The Project Gutenberg EBook of Beantwortung der Frage: Was ist Aufklrung?, by 
Immanuel Kant

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Title: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklrung?

Author: Immanuel Kant

Release Date: December 31, 2009 [EBook #30821]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK BEANTWORTUNG DER FRAGE ***




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  [ Anmerkungen zur Transkription:

    Der Text stammt aus: Immanuel Kants Werke. BandIV. Schriften von
    1783-1788. Herausgegeben von Dr. Artur Buchenau und Dr. Ernst Cassirer.
    Berlin: Bruno Cassirer 1913. S.167-176 und 538-539 (Lesarten).

    Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden bernommen;
    lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste
    der vorgenommenen nderungen findet sich am Ende des Textes.

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Beantwortung der Frage: Was ist Aufklrung?


=Aufklrung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten
Unmndigkeit.= =Unmndigkeit= ist das Unvermgen, sich seines Verstandes
ohne Leitung eines anderen zu bedienen. =Selbstverschuldet= ist diese
Unmndigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes,
sondern der Entschlieung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung
eines andern zu bedienen. _Sapere aude!_ Habe Mut, dich deines =eigenen=
Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklrung.

Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so groer Teil der
Menschen, nachdem sie die Natur lngst von fremder Leitung
freigesprochen (_naturaliter maiorennes_), dennoch gerne zeitlebens
unmndig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren
Vormndern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmndig zu sein. Habe ich ein
Buch, das fr mich Verstand hat, einen Seelsorger, der fr mich Gewissen
hat, einen Arzt, der fr mich die Dit beurteilt usw., so brauche ich
mich ja nicht selbst zu bemhen. Ich habe nicht ntig zu denken, wenn
ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrieliche Geschft schon
fr mich bernehmen. Da der bei weitem grte Teil der Menschen
(darunter das ganze schne Geschlecht) den Schritt zur Mndigkeit, auer
dem da er beschwerlich ist, auch fr sehr gefhrlich halte, dafr
sorgen schon jene Vormnder, die die Oberaufsicht ber sie gtigst auf
sich genommen haben. Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben
und sorgfltig verhteten, da diese ruhigen Geschpfe ja keinen Schritt
auer dem Gngelwagen, darin sie sie einsperreten, wagen durften, so
zeigen sie ihnen nachher die Gefahr, die ihnen drohet, wenn sie es
versuchen, allein zu gehen. Nun ist diese Gefahr zwar eben so gro
nicht, denn sie wrden durch einigemal Fallen wohl endlich gehen lernen;
allein ein Beispiel von der Art macht doch schchtern und schreckt
gemeiniglich von allen ferneren Versuchen ab.

Es ist also fr jeden einzelnen Menschen schwer, sich aus der ihm
beinahe zur Natur gewordenen Unmndigkeit herauszuarbeiten. Er hat sie
sogar liebgewonnen und ist vorderhand wirklich unfhig, sich seines
eigenen Verstandes zu bedienen, weil man ihn niemals den Versuch davon
machen lie. Satzungen und Formeln, diese mechanischen Werkzeuge eines
vernnftigen Gebrauchs oder vielmehr Mibrauchs seiner Naturgaben, sind
die Fuschellen einer immerwhrenden Unmndigkeit. Wer sie auch abwrfe,
wrde dennoch auch ber den schmalesten Graben einen nur unsicheren
Sprung tun, weil er zu dergleichen freier Bewegung nicht gewhnt ist.
Daher gibt es nur wenige, denen es gelungen ist, durch eigene Bearbeitung
ihres Geistes sich aus der Unmndigkeit herauszuwickeln und dennoch einen
sicheren Gang zu tun.

Da aber ein Publikum sich selbst aufklre, ist eher mglich; ja es ist,
wenn man ihm nur Freiheit lt, beinahe unausbleiblich. Denn da werden
sich immer einige Selbstdenkende, sogar unter den eingesetzten
Vormndern des groen Haufens finden, welche, nachdem sie das Joch der
Unmndigkeit selbst abgeworfen haben, den Geist einer vernnftigen
Schtzung des eigenen Werts und des Berufs jedes Menschen, selbst zu
denken, um sich verbreiten werden. Besonders ist hiebei: da das
Publikum, welches zuvor von ihnen unter dieses Joch gebracht worden, sie
hernach selbst zwingt, darunter zu bleiben, wenn es von einigen seiner
Vormnder, die selbst aller Aufklrung unfhig sind, dazu aufgewiegelt
worden; so schdlich ist es, Vorurteile zu pflanzen, weil sie sich
zuletzt an denen selbst rchen, die oder deren Vorgnger ihre Urheber
gewesen sind. Daher kann ein Publikum nur langsam zur Aufklrung
gelangen. Durch eine Revolution wird vielleicht wohl ein Abfall von
persnlichem Despotism und gewinnschtiger oder herrschschtiger
Bedrckung, aber niemals wahre Reform der Denkungsart zustande kommen;
sondern neue Vorurteile werden, ebensowohl als die alten, zum Leitbande
des gedankenlosen groen Haufens dienen.

Zu dieser Aufklrung aber wird nichts erfordert als =Freiheit=; und zwar
die unschdlichste unter allem, was nur Freiheit heien mag, nmlich
die: von seiner Vernunft in allen Stcken =ffentlichen Gebrauch= zu
machen. Nun hre ich aber von allen Seiten rufen: =Rsonniert nicht!=
Der Offizier sagt: Rsonniert nicht, sondern exerziert! Der Finanzrat:
Rsonniert nicht, sondern bezahlt! Der Geistliche: Rsonniert nicht,
sondern glaubt! (Nur ein einziger Herr in der Welt sagt: =Rsonniert=,
soviel ihr wollt und worber ihr wollt, =aber gehorcht=!) Hier ist
berall Einschrnkung der Freiheit. Welche Einschrnkung aber ist der
Aufklrung hinderlich, welche nicht, sondern ihr wohl gar befrderlich?
-- Ich antworte: Der =ffentliche= Gebrauch seiner Vernunft mu
jederzeit frei sein, und der allein kann Aufklrung unter Menschen
zustande bringen; der =Privatgebrauch= derselben aber darf fters sehr
enge eingeschrnkt sein, ohne doch darum den Fortschritt der Aufklrung
sonderlich zu hindern. Ich verstehe aber unter dem ffentlichen Gebrauche
seiner eigenen Vernunft denjenigen, den jemand =als Gelehrter= von ihr
vor dem ganzen Publikum der =Leserwelt= macht. Den Privatgebrauch nenne
ich denjenigen, den er in einem gewissen ihm anvertrauten =brgerlichen
Posten= oder Amte von seiner Vernunft machen darf. Nun ist zu manchen
Geschften, die in das Interesse des gemeinen Wesens laufen, ein gewisser
Mechanism notwendig, vermittelst dessen einige Glieder des gemeinen
Wesens sich blo passiv verhalten mssen, um durch eine knstliche
Einhelligkeit von der Regierung zu ffentlichen Zwecken gerichtet oder
wenigstens von der Zerstrung dieser Zwecke abgehalten zu werden. Hier
ist es nun freilich nicht erlaubt zu rsonnieren; sondern man mu
gehorchen. Sofern sich aber dieser Teil der Maschine zugleich als Glied
eines ganzen gemeinen Wesens, ja sogar der Weltbrgergesellschaft
ansieht, mithin in der Qualitt eines Gelehrten, der sich an ein
Publikum im eigentlichen Verstande durch Schriften wendet, kann er
allerdings rsonnieren, ohne da dadurch die Geschfte leiden, zu denen
er zum Teile als passives Glied angesetzt ist. So wrde es sehr
verderblich sein, wenn ein Offizier, dem von seinen Oberen etwas
anbefohlen wird, im Dienste ber die Zweckmigkeit oder Ntzlichkeit
dieses Befehls laut vernnfteln wollte; er mu gehorchen. Es kann ihm
aber billigermaen nicht verwehrt werden, als Gelehrter ber die Fehler
im Kriegesdienste Anmerkungen zu machen und diese seinem Publikum zur
Beurteilung vorzulegen. Der Brger kann sich nicht weigern, die ihm
auferlegten Abgaben zu leisten; sogar kann ein vorwitziger Tadel solcher
Auflagen, wenn sie von ihm geleistet werden sollen, als ein Skandal,
(das allgemeine Widersetzlichkeiten veranlassen knnte), bestraft
werden. Ebenderselbe handelt demohngeachtet der Pflicht eines Brgers
nicht entgegen, wenn er als Gelehrter wider die Unschicklichkeit oder
auch Ungerechtigkeit solcher Ausschreibungen ffentlich seine Gedanken
uert. Ebenso ist ein Geistlicher verbunden, seinen Katechismusschlern
und seiner Gemeinde nach dem Symbol der Kirche, der er dient, seinen
Vortrag zu tun, denn er ist auf diese Bedingung angenommen worden. Aber
als Gelehrter hat er volle Freiheit, ja sogar den Beruf dazu, alle seine
sorgfltig geprften und wohlmeinenden Gedanken ber das Fehlerhafte in
jenem Symbol und Vorschlge wegen besserer Einrichtung des Religions-
und Kirchenwesens dem Publikum mitzuteilen. Es ist hiebei auch nichts,
was dem Gewissen zur Last gelegt werden knnte. Denn was er zufolge
seines Amts als Geschfttrger der Kirche lehrt, das stellt er als etwas
vor, in Ansehung dessen er nicht freie Gewalt hat, nach eigenem
Gutdnken zu lehren, sondern das er nach Vorschrift und im Namen eines
andern vorzutragen angestellt ist. Er wird sagen: unsere Kirche lehrt
dieses oder jenes; das sind die Beweisgrnde, deren sie sich bedient. Er
zieht alsdann allen praktischen Nutzen fr seine Gemeinde aus Satzungen,
die er selbst nicht mit voller berzeugung unterschreiben wrde, zu
deren Vortrag er sich gleichwohl anheischig machen kann, weil es doch
nicht ganz unmglich ist, da darin Wahrheit verborgen lge, auf alle
Flle aber wenigstens doch nichts der innern Religion Widersprechendes
darin angetroffen wird. Denn glaubte er das letztere darin zu finden, so
wrde er sein Amt mit Gewissen nicht verwalten knnen; er mte es
niederlegen. Der Gebrauch also, den ein angestellter Lehrer von seiner
Vernunft vor seiner Gemeinde macht, ist blo ein =Privatgebrauch=, weil
diese immer nur eine husliche, obzwar noch so groe Versammlung ist;
und in Ansehung dessen ist er als Priester nicht frei und darf es auch
nicht sein, weil er einen fremden Auftrag ausrichtet. Dagegen als
Gelehrter, der durch Schriften zum eigentlichen Publikum, nmlich der
Welt spricht, mithin der Geistliche im =ffentlichen Gebrauche= seiner
Vernunft, geniet einer uneingeschrnkten Freiheit, sich seiner eigenen
Vernunft zu bedienen und in seiner eigenen Person zu sprechen. Denn da
die Vormnder des Volks (in geistlichen Dingen) selbst wieder unmndig
sein sollen, ist eine Ungereimtheit, die auf Verewigung der
Ungereimtheiten hinausluft.

Aber sollte nicht eine Gesellschaft von Geistlichen, etwa eine
Kirchenversammlung oder eine ehrwrdige Classis (wie sie sich unter den
Hollndern selbst nennt), berechtigt sein, sich eidlich auf ein gewisses
unvernderliches Symbol zu verpflichten, um so eine unaufhrliche
Obervormundschaft ber jedes ihrer Glieder und vermittelst ihrer ber
das Volk zu fhren und diese so gar zu verewigen? Ich sage: das ist ganz
unmglich. Ein solcher Kontrakt, der auf immer alle weitere Aufklrung
vom Menschengeschlechte abzuhalten geschlossen wrde, ist schlechterdings
null und nichtig; und sollte er auch durch die oberste Gewalt, durch
Reichstage und die feierlichsten Friedensschlsse besttigt sein. Ein
Zeitalter kann sich nicht verbnden und darauf verschwren, das folgende
in einen Zustand zu setzen, darin es ihm unmglich werden mu, seine
(vornehmlich so sehr angelegentliche) Erkenntnisse zu erweitern, von
Irrtmern zu reinigen und berhaupt in der Aufklrung weiterzuschreiten.
Das wre ein Verbrechen wider die menschliche Natur, deren ursprngliche
Bestimmung gerade in diesem Fortschreiten besteht; und die Nachkommen
sind also vollkommen dazu berechtigt, jene Beschlsse, als unbefugter
und frevelhafter Weise genommen, zu verwerfen. Der Probierstein alles
dessen, was ber ein Volk als Gesetz beschlossen werden kann, liegt in
der Frage: ob ein Volk sich selbst wohl ein solches Gesetz auferlegen
knnte? Nun wre dieses wohl, gleichsam in der Erwartung eines bessern,
auf eine bestimmte kurze Zeit mglich, um eine gewisse Ordnung
einzufhren: indem man es zugleich jedem der Brger, vornehmlich dem
Geistlichen, frei liee, in der Qualitt eines Gelehrten ffentlich,
d.i. durch Schriften, ber das Fehlerhafte der dermaligen Einrichtung
seine Anmerkungen zu machen, indessen die eingefhrte Ordnung noch immer
fortdauerte, bis die Einsicht in die Beschaffenheit dieser Sachen
ffentlich so weit gekommen und bewhret worden, da sie durch Vereinigung
ihrer Stimmen (wenngleich nicht aller) einen Vorschlag vor den Thron
bringen knnte, um diejenigen Gemeinden in Schutz zu nehmen, die sich
etwa nach ihren Begriffen der besseren Einsicht zu einer vernderten
Religionseinrichtung geeinigt htten, ohne doch diejenigen zu hindern,
die es beim alten wollten bewenden lassen. Aber auf eine beharrliche,
von niemanden ffentlich zu bezweifelnde Religionsverfassung auch nur
binnen der Lebensdauer eines Menschen sich zu einigen, und dadurch einen
Zeitraum in dem Fortgange der Menschheit zur Verbesserung gleichsam zu
vernichten und fruchtlos, dadurch aber wohl gar der Nachkommenschaft
nachteilig zu machen, ist schlechterdings unerlaubt. Ein Mensch kann
zwar fr seine Person und auch alsdann nur auf einige Zeit in dem, was
ihm zu wissen obliegt, die Aufklrung aufschieben; aber auf sie Verzicht
zu tun, es sei fr seine Person, mehr aber noch fr die Nachkommenschaft,
heit die heiligen Rechte der Menschheit verletzen und mit Fen treten.
Was aber nicht einmal ein Volk ber sich selbst beschlieen darf, das
darf noch weniger ein Monarch ber das Volk beschlieen; denn sein
gesetzgebendes Ansehen beruht eben darauf, da er den gesamten
Volkswillen in dem seinigen vereinigt. Wenn er nur darauf sieht, da
alle wahre oder vermeinte Verbesserung mit der brgerlichen Ordnung
zusammenbestehe, so kann er seine Untertanen brigens nur selbst machen
lassen, was sie um ihres Seelenheils willen zu tun ntig finden; das
geht ihn nichts an, wohl aber zu verhten, da nicht einer den andern
gewaltttig hindere, an der Bestimmung und Befrderung desselben nach
allem seinen Vermgen zu arbeiten. Es tut selbst seiner Majestt
Abbruch, wenn er sich hierin mischt, indem er die Schriften, wodurch
seine Untertanen ihre Einsichten ins reine zu bringen suchen, seiner
Regierungsaufsicht wrdigt, sowohl wenn er dieses aus eigener hchsten
Einsicht tut, wo er sich dem Vorwurfe aussetzt: _Caesar non est supra
grammaticos_, als auch und noch weit mehr, wenn er seine oberste Gewalt
soweit erniedrigt, den geistlichen Despotism einiger Tyrannen in seinem
Staate gegen seine brigen Untertanen zu untersttzen.

Wenn denn nun gefragt wird: leben wir jetzt in einem =aufgeklrten=
Zeitalter? so ist die Antwort: Nein, aber wohl in einem Zeitalter der
=Aufklrung=. Da die Menschen, wie die Sachen jetzt stehen, im ganzen
genommen, schon imstande wren oder darin auch nur gesetzt werden
knnten, in Religionsdingen sich ihres eigenen Verstandes ohne Leitung
eines andern sicher und gut zu bedienen, daran fehlt noch sehr viel.
Allein, da jetzt ihnen doch das Feld geffnet wird, sich dahin frei zu
bearbeiten und die Hindernisse der allgemeinen Aufklrung oder des
Ausganges aus ihrer selbstverschuldeten Unmndigkeit allmhlich weniger
werden, davon haben wir doch deutliche Anzeigen. In diesem Betracht ist
dieses Zeitalter das Zeitalter der Aufklrung oder das Jahrhundert
FRIEDERICHS.

Ein Frst, der es seiner nicht unwrdig findet zu sagen, da er es fr
=Pflicht= halte, in Religionsdingen den Menschen nichts vorzuschreiben,
sondern ihnen darin volle Freiheit zu lassen, der also selbst den
hochmtigen Namen der =Toleranz= von sich ablehnt, ist selbst aufgeklrt
und verdient von der dankbaren Welt und Nachwelt als derjenige gepriesen
zu werden, der zuerst das menschliche Geschlecht der Unmndigkeit,
wenigstens von seiten der Regierung, entschlug und jedem frei lie, sich
in allem, was Gewissensangelegenheit ist, seiner eigenen Vernunft zu
bedienen. Unter ihm drfen verehrungswrdige Geistliche, unbeschadet
ihrer Amtspflicht, ihre vom angenommenen Symbol hier oder da abweichenden
Urteile und Einsichten in der Qualitt der Gelehrten frei und ffentlich
der Welt zur Prfung darlegen; noch mehr aber jeder andere, der durch
keine Amtspflicht eingeschrnkt ist. Dieser Geist der Freiheit breitet
sich auch auerhalb aus, selbst da, wo er mit ueren Hindernissen einer
sich selbst miverstehenden Regierung zu ringen hat. Denn es leuchtet
dieser doch ein Beispiel vor, da bei Freiheit fr die ffentliche Ruhe
und Einigkeit des gemeinen Wesens nicht das mindeste zu besorgen sei.
Die Menschen arbeiten sich von selbst nach und nach aus der Rohigkeit
heraus, wenn man nur nicht absichtlich knstelt, um sie darin zu
erhalten.

Ich habe den Hauptpunkt der Aufklrung, d.i. des Ausganges der Menschen
aus ihrer selbstverschuldeten Unmndigkeit, vorzglich in =Religionssachen=
gesetzt, weil in Ansehung der Knste und Wissenschaften unsere
Beherrscher kein Interesse haben, den Vormund ber ihre Untertanen zu
spielen, berdem auch jene Unmndigkeit, so wie die schdlichste, also
auch die entehrendste unter allen ist. Aber die Denkungsart eines
Staatsoberhaupts, der die erstere begnstigt, geht noch weiter und sieht
ein: da selbst in Ansehung seiner =Gesetzgebung= es ohne Gefahr sei,
seinen Untertanen zu erlauben, von ihrer eigenen Vernunft =ffentlichen=
Gebrauch zu machen und ihre Gedanken ber eine bessere Abfassung
derselben, sogar mit einer freimtigen Kritik der schon gegebenen, der
Welt ffentlich vorzulegen; davon wir ein glnzendes Beispiel haben,
wodurch noch kein Monarch demjenigen vorging, welchen wir verehren.

Aber auch nur derjenige, der, selbst aufgeklrt, sich nicht vor Schatten
frchtet, zugleich aber ein wohldiszipliniertes zahlreiches Heer zum
Brgen der ffentlichen Ruhe zur Hand hat, -- kann das sagen, was ein
Freistaat nicht wagen darf: =Rsonniert, soviel ihr wollt, und worber
ihr wollt; nur gehorcht!= So zeigt sich hier ein befremdlicher, nicht
erwarteter Gang menschlicher Dinge; sowie auch sonst, wenn man ihn im
groen betrachtet, darin fast alles paradox ist. Ein grerer Grad
brgerlicher Freiheit scheint der Freiheit des =Geistes= des Volks
vorteilhaft und setzt ihr doch unbersteigliche Schranken; ein Grad
weniger von jener verschafft hingegen diesem Raum, sich nach allem
seinen Vermgen auszubreiten. Wenn denn die Natur unter dieser harten
Hlle den Keim, fr den sie am zrtlichsten sorgt, nmlich den Hang und
Beruf zum =freien Denken=, ausgewickelt hat: so wirkt dieser allmhlich
zurck auf die Sinnesart des Volks, (wodurch dies der =Freiheit zu
handeln= nach und nach fhiger wird), und endlich auch sogar auf die
Grundstze der =Regierung=, die es ihr selbst zutrglich findet, den
Menschen, der nun =mehr als Maschine= ist, seiner Wrde gem zu
behandeln.[1]

Knigsberg in Preuen, den 30. Septemb. 1784.

                                               =I. Kant.=

  [1] In den =Bsching=schen Wchentlichen Nachrichten vom 13. Sept. lese
  ich heute den 30. ebendess. die Anzeige der Berlinischen Monatsschrift
  von diesem Monat, worin des Herrn =Mendelssohn= Beantwortung
  ebenderselben Frage angefhrt wird. Mir ist sie noch nicht zu Hnden
  gekommen; sonst wrde sie die gegenwrtige zurckgehalten haben, die
  jetzt nur zum Versuche dastehen mag, wiefern der Zufall Einstimmigkeit
  der Gedanken zuwege bringen knne.




Lesarten


Drucke:

1. Berlinische Monatsschrift. Dezember-Heft 1784. S.481-494.

2. Kant. Kleine Schriften. Neuwied 1793. Haupt. 8o. S.34-50.

3. I. Kant. Zerstreute Aufstze. Frankfurt und Leipzig 1793. 8o. S.25-37.

4. I. Kant. Smmtliche kleine Schriften. 4Bnde. 1797-98. 8o.
Knigsberg u. Leipzig (Voigt, Jena). Nachdruck. Bd.III, S.159-172.

5. I. Kant's vermischte Schriften. 3Bnde. Halle 1799. (Tieftrunk).
Bd.II. S.687-700.

6. Kant. Vorzgliche kleine Schriften und Aufstze, hrsg. mit Noten von
F.Ch. Starke. 2Bnde. Leipzig 1833 und Quedlinburg 1838. Bd.I, S.75-84.

                   *       *       *       *       *

170, 23 hiebei] Vorl. bemerkt dazu: sc. etwa hervorzuheben. 171, 10
v.u. seinen (T)] seinem (A) 174, 20 hchsten (A, 93)] hchster (so alle
spteren Ausgaben). 175, 20 d.i.] die (A)




  [ Im folgenden werden alle genderten Textzeilen angefhrt, wobei
    jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die genderte Zeile
    steht.

  und seiner Gemeine nach dem Symbol der Kirche, der er dient, seinen
  und seiner Gemeinde nach dem Symbol der Kirche, der er dient, seinen

  wenigsten von seiten der Regierung, entschlug und jedem frei lie, sich
  wenigstens von seiten der Regierung, entschlug und jedem frei lie, sich

  ]





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Aufklrung?, by Immanuel Kant

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Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
https://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at https://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit https://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including including checks, online payments and credit card
donations.  To donate, please visit: https://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


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