The Project Gutenberg EBook of Der glserne Garten, by Claire Goll

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Title: Der glserne Garten
       Zwei Novellen

Author: Claire Goll

Release Date: January 6, 2012 [EBook #38505]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER GLSERNE GARTEN ***




Produced by Jens Sadowski





Claire Studer

Der glserne Garten

Zwei Novellen












1919
Mnchen
Roland-Verlag Dr. Albert Mundt





Eine Liebhaber-Ausgabe von Claire Studer:
Der glserne Garten wurde im Auftrage des
Roland-Verlages in Mnchen-Pasing im
Sommer 1919 in der Offizin von Mandruck,
G. m. b. H. in Mnchen, gedruckt. In den Handel
kamen 50 Exemplare, die von I--L numeriert
und vom Verfasser signiert sind.




Alle Rechte vom Verfasser und vom Verlag vorbehalten
Amerik. Copyright by Roland-Verlag Mnchen-Pasing 1919



Iwan Goll zu eigen





Myriel


Heute, an meinem sechzehnten Geburtstag, beginne ich diese Bltter um zu
sehen, ob mein Weg auf- oder abwrts fhrt.

Ich bin ganz allein mit meinem Bruder Johannes auf der Welt; denn wir
gehren zu jenen Kindern, fr die die Eltern keine Zeit haben. Ich liebe
Johannes mehr wie mich selber, und in dieses Buch will ich alles legen, was
ich von seiner heimlichsten Seele spre, damit mir nichts an ihm verloren
gehe.

Johannes ist fnf Jahre lter als ich, aber mir ist, als wre er nie Knabe
gewesen; denn solange ich Erinnerung habe, empfinde ich ihn als Mann. Wir
haben immer ganz eng nebeneinander gelebt. Seit ich fhlen kann, ist
Johannes neben mir, nein, in mir. Seit meinem ersten Weinen leiden wir
zusammen, seit meiner ersten Freude lcheln wir zusammen. Ich habe nie
gewagt ihm zu sagen, wie sehr ich ihn liebe, da meine Liebe viel grer
ist wie ich selber und kaum in mein Kindsein hineingeht. Es war so, da ich
nachts vor seine Tre schlich, um ihn atmen zu hren; denn ich hatte
pltzlich tiefe Angst um ihn. Ich stand die halbe Nacht und wagte nicht
hineinzugehen. Ich frchtete mich vor den Worten, und mein Schweigen htte
er vielleicht nicht verstanden. Frher, als ich kleiner war, bin ich des
Nachts immer zu ihm gekommen. Ich glaube, ich war eiferschtig auf seinen
Schlaf. Und dann nahm er mich in sein Bett und an sein Herz. Aber eines
Nachts -- ich war damals vierzehn Jahre alt -- vernderte er sich. Seine
Stimme war glsern, wie verwundet, er sah geqult an mir vorbei und sagte:
Myriel, kleine liebe Myriel, geh nicht mehr durch die Nacht zu mir! Er
sah wie ein Kranker aus, und ich stand in Scham. Aber ich fand keine Frage.
Stechender Schmerz trug mich hinaus. Ich kniete an seiner kalten Tr und
horchte zu ihm hinein. Da hrte ich einen Ton! Einen Ton! Ich hrte einen
Menschen, der ganz in Schluchzen war. Johannes weinte! Wen beweinte er,
weinte er um mich? Ach und ich stand und fhlte in dem Dunkel umher, das er
pltzlich um uns gebreitet hatte, und stie mich wund an meinen Ahnungen.
Ohne zu verstehen, wich ich viele Tage seiner Berhrung, seinen Worten aus.
Dann fanden wir uns wieder in einem Buch; denn er suchte immer tiefe Bcher
fr mich aus, in die wir uns zusammen hineinstrzten, und aus ihnen legte
er mir mit seiner Stimme, die wie Gesang ist, alles das aus, wofr ich noch
zu klein war.

                                * * *

Einmal, als er las, saen wir tief in einer Wiese unter einem hohen,
lauschenden Baum und ich erwartete, da die Zweige sich alsbald mit tausend
bunten Vgeln bedecken mten, und alle Tiere, die sich sonst vor der Nhe
des Menschen flchten, zrtlich und liebend um seine Fe geschlichen
kmen. Auch die Wiese schien mir schon ganz erschttert, oder kam das von
all den heien Blumen, die sie trug? Jedenfalls, ich glaubte immer fester
an ein Wunder, verga ihm zuzuhren und erwartete.

Woran denkst du? unterbrach er, als er meine Abwesenheit bemerkte. Ich
denke an Franz von Assisi, sagte ich mit purpurroter Stimme und schmte
mich sehr. Da wuchs er pltzlich vom Boden auf, an dem Baum in die Hhe:

Kind, sagte er, Kind, du weit nicht, wie sehr ich auf der Erde bin.
Und er kte mir mit frommem Mund die Hnde. Aber ich entri sie ihm; denn
mir schlug das Blut vor den Augen zusammen. Ich kletterte verstrt den Baum
hinauf. Oben verga ich alles, warf funkelndes Lachen hinunter und war
wieder Spiel und Tollheit.

Ich sagte, die Eltern htten keine Zeit fr uns. Vater liegt immer ber
seinen Bchern, und Mutter, meine schne, junge Mutter ist stets fern und
abwesend, beinah nur Gast bei uns. Mir ist, als wre sie nicht krperlich
da. Ich ahne eine andere Welt um sie. Sie zerrinnt frmlich unter einer
Berhrung, die mein kindliches Liebesbedrfnis manchmal wagt. Immer sitzt
sie am Flgel, ganz abgekehrt von uns und Unsichtbarem zugewandt. In den
Tnen fngt sie an und dort hrt sie auf, wo man nur noch hinfhlen kann.
Zu uns aber scheint sie kalt und leblos, und Johannes und ich wagen es
kaum, sie mit Worten zu betasten. Mutter erscheint mir einem jener leisen
Bilder entstiegen, zu denen ich heimlich flchte, anstatt in meine Stunden
zu gehen. Jenen alten, mden Bildern in den groen Galerien. Ich trume,
da sie als eine dieser seltenen Frauen durch die Jahrhunderte gegangen kam
und durch uns hindurch geht in die Zukunft; denn solche Frauen sind
zeitlos.

Gewhnlich aber sitze ich dort vor dem Johannes des Drer. Ich liebe seine
hohe Stirn, die ganz aus Geist zu sein scheint. Ich wei nicht, warum ich
mir immer einbilde, da so Aljoscha, der jngste Karamasoff, ausgesehen
haben mu. Wie komme ich dazu, diesen hohen, bewuten Deutschen mit dem
unbewuten, russischen Gottesknaben zu verbinden? Vielleicht, weil sie
beide Heilige sind? Und wir Mdchen nun einmal einen Heiligen, eine
Anbetung brauchen? Oder weil mein Bruder uerlich diesem Johannes und
innerlich Aljoscha so hnlich sieht, denn er hat die Reinheit der beiden?
Oder vielleicht, weil unsre Sehnsucht solche berirdische Menschen nicht
nur lesen, sondern erleben will?

Diesem Bild gegenber habe ich den Mut, der mich bei Johannes manchmal
verlt. Diesem Bild vertraue ich alle Verwirrungen meiner Mdchenheit an.
Ich bekannte dies einmal dem Bruder. Er zrnte, da er nicht der Erste und
Einzige wre, zu dem ich mit meinen Kindergeheimnissen kme, und manchmal,
wenn ich fieberhei aus solch einer Beichte bei Tisch ankam, flsterte er:

Ah, man hat mich betrogen, Myriel!

Es schwang aber immer ein so ernster Ton mit in seiner Stimme, da ich vor
schumender Erregung nichts essen konnte. Einmal sagte Vater spttisch:
Hast du wieder mit Windmhlen gekmpft, Donna Quijota? Ja, sagte ich
und hatte Lust, auch gegen ihn zu kmpfen. Und pltzlich hrte ich mich mit
Pathos deklamieren: O lat mich scheinen, bis ich werde! Hatte ich es
gesagt, um Eindruck auf Johannes zu machen? Alles lachte, sogar Johannes
lchelte sein feines Lcheln mit. Das verwundete mich sehr. Vater sagte:
Das kommt davon, wenn man die Kinder zu frh mit Goethe spielen lt.
Aber ich war schon hinausgestrzt in den Garten, unter die Einsamkeit eines
Baumes. Ich begrub mein Gesicht in den Hnden und schluchzte, da sogar er,
sogar Johannes mich verkannt hatte. Da hrte ich seinen leisen Gang.
Zrtlich hob er mich zu sich auf. Liebling, sagte er mit behutsamer
Stimme, verzeih mir, da ich darber lachte, da du jung bist. Da ich
dieselbe Gemeinheit beging wie alle Alten. Er streichelte mich mit den
Augen.

Wer sollte das Oberirdische anbeten, wenn nicht wir Jungen, Myriel, wir,
die wir noch Rausch und Flamme kennen! Vielleicht Vater, der seine Menschen
schn getrocknet auf Formeln bringt, die er die Jugend lehrt? Nein, la
diesen Toten. Wir sind die Welt. Sei hell und lchle mir wieder,
Schwester!

Sein Ku brachte neues Licht in mein Gesicht. Mein Weinen lste sich in
groe Vershnung auf, und wir gingen Hand in Hand hinaus durch die
Nachmittagswelt Abend und Sternen entgegen.

                                * * *

Ich verga zu sagen, da Johannes ein Dichter ist. Was knnte er wohl auch
anderes sein? Manchmal liest er mir aus seinen Gedichten, in denen alle
Vgel der Welt gefangen sind. Aber heute noch strmen Kantaten aus seinem
Mund, und morgen schon kann er nur noch Chaos, mitternchtig und dunkel
sein. Und bis er die Elemente in sich gebndigt hat zu leisem Lied oder
strmendem Schicksal, sind glserne Mauern um ihn. Ich sehe sein
verwstetes, zerpeitschtes Gesicht und kann es doch nicht erreichen, so
entfremdet ist es mir. Bald aber ist es wieder gereinigt und von alter
Vertrautheit. Nur einmal mute ich lange auf ihn warten, das war damals,
als er das groe Buch vom Neuen Menschen schrieb. Es war eine glhende
Herausforderung an die enge, gefesselte Vorwelt der Vter, Umsturz,
Verleugnung alles Ererbten, Erschaffung einer neuen, rasenden Welt. Es war
viel Blut in dem Buch, und Johannes wurde sehr gefeiert. Ich frug ihn
einmal, ob es im Leben wirklich solche riesigen Menschen gibt.

Nein, sagte er, was wir geben knnen, ist immer nur die Sehnsucht nach
solchen Menschen; denn im Grunde suchen wir alle den Helden. Natrlich den
inneren Helden, nicht den der Faust.

Du bist mein Held, sagte ich kindisch und umschlang ihn mit wilder Kraft.
Er lie meine Umarmung geschehen, ohne sie wie sonst zu erwidern, und sah
mich mit blinden Blicken an.

Ein Tag wird kommen, der dich mir stehlen wird, Myriel; denn das Leben
erwartet dich.

Dich, Johannes, schrie ich auf, dich wird es mir nehmen!

Sein Blick betubte mich:

Mich, Myriel, du Kind, du Frau! Wenn du nicht zufllig meine Schwester
wrst, dich htte ich berall gesucht. Von deiner ersten Minute an lebte
ich mit dir, jedes Jahr bist du an mir und ich an dir gewachsen. Ich habe
nie begriffen, wie Menschen pltzlich ineinanderfliegen knnen, ohne mehr
voneinander zu spren als ein brennendes Gefhl. Sie reiften sich nicht
durch die Zeit entgegen wie wir, sie wissen nichts von ihren Kindheiten,
nicht die tausend bergnge, die den Menschen und sein Wesen machen, und so
stehn sie sich pltzlich erschreckt und enttuscht gegenber.

Johannes, sagte ich da und verlangte nach seiner Nhe wie nie zuvor --
trotzdem wir nur diesen Gedanken voneinander getrennt waren --. Johannes,
wie du mich durch deine Liebe erhhst! Und da geschah mir etwas Heiliges:
Er kam auf mich zu und schenkte mir den ersten Ku seines Mundes.

An diesem Tage verging ich am Flgel vor unnennbarem Gefhl, und meine
Finger sangen alles, was sie von Chopin und Sehnsucht wuten.

                                * * *

Eines Tages fiel mir ein, da ich nichts von Johannes wute. Ich erschrak
tief. Ich sah die helle Wlbung seiner Stirn und die Tore der Brauen ber
dem groen Staunen seiner Augen. Sah den edel geschwungenen Mund, der
soviel Schnheit verschwieg. Ich sah seine weien, verhaltenen Hnde und
nahm alle Gegenstnde in meinem Zimmer, die sie mir geschenkt hatten, und
kte sie. Ich sah auch das leuchtende, khn gewellte Haar und seinen von
aller Erde befreiten Gang. Aber mehr, mehr wute ich nicht. Mein Herz stach
und der Krper zog sich qualvoll zusammen. Ich warf mich dem Abend
entgegen, rannte die Bume an im Park, prete mich wild in eine Wiese. Mir
war, als schwlle mein Herz hher und hher bis zu den Wolken, mein Krper
aber wrde immer kleiner und aufgelster. Die Beine waren stumpf, wie
abgebrochen, es zog hinter der Stirn und ein unbndiges Gefhl zerri mich.
Ich weinte und lachte durcheinander. Und dann auf einmal begann ich mich zu
schmen, zu schmen! Ich wute es pltzlich, da ich ganz anders war wie
Johannes. Auch fing ich mit Gott zu reden an, strmisch und wirr und mir
selber nur halb bewut. Ich bat ihn, mir Johannes zu zeigen, wie man um ein
Wunder bittet. Ich forderte, drohte endlich, ihm meine Anbetung zu
entziehen. Meine Gedanken wurden immer schwindliger, unzusammenhngender.
Der Weg taumelte, die Bume standen schief, und das Haus schien um viele
Tage fortgerckt, alles hatte ein anderes Gesicht bekommen. Zu hause
vergrub ich mich in mein Bett, das um mich wie Flamme brannte. Da sah ich,
da meine Tage gekommen waren und das Kindsein zu Ende. O, wie fhlte ich
mich allein auf der Welt mit diesem ersten Geheimnis vor Johannes!

                                * * *

Am andern Morgen lief ich zu meinen Bildern in die Galerie. Ich sah mir zum
ersten Mal mit Bewutheit nackte Krper an und war tief enttuscht! Ich
hatte mir immer soviel hinter den Kleidern gedacht.

Bei Tisch wagte ich es kaum, Johannes mit den Blicken zu berhren. Wie ein
Verrat erschien es mir, da er nicht ohne Krper und auserwhlt, sondern
mit allen Mnnern soviel Hlichkeit -- wie ich es nannte -- gemeinsam
haben sollte.

Am Abend schlich ich vor meinen Spiegel. Bisher hatte ich eigentlich immer
an mir vorbei gesehen. Jetzt prfte ich mich aufmerksam. Wie schmte ich
mich, als ich zum ersten Mal meine Brste erkannte! Ich verhllte sie mit
meinem langen, finstern Haar, und am andern Tag zog ich eine groe Schrze
an, hinter der man mich kaum noch ahnen konnte. Vielleicht tadelte mich
Johannes, der unpersnliche Kleider hate und in der Intimitt des Hauses
niemals jene charakterlosen Anzge trug, in die unsre ganze Zeit eingenht
ist. Aber ich frchtete noch mehr, da er sich eines Tages erinnern wrde,
da ich ein Mdchen bin, mich daraufhin ansehen und hlich finden knnte.

Wirklich trat er nach Tisch in mein Zimmer. Sein Blick flog untersuchend
ber mich und meine Verkleidung hin.

Haben dich meine Augen schon einmal entweiht? frug er streng. Da ri ich
die Schrze ab und die Kleider und stand nackt vor ihm. Er sah mich mit
einem jubelnden Blick an und kam auf mich zu. In diesem Blick sah ich, da
ich schn war. Johannes aber schwieg so sehr, da ich mich doch wieder
verwirrte, und ich wnschte zehntausend Kleider ber mich. Johannes mochte
fhlen, da es noch ber meine Kraft ging. Er neigte sich vor mir bis zur
Erde, kte meinen Fu und ging schnell hinaus.

Von jenem Blick an liebte ich mich. Auch versprach ich mir, dem Bruder
immer jede Freude zu schenken, die in mir wre.

                                * * *

Der khlere Herbst brachte mir eine vernichtende Krankheit. Fr Wochen
hrte alles auf zu sein. Der Tod war ganz in der Nhe. Durch die
Dunkelheiten des Fiebers hingen wie Ampeln die brennenden Augen des
Bruders. Und einmal neigte er sein zerrissenes Gesicht dem meinen und
murmelte mit kranker Stimme: Liebe so stark du kannst, dann gibt es kein
Aufhren. Ich habe noch zu viel unterlassen, dir zu wenig Freuden gemacht,
zu viel geschwiegen. Lebe mir!

Mit meiner ganzen Seele stemmte ich mich gegen das Sterben. Johannes
erwartete jedes Erwachen, und ich fhlte mich in seinen Blicken strker
werden. Immer war seine heilende, liebeschwere Stimme um mich und rettete
mich aus stechenden, phantastischen Fiebernchten.

Dann kam ein langsames Auferstehen, Zurckkehren in die Welt. Johannes sah
immer beschenkter, strahlender aus.

Als ich zum ersten Mal um seinen Arm gerankt der Sonne entgegen ging, frug
ich: Was httest du getan, Johannes, wenn ich . . . . . Ich wre dir
nachgestorben, sagte er einfach. Es gibt nichts, das strker wre als
du.

Und dein Werk?, sagte ich voll Vorwurf und doch in tiefer Angst und
fhlte ihn scheu mit den Blicken an.

Bist du nicht mein hchstes Werk?, rief er hei. Aber ich zgerte, noch
immer an solche Erhhung zu glauben, und so warf ich ein: Ich habe doch
keine Ewigkeit!

Glaubst du, der Teich stahl nicht dein gestriges Lcheln, sagte er da,
und schimmert es morgen zurck? Deine Trnen, kehren sie nicht als Wolke
wieder, und dein lngst verklungener Schritt, wer sagt uns, da er nicht in
irgend einer Arie ewig wird? Nichts geht verloren, alles wird
wiedergeboren, es gibt keine Zeit fr die Ewigkeit.

Wir ruhten selig an einer Weide, die zu uns herunter trumte. Ich verlor
vor Glck das Gefhl von mir selber, es war mir, als wre ich Johannes.
Dahlien und Astern tanzten bunten Herbst um unsre entirdischten Fe.

Wie jung wir sind, rief Johannes verzckt, und so tief im Leben! Er
legte die Hnde vor das Gesicht, als ob er den Tag nicht ertragen knne,
Trnen fielen durch seine Finger. Und auf einmal sich selber berraschend,
strzte er hart und schmerzhaft nieder auf die Knie. Und wieder gegen
seinen Willen begann es laut aus ihm zu beten fr meine Rettung. Auch mich
warf eine riesige Gewalt an die Erde, und ich hob die verschmten Hnde.
Ich hatte noch nie einen Menschen beten sehen. Wie auf italienischen
Bildern die Stifter vor einem Wunder knien, so knieten wir hintereinander.

Und wenn es niemals Gott gegeben hat, damals erschuf ihn unsre inbrnstige
Anbetung.

                                * * *

Ich reibe mir den Winterschlaf aus den Augen. Wirklich schon Frhling?
Erlebten wir den Winter so stark, da ich nicht vor dem Frhling zur
Besinnung kam? Ich habe solange geschwiegen? Wir waren so tief ineinander
versenkt, da wir ganz erstaunt waren, wenn ein Ton aus der Welt zu uns
herein drang. Das Haus war wie verhngt, wir gingen auf den Zehen durch die
zeitlosen Rume. Johannes arbeitete, und auch von mir forderte er als mein
Lehrer uerstes. Daneben erholten wir uns in Bchern, Musik und
Gesprchen. Johannes, Meister auf dem Cello, holte alte vergessene
Italiener, deren Sigkeit Jahrhunderte lang hinter dunklen Noten gegrt
hatte, hervor, und von ihnen gingen wir zu Bach und Hndel ber. Zuweilen,
wenn Johannes so neben mir spielte, da ich glaubte sein Herz in Hnden zu
spren, hob groer Sturm in mir an, und ich raste auf dem Flgel. Dann
tadelte Johannes: Myriel, Myriel, vergi nicht, da wir in der Kirche
sind!

Ach, in mir explodierten tausend unheilige Dinge, ich war nur noch Aufruhr
und Element. Ein Instinkt aber lie mich die Unruhe verschweigen, die mich
ergriffen hatte. Dafr rttelte ich mit tausend Fragen an Himmel und Erde.
Ich hatte den Ehrgeiz, Johannes nicht nur bis ans Herz, sondern auch bis an
die Stirne zu reichen. So erhellte er mir denn viele Dinge, denen ich noch
dumpf und kmpfend gegenber stand.

Wenn Gott mir nicht ohnehin Voraussetzung wre, sagte er einmal, so
wrde ich ihn in der durchdachten Steigerung jedes Daseins erkennen. Diese
Steigerung ist fr mich der Tod. Er ist der hchste und raffinierteste
Beweis fr Gott. Denn er schliet schon die Ewigkeit in sich ein, da er nur
scheinbar ist. Es gibt keinen Tod, jeder Tod ist eine Verwandlung, eine
Wanderung. Darum ist den Buddhisten alles Leben heilig. Jedes Geschpf
verkrpert eine Idee und trgt ein mehr oder minder schwaches Gesetz in
sich, diese Idee auszuleben. Aber die meisten leben daran vorbei. Darum
finde ich: ganz Lwe, Vogel oder irgend ein Tier sein ist mehr, als
Halbtier oder, was dasselbe ist, ein Viertelmensch sein. Jeder Mensch
sollte die Mglichkeit und den Willen haben, seiner innern Idee leben zu
knnen. Dem Menschen kann nicht von auen, sondern einzig von innen
geholfen werden. Man kann sich nur selber erlsen, nie erlst werden. Aber
vielleicht liegt dies unserm Volke gar nicht mehr. Es ist -- im Gegensatz
zu heieren Vlkern -- viel mehr ein Volk des Leibes denn der Seele
geworden. Vielleicht auch brauchte es doch einen Fhrer, einen
Vergewaltiger, der mitreit ohne Gewalt, einzig durch seine Existenz.
Vielleicht mte man ihm Zeit und Einsamkeit aufzwingen, um die es von
seinen Scheinbedrfnissen bestohlen wurde. Der Mensch hat zuweilen eine
Insel ntig. Das siehst du an zweien seiner Fhrer, die gerade Antipoden in
ihren Lehren sind: Christus und Nietzsche. Christus brauchte eine Wste, um
sich zu berwinden, und Nietzsche die Verlassenheit eines Berges, um die
Forderung seines kommenden Menschen aufzustellen. Der eine verkndete den
Kampf, der andere wehrte ihm. Der eine stellte ein Herrenideal und der
andere ein Menschenideal auf. Aber versagten nicht beider Lehren vor dem
Trieb zur Erde, der immer im Menschen wohnen wird? Wir warten noch immer
auf den Fhrer. Auch mein letztes Buch ist eine Erwartung. Bis dahin nach
innen leben und den Krper tten! Wenn wir das versuchen wollten, stnden
wir nicht so tief. Man mu an einer Ekstase, an zu viel Jugend sterben
knnen. Aber sieh doch die gealterten, unheiligen Gesichter an! Sind sie
der Unsterblichkeit entgegengereift? Nein, verfault und verhrtet von Genu
und Erfahrung. Und mit was fr hlichen Fen sie ankommen in der
Ewigkeit! Denke nur, ber was sie alles gegangen sind! Ach, Schnheit und
Gte sterben immer mehr aus in der Welt! Er schwieg und sah mich mit
lodernden Augen an. Tiefe Nacht war, und die sieben Feuer des Leuchters
tasteten gierig umher.

Mach mich weit und stark fr den Tod, Johannes, sagte ich, ich mchte
ihn bald sterben. Mir ist so, als stnde ich tief innen in Flammen.
Johannes stand steil und bla vor mir. Myriel! Er hob mich mit liebenden
Armen auf und hielt mich hinaus in die seidene Nacht.

Ich verspreche es uns, flsterte er und deckte mich mit den weichsten
Blicken zu.

Als ich erwachte, war es Morgen. Ich fand mich in den Armen des Bruders, in
denen ich am Abend eingeschlafen sein mute. Er sa auf einem Stuhl und
seine Augen hingen mit seltsam prfender Leidenschaft ber mir. -- Ich
bedeckte erregt mein unbewachtes Gesicht.

Was hast du darin gesehen? frug ich ngstlich.

Nichts, Kind, nichts -- auer mir, lchelte er innig.

                                * * *

Mit dem Morgen rannte ich hinaus, tausend Wege weit, dem Mittag entlang bis
zur Dmmerung. Ich glaube: in jenen Stunden mit mir allein warf ich die
letzte dumpfe Kindheit ab. Geliebter Bruder, in jenen Stunden hrte ich
schon auf zu sein, da begann meine Unsterblichkeit, die Verklrung in dir.

Gegen Abend kam Johannes und sagte: Morgen ist dein Geburtstag, Myriel,
ich will dir ein Fest geben.

Jeder Augenblick wird Fest durch dich, Johannes, glhte ich und wute
erst, wie ich ihn jede Stunde dieses Tages entbehrt hatte. Seine geistige
Stirn zog sich nachdenklich zusammen: Wir sind auch zu kurz auf der Welt,
Kind, um nur einen Tag mit dem zu vergeuden, was die Menschen Leben nennen.
Ihr Leben und sogar ihre Feste sind ein einziger Alltag. Tierhaft ist ihre
Freude, Verliebtheit in ihren Bauch. Sie haben es verlernt, sich und die
andern zu feiern. Ich meine gar nicht jene brausenden, malosen,
egoistischen Feste der Rmer oder der Renaissance, die nur um der Schnheit
willen geschahen, und von denen den Armen nur Schein und Abfall blieb. Ich
denke an jene seelische, adlige Freude, die Schiller und Beethoven meinten
in ihrem Hymnus. Sie ist tot, diese leise, ewige Freude, von Mensch zu
Mensch, die gttlich macht.

Und auch ihr Leid, Johannes? frug ich; denn ich liebte es, seine
berlegenheit zu fhlen.

Ja, sie leiden unter Geheul und kleinem Zank. Sie haben den groen
Aufschrei verlernt, den Schmerz, der zu Stein und zur Quelle wird. Die
Stadt verengt. Frher hatte man noch Erde, sich hinzuwerfen, und das Ohr
der Wlder und Wiesen, seine Klage hineinzurufen. Und man hatte Zeit,
unerschpfliche Zeit. Heute lebt und stirbt alles gemein, ohne Pathos. Und
damit sie in ihrer Dumpfheit bleiben, hat man das herrliche Wort: Selig
sind, die hungrig nach Seele sind, in den Satz verflscht: Selig sind die
Armen im Geist. Seele, alles, was ber sie hinausfhren knnte,
unterdrcken sie geschickt in sich und den andern. Sieh doch, wie sie
zusammen leben! Sieh doch ihre altgebornen Kinder an! Ist in ihnen Anbetung
oder Erschtterung von einem zum andern? Johannes' Mund wurde herb. Ich
wollte zu ihm reden und konnte nicht. Mir war so weit. Als reichte ich von
der Erde bis zu den Himmeln. Ich fhlte sie, seine Seele, diese unendliche
Dehnbarkeit. Wir schwiegen uns zu, bis das Zimmer undurchdringlich und
schwarz wurde. Da zitterte ich auf. Die Nacht kam. Meine Empfindungen
verwirrten sich.

Was hast du, Kind, liebe ich dich nicht genug? frug Johannes.

Wir warfen uns ineinander. Er hob mein Gesicht vor das seine und sah mir
eine Ewigkeit lang durch die Augen ins Herz.

Die ganze Nacht kauerte ich vor seiner Tr.

Nach Jahren -- so schien mir -- wurde es Morgen.

                                * * *

Mit dem Mittag trat ich sehr hell, im ersten langen Kleid bei Johannes ein.
Seine Augen blendeten mich beinahe, so strahlten sie mich an.

Wie wei du bist! rief er verzckt. So mu Dante gefhlt haben, als ihm
Beatrice im >allerweiesten Kleid< begegnete. Wird auch mir aus diesem
Anblick seine rote Vision? Wirst auch du von meinem glhendsten Herzen
essen? Nimm es ganz zum Geburtstag!

Seine Stimme flammte ber mich hin. Brennende Gerche umstanden uns; denn
Johannes hatte die Wnde in hngende Grten verwandelt.

Ich sah ber viele Geschenke hin, die ich ebenso schnell wieder verga.
Johannes hatte mich dazu erzogen, Besitz gering zu achten. Das Eigentliche
aber fhlte ich schnell heraus. Das waren in heien Brokat gebundene
Bltter, die des Bruders Schrift trugen. Ich ffnete sie, noch die Augen an
Johannes, und sah, wie sich sein Gesicht einen Augenblick lang vor Schreck
verengte. Doch sagte er mit verhllter Stimme: Lies.

Ich lade Dich auf ein seltenes Fest, zrtliche kleine Schwester. Du
brauchst nichts weiter mitzunehmen als Deinen Kinderglauben an mich. Auch
mich wird er stark machen, da ich mit Dir reden kann wie mit mir selbst.

Ein Schicksal hat aus uns eine Zweiheit geschaffen, die nie eins werden
kann: Bruder und Schwester. Sicher, die Einheit in uns kann nur gesteigert
werden dadurch, da wir so heien. Aber sie ist nicht alles. So wie unsere
Herzen ineinander getrmt sind, so knnten sich auch eines Tages unsre
Krper erinnern, da sie einem Mann und einer Frau gehren. Es ist
unwichtig, sich zu besitzen, um so mehr, da man sich nur mit der Seele
besitzen kann. Aber wir sind so glhend jung. Ein Sturm kann kommen, den
wir nicht bestehen. Alles wird schwer und fremd. Vielleicht nicht durch
uns, wohl aber durch jene enge unfestliche Welt mit ihren Dogmen, die
Ungewhnliches ersticken im brgerlichen Schlamm.

Ich ahne, da die nchsten Jahre Qual ber uns bringen, wenn sie gelebt
werden. Mir wurde der heilige Auftrag, ber Dich zu wachen, ich will ihn zu
Ende fhren, so lange ich kann. Heute noch wei ich mich stark, aber morgen
vielleicht berfllt mich mein Blut, steigt so ein alter Ahne auf aus
meinen Adern.

Wir wollen jubelnd zusammen ins nchste Dasein gehen, wie in ein Fest.
Sterben ist ja nur bergang, ein kurzer Verzicht, eine kleine Vernderung
bis zur nchsten Auferstehung -- und die wird unser sein, Geliebte! --

Johannes sang mein Herz. Ich flog ihm zu, verschttete ihn mit Umarmung.

Seine Hand liebte zart mein aufgeregtes Gesicht. Da erfate mich malose
Gier nach dieser Hand. Ich ri sie vor meinen Mund und kte sie
schluchzend, verbrennend, als wre Feuer in mir.

Johannes, rief ich unzhlige Male und schmeckte seinen Namen nach wie
Wein. Er spannte die Arme auf und ich ruhte an ihm, eine Verirrte, die man
endlich gefunden hat.

Johannes hatte ein ganz neues, entschlossenes Gesicht an.

Wir verstrzten in eins. Zum erstenmal rissen wir uns auf voreinander. Blut
berwltigte uns, Bekenntnisse schumten auf. Ich beichtete die
dunkelroten, flehenden Nchte vor seiner Tr. Johannes bog mich jauchzend
in sich, so da ich nur noch Zittern in seinen Hnden war.

Willst du die letzte, uerste Nacht mit mir, Geliebte? stammelte er. Ich
tauchte meinen Mund noch tiefer in den seinen und sagte mit fliehender
Stimme: Keiner soll von mir wissen auer dir und dem Tod. Wir werden an zu
viel Liebe sterben, es gibt keine Umkehr, keinen anderen Ausweg aus unserem
Schicksal.

Meine Augen glhten den Geliebten an. Warte mit der Dunkelheit auf mich,
sang ich ihm zu und verlie ihn, um mich fr ihn zu weihen.

Noch eine Nacht, in der wir alles von der Erde und alles von Gott erfahren
werden! Eine Nacht letzter Offenbarungen! Dann beginnt meine Himmelfahrt in
dir, Johannes! Mein Heiliger!

Heute, mit meiner siebzehnten Geburtsnacht ende und zerstre ich euch,
meine Bltter. Mein Weg ging aufwrts!




Der glserne Garten


Nun ist wieder Glas zwischen uns, Geliebte, wie damals. Damals, als du
schon strker in mir warst als jeder Mann. Ich habe nie gedacht, da man
das mit Worten sagen knnte; denn die Worte sind hart und grob, und die
Dinge der Seele stoen sich schmerzlich an ihnen, wie deine Brste an den
Wnden deiner Kleider.

Weit du noch, Ylone, doppelt kalt empfanden wir den Schnee, der am Fenster
vorbeifiel, weil unser Zimmer in den Flammen einer innigen Entzckung
stand. Nur das Glas war zwischen uns und dem Winter wie Sehnsucht zwischen
unsern Herzen, die sich in uerster Vermhlung berhrten. Von mir zu dir
fhrten, wie ein goldenes Spruchband ewiger Engel aus den Marienleben alter
Meister, Worte aus der Verkndigung meiner Liebe. Du schautest nach innen,
wo ich dich angerhrt hatte, und wir vergingen Hand in Hand im
Grenzenlosen. Aus Angst vor Steigerung und mit der Scheu gegenber dem
Ausgesprochenen versuchtest du mich aus berirdischer Stille ins Zimmer
zurckzuzwingen und sagtest: Fhlst du, wie wir hinauswachsen aus Raum und
Zeit, Venera? Als Antwort breitete sich ber deinen Worten eine
schwermtige Klage aus. Eine Stimme weinte aus der Ferne, sie sang aus dem
Orpheus von Gluck und rief den Schatten. Da mute ich mich umsehn nach ihm
und der Vergangenheit, und ich dachte:

Jetzt bist du berirdisch wie damals, als ich aus meiner keuschen Nacht in
euren Morgen trat. Euer Zimmer brannte. Sommer und Liebe schlugen mir
entgegen. Das Zimmer hing reif in den Garten, aber ich sah nicht mehr, wo
es aufhrte und der Garten begann; denn das Fenster war gro.

Ich verlor die Geste der Unbefangenheit, die ich ber meinen Schmerz
gebreitet hatte, und in der Verwirrung sagte die, die ins Zimmer getreten
war -- nicht ich -- Komm, Ylone, es ist Morgen, der Zug fhrt zurck in
die Stadt. Denn ich fhlte, du wutest nicht mehr, was Morgen war.

Welten trennten dich von dem Mann, der vor dir lag. Kindsein und Alter,
Lachen und Verzweiflung, Dasein und Abgeschiedenheit, Unschuld und
Verderbtes waren dein Gesicht. Du warst so stumm, da ich deine Schreie
hrte. Komm, sagte ich noch einmal. Da schlug dein Erstaunen ber mir
zusammen, und du kamst langsam zwischen den Welten auf mich zu. Wie fhlte
ich da wieder, da ich dich mehr liebte als diesen Mann, dem ich entsagte,
um ihn in dein Leben zu bringen, weil er mir fr dich ntig schien, und
schmte mich, da ich schwach geworden und vor seinem Schatten geweint
hatte die ganze Nacht.

Und ich begann zu verzichten. Erst schwach, dann strker und immer strker,
bis das ganze Zimmer erglhte und bebte, weil es zu klein wurde, um so viel
Hingabe an dich ertragen zu knnen. Auch du kamst mit den Augen auf mich
zu, von der Kraft dieses Verzichts getroffen, und sagtest aus der Ferne
erkennend mit hilflos schmaler Stimme: Es ist etwas im Zimmer, das strker
ist als wir alle, und ich wei doch nicht was.

Heute ist Glas zwischen uns, und du wirst kaum meine Antwort hren: Es war
ein Opfer.

Hier hinein gehrt dies welke Blatt:

                                * * *

O Ylone, ich halte noch ein schwarzes Stck unserer letzten Nacht in den
gefalteten Hnden. Davon lebe ich. Wenn es zu Ende ist und ich gnzlich
erwache, werde ich sterben mssen; denn du fehlst, du erster Stern all
meiner Abende. Strker als alle andern durchbrachst du den Horizont. O da
du am Himmel eines Mannes aufgehn mutest, Ylone! Eines Tages wirst du
abstrzen und deine goldenen Zacken zerbrechen, und ich habe dich nicht
beschtzen knnen! Sorgfltig habe ich immer alle Welt von dir fern
gehalten, und nun stehst du mitten darin. Wie wirst du sie bestehen? Ich
zittere und irre durch das Haus.

Der zrtliche Flgel tnt nicht mehr, er ist tot. Er rauscht nicht mehr wie
ein fremdlndischer Vogel durch den Wald deines nchtlichen Haares. Der
groe Spiegel gegenber, der dich so viele Male empfing wie ein Fest,
lchelt sein kristallenes Lcheln. Er sprt dich noch. Er strahlt dich
zurck. Er ist angefllt von den Variationen des einen Themas: Ylone. Er
glnzt noch von damals, als du das Mrchen von der kleinen Seejungfrau
tanztest und am Ende zu Schaum vergingst.

Sieben Meere lagen wie sieben Schleier ber dir. Der groe Sockel aus
karrarischem Marmor wurde zur Sule des Knigsschlosses. -- Was wird nicht
zum Schlo, wenn du dich daran lehnst! --

Sogar der kalte Spiegel fngt an zu glhen. Der Tanz der Sphinx steigt
wieder aus ihm auf, in dem du mich mit dem gyptischen Ku der Jahrtausende
versuchtest.

Noch ist Nacht in mir, ein schwarzes Stck unserer letzten Nacht, aber wenn
ich aus ihr erwache, werde ich sterben mssen.

                                * * *

Ein Brief von Ylone! Ein Brief von Ylone! Ylone und Claudio kehren zurck!
Ich kann mich nicht freuen. Zu frh kehren sie aus ihrer Liebe zurck.
Leise streichle ich die Worte ihres Briefes, zwischen denen so viel Ahnung
steht.

Sie verrinnen die feinen Buchstaben, die wie Filigranarbeit ber dem Papier
liegen. Kleine Hecken mit Vgeln dazwischen.

Ich sehe die Gotik ihres Leibes wieder. Die knabenhafte Steilheit ihrer
Hften. Die grazisen Rosetten ihrer Brste. Die schlanken Bogen der Arme,
die in den ziselierten Spitzen ihrer Finger enden, den feinen von den Adern
durchbrochenen Turm des hinaufstrebenden Halses, und die Pfeiler in den
Kreuzgngen ihrer Schenkel, mit dem mystischen Schlustein des Schoes.

Aber zwischen den Buchstaben trumen die blauen Monde ihrer Augen, um die
die seidenen Strahlen der Wimpern stehn. Leuchtend hngen sie ber der
Herzensfinsternis meiner Tage.

Ich halte einen Brief von Ylone an meiner Seele!

                                * * *

Ich mchte es auf den Knieen niederschreiben, so heilig ist mir, wenn ich
daran denke.

Eines Tages kam Claudios Mutter durch unsere violett verhngten Tage auf
uns zu. Wir erstaunten nicht; es war uns, als ob wir sie schon lange
erwartet htten. Sie wundern sich nicht, Ylone, sagte sie, da ich
eindringe in Sie ohne gerufen zu sein? Aber ich will mich Ihnen doch
erklren. Ich zrnte Ihnen zuerst, als ich Claudio an Sie verlor; denn er
lebte nur matt in den Intervallen, die er bei mir war, weil sich sein
ganzes Wesen Ihrem Anblick entgegenspannte. Ich emprte mich gegen Sie. Ich
hatte fr ihn gelitten und gelebt. Ich hatte ihn vom ersten Tage an durch
alle Gedanken, Wnsche und Enttuschungen begleitet, und trotzdem ich ihn
gerne an sein Glck verlor, stand ich ohne zu begreifen. Mit einer
unsichtbaren Bewegung hatte mich pltzlich eine fremde Macht auf die Seite
geschoben.

Er verreiste in Fernen, in die ich ihm nicht folgen konnte, und ich
zitterte vor seiner Rckkehr.

Aber Sie entwaffneten mich, Ylone. Ich erkannte Sie bald in jeder seiner
Vernderungen. Sie waren in jedem Lcheln, in dem er mir gtig begegnete,
und er warf einen groen Schatten, wenn Sie ihn alleine lieen. Er war hart
und sprde gewesen, aber Sie reiften ihn zur weichen Frucht. Er war noch in
sich gefangen, und Sie brachten ihm die Erlsung, die nicht von der Mutter
kommen konnte. Er war ein verstreuter Sucher, aber Sie haben ihn gesammelt
und gestillt.

Ich begann Sie langsam in Ihrer Schpfung zu lieben. Ich lebte von ferne
mit Ihnen beiden; denn das Glck einer Mutter beruht darin, das Leben der
andern zu leben.

Ich sah ein, da ich mich nur gegen Sie gewehrt hatte, weil ich ahnte, da
ich Sie sonst lieben mte. Irgendwo in mir begannen Sie zu wachsen,
schlugen aus wie ein junger Baum und umblhten mich mit allen Zweigen. Da
mute ich zu Ihnen. Lassen Sie mich die Urne sein, in der Sie beide
beschlossen und beschtzt liegen. Begreifen Sie mich: In dieser groen
Stadt sind zwei Menschen, die ihn am innigsten lieben, und so dachte ich,
da zwei Menschen, in deren Leben ein Thema singt, verschmelzen sollen zu
einem Gesang, da sie sich ineinander schtten mssen zu einer Liebe.

Die Mutter schwieg und ihre Augen waren zwei milde, tiefe Flammen, die aus
ihrer Seele brannten. Ylone aber lehnte erschttert an ihrer andern Welt.
Ihr Krper war ganz vornber gesunken zu einer stummen Verbeugung vor
dieser Mutter.

Da neigten sich ihre Herzen einander und brachen auf wie zwei Strme, die
ber weite Landschaft fluten. Und um das Haupt der Mutter schwebte ein
goldenes Schluchzen, wie bei allen groen Mttern, die Gott gezeichnet hat
und denen ein Wunder gelang.

                                * * *

Ich brachte in dein Dasein den Mann, Ylone, weil ich glaubte, dich dem
Leben nicht vorenthalten zu drfen. Auch ich war ja einmal durch ihn
hindurchgegangen, bevor du meine Wohnung wurdest, Geliebte. Einzig wir
Frauen wissen tiefer von einander. Der Mann sieht in uns nur sich selbst.
Fremde sind wir ihm immer. Wir mssen ihn berwinden, auswandern aus dem
irdischen Erlebnis, einziehen in das gttliche, das ohne Krper ist.
Solltest auch du es schon damals erkannt haben, Ylone, damals als ich diese
sapphische Klage von dir fand:

   Betrunkene Grten weckten mich zur Nacht.
   Wer ist es, der so weinend lacht?
   Wie Weiden, die zu tief an wilden Wassern lehnen,
   Steh ich in meinen uferlosen Trnen.
   Des abtrnnigen Schlafs Dmonen
   Kommen schon mich zu bewohnen:
   Aus mnnlicher Nacht will ich mich schrein,
   Schwester, zu dir, aus allem Dunkelsein,
   Du mich entfhrendes Narzissental!
   In dir sind alle Schwestern, frhlingsschmal,
   Die von den jungen Inseln nach sich rufen.
   Knie mit mir auf antiken Tempelstufen
   Um jenes Schicksal, das sie retten kann:
   Gib allen Einzahl, lse sie vom Mann!

Wie wenig ein Mann von uns wei, das sah ich damals vor dem Zusammenbruch
eurer Liebe. Es war noch nichts ausgesprochen; es war kaum etwas
angedeutet, aber es lag bereits in der Mdigkeit seiner Bewegungen, in der
nachlssigen Zerstreutheit, mit der er ber dich hinwegdachte, und in der
Selbstverstndlichkeit, die schon anfing, dich wie eine Gewohnheit, wie den
Alltag hinzunehmen.

Dein ganzer Tag war Vorbereitung fr den Abend, der Claudio bringen sollte.
Aber du begannst zu frh zu warten, und das hatte dich erschpft. Ich sah,
wie du schwer ins Zimmer tratest, aber im ersten seiner Blicke uerste
Anstrengung wurdest. Du warst knstlich bis zur Entwertung. Du warst kaum
mehr Du vor Angst. Deine Augen waren die einer Fiebernden, sie waren ganz
weit weg, da, wo er dich morgen vielleicht schon zurcklassen wrde. Aber
ihr wutet beide nichts von der Verzweiflung, mit der du um einen Aufschub
kmpftest. Besinnungslos steigertest du dich, deine Gesten, deine Worte,
formtest um und schufst neu. Strztest aus einem Lcheln, das geliehen war,
in die Pose einer Fremden, hattest hundert Gesichter in der Minute,
entbltest alle Menschen, die in dir waren, warst naive
Verstndnislosigkeit und greisenhaftes Erkennen. Du warst immer das, was er
im Augenblick brauchte, und warfst dich ihm zu wie einen Ball. Es war, als
wolltest du ein letztes Mal eine Andere fr ihn sein, die Neue, die er noch
nicht kannte, um das Ende hinauszuschieben, das du im Untergefhl
frchtetest. Er mordete dich langsam mit seiner Ahnungslosigkeit, die dich
nicht schtzte vor dir selber und deine Demtigung annahm, weil sie nichts
von ihr wute. Aber als du seine neue Sehnsucht erfhltest, nahmst du dich
vorsichtig zurck und batest um Einsamkeit. Du strichst seine heien Blicke
aus deinem Herzen und sagtest etwas, das wie: auf Morgen! fr ihn klang,
aber ich hrte schon die Abschied schluchzende Nachtigall.

Dann war das Zimmer mit uns allein. Das Lcheln auf deinem Gesicht alterte.
Und pltzlich begann es zu sterben. Der Stuhl fing steif den Verfall deines
Krpers auf, und die Hnde fielen verblht und welk wie erfrorene Blumen
herab. Du sahst mich, ohne zu sehen. Deine Blicke waren wie das
Flgelschlagen eines Vogels, der Festes sucht. Ich nahm mich zusammen,
damit wir das ertragen konnten, was jetzt kommen mute. Dein Blick wurde
fester, hielt auf mir aus wie eine Fermate, sah mich und Dich in mir und
wute.

Du flchtetest aus meinem Mitleid; denn das Leid um ihn war klein gegenber
der turmhohen Scham ber deine Nacktheit, die dich sogar seinen Verlust
bestehen lie. Stolz brach steil aus deinen Mienen. Du wurdest starr und
sicher und wuchsest langsam ber ihn hinaus, dahin wohin er dir nicht
folgen konnte.

Suchtest den Weg zu mir, die dich erwartete, und gingst fort von ihm in
diesem Brief:

                                * * *

Nun rede ich noch einmal zu dir, Claudio, denn ich kann nicht im Schweigen
von dir fortgehen. Ich mu dich verlassen jetzt, da ich kaum geffnet bin,
weil ich nicht erst warten will, bis du nichts mehr fr mich bist als das
Bild, das ich mir von dir gemacht habe. Ich hatte seit Jahren dein Nahen
gefhlt und war so innerlichst deinem Kommen zugewandt, da ich mir nicht
einmal das Bild eines anderen Mannes merken konnte. Erwartung hing wie ein
Mantel um mich und meine Weltfremdheit, bis du ihn aufschlugst ber meinem
Schicksal.

Ich wute dies Schicksal vom ersten Kusse an.

Alle Trnen, die ich nicht bei dir weinen durfte, sind noch in meinen
Augen. Alle Gedanken, die ich nicht denken konnte, ohne mich vor dir zu
entstellen, schreien um Erhrung. Denn gerade meinen Ernst, den ich liebe,
mute ich verbergen, weil ich erkannte, da du das Spiel wolltest, das zu
nichts verpflichtet. Ich verklage mich, da ich so schwach war, immer dein
Lcheln zu lcheln und es wie einen Schleier vor meine schmerzende
Dunkelheit zu halten.

Ach, warum hast du immer an mir vorbergeschaut? Lieber als das wre ich
durchschaut worden. Warum hast du mich da aufgeschlagen, wo es dir gefiel,
und hast die Seiten berschlagen, die dir unbequem waren? Ahntest du nie,
da ich neben mir sa mit frierendem Herzen und uns zusah und wartete; denn
ich selber ging langsam vorbei.

Du hast einen Menschen an mir geliebt, und da waren so viele andre in mir,
die darauf warteten, von dir erlst zu werden. Aber du berhrtest ihre
hundert Nuancen, und ich mute dich in der hundertsten ber die anderen
neunundneunzig hinwegtuschen, weil deine Liebe nur die eine ertrug.

Verzeih mir, da ich dich mit mir betrog von dem Augenblick an, als ich
mich selbst fr jene andere verleugnete, die du gemeint hattest. Als ich
tausendmal mein Ich fr dich verlor, verlor ich das Beste an mir: die Treue
an mich selbst.

Ich habe sie mir nicht halten knnen, aber dir habe ich alles gehalten, was
ich dir versprochen, und noch mehr, das, was ich dir nicht versprochen
hatte. Ich habe die ganze Unendlichkeit meiner Liebe an dich verschttet,
whrend du nur einige Fingerspitzen der deinen ber mich ausstreutest. Ich
verbrannte an meiner Hingabe, die mir alles war, du aber erloschst; denn
fr dich war sie nichts. Ich lebte in Anbetung und du lebtest von der
Anbetung. Einer war Gott und einer war Beter.

Immer spartest du, wo ich mich vllig ausgab. Es gab kaum ein Gefhl, in
dem ich dich allein lie, und ich habe mich bemht, dir nachzuwerden. Aber
du kamst niemals dahin, wo ich mir selbst am dunkelsten war. Ich bin immer
allein geblieben mit meinem Gefhl, das du aussetztest in die Welt und
dessen Sehnsucht nach Erhrung schrie hinweg ber die Zeit. Ich glaube, da
ich durch dich hindurchmute, um mehr von mir zu wissen. Ja, vielleicht
habe ich all diese Jahre nur auf mich gewartet.

Nun will ich von dir gehen, ehe es zu spt ist und ich nichts mehr mit
meiner Freiheit anzufangen wei. Ich will nicht warten, bis du dich noch
mehr vernderst, nun, da du begonnen hast, mich in einem Ku zu entkleiden
und meine Liebe mit Worten zu versuchen.

Ich will ausruhen von der Qual des Rufens ohne Antwort und wieder da
gefunden werden, wo es einzig mglich ist: bei Venera. Hier wird einer im
anderen so stark werden, da man nebeneinander stehen kann. Ich will
heimfinden aus meiner Abtrnnigkeit, und wenn ich auch sieben Jahre um mich
dienen mte, um jene wieder zu finden, die ich vor dir war.

Auch an dir habe ich manches verndert, und darum sollst du zurckkehren zu
dir, wie man heimkehrt zu seiner Mutter nach langer Reise durch seine
Jnglings- und Manneszeit, und seine Kindheit unverndert und unberhrt
wiederfindet.

Ich danke dir noch einmal, Claudio, fr den Traum. Ach, la ihn mich noch
einmal trumen! Ich will die Augen schlieen, um dich deutlicher zu sehen.
Tanz war die Berhrung deiner Hnde. Nie fhlte ich das Gitter des Regens
und eigener Gefangenschaft. Da waren nicht zwei Lcheln, nicht zwei Ksse,
die einander hnlich waren. La mich ein letztes Mal in sie und auf die
Insel deines Herzens flchten. Meine Liebe umspannt dich noch einmal von
Kopf zu Fen wie eine Oktave. Den Weg, den du gehst, sollen Sonnen- und
Mondblumen sumen, und paradiesische Schmetterlinge sollen vor dir Frhling
tanzen.

Ich werde dir viele Jahre nachsehen auf diesem Wege, den du ohne mich
weitergehst, und wenn du dich einmal umsiehst, weil es dunkel wird, wird
dir mein Lcheln wie ein Licht entgegenleuchten.

Ich ksse dein Herz ein letztes Mal.

Irgendwo in mir weint es, weine mit mir, Claudio . . . .

                                * * *

Als die fremde Stadt mir Claudio einen Tag lang auslieferte, habe ich dich
gercht, Ylone; denn er liebte mich noch. Ich spielte mit roten Worten. Ich
hatte ja nicht nur seine Blindheit zu rchen, nein, vor allem, da er dich
genommen und uns beide gemeint hatte. Er machte es mir schwer. Er war sehr
stark an diesem Tage. Mein Blut rauschte, so da ich frchtete, mein Gefhl
fr ihn knnte strker sein als meine Rache. Ich klammerte mich fest an sie
an. Ich schwieg. Er htte sonst hren knnen, wie wenig es brauchte, damit
ich wieder vor seinem Herzen lag. Aber er sah mich nicht knien; hinter
knstlich gefrorenen Blicken. Blutblumen brachen auf und schlangen sich in
die Tapete der Wand.

Mein Blick blhte sie nach, wie das Fieber den Mustern der Wnde
nachschleicht, um ferner von Claudio zu sein. Sterne fielen durch die
Fenster und mein Herz lehnte an ihnen, schwer von Abend und Sehnsucht.

O qualvoller bergang in die Nacht, mit der er tiefer und tiefer in mich
hinabstieg! Ich litt. O, ich litt mehr als er, weil ich fr uns beide litt.
Da fiel mir rettend der Schlaf ein. Wir suchten unsere Zimmer. Ich begriff
nicht, da eine Treppe den Saal mit dem Schlaf verbinden konnte. Ich
begriff die Treppe nicht, die mich trug; denn ich war so schwer.

Er schrie stundenlang in meine Nacht. Aber ich zog sie fest ber mich.
Seine Qual rttelte an der Tr, die zu ihr fhrte, und die Fackeln seines
Zorns zuckten durch ihr Glas.

Ich habe dich gercht, Ylone, whrend er nach mir schrie in der dreizehnten
Stunde. Ich drckte meine Angst tief in mein Bett; denn bestand die Tr in
Wirklichkeit?

Pltzlich kroch durch die Nacht ein Blatt langsam unter der Tr auf mich
zu. Ein Blatt des Aufruhrs, Stcke waren herausgeschnitten, wieder
zurckgenommen, weil sie ihm zu stark erschienen. Die Buchstaben schrien
durcheinander und warfen sich geqult ber das Papier. Er schrieb:

Hre, Venera, ich wei, da du schon lange diese Rache suchst. Bisher war
sie dir nur noch zu leicht erschienen. Ich htte wissen mssen, da diese
Nacht in meiner Niederlage enden werde. Und doch, Venera, ich will lieber
deinen Ha, wenn ich deine Liebe nicht haben kann. Mut du euch beide
rchen? O, tue es nicht mit dem schmerzlichen Pathos der Distanz! Freilich,
ich habe auch dich in ihr geschndet. Ihr seid eine Einheit, und ich htte
euch niemals trennen drfen, weil ihr euch nur zusammen geben knnt. Du
bist hart zu mir und dir, Venera, weil ich dir zumutete, das zu bersehen.
O, wie war ich plump, als ich das Geheimnis eures Krpers mit dem eurer
Seelen verwechselte! Und wie habe ich gelogen, indem ich euch auseinander
ri!

Venera, du hast recht, euch zu rchen, du hast tausendmal recht. Aber ich
kann euch nicht ganz verlieren! Gib mich mir selber und der Erinnerung
zurck; ich will nicht mehr als das: Berhre mein Herz und verzeih! So
warte ich auf den Morgen. Ylone, begreifst du, da ich die Rache, die ich
dir schuldete, nur uerlich nehmen konnte nach diesem? Da ich nicht genug
verhrtet war, um mich seinem demtigen Leid zu verschlieen? Da ich die
Probe vor uns selber nicht ganz bestand, weil ich einen Brief schrieb in
jenen Stunden, der mich ihm offenbarte. Freilich, er wird nie wissen, da
ich nur halbe Rache nahm, denn er hat ihn nie erhalten, und ich floh vor
dem Morgen, bevor er von der Auferstehung meiner Liebe ahnen konnte.

Aber dir, Ylone, bin ich Rechenschaften schuldig, ich schme mich vor uns,
da die Frau einen Augenblick lang die Freundin berragte. Versuche zu
verstehen, und lies:

Ich hre dein Herz laut an das meine schlagen, du! Wie schwer deine Liebe
an meiner Tre lehnt! Ich wei, du fhlst, da ich sie dir hundertmal
geffnet habe in dieser Nacht. Ich wei, du ahnst meine
Widerstandslosigkeit durch die Wand. Einmal will ich dich ertrumen wie du
nicht bist. Diese Nacht soll nicht unausgekostet und halbgelebt modern wie
eine unreife Frucht. Zwar: sie will meine Liebe zu Ylone versuchen, aber
diese Liebe wchst ber jeden Tag und jede Nacht und wird auch sie
berstehen.

Schmerzliche Arien ziehen durch mich. Ich hre dein Herz um meine Tre
flattern, ein kranker Vogel, der aus dem Neste fiel. Es ist aus dir
gefallen und schreit sich mde. Aber jetzt nehme ich deinen Schmerz an
meinen Mund und will ihn in einem Ku verbergen. Schlaf steht um uns und
Abend. Aber in mir leuchten die Sterne. Nie war ich so hell und blhend wie
jetzt in dieser Sehnsucht, mit der ich mich dir versagen mu. O Lust dieses
Schmerzes! O Tanz dieser Ruhe in uns! ffne dich der Widmung dieser dich
suchenden Stunden, du! Nun will ich dir alle Sterne pflcken und dich mit
einem smaragdenen Schlo von unendlicher Zrtlichkeit umgeben.

Alle Tore tun sich auf, wie liebende Frauen, und fhren in dich, Kirche.
Ich bin gesammelt, wie zu einem Festgottesdienst, wenn das Allerheiligste
an meiner Andacht vorbeigetragen wird. Jetzt luten dich alle Glocken der
Welt ein, du Feiertag, jetzt zngelst du bunte Fahne aller Feste, jetzt
brechen alle Hymnen und Gebete an dich wie berauschende Blumen auf;
ekstatisch begegnen sich unsere unendlichen Wesen, die sich ber die
Endlichkeit erhoben. Wie zwei krperlose Harfen sind wir auf den ewigen Ton
gestimmt; vor der Macht unserer Liebe strzt alles ein, wir steigen
hinunter in unsere verborgensten Schluchten und sind allein auf der Welt.
Zwischen deinem Vor-Lcheln und deinem Nach-Ku liegt die Ewigkeit. Ich
danke dir fr das Geschenk dieser Ewigkeit, und wenn auch diese Stunde eine
Dmmerung haben wird -- denn kurz und vergnglich ist jede Ewigkeit -- wenn
sie auch untergeht und wir auslschen mit allen wartenden Lampen der Nacht:
der Duft dieses unendlichen Augenblicks kann nie verwehen.

Fhle, da mein Krper nicht bei dir sein darf in dieser heiligen Nacht!
Vielleicht htte mich seine Schwere verhindert, mich an deine Seele
hinzugeben. Vielleicht wre ich bei dir weit fort gewesen, so aber war ich
dir nah wie nie durch die Entfernung. Ich gab dir alles, wenn ich mich auch
von ferne gab. Ich empfing dich wie Danae den goldenen Gott. Deine Liebe
wird nicht in meinem Leibe enden, sondern wird gttlich und endlos sein,
wie ihr Fall vom Himmel.

Fhlst du, da ich dir mehr schenkte in diesem Brief, als dir je aus einer
Schnur von Tagen kommen knnte?

Lebe wohl, nun werden wir wieder in der Klte des Weltalls einsam schweben.
Nun mu ich wieder auf den harten Stufen des Gartens schlafen, der in dich
mndet. Nun nehme ich mich zurck, nun stehle ich mich; denn wenn ich zu
Ylone komme, mu alles aus meinem Gesicht vergangen sein, was an dich
erinnern knnte. Nun trume ich dich ein letztes Mal. Lebewohl!

                                * * *

Ich war leise mit dir wie mit einer Kranken nach diesem, Ylone. Ich suchte
das lautloseste Schweigen und legte es wie einen Verband um dein Herz. Ich
streute meine innigsten Worte wie Blten vor deine Fe, damit du leichter
gingst. Ich bekleidete dich mit den Blicken meiner Liebe und steckte dir
meine Ksse an. Ich pflckte die seltensten Blumen aus meinen Grten und
legte sie in deine gefalteten Hnde. Ich ging niemals fort, ohne dir etwas
mitzubringen: einen trumenden Weg, einen jungen Wind, das Schluchzen eines
Vogels, zwei Lcheln eines Kindes oder den duftenden Seufzer eines Baums.

Vorsichtig legte ich meine Geschenke vor die Stille, in die du dich
eingeriegelt hattest. Denn manchmal tratest du heraus, um nach dir zu
suchen. Du, die niemals die Erde berhrt hatte, gingst nun schwer und
unruhig auf ihr umher, um dich wieder zu finden.

Und dann kam jener ewige Abend. Die Zimmer waren so brnstig von Sommer.
Sie machten schwach. Du rettetest dich an die offenen Fenster und hieltest
dich in die laue Nacht hinaus. Die Stadt fieberte und lag in den
schumenden Delirien der krankhaften Dunkelheit. Lichter durchstachen den
Raum, den du geqult nach jenem Lichte abtastetest. Ach, da war ein Geruch
von Erde, Mond und Unvergnglichkeit, der berauschte und schmerzte in
einem. Die Luft vibrierte von Sehnsucht, die aus tausend Fenstern lehnte,
da man aufschluchzte wie ein Brunnen. Atem der Grten fiel s in das
Zimmer, und wir standen in ihm wie in einer Laube aus Parfm. Man wurde von
weichen Winden verfhrt, sich aufzulsen in der Erregung des Sommers, sich
an das All zu verlieren. Ich sah dich erschauern vor der gewaltigen Melodie
dieses Abends. Sah, wie du den Rhythmus deiner weien Arme zerbrachst, die
du an die blhende Luft geschmiegt hattest, und dein weinendes Gesicht
hineinwarfst. Und aus Furcht vor der riesigen Nacht, die das Gefhl der
Verlassenheit erhhte, flohst du zurck in die Begrenzung des Zimmers. In
diesem Augenblick sprtest du mich im Raum. Dein suchender Blick fiel mir
gerade in die Augen. Ich glaube, du erkanntest mich seit Wochen zum
erstenmal; denn bisher hattest du an mir wie an einer Fremden
vorbeigefhlt. Dein Mund wurde voll Bitten und blieb doch stumm. Deine
Kniee brachen ein und warfen dich vor mir nieder. Aber bevor du dich
demtigen konntest, hielt ich dich schon in meiner Liebe.

Ich hatte dich so aufbewahrt und gesammelt in mir, da ich dich dir ganz
zurckgeben konnte. Jeder Augenblick deines Gefhls hatte Flgel bekommen
und flatterte dir entgegen. Jedes deiner Lcheln suchte dich, und deine
ungetrumten Trume warteten darauf, von dir getrumt zu werden. Deine
Gedanken hatten noch ihre weien Gewnder an und neigten sich dir zart wie
prraffaelitische Engel. Du konntest dich in mir wie in einem Spiegel
sehen, der dein Bild von frher unverndert zurckwarf. Aber ich verhngte
diesen Spiegel sorgfltig, um dich nicht zu erschrecken. So wie man nach
einer Sommerreise heimkommt und langsam die Leinwand vom verdeckten Spiegel
abnimmt, um nicht zu sehr berrascht zu werden; denn seitdem haben uns
viele Spiegel gesehen und verndert gesehen, und er ist der einzige, der
uns unverndert behalten hat.

So lie ich dich stckweise und in Zwischenrumen einsehen in mich, damit
du dich langsam wieder aufbauen konntest wie ein Mosaik, aus dem ein Sturm
einige Steinchen gebrochen hat. Um jedes unserer Worte begann sich von
neuem die samtene Stille von Feiertagen zu breiten. Es kamen wieder Abende,
in denen wir seidene Bcher mit seidenem Inhalt in die Hnde nahmen und uns
von ihnen streicheln lieen. Glnzende Tage waren zwischen zwei Dmmerungen
wie in amethystene Steine gefat. Da flo ein leiser Wind aus den Fchern
deiner Hnde: Musik. Sie legte sich genesend ber deine Seele, die in Gebet
gewandet war. Und einmal brach deine Stimme zwischen den Tasten auf wie ein
Lied:

Wir haben es getrumt, Venera. Es war ein Stern, der vom Himmel fiel, damit
wir uns in ihm noch tiefer lieben sollten. Doch er fiel zu pltzlich und
hat uns mit seinem Fall erschreckt. Aber aus dir, du Liebevolle, strahlt er
erkannt und leise wieder.

Deine Blicke tasteten nach mir, und langsam kam dein Ku auf mich zu.

Da zersprang das Glas unsrer Herzen, Geliebte . . .







End of the Project Gutenberg EBook of Der glserne Garten, by Claire Goll

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER GLSERNE GARTEN ***

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all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.

1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
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1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
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to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
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License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

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electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
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1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
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request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
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1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
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- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
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     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
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     and discontinue all use of and all access to other copies of
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     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH F3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
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written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
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providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     http://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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