The Project Gutenberg EBook of Einheimische Fische, by Kurt Floericke

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Title: Einheimische Fische
       Die Swasserfische unsrer Heimat

Author: Kurt Floericke

Illustrator: E. Bade
             W. Koehler
             R. Oeffinger

Release Date: May 22, 2012 [EBook #39763]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

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Einheimische Fische

Die Swasserfische unsrer Heimat

Von

Dr. Kurt Floericke

Mit zahlreichen Abbildungen nach Originalaufnahmen u. Zeichnungen von
Dr. E. Bade, Oberlehrer W. Koehler, R. Oeffinger u. a. und einem
Umschlagbild von R. Oeffinger

Stuttgart

Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde Geschftsstelle: Franckh'sche
Verlagshandlung Copyright 1913 by Franckh'sche Verlagshandlung
Stuttgart

Stuttgarter Setzmaschinen-Druckerei Holzinger & Co.




Einheimische Fische


      Ach, wtest du, wie's Fischlein ist
      So wohlig auf dem Grund,
      Du stiegst herunter wie du bist
      Und wrdest erst gesund!

Ob Altmeister Goethe, der ja bekanntlich auch einen recht tiefen
Einblick in das weite Reich der Natur getan hat, recht hat, wenn er in
einem seiner formvollendetsten Gedichte, in dem fast italienischen
Wohlklang atmenden Fischer, von dem Wohligsein der Fische spricht und
den Menschen sie darum beneiden lt? Der Naturforscher wird entschieden
antworten, da hier die Phantasie mit dem Dichter durchgegangen sei. Die
Natur ist ja durchaus nicht die allgtige und allsorgende Mutter, als
die eine sentimentale Weltauffassung sie hinzustellen beliebt, sondern
vielmehr eine recht rauhe Erzieherin, die eine gar strenge und
nachsichtslose, oft geradezu zu raffinierter Grausamkeit gesteigerte
Auslese unter ihren Kindern hlt, der das Schicksal des Individuums
gleichgltig ist, wenn sich nur Aussicht bietet, den Bestand der Art zu
erhalten. Und wenn aus diesen Grnden schon auf dem Festlande ein
rcksichtsloser Kampf aller gegen alle tobt, so herrscht ein solcher in
tausendfach vergrerter und verbitterter Form im scheinbar so
friedlichen Wasser, und besonders unter dessen hchst entwickelten
Bewohnern, den Fischen, unter denen ja ausschlieliche Pflanzenfresser
eine Seltenheit sind, whrend grimmige Ruber in Unzahl das feuchte
Element bevlkern. Das ganze Dasein der wohligen Fische ist ein fast
ununterbrochenes Hetzen und Jagen, Verfolgen und Verfolgtwerden, alles
dreht sich bei ihnen ums Fressen oder Gefressenwerden, solange nicht fr
mehr oder minder kurze Zeit der allmchtige Fortpflanzungsinstinkt alles
andere in den Hintergrund drngt, die sonst Unersttlichen zu wochen-
und monatelangem Fasten verurteilt und ganze Millionenheere zu weiten
Wanderungen veranlat, die in der rcksichtslosen, fast brutalen Art
ihrer Ausfhrung etwas geradezu Fanatisches und Hypnotisierendes an
sich haben. Da also der Kampf ums Dasein in den Gewssern noch
unerbittlicher tobt als auf dem Festlande, wird es ohne weiteres
begreiflich erscheinen, wenn die einzelnen Arten ihm nach dieser oder
jener Richtung hin in weitgehender Weise angepat wurden, und wir werden
ja im folgenden verschiedentlich Gelegenheit haben, solche
Anpassungserscheinungen und ihre tiefgehende Bedeutung und Wirksamkeit
fr die Biologie der Fische kennen zu lernen.

Selbst dem Laien, der fters vor einem Aquarium gestanden hat, wird bald
auffallen, da er die Fische eigentlich jedesmal und zu jeder Tages-
oder Nachtzeit in mehr oder minder lebhafter Bewegung, jedenfalls fast
nie ganz ohne solche vorfindet. Bei einigem Nachdenken mu er sich
schlielich ganz von selbst fragen, ob denn diese unermdlichen Tiere
eigentlich berhaupt nicht schlafen. Diese Frage ist keineswegs so naiv,
wie sie auf den ersten Anblick erscheinen mag, denn bis in die neueste
Zeit hinein haben auch angesehene Fachgelehrte der Meinung zugeneigt,
da die Fische tatschlich berhaupt keines Schlafes bedrfen. Da diese
Anschauung so lange Zeit hindurch sich behaupten konnte, wird
erklrlicher, wenn wir bedenken, da das Hauptzeichen echten Schlafes,
das geschlossene Auge, bei der Mehrzahl der Fische in Wegfall kommt,
indem sie keine Augenlider haben. Das sonst so bewegliche Fischauge
bleibt aber im Schlafe starr und ruhig, ohne jedoch seine Funktion
vllig auszusetzen. Und das ist auch ntig, denn da das Gehr bei der
groen Mehrzahl der Fische fast vllig versagt, mu das offene Auge
ihren Schlaf behten, wohingegen bei dem schlafenden Menschen das Gehr
nicht gnzlich auer Funktion tritt und ihm eine herannahende Gefahr oft
noch rechtzeitig genug verrt. Doch gibt es auch Fische, die Augenlider
haben, wie z. B. die _Haie_ und _Rochen_, und diese schlieen im Schlafe
auch das Auge fast vllig, whrend sich gleichzeitig die Pupille ganz
wie bei uns Menschen verengt. Nur die ungemein schwierige Beobachtung
solcher groen Meeresfische ist schuld daran, da diese Tatsache so
lange bersehen wurde, die man erst neuerdings an dem kleinen
_Katzenhai_, der zu den gewhnlichen Bewohnern der Schauaquarien gehrt,
festgestellt hat. Wir mssen brigens zweierlei Arten von Schlaf bei den
Fischen unterscheiden, nmlich einerseits den lethargischen
Erstarrungszustand, in den gewisse Fische whrend der Winterklte oder
Sommerdrre fr lngere Zeit verfallen, der also ganz dem _Winter-_
oder _Sommerschlaf_ gewisser Suger, Kriechtiere und Lurche entspricht,
und andrerseits den eigentlichen Nacht-, bezglich Tagesschlaf. Der
erstere ist ja schon seit lngerer Zeit bekannt. Wir wissen, da alle
Fische, die bekanntlich zu den Kaltbltern gehren, nur innerhalb
bestimmter Temperaturgrenzen zu existieren und nur bei einem gewissen
Temperaturoptimum ihre volle Lebensttigkeit zu entfalten vermgen.
Freilich sind diese Temperaturzonen bei den einzelnen Arten
auerordentlich verschieden, was ja nicht weiter Wunder nehmen kann,
wenn wir bedenken, da manche Fische zwischen den Eisschollen der
Nordmeere sich tummeln, andere dagegen in den lauwarmen Wassern der
tropischen Riesenstrme oder gar in heien Quellen wohnen, die wie
diejenigen von Aix eine Wrme von 45 Grad Celsius aufweisen. Wenn auch
die widerstandsfhigeren Fische sich im Aquarium allmhlich an eine
nicht unbetrchtlich kltere oder auch wrmere Temperatur gewhnen
lassen, als sie im Freileben gewohnt sind, so wei doch jeder
Aquarienbesitzer, wie berraschend empfindlich seine Pfleglinge sich
gegen pltzliche Temperaturschwankungen selbst geringfgiger Art zu
zeigen pflegen. So erklrt sich auch die merkwrdige Tatsache, da
Aquarienfische sich sehr leicht erklten, obwohl sie doch im Wasser
selbst leben, und vereinzelte Ausnahmeflle, wo Tropenfische bei einer
Temperatur von nur wenigen Graden vllig erstarrten und schon fr tot
gehalten wurden, dann aber beim Erwrmen zu neuem Leben erwachten,
besttigen nur die Regel. In freier Natur dagegen drften
Erkltungserscheinungen bei Fischen nur uerst selten vorkommen, da ja
die natrlichen Gewsser sich nur ganz langsam erwrmen oder abkhlen.
Wird aber dabei eine gewisse Grenze berschritten, so erleidet die
aktive Lebensttigkeit der Fische eine immer weiter gehende
Herabminderung, die schlielich in unserem Klima zur Erscheinung des
lethargischen Winterschlafes fhrt. Unsere Weifische und _Karpfen_ z.
B. fallen in einen solchen bei einer Wassertemperatur von + 4-6_C_,
nachdem sie sich vorher scharenweise im Schlamm eingewhlt und sich hier
oft so dicht aneinander gedrngt haben, wie Pkelheringe in einer
vollgepfropften Tonne. Whrend dieses Winterschlafes wird ganz wie bei
Hamstern oder Fledermusen die Ttigkeit des Herzens und sonstiger
Muskeln, sowie die der Atmungs- und Ausscheidungsorgane auf ein Minimum
herabgesetzt (bei _Weifischen_ z. B. sinkt nach Haempel die Zahl der
Herzschlge von 20-30 auf 1-2 in der Minute), und der Krper zehrt
whrend dieser ganzen Zeit lediglich von seinem eigenen, vorher nach
Mglichkeit aufgespeicherten Fett, so da er whrend des Winterschlafes
einen Gewichtsverlust von 5 v. H. und mehr erleidet. Die Wrme des
Frhjahrs erweckt dann die schlafenden Fische zu neuem Leben, falls
nicht die Temperatur zu tief unter den Gefrierpunkt gesunken war und
dadurch den zeitlichen Schlaf in einen ewigen verwandelt hat. Es ist
brigens erstaunlich, was die Fische gerade in dieser Beziehung
auszuhalten vermgen. So sind verbrgte Flle bekannt, da Karpfen bei
einer Temperatur von -15 bis -20_C_ vollstndig in einen Eisblock
eingefroren waren und sich dann bei ganz allmhlichem und gengend
vorsichtigem Auftauen doch vllig erholten. Whrend viele unserer
Fische, wie der _Hecht_, auch whrend der rauhen Jahreszeit in Ttigkeit
bleiben, bietet andrerseits unsre Fischwelt sogar manches bemerkenswerte
Gegenstck zu dem Sommerschlaf der Tropenfische, der bei den in
wissenschaftlicher Hinsicht so bemerkenswerten Lungenfischen seine
hchste Vollendung erreicht und den Zweck verfolgt, beim Austrocknen der
Wohngewsser die sommerliche Drre ohne Schaden berdauern zu knnen. So
erzhlt Antipa aus dem Donaugebiete, da er den _Schlammpeitzker_
wiederholt in durchaus lebensfhigem Zustande tief im Schlamm vergraben
angetroffen habe, whrend seine Wohntmpel so scharf ausgetrocknet
waren, da man mit beladenen Wagen darber hinwegfahren konnte. Das wird
erklrlich, wenn wir an die spter noch nher zu besprechende Darmatmung
dieses merkwrdigen Fisches denken.

Viel weniger zahlreich sind aus dem schon erwhnten Grunde sichere
Beobachtungen ber den eigentlichen Schlaf der Fische, aber sie mehren
sich in neuerer Zeit auffallend, so da wir wohl annehmen drfen, da
die Mehrzahl der Fische der sen Wohltat des Schlafes nicht zu
entbehren braucht, was ja auch physiologisch kaum denkbar wre. Doch
scheint soviel festzustehen, da das Schlafbedrfnis der Fische ein
ungleich geringeres ist, als das der brigen Wirbeltiere und da es sich
noch am ehesten bei drckender Hitze und sauerstoffarmem Wasser geltend
macht, bei den einzelnen Arten sehr verschieden stark ausgeprgt ist und
auch individuelle Abweichungen nicht vermissen lt. Insbesondere
scheinen bestimmte _Schlafstellungen_ fr die einzelnen Arten
kennzeichnend zu sein. Viele Fische schlafen in der gewhnlichen
Schwimmstellung freischwebend im Wasser, andere begeben sich zum Boden
herab, drehen hier den Kopf der Strmung entgegen und sttzen sich auf
Brust- und Bauch-, sowie auf den unteren Rand der Schwanzflosse. Der
_Katzenhai_ steht senkrecht auf dieser, whrend er zugleich den Kopf an
einen Stein oder an die Glaswand des Aquariums anlehnt, die _Lippfische_
legen sich auf die Seite, nehmen also im Schlafen eine hnliche Stellung
ein wie der Mensch, und die _Panzerwelse_ des Nil legen sich nach den
Beobachtungen Werners sogar auf den Rcken und treiben mit nach oben
gekehrtem Bauche an der Oberflche einher, so da man sie unbedingt fr
abgestorbene Fische hlt. Der von den Aquarienfreunden wegen seiner
interessanten Brutpflege hochgeschtzte _Maulbrter_ (das Weibchen
schleppt den befruchteten Laich bis zu seiner vlligen Entwicklung im
Maule mit sich, das auch den Jungen whrend ihrer ersten Lebenstage noch
als Zufluchtssttte dient) schiebt sich zum Ausruhen flach auf ein
geeignetes, oft nur wenig vom Wasser berspltes Pflanzenblatt, und die
hbschen _Zwergwelse_ Nordamerikas hngen in halbmondfrmig gekrmmter
Stellung, wie wir sie von den gekocht auf unsere Tafel kommenden
Schleien her kennen, dicht an der Wasseroberflche. Eine hnliche
Schlafstellung nimmt nicht selten auch unser _Schlammpeitzker_ ein,
indem er Kopf und Schwanz nach unten biegt, den schmiegsamen Leib aber
nach oben krmmt. Auch den nahe verwandten _Steinbeier_ kann man
bisweilen in dieser merkwrdigen Lage berraschen. Vielleicht ist sie
auch auf das bei den Schlafstellungen der hheren Wirbeltiere so
deutlich ausgeprgte Bestreben des Organismus zurckzufhren, whrend
des wehrlosen Schlummers nach Mglichkeit zur primitiven, die geringste
Angriffsflche bietenden Kugelform zurckzukehren, was den Fischen bei
ihrem meist starren Leibe allerdings nur andeutungsweise mglich ist.
Whrend des Schlafes erscheint die Reizempfnglichkeit der Fische stark
herabgemindert. Man mu ihnen schon ziemlich grob kommen, um sie
aufzustren. So reagieren sie auf Steinwrfe in der Regel erst dann,
wenn sie unmittelbar getroffen werden. Versuche Schmids haben gezeigt,
da sich Fische durch Zustze von Veronal oder Trional (beide Stoffe
gelten ja auch beim Menschen als Schlafmittel) zum Wasser auch knstlich
einschlfern lassen, wobei sie ihre Bewegungen ganz allmhlich
verlangsamen und schlielich selbst gegen unmittelbare Berhrungsreize
unempfindlich werden. Schleien nahmen dabei eine im Winkel von 45
schrg nach unten gerichtete Stellung ein. Auch die Vorstufe des
Schlafes, das charakteristische Ermdungszeichen des _Ghnens_, ist im
Fischreiche keine unbekannte Erscheinung, so sonderbar uns das auch
anmuten mag. Namentlich in warmem und sauerstoffarmem Wasser kann man
die Fische hufig ghnen sehen, gerade wie auch bei uns Menschen
weichliches Wetter leicht Ermdungszustnde hervorruft. Beim Ghnen
ffnet der Fisch sein Maul sehr weit, spreizt die Kiemen, hebt seine
Bauchflossen und stt dann mit groer Geschwindigkeit das eingesogene
Wasser teils durchs Maul, teils durch die Kiemen wieder aus. Die
Stellung der Flossen whrend des Schlafes ist am eingehendsten beim
Schlammpeitzker beobachtet worden; gewhnlich werden sie dem Krper
glatt angelegt, die Brustflossen nicht selten aber auch flach
ausgespreizt.

Bei dieser Gelegenheit sei gleich noch einiges ber den
_Schlammpeitzker_ oder _Schlammbeier_ (_Cobtis fosslis_) gesagt,
diesen wegen seiner leichten Erreichbarkeit bei der Jugend so beliebten,
wegen seiner vielen merkwrdigen Eigenarten aber auch fr den Forscher
und Aquarienfreund hochinteressanten Bewohner unserer kleinen stehenden
Gewsser mit schlammigem Untergrunde. Er lebt hier als ein echter
Bodenfisch und als ein ausgesprochenes Nachttier, das tagsber unttig
dem schlammigen Untergrunde aufliegt und erst mit Einbruch der Dmmerung
zu regerem Leben erwacht, um den Schlamm nach allerlei Gewrm, Schnecken
und jungen Muscheln zu durchwhlen, nebenbei wohl auch vermodernde
Pflanzenteile zu sich zu nehmen. Bekannt geworden ist der Schlammbeier
in weiteren Kreisen namentlich als Wetterprophet, weshalb er auch im
Volksmunde vielfach den Namen Wetterfisch fhrt, und er verdient diesen
Ruf sicher in hherem Grade als der zu Unrecht gepriesene Laubfrosch. Es
ist Tatsache, da der Schlammbeier wenigstens gegen elektrische
Vernderungen in der Atmosphre sich beraus empfindlich erweist und
namentlich das Herannahen von Gewitterbildungen viele Stunden vorher
(angeblich sogar 24 Stunden vorher) mit fast untrglicher Sicherheit
anzeigt. Der sonst so trge Geselle gert dann in lebhafte Unruhe und
schwimmt rastlos unter krftig schlngelnden Bewegungen hin und her,
kommt auch mit sichtbarer ngstlichkeit hufig an die Oberflche, um
Luft zu schnappen. Es erscheint daher zweifellos, da er fr Fluida
elektrischer oder magnetischer oder vielleicht gar radioaktiver
Herkunft besonders empfnglich ist, ohne da wir jedoch bisher diese
auffallende Erscheinung irgendwie befriedigend aufzuklren vermchten.
Diese Eigenschaft des Schlammbeiers bringt es mit sich, da man ihn in
manchen Gegenden als geschtzten Wetterpropheten in einfachen Fisch-
oder Einmacheglsern mit Sandbelag hlt, was fr den sonst sehr
widerstandsfhigen Fisch freilich nur einen langsamen und qualvollen Tod
bedeutet. Da er ebenso wie der Steinbeier sich von einer geschickten
Hand im Wasser ohne allzu groe Schwierigkeiten ergreifen lt, mu er
ferner in der Regel fr die ersten Aquarienversuche der lieben Jugend
herhalten. Das ist sehr zu bedauern, und es erscheint nachgerade
angezeigt, auch in bezug auf unsere Fischfauna den Naturschutz in
hherem Grade zu bercksichtigen, als es bisher geschah, denn auch die
Fauna unserer Binnengewsser und namentlich der kleinen Tmpel und
Teiche droht infolge rcksichtsloser Nachstellungen mehr und mehr zu
verden und zu verarmen. Dagegen sei den modernen Aquarienfreunden,
deren praktische Kenntnisse in der Tierpflege gro genug sind, um jede
Tierqulerei auszuschlieen, bei dieser Gelegenheit die sachgeme
Haltung und Beobachtung unserer so anziehenden einheimischen Fische, die
ber der Sucht nach auslndischen Neueinfhrungen und -zchtungen nur
allzu sehr vernachlssigt worden sind, wieder einmal dringend ans Herz
gelegt. Gibt es doch gerade an unseren so charakteristischen
einheimischen Formen, von denen nicht wenige ebenso schn und zierlich
sind, wie die berhmtesten Exoten, biologisch noch ungeheuer viel und
Hochinteressantes genug zu erforschen, wobei auch der bloe Liebhaber
tchtig mithelfen kann. brigens ist der Schlammbeier durchaus nicht
der einzige Wetterfisch, vielmehr scheint zahlreichen Arten eine mehr
oder minder groe Empfindlichkeit gegenber den elektrischen Zustnden
der Luft eigen zu sein, und sie zeigen sich deshalb beim Herannahen
eines Gewitters vielfach bengstigt und unruhig, wenn sie es auch nicht
auf so lange Zeit vorauszuempfinden vermgen wie der Schlammbeier. Im
Zusammenhang damit mag es stehen, da Fische bei Gewittern so leicht
absterben, was man auf die durch die starke Temperaturerhhung bewirkte
Verminderung des Sauerstoffs im Wasser und auf die durch die pltzliche
Erniedrigung des Luftdrucks hervorgerufene bersttigung des Wassers mit
schdlichen Gasen aus dem Untergrunde zurckgefhrt hat, ohne jedoch
bisher vllig ber diese rtselhafte Erscheinung und ber die Rolle, die
die Elektrizitt selbst dabei spielt, sich klar geworden zu sein. Als
sehr weitblickende Wetterpropheten gelten in gewissen Gegenden z. B.
auch die _Forellen_. So unwahrscheinlich es auch klingt, so schwren
doch viele alterfahrene Fischer darauf, da man aus dem Verhalten dieser
Fische beim Laichgeschft sichere Schlsse auf die Gestaltung des
kommenden Winters ziehen knne. Wenn die Forellen ihre Eier an den
tiefsten, starker Abkhlung des Wassers weniger ausgesetzten Stellen
ablegen, soll ein harter und strenger Winter zu erwarten sein, der ja
immer auch einen betrchtlichen Rckgang des Wasserstandes mit sich
bringt. Laichen die Forellen aber an seichten Stellen nahe am Ufer, wo
die Strmung weniger stark ist, so soll ein milder und regenreicher
Winter bevorstehen.

  [Illustration: Steinbeier (Naturaufnahme von Oberlehrer W.
  Koehler).]

Der etwa 30 _cm_ lang werdende _Schlammbeier_, um auf diesen
zurckzukommen, kennzeichnet sich durch seinen langgestreckten
zylindrischen Leib mit kleiner und sprlicher Beschuppung, die gut
entwickelte, abgerundete Schwanzflosse, die zehn kurzen Bartfden an dem
kleinen, aber sehr beweglichen Maul und durch die eigenartige Frbung:
oberseits schwrzlich mit fnf gelben und braunen Lngsstreifen,
unterseits orangegelb mit schwarzen Tpfeln. Der betrchtlich kleinere
_Steinbeier_ (_Cobtis tania_) hat nur sechs Bartfden und auf
ledergelbem Grunde grofleckige braune Binden an den Seiten und auf der
Rckenmitte. Bei der dritten im Bunde, der zierlichen _Schmerle_ oder
_Bartgrundel_ (_Cobtis barbtula_), die ebenfalls mit sechs Barteln
ausgerstet ist und nur wenig grer wird als der Steinbeier, ist die
Frbung viel unbestimmter, meist aber oben dunkelbraungrn mit
regelloser Schwarzstreifung, unten hellgrau oder graugelblich. Whrend
der Schlammbeier hinsichtlich des Wohnsitzes seinem Namen alle Ehre
macht, liebt der Steinbeier klare Bche und Wiesengrben mit sandigem
Untergrund, und die Schmerle ist ein Kind des reinen, flachen, schnell
ber festen und steinigen Boden hinstrmenden Wassers. Bei allen drei
Arten dient also die buntfarbige Beschuppung zugleich als Schutzfrbung.
Wenn die Frhjahrsregen Tmpel und Bche neu aufgefllt haben, schreiten
die Cobitis-Formen zur Fortpflanzung an ruhigen und geschtzten Stellen
ihrer Wohngewsser, und zwar legt jedes Weibchen an Pflanzen oder
Steinen 100-150000 Eierchen ab, von denen aber nur ein geringer
Prozentsatz zur Entwicklung kommt. Die groe Mehrzahl der Jungen fllt
berdies den Raubfischen zur Beute, denen die Bartgrundeln vermge ihrer
mundgerechten Gestalt berhaupt ein besonders willkommener Bissen sind.
Deshalb bleibt ihre Zahl allenthalben eine ziemlich beschrnkte. Von
einer Brutpflege durch das Mnnchen, die Leunis wahrgenommen haben will,
wissen sptere Beobachter nichts mehr zu berichten. Der Steinbeier
besitzt wenigstens noch eine eigenartige Waffe gegen seine zahllosen
Feinde, die bei den beiden anderen Arten nur in rudimentrem Zustande
vorhanden ist. Es handelt sich um einen dem Suborbitalknochen
aufsitzenden, frei beweglichen und feststellbaren Augendorn. Ergreift
man den Fisch, so biegt er den Kopf nach der Hand herum und bohrt den
aufgerichteten Dorn mit betrchtlichem Kraftaufwand in deren Fleisch
ein. Giftig ist dieser Dorn aber nicht, wie man wohl gefabelt hat.
Wirtschaftlich sind die Cobitis-Arten schon wegen ihrer Kleinheit ohne
sonderliche Bedeutung, und das Fleisch des Steinbeiers ist berdies
mager und zhe. Dagegen wird die Schmerle von ausgepichten
Feinschmeckern als ein gar kstlicher Bissen hoch geschtzt, und schon
der alte Gesner singt begeistert ihr Lob. Doch stehen diese Fischchen
ungemein rasch ab und drfen deshalb nur in ganz frischem Zustande
Verwendung finden, wenn sie ihren vollen Wohlgeschmack entfalten sollen.
Am besten behandelt man sie wie Neunaugen, brt sie also auf dem Rost
oder mariniert sie ein.

Auf gleiche Weise behandelte Schlammbeier, die ein grtenarmes und
nicht sehr fettes Fleisch haben, schmecken auch nicht bel, wenn man nur
die Vorsicht gebraucht, sie erst einige Tage in klarem, flieendem
Wasser zu halten, damit der ihnen sonst anhaftende Modergeruch und
-geschmack sich verliert. Heutzutage fhrt man den vielen Fischen
anhaftenden und ihre Verwendung fr die Kche erschwerenden
_Schlammgeschmack_ nicht mehr auf die Einwirkung der Armleuchtergewchse
zurck, sondern vielmehr auf gewisse niedere Algen, die Oszillarien. Wo
sie in groer Menge vorhanden sind, haftet dem Fischfleische auch mehr
oder minder der fatale Schlammgeschmack an, der schlielich selbst bei
Regenbogenforellen so stark werden kann, da er sie fast ungeniebar
macht. Wo die Oszillarien vllig fehlen, gibt es auch keinen
Schlammgeschmack. Fische, deren Haut reichlich mit Schleimdrsen
versehen ist, wie es z. B. bei Aalen und Schleien der Fall ist, nehmen
den Schlammgeschmack immer rascher und strker an, aber vllig verschont
bleibt unter gegebenen Verhltnissen keiner, selbst nicht die delikate
Bachforelle.

Da der Schlammbeier in seinen oft kleinen Wohntmpeln bei heiem und
trockenem Wetter nicht massenhaft zugrunde geht, hat er der ihm eigenen
und wissenschaftlich hochinteressanten Fhigkeit der _Darmatmung_ zu
verdanken. Schon im Aquarium kann man hufig sehen, wie die
Schlammbeier von Zeit zu Zeit fast nach Art der Molche zur Oberflche
emporsteigen, hier einen tchtigen Schluck voll Luft nehmen und dann
langsam wieder zum Boden herabsinken, wie sie ja berhaupt keine Freunde
berflssiger Bewegung sind, sondern bei Gefahr immer nur rasch von
einem Versteck nach dem andern schieen. Die mit dem Maul aufgenommene
Luft pret der Schlammbeier unter krampfhaftem Schlieen der
Kiemendeckel durch seinen kurzen und fast gerade verlaufenden
Verdauungsschlauch, wo der von feinsten Blutgefchen umsponnene
Mitteldarm gewissermaen als Lunge wirkt und der Luft gut die Hlfte
ihres Sauerstoffes entzieht, um sie dann unter hrbar glucksendem
Gerusch verbraucht durch den After wieder auszustoen. Ein vlliger
Ersatz fr die Kiemenatmung freilich ist mit alledem doch nicht gegeben,
da nur durch diese die Ausscheidung der giftigen Kohlensure bewirkt
werden kann und deshalb ein lediglich auf die Darmatmung angewiesener
Fisch doch zugrunde gehen mu. Diese Darmatmung, die sich ja auch bei
der am tiefsten stehenden Fischform, bei dem Lanzettfischchen findet,
ist wohl die ursprngliche im Reich der Fische gewesen, und man kann
deutlich eine Entwicklungsreihe verfolgen, die von da ber die einfachen
Kiemen der Rundmuler, Haie und Rochen bis zu dem verwickelten
_Kiemenapparat_ der Knochenfische hinfhrt.

Der Fhigkeit der Darmatmung verdankt nun aber der Schlammbeier noch
eine weitere und in den Kreisen der heimischen Fischfauna hchst seltene
Eigenschaft, indem er nmlich auch imstande ist, deutlich wahrnehmbare
_Tne_ von sich zu geben. Nimmt man ihn nmlich aus dem Wasser heraus,
so hrt man ein Gerusch, das nach Johannes Mller die Mitte hlt
zwischen dem Quieken einer Maus und dem Schall eines breiten Kusses.
Verursacht wird es offenbar durch das pltzliche und krampfhafte
Ausstoen der im Darm befindlichen Atemluft. Es ist also nicht eine
freiwillige Lautuerung, sondern vom Willen des Tieres vllig
unabhngig, demnach nicht etwa ein Balz- oder Liebeslaut, sondern so
ziemlich das gerade Gegenteil und eher mit dem Angstschrei der Vgel und
Suger zu vergleichen oder mit dem Vorgang, durch den sich nach einem
derbdeutschen Sprichwort die bleiche Furcht bei Feiglingen zu erkennen
gibt.

  [Illustration: Groppe (_Cottus gobio_). (Naturaufnahme von Dr. E.
  Bade.) (Aus: Bade, Die mitteleuropischen Swasserfische.)]

Wesentlich stimmbegabter ist der Knurrhahn unserer Meere, und dieser hat
auch im Swasser eine allerdings stumme Verwandte in der allbekannten
_Groppe_ (_Cttus gbio_), der gefrigen und unerwnschten Begleiterin
der Forelle. Das sind zwei, die sich im wahrsten Sinne des Wortes zum
Fressen gern haben. Freilich nicht gerade zur Freude des
Forellenzchters, der deshalb dem von ihm verfolgten buntschimmernden
Eisvogel dankbar sein sollte, der neben Schmerlen hauptschlich junge
Groppen verzehrt, wenn sie sich mal aus ihrem Schlupfwinkel hervorwagen.
Namentlich zur Laichzeit der Forellen entwickelt die Groppe eine recht
fatale Ttigkeit. Durch das Pltschern der laichenden Forellen
aufmerksam gemacht, erscheint sie alsbald auf dem Schauplatze und hlt
hier unbekmmert einen reichlichen Kaviarschmaus, weil Liebe auch die
sonst so vorsichtige und wehrhafte Forelle blind macht. Senkrecht im
Wasser stehend, den Kopf zu unterst und den Schwanz nach oben, wirbelt
sie mit den Brustflossen die leicht flottierenden Eier auf, um eines
nach dem anderen zu verschlingen. Es ist keine Seltenheit, in dem Magen
einer fingerlangen Groppe bis zu 30 Stck der erbsengroen Forelleneier
zu finden (Jger). Auch die ausgeschlpften Jungforellen haben in der
tckisch unter Steinen auf sie lauernden Groppe, die auch sonst alles zu
berwltigende Getier und mit besonderer Vorliebe Libellenlarven gierig
verschlingt, ihren schlimmsten Feind. Der Spie wird aber umgedreht, und
die Stunde der Rache erscheint, sobald die Groppe selbst im zeitigen
Frhjahr zur Fortpflanzung schreitet. Dann ist es die raublustige
Forelle, die hinter den jungen Groppen und dem Groppenlaich her ist und
unnachsichtlich Vergeltung bt. Die Begegnung mit der alten Forelle hat
auch die ausgewachsene Groppe zu scheuen, obwohl sie in solchen Fllen
eine besondere Schreckstellung annimmt und den Kopf durch Aufsperren der
Kiemenstrahlen drohend aufblht. Von den in festen Klumpen von 100 bis
300 Stck abgesetzten rtlichgelben Groppeneiern wrden wahrscheinlich
wenige brig bleiben, wenn nicht das Mnnchen in der tapfersten Weise
Brutpflege ausbte. Es verteidigt den zur Laichablage zwischen den
Steinen ausgewhlten Platz aufs heldenmtigste und ausdauerndste gegen
jeden nahenden Feind, namentlich aber auch gegen die eigenen
Geschlechtsgenossen, wobei es zu so erbitterten Kmpfen kommt, da die
Gegner sich bisweilen vollstndig ineinander verbeien und in diesem
wehrlosen Zustande, der an den verkmpfter Hirsche erinnert, mit
Leichtigkeit gefangen werden. Ohne selbst Nahrung zu sich zu nehmen,
hlt so das Mnnchen 4 bis 5 Wochen lang treulich Wacht. Um so
schutzloser sind aber dann die ausgeschwrmten jungen Groppen ihren
Feinden preisgegeben, zu denen auer den Eisvgeln und Forellen
namentlich auch die alten Groppen selbst zhlen, die bei ihrer
unersttlichen Fregier in ausgesprochenem Mae dem Kannibalismus
huldigen. Gleich der Forelle bevorzugt die Groppe klares, schnell
flieendes Wasser und einen mit Steinen und Kiesgerll bedeckten
Untergrund. Deshalb ist sie auch in Gebirgsgegenden hufig, ja in
manchen hochgelegenen Gewssern der einzige vorkommende Fisch. Sie hlt
sich hier tagsber unter Steinen verborgen und schiet aufgescheucht mit
groer Schnelligkeit durchs Wasser, aber immer nur auf kurze Strecken
und geradlinig, da ihr die Schwimmblase fehlt. Zu verkennen ist sie
nicht, denn der spindelfrmig zulaufende, platt gedrckte Leib, der
mchtige Dickkopf mit dem Riesenmaul, die auffallend groen Brustflossen
und die schuppenlose, schleimige Haut sind untrgliche Merkmale. Die im
allgemeinen dunkle, mit Braun und Grau schattierte Frbung wechselt nach
Wohnort, Untergrund und Individuum ganz auerordentlich, und es
erscheint sicher, da auch der Groppe das bei den Schollen so
ausgeprgte und noch nher zu besprechende Farbwechselvermgen zukommt.
Bei ihrer Lebensweise mu das ein groer Vorteil fr sie sein. In der
Tat gehrt schon ein sehr gut geschultes Auge dazu, um eine auf kiesigem
Untergrund ruhende und sich dabei regungslos verhaltende Groppe aus
einiger Entfernung zu erkennen. Da die Groppe trotz ihrer versteckten
Lebensweise ein recht volkstmlicher Fisch ist, beweist die groe Zahl
ihrer Trivialnamen, deren manche recht drastisch anmuten. Rotzkober
nannten wir Thringer Jungen sie, wenn wir stolz zum Fischfang auszogen;
Mhlkoppe, Breitschdel, Kaulquappe, Grotzfisch, Dick- und Kautzenkopf,
Kaulhuptlein, Kulheet und sogar Papst heit sie in anderen Gegenden.
Wirtschaftlich hat sie hchstens als Kderfisch einige Bedeutung,
obschon sie gar nicht bel mundet. Wendet man die Steine im Bach
vorsichtig um, so kann man bei einiger bung den schlpfrigen und
gromuligen Burschen ganz gut mit der Hand ergreifen und hat sich dabei
nur vor Verletzungen durch die spitzen Flossenstrahlen zu hten.

Da oben von der vorzglichen Schutzfrbung der Groppe und von ihrem
ausgeprgten Farbwechselvermgen die Rede war, seien hier gleich noch
einige allgemeine Betrachtungen ber die _Frbung_ der Fische
eingeschaltet. Es liegt auf der Hand, da bei dem schonungslosen und
ununterbrochenen Kampfe ums Dasein, der sich im Wasser abspielt,
Schutzfrbungen fast noch wichtiger erscheinen und daher noch hufiger
anzutreffen sein werden, als auf dem Festlande. Und in der Tat fehlen
sie kaum einem unserer heimischen Fische, wenn sie uns auch nicht immer
gleich als solche erscheinen wollen. Aber wir mssen bei der Beurteilung
solcher Erscheinungen eben immer die eigentmlichen Beleuchtungs- und
Frbungsverhltnisse im Wasser bercksichtigen. Dann werden wir es
sofort verstehen, warum alle unsere Oberflchenfische eine dunkle
Rckenfrbung und eine helle Bauchfrbung mit lebhaftem Silber- oder
auch Goldglanz haben, der an den Seiten besonders lebhaft hervortritt.
Beides ist eine ausgeprgte Schutzfrbung, die gerade diese Fische um so
ntiger haben, als sie sich fr gewhnlich ja nicht in Schlupfwinkeln
verstecken oder auf dem Boden liegen, sondern im freien Wasser nahe der
Oberflche ihr anziehendes Spiel treiben. Die dunkle Rckenfrbung
schtzt sie vor dem scharfen Auge solcher Feinde, die aus der Luft auf
sie herabsphen, also der fischfressenden Vgel. Ein jeder von uns wei
ja aus eigener Erfahrung, wie schwer es hlt, einen im Wasser stehenden
Fisch von oben her zu erkennen. Umgekehrt schtzt der Silberglanz des
Bauches, der nach oberflchlicher Auffassung so leicht zum Verrter
werden knnte, in vortrefflicher Weise vor den lsternen Blicken der
Raubfische, die ja gewhnlich tiefer im Wasser stehen oder dem Boden
aufliegend auf Beute lauern, diese also schrg von unten zu Gesicht
bekommen werden. Von da aus erscheint aber der ganze Wasserspiegel
selbst bei bedecktem Himmel in lebhaft metallischem Lichtglanz, und wenn
gar funkelnde Sonnenstrahlen die Oberflche treffen, zucken leuchtende
Lichtbndel, die sich von dem Aufblitzen der hin und her schwimmenden
Fische kaum unterscheiden lassen, allenthalben auf, wovon sich jeder
leicht beim Baden berzeugen kann. Schon vor mehr als 40 Jahren hat
Gustav Jger diese Entdeckung gemacht, die dann aber in Vergessenheit
geraten war und erst neuerdings ohne Namensnennung wieder ausgegraben
wurde. Da der nahe der Oberflche befindliche Beutefisch auf silbrigem
Grunde silbern erscheint, somit nur sehr schwer sichtbar ist, wird nach
den Untersuchungen von Popoff und Kapelkin physikalisch dadurch erklrt,
da die Fische infolge der eigentmlichen Lage ihrer Augen die
Wasseroberflche hchstens unter einem Winkel von etwa 45 sehen, die
in einem solchen Winkel auf die Wasserflche fallenden Lichtstrahlen
aber diese niemals durchdringen knnen, sondern vllig zurckgeworfen
werden. Etwas abweichender Ansicht ist in neuester Zeit Franz, indem er
glaubt, da die silberne Bauchseite, wie sie bei Hering und Makrele
besonders schn ausgebildet ist, als Spiegel wirke, wenn auch mit dem
Unterschiede, da sie das Licht meist nur sehr diffus (zerstreut)
zurckwirft. Demgem wrde also ein solcher Silberspiegel lediglich die
Farbe des Wohngewssers selbst wiedergeben, gleichviel ob diese ins
Bluliche, Grnliche oder Brunliche fllt, und die Natur htte mit
dieser automatischen Farbenanpassung durch Spiegelwirkung eine
verblffend einfache und doch uerst wirkungsvolle Leistung vollbracht.
Da die uns Menschen so auffallende Silberfrbung aber zum mindesten als
Schutzfrbung aufzufassen ist, geht schon daraus hervor, da sie allen
Bodenfischen, wie auch den Tiefseefischen als zwecklos vllig fehlt.
Denn im Ozean verschwinden schon bei 500 _m_ Tiefe die Silberbuche
vllig, und Rot ist nun zur berwiegenden Schutzfarbe geworden, whrend
mit 1000 _m_ Meerestiefe ein mehr oder minder tiefes oder getrbtes
Schwarz diese Rolle fast ausschlielich bernimmt, da ja Schwarz in den
schauerlich finsteren Tiefen des Weltmeers naturgem den besten Schutz
gewhrt, auch gegenber den _Leuchtorganen_, mit denen viele Raubfische
zum Aufsuchen oder Anlocken ihrer Beute ausgerstet sind.

Ganz besonders schn ausgeprgt ist die _Schutzfrbung_ bei den in
erwachsenem Zustande auf dem Meeresgrunde lebenden _Plattfischen_, zu
denen einige der schmackhaftesten Bewohner von Nord- und Ostsee zhlen,
und von denen die _Flunder_ (_Pleuronctes flsus_) gelegentlich auch im
Swasser vorkommt. Und sie wird hier noch in ganz groartiger Weise
untersttzt durch das diesen merkwrdigen Fischen eigene
_Farbwechselvermgen_, das in so berraschender Weise in Ttigkeit
tritt, da darob selbst das in dieser Hinsicht doch weltberhmt
gewordene Chamleon errten mte, wenn anders Rot auf seiner
Farbenskala verzeichnet wre. Ganz wie beim Chamleon wird auch bei den
Plattfischen die sich dem Untergrund anpassende Farbnderung
hervorgerufen durch die Ttigkeit der unter der Oberhaut liegenden und
mit verschiedenartigen Farbstoffen angefllten Farbzellen oder
Chromatophoren, die leicht und rasch zusammengezogen oder ausgedehnt
werden knnen und dadurch eine Auflichtung oder ein Dunklerwerden der
Gesamtfrbung sowie eine Vergrerung oder Verkleinerung, ein Verblassen
oder ein Hervortreten, wenn auch keine Verschiebung der Fleckung und
Zeichnung bewirken. Danach wird ein auf gelblichem Sande ruhender
Plattfisch ganz anders aussehen als ein auf dunklem Untergrunde
liegender, ein auf grobem Kiesgerll befindlicher ganz anders als ein
auf feinem Gries gelagerter. So weit geht diese Anpassung, da fr das
menschliche Auge oft frmliche Vexierbilder entstehen und das
Herausfinden eines sich regungslos verhaltenden Plattfisches selbst im
beschrnkten Raume des Aquariums seine nicht geringen Schwierigkeiten
hat. Besonders deutlich konnte Sumner in Neapel die Erscheinung dann
verfolgen, wenn er den Fischen einen knstlichen Untergrund aus
verschiedenartig karriertem oder geflecktem Papier gab, dem sie sich in
berraschend kurzer Frist in weitgehender Weise anzupassen suchten. Bei
alledem steht soviel unzweifelhaft fest, da diese Farbanpassung vom
Willen des Tieres vllig unabhngig und als ein rein reflektorischer Akt
zu deuten ist, als dessen Ausgangspunkt wir die durch die Netzhaut des
Auges wahrgenommenen Lichteindrcke anzusehen haben. Sumner hat dies
auch durch Versuche nachgewiesen, indem die von ihm geblendeten
Plattfische andauernd dunkel blieben und unter keinen Umstnden mehr
einen Farbwechsel vorzunehmen vermochten. Auf eine ungleich hbschere,
weniger grausame und dabei eigentlich noch viel berzeugendere Weise ist
Ward zu dem gleichen Ergebnis gelangt. Er teilte einen Wasserbehlter in
zwei Hlften durch ein Stck Linoleum, in das er ein Loch hineinschnitt,
gerade gro genug, um einen kleinen Hecht darin festzuhalten. Die eine
Hlfte des Behlters war wei und die andere schwarz austapeziert. Wurde
nun der Hecht so hineingesetzt, da sein Kopf sich in der dunklen
Hlfte, Krper und Schwanz dagegen in der hellen Hlfte befanden, so
blieben die Pigmentstellen entspannt, der ganze Fisch somit dunkel.
Sobald man den Versuchsfisch aber herumdrehte und den Kopf in die helle
Hlfte versetzte, so war schon nach drei Minuten der ganze Fischkrper
bleich, weil sich die dunklen Pigmentzellen zusammengezogen hatten. Das
die Frbung beeinflussende Licht wirkt also nicht unmittelbar, sondern
durch die Vermittlung des Fischauges.

Hufiger als aktive Giftwaffen (Petermnnchen) ist in unserer Fischfauna
eine oft nur zeitweise Giftigkeit gewisser Fischteile beim Genu,
selbst wenn wir von dem Fleisch erkrankter oder bereits in Fulnis
bergegangener Fische absehen. So entwickelt das Blut des _Aals_, sobald
es in fremde Blutbahnen gebracht wird, stark giftige Eigenschaften, die
allerdings schon durch gelindes Kochen vllig zum Verschwinden gebracht
werden. Bei der schmackhaften und sonst so bekmmlichen _Barbe_ hat zur
Laichzeit der Genu des Rogens und (entgegen der Auffassung Blochs, nach
einem aus neuester Zeit stammenden Bericht der Pariser _Socit
Zoologique_) auch des diesen umgebenden Fleisches bedenkliche
Vergiftungserscheinungen im Gefolge, die sich namentlich in heftigem
Durchfall und Erbrechen uern. In noch verstrktem Mae finden wir die
gleiche Erscheinung bei den merkwrdigen _Kugelfischen_ (_Ttrodon_) der
japanischen Gewsser, weshalb auch deren Verkauf auf den Fischmrkten
streng verboten ist, whrend andrerseits Kugelfischkaviar eine beliebte
Delikatesse der dort aus den verschiedensten Grnden so hufigen
Selbstmordkandidaten sein soll. Unsere, eine Lnge von 70 _cm_ und ein
Gewicht von 10 _kg_ und mehr erreichende _Flubarbe_ (_Brbus
fluvitilis_) -- der verwandte, in Siebenbrgen und Ungarn heimische,
aber auch schon im Oder- und Weichselgebiet vorkommende _Semling_
(_Brbus petnyi_) bleibt stets betrchtlich kleiner -- verdient ihren
Namen, denn sie fehlt den stehenden Gewssern ebenso wie dem Meere,
whrend sie zu den charakteristischsten und hufigsten Bewohnern unserer
Flsse und Strme zhlt, soweit diese steinigen oder kiesigen oder
wenigstens sandigen Untergrund haben, dem sie sich in ihrer Frbung
ebenfalls in weitgehender Weise anzupassen vermag. Whrend die jungen,
erst im vierten Jahre fortpflanzungsfhig werdenden Barben, die sich
berhaupt durch eine reizvolle Beweglichkeit und groe Spiellust
auszeichnen, bestndig unter zuckenden Flossenbewegungen umherschwimmen,
werden die Alten mehr und mehr zu Nachttieren und Bodenfischen und
schlielich zu richtigen Faulpelzen. Erst nach Einbruch der Dunkelheit
ziehen sie auf Nahrung aus, indem sie ganz nach Schweineart mit ihrer
rsselfrmig verlngerten Schnauze den Boden nach allerlei Geniebarem
durchwhlen. Da der nach Karpfenart gebaute, nur wesentlich schlankere
Fisch dabei in der Aufnahme von Nahrung ebensowenig whlerisch und
ebenso vielseitig ist, wie der grunzende Borstentrger, wird er in
manchen Gegenden vom Volke gar nicht bel als Sauchen bezeichnet. Auch
an Aas und selbst an menschliche Leichname geht die Barbe recht gern,
und fr Kot aller Art hat sie sogar eine ausgesprochene Vorliebe, mstet
sich deshalb am besten da, wo Aborte und Kanle ihren Inhalt in die
Fluten entleeren, und wird aus hnlichen Grnden auch in der Nhe von
Badeanstalten nicht leicht vermit. Indessen hat diese wenig
appetitliche Ernhrungsweise ebenso wenig wie der Grtenreichtum ihres
sonst vorzglichen Fleisches oder die Giftigkeit ihres Rogens zu
verhindern vermocht, da sie als Tafelfisch sich einer nicht geringen
Wertschtzung erfreut. Der Angler wei, da sie am sichersten auf ein
Stckchen Schweizerkse anbeit. Namentlich als Bierfische werden die
Barben in manchen Gegenden sehr geschtzt, so da man sie wegen ihrer
verhltnismig geringen Vermehrungsfhigkeit sogar schon knstlich zu
zchten versucht, dabei aber wegen der groen Klebrigkeit der Eier, die
im Freien whrend der Frhlingsmonate an Steinen abgesetzt werden, keine
sonderlich ermutigenden Erfolge erzielt hat. Zur Laichzeit sieht man die
Barbenmnnchen oft in langen Zgen wie im Gnsemarsche hinter den
laichfhigen alten Weibchen einherziehen. Gerade die Barben erkranken
sehr leicht an der Beulenpest, die durch einen einzelligen Schmarotzer
aus der Klasse der Sporentierchen (_Nyxoblus pfefferi_) verursacht
wird und zu erbsen- bis nugroen Geschwlsten auf der Haut der
befallenen Tiere fhrt. Die aus den eiternden Beulen austretenden Keime
befallen auch Fische anderer Art, sind vielleicht auch fr den badenden
Menschen nicht ungefhrlich und vermgen so ganze Gewsser zu verpesten.
Die Barbenbestnde selbst sterben dann fast vllig ab, wie es in den
Jahren 1885 und 1886 in der Maas und Mosel der Fall war, wo man allein
in Mzires tglich bis zu 2 Zentnern abgestandener Barben auffischen
konnte. Ebenso sind krankhafte Farbenabweichungen gerade bei Barben
keine besondere Seltenheit; selbst Stcke mit lebhaft goldgelben
Schuppen, die stark an Goldfische erinnern, kommen gelegentlich vor.

  [Illustration: Barsch (nach Naturaufnahmen von Fr. Ward [_Marvels
  of fish life_] gezeichnet von R. Oeffinger).]

Als ein gutes Beispiel fr die Farbenanpassung an die Pflanzenwelt des
Swassers wollen wir hier endlich noch den _Flubarsch_ (_Prca
fluvitilis_) herausgreifen, dessen Name mit dem Begriff Borste
zusammenhngen soll, und ein recht borstiger Bursche ist ja dieser
stachelbewehrte Ruber tatschlich in jeder Hinsicht, der im Fischreiche
biologisch etwa dieselbe Rolle spielt wie der Sperber in der Vogelwelt.
Von Schutzfrbung ist freilich bei ihm zunchst wenig zu merken, denn
der Oberkrper ist messingglnzend, und diese Farbe geht auf den Seiten
mehr ins Grnliche, auf dem Bauche ins Weiliche ber, whrend quer ber
den Leib 5-9 mehr oder minder dunkle Zebrabinden verlaufen. Wir mssen
aber bercksichtigen, da der Barsch in der Regel unter einer
berhngenden Uferstelle im ruhigen Wasser zwischen Rohrhalmen auf Beute
lauert, und hier kommt ihm die den Rohr- und Pflanzenstengeln gleichende
Krperzeichnung doch sehr zustatten, zumal sie sich den Belichtungs- und
Schattierungsverhltnissen ebenfalls in wundersamer Weise anzupassen
vermag. Je klarer und durchsichtiger das Wasser, in desto lebhafterer
Frbung pflegt der Barsch zu prahlen. Nun kommt aber noch hinzu, da
auch sein jeweiliger Gemtszustand die Frbung ganz erheblich zu
beeinflussen pflegt, wie ja die Fische trotz ihres kalten Bluts
berhaupt keineswegs die leidenschaftslosen und kaltbltigen Geschpfe
sind, als die sie bei oberflchlicher Betrachtung erscheinen. Ganz im
Gegenteil feiern glhende Liebe, brennender Ha und ungestmer
Wanderdrang, kurz, rcksichtslose Leidenschaften aller Art gerade im
Fischreiche wahre Orgien, und das kommt auch in der jeweiligen Frbung
oft deutlich genug zum Ausdruck. So beweisen die einwandfreien
Photographien des schon erwhnten englischen Forschers Ward, da
namentlich der Barsch nicht nur ein durch die verschiedene
Flossenstellung vermitteltes, sehr ausdrucksvolles Mienen- und
Geberdenspiel hat, sondern da er auch aus Angst und Furcht oder bei
pltzlichem Schreck die Farbe zu verndern, insbesondere bis zur
Leichenblsse zu erbleichen vermag. Eben noch liegt der Fisch in
behaglicher Ruhe auf dem Grunde, den Krper gesttzt auf Schwanz- und
Beckenflossen, whrend die brigen Flossen sich ihm anschmiegen und die
Zebrastreifen fast gar nicht sichtbar sind. Da -- eine leise
Erschtterung des Glasbehlters, und der Barsch richtet sofort als
Zeichen der Beunruhigung die zweite Rckenflosse steil auf. Eine zweite
und dritte strkere Erschtterung -- und der nun vollends erschreckte
Barsch erhebt sich vom Boden, richtet auch die brigen Flossen auf,
spreizt die Kiemendeckel und -- erbleicht pltzlich vor Furcht, so da
die Zebrastreifen scharf und deutlich hervortreten. Drei Minuten lang
verharrte er in dieser Stellung und schwamm dann fort, andauernd seine
groen Augen rollend, als ob er nach Gefahr ausschaute. Gleichzeitig
mit dem Erbleichen wird eine besondere Verteidigungsstellung
eingenommen, und dabei werden namentlich die scharfen Stacheln der
Rckenflossen gespreizt, denn sie sind die natrlichen Abwehrwaffen des
Barsches. Doch stehen sie nicht wie beim Stichling in besonderen
Sperrgelenken, und deshalb gewhren sie auch nicht einen so weitgehenden
Schutz, obschon die greren Raubfische in der Regel nur bei besonderem
Hunger sich an den stacheligen Gesellen machen. Der Hecht z. B. packt
den sich nach Krften Strubenden mit einer gewissen Vorsicht am Maul
und lt ihn sich nun erst so weit abmatten, bis die druend erhobenen
Stacheln von selbst herabsinken und so das Opfer verschlungen werden
kann. Seinerseits ist aber auch der Barsch ein gar grimmer Ruber, der
blindgierig auf alles losschnappt, was er halbwegs bewltigen zu knnen
glaubt, und dabei nicht selten ble Erfahrungen machen mu. In der
Jugend zwar begngt er sich mit Gewrm und Schnecken, im Alter aber wird
er zum fast ausschlielichen Fischfresser. Lauernd lugt er dann aus
seinem Versteck, und wie ein Sperber stt er urpltzlich hervor unter
das harmlos spielende Proletenvolk der Weifischchen, die erschreckt
auseinander stieben, wohl gar aus dem Wasser hervorschnellen, aber von
dem Raubritter in schnellen, ruckweisen Schwimmsten so lange verfolgt
werden, bis einer erhascht ist, falls dies nicht schon auf den ersten
Anhieb geschah. Auch der Fischbrut und den kleineren Krebsen tut der
Barsch viel Schaden. So las ich erst unlngst, da ein nur 16 _cm_
langer Barsch nicht weniger als 3 noch frische, weichhutige Krebse von
5 bis 7-1/2 _cm_ Lnge im Magen hatte, der dadurch ganz unfrmlich
aufgetrieben war. Selbst an kleineren Sngern und Vgeln vergreift sich
dieser gierige Ruber, wenn sich ihm Gelegenheit dazu bietet. Da er
blind nach allem Geniebaren schnappt, bildet er die Freude des
angehenden Anglers, dessen Unerfahrenheit er oft mit einem unverhofften
und wegen seines wohlschmeckenden Fleisches hochwillkommenen Erfolge
krnt, der allerdings nicht selten mit einer schmerzhaften Verletzung
der Hand durch die spitzigen Rckenstacheln bezahlt werden mu. Das gilt
freilich nur von jungen und unerfahrenen Barschen, denn die alten sind
recht scheu und mitrauisch, und der Angler darf sich solchen gegenber
keineswegs unvorsichtig benehmen. Wer irgendwelche Barscharten lngere
Zeit hindurch im Aquarium gepflegt hat, wird mir beipflichten, wenn ich
mich erkhne, diese Fische geradezu als nervse Geschpfe zu bezeichnen.
An Heibltigkeit und Ungestm des Temperaments geben sie ihrem
wrdigen Vertreter in der Vogelwelt, dem Sperber, sicherlich nicht das
geringste nach. Ja, ihre Erregung vermag sich wie beim Vogel derart zu
steigern, da sie in krampfhafte Zustnde verfallen oder gar pltzlich
tot zu Boden sinken. Auch mancher Exotenzchter vermag von dieser noch
wenig bekannten und erforschten Eigenschaft der als kaltbltig
verschrieenen Fische ein Lied zu singen. So sind Flle bekannt, wo
Makropoden aus Erregung ber die Zerstrung ihres Schaumnestes sofort
verendeten; der Pfauenaugenbarsch wechselt aus Angst oder Schreck alle
Farben, oder verfllt in Starrkrampf, der Diamantbarsch geberdet sich im
rger genau so sinnlos wie ein Habicht oder Sperber und sucht sich mit
weit abstehenden Kiemen in den Sand einzubohren. Unser Flu- oder
Rohrbarsch, der gewhnlich 35-40 _cm_ lang und 1 _kg_ schwer wird
(krzlich wurde bei Zrich ein Exemplar von 2-1/4 _kg_ Gewicht
gefangen), bewohnt sowohl stehende wie flieende Gewsser, bevorzugt in
diesen jedoch die langsam flieenden Stellen mit sandigem, mergeligem
oder lehmigem Grunde und gibt immer einem mglichst klaren Wasser den
Vorzug. Die Laichzeit fllt in die Frhlingsmonate, und zwar werden die
mohnkorngroen Eier in mehr als meterlangen, schlauchartigen Schnren
netzartig um allerlei feste Gegenstnde im Wasser geschlungen. Das
Weibchen kriecht bei der Laichabgabe frmlich wie eine Schnecke ber die
Unterlage und untersttzt durch scharfes Anpressen des Bauches, also
durch eine Art Selbstmassage das Austreten der zwar kleinen, aber sehr
klebrigen und spezifisch auffallend schweren Eier. Knstliche
Besamungsversuche in der Biologischen Versuchsanstalt zu Wien haben
gezeigt, da es sich bei einer bisher rtselhaften Barschform aus dem
Donaugebiet um Bastarde zwischen Rohr- und Kaulbarsch handelt, die
demgem auch in freier Natur vorkommen. Diese Mischlinge sind im
allgemeinen mehr kaulbarschhnlich, aber hochrckiger und seitlich
strker zusammengedrckt, whrend die Zebrabinden nur dann hervortreten,
wenn der Rohrbarsch die Mutter war; sie sind trger, aber zhlebiger und
schnellwchsiger als beide Stammarten.

Grere wirtschaftliche Bedeutung als der Flubarsch besitzt
sein uerst wohlschmeckender und dabei grtenarmer grerer
Vetter, der _Zander_ oder _Schill_ (_Lucioprca sndra_), dessen
wisschenschaftlicher Name Hechtbarsch vortrefflich gewhlt erscheint,
denn in der Tat vereinigt dieser Fisch uerlich wie biologisch die
Eigenarten beider Familien in sich. Mehr noch als der Flubarsch ist er
auf recht sauerstoffreiches Wasser angewiesen, worauf schon der ungemein
zarte Bau seiner Kiemen hindeutet. So findet er sich besonders zahlreich
in weiten, aber flachen Wasserbecken, die durch strmische Winde ab und
zu grndlich aufgewhlt und dadurch mit dem Sauerstoff der Luft
gesttigt werden, wie dies z. B. beim Kurischen Haff der Fall ist, wo
deshalb auch ein sehr lohnender Zanderfang noch heute betrieben wird,
wenn auch die Zeiten, wo man die massenhaft erbeuteten wertvollen Zander
lediglich zum Trankochen benutzte, dort lngst vorber sind. Ebenso ist
der Zander als Fogosch ein Charakterfisch des Plattensees und bildet,
auf dem Rost gebraten, eine beliebte ungarische Nationalspeise. Die so
zahlreich in die Berliner Markthallen gelangenden Zander dagegen
entstammen grtenteils dem Wolgagebiet, wo eine besondere Art, der
_Berschik_ (_Lucioprca volgnsis_) auftritt, die neuerdings auch durch
das Schwarze Meer ins Donaugebiet einzuwandern beginnt. Auch der Zander
ist ein ausgesprochener, beraus fregieriger Raubfisch, der aber seines
engen Schlundes und Magens wegen doch nur kleinere Fische zu bewltigen
vermag. Der Angler wird ihm gegenber nur dann Erfolg haben, wenn er
einen lebenden Kder verwendet und auf die groe Furchtsamkeit und
Leckerhaftigkeit dieses Fisches gengend Rcksicht nimmt. Dann aber
bietet gerade das Zanderangeln viel Anregung und hohen sportlichen
Genu. Gleich dem Flubarsch treibt sich der Zander gern in kleinen
Trupps umher, und es ist merkwrdig, wie diese im Wasser oft frmlich
exerzieren und wie auf Kommando gemeinsame Schwenkungen vollfhren. Die
ganz jungen Zander fressen auer tierischen Substanzen auch massenhaft
schwebende Algen, und selbst die Alten scheinen Pflanzenkost nicht
vllig zu verschmhen. Jedenfalls ist es auffallend, da die in
Zandermgen vorgefundenen Fische fast immer in allerlei Pflanzengrn
eingehllt sind, wobei es einstweilen dahingestellt bleiben mu, ob
dieses etwa zur Befrderung der Verdauung mit verschluckt wurde. Von
anderweitigen Angehrigen der Barschfamilie, die sich durch das
Vorhandensein von zwei selbstndigen, stacheligen Rckenflossen
kennzeichnet, seien hier noch kurz erwhnt der schlank gebaute _Streber_
(_Aspro strber_), der bei uns gleich dem _Zingel_ (_Aspro zngel_) auf
das Donaugebiet beschrnkt ist, und der bisher nur in flieendem Wasser
gefundene _Schrtzer_ (_Acerna schretser_). Alle diese Arten sind zu
klein und treten zu vereinzelt auf, als da sie wirtschaftliche
Bedeutung gewinnen knnten, obschon ihr Fleisch recht gut mundet. Beim
Zingel hat Kammerer interessanterweise einen ganz verwickelten Nestbau
beobachtet, indem das Tier eine kreisfrmige Grube im Sande auswirft, in
der Grubenmitte mit der Schnauze Steine zusammenschiebt, und zwischen
die Steine mhselig herbeigeholte Algenwatte einklemmt. Durch
Hineinarbeiten und Drehen des Krpers gewann diese Algenmasse
mtzenfrmige Gestalt, die durch quergesteckte Reiser klaffend erhalten
wurde. Der Schrtzerlaich erscheint zwar ebenfalls wie beim Flubarsch
zu Schnren angeordnet, aber die Eier liegen nicht in einem gemeinsamen
Schlauch, sondern sind nur reihenweise dicht nebeneinander auf dem Boden
festgeklebt. Dieser stachelige Fisch, der dem etwas Besseres erhoffenden
Angler manche Enttuschung bereitet und ihm beim Auslsen manchen
blutigen Stich beibringt, gilt bei den Donaufischern als ein arger
Schdling der Fischbrut, whrend Streber und Zingel, die man in kleinen
Geschwadern ruckweise durchs Wasser schieen sieht, vllig harmlos sind
und sich lediglich von Mckenlarven, Wasserasseln, Flohkrebsen und
Erbsenmuscheln, namentlich aber von Wrmern ernhren. Sie schaufeln
diese frmlich aus dem Boden hervor und drehen sich von groen
Exemplaren maulgerechte Stcke ab, indem sie sich wie die Molche hin und
her werfen und um die eigene Achse wlzen. Neuerdings sind auch zwei
nordamerikanische Barscharten ihrer Schnellwchsigkeit halber mit Erfolg
in Deutschland eingebrgert worden, der _Schwarzbarsch_ und der
_Forellenbarsch_, die sich namentlich in kleinen Teichen mit festem
Untergrunde recht gut entwickeln und hier die Rolle des Hechts vertreten
knnen. Wichtiger aber als sie alle ist trotz seiner Kleinheit (er
bringt es hchstens auf 1/2 _kg_ Krpergewicht) der _Kaulbarsch_
(_Acerna cvernua_), ein gelbbrauner oder olivengrner Bursche mit
feinen Pnktchen, die das Volk in Sddeutschland fr Luse hlt und
deshalb den Fisch, der von jeher gern in den Klstern verspeist wurde,
Pfaffenlaus getauft hat. Noch furchtbarer als andere Barscharten ist
diese mit Stacheln bewehrt, so da die Fischer von ihr sagen, man drfe
sie nur mit blechernen Handschuhen anfassen, und kenntlich wird der
gedrungen gebaute Kaulbarsch sofort daran, da die beiden Rckenflossen
nicht scharf getrennt sind, sondern ineinander bergehen. Er fhrt eine
zigeunerartige und nomadenhafte Lebensweise, erscheint aber zu
bestimmten Jahreszeiten in gewissen Gegenden in ganz fabelhafter Menge.
Als ich vor einer Reihe von Jahren am Kurischen Haff wohnte, wurden dort
nicht selten solche Unmengen von Kaulbarschen gefangen, da man mit dem
berflu bisweilen nichts anderes anzufangen wute, als ihn als Dung auf
die Felder zu fahren. Heute wird das wohl auch anders geworden sein,
denn Kaulbarsch gibt die leckerste Fischsuppe, die sich nur denken lt.
In den langen und harten Wintern lernte ich damals dort auch eine ganz
eigentmliche Fangweise kennen, die besonders dem Kaulbarsch galt. Wenn
das weite Kurische Haff zugefroren war, schoben die Fischer mit Stangen
nebeneinander 12-15 Stecknetze von je 30 bis 50 _m_ Lnge und 1/2 bis
3/4 _m_ Hhe unter das Eis und lieen sie eine Weile stehen, unter
Umstnden tagelang. Dann wurde in der Nhe eine lange, bis auf den Grund
reichende Stange, die an einem Gestelle mehrere eiserne Ringe trug,
durch das Eis gestoen und mit ihr ein mglichst groer Lrm vollfhrt.
Die Folge war, da sich die Netze dicht mit Kaulbarschen fllten, die
nach den Behauptungen der Fischer durch das erzeugte Gerusch angelockt,
richtiger vielleicht dadurch zu sinnloser Flucht aufgescheucht wurden.

Dies fhrt uns zu der interessanten und neuerdings viel errterten
Frage, ob berhaupt und bis zu welchem Grade Fische zu _hren_ vermgen.
Um ber diese vielumstrittene Frage ins klare zu kommen, soweit dies der
heutige Stand der Wissenschaft erlaubt, ist es ntig, da wir uns
zunchst den Bau des _Gehrorgans_ der Fische vergegenwrtigen.
Bekanntlich besitzen diese kein ueres Ohr, und auch von den inneren
Teilen fehlt ihnen die sogenannte Schnecke, der Trger des Cortischen
Organs, das wir seit Helmholtz als den eigentlichen Sitz des Gehrsinnes
kennen. Wohl ist das sogenannte Labyrinth vorhanden und in ihm ein
groer und zwei kleine Gehrknchelchen oder Otolithen, die von kalkiger
Struktur sind und deutlich ein Jahreswachstum erkennen lassen, aber
diese Gebilde haben mit dem eigentlichen Gehrvermgen nichts mehr zu
tun, sondern unterrichten, eingebettet in eine gallertige Masse und in
Zusammenhang stehend mit seinen, in Nervenzellen endigenden Hrchen, den
Fisch lediglich ber seine Lage, dienen insbesondere auch zur Erhaltung
des so ntigen Gleichgewichts, sind also ein ausgesprochen statisches
Organ, weshalb man die Otolithen auch besser und richtiger _Statolithen_
nennen sollte. Fische, die dieses Organs beraubt sind, verlieren das
Gleichgewicht und das Orientierungsvermgen und schwimmen auf der Seite
oder auf dem Rcken sinnlos im Kreise herum. Um es kurz
zusammenzufassen: whrend das Ohr der hheren Wirbeltiere zugleich als
statisches und als Gehrorgan dient, kann seinem ganzen anatomischen und
histologischen Bau nach bei den Fischen ausschlielich nur die erstere
Funktion in Betracht kommen. Die Fische knnen also wegen des Fehlens
eines vermittelnden Organs nicht hren, d. h. sie sind fr
Schallwirkungen an sich unempfnglich. Dem wird freilich der in der
Praxis geschulte Fischer mit berlegenem Lcheln entgegenhalten, da die
meisten Fische doch sehr wohl auf starke Gerusche reagieren, der
Tierfreund wird uns erzhlen, da er bei diesem oder jenem alten
Klosterteiche gesehen habe, wie die fetten Mooskarpfen auf ein gegebenes
Glockenzeichen, an das sie seit vielen Jahren gewhnt seien, zur
Ftterung herbeigeschwommen kamen, der Weltreisende wird uns versichern,
da das in Japan jedes Kind wisse, weil man in den Gartenteichen die
Goldfische durch Pfeifen oder Glockensignale zur Ftterung herbeirufe.
Auch der erfahrene Aquarienliebhaber wird uns mit bedenklicher Miene
darauf aufmerksam machen, da die trommelnden Laute der Guramis doch
offenbar die Rolle eines geschlechtlichen Reizmittels spielten und
demnach auch von dem anderen Teile vernommen werden mten, wenn sie
berhaupt einen Zweck haben sollten. Das ist alles ganz richtig, und
doch liegen berall Trugschlsse vor. Die hungrigen Karpfen hren nicht
das Glockenluten, wohl aber empfinden sie die durch die Schritte des
nahenden Futterspenders der Erde mitgeteilte und sich im Wasser
fortpflanzende Erschtterung, sehen und kennen vielleicht sogar die
Gestalt ihres Wohltters. Wartet dieser aber erst ruhig ein Stndchen
und stellt er sich dann so auf, da er beim Glockenluten nicht gesehen
werden kann, so kann er noch so lange und noch so schn bimmeln, keiner
der faulen Karpfen wird sich die Mhe nehmen, lediglich des Glockentones
wegen herbeizuschwimmen. Besonders bezeichnend ist es, da Fische auf
schwache Gerusche auerhalb des Wassers niemals achten, da sie aber
erschreckt zusammenfahren, wenn man unmittelbar neben einem Tmpel einen
Gewehrschu abfeuert oder wenn man ber dem Aquarium stark in die Hnde
klatscht. Daraus drfen wir ruhig schlieen, da sie nur fr solche Tne
sich empfnglich zeigen, die stark genug sind, um sich im Wasser als
Erschtterungswellen fortzupflanzen, und damit haben wir zugleich des
Rtsels Lsung. Nicht die Schallwellen sind es, die der Fisch wahrnimmt,
sondern die durch sie im Wasser erzeugten Erschtterungswellen, und
nicht oder doch nicht ausschlielich mit dem Ohre nimmt er sie auf,
sondern mit seiner gesamten Krperoberflche, in erster Linie mit der
sogenannten _Seitenlinie_, diesem noch so geheimnisvollen sechsten
Sinn. Wir drfen also diese Art der Wahrnehmung nicht als Gehrsinn
bezeichnen, sondern knnten sie etwa Erzitterungs- oder
Erschtterungssinn nennen. Gewi werden die umworbenen Weibchen
bestimmter Fischarten die balzenden Knurr- oder Trommeltne ihrer
Verehrer zu wrdigen wissen, aber mitgeteilt werden sie ihrem verliebten
Hirn nicht durch das lediglich als statisches Organ dienende Ohr,
sondern durch die hochempfindlichen Sinnesbecher, die durch die Lcher
der Seitenlinie mit der Auenwelt in Verbindung stehen. Im Wasser selbst
und bei ganz kurzer Entfernung, wie sie ja in allen solchen Fllen
allein in Betracht kommt, brauchen die Tne natrlich durchaus nicht
sonderlich laut zu sein, um verstanden zu werden. Nun gibt es allerdings
bekanntlich keine Regel ohne Ausnahme, und so will es in der Tat fast
scheinen, als ob doch einige wenige Fische den Anfang zu einem echten
Hrvermgen besen und wenigstens fr ganz bestimmte Tne einigermaen
empfnglich wren. So hat Maier von dem nordamerikanischen Zwergwels
neuerdings in einer anscheinend einwandfreien Weise festgestellt, da er
recht lebhaft auf Pfiffe reagierte. Seine Versuche sind von zustndiger
Seite nachgeprft und besttigt worden. Und was dem Zwergwels recht ist,
das sollte auch unserem Weller billig sein. Vielleicht haben wir also in
der Gruppe der Welse den Beginn des Gehrvermgens bei den Fischen zu
suchen. Immerhin knnten bei dieser hchst auffallenden Beobachtung doch
Fehlerquellen mit unterlaufen sein, und vllige Gewiheit werden wir
ber sie erst dann gewinnen, wenn das Gehrvermgen der Welse mit
Seziermesser und Mikroskop eingehend untersucht sein wird, was meines
Wissens bisher noch nicht geschehen ist. Im Einklang mit den
vorausgehenden Ausfhrungen stehen dagegen die Untersuchungen, die
Edinger ber das Fischhirn gemacht hat, und aus denen wir wissen, da
bei diesen Tieren das sogenannte Neenkephalon hchstens andeutungsweise
zur Entwicklung gelangen kann, whrend sie im brigen auf das lediglich
Reflexe ermglichende Palenkephalon angewiesen sind. Sodann wollen wir
nicht vergessen, da ein Hren von auerhalb des Wassers verursachten
Geruschen fr die Fische eigentlich wenig Sinn und Zweck htte, und da
die schaffende Natur berflssige Einrichtungen nicht liebt, sondern
sich in weiser Sparsamkeit auf das Notwendige beschrnkt, dieses aber
dafr um so vollkommener auszubilden sucht.

Es drfte angebracht sein, bei dieser Gelegenheit auch noch der schon
erwhnten _Seitenlinie_ der Fische einige Worte zu widmen. Da sie ein
Sinnesorgan ist und ihrem ganzen Bau nach nichts anderes sein kann,
wissen wir, aber ber die Art und Weise ihrer Wirksamkeit knnen wir uns
eigentlich nur mehr oder minder gut begrndeten Mutmaungen hingeben.
Schon Leydig erkannte 1851 die Seitenlinie als Sitz eines sechsten
Sinnes, aber erst durch Hofers eingehende Untersuchungen sind wir ber
dessen Funktion einigermaen klar geworden. Bald glaubte man, da die
Seitenlinie dem Fischkrper die Wellenbewegungen des Wassers mitteile,
bald sollte sie ihm den Wasserdruck angeben oder ihn ber die jeweilige
Hhe und Tiefe orientieren, bald sah man in ihr ein Gleichgewichtsorgan,
bald einen Wahrnehmungsapparat fr leichte Erschtterungen, bald
einen Regulator fr die Gasproduktion, und sogar mit dem
Fortpflanzungsgeschft hat man sie in Beziehungen bringen wollen.
Jedenfalls ist sie kein eigentlicher _Gefhls-_ oder Tastsinn, der beim
Fische vielmehr durch die ganze Hautoberflche und insbesondere durch
die wulstigen Lippen sowie die oft vorhandenen Bartfden oder sonstige
Anhngsel vermittelt wird, brigens in sehr verschieden hohem Grade
ausgebildet ist. Soviel scheint jedoch festzustehen, da die Fische eine
auffallend geringe Schmerzempfindung besitzen, was ja auch mit den beim
Angelsport gemachten Erfahrungen bereinstimmt, indem oft ein eben erst
auf das empfindlichste durch den Angelhaken verletzter Fisch sofort
wieder anbeit, als ob nichts geschehen wre. Die von tierschtzerischer
Seite so oft gegen das Angeln erhobenen Vorwrfe entbehren daher der
physiologischen Begrndung. Am wahrscheinlichsten und teilweise auch
schon auf experimentellem Wege erwiesen ist es wohl, da der Seitenlinie
die Aufgabe zufllt, den Fisch ber die jeweiligen Strmungen des
Wassers und damit indirekt auch ber seinem Weg entgegenstehende
Hindernisse zu unterrichten. Diese Aufgabe ist wichtig genug, denn ohne
ein derartiges Organ wrde namentlich der in dunkler Tiefe lebende Fisch
sich berhaupt nicht zurechtfinden knnen (deshalb ist auch die
Seitenlinie bei Tiefseefischen besonders gut entwickelt), der
Swasserfisch wrde unweigerlich ins Meer geschwemmt werden, weil er
sich nicht ber die Strmung unterrichten knnte, er vermchte auch
nicht die einmndenden Bche und Flsse aufzufinden, auf seinen
Wanderungen nicht die zu berwindenden Hindernisse wahrzunehmen und
abzuschtzen. Gewhnlich verluft die Seitenlinie unter der
Hautoberflche und steht nur durch die durchbohrten Schuppen mit der
Auenwelt in Verbindung, bisweilen (so bei den Seekatzen) liegt sie aber
auch frei in einem hutigen, tief eingesenkten Kanal. Die
knospenfrmigen, eigentlichen Sinneszellen in ihr wechseln mit stark
entwickelten Schleimzellen ab, weshalb man vor dem Auftreten Leydigs die
ganze Anlage lediglich fr ein Schleim absonderndes Organ hielt. Meist
ist die Seitenlinie schon uerlich gut zu erkennen, und zwar verluft
sie in der Regel in gerader oder sanft geschwungener Linie von den
Kiemen ber die ganze Krperseite bis zur Schwanzflosse. Indessen
erleidet diese Regel viele Ausnahmen, und in solchen Fllen gibt
die abweichende Gestaltung der Seitenlinie oft ein gutes
Unterscheidungsmerkmal fr nahestehende Arten ab. So ist das Organ nicht
selten nur teilweise ausgebildet, wie z. B. beim _Moderlieschen_
(_Leucspius delinetus_), das von allen hnlichen Fischchen sich sofort
dadurch unterscheidet, da die Seitenlinie schon dicht hinter dem Kopfe
endigt.

  [Illustration: Moderlieschen. (Nach einer Naturaufnahme von Dr. E.
  Bade.) (Aus: Bade, Die mitteleuropischen Swasserfische.)]

Das gestreckt gebaute, aber in der Gestalt sehr wandelbare niedliche
Tierchen mit dem steil nach oben gerichteten Mulchen, der tief
ausgeschnittenen Schwanzflosse, den groen Augen und den stark
silberglnzenden Seiten, ber dessen Verbreitungsbezirk wir noch
keineswegs hinreichend unterrichtet sind, das aber im Osten entschieden
hufiger ist, als im Westen, gehrt zu unseren anspruchslosesten
Fischen. Es findet sich nicht nur in Flssen aller Art, sondern gar
nicht selten in Torfausschachtungen und lehmigen Heidetmpeln.
Interessant ist die Brutpflege des Moderlieschens. Das Mnnchen bewacht
und verteidigt nmlich eifrig den Laich, der vom Weibchen
manschettenfrmig um die Stengel des Froschlffels herumgelegt wird.
Zugleich bemht sich das wackere Mnnchen auch, die Eier dadurch vor
Verpilzung zu schtzen, da es durch fortwhrende Schwanzschlge den sie
tragenden Pflanzenstengel in Bewegung erhlt. Einen ganz eigenartigen,
in unserer Fischwelt einzig dastehenden Verlauf nimmt die Seitenlinie
bei dem durch stark zusammengedrckten Leibesbau, hervorgewlbten Bauch
und lebhaften Silberglanz ausgezeichneten _Sichling_ (_Plecus
cultrtus_), auch Messerkarpfen, Zicke und Dnnbauch genannt. Sie biegt
bei ihm gleich am Kopfe in flachem Bogen nach unten, geht dann fast
senkrecht bis nahe zur Bauchkante, schwingt sich von hier in migem
Bogen bis zum unteren Krperdrittel empor, senkt sich hierauf zwischen
Bauch- und Afterflosse wieder nach unten und steigt zuletzt in flachem
Bogen aufwrts, um am Schwanz in der Krpermitte zu endigen. Dieser
Fisch hat auch sonst mancherlei Merkwrdiges an sich. So ist schon seine
Verbreitung auffallend genug, denn er findet sich einerseits in der
Ostsee mit allen ihren Verzweigungen und Zuflssen und andrerseits
ebenso im Gebiete des Schwarzen Meeres, ohne doch irgendwo sonderlich
hufig zu sein. Ja, im Donaugebiet erscheint er nach der Meinung der
Fischer nur alle sieben Jahre, weshalb sie ihn als Unglcksfisch und
Pestbringer betrachten, hnlich wie die Vogelkundigen frherer Zeiten
den Seidenschwanz. Von seiner Lebensweise wissen wir eigentlich nicht
viel mehr, als da er ein gesellig lebender Oberflchenfisch ist und
zwischen Salz-, Brack- und Swasser kaum irgendwelchen Unterschied
macht, sondern sich allenthalben gleich wohl zu fhlen scheint. Obgleich
man ihm hier und da (so im Kurischen Haff) mit Netzen nachstellt und er
immerhin bis zu 1 _kg_ schwer wird, hat er doch kaum irgendwelche
wirtschaftliche Bedeutung, da er nirgends in Massen auftritt und
berdies sein weichliches Fleisch sehr grtig ist.

Es drfte angezeigt sein, im Anschlu an die Betrachtung der Seitenlinie
gleich auch noch den sonstigen Sinnesfhigkeiten der Fische einige Worte
zu widmen. ber Geschmacks- und _Geruchssinn_ war man insofern lange im
Unklaren, als man beide nicht recht auseinanderzuhalten vermochte. Lange
Zeit hat man fast allgemein geglaubt, da die Fische berhaupt nicht zu
wittern vermgen, sondern da bei ihnen der Geruch durch den stark
entwickelten Geschmack ersetzt werde, obschon das Witterungsvermgen
nicht von vornherein ausgeschlossen schien, da ja Gase bekanntlich auch
im Wasser lslich sind und die meisten Fische paarige Nasenlcher haben
(nur das tiefstehende Lanzettfischchen und die Rundmuler haben ein
einziges Nasenloch), die mit einer strahlenfrmig gefalteten und durch
besondere Nerven mit dem Gehirn verbundenen Schleimhaut ausgekleidet
sind. Bei den Haien und Rochen liegen diese Geruchsorgane
merkwrdigerweise auf der Unterseite des Kopfes. Zur vorderen ffnung
strmt das Wasser herein, zur hinteren heraus, nachdem es mit den in der
Schleimhaut enthaltenen Sinneszellen in Berhrung gekommen ist, und es
liegt auf der Hand, da diese Strmung beim schwimmenden Fisch ungleich
lebhafter sein mu, als beim ruhenden, da demgem jener auch weit
besser wittert, falls er dazu berhaupt imstande ist. Und dies ist nach
den Untersuchungen des amerikanischen Zoologen Parker am Katzenwels wohl
unzweifelhaft der Fall. Hngte der Genannte undurchsichtige
Leinwandbeutel ins Aquarium, die teils leer, teils mit zerschnittenen
Regenwrmern gefllt waren, so kamen die Fische schon aus ziemlicher
Entfernung auf letztere zugeschwommen, whrend erstere vllig unbeachtet
blieben. Wurde dann auf experimentellem Wege das Geruchsorgan
ausgeschaltet, so fanden auch die gefllten Beutelchen keine Beachtung
mehr. Der Einwand, da dieses Geruchsvermgen vielleicht nur auf den
Katzenwels oder auf die ja berhaupt manche Besonderheiten aufweisende
Gruppe der Welse beschrnkt sei, ist auch schon zum Teil hinfllig
geworden, indem man bei Zahnkarpfen und anderen Fischen ganz dieselben
Versuche mit dem gleichen Erfolge wiederholt hat. Im Einklange damit
stehen ja auch die praktischen Erfahrungen der Seeleute, die
bereinstimmend versichern, da Haie ins Wasser geworfene Fleischbrocken
auf groe Entfernung hin zu wittern vermgen. Natrlich wird der
Geruchssinn bei den einzelnen Fischgruppen in sehr verschieden hohem
Mae entwickelt sein, worber nhere Untersuchungen noch ausstehen, und
das gleiche gilt auch von dem _Geschmackssinn_. Raubfische, die ihre
Beute unzerkleinert verschlingen, werden einen weit geringeren
Geschmackssinn haben als pflanzenfressende Fische, die ihre Nahrung
ordentlich kauen. Wir knnen ja an jedem fressenden Karpfen sehen, wie
er ihm nicht Zusagendes sofort wieder ausspuckt. Bei diesen Fischen ist
der Geschmack anscheinend in einem am Gaumen sitzenden Paket von
Sinneszellen konzentriert, whrend die harte und gewhnlich mit Zhnen
besetzte Zunge sich nur wenig zum Trger von Geschmacksempfindungen
eignet. Wohl aber finden wir recht empfindliche Geschmackszellen an den
wulstigen Lippen, an den Barteln und sonstigen Anhngseln, ja an
Flossenstrahlen und berhaupt am ganzen Krper, namentlich auch an
dessen Seiten. So erklrt es sich auch, da ein Fisch begierig auch dann
nach dem Kder schnappt, wenn dieser nicht seinen Mund, sondern nur
seine seitliche Krperflche berhrt. Interessant ist es ferner, da
Maulbrter, denen ihr Pfleger einmal einen ihnen unbekannten Wurm
verfttern wollte, zunchst frelustig darauf zuschwammen, aber in 2
_cm_ Entfernung blitzschnell umdrehten und dem Bissen mit allen Zeichen
des Abscheus den Rcken kehrten, ohne da genau festgestellt werden
konnte, ob hier der Geruch- oder der Geschmacksinn der magebende Faktor
war. Andere Versuche haben gezeigt, da Fische gegen salzige, se oder
saure Flssigkeiten sehr deutlich mit der gesamten Krperflche
reagierten.

Das mehr ellipsoid wie kugelig gestaltete _Fischauge_ ist in hohem Grade
kurzsichtig und etwa auf eine Entfernung von nur 1 _m_ eingestellt.
Durch die Akkommodation vermittels Sichelfortsatz und Glckchen kann
aber die Linse derart verschoben werden, da der Fisch noch auf
Entfernungen von 10-12 _m_ einigermaen deutlich zu sehen vermag. Eine
noch weitergehende Fernsichtigkeit aber htte fr ihn keinen Zweck, da
ja auch das klarste und reinste Wasser durch treibende Organismen und
Stoffe immer derart getrbt ist, da ein Sehen ber 15 _m_ hinaus
berhaupt kaum mglich ist. Alles ber einen solchen Umkreis
Hinausreichende wird also dem Fisch wie in tiefe Dunkelheit gehllt
erscheinen. Dagegen ist nicht einzusehen, warum es dem nahe der
Oberflche schwimmenden Fisch nicht mglich sein sollte, auch einen
Blick in die Welt jenseits der Wasserflche zu werfen, obschon diese
Mglichkeit von guten Fischkennern oft bestritten worden ist. Freilich
wird diese Welt sich im Fischauge in einer uns recht ungewohnt und
seltsam anmutenden Weise widerspiegeln. Sehr hinderlich beim Sehen vom
Wasser in die Luft ist nmlich der Umstand, da jeder Lichtstrahl, der
den Wasserspiegel in einem Winkel von mehr als etwa 48-1/2 trifft,
nicht in die Luft bergehen kann, sondern ins Wasser zurckgeworfen,
also total reflektiert wird. Infolgedessen wird der Fisch immer nur
einen beschrnkten, kreisfrmigen Ausschnitt aus der Luftwelt
berblicken knnen, dessen Grundflche der eines Kegels von zweimal 48
entspricht und an Gre zu-, aber an Deutlichkeit abnimmt mit der Tiefe,
in der sich das Fischauge befindet. Wood hat in sehr sinnreicher Weise
auf photographischem Wege zu zeigen versucht, wie sich so wohl die Welt
in einem Fischauge gestalten mag, wobei natrlich immer eine ruhige und
spiegelglatte Wasserflche vorausgesetzt wird, da schon eine geringe
Wellenkruselung die entstandenen Bilder bis zur Unkenntlichkeit zu
verzerren vermag. So erhielt Wood mit seiner Wasserkamera an der
Kreuzung von 3 Straen, die sich in rechtem Winkel trafen, eine Ansicht
lngs jeder der drei Straen, und gleichzeitig hatten sich der Boden und
der Himmel vom Horizont bis zum Zenith abgebildet. In einem Zimmer wurde
ein Bild gewonnen, auf dem drei Wnde, die ganze Decke und der Fuboden
sichtbar waren. Eine gerade Reihe von neun Mnnern auf einem geraden
Gartenweg erschien im Halbkreis gebogen. Solche wunderbare Bilder von
der Auenwelt mu also in ruhigem und klarem Wasser auch das Fischauge
auf seiner Netzhaut empfangen. Im allgemeinen drfen wir wohl annehmen,
da der Fisch von der Oberwelt den Eindruck hat, als ob die ganze
Wasserflche oben mit einem undurchsichtigen Dach verdeckt wre, in das
ein rundes Fenster eingeschnitten ist. Auch werden ihm die einzelnen
Gegenstnde stets etwas hher erscheinen, ein auf dem Erdboden gehender
Mensch also etwa so, als ob er in der Luft schwebte. Es gibt sogar eine
Zahnkarpfenart (_Anableps tetrophthlmus_), die es zu richtigen
Doppelaugen gebracht hat, indem Hornhaut und Sehlcher durch Zweiteilung
je ein Luft- und ein Wasserauge entwickelten. Der Fisch schwimmt
unmittelbar an der Oberflche so, da die Luftaugen aus dem Wasser
heraussehen und ihrer Aufgabe ebensogut gerecht werden knnen, wie die
tiefer liegenden Wasseraugen im feuchten Elemente selbst.

  [Illustration: Bitterling mit Malermuschel. (Nach einer Zeichnung
  von R. Oeffinger.)]

Besonders gut entwickelte Augen gehen in der Regel parallel mit wenig
entwickelten Tastorganen oder Seitenlinien, so da wir bei den Fischen
hnlich unterscheiden knnen wie bei den Sugern, wo wir mit einer
gewissen Berechtigung von Augen- und Nasentieren sprechen. Solche
Fische, die in greren Tiefen leben, in denen nur mattes
Dmmerungslicht herrscht, haben oft ganz riesenhaft entwickelte Augen,
um die wenigen sich nach dort verirrenden Lichtstrahlen sicher auffangen
zu knnen. Dies ist auch die Region, in der man Fische mit Teleskop-
oder beweglichen Stielaugen antrifft, und berhaupt hat gerade hier die
Natur ihre ganze Erfindungsgabe und Schpferkraft aufgeboten, um auch
unter den ungnstigsten Bedingungen noch ein gewisses Sehen zu
verschaffen, scheinbar Unmgliches mglich zu machen. So haben gewisse
Teleskopfische in dem ber den Kopf hervorragenden Abschnitt der
Augenrhre ein Fenster in der Farbstoffschicht, das die Rolle eines
Spion-Spiegels spielt und das Gesichtsfeld des Tieres nicht
unwesentlich erweitert. Noch raffinierter ist die Art und Weise, wie bei
manchen Tiefseefischen Leuchtorgane und Augen zusammenwirken. So wirft
bei der Gattung _Argyroplecus_ ein neben dem Teleskopauge sitzendes
Leuchtorgan sein Licht unmittelbar ins Auge hinein, whrend es nach
auen durch eine Farbstoffschicht abgeblendet ist. In noch grerer
Tiefe, wo ewige Dunkelheit herrscht, werden die Augen schlielich
berflssig und verkmmern deshalb mehr und mehr. hnliche Verhltnisse
treffen wir bei den Hhlenfischen an, und wir knnen sie in geringerem
Mae auch knstlich erzielen, wenn wir Fische jahrelang im Dunkeln
halten. Ebenso haben Fischlarven oft nur rudimentre Augen. Viel
umstritten worden ist auch die Frage, ob die Fische farbenempfindlich
sind oder nicht. He ist bei seinen Untersuchungen mit dem Spektrum zu
der berzeugung gelangt, da die Fische vollstndig _farbenblind_ sind,
da sie also nicht verschiedene Farben, sondern lediglich verschiedene
Helligkeitsgrade ein und derselben grauen Grundfarbe zu unterscheiden
vermgen. Wenn sich das bewahrheiten wrde, wre es auch fr die
Fischerei von der grten Bedeutung. Aber wie so oft, steht auch hier
wieder einmal die praktische Erfahrung den Ergebnissen des
Laboratoriumsversuches schnurstracks entgegen. Obwohl die Versuche des
berhmten Wrzburger Ophtalmologen selbstverstndlich in einer
Fehlerquellen nach menschlichem Ermessen ausschlieenden Weise
ausgefhrt sind, vermag ich mich mit dem Ergebnis doch nicht zu
befreunden, da es feststeht, da beim Angeln mit der knstlichen Fliege
deren Frbung eine recht wesentliche Rolle spielt, und da sonst auch
das prchtig schimmernde Hochzeitskleid so vieler Fischarten, das doch
ersichtlich einen erregenden Reiz auf die Weibchen ausbt, gar keinen
Sinn und Zweck htte. Und die Geschichte der Zoologie hat ja schon recht
hufig gezeigt, da solche praktische Erfahrungen sich als zuverlssiger
erwiesen haben als das geknstelte Experiment und frher oder spter
auch in einer wissenschaftlich einwandfreien Weise begrndet werden
konnten. Jedenfalls mchte ich keinem Sportangler raten, nun auf Grund
der Heschen Untersuchungen etwa sein Petriheil lediglich mit hell- oder
dunkelgrauen Kunstfliegen versuchen zu wollen, obschon solche Fangarten
wissenschaftlich recht interessant wren. Auch ist der Heschen
Hypothese gegenber zu bedenken, da ja dann die so berraschenden und
zahlreichen Flle von Farbanpassung bei den Fischen jeder Erklrung
entbehren wrden, und da bei anderen Versuchen z. B. Raubfische sehr
wohl zu unterscheiden verstanden, wenn man ihre Beutetiere in
verschiedener Weise frbte. Mir scheint aus den Spektrumsversuchen
lediglich hervorzugehen, da die verwendeten Fische sich am liebsten in
den am besten belichteten Wasserschichten aufhalten, nicht aber, da sie
gnzlich farbenblind sind.

  [Illustration: Der Stichling und sein Nest. (Nach der Natur
  gezeichnet von R. Oeffinger.)]

Da, wie eben erwhnt wurde, manche Fische zur Laichzeit ein
farbenschimmerndes _Hochzeitskleid_ anlegen, wird uns nicht weiter in
Erstaunen setzen, nachdem wir bereits am Rohrbarsch gesehen haben, wie
stark seelische Erregung die Frbung der Fische zu beeinflussen vermag,
und nachdem wir wissen, da die Allgewalt der Liebe auch bei den
kaltbltigen Fischen nichts von ihrer Macht eingebt hat, sie vielmehr
zu gewissen Zeiten mit einer so rckhaltlosen Leidenschaft beherrscht,
da ihr gegenber selbst die Forderungen des ewig heihungrigen Magens
wochenlang vllig in den Hintergrund treten. Es ist nicht poetische
bertreibung, sondern es ist nackte Wahrheit, wenn man sagt: die Fische
erglhen whrend der Fortpflanzungsperiode unter dem heien Hauch der
Liebe. Ein prchtiges Beispiel dafr bietet unser kleinster
Karpfenfisch, der nur 6-7 _cm_ (in der Nahe fand Geysenheimer eine
Riesenform von 10 _cm_ Lnge) lang werdende, flinke und anmutige, ewig
spiel- und necklustige _Bitterling_ (_Rhodus amrus_) oder
Schneiderkarpfen, der den Namen nach seinem bitteren und ungeniebaren
Fleische hat. Auerhalb der Laichzeit weicht das zierliche Fischlein,
das sich am liebsten scharenweise in toten, ppig bewachsenen Fluarmen
aufhlt und hier schlecht und recht von Gewrm und Pflanzenkost allerlei
Art ernhrt, nicht sonderlich von der blichen Frbung anderer
Kleinfische ab: blaugrn auf dem Rcken, silberglnzend an den Seiten,
ein tiefgrner Streif von der Krpermitte bis zur Schwanzwurzel. Aber
mit Beginn der Laichzeit erstrahlt das sich dann sehr aufgeregt
geberdende Mnnchen, das dann auch einen eigenartigen kreideweien
Warzenwulst an der Oberlippe bekommt, in herrlich schimmernden
Regenbogenfarben. Prachtvoll smaragdgrn schillert dann der Streifen,
glhend orangerot die Bauchseite, wunderbar stahlblau und violett der
Rcken, whrend schwarze Sume das prchtige Rot der After- und
Rckenflosse noch schrfer hervorheben, so da das Tierchen in seiner
feurigen Farbenglut der schnsten Goldfische und der buntesten Exoten
spotten kann. Namentlich in Augenblicken geschlechtlicher Erregung
scheint es frmlich aufzuleuchten, whrend unmittelbar nach der
Milchabgabe die schnen Farben wieder fr einige Zeit verblassen. Das
Weibchen behlt zwar seine schlichte Frbung bei, entwickelt aber dafr
am After eine mehrere Zentimeter lange Legerhre von rotgelber Frbung,
die trotz ihrer Aufflligkeit erst 1857 durch Krau beschrieben wurde,
whrend ihre Bedeutung und Funktion erst 1869 durch Noll richtig erkannt
wurde. Der Bitterling lebt nmlich in einer hochinteressanten
Symbiose[1] mit der Malermuschel und bentigt die Legerhre dazu, seine
gelblichen Eierchen durch deren Ausfuhrffnung in das Innere der Muschel
einzufhren, worauf dann das vor Erregung zitternd im Wasser stehende
Mnnchen seine Milch ber dem Atemschlitz der Muschel ergiet. Da die
Samenfden eine starke Eigenbewegung besitzen, werden sie nicht wie
Nahrungspartikelchen zum Munde der Muschel fortgestrudelt, sondern
bohren sich zwischen ihren Flimmerhrchen hindurch, bis sie in den
inneren Kiemenfchern mit den inzwischen gleichfalls dorthin gelangten
Eiern zusammentreffen, um sie hier zu befruchten. Hat ein
Bitterlingsprchen erst einmal eine geeignete Muschel ausfindig gemacht,
so sucht es sie wiederholt heim, um ihr seine Liebesbrde anzuvertrauen,
da das Weibchen jedesmal nur 1-2 Eier austreten lt, wobei sich die
Legerhre gewaltig steift, um gleich danach wieder zusammenzufallen und
am Schlu der Laichperiode gnzlich einzuschrumpfen. Die Fischchen sind
in ihrem Fortpflanzungsgeschft gnzlich auf die Muschel angewiesen,
denn die Jungen entschlpfen den Eiern in einem so unreifen Zustande,
da sie auerhalb der schtzenden und stets einen frischen Wasserstrom
unterhaltenden Kiemen gar nicht zu leben vermchten. Sie nhren sich
aber nicht etwa von den Krpersften ihres Wirtstieres, sondern sind
vielmehr lediglich Raumparasiten, die der Muschel weiter keinen Schaden
zufgen. Trotzdem mgen die ungebetenen Gste dieser unbequem genug
sein, und sie versucht auch, sich ihrer durch krampfhafte Bewegungen zu
entledigen, was aber in der Regel nur groen und alten Muscheln gelingt.
Erschwert wird das noch dadurch, da sich bei den Jungfischen hinter dem
Kopfe ein Querwulst mit zwei kegelfrmigen Fortstzen entwickelt, der es
ihnen erlaubt, sich in der Kiemenkammer sehr solid zu verankern.
brigens sind die Fischchen schon nach 14 Tagen so weit, durch den
Kloakensipho ihrer Stiefmutter in ihr eigentliches Element auswandern zu
knnen. Und die Muschel vergilt spter Gleiches mit Gleichem. Die von
ihr ausgestoenen Larven sinken nmlich zu Boden, lassen aber ihren
langen klebrigen Byssusfaden nach oben spielen, bis sich Gelegenheit
bietet, ihn einem vorberschwimmenden Fisch anzuheften (und das ist
meist wieder ein Bitterling), worauf die Jungmuschel ihre mit Haken
versehene Schale in die Haut des Fisches einschlgt. Dies gibt zu einer
starken Wucherung Veranlassung, innerhalb derer die Muschellarve
gemchlich und sicher 2-10 Wochen lang von den Sften des Fisches lebt,
um erst als ausgebildete, wenn auch kaum grer gewordene Muschel die
gastliche Sttte zu verlassen. Wahrlich, eine der wechselvollsten und
anziehendsten Symbiosen, die die einheimische Natur uns zu bieten vermag
und deren Beobachtung im Aquarium viel Freude bereitet.

  [1] So nennt man das engere Zusammenleben von Lebewesen
  verschiedener Art, die einander wechselseitig ntzen.

Mit dem Bitterling wetteifert der _Stichling_ (_Gastersteus aculetus_)
in der Farbenpracht des Hochzeitskleides, und auch bei ihm kommt ein
eigenartiger und hochinteressanter Brutverlauf hinzu. Die gewhnliche
Farbe ist olivgrnlich auf der Ober- und silberwei auf der Unterseite.
Aber zur Laichzeit im Frhjahr wird das Mnnchen zu einem wahren
Prachtkerl, der mit den schnsten Exoten erfolgreich zu wetteifern
vermag. Vom satten Schiefergrau ber Grn zum tiefsten Blau erstrahlt
sein Rcken, whrend die Bauchseite wie mit Blut bergossen aussieht und
das Auge im feurigsten Smaragdgrn schimmert. Mehr noch als bei Barsch
und Bitterling wirkt die jeweilige Erregung frdernd auf diese
Farbenpracht ein, die geradezu als ein Gradmesser fr den Seelenzustand
des Fischchens angesehen werden kann. Namentlich bei Zorn und Kampflust
leuchtet das Tierchen auf im feurigsten Rot und erscheint in solchen
Augenblicken wie mit Rntgenstrahlen durchleuchtet. Denn unser
Stechbttel, wie er vom Volke gewhnlich genannt wird, ist ein gar
zornmtiger Gesell, dessen Raufsucht aller Beschreibung spottet. Die
metallisch glnzenden Stacheln, von denen er drei auf dem Rcken und je
einen an jeder Bauchseite trgt, bewhren sich selbst weit berlegenen
Feinden gegenber als eine gefhrliche Waffe, und das Fischchen ist sich
ihrer Furchtbarkeit auch wohl bewut, scheut deshalb so leicht keinen
Gegner, sondern greift jeden, namentlich zur Paarungszeit, mit wahrer
Berserkerwut und bewundernswerter Tapferkeit an, wobei ihm seine groe
Schwimmgewandtheit auch nicht wenig zustatten kommt. Selbst die greren
Raubfische vergreifen sich nicht leicht an dem borstigen Gesellen,
dessen Stacheln mit besonderen Sperrgelenken versehen und durch diese
ebenso einfache wie sinnreiche und wirkungsvolle Einrichtung denen des
Barsches weit ber sind. Der Fisch hat also keine Muskelkraft ntig, um
die Stacheln aufrecht zu erhalten, was ihn rasch ermden mte, sondern
er braucht nur die Sperrvorrichtung am Gelenkkopf des Stachels
einzuschalten, worauf dieser unverrckbar feststeht, so da er selbst
von einem Menschen nur unter Anwendung erheblicher Kraft und durch
Zerbrechen des Sperrgelenkes niedergedrckt werden kann. Dagegen besorgt
der Stichling selbst dieses Niederlegen der Stacheln mit Leichtigkeit
durch einen einzigen Muskelzug, durch den der Gelenkkopf aus seiner Lage
herausgehoben wird. Der russische Fischkundige Thilo ist brigens der
Ansicht, da namentlich der Bauchstachel nicht nur als Waffe diene,
sondern da sich der Stechbttel mit ihm durch Einstoen in den
Untergrund auch im reienden Strome oder in der tosenden Brandung
verankern knne und dadurch gleichfalls viel Muskelkraft erspare.
Vielleicht halte das Tier auch in hnlicher Stellung einen Winterschlaf.
Die dem Stechbttel von Natur aus schon jederzeit eigene Unruhe,
Rastlosigkeit und Hndelsucht steigert sich mit Beginn der Laichperiode
zu einer wahrhaft heillosen Nervositt, die sich nicht selten in
brutalen Mihandlungen der schwcheren Weibchen durch ihre gestrengen
Eheherren Luft macht. Aber gerade jetzt wird die Beobachtung der
jhzornigen Zwerge (nur ausnahmsweise wird der Stichling ber 8 _cm_
lang) doppelt unterhaltend, denn der Stichling gehrt ja zu denjenigen
Fischen, die im Wasser richtige Nester bauen, wie die Vgel im grnen
Gezweig. Zunchst hhlt das Mnnchen in einem recht stillen und
traulichen Winkel und am liebsten in Anlehnung an einen strkeren
Wasserpflanzenstengel eine Grube im sandigen Boden aus, die etwa Form
und Gre eines halben Hhnereies hat und durch eifriges Fcheln mit den
Flossen sauber gereinigt und geglttet wird. Dann geht es mit geradezu
rhrendem Fleie an das Herbeischleppen von allerlei Baumaterial, wie es
sich im Wasser treibend findet oder mit groer Kraftanstrengung von den
Pflanzen abgerissen wird. Hlmchen, Wrzelchen, Bltter, Stengel aller
Art und selbst Steinchen mssen dazu dienen. Zuerst wird eine solide
Unterlage geschaffen und fest zusammengekittet, indem der darber
stehende Fisch aus seiner Afterffnung tropfenweise ein uerst
klebriges Nierensekret austreten lt, das ihm also als Mrtel dienen
mu. Dann fhrt der kleine Bauknstler die Seitenwnde und schlielich
mit besonderer Sorgfalt die obere Wlbung auf, so da das Ganze Form und
Gre einer migen, lnglichen Kartoffel erhlt. Nach Schaffung der
Eingnge erinnert das Gebilde sehr an einen kleinen Muff. Zuletzt wird
durch wiederholtes Einbohren mit der Schnauze eine nett gerundete
Eingangsffnung geschaffen. Gar nicht hbsch genug kann der um diese
Zeit selbst die Suche nach Nahrung vergessende Stechbttel seine
Hochzeitskammer bekommen. Immer hat er noch daran zu bessern und zu
runden und zu gltten, hier ein widerspenstiges Hlmchen
zurechtzubiegen, dort noch ein besonders gefallendes Wrzelchen
einzubauen. Whrend der ganzen, etwa 2-3 Tage umfassenden Bauzeit
befindet sich der kleine Kerl in der leidenschaftlichsten Erregung, vor
allem beim Erscheinen eines mnnlichen Artgenossen, mit dem sofort ein
ingrimmiges Duell ausgefochten wird. Auch die Weibchen, die sich etwa
neugierig und voreilig dem geheimnisvollen Wasserschlo nhern, werden
rcksichtslos weggebissen, solange dieses nicht vllig vollendet ist.
Sobald aber das fertige Werk endlich zu seiner Zufriedenheit ausgefallen
ist, wird aus dem unvertrglichen Neidhammel mit einem Schlage ein
galanter, wenn auch sehr strmischer und leidenschaftlicher Liebhaber.
Fast tnzelnd nhert sich das farbenglhende Mnnchen den verschchtert
in irgendeinem Winkel des Wasserpflanzenwustes zusammengedrngten
Weibchen und sucht vor diesen seine Reize unter Aufbietung aller
Schwimmknste zu entfalten, wodurch er ihr Wohlgefallen in solchem Mae
erregt, da schlielich ein Exemplar mit reifem Laich seinen
liebenswrdigen Werbungen und Einladungen nicht widerstehen kann,
sondern ihm langsam und zgernd unter oftmaligem Ausreien und
Wiedergeholtwerden zu der so schn und sorgsam bereiteten
Hochzeitskammer folgt. Zgert es, das kleine Heiligtum durch den engen
Eingang zu betreten, so wird von dem seine Herrennatur auch jetzt nicht
ganz verleugnenden Mnnchen durch Schlge mit der Schwanzflosse oder
Stoen mit dem Maule, im Notfalle selbst durch einen scharfen
Sporenstich mit dem langen Mittelstachel gehrig nachgeholfen, und wenn
die sprde Schne erst einmal den Kopf ins Innere des Nestes gesteckt
hat, legt sich das Mnnchen trotzig quer vor den Eingang und lt seine
Auserkorene nicht wieder heraus. Sie legt daher einige Eier ab, die eine
Minute spter von dem nachschwimmenden Mnnchen befruchtet werden, und
bahnt sich dann mit der Schnauze auf der entgegengesetzten Seite einen
Ausweg durch die Wandung, so da also das Nest von diesem Augenblicke an
zwei ffnungen aufzuweisen hat. Nach einer Erholungspause begibt sich
das Mnnchen abermals auf die Brautschau und wiederholt dieses Spiel so
lange, bis ihm die Zahl der im Neste aufgespeicherten glashellen und
mohnkorngroen Eier gengend erscheint. Hat es so seinen Zweck erreicht,
so wird es sofort wieder zum brutalen Tyrannen und verfolgt jedes sich
nhernde Weibchen mit solcher Roheit, da es nicht selten an den Folgen
der erlittenen Mihandlungen eingeht. Freilich hat der kleine Bosnickel
dazu auch einen gewichtigen Grund, denn das Hochzeitsbett hat sich ja
jetzt zur Kinderwiege gewandelt, und nun heit es, Vaterpflichten zu
erfllen. Und die sind gerade im Stechbttelleben wahrlich nicht leicht,
erfordern vielmehr eine beispiellose Aufopferung und Selbstverleugnung.
Fortwhrend steht der Herr Papa vor seiner Kinderstube auf der Lauer und
schiet wie ein schimmernder Pfeil auf jedes Lebewesen los, dem nur
irgendwie Appetit auf Kaviar zuzutrauen wre. Am meisten versessen auf
die Eier sind die kannibalischen Stichlingsweibchen selbst, und so
erklrt es sich wenigstens, da der heibltige Gemahl ihnen gegenber
so rauhe Saiten aufziehen mu. Ist er nicht gerade im Kampfe mit einem
wirklichen oder vermeintlichen Feinde oder auf dessen Verfolgung
begriffen, so steht er steil ber der Eingangsffnung und erzeugt in
dieser durch bestndiges Fcheln mit den Flossen und mit einer Ausdauer
und Unermdlichkeit, die uns die grte Achtung abntigen mssen, einen
frischen Wasserstrom krftigster Art, so da den Eiern immer gengend
Sauerstoff zugefhrt wird und sie nicht der Verpilzung anheimfallen
knnen. Sind ihnen nach etwa 5-6 Tagen die winzigen Jungen entschlpft,
so beginnt fr den vielgeplagten Vater erst recht eine schwere Zeit,
denn er mu sich bemhen, dieses kribbelige hundertkpfige
Kindergewimmel in Ordnung zu halten und die unbeholfenen und wehrlosen
Kleinen vor einem vorzeitigen Verlassen des schtzenden Nestes zu
bewahren. Aber das fllt schwer genug, denn schon in diesen Liliputanern
kreist das unruhige Stichlingsblut. Hier erwischt der Papa gerade noch
einen der leichtsinnigen Ausreier, verschluckt ihn und speit ihn dann
behutsam wieder in das auch fortwhrende Ausbesserungen ntig machende
Nest zurck, und dort sind dafr schon wieder zwei andere in die fremde
Welt hinausgestrmt. Erst wenn die Jungen nach etwa 14 Tagen
einigermaen selbstndig geworden sind, erkaltet allmhlich die
treubesorgte Liebe des Stichlingsmnnchens, und bald darauf kmmert es
sich gar nicht mehr um seine Nachkommenschaft. Aber seine aufopfernde
Brutpflege hat es doch fertig gebracht, da die meisten Eier zu
lebensfhigen Jungen wurden, und so erklrt es sich auch, da der
Stichling mit einer Eierzahl von nur 60-80 pro Jahr und Weibchen sein
Auslangen findet, die doch dem Eierreichtum anderer Fische gegenber
verschwindend gering erscheint. Ja, die Vermehrung der Stichlinge ist
bisweilen so stark, da in ihren Wohngewssern bervlkerung eintritt
und dann ein groes Massensterben anhebt, so da die verwesenden Kadaver
von Hunderttausenden von Stechbtteln weithin die Gewsser verpesten.
Auch unter Schmarotzern hat der Stichling vielfach zu leiden, und
namentlich finden sich in seinem Leibe oft Eingeweidewrmer
(_Schistocphalus_) von solcher Gre und in solcher Zahl, da sie ihm
den Bauch unfrmlich auftreiben und schlielich zum Platzen bringen.
Wenn man den Stichling seinem Benehmen nach mit dem Kampfhahn unter den
Vgeln vergleichen knnte, so hinsichtlich seiner Ernhrungsweise
sicherlich mit der Spitzmaus unter den Sugetieren. Mit unersttlicher
Raubgier strzt sich der stachlige Heisporn auf alles, was er
bewltigen zu knnen glaubt, und er hat ja von seinen eigenen Krften
keine geringe Vorstellung. Bese er die Gre und Kraft eines Wellers,
er wrde in wenigen Jahren alle Gewsser der Erde entvlkern. Namentlich
in Nord- und Ostdeutschland fehlt er keinem pflanzenreichen Teich, toten
Fluarm oder auch nur Wassergraben, aber im ganzen Donaugebiet ist er
eine unbekannte Erscheinung. Er gewhnt sich auch an das Leben im
Meerwasser und bildet dann die Panzerplatten an seinen Krperseiten noch
strker aus. Die Systematiker haben aus solchen Abnderungen eigne Arten
machen wollen, sind aber dabei entschieden im Unrecht, wie die
biologischen Forschungen erwiesen haben, da sich in einem Neste oft
verschiedene dieser angeblichen Arten vereinigt finden. So hervorragend
interessant und intelligent unser Fischchen dem Auge des Naturfreundes
erscheint, so wenig will doch in der Regel der Berufsfischer von ihm
wissen, der ihm nachsagt, da er ein bser Feind des Fischlaiches und
der Fischbrut, sowie ein arger und kaum aus dem Felde zu schlagender
Nahrungswettbewerber fr die wertvollen Speisefische sei. Auch in
gesundheitlicher Beziehung bringe sein hufiges Massensterben nicht zu
unterschtzende Gefahren mit sich. Das mag alles bis zu einem gewissen
Grade seine Richtigkeit haben, aber wir wollen gerade in letzterer
Beziehung nicht vergessen, da eben der Stichling einer der wirksamsten
Vertilger der Stechmckenlarven ist, also der Anpheles, die als
Trgerin und Verbreiterin der gefrchteten Malaria-Blutparasiten gilt.
Als Braten kann der Stechbttel schon wegen seiner Kleinheit nicht in
Betracht kommen, aber er wird doch bisweilen so massenhaft gefangen, da
man ihn als wertvollen Dung auf die Felder hinausfhrt oder zum
Tranauskochen benutzt. So wird allein im Pillauer Tief und den
angrenzenden Gewssern aus Stichlingen alljhrlich durchschnittlich fr
22000 Mark Tran gewonnen, in manchen Jahren sogar mehr als das
Dreifache. Ein Vetter des Stechbttels, der 7-11 Rckenstacheln fhrende
_Zwergstichling_ (_Gastersteus pungtius_) ist unser kleinster Fisch,
da er 6 _cm_ Gesamtlnge kaum berschreitet (als winzigster Fisch der
Erde gilt der nur 1-1/2 _cm_ lang werdende Luzonfisch der Philippinen).
Sein Hochzeitsgewand ist nicht so farbenprchtig wie bei der greren
Art, wirkt aber dafr vornehmer: ein tiefes, gesttigtes Sammetschwarz,
aus dem sich die smaragdgrn funkelnden Augen ganz wundersam
herausheben. In der Nestanlage unterscheidet er sich insofern, als er
seinen Bau stets schwebend an Wasserpflanzen frei befestigt.

Weitaus nicht von der bestechenden Farbenschnheit wie bei Stechbttel
und Bitterling, aber dafr um so merkwrdiger und eigenartiger,
jedenfalls viel dauerhafter und nicht fortwhrenden Schwankungen und
Gemtsaufwallungen unterworfen ist das hochzeitliche Gewand bei der
Karpfengruppe. Hier erhalten nmlich die Mnnchen zu Beginn der
Laichzeit am Vorderkrper einen wei glnzenden Perlausschlag, der
spter gelblich wird und schlielich von selbst wieder abfllt. Der uns
vertrauteste Fisch, der _Karpfen_ (_Cyprnus crpio_), darf
gewissermaen als das Urbild der Fischgestalt gelten, sozusagen als der
Fisch an sich, und doch ist es gar nicht so leicht, diese zur
Weihnachtstafel so hochwillkommene Erscheinung naturgeschichtlich
einigermaen richtig zu kennzeichnen. Das hngt vor allem damit
zusammen, da der Karpfen wie jedes vom Menschen gezchtete Haustier --
und wenigstens als ein halbes Haustier mu er heute wohl bezeichnet
werden -- im Laufe der Jahrhunderte eine Menge Varietten ausgebildet
hat, die ihrerseits wieder vielfach ineinander bergehen oder
miteinander verbastardiert werden. Da gibt es z. B. die hochrckigen und
schnellwchsigen, durch delikates Fleisch ausgezeichneten, aber in der
Nahrung whlerischen und auch sonst ziemlich empfindlichen Galizier,
als Gegenstck zu ihnen die Lausitzer mit breitem und niedrigem
Rcken, geringerem Fleisch, aber besonders stark entwickelten
Geschlechtsprodukten, von langsamerem Wachstum, aber anspruchslos und
unempfindlich, wie es nur ein Fisch sein kann, und so hat fast jede
Karpfengegend ihre besonderen Eigenheiten aufzuweisen, die das geschulte
Auge des Kundigen sofort erkennt und danach die Herkunft des Fisches mit
erstaunlicher Sicherheit zu bestimmen vermag. In bezug auf die
Beschuppung seien als bekannte Rassen genannt der schuppenlose
Lederkarpfen und der hochgeschtzte Spiegelkarpfen, bei dem zwar auch
grere Teile des Leibes nackt sind, whrend sich ber andere
streifenfrmig angeordnete plattenfrmige Schuppen von auerordentlicher
Gre hinziehen, die ersichtlich aus der Verschmelzung mehrerer kleiner
Einzelschuppen hervorgegangen sind. Diese Rassen lassen sich aber weder
bisher rein durchzchten, noch sind sie besonderen Gegenden
eigentmlich. Auch an krankhaften Abnormitten fehlt es gerade beim
Karpfen keineswegs. So gibt es Zwitter, Gistlinge, Mopsmuler,
Albinismen mit Goldschuppen, schwanzlose Exemplare usw. Der behbige
Karpfen, der so viel sattes Behagen und eine so spiebrgerliche
Selbstzufriedenheit zur Schau trgt, hat oft als der deutscheste Fisch
gegolten, und doch ist er wahrscheinlich ebensogut ein Fremdling in
unseren Gewssern, wie Fasan und Kaninchen in unseren Wldern und
Fluren, wenn er sich auch das Brgerrecht schon lngere Zeit ersessen
hat. Zwar will Nehring in jungen, jedoch immerhin vormenschlichen
norddeutschen Erdablagerungen versteinerte Karpfenreste gefunden haben,
wonach also der Fisch von jeher bei uns ansssig gewesen sein mte,
aber ich mchte doch Marshall beipflichten, wenn er meint, da hier wohl
eine Verwechslung mit der Karausche vorliege, denn die Schuppen, Grten
und Kopfknchelchen dieser beiden so hnlichen und sich oft fruchtbar
miteinander vermischenden Fische wird wohl auch der scharfsinnigste
Gelehrte kaum mit Sicherheit voneinander zu unterscheiden vermgen, noch
dazu in versteinertem Zustande. Wahrscheinlicher ist wohl, da die
Urheimat des Karpfens im fernen Orient zu suchen ist, von wo er durch
die Rmer, die brigens gerade an diesem Fisch keinen besonderen
Geschmack fanden, so lsterne Fischesser sie sonst auch waren, zuerst
nach Sdeuropa und erst in karolingischer Zeit nach Deutschland gebracht
wurde, whrend er heute fast in der ganzen Kulturwelt zu finden ist.
Viererlei verlangt der Karpfen stets und berall von seinem
Aufenthaltsorte, wenn er gedeihen und sich ordentlich fortpflanzen soll:
schlammigen Untergrund, intensive Besonnung, weiches und ruhiges Wasser
mit gengender Vegetation und zum Laichen geschtzte und seichte
Stellen. Rasch flieende Gebirgswasser mit sandigem oder kiesigem
Untergrund meidet dieser Fisch durchaus. Er gehrt zu den sogenannten
Friedfischen, ist also kein grimmiger Ruber, sondern ein gemtlicher
Allesfresser, der namentlich allerlei kleines Gewrm, aber auch
Pflanzenteile verzehrt. Seinen endstndigen, mit 4 Barteln versehenen,
dicklippigen und sehr beweglichen Mund benutzt der Karpfen zwar nicht
zum Kssen, wie Marshall launig bemerkt, obwohl er sich dazu wegen
seines groen Nervenreichtums ganz hervorragend eignen wrde, wohl aber
zum fleiigen Durchwhlen des Bodenschlamms, dem er seine meiste und
zusagendste Nahrung entnimmt. Bei seiner faulen Lebensweise schlgt sie
ihm auch recht gut an, und so wird der Fisch als bemoostes Haupt ein
groer Phlegmatiker, dem so leicht nichts seine beschauliche Lebensweise
strt. Der Studentenausdruck bemoostes Haupt stammt brigens gerade
vom Karpfen her und ist bis zu einem gewissen Grade sogar wrtlich zu
nehmen, wenn es auch nicht gerade Moos ist, das den ehrwrdigen Kopf
eines solchen Methusalem, dem oft vor Altersschwche smtliche Schuppen
ausgefallen sind, mit einem grnen Schleier berzieht, sondern lediglich
gewisse, an ihm schmarotzende Parasiten. Solche alte Karpfen haben,
obschon sie zuletzt kaum noch wachsen, natrlich auch eine entsprechende
Lnge und ein recht ansehnliches Gewicht, obschon im allgemeinen bereits
40pfndige Karpfen zu den Seltenheiten gehren. Am schmackhaftesten sind
sie bei Eintritt der Geschlechtsreife, also im dritten Lebensjahr,
weshalb auch drei- und viersmmerige Karpfen im Gewicht von 1-1/2 bis 2
_kg_ die gesuchteste und am besten bezahlte Marktware bilden. In einer
Beziehung ist der gern gesellig lebende Karpfen den farbenschnen
Fischarten, die vorher geschildert wurden, entschieden ber, nmlich in
bezug auf Fruchtbarkeit, worauf ja schon sein wissenschaftlicher Name
(auch der deutsche drfte auf eine Verstmmelung desselben
zurckzufhren sein) hinweist, der an die zyprische Liebesgttin als
Beschtzerin der Fruchtbarkeit erinnert. Es ist in der Tat erstaunlich,
welche Unmenge von Eiern so ein Karpfenleib zu produzieren vermag.
Whrend man frher auf 3-600000 Eier beim Rogner schlo, haben
neuerdings genaue Schtzungen durch Staff ergeben, da selbst diese
ungeheuerlichen Zahlen noch weitaus zu niedrig gegriffen waren. Es
kommen vielmehr auf jedes Kilo Fleischgewicht nahezu 400000 Eier, also
auf einen halbwegs erwachsenen Mutterfisch etwa 1,6 bis 1,7 Millionen!
Auf einer bayrischen Fischereiausstellung wurden krzlich einem Karpfen,
bei dem infolge Laichverhaltung eine Verflssigung der Eierstcke
eingetreten war, nicht weniger als 1700 _ccm_ Flssigkeit abgezapft. Es
knnen also ungezhlte Massen davon als Eier oder Jungfischchen zugrunde
gehen, ohne den Bestand der Art im geringsten zu gefhrden, denn es
gengt vollkommen, wenn nur je 10000 Eier einen Fisch liefern. Die
stecknadelkopfgroen Eier werden an Wasserpflanzen angeklebt, und das
Laichgeschft vollzieht sich unter vielem Gepltscher an ganz seichten
Stellen. Bei der Beliebtheit, deren sich das zarte Karpfenfleisch
heutzutage allenthalben erfreut, und bei der groen Lebenszhigkeit
dieses Fisches, die seine Versendung auf weite Entfernungen hin
gestattet, wird Karpfenzucht in allen dazu geeigneten Gegenden mit viel
Eifer und Erfolg betrieben, und der Karpfen ist der wichtigste Bewohner
unserer Fischteiche geworden. Hauptbedingung fr eine erfolgreiche
Karpfenzucht im groen ist, da man ber verschiedene Arten von Teichen
verfgt: kleine, sonnige, pflanzenreiche, flache Zuchtteiche, die erst
unmittelbar vor der Laichperiode bespannt werden, um keine Parasiten
aufkommen zu lassen, grere Zuwachsteiche mit reichlichem Naturfutter,
die in der Mitte eine vertiefte, nie ausfrierende Mulde zum berwintern
der Fische haben mssen, und endlich Kaufgutteiche, in denen die Karpfen
vollends die marktfhige Gre erreichen sollen. Um das zu
beschleunigen, wird auch noch besonders gefttert, und es kommt darauf
an, Futtermittel zu whlen, die das in ihnen angelegte Geld mglichst
rasch in mglichst viel gutes und wertvolles Fischfleisch verwandeln.
Namentlich in Schlesien, Bhmen und Galizien befinden sich groartige
Karpfenzuchtanstalten dieser Art. Gewonnen wird der weitaus grte Teil
des auf den Markt gelangenden Karpfenfleisches durch Ablassen der
Teiche, da der trge und alles Verschluckbare vorher vorsichtig
betastende Fisch nur schlecht nach der Angel geht und auch seiner
bodenstndigen Lebensweise halber nicht gut in grerer Menge mit dem
Netz zu fangen ist. Vor Weihnachten ist Hochsaison auf dem Karpfenmarkt.
Dann tragen ganze, besonders dazu eingerichtete Eisenbahnzge die
schmackhaften Schuppentrger aus Galizien und Schlesien nach Norden,
oder eigens fr diesen Zweck zusammengestellte Fle mit eingebauten
Fischksten bringen sie auf der Moldau und Elbe nach unserer
Reichshauptstadt. Blau gesotten, gebacken, als Bierfisch oder mit
Paprikatunke -- kurz, in jeder Form bildet dieser ntzliche Fisch eine
gesunde und fast allgemein beliebte Speise. Nur ist zwischen Karpfen und
Karpfen ein groer Unterschied. Vor allem mu der Fisch ganz frisch
sein, was die Hausfrau an den blanken und klaren Augen und daran
erkennen kann, da ein Fingerdruck auf das Rckenfleisch sofort wieder
verschwindet. Frische Fische -- gute Fische sagt sehr richtig das
Sprichwort. Leider hat sich bei uns die Karpfenzucht nachgerade fast zu
einem Privileg des Grogrundbesitzes herausgebildet. Und doch lt sich
der Fisch selbst in den elendesten Dorfteichen mit groem Erfolg, wenn
auch nicht zchten, so doch msten. In dieser Beziehung geschieht noch
viel zu wenig, denn so knnen sonst fast ertragslose Wasserflchen noch
eine schne Rente abwerfen.

Gerade bei dem langsam durch die Fluten ziehenden Karpfen lassen sich
sehr gut die _Schwimmbewegungen_ des Fisches beobachten und studieren.
Bei aufmerksamer Betrachtung werden wir sehen, da es nicht eigentlich
die Flossen, oder diese doch nur in geringem Grade sind, die den Fisch
fortbewegen. Das hauptschliche Fortbewegungsorgan ist vielmehr der
Schwanz, berhaupt die ganze hintere Krperhlfte. Sie ist mit zwei
Reihen starker Muskelzge ausgestattet, durch deren Zusammenziehen
krftige Schlge gegen das Wasser gefhrt werden, und zwar in einer
derartigen Richtung, da sie den Fisch vorwrts treiben mssen.
Abwechselnde Biegungen der Schwanzflossenzipfel knnen allerdings auch
nach Art einer Schiffsschraube wirken und den Fisch langsam vorwrts
bringen. Die paarigen Flossen aber wirken lediglich regulierend und
steuernd, whrend After- und Rckenflosse die Krperflche vergrern
und ein Hin- und Hergeworfenwerden des Fisches bei den heftigen und
wechselnden Schwanzschlgen verhindern. Experimentatoren haben
nachgewiesen, da ein der Rckenflosse beraubter Fisch im Zickzack
schwimmt, da er sich bei einseitiger Entfernung der das Gleichgewicht
haltenden Brust- und Bauchflossen auf die Seite legt, da bei Entfernung
beider Brustflossen das Vorderende tief sinkt und da nach Abschneiden
smtlicher paariger Flossen der Fisch auf dem Rcken schwimmt. Ein
Vorwrtsschlagen der Brustflossen ermglicht ein langsames
Rckwrtsschwimmen. Der franzsische Gelehrte Houssay hat brigens durch
vergleichende Experimente mit einer groen Zahl knstlicher Modelle
festgestellt, da der Fischkrper, der ja auch fr die menschliche
Schiffstechnik vorbildlich und magebend gewesen ist, gerade in bezug
auf die leichte berwindung des Wasserwiderstandes heute von unseren
Schiffsmodellen bereits berholt ist, da er aber in bezug auf
Stabilitt, also das Vermgen, die richtige Lage im Wasser
beizubehalten, noch unerreicht dasteht. In dieser Beziehung sind
namentlich die paarigen Fischflossen ein ganz unbertreffliches
Werkzeug. Weitere Versuche von Alliaud und Vles mit elektrisierten
Fischen haben gezeigt, da die Fische eine stete Muskelanstrengung
aufwenden mssen, um sich in den Fluten ihre gewhnliche Lage zu
erhalten. Setzt man diese Muskelkraft durch den elektrischen Strom auer
Ttigkeit, so dreht sich der Fisch sofort um und treibt hilflos auf dem
Rcken. Er gleicht also nicht einem Schiff, sondern einem Radfahrer, der
sich ja auch mit fortwhrender Muskelarbeit im Gleichgewicht erhalten
mu. Ein anderer franzsischer Gelehrter, Regnard, hat auf sinnreiche
Weise Untersuchungen ber die _Schnelligkeit_ der schwimmenden Fische
angestellt. Er lie kreisfrmige Wasserrinnen herstellen, die durch
einen elektrischen Motor gedreht wurden, worauf die eingesetzten
Versuchsfische gegen den Strom zu schwimmen suchten. Wenn sie dann trotz
aller Anstrengungen auf der gleichen Stelle stehen blieben, mute ihre
Geschwindigkeit gleich der Drehungsgeschwindigkeit des Apparates sein.
Es ergab sich, da die Schwimmgeschwindigkeit von Karpfen und
Weifischen etwa das Zehnfache ihrer Krperlnge in der Sekunde betrgt,
da aber ihre Ausdauer bei solch hchster Kraftanspannung nur gering
ist, und bald Ermdung eintritt. Die Schwimmgeschwindigkeit verminderte
sich sofort auf ein Drittel, wenn man die Schwanzflosse abschnitt,
whrend die Entfernung von Brust- oder Bauchflossen nur dann einen
greren Einflu ausbte, wenn sie lediglich auf einer Seite geschah.
Von der so ermittelten Schnelligkeit ist natrlich diejenige
verschieden, die die Fische beim Rauben oder auf ihren Wanderungen
entwickeln. Den Rekord soll die Forelle mit 35 _km_ in der Stunde
halten; der Hecht soll 23-27, die Barbe 18, Karpfen, Schleie und Aal 12
_km_ in der Stunde zurcklegen knnen. In Siam veranstaltet man in
langen Aquarien sogar besondere Wettrennen zwischen verschiedenen
Fischarten, und der auch in Europa wohlbekannte verstorbene Knig
Chulalongkorn soll bei einem solchen Rennen einmal eine seiner Frauen
verwettet haben.

Im Zusammenhange mit diesen Betrachtungen seien auch gleich noch der fr
die Fische vielfach so kennzeichnenden _Schwimmblase_ und ihrer
biologischen Bedeutung einige Worte gewidmet. Sie fehlt als zwecklos den
echten Grundfischen, die keinen Druckschwankungen ausgesetzt sind, aber
auch manchen guten Schwimmern, wie dem Hai und der Makrele, ohne da wir
bisher wissen, warum, und wodurch sie ihnen ersetzt wird. Sie ist ein
aus luftdichten Huten bestehender Sack zwischen Darm und Nieren, der
sich oft durch die ganze Leibeshhle erstreckt, aber nach Form und
Ausdehnung sehr verschieden gestaltet ist. Beim Karpfen ist sie durch
eine Einschnrung in zwei Teile zerlegt, die Flughhne haben zwei
nebeneinander liegende Blasen, der Schlammbeier eine in eine
Knochenkapsel eingehllte.

  [Illustration: Karausche (_Carssius carssius_). (Naturaufnahme
  von Oberlehrer W. Koehler.)]

Im embryonalen Zustande hat die auf eine Darmausstlpung
zurckzufhrende Schwimmblase stets einen zu ihrer Fllung dienenden
Luftgang, der z. B. den Ganoidfischen auch im Alter verbleibt, whrend
er bei der Mehrzahl der erwachsenen Fische verschwunden ist. Das Organ
dient einmal dazu, das spezifische Gewicht des Fisches durch Ausdehnung
oder Zusammenziehung zu regeln und ihm damit ein leichtes Auf- oder
Niedersteigen zu ermglichen. Diese Zusammenziehungen geschehen in der
Hauptsache passiv durch den Wasserdruck und nur zum geringen Teile aktiv
durch die ziemlich schwach entwickelte Blasenmuskulatur, die mehr zur
Verlegung des Schwerpunktes dient und besonders bei pltzlichem
Hhenwechsel in Ttigkeit tritt. Die endgltige und fr lngere Zeit
wirksame Einstellung der Schwimmblase auf ein bestimmtes Hhenniveau
aber erfolgt unter Ersparung von Muskelkraft lediglich durch Abscheidung
von Sauerstoff in ihren leeren Raum oder durch das Einsaugen von solchem
aus ihm. Schon Moreau hat 1876 erkannt, da das die Schwimmblase
fllende Gas in der Hauptsache reiner Sauerstoff ist, aber erst 1903 hat
uns Jger-Gieen darber aufgeklrt, wo und wie dessen Abscheidung
geschieht. Er entdeckte an der unteren Wand der Schwimmblase eine sehr
verschieden starke (bei Swasserfischen nur 2-4, bei Seewasserfischen
20 und mehr Schichten) Anhufung eigentmlicher Drsenzellen, die durch
eine vergiftende Ttigkeit die roten Blutkrperchen vernichten, wodurch
der Sauerstoff frei wird, sich verdichtet und in das Innere der
Schwimmblase strmt. Er nannte dieses Organ den roten Krper. Will der
Fisch sich in einem hheren Niveau aufhalten, so mu das Gegenteil
geschehen, der Sauerstoff mu wieder aus der Blase entweichen knnen.
Diese Zurckleitung des Sauerstoffes in das Blut besorgt das im oberen
Teile der Schwimmblase gelegene, durch Muskelwirkung zu ffnende oder zu
schlieende Oval, das auffallenderweise allen denjenigen Fischen
fehlt, die einen Luftgang besitzen. Eingeleitet werden alle diese
Vorgnge durch Nervenreizungen, und Thilo hat nachgewiesen, da ein
Druck auf die Schwimmblase Hebel in Bewegung setzt, die auf eine Platte
im Rckenmark wirken, so da Druckschwankungen den Fischen unmittelbar
zum Bewutsein gelangen. Man knnte also die Schwimmblase fast auch als
ein Sinnesorgan ansehen, und jedenfalls erspart sie dem Fische sehr viel
Muskelarbeit. -- Obwohl die Fische bei ihrem stndigen Aufenthalt in
einem flssigen Medium ein wirkliches _Durstgefhl_ kaum kennen werden,
verschlucken sie doch schon rein zufllig eine Menge Wasser, und es ist
auch kaum anzunehmen, da dieses fr den Aufbau ihres Krpers entbehrt
werden knnte. Wenigstens haben Versuche mit gefrbtem Wasser, die die
biologische Anstalt in Friedrichshafen anstellte, unzweifelhaft ergeben,
da die Fische Wasser auch in den Magen aufnehmen. Dadurch erklrt es
sich auch, da man bisweilen sogar betrunkene Fische findet, die die
tollsten Kapriolen vollfhren, nmlich da, wo Hefenfabriken den als
Nebenprodukt bei der Hefenfabrikation gewonnenen Spiritus der
Steuerersparnis halber einfach ins Wasser laufen lassen. Dann gibt es
billige Hefe, aber dafr betrunkene Fische.

  [Illustration: Grndling (_Gbio gbio_). (Nach einer Aufnahme von
  Oberlehrer W. Koehler.)]

Ein groer Teil unserer heimischen Fische gehrt zur Verwandtschaft des
Karpfens. Da ist zunchst die kleinkpfige und dnnlippige, selten mehr
als 3/4 _kg_ schwer werdende _Karausche_ (_Carssius carssius_), die
oft von Aquarienfreunden, die schon Hunderte wertvoller Exoten gezchtet
haben, mit dem Karpfen verwechselt wird, obschon bei aller hnlichkeit
des Krperbaus ein einziger Blick auf den kleinen Mund gengt zur
sofortigen Unterscheidung, indem der Karpfen stets Barteln besitzt, die
Karausche aber niemals. Sie vermischt sich auch fruchtbar mit dem
Karpfen und wird deshalb in Zuchtteichen nicht gern gesehen, da sie mit
ihrem minderwertigen, grtigen Fleisch die ganze Nachzucht zu verderben
vermag. Auch im schmutzigsten und modrigsten Wasser hlt dieser zhe und
anspruchslose Fisch aus, denn berall findet er seine unreinliche
Nahrung. Die ltesten Tierzchter der Welt, Chinesen und Japaner, haben
aus der Karausche schon vor uralten Zeiten einen farbenschnen
Sportfisch herangezchtet, der fast eine hnliche Rolle spielt, wie der
allverbreitete Kanarienvogel, und der als _Goldfisch_ einen einzig
dastehenden Siegeszug auch durch ganz Europa angetreten hat. Mancherlei
absonderliche Spielarten, wie Teleskopfische und Schleierschwnze, sind
dann weiter aus ihm hervorgegangen. Was den Goldfisch dem Laien so sehr
empfiehlt, ist auer seiner bestechenden Farbenschnheit namentlich
seine geradezu rhrende Anspruchslosigkeit, die auch die rgste
Vernachlssigung und die naturwidrigste Behandlung geduldig hinnimmt,
aber der echte Tierfreund wird an diesem Kunstprodukt doch nur wenig
Gefallen finden; dazu ist der Goldfisch zu langweilig und zu
stumpfsinnig. Ein ganz ausgesprochener Bodenfisch, der sich bei Gefahr
geradezu in den Schlamm einzuwhlen pflegt und dadurch vielen
Nachstellungen entgeht, ist die grnliche _Schleie_ (_Tnca tnca_).
Ihre unglaubliche Gengsamkeit und sehr geringes Sauerstoffbedrfnis
ermglichen ihr das Dasein selbst in den verjauchtesten Tmpeln. Ihr
fettes und zartes Fleisch gereicht der vornehmsten Tafel zur Zierde,
wenn man nur die Vorsicht bte, den Fisch vor dem Schlachten einige
Wochen in flieendem Wasser zu halten, damit er den ihm meist
anhaftenden Modergeschmack verlieren konnte. Um die Teichwirtschaft
macht sich der trge Fisch durch fleiiges Vertilgen der schdlichen
Fischegel verdient, wenn er auch andrerseits als Wettbewerber um die
Nahrung der wertvolleren Karpfen von den Fischzchtern nur widerwillig
in den Teichen geduldet wird. Auch von dieser Form ist eine prachtvolle
Spielart als Goldschleie bekannt. Interessanter als diese langweiligen
Gesellen ist der kleinere, gestreckter gebaute und mit zwei Bartfden
versehene _Grndling_ oder Greling (_Gbio gbio_). Dieser sehr
gesellige Fisch, dem man eine besondere Vorliebe fr das Aas nachsagt,
bevorzugt klares, flieendes Wasser mit sandigem oder kiesigem
Untergrunde, findet sich aber auch an anderen rtlichkeiten, selbst in
unterirdischen Gewssern, so in der berhmten Adelsberger Grotte. Die
blulichen Eier werden im Kiesgerll ganz seichter Bche abgesetzt,
worauf dann die Grelinge wieder in ihre tieferen Wohngewsser
zurckkehren. Beim Ablaichen reibt das vom Mnnchen an eine
entsprechende Stelle getriebene Weibchen seine Bauchflche am Kiese,
wobei der Kopf und der ganze Rcken fr 1/2-3/4 Minuten aus dem Wasser
hervorsehen. Die Jungen schlpfen bei gengender Wrme schon nach drei
Tagen aus und hngen dann noch mehrere Tage wie kleine graue Kommas an
Steinen und Pflanzen umher, ehe sie die ersten unbeholfenen
Schwimmversuche beginnen. Auch im Aquarium, fr das sich dieser
bescheidene Fisch berhaupt gut eignet, ist er schon gezchtet worden,
und soll dabei, wie ein russischer Beobachter mitteilt, sich zum Laichen
eine besondere Grube hergerichtet haben. Trotz seiner geringen Gre
findet der Grndling auch fr die Kche gern Verwendung, da sein zartes
Fleisch von hervorragendem Wohlgeschmack ist. Im Donaugebiet wird unsere
Art durch den _Steingreling_ (_Gbio uranscopus_) mit spitzerem Kopfe
und lngeren Bartfden vertreten. Beide Fische, die gewhnlich am Boden
auf Beute lauern, bewegen sich zwar ruckweise, aber nicht mit
bermiger Schnelligkeit fort. Da ist die niedliche und anmutige, stets
zum Jagen und Spielen aufgelegte _Elritze_ (_Phoxnus lavis_) ein weit
flinker Ding. Sie ist uerst beweglich, namentlich sehr springfhig,
aber dabei im Freien schchtern und schreckhaft. Wenn sich im Sommer das
Wasser zu sehr erwrmt, wandern die Elritzen oft in dichtgedrngten
Scharen in die khleren Gebirgswsser aus und berspringen dabei
Hindernisse, die in gar keinem Verhltnis zu ihrer winzigen Krpergre
stehen. Bei solchen Gelegenheiten werden viele von ihnen gefangen und
mariniert als Pfrillen oder Rmpchen trotz ihres etwas bitterlichen
Geschmacks in manchen Gegenden sehr gern gegessen. Leider mssen bei
dieser Fangart auch zahlreiche Junge der wertvollsten Speisefische mit
dran glauben und sich als Rmpchen verzehren lassen. Der rundliche,
unverhltnismig grokpfige _Dbel_ (_Leucscus cphalus_), mit dem
breiten Maule und dem blarot schimmernden Bauch hlt sich in seiner
Jugend massenhaft in kleinen kiesigen Bchen auf, whrend er im Alter
mehr in die Flsse und Seen der Ebene hinabzieht. Er ist pfeilschnell
und ruberischer veranlagt als andere Karpfenfische. Selbst Musen soll
er nachstellen und deshalb in manchen Gegenden geradezu Musefresser
genannt werden. Bei solch reichlicher Kost erreicht er denn auch ein
Gewicht von 4 _kg_ und darber. Diesen Angaben stehen nun freilich die
Magenuntersuchungen Sustas schnurstracks gegenber, der den Dbel fr
einen echten und sich hauptschlich an grobes Gras haltenden
Grnweidefisch erklrt. Dieser Widerspruch erscheint noch vllig
ungeklrt, denn es ist doch kaum denkbar, da ein und dieselbe Art
vielleicht an verschiedenen rtlichkeiten so grundverschiedene
Ernhrungsweisen zeigen knnte. Eher mchte ich glauben, da die
betreffenden Fische von diesem oder jenem Forscher falsch bestimmt
wurden. Auffallend ist die Vorliebe des Dbels fr Stromschnellen,
Mhlwehre, Brckenpfeiler und hnliche rtlichkeiten. Seiner vielen
Grten wegen ist er hchstens als Backfisch und auch dies nur in ganz
frischem Zustande zu verwerten. Angler versichern, da der Dbel auch an
Beeren und se Frchte geht, und im Aquarium sah man jngere Exemplare
sowohl animalische wie vegetabilische Kost zu sich nehmen. Die Angler
haben von jeher eine gewisse Vorliebe fr diesen jetzt sichtlich
seltener werdenden Fisch gehabt, weil er auf alles anbeit, so da die
Kderwahl geradezu zur Qual werden kann, und weil sich mit seiner
stattlichen Gre prahlen lt. Die sd- und ostdeutschen Angler
bezeichnen den ziemlich proletenhaft anmutenden Fisch als Ruber, und
die Rhein- und Elbefischer erklren ihn fr den friedfertigsten Gesellen
der Welt. Das Wahrscheinlichste ist wohl, da Genosse Dickkopf
Allesfresser geworden ist und seine Speisekarte um eine Reihe von
Gerichten bereichert hat, die er frher nicht kannte und verschmhte.
Ein unzweifelhafter Grnweidefisch ist dagegen der durch die kleine und
schief aufwrts gerichtete Mundffnung gekennzeichnete _Aland_
(_Leucscus dus_), auch Silberorfe genannt. Eine besonders schne Abart
wird als _Goldorfe_ gern in warmen Teichen gezogen, und sie eignet sich
als Zierfisch namentlich auch insofern gut, als sie sich beim Schwimmen
bestndig an der Oberflche hlt und so ihre Schnheit auch zur Geltung
zu bringen wei. Die wilde Stammform beansprucht reines, kaltes, tiefes,
und schnellflieendes Wasser, ist auch selbst ein recht flinker
Schwimmer. Der etwas dickkpfig aussehende Fisch, der bis 3 _kg_ schwer
wird, hat ein zwar grtiges, aber doch recht wohlschmeckendes, rtlich
aussehendes Fleisch, und wird deshalb gern geangelt. Unter dem
Sammelnamen Weifisch fat der Naturfreund eine Anzahl
karpfenhnlicher Fische zusammen, deren Jugendformen oft selbst der
Fachmann nur schwer auseinanderhalten kann, und deren erwachsene Stcke
wenigstens der Laie sehr hufig verwechselt. Es sind die Proleten
unserer Fischwelt, die nach Handwerksburschenmanier in zahlreichen
Trupps alle Wasserstraen bevlkern. Hierher gehren z. B. zwei durch
hbsch rote Flossenfarbe ausgezeichnete Fische, die _Pltze_
(_Leucscus rtilus_) und das _Rotauge_. Will man sie mit voller
Sicherheit bestimmen, so mu man schon zu den ein untrgliches
Unterscheidungsmerkmal abgebenden Schlundzhnen seine Zuflucht nehmen,
die bei der Pltze in einfacher Reihe stehen, links 6 oder 5, rechts
stets 5, whrend sie beim Rotauge in zwei Reihen zu 3 und 5 angeordnet
sind. Die Pltze ist wohl der gemeinste deutsche Fisch und wird deshalb
auch vielfach gefangen, obwohl ihr stark mit Grten durchsetztes Fleisch
eigentlich nicht viel wert ist. Immerhin gibt sie frisch noch einen
leidlichen Backfisch ab. Whrend sie bei uns kaum schwerer als 1-1/2
_kg_ wird, werden im Kaspischen Meere noch heute bisweilen wahre
Riesenpltzen gefangen. Beide Arten sind lebhafte und scheue, aber nicht
eben sonderlich kluge Grnweidefische und laichen unter vielem
Gepltscher gesellig, nachdem sie in dichtgedrngten Scharen hierzu
geeignete Pltze aufgesucht haben. Beim _Rotauge_ (_Leucscus
erythrophthlmus_), auch Rotfeder genannt, fllt auer dem roten Auge
namentlich die ungewhnlich harte und scharfe Beschuppung der
Bauchgegend auf. Der stark messingglnzende Fisch, der seine beiden
deutschen Namen vollauf rechtfertigt, ist eigentlich eine recht schne
Erscheinung und verdiente es, da ihm die Aquarianer grere Beachtung
als bisher zuwenden wrden. Zwischen beiden Arten kommen auch Mischlinge
vor, wie ja berhaupt bei dem geselligen Laichgeschft der Karpfenfische
oft genug ein zwar unbeabsichtigtes, aber fruchtbares Durcheinander
entsteht, das der systematischen Forschung schon manche Schwierigkeiten
in den Weg gestellt hat. Fr die Kche taugt das Rotauge noch weniger
als sein Vetter, und man verwertet sie deshalb am besten als
Schweinefutter. Wichtiger fr den menschlichen Haushalt ist der
hochgebaute _Blei_ oder Brassen (_Abramis brma_), da er ein Gewicht bis
zu 6 _kg_ erreicht und sein Fleisch zwar auch ziemlich grtig, aber doch
recht wohlschmeckend ist. Zur Laichzeit, bei der es sehr lebhaft zugeht,
die groen Fische oft weit aus dem Wasser herausspringen und sich auch
durch Beobachtung in unmittelbarer Nhe nicht stren lassen, nimmt der
Blei eine fast hochgelbe Farbe an, und die Mnnchen sehen infolge des
starken Hautausschlages wie zerkratzt und blutig zerschunden aus. Der
stattliche Fisch mit dem schiefgestellten Mund bewohnt grere Strme
und tiefere Seen mit lehmigem Grund, den er beim geselligen Grasen oft
derart aufwhlt, da er weithin das Wasser trbt. Bei dieser
schweineartigen Ttigkeit kommt ihm seine rsselfrmig ausgebildete
Schnauze sehr zustatten. Die _Blikke_ oder der Gster (_Blcca bjrkna_)
hat einen hnlich hochrckigen Leibesbau wie die Abramisarten, und ein
solcher darf in gewissem Sinne auch als eine Schutzmaregel gelten, da
die Raubfische sich nur ungern an so unbequem zu verschluckende Beute
machen. Der Name dieses Fisches drfte mit blinken zusammenhngen,
ebenso wie Pleinzen[2] mit blinzeln. Die hchstens 1 _kg_ schwer
werdende Blikke ist einer unserer gemeinsten Fische und bevorzugt
langsam flieendes Wasser mit sandigem Untergrund. Sonst scheu und
vorsichtig, gibt sie sich doch dem Laichgeschft im Sptfrhling mit so
rckhaltloser Inbrunst hin, da man sie dabei geradezu mit Hnden
greifen kann. Auch sie ist ein ausgesprochener Friedfisch, aber dabei so
gefrig, da sie sich leicht angeln lt, was allerdings ihres
schlechten und grtenreichen Fleisches halber kaum der Mhe verlohnt.
Als ein halber Raubfisch mu dagegen der schon durch sein groes Maul
gekennzeichnete _Rapfen_ (_Aspius spius_) bezeichnet werden. Den
kleinen Weifischen stellt er mit solcher Gier nach, da er dabei
fters versehentlich auf den Strand schiet und dann elend umkommen mu.
In stillen Nchten betreibt er seine Jagden mit weithin vernehmbarem
Gerusch, indem sowohl Verfolgte wie Verfolger dabei fters hoch aus dem
Wasser herausspringen. Trotzdem verrt der Rapfen immer eine gewisse
Ungeschicklichkeit in der Ausbung seines ruberischen Handwerks und
stt viel fters fehl als die echten Raubfische. Er ist ein
Oberflchenfisch und bewohnt am liebsten langsam flieendes, aber reines
Wasser. Da er 6 _kg_ schwer wird, knnte er fr die Kche eine Rolle
spielen, wenn sein an sich fettes und wohlschmeckendes Fleisch nicht so
grtig wre und beim Kochen nicht so leicht zerfiele. Wenn auch das
Fleisch des niedlichen _Uckelei_ (_Albrnus albrnus_) ganz hnliche
Eigenschaften aufweist und dieses glitzernde Fischchen schon wegen
seiner geringen Gre (es wird nur 15-20 _cm_ lang) noch weniger fr die
Kche in Betracht kommen kann, so beschftigt es doch in anderer
Beziehung eine ganze Industrie und wird deshalb in gewissen Gegenden
Norddeutschlands, so namentlich am Frischen Haff, whrend der
Wintermonate in groen Zugnetzen massenhaft gefangen. Aus seinen stark
silberglnzenden, gegen jede unsanfte Berhrung sehr empfindlichen
Schuppen, gewinnt man nmlich die sogenannte Perlenessenz (_Essence de
l'Orient_, deren Zusammensetzung und Herkunft frher ngstlich geheim
gehalten wurde und die von einem franzsischen Rosenkranzfabrikanten
entdeckt worden sein soll) zur Herstellung knstlicher Perlen. Die
gefangenen und ans Land gebrachten Fische werden sofort geschuppt, und
die gereinigten Schuppen in Kisten nach Paris oder Wien, neuerdings aber
auch vielfach nach Thringen verschickt. In der Fabrik werden die
Schuppen zunchst 24 Stunden lang in Salzwasser gewssert, mit leinenen
Lappen abgerieben, schwach gepret, fr ein Stndchen in Alkohol gebadet
und wieder getrocknet. Hierauf kommen sie in Ammoniak, in dem sich die
anderen Bestandteile leicht lsen, whrend die den herrlichen
Silberschimmer bedingenden Plttchen als kleine Kristalle sich am Boden
niederschlagen. Nach einigen Stunden kann die wsserige Lsung behutsam
abgegossen werden, und es bleibt nur ein silberiges, dickes l brig
-- die Perlenessenz. Sie wird in hohle und dann mit Wachs zu
verschlieende Glasperlen gefllt, die dadurch einen prachtvollen,
matten Perlenglanz erhalten. Die besten Sorten dieser knstlichen Perlen
sind den echten derart hnlich, da nur eine genaue Prfung durch einen
Sachverstndigen die Imitation nachzuweisen vermag. bermig billig
sind sie freilich auch nicht gerade, was erklrlich wird, wenn wir uns
vergegenwrtigen, da etwa 20000 Fischlein ntig sind, um nur 1/2 _kg_
Perlenessenz anzufertigen. Man gewinnt aus den Uckeleischuppen wie aus
denen verwandter Arten weiter auch noch die in der Malerei eine groe
Rolle spielende und ebenfalls teuer bezahlte Silbertinktur. Aber auch im
Leben ist der sich hauptschlich von Insekten und deren Larven
ernhrende Uckelei ein hchst anziehender und unterhaltender Fisch, der
sich dem am Fluufer lustwandelnden Spaziergnger mehr bemerkbar macht,
als irgendein anderer, da er hufig seinen silberglitzernden Leib aus
dem Wasser herausschnellt, um eine ber diesem tanzende Mcke oder
Eintagsfliege zu erhaschen, und da er sich berhaupt gewhnlich
scharenweise dicht unter der Oberflche herumtreibt und hier seine
lustigen Spiele vollfhrt, berhaupt viel Frohsinn und Lebenslust
bekundet, obgleich gerade er nicht nur den Raubfischen, sondern auch den
Wasservgeln besonders hufig zur Beute fllt. ngstliche Schchternheit
einerseits und eine unbezhmbare Neugier andrerseits sind seine
hervorstechendsten Charaktereigenschaften. Gleich dem Uckelei gehren
zur Gruppe der durch das schief nach oben gerichtete Maul
ausgezeichneten _Lauben_ noch die bei uns auf die klaren und tiefen
Gebirgsseen Oberbayerns beschrnkte _Mairenke_ (_Albrnus mnto_) und
die flieendes Wasser bevorzugende _Alandblecke_ (_Albrnus
bipuncttus_). Letztere heit im Volksmunde gewhnlich Schneider, da
ein zu beiden Seiten der Seitenlinie verlaufender Streifen schwarzer
Pigmentpunkte wie eine Naht aussieht. Im Aquarium gemachten
Beobachtungen zufolge soll sie eine Art Brutpflege ausben, indem eines
der Elterntiere den Laich bis kurz vor dem Ausschlpfen bewacht und
verteidigt und durch bestndiges Flossenfcheln mit frischem,
sauerstoffreichem Wasser umsplt. An der sonderbar knorpeligen Schnauze,
dem berragenden Oberkiefer und den harten, schneidenden Lippen ist die
hchstens 1/2 _m_ lang werdende _Nase_ (_Chondstroma nsus_) sofort von
anderen Swasserfischen zu unterscheiden. Auch biologisch hat sie
mancherlei Eigentmlichkeiten aufzuweisen. Ihre scharfen Kiefernrnder
dienen dazu, den Algenberzug von Steinen und dergleichen abzuweiden.
Charakteristisch fr sie ist, da sie sich im seichten Wasser gern um
sich selbst wlzt, so da fr Augenblicke die lichte Unterseite zum
Vorschein kommt. Zur Laichzeit gewinnt ihr dunkler Rcken ein streifiges
Ansehen, und an den Mundwinkeln zeigt sich ein lebhaftes Orangerot.

  [2] Es ist dies der _Zobel_ (_Abramis sha_) des Donaugebiets.

Auer der Verfrbung zum Hochzeitskleid tritt mit Beginn der
Laichfhigkeit bei vielen Fischen noch eine andere wunderbare
Erscheinung auf: ihre mehr oder minder mit dem Fortpflanzungsgeschft in
Zusammenhang stehenden, durch rcksichtslose Khnheit und erstaunliche
Zhigkeit ausgezeichneten _Wanderungen_, die an geheimnisvollen Rtseln
dem Vogelzug kaum nachstehen. Sehr oft sind ja die besten und sichersten
Nhrgrnde nicht auch zugleich zum Absetzen des Laiches geeignet, und
der Fisch ist deshalb gezwungen, eine weitgehende Ortsvernderung
vorzunehmen, wenn er sich seiner Brde entledigen und den Weiterbestand
seiner Art sicher stellen will. Hufig kommt es vor, da gewhnlich im
Meer lebende Fische zum Laichen hoch in die Flsse hinaufsteigen oder
umgekehrt das Swasser zum Laichen mit dem Meer vertauschen. Zu diesen
gehrt beispielsweise der Aal, zu jenen der Lachs. Wenn wir diese echten
Wanderer etwa mit den Zugvgeln vergleichen knnen, so gibt es
andrerseits auch noch eine Reihe beschrnkter Wanderer, die den
Strichvgeln entsprechen und nur im gleichen Stromsystem oder Meere hin
und her ziehen, wobei Wrme- und Ernhrungsverhltnisse, Salzgehalt des
Wassers und Laichgelegenheiten als die magebenden Faktoren anzusehen
sind. Hierher gehren z. B. von Swasserfischen die Forelle und von
Seefischen die Flunder, die zwar Hunderte von Kilometern weit reist,
nicht aber aus der Nordsee in die Ostsee zieht oder umgekehrt. Whrend
man frher sich um die Fischwanderungen wenig gekmmert hat, ist ihnen
in neuerer Zeit eine sehr eingehende und sorgfltige Beachtung
zugewendet worden, und zwar nicht nur aus rein wissenschaftlichen,
sondern namentlich auch aus praktischen und volkswirtschaftlichen
Grnden. Nirgends und zu keiner Zeit drngen sich ja die Fische in
solchen Massen zusammen wie auf ihren Wanderungen von und zu den
Laichpltzen, und niemals sind sie so mhelos und in so lohnender Menge
zu fangen wie bei solchen Gelegenheiten. Mit Sehnsucht warten ganze
Drfer und Stdte auf das seit Jahrhunderten gewohnte Erscheinen der
riesigen Fischheere, die reichen Verdienst mit sich bringen, und die
Trauer und die Enttuschung sind gro, wenn die geschuppten Geschwader
einmal aus irgendwelchen Grnden ausbleiben, denn das bedeutet Elend
und Verarmung. Da aber pltzliche Verlegungen der altbekannten
Heeresstraen gerade in den letzten Jahrzehnten fters vorgekommen sind
und dadurch mehrfach wirtschaftliche Katastrophen hervorgerufen wurden,
whrend andrerseits unvermutet unendliche Fischzge an ungewohnten
Pltzen erschienen, wo sie nicht gengend verwertet werden konnten, und
oft genug als Dung auf die Felder gefahren werden muten, so liegt es
auf der Hand, welch hohe praktische Bedeutung der Erforschung solcher
Erscheinungen und dem Studium der Fischwanderungen berhaupt zukommt. So
ist es zunchst sehr wichtig, zu wissen, was wohl die Fische auf ihren
Wanderungen leitet. Da man in wissenschaftlichen Kreisen dem
stumpfsinnigen Fisch irgendwelche an geistige Fhigkeiten anstreifende
Handlungsweise nicht zutraute, so sollte auch die Wanderung ein rein
reflektorischer Vorgang sein, der natrlich durch gewisse Reize
ausgelst werden mute. Man dachte da namentlich an die sogenannte
Phototaxis, d. h. an das Reagieren des Organismus gegen vernderte
Belichtungs- und Bestrahlungsverhltnisse. Nun hat aber jngst erst
Franz in einer Reihe sehr eingehender Studien nachgewiesen, da die
durch geknstelte Experimente gewonnene Vorstellung von der Phototaxis
lediglich ein reiner Laboratoriumsbegriff ist, wenigstens soweit die
Fische in Betracht kommen. Sie ist in Wirklichkeit nichts als ein unter
ungnstigen Daseinsvernderungen und insbesondere bei anscheinender
Gefahr ausgelster Fluchtreflex, der bei Oberflchenfischen sich als
positiv, bei Grundfischen dagegen als negativ erweisen wird, da
diese bei Bedrohung ja instinktmig ins Dunkel flchten. Will man von
dem durch den Wechsel zwischen Tag und Nacht bedingten Aufsteigen und
Niedersinken gewisser Meeresfische und ihrer Larven absehen, so gibt es
eine Phototaxis bei erwachsenen Fischen in freier Natur berhaupt nicht,
bei ihren Larven nur in ganz beschrnktem, kaum angedeutetem Umfang.
Deshalb kann die Phototaxis auch auf die Wanderungen der Fische nicht
den allergeringsten Einflu ausben, sondern es mssen andere Faktoren
zu ihrer Erklrung herangezogen werden. Einen solchen glaubt Franz
zunchst einmal in dem _Ortssinn_ und in dem _Ortsgedchtnis_ der Fische
gefunden zu haben, die er sorgsam auf ihre Leistungsfhigkeit hin
geprft und weit hher entwickelt gefunden hat, als sich dies unsere
Schulweisheit bisher trumen lie. Danach scheinen doch auch schon die
Fische teilweise wenigstens keine absoluten Reflexmaschinen mehr zu
sein, vielmehr bei ihnen schon wenigstens schchterne Anstze sich
geltend zu machen zum Verwerten erlebter Erfahrungen und zum Verknpfen
von Assoziationen, so sehr man sich andrerseits vor Vermenschlichungen
bei dieser immerhin tiefstehenden Tierklasse hten mu, deren
Lebensuerungen zumeist durch mehr oder minder verwickelte und sich
kreuzende Instinkte und Reflexe unschwer sich werden erklren lassen.
Wie immer dem sei, jedenfalls beweisen schon die einfachsten
Experimente, da die Fische tatschlich einigermaen gemachte
Erfahrungen zu ihrem Besten zu verwerten wissen. So stutzten Barsche,
denen man als Futterfische Sardinen gab, als man einige derselben rot
frbte, machten aber schlielich einen Versuch und verzehrten dann
gefrbte und ungefrbte ohne Unterschied. hnlich ging es, als man noch
einige blau gefrbte Sardinen dazu setzte. Als dann aber kleine Stcke
von Seenesseln an den blauen Sardinen befestigt wurden und die Barsche
sich beim Zugreifen tchtig stachen, fuhren sie erschrocken zurck und
mieden von da ab die blauen Sardinen. Freilich hielt in diesem Falle ihr
Gedchtnis nur bis zum nchsten Tage vor; dann scheinen aber die
Barsche besonders vergeliche Bursche zu sein, denn vom Karpfen
ist nachgewiesen, da er mindestens vier Monate lang fr
rtlichkeitsverhltnisse Gedchtnis hat, und bei anderen Fischen verhlt
es sich hnlich. Dieser Auffassung steht nun allerdings die Tatsache
entgegen, da geangelte und dabei entkommene oder wieder ausgesetzte
Fische oft schon nach kurzer Zeit sich zum zweiten oder dritten Male
fangen lassen, also die gemachte bse Erfahrung anscheinend sehr rasch
vergessen haben. Hierbei ist aber zu bercksichtigen, da einerseits die
dem Fische beim Angeln zugefgte Schmerzempfindung aller
Wahrscheinlichkeit nach eine nach menschlichem Mastabe berraschend
geringe, und da andrerseits der Zuschnappreflex, wenn der Ausdruck
statthaft ist, ein sehr stark entwickelter ist und eben in solchen
Fllen den Sieg ber die geringe Lernfhigkeit davontrgt. Edinger kommt
auf Grund umfassender Untersuchungen geradezu zu dem Schlusse, da der
Fisch nicht zubeit, weil er zubeien will, sondern weil er zubeien
mu. Er schaltet also einen selbstndigen Willen des Tieres dabei
vollstndig aus, und die praktischen Erfahrungen der Angler, die in
England das Sprichwort haben Wenn du der Forelle die rechte Fliege zur
rechten Zeit gibst, fngst du sie sicher, scheinen ihm darin nicht
unrecht zu geben. Edinger glaubt demnach, da infolge sich gegenseitig
auslsender Reflexe ein hungriger Fisch unter bestimmten Umstnden
anbeien _mu_, wenn die Nahrung ihm genau in der Weise zukommt, wie die
naturgeme, und strende Nebenumstnde (Sichtbarkeit der Schnur,
Schatten des Anglers usw.) vermieden werden. Die ganze Geschicklichkeit
des Anglers bestehe deshalb lediglich darin, diesen richtigen Augenblick
ausfindig zu machen. brigens gehen intelligentere Fische wie der Schill
doch nicht leicht zum zweiten Male an die Angel, wenn sie schwer gereizt
wurden. Wenn nun auch die Lernfhigkeit der Fische jedenfalls nur eine
geringe ist, so ist das Ortsgedchtnis doch in nicht unerheblichem, wenn
auch sehr verschieden hohem Grade vorhanden, und am besten ist es
jedenfalls bei den Wanderfischen entwickelt. So hat man festgestellt,
da zwar Stichlinge ihr Nest nur auf 10 m Entfernung wieder fanden,
Forellen dagegen trotz zwischengelegter Hindernisse aus 6 km Entfernung
zu ihrem Standplatze zurckfanden. Ein derart gutes Ortsgedchtnis mu
den Fischen natrlich auch auf ihren Wanderungen in hohem Mae zustatten
kommen, und man knnte sich auch recht wohl vorstellen, da die Kenntnis
bestimmter Heeresstraen sich hnlich wie bei den Vgeln durch Tausende
von Generationen vererbt habe, dadurch fixiert und zu einem bloen
Instinkt geworden sei. Aber dann hat ja der Fisch auch noch eine
Seitenlinie, die ihn so genau ber den jeweiligen Verlauf der Strmung
unterrichtet, und es mu deshalb fr ihn eine Kleinigkeit sein, sich in
Strmen oder Flssen zurechtzufinden, sei es nun, da er abwrts ins
Meer oder aufwrts ins Quellgebiet zu gelangen wnscht. Diese Faktoren
reichen also wohl aus, um reine Swasserwanderungen zu erklren, aber
ganz anders und viel geheimnisvoller gestaltet sich das Bild, wenn wir
etwa an die Einwanderung der jungen Aale aus dem Meere in die Strme
denken. Man denke sich diese Fischchen, die noch nie eine Reise gemacht
haben, in der unendlich einfrmigen, in ewige Finsternis gehllten
Wassermasse, wo das Fischauge keine festen Anhaltspunkte gewinnen kann,
sondern eine unbestimmte nebelige Ferne vor sich hat. Hier kann
natrlich von irgendwelchem Ortsgedchtnis keine Rede sein. Franz ist
der Meinung, da es der abweichende Salzgehalt der verschiedenen
Wasserschichten und Meeresteile ist, der den Tieren als Fhrer aus
dieser Wstenei dient. Wasserschichten verschiedenen Salzgehalts zeigen
ja auch abweichende Temperaturen, und diese wiederum zeitigen
Strmungserscheinungen. Freilich werden solche ganz gering sein und erst
nach Zurcklegung weiterer Strecken sich deutlich bemerkbar machen, aber
es ist wohl mit Recht anzunehmen, da die gesteigerte nervse
Erregbarkeit der Fische zur Brunst- oder Wanderungszeit auch die
Feinfhligkeit ihrer Sinnesorgane und namentlich der Seitenlinie erhht.
Und so liee sich auch hier schlielich folgern, da die Wanderung der
Meeresfische mehr eine Art Zwangsbewegung darstellt. Vielleicht bringen
die Markierungsversuche, die seit einigen Jahren von zahlreichen
biologischen Stationen gemacht werden, allmhlich mehr Licht in diese
einstweilen noch ziemlich dunkle Seite des Fischlebens.

  [Illustration: Aal. (Nach einer Aufnahme von Jacques Boyer.)]

  [Illustration: Die Entwicklung des Aales. (Nach Grassi u.
  Calandruiccio.)]

Betrachten wir nun zunchst einmal als Beispiel fr die ersterwhnte Art
der Wanderung den _Aal_ (_Angulla vulgris_), bei dem ja gerade
seine ausgedehnten Reisen sein ganzes Leben mit einem schier
undurchdringlichen Schleier des Rtselhaften und Geheimnisvollen umhllt
haben, den zu lften emsiger Forschung erst in jngster Zeit gelungen
ist. Fortpflanzung und Wanderung sind hier nicht nur in der innigsten,
sondern auch in der seltsamsten Weise miteinander verknpft. Lange
tappte man diesbezglich im dunkeln und erzhlte sich mehr oder minder
unsinnige Mrchen nach, und da die Forschung das groe Aalproblem jetzt
in seinen Hauptzgen, wenn freilich auch noch lange nicht erschpfend
gelst hat, darf als einer der glnzendsten Triumphe der biologischen
Wissenschaft angesehen werden. Viel hat zu der jahrhundertelangen
Verwirrung der Umstand beigetragen, da es lange nicht gelingen wollte,
Geschlechtsorgane bei unseren Swasseraalen aufzufinden, so unzhlige
man auch dieserhalb untersuchte. Da kann es nicht Wunder nehmen, da das
uralte Mrchen von der Urzeugung gerade beim Aal berraschend lange in
Geltung blieb, um spter durch die ebenso falsche Auffassung abgelst zu
werden, da der Aal lebendige Junge gebre. Wahrscheinlich wurde sie
hervorgerufen durch die Auffindung von massenhaft im Leibe des Aals
schmarotzenden Spulwrmern (Ascaris), die bei oberflchlicher
Betrachtung wohl als Jungaale gelten konnten. Noch in den 70er Jahren
ist ein strebsamer Naturgeschichtsprofessor auf eine ihm von einem
Fischer gebrachte Aalmutter hereingefallen (es ist dies ein ganz
anderer Fisch, _Zoarces vivipara_, der schon seit Jahrhunderten als
lebendig gebrend bekannt ist) und hat einen sehr langen, sehr
gelehrten und schn illustrierten Aufsatz darber in der Gartenlaube
verffentlicht, um dadurch das Lebendgebren beim Aale zu beweisen. Auch
ber einen vermutlichen Generationswechsel bei diesem merkwrdigen
Fische hat man viel gefabelt. In Wirklichkeit verhlt sich aber die
Sache so, da alle in unseren Swassern lebenden Aale berhaupt noch
nicht geschlechtsreif sind. Denn als man endlich mit Hilfe der
gesteigerten Mikroskoptechnik die Geschlechtsorgane auffand, die in
Fettmassen verborgen liegen, da stellte es sich heraus, da sie noch
vllig unentwickelt waren. Hatten doch die Eier in den weiblichen
Geschlechtsteilen kaum einen Durchmesser von 0,1 _mm_, waren also mit
bloem Auge gar nicht sichtbar. Da man schon lngst wute, da ein Teil
unserer Aale im Herbst ins Meer wandert, lag die Folgerung nahe, da die
Tiere erst dort ihre volle Geschlechtsreife erlangen und zum Laichen
schreiten. Von da an befand sich die Forschung auf dem richtigen Weg,
und es ist namentlich das Verdienst des Italieners Grassi und des Dnen
Schmidt, da heute das Aalproblem den Nimbus des Unerklrlichen verloren
hat. Weitere Untersuchungen haben gezeigt, da fast alle die groen Aale
unserer Binnengewsser Weibchen, also Aaljungfern sind und sich durch
silbergrauen Bauch auszeichnen, whrend die viel kleineren, gelb- oder
braunbuchigen Aale an den Strommndungen und Haffen fast nur aus
Mnnchen bestehen. Im Alter von 3-7 Jahren -- je nach dem
Ernhrungszustand -- wird die Aaljungfrau, deren ganzes Dasein bis dahin
lediglich aus Fressen und Schlafen bestand, von einer unberwindlichen
Sehnsucht nach dem fernen Meere gepackt, in dessen tiefsten Grnden
einst ihre Kinderwiege stand. Sie begibt sich auf die Reise und findet
unterwegs eine sich stndig vermehrende Zahl von Gefhrtinnen, die die
gleiche Sehnsucht vorwrts treibt. Die Wanderung vollzieht sich
namentlich in recht dunklen, strmischen und unfreundlichen Nchten, in
denen etwa je 15 _km_ zurckgelegt werden, wird aber fters durch Rast-
und Erholungstage unterbrochen, so da es geraume Zeit dauert, bis man
am Ziele angelangt ist. Unzhlige gehen unterwegs an der Tcke des
Menschen oder an anderen Unbilden zugrunde, aber dafr treffen die
berlebenden in den Strommndungen mit den Mnnchen zusammen, so da nun
beide Geschlechter in traulichem Verein die Reise fortsetzen knnen, die
noch gar weit ins Innere des Weltenmeeres hineinfhrt. Inzwischen haben
die Eierchen, deren jedes Weibchen 1 bis 1-1/2 Millionen bergen soll,
schon um das 2 bis 2-1/2fache an Gre zugenommen, aber erst durch die
Berhrung mit dem fruchtbringenden Meer entwickeln sich nun beider
Geschlechter Organe zu derjenigen Vollkommenheit, die zur Ausbung des
Laichaktes notwendig ist. Gleichzeitig wird der Aal zum Tiefseefisch,
von Farbe dunkler und metallglnzend, mit spitzerem Kopf und weit
greren, 1 _cm_ im Durchmesser haltenden Augen. An seine Laichpltze
stellt er ganz besondere, sehr spezifizierte Forderungen. Sie sollen in
ungefhr 1000 _m_ Meerestiefe liegen, einen Salzgehalt von 3,52 Proz.
und eine Durchschnittstemperatur von etwa 9 haben, was bei solch
erheblicher Meerestiefe von vornherein nur in der Nhe des wrmenden
Golfstroms mglich ist. Der Aal findet derartige Pltze erst weit
drauen im offenen Atlantik, in einem halbmondfrmigen Gebiet, das sich
von den Farern zur Kste Spaniens erstreckt. Hier wird also Hochzeit
gefeiert in fr das menschliche Auge undurchdringlichen Tiefen: die
Binnengewsser sind des jungen Aales Tummelplatz, die Meerfahrt ist
seine Brautfahrt, die Tiefe des Atlantik sein Hochzeitsbette und
wahrscheinlich auch sein Grab. Wenigstens hat man keinen der so
strmisch zu den Freuden der Minne nach dem Meere strebenden Aale jemals
wieder in die Strme zurckkehren sehen. Vielleicht fhren sie nach der
Laichzeit noch ein unbeachtetes Dasein im grenzenlosen Ozean,
wahrscheinlicher aber gehren sie zum Stamme jener Asra, die da
sterben, wenn sie lieben, hnlich wie die Neunaugen, deren Lebenslauf
ja berhaupt manche hnlichkeit mit dem des Aales aufweist. Ihr Dasein
hat ja auch keinen rechten Zweck mehr, denn fr die Erhaltung ihrer Art
haben sie berreichlich gesorgt. Die Myriaden kleiner Krebstierchen in
der Tiefsee werden sich gierig ber die Leichname herstrzen und diese
nicht nur grndlich, sondern auch so rasch vertilgen, da sie erst gar
keine Zeit haben, durch Leichengase aufzuschwellen und an die Oberflche
emporzukommen. Da sich also die wichtigsten Lebensvorgnge des Aales im
Meere abspielen, mu er unbedingt als ein Meeresfisch bezeichnet werden,
der erst in zweiter Linie und nebenbei auch zum Swasserbewohner
geworden ist. Beim Lachs verhlt es sich gerade umgekehrt. Auch die
abgelegten, auffllig kleinen Eier bleiben in der Tiefe, da ihnen ein
flottierendes Element in Gestalt von beigegebenen ltrpfchen, wie es
viele andre Fischeier haben, fehlt, und dies ist ein Grund mehr dafr,
da sie so schwer und so selten aufgefunden werden. Ihnen entschlpfen
nun aber keineswegs fertige Jungaale, sondern gar seltsame Wesen, die
eine Larvenform darstellen und wenigstens uerlich so stark vom
Aaltypus abweichen, da man sie frher unter dem Namen Leptocphalus
brevirstris als eine eigene Art beschrieb, ohne ihren nahen
Zusammenhang mit der hei umstrittenen Fortpflanzungsgeschichte des
Aales zu ahnen. Diese Wesen sind 6-8 _cm_ lang, haben die flache Form
eines Weidenblatts, dazu einen winzigen Kopf und eine kleine
Schwanzflosse und bestehen im brigen fast ganz aus mchtigen
Muskelzgen. Ihr Blut ist farblos, das ganze Geschpf wasserhell und
durchsichtig wie Glas, so da man durch seinen Leib hindurch sogar lesen
kann. Die Tierchen kommen spter bei Nacht an die Oberflche des Meeres,
whrend sie sich bei Tage in Tiefen von 100-150 _m_ aufhalten.
Allmhlich wandeln sie sich zum Aal, wobei verschiedene Zwischenstadien
durchlaufen werden. Der Leib wird dicker und runder, die Flossen bilden
sich aus, und schlielich ist ein Geschpf von echtem Aaltypus fertig,
das aber etwas krzer erscheint als die Larve (da diese zuletzt keine
Nahrung zu sich nimmt) und zunchst auch noch glashell ist. Diese
Glasaale begeben sich nun auf die Wanderschaft und suchen in dicht
gedrngten Zgen Strommndungen zu erreichen. Zu Milliarden finden sie
sich an geeigneten Pltzen ein, eine Erscheinung, die die Franzosen als
_monte_, die Italiener als _montada_ bezeichnen. Der Bristolkanal,
der rmelkanal und der Busen von Biskaya sind ihre bevorzugten
Einfallspforten. Wie riesenhafte Schlangen von 1-3 _m_ Breite und
entsprechender Dicke wlzen sich diese Zge dicht an den Ufern der
Strme entlang, getreulich alle Windungen und Krmmungen des Flubettes
mitmachend. Hier machen sie zum ersten Male unwillkommene Bekanntschaft
mit dem Menschen, der nur mit dem Ktscher aus diesem lebenden Strome zu
schpfen braucht, um Millionen junger Fischleben zu vernichten und sich
selbst einen flchtigen Gaumenkitzel zu bereiten, indem er die zarten
Dinger mit Eiern zu recht wohlschmeckenden Omeletten verbckt. Von der
fabelhaften Menge, in der die Glasaale bei solchen Gelegenheiten
auftreten, kann man sich einen ungefhren Begriff machen, wenn man hrt,
da z. B. im Severnflu pro Fischer und Nacht nicht selten 500 Pfund
und mehr gefangen werden, wobei man etwa 1000 Jungaale auf das Pfund
rechnen kann. Die Tierchen haben sich whrend der langen Reise auch
schon etwas weiter entwickelt und sind jetzt namentlich strker
pigmentiert, und bald nach dem Eintritt in die Flsse schwindet die
Glasfarbe ganz. Der Entwicklungszustand, in dem die ihren Namen jetzt
kaum noch verdienenden Glasaale in die Flsse eintreten, ist naturgem
ein sehr verschiedener, je nach der Entfernung, die sie vom
Geburtsplatze aus bis dahin zurcklegen muten und je nach der darber
vergangenen Zeit. Die zur Ostsee und deren Zuflssen wandernden Jungaale
sind naturgem schon sehr viel weiter in ihrer Entwicklung
vorgeschritten. Meist treffen die Jungaale im Frhjahr an den Ksten
ein, nachdem ihre Verwandlung aus dem _Leptocphalus_ zum Glasaal etwa
ein Jahr beansprucht hat. Die groe Mehrzahl der Mnnchen bleibt in den
Brackwssern und Strommndungen zurck, whrend die Weibchen weiter
ziehen. Vielleicht verhlt sich die Sache aber auch so, da die
Geschlechter bei den Glasaalen berhaupt noch nicht differenziert sind,
sondern sich erst infolge der verschiedenen Ernhrungsverhltnisse
spter herausbilden, wonach also die greren Weibchen auf bessere
Nahrungsverhltnisse hindeuten wrden. In den Flssen strebt die ganze
Masse geschlossen vorwrts, aber bei jedem einmndenden Nebengewsser
zweigt sich ein Teil ab, so da die Hauptschar immer geringer wird und
schlielich das ganze Heer sich verteilt wie der Blutstrom in den Adern
eines Krpers. Entgegenstehende Hindernisse in Form von Wasserfllen
oder Wehren berwinden die kaum bindfadendicken, schwchlichen Fischchen
mit staunenswerter Rcksichtslosigkeit und Tatkraft. Mgen Tausende und
Zehntausende dabei zugrunde gehen -- ihre feuchten und schlpfrigen
Leiber bilden dafr die Brcke, die den andern den bergang ermglicht.
Selbst der gewaltige Rheinfall von Schaffhausen, den die muskelstarken
Lachse nicht zu nehmen vermgen, wird von diesen zhen Fischchen
berwunden, und so erklrt es sich, da auch im Bodensee Aale vorkommen.
Da die Anwohner der Flsse und Binnenseen die Einwanderung der
geschtzten Fische natrlich sehr gern sehen, bemht man sich vielfach,
den Aalen entgegenzukommen und ihnen den Aufstieg ber schwer zu
berwindende Hindernisse zu erleichtern, indem man sogenannte Aalleitern
anbringt. Es sind dies im Zickzack verlaufende, feucht zu haltende
Holzrinnen, die durch Moos- oder Sandbelag Halt gewhren, oft auch mit
Rippen und Querwnden versehen sind. Auf diese Weise hat man es den
Aalen z. B. neuerdings mglich gemacht, die groen schwedischen Gewsser
oberhalb der Trollhttaflle zu besiedeln, ber die sie frher nicht
hinwegzukommen vermochten. In besonders raffinierter und geschickter
Weise aber haben schon seit alten Zeiten italienische Fischer in dem im
sdlichen Podelta gelegenen Lagunenstdtchen Comacchio die eigenartige
Naturgeschichte des Aales praktisch zu nutzen verstanden, sozusagen
instinktiv, ohne doch jene zu kennen. Man hat dort in den ausgedehnten
Lagunen ein groartiges System von Schleusen und Kanlen angelegt,
derart, da die eintretende _montada_ durch Beeinflussung mit Licht
usw. in die Becken gelockt wird, worauf man den Rckweg absperrt. Die
jungen Aale entwickeln sich nun unter sorgfltiger Hege whrend der
nchsten Jahre, aber wenn sie dann der Wandertrieb ergreift und sie zum
Meere herabziehen wollen, geraten sie in die Sammelbecken, wo sie
herausgenommen und geschlachtet werden. 500 Beamte beansprucht die
Verwaltung dieses berhmten Aalstaates von Comacchio, liefert dafr aber
auch jahraus jahrein durchschnittlich 5 Millionen Pfund vorzglichsten
Aalfleisches. Nicht nur die italienischen Grostdte werden von hier aus
versorgt, sondern ein guter Teil der gefangenen Aale wandert sogar in
die Ruchereien Norddeutschlands. Denn hier wird der schmackhafte Fisch
leider immer seltener, besonders im Ostseegebiet, was ja erklrlich
erscheint, wenn man bercksichtigt, welch unzhlige Fhrlichkeiten die
vielverfolgten Aale auf den weiten Reisen von und nach den entlegenen
Brutpltzen zu bestehen haben. berdies ist man gerade in Westpreuen
vielfach so tricht gewesen, die Abflsse der Seen durch Dmme zu
sperren und so den Aalen die Rckwanderung unmglich zu machen, und sie
sind dann dort natrlich ausgestorben. Unter diesen Umstnden ist es mit
groer Freude zu begren, da die preuische Regierung neuerdings
Millionen von Glasaalen aus dem Bristolkanal lebend nach norddeutschen
Gewssern berfhren lie, wobei freilich anfangs tchtig Lehrgeld
gezhlt werden mute. Nach all dem Gesagten ist es wohl klar, da
eingeborene Aale nur in solchen Gewssern vorkommen knnen, die in einer
wenn auch noch so weitlufigen und verzweigten Verbindung mit dem Meere
stehen. Der oft gehrte Einwand, da auch in vllig abgeschlossenen
Teichen Aale gefunden wurden, lt sich leicht entkrften durch die
Erfahrungstatsache, da hufig junge Fischchen durch Wasservgel im
Gefieder oder an den Rudern in fremde Gewsser verschleppt werden. Sie
mssen dort aber ebenso wie knstlicher Einsatz wieder aussterben, falls
nicht rechtzeitig fr frische Zufuhr gesorgt wird. Die in solchen
Gewssern eingesperrten oder auf der Reise verirrten Aale werden
schlielich zu alten Jungfern mit verkmmerten Geschlechtsorganen,
erreichen dafr aber eine riesenhafte Gre und ein Gewicht von 15 und
mehr Kilogramm, whrend es sonst bei 3/4-1-1/2 _m_ Krperlnge nicht
leicht ber 5 _kg_ betrgt und die Mnnchen kaum lnger als 45 _cm_
werden, also fr Kchenzwecke wenig in Betracht kommen. Das weie
Fleisch des Aals ist zwar nicht leicht verdaulich, aber sehr fett und
uerst wohlschmeckend, und wird sowohl in frischem Zustande wie
geruchert oder mariniert allenthalben hoch geschtzt. An seinen
Wohnpltzen im Binnenlande fhrt der Aal ein recht beschauliches Leben
und nimmt bei seiner Gefrigkeit rasch zu. Am liebsten sind ihm etwas
tiefere Gewsser mit weichem Untergrund, in den er sich bei Tage tief
einwhlt. Doch kommt er auch an allen mglichen anderen rtlichkeiten
vor. So fand ich ihn auf Teneriffa in ganz kleinen Rinnsalen zwischen
felsigem Gestein, wo man ihn mit der Hand greifen konnte, nachdem der
Hund sein Versteck gemeldet hatte. Auch am Bristolkanal jagt man bei
Ebbe die im Meeresschlick zurckbleibenden Aale mit Hilfe von besonders
darauf dressierten Terriers. Bei uns ist die blichste und ergiebigste
Fangart fr Aale diejenige mit Reusen. Der Aal ist ein ausgesprochenes
Nachttier, verlt also erst mit Einbruch der Dunkelheit seinen
Schlupfwinkel, um Nahrung aufzusuchen. Wegen seines kleinen Maules kann
er zwar groe Bissen nicht bewltigen, hlt sich aber dafr durch die
Menge des Verzehrten schadlos. Auf Fischlaich ist er sehr erpicht und
pfropft sich damit, wenn er ihn haben kann, bis zum Platzen voll, ist
deshalb in Zuchtteichen ein sehr ungern gesehener Gast. Ebenso haben die
frisch gehuteten, also weichen Krebse in ihm einen bsen Feind, und er
vermag die schmackhaften Kruster durch fortgesetzte Verfolgung noch
grndlicher auszurotten als die gefrchtete Krebspest, zumal er sich mit
seinem geschmeidigen Schlangenleib durch unglaublich enge Spalten und
Ritzen hindurchzuzwngen, ja gewissermaen hindurchzubohren vermag.
Seine ungemein schlpfrige und schleimige Haut, in der die kleinen
Schuppen ganz versteckt sitzen, und die ihm bei Gefahr manchmal das
Leben retten mag, kommt ihm dabei auch sehr zustatten. Da er eine
erstaunliche Lebenszhigkeit besitzt, hat wohl schon jede Kchin zu
ihrem Leidwesen erfahren. Recht gern geht er auch an Aas. Immer und
immer wieder liest oder hrt man, da die Aale in feuchten Nchten
Spaziergnge auf die den Teichen benachbarten Felder unternehmen sollen,
um sich an den Erbsen gtlich zu tun. Die moderne Wissenschaft erklrt
das kurzweg fr ein Mrchen, aber es ist insofern etwas Richtiges daran,
als der Aal in der Tat infolge besonderer Schutzvorrichtungen an den
Kiemen (sie stehen nur durch 1-2 schmale Seitenspalten mit der Auenwelt
in Verbindung, sind also nicht so leicht dem Austrocknen preisgegeben)
ziemlich lange auerhalb des Wassers auszuhalten vermag, und dieses auch
manchmal freiwillig verlt, wenn ihm der Aufenthalt in dem feuchten
Elemente aus irgendwelchen Grnden ungemtlich wird. Dies ist z. B. bei
elektrischen Entladungen der Fall, gegen die alle niedrig stehenden
Fische eine auerordentlich groe Empfindlichkeit an den Tag legen.
Merkwrdig ist weiter die groe Lichtscheu des Aales. Durch grelle
Beleuchtung kann man ihn an jeden beliebigen Platz scheuchen, und
hierauf beruht auch der Vorschlag des genannten dnischen Forschers
Schmidt, alle zum Meer wandernden Aale in den Ostseelndern mit Hilfe
von Scheinwerfern abzufangen und dafr alljhrlich frische Glasaale
einzusetzen, ein Vorschlag, der glcklicherweise selbst der beteiligten
Fischereibevlkerung zu radikal erschienen ist. Interessant wie alles am
Aale ist endlich auch noch seine Verbreitung. Sie ist eine sehr groe,
aber in allen zum Kaspi oder zum Schwarzen Meere abwlzenden
Stromsystemen (Donau!) fehlt er vllig. Es ist das auch ohne weiteres
erklrlich, da der isolierte Kaspi viel zu seicht ist, als da er den
Aalen geeignete Laichpltze bieten knnte, und da das Schwarze Meer
schon in einer Tiefe von 2-300 _m_ derart mit Schwefelwasserstoffgas
gesttigt ist, da die Larven darin gar nicht zu leben vermchten.
Allerdings hat man Jungaale mit Erfolg in der Donau eingebrgert, und es
mgen auch einige durch die knstlichen Wasserstraen vom Maingebiet her
einwandern oder vom Mittellndischen Meere aus durch den Bosporus in die
Donaumndung gelangen.

  [Illustration: Kopf eines Rheinlachses mit schwach ausgebildeten
  Haken. (Naturaufnahme von _Dr._ E. Bade.)]

Ein gutes Gegenstck zum Aale in bezug auf Wanderung und Laichgeschft
ist der gleichfalls so hoch geschtzte _Lachs_ (_Slmo slar_). Wenn im
zeitigen Frhjahr unsere Ksten eisfrei werden, erscheinen daselbst aus
tieferen und mehr nrdlich gelegenen Meeresteilen fortpflanzungsfhige
Lachse in Trupps zu 30-40 und halten sich zunchst noch lngere Zeit an
den Strommndungen und in den Haffen, berhaupt mglichst im Brackwasser
auf, um sich an den bergang aus dem Salz- ins Swasser allmhlich zu
gewhnen, da ein zu pltzlicher Wechsel ihrem Organismus nicht
zutrglich ist, vielmehr oft ihren Tod zur Folge hat, wie auch durch
Versuche nachgewiesen wurde. Nach dieser bergangszeit aber steigen sie
in den Flssen selbst aufwrts als wohlgenhrte, kraftstrotzende und
lebensfrohe Tiere mit schiefergrauem Rcken, silberigen Seiten und wei
schimmerndem Bauch. In diesem Zustande heien sie bei den Fischern Salme
und werden besonders geschtzt, deshalb auch eifrig weggefangen. Manche
bleiben auch ein ganzes Jahr im unteren Teil der Strme, berspringen
also eine Laichperiode und bekommen dann als sogenannte Winterlachse ein
besonders zartes, schn rot gefrbtes Fleisch. Die groe Mehrzahl aber
wandert gleich weiter und legt nun unterwegs das Hochzeitskleid an, das
bei ganz alten Milchnern in den herrlichsten Farben prangt: der Rcken
wird tief schwarz mit Sammetglanz, die Flanken erscheinen berst mit
lose hingetupften, brennendroten, bisweilen zu Zickzacklinien
verflieenden Flecken, der Bauch prangt in lebhaftem Orangerot, ber die
Seiten huschen grnliche Lichter, und die Flossen werden teilweise
wunderbar chromgelb. brigens ndert die Gesamtfrbung bei allen
lachsartigen Fischen ganz auerordentlich ab, wodurch ihre genaue
Beschreibung sehr erschwert wird und dem Systematiker viele
Verdrielichkeiten erwachsen, zumal auch schon in freier Natur
zahlreiche Verbastardierungen vorkommen, so da bezglich einer strengen
Scheidung der einzelnen Arten auch heute noch vielfach Unklarheiten
herrschen. Alter, Geschlecht, Jahreszeit, Ernhrungsverhltnisse, Klima,
Beschaffenheit des Wassers und des Untergrundes scheinen die dabei
magebenden Faktoren zu sein. Selbst Skelett, Flossenstrahlen und
Bezahnung, also Krperteile, die bei anderen Fischen als unverrckbar
feststehend gelten, und deshalb sichere Artkennzeichen abgeben, sind
mannigfachen Vernderungen unterworfen. Gleichzeitig mit dem Auftreten
der prangenden Hochzeitsfarben verdickt sich beim mnnlichen Lachse die
Oberkopf- und Nackenhaut schwartenartig, so da die kleinen Schuppen
vllig darin verschwinden, die Schnauze streckt sich, und der
Unterkiefer wchst sich zu einem eberzahnartig nach oben gebogenen Haken
aus, der 6 _cm_ lang werden und dann das Schlieen des Maules unmglich
machen kann (Hakenlachs). Die bedeutsamsten Vernderungen gehen aber im
Inneren des Krpers selbst vor, indem nach und nach die
Geschlechtsorgane zu einer fabelhaften Mchtigkeit entwickelt werden.
Machten sie vorher nur 1/2 Proz. des Krpergewichtes aus, so jetzt 25
Proz. und mehr! Diese einseitige Bereicherung erfolgt ganz auf Kosten
der feisten Rumpf- und namentlich Seitenmuskulatur, die frmlich
zusammenschrumpft, und so wird aus dem wohlgenhrten Salm in kurzer Zeit
ein zwar bunter, aber klapperdrrer Geselle. Whrend bisher die Reise
nur langsam und zgernd, im gemchlichen Bummeltempo vor sich ging,
ergreift nun die von reifen Geschlechtsprodukten strotzenden Fische ein
schier unbndiger Wandertrieb, der sie alle Hindernisse berwinden und
rcksichtslos das Leben aufs Spiel setzen lt, um das Ziel ihrer
Sehnsucht baldmglichst zu erreichen. Zur leichteren berwindung des
Wasserwiderstandes ordnen sie sich wie Kraniche oder Wildgnse zu
keilfrmigem Zuge, wobei das lteste und strkste Exemplar die Spitze
nimmt. Stellt sich ein Wehr oder Wasserfall entgegen, so schwimmen die
Fische bis unmittelbar an seinen Fu heran, sttzen sich mit der
Schwanzflosse auf einen Stein und schnellen sich dann durch einen
gewaltigen Muskeldruck mit halbmondfrmig gekrmmtem Krper aus dem
Wasser heraus und ber das Hindernis hinweg, wobei sie Sprnge von 3-4
_m_ Hhe und 5-6 _m_ Weite im Bogen vollfhren. Milingt der erste, so
wird er unzhlige Male wiederholt, bis das Wagnis endlich doch glckt
oder der Lachs mit zerschundenem Leibe sterbend auf dem trockenen Felsen
liegt. Nur sehr bedeutende Wasserflle, wie der Schaffhausener, knnen
vom Lachse nicht berwunden werden, der deshalb auch dem Bodensee fehlt.
Das Allermerkwrdigste bei dieser harten und entbehrungsreichen
Brautfahrt ist aber der Umstand, da die Lachse whrend ihrer ganzen,
sich ber 4-6, ja selbst 10-12 Monate erstreckenden Dauer anscheinend
keinerlei Nahrung zu sich nehmen, sich also frmlich als Hungerknstler
produzieren. Wenigstens hat man in ihrem Leibe noch niemals
Nahrungsreste irgendwelcher Art gefunden, vielmehr die Beobachtung
gemacht, da Magen und Darm eintrocknen, keine Ausscheidungen mehr
liefern und selbst das Gebi durch Nichtgebrauch verkmmert. Und da
Lachse tatschlich ein volles Jahr zu fasten vermgen, beweist ein von
Paton 12 Monate lang gefangen gehaltenes, nur 5pfndiges Exemplar, das
in dieser Zeit niemals gefttert, wohl aber zweimal zum Befruchten von
Rogen abgestrichen wurde. Unser Wanderfisch ohnegleichen, der sich allen
Hindernissen zum Trotz im Kampf gegen Wehre, Schleusen und
Stromschnellen den Weg vom Meer zum Fels bahnt, ist also auch ein
Hungerknstler, der Succi und Genossen weit bertrifft. Es handelt sich
hier um eines der grten und interessantesten Fastenexperimente, das
die Physiologie kennt. Bis in die kleinsten Gebirgsbche hinauf wird die
Reise ausgedehnt, und nicht selten erreicht der Lachs dabei Meereshhen
von 1000 _m_ und mehr. Wo reines, sauerstoffreiches Wasser flach ber
kiesigen Untergrund strmt, da erscheint den weitgereisten Wanderern
endlich die Gelegenheit gnstig, sich ihrer sie belastenden
Geschlechtsprodukte zu entledigen. In der Regel steht ein Rogner mit
einem alten und mehreren jungen Milchnern zusammen. Durch energisches
Fegen mit der Schwanzflosse schafft sich das Weibchen eine Laichgrube
und setzt in diese nach und nach seine 10-30000 rotbraunen Eier ab, die
von dem daneben liegenden oder etwas oberhalb im Wasser stehenden
Mnnchen sofort besamt und dann mit Sand oder Kies oberflchlich wieder
verdeckt werden. Die Tiere gehen in ihrer Buhlschaft, die sich 8-14 Tage
hinziehen kann, vllig auf, haben fr nichts anderes mehr Sinn und
lassen sich an seichten Pltzen sogar mit Hnden greifen. Das alte
Lachsmnnchen ist whrend dieser Zeit eiferschtig wie ein Trke, nimmt
jede Strung furchtbar bel und schiet wie ein bser Bullenbeier auf
alles los, das seinen Unwillen erregt. Mit Geschlechtsgenossen der
eigenen Art setzt es dann erbitterte Kmpfe ab, bei denen das Blut
fliet und nicht selten einer der beiden Duellanten tot auf dem Platze
bleibt, whrend die jungen Spetzker die gnstige Gelegenheit benutzen,
auch von den Freuden der Minne zu kosten, so da wir hier hnliche
Verhltnisse vor uns haben, wie zwischen Platzhirsch und Spieer. Bei
solchen Raufereien kommen dann Schwartenpanzer und Eberzahn zu ihrem
Recht. Das anstrengende Laichgeschft erschpft die letzten Krfte der
vielgeprften Fische. Zum Skelett abgemagert, todesmatt, mifarbig
treten sie den Rckweg zum fernen Meere an, lassen sich vielmehr fast
ohne eigenes Zutun von der Strmung dorthin treiben, und nicht wenige
gehen dabei vor Erschpfung zugrunde. Das Fleisch solcher Lachse ist fad
und weichlich geworden und durchaus kein Leckerbissen mehr, gilt
vielmehr als nahezu ungeniebar. Wieder im nahrungsreichen Meere
angekommen, erholen sie sich aber rasch, fressen nun tchtig und nehmen
dadurch in einer Weise zu, die selbst im Reich der Fische einzig
dasteht. So wurde ein im Februar 1908 in England gefangener 8pfndiger
Lachs gezeichnet, und nach genau einem Jahre als fetter 20pfndiger
Bursche wieder gefangen. Der in den Gebirgswassern abgesetzte Laich
braucht geraume Zeit bis zum Ausschlpfen, nmlich je nach den
Temperaturverhltnissen des Wassers 3-5 Monate. Die jungen Lachse leben
dann im allgemeinen etwa zwei Jahre an ihrem Geburtsorte oder in dessen
Nhe, bis sie gegen 40 _cm_ lang geworden sind und den schnen
Silberglanz bekommen, worauf sie langsam die Wanderung nach dem Meere
antreten, um sich hier tchtig an Krebstieren, Gewrm, Muscheln und
kleinen Fischen zu msten und die Geschlechtsreife zu erhalten, worauf
sie sich dann zum ersten Male auf die beschwerliche Brautfahrt begeben.
Unbedingt notwendig ist brigens fr die Lachse der hier geschilderte
fortwhrende Wechsel zwischen Salz- und Swasser nicht, denn es gibt
auch Lachse in vllig abgeschlossenen Wasserbecken, wo sie dann
lediglich die seichte Uferzone zum Laichen aufsuchen. ber verschiedene
andere mit der Wanderung zusammenhngende Fragen gibt am besten der
Fisch selbst Auskunft, und zwar durch das Tagebuch, das er auf seine
Schuppen schreibt. Wir wissen ja, da die Schuppen der Fische sogenannte
_Jahresringe_ aufweisen, nmlich regelmig abwechselnde Zonen
schnelleren und langsameren Wachstums, die reichlichen oder sprlichen
Ernhrungsperioden entsprechen und sich mit den bekannteren Jahresringen
der Bume vergleichen lassen, wie man auch nach ihnen gerade wie bei
diesen das Alter der Fische mit annhernder Sicherheit bestimmen kann.
Hutton hat nun herausgefunden, da der frisch ins Meer eingewanderte
Junglachs auf der Schuppe deutlich zwei Zonen mit eng zusammengedrngten
konzentrischen Linien erkennen lt. Sie entsprechen je einem
Winteraufenthalt im Swasser mit seiner knappen Ernhrung. Spter
schliet sich dann eine Zone an, in der die Linien ganz auffallend weit
auseinander stehen: der Fisch ist sehr rasch gewachsen, denn das Meer
bot ihm seinen Nahrungsreichtum dar. Aber auch dieser wird im Winter
sprlicher oder nicht in gleichem Mae ausgenutzt, und so markiert sich
jeder im Meer zugebrachte Winter wieder durch eine Zone eng beisammen
liegender Linien. Dadurch wird es ermglicht, genau festzustellen, wie
viel Winter, bzw. Jahre der Lachs im Meere verbringt, ehe er erstmals
zum Laichen in die Flsse emporsteigt, und es hat sich herausgestellt,
da die in die Flumndungen eintretenden kleinsten Lachse 1-3
Winterringe auf den Schuppen tragen. Die lange Fastenzeit im Swasser
wird dadurch zum Ausdruck gebracht, da die Schuppen sich auffasern und
aussehen, als seien sie schadhaft geworden. Diese abgeriebene Zone
bleibt stets erkennbar, auch wenn sich wieder neue Linien angesetzt
haben, und es hat sich so ergeben, da der Lachs seine entbehrungsreiche
Brautfahrt nicht alljhrlich unternimmt, sondern sich bisweilen ein Jahr
der Ruhe und Krftigung im Meere vergnnt. Zu seinem Wohlbefinden
beansprucht der Lachs vor allem eins: reines, ungetrbtes Wasser, und er
ist deshalb aus unseren durch die Industrie verseuchten Gewssern leider
so leicht zu vertreiben wie kaum ein anderer Fisch. Fast wie eine Sage
mutet es uns an, da einst in Hamburg, Pommern, West- und Ostpreuen die
Dienstboten sich verbaten, mehr als zweimal wchentlich Lachsfleisch
vorgesetzt zu erhalten, denn inzwischen ist der Lachsfang bei uns ganz
gewaltig zurckgegangen und auch das Aussetzen knstlich erzielter Brut
hat das kstliche Lachsfleisch, das in nordischen Lndern noch heute
vielfach Volksnahrungsmittel ist, noch nicht wieder verbilligen knnen.
Immerhin liefert der Lachsfang an der ostpreuischen Kste und der
Salmfang am Niederrhein auch jetzt noch recht schne Ertrge. Im Norden
ist der wertvolle Fisch, dessen Verbreitungsgebiet auch nach der Neuen
Welt hinbergreift, weit zahlreicher als bei uns, fehlt dagegen sdlich
der Alpen, kommt also in allen sich ins Mittelmeer ergieenden Strmen
nicht vor. Es ist wohl anzunehmen, da die heutige Verbreitung der
lachsartigen Fische auf die Einflsse der letzten Eiszeit zurckzufhren
ist. Ursprnglich im hohen Norden heimisch und an ein kaltes Klima
gewhnt, wanderten die Salmoniden mit den vorrckenden Gletschern nach
Mitteleuropa, und als die Gletscher wieder wichen, blieb ein Teil der
Einwanderer in den khleren Gewssern zurck, und die dadurch
entstehende Isolierung begnstigte die Entwicklung zahlreicher nahe
verwandter Formen, whrend andere zu Wanderfischen wurden. So ist der
Lachs und seine Sippschaft ein kstliches Geschenk, das uns die Eiszeit
beschert hat. Der Fang des Lachses wird auf die verschiedenste Weise
betrieben. Besonders aufregend und unterhaltend ist das Speeren bei
Fackelschein. In England hat sich das Lachsangeln zu einem
aristokratischen Sport herausgebildet, der geradezu fanatische, vor
keinem Opfer zurckschreckende Anhnger zhlt. Allenthalben in der
nordischen Welt trifft man diese englischen Lachsangler an. Hoch oben
in der Nhe des Nordkaps habe ich sie sitzen sehen, diese
unverwstlichen Fischer, mit einem aus Mcken gebildeten Heiligenschein
umgeben, eingehllt in dichte Schleier, um sich vor den blutgierigen
Kerfen wenigstens einigermaen zu schtzen. In der Nhe ansprechender
Stromschnellen hatten sie Zelte aufgeschlagen, inmitten der
Birkenwaldungen auf Wochen mit den notwendigsten Lebensbedrfnissen sich
versehen, und standhaft wie Helden ertrugen sie Wind und Wetter,
Einsamkeit und Mcken, schmale Kost und Mangel an Gesellschaft, zahlten
auch ohne Widerrede den Besitzern eine Pacht von Tausenden von Mark fr
das Recht, sechs Wochen lang hier fischen zu drfen, und gaben auerdem
noch den grten Teil ihrer Beute unentgeltlich den Besitzern der
benachbarten Hfe ab. (Brehm.)

Eine nahe Verwandte des Lachses ist das wertvollste Kleinod unserer
Gebirgswsser, die vielgerhmte _Forelle_ (_Trtta frio_). Sie ist aber
im Gegensatz zu ihm Standfisch oder wandert doch nur zur Laichzeit ein
wenig fluaufwrts, wobei sich beide Geschlechter getrennt halten, sich
schlielich aber doch wieder mit Sicherheit zusammenfinden. Erfahrene
Fischer wollen sogar eine gewisse Zuneigung der einzelnen Individuen zu
ganz bestimmten Artgenossen festgestellt haben und behaupten, da die
Paare innig zusammenhalten und die Laichgrube gegen fremde Eindringlinge
gemeinsam auf das wtendste verteidigen. Bei diesen Eifersuchtskmpfen,
die mit dem scharfen Gebi ausgefochten werden, gibt es Wunden und
Schrammen genug, und man findet deshalb nach Beendigung der Laichzeit
selten eine ganz unverletzte Forelle. Eingeleitet wird der Laichakt
durch reizende Schwimmspiele, wobei sich die Tiere in eleganten
Wendungen gegenseitig umschwimmen, zart aneinander reiben und durch die
gewagtesten Drehungen ihre schne Frbung zur Geltung zu bringen suchen.
Der Laichakt selbst vollzieht sich in ganz hnlicher Weise wie beim
Hecht. Das Weibchen bereitet das Laichbett, indem es sich rasch von
einer Seite auf die andere wirft, durch krftige Schwanzbewegungen die
Kiesel beiseite fegt oder solche wohl auch mit dem Maule entfernt. Sind
die orangefarbenen Eier abgelegt und befruchtet, so werden von beiden
Gatten gemeinsam mit aller Kraft Kieselsteinchen auf das Laichbett
geschleudert, die sich oft zu einem kleinen Hgel auftrmen. Die
Gesamtzahl der Eier betrgt nur etwa 1000, und sie werden in greren
Zwischenrumen abgelegt, so da sich das Laichgeschft, das meist in die
Wintermonate fllt, ber eine volle Woche hinzieht. Erst nach frhestens
zwei Monaten entschlpfen die anfangs recht unbehilflichen und durch den
groen Dottersack in ihren Bewegungen sehr behinderten Jungen. Da, wo
klares, sauerstoffreiches Wasser ber Moos, Kiesel und Felstrmmer rasch
dahinstrmt, dazwischen ruhigere Stellen mit tieferem Wasser sich
finden, berhngende Uferrnder gute Schlupfwinkel abgeben und am Rande
stehende Bume die Oberflche beschatten, fhlt sich die Forelle am
wohlsten, und sie steigt an solchen rtlichkeiten selbst bis zur
Schneegrenze aufwrts, bleibt dann allerdings wegen der knappen Nahrung
stets auffllig klein. Doch vermag sie sich auch allen mglichen anderen
Verhltnissen anzupassen, wenn nur durch lebhaften Wellenschlag fr eine
gengende Anreicherung des Wassers mit Sauerstoff gesorgt ist. So
gedeiht sie recht gut in entsprechenden Teichen, die von kalten Quellen
gespeist werden. Unsere Forellenbestnde sind durch schonungslose
berfischerei und durch Vergiftung der Bche mit Fabrikabwssern leider
schon so stark zurckgegangen, da der wohlschmeckende Fisch, fr den
namentlich in modernen Touristengegenden oft ganz mrchenhafte Preise
bezahlt werden mssen, heute nur noch die Tafel der Reichen schmckt.
Ehemals war das ganz anders, und im stlichen Montenegro z. B. lernte
ich die Forelle auch jetzt noch als ein billiges Volksnahrungsmittel
kennen. Nebenbei gesagt, war in den betreffenden Gegenden auch die
Wasseramsel beraus hufig, die von unseren Fischzchtern so vielfach
als die schlimmste Feindin der Forelle hingestellt wird. Wenige Fische
sind so menschenscheu und vorsichtig wie die Forelle. Nur wenn ringsum
alles ganz ruhig ist, kommt sie aus ihrem Versteck zwischen Baumwurzeln
oder Steinen heraus und stellt sich mit dem Kopfe gegen die Strmung,
indem sie sich durch richtig abgemessene Schlge der Brustflossen und
schraubenartige Bewegungen der Schwanzflosse stundenlang auf der
gleichen Stelle erhlt und geduldig darauf lauert, ob nicht ein
gnstiger Zufall ein Beutetier vorberfhren oder ein Insekt ins Wasser
wehen wird. Nach ber dem Wasser tanzenden Mcken oder Eintagsfliegen
springt der Fisch auch aus seinem Elemente heraus und erhascht die
Ahnungslosen mit geschickter Wendung. Bei dem geringsten Anzeichen von
Gefahr aber schiet die Forelle pfeilschnell ihrem Schlupfwinkel zu,
tauscht diesen gleich darauf mit einem anderen und ist so gar nicht
leicht ausfindig zu machen, obgleich sie als ein beraus zher
Standfisch bei Tage aus einem Gebiet von etwa 20 _m_ Bachlnge kaum
herausgeht. Bei Nacht schweift sie auf der Nahrungssuche weiter umher
und zeigt sich dann als ein tchtiger Ruber, der selbst der eigenen
Nachkommenschaft nicht schont. Wie gefrig die Forellen sind, geht
daraus hervor, da man schon Stcke gefangen hat, denen noch das
Schwanzende einer erst halb verdauten Ringelnatter zum Maule heraushing,
da die verzehrte Schlange doppelt so lang war als der Fisch. Im
allgemeinen gelten bei uns mehr als halbmeterlange Forellen als eine
Seltenheit. Doch sind auch schon mehr als meterlange Exemplare mit
entsprechendem Gewicht vorgekommen. Der Feinschmecker wird ihnen stets
die kleinen Portionsforellen vorziehen. Die ansprechende Frbung mit der
hbschen Tpfelzeichnung wechselt fast in noch hherem Mae als beim
Lachs, und diese Verschiedenheit erstreckt sich sogar auf das Aussehen
des Fleisches, das alle Zwischenstufen vom reinsten Wei bis zum schnen
Lachsrot durchlaufen kann. Die englischen Sportfischer behaupten, da
das Fleisch um so rter werde, je mehr phosphorhaltige Nahrungsmittel
der Fisch vertilge. Auch sollen die am schnsten gefrbten und am
lebhaftesten gefleckten Forellen das weieste Fleisch haben und
umgekehrt, Teichforellen ein rteres als die in steinigen Bchen
lebenden. In Torfgewssern trifft man fast schwarze Forellen, in
unterirdischen Wasserlufen, so in von einem Bach durchstrmten
Tunneldurchschlgen, nicht eben selten Albinos oder auch blinde
Exemplare, in kleinen Gebirgsbchen die am hbschesten gezeichneten. In
seiner Jugend hat unser Fisch, dessen Farbstoffe auch in die Flossen
eintreten, Bnderzeichnung aufzuweisen. Nach den Untersuchungen Wagners
unterscheiden sich diese Jugendbnder ihrer Pigmentierung nach nicht
quantitativ, sondern nur qualitativ von den brigen Partien der
Oberhaut; sie sind also nicht aus einer greren Anzahl von
Chromatophoren (Farbstoffzellen in der Haut) zusammengesetzt, sondern
diese befinden sich in einem anderen Zustande der Ausdehnung, knnen
unabhngig von denjenigen des brigen Krpers ttig sein und werden auf
besondere Art mit Nervenfasern versorgt. Das Plasma der orangeroten
Zellen ist von einer lartigen Masse erfllt, die dem Dottersackl der
Embryonen sehr nahe steht, vielleicht sogar mit ihm gleichbedeutend
ist. Sie bilden in ihrem Inneren die spter auenzelligen
Liptochromtrpfchen, die die roten Tupfen der lteren Forellen
zusammensetzen. Zur Laichzeit werden diese auf dem Bauch mehr oder
minder schwrzlich und besitzen jederzeit ein ziemlich starkes
Farbanpassungsvermgen. Bei uns darf die Forelle (sie hie frher
Fohre, im Bayrischen jetzt noch Fhrchen, und in Mitteldeutschland
wird ihr moderner Name vielfach noch auf der ersten Silbe betont) wohl
als der beliebteste Angelfisch gelten, da sie in ihrer Raubgier gut auf
den Insektenkder oder auf die knstliche Fliege geht. Ihr zartes, von
den Alten merkwrdigerweise nicht gewrdigtes, fein nuartig
schmeckendes Fleisch wird in Deutschland in der Regel blau gesotten, in
Oesterreich dagegen meist gebacken --in meinen Augen eine Barbarei. In
jngster Zeit sind die Forellenbestnde mancher Gegenden durch die
eigenartige Taumelkrankheit arg mitgenommen und gefhrdet worden.
Verursacht wird diese Seuche durch einen in den inneren Geweben,
besonders aber im Gehirn schmarotzenden, winzigen Algenpilz, den
_Ichthyophonus hoferi_, wie er zu Ehren Hofers heit, der die
Taumelkrankheit 1893 erstmalig beschrieb. Merkwrdig ist, da die Fische
immer nur in einem gewissen Lebensalter von der sich zuerst durch
Dunkelfrbung des Schwanzendes kenntlich machenden Krankheit ergriffen
werden.

Glcklicherweise ist gerade die Forelle in hohem Mae fr die
_knstliche Fischzucht_ geeignet. Hat diese auch nicht all die
berschwenglichen Hoffnungen erfllt, die man in der ersten Begeisterung
auf sie grndete, so darf sie doch schon heute als ein
volkswirtschaftlich nicht unbedeutender Faktor und als ein geeignetes
und wirksames Mittel gelten, der drohenden Verdung unserer Gewsser
entgegenzuwirken. Obwohl bereits zur Zeit des 7jhrigen Krieges der
Mathematiker, Landwirt und Landeshauptmann Jacobi im Lippeschen die
Grundzge der knstlichen Fischzucht und ihre Bedeutung richtig
erkannte, geriet seine Entdeckung doch wieder in Vergessenheit, da die
Zeiten zu bewegt, eine Presse zur raschen und allgemeinen Verbreitung
gemeinntziger Ideen kaum vorhanden war, und da es vor allem noch keinen
Mangel an Fischen gab. Erst um die Mitte des vorigen Jahrhunderts kamen
zwei einfache franzsische Fischer, Remy und Gehin, erneut auf den guten
Gedanken, der nun in dem Pariser Professor Coste einen begeisterten
Propheten und in Napoleon _III._ einen verstndnisvollen Frderer fand.
Sein etwas voreiliges Versprechen, in wenigen Jahren ganz Frankreich mit
Edelfischen zu bevlkern und jedem Franzosen eine stattliche Forelle auf
den Sonntagstisch zu zaubern, vermochte Coste freilich nicht einzulsen,
wie berhaupt die ganze Sache in Deutschland bald krftiger und
praktischer entwickelt wurde. In sehr hoher Blte steht sie heute in der
Schweiz, wo 180 Brutanstalten in Betrieb sind und jhrlich einige 50
Millionen Jungfische verschiedener Art liefern. Frher brachte man Rogen
und Milch, die durch sanftes Streichen an der Bauchseite der Tiere
gewonnen werden, im Wasser zur Berhrung, wobei sich eine Befruchtung
von etwa 50 Proz. ergab, immerhin ein groer Fortschritt gegen die
natrlichen Verhltnisse, wo nicht viel mehr als 10 Proz. der Eier
wirklich befruchtet werden. Seit man aber dazu bergegangen ist, die
Geschlechtsprodukte ohne Wasserzusatz trocken mit einer Gnsefeder zu
verrhren und die Eier zunchst in ein Sieb zu entleeren, aus dem der
mit ausflieende und sie schdigende Harn abflieen kann, hat man das
sehr befriedigende Ergebnis von 90 Proz. Befruchtung erzielt. Die Eier
quellen nmlich im Wasser rasch auf und sind dann fr die Samenfden
nicht mehr zugnglich. Bei der ganzen Manipulation mu man fix
verfahren, denn die Samenfden der Fische haben nur eine sehr kurze
Lebensdauer und Bewegungsfhigkeit. Sie soll bei der Forelle nur 40,
beim Lachs nur 45 Sekunden betragen, beim Karpfen und Barsch grer sein
und beim Hecht sich gar ber vier Minuten erstrecken. Nachdem die Eier
mit Wasser bergossen wurden (unbefruchtet gebliebene verraten sich bald
durch weie Farbe), kommen sie in die Brutksten, die fortwhrend von
frischem, schlammfreiem und sauerstoffreichem Wasser durchsplt werden,
das stndig auf gleicher Temperatur zu halten ist. Vor Erschtterungen
sind die Eier sorgsam zu bewahren, auch ab und zu abzubrausen, um eine
Verschleimung zu verhten, und tglich mssen abgestorbene oder
verpilzte Eier ausgelesen und entfernt werden. Sobald dann erst die
Augenpunkte der Embryonen sichtbar werden, sind die Eier weniger
empfindlich. Die Milch eines Mnnchens gengt, um die Eier mehrerer
Rogner zu befruchten. Trotzdem scheinen in freier Natur, wie berhaupt
bei den meisten Fischen, mehr Mnnchen als Weibchen vorhanden zu sein,
und man hat daraus schlieen wollen, da die Fische in Polyandrie
(Vielmnnerei) leben, soweit von einer solchen bei einer nur uerlichen
Vereinigung der Geschlechtsprodukte berhaupt die Rede sein kann.
Bezglich des Geschlechts der Nachzucht soll nach den Erfahrungen der
Aquarienfreunde an auslndischen Zierfischen die Temperatur magebend
sein, in der die Elterntiere gehalten wurden. Bei warmer Temperatur soll
der Laich mehr Weibchen liefern, bei kalter mehr Mnnchen. Von der
gerade bei Fischen leicht durchzufhrenden Bastardzucht, von der man
sich vor einigen Jahrzehnten wahre Wunder versprach, ist man jetzt so
ziemlich wieder abgekommen. Sie hat im allgemeinen mehr geschadet als
gentzt, und in der Regel hat die freie Natur die Produkte allzu
eifriger Zchter bald wieder fortgefegt. Ebenso sind die Gefahren der
Inzucht bei der Fischzucht nicht gering anzuschlagen. Mit dem Schwanze
voran, entschlpfen die jungen Forellen nun endlich der Eihlle und
mssen nach Aufzehrung ihres umfangreichen Dottersackes mit Daphnien,
Mckenlarven, Eigelb, Quark, Kalbshirn und dergl. ernhrt werden, worauf
sie in die Streckteiche kommen, wo sie bei Ftterung mit
Schellfischfleisch, Leber, mit Mehl oder Kleie verknetetem Blut rasch
wachsen. Einjhrig werden sie endlich in die freien Teiche oder
Bachlufe eingesetzt und knnen dann schon nach 6-8 Monaten das
Marktgewicht erreichen, ohne noch viel von ihren natrlichen Feinden,
die ihnen ja im zarten Alter am gefhrlichsten sind, leiden zu mssen.
Gerade in Forellenbrutanstalten kann man sehr gut die _Entwicklung_ des
Fisches im Ei beobachten. Die Furchung ist eine partielle, indem nur der
Bildungsdotter eine Teilung erfhrt, und die von der Seite her
erfolgende Einstlpung bleibt unvollkommen: der dem Nahrungsdotter dann
scheibenfrmig aufliegende Keim wird zur zweischichtigen
Scheibengastrula. Im weiteren Verlauf der Entwicklung bildet sich die
Krperform immer deutlicher aus, indem die Keimscheibe durch Einrollung
nach unten die Form eines umgekehrten Kahnes annimmt. Das Vorderende mit
den stark hervortretenden Augen charakterisiert sich durch seine Dicke
bald als Kopf, das Hinterende durch seine Schlankheit als Schwanz. Das
Ganze umwchst den Nahrungsdotter, streckt sich in die Lnge und hebt
sich von seiner Unterlage ab. Augen und Schwanz vollfhren zuckende
Bewegungen, und letzterer bereitet dadurch das Ausschlpfen vor. Die
zwei ursprnglichen Keimhute bilden nach unten offene Rhren, das Haut-
und das Darmrohr, und als drittes kommt das Nervenrohr hinzu, das durch
Einstlpung vom Rcken her mit nachfolgender Abschnrung entsteht und
das sptere Rckenmark vorstellt. Von der inneren Keimhaut aus bildet
sich die Grundlage der spteren Wirbelsule, und ein sich neu
einschiebendes drittes Keimblatt liefert die Stoffe zum Aufbau der
Knochen und Muskeln. Sehr frh macht sich das mit roten Blutkrperchen
erfllte Herz bemerkbar. Am Halse zeigen sich Kiemenspalten und
dazwischen Kiemenbgen, und auen setzen sich als einfache Stmpfe die
Flossen an.

  [Illustration: Embryonalentwicklung eines Knochenfisches. (Nach
  Kennel gez. von Dr. E. Bade.)

  _I._ Ei mit Keimscheibe, _k_ fixierte Randstelle derselben,
  Hinterende des Embryo. _II._ Ausbreitung der Keimscheibe mit
  Embryonal- oder Primitivwulst, _k_ fixierte Stelle. _III._ Stadium
  mit stark nach vorn verlngerter und vortretender Embryonalanlage
  der Rckenteile. _IV._ und _V._ Weitere Stadien, der Dotter ist
  ganz von den Keimscheiben umwachsen, Kopf und Schwanz heben sich
  ab, letzterer wchst nach hinten in die Lnge. _VI._ Junger Fisch
  mit Dottersack, in diesem die Blutgefe und Fetttropfen.]

Die Gruppe der lachsartigen Fische, die sich durch edlen Krperbau, das
Vorhandensein einer kleinen, strahlenlosen Fettflosse zwischen Schwanz-
und Rckenflosse, kleine Beschuppung und grtenarmes Fleisch
auszeichnet, umfat noch eine ganze Reihe wirtschaftlich wichtiger
Speisefische. Der _Huchen_ oder Donaulachs (_Slmo hcho_) war frher
wohl auch Wanderer, ist aber notgedrungen zum Standfisch geworden, da
das Schwarze Meer, auf das er angewiesen wre, wegen seines
Schwefelwasserstoffgehaltes keine geeigneten Tiefen bietet. Er bummelt
aber doch gerne -- schon der Ernhrungsverhltnisse wegen -- ein wenig
in der Welt herum, indem er sich im Hauptstrome oder in den Nebenflssen
sachte und allmhlich nach aufwrts schiebt. Doch herrscht ber die
Wanderungen dieses stattlichen, 2 _m_ lang und 25 _kg_ schwer werdenden
Fisches noch viel Unklarheit, was auch im wirtschaftlichen Interesse
sehr zu bedauern ist, da er ein besonders wohlschmeckendes weies
Fleisch hat und die Ausbung des Angelsports auf ihn mancherlei
interessante Momente und Erlebnisse zu zeitigen pflegt. Seiner Gre
entsprechend ist der Huchen ein gewaltiger Ruber, der oft wie ein
Windhund hinter seiner Beute dreinjagt und sich dabei als ein sehr
gewandter Schwimmer zeigt, und der selbst Wasserratten und
Wassergeflgel nicht verschont. Gewhnlich steht er im tiefen, stark
strmenden Wasser, und nur zur Laichzeit sucht er flache und kiesige
Stellen auf. Diese fllt brigens bei ihm im Gegensatz zu anderen
Salmoniden in die Frhjahrsmonate. Ein Charaktertier der stillen und
kalten Gebirgsseen unserer Alpen ist der _Saibling_ (_Slmo
salvelnus_), der von allen unsren Fischen das kstlichste Fleisch
liefern soll und deshalb sehr teuer bezahlt wird, obschon sein
durchschnittliches Gewicht nur 1/2 _kg_ betrgt. Da er willig
knstliches Futter annimmt und sich berhaupt recht widerstandsfhig
zeigt, eignet er sich auch gut zur Mast. Gewhnlich hlt sich dieser
ausgesprochene Standfisch scharenweise in greren Tiefen seiner
Wohngewsser auf und steigt nur abends zum Mckenfang an die Oberflche
empor. Den in den Seen des Salzkammergutes und namentlich im Gosausee
lebenden _Schwarzreiter_ mchte ich fr eine Kmmerform des Saiblings
halten. Die _Meer-_ oder _Lachsforelle_ (_Slmo trtta_) verbringt den
grten Teil ihres Daseins im Salzwasser unserer Ksten und vollfhrt
von da aus des Laichgeschftes halber hnliche Wanderungen wie der
Lachs, wird aber nicht so hoch geschtzt wie dieser. Als eine durch
stndigen Aufenthalt im Swasser sehaft gewordene Abart von ihr ist
die _Schwebe-_ oder _Seeforelle_ (_Slmo lacstris_) aufzufassen, die
eine hnliche Verbreitung hat, wie der Saibling, aber in etwas
abgenderter Form auch in den Seen Skandinaviens und Schottlands
vorkommt. Zum Laichen steigt der stattliche, sich sonst in
betrchtlicher Tiefe aufhaltende und hier fleiig auf Lauben und Renken
jagende Fisch in den einmndenden Flssen whrend des Winters aufwrts.
Die von den alten Weibchen angelegten Laichgruben sind so umfangreich,
da sie bequem einen liegenden Mann aufnehmen knnen. Interessant ist,
da dieser wirtschaftlich wichtige Fisch in zwei verschiedenen Formen
auftritt, die namentlich im Bodensee scharf differenziert sind. Es ist
ja eine bekannte Tatsache, da bei allen Salmoniden gewisse Individuen
sich geschlechtlich nicht zur Reife entwickeln und auch uerlich
zeitlebens von den normalen Exemplaren verschieden bleiben. Wenigstens
ist der berhmte Fischforscher v. Siebold der Ansicht, da diese
Unfruchtbarkeit fr das ganze Leben anhalte und in den meisten Fllen
auf die Abgeschlossenheit in zuflulosen Seen zurckzufhren sei,
whrend Widegren die Sterilitt nur fr eine vorbergehende Erscheinung
hlt, da die Fische in einer spteren oder auch sehr viel spteren
Periode doch noch geschlechtlich vollreif wrden. Vielleicht bringen die
seit 1907 angestellten Markierungsversuche Klarheit in diese einstweilen
noch recht dunkle Frage. Jedenfalls ist im Bodensee die behbige,
stumpfschnauzige, dunkle, geschlechtsreif werdende Form als
Grundforelle ganz verschieden von der schlanken, spitzschnauzigen,
silberigen, nur sehr sprlich gefleckten und stets kleiner bleibenden
Mai-, Silber- oder Schwebeforelle, so da der den ansssigen
Fischern lngst bekannte Unterschied beider auch dem Laien sofort
auffllt. Ihrer Schnellwchsigkeit und des dadurch bedingten
wirtschaftlichen Wertes halber sind aus Nordamerika der _Bachsaibling_
(_Slmo fontinlis_) und die _Regenbogenforelle_ (_Slmo iridus_) bei
uns eingebrgert worden. Ein nur 15-30 _cm_ lang werdendes, stark
silberglnzendes Fischchen mit tief gespaltenem Maul ist der sehr
variable _Stint_ (_Osmrus eperlnus_), seines blen Geruches halber
auch Stinkfisch benannt. Namentlich in den Haffen der Ostsee tritt er
zu gewissen Jahreszeiten in wahren Unmassen auf, so da ein sehr
lohnender Fang betrieben wird. Hat man sich einmal an den zum mindesten
recht eigenartigen Geruch gewhnt, so wird man das Stintfleisch und
besonders die aus ihm bereitete delikate Suppe hoch zu schtzen wissen.
Gewhnlich wissen die Fischer mit dem bergroen Stintsegen allerdings
nichts anderes anzufangen, als ihn in die Schweinetrge zu schtten oder
als Dung auf die Felder zu fahren, bestenfalls ihn zur Tranbereitung
einzukochen. Die flchtige, ungemein bewegliche, hchstens 1-1/2 _kg_
schwer werdende _sche_ (_Thymllus vulgris_) mit der prachtvoll
purpurroten, durch schwarze Fleckenbinden noch gehobenen Rckenflosse
darf wohl als einer der schnsten und anmutigsten deutschen Fische
bezeichnet werden. Sie bevorzugt hnliche rtlichkeiten wie die
Forelle, siedelt sich jedoch in der Regel etwas unterhalb der
Forellenregion an. In bezug auf Reinheit und Sauerstoffgehalt des
Wassers ist die sche noch anspruchsvoller als die Forelle, schweift
auch mehr herum als diese und lebt geselliger. Neben Insekten verzehrt
sie hauptschlich Schnecken und kleine Muscheln und produziert ein das
Entzcken aller Feinschmecker bildendes Fleisch, das angeblich nach
Thymian riechen soll, wovon ich allerdings noch nichts wahrzunehmen
vermochte. Die nur kleine oder mittelgroe Arten umfassende Gattung
Coregonus zeichnet sich durch grere Schuppen und mehr weifischartigen
Krperbau vor den echten Lachsen aus. Zu ihr gehrt die _groe Marne_
(_Coregnus lavartus_), die gleich ihren Verwandten in betrchtlichen
Tiefen ein lichtscheues Dasein fhrt und nur zur Laichzeit in flacheres
Wasser kommt. Ihre teilweise Isolierung in abgeschlossenen Binnenseen
hat die Bildung zahlreicher Lokalformen begnstigt, von denen hier
Wander-, Mad- und Edelmarne genannt seien, denen sich die in alpinen
Seen lebende Bodenrenke zugesellt. Alle Marnen, die fr den Fang
allerdings fast nur zur Laichzeit zugnglich sind, gelten ebenso wie die
brigen Angehrigen dieser Gruppe fr uerst wohlschmeckend. Besonders
wichtig sind alle verschiedenen Renkenformen fr die Stromfischerei
Sibiriens, wo der Fang auf sie im groartigsten Mastabe betrieben wird.
Die in den Seen Norddeutschlands heimische _Zwergmarne_ (_Coregnus
lbula_), die nicht leicht ber 35 _cm_ lang wird, nhrt sich
hauptschlich von kleinen Krustern und zeigt sich in warmen
Sommernchten unter vielem Gepltscher auch an der Oberflche. In
geruchertem Zustande bildet sie eine hochgeschtzte Delikatesse und
geht als solche in alle Welt hinaus. Das _Blaufelchen_ (_Coregnus
wartmnni_) ist der bekannteste Speisefisch des Bodensees und kommt in
etwas abgenderter Form (Traunseemarne, Pfffikonmarne usw.) auch in
anderen Alpenseen vor. In tiefen und khlen Wasserschichten fhren diese
sehr geselligen Fische ein unstetes Wanderleben, indem sie den frei im
Wasser schwebenden Kleintieren folgen. Zur Laichzeit drngen sie sich an
geeigneten Stellen derart zusammen, da sie sich gegenseitig den das
Hochzeitskleid bildenden Krnerausschlag abreiben, der dann weithin den
Wasserspiegel bedeckt. Nach dem Zeugnisse Vogts sollen sie beim Laichakt
paarweise meterhoch aus dem Wasser herausspringen und dabei, Bauch gegen
Bauch gekehrt, gleichzeitig Milch und Rogen fahren lassen. Der sehr
lohnende Fang der Blaufelchen, die 1886 mit Erfolg auch im Laacher See
eingebrgert wurden und sich dort schon stark umgebildet haben, erfolgt
zur Laichzeit in groen Zugnetzen, sonst mit tiefgehenden Angelschnren.
In der Hauptsache auf Boden- und Ammersee beschrnkt ist das kleinere,
durch kurzen Leibesbau und deutlich gebogenen Rcken ausgezeichnete
_Kropffelchen_ (_Coregnus hiemlis_) oder der _Kilch_. Von allen Renken
ist diese Art der ausgesprochenste Tiefenfisch, so da er bei raschem
Heraufholen trommelschtig wird, indem die Schwimmblase sich infolge
des pltzlich verminderten Atmosphrendrucks jh ausdehnt, dadurch den
Leib unfrmlich auftreibt, die Eingeweide verschiebt und schlielich
wohl gar den Leib mit lautem Knall zum Platzen bringt. Da der Kilch nur
zur Laichzeit fr wenige Tage in die Ufergewsser kommt, wissen wir ber
seine Naturgeschichte noch recht wenig, und auch sein Fang ist aus dem
gleichen Grunde schwierig und wenig lohnend. Ganz das Gegenteil gilt vom
_Schnpel_ (_Coregnus oxyrhynchus_), einem sehr wanderlustigen
Gesellen, der wie der Lachs zum Laichen aus der Nord- und Ostsee
truppweise in die Flsse steigt, hier allerdings seine Wanderungen nicht
so weit ausdehnt, wie jener. Dafr beginnt die junge Schnpelbrut schon
dem Meere zuzustreben, wenn sie kaum erst den Dottersack aufgezehrt hat.

Als den Wolf in unserer heimischen Fischwelt knnte man den _Hecht_
(_Esox lcius_) bezeichnen. Wie jenes grimmige Sugetier ist auch er von
einer unbndigen Raublust beseelt, wie jener erscheint er bestndig vom
Hunger geplagt und wagt sich dann an grere Geschpfe, wie jener ist er
der Schrecken aller friedliebenden Tiere in seiner Umgebung. Der
langgestreckte, walzenfrmige Leib mit der weit nach hinten gestellten,
der Afterflosse gerade gegenber befindlichen Rckenflosse, der
charakteristische Alligatorkopf mit der entenschnabelhnlichen Schnauze
und den niedertrchtig blickenden, starren Augen, das berwiegen der
grnen Farbe auf dem Oberkrper, das ungewhnlich scharf abgesetzte
Schwanzende mit der tief gegabelten Flosse machen den Hecht sofort
kenntlich. Whrend die groe Mehrzahl der Hechte bei uns nur meterlang
wird, werden doch nicht allzu selten auch Stcke von doppelter Lnge und
bis zu 35 _kg_ Gewicht gefangen. Ja, es scheinen gerade bei diesem
Fische wahre Goliaths vorzukommen. So berichteten die Tageszeitungen,
da im Juni 1908 im Ammersee durch den Wellenschlag eines Dampfers ein
Hecht an den Strand geworfen worden sei, der nicht weniger als 60 _kg_
gewogen habe und ganz von Moos berzogen gewesen sei. Eine freilich
nicht gengend verbrgte berlieferung erzhlt, da ein im Jahre 1250
von Kaiser Friedrich _II._ eigenhndig bei Kaiserslautern ausgesetzter
und gezeichneter Hecht im Alter von 267 Jahren wieder gefangen worden
sei und dann 175 _kg_ (?!) gewogen habe. Jedenfalls steht soviel fest,
da Wachstum und Gewicht beim Hechte auerordentlich verschieden sind,
je nach der Ergiebigkeit seiner Jagdgrnde. Erscheinen ihm diese nicht
reichhaltig genug, so entschliet er sich oft zur Auswanderung und
scheut sich dabei nicht, kleinere Hindernisse nach Lachsart zu
berspringen. Seine Raubgier ist unermelich, sein Heihunger
unersttlich, seine Tollkhnheit verblffend, seine Kraft und
Schnelligkeit bewundernswert, seinem ganzen Wesen haftet etwas von der
brutalen Gewalt verschollener Zeiten an. Man hat berechnet, da er zu
seiner Erhaltung wchentlich so viel Fischfleisch bentigt, als er
selbst wiegt, und da er, um 1 _kg_ Gewichtszunahme zu erzielen, 25 _kg_
Fische verzehren mu. Wer selbst einmal Junghechte im Aquarium gehalten
hat, dem werden diese Zahlen eher noch zu niedrig gegriffen erscheinen.
So verzehrte ein nur 30 _cm_ langer Hecht im Aquarium tglich 15
Weifischchen. Die Jagdweise des Hechtes ist ein heimliches
Heranschleichen und pltzliches Losschnellen. Oder er liegt stundenlang
fast bewegungslos auf der Lauer. Dabei gewhrt sein gleichzeitig khner
und hinterlistiger Gesichtsausdruck dem Beobachter einen hohen Reiz.
Jede Gemtsregung des Fisches verrt sich in seinen Stellungen, seinem
Augen- und Flossenspiel. Sehr hbsche Beobachtungen hierber hat der
mehrfach erwhnte Ward gemacht. Bewegungslos liegt der Hecht im
Rohrbett, mit dem Krper gerade auf dem Boden, gesttzt auf die Flossen,
alle Muskeln sind schlaff, nur die Rckenlinie zeigt schwache Bewegung,
aber die flach anliegende Rckenflosse offenbart die seelische Ruhe des
Tieres. Nur der gierige Blick des Auges verrt, da der Hecht trotz
alledem stndig auf dem Posten ist. Pltzlich, als ein sicheres Zeichen
von Erregung, richtet sich die Rckenflosse auf und entfaltet sich, ohne
da jedoch die brigen Flossen und der Rumpf in Ttigkeit treten.
Augenscheinlich hat der Fisch in einiger Entfernung einen Lichtstreif
entdeckt, als ein Weifisch sich zur Seite wandte und so seine Gegenwart
verriet. In dem Mae, wie er sich nhert, wchst die Erregung des
Hechtes, was sich deutlich an weiteren Bewegungen der Rckenflosse
erkennen lt, die herber und hinber schwankt, sich ffnet und
schliet wie ein Fcher. Endlich entschliet sich der Hecht zum Angriff
und nimmt sogleich eine Haltung an, die deutlich seine Absicht erkennen
lt: er erhebt sich auf den Flossen, alle Muskeln spannen sich, und die
Rckenlinie wird infolgedessen gerade wie ein Pfeil. Diese
Angriffsstellung ist im Augenblicke unvernderlich, kann aber nur einige
Sekunden oder hchstens Minuten beibehalten werden. Verschwindet nun der
Weifisch wieder, so entspannen sich des Hechtes Muskeln, und die
Rckenflosse sinkt allmhlich herab. Wenn aber das Opfer auch noch
weiterhin sich nhert, so schnellt der Hecht, durch eine schraubenartige
Bewegung seiner Schwanzflosse getrieben, hervor und gleitet nun langsam
vorwrts, indem er hinterlistig jeder Bewegung des Beutefisches folgt.
Schpft der Weifisch Argwohn, so hlt der Hecht inne, und hngt
bewegungslos im Wasser, zitternd vor Unruhe. Ist aber endlich die
richtige Entfernung erreicht, so schnellt der Hecht pltzlich vor und
packt den Weifisch in der Mitte des Krpers. Nur ein kleiner Wirbel auf
dem Wasserspiegel gibt der Auenwelt Kunde von dem Drama, das sich
soeben abgespielt hat. Mit einer ruckweisen Bewegung der Kinnbacken
wirft der Ruber sein Opfer herum und verspeist es mit dem Kopfe voran.
Manchmal sieht der Hecht beim Belauern oder Nachschleichen aber etwas,
das ihm mifllt. Dann berkommt ihn der Zweifel: seine Muskeln werden
schlaff, der Rcken biegt sich, und der Fisch hngt bewegungslos im
Wasser, unausgesetzt den Gegenstand seines Argwohns betrachtend. Fhlt
er sich wieder sicher, so wird er abermals steif und schnellt zum
Angriff vor, will sich aber sein Argwohn nicht zerstreuen, so schleicht
er sich sachte fort. Ist der Angriff etwa fehlgeschlagen, so verndert
sich das Bild abermals vllig: mit gebogenem Rcken und zornig
schnappendem Rachen sinkt der Hecht enttuscht zu Boden. Was er einmal
mit seinen nach hinten gerichteten Hechelzhnen (der aus Westdeutschland
stammende Name Hecht drfte mit dem Zeitwort hecheln zusammenhngen)
gepackt hat, das lt er so leicht nicht wieder aus. Manchmal kann ihm
aber gerade die Art seiner Bezahnung zum Verhngnis werden, indem er
einen in der Gier gefaten, allzu groen Bissen nicht loszuwerden vermag
und nun elend ersticken mu. Raublustig ist er auch bei vollem Magen,
und selbst wenn ihm das Schwanzende des zuletzt verschluckten Fisches
noch unverdaut aus dem Maule ragt, schnappt er schon wieder nach neuer
Beute, wie die Erfahrungen der Angler sattsam beweisen. Alles ist ihm
recht, nur vor dem Stichling hat er einigen Respekt, aber sonst schont
er nicht einmal jngere und kleinere Angehrige der eigenen Art, ist
vielmehr ein ausgesprochener Kannibale. Bilden auch Fische der
verschiedensten Art seine Hauptnahrung, so erjagt er doch auch im Wasser
sich tummelnde Suger, Frsche, sich badende oder trinkende Vgel, junge
Enten und Wasserhhner, wo immer sich ihm Gelegenheit bietet. Nagender
Heihunger verleitet ihn bisweilen zu den unglaublichsten Taten und zu
ganz zwecklosen Angriffen. So berichtet Wagener aus Irland, da ein am
Flusse trinkendes Kalb pltzlich laut aufschrie, und als man hinzueilte,
fand sichs, da ihm ein grerer Hecht an der Nase hing, den das
erschreckte Tier 50 Schritte weit mit forttrug, worauf ein wohlgezielter
Steinwurf den Ruber zur Strecke brachte. Verbrgte Flle sind bekannt,
da Schwne von Hechten am Halse gepackt, unter Wasser gezogen und
ertrnkt wurden. Am Badestrand zu Rossatz in der Wachau versprte
unlngst ein junges Mdchen einen heftigen und schmerzhaften Anprall an
der Hfte. Es zeigte sich, da sie einen tief eindringenden Bi
davongetragen hatte, der aus einer ziemlichen Anzahl nadelstichartiger,
im Halbkreis angeordneter Wunden bestand, so da kaum ein Zweifel
obwalten konnte, da ein gewaltiger Donauhecht der Angreifer gewesen
war. Dieses Exemplar scheint also eine Vorliebe fr Backfische
besessen zu haben. ber einen ganz unglaublichen Vorfall berichtete
krzlich die Wiesbadener Zeitung: aus einem See bei Wollstein suchte ein
neunjhriger Knabe Hechte zu fangen, wozu er ein Loch in die Eisdecke
schlug. In demselben Augenblicke schnellte ein 16pfndiger Hecht empor
und verbi sich in dem Arm des Knaben. Dieser wurde spter samt dem
Hecht erfroren auf dem Eise aufgefunden (?). Fischzchter pflegen Hechte
in die mit lteren Karpfen bevlkerten Teichen einzusetzen, damit
sie Leben in diese faule Gesellschaft bringen und die als
Nahrungsmitbewerber auftretenden Weifische wegfangen sollen. Doch ist
dabei immer eine gewisse Vorsicht am Platze, und man darf die Hechte
keinesfalls zu gro werden lassen, damit sie sich nicht als Wolf im
Schafstall entpuppen. Seine schrankenlose Fregier verurteilt den Hecht
zur Einsamkeit, und nur zur Laichzeit sucht er seinesgleichen auf. Schon
ganz zeitig im Frhjahr, wenn noch Eisstcke auf den Wassern schwimmen,
schreitet er zur Fortpflanzung und begibt sich dann an die seichtesten
Stellen, selbst in kleine Grben und auf berschwemmte Wiesen, wobei er
nicht selten seine Lust mit dem Leben ben mu. Hier kann er sogar mit
Pfeil und Bogen oder mit der Schrotflinte erlegt oder mit der Hechtgabel
gestochen werden, was namentlich nachts bei Fackelschein recht lohnend
ist, und wobei nicht selten beide Gatten gleichzeitig durchbohrt werden.
Eigentlich ist diese Fangart verpnt, wird aber doch in Norddeutschland
vielfach ausgebt. Auch der Angler hat am Hecht seine Freude, da er in
seiner blinden Raubgier fast jeden Kder annimmt. Obgleich das
Hechtfleisch etwas trocken und ziemlich grtig ist, findet es doch viele
Liebhaber, ja begeisterte Lobredner. Aus eigener Erfahrung kann ich
versichern, da die jungen Grashechte, wenn man sie oberflchlich in
der glimmenden Asche des Lagerfeuers rstet, eine treffliche Mahlzeit
abgeben, aber bezglich der Riesenhechte halte ich es mit Marshall, der
den Genu eines solchen mit demjenigen eines wohlgespickten Nadelkissens
vergleicht. Mittelgroe Hechte munden am besten, wenn sie wie
Hasenbraten gespickt und gebraten und mit saurer Sahnensauce begossen
werden.

Der Riese unter unseren Swasserfischen ist der massige, ungeschlachte,
dickkpfige, breitmulige, mit zwei langen und zwei kurzen Barteln
versehene _Wels_ (_Silrus glnis_) oder Waller, dessen Rckenflosse
auffallend kurz, dessen Afterflosse dagegen ungewhnlich umfangreich ist
und dessen glatter und schlpfriger Haut die Schuppen vollstndig
fehlen. Whrend der Bauch weilich ist, hat der Rcken eine dstere
Schlammfarbe, die in Anpassung an die Verstecke des mchtigen Tieres
zwischen dem Wurzelwerk berhngender Ufer fters in eigentmlich
zerrissener Weise marmoriert erscheint. Hier liegt der Wels, der sich am
liebsten in langsam flieendem Wasser mit reichem Pflanzenwuchs und
morastigem Untergrunde aufhlt, tagsber in trger Ruhe und lt
lediglich seine Bartfden spielen, um nach den dadurch angelockten
Fischen zu schnappen. Er ist berwiegend Nachttier und ein ganz
gewaltiger Ruber dazu. Bei seiner Gre (er wird ber 3 _m_ lang und
bis zu 250 _kg_ schwer) vermag er recht umfangreiche Bissen, wie Gnse,
hinunterzuwrgen, und es ist durchaus keine Fabel, wenn man behauptet,
da sogar badende Kinder ernstlich durch ihn gefhrdet werden knnen.
Bei uns in Deutschland sind so groe Welse freilich eine Seltenheit,
zahlreich aber habe ich sie am Kaspi gesehen. Dort kamen die Fische
Anfang April (alle mir zugnglichen Lehrbcher geben flschlich Mai und
Juni an) massenhaft zum Laichen in die flachen, rohrbewachsenen
Uferbuchten, wo die Rogner ihre verhltnismig sehr kleinen und auch
nicht bermig zahlreichen (etwa 20000) Eier, aus denen ein
minderwertiger Kaviar gewonnen wird, an den Rohrstengeln abstrichen. Die
fast wie Kaulquappen aussehenden Jungen schlpfen schon nach acht Tagen
aus. Whrend ich von dem fr den Kaspi berall angegebenen
Grundangelbetrieb nirgends etwas gesehen habe, sperrten die Fischer
solche Buchten und Flumndungen nach dem Eintreten der Welse mit groen
und starken Netzen ab und trieben die Tiere durch Vorrcken derselben
schlielich in einem Winkel zusammen. Auf kleinem Raum waren dann viele
Tausende der mchtigen Fischleiber zusammengedrngt, und zwischen diesem
wallenden Gewimmel fuhren die Tataren wagehalsig auf kleinen, schwanken
Booten herum und harpunierten mit groen Stolanzen einen der
gewichtigen Fische nach dem anderen heraus, um ihn dann mit gewaltigem
Schwung an Bord des von Armeniern besetzten Fischkutters zu werfen. Oft
muten zwei oder drei Mann zugreifen, um die schweren Fische zu heben,
und nicht selten geschah es dabei, da sie trotzdem insgesamt das
bergewicht bekamen und in das aufspritzende Wasser mitten zwischen die
gengstigten Fischriesen strzten. Dazu der glhrote Fackelschein, das
Geschrei der aufgeregten Mnner, das betubende Gekreisch der unzhligen
groen Mwen, die sich um die fortgeworfenen Eingeweide zankten, der
gespenstige Anblick, den die auf dem Meer schaukelnden, abgeschnittenen
und im unsicheren Mondeslicht wie Menschenhupter aussehenden Welskpfe
boten -- das alles vereinigte sich zu einem so eigenartigen Bilde, da
ich es nie vergessen kann. Einmal habe ich auch selbst am lichten Tage
einen in der Nhe des Ufers schwimmenden Wels mit Vogeldunst erlegt, der
auf den Schu hin sofort die weie Bauchseite nach oben kehrte. Das
weie, fette Welsfleisch, auf das ich dort vielfach zu meiner Ernhrung
angewiesen war, habe ich besser befunden, als seinen Ruf, und nur bei
sehr alten Stcken schmeckt es etwas tranig, ist dann auch fr einen
verwhnten Gaumen zu zh. Eine gewisse uere hnlichkeit mit dem Wels
besitzt die freilich nur 60 _cm_ lang und hchstens 8 _kg_ schwer
werdende, uerst ruberisch veranlagte _Quappe_ (_Lta lta_), auch
Aalraupe oder Trsche genannt. Walzenfrmiger Leib, dicker Kopf, kleine
Beschuppung und kurze Kinnbarteln bilden ihre hervorstechendsten
Merkmale. Mit dem Wels hat sie an und fr sich nichts zu tun, gehrt
vielmehr in die Verwandtschaft der weichstrahligen Schellfische, hat
aber doch in der Lebensweise viel Gemeinsames mit dem Waller. Wie dieser
ist sie ein ausgesprochener Nacht- und Bodenfisch, hlt auch hnliche
Standorte ein, obschon sie mehr Wert auf reine Beschaffenheit des
Wassers legt und deshalb hoch in den Gebirgsflssen emporsteigt, wo dann
Forellenbrut ihre Lieblingsnahrung bildet. Den geschmeidigen Leib
schiebt sie mehr kriechend als schwimmend ber den Boden hin, schiet
aber blitzschnell durchs Wasser, wenn man sie durch Aufheben eines
Steines aus ihrem Schlupfwinkel aufstberte. Sonst sehr ungeselliger
Natur vereinigt sie sich doch whrend der in die klteste Jahreszeit
fallenden Laichperiode zu wahren Knueln. Steinbuch will beobachtet
haben, da whrend des Laichaktes eine innige Vereinigung beider
Geschlechter stattfinde, die dabei durch ein von ausgeschiedenem
Milchsaft gebildetes Band fest zusammengehalten wrden, doch hat diese
hchst auffllige Entdeckung eine sptere und einwandsfreie Besttigung
von anderer Seite meines Wissens bisher nicht erfahren. Die Quappenleber
fand frher in der Arzneikunde Verwendung, und aus der Haut der
zhlebigen Tiere bereitet man in Sibirien nicht nur Kleidungsstcke,
sondern sogar -- Fensterscheiben. Das Fleisch wird sehr verschieden
beurteilt, im allgemeinen aber wenig gewrdigt. Mit Unrecht! Es ist
zart, fett, grtenarm und von eigenartigem Wohlgeschmack. Wer es richtig
schtzen lernen will, der lasse sich von seiner Eheliebsten einmal die
Nationalspeise der ostpreuischen Haffischer bunte Fische, bereiten.
Verschiedene Lagen zerschnittener Kartoffeln wechseln mit ebensoviel
Schichten Fischfleisch ab. Je mehr, desto besser! Wichtig ist, da die
unterste Schicht durch einen recht fetten Fisch gebildet wird, und dazu
eignet sich die Quappe mehr als jeder andere, wenn sie auch im Notfall
durch Aal ersetzt werden kann. Nach Beigabe des ntigen Wassers und
unter Zufgung der blichen Gewrze, schraubt man dann den Topf zu und
lt das Ganze nach Art des Pichelsteiner Fleisches dnsten, wobei sich
der kstliche Fischgeschmack in die zerfallenden Kartoffeln zieht.
_Probatum est!_ Ab und zu wird in unseren Gewssern auch einmal ein
Angehriger der zu den Schmelzschuppern gehrigen Familie der _Stre_
(_Acipnser_) gefangen, die durch ihren kstlichen Kaviar weltberhmt
geworden sind, indessen betrachten wir diese eigenartige, mehr im Osten
beheimatete Gruppe wohl besser erst im nchstjhrigen Kosmosbndchen,
das von den auslndischen Fischen handeln soll.

  [Illustration: Mundscheibe des Neunauges.]

Sehr tiefstehende, aber in mehr als einer Beziehung hochinteressante
Fische -- wenn man sie berhaupt noch zu den Fischen zhlen darf -- sind
die wurmfrmig gestalteten, als Rundmuler eine besondere Ordnung
bildenden _Neunaugen_. Ihren Namen haben sie davon, da man die sieben
Kiemenspalten jederseits und das unpaare Nasenloch als Augen
mitgezhlt hat. Das Auffallendste an diesen, der paarigen Flossen
entbehrenden Geschpfen ist der rsselfrmig vorgestreckte Mund mit
seiner kreisrunden Saugscheibe, von deren Gestaltung unsere Abbildung
eine gute Vorstellung gibt. Will sich das Tier damit irgendwo ansaugen,
so braucht es blo den Zungenstpsel zu heben, dadurch einen luft-
bezgl. wasserleeren Raum zu schaffen und die Saugscheibe fest gegen den
erwhlten Gegenstand zu drcken. Es haftet dann so fest, da man z. B.
eine dreipfndige Makrele samt einem zehnpfndigen Stein, an den sie
sich angesogen hat, aus dem Wasser heben kann. Die Neunaugen machen von
dieser Fhigkeit namentlich auch whrend des Laichgeschftes Gebrauch,
indem sie oberhalb der Laichstelle ziemlich groe Steine ansaugen, sich
mhsam mit ihnen erheben und sich dann langsam und absatzweise von der
Strmung bis zu dem Hochzeitslager treiben lassen. Beide Geschlechter
beteiligen sich fleiig an dieser beschwerlichen Arbeit, und unsere
grte Art, die _Lamprete_ (_Petromyzon marnus_) schleppt dabei
mehrpfndige Steine mit der Geschicklichkeit eines Ingenieurs fort, um
sie schlielich zu einem Haufen von Armeslnge und 60 bis 80 _cm_ Hhe
aufzutrmen, in den dann das Weibchen seine Eier hineinlegt, whrend die
ausschlpfenden Jungen in den engen Zwischenrumen zwischen den Steinen
und in deren Spalten selbst geeignete Schlupfwinkel finden. Beim
Bachneunauge oder der _Zwergbricke_ (_Petromyzon plneri_) hat ein
Aquarienfreund auch gesehen, da sie sich im Bodensand aus Steinen
frmliche Wohnrhren baute, in denen das lichtscheue Geschpf tagsber
verborgen lag. Weiter dient die Saugscheibe den Neunaugen aber auch noch
zum Nahrungserwerb. Bei der Lamprete und bei dem Fluneunauge oder der
_Pricke_ (_Petromyzon fluvitilis_) wenigstens ist es zweifellos
festgestellt, da sie eine teilweise parasitre Lebensweise fhren,
indem sie grere Fische ansaugen, ihnen mit den Raspelzhnen ihrer
Zunge Haut und Fleisch durchsgen und sich den Nahrungsbrei einpumpen,
whrend bezglich der kleineren und harmloseren Zwergbricke die
Untersuchungen ber diesen Punkt noch nicht abgeschlossen sind. Man hat
schon Fische gefunden, die von Neunaugen buchstblich in zwei Stcke
zersgt waren. So vermgen sie zu furchtbaren Qulern und Feinden
anderer Fische zu werden, zumal sie auch viel Fischlaich verzehren, der
neben allerlei Gewrm ihre bevorzugte Speise auszumachen scheint. Gar
nicht unwahrscheinlich ist es, da sie sich von ihren beschuppten
Reitpferden auch auf ihren Wanderungen gern ein Stck Weges tragen
lassen, da sie selbst mit ihren schlngelnden Bewegungen nur mhsam
grere Strecken zurcklegen knnen. Auf diese Weise drfte auch das
vereinzelte Vorkommen von Lampreten in Gegenden zu erklren sein, die
sie sonst nicht aufsuchen, so im Oberrhein, wohin sie wahrscheinlich
durch Lachse verschleppt wurden. Interessant ist die Entwicklung der
Neunaugen, die ein Gegenstck zu derjenigen des Aales darstellt. Denn
wie bei diesem entschlpft dem Ei nicht das fertige Tier, sondern eine
unfertige Zwischenform, eine Art Larve, die unter dem Namen Querder
schon lange bekannt ist, aber frher fr eine besondere Fischart
gehalten wurde. Zeitweise findet man nur solche Querder in den
Gewssern, da die alten Neunaugen bald nach Beendigung des
Laichgeschftes absterben. Der wurmfrmige Querder ist blind, von
schmutzig gelblicher Farbe, ohne Metallglanz, ohne getrennte Flossen,
ohne richtige Saugscheibe und ohne Geschlechtsorgane. Im Schlamm und
Moder, den er freiwillig kaum verlt und von dessen verwesenden
Bestandteilen er sich nhrt, fhrt er ein hchst stumpfsinniges Dasein.
Nur ganz allmhlich und langsam geht die tiefgreifende, mehrere Jahre
beanspruchende Verwandlung zum geschlechtsreifen Neunauge vor sich.
Whrend die Zwergbricke das Swasser zeitlebens nicht verlt, sucht es
die sonst im Meer hausende Lamprete nur zur Laichzeit auf, und die
Pricke pendelt zwischen beiden hin und her, scheint sich aber am
liebsten im Brackwasser aufzuhalten. Sicherlich sind alle drei Formen
aus einem gemeinsamen Grundtypus in Anpassung an diese verschiedenen
Wohnorte hervorgegangen. Am zahlreichsten treten die beiden greren
Formen an unserem Ostseestrande und in den dort einmndenden Strmen
auf, so namentlich bei Elbing, bei Memel und in den sich ins Kurische
Haff ergieenden Strmen, und nur in diesen Gegenden hat ihr Fang in
besonderen Brickenscken wirtschaftliche Bedeutung zu erlangen vermocht.
Die Feinschmecker in den genannten Stdten warten aber mit groer
Sehnsucht auf das Eintreffen der ersten Brickenfnger im Frhherbst. Ich
erinnere mich, da in Memel dieses frohe Ereignis durch einen
Bllerschu und das Aufziehen einer roten Flagge auf einer kleinen
Strandkneipe _urbi et orbi_ verkndigt wurde. Dann eilten alle
Leckermuler dorthin und lieen sich die im eigenen Fett frisch auf dem
Rost gebratenen Neunaugen trefflich schmecken. Man darf aber des Guten
nicht zu viel tun, da sie schwer verdaulich sind, und handelt weise,
wenn man einen Kmmel draufsetzt. Leider lassen sich so gerstete
Bricken nicht verschicken, und der Binnenlnder, der sie nur als
marinierte Fische kennt, hat keine Ahnung von ihrem kstlichen
Wohlgeschmack. Leider nehmen diese Schmarotzerfische rasch ab, und ihre
ganze Organisation weist ja schon darauf hin, da sie eigentlich in ein
frheres Zeitalter hineingehren. Gegenwrtig sollen jhrlich nur noch
etwa 5-6000 Schock in Ost- und Westpreuen gefangen werden, und demgem
ist auch der Preis gestiegen. Leider ist es noch nicht gelungen,
Neunaugen zu zchten und uns so vielleicht einen Weg zu zeigen, auf dem
wir unseren Feinschmeckern diesen sonderbaren Fisch, dieses Wirbeltier
ohne Wirbelsule, wenigstens knstlich erhalten knnten. Hier lge eine
ebenso lohnende wie wissenschaftlich interessante Aufgabe fr
biologische Versuchsanstalten vor.

Der _Maifisch_ oder die Alse (_Clpea alsa_) mit dem tief gespaltenen
Maul und den beiden merkwrdigen Flgelschuppen vor der Schwanzflosse
kann uns zu der wirtschaftlich so hochwichtigen Gruppe der Heringe
hinberleiten, denn er lt sich recht gut als der Hering des Swassers
charakterisieren, und auch seine kleinere und etwas spter erscheinende
Abart, die Finte, verrt selbst dem Laien sofort ihre Zugehrigkeit zur
groen Heringsfamilie. Auch der Maifisch verbringt den grten Teil
seines Daseins im Meer und wandert nur zur Laichzeit in den Flssen
aufwrts, indem er sich mit seltener Pnktlichkeit an ihren Mndungen
einstellt und dann in groen Scharen dicht unter der Oberflche und mit
vielem Gelrm, das durch fortwhrende Schwanzschlge verursacht wird,
sich aber wie Schweinegrunzen anhren soll, fluaufwrts zieht. So
werden seine Wanderungen sehr auffllig und sind denn auch von jeher von
den Fischern weidlich ausgenutzt worden. Zum berspringen von
Hindernissen entschliet sich dieser behbige und phlegmatische Fisch
aber nicht leicht, macht deshalb auch nur selten von den angelegten
Fischleitern Gebrauch und fehlt daher heute schon vielfach wegen der
vielen Wehre in Gewssern, wo er frher eine regelmige und gern
gesehene Erscheinung war, wie im Main. Man sagt auch ihm nach, da er
whrend der ganzen Reise fasten soll, und jedenfalls sind die wenigen
Maifische, die den Zhnen der Raubfische und den Netzen der Menschen
entgingen und nach beendigtem Laichgeschft wieder zum Meere
zurckkehren, jmmerlich abgemagert und vllig erschpft, so da auch
der sie mit Verachtung straft, dem im Frhjahr der feiste Fisch trotz
seiner vielen Grten als ein kstlicher Leckerbissen erschien. Dagegen
soll der im Meere lebende Maifisch auch nichts wert sein, und es
scheint, da er erst eine Zeitlang Swasser kneipen msse, um der
menschlichen Tafel wrdig zu werden. Bei der Rckkehr, die nach dem
stolzen und geruschvollen Frhlingseinzug anmutet wie die Rckkehr der
groen Armee aus den Schneefeldern Rulands, sterben viele vor
Ermattung, und man sieht dann ihre Leichname oft massenhaft stromabwrts
treiben. Leider wird auch dieser Fisch, der einst bei Speyer zu
Tausenden mit Schaufeln dem Rhein entnommen werden konnte, bei uns immer
seltener, wozu namentlich die Raubfischerei der Hollnder beitragen mag,
die die Rheinarme mit einer mehrfachen Netzwand ihrer ganzen Breite nach
abzusperren pflegen, so da der weitaus grte Teil der wandernden
Fische schon hier ein frhzeitiges Ende findet.

In richtiger Erkenntnis von der steigenden wirtschaftlichen Bedeutung
unserer Swasserfischerei, die durch die Verunreinigung der Gewsser
vielfach zurckgegangen war, sich neuerdings aber mit Hilfe der
knstlichen Fischzucht wieder gehoben hat, haben die Regierungen whrend
der letzten Jahre die gesetzlichen Vorschriften zu ihrer Erhaltung
betrchtlich ausgebaut und erweitert, die auf Fischfrevel gesetzten
Strafen bedeutend verschrft. So begrenswert das ist, mu doch der
Naturfreund bedauern, da man dabei im bereifer vielfach ber das Ziel
hinausgeschossen ist und insbesondere der systematischen Vernichtung der
Fischfeinde eine ganz bertriebene Bedeutung beigelegt hat. Wohin soll
es z. B. fhren, wenn, wie der neue preuische Fischereigesetzentwurf
vorsieht, knftig der Fischer das Recht haben soll, ohne Rcksicht auf
den Jagdinhaber fischfressende Vgel zu vertilgen und sogar ihre Nester
zu zerstren? Dann wren wir auch die letzten Reste von Reiherkolonien
u. dgl. bald los, fr Eisvogel und Wasseramsel htte die Todesstunde
geschlagen, und die traurige Verdung unserer einst so reichen Natur
wre wieder um einen Riesenschritt weiter. Nein, gerade der Fischer, der
den unerschpflichen Reichtum des Wassers kennt, wie kein anderer,
sollte auch die Wahrheit des alten Spruches erkennen: Raum fr alle hat
die Erde!




Register


Die mit einem Sternchen (*) bezeichneten Ziffern verweisen auf eine
Abbildung im Text

      Aal 21, 67, *69
      Aalleiter 72
      Aalmutter 67
      Aalraupe 97
      _Abramis brama_ 60
      _Acerina cernua_ 28
      _Acerina schraetser_ 27
      _Acipenser_ 98
      Aland 59
      Alandblecke 62
      _Alburnus alburnus_ 61
      _Alburnus bipunctatus_ 62
      _Alburnus mento_ 62
      Alse 101
      _Anableps tetrophthalmus_ 37
      _Anguilla vulgaris_ 67
      sche 90
      _Aspius aspius_ 60
      _Aspro streber_ 27
      _Aspro zingel_ 27


      Bachneunauge 99
      Bachsaibling 90
      Barbe 21
      _Barbus fluviatilis_ 21
      _Barbus petenyl_ 21
      Barsch 65
      Bartgrundel 13
      Berschik 27
      Bitterling 39, 40
      Blaufelchen 91
      Blei 60
      _Blicca bjrkna_ 60
      Blikke 60
      Brassen 60
      Breitschdel 17


      _Carassius carassius_ *55
      _Chondostroma nasus_ 62
      _Clupea alosa_ 101
      _Cobitis barbatula_ 13
      _Cobitis fossilis_ 10
      _Cobitis taenia_ *12
      _Coregonus albula_ 91
      _Coregonus hiemalis_ 92
      _Coregonus lavaretus_ 91
      _Coregonus oxyrhynchus_ 92
      _Coregonus wartmanni_ 91
      _Cottus gobio_ 15, *16
      _Cyprinus carpio_ 48


      Darmatmung 14
      Dickkopf 17
      Dbel 58
      Donaulachs 88
      Dnnbauch 34
      Durstgefhl 54


      Elritze 57
      Entwicklung des Eis 86, *87
      _Esox lucius_ 92


      Farbenblindheit 38
      Frbung 17
      Farbwechselvermgen 19
      Finte 101
      Fischauge 36
      Fischzucht, knstliche 85
      Flubarbe 21
      Flubarsch 22, *23
      Fhrchen 84
      Forelle 12, 15, 66, 81
      Forellenbarsch 28


      Ghnen 10
      _Gasterosteus aculeatus_ 42
      _Gasterosteus pungitius_ 47
      Gefhlssinn 32
      Gehrorgan 29
      Geruchssinn 35
      Geschmackssinn 35, 36
      Giftwaffen 20
      Glasaal 71
      Glckchen 36
      _Gobio gobio_ 56
      _Gobio uranoscopus_ 57
      Goldfisch 56
      Goldorfe 59
      Greling 56
      Groppe 15, *16
      Grotzfisch 17
      Grundforelle 90
      Grndling 56, *57
      Gster 60


      Hai 6
      Hakenlachs *77
      Hecht 92
      Hochzeitskleid 39
      Huchen 88


      Jahresringe 80
      _Ichthyophonus hoferi_ 84


      Karausche *55
      Karpfen 7, 8, 48, 65
      Katzenhai 6, 9
      Katzenwels 35
      Kaulbarsch 28
      Kaulhuptlein 17
      Kaulquappe 17
      Kautzenkopf 17
      Kiemenapparate 15
      Kiemenatmung 14
      Kilch 92
      Krper, roter 54
      Kropffelchen 92
      Kulheet 17


      Lachs 70, 75
      Lachsforelle 89
      Lamprete 99
      Lauben 62
      Lederkarpfen 48
      Legerhre 40
      _Leptocephalus brevirostris_ 70
      Lernfhigkeit 66
      _Leucaspius delineatus_ 33
      Leuchtorgane 19
      _Leuciscus cephalus_ 58
      _Leuciscus erythrophthalmus_ 59
      _Leuciscus idus_ 59
      _Leuciscus rutilus_ 59
      Lippfisch 9
      _Lota lota_ 97
      _Lucioperca sandra_ 26
      _Lucioperca volgensis_ 27


      Maifisch 101
      Maiforelle 90
      Mairenke 62
      Makrele 99
      Malermuschel *40, 41
      Marne, groe 91
      Maulbrter 9
      Musefresser 58
      Meerforelle 89
      Messerkarpfen 34
      Moderlieschen *33
      Mhlkoppe 17


      Nase 62
      Neunauge 99


      _Osmerus eperlanus_ 90
      Otolith 29
      Oval 54


      Panzerwels 9
      Papst 17
      _Pelecus cultratus_ 34
      _Perca fluviatilis_ 22
      _Petromyzon fluviatilis_ 100
      _Petromyzon marinus_ 99
      _Petromyzon planeri_ 99
      Pfaffenlaus 28
      Pfffikonmarne 91
      Pfrillen 58
      Phototaxis 64
      _Phoxinus laevis_ 57
      Pltze 59
      Pricke 100


      Quappe 97
      Querder 100


      Rapfen 60
      Regenbogenforelle 90
      _Rhodeus amarus_ 39
      Roche 6
      Rotauge 59
      Rotzkober 17
      Rmpchen 58


      Saibling 89
      Salm 76
      _Salmo fontinalis_ 90
      _Salmo hucho_ 88
      _Salmo irideus_ 90
      _Salmo lacustris_ 89
      _Salmo salar_ 75, 76
      _Salmo salvelinus_ 89
      _Salmo trutta_ 89
      Schill 26
      Schlafstellung 8
      Schlammbeier 10, 12, 14
      Schlammgeschmack 14
      Schlammpeitzker 8, 9, 10, 12
      Schleie 56
      Schmerle 13
      Schnpel 92
      Schneider 62
      Schneiderkarpfen 39
      Schnelligkeit 52
      Schrtzer 27
      Schutzfrbung 19
      Schwarzbarsch 28
      Schwarzreiter 89
      Schwebeforelle 89
      Schwimmbewegung 52
      Schwimmblase 53
      Seeforelle 89
      Seitenlinie 31, 32
      Semling 21
      Sichelfortsatz 36
      Sichling 34
      Silberforelle 90
      _Silurus glanis_ 96
      Sommerschlaf 7
      Spiegelkarpfen 48
      Statolith 29
      Stechbttel 43
      Steinbeier 9, *12
      Steingreling 57
      Stichling 42, 66
      Stint 90
      Str 98
      Streber 27
      Symbiose 41


      Taumelkrankheit 84
      Tastsinn 32
      _Thymallus vulgaris_ 90
      _Tinca tinca_ 56
      Tne 15
      Traunseemarne 91
      Trsche 97
      _Trutta fario_ 81


      Uckelei 61


      Waller 96
      Wanderung 63
      Weifisch 7
      Wels 96
      Winterschlaf 7


      Zahnkarpfen 37
      Zander 26
      Zicke 34
      Zingel 27
      _Zoarces vivipara_ 67
      Zwergbricke 99
      Zwergmarne 91
      Zwergstichling 47
      Zwergwels 9




Naturwissenschaftliche Bildung ist die Forderung des Tages!

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  Nichtmitglieder zahlen den Einzelpreis von M 1.-- pro Band.

  Dr. H. Dekker, Vom sieghaften Zellenstaat.

  Dr. Ad. Koelsch, Der blhende See.

  W. Boelsche, Festlnder und Meere.

  Dr. K. Floericke, Einheimische Fische.

  Dr. A. Zart, Atome, Molekle und andere naturwissenschaftliche
  Hypothesen.

  nderungen vorbehalten. (Nheres wird im Kosmos-Handweiser
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   5. Siehe vorige Seite.

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Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation information page at www.gutenberg.org


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at 809
North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887.  Email
contact links and up to date contact information can be found at the
Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org

Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
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The Foundation is committed to complying with the laws regulating
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Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For forty years, he produced and distributed Project
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