige Gut war kursaechsisch und
gehoerte der Familie Hayn, _Motterwitz_ bei Leisnig aber denen von
Bressen und das andere Motterwitz dem Geschlecht Staupitz, aus dem
Luthers geistlicher Vater stammt. (Schmidt, Urkundenbuch S. 312: Guenther
von Staupitz auf Motterwitz, 1501.) Aus _Schlesien_ stammt Katharina
auch nicht, woher einmal ein alter Edelmann (Bernhard) von Bora,
wahrscheinlich der Hauptmann von Oels, zu Luther nach Wittenberg kam und
sich bei ihm ueber den Schwaermer Schwenkfeld Rats erholte. Denn dies
schlesische Geschlecht heisst eigentlich Borau-Kessel und hat ein ganz
anderes Wappen: im silbernen Feld nebeneinander drei rote Rosen und
gelbe Butten. Br. VI, 647. Noch weniger stammt K. aus _Ungarn_, wie auch
einmal behauptet wurde (Hofmann 64). Diese Meinung ruehrt wohl daher, dass
der ehemalige Wittenberger Buergermeister Christoph von Niemeck, dessen
Mutter wohl eine Maria von Bora aus Zulsdorf war (s.o. S. 270 f.) in
Ungarn Fundgrueberei trieb und dort (1564?) starb. (Seidemann, Ztschr. f.
hist. Th. 1860, S. 529.)--Aus _Simselwitz_ bei Doebeln kann K. auch
nicht herstammen, weil die dortige Bora-Linie schon 1490, d.h. vor ihrer
Geburt ausstarb (G. v. Hirschfeld a.a.o.).

Bisher hatte die Ueberlieferung sehr allgemein und zu veraechtlich
behauptet. Katharina von Bora sei in Steinlausig an der Mulde (setzt
"Muldenstein"), ein paar Stunden noerdlich von Bitterfeld auf die Welt
gekommen, weil 1525 nach dem Tode Friedrichs des Weisen ein dort
begueterter Ritter, Hans von Bora, nach Wittenberg gekommen ist und dem
neuen Kurfuersten Johann Erbhuldigung gethan und dort eine Luther-Linde
steht(!). Ja, es wurde sogar erzaehlt, dass Katharina in das dortige
Kloster eingetreten sei. Diese Ansicht wurde festgehalten auf Grund der
Nachricht von Mayer (S. 7): "welches wir in der Weimarischen Bibel
(1641!) aufgezeichnet gefunden", wo es heisst. "Geborene auss dem
Adelichen Geschlechte derer von Bora, so in der Chur oder (!)
Herzogthumb Sachsen zu Stein-Lausig (!) sesshaft gewest, wie auss der
Ritterschaft im Chur-Kreiss Erbhuldung zu Wittenberg (!) 1525 zu
vernehmen." Aber um 1500 war Stein-Lausig ("Lussigk", eine wueste Mark),
wie die ganze Gegend _kur_fuerstlich, und dieser Hans von Bora
_kur_fuerstlicher Vasall (daher er eben dem _Kur_fuersten
huldigt)--waehrend doch Katharina aus Meissen stammte und Unterthanin des
Herzogs Georg war. Dieser Hans v.B. auf Steinlausig starb auch ohne
Soehne, so dass sein Leben an Luthers Gevatter, Hans von Taubenheim, kam.
Steinlausig endlich war ein _Maennerkloster_! (Emil Obst, "Muldenstein
und Steinlausig", Bitterfeld, Selbstverlag, 1895, S. 30-35). Vgl. Wezel,
S. 421.--Bemerkenswert ist, dass um 1520 in Nimbschen eine Katharina von
Lausigk Bursarin war (Urkundenb. 166). Vielleicht suchte man Katharinas
Geburtsort auch darum in Stein-Lausig, weil die Gemahlin von Katharinas
Bruder Hans, Apollonia geb. von Marschall, verwitwete Seidewitz, aus
Jessnitz stammte. So hiessen fuenf Orte, darunter der bedeutendste: die
Stadt Jessnitz, nicht weit noerdlich von Steinlausig. Thatsaechlich ist
aber das Dorf Jessnitz bei Doebeln ihre Heimat. Br. VI. 705.

[9] _Zulsdorf_. (Zuelsdorf, Zoellsdorf, Zoelldorf, Zeilsdorf u.s.w.) "das
wueste Dorf oder die Wuestung Czollsstorff" (a. 1105: Zulaenestorff),
burggraeflich-leisnigsches Lehen, gehoerte zur Pfarrei Kieritzsch.
_Nixdorf_: "Holzmark zw. Z. u. Kieritzsch". Archiv f. Saechs. Gesch.
1864, S. 209. 97. Vgl. Br. VI, 705. Wezel 413.
[Transkriptions-Anmerkung: Die genaue Position des Verweises im Text
nicht markiert.]

[10] Beste 12.

[11] Br. VI, 649 f. V, 492. _Walch_, K.v.B. 23. 65. k.

[12] IV, 291. V, 106. 201. 411. 516. _Burkh._ Br. 303. 401. 423.

[13] _Seidemann_, Ztschr. f. histor. Th. 1860. S. 265-69.

[14] Urkundenbuch 318 ff. Sie war 1509 die 14. unter 43 Klosterfrauen,
gehoerte also schon unter die Seniorinnen. Muhme bedeutet freilich nicht
bloss Tante, sondern im allgemeinen soviel wie das sueddeutsche Base
(sogar = Nichte); ebenso "Ohm" = "Vetter" (auch = Neffe). So nennt
Luther seine Nichte (Lene) "Muhme" (T.R. IV, 54) und Katharina ihren
Neffen (Florian) "Ohm". S.o.S. 239.

[15] _Schumanns_ Lexikon von Sachsen. Bd. 13, S. 671.

[16] Br. V, 64.

[17] _Richter_. 674, nobilis sed tum fere ad incitas redacta prosapia.
Br. VI, 649 f. IV, 291.

[18] _Lorenz_, Sachsengruen, 1861, 1, S. 82; Z.B. die 2 Schoenfeld 3 Sch.
20 Gr., Ilse Kitschers 40 Gr., die 2 Zeschau je 4 fl. rh., Magd. v.
Staupitz 2 fl. Hirschfeld a.a.O. 127.

[19] Wiss. Beil. zur Leipz. Z. 1899, S. 35a Erasmus Epist. ed. Cler.
Tom. III pag. 790 indotata (ohne Aussteuer).--Vgl. Luthers Rede und
Gebet bei seiner Krankheit 1527. L.W XIX, S. 160 ff.--Das sog. Bild
Katharinas von Bora, das sie angeblich im reichen Brautstaat mit dicken
silbernen und goldenen Ketten zeigt (bei Fr. G. Hofmann, Katharina v.B.,
Leipzig 1845) stellt sie gar nicht vor, wie schon die gestickte Schrift
C A B an der Haube beweist, denn das heisst nicht etwa C. a Bora.
_Seidemann_, Beitr. I, 92. Vgl. uebrigens das Siegel 266.


2. Im Kloster

Hierher bes. "Urkundenbuch". Ferner: "Sachsengruen" Kulturhist. Ztschr. I
S. 82; Braess, Wissensch. Beil. der Leipz. Zeitung 1899, Nr. 9. Vgl. A.
_Thoma_, Gesch. des Klosters Frauenalb, Freiburg 1899.

[20] _Vierordt_, Gesch. der ev. Kirche im Grossherz. Baden, Karlsruhe
1847, I. Bd. S. 30 ff. Frauenalb S. 18. Th. Murner, Schelmenzunft
(1512). "Kloster und Stifte sind ueberall gemeiner Edelluet Spital".

[21] Frauenalb S. 31: "Da alle Klausur und geistlichen Leute erdacht und
gemacht sind, dass sie unserm Herrn und Gott dienen und fuer Tote und
Lebende und alle Gebresthafte Bitten fuellen".

[22] Vgl. "Wie Gott einer Klosterjungfrau ausgeholfen", Walch, L.W. XIX
2095 ff. Diese Nonne Florentina von Oberweimar. "Da ich 24 Jahre alt
wurde, begann ich mein Gemuet und meine Geschicklichkeit zu fuehlen und
erkennen".

[23] Monachum aut paterna devotio aut propria professio facit. Decret II
part. c. 3. C. XX qu. 1. Vgl. Koestlin I 592, Frauenalb 19.

[24] Florentina a.a.O.: "Von meinen Eltern, welche geistlichen Stand
fuer gut und selig angesehen, durch Bitt und Anregung meiner Muhme, der
Domina (Aebtissin) zu Eisleben, wurde ich in das Jungfrauenkloster
daselbst gegeben."

[25] Frauenalb 19.--Ave Grossin wurde in Nimbschen als Kind
angenommen--(Sachsengruen 81). Florentina, welche mit dem 6. Jahr ins
Kloster kam, erzaehlt. "Da ich 11 Jahre, bin ich durch Angeben der Domina
(Aebtissin) ohne alles Befragen (und wenn ich gleich wohl befragt, haette
ich keinen Verstand gehabt) also unwissend eingesegnet".

[26] Br. II, 323. 319.

[27] Br. II, 331 (lies invito dicatis). 324.

[28] Urkundenbuch 319 ff. Die Nonnen pflegten nicht nach dem
Lebensalter, sondern nach dem Eintrittsjahr aufgezaehlt zu werden.
(Frauenalb 42 f.)

[29] _Seckendorf I_, 274. _Engelhard_, Lucifer Wittenbergensis v.d.
Morgenstern v.W., d.i. vollstaend. Lebenslauff der Cath. v.B., des
vermeynten Ehe-Weibs D.M.L. Landsperg, 1747. I, 27.

[30] _Nimbschen_. Der Name lautet: Nimetzsch, Nimtsch(en), Nympschen,
Nimptschen. Braess a.a.O.--"Gestiftet zur Ehre und zum Dienste Gottes und
seiner geheiligten jungfraeulichen Mutter".--Das Amt und Kloster fiel bei
der Teilung 1485 an das Kurfuerstentum. Sachsengruen, I, 82.

[31] Zu S. 8 ff. Vgl. Thoma, Frauenalb 77 ff. Zu S. 9-12 s. Urkundenbuch
319 ff. Braess, 35a.

[32] Urkundenbuch 337. Zum damaligen Geldwert: l Schock = 60 Groschen.
20 Gr. = 1 fl. 14 gute Schock = 40 fl.--Damals kostete 1 Huhn 1/2 Gr.; 1
Schock (60) Eier 1 Gr.; 1 Scheffel Weizen 7 Gr.; ein Scheffel Hafer 3
Gr. Urkb. S. 376.

[33] Amsdorfs Brief an Spalatin vom 11. April 1523. "Ordinis B.
Bernardi".

[34] Im Freiberger Kloster gingen durch das Fenster am Chor Sachen (bes.
Schriften) aus und ein. (Seidemann 128).--canes (statt canas?) vetulas.

[35] cum pueris heisst es. Sollten die Knaben der Aebtissin (S. 11)
gemeint sein?

[36] Ueber die Feierlichkeiten s. Frauenalb S. 23-25.

[37] Urkundenbuch S. 166. Frauenalb 22.

[38] Metze = Magda(lena).

[39] Margarete hatte (1497) von ihrem Vater Hans v. Haubitz samt ihrer
Tante als Leibgeding 64 Groschen Geld, 9 Huehner, 30 Eier und ein
Hofichen Butter vom Vorwerk Haubitz verschrieben. (Urkb. zu 1497).

[40] Als das Stift evangelisch geworden war. _Grossmann_, Die
Visitations-Akten der Dioeces Grimma I.H. Leipzig 1873, S. 181.

[41] S. _Seidemann_, Kollektaneen auf der Dresdener Hofbibliothek II
unter "Bora". Zu S. 13-15 Urkundenb. 319 f.

[42] _Cordatus_ Nr. 954.

[43] Urkb. 303: 1504 nahm das Kloster "zur Anhebung der hl. Reformation"
Geld auf. 324: "Obgleich noch viel zur Reformation gehoert."

[44] Die staendige Eingangsformel eines Antwortschreibens lautet: Euern
Brief habe ich erhalten und verstanden.

[45] In der Zeit, da das Kloster evangelisch geworden war, wurde den
Schreibverstaendigen unter den Klosterfrauen aufgegeben, die jungen
wenigstens, die es noch nicht konnten, schreiben zu lehren. _Dr.
Grossmann a.a.O._ S. 80.

[46] Sachsengruen, 81, Urkb. 319, 323. Altes Gesangbuch 290.

[47] _Seidemann_, Kollekt. Pars II unter "Bora".

[48] Florentina bei Walch XIX 2095 ff.

[49] Florentina. Walch a.a.O.

[50] Braess a.a.O. Anderwaerts waren die Spenden bei der Einsegnung
tarifmaessig festgesetzt und sehr betraechtlich; z.B. im Kloster Hausdorf
erhielt der Propst allein 32 Gr. und 1 Fingerlin (Ring), die Priorin und
Kellnerin je einen Schleier, 15 Gr., 4 Stueck Fleisch, 1-1/2 Stuebchen
Bier und ein St. Wein, und alle Beamte und Bedienstete bis zum
Blasbalgtreter, Laeuter und Fensterknecht, sowie jegliche Jungfer, ihren
ganzen oder halben Solidus. _Mitzschke_, N. Archiv fuer Saechs Gesch. XIX,
347.

[51] T.-R. II 233. "Wider Willen geweiht": Br. II 330, lies: invito
dic(a)tis "Hitzig", T.-R. II, 233, vgl. Urkb. 324: "in Gottesliebe
hitzig".

[52] Frauenalb. 31. Urkb. 324.

[53] T.-R. III 230, II 124. 235 sagt Luther: "Es war eine lautere
Stockmeisterei und Marter der Gewissen im Beten. Da war nur ein
Geplapper und Gewaesch von vielen Worten; kein Gebet, sondern nur ein
Werk des Gehorsams."

[54] Dass Katharina, wie seltsamerweise die katholischen Schriftsteller
bis auf Evers hartnaeckig behaupten (vgl. S. 262, Z. 27), Aebtissin
gewesen sei, wird schon durch die Thatsache widerlegt, dass Margarete von
Haubitz von 1509 bis zur Aufhebung des Klosters Vorsteherin war.

[55] Von den Nonnenkloestern stammen die zahllosen Paramentstuecke der
mittelalterlichen Gotteshaeuser. So hatte die Wittenberger Stiftskirche
32 Teppiche, 18 Fahnen, 12 Samtdecken, 138 seidene Vorhaenge und 221
Messgewaender! _G. Stier_, Denkwuerdigkeiten Wittenbergs, S. 10.

[56] Urkb. 316-319.

[57] Ebenda.--Vgl. _Myconius_, Summarium der Ref.-Geschichte 4:
"Vielfeiern: Tag und Nacht singen, plaerren, murmeln".

[58] Sachsengruen, I, S. 82.--Der Bischof von Merseburg (Adolf, Fuerst von
Anhalt) kam am 28. April 1524 zur Visitation nach Grimma mit 40 Pferden
und sechs Geistlichen. _Foerstemann_, Neues Urkundenbuch, Hamburg 1842,
S. 97.

[59] 1. Jan. 1291. 7. Okt. 1296; s. Urkb. 226.

[60] 23. Aug. 1311. Urkb. S. 221. 337.

[61] Weimarer Archiv, Rechnungen von 1517, 1519, 1530. _Seidemann_,
Kollekt. II. Vgl. _Grulich_, Denkw., S. 27. Urkb. 315.

[62] Urkb. 322 ff.

[63] Urkb. 334. Sachsengruen I, 82. Urkb. 303, 307. 313: Beschwerden ueber
die Moenche: "Alle Diener (Beamte), die vom Fuersten dahingesetzt, worueber
die Aebtissin und Sammlung haelt, werden von den Moenchen verfolgt. Sie
wollen auch die neue Abtissin entsetzen wie die alte, aus Neid."

[64] Urkb. 328. Der Vorsteher hiess Matthias Heuthlin.

[65] Urkb. 329. 337 f.

[66] Urkb. 344. "Mutter Kuehnen wartet auf die kranken Jungfrauen." So
beklagten sich die Nonnen in Freiberg, dass ihnen keine Liebesdienste,
wie Krankenpflege und dgl. verstattet sei. Urkundenb. 325: Die Aebtissin
ermahnt die Nonnen, den Statuten nachzufolgen, "dass ihr also durch
dieselben geistlich lebet, auf dass ihr aufs letzte das Verdienst der
guten Werke ("Uebungen") und Vergeltung eurer Arbeit mit dem ewigen
Leben moeget erlangen."


3. Die Flucht aus dem Kloster.

[67] L.W. XIX, S. 1797-2155.

[68] T.-R. II 124, S. oben S. 18, 2. [Transkriptions-Anmerkung: Die
genaue Position des Verweises im Text nicht markiert.]

[69] _Matthesius_ 31, wonach auch der Inhalt des Buechleins angegeben
ist. Vgl. _Seidemann_, Erlaeuterungen zur Ref.-Gesch. 113.

[70] _Grulich_, Denkw. v.T., S. 28. S. unten S. 32.

[71] S.o.S. 21. _Walch_, Leben der sel. Kath. v. Bora 64 f.

[72] Florentina a.a.O.

[73] Vgl. Ztschr. f.d. Gesch. d. Oberrheins, 1899, H. 1. S.o.S. 28 und
S. 32.

[74] Br. III 321, 322.--1534, als Luther allerlei Erfahrungen in dieser
Hinsicht gemacht hatte, musste er die austrittlustigen Nonnen auf diese
Schwierigkeiten aufmerksam machen. Br. II, 322, IV, 580, 583.

[75] Br. II, 322. 327.

[76] Br. II, 323.--"Kinder" = freigeborne Soehne und Toechter (liberi);
vgl. Frauenalb 18. Damit sind Seidemanns (Erlaeuterungen zur Ref.-Gesch.,
Dresden 1844, S. 109) Bedenken ueber die "Sammlung (Konvent) von Kindern"
in Freiberg erledigt.

[77] Br. II, 320. Luthers Auslegung von I. Cor., 7. _Walch_ XII, 287
f.--So enthielt der Ave Schoenfeld ihr Bruder nach ihrem Austritt ihr
Erbe vor, indem er sich auf das paepstliche (kanonische) Recht berief.
Br. III, 289 f.

[78] _E. Wezel_, Kath. v.B. Geburtsort, Wiss. Beil. z. Leipz. Z., 1883,
Nr. 71, S. 423 f.--Br. II, 323.

[79] Vergleichen kann man mit den Nimbschener Zustaenden diejenigen im
Kloster Freiberg. Hier vermittelte die Herzogin Heinrich (Enkelin des
Boehmenkoenigs Georg Podiebrad) die Schriften Luthers. Die Schriften kamen
auch durch den Klosterprediger, den Balbierer Meister Philipp ins
Kloster, wurden abgeschrieben u.s.w. Bei einer Visitation vergrub die
Herzogin Ursula einen ganzen Sack voll lutherischer Buechlein ins Korn.
Beim Salva Regina sangen die Lutherischen andere Woerter.--Viele,
darunter Katharina von Mergenthal, die Herzogin von Muensterberg "waren
rege und wollten springen; die Heerfuehrerin drohte immer mit Auslaufen"
(Seidemann, 120). Unter den 77 Freiberger Nonnen waren ein gut Drittel
(besonders die jungen) lutherisch, ein anderes Drittel altglaeubig, das
dritte Drittel "wie der Wind geht". Die einen hielten die andern fuer
"baennisch". Die Priorin war lutherisch und half zur Flucht. N. Archiv f.
Saechs. Gesch. III, 290-320, _Seidemann_, Erl. zur Ref.-Gesch., Dr. 1844,
S. 109 ff.

[80] Br. II 323.

[81] III, 9.

[82] II, 323.

[83] II, 323.

[84] II, 327.

[85] Br. II, 321, 322 f.--Auch Luther dachte an Todesgefahr: "ob's auch
das Leben kosten muesste". Um diese Zeit, vor oder nach Ostern 1523 wurde
Heinrich Kelner, welcher eine Nonne aus Kloster Sornzig entfuehrt hatte,
durch Herzog Georg zu Dresden gekoepft, gespiesst und an den Galgen
gesteckt. S. 36. Und als um Fastnacht (4. Maerz 1524(?)) zu Torgau 16
Buerger das Barfuesserkloster stuermten, erregte das den groessten Unwillen
des Kurfuersten Friedrich, zumal damals gerade kaiserliche Gesandte sich
in Torgau aufhielten, um ueber die Religions-Angelegenheiten zu
verhandeln. Der Kurfuerst wollte den 16 an das Leben, so dass sie Frau
und Kinder in Stich lassen mussten und fluechtig wurden; ein Glueck, dass
Kurfuerst Friedrich bald starb und sein Bruder Johann milder gegen die
Verjagten gestimmt war.

[86] _Hofmann_, S. 8 f., Torgauische Denkwuerdigkeiten 1749, S. 38;
_Grulich_, Denkwuerdigkeiten Torgaus, Torgau 1855, 2. Aufl. S. 24 f. M.
Sam. _Schneider_, Neue Beitraege 1758. "Im Jahre spaeter stuermte Koppe mit
anderm Poebelvolk das Moenchskloster."--Der Klosterstuermer war aber
wahrscheinlich der gleichnamige Neffe des alten Koppe; auf den Neffen
passt das Herumtreiben mit jungen Edelleuten waehrend der Flucht. Der
junge Koppe konnte auch verwandt mit Kunz von Kaufungen sein.--Der
Klostersturm war auch wahrscheinlich 1525 nicht 1524, sonst wuerde sich
nicht reimen, dass der Kurfuerst bald starb. Auch ist 1525 das Jahr der
Bauernunruhen, wo sich eine solche aufgeregte That eher erklaert. Noch
weniger kann es 1523 sein; denn sonst haette Koppe, sei's der aeltere oder
juengere, nicht nach Torgau sich wagen duerfen.

[87] Hofmann, S. 9 f.

[88] Die verschiedenen Berichte ueber die Flucht s. bei _Walch_ 64,
_Hofmann_ 11, _Seidemann_, Ztschr. f. histor. Th. 1860, S. 475.
Lutherbr. 14. _Braess_ 36. Von Heringstonnen berichtet _Arnold_,
Kirchen-und Ketzerhistorie II, 513. Vgl. _Beste_ 17 f. Die oft erwaehnte
Florentina entkam ohne weiteres, als ihre Hueterin ihre Zelle zu
schliessen versaeumte und die andern Nonnen im Schlafhaus waren. Die
Herzogin Ursula von Muensterberg entwich durch die schlecht verwahrte
Hintertuer im Garten (N. Archiv fuer Saechs. Gesch. III, 304, Seidemann 118
f.); auch in Nimbschen war die hintere Pforte schlecht verwahrt.
(Urkundenbuch 324). Die muendliche Sage in der Umgegend erzaehlt, es
haetten sich alle neun Nonnen durch das Fenster in der Zelle Katharinas
herabgelassen; auch habe diese bei der Flucht ihren Pantoffel verloren.
Das Fenster wird an den heutigen Ruinen (des Refektoriums?) noch gezeigt
und lange Zeit sangen die Zoeglinge der Landesschule zu Grimma, an welche
das Kloster mit seinen Einkuenften uebergegangen ist, dort bei Ausfluegen
lateinische und deutsche Hymnen. Das Fenster aber hat schwerlich zu
einer Zelle gehoert. Ebenso wird noch in Nimbschen der Pantoffel
gewiesen, der aber ist ein Machwerk des vorigen Jahrhunderts.

[89] _Menken_ Annal. a. 1523. Script. rer. Sax. 571: singulari consilio
et calliditate. Facinus plane audacissimum. Asus est ex monasterio clam
abducere. Br. II, 319; satis mirabile evaserunt.

[90] Br. II, 318; vom 8. April ex captivitate accepi heri ex Nimpschen 9
moriales.

[91] _Grulich_. Denkwuerdigkeiten S. 29. "Auch Zwilling war bei der Hand
und fuehrte den Zug der Nonnen an".

[92] Br. II, 319. vulgus miserabile. Kolde Ann. Luth. 443.

[93] Anspielung auf 1. Petri 3, 19 und Ephes. 4, 8, wonach Christus am
Karsamstag zu den Geistern ins Gefaengnis hinabstieg und die armen Seelen
befreite, wie das auf mittelalterlichen Bildern mit so grosser Vorliebe
dargestellt wird.

[94] Br. II, 321. "Euer Audi" laesst Luther auch in der Einladung zur
Hochzeit gruessen III, 9.

[95] Der offene Brief an Koppe Br. II, 321-7.

[96] _Burkhardt_, 56. 109. _Lorenz_: die Stadt Grimma, 1112 f.
_Lauterbach_ 163 f.

[97] Dr. _Braess_ 36. _Lauterbach_ 163 f. _Seckendorf_ I 272: Elcetor
dissimulavit factum. Die Aebtissin schrieb schon vorher an den
Kurfuersten.

[98] _Seidemann_, Beitr. zur Ref.-Gesch. I, Dresden 1846, S. 60.
_Lorenz_ 1108 f. Urkundenbuch 340. _Grossmann_, Visitationsakten der
Dioeces Grimma I, L. 1873 S. 78 ff. 181.

[99] _Hofmann_ 14. _Seidemann_, Beitr. I, 92.

[100] Br. II, 354. III, 9. 32. 33.


4. Eingewoehnung ins weltliche Leben.

[101] II, 323. 319.

[102] II, 319 f. _Kolde_, Ann. L. 443.

[103] Br. II, 334. 433. 473. 584. 330.

[104] Br. IV, 580.

[105] Br. III, 170. 229 f. 236. Schoenfeld, T.-R. IV, 50. Burkh. 193.

[106] Reichenbach stammte aus Zwickau und studierte in Wittenberg
1510-11. 1525 nahm er sein Haus in Lehen, 1530 wird er Buergermeister,
1541 heiratete seine Tochter, 1543 starb er. (_Buchwald_ 74 f. 173).
_Consil. Theol. Witt._ IV, 19. _Hofmann_ 13 f. Reichenbachs Haus ist
uebrigens nur in dem hundert Jahre spaeter erschienenen Werk der _Consil.
Theol. Witteb._ als Katharinas Zufluchtsort genannt. Bei allen
gleichzeitigen Quellen kommt es nicht vor; auch in allen Berichten ueber
die Trauung und Hochzeit wird das Ehepaar nicht erwaehnt und von irgend
welcher Beziehung des Lutherschen Hauses mir der Familie Reichenbach
findet sich keine Spur. Er gehoerte allerdings in den Freundeskreis
Dietrichs und Baumgartners. Dietrich meldet diesem am 29. Jan. 1535 die
Vermaehlung von Reichenbachs Schwester mit dem Nuernberger Strauch.
(Ztschr. f. hist. Th. 1874 S. 546 f.) Dagegen weisen andere Anzeichen
darauf hin, dass Kaethe vielmehr in dem _Kranach_schen Hause gelebt habe;
der Koenig Christian, welcher im Oktober 1523 dort wohnte, verehrte der
Jungfrau Kaethe einen Ring: das kann doch nur fuer Dienste geschehen sein,
die sie im Kranachschen Hause that. Ferner ist bei der Trauung Luthers
als einzige Frau die Kranachin zugeben. Endlich steht Luther, wie Kaethe,
mit den beiden Eheleuten, seinen Gevattern, auch in spaeteren Jahren noch
in reger Beziehung, waehrend nirgendswo von einem Verkehr mit dem
Reichenbachschen Ehepaar im Leben Katharinas geredet wird. Ich moechte
daher vermuten, dass Kaethe nur kurze Zeit im Reichenbachschen Hause
untergebracht wurde, dagegen im uebrigen in dem sehr umfangreichen und
wohlhabenden Hause der Kranach als Stuetze der Hausfrau Verwendung
gefunden. Bei Kranach konnte auch Ave von Schoenfeld untergebracht sein,
weil ihr spaeterer Gatte Lic. Basilius Axt in Kranachs Apotheke
beschaeftigt war. In dem Brief, worin Luther den Medicus Basilius Axt
empfiehlt, wird von diesem gesagt, er sei Apotheker bei Kranach gewesen
und seine Gattin (Ave von Schoenfeld) eine Mitschwester von Luthers Frau.
(B. III, 292 vgl. 291).

[107] _Beste_ 20. _Hofmann_ 13, 26.

[Transkriptions-Anmerkung: Zur folgenden Bemerkung gibt es keinen
Verweis im Text.]

_Seidemann_, Ztschr. f. hist. Th. 1874. S. 533 ff.

[108] Consil Witt. IV, p. 19.

[109] Br. II, 325.

[110] Br. II, 553. W.L.W. XXI, 916. Beste 22, 2.

[111] Ztschr. f. hist. Th. 1874. S. 544-58. Br. II, 553.

[112] Corp. Ref. I, 1114. Br. III, 532, wo Luther und Melanchthon an Abt
Friedrich fuer eine Wittenbergerin fuersprechen, welche ein junger
Nuernberger heiraten will.

[113] _Abr. Scultetus_ Ann. ad. ev. renov. ad a. 1525. p. 80.
_Seckendorf_ II, 17. _Walch_ 92-96. _Beste_ 23 f.

[114] "Meine Kaethe hatte ich damals nicht lieb, denn ich hielt sie
verdaechtig, als waere sie stolz und hoffaertig." T.-R. IV, 50.


5. Katharinas Heirat.

[115] Ostern 1525. Br. II, 643. 646.--Vgl. T.-R. IV, 132.

[116] _Schadow_, Wittenberger Denkwuerdigkeiten, W. 1825, S. 61.

[117] Hochmeister: Br. II, 673 f. 678. Spalatin: II, 643. _Seckendorf_
II, 274.

[118] T.-R. IV, 145: "Die kaiserlichen Rechte sagen: Wer eine Nonne
nimmt, der habe das Leben verloren und das Schwert verdient".

[119] Br.: II, 35. 40. 49. 102 f. 583. 637.

[120] _Cordatus_ 1509. Argula. Br. II, 570. 646. W. XXI, 931.

[121] _Lingke_, D.M.L. Reisegeschichte, L. 1769, S. 157. Luther war vom
16. April bis 6. Mai auf der Reise. Br. II, 643.--Anfangs Maerz bat
Luther Amsdorf, zu ihm zu kommen, um ihm in seinen Anfechtungen ein
Trost zu sein. Br. II, 634.

[122] W. XX, 1685. X, 861. _Seckendorf_ II, 17, I, 274. _Scultetus_ p.
80. 274. Br. II, 643. 655. 678, III, 1. 3. 13. 21. 32. Consil. Theol.
Witteb. IV, 19. _Lingke_ 151-3.--"Es ist der Welt Gott der Teufel (der
ja selbst ein Hagestolz ist), der Verspoetter jeder Gott gefaelligen
Gattenliebe und jedes ehrsamen Familienlebens, der den Ehestand so
verleumdet und schmaehlich gemacht hat" (W. X, 806). "Wer dem Ehestand
zuwider ist und redet uebel davon, der ist gewiss vom Teufel." (Matthes.
138.) Erasmus spoettelte, Luther erlaube andern, was er selber nicht
wage. _Schlegel_, Vita Spalatini, 211. 214.--T.-R. IV, 36.

[123] W. X, 962. Erasmi Opera ed Cler. III, 1 ep. 80. Br. III, 21. So
schreibt L. 1526 bei der Taufe seines Erstgebornen. "Ich scheu des
Prangens, als wollt ich mich mit einem Moenchs- und Nonnen-Kinde
herfuerthun" (III, 113).--Nonne trotz kaiserl. Rechte: T.-R. IV, 145.

[124] Die Schoenheit Katharinas behauptet u.a. Erasmus III, 1 ep. 730.
"Ein Maegdlein von feiner Gestalt". "Eine schoene Frau": IV, 553. "Nicht
in Leidenschaft entbrannt": III, 9. Reim: Seidemann in Schnorrs Archiv
IX, S. 3. Ueber schoene Frauen, T.-R. IV, 40.

[125] II, 646. Diese 2 Frauen waren wohl 1. die Ave von Schoenfeld, von
welcher L. 1536 sagt: "Wenn ich vor 13 Jahren haette freien wollen, so
haette ich Eva Schoenfeldin genommen, die jetzt der D. Basilius, der
Medicus, in Preussen hat" (T.-R. IV, 50); und 2. "jene Alemannin, meine
Verlobte", von welcher im Januar 1526 das Geruecht ging, Amsdorf habe sie
geheiratet. Br. III, 77. Salus (=Ave) Allemanna, vgl. die vier Brueder
Alemann III, 418. Man deutet aber diese Aeusserung L. drei "Frauen" auch
allegorisch auf die drei Moenchsgeluebde (_Beste_ 31) u.a.

[126] II, 655. Luther war am 19., 28., 29. April in Eisleben.

[127] Die ueble Nachrede (III, 2 infamantibus me cum Catharina Borana)
war vielleicht die Luege von einem fruehzeitigen unerlaubten Umgang der
beiden Brautleute, welche auch Melanchthon in seinem bekannten
vertrauten Brief an Camerarius zurueckweist. S. 58. Luther war wegen der
an sich selbst erfahrenen und auch sonst wahrnehmbaren Verleumdung
Verlobter gegen lange Verlobungszeit. T.-R. IV, 41, Br. III, 1-3, 9-12.

[128] T.-R. IV, 73. Cord. 1511.

[129] Luthers Augen beschreibt Melanchthon (Ztschr. f. K.-G. IV, 326)
als braun mit einem gelben Ring darum: der Ausdruck habe den
kampflustigen Blick des Loewen.--Ueber Luthers Aeussere vgl.
Kuechenmeister, L.'s Krankheitsgeschichte, 42. 116. Bei dem Besuch bei
Kardinal Bergerins (s.o.S. 115) trug, wie dieser bemerkte und
aufschrieb, Luther ein Wams aus dunklem Kamelot, die Aermel mit Atlas
eingefasst, darueber einen kurzen Rock von Sersche mit Fuchspelz
gefuettert, an den Fingern mehrere Ringe, um den Hals eine schwere
goldene Kette. Luther wollte damals dem Kardinal imponieren und recht
jung aussehen, um ihn zu aergern; er meinte, so muesse man mit Fuechsen und
Schlangen handeln.

[130] T.-R. IV, 38.

[131] _Kawerau_, der Briefwechsel des J. Jonas, Halle 1884/5, I, S. 94.

[132] "Herkoemml. Braeuche": im Briefe Mel. an Camer. (ed. _W. Meyer_,
Muenchen, Akadem. Buchdr., 1876, S. 6 f. Vgl. _Koestlin_ I, 768 f., 817
f.--T.-R. IV, 72: L. fuehrt nach dem Nachtessen die Braut zum Bette.
S.u.S. 121 f.

[133] Die Trauform in Luthers Traubuechlein (1529), welche sich wohl dem
herkoemmlichen Gebrauch anlehnt, ist folgende: Vor der Kirche geschieht
die Trauung durch einen Weltlichen oder Geistlichen. Da wird "Hans und
Grete" gefragt: Willst Du den oder die zum ehelichen Gemahl haben? Auf
das Ja! wechseln sie Trauringe; der Trauende fuegt die Haende zusammen und
spricht: "Was Gott zusammengefuegt hat, soll der Mensch nicht scheiden."
Und: "Weil denn Hans N. und Grete N. einander zur Ehe begehren und
solches hier oeffentlich vor Gott und der Welt bekennen, daraufhin sich
die Haende und Trauringe gegeben haben, so spreche ich sie ehelich
zusammen im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes."
Darauf folgt in der Kirche Gebet und Segen. Spaeter wurde in Wittenberg
die Trauung in der Kirche ueblich. Koestlin II, 642, 63. Vgl. T.-R. IV,
53. "Da verlachet D. Philipp hoehnisch, wenn wir Braut und Braeutigam in
der Kirche oeffentlich zusammengeben, gleich als duerfte man nicht beten
zu solchen Sachen."

[134] _Kawerau_, Jonas' Briefw. a.a.O.--"Geloebnis" Wittenb.
Stadtrechnung. Vgl. V, 196: sponsalia confimare.

[135] _Hofmann_ 47.

[136] W. X, 855 f. 967 f. III 2, 567 f. 2565. Bugenhagen an Spalatin.
Luther fordert im "Traubuechlein", die Ehe als oeffentlicher Stand solle
auch oeffentlich vor der Gemeinde vollzogen werden, vor oder in der
Kirche, wie es die Brautleute begehren.--Auch _Matthes._ redet
von einem oeffentlichen Kirchgang Luthers, desgl. Consil. Theol.
Witteb.--Bezeichnungen fuer die Hochzeit bei _Schild_, Denkwuerdigkeiten
Wittenbergs, W. 1892, S. 25. Luther hielt--gegenueber Melanchthon--sehr
auf die herkoemmlichen kirchlichen Braeuche bei der Hochzeit. T.-R. IV.
72. Als Wittenberger Brauch der Heimfuehrung wird (_Buchwald_, Zur
Wittenberger Stadt- und Universitaets-Gesch. 35) erzaehlt: "Roehrer fuehrte
seine Braut nach der Hochzeit im Hause Dr. Beiers in unser Haus mit
feierlichem Geleite der Frauen." Vgl. M.H. Gottl. _Kreussler_, Denkmaeler
der Ref., L. 1817, S. 29. "Die kleine Gesellschaft brachte das Brautpaar
heim."

[137] Hochzeitsbriefe III, 1. 3. 9. 11-14.

[138] Hochzeitsgeschenke, Hofmann, 52 f.

[139] Siehe bei _Hofmann_ das Titelbild. _Seidemann_, Beitr. zur
Ref.-Gesch. I, 92.


6. Das erste Jahr von Katharinas Ehestand.


Br. II, 582, III, 32.

[140] "Schwarzes Kloster" d.h. Kloster der schwarzgekleideten Augustiner
im Gegensatz zu dem unteren "grauen Kloster", dem Sitz der grauen
"Minderbrueder".--Studierstube, Br. II, 543, T.-R. IV, 476. Ausruestung,
Br. III, 472 f. Winterzimmer, III, 221. Bilder: Der Karlstadtianer
Ickelsamer ("Klag etlicher Brueder") ruegt, "Luther wolle bei sich gemalte
goetzische Bilder haben." T.-R. I, 137: "Gemaelde an der Wand. Das
Kindlein Jesus schlaeft in seiner Mutter Arm". S. 311. "Da D.M.
das Kindlein Jesus gemalt im Schosse der reinen Jungfrauen
ansahe".--_Seidemann_, Grundbesitz 496. Die gesamte jetzige Einrichtung
des Lutherzimmers ist nicht echt, namentlich Tisch und Ofen aus spaeterer
Zeit. Ueber das Lutherhaus s. H. Stein, Geschichte des Lutherhauses,
Wittenberg 1883. Das Lutherstueblein war aber nicht im Turm, sondern ist
das vorhandene.--S. Seite 74 f. und Anmerkung dazu. S. 285.

[141] In dem Krankheitsbericht des Jonas von 1527 speist die Familie,
scheint es, im untern Stock und Luther geht von da in das Schlafzimmer
hinauf.

[142] _Seidemann_, Grundbes. 484. S. 8. Kapitel und [239].

[143] _Foerstemann_, N. Mitteilungen a.d. Gebiete hist.-antiq.
Forschungen III, S. 113: "1 Schwaebisch, Frau katharin Doctoris Martinj
Ehelichen Weyb zeum Newen Jhare geschenckt."--Consil. Theol. Witteb.,
Frankf. 1664, S. 19: "1 Sch. 8 Gr. 3 Heller vor ein Schwebisch _Haub_
Frau Katharinen, Doctoris Martini Ehelichem Weibe zum Neuen Jahre
geschenckt." Hofmann 52 meint: Ein Stueck oder Schock schwaebische
Leinwand. Kasten V, 162. Geraete VI, 325 f.

[144] III, 18. "Ich bin an Kethen gebunden und gefangen und liege auf
der Bore (Bahre) scilicet mortuus mundo. Salutat tuam Catenam mea
Catena. III, 9: "Ich bin meiner Metzen (Meid = Jungfrau) in die Zoepfe
geflochten". S. oben [38].

[145] T.-R. IV, 41.

[146] Im Studierstueblein Buecher auf Baenken und Fenstern, 111,
472.--Hochmeister Cord. 1510. Vielleicht aber meinte Kaethe den
Markgrafen Georg von Ansbach.--Brief ueber Erasmus 111, 212.

[147] Cord. 38. T.-R. II, 208, IV, 121, vgl. 78: "Die Weiber sind von
Natur beredt und koennen die Rhetorikam, die Redekunst wohl, welche doch
die Maenner mit grossem Fleiss lernen und ueberkommen muessen."

[148] Garten und Brunnen III, 117. _Schild_ a.a.O. Birnbaum, T.-R. II,
369.

[149] Das als Titelbild diesem Buch vorgesetzte Bild weicht bedeutend
von dem im Text geschilderten ab.

[150] T.-R. IV, 114.

[151] Luther nennt es selbst "meine abenteuerlich Geschrei".

[152] Br. III, 10. Camerarius. Narratio de Vita Mel., L. 1723, p. 103,
CXXX.

[153] C.R. I, 754, Melanchthon. Camerarius p. 103 f. Vgl. _Hausrath_,
Kleine Schriften, L. 1883, S. 253 f.

[154] III, 3.

[155] Quellensammlung fraenk. Gesch., Bamberg 1853, IV p. LXII. Beste
103-6.

[156] Erasmi Opp. ed. Clerie. III 1. ep. 781. 790. 900.

[157] _Seidemann_ 555.

[Transkriptions-Anmerkung: Zur folgenden Bemerkung gibt es keinen
Verweis im Text.]

Schmaehschriften. _Hofmann_ 190 ff.

[158] W. XIV, 1335 f. Br. III, 299. 365.

[159] S.o.S. 36. Br. III, 9. 32. 49. _Hofmann_ 77. _Ratzeberger_ 69 ff.

[160] III, 94 f.

[161] III, 125: Mihi morigera et in omnibus obsequens est et commoda
plus quam sperarem.

[162] Mel. griech. Brief an Camerar. Vgl. _Hausrath_ 254. T.-R. IV, 304.

[163] Br. III, 55. 58. 32. 49. _Seckendorf_ II, 81.

[164] III, 9.

[165] L.W. "Das Pabstum mit seinen Gliedern gemalet".

7. Katharina als Mutter ihrer Kinder und Hausgenossen.

[166] Der Gevatterbrief an Kanzler Mueller lautet. "Gerne thaet ich's, dass
ich m. gn. Herrn (d.i. wohl der Graf von Mansfeld) zu Gevatter baete:
aber ich scheu des Prangens, das man mir wuerde zumessen, als der ich
mich mit einem Muenchen- und Nonnenkinde wollt herfuerthun und grosse
Herren zu Gevatter bitten. Darum will ich hieneiden bleiben und bitte
Euch, sich des Kindes annehmen und geistlicher Vater mit sein, dass es
zum Christen moechte geboren werden." Br. III 113. T.-R. III 144. Br. III
115 f. 125. 128.

[167] III, 173. 213. 264. Kolde, An. L. 97. Natuerlich saeugte Katharina
ihre Kinder selber. T.-R. II, 165.

[168] III, 364. T.-R. I, 44. 199. Cord. 639.

[169] _Kawerau_, Briefw. des J. Jonas, Halle 1884, I, 116. Beste 74. Br.
III, 246. 364 f. 376. 390.

[170] III, 448.--Es war am Himmelfahrtsabend.

[171] III, 447 f. T.-R. II, 274.

[172] Mayer p. 40. Veit Dietrich 19. Juni an Kaethe.

[173] T.-R. I, 205 f.

[174] Beste 77 f. Br. IV, 313. 320. 414. T.-R. I, 118. 200. IV, 131.

[175] Br. IV, 419.

[176] _Hofmann_ 156 f. Vgl. T.-R. IV, 515. 525.

[177] Br. IV, 436. Hofmann 156-88.

[178] IV, 436 f.

[179] _Mayer_ Sec. 22. _Cord._ 1235.

[180] IV, 574. 623. V, 129. 163. VI, 153.

[181] T.-R. I, 118. 178. 181. 198 ff. 211. Br. III, 123. IV, 343.

[182] T.-R. I, 26. 213. Ratzeberger 60. Rietschel L. und sein Haus.
Halle 1888. S. 45. ("Der Kleider und des Baretts springen"--Sack- oder
Hosenlaufen und Barlauf?) Jost Br. IV, 7. Jost und Lippus; 41.

[183] T.-R. I, 13. _Matthesius_ 145a. Br. IV, 41 f. 343. V, 163.
_Ratzeberger_ 59.

[184] T.-R. I, 294. 212. 185. 178. Cord. 732. _Weisslinger_ in seiner
Schmaehschrift "Friss Vogel oder stirb" (Strassburg, 1726, S. 78) hat ein
Familienbild: D. Luther, die Frau Kaeth und liebe Jugendt; darauf stehen
in einer Gruppe das Ehepaar, an den Vater angeschmiegt "Haensschen", dann
dem Alter nach "Lisel", als erwachsenes Maedchen (obwohl sie mit einem
halben Jahr gestorben ist.), "Lenchen, Martin, Paulus, Gretel"; in der
Thuer steht ein aelterer Knabe mit der Schrift. "Ich heiss
Andraesel".--Dies Bild hat mit Weglassung von Elisabeth ein Strassburger
Maler etwas veredelt nachgebildet und diese Nachbildung ist in der
"Niederlage Christlicher Schriften" in Strassburg als Photographie
erschienen und in G. Buchwalds D.M.L. deutsche Briefe (L. Bernh. Richter
1899) reproduziert.--Vielleicht ist das Weisslingersche Bild unter
schmaehsuechtigem Hinzuthun des "Andraesel" einem aelteren Original
nachgebildet; die Tracht der Kinder weist zum Teil auf die Wende des 16.
Jahrhunderts. Bei Luther, Kaethe und Lenchen hatte der Zeichner offenbar
die bekannten Originale vor Augen.

[185] Muhme Lene. Magdalena von Bora fehlt in dem Nimbschener
Personenverzeichnis von 1525/6. Von 1520-25 fehlt ein solches. IV, 44 f.
Vgl. T.-R. I, 200.

[186] T.-R. III, 153. Br. IV, 42. 132. 343.

[187] _Lauterbach_ 2. 141 f. 164 f. Cyriak Br. III, 550. IV, 8. 15. 121.
139. VI, 123.

[188] Lies. gleichzeitig, statt "fruehzeitig". Von dem Adoptivsohn
_Andreas_ schreiben sich die katholischen Verleumdungen des Lutherschen
Ehepaares her, dass er als "Sohn" bald nach der Hochzeit geboren sei.
(Vgl. oben S. 58). Ueber diese Verleumdung vgl. Lauterbach V und 141
Anm. desgl. _Lutherophilus_, "Das 6. Gebot und Luthers Leben." Halle,
1893.

Fabian hatte in der "Specke" ein Abenteuer mit einigen Schlangen, das er
daheim natuerlich gehoerig uebertrieben erzaehlte: als er dahin spazierte
und sich darin schlafen legen wollte, trat er auf ein Nest voll
Schlangen, die ueber einen Haufen lagen; die Tiere zischten ihm entgegen,
der junge Siegfried aber zog sein Schwert, hieb unter sie, der einen den
Kopf, der andern den Schwanz ab, bis das ganze Nest zerstoert war. T.-R.
I, 233.

[189] Hans Polner Br. IV, 131. VI, 123. 151. Cord. 444 N. lies: Hans
statt Andreas Polner.

[190] V, 492. VI, 649 f. _Kolde_, Anm. Luth. 428. Ztschr. f.
Kirchengesch. 1878, S. 145. Neobulos, eigentlich Neobolos.

[191] IV, 342 f. T.-R. I, 350.

[192] III, 217 ff. VI, 683 unter "Mocha".

[193] III, 178. V, 189.

[194] Ganerben = Gesamterben. Wie falsch diese Beschuldigung des
Stehlens war, geht daraus hervor, dass die Herzogin mittellos zu L. kam
und ihre Begleiterin ein grosses Vermoegen im Stich gelassen hatte. (Br.
III, 290). Katharina von Mergenthal, (IV, 469) Anna und Christina Korb
hatten nichts mitgebracht, als ihr Pelzlein und Ziechen vom Bettgewand.
(N. Archiv f. saechs. Gesch. III, S. 319).

[195] S. 104. Br. III, 219.--Die Matronen Luther, Melanchthon u.a.
pflegten in der Stadt schwangere Frauen zu besuchen und zu beraten.
_Seidemann_, Beitr. S. 496. Kollekt. unter "Bora".

[196] _Koestlin_ II, 115. Nach _Seckendorf_ II, 122 war die Kurfuerstin
drei Monate im Lutherhaus.

[197] _Kolde_, An. Luth. 378.

[198] V, 46 f.

[199] "Bildenhauer" ([Symbol: gestorben] 1539) T.-R. I, 206. 248. Br. V,
201. VI, 328.


8. Katharinas Haushalt und Wirtschaft.

[200] _Seidemann_, Luthers Grundbesitz. Ztschr. f. histor. Th., 1860,
475-570. _Stein_, die Geschichte des Lutherhauses. Wittenberg, 1883.
Vgl. _J. v. Dorneth_. M. Luther, Berlin 1886. II, c. 12. III, c. 10. 24.

[201] Luther wusste, was ihm alles auferlegt wurde: "Luther hat einen
dicken Ruecken, er wird auch diese Last tragen." IV, 294.

[202] _Cord._ 1057. T.-R. IV, 78. 114. Br. III, 417. C. Ref. IV, 890.
Vgl. _Hofmann_ 93.--Zu I Cor. 7. W. II, 2830.

[203] Cord. 1079.

[204] V, 228. CR. VI, 625. VII, 144.

[205] _H. Stein_, Geschichte des Lutherhauses. Wittenb. 1883.

[206] T.-R. IV, 272 (Kellereinsturz). Vieh: _Burkh._ 409. 1 Kuh war
damals wert 3 fl.; 1 grosses Kalb 2 fl.; 1 Ziege mit 2 Jungen 2 fl.; 1
Schwein 1 fl.; 1 Ferkel 1/3 fl.--Huehner T.-R. II, 81. IV, 24.
Schweinehirt Johannes T.R. III, 128.

[207] Reparaturen. VI, 327. V, 424.

[208] Grundbes. 484 f. Br. VI 324-326.

[209] 1541. _Burkh._ 403 f.

[210] _Stein a.a.O._

[211] T.-R. I, 102. 123. 183. 213. IV, 291.

[212] Geraete VI, 325. Kasten V, 162. Becher IV, 342. Vermaechtnis: Burkh.
362. Uhren III, 168. 449. Messer: Burkh. 270.

[213] Br. VI, 331.

[214] Urkunde: _Burkh._ 202 f.

[215] Myconii Summarium der Ref.-Gesch. Cyprian IV, 27. (2. Aufl.) W.
XI, 67. Br. V, 11. 127. 493. 668. 629. 319. 602. III, 156. Ueber das
teure Leben in Wittenberg beklagte sich auch ein Student 1532.
_Buchwald_ 103. Sonst 1 Kandel Wein 3 [Symbol: Pfennig]. T.-R. I, 268.

[Illustration: Grundriss des Lutherhauses (um 1540).

(Nach H. Stein, Gesch. des Lutherhauses, Wittenberg 1883.)

  a   Kollegienstrasse.
  b   Haeuser darin.
  c   "Haus Bruno".
  d   "Des Rymers Haeuslein an Thor".
  e   Eingang.
  f   Hof.
  g   frueherer Kirchhof.
  h   altes Kirchlein.
  i   Staelle.
  k   Brauhaus.
  l   Brauthor.
  m   Thordurchgang (Turm?).
  n   Garten.
  o   Thuer in der Mauer.
  p   "Das hindere neue Haus".
  q   Lutherhaus (Schwarzes Kloster) 1. Stock.
  r   Haupteingang.
  s   Turm mit Wendeltreppe.
  t   Flur im 1. Stock.
  u   Vorzimmer
  v   _Wohnzimmer_.
  w   Schlafkammer.
  x   Feuerungsraum.
  y   Zimmer mit Fallthuer und Treppe.
  z   _Studierstube_.
  ab  Aula.
  A   Vorlesungssaal.
  B   Stadtmauer.
  C   Stadtmauer.
  D   Wall.
  E   Nebeneingang mit Wendeltreppe.

[216] VI, 297. T.-R. I, 258. 274 f.

[217] Jonas hatte einen Weinberg, Melanchthon (wohl durch seine Frau,
eine Wittenberger Buergermeisterstochter) verschiedene Grundstuecke.

[218] _Burkh._ 319.

[219] T.-R. I, 141. 142. 146. IV, 667. C.R. XXIV, 392.

[220] Br. VI, 328. Garten: Burkh. 409.--Der Platz "Am Saumarkt", spaeter
"Viehmarkt", wo der kurfuerstliche Karpfenteich war, ("Saumaerkterin" V,
783, "auf dem neuen Saumarkt", _Burkh._ 356 f.) ist heute die
Lutherstrasse. (Wittenberger Urbar VIa. 1625, Lagerplan.)--Richter,
Geneal. 398 ff. Beste 127. Fischteichlein T.-R. I, 179.--In der
Hausrechnung (VI, 2) 1536 ist nur vom Bildenhauerschen Garten geredet,
in dem Steuerschlag 1542 (_Burkh._ 409) vom Garten an der Zahnischen
Strasse, im Teil-Recess 1553 (_Beste_ 127) vom "Baumgarten am Sewmargkt",
der samt dem Hopfengarten an der Specke fuer 500 fl. angeschlagen
wird--also scheint er an Gelaende oder Gebaeude (durch den Krieg?)
verloren zu haben. Oder sollte der Garten an der "Zahnischen Strasse" =
am Saumarkt sein? Nach weiteren Erhebungen ist wahrscheinlich, dass die
Zahnische Strasse den Anfang der heutigen Dr. Friedrichstrasse bildete.
Dann waere thatsaechlich der Saumarkt da, wo die Zahnische Strasse und die
Faule Bach sich schneiden.

Die Lage waere so.

[Illustration: a-b Zahnische Strasse. c-d Faule Bach. e-f Rische Bach.]

Der Bildenhauersche Garten (fuer 900 fl.) lag nach dem Steueranschlag
nicht "unter dem Rat" wie der an der Zahnischen Strasse. (_Burkh._ 409)

[221] Br. IV, 575. VI, 328 f. Wolfs Vogelherd: 154 f. V 787. Vgl.
_Burkh._ 409.

[222] _Burkh._ 403. _Hofmann_ 98.--Der "Lutherbrunnen" gehoerte der
Stadt.

[223] Br. VI, 547. Grundbes. 520. Pfaehle Br. V, 637. Hauspostille 1.
September 1532. Rebenstock II, 124b. Stehlen: Grundbes. 530.

[224] Bienenstock. _Rebenst._ II, 109. Fische T.-R. II, 80.

[225] a. 1542 schaetzt L. Braunen Haus auf 420 fl. IV, 575. Grundbesitz
502. Br. VI, 328: Die 250 fl. scheinen uebrigens eine Abschlagszahlung
gewesen zu sein, denn das Haus kam hoeher zu stehen. Der Kaufbrief (v.
1541) bei _Richter_ Geneal. Luth. lautet: Bruno Brauer Pfarrer zu Dobin
verkauft erblich eine Bude im Elsterviertel zwischen D. Luthers
Behausung und Bruno Brauer an Luther und seine Erben mit allen
Gerechtigkeiten und mit Gehoeft und Raum von der vordern Saeule bis auf
die erste Ecke des Brunnens und von der hintern Ecke des Brunnens bis
auf die alte Badestube, zusamt derselben Badestube fuer 430 fl. zu 20
Groschen jeden.

[226] "Mein lieber Herr" ist = mein Gemahl.

[227] Burkh. 319. Nach dem Bericht von Kanzler Brueck an den Kurfuersten
vom 13. Maerz 1546 hat Frau Kaethe dennoch "die Boese (das ist doch wohl
das Gut Boos) zur Miet und um einen liederlichen Zins etliche Jahr her
inne gehabt". _Foerstemann_, D.M.L. Testamente. Nordhausen 1846, S. 31.

[228] S.o.S. 3. T.-R. II, 233. Br. V, 358. 298. 318. 431. 434. 753. VI,
304. _Burkh._ 357.

[229] V, 312 f. 358. 495. 605. 609. 323. Ueber Kaethes Walten in Zulsdorf
vgl. _Anton_ 193 ff.

[230] VI, 318. V, 313. 427. 448 f. 482. 507. 528. _Burkhardt_, Th. Stud.
und Krit. 1896, S. 161. Der Scheunenbau spielt zwei Jahre lang. C.-R.
VII, 125.

[231] Zulsdorf wird in 21 Briefen und T.-R. II, 233 erwaehnt. (S. Br. VI,
705). V, 300. 318. 323. 394. 400. Den Mainzer Erzbischof und den Herzog
Heinrich von Braunschweig nennt Lauterbach in dieser Zeit "die wahren
Tuerken". V, 401.

[232] V, 299. 659. VI, 304.--An der Decke war einer der bekannten
Tintenflecke und am Balken ein Spruch, angeblich von Luthers (?) Hand.
"Willt du Trost haben, so gehe nach Drossdorf" (1/4 Stunde davon
gelegen). Dass das Guetlein nicht ganz ohne Schmuck war, zeigen die noch
vorhandenen Reliefbilder von Luther und Kaethe, zwei Medaillons, das eine
in Stein, das andre in Gips; beide, besonders das letztere, krass
realistisch; sie sind spaeter auf das Hofgut Kieritzsch und dann in die
dortige Kirche gekommen. Eine Nachbildung des Reliefbildes von Katharina
ist in der Leipziger Illustr. Zeitung vom 2. Febr. 1899. Vgl. oben S.
263.

[233] L.W. II, 279. T.-R. IV, 59. L.W. XXI, 169*. Br. IV, 643. T.-R.
III, 128. IV, 62.

[234] _Cord._ 1471. 1597. 589. _Schlaginhaufen_ 419. T.-R. IV, 199.

[235] T.-R. IV, 306 (Cord. 980). L. fuehrte diese Bezeichnung Kaethes als
"Morgenstern" als Beispiel fuer die zahlreichen "Metaphern" oder
"verbluemte Wort" der deutschen Sprache an, neben Redensarten wie
"gross Geschrei--wenig Wolle"; "er haengt den Mantel nach dem
Winde".--Bekanntlich hat _Engelhard_ diese Methapher im gehaessigen Sinn
als Lucifer Wittenbergensis zum Titel seiner Schmaehschrift gemacht:
"Lucifer Wittenbergensis oder der Morgenstern von Wittenb., d.i.
Vollstaendiger Lebenslauff C. von Bore, des vermerkten Ehe-Weibs D.M.
Lutheri, in welchem alle ihre Scheintugenden, erdichtete Grossthaten,
falsche Erscheinungen weitlaeuffig erzehlet werden v. R.D. Euseb.
Engelhard." Landsperg 1747.--Kaethes Krankheiten: Cord. 965. T.-R. IV,
24. II, 230. 233. III, 37. 122. 131. IV, 259. Br. IV, 530. V, 271.

[236] VI, 547. 332.

[237] _Lauterb._ 111. T.-R. IV, 593. Rietschl 43 f. L.W. XXI, 163*.


9. "Wunderliche Rechnung zwischen D. Martin und Kaethe."

[238] Br. VI, 151. V, 403. IV, 342. Widerruf vom Fegefeuer. Cord. 105 f.
Br. IV, 575.

[239] L. Grundbes. 518. (_Burkhardt_) Stud. und Krit. 1896, S. 158 ff.
1894 S. 769. _Burkh._ 432. _Kolde_, An. L. 396. 409.

[240] VI, 325 f. II, 524, 618.

[241] Diener III, 342. 449. VI, 324 f. _Kolde_, An. L. 195. _Seidemann_,
Grundbes. 484 f.

[242] Br. III, 104. T.-R. III, 308. Br. III, 496.

[243] III, 495.

[244] V, 189.

[245] _Ratzeberger_ 59 f.

[246] IV. 342.

[247] _Mathes._ 144b. 377. Vgl. Kolde, An. Luth. 254. Hoffmann 99 f.

[248] _Lauterbach_ S. 5.

[249] VI, 328 ff.

[250] Eine Schneiderrechnung: "1 Rock, Hosen und Wams Doktori Martino zu
machen bei Schneider Cunz Krug 18 Gr."

[251] Wuerze und Zucker durfte allein der Apotheker (Lukas Kranach)
verkaufen.--1 Loth Seide kostete 1 Gr. 6 [Symbol: Pfennig]; 5 Ellen
Barchent 21 Gr. 8 [Symbol: Pfennig].--"10 Ellen schwarz puritanisch Tuch
vor 3 Schock 20 Gr. hat der Rat (1524) D.M.L. zum Rock geschenkt und
Hier. Krapp (Melanchthons Schwager war ein Gewandschneider) bezahlt."
_Schild_, Denkw. Wittenb. S. 27.

[252] Die Paten waren in Wittenberg sehr zahlreich, wie man schon bei
Luthers Kindern sieht. Am 20. Jan. 1536 wurden neun Kinder auf einmal
getauft; da war natuerlich auch D. Martinus, ferner D. Pommer, M. Philipp
und viele andere treffliche ehrsame Leute Gevattern. T.-R. IV, 146.
Luther stand zahllose Male zu Gevatter. Er hatte es so oft versprochen,
dass er einmal gar nicht mehr wusste, wem, und es seinem Famulus auftrug,
es auszukundschaften. IV, 559. (Das erinnert an den vergebenen Traum
Nebukadnezars, Daniel 2). Hochzeiten V, 570.

[253] Br. IV. 342. _Mathes._ 144b: In der Teuerung zur Pestzeit borgte
L. beim Schoesser etliche Scheffel Frucht und "wagte sie an die armen
Leute". T.-R. II, 212. Bezeichnend ist ein Zettel des Doktors (an den
Stadtrat?) vom Maerz 1539: "Lieben Herrn! Es muss dieser arme Gesell auch
Hungers wegen davon. Nu hat er keine Zehrung wie die andern und muss fern
reisen; weil er aber ein fromm gelehrt Mann ist, so muss man ihm helfen.
So wisset Ihr, dass meines Gebens ohn das viel und taeglich ist, dass ich's
nicht kann alles erschwingen. Bitt derhalben, wollet ihm 30 Gr. geben;
wo nicht so viel da ist, so gebet 20, so will ich 10 geben; wo nicht, so
gebet die Haelfte. 15, so will ich die andere Haelfte geben. Gott wird's
wohl wiedergeben. Martinus Luther." VI, 226.

[254] III, 157. V, 570.

[255] _Cord._ 1601.

[256] VI, 329.

[257] _Cordatus_ Nr. 1057 hat nur 50 fl. Im Jahre 1537 aber bei der
zahlreichen Familie und den vielen Kostgaengern kann das lange nicht
gereicht haben, wenn er auch nur die Barauslagen rechnet. Sonst waere ja
auch die Haushaltung nicht "wunderlich".--VI, 331.

[258] _Fuerstemann_, Denkmale D.M.L. errichtet. Nordh. 1846. S. 27.

[259] III, 111. 115.

[260] Potentem et avarum. Strobel, Beitr. II, 481. C.R. V, 314. "Die
_richtige_ Bezahlung". _Foerstemann_, Luthers Testamente. Nordhausen
1846, S. 3.

[261] T.-R. IV, 62.

[262] VI, 329.

[263] IV, 342.

[264] An Link: III, 10. 104 an Ruehel. "L. Hr. Dr. und Schwager! Das ihr
meine Kaethe hie zu W. geben habt, bin ich lang hernach inne worden;
meinte nicht anders, Ihr haettet's hinweg, wie ich bat."--Kaese: IV, 556
und 599 u.a. Kolde, Ann. L. 423. Kolde, M. Luther II, 519.

[265] Br. V, 605. S.o.S. 155 ff.

[266] _Cord._ 662.

[267] III, 157. V, 424. VI, 326.

[268] T.-R. I, 274. Br. III, 495.

[269] T.-R. IV, 130.

[270] Uebrigens war Kaethe im Grundsatz mit Luther einigermassen
einverstanden, vgl. den Brief an Loeser S. 83.

[271] T.-R. IV, 70 f. Spr. Sal. 31, 10-31.


10. Haeusliche Leiden und Freuden.

[272] Das Folg. in D.T. Pommerani und I. Jonae Historie von L. geistl.
und leibl. Anfechtungen. a. 1527. L.W. XXI, 158* ff. Br. III, 187-190.

[273] Br. III, 191. 205. Vgl. 200. 213. 170.--Ueber die Fortschritte
der Pest. Vgl. auch G. _Buchwald_, zur Wittenb. Stadt- und
Universitaetsgeschichte, L. 1893, S. 3-17.--Mocha(u): VI, 683.

[274] _Buchwald_ S. 7. Auf dem Pestkirchhof wurden die Kleider der
Pestkranken verbrannt; daher wohl verbrannte dort Luther auch die
Bannbulle.

[275] Br. III, 217 f. 221. _Buchwald_ 9. 12. 15. Br. III, 188. 193 ff.
212. 215. 217-19. 221. Teuerung. _Vogt_, Bugenhagens Briefw. Stettin
1888. S. 106.

[276] III, 218. 221. 225. 240. 241. 243. 247. 253.

[277] III, 222. 246. 248 f.

[278] III, 314. 364 f. 376. 390. VI, 96.

[279] III, 390. 404. 423.

[280] III, 432. 469.

[281] III, 512.

[282] IV, 1 f. 34. 132. 179. V, 186--"Gruboc" umgekehrt von Coburg.

[283] Luth. Ztsch. 1880, 50. C.-R. II, 40 f. Br. IV, 115. 132. 2. 10.
12. 32. V, 186.

[284] IV, 132. 10. 19. 32. 43. 120. T.-R. IV, 244. "Oertlein" 270.

[285] IV, 121. 51. 10 174.

[286] _F. Eysenhardt_ und _A. v. Dommer_. Mitteil. a.d. Stadtbibl. zu
Hamburg II, 1885, S. 96.--H ... "Huerlein". Es ist bekannt, dass fuer
Kinder als Kosenamen oft die haesslichen Woerter gewaehlt werden z.B. "Du
Spitzbub. Du Schelm!" So hoerte ich einmal eine alte Kindsmagd im
Ueberschwang ihrer Gefuehle sagen. "Du liebes Schindluderle".--Luther
gebrauchte also, wie sonstige Gelehrte, zum _Lesen_ schon frueh (1525)
eine Brille. II,624.--Ueber den Goldschmied Christian Doering s. Br. VI,
657.

[287] IV, 7.

[288] IV. 39. 41. 7. 9. 16-18 (vgl. III, 219).

[289] IV, 4. 7 f. 13 f. 51 f. 41 f. 39.

[290] IV, 131 ff.

[291] Die Briefe waren lateinisch.

[292] Exemplar = Manuskript.

[293] VI, 121 f.

[294] Br. IV, 230. 322.

[295] Grosseltern. T.-R. I, 201. Brief an den kranken Vater III 550 f.,
an die Mutter IV, 256 ff.

[296] Martin IV, 313. 320. 414. T.-R. 201. Paul IV, 411. 431. 436.
Margarethe IV, 574, vgl. 555. Hans immatrikuliert, _Lauterbach_ 141.

[297] _Kolde_, An L. 184. Br. VI, 144.

[298] Burkh., St. und Krit., a.a.O., 158.

[299] IV, 553.

[300] _Koestlin_ IV, 380 f.

[301] IV, 362. V, 560. 643. 703 f., vgl. 524: "Euer Sohn hat jetzt die
Masern gehabt; haben sein mit Fleiss gewartet nach Dr. Augustin (Schurf)
Rat; ist nun wieder gesund."

[302] IV, 342. T.-R. IV, 93, lies: Rischmann.

[303] Wenigstens wird Jakobs von Seidewitz sel. Sohn, Kammerjunker
Martin von Seidewitz erwaehnt. Ztschr. f. hist. Theol., 1860, S. 570.

[304] V, 106. 201. 411. 516. Ztschr. f. hist. Th., 1860, 565-69.

[305] T.-R. IV, 451 f. 244.

[306] T.-R. I. 201 f. 204. 205.

[307] V, 46 f. 492 f. Dass Luther seinen Sohn Hans schon (1533) im 7.
Jahr ein lateinisches Urteil ueber Erasmus und im 11. Jahr (1537) einen
lateinischen Brief schreibt (Br. IV, 497, V, 46), ist nicht zu
verwundern; schrieb doch der 11jaehrige Herzog Wilhelm von Sachsen an
Hans Luther auch eine, wohl mit Hilfe seines Lehrers, verfasste
lateinische Epistel 1541, _Mayer_ Sec. 17. (D. D. _Richter_, Geneal.
Luther. 379).

[308] _Lauterbach_ 141. Martin. T.-R. I, 205. _Koestlin_ II, 491.
Florian, Ztschr. f. K.-Gesch. II, 145 f.: L. diktiert dem Buben zum
Willkomm drei Tage hintereinander je des Tages einen guten fetten
Schilling.--Zeile 10 lies: Florian (st. Fabian).

[309] T.-R. I, 202.

[310] T.-R. IV, 76. 64.

[311] T.-R. IV, 129. _Matthes._ 145.

[312] Muhme Lehnes Tod. T.-R. III, 153.--Rosine, Br. V, 625. 396. 506.
753.

[313] V, 101.

11. Hochzeiten und Krankheiten, Pest und Tod.

[314] T.-R. IV, 41. 84. 104. Br. V, 186 f. 198. II, 317.

[315] T.-R. IV, 53, 75. 51.

[316] VI, 189 f. 196. T.-R. III, 147. IV, 54-56.

[317] Br. VI, 217.

[318] T.-R. IV, 58. I, 184.--Wein und Brot. T.R. I. 106. Wenn Luther das
Tanzen empfiehlt, so vgl. [445].

[319] T.-R. IV, 59.

[320] IV, 610 f. 618. 625. 627. _Burkh._ 237 f.

[321] V, 49 ff. 57 f. ("hessische Betten"). _Ratzeberger_ 105 f. (nasse
Bettuecher), _Seckendorf_ III, Sec. 60. _Burkh._ 276.

[322] Mist: In Schmalkalden gab man Luther ein Getraenk? von Pferdemist
und Knoblauch ein. Man hielt viel auf solche Mistkuren: T.-R. I 120:
"Pferdemist dienet fuer Pleurosie".

[323] V, 59 f.

[324] V, 59. 270. 58.

[325] Muhme Lene [Symbol: gestorben] T.-R. III, 153.

[326] IV, 524. V, 188. _Burkh._ 259. _Schmidt_, Ztschr. f. Gesch. II,
256. VI, 187 f.

[327] VI, 188.

[328] V, 579. 259 f. VI, 291. _Seckendorf_ III, 182. V, 127.

[329] VI, 444 ff. schrofa (d.i. scropha) ista Boemica "jene boehmische
Sau", _Burkh._ 285 f. 289-95.

[330] Burkh. 365. 467.

[331] T.-R. I, 225. II, 212.

[332] T.-R. II, 441 f. IV, 257. Br. V, 218 f. 225. Auch Dr. Sebald und
seine Frau hatte er besucht, angegriffen und betastet. Und da er ihre
Kinder ins Haus genommen, gaben ihm etliche einen Stich, als wollte er
Gott versuchen, T.-R. IV, 251.

[333] Jonas' Briefw. I, 381 f. Diese Krankheit muss es gewesen sein, von
der Luther T.-R. IV, 259 redet. Als naemlich von den Schrecken des Todes
die Rede war, sagte er. "Da fraget meine Kaethe drum, ob sie des etwas
gefuehlet hat, denn sie war recht gestorben." Sie aber antwortete. "Herr
Doktor, ich habe gar nichts gefuehlet."

[334] V, 269-271. 273. 277. 218. _Ratzeberger_, 104. T.-R. II, 230. 233.

[335] Jonas' Briefw. I, 383.

[336] V, 300.

[337] _Burkh._ 356 ff.

[338] Sprichwoertlich, vgl. S. 131. Seltsamerweise kehrt die alte
Schreibart des Namens wieder, vielleicht bei einem Abschreiber, obwohl
man auch damals wusste, dass L. seinen Namen von Lothar ("vom Kaiser
Luther") habe, wie der Stadtpfarrer M. Coelius zu Eisleben in seiner
Leichenrede erklaert. _Foerstemann_, Denkm., Nordh. 1846, S. 55.

[339] _Burkh._ 131, I. VI, 269 f.

[340] V, 298.

[341] V, 299 f.

[342] V, 107. 201. 411. 516. _Faber_, Briefw. 14. _Burkh._ 401. 423.

[343] V, 306.

[344] V, 336. 346. 348-52.

[345] V, 416, 431. VI, 297.

[346] V, 744. 763.

[347] Vgl. S. 196. Cyriak: andere nehmen seinen Bruder Fabian als den
heimlich Verlobten an; er war gleichzeitig mit seinem Bruder Andreas und
seinem Vetter Hans Luther an Trinitatis 1533 immatrikuliert--also juenger
wie Cyriak, welcher schon 1529 Student war. Daher wird auf diesen die
Verlobung eher passen.--T.-R. IV, 96. 84 ff. 491 ff. 500 ff. Beier: Br.
V, 619. 676. Burkh. 453 f. C.R. V, 313, 286 ff. Mel. d. J. Verloebnis.
Kreuzigers Klagebrief ueber die Wittenb. Haendel. Br. V, 620: L. hat
Melanchthon uebermocht, dass er seinem Sohn nicht nachgebe. 616: Phil. und
sein Weib vergehen fast an ihrem Sohn.

[348] V, 497.--Das folgende steht in T.-R. 258-265.

[349] Die folgenden Verse, in deutscher Uebersetzung, lauten:

  "Die ich in Suenden war geborn
  Haett ewig muessen sein verlorn,
  Aber ich leb nun und hab's gut,
  Herr Christe erloest mit deinen Blut."

Sie sind vielleicht vom Berichterstatter. _Mayer_ Sec. 20.--_M. Richter_,
Geneal. Luther. 352.

[350] V, 502 f. 506.

[351] V, 520.

[352] V, 519.


12. Tischgenossen und Tischreden.

Vgl. _Anton_, Zeitverk. 145 ff.

[353] IV, 629.

[354] _Schadow_, Wittberg Denkw. 60 f. Br. III, 14. V, 11. 15. 19.
Verloebnis 196.

[355] IV, 476. 629. C.R. XXIV, 397. Burkh. 237 f. Br. IV, 641. 414.

[356] III, 217. VI, 286. _Lauterb._ 158. V, 767. _Kolde_ 377.

[357] _Burkh._ 238. Br. IV, 413. 629. T.-R. I, 179. V, 767.

[358] V, 619. 624 f. 630.

[359] Besuch von Mansfeld, z.B. 30. November 1538, T.-R. III,
358.--Capito V, 70.

[360] _Burkhardt_, Th. St. u. Krit. 1896, S. 192. 161.

[361] Cordatus, S. 13. 20. 22. T.-R. I, 414.

[362] II, 153. 46. 677. III, 9. 31. 59. 130. 149 f. 210. 394. 401 f.
476. IV, 272. 370. 388 f. T.-R. IV, 297. _Burkh._ 216 ff. _Kolde_, An.
Luth. 197.

[363] Lauterb. IX.

[364] T.-R. IV, 667. _Seidemann_, M.A. Lauterbachs Tagebuch, Dresden
1872, V-VII, _Waltz_, Ztschr. f. K.-Gesch. 1878, S. 629 f., vgl. Beitr.
zur Saechs. K.-G., 1893, S. 74 ff. 79.

[365] _M. Preger_, Tischreden L.s nach den Aufz. von Schlaginhaufen, L.
1888, S. VI-X. T.-R. III, 118 f.

[366] _H. Nobbe_. Dr. H. Weller, Ztschr. f. hist. Th. 1870, S. 153 ff.
Br. IV, 38 f. 131. 477. 586. Beide Weller des jungen Musikus Joh. Joeppel
gute Freunde! 535. Ruf nach Dresden 161. Schwermut 556 f. Cord. 601, 6.
783. Br. V, 11. T.-R. 538. Cord. 1774: "Lieber Weller, luegt Euch nicht
zu Tode; Ihr koennt noch wohl ein Jurist werden."

[367] T.-R. II, 46. Mayer, p. 56 f.

[368] T.-R. II, 210. L.-W. XXI. 186* ff.

[369] T.-R. I, 57 f.

[370] _Hirsch_ und _Wuerfel_, Lebensbeschr. aller Hh. Geistlichen in
Nuernberg. Nuernb., 1756. III, 4-6.--Br. IV, 363. 192. 199. Krause Sinne:
T.-R. III, 184. Cord. 920. _Hausrath_ 278. Vgl. oben S. 121.

[371] Briefe aus Wittenberg an H. Baumgarten. Ztschr. f. hist. Th.,
1874, S. 546 f.--Br. IV, 665. V, 564.

[372] C. Ref. V, 314^4. S.o.S. 963. Stud. und Krit. 1887, S. 354.
_Koestlin_ II, 496.--Die Klagen Besolds ueber Frau Kaethe werfen nicht
gerade ein schlechtes Licht auf ihren Charakter. Ihre "Habsucht" belegt
er damit, dass sie "alles zu Rate gehalten und bei den Tischgenossen auf
richtige Bezahlung gedrungen"; ihre "Herrsucht" damit, dass sie
"diejenigen Theologos nicht leiden koennen, welche Weiber von schlechten
Stande geheiratet." Beides ist nur ein Beweis fuer ihre gesunde
praktische Lebensansicht.

[373] Lemnius: "ein Poetaster und Leuteschaender" Matthes. 126. Br. V,
105. 381 f. 385-7.--T.-R. II, 223. III, 317. IV, 95. 259. 705. M.
Holstein, "der neue Jurist": T.-R. III, 317.--Th. St. und Krit. 1887, S.
354. Ztschr. f. hist. Th. 1874, S. 570 ff.

[374] Br. VI, 234. 270. V, 29. T.-R. III, 293. 381. IV, 285.--Vgl. o.S.
131.

[375] Matthes. 68. T.-R. IV, 444.

[376] T.-R. IV, p. XX, s.u. 204. 206. 229. 236.

[377] T.-R. IV, p. XVIIIf. Br. VI, 328. Matthes. 131. Nach M.D.
_Richter_, Geneal. Luth. 369, war auch der Jurist Joh. Schneidewin 10
Jahre Kaethes Haus- und Tischgenosse und wurde nachher Zeuge fuer
Margarete L. beim Teilrecess 1554.

[378] Matth. 68. 209a. 211.

[379] IV, 667 f.

[380] V, 115. IV, 435 f.

[381] V, 402.

[382] C.-R. V, 314^4.

[383] IV, 524. S.o.S. 116.

[384] L.-W. XXI* 166. 165.

[385] _Matthes._ 141. 143. 209.

[386] _Waltz_, Ztschr. f. K.-Geschichte, 1878. S. 629. _Hausrath_ 266
bis 273.

[387] Cord. 133. _Matthes._ 151.

[388] _Matthes._ 133. 211.

[389] T.-R. II, 247.

[390] _Cord._ 731. _Lauterb._ 5. 38.

[391] T.-R. IV, 131 f. Vgl. _Schlaginhaufen_ Nr. 147. "Luther: Der Satan
hat Gottes Sohn erwuerget. Respondit uxor D.: Ei mein lieber Herr Doktor
von Credo."

[392] T.-R. III, 90 f.

[393] T.-R. IV, 134.

[394] Cord. 1205. Der grosse Zwischensatz sieht allerdings aus, wie eine
Einwendung Luthers; aber der Berichterstatter, der doch sonst Katharina
nicht sonderlich wohl will, schreibt die _ganze_ Rede ihr zu.

[395] Cord. 120.

[396] Cord. 110 f.

[397] _Lauterb._ 156.--Der gelehrte "Engeleser" war wohl "der schwarze
Engeleser" Dr. Antonius Robert Barns (Barnes) S. 144.

[398] T.-R. IV, 78. 121 f. Vgl. o.S. 55. 73. Schlaginhaufen Nr. 187. Als
die Rede auf den Tuerken kam, sagte die Doktorin: "Ei behuet uns Gott vor
dem Tuerken!" Der Doktor: "Ei, er muss einmal den Pelz laufen." 216: Die
Doktorin stach was in die Seite; da schreit sie laut auf: "Ave Maria!"
Sagt der Doktor. "Warum hast Du nicht billig am Ende den angerufen, der
am Anfang? Waere nicht Jesus Christus auch ein troestlich Anrufen?" 228:
Der Doktor neckte einmal seine Frau, es werde noch dahin kommen, dass
ein Mann mehr als ein Weib nehme. Da sagte die Doktorin: "Das glaub der
Teufel!" Und als Luther auf Gruende der Natur wies, da berief sich Kaethe
auf Paulus; als aber der Doktor auch dies widerlegte, sagte sie: "Bevor
ich das zugaebe, wuerde ich lieber wieder ins Kloster gehen und Euch und
alle Kinder verlassen."

[399] Br. III, 35.


13. Hausfreunde

Vgl. _Anton_ D.M.L. Zeitverkuerzungen. L. 1804, S. 94 ff.

[400] V, 668. Vgl. Matthesius zu 1529: Luthers "Discipel" fangen an zu
lesen.

[401] Br. IV, 503. 565. 636. _Burkh._ 319. _Kolde_, An. L. 82.
_Buchwald_ 48. 52. Br. II, 677. III, 150 u.a. IV, 344. VI, 138. 411.
"Kuetten-Latwerg" d.i. Quitten-Latwerge.

[402] IV, 500. V, 434. 503. III, 77.

[403] Fr. S. Keil, Dr. M.L. Merkw. Lebensumst., S. 699. Ztschr. f. hist.
Th., 1874, S. 551.--

[404] III, 35. 128. IV,36. V, 96. 426. VI, 450. T.-R. III.

[405] _Kawerau_, Ztschr. f. K.-Gesch., IV, 301. T.-R. III, 375.

[406] "Grickel und Jaeckel". T.-R. III, 358-82.--_Anton_, L.s
Zeitverkuerzungen 145. Vgl. das Katechismusglas T.-R. II, 174. Koestlin
II, 465. 469.--Das ueberlaute Schreien Agrikolas charakterisiert
Creuziger in einem Brief an Veit Dietrich: er lehre in der Schule nach
Gewohnheit grandibus buccis (mit vollen Backen).

[407] III, 253 u.a. V, 162 f. 450. 703. T.-R. I, 272. 328.

[408] III, 226.

[409] III, 199 f. 389 f.

[410] T.-R. III, 358. 370. 376. Br. IV, 161. S.o.S. 53. S. 77.--L. kommt
zur Taufe nach Torgau. _Lingke_, L. Reisegesch. 159.

[411] III, 523. IV, 556. V, 67. 74. 326.

[412] _Kolde_, An. L. 234. 241. 239. 307. Br. V, 70.

[413] III, 17. IV, 198.

[414] IV, 176. VI, 129. 367. V, 402. C.-R. V, 214^4. _Seidemann_,
Ztschr. f. hist. Th., 1874. S. 555 ff.

[415] V, 672. Th. Studien und Krit., 1887. S. 353 ff. Oeffentliche
Gebete in W. fuer B.--Reden und Jammern bei Tisch. Vgl. Melanchthon an B.
am 25. Maerz 1546: (C.-R. VI, 93): "Von Dir hat Luther immer mit Liebe
und Verehrung gesprochen." Ueber die Gefangenschaft Baumgartens vom 31.
Mai 1544 bis anfangs August 1545. _S. Seidemann_, Kollektaneen. Anz. f.
d. K. der d. Vorzeit. R.F. 1854. 1855.

[416] Vgl. oben S. 1. 4. 5. Br. IV. 665. V, 564.

[417] IV, 556. 607 f. 247. VI, 736. IV, 611. 596.

[418] "Feldglocken" = Galgen, also Galgenschwengel.

[419] IV, 586.

[420] V, 11. 15. 19. 22. 274.

[421] T.-R. I, 414. III, 96. 115.

[422] III, 219. IV, 31. 499.

[423] III, 447. 492. IV, 183. 215. III, 434.

[424] IV, 261. 312. 317. 490. III, 490. IV. 343.

[425] IV, 414, 476. V, 22. 139. Vgl. _Kolde_, An. Luth. 332--T.-R. IV,
256 f.

[426]. IV, 494. VI, 266. V, 57. Matthes. 319

[427] V, 38. 271. 285. 401 u.f.f. Vgl. Br. VI, 533-35. 674. IV, 583 f.
T.-R. IV, 47.

[428] Tischgespraech: II, 265. Besorgungen: Br. V, 228. 493. 668. 602.
628. 637.

[429] III, 53. 119. 154. 254. 372. V, 330. 148.

[430] V, 59. S.o.S. 126.

[431] V, 312 f. VI, 318. V, 507. 605. 609. 627.

[432] Ztschr. f. K.-G., 1878, S. 304.

[433] _Anton_, L. Zeitverf. S. 116 f.

[434] _F.W. Loehe_, Ztschr. f. hist. Th. 1840, S. 175-247. _Piper_,
Zeugen der Wahrheit L. 1874, Bd. IV, S. 375-82. Elisa, Br. IV, 654.
Testament, Br. V, 425. T.-R. II, 397. Kreuziger war der Protokollfuehrer
der Evangelischen und Nachschreiber von Luthers Predigten. Myconii
Historia Reform. 1517-42 v. E.S. Cyprian, L. 1718. S. 47.

[435] Auftraege IV, 10, Messgeschenk 422. Frau Elis. Kreuziger: Ztschr. f.
hist. Th., 1874, S. 554. _Lauterb._ 183.

[436] IV, 684. V, 11. IV, 414.

[437] _Piper_, Bd. IV, 356-368.

[438] III, 230. 111. 219.

[439] IV, 375. III, 304. 245. 252 f. 264. 281. V, 299. u.s.w.

[440] III, 512. IV, 131.

[441] III, 244. 253. 314.

[442] III, 314. 375. _Zitzlaff_, Bugenhagen, Wittenb. 1885, S. 106.
"Pomerisches Rom", Br. V, 48. Mit "Oel" = Bier; vgl. das englische ale.

[443] _Piper_ IV, 368-75.--VI, 304. Jonas' Briefwechsel I, 115. 153.
160. 174. II, 77.

[444] Br. IV, 10. 16 f. 18 f. V, 414. 557. 109. 114. 201.

[445] _Buchwald_ 62. V, 7. VI. 303.

[446] V, 519. IV, 9.

[447] IV, 629 f. V, 3 f. 100. 394 f. 470.

[448] Briefw. I, 380-3. (_Kolde_, An. L. 134, Br. IV, 629). [Griechisch:
hae gynae] vgl. Offenb. Joh. 12, 1.

[449] Jonas in Halle, V, 346. Neckerei 396. Seine Frau [Symbol:
gestorben] 519.

[450] Ueber Luthers Verhaeltnis zu Melanchthon vgl. _Anton_ 31-33. V,
336. 171. 344. 270.

[451] Zur Charakteristik von Frau Melanchthon, C.R. III. 390. 396. 398.
Kolde, M.L. II, 463. 471. 603. Kleiderordnung, Schadow, Wittenb. Denkw.,
S. 60 f.

[452] C.R. III, 398. T.-R. III, 390. Vgl. Koestlin II, 462.

[453] Kolde, An. L., 311. 318. Br. V, 105. T.-R III, 275 ff.

[454] VI, 199. T.-R. III, 275 ff. IV, 126, vgl. Matthes. 126. Kolde, 321
f. 326 f. Hofmann 193.

[455] C.R. V, 641. 123 f. IV, 143. 154. 169. 303. V, 113. VI, 20 f.

[456] V, 273. 277. Froehlich sein: 294. 323. C.R. VI. 53 f.

[457] C.-R. V, 410.--Kaethe oder Melanchthon meint dabei wohl den
"Schwaben" Simon Lemnius und den Sachsen (Joh. Sachse aus) Holstein
(s.o.S. 146). Sie stellte uebrigens dem Melanchthon dies nicht als _ihre_
Meinung, sondern als Klage des Holstein dar.

[458] C.-R., V, 410.

[459] Die beiden Kanzler sind Brueck und Beier.

[460] _Zitzlaff_, Bugenhagen S. 107.

[461] _Kreussler_, Denkmaeler der Reformation L. 1817. S. 29. Abneigung
gegen Theologen-Weiber aus niederem Stande. Br. VI, 419. C.-R. V, 314^4.
S.o.S. 146^1. _Seidem._, Beitr. z. Ref.-Gesch. 496. Auch mit dem alten
Bildenhauer verkehrte L. viel. Vgl. T.-R. I, 24 ff.--Die
Krankenpflegerinnen des Mittelalters waren die "Beguinen oder
Seelweiber", _Matthes._ 159b.

[462] T.-R. III, 127. II, 210.


14. Kaethe und Luther.

Vgl. _Anton_ 117 ff.

[463] T.-R. IV, 124. 38. (77).

[464] _Kuechenmeister_: L. Krankheitsgeschichte. S. 54.

[465] T.-R. IV, 53. Br. VI, 332.

[466] _Lauterbach_ 2. _Kuechenmeister_ 111.

[467] _Lauterbach_ 2. _Kuechenmeister_ 111. Br. V, 51.

[468] Br. 330. T.-R. I, 134. 212. 213. IV, 129.

[469] Kaese V, 319. Bier von Jonas V, 100. Koenigin der Biere V, 470.
Sehnsucht vom Hof nach Haus: IV, 553. Hofbrot V, 51.

[470] T.-R. IV, 69: "Wenn ich bei mir selbs (daheim?) bin, dank ich
unserm Herrgott fuer das Erkenntnis der Ehe" T.-R. IV, 59. S.o.S. 123, 2.

[471] _Melanchthon_, Vita Lutheri p. 8. _Mayer_ Sec.27. _Hofmann_ 148. Das
Katechismusglas, T.-R. II, 144. III, 170.

[472] T.-R. IV, 300 f. Vgl. I, 103. Br. VI, 330.

[473] S.o.S. 71. 104 f. 126-128.

[474] Dr. Fr. _Kuechenmeister_, L.s Krankengeschichte. L. 1881.

[475] II, 616. III, 254. V. 330. VI, 115. 130. 144.

[476] T.-R. I, 208. _Walch_ XXI, 275*. _Kuechenmeister_ 52 f.

[477] Die Antrittsrede (_Hofmann_ 110) ist uebrigens nach damaliger Sitte
von Melanchthon verfasst.--Zum folg. vgl. S. 124.

[478] T.-R. IV, 271.--_Ratzeberger_ S. 61 f.

[479] Br. III, 219. 244.

[480] T.-R. II, 210. III, 51.

[481] _Kolde_, An. Luth. 234.

[482] _Mayer_ Sec.27. Keil II, 199. T.-R. I, 212. 210.

[483] _Anton_, L. Zeitverk. S. 117 ff.

[484] V, 163. IV, 599.

[485] Diese Anekdote, welche u.a. Albert _Richter_, Deutsche Frauen, L.,
Brandstaetter 1896, S. 162 erzaehlt, habe ich aus den Quellen nicht
belegen koennen.

[486] T.-R. III, 131. Br. IV, 123. Vgl. T.-R. II, 215. Da sagt L. von
seinen cholerischen Temperament: "Ich habe kein besser Werk denn Zorn
und Eifer; denn wenn ich wohl dichten, schreiben, beten und predigen
will, so muss ich zornig sein: da erfrischt sich mein Gebluete, mein
Verstand wird geschaerft und alle unlustigen Gedanken und Anfechtungen
weichen."

[487] _Strobel_, Beitr. II, 481 (C.-R. V, 314). (14. Febr. 1544). Scis
illum habere ad multa quae cum inflammant facem domesticam. Als 1533 der
Stadtschreiber _Roth_ von Zwickau mit seiner Frau und den dortigen
Geistlichen in Hader lebte und infolgedessen auch Luther gegen ihn
aufgebracht war, berichtete ein Student, Peter von Neumark, an Roth von
Dorothea, einer Verwandten von Roth, die an einen "seinen und zuechtigen
Schustergesellen" verheiratet war. "Sie (Dorothea Kersten) hat mir auch
darneben geklagt, wi das die Doktor Martinus Lutherin wiliche doch Hader
und Zank stillen solde ja vil mher haette angericht." _Buchwald_ 37.
104.--Das ist aber nach den Verhaeltnissen eine recht unlautere Quelle.

[488] _Buchwald_ 176. Vgl. Koestlin II, 492. 608 f.

[489] _Mayer_ Sec.27. Keil II, 199.

[490] Br. V, 790.

[491] S.o.S. 112. 106 f.

[492] IV, 174. Riedtesel: Kurf. Direktor.

[493] IV, 553. VI, 270.

[494] _Ratzeberger_ 122.

[495] III, 125. Vgl. IV, 49. Cord. 22.

[496] VI, 185. L. Test. S. 6.

[497] V, 422.

[498] Hier. _Weller_ Opp. I, 871. Test. 7.

[499] Cord. 1005. 1079. 55. T.-R. IV, 48. Der Sinn ist in beiden
Redensarten: Maulschellen geben = ueber den Mund fahren; bildlich: auf
eine scharfe Redensart mit einer scharfen (oder schaerferen)
erwidern.--Dass Luther es nicht woertlich meinte (wie Wrampelmeyer a.a.O.
anzunehmen scheint), geht aus T.-R. IV, 38 hervor, wo Luther von
Eheleuten, die einander "raufen und schlagen", sagt: "das sind nicht
Menschen." Uebrigens steht T.-R. IV. 48 die Rede in einem bestimmten
Zusammenhang. Da ist von einem Magister die Rede, der seine Freiheit an
eine reiche Frau verkauft hatte und dem diese uebers Maul fuhr: "Du
haettest muessen ein Bettler sein, wenn ich Dich nicht genommen." Da sagt
Luther: "Ich _haett_ auch gerne, dass" ...; da konnte man meinen, L. wolle
sagen: "Ich haette auch gerne, wenn mir meine Frau so uebers Maul
fahre"--freilich u.s.w.

[500] T.-R. IV, 72.

[501] IV, 553. Cordatus bemerkt in seiner bissigen Weise dazu: Das ist
sicherlich wahr (Nr. 1837). So ist auch in der Rede, worin Luther von
ihrem "Stolz" spricht, dessen er sie vor seiner Verheiratung fuer
verdaechtig hielt, die Einschaltung--vom Herausgeber der Reden oder als
neckende Bemerkung von Luther?--gemacht: ut est (wie es auch ist).
Lauterbach 162*.

[502] III, 10. IV, 649. V, 19. 59. 110. 304. 431. IV, 221. 524. VI, 304.
III, 512. 145. IV, 221. Auch Jonas' Frau nennt L. tuum dictative. III,
213.

[503] III, 15. IV, 632. V, 10.

[504] Br. III, 512. IV, 552. 132. 553. VI, 545. V, 296. 783. (786). VI,
269. 547. III, 341. V, 122. 127. 780. 784. 788. T.-R. IV, 119.

[505] T.-R. IV, 78. Vgl. 126.

[506] T.-R. IV, 78. I, 209. 208. 211 f. IV, 212.

[507] T.-R. I, 210. IV, 44. 125. I, 208. Sehr scharf spricht sich L. aus
ueber Schmaehungen von "Frauen und Jungfrauen". "Ob sie gleich Mangel und
Fehl haben." T.-R. IV, 126.

[508] T.-R. IV, 120. 77. III, 75. IV, 78. Cord. 48. Uebereinstimmend mit
dem Spruch der Frau Cotta schreibt L. in einem Beileidbrief (1536, Br.
IV, 687). "Es ist der hoechste Schatz auf Erden eine liebe Hausfrau."

[509] T.-R. IV, 52. _Cord._ 22. T.-R. IV, 50. 53.

[510] _Cord._ 249. 1780. T.-R. IV, 40.

[511] T.-R. 43 f. 54 ff. Reden ueber den Ehestand. IV, 34-156. Vgl.
_Froboese_, D.M.L. ernste kraeftige Worte ueber Ehe und ehel. Verhaeltnisse.
Hannover, 1823.

[512] T.-R. IV, 34. 38. 77. 73. 49. Cord. 1379.

[513] T.-R. IV, 50. 204.

[514] _Cord._ 22. T.-R. IV, 72. 50 f.

[515] Br. V, 126. T.-R. 58. 37 f.

[516] T.-R. I, 116. Com in ep. ad. Gal.--Seckendorf I, Sec. 63.
_Lauterbach_ 2. 37.

[517] Br. IV, 645. 649. (Das Lesen Br. IV, 649 wird wohl vom Flachslesen
gemeint sein.) T.-R. I, 20.--Vgl. Was Luther von den Juden sagt: "Sie
schreien wohl sehr und beten heftig, mit grossem Ernst und Eifer; mich
wundert's, dass Gott sie nicht erhoert." T.-R. I, 109.--_Koestlin_ II, 437.

[518] V, 787.--Link in Nuernberg schickt sogar seinen Annotationes in
Genesim an Kaethe. V, 713, vgl. _Buchw._ 48.

[519] Die Schreibkunst hochstehender Frauen veranschaulicht ein Brief
der Graefin von Mansfeld an Luther (vom 14. Sept. 1545), welcher so
anfaengt: "Lieber togktor ich besyntt auss eurem berichtt, das es kein
Floss (Fluss, Rheuma) ist noch wirtt" u.s.f. _Kolde_, An. L. 391.

[520] So erkundigt sich die Herzogin Sibylle schriftlich bei Luther nach
seinem lieben Weibe. So entbietet Herzog Albrechts liebe Gemahel Luthers
und Melanchthons Haeusern und tugendsamen Frau Dienst und Gruss. _Burkh._
162. Br. V, 638. _Kolde_, An. L. 189. Vgl. die Besuche von Fuersten und
Fuerstinnen.--Kaethe heisst auch bei den Freunden respektvoll die Domina,
Doctorissa, [Griechisch: despoina didaschalae] (vgl. S. 171)

[521] Im Museum zu Leipzig.

[522] V, 520.


15. Luthers Tod.

Hierzu besonders _Foerstemann_, Denkmale dem D.M.L. von s. Zeitgenossen
errichtet. Nordhausen 1846.

[523] S.o.S. 181, 2.

[524] V, 522. 544. 628 f. 642. T.-R. II, 261. Buendnis mit den Tuerken:
T.-R. IV, 661.

[525] Fladenkrieg. T.-R. IV, 444-47. _Ratzeberger_ 112. Mainz: Br. 522.
602. "Grickel und Jaeckel": V, 383. 629. 734. T.-R. II, 470. Koelner
Reform V, 584. 708. Epigonen: V, 527. 529. 539. 550. 553. 572. 586. 659.
663. V, 537. 571. 708 f. 727.

[526] V, 616. 708. _Ratzeb._ 123 f.

[527] Vgl. zu S. 134, 2. T.-R. IV, 98 f. 104. 500 ff. Ueberhaupt ueber
"die garstigen Juristen", (495): 478-541. 523: "Es ist ein ewiger Hader
und Kampf zwischen den Juristen und Theologen, wie zwischen Gesetz und
Gnade." _Beste_ 77 f. _Hofmann_. 156 f.

[528] Heimliche Verloebnisse. V, 616 ff. 627. 715. 747. 744. 763. T.-R.
IV, 99. 491 f. _Koestlin_, II, 580.

[529] V, 527. 586. 604. 679. 683. 688. 700. 704. 711. 726.

[530] V, 518.

[531] V, 643. 703.

[532] T.-R. III, 15 f.

[533] V, 359. _Kolde_, An. L. 391.

[534] V, 529. 743.

[535] V, 571. 534. Denkmale 31. 26. _Ratzeb._ 137.

[536] V, 600. 555. 638. 703. 743.

[537] V, 541. 571. 778.

[538] T.-R. III, 131. Br. V, 571.

[539] VI, 590. 628 ff. 570. 600. 642. 299. 674. Nach dem juengsten Tag
seufzt Luther auch sonst: Als L. einmal ein Paternoster (einen
Rosenkranz) von weissen Agatsteinen in der Hand hatte, sprach er: "O
wollte Gott, dass der Tag nur balde komme! Ich wollte das Paternoster
jetzt essen, dass er morgen kaeme." T.-R. I, 63.

[540] So Bugenhagen in seiner Leichenrede fuer Luther. Denkm. 92.

[541] V, 747.

[542] V, 753. 561. 710. VI, 302. Lob Nuernbergs: T.-R. IV, 665. _Burkh._
463. _Kolde_, An. L. 423. Br. V, 753.--"Kleiderordnungen" von 1562 und
1576; vgl. _Schadow_, Denkw. 60. 92.

[543] Br. V, 752 f.

[544] Ernst von Schoenfeld ist ein Bruder der Ave aus Nimbschen, welche
den Basilius Axt geheiratet hatte. Ueber ihn hatte sich L. 1540 beklagt,
dass er seiner Schwester ihre tochterliche oder fraeuliche Gebuehr
vor(ent)hielt. L. nimmt sich der Ave, (fuer die er sich einst
interessiert hatte, s.S. 46, 2, T.-R. IV, 50), in einem Briefe an den
Kurfuersten an, auch nach dem Tode ihres Mannes und ihrer Kinder (1541).
V, 289. 403. S.o.S. 16. 29.

[545] Das Schwarze Kloster.

[546] Die vier Fakultaeten?

[547] Georg von Anhalt, Bischof von Merseburg.

[548] "gesegnen von meinenwegen" = in meinem Namen Lebewohl sagen.

[549] _Burkh._ 475 ff. 483. _Kolde_, An. L. 416. 423.

[550] _Lingke_, L. Reisegeschichte, 284 f.

[551] Denkm. 1. 2. Br. V, 779. 771. _Ratzeb._ 134 ff. 129. Denkm. 22.

[552] "Unartiges" Wetter, _Ratzeb._ 134.--Reisegenossen, Jonas' Briefw.
II, 182 ff.--Vorbedeutung: _Ratzeb._ 130 f.

[553] V, 780 f.

[554] "Hans von Jena hat sie gebeten" = die Langeweile hat sie geplagt.

[555] V, 783 f., vgl. Jonas' Briefw. II, 182.

[556] C.R. VI, 60. Jonas' Briefw. II, 183. C.R. VI, 56. Denkm. 10. 64.

[557] V, 786.

[558] V, 787 f. 789 f.

[559] Hier und zum Folgenden L. Krankheits- und Sterbegeschichte von
Jonas, L.W. XXI, 274-393 und K. Ed. _Foerstemann_, Denkmale dem Dr. M.L.
errichtet, Nordhausen 1846.

[560] V, 791.

[561] Denkm. 23. C.R. VI, 54.--Man wollte bei dreien Naechten einen
Kometen gesehen haben; sonderlich behauptete das der Bote von Jonas an
Melanchthon, der sich fuer so etwas ganz besonders interessierte. Denkm.
21. 23. 25 ff. Jonas' Briefw. II, 282 f.

[562] Aus dem "Leichenprogramm" beim Tode Katharinas. Hofmann 136.

[563] Denkm. 10. 11.

[564] C.R. VI, 274. Denkm. 26. 53.

[565] Denkm. 78 f.

[566] Denkm. 81.

[567] Denkm. 76 f.

[568] Jonas Briefw. II, 183. Hofmann 112.

[569] "10 Gr. denen Pulsanten gegeben an Tag Cathedra Petri von allen
Glocken zu laeuten, do man den Ehrwuerdigen Herr Doctorem Martinum zu
Grabe getragen". Wittenb., Kaemmerei-Rechnung, Dm. 82. 142.

[570] Das eherne Bild, das mit den Zuegen des Doktors in die Wand
eingelassen werden sollte, kam des Krieges wegen erst spaeter zustande
und in die Kirche zu Jena, weil Wittenberg dem Kurhause verloren ging.
Denkm. 78 f.

[571] Br. VI, 650. Der Brief ist faksimiliert in der Illustr. Zeitung
1899, S. 149 f.; ist aber nicht von Katharinas Hand, sondern diktiert.
S. Seidemann, a.a.O.


16. Luthers Testament

Hierzu vgl. K. Ed. _Foerstemann_, D.M.L. Testamente. Nordhausen 1846.
Seidemann, Ztschr. f. histor. Th. 1860. S. 475 bis 564.

[572] _Rade_ (P. Martin) D.M.L., Neusalza 1887, III, 699. S.o.S. 201.

[573] "Die Welt ist undankbar" setzte L. an die Spitze seines
Hausbuches, in welchem er fuer die Seinigen eine Art testamentarische
Aufzeichnung machte, wegen ihrer Zukunft. VI, 324.

[574] V, 424.

[575] S.o.S. 201. V, 424.

[576] V, 424. VI, 324. 326.

[577] S.o.S. 83. _Kolde_, An. L. 416. _Burkh._ 482 f.

[578] T.-R. IV, 522 heisst es zwar: "Nur _ein_ Jurist ist fromm (brav)
und weise. Dr. Gregorius _Brueck_." Dagegen 525. "Etliche sind fromm wie
Dr. _Sebald_; etliche aber sind eitel Teufel."

[579] _Burkh._ 482. _Kolde_, An. L. 421-23. _Buchwald_ 180: L. zieht weg
propter pessimos mores.

[580] Grundbes. 531. Br. V, 304. Denkm. 76 f.

[581] Denkm. 27. 79. L.W. XXI, 299*.--Hierbei hatte Brueck von den
"groben Fleischern und Fischern" geredet: "Man soll (wird) der Frauen
wohl bald mit ungestuemen Worten, wenn man schuldig ist, zu Halse laufen"
(S. 95 f.). Auch Luther hatte in Beziehung auf die Wittenberger Buerger
an die Spitze seines Tagebuchs geschrieben: "Die Leute sind grob". (VI,
324.)

[582] _Seckendorf_ III, 647. am 24. Febr., wenn hier keine Verwechslung
mit dem Schreiben vom 20. vorliegt.

[583] C.R. VI, 81.

[584] Denkm. 163.

[585] Denkm. 167 f.

[586] Denkm. 169.

[587] Th. St. und Krit. 1896, S. 161.

[588] V, 25 f. 424.

[589] T.-R. IV, 521: "L. klagte ueber die Armut und Elend der Theologen,
wie sie allenthalben gedrueckt wuerden und dazu helfet ihr Juristen
redlich und drueckt uns weidlich."--IV, 145: "Wir arme Moenche und Nonnen
muessen herhalten. Dr. Pommer sollte nach weltlichem Rechte entsetzt
werden. Weil aber solche Rechte noch nicht exequieret und vollzogen
sind, so ist die Frage, ob seine Kinder auch seiner Gueter Erben sein
koennen."

[590] V, 403, vgl. 307. Grundbes. 511 ff. _Nobbe_ Ztschr. f. hist. Th.,
1870, S. 173.

[591] Br. V, 422 ff. Sachsenrecht. T.-R. IV, 51.

[592] Sorge: _Rebenstock_ I, 229.--Barschaft Testam. 48, vgl. 28. Br.
VI, 324 f.--Schatzung Br. VI, 304. V, 499. Verschreibung des Kurfuersten,
_Burkh._ 402 f. Der Grafen, Denkm. 169.

[593] Wolfs "Gnadenbrief". _Richter_ 379. _Seidemann_, N. Mitt. VIII,
37. 21. 26. Grundbes. 508.

[594] S.o.S. 82 f. und Anmerkg.--Test. 31.

[595] S.o.S. 85. Grundbes. 530 f. zu S. 227 ff. Bruecks Gutachten, Test.
29-41.

[596] Ob die 100 fl. Bauholz fuer ein Scheunlein nicht zu hoch gegriffen
sind?--Wenn das Guetlein Zulsdorf Kaethen auf 1600 fl. zu stehen gekommen
waere, so muesste sie in dasselbe, welches nur 610 fl. kostete, 1000 fl.
verbaut haben. Uebrigens wurde das Gut 1553 trotz der Kriegsverwuestung
um 956 fl. verkauft.

[597] "Voegel fangen", wohl auf Wolfs Vogelherd, s. "Klageschrift der
Voegel an Lutherum ueber seinen Diener Wolfgang Siebergern." Br. VI, 164.
Vgl. oben S. 207.

[598] "Man": Der Text laesst nicht erkennen, ob Melanchthon oder Brueck
darunter gemeint ist.

[599] Test. 41-44.

[600] Test. 44 f.

[601] Br. V, 754 an Ratzeberger: uxori tuae commatri, affini et
Landsmanninae Meae.

[602] Test. 44-46.

[603] Test. 46 f. 48. Vormuender: 50-52.

[604] Test. 52 f. Richter 375.--Am 21. Maerz hatte Melanchthon an M.
Grodel in Torgau geschrieben, er moechte dafuer besorgt sein, dass ihre
Eingabe an den Kurfuersten durch Dr. Ratzeberger richtig uebergeben werde;
diese Eingabe ist wohl Katharinas Bitte um Bestaetigung des
"Testamentes". Diese Betaetigung zoegerte sich uebrigens 3 Wochen, bis zum
11. April hinaus.

[605] Test. 47-66.

[606] Test. 47-50. 59 f. 62-64.

[607] Test. 64. (C.R. VI, 149). Grundbes. 548. Quittung fuer 2000 fl.
Test. 65 f.

[608] Test. 35-37. 46. 49.

[609] Test. 44. 51. 54-57.

[610] S. 235-237. Test. 57-62. Grundbes. 530-564.

[611] Grundbes. 494.

[612] Br. V, 650.

[613] Br. V, 649.

[614] C.R. VI, 81.

[615] Hofmann 122, 84.


17. Krieg und Flucht.

[616] C.R. VI, An. IX. 185. 190.

[617] Zitzlaff 119. C.R. VI, 249. Arnold in seiner Kirchen- und
Ketzerhistorie meldet, nicht in freundlicher Absicht, Hans, der
Erstgeborene und Katharinas Lieblingssohn, sei mit dem Kurfuersten in
den Krieg gezogen als Faehnrich. Das entspraeche freilich ganz dem Willen
des Vaters, der seine Soehne wenigstens gegen den Tuerken schicken wollte,
ja selber wider ihn ziehe, wenn er noch haette koennen. Br. V, 450 sagt
Luther: "Wo ich nicht zu alt und zu schwach, moechte ich persoenlich unter
den Haufen sein" (gegen die Tuerken 1542). Vgl. Cord 834.--Robsten,
Beitr. zur Geneal. des Luth. Geschlechtes, Jena 1754, p. 7.

[618] Vgl. hier und zum Folgenden: Voigt, Ztschr. f. K.-G. 1877, S. 158
ff.

[619] C.R. VI, 268.

[620] C.R. VI, 290. _Liliencron_, Histor. Volkslieder IV, Nr. 546.

[621] Grundbes. 521. _Zitzlaff_ 121.

[622] C.R. VI, 296-299. 301. _Waltz_, Ztschr. f. K.-G. 1878, S. 167.

[623] C.R. 345. 355. 535.

[624] _Kolde_, An. L. 433 f.

[625] _Hofmann_ 123 f.

[626] _Hofmann_ 124.

[627] Grundbes. 537 f. C.R. VI, 513. 515. 537.

[628] _Zastrow_, Mohnike I, 260. C.R. VI, 355. 428. 431. 520-31.

[629] _Zitzlaff_ 122. Bugenhagen: "Mein Weib kommt sehr fruehe gelaufen
ans Bett und ruft: "Ach, mein lieber Herr, unser lieber Landesfuerst ist
gefangen." Ich sagt: "Das ist, will's Gott, nicht wahr."--Er habe diese
Stadt und Kirche, welche Luther ihm als Braut anvertraut, mit zerissenem
Haar und Kleid gesehen.

[630] C.R. VI, 534-38. 621. 625. 640. 541. 549.

[631] C.R. VI, p. XII. _Ratzeberger_ 170 f. "Er war ueberredet worden,
dass man ueber Luthers Begraebnis Nacht und Tag brennende Lampen haenge und
Wachskerzen stehen haette, und davor betete, als in den papistischen
Kirchen vor der Heiligen Reliquien geschehen." _Zastrow_ (Mohnike) II,
22.

[632] C.R. VI, 563. 586.


18. Der Witwenstand.

[633] Vgl. Teil-Recess. _Beste_ 129. C.R. VI. 585. _Zitzlaff_,
"Bugenhagen" 122. Dass nur Deutsche in die Stadt durften, hatten sich die
Wittenberger ausbedungen. Als nun aber die Spanier mit dem Kaiser am
Schlossthor eindringen wollten, warfen die Wittenberger sie in den
Graben, "dass sie nass wurden wie die Katzen".

[634] Briefw. des Jonas II, 281. _Zitzlaff_ 121 f. Die Hussern waren
nicht so schlimm, wie die Spanier.

[635] Briefw. Jonas II, 281. Grundbes. 558.

[636] C.R. VII, 125. 536.

[637] _Richter_ 390 f. C.R. VI, 669-693. 714.

[638] _Grulich_, Torgau 112. _Matthes._ 68 (7. Pred.) _Richter_ 390.
396.

[639] Grundbes. 494.

[640] _Hofmann_ 129.

[641] Waltz 181.

[642] Jonas' Briefw. 259.

[643] _Robsten_, Beitraege zur Geneal. des Luther. Geschl., Jena 1754.
_Keil_, Leben Hanss L., p. 89: "Joh. L. miles redux vitam egit
domesticam."

[Transkriptions-Anmerkung: Zu den folgenden beiden Bemerkungen gibt es
keine Verweise im Text.]

C.R. VII, 409 ff. Grundbes. 558. Jonas' Briefw. 280 ff. 295.

C.R. VII, 408 f. 430.

[644] C.R. VII, 502.

[645] _Kolde_, An. L. 433. Grundbes. 558 f.

[646] [Transkriptions-Anmerkung: Keine Bemerkung zum Verweis vorhanden.]

[647] Grundbes. 559. C.R. VII, 411.

[648] _Richter_, 325 f. C.R. VII, 611. 637.

[649] C.R. VII, 945.

[Transkriptions-Anmerkung: Zur folgenden Bemerkung gibt es keinen
Verweis im Text.]

Grundbes. 559.

[650] _Hofmann_ 141 f.

[651] [Transkriptions-Anmerkung: Keine Bemerkung zum Verweis vorhanden.]


19. Katharinas Tod.

[Transkriptions-Anmerkung: Zu den folgenden 4 Bemerkungen gibt es keine
Verweise im Text.]

_Grulich_, Denkw. Torgaus S. 86.

_Mayer_ 62. 122. _J.T. Lingke_, Hrn. D.M.L. Geschaefte und Andenken zu
Torgau, 1764. S. 69-75.

Nach _Grulich_ wohnte K. beim Stadtrichter M. Reichenbach im
Gruenwaldschen Hause. Das Haus "Auf dem Scharfenberg" (heute
"Lutherhaus") in dem "Karniergaesschen" (heute "Luthergasse") war nicht
Katharinens hospitium; es hatte nur nach Wittenberg Zins zu zahlen.
_Grulich_ S. 70 f. 86. _Grulich_, Annales th. eccl., 1734. S. 176.
_Lingke_ a.a.O. S. 70.--Sollte M. Reichenbach in Torgau eine
Verwechslung sein mit M. Reichenbach in Wittenberg, bei dem K. 1523
wohnte (S. 39)? Die Familie Reichenbach, auch der Pflegevater Katharinas
stammt aus Zwickau. _T. Schmidt_, Chronik der Stadt Zwickau, 472.
_Buchwald_ 108.

_Juncker_ 250.

[652] _Richter_ 493 f. Vgl. die Kleiderordnung fuer Wittenberg 1576. S.
169.

[653] Diese Rede Katharinas wurde von zwei Dichtern in Kirchenliedern
verwendet. In dem Liede eines unbekannten Verfassers (Anna von Stolberg
1600?, nicht Simon Graf, geb. 1609): "Christus, der ist mein Leben,"
heisst die letzte (7.) Strophe. "_Und lass mich an dir kleben, wie eine
Klett am Kleid_, und ewig bei dir leben in Himmelswonn und Freud."
Ebenso heisst es in Chr. Reimanns (1607-1662) Lied: "Meinen Jesus lass ich
nicht, weil er sich fuer mich gegeben, so erfordert meine Pflicht,
klettenweis an ihm zu kleben." _E.E. Koch_, Gesch. der Kirchenlieder IV,
667, behauptet zwar, der Ausdruck schreibe sich von Herzogin Katharina
von Sachsen, geb. von Mecklenburg ([Symbol: gestorben] 1561) her, welche
bei ihrem Ende gesagt habe, "sie wolle an ihrem Herrn Jesus mit Glauben
kleben bleiben, wie die Klette am Kleid."--Jedenfalls hat Katharina die
Prioritaet.

[654] C.R. VII, 1155 f.

[655] _Lingke_ 71. _Grulich_ 87.

[656] Der Leichenstein wurde zum Reformations-Jubelfest 1617 von "Daniel
Fritschen dem Mahler" fuer 9 Groschen uebermalt. Dazu wurde ein Bote (fuer
2-1/2 Gr.) nach Eilenburg geschickt, zu Prediger M. Behem, mit welchem
Luthers Enkelin Katharina, die Tochter von Hans Luther, verheiratet war.
_Lingke_ 73.

[657] _Juncker_, Ehrenged. L. (deutsch.) 243 f.

[658] Br. V, 424.--Vgl. die aeltere Litteratur bei _Hofmann_
183-203.--_Boehringer_, K.v.B., Barmen. _Meurer, K.v.B.L._ 1876.
_Rietschel_, L. und sein Haus. Halle 1888. Romanhaft gehalten. _Armin
Stein_ (H. Nietschmann), K.v.B., Luthers Ehegemahl, ein Lebensbild. 4.
A. Halle 1897.

[659] Bugenhagen schreibt an Koenig Christian als "Wort eines grossen
Fuersten": "Wir haben hier zwei Regenten gehabt ueber weltliches und
geistliches Regiment, den Kaiser und Luther." _Zitzlaff_ 106.

[660] Das Faksimile ist von einem Brief Katharinas an den daenischen
Koenig, original in Kopenhagen. 3/4 n. Gr. Vgl. folg. Brief:

"Von den drei im hiesigen Archiv aufbewahrten Briefen von Katharina von
Bora an den Koenig Christian III. von Daenemark sind die zwei entschieden
nicht eigenhaendig. Der dritte ist auch von einer Schreiberhand
herruehrend; von dessen Unterschrift sind aber, wie aus dem beifolgenden
Faksimile hervorgeht, die Buchstaben: "E.K.M. vnterthenige" von einer
andern Hand als der Brief selbst geschrieben, und die eigentliche
Unterschrift wieder von einer dritten. Die Originalurkunde giebt den
Eindruck, dass Katharina selbst die Unterschrift angefangen, dieselbe
aber aus irgend einer Ursache aufgegeben habe und dass also nur die oben
zitierten Buchstaben von ihr eigenhaendig sind."

_Thiset_, Archivar.

Dieser Einsatz wird um so mehr von Katharina herruehren, als auch eine
Einfuegung in dem ersten Brief Katharinas an den Herzog Albrecht ("ge"
S. 252, Z. 19, original in Koenigsberg) Aehnlichkeit mit dieser
Handschrift im Kopenhagener Brief zeigt.

Da saemtliche vorhandene Briefe Katharinas Kanzleischrift haben, so sind
diese drei Buchstaben "E.K.M." und das Wort "vnterthenige" wohl das
einzige, was von Katharinas Hand erhalten ist.

Das _Siegel_ Katharinas ist von den Briefen an Herzog Albrecht, wohl ein
Siegelring; es zeigt den Loewen Derer "v. Bora".

_Bilder_ Katharinas sind (unvollstaendig) verzeichnet bei Hofmann S. 168
f. Hier sei nur bemerkt, dass das S. 55 beschriebene Bild im Lutherhaus
in Wittenberg haengt; das auf S. 193 erwaehnte im Museum zu Leipzig. Das
Nuernberger, frueher in der Morizkapelle, jetzt im German. Museum, ist
weder von Kranach, noch stellt es Katharina vor.




Register.


Ablass
Aebtissin
Agnes (Nisa) Lauterbach
Agricola, Joh. = M. Eisleben
Agricola, Frau Elisabeth
Alemann, Ave
Altenburg
Amsdorf, Nicolaus von
Anhalt, Fuersten
Apel
Audi Koppe
Augsburg
Aurifaber = Goldschmidt
Aurogallus, Matth.
Axt, Lic. Basilius

Bader, Kastner (Kastellan) auf Koburg und Frau
Barnes, D. Robert
Baumgaertner, Hieron.
Bayer (Baier, Beier), Vizekanzler
Berndt, Ambros
Besold
Bildenhain, Bildenhauer
Booss (Boese) Gut
Bora
Bora, Christina
Bora, Clemens
Bora, Florian, (lies Florian statt Fabian)
Bora, Hans
Bora, Katharina
Bora, Maria
Bora, Magdalene (s. "Muhme Lene")
Borna
Brandenburg, Herzog Albrecht
Brandenburg, Elisabeth von
Brandenburg, Georg Markgraf
Brandenburg, Joachim Kurfuerst I.
Braunschweig
Braunschweig, Herzogin Elisabeth
Briefe Luthers an Kaethe:
  Von Marburg
  von Wittenberg
  von Koburg
  von Torgau
  von Schmalkalden
  von Eisenach
  von Zeitz
  von Halle
  von Eisleben
  Brief der Hausfreunde an Kaethe
Briefe Kaethes
Brisger, Eberhard
Brueck, Dr. Gregorius
Bruno (Brauer, Haus Bruno)
Bugenhagen, Joh. = D. Pommer
Bugenhagen, Frau
Butzer (Bucer)

Camerarius, Joachim
Canitz, Elisabetha (Else) von
Capito, Wolfg.
Cario, Joh.
Carlstadt
Coburg
Cordatus
Crafft
Cranach
Crodel, Marcus, Schulmeister in Torgau
Cronberg, Hartmut von

Daenemark, Christian II. von, 39. 71.
Daenemark, Christian III.
Dene, Thilo
Dessau
Dietrich, Veit
Doctores
  Doktorschmaus
Dolzig, Hofmarschall
Domina
  = Aebtissin
  = Frau D. Luther
Doering, Christian (Aurifaber)
Duerr, Kanzler
Duerer, Albrecht

Eber, Paul
Eck
Einsiedel, Heinrich von
Eisenach
Eisleben, Stadt
Eisleben, D.
Emser
England, Heinrich VIII., Koenig
Englaender ("Engeleser") s. Barnes
Erasmus
Erfurt

Ferdinand, Koenig
Feste
Fladenkrieg
Florentina, eine Nonne
Freiberg
Friedrich Becker (Pistorius), Abt in Nuernberg
Fuendli-Haus zu Nuernberg

Gabriel = Zwilling
Gerbel, Lic.
Glatz, D.
Goldschmidt s. Aurifaber.
Goritz
Gotha
Grimma
Gross Ave
Grumbach, Argula von,
Gruene, Friedr. von, Feldzeugmeister

Hagenau, Reichstag
Halle
Hasenberg
Haubitz, Anna von
Haubitz, Margarete von
Haugwitz
Hausfreunde
Hausmann
Heinrich VIII., von England
Heidten
Hennick
Heuthlin
Hirsfeld (Hirschfeld), Bernhard von
Hohndorf, Buergermeister
Holstein
Honold, Hans, Buerger von Augsburg
Horen
Humanisten

Jaeckel s. Jakob Schenk
Jena
  "Hans von Jena"
Johannes, der Schweinehirt,
Jonas, Justus
Jonas, Christoph
Jonas, Elisabeth
Jonas, Justus d.J.
Jonas, Katharina
Jonas, Sofia
Joerger, Christoph und Dorothea von Tollet
Juristen

K siehe C.
Kanitz s. Canitz.
Karl V.
Karlstadt s. Carlstadt
Kaufmann, Andreas
Kaufmann, Cyriac
Kaufmann, Joerg
Kaufmann, Fabian
Kaufmann, Lehne (s. Muhmchen Lene)
Kaufmann, Else
Kegel
Kieritzsch
Klausur
Klosterkinder
Kloster-Regel
Koburg s. Coburg.
Koenigsberg
Koppe, Leonhard.
Kreuziger (Cruciger) Kasper
  (Frauen)
Kummer
Kunheim, von

Lauterbach
Lauterbach, Frau
Leipzig
Lemle (Leminus)
Lene (von Bora), Muhme, d. Aeltere
Lene, (Kaufmann) Muhme, d. Juengere
Lichtenberg
Lindemann, Kaspar
Link, Wenzel
Lippendorf
Lischnerin, Barbara
Loeser, Hans, zu Pretsch, Erbmarschall
Loeser, Hans, der Sohn
Lufft, Hans, Buchdrucker
Lueneburg, Herzog
D.M. Luther
  Tischreden
  Geselligkeit
  Krankheiten
Luthers Eltern
Luthers Kinder
  Hans, d.J.
  Elisabeth
  Magdalene
  Martin
  Paul
  Margareta
Luthers Bruder: Jacob
Luthers Neffe: Martin
Luthers Schwester: Dorothea
Lutherbrunnen

Magdeburg
Magister
Mainz, Kurfuerst Erzbischof Albrecht
Maehrische Brueder
Major Georg
Mansfeld, Stadt
Mansfeld, Grafen
  Graf Albrecht
  Graefin
  Soehne
Marburg
Matthesius, Joh.
Maugen (a Maugis)
Medler
Melanchthon, M. Philipp
Melanchthon, Lippus
Melanchthons Frau, Katharina
Menius
Meissen
Mergenthal, Hans von
Mergenthal, Kath. von
Metsch, Hans
Mohr (Aetiops)
Mochau, Margr. v.
Moenche
Morgenstern v. Wittenberg
Mueller, Kaspar Kanzler
Motterwitz
Muenster, Dr. Sebald
Muensterberg, Ursula, Herzogin
Myconius (Mekum) Fr.

Naumburg
Neobolus (Neuheller)
Niemeck
Nimbschen
Nonnen im Kloster
  entflohen
Nonnen-Ehe
  Nonnen-Kind
Novizen
Nordhausen
Nuernberg

Pfister
Pforta
Pforzheim
Pirkheimer
Pirna
Plato
Polner, Hans
Pommer = Bugenhagen
Preussen, Albrecht, Herzog von
Probst
Professoren

Ratzeberger, Dr. Matthias
Reichenbach, M. Phil.
Reliquien
Reuchlin = Reichel
Reuter, Buergermeister
Riedtesel
Rischmann
Roehrer (Rorer, Rorarius) Gg.
Rosina
Roth
Rothenburg
Ruehel
Rutfeld

Sabinus, Melanchthons Schwiegersohn
Sachsen, Land
Sachsen: Georg, Herzog
  Heinrich
  Moriz
  Kurfuerst Friedrich
  Johann
  Joh. Friedrich
  Johann Ernst
Sala, Hanna von
Saumarkt
Schenck, Jakob
Sibylle, Herzogin
Schiefer
Schla(g)inhausen
Schmalkalden
Schnell, Georg
Schoenfeld, Ave (Eva)
  Ernst
Schurf, Augustin, Arzt
  Hieron., Jurist
  Hanna, geb. Muschwitz
Severus = Schiefer.
Sieberger, Wolfgang
Spalatin
Specke
Speckstudenten
Speratus
Spiegel, Erasmus, Stadthauptmann von Wittenberg
Staupitz, Joh. von
Staupitz, Magdalena
Stiefel, Michael
Strauss, Anna (Hanna)
Studenten, "Bruder Studium"

Tagloehner Kaethes
Taubenheim, Hans von
Taubenheim, Dietrich
Tischreden
Tollet s. Joerger
Tommitzsch, Wolf
Torgau

Ursula s. Muensterberg

de Vay
Vergerius, Kardinal
Viscamp

Wachsdorf
Warbeck
Weimar
Weller, Hieron.
Weller, Mathias
Weller, Peter
  S. Lischner.
Wittenberg, Stadt und Rat
Wolf(gang) s. Sieberger

Zeschan
Zell, Katharina (Schuetzin)
Zink, Hans
Zulsdorf
Zwilling





End of the Project Gutenberg EBook of Katharina von Bora, by D. Albrecht Thoma

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KATHARINA VON BORA ***

***** This file should be named 12636.txt or 12636.zip *****
This and all associated files of various formats will be found in:
        https://www.gutenberg.org/1/2/6/3/12636/

Produced by Charles Franks and the DP Team

Updated editions will replace the previous one--the old editions
will be renamed.

Creating the works from public domain print editions means that no
one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
(and you!) can copy and distribute it in the United States without
permission and without paying copyright royalties.  Special rules,
set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark.  Project
Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
charge for the eBooks, unless you receive specific permission.  If you
do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
rules is very easy.  You may use this eBook for nearly any purpose
such as creation of derivative works, reports, performances and
research.  They may be modified and printed and given away--you may do
practically ANYTHING with public domain eBooks.  Redistribution is
subject to the trademark license, especially commercial
redistribution.



*** START: FULL LICENSE ***

THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK

To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
distribution of electronic works, by using or distributing this work
(or any other work associated in any way with the phrase "Project
Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
Gutenberg-tm License (available with this file or online at
https://gutenberg.org/license).


Section 1.  General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
electronic works

1.A.  By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
and accept all the terms of this license and intellectual property
(trademark/copyright) agreement.  If you do not agree to abide by all
the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.

1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
permission of the copyright holder found at the beginning of this work.

1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5.  Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
word processing or hypertext form.  However, if you provide access to or
distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
form.  Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8.  You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
that

- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
     you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
     does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
     License.  You must require such a user to return or
     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH F3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
refund.  If you received the work electronically, the person or entity
providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
https://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at https://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit https://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including including checks, online payments and credit card
donations.  To donate, please visit: https://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     https://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
