The Project Gutenberg EBook of Das Lob der Narrheit, by Desiderius Erasmus

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Title: Das Lob der Narrheit

Author: Desiderius Erasmus

Editor: O. J. Bierbaum

Illustrator: Holbein

Release Date: September 19, 2014 [EBook #46903]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS LOB DER NARRHEIT ***




Produced by Jana Srna, Norbert H. Langkau, Reiner Ruf, and
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                    Anmerkungen zur Transkription:
                    ##############################

Der vorliegende Text wurde anhand der 1918 erschienenen Neuauflage der
Ausgabe von 1781 mglichst originalgetreu wiedergegeben. Ungewhnliche,
alte und regionale Schreibweisen (z.B. "eckelhaft", "Hinderlassung",
"willt du") wurden beibehalten, ebenso inkonsistente Schreibweisen
(z.B. "Ulysses/Ulisses", "bewut/bewust"), sowie alle Abweichungen in
Gro- und Kleinschreibung.

Die folgenden Stellen wurden korrigiert:

    # Vorwort: "Dulce est decipere in loco" --> "Dulce est desipere in
      loco"
    # S. 2: "Gttern" --> "Gtter"
    # S. 5: "Stregreife" --> "Stegreife"
    # S. 7: "Pupurrckchen" --> "Purpurrckchen"
    # S. 11: "jenern" --> "jenen"
    # S. 12: "Angen" --> "Augen"
    # S. 27: "Possenweisser" --> "Possenreisser"
    # S. 28: doppeltes "und"; eines entfernt
    # S. 53: "zween Steine" --> "zween Steinen"
    # S. 74: "schmeicheit" --> "schmeichelt"
    # S. 90: "jeder" --> "jede"
    # S. 94: "den Aeneas" --> "dem Aeneas"
    # S. 101: "Babara" --> "Barbara"
    # S. 122: "Titil" --> "Titel"
    # S. 129: "Argonoute" --> "Argonaute"
    # S. 197: "voll ssses Weins" --> "voll sssen Weins"
    # S. 207: "einen" --> "einem"

Der Orignaltext wurde in Frakturschrift gesetzt; einige Passagen wurden
durch Antiquaschrift hervorgehoben. Diese Stellen werden hier mit
Unterstrichen gekennzeichnet (_antiqua_). Gesperrte Textstellen stehen
zwischen Tilden (~gesperrt~).




                      Die Bcher der Abtei Thelem

                             Zwlfter Band

                      Erasmus / Lob der Narrheit

                            [Illustration]




             [Illustration: Die Bcherei der Abtei Thelem

                   Herausgegeben von O. J. Bierbaum]




                        [Illustration: ERASME.

                                MORUS.

                               HOLBEIN.]




                                  Das

                           Lob der Narrheit

                         aus dem Lateinischen

                             des Erasmus.

                       Berlin und Leipzig, 1781.

            Bey Georg Jacob Decker, Knigl. Hofbuchdrucker.

                Mit Kupfern von Holbein, neu erschienen
               bei Georg Mller zu Mnchen im Jahre 1918




Vorwort


Als ein Kind launiger Muse will Erasmus von Rotterdam seine
weltberhmte Schrift ~Das Lob der Narrheit~ beurteilt wissen.
In dem Widmungsbriefe an den jngeren, damals (1498) zwanzigjhrigen
Thomas Morus, spteren Kanzler Heinrichs VIII. von England, dem
ihn gemeinsame humanistische Studien verbanden, erzhlt der Verfasser,
wie ihm die Idee zu dem Buche auf dem Heimritt von Welschland gekommen
sei. Es ist kein Grund daran zu zweifeln, da dieses populrste Werk
des deutschen Humanismus mehr oder minder zufllig koncipiert und mit
einer Art spielerischen Vergngens ausgefhrt wurde. Erasmus selber hat
wohl nie geahnt, da die geistreiche aber leicht gezimmerte Arbeit,
die ihm nichts als ein Ausruhen von ernsten, gelehrten Forschungen
bedeutete, seinen internationalen Ruhm fr alle Zeiten begrnden wrde.

Das in eleganter Latinitt geschriebene und in alle Kultursprachen
bersetzte Werk verdankt seine uere Anregung dem deutschen
Narrenschiff des Sebastian Brant, kommt aber geistig aus viel
frherer Zeit her, nmlich aus der freieren Sphre des attischen
Sptters Lukian, von dem es den feineren Witz, die berlegene Ironie
und die aller Didaktik fremde, jeglicher Moralisation abholde
weltmnnische Art hat. Hinter dem tollen Wirrwarr menschlichen
Treibens, hinter den Mngeln, Schwchen, Fehlern und Untugenden sieht
Erasmus die Thorheit als etwas nur Allzumenschliches an. Sie ist ihm
dasjenige geistige Element, das dem Erdendasein berhaupt erst Reiz
und Wert verleiht. Das Horazische _Dulce est desipere in loco_
ist hier zu einem Prinzip der Weltanschauung erhoben und wird halb
im Ernst, halb im Scherz von einer lchelnden Lebensphilosophie als
_Vademecum_ fr jeden Erdenpilger gepriesen. Da der geistreiche
und seine Thesen mit unzhligen gelehrten Zitaten erhrtende Autor
sich dabei nicht immer konsequent bleibt und mitunter wie z. B. in
seiner Polemik gegen Kirche und Theologie aus dem Ton und der Rolle
eines Lobredners der Thorheit fllt, darf weiter nicht verwunderlich
erscheinen.

Die vorliegende bersetzung ist mit ausgewhlten Holzschnitten nach den
Randzeichnungen von Erasmus Freunde Holbein geziert, die der Meister in
ein Exemplar der Frobenschen zu Basel aufbewahrten Ausgabe eingetragen
hat.

    Der Herausgeber




[Illustration]




Lobrede, welche die Narrheit sich selbst hlt.


Was die Sterblichen auch immer von mir schwatzen mgen (ich wei es,
meine Herren, ich wei es, in welchem bsen Rufe die Narrheit auch bey
den grbsten Narren steht) so bin doch ich es, ich, wie Sie mich hier
vor sich stehen sehen, durch deren bermenschliche Kraft den Herzen
der Gtter und der Menschen die muntersten Freuden eingeflt werden.
Wollen Sie hierber einen Beweis? Hier ist ein berzeugender:

Kaum war ich aufgetreten, um in dieser zahlreichen Versammlung eine
Rede zu halten, so ward pltzlich jedes Antlitz mit einem neuen
und ungewhnlichen Schimmer der Frhlichkeit bergoldet; pltzlich
entfaltete sich jede Stirn; im hellsten liebenswrdigsten Lcheln
wird mir von allen Orten der holdeste Beyfall zugewinkt. Wo ich meinen
Blick hinrichte, sehe ich Gesichter, die mich nicht anderst denken
lassen, als jedermann habe sich bey dem Nektar, dem es die Homerischen
Gtter bey ihrem Gelache gewi an dem Safte des die Traurigkeit
verbannten Ochsenzungenkrautes nicht fehlen lassen, in die beste Laune
getrunken: und vorhin sah jeder so finster und grmlich aus, als ob
er geradesweges aus einer Eremitenzelle zurckkomme. Wie wenn die
Sonne am frhen Morgen ihr goldschnes Antlitz der Erde zuwendet; wie
wenn nach dem rauhen Winter der neue Frhling mit seinem belebenden
Hauche kommt: jugendlich glnzt das Antlitz der ganzen Natur; Farbe,
Anzug, alles hat sich verjngt: also, meine Herren, hat sich auch auf
ihren Angesichtern, sobald sie einen Blick auf mich gerichtet hatten,
alles gendert. Groe Redner! schwarze Sorgen wollt ihr aus den Herzen
der Zuhrer verbannen; und wie betreibt ihr's? in einer viele Nchte
hindurch abgezirkelten langweiligen Rede arbeitet ihr oft vergeblich
daran. Schmet euch! Sehet, mit einem einzelnen Blicke hab ichs zu
Stande gebracht!

Warum ich heute in einem so ungewhnlichen Aufputze erscheine? Sie
werden es sogleich vernehmen, meine Herren, wenn es ihnen nicht
zu beschwerlich ist, mir ein geneigtes Ohr zu gnnen; aber bey
Leibe ja nicht ein solches, das Sie den ehrwrdigen Kanzelrednern
zuwenden, sondern ein solches, das Marktschreyern, Possenspielern und
Lustigmachern immer offen steht; ein solches, wie ehedem unser Midas
dem Pan ein stattliches Paar zuwendete.

Mich hat die Laune angewandelt, mich Ihnen fr eine Weile als
Sophistin zu weisen; nicht von der Art jener, die in unsern Zeiten
der Schuljugend einige Armselichkeiten ngstlich einbluen und dabey
lrmend ein mehr als weibisches Gekeif ergellen lassen. Ich werde jenen
Alten nachahmen, die sich, um dem mir so verhaten Namen der Weisen
klglich auszuweichen, Sophisten nannten. Sie bernahmen es, das Lob
der Gtter und der Helden herauszustreichen. Man halte sich also in
Bereitschaft, eine Lobrede anzuhren; nicht auf einen Herkules, einen
Solon, sondern auf mich, d. i. auf die Narrheit.

Ich mache mir nicht das geringste daraus, wenn jene Weisen jeden, der
sich selbst lobt, fr einen Narren und Unverschmten ausschreyen.
Nrrisch so viel sie wollen, wenn sie nur eingestehen, da es dem
Charakter angemessen sey. Und was knnte sich fr die Narrheit besser
schicken, als ihr Lob selbst auszuposaunen, und nach ihrer eigenen
Pfeife zu tanzen? Wer wird mich natrlicher schildern, als ich es
selbst thun kann? Wer steht in genauerer Bekanntschaft mit mir, als ich?

O ja, man wird mir eingestehen, da ich mich noch bescheidener betrage,
als der Haufe der Groen und Weisen, welche bey einer verkehrten
Schamhaftigkeit, einen fuchsschwnzerischen Schwtzer, oder einen
windichten Dichter mit baarem Gelde dingen, um aus seinem Munde
ihr eigenes Lob anhren zu knnen; das ist eitele Lgen: und dann
steht der Schamprahler da wie der Pfau, der mit dem ausgebreiteten
Schweife stolziert, den Kamm hochtragend. Der unverschmte Schmeichler
vergleicht den Taugenichts mit den Gttern; er streicht ihn als
das vollkommenste Tugendmuster heraus und wei doch, da derselbe
himmelweit davon entfernt sey; er verziert eine kleine Krhe mit
fremden Federn; wascht einen Moren; macht aus einer Mcke einen
Elephanten. O ich, ich folge dem gemeinen Sprchworte; wenn niemand
mich loben will, so lob ich mich selbst.

[Illustration]

Verwundern mu ich mich ber das Betragen der Sterblichen. Ists
Undankbarkeit? ists Trgheit? Sie machen mir alle den Hof; meine
Wohlthtigkeit gegen sie erwecket in ihnen vieles Vergngen: doch
ist seit so vielen Jahrhunderten noch niemand aufgetreten, der aus
Erkenntlichkeit das Lob der Narrheit feyerlich angestimmt htte; und
doch schonte man in Herausstreichung eines Bustiris, eines Phalaris,
des viertgigen Fiebers, eines Kahlkopfs, oder was dergleichen tolles
Zeug mehr seyn mag, weder der Nachtlampe, noch dem Schlafe.

Eine unausgearbeitete und im Stegreife gehaltene, dewegen aber um
so viel natrlichere und der Wahrheit angemessenere Rede werden Sie
von mir hren. Bilden Sie sich ja nicht ein, ich sage dieses nach
der Weise gemeiner Redner, um dadurch meinen Geistesfhigkeiten
Bewunderung zu erknsteln. Diese haben sich etwa bey Verfertigung einer
Rede dreyig Jahre hindurch erschwitzt, wenn es ja nicht gar eine
zusammengeborgte Waare ist: und doch behaupten sie mit einem tapfern
Eidschwure, sie haben sie inner drey Tagen spielend zu Papier gebracht.
Meine Sache aber ist es, alles gerade heraus zu sagen, wie es mir auf
die Zunge springt.

Man erwarte nicht, da ich mich, nach der Weise der Alletagsredner, bey
einer kunstmigen Beschreibung meiner selbst oder wohl gar bey einer
kopfbrechenden Eintheilung meines Gegenstandes, verweilen werde. Beydes
wrde fr mich sehr unschicklich seyn. Wie! ich sollte mir selbst
Schranken setzen, mir, deren Herrschaft sich ber die ganze weite
Welt erstreckt? Ich sollte da pedantisch trennen und theilen, wo alle
Vlker in ihrer Berechnung bereinstimmen? Wozu wrde es dienen, ein
wrkliches Schattenbild von mir hier aufzustellen, da man mich selbst
mit Augen sehen kann? Ich mache Sie, meine Herren, zu Augenzeugen: bin
ich nicht die chte Austheilerinn alles Guten, die man in der ganzen
Welt die Narrheit zu nennen gewohnt ist?

O ja, ich Nrrinn htte dieses zu sagen nicht nthig gehabt. Aus
meinem Antlitze lt sichs sehen, auf meiner Stirn lesen, was ich
im Schilde fhre. Wenn mich jemand fr die Minerva ausgeben wollte,
fr die Gttinn der Weisheit, so wrde er widerlegt seyn, so bald
man mir ins Angesicht she. In diesem, wenn ich auch den Mund nicht
aufthue, ist meine Gemthsart nach dem wahren Leben geschildert. Ich
bediene mich keiner Schminke; wie ich von innen bin, zeig ich mich von
aussen; ich bin mir immer so gleich, da man mich auch an denen nicht
verkennen kann, die sich unter der Larve der Weisheit fr hochweise
Mnner ausgeben; Affen, die im Purpurrckchen einher strotzen; Esel,
die in einer Lwenhaut umher traben: wenn sie sich auch noch so listig
verstellen, so verrathen doch die hervorragenden Oerchen ihren Midas.

In Wahrheit, das sind undankbare Geschpfe: sie sind unstreitig
unsre Zunftgenossen, und schmen sich doch ffentlich unsern Nahmen
anzunehmen; ja sie schimpfen auf die, welche von sich ein ehrlicheres
Bekenntni ablegen. Da sie wirklich Erznarren sind; und doch fr
weiser als ein Thales wollen angesehen werden: knnen wir sie nicht
mit allem Rechte Nrrisch-Weise nennen? Es scheint, da sie diesorts
unsern heutigen Rednern nacheifern, die sich bald gar fr Gtter
halten, wenn sie die Leute bereden knnen, da sie, gleich den
Blutsaugern, zweyzngig seyen; sie sehen sich fr Helden an, wenn sie
eine lateinische Rede mit einigen griechischen Wrtern durchspicken,
und also eine unschickliche Mosaikarbeit zu Markte bringen knnen.
Und wenn es ihnen an auslndischen Wrtern fehlt, so scharren sie aus
verschimmelten Schriften etliche veraltete Wrter hervor, mit denen
sie dem Leser einen Dunst vor die Augen zaubern: dadurch setzen sie
sich in die Gunst derer, die sich darauf verstehen; die brigen werden
um so viel tiefer in Verwunderung gesetzt, je unwissender sie sind.
Auch dieses macht einen schnen Theil unsrer Wonne aus, da wir uns
durch das, so von weitem kmmt, am meisten rhren lassen. Die, welchen
es an Ehrfurcht nicht fehlt, lcheln ihren Beyfall zu, und bewegen
geheimnivoll, gleich den Esel, die Ohren, damit man denke, sie seyen
mit der Sache tief bekannt; ja, sprachen sie scharfsinnig: die Sache
verhlt sich wirklich so, wie sie sich verhlt. Ich lenke wieder ein.

Sie wissen also meinen Namen, Sie, meine Herren! Welchen Ehrentittel
soll ich Ihnen beylegen? Das Wort Erznarren wird Ihnen wohl nicht
zuwider seyn; mit einem schicklichern wei die Gttin der Narrheit ihre
Verehrer, die mit ihren Geheimnissen vertraulich bekannt sind, nicht zu
bezeichnen. Weil aber meine Abkunft eben nicht vielen bewust seyn wird,
so will ich solches unter dem guten Beystande der Musen zu erfnen
trachten.

Nicht Chaos, Orkus, Saturn, Jupiter, war mein Vater, noch irgend einer
der veralteten und ausgedienten hausgrunzerischen Gttergreisen:
Plutus hie er; dieser, und dieser allein (trotz dem Hesiodus, dem
Homerus, und dem Jupiter selbst) war der Vater der Menschen und Gtter;
Plutus, auf dessen Wink auch jetzt noch, wie vor Zeiten, alles, was
heilig und unheilig ist, unter einander gemengt wird. Krieg, Friede,
Reiche, Rathsversammlungen, Gerichtspltze, Landtge, Ehen, Bndnisse,
Vertrge, Gesetze, Knste, das Scherzhafte; das Ernsthafte (o an Athem
gebrichts mir!) kurz alle ffentlichen und besonderen Angelegenheiten
der Sterblichen, richten sich nach seiner Willkhr. Ohne sein Zuthun
wrde das ganze poetische Gttervolk, (ich will freyer von der Brust
weg reden) wrden selbst die Gtter der ersten Classe entweder gar
nicht seyn, oder doch gewi am huslichen Tisch ihr Leben sehr sparsam
durchbringen mssen. Dem, ber den er zrnt, wird selbst Pallas
kmmerlich zu helfen wissen. Der, den er begnstigt, wird er mit dem
obersten Jupiter, und seinem Tonnerkeile, sicher aufnehmen knnen.

Eines solchen Vaters hab ich mich zu rhmen. Er erzeugte mich, nicht
aus seinem Gehirne, wie Jupiter jene saure und scheuliche Minerva,
sondern mit der jugendlichen Neotes, der schnsten und muntersten
Nymphe. Er war mit ihr nicht im traurigen Bande des Ehestandes
verstricket; ich ward nicht wie jener Vulkan, der hinkende Schmidt,
gebohren; ich bin eine Tochter der freyen und freudigen Liebe.

Mein Vater war nicht (irren Sie sich nicht, meine Herren!) jener
aristophanische Plutus, der abgelebte, halbblinde; nein munter war
er noch, in der Blthe der jugendlichen Hitze; ja, nicht nur der
jugendlichen, sondern auch der durch den Nektar entzndeten, den er
damals an einem Freudenfeste der Gtter reichlich geschlrft hatte.

Wollen Sie auch meinen Geburtsort wissen? O ja, heut zu Tage kmmt es
in Absicht auf den Adel vieles darauf an, wo man in der Wiege zuerst
geschrien habe. Ich ward nicht in der schwimmenden Insel Delos geboren;
nicht in dem wogenreichen Meere; nicht in einer verborgenen Hle;
sondern in jenen beglckten schlarafischen Inseln, wo alles ungeset
und unbepflgt hervor sprudelt; da wei man nichts von Arbeiten, vom
Altern, von Krankheiten. Goldwurzeln, Pappeln, Zwiebeln, Feigbohnen,
Erbsen, oder andre dergleichen Aermlichkeiten verstellen da die Felder
nicht; dem Auge und Geruche schimmern, und duften von allen Seiten her
Amaranten, Rosen, Majoran, Violen, Hyacinthen, entgegen; man glaubt, in
dem Garten des Adonis zu seyn.

In einer solchen wonnevollen Gegend gebohren, fieng ich das Leben nicht
mit Weynen an; schmeichelnd lchelte ich, kleine Nrrinn, meiner Mutter
sogleich ins Angesicht. Den saturnischen Jupiter beneide ich nicht, da
er eine Ziege zur Amme hatte. Zwo drollichte Nmphen reichten mir ihre
Brste dar: die taumelnde Methe, Tochter des Bachus; und die sorglose
Apdia, Tochter des Pans. Beyde befinden sich hier in der Gesellschaft
meiner Gefehrten und Aufwrterinnen. Ich soll sie bey ihren Namen
nennen? Gut, hier sind sie! Diese, die ihre Stirn hoch trgt, ist die
sich selbst liebende Philautia. Diese mit ihren zulchelnden Augen,
beyfallklatschenden Hnden ist die schmeichelnde Kolakia. Diese
halbschlafende, die man bereits trumend glauben sollte, ist die
vergeliche Lethe. Diese, die sich auf ihre Elenbogen steuert, und
die Hnde gefaltet hlt, ist die arbeitscheuende Misoponia. Diese mit
Rosenkrnzen umschlungen, Wolgerche duftend, ist die wollstige Edone.
Diese mit ihren unstet umherschweifenden Augen, ist die wahnsinnige
Anoia. Diese mit der glatten Haut, deren ganzer Krper sich sowohl
genhrt zeigt, ist die verzrtelte Tryphe. Unter diesen Mdchen sind
auch zween Gtter zu sehen. Der Eine ist der sich bey jugendlichen
Trinkgelagen munter hervorthuende Komus; der Andere der sich dann in
den tiefsten Schlaf versterbende Nagretos-Hypnos. Mit dem Beystande
dieser meiner getreuen Bedienten unterwerf ich alles meiner Herrschaft,
und Monarchen selbst ertheil ich meine Befehle.

[Illustration]

Ich habe nun von meiner Abkunft, meiner Auferziehung, und meinem
Gefolge, Nachricht gegeben. Damit niemand meyne, ich bediene mich ohne
Grund des Tittels einer Gttinn, will ich zeigen, wie viel Gutes ich
an Gttern und Menschen thue, und wie weit sich meine gttliche Macht
erstrecke. Man ffne die Ohren!

Jemand hat die nicht unschickliche Anmerkung gemacht: um ein Gott zu
seyn, msse man den Menschen Wohlthaten erweisen. Man hat der Zunft
der Gtter mit Recht jene einverleibt, welche die Menschen ber den
Gebrauch des Weines, des Getreides, und andre Lebensbedrfnisse von
dieser Art unterrichtet haben. Wo htte man das Recht her, mich nicht
fr das Alpha aller Gtter zu halten, mich, welcher einzig jedermann
alles und jedes zu verdanken hat?

Zuerst, was kann angenehmer, was kstlicher seyn, als das Leben an sich
selbst? Und von wem anders, als von mir, hat man den Anfang desselben
erhalten? Nicht die Lanze der aus dem strksten der Vter gebohrnen
Pallas, nicht der Schild des wolkensammelnden Jupiters, hat einen
Einflu in die Zeugung und Fortpflanzung des Menschengeschlechtes. Noch
mehr; selbst der Vater der Gtter, der Knig der Menschen, dessen Wink
den ganzen Olympus zittern macht, mu seinen dreygespitzten Donnerkeil
weglegen samt seiner titanischen Mine, mit welcher er, nach seinem
Belieben, allen Gttern einen Schrecken einjagt; nach der armseligen
Weise des Schauspielers mu er einen andern Charakter annehmen, wenn er
das thun will, das er zuweilen thut; das ist, wenn er zum Vater eines
kleinen Jupiters werden will.

Auf die nchste Stelle nach den Gttern machen die Stoiker Anspruch.
Gebt mir einen solchen! Und wenn er auch tausendmal ein Stoiker
ist, so mu er mir, wo nicht den Bart, dieses Merkmahl der Weisheit,
wenn er ihn auch gleich so gro als der Bock hat, doch gewi seine
Gravitt, weglegen; seine Stirn mu sich entfalten; er mu sich seiner
demantfesten Grundstze entschlagen; er mu ein wenig faseln und den
Narren spielen; kurz, mich, mich, sag ich, mu der weise Mann zu Hlfe
rufen, wenn er zum Vater werden will.

Warum soll ich nicht nach meiner Weise, offenherzig schwatzen? Man sage
mir: ists das Haupt, das Antlitz, die Brust, die Hand, das Ohr, irgend
eines der fr ehrhaft gehaltenen Kleider, die zur Zeugung der Gtter
und Menschen erfordert werden? Mich deucht es nicht; es ist etwas so
nrrisches und Lcherliches, da Sie, meine Herren und Damen, wenn
ich es nennen sollte, sich des Lachens nicht enthalten wrden, dem
man diese Ehre zuerkennen mu. Dieses ist weit richtiger, als jener
pythagorische Quaternio, die heilige Quelle, aus welcher Alles das
Leben schpft.

Wo ist der Mann, der dem ehelichen Kapzaume sein Maul darreichen wrde,
wenn er vorher (wie jene weisen Leute zu thun gewohnt sind) allen
Jammer des Ehestandes erwogen htte? Welche Frau wrde zur vertrauten
Unterhaltung mit dem Manne sich entschlieen, wenn ihr ein Gedanke an
die gefhrliche Geburtsarbeit und das verdrliche Ammengeschft kme?
Da Sie also, meine Herren, ihr Leben dem Ehestande, und diesen der
Anoia, meinem hirnlosen Aufwartsmdchen, zu verdanken haben, so ist es
Ihnen leicht auszurechnen, in welcher tiefen Schuld Sie bey mir stehen.
Die, welche einmal in dieser Noth gewesen ist, wrde sich nicht wieder
darin wagen, wenn sie sich nur an meine Gefhrtinn, die vergeliche
Lethe, gehalten htte. Venus selbst (Lucrez mag sagen, was er will!)
wirds nicht leugnen, da es ohne meine Hinzukunft um ihre ganze Kraft
etwas ohnmchtiges und unntzes seyn wrde.

Mein Spielwerke mag auch noch so taumelnd und lcherlich seyn, so
entstanden doch aus ihm jene steifen Philosophen, an deren Stelle
sich jetzt die befinden, die man Mnche zu nennen pflegt; in Purpur
gekleidete Knige, fromme Priester, und dreymal allerheiligste Pbste;
ja die ganze Zunft der poetischen Gtter, so zahlreich, da der Olymp
(dessen Raum eben so klein nicht ist) sie kaum fassen kann. Ich wrde
mit mir selbst nicht zufrieden seyn, wenn man nur blo die Quelle und
Pflanzschule des Lebens mir zu verdanken htte; ich will zeigen, da
auch alle Bequemlichkeiten des Lebens von mir herkommen.

Was ist dieses Leben, verdient es auch nur den Namen des Lebens, wenn
man das Vergngen davon wegnimmt? O ja! Sie, meine Herren, klatschen
mir Ihren Beyfall zu! ich wute es wohl, da niemand unter Ihnen so
weise ist, oder so nrrisch, nein, so weise, da er solche Gedanken
hegen sollte. Selbst die Stoiker verachten die Wollust nicht, ob sie
sich gleich aufs geflissenste verstellen, und sie ffentlich mit
tausenderley Schimpfnamen belegen; die Tckmusler, nur um andere
davon wegzuscheuhen, und sich eines desto grern Theiles derselben zu
versichern. Aber beym Jupiter fordere ich sie auf, diese Heuchler, mir
zu sagen, welcher Theil des Lebens nicht traurig, unlustig, eckelhaft,
abgeschmackt, lstig wre, wenn ich nicht dabey fr Salz und Gewrze
sorgte? Den Sophokles (Und wer ist im Stande diesen Mann genug zu
loben?) kann ich hierber zum unverwerflichen Zeugen auffhren, indem
er, um mir Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, ausrief: Weg mit
Weisheit, wenn man sich des Lebens recht erfreuen will!

Wir wollen eines nach dem andern beherzigen. Wer wei nicht, da die
erste Scene der Kindheit die freudigste und angenehmste ist? Was
befindet sich in den Kindern, das uns auffordert, sie zu kssen,
zu umarmen, ihnen zu schmeicheln? das die Hand des rohsten Feindes
nthigt, sie aus jeder Noth zu retten? Anderes ist es nichts, als
dieses. Die vorsichtige Natur hat sich Mhe gegeben, die Suglinge mit
der Gabe nrrischer Schmeicheleyen zu versehen, damit sie mit einer
angenehmen Art von Ersatze die Arbeit der sie Besorgenden erwiedern,
und zugleich ihnen fernere Mhwaltungen scherzhaft abbetteln.

Wenn sie die kindlichen Jahren mit den jugendlichen vertauschet haben,
so versichern sie sich der Huld jedermanns; man liebt sie; ereifert
sich, ihnen ntzlich zu seyn; springt ihnen bey allen Anlssen
dienstfertig bey. Und wer hat sie mit einem solchen herzengewinnenden
Wesen versehen? Niemand als ich. Weil ich ihnen meine Huld schenke, so
sind sie noch fern von aller Weisheit, und folglich von allem Grame.
Sobald sie zu mehrern Jahren gelangen, und beym Unterricht und dem
Umgange mit der Welt, den verwnschen Weg der mnnlichen Weisheit
betreten (ich will eine Erzlgnerinn seyn, wenn ich nicht die Wahrheit
rede!) so ist es um die Blte ihres aufgehellten Wesens geschehen; ihre
Munterkeit fllt ins Trge; ihr artiges Betragen sinkt ins Frostige;
die Lebhaftigkeit erstirbt.

Je weiter der Mensch sich von mir entfernt, desto minder erfreut er
sich des Lebens; und endlich wird er zum mrrischen Greisen, der nicht
nur andern, sondern auch sich selbst zur Last fllt. O ja, keinem
Sterblichen wrde dann sein Zustand ertrglich seyn, wenn ich nicht
mich seiner so vielen Mhseligkeiten erbarmend, ihm zum Beystand eilte.
Wenn die poetischen Gtter jemanden sehen, der zu Grunde gehen will, so
kommen sie ihm mit einer Verwandlung zu Hlfe: ich, wenn ich jemanden
erblike, der bald reif zur Baare geworden, ruf ihn, so viel mglich
ist, wieder in die Kindheit zurck; wie man dann von der zweyten
Kindheit derselben vieles zu reden pflegt.

Wie ich sie verwandle? Man soll es hren. Zur Quelle meines Flusses
Lethe (er entspringt in den Inseln der Glckseligkeit, und von ihm
rinnt nur ein kleines Bchlein in die unterirdischen Gegenden) fhr ich
sie; und sobald sie sich bey diesem das Vergessen zeugenden Getrnk
erlabet haben, wird das Gemth allmhlig seines Grams entladen, und
vergngt stehen sie da. -- Aber, sie schwatzen ja ganz nrrisches
Zeug? -- Es sey so! Eben dieses heit ja, wieder jung werden; gerade
so mu man plaudern, wenn man Kind heissen will: wirklich ihr
unweises Tndeln bringt Ergtzen. Ein Junge, aus dem die Weisheit
des Mannes hervorstrotzt: o das ist in Wahrheit ein Migeschpf!
Ueberwitz zeugt Ekel. Anbey, wer knnt es ausstehen, einen Greisen,
der bey seinem langen Erfahrungskram alles mit Sprchen durchwrzte,
die er mit Anspannung aller seiner scharfen Beurtheilungskrfte
zusammengedrechselt htte, zum alltglichen Gefehrten zu haben?

Weil ich gtig bin, mach ich den Alten zum Narren, der ber alle die
elenden Sorgen hinausgesetzt ist, mit denen der Weise sich ermartert.
Er ist kein unlustiger Tischgefehrte; lt sich das Zutrinken wohl
schmecken; das Leben hngt ihm nicht mehr, wie manchem, als eine Last
an; etwann wandert er wieder in die Schule zurck, darinn man sich
Einsicht in die Anfangsgrnde der Liebe verschaft; ein Zustand, darinn
er unglcklich seyn wrde, wenn er sich noch unter der Herrschaft der
Weisheit befnde; bey seinen Freunden ist er ein willkommener und zu
Freuden aufgelegter Gast. Aus dem Munde des alten Nestors (beym Homer
finden wir es) flossen honigssse Reden, indem aus dem Munde des
Achilles nichts als Bitterkeiten hervorsprudelten. Und bey eben diesem
Dichter sitzen Greisen auf den Mauern der Stadt, und ertndeln sich in
blumichten Wortspielen. In diesem Gesichtspunkt ist die zweyte Jugend
der ersten vorzuziehen, die zwar ein Vergngen verschaft, doch ein noch
zu kindisches; dem es an der vornehmsten Belustigung des Lebens fehlt,
an der unermdeten Schwatzhaftigkeit. Hiezu kmmt, da Alte stets an
den Kindern, Kinder an den Alten, Vergngen finden: Gleich und gleich
gesellt sich gern.

Alles stimmt bey diesen berein; ausser da der Runzlichte mehr
Geburtsfeste gefeyert hat. Sonst ist alles gleich: weisse Haare,
zahnloser Mund, nach der Erde sich bkender Leib, Begierde
nach Milchspeisen, Stammeln, Plaudern, Possen, Vergelichkeit,
Unbesonnenheit, kurz, alles. Je lter der Mensch wird, desto nher
kmmt er wieder der Kindheit, bis er auf eine recht kindische Weise,
ohne des Lebens berdrssig zu seyn, ohne den Tod zu frchten, aus dem
Leben heraus watschelt.

Es gehe nun, wer dazu Lust hat, und vergleiche das, dadurch ich die
Menschen beglcke, mit den Verwandlungen, die das Werk der brigen
Gtter waren. Was diese manchmal im auffahrenden Zorne thun, o darber
will ich kein Wort verlieren! Was thun sie aber gegen ihre trautesten
Lieblinge? Sie verwandeln sie in einen Baum, einen Vogel, eine Grille,
oder wohl gar eine Schlange: als ob eine solche Vernderung und das
zu Grunde gehen, nicht die nmliche Sache wre. Ich aber, ich stelle
den gleichen Menschen wieder in die besten und glcklichsten Umstnde
seines Lebens. Wenn die Sterblichen sich durchgehends alles Umganges
mit der Weisheit entschlagen, und ihr Leben einzig bey mir zubringen
wollten, so wrde das, was man das Veralten nennt, ihnen immer
unbekannt bleiben, und in steter Jugend wrden sie beglckt seyn.

Sehen Sie mir doch einmal jene Murrkpfe! Philosophisches Grbeln,
oder das Betreiben ernsthafter und schwerflliger Geschfte, hat sie,
ehe sie noch recht Jnglinge waren, zu Greisen verhudelt; Besorgnisse,
stete und scharfe Gedankenanstrengung, haben ihre Geisteskrfte, ihre
Lebenssfte, nach und nach erschpft. Sehen Sie dort meine tollen
Lieblingsshne: o wie wohl ausgefttert sind sie nicht! ihre Haut, wie
glnzend, wie gespannt! nein, die besten Eichwlder Akarnaniens htten
keine so drolichten Ferkelsgeschpfe aufzuweisen gehabt. Gewi sie
wrden vor allen und jeden Altersbeschwerden ein fr allemal gesichert
bleiben, wenn sie sich nur stets vor jedem Angriffe der Weisheitsseuche
geflissentlich bewahren wollten. O da sich doch in des Menschen Leben
Dinge einschleichen mssen, die ihm eine durchgehende Glckseligkeit
neidisch abzustehlen trachten!

Zum Ueberflusse kann ich mich auf eine alte Sache berufen, wer zufolge
die Narrheit das sicherste Mittel ist, die Jugend in ihrem schnellen
Laufe aufzuhalten, und das unbeliebige Alter weit wegzutreiben. Den
Brabantern sagt man nicht ohne Grund nach, da das Alter andere Leute
klug mache, so gerathen diese, je mehr sie an Jahren zunehmen, in
desto grere Narrheiten: und wirklich ist dieses unter allen Vlkern
dasjenige, welches im gemeinen Umgange das frhlichste ist, und an dem
sich von dem nrrischen Wesen alter Leute am wenigsten finden lt.
Man kann ihnen disorts ihre Nachbaren, meine Hollnder, an die Seite
setzen, die sich so eifrig fr meine Anhnger dargeben, da sie sich
ein Recht auf den Ehrentitel der Narren erworben haben; nicht nur
schmen sie sich nicht, dieses von sich zu gestehen, sondern sie sind
sogar stolz darauf.

So gehet denn nun, schwindlichte Sterbliche, um eine Medea, Circe,
Venus, Aurora, und ich wei nicht was fr einen Zauberbrunnen
aufzusuchen, da man sich wieder jung machen knne: ich, ich allein,
bin im Stande dieses zu bewirken, und ich thue es auch. Ich besitze
den Wundersaft, vermittelst welchem Memnos Tochter die Jugend Tithons,
ihres Ahnen, verlngert hat. Ich bin jene Venus, die den alten Phaon
wieder so jung machte, da Sapho sterblich in ihn verliebt wurde. Ich
(wenn irgend jemand) bin im Besitze der Kruter, der Zaubermittel, des
Brunnens, der nicht nur die verflogene Zeit der Jugend wieder zurck
bringt, sondern sie auch (welches unvergleichlich besser ist) fr das
ganze Leben dauerhaft befestigt. Nun denn ja, meine Herrn, Sie werden
alle meinen Ausspruch unterschreiben: es giebt nichts liebenswrdiges,
als die Jugend, nichts abscheulichers als das Alter. Gut! Sie sehen
also, in welcher Schuld sie bey mir stehen; bey mir, die ich ein so
grosses Gut gewhre, ein so grosses Uebel verbanne.

Was halt ich mich so lange bey Sterblichen auf? Lasset den ganzen
Himmel durch die Musterung gehen; und man sage mir den Namen, den ich
fhre, mit einem Hohngelchter ins Angesicht hinein, wenn sich nicht
jede Gottheit als etwas widerliches und verchtliches darstellen
wrde, sobald ich sie meines Einflusses berauben sollte. Warum
zeigt sich Bacchus als ein blondhaarichter Jngling? Weil er bey
der Nectarfeuchte, Gastereyen, Tnzen, Spielen, sein ganzes Leben
zubringt, und mit der Pallas nicht den geringsten Umgang hat; er, dem
kein Gedanke kmmt, sich fr einen Weisen auszugeben; der sich freut,
wenn man ihn mit Aeffereyen und drollichten Scherzen verehrt; der sich
nicht rgert, wenn man ihn einen Stocknarren nennt; wenn er an der Thr
seines Tempels sitzt, und ein muthwilliger Bauernlmmel ihm das Antlitz
mit Most und reifen Feigen beschmiert. Mit welchen Spottnamen hat nicht
die alte Komdie ihn belegt! O des abgeschmackten Gottes (hie es)
man kann ihm den Ort anriechen, aus dem er gebohren worden! Aber bey
allem dem, wer wollte nicht lieber dieser abgeschmackte Thor seyn, der
immer lustig ist, immer jugendlich-munter, immer Spiel und Wollust mit
sich bringend, als Jupiter mit den schiefen Zornblicken, die jedermann
Furcht einjagen; oder Pan, bey dessen sauerm Grunzen man bald selbst
zum nrrischen Schreckbilde werden knnte; oder Vulkan, der mit Aschen
und Schmutz verziert aus seiner rauchigen Werksttte hervorhinkt; oder
auch die schielende Pallas selbst, die zu nichts taugt, als mit ihrem
Medusenkopf und ihrer Lanze den Leuten einen Schrecken einzujagen.

Warum bleibt Amor immer ein Junge? warum? blos weil er ein
Possenreisser ist, und nichts thut und denkt, das man auch nur einem
Scheine von Ueberlegung zuschreiben knnte. Wie kmmts, da man die
goldschne Venus stets mit ihrer Frhlingsmine sieht? Sie steht mit mir
in Verwandtschaft; die Farbe meines Vaters glht auf ihrem Antlitze:
daher Homer sie die goldene Gttinn nennt; auch lacht sie bestndig,
wenn Dichter und die ihnen nacheifernden Bildhauer Glauben verdienen.
Welche Gottheit ward von den Rmern andchtiger verehrt, als Flora, die
Mutter aller Wollste?

Wie steht es um das Thun und Lassen der sauern Gtter? Wenn man sich
darber bey dem Homer und den brigen Dichtern, Raths erholt, so zeigt
sichs, da es selbst ihnen an nichts weniger fehle, als an Narrheit.
Was wrd es helfen, die Thaten der Andern weitlufig zu erzehlen, da
alle Welt von der Verliebtheit und den Narrentheidungen Jupiters, des
Donnergottes, nur zu vieles zu sagen hat? Die strenge Diana, die auf
ihren bestndigen Jagdschwrmereyen ihres Geschlechts vergiet, wie
jmmerlich hat sie sich nicht in ihren Endymion verliebt? Doch mir wr
es lieber, wenn die Gtter sich ihre Geschichte von dem Momus wollten
erzehlen lassen, der sie ihnen ehedem oft vorgepredigt hat: aber
neulich strzten sie ihn im Zorne, samt der keifenden Ate, auf die Erde
hinab, weil er, der Verdrliche, neidisch auf das Glck der Gtter,
ihnen mit seiner Weisheit stets in den Ohren lag; kein Sterblicher
wrdigt ihn, ihn unter Dach zu nehmen; und noch weniger findet er
einen Eingang an den Hfen der Frsten, wo mein Folgemdchen, die
schmeichelnde Kolakia, in der grsten Achtung steht; und mit ihr stimmt
Momus so wenig berein, als der Wolf mit dem Lamme.

[Illustration]

Also haben die Gtter sich von dem Momus los gemacht; und jetzt
knnen sie, von jedem Sittenrichter befreyt, frey und lustig
den Narren spielen. Priapus, ehedem ein Feigenklotz, was bringt
er jetzt nicht fr Scherze hervor! Merkur, mit seinen Diebereyen
und Taschenspielerstreichen setzt alles ins Lachen. Selbst Vulkan
spielt im Gelache der Gtter den Stocknarren, und lts am
Herumhinken, an Spttereyen, an lcherlichen Sprchen nicht fehlen,
die Trinkgesellschaft bey guter Laune zu erhalten. Sogar Silen, der
alte Verliebte, hpft im lndlichen Tanze mit dem Polyphem und den
barfssigen Nymphen, wacker umher. Satyren ertanzen sich mit ihren
Bocksspringen. Pan, mit einem ungesalzenen Liedchen, bringt alles ins
Lautlachen: lieber hrt man ihn, als die Musen; besonders wenn der
Nektar anfngt in den Kopf hinaufzudnsten. O was knnte ich hier fr
herrliche Dinge von der Wirthschaft der sich sattgenektarisirten Gtter
sagen! Da, da gehts (beym Herkules schwr ich!) so nrrisch her, da
ich, ich selbst, mich zuweilen des Lachens nicht erwehren kann. Doch
besser ists, ich lege, gleich dem Harpokrates, den Finger auf den Mund;
leicht knnte sonst ein corycisch-auflaurender Gott zuhorchen, wenn
ich Dinge erzehlte, die selbst dem Momus nicht unbestraft entwischet
sind.

Es ist Zeit, da ich, nach homerischer Weise von den Himmelsbewohnern,
zu den Kindern der Erde herabschlndre. Ach da, werden wir sehen, da
sich nichts freudiges und glckliches befinde, das nicht mein Geschenk
ist.

Sie sehen meine Herren, wie vorsichtig die Natur, die Mutter und
Schpferinn des Menschengeschlechts, alles mit Narrheit durchwrzt hat!
Die Stoiker, die es in der Kunst des Beschreibens weit gebracht haben,
sagen: sich durch die Vernunft fhren lassen, sey Weisheit; Narrheit
sey es, wenn man sich nach der Willkhr der Leidenschaften richte.
Nun, damit das Leben der Menschen nicht etwas ganz trauriges und
finsteres seyn msse, hat Jupiter in ein Pfund von Leidenschaften kaum
eine Unze von Vernunft gemengt; die Vernunft hat er in einen kleinen
Winkel des Kopfes gebannt, und den ganzen Leib den regen Leidenschaften
zum Taumelplatz angewiesen. Der Vernunft hat er zween der heftigen
Tyrannen entgegen gesetzt; den Zorn, der seine Herrschaft in der Burg
und der Quelle des Lebens hat, in dem Herzen; und die Lsternheit,
die in der Gegend des Unterleibes alles zum Gehorsam nthigt. Was die
Vernunft wider diese zween Feinde vermge, zeigt sich zureichend aus
dem gemeinen Betragen der Menschen; sie schreyt sich heischer, um ihnen
ihre Tugendsprchgen einzupredigen; aber um den Zgel ihrer Kniginn
bekmmern sie sich wenig, und treiben die Widerspenstigkeit so weit,
da endlich die mde Frstin sich zum Nachgeben gezwungen sieht, und
sich alles gefallen lt.

Weil der Mann zur Betreibung der Geschfte gebohren ist, so mute ihm
von der Unze der Vernunft etwas mehrers eingepfropft werden. Damit auch
dieses richtig angeordnet werde, ward ich, wie ber alles andere, zu
Rath gezogen; und ich that einen Vorschlag, der meiner wrdig war: man
soll ihm ein Weib zugesellen; ein nrrisches und schwindlichtes Thier,
aber zugleich ein holdes und lcherliches; ein Hausmittel, welches das
Dstere des mnnlichen Scharfsinns durch eigenthmliche Narrheit zu
wrzen, und zu versssen im Stande ist.

Plato der im Zweifel zu seyn scheint, ob das Weib zu den vernnftigen
oder zu den vernunftlosen Thieren zu ordnen sey, wollte dadurch blos
die grosse Narrheit dieses Geschlechtes andeuten. Wenn ein Weib
Anspruch auf Weisheit macht, so erweist sie sich als eine doppelte
Nrrinn; sie will gerade wider den Strom schwimmen: wer sich auf
eine naturwidrige Weise mit der Schminke der Tugend beschmiert, und
seiner Gemthsart Gewalt anthut, der verdoppelt seinen Fehler. Bey
den Griechen hie es: der Affe bleibt ein Affe, wenn er gleich in der
Purpurjacke einherschwanzt: also bleibt ein Weib ein Weib, das ist eine
Nrrinn, was sie auch immer fr eine Rolle spielt.

Nein, meine Damen, so nrrisch wird wohl keine unter Ihnen seyn,
dewegen bse auf mich zu werden, da ich, selbst ein Weib, die
Erznrrinn, Ihnen Narrheit beymesse. Wenn es Ihnen beliebt, die Sache
genau zu erwgen, so werden Sie mir, der Narrheit, es danken, da ich
Sie weit glcklicher gemacht habe, als die Mnner es seyn knnen.

[Illustration]

Ohne mich besssen die Weiber jene reizende Schnheit nicht,
die sie mit Recht allen Dingen vorziehen, und vermittelst welcher
sie selbst ber Tyrannen tyrannisieren. Etwas wegschreckendes in
der Mine, die faltige Haut, das Bartgestrauche, das greisenmssige
frostige Wesen, wem hat der Mann dieses Lumpenzeug zu verdanken, als
der bsen Klugheit? Die Wangen der Weiber hingegen sind immer glatt;
fein ist stets ihre Stimme, weich ihre Haut, als ob sie sich einer
immerdaurenden Jugend versichert htten. Was wnschen sie sich in
diesem Leben anders, als den lieben Mnnern recht wohl zu gefallen?
Diesen Endzwecke haben sie bey ihrem Aufputzen, ihrem Schminken, ihrem
Baden, ihrem Haarkruseln, allen den Knsteleyen, durch die sie ihre
Gesichtszge ordnen, ihre Liebugeln, und so weiter. Wie! preisen sie
sich denn wirklich den Mnnern durch irgend etwas nachdrcklicher an,
als durch die Narrheit? Was ists, da diese den Weibern nicht erlauben?
und, haben sie dabey andere Absichten, als die Befriedigung ihrer
dringenden Begierden? Wirklich finden sie ihr Vergngen an nichts, als
an der Narrheit. Man wird einsehen, da diese Bemerkung sich ganz auf
die Wahrheit grnde, sobald man bey sich berlegt, wie viele Thorheiten
der Mann dem Weibe vorplaudere welche Possen er treibe, so oft er sich
vorgenommen hat, sein Vergngen bey ihr zu bewirthen.

Ich habe die Quelle der ersten und vornehmsten Freuden des Lebens
aufgedeckt. Ja, es fehlt an einigen nicht, die man eben so weibisch
nicht nennen kann; es sind alte durstige Brder, welche die hchste
Wollust beym Weine finden. Ob sichs eine gute Mahlzeit thun lasse, wo
Weiber davon ausgeschlossen sind, ist eine Frage, deren Entscheidung
ich andern berlasse. Gewi ist dieses: jedem Orte fehlt es am Gewrze,
an Munterkeit, wo man der Narrheit den Eingang versperrt hat; wenn
keiner der Gesellschafter ein wirklicher Narr ist, oder sich als einen
Narren zu bezeigen das Geschick hat, so lt man einen mit Gelde
gedungenen Lustigmacher kommen, oder einen lcherlichen Schmarotzer,
um durch seine lustigen, das ist, nrrischen Schwnke das dstere
Schweigen, oder die Traurigkeit, von der Tafel zu verbannen; denn, wozu
wrd' es dienen, mit so vielen Niedlichkeiten und Leckerbissen den
Bauch zu beladen, wenn man nicht Augen, Ohren, und das ganze Gemth bey
Lachen, Scherzen, und artigen Einfllen gastierte?

[Illustration]

Nun bin ich es, ich einzig, die verdient, die Erfinderinn solcher
Tafelherrlichkeiten betitelt zu werden. Auch die brigen feyerlichen
Spiele solcher Gelage; zum Exempel, durch das Loos einen Tafelknig
whlen, das Wrfelspiel, eine Gesundheit im Ringe herum trinken,
ein Liedchen dabey anstimmen, mit einem Myrtenzweige in der Hand
wechselweise singen, tanzen, springen, und so weiter. Das sind Dinge,
die nicht von den sieben Weisen Griechenlandes erfunden worden,
sondern von mir, da ich mir das Wohlseyn des menschlichen Geschlechtes
angelegen seyn lasse. Je mehr Narrheit in solche Dinge gemischt ist,
desto heilsamer sind sie fr das Leben der Sterblichen, welches, wenn
es traurig ist, den Namen des Lebens nicht verdient; und traurig mu es
werden, wenn man es nicht vermittelst solcher heilsamen Gaukeleyen vor
dem Ueberdrusse sicher stellt.

Vielleicht aber giebt es Leute, bey denen diese Art von Wollust
keinen Werth hat, weil sie sich mit lieben Freunden und Bekannten
begngen. Die Freundschaft fr sich schon (sagen sie) ist allem andern
vorzuziehen; ist eben so unentbehrlich, als Luft, Feuer, Wasser,
es immer seyn mgen; sie fhrt so viele Freuden bey sich, da, sie
verbannen eben so viel wre, als die Sonne verbannen; sie ist etwas
so Tugendhaftes (man htte ihr wohl ein besseres Lob beylegen knnen)
da selbst die Philosophen keinen Anstand finden, sie zum hchsten
Gute zu rechnen. Wie aber, wenn ich zeigen knnte, da es auch bey
dieser herrlichen Sache alles auf mich ankomme? Wolan, ich will es
thun; und zwar nicht durch krumme verfngliche Trugschlsse, sondern so
ehrlich-einfltig, da jeder, der auch nur seiner Nase nachzugehen im
Stande ist, die Sache mit Hnden wird greifen knnen.

Aufgehorcht! Wenn man bey den Fehlern des Freundes die Augen schliet,
sie nicht sehen will, sie liebenswrdig findet, etwann auch seine
grossen Laster als liebenswrdige Tugenden herausstreicht: ist man
da nicht auf dem geraden Wege zur Narrheit? Sehet doch diesen, der
die Warze kt, die seine Geliebte mit auf die Welt gebracht hat;
jenen, der seines Mdchens ranzichten Athem balsamisch findet; dort
den ber die schielenden Augen seines Shnchens entzckten Vater. Ists
nicht pur-lautere Narrheit? Ja, man schreie so lange man will, da es
Narrheit sey: diese Narrheit einzig ist im Stande, Freundschaft zu
stiften, und dauerhaft zu machen. Ich rede von den Sterblichen, von
denen keiner ohne seine Fehler auf die Welt kmmt; wer die wenigsten
hat, ist der beste. Wenn sich zu jenen weisen Philosophen, die sich
Gtter zu seyn trumen, je eine Freundschaft naht, so ists eine
strrische und freudenlose; und auch dieser sind nur die wenigsten
fhig; ich sage mit Fleisse nicht alle: der grste Theil der Menschen
spielt den Narren; ja, keinen wird man finden; der nicht auf vielerley
Weise faselt; nun sind nur die, welche einander hnlich sind, der
vertrauten Freundschaft fhig.

Gesetzt es ereigne sich etwann unter diesen Sauertpfen, da einer dem
andern sein Wohlwollen bezeige, so wirds doch von keiner langen Dauer
seyn: kein Adler, kein Drache, ist so scharfschtig, als sie es bey
den Fehlern ihrer Freunde sind; die ihrigen knnen sie nicht sehen,
denn die Schlaukpfe haben sie in den Sacke hinten auf ihren Schultern
gelegt. Da nun kein Mensch so verstndig ist, da er nicht seine groen
Fehler htte; da sie an Jahren und Neigungen so verschieden; solchem
Straucheln, solchen Ausschweifungen, solchen Zufllen des sterblichen
Lebens unterworfen sind: wie knnte die freudige Freundschaft sich bey
diesen spitzugigen Aussphren auch nur eine Stunde lang verweilen,
wenn sich nicht die gesittete und gutmuthige Narrheit zugleich mit ihr
einstellte? Und wie! ist nicht Cupido der Uhrheber und Vater aller
Vertraulichkeit, starrblind, so da er leicht das Hliche fr das
Schne ergreift? Schmen Sie sich nicht, meine Herren, die Wahrheit
zu gestehen: hat der lose Vogel nicht auch Sie so bethrt, da jeder
das Seine schn findet; da der Kahlkopf in sein Mtterchen, wie der
Gelbschnabel in sein Ppchen vernarrt ist? O aller Orten findet mans
so, und belacht es! aber gerade diese Lcherlichkeiten sind das Kitt
und die Bnder der herzerquickenden Gesellschaft.

[Illustration]

Was von der Freundschaft gesagt worden, das lt sich noch
fglicher vom Ehestande denken, dem fr Zeitlebens dauernden
Freundschaftsbande. O ihr unsterbliche Gtter! wie wrde nicht alles
von Ehescheidungen, oder auch noch schlimmern Dingen, aller Orten
wimmeln, wenn nicht Schmeicheley, Scherz, geflliger Leichtsinn,
Irrung, Verstellung, meine ganze Scharwache, den Hausfrieden zwischen
Mann und Weib untersttzen, und nhrten? Zum Henker! wie dnne wrden
die Ehen geset werden, wenn der Herr Brutigam klglich nachsphrte,
in was fr Spiele sein verschlecket-schamhaft aber naseweises
Jngferchen schon lange vor dem hochzeitlichen Leben, sich eingelassen
habe? und wie manches schon geknpfte Band wrde zerreissen, wenn nicht
(Dank sey es der Nachlssigkeit oder Tummheit des Herrn Gemahls!)
vieles von dem Thun und Lassen des lieben Weibchens verborgen bliebe?

[Illustration]

Freylich schreibt man alles dieses mit Rechte der Narrheit zu; diese
aber betreibts inzwischen so, da der Mann sich des Weibes erfreut, das
Weib des Mannes, und die Eintracht sich im friedlichen Hause befestigt.
Hahnrey, und was dergleichen Wrterchen mehr sein mgen, ruft hier und
da ein Hohnlacher; thut nicht das gute Weibchen wohl, da sie darber
Thrnen vergiet; und der gutherzige Hrnertrger, da er in bester
trstender Laune sie ihr von den Wangen wegkt? O wie weit seliger
ists, sich hier also irren, als im Taumel der Eifersucht sich selbst
aufzehren, und ein Trauerspiel aller Orten verbreiten? Kurz, ohne mich
kann keine Gesellschaft, keine Vertraulichkeit munter oder standhaft
seyn; unertrglich wird der Frst dem Volke, der Knecht dem Herrn, die
Magd der Frau, der Schler dem Lehrer, der Freund dem Freunde, die Frau
dem Manne, der Verkufer dem Kufer, ein Tischgefehrte dem andern, wenn
sie nicht wechselweise irren, klglich durch die Finger sehen, und sich
mit tollen Honigwrterchen abspeisen. Ja, meine Herren, Sie halten was
ich bisher gesagt, fr wichtige Dinge; aber Geduld, Sie werden noch
wichtigere hren!

[Illustration]

Kann der jemanden lieben, der sich selbst hat? der mit Andern
eintrchtig seyn, der sich selbst in den Haaren liegt? der jemanden
Freude machen, der sich selbst zur Last und zum Ueberdrusse lebt?
Niemand wirds behaupten, als der, welcher nrrischer als die
Narrheit ist. In Wahrheit, wo man mich auf die Strasse hinaussperrt,
wird jeder dem andern unertrglich, stinkt sich selbst an, fat Eckel
ab allem dem seinigen, hat keinen verhatern Feind als sich selbst.
Stiefmtterlich whlt oft die Natur in den Kpfen der Sterblichen,
sonderlich den besten, so da ihnen das Ihrige mifllt; und das Fremde
bewundern sie; dann wird alles geschndet, geht alles zu Grunde,
dadurch sonst das Leben bereichert, und geschmckt wird. Wozu ntzt
die Schnheit, das edelste Geschenck der unsterblichen Gtter, wenn
sie garstig befleckt wird? Wozu die Jugend, wenn des Alters ghrender
Gram sie angestecket hat? Was wirst du bey dem beglcktesten Leben
zu Hause und draussen mit Anstndigkeit thun (und auf diese kmmt
hauptschlich alles an) wenn dir nicht die sich selbst liebende
Philautia, die ich billig als meine leibliche Schwester verehre, mit
ihrer Geschicklichkeit beysteht? O tapfer vertheidigt sie durchgehends
meine Sache!

Nun, was kannst du nrrischers thun, als dir selbst gefallen? dich
selbst bewundern? Was schnes, holdes, einnehmendes, kannst du zu
Stande bringen, wenn du mivergngt mit dir selbst bist? Wenn du
dieses Gewrze des Lebens wegschafst, so steht der Redner mit seinem
Gewsche frostig da; nur hhnisches Mitleiden ertrillert sich der
Tonknstler; der sich mde erarbeitende Schauspieler wird ausgepfiffen;
zum Gelchter wird der Dichter samt seinen Musen; der Mahler erpinselt
sich Verachtung; bey seinen Lebenspillen hungert der Arzt sich zu Tode;
wenn du dich schn wie Nireus zu seyn dnkst, jugendlich wie Phaon,
weise wie Minerva, so wird man dich fr garstig halten wie Thersites
war, veraltet wie Nestor, tumm wie ein Schwein. Ja, unumgnglich nthig
ists, da jeder sich schmeichle, und sich selbst mit einem Beyfllchen
anpreise, wenn er sich bey andern in Gunst schwingen will. Endlich,
da die Glckseligkeit hauptschlich darum besteht, da du wirklich
nichts anders seyn willst, als was du bist, so hast du dich mit der
Grundregel meiner Philautia bekannt zu machen, die also lautet: Niemand
werde seines Looses berdrssig, seines Witzes, seiner Abkunft, seines
Vaterlandes, seiner Auferziehung. Der Irrlnder wnsche sich nicht ein
Italiner zu seyn, der Thracier ein Athenienser, der Scythe ein Brger
des gesegneten Schlarafenlandes. Herrlicher Kunstgriff der Natur,
der so verschiedene Dinge ins gleiche Gleis bringt! Wo sie bey ihrer
Gabenaustheilung etwas krglich zu Werke gegangen, lt sie den Abgang
durch die Philautia ersetzen -- nur den Abgang? -- Ich rede wie eine
wirkliche Nrrin, sie theilt auf diese Weise ihr herrlichstes Geschenke
mit.

Ich darf wohl sagen: ohne meinen Antrieb geschicht keine edle That; wo
schne Knste betrieben werden, preisen sie mich als ihre Erfinderinn.
Mu man sich nicht an den Krieg wenden, wenn man belobte Heldenthaten
in ihrem Elemente finden mchte? Nun, was kann wohl nrrischer seyn,
als um einer Ursache willen, die man selbst nicht anzugeben wei, sich
in einen Streit einlassen, bey dem man beiderseits mehr Bses als Gutes
einzuerndten hat? Von dem, der da mit seiner Haut bezahlt, krht kein
Hahn nicht. Wenn die beyden Heere in Schlachtordnung gegen einander
stehen, und die Hrner im frischern Tone zum Angriffe geblasen haben:
wozu taugen dann jene Shne der Weisheit, durch Nachgrblen erschpft,
beym dnnen und kalten Geblte kaum den Athem zu ziehen vermgend?
Solcher ist man da benthigt, derer Adern vom dicken und fetten Geblte
strotzen; desto khner, um so viel unverstndiger sie sind. Oder will
man sich mit Fleisse einen Demosthenes zum Soldaten whlen? Kaum kam
der Feind ihm ins Gesicht, so warf er, nach dem Rathe des Archilochus,
herzhaft den Schild weg; unter dem Hasenpanier sah man den feigen
Soldaten an dem weisen Redner.

Auf Klugheit, heits, kmmt im Kriege vieles an. O ja, an einem
Feldherren; aber auf eine kriegerische, nicht eine philosophische!
Mit Schmarotzern, Hurenjgern, Strassenrubern, Meuchelmrdern,
Bauernkltzen, Tummkpfen, Bankerottierern, und dergleichen Abschaume
des Menschengeschlechtes, nicht mit bey der Nachtlampe verrauchten
Philosophen, werden solche herrlichen Ding erfochten. Sokrates, der
nach dem eben nicht weisen Ausspruche des Apollo einzige Weise, kann
zum Gewhrsmanne dienen. Er unterfieng sich, etwas, ich wei nicht was,
ffentlich zu betreiben; und unter dem Hohngelchter der ganzen
Versammlung schlich er sich vom Rednerstuhle weg. Und doch war der
Mann nicht Narrs genug, sich mit dem Titel des Weisen zu brsten; er
gab ihn dem Gotte zurck; er hielt dafr, ein Weiser solle sich in
die Verwaltung des gemeinen Wesens nicht mengen; nur htte er noch
hinzusetzen sollen: jeder, der seinen Platz in der Zunft der Menschen
behaupten wolle, msse sich der Weisheit enthalten. Anbey, hatte er
es nicht blos der Weisheit zu verdanken, da er verklagt worden; und
sich den Schirlingsbecher whlen mute? Ueber Wolken und Hirngespinste
philosophierend, einen Flohfu messend, das Mckensumsen bewundernd,
verga er, Dinge zu erlernen, die zum gemeinen Leben unentbehrlich sind.

[Illustration]

Zum Schutzredner seines sich in Lebensgefahr befindenden Lehrers
wirft sich der Schler Plato auf. Ein mannhafter Vertheidiger! weil
ein Gerusch entsteht, verstummt er, ehe er von seinem ersten Satze
die Hlfte herausgemartert hatte. Und was soll ich vom Theophrast
sagen? Kaum hatte er eine Rede angefangen, so blieb er mit offenem
Munde stehen, als ob ein Wolf ihm in die Quer gekommen wre. Wie
wrde der Mann den Soldaten Muth zur Schlacht gemacht haben! Isokrates
war zu furchtsam, als da er es jemals gewagt htte, den Mund
aufzuthun. Cicero, der Vater der rmischen Beredsamkeit, fieng seine
Reden, gleich einen gluchsenden Schuljungen, mit einem unangenehmen
Stammeln an; Fabius ist so gut, da er behauptet, daraus erkenne man
einen verstndigen die Gefahr einsehenden Redner; er htte besser
gethan, rund und ehrlich heraus zu sagen: zur schicklichen Betreibung
ffentlicher Geschfte tauge die Weisheit nicht. Was wrden Leute,
die vor Furcht halb todt sind, wenn sie sich blos in ein Wortgefecht
einlassen sollen, da ausrichten, wo man die Sache mit dem Schwerdt
ausfechten mu?

Nun gehe man, und erhebe den berhmten Ausspruch des Plato bis in
den Himmel: Beglckt wre das Land, wo Philosophen herrschten, oder
Beherrscher zu Philosophen wrden. Wenn man die Geschichtsschreiber
zu Rathe zieht, so zeigt sichs, da es nirgends schlimmer zugegangen,
als wo die Herrschaft einem Philosophosten oder Buchgelehrten zu
Theile geworden. Man kann sich hier kecklich auf die Catonen berufen:
durch wahnsinnige Anklagen strte der Eine die Ruhe der Republik;
und der Andere richtete die Freyheit derselben zu Grunde, indem er
sie allzuweislich vertheidigte. Man denke sich hier auch den Brutus,
Cassius, die Gracchen, und selbst den Cicero, welcher der rmischen
Republik zu einer eben so schdlichen Pest ward, als Demosthenes
der atheniensischen. Gesetzt, Marcus Antoninus sey ein guter Kaiser
gewesen; bin ich dewegen genthigt, meinen Satz aufzugeben? gewi
nicht: eben dewegen, weil er ein Philosoph war, wird er seinen
Unterthanen lstig und verhat. Ja, gesetzt er sey fr sich gut
gewesen, so fgte er doch durch Hinderlassung seines Sohnes dem Reiche
einen weit grssern Schaden zu, als er ihm durch seine Regierung
ntzlich gewesen. Solche weisen Leute sind, wie in allen brigen
Dingen, also besonders im Kinderzeugen, hchst unglcklich; und dieses,
wie mich deucht, hat die Natur vorsichtig geordnet, damit diese Seuche
der Weisheit unter den Sterblichen nicht zu viel um sich fasse. So
wissen wir von dem Cicero, da er einen aus der Art geschlagenen Sohn
gehabt hat; und von den Kindern des weisen Sokrates hat man die feine
Anmerkung gemacht, sie seyen der Mutter hnlicher als dem Vater; das
ist, Narren gewesen.

Es wrde noch alles zu ertragen seyn, wenn diese Philosophen gleich zur
Verwaltung der ffentlichen Geschfte so ungeschickt wren, als der
Esel zum Lautenschlagen; insofern sie nur nicht auch zur Betreibung der
Angelegenheiten des gemeinen Lebens eben so schief befunden wrden.
Bitte einen Weisen zu Gaste; er wird durch ein dsteres Schweigen, oder
durch ein lstiges Frgeln, die Freude der Gesellschaft stren. Fordere
ihn zum Tanz auf; er wird so flink als ein Camel umher tramplen.
Nimm ihn zu einem ffentlichen Schauspiele mit; sein Gesicht wird
die Zuschauer ihres Vergngens berauben; der weise Cato, der seine
feyerliche Mine nicht ablegen will, wird genthigt werden, die Bhne
zu verlassen. Er kmmt in eine Gesellschaft, und alles verblat, als
ob ein Wolf sich htte sehen lassen. Wo es zu thun ist, um etwas zu
kaufen, um einen Handel zu treffen, kurz, um etwas vorzunehmen, ohne
welches man im gemeinen Leben nicht bestehen kann, da wird man diesen
Weisen ehender fr einen Klotz als fr einen Menschen ansehen. Also
kann er sich, dem Vaterlande, den Seinigen, zu nichts dienen, weil die
gemeinsten Dinge, Meynungen, Einrichtungen, ihm ganz spanische Drfer
sind.

Bey den Unternehmungen der Sterblichen ist alles voll Thorheit: Narren
unterhalten sich mit Narren. Dem, der sich allen widersetzen will,
mcht ich den Rath erteilen, in die Fustapfen Timons zu treten, in
eine Einde zu wandern, und sich da seiner Weisheit satt zu erfreuen.

Ich lenke wieder ein. Welche Macht hat stein- und eichenharte rohe
Menschen ins gesellschaftliche Leben vereint? Die Schmeicheley. Sie
wird durch die Leyer des Amphion und des Orpheus angedeutet. Was hat
das rmische Volk, da es unter sich aufs usserste zerfallen war,
wieder eintrchtig gemacht? Wars eine philosophische Rede? nichts
weniger: es war die lcherliche und kindische Fabel von dem Bauche und
den brigen Gliedern. Ein gleiches Wunder that Themistokles durch die
Fabel von dem Fuchsen und dem Igel. Welche Rede eines Weisen htte
so vieles vermocht, als jenes erdichtete Rehe des Sertorius? als die
beiden Hunde jenes lacedmonischen Gesetzgebers? als die lcherliche
Erdichtung von den ausgeraufenen Haaren des Pferdeschweifes? Um nichts
von dem Minus zu reden, und von dem Numa, welche den nrrischen Pbel
durch fabelhafte Erfindungen nach ihrem Willen lenkten: durch solche
Possen lt sich dieses grosse und mchtige Thier, etwas aufbinden.

[Illustration]

[Illustration]

Welche Stadt hat jemals die Gesetze und Aussprche eines Plato,
Aristoteles, Sokrates, angenommen? was hat die Decier beredet, sich
von freyen Stcken den unterirdischen Gttern aufzuopfern? was hat
den Quintus Curtius in die Grube gezogen? was anders, als die eitele
Ruhmsucht, eine sanft-lockende Sirene, die von jenen Weisen so sehr
verabscheuet wird? was kann nrrischer seyn, sprechen sie, als da der,
welcher sich um ein Amt bewirbt, im weissen Rckchen demthig dem Pbel
schmeichelt? da man sich die Gunst desselben durch ein Korngeschenk
erkauft? dem Hndeklatschen so vieler Narren nachjagt? im
Zujauchzen desselben seine Wonne findet? im Triumphe sich von ihm
gleich einer Bildsule angaffen lt? in Erzt gegossen auf dem Markte
steht? andre Namen und Beynamen annimmt? einem menschlichen Taugenichts
gttliche Ehre erweit? mit ffentlichem Geprnge tyrannische
Schandbuben in die Classe der Gtter erhebt? O gewi, Narrheit ist
dieses, zu deren verdienten Belachung ein einziger Demokritus nicht
zureichend wre! Wer leugnet es? Und doch ists die Quelle groer
Heldenthaten, die von Rednern bis in den Himmel erhoben werden.

[Illustration]

Narrheit zeugt Stdte, Reiche, Obrigkeiten, Religionen, Raths-
und Gerichtsversammlungen; und das menschliche Leben ist blos ein
Narrenspiel. Wenn die Rede von Knsten und Wissenschaften ist: was
hat die Menschen aufgemuntert, so herrliche Dinge (wie man sie dafr
auszuposaunen pflegt) zu ersinnen, und auf die Nachwelt zu bringen?
war es nicht die Ruhmsucht? In so vielen durchwachten Nchten, unter
so vielem Schweisse, haben sie, die Erznarren, sich, ich wei nicht,
was fr einen durch und durch unntzen Ruhm ausgehecket. Indessen
haben Sie, meine Herren, der Narrheit bereits so viele herrliche
Bequemlichkeiten des Lebens zu verdanken; und, was dabey noch weit das
angenehmste ist, Sie machen sich der Narrheit Anderer zu Nutzen.

Nachdem ich also das Lob meiner Strke und meines Fleisses befestigt
habe, wird es schicklich seyn, da ich auch meiner Klugheit das
gleiche Recht widerfahren lasse. So willt du dann (ruft mir, wie mich
deucht, jemand entgegen) Feuer und Wasser zusammen paaren? Auch dieses
hoff ich zu Stande zu bringen, wenn man nur fortfahren wird, achtsam
aufzuhorchen.

Ists nicht Klugheit, wenn man sich die Dinge zu Nutzen macht? Nun,
welches wird wohl der kluge Mann seyn? der Weise? der zu schamhaft
oder zu furchtsam ist, sich an eine Sache zu wagen; oder der Narr,
den weder Scham, die er nicht hat, noch Gefahr, die er nicht erwgt,
von irgend einer Unternehmung abschreckt? Der Weise nimmt seine
Zuflucht zu verschimmelten Bchern, und fllt sich daraus den Kopf mit
schalen Spitzfindigkeiten; der Narr, der sich hurtig an die Sache
selbst macht, sammelt sich daraus, wenn ich mich nicht grblich irre,
chte Klugheit. Es scheint auch Homer, so blind er war, habe dieses
eingesehen, da er sagt: Bey der That gelangt der Narr zur Einsicht.
Wo es um Einsicht der Dinge zu thun ist, mu man zween Steinen des
Anstossens ausweichen: die Schamhaftigkeit, die den Geist benebelt;
und die Furcht, welche durch Vorspieglung der Gefahr, Unthtigkeit
einpfropft. Gromthig scheucht die Narrheit diese Popanzen weg. Wenige
Sterbliche sehen es ein, wie bald der unverschmte Waghals sein Glck
machen knne.

Gefllt Ihnen, meine Herren, jene Klugheit besser, die in Beurtheilung
der Dinge besteht? Hren Sie doch einmal, welch eine seltsame Sache es
um diese Klugheit derer sey, die sie in ihrer Weisheitsbude feil bieten!

Erstlich ist bekannt, da alle menschliche Dinge, gleich den Silenen
des Alcibiades, von innen ein anderes Gesicht haben, als von aussen:
man sieht den Tod, und findet das Leben; man sieht das Leben,
und findet den Tod; das schne ist hlich, das reiche arm, das
schndliche herrlich, das gelehrte ungelehrt, das starke schwach, das
edle unedel, das frliche traurig, das glckliche unglcklich, das
freundliche unfreundlich, das heilsame schdlich; kurz, ffne den
Silen, so wirst alles verkehrt finden. Rede ich aber nicht einigen zu
philosophisch? Gut! ich wills ganz plump heraus sagen.

Einen Knig stellt man sich als einen reichen und mchtigen Herrn vor;
wenn aber nichts Gutes in seiner Seele ist, und er sich an nichts
sttigen kann, so ist er gewi blutarm; und wenn er sich vielen Lastern
ergeben hat, so ist er ein schnder Sclave. Also lie es sich ber
alles und jedes philosophiren; wir haben aber mehrere Beyspiele nicht
nthig.

Wozu soll alles dieses dienen? -- Man hr es! Wenn jemand sich
unterstnde, den Schauspielern ihre Larven wegzunehmen, und den
Zuschauern die wahren und natrlichen Gesichter zu zeigen: wrde
dieser Unbesonnene nicht das ganze Spiel verderben? wrde er nicht
verdienen, da man ihn als einen Rasenden mit Steinen von der Bhne
wegtreibe? Indessen wrde sich alles in einer neuen Gestalt gezeigt
haben: das Weib als einen Mann, der Jngling als einen Greisen, der
Knig als einen Bettler, Jupiter als ein Menschengesicht. Wenn man den
Irrthum wegnimmt, so setzt man alles in Verwirrung; die Verstellung mu
die Augen der Zuschauer bezaubern. Nun, was ist das ganze Leben der
Sterblichen anders als eine Comdie? Jeder spielt seine Rolle, eine
ganz andere Person vorstellend, als er eigendlich ist, bis er von der
Bhne abtreten mu; und etwann zeigt sich der nmliche Schauspieler in
verschiedener Tracht: als Knig sa er auf dem Thron; und nachwerts
tritt er im zerlumpten Sclavenkittel auf. Ja, dieses ist alles nur
Schattenwerk: aber, spielt sich dann die grosse Comdie des Lebens auf
eine andere Weise?

Ich stelle mir vor: ein wie vom Himmel gefallener Weiser trete
pltzlich auf, und schreie: der, den man als einen grossen Herrn
halbgttlich verehre, sey nicht einmal ein Mensch, weil er sich
viehisch durch seine Lste leiten lasse; er sey nichts als ein
verachtungswrdiger Sclave, weil er sich freywillig so vielen und so
schndlichen Herren als einen Knecht dargebe. Er sieht jemanden, der
ber das Absterben seines Vaters weinet, und heit ihn lachen, weil
sein Vater endlich zu leben angefangen habe, da dieses gegenwrtige
Leben nichts als ein Tod sey. Er begegnet einem Junker, der sich seiner
edlen Abkunft rhmt, und betitelt ihn einen ehrlosen Bankert, weil er
weit von dem Pfade der Tugend gewichen, der einigen Quelle des Adels.
Auf gleichen Schlag behandelt mein Weiser jeden, der ihm aufstt. Aber
was erbeutet er anders, als da man ihn gleich einem zum Tollhause
reifen Rasenden ansieht?

Nichts ist nrrischer, als eine zur Unzeit angebrachte Weisheit; nichts
unkluger, als eine verkehrte Klugheit. Der betrgt sich schief, der
sich nicht nach der gegenwrtigen Lage der Dinge einrichtet; nicht auf
den Marktpreis achtet; sich nicht des Tischgesetzes erinnert: Thue
Bescheid, oder packe dich; nicht will, da das Spiel ein Spiel sey.
Der Kluge hingegen denket: da ich ein sterblicher Mensch bin, so will
ich mich nicht bestreben, bermenschlich weise zu seyn; ich will mich
gern nach andern Leuten einrichten, und auch etwann aus Hflichkeit
einen Weg mit ihnen gehen, den ich sonst fr mich nicht gehen wrde.
Ist eben dieses nicht Narrheit? O ja, ihr weisen Mnner! doch solltet
ihr mir dagegen eingestehen, dieses heisse: seine Rolle in der Welt
spielen.

Uebrigens -- o ihr unsterbliche Gtter, soll ich reden? soll ich
schweigen? Warum sollt ich es nicht frey heraus sagen, da es die
pur-lautere Wahrheit ist? Vielleicht aber ists das beste, da ich bey
einer so wichtigen Sache die Musen von ihrem Helikon hinunterrufe,
sie, die von den Dichtern oft um einer Schnakerey willen herabgeranzt
werden. So stehet mir denn fr eine Weile bey, ihr Tchter Jupiters,
bis ichs bewiesen habe, jene glnzende Weisheit, die hochberhmte Burg
der Glckseligkeit, werde nur denen aufgeschlossen, die sich ihr unter
dem Schutze der Narrheit nheren.

Erstlich ist es eine ausgemachte Sache, da alle Leidenschaften sich
unter der Botmigkeit der Narrheit befinden; denn der Unterschied
zwischen einem Narren und einem Weisen ist dieser: jener richtet sich
nach den Leidenschaften, dieser nach der Vernunft. Daher schaffen die
Stoiker alle Beunruhigungen, als so viele Seuchen, aus ihrem Weisen
weg; und doch (sagen die Peripatetiker) vertreten diese Leidenschaften
die Stelle der Pdadogen bey denen, die sich Mhe geben, in den Port
der Weisheit einzulaufen; ja sie dienen bey allen Tugendpflichten
zu Sporen und Peitschen, dadurch wir zum rechtschaffenen Betragen
angetrieben werden. Doch wendet hier Seneca, der Erzstoiker, so vieles
ein, als er immer auftreiben kann, um den Weisen von jeder Leidenschaft
loszuhalftern. Indem er aber dieses thut, rottet er den ganzen Menschen
aus, den er zu einer Art einer Gottheit umschaft, die nie gewesen ist,
und nie seyn wird; oder damit ichs noch deutlicher sage, er meisselt
ihn zu einem marmornen Menschenbilde, tumm, ohne Menschenverstand. O
immer, ich mag es von Herzen wohl leiden; mgen sich solche Knstler
ihres Weisen unbeneidet erfreuen, und mit ihm Platons Stadt oder das
Gebiet der Ideen oder des Tantalus Grten bewohnen!

Wer eilt nicht schauernd von einem solchen Menschen weg, wie von einem
Ungeheuer, einem Gespenste! Alle Sinne der Natur sind nicht im Stande,
einen Eindruck in ihn zu machen; er ist ohne Leidenschaften; fr die
Liebe, das Mitleiden, ist er so unempfindlich als ein Kieselstein,
als ein Felsenstck; nichts entgeht ihm; nirgends schiet er fehl;
mit Luchsenaugen durchschaut er alles; nach Richtschnur und Bleywaag
beurtheilt er alles auf das pnktlichste; fr nichts hat er Nachsicht;
mit nichts ist er zufrieden, als mit sich; er allein ist reich, gesund,
ein Knig, frey; er allein ist alles, aber auch blos nach seinem
allerliebsten Urtheile; er, der keinen Freund begehrt, hat auch keinen;
er, macht sich kein Bedenken, die Gtter selbst zum Henker zu schicken;
er, der alles, was in der Welt vorgeht, als Wahnsinn verdammt, und
verlacht.

Nun, ein solches Thier ist der, den man uns als das Meisterstck der
Weisheit anpreist. Wenn es auf die Wahrheit der Stimmen ankme, welche
Stadt wrd ihn zu ihrem Brgermeister whlen? welches Kriegsheer wrde
sich ihn zum Feldherrn wnschen? welcher Frau wrd ein solcher Mann,
welchem Wirth ein solcher Gast, welchem Bedienten ein solcher Herr,
ertrglich seyn? Man wrde lieber mitten aus dem nrrischsten Pbel
einen Narren whlen, um Narren zu befehlen, das ist den meisten;
sein Weib wrd' an ihm einen geflligen Mann finden; seine Freunde
wrden sich seiner erfreuen; er wrd einem Tische Ehre machen; die
Gesellschaft wrd ihm das Lob beylegen: er fhre sich durchgehends als
Mensch auf. Aber schon lange fhl ich einen Ekel, so viele Worte an
Weisen Leuten zu verlieren. Ich sehe mich nach andern Gegenstnden um.

Bilden Sie sich ein, meine Herren, da Sie auf jener Hochwarte stehen,
auf welche die Dichter den Jupiter hingepflanzt haben. Sehen Sie
allen den Jammer, mit dem sich des Menschenleben zu erkmpfen hat.
Elend, garstig, steht es um seine Geburt; um die Auferziehung ists
Holzhackersarbeit; tausenderley Gefahren belagern seine Kindheit;
durch die jugendlichen Jahre mu er sich hindurchschwitzen; ihn beugt
die Last des Alters; und der Tod ist ihm ein verdrlicher Bothe. Mit
ganzen Heeren von Krankheiten ist er umgeben; unzhlbaren Zufllen
ist er blosgesetzt; Widrigkeiten von allen Arten; bald alles, das er
geniet, ist mit Galle verdorben. Ich mchte nicht einmal von dem
vielen Uebel reden, das die Menschen sich einander selbst zuziehen:
Armuth, Gefngni, Schande, Schmach, Streithndel, Betrgereyen. O
lieber wollt ich die Sandkrner am Meere zhlen!

Durch welche Verbrechen haben die Menschen sich solche Strafen
zugezogen? welcher Gott hat sie in seinem Zorne verdammt, unter solchen
Jammer gebohren zu werden? Nein, meine Herren, noch ist es mir nicht
verstattet, Ihnen hierber Nachricht zu ertheilen. Wer aber diese Dinge
genau durchdenkt, wird er nicht dem erbarmungswrdigen Entschlusse
der Milesischen Tchter seinen Beyfall gewhren? Welches aber sind
die berhmtesten von denen, die, ihres Lebens berdrssig, dem Tod
entgegengeeilt sind? Waren es nicht die Benachbarten der Weisheit?
Unter diesen (um jetzt eines Diogenes, Xenokrates, Cato, Cassius,
Brutus, nicht zu gedenken) war jener Chiron, dem die Wahl gegeben
worden, unsterblich zu seyn, und der den Tod whlte.

Man sieht leicht, was daraus entstehen wrde, wenn alle Menschen
Weise wren: man wrde sich um neuen Leimen, und um einen andern
schpferischen Prometheus, umsehen mssen. Ich aber, die ich mich
schicklich der Unwissenheit oder Unbedachtsamkeit der Menschen zu
bedienen wei, etwann sie das Uebel vergessen mache, Hoffnung auf Gutes
einstreue, oder auch etwas von ssser Wollust einmische, komme diesem
grossen Unfuge zu Hlfe; so da die Leute auch dennoch nicht das Leben
mde sind, wenn die Parzen bereits abgesponnen haben, und das Leben
seit langem mit dem Abschiednehmen den Anfang gemacht hat; je weniger
Ursache sie haben, im Leben zu bleiben, desto tiefer sind sie in das
Leben verliebt; desto weiter entfernt, seiner berdrssig zu werden.

Mir hat man es zu verdanken, da man hin und wieder Greisen sieht,
alt wie Nestor, die zwar bald nicht mehr Menschen gleich sehen,
stammeln, aberwitzig sind, grau, zahn-, haarlos, gebcket, runzlicht,
stinkend, lendenlahm, aber sich des Lebens doch so sehr freuen, noch
so kindisch tndeln, da der Eine sein graues Haarnest schwarz frbt,
und der Andere seine Glatze unter falsches Haar versteckt; dieser
sich solcher Zhne bedient, die er einem seiner Anverwandten aus dem
Schweinstalle abgeborgt hat; jener in ein Mdchen so jmmerlich
verliebt ist, da kein junger Laffe den Narren so weit treiben knnte.
Da ein Steinalter, der an der Grube herumkriecht, und zur Todtenbaar
vorbereitet ist, ein junges Tchterchen, das blutarm ist, und Andern zu
Diensten stehen wird, zur Ehe nehme, ist etwas so wenig ungewhnliches,
da es zur rhmlichen Mode geworden.

Noch herzbrechender ists, wenn man ein altes Mtterchen sieht, die
schon lange dem Tod entgegengelebt hat, und so geripphaft aussieht,
da man meynen sollte, sie komme gerad aus dem Reiche der Todten
zurck, aber das Lob des Lebens noch immer herausstreicht, und einen
armen Phaon reichlich bezahlt, um ihr durch seine geheimen Knste die
Lebensliebe fleiig einzupropfen: an Schminke lt sies nicht fehlen,
ihr Gesicht zu verstecken; vom Spiegel ist sie nicht wegzubringen; sie
erarbeitet sich, was an ihrem Leibe das Alter verrth, bestmglichst
auszureuten; da steht sie leider im allzutief ausgeschnittenen Wamste;
in ein verliebtes Liedchen brummt ihr kollernde Stimme; da sitzt sie
beym Gesundheittrinken; mischt sich unter die tanzenden Reigen der
Mchden; krazet Liebesbriefe. Freylich rufen die lachenden Sptter,
hier die Wahrheit, da es alles erznrrisch sey; aber inzwischen
gefllt sie sich selbst, schwimmt in einem Wollustsmeere, und, Dank hat
sie mir, ist beglckt.

Ja freylich, lcherlich machen sich diese Leute. Ihr aber, die ihr
diese weise Anmerkung ausgebrtet habt, berleget es reiflich:
ists nicht besser, bey einer solchen Narrheit wonnevoll leben, als
verzweiflungsvoll sich nach einem Balken, Nagel, und Strick umsehen?
Da der Pbel dergleichen Dinge fr schndlich halte, das macht meinen
Narren keinen Kummer: sie fhlen dieses Uebel nicht; oder, wenn sie
es fhlen, so achten sie es wenig. Wenn ein Stein ihnen auf den Kopf
fiele, ja, dann wrden sie das Uebel fhlen; aber Scham, Schande,
Schimpf, Schmhungen, sind nur da schdlich, wo man sie als schdlich
ansieht; Fhllosigkeit setzt ber das Uebel hinaus. Wenn gleich das
ganze Volk dich auszischt, so bleibst du doch unverletzt, so lange
du dir selbst Beyfall zuklatschest; und diese Kunst lernt sich blos
in der Schule der Narrheit. Eben dieses (krchzen mir Philosophen
entgegen) ist ein Elend, wenn man in den Stricken der Narrheit als ein
Tummkopf umherirrt. O nein, eben das heit, ein Mensch seyn; und anbey,
was plaudert ihr hier vom Elendseyn; seyd ihr nicht selbst gerade so
gebohren, unterrichtet, auferzogen? ists nicht das gemeine Loos allen
Menschen?

Nichts ist elend, das sich in seinem natrlichen Zustande befindet;
sonst mte man das Loos des Menschen beweinen, der nicht mit den
Vgeln fliegen, nicht mit dem brigen Viehe auf vier Fssen laufen,
sich nicht mit den Hrnern ochsenmig vertheidigen kann. Mit gleichem
Rechte mte man das schnste Pferd unglcklich nennen, weil es nicht
in der Grammatik unterrichtet worden, und man es nicht mit Pasteten
bewirthet; elend wrd es um den Ochsen stehen, weil er nicht auf den
Fechtboden gegangen ist. Wie demnach das ungrammatikalische Pferd
nicht unglcklich ist, so ists auch der nrrische Mensch nicht: beide
befinden sich ja in ihrem natrlichen Zustande.

Der Mensch (erwiedern die verdrehten Feinschwtzer) hat das besondere
Vorrecht, sich in Wissenschaften umzusehen, und vermittelst derselben
kann er durch Scharfsinn das erlangen, das die Natur ihm versagt hat.
O wo bleibt die Wahrscheinlichkeit? Die Natur, die bey Mcken, beym
Grase, bey Blumen, so wachsam war, schlummerte gewi, da die Reihe an
den Menschen kam, nicht so ein, da sie jene Wissenschaft htte zu
Hilfe rufen mssen, die Theut, der dem Menschengeschlecht so abholde
Genius, zum Verderben derselben ausgesonnen hat, indem sie nicht nur
zur Glckseligkeit des Menschen nichts beytragen, sondern derselben
sogar sehr hinderlich sind; wie beym Plato der scharfsichtige Knig
Thamus, in Absicht auf die Erfindung der Buchstaben, sehr richtig
bemerkt hat.

Wissenschaften schlichen sich gleich den brigen ansteckenden
Seuchen des menschlichen Lebens in der Welt ein; sie hatten eben die
Erfindung, von denen alle Schandthaten herkommen, nmlich die Dmonen,
das ist, Vielwisser. Die Menschen lebten in den ersten goldenen
Zeiten ohne Wissenschaften, und folgten blos dem Naturtrieb. Wozu
htte die Grammatik dienen sollen, da man nur eine Sprache redte,
und dabey keinen andern Zweck hatte, als einander zu verstehen?
Unntz waren die Redner, weil niemand den Andern vor Gerichte zog.
Gesetzverstndige wrden mssige Leute da gewesen seyn, wo man nichts
von Sittenverderbni wute, dieser Quelle guter Gesetze. Zu fromm war
man, als da man, mit ruchloser Neugier, den Geheimnissen der Natur,
dem Maae, den Bewegungen, und den Wirkungen der Gestirne, und den
verborgenen Ursachen der Dinge, nachgesphrt htte; man wrd es fr ein
strafwrdiges Verbrechen gehalten haben, wenn ein sterblicher Mensch
ber seine Grnze hinaus nach Weisheit gefrefelt htte; nachzuforschen,
was sich ber dem Himmel hinausbefinde -- o ein solcher Wahnsinn wre
damals niemanden zu Sinne gekommen!

Nach und nach verlohr sich die Reinigkeit des goldenen Zeitalters.
Schadenfrohe Geister (wie gesagt) erfanden Knste, wenige noch,
und von wenigen angenommen. Der Aberglaube der Chalder und der
Griechen schwindlichter Leichtsinn erfanden nachwrts eine Menge
chte Geistesplagen; schon die Grammatik fr sich wre zureichend,
den Menschen sein ganzes Leben hindurch auf der Folterbank zu
martern. Unter diesen Knsten und Wissenschaften hlt man die fr die
schtzbarsten, die mit dem gemeinen Menschenverstande, das ist, mit
der Narrheit, am besten bereinstimmen. Die Theologen fressen sich vor
Hunger Ngel weg; die halberfrohernen Naturforscher hauchen sich in die
Finger; ber Astrologen lacht man; Vernunftlehrer lt man nach dem
Winde haschen; aber vor dem Arzte sieht man alles die Segel streichen;
je ungelehrter, verwgener, unbedachtsamer er ist, desto hher ist
er bey Frsten und reichen Leuten angeschrieben. Die Arzeneykunst,
wie sie heut zu Tage von vielen getrieben wird, ist geschwtzige
Fuchsschwnzerey.

Nach diesen kommen die Gesetzknstler. Vielleicht htte ich ihnen den
ersten Platz einrumen sollen. Sie betreiben, wenn man doch der ganzen
Zunft der hhnischen Philosophen Glauben zustellen will (denn in den
Handel mcht ich mich nicht mengen) einen Eselsberuf. Und doch richtet
sich alles, grosses und kleines, nach dem Gutdnken dieser Esel; ihnen
fallen grosse Landgter zu, alldieweil der Theolog, der alle Schrnke
der Gottesgelehrtheit durchstnkert hat, an harten Bohnen sich mde
beit, und sich mit Wanzen und Lusen erfechten mu.

Ja, je nher eine Kunst mit der Narrheit in Verwandtschaft steht, desto
mehr hat man sich von ihr zu versprechen. Die Beglcktesten sind also
die, denen es vergnnet ist, mit keiner der Wissenschaften Verkehr zu
haben, und blos der Natur zu folgen, die nie auf Abwege verleitet,
so lange man nicht die Schranken, die den Sterblichen gesetzt sind,
berspringen will. Die Natur verabscheut jede Schminke; lustig wchst
das hervor, das durch keine Kunst verdorben worden.

Sehen Sie nicht, meine Herren, da es um alle brigen Thiere herrlich
steht, die von Wissenschaften keinen Begriff, und blos die Natur zur
Hofmeisterinn haben? Was ist glcklicher, wunderbarer, als die Bienen?
Bey wenigen krperlichen Sinnen erweisen sie sich als unvergleichliche
Baumeister; noch kein Philosoph hat gleich ihnen eine Republik
errichtet. Das Pferd, dessen Sinne etwas Gemeines mit den menschlichen
haben, und das sich verleiten lie, zum Hausgenossen des Menschen zu
werden, mute Antheil an den menschlichen Jammer nehmen: denn nicht
selten, wenn es sich in dem Weltlaufe schmt, berwunden zu werden,
luft es sich bauchschlgig aus dem Athem; und wenn es sich in der
Schlacht um den Triumph erkmpft, wird es durchbohrt, und mu mit samt
dem Reuter in den Staub beissen. Und noch hab ich nichts von rauchen
Gebien und Zhnen gesagt, scharfen Sporen, Stallkerker, Peitschen,
Banden, Halftern, schwerem Reuter, kurz, allen den jmmerlichen Folgen
der Knechtschaft, denen es sich von freyen Stcken berlie, weil
es heldenschtig (grossen Kriegern nachahmend) dieses fr das beste
(aber freylich hoch zu stehen gekommene) Mittel hielt, den Hirschen,
welchen es nicht leiden konnte, von der Weide zu treiben. O wie
weit glcklicher ist das Leben der Mcken und Vgel, die dem blosen
Naturtriebe folgen, und nichts als die menschliche Arglist zu frchten
haben! Wenn die Vgel eingebauret, sich von Menschen im Pfeifen und
Schwatzen unterrichten lassen, o wie bald ist nicht ihre natrliche
Munterkeit entartet! In allwege wird das Werk der Natur durch die
Schminke der Kunst geschndet.

Alles mein Lob bersteigt jener pythagorische Hahn. Er war alles:
Philosoph, Mann, Weib, Knig, Unterthan, Fisch, Pferd, Frosch, und
wie ich glaube, sogar auch Pfifferling; nach seinem Ausspruche ist
der Mensch das elendeste unter allen Thieren, weil er allein (da alle
brigen mit den Schranken, darein die Natur sie gesetzt hat, herrlich
zufrieden sind) sich inner seinen Grnzen nicht halten will; auch
zieht er unter den Menschen einen Tummkopf dem Gelehrten und Mchtigen
weit vor. Auch Gryllus war ungemein viel weiser, als der verschmitzte
Ulysses, weil er lieber im Stalle grunzen, als mit diesem, ich wei
nicht, wie manches gefhrliche Abentheuer aufsuchen wollte. In dieser
Meynung scheint mir auch Homer gewesen zu seyn, der Vater schnakichter
Fabeln: oft nennt er die Menschen berhaupt arbeitselige Tropfen; und
besonders betitelt er den Ulisses, den er als ein Muster eines weisen
Mannes aufstellt, den Elenden und Unglcklichen; Titel, mit welchen er
nie einen Paris, Ajax, Achilles, beehrt. Und warum? weil jener Krbler
sich in allem nach dem Rathe der Pallas richtete, und zu weise war,
sich vom Naturweg zu weit entfernend.

Ja, unter den Sterblichen weichen keine von der Glckseligkeit weiter
ab, als die, welche sich mit der Weisheit abgeben: zu Menschen sind
sie gebohren, die Tollkpfe vergessen aber ihres Standes; wollen
gleich den unsterblichen Gttern leben; kndigen, nach dem Beyspiele
der Himmelsstrmer, mit Wissenschaftswaffen versehen, der Natur den
Krieg an. Hingegen wird wohl das Elend derer das kleinste seyn, die
an Gesinnung und Narrheit den Thieren am nchsten kommen und sich
an nichts wagen, das dem Menschen zu schwer seyn mu. Wir wollen
doch sehen, ob wir dieses nicht, ohne stoische Knsteley, in einem
handgreiflichen Beispiele, an den Tag legen knnen. Nun (ich nehme
hierber die unsterblichen Gtter zu Schiedsrichtern): kann was
glcklichers seyn, als der Zustand jener, die man Schalksnarren nennet,
Stocknarren, hirnlose Krautskpfe, oder was dergleichen Beynahmen sonst
seyn mgen, die ich fr die schnsten Ehrentitel erkenne? Ich will
etwas sagen, das dem ersten Anschein nach nrrisch und abgeschmackt
ist, sich aber als die Wahrheit selbst anpreist.

Meine gepriesenen Helden wissen erstlich nichts von Todesfurcht, einer
Sache, die (beym Jupiter will ichs beschwren) kein kleines Uebel ist.
Sie wissen nichts von der Folterbande des Gewissens. Die Fabeln von
Erscheinung unterirdischer Geister jagen ihnen keinen Schrecken ein.
Sie frchten sich nicht vor Gespenstern und Poldergeistern. Weder
kommendes Unglck, noch zauderndes Glck, macht ihnen den Kopf toll.
Kurz, tausenderley Sorgen, denen dieses Leben blosgesetzt ist, nagen
nicht an ihrem Herzen. Scham, Scheu, Ehrfurcht, Neid, Liebe, machen
keinen Eindruck auf sie. Selbst die Theologen werden sagen, je nher
man dem Unverstande vernunftloser Thiere komme, desto weniger sndige
man.

Nun erwg es einmal bey dir selbst, nrrischer Weiser! mit tausenderley
Geistesgrame marterst du dich Tag und Nacht; trag alle Beschwerden
deines Lebens wie in einen Haufen zusammen; sieh dann, wie von
manchem Uebel ich meine Tummkpfe sicher gestellt habe. Immer sind
sie frhlich; spielen, singen, lachen; wo sie hinkommen, theilen sie
jedermann Wonne mit; alles scherzt, spielt, lacht mit ihnen. Ists nicht
gerade so, als ob die huldreichen Gtter sie aus keiner andern Ursache
in die Welt gesetzt htten, als um das Dstere des menschlichen Lebens
aufzuhellen? der Schwermuth zum Gegengifte zu dienen? Sie (da sonst
jeder nur gewisse Leute begnstigt) erwerben sich jedermanns Zuneigung;
allerorten werden sie gesucht, gespeiset; man schmeichelt ihnen; eilt
ihnen, wenn sie sich in Gefahr befinden, zu Hlfe; ungestraft lt man
sie alles sagen und thun; niemand trachtet ihnen zu schaden; selbst
die Thiere, wie ihre Unschuld fhlend, gehen ihnen aus dem Wege. Sie
sind wie den Gttern geheiligt, und besonders mir; mit Recht allso hlt
jedermann sie in Ehren.

[Illustration]

Frsten und Knigen sind sie vorzglich lieb und werth; so, da einige
derselben ohne sie nicht essen, nirgends hingehen, nicht eine Stunde
ausdauern knnen; ja sie ziehen sie ihren Weisen und sauern Rthen,
derer sie doch auch einige Ehrenthalben mit Speise und Lohn versehen,
weit vor. Und warum thun sie es? Die Ursache ist leicht gefunden,
und eben so wunderbar nicht: diese Weisen tischen den Frsten nur
traurige Dinge auf; sich auf ihre Gelehrtheit verlassend, scheuen sie
sich etwann nicht, zarte Ohren mit der beissenden Wahrheit zu martern;
die Narren hingegen bringen anders nichts zu Markte, als Dinge, dadurch
die Frsten sich weit sicherer als durch irgend was anders das Herz
abstehlen lassen: Scherz, Schwnke, die das wonnevollste Lachen zeugen.

Man bemerke auch diese grosse Gabe der Narren: nur durch sie hrt
man die pur lautere Wahrheit. Nun, was ist lobenswrdiger, als die
Wahrheit? Wenn man dem Alcibiades beym Plato glauben will, so reden
Wein und Kinder die Wahrheit; wirklich aber gehrt dieses Lob mir ganz
zu. Euripides sah es wohl ein, da er sagte, Narren reden nrrisch.
Was der Narr im Herzen hat, kann man auf seinem Gesichte lesen, und
in seinen Reden hren. Die Weisen hingegen haben zwo Zungen (wie eben
dieser Euripides bemerkt) mit der einen reden sie die Wahrheit, und mit
der andern so, wie es Zeit und Umstnde erheischen; das schwarze machen
sie wei; aus demselben Munde kmmt kalt und warm; und sie reden nicht
frey von der Brust weg.

Frsten mgen auch so glcklich seyn, so halt ich sie doch darinn fr
hchst unglcklich, da sie niemanden haben, von dem sie die Wahrheit
hren knnten, und gezwungen sind, sich Schmeichler statt Freunden
zu whlen. Aber (heit es etwann) den Ohren der Frsten eckelt von
der Wahrheit; dewegen scheuchen sie jene Weisen von sich weg; sie
frchten, ein Freymaul mcht auftreten, um ihnen ihre Freuden durch die
bittere Wahrheit zu verderben. O ja, so verhlt sich die Sache; Knige
mgen die Wahrheit nicht wohl leiden. Aber, hierber thun meine Narren
sich hervor: aus ihrem Munde hrt man nicht nur die Wahrheit, sondern
sogar auch die offenbarsten Schmhungen, mit Vergngen an; Dinge, die
dem Weisen, wenn er sie hervorgebracht htte, den Hals wrden gebrochen
haben. O um die Wahrheit ist es etwas vortrefliches! sie belustigt,
wenn nichts Beleidigendes eingemischt ist: aber das ist auch eine Gabe,
die von den Gttern nur den Narren zugetheilt worden.

Weiber, die von der Natur einen Hang zum Vergngen und zu lustigen
Zeitvertreiben haben, pflegen sich, bald aus den nmlichen Ursachen, an
diese Art von Menschen zu halten. O wer kann alles wissen, was sie mit
denselben fr Possen treiben; oder wie allzuernsthaft es zuweilen dabey
zugeht! Nein, nein, alles ist nur Scherz, nur Spiel gewesen. Ja, das
schne Geschlecht versteht die Kunst aus dem Grunde, jeden Schritt und
Tritt auf das sinnreichste zu beschnen.

Wir kommen wieder auf die Glckseligkeit der Narren. Nachdem sie ihr
Leben frhlich durchgebracht haben, ohne Furcht und Gefhl des Todes,
wandern sie gerades Wegs nach den elysischen Feldern, um ihre frommen
und sorgenlosen Seelen an den Zeitvertreiben derselben Theil nehmen zu
lassen.

Kommen Sie nun, meine Herren, um das Loos eines Weisen, welchen Sie
immer wollen, mit dem Loose dieses Narren zu vergleichen. Stellen
sie sich ein rechtes Muster der Weisheit vor, einen Menschen, der
seine Knaben- und Jnglingsjahre bey Erlernung der Wissenschaften
durchgebracht, und den holdesten Theil des Lebens an schlaflose
Nchte, Sorgen und Schwei verschwendet hat; auch sein ganzes briges
Leben hindurch erlaubt er sich nicht, einen Bissen von Wollust zu
kosten; immer ist er filzig, arm, traurig, strrisch, feindselig
und hart gegen sich, andern verhat und unertrglich, bla, mager,
krnkelnd, triefugig, abgemrkelt, vor der Zeit grau, und aus diesem
Leben wegeilend. Doch was liegt daran, wann ein solcher sterbe, der
eigentlich nie gelebt hat? Wie gefllt Ihnen, meine Herren, dieses Bild
des Weisen? verdient er nicht, da man sich sterblich in ihn verliebe?

Schon betubt mich wieder das Widerbefzen des stoischen
Froschengequkes. Wahnsinnig seyn (schreien sie) ist ja das elendeste
Ding von der Welt; nun kmmt die wirkliche Narrheit dem Wahnsinn
sehr nahe, wenn sie je nicht der Wahnsinn selbst ist; denn was heit
wahnsinnig seyn anders, als, nicht bey Verstande seyn? Aber, dieses
heit wohl recht fehlgeschossen. Dieses Schlugeplauder wollen wir,
unter dem Beystande der Musen, bald verdunstet sehen. Haben die
Mckenfnger nie gelesen, wie Sokrates beym Plato zwischen Venus und
Venus und zwischen Cupido und Cupido, einen Unterschied macht? also
htten auch sie Wahnsinn von Wahnsinn unterschieden, wenn es ihnen
darum zu thun wre, nicht selbst fr wahnsinnig gehalten zu werden.
Nicht jeder Wahnsinn ist etwas schdliches und schimpfliches; sonst
wrde Horaz nicht von einem liebenswrdigen reden; Plato htte nicht
die Wuth der Dichter, der Wahrsager, und Verliebten, zu dem gerechnet,
das zum Wohlseyn des menschlichen Lebens das meiste beytrgt; und jene
Wahrsagerinn beym Virgil scheut sich nicht, dem arbeitsamen Aeneas
einen gewissen wahnsinnigen Flei zuzuschreiben.

Es giebt also zwo Arten des Wahnsinnes: die Eine kmmt aus der Hlle
von den grausamstrafenden Furien; sie senden etwann ihre Schlangenbrut,
den wtenden Kriegsdurst, die unersttliche Goldbegierde, die
verruchteste und abscheulichste Lsternheit, Vatermord, Blutschande,
oder irgend eine Pest von dieser Art, in die Brust der Sterblichen,
wenn sie das sich einer Verschuldung bewute Gemth mit ihren
Schrecknissen martern wollen. Die andere Art des Wahnsinns ist von
einer ganz verschiedenen Natur; sie kmmt von mir, und fr die
Menschen knnte nichts wnschenswrdiger seyn. Dieses ereignet sich,
wenn ein gewisser glcklicher Irrthum des Verstandes das Gemth von
ngstlichen Sorgen befreyt und es mit vielerlei Wollust segnet. Cicero
schrieb an den Atticus, er wnsche sich von den Gttern eine solche
Verstandslosigkeit und wrde sie als ein grosses Geschenke ansehen,
weil er dann bey allen seinen Verdrlichkeiten fhllos seyn wrde.

Jener Argiver befand sich dabey sehr wohl. In seinem Wahnsinne sa
er ganze Tage hindurch einzig auf dem Schauplatze, lachte, klatschte
Beyfall, war ganz Freude, in dem Wahne, er sehe die Vorstellung eines
herrlichen Schauspiels; und es war doch alles nichts an der Sache;
alle brigen Lebenspflichten befolgt er auf das beste; frhlich war
er bey seinen Freunden, die ihn liebten; artig betrug er sich gegen
seine Frau: seinen Knechten konnt er durch die Finger sehen, und er
berlie sich dem Zorne nicht, wenn gleich einer derselben sich an
einer Flasche vergriffen hatte. Seine Anverwandten veranstalteten es,
da seine Krankheit durch dienliche Arzeneymittel gehoben ward. Da
er wieder ganz zu sich selbst gekommen war, hudelte er seine Freunde
also aus: Beym Henker! ihr, meine Freunde, habt mich umgebracht;
habt mir nicht geholfen; mich meines Vergngens beraubt; mich mit
Gewalt dem mich beglckenden Irrthum entzogen. Er hatte recht; sie
schossen fehl, und waren der Niewurze mehr als er benthigt; sie,
die auf den unglcklichen Einfall gerathen, einen so glcklichen und
erfreulichen Wahnsinn, als ob er eine Krankheit gewesen wre, durch
Ausfhrungsmittel abzutreiben.

Ich habe es noch nicht entschieden, ob man durch den Irrthum der Sinne,
oder den Irrthum des Verstandes, zum Wahnsinnigen werde. Wenn ein
Bldsichtiger ein Maulthier fr einen Esel ansieht, oder jemand ein
armseliges Gereime als ein gelehrtes Gedicht bewundert, so mu man ihn
nicht sogleich fr wahnsinnig halten. Wenn aber jemand sich nicht nur
durch die Sinne, sondern auch die Einbildungskraft, tuschen lt, und
zwar auf eine ganz ungewhnliche Weise und immer, so mu man ihn fr
einen Nachbar des Wahnsinns erkennen; wie wenn er so oft er einen Esel
schreien hrt, sich einbildet, er hre vortreffliche Snger; oder wenn
er, ein blutarmer Schlucker, sich in den Kopf gesetzt hat, er sey der
lydische Knig Crsus. Wenn diese Art von Narrheit (und bald allemal
thut sie es) einen Hang zur Wollust hat, so zeugt sie kein geringes
Vergngen; so wohl bey denen, die damit behaftet sind, als auch bey
denen, die ihn bemerken und doch davon nicht angesteckt sind. Und diese
Art von Wahnsinne erstreckt sich weiter, als man gemeiniglich dafr
hlt. Auch lacht ein Wahnsinniger ber den Andern, und jeder teilt dem
Andern etwas von seiner Wonne mit. Nicht selten lacht der grssere Narr
weit heftiger ber den kleinen, als dieser ber jenen.

Hren Sie, meine Herren, hierber den Ausspruch der Narrheit: Auf wie
mehrere Arten des Wahnsinns der Mensch verfllt, um so viel glcklicher
ist er; wenn er dabey nur in dem von mir bezeichneten Gleise bleibt.
Doch hat man sich hierber um so viel weniger zu beklagen, da dasselbe
so ausgedehnt ist, da ich wirklich nicht wei, ob sich unter allen
Sterblichen ein einziger finden lasse, der immer weise ist, und sich
von aller und jeder Art des Wahnsinns frey befindet.

Nur ist hiebey dieses zu bemerken: Wer einen Krbi sieht, und ihn fr
ein Frauenzimmer hlt, wird wahnsinnig genennt; und zwar darum, weil
nur wenige in diesen Zustand gerathen. Wenn aber jemand schwrt, seine
Frau, die er mit vielen gemein hat, sey keuscher als Penelope, und sich
hierber, in seinem glcklichen Irrthume, was rechtes zu gute thut, so
mu niemand ihn wahnsinnig nennen. Warum? weil man ja sieht, da dieses
das gemeine Schicksal der guten Mnner ist.

In die gleiche Classe gehren die, welche alles verachten, das nicht
Jagd ist; und behaupten, sie empfinden in sich eine unbeschreibliche
Wollust, so oft sie das heulende Gebrlle der Hrner und Hunde hren.
Haben sie nicht etwann auch ihre Geruchskrfte so verfeinert, da
es ihnen deucht, der Hundsstall sey mit Zibeth durchduftet. Welches
ssse Vergngen, wenn es um die Zerreissung des Wildes zu thun ist!
Bey Ochsen, Hmmeln, berlt man diese Arbeit dem niedern Pbel; hier
darf nur der Junker Hand anlegen; mit entbltem Haupte, gebogenen
Knien, dem dazu gewiedmeten Waidemesser (sich hier eines gemeinen
bedienen, wrde strafwrdiges Verbrechen seyn) mit gewissen Geberden,
trennt er gewisse Glieder, in einer gewissen Ordnung, religionsmig
ab. Die umherstehende Gesellschaft, tief stillschweigend, verwundert
sich inzwischen darber, wie ber etwas ganz neues, ob sie gleich
solchem Schauspiele mehr als tausendmal beywohnte. Wer das Glck hat,
etwas von dem Thiere zu kosten, der glaubt, da er dadurch im Adel eine
Stuffe hher gestiegen sey. Und doch gewinnen sie durch das geflissene
Verfolgen des Wildes, und das Essen von demselben, anders nichts, als
da sie, ein knigliches Leben zu fhren vermgend, bald selbst in
wilde Thiere ausarten.

Mit diesen haben jene viel hnliches, die, durch unersttliche Bausucht
hingerissen, das Runde viereckig, und das Viereckige rund machen. Sie
wissen weder von Ziel noch Maa, bis sie in die tiefe Armuth versunken,
weder ein Haus noch etwas zu beissen, und brechen haben. Und bleibt
ihnen denn gar nichts brig? O ja; das Angedenken, da sie einige
Jahre in grosser Wollust vertrumt haben.

[Illustration]

Diesen kommen, meiner Einsicht nach, jene sehr nahe, die sich
unterfangen, durch neue und geheime Knste, die Natur der Dinge zu
ndern, und zu Wasser und Land ich wei nicht was fr einer fnften
Kraft nachjagen. Diese weiden sich so kniglich mit der sssen
Hoffnung: da sie weder Mhe noch Unkosten bereuen; mit wunderbarem
Scharfsinn ergrbeln sie sich immer etwas neues, um sich zu tuschen
und sanft einzuwiegen, bis sie von allem so entblst sind, da sie
ihren Tigel kalt und leer mssen stehen lassen. Doch setzen sie ihre
schmeichelnden Trume fort, und muntern Andere so viel mglich zu einer
gleichen Wonne auf. Wenn sie endlich von aller und jeder Hoffnung
verlassen sind, so schpfen sie aus dem Sprchgen nach grossen Dingen
gestrebt zu haben, ist Ruhms genug einen unvergleichlichen Trost. Und
dann schmhlen sie erbaulich auf die Krze des Lebens, die so grosse
Unternehmungen neidisch vereitle.

Noch steh ich im Zweifel, ob ich die Spieler fr meine Zunftgenossen
erkennen solle. Doch ists nrrisch und lcherlich genug, zu sehen, wie
Einigen, so oft sie die Wrfel fallen hren, das Herz im Leibe hpft
und bebt. Wenn sie, durch die Hoffnung auf Sieg stets genarret, an der
Spielklippe (kaum haben ehedem an dem lakonischen Vorgebrge Malea so
viele gestrandet) Schiffbruch gelitten haben, und kmmerlich mit der
Haut entronnen sind, so betrgen sie ehender sonst jedermann, als den
Sieger, um ja Bidermnner zu bleiben. Was ist von jenen halbblinden
Grauschdeln zu sagen, die zum Spielen ihre Augen mit Glsern bewaffnen
mssen? Von denen, welchen das gerechtigkeitliebende Chiragra die
Finger gelhmt hat, die Andre bestellen, in ihrem Namen die Wrfel
zu werfen? Ein feiner Gespa wr es freilich, wenn nur dieses Spiel
sich nicht oft in Wuth verwandelte, und dann eine Sache fr die Furien
wrde, nicht fr mich.

[Illustration]

Hier aber kommen Leute meines Gelichters: Wunderdinge, teuschende
Lgen, zu hren oder zu erzhlen, macht ihre Freude aus. Unersttlich
sind sie bei solchen Fabeleyen, wenn man von Gespenstern,
Poltergeistern und tausenderley dergleichen Teufeleyen redet, die,
je weiter sie sich von der Wahrheit entfernen, desto gieriger geglaubt
werden, und desto nachdrcklicher die Ohren jcken machen. Und diese
herrlichen Dinge dienen nicht nur zum Zeitvertreibe, sondern sind auch
sehr eintrglich: man frage gewisse Schwarzrcke.

[Illustration]

In einer nahen Verwandschaft mit diesen stehen jene, die sich eine zwar
nrrische aber doch lustige Sparre in den Kopf gesetzt haben, nmlich,
wer auf einen hlzernen oder gemahlten polyphemusmigen Christoph die
Augen richte, werde selbiges Tages nicht ersufen; oder, wer bey einer
geschnitzten Barbara mit vorgeschriebenen Worten seinen Gru abstatte,
werde unbeschdigt aus der Schlacht kommen; oder, wer an gewissen
Tagen, mit gewissen Wachskerzen, und gewissen kleinen Sprchen, den
Erasmus besuche, werde in kurzen reich werden. Sie haben ihren Georg,
wie die Heiden ihren Herkules und Hippolytus hatten; mit Spangen und
Bullen ist sein Pferd auf das andchtigste geziert; wenig fehlts,
da sie es anbeten; von Zeit zu Zeit macht man sich bey dem Ritter
mit einem Geschenkchen beliebt: und, wenn man bey seiner ehernern
Bickelhaube schwrt, dnkt man sich was Grosses zu seyn.

Was soll ich von jenen sagen, welche sich bey erdichteten
Ablaversicherungen ihrer Verbrechen fein gtlich thun, und die
Zeitrume, Jahrhunderte, Jahre, Monate, Tage, Stunden des Fegfeuers,
nach der Sanduhr angeben, oder geometrisch und auf eine ganz
zuverlige Weise abmessen? Oder von jenen, die sich auf ein magisches
Zedelein oder Gebetlein verlassen, das ein frommer Betrger in einer
wunderlichen oder eigenntzigen Laune ausgesonnen hat, und die sich
daraus ich wei nicht was fr Herrlichkeiten versprechen: Reichthmer,
Ehrenstellen, Wollste, Niedlichkeiten, stete Gesundheit, langes Leben,
munteres Alter, und endlich in dem Himmel einen recht ausgezeichneten
Platz, den sie doch erst so spt als mglich zu beziehen gedenken; das
ist, wenn die Wollste dieses Lebens, an die sie sich mit allen Krften
halten, ihnen doch endlich entwischen: dann wollen sie sichs gefallen
lassen, an den Freuden der Himmelsbewohner Theil zu nehmen.

[Illustration]

Mich deucht, ich sehe, wie ein Krmer, Soldat, Richter hier vermittelst
eines kleinen aus seinem ganzen zusammengeraubten Vermgen genommenen
Stckchen Gelds den Schandpful seines ganzen Lebens ein fr allemal
auszureinigen glaubt, so viele Meineide, Schandthaten, Trunkenheiten,
Geznke, Mrdereyen, Teuschereyen, Treulosigkeiten, Verrthereyen:
alles, denkt er, sey jetzt losgekauft, und so gut losgekauft, da er
nun auf der Lasterbahn getrost fortgehen knne.

Giebt es wohl nrrischere, da ist glcklichere Leute, als die, welche
darum, weil sie tglich sieben Verse aus den Psalmen daher sagen, sich
die hchste Glckseligkeit als etwas unfehlbares versprechen? Man
glaubt, ein gewisser spahafter Dmon, der mehr prahlerisch als schlau
gewesen, habe dem ihn teuschenden Bernhard diese Verse gewiesen.

Und solche Dinge, die so nrrisch sind, da ich beynahe selbst mich
ihrer schme, finden Beyfall, und zwar nicht nur bey dem Pbel, sondern
auch bey Leuten, die so vieles von Religion schwatzen, da man bey
ihnen einen ganz andern Witz vermuthen sollte.

Liesse sich hier nicht auch von dem reden, da jede Gegend ihren
besondern Schutzheiligen hat; und da jedem Heiligen sein eigenes
Geschft, und seine eigene Verehrungsart, angewiesen ist: der eine
hlft bey Zahnschmerzen; der andere springt den Gebhrenden bey;
ein dritter verschaft dies gestohlene wieder; ein vierter lt den
Seefahrer eine beglckte Reise machen; ein fnfter bewacht die Heerde,
und so weiter, denn alles daher zu zhlen, wrde zu weit fhren.

Es giebt Heilige, welche fr sich allein vieles zu Stande bringen
knnen; besonders die jungfruliche Gottesgebhrerinn, deren der
gemeine Mann bald mehrers zuschreibt, als dem Sohne.

Was ist alles, das die Menschen sich von dergleichen Heiligen erbeten,
anders als Thorheit? Wohlan! unter so vielen Gedchtnitafeln, mit
welchen man die Wnde und Gewlber der Tempel gelbdsmig dick
behangen findet, hat man je eine gesehen, die aus Dankbarkeit von
jemanden dahin verehret worden, der durch ein Wunder der Narrheit
entflohen, oder auch nur um ein Haar weiser geworden ist? Einer
hat sich glcklich durch Schwimmen gerettet; ein Anderer ward durch
den hohlen Leib gestochen, und ist noch bey Leben; ein Anderer ist,
indem die brigen fochten, glcklich und tapfer durch die Flucht
entronnen; ein Anderer kam an den Galgen, durch Kraft eines die
Diebe begnstigenden Heiligen zerri der Strick, und nun fhrt er im
Liebeswerke fort, diejenigen zu erleichtern, welche durch zu vieles
Geld beschwert sind; ein Anderer durchbrach die Mauer des Kerkers, und
ist in Freyheit; ein Anderer ist, zum grossen Verdrusse des Arztes,
das Fieber bald losgeworden; einem Andern ward ein vergifter Trank
gegeben; er verursachte aber den Tod nicht, sondern half glcklich
einer Verstopfung ab; nur machts seiner guten Ehefrau wenig Freude, und
sie rgert sich ber ihre vergebliche Mhe und Unkosten; ein Anderer
schmi mit dem Wagen um, ritt aber mit den Pferden gesund nach Hause;
auf einen Andern fiel der Schutt einer einstrzenden Mauer, schlug ihn
aber nicht todt; ein Anderer, der mit einer Frau tndelte, ward von dem
Manne derselben berrascht, log sich aber durch einen listigen Einfall
los. Niemand bezeigt sich dafr dankbar, da er von der Narrheit
befreit worden.

O meine Herren! wenig Verstand haben, ist etwas so angenehmes, da
die Sterblichen sich ehender alles verbten, als die Narrheit. Aber
warum sollt ich mich auf das Meer des Aberglaubens hinauswagen? Wenn
ich gleich hundert Zungen htte, hundert Muler, eine eiserne Stimme,
so wrd ich doch nicht alle Gestalten der Thorheit entwickeln, alle
Namen der Narrheit durchlaufen knnen. In dem Leben der Christen,
ist durchgehends alles von Wahnsinn vollgepfropft; und die Herren
im schwarzen Kleide begngen sich nicht nur, es so gehen zu lassen,
sondern tragen auch noch das Ihrige wacker dazu bey; wohl wissend, da
sich dabey allemal ihre Rechnung werde finden lassen.

Ein Weiser, der mir von Herzen mifllt, wirft sich zum ungebetenen
Prediger auf, und spricht so, wie die Sache an sich selbst ist: Du
wirst kein bses Ende nehmen, wenn du gut lebst; deine Snden werden
dir vergeben werden, wenn du, der du die Sache mit einem stckchen
Gelds richtig machen willt, dein gethanes Bse verabscheust, weinest,
wachest, betest, fastest, und dein ganzes Thun und Lassen nderst; der
Heilige wird dir gewogen seyn, wenn du seinem Leben nacheiferst. O
meine Herren! wenn dieser Weise Ihnen mit dergleichen Geplauder in den
Ohren liegt, bewaffnen sie sich wohl, wenn es Ihnen um Ihre Gemthsruhe
zu thun ist.

In diese Zunft gehren auch die, welche bey guter Gesundheit pnktlich
verordnen, mit welchem Geprnge ihre Leiche solle bestattet werden;
sie bestimmen die Zahl der Fackeln, der Leidtragenden, der Snger, der
Lohnheuler; gerad als sie selbst noch Augenzeugen dieses Schauspieles
seyn wrden; oder als ob es ein Schandflecke fr den Verstorbenen wre,
wenn man seinen Leichnahm nicht prchtig einscharrte; sie sind damit so
beschftigt, als ob sie, gleich den Aedilen im alten Rom, das Volk mit
Schauspielen und Mahlzeiten versehen mten.

Ob ich gleich eile, so viel mir mglich ist, so kann ich doch jene
nicht bergehen, die zwar vor dem niedersten Schuflicker nichts voraus
haben, und sich doch auf den blossen Titel des Adels ich wei nicht
was Wundergrosses einbilden. Der Eine will von dem Aeneas abstammen;
der Andere von dem Brutus: und ein Dritter von dem Knig Arthur. Sie
hngen prahlerisch allerorten geschnitzt und gemahlte Bilder ihrer
Ahnen auf; sie berufen sich auf derselben Namen und Beynamen, und sind
selbst stummen Bildsulen hnlich; noch weniger werth, als die Thiere,
die ihren Wappen zu Schildhaltern dienen. Doch fhren sie, dank sey es
ihrer holden Selbstliebe, ein ganz glckliches Leben; und an ebenso
grossen Narren fehlts nicht, die diese Art von edlen Thieren fr halbe
Gtter ansehen.

[Illustration]

Warum red ich aber nur von einer oder der andern Art von Narren! die
Selbstliebe zaubert ja allerorten auf tausenderley wunderbare Weise
dergleichen recht glckliche Geschpfe hervor. Etwann sieht man einen,
mit dem die Natur es noch wohl gemeinet htte, wenn er von ihr blos mit
einem Affengesichte wre begabet worden, und er deucht sich schner zu
seyn, als Nireus es beym Homer ist. Ein Anderer, so bald er vermittelst
seines Zirkels zwo oder drey Linien ziehen kann, glaubt, da er es
mit dem Euklides aufnehmen knnte. Hier ist einer, der sich zur
Musik so gut schickt, wie der Esel zur Harfe; doch glaubt er sich im
Stande zu seyn, mit einem Hermogenes in die Wette zu singen, ob man
gleich das Gekrhe des die Hnne betretenden Hahnes musikalischer
findet, als sein Gekrchze.

[Illustration]

Lustig ists, wenn man auf das Betragen einer andern Art von
Wahnsinnigen acht hat: aller der Gaben und Geschicklichkeiten, die
ihre Bedienten besitzen, rhmen sie sich, als ob es die ihrigen
wren. Hieher gehrt jener glckliche Reiche beym Seneca: wenn er
ein Geschichtchen erzhlen wollte, hatt er immer Knechte zur Seiten,
die ihm die Namen einflsterten; er war von einer so schwchlichen
Leibesbeschaffenheit, da es leicht gewesen wr, ihn zu Boden zu
hauchen; und doch beredet er sich, im Stande zu seyn, sich in den
Streit der Klopffechter zu mischen; denn er hatte ja zu Hause starke
Bengels, denen er Mu und Brod gab.

Es wrde sich der Mhe nicht lohnen, wenn ich viele Worte ber die
verlieren wollte, die von Knsten und Wissenschaften Profession
machen. Sie besitzen eine besondere Selbstliebe: ehender thun sie
verzicht auf ihr ganzes vterliches Erbgtchen, als auf ein Frchtchen
ihres Genies. Schauspieler, Musicanten, Redner, Poeten, lieben sich
selbst um so viel heftiger, um so viel ungelehrter sie sind. Was auch
noch so abgeschmackt ist, findet immer einen Gaumen, dem es behagt; es
giebt Leute, denen selbst das Hliche sich anpreist: denn (wie oft
soll man es noch sagen) die meisten Menschen sind Narren. Also darf
man nur recht unwissend seyn, um sich selbst herrlich zu gefallen, und
von vielen bewundert zu werden. Einfltig mte man seyn, wenn man
der sogenannten wahren Gelehrtheit nachwerben wollte: dieses wrde
hoch zu stehen kommen: und was wrde die Ausbeute seyn? schchtern und
menschenscheu wrde man werden, und bald aller Welt mifallen.

[Illustration]

Wie die Natur einzelne Menschen behandelt, so behandelt sie auch ganze
Vlkerschaften; jeder hat sie ihre besondere Eigenliebe eingeimpft. Die
Britten machen hauptschlich Anspruch auf eine schne Leibesgestalt,
die Musik, und eine niedlich besetzte Tafel. Die Schotten
schmeicheln sich mit Adel, kniglicher Abkunft, und scharfsinniger
Disputierkunst. Die Franzosen behaupten, eine gute Lebensart msse
man bey ihnen erlernen; besonders aber in Paris die Theologie. Die
Italiner brsten sich auf ihre Gelehrtheit und Beredsamkeit; und daher
schmeicheln sie sich, da sie einzig nicht Barbaren seyn; insonderheit
maaen sich die Rmer dieser Glckseligkeit an; sie wiegen sich zum
sssen Traum ein, da sie noch im alten Rom leben. Die Venetianer
triumphieren wegen ihrem Adel. Die Griechen prahlen, sie seyen die
Erfinder der Knste und Wissenschaften, und behngen sich mit den
Titeln ihrer alten berhmten Helden. Die Trken, samt allen dem brigen
Barbarengeschmeisse, schreien, die chte Religion lasse sich nur bey
ihnen finden; und sie lachen hhnisch ber Christen, als Aberglubige.
Gtlich thun die Jden sich noch heut zu Tage mit der Erwartung des
Messias, und sind dabey so standhaft, als sie es in Bewahrung der
Schriften ihres Moses sind. Die Spanier wollen die berhmtesten
Kriegsleute seyn. Die Germanier spiegeln ihre groen Krper und ihre
Bekanntschaft mit magischen Knsten.

Wir wollen nicht weiter gehen. Es liegt am Tage, wie viele Wollust
die Eigenliebe allen und jeden Sterblichen verschaffe. Sie hat eine
Gesellschafterinn, die Schmeicheley. Wirklich, wenn man sich der
Eigenliebe ergiebt, was thut man anders, als da man sich selbst
schmeichelt; da man sich selbst eben die Geflligkeit erweist, mit
welcher man sich zuweilen in die Gunst Anderer setzt. Heut zu Tag ist
freylich die Schmeicheley in einen bsen Ruf gekommen; aber bey wem?
bey Leuten, die mehr auf die Wrter sehen, als auf die Dinge selbst.
Sie stehen in dem Wahne, Ehrlichkeit knne mit Schmeicheley nicht
wohl bestehen. Damit sie lernen mgen, wie grblich sie sich irren,
sollte man sie bey vernunftlosen Thieren zu Schule schicken: Was ist
schmeichelhafter als der Hund? und was ist zugleich getreuer als er?
was ists, das sich mit Possirlichkeiten geflliger machen kann, als
das Eichhrnchen? und doch ists ein Freund des Menschen. Sind etwann
Lwen, Tiger, Panterthiere, groe Menschenfreunde, weil sie sich
nicht einschmeicheln?

[Illustration]

O ja, es giebt eine sehr schdliche Schmeicheley, durch welche zuweilen
ein Treuloser, oder ein Sptter, einen Einfltigen ins Verderben zu
locken trachtet. Die meinige hingegen entspringt aus einer gewissen
Gutmthigkeit und Aufrichtigkeit; sie kmmt der Tugend weit nher, als
ein gewisses rauhes, mrrisches, unschickliches, und schwerflliges
Wesen; sie flt den Niedergeschlagenen einen Muth ein, trstet
die Traurenden, muntert die Trgen auf, macht die Tummen munter,
erleichtert die Kranken, besnftigt die Wtenden, stellt die Liebe
wieder her, macht die Persnlichkeit dauerhaft, locket die Jugend zum
lernen an, belustigt die Alten, ermahnt und unterrichtet die Frsten
auf eine glimpfliche Weise, indem sie dieselben blos zu loben scheint;
kurz, sie bringts zu Stande, da jeder sich seiner mehr freut, und sich
selbst mehr liebt; und dieses macht bey der Glckseligkeit gewi die
Hauptsache aus.

Was kann dienstfertiger seyn, als wenn zween Esel wechselweise einander
kratzen? Ich habe nicht nthig, erst zu sagen, da ein solches
Betragen einen grossen Theil der gelobten Beredsamkeit ausmacht, einen
grssern der Arzeneykunst, und den grsten der Dichtkunst; da in
derselben auch alles bestehe, was das gesellschaftliche Leben aufs
lieblichste durchwrzen kann. Aber betrogen werden (sagen die Weisen)
ist ja ein grosses Elend. Nicht betrogen werden (sag ich) ist das
allergrste. Man kann nicht rger ausschweifen, als wenn man sich
in Kopf setzt, die Glckseligkeit des Menschen besteh in den Dingen
selbst. Vom Wahne hngt sie ab; denn in dem menschlichen Wesen ist
alles so dunkel, einander so entgegengesetzt, da nichts sich deutlich
wissen lt; wie meine Akademiker es sehr richtig bemerkt haben; und
hierinn erwiesen sie sich gewi nicht als stolze Philosophen. Wenn
sich auch je etwas wissen lt, so benimmt es nicht selten dem Leben
seine Freude. Der Mensch ist einmal so: Schminke ist ihm reizender als
Wahrheit.

Wenn sich jemand hievon durch eine deutliche und handgreifliche
Erfahrung berzeugen will, so stell er sich nur unter einen
Predigtstuhl, und sehe, wie alles (sobald darauf etwas Ernsthaftes
verhandelt wird) schlft, ghnt, hustet, sich schneizt, vor Eckel
erblat; wenn hingegen der Kanzelschreier (ich irre mich, Redner wollte
ich sagen) nach Gewohnheit ein altes Weibermrlein anfngt, erwacht
alles, richtet sich auf, spitzt gierig die Ohren. Und wenn die Rede
auf einen Heiligen kmmt, von dem mehr dichterisches und heldenmiges
zu erwarten steht, zum Exempel, einen Georg, einen Christoph, eine
Barbara, o dann ist man mit einer grssern Andacht bereit, als wenn man
nur mit einem Petrus und Paulus, oder auch Christus, unterhalten wird!
Aber hier ist davon die Rede nicht.

Vermittelst des Wahnes lt sichs, ohne so grossen Aufwand zur
Glckseligkeit kommen. Was die Dinge selbst betrift, so hat man oft
grosse Mhe, sich auch nur die geringsten derselben anzuschaffen: man
denke nur, was fr Schwei schon die Grammatik ausgetrieben hat. Zum
Wahne, die zur Glckseligkeit noch weit mehr beytrgt, gelangt man
sehr leicht. Dort ist einer, dem seine faulen Fische, von welchen
ein Anderer die Nase zuhlt, recht kniglich schmecken; gewi ist
er dabey glcklich; und dieses wre da nicht, wenn man ihm den
kstlich-bereiteten und frischen Strfisch, vor dem ihm aber eckelt,
aufgetischt htte. Jemand hat eine von Herzen hliche Frau, findet sie
aber schn wie Venus; ists ihm nicht einerley, ob sie ist, wie sie ist,
oder ein Muster der Schnheit wre. Jener hat eine Tafel, darauf ein
elendes Geschmire ist, hlt sie aber fr die Arbeit eines Apelles oder
Zeuxis, und kann sie nicht genug bewundern; ist er nicht glcklicher,
als ein Anderer, der wirklich ein Stck von der Hand dieser Knstler
mit schwerem Geld erkauft hat, aber dabey kein so grosses Vergngen in
sich fhlt.

Ich kenne einen Menschen, der die Ehre hat, mein Namensverwandter zu
seyn; er verehrte seiner Braut etliche falsche Demante, und beredete
sie (das Bereden verstand er meisterhaft) sie seyen nicht nur cht,
sondern auch von einem unschtzbaren Werthe. Man sage mir einmal, was
gieng dem Mdchen ab? sie weidete an den Glschen Augen und Herz, als
ob sie einen grossen Schatz in ihrem Besitze htte. Inzwischen hatte
der Mann sich einen grossen Aufwand erspahrt, und machte sich des
Irrthums seines Weibchens zu Nutze; sie war ihm um kein Haar weniger
verbunden, als ob er ihr das allerkostbarste geschenkt htte.

Plato dichtet: in einer Hhle sitzen Leute, welche nur die
Schattenbilder verschiedener Dinge sehen, und bewundern; sie verlangen
weiter nichts, und sind treflich mit ihrem Zustande zufrieden. Nun,
was hat der Weise, der sich aus der Hhle heraus schleicht, und
das Wesentliche jener Bilder angafft, vor jenen voraus? Wenn der
Schuflicker Mycillus, von dem uns Lucian eine Erzehlung macht, und der
sich im Traume ein reicher Mann zu seyn einbildete, stets so getrumt
htte, so wird er keine Ursache gehabt haben, sich ein anderes Glck
zu wnschen. Zwischen Narren und Weisen ist also hhstens dieses der
Unterschied, da jene die glcklichern sind; denn, ihre Glckseligkeit
kmmt sie hher nicht zu stehen, als da sie dieselbe mit einem kleinen
Gedanken erkaufen; und anbey leben sie in einer grossen Gesellschaft;
ein herrlicher Vortheil! denn nichts ist so gut, da es Vergngen
macht, wenn man es einzig fr sich haben mu. Der Weisen giebt es sehr
wenig; und noch nicht ausgemacht ists, ob sich wirklich einer finden
lasse. Griechenland zhlt, inner vielen Jahrhunderten, ihrer sieben;
aber, beym Herkules sey es geschworen! wenn man die Sache genauer
erforschen will, so will ich des Todes seyn, wenn man nur die Hlfte,
nur den Drittel eines Weisen findet.

Unter den vielen Dingen, durch die Bachus sich sein Lob verdient, ist
hauptschlich dieses, da er aus dem Gemthe die Sorgen wegschwemme;
es dauert aber nur eine kleine Weile; denn kaum ich das Ruschlein
ausgeschlafen, so stellt sich der Gram ber Hals und Kopf wieder
ein. Mit der Wohlthat, durch die ich segne, hat es eine ganz andere
Beschaffenheit: durch eine gewisse stete Berauschung, die man sich ohne
Entgeld anschaft, setz ich das Gemth in immerwhrende Wonne.

Man wird mir keinen der Sterblichen aufweisen knnen, der nicht
dieses oder jenes meiner Freygebigkeit zu verdanken htte; da andere
Gottheiten ihre Gaben nur diesen oder jenen auf eine parteyische Weise
zutheilen. Bachus lt nicht allerorten den edlen und angenehmen Wein
wachsen, der die Sorgen verjagt, und dabey man sich in ssser Hoffnung
zum reichen Manne trinkt. Nur selten macht Venus schn, und Merkur
noch seltener zum beredten Manne. Herkules ist sehr sparsam, wenn es
aufs Reichmachen ankmmt. Der homerische Jupiter setzt nicht jedermann
auf den Thron. Oft gewhrt Mars keinem der streitenden Heere den Sieg.
Schon ein mancher ist mit einem langen Gesichte von dem Dreyfusse des
Apollo weggeschlichen. Der saturnische Jupiter donnert oft. Phbus
schiet zuweilen pestilenzialische Pfeile. Neptun verschlingt mehr
Menschen, als er rettet. Wenn ich hier von einem Afterjupiter, einem
Pluto, einer schadenfrohen Ate, und andern dergleichen Rache- und
Krankheitsstiftern, reden wollte, so wrde man nicht Gtter an ihnen
erkennen, sondern Henker.

Ich einzig, die Narrheit, bin eine so gute Nrrinn, da ich
bereitwillig mit meinen Wohlthaten jedermann zu Diensten stehe. Man
hat nicht nthig, mich durch Gelbde zu bestechen; ich erzrne mich
nicht; begehre kein Ausshnungsopfer, wenn man sich bey meiner
Verehrung in dieser oder jener Ceremonie verfehlt hat; bringe nicht
Himmel und Erden in Verwirrung, wenn man die brigen Gtter zu Gaste
bittet, mich aber zu Hause sitzen lt, wo mir kein Opferdunst mit
seinen Wolgerchen in die Nase steigen kann. Um die brigen Gtter
ist es etwas so mrrisches, da es bald besser und sicherer ist, man
lasse sie in Ruhe das seyn, was sie sind, als da man trachte, sich
bey ihnen einzuschmeicheln. Es steht um sie beynahe, wie um Leute, die
so wunderlich und ber jede Kleinigkeit so empfindlich sind, da es
behaglicher ist, keinen Umgang mit ihnen zu haben, als sich mit ihnen
bekannt zu machen.

[Illustration]

Aber niemand (heit es) opfert der Narrheit, oder errichtet ihr einen
Tempel. O ja (ich habe hierber bereits mein Herz ausgeschttet) ber
eine solche Undankbarkeit verwundere ich mich ein wenig; doch deut
ich es, nach der mir angebohrnen Gutmthigkeit aufs beste aus; und im
Grunde: warum sollt ich nach solchen Ehrerweisungen lstern seyn? was
soll mir ein Krnchen Weihrauchs, etwas Gebackenes, ein Bock, ein
Schwein? Alle Sterblichen dienen mir ja allerorten auf eine Weise, von
welcher selbst die Theologen sagen, da sie weit die vorzglichste sey.
Nein, nein, ich beneide die Diana nicht, da man ihr Menschenblut zum
Vershnopfer darbringt; ich glaube, da ich aufs andchtigste verehrt
werde; wenn man mich (und allerorten, und von jedermann, geschieht es
ja) ins Herz aufnimmt, und sich in allem Thun und Lassen nach meiner
Anweisung einrichtet.

Auch bey den Christen findet sichs ziemlich selten, da sie auf eine
solche Weise ihre Heiligen verehren. Wie gro ist nicht die Menge
derer, welche der jungfrulichen Gottgebhrerinn eine Wachskerze
anznden, und das am hellen Mittage, da sie ganz unntz ist! Hingegen,
wie wenige derer, die ihr durch ein keusches und sittsames Leben, und
durch Liebe zu himmlischen Dingen, nachzueifern trachten! Und doch
wre dieses der chteste sich auch den Himmelsbewohnern anpreisende
Gottesdienst.

Ferner, warum sollte mir nach einem Tempel verlangen, da mir (wenn ich
mich nicht irre) die ganze Welt zum schnsten dient? So lange noch
Menschen sind, wirds mir an Verehrern nicht fehlen. Eine solche Nrrinn
bin ich nicht, da ich nach steinernen und mit Farben berschmierten
Bildern lstern seyn sollte; solche Dinge sind blos Abhaltungen von
einer chten Verehrung, indem Leute, die nichts als Fleisch und Blut
sind, die Zeichen fr die Heiligen selbst nehmen und anbeten; und dann
geht es uns wie denen, die durch ihre eigenen Statthalter vertrieben
werden. Ich halte dafr, mir seyen eben so viele Bildsulen errichtet,
als es Sterbliche giebt, die, wenn sie es auch selbst nicht meynen,
lebhafte Bilder von mir sind. Ich beneide die brigen Gtter nicht,
wenn die Einen in diesem, und die Andern in jenem Winkel der Welt,
und zwar an gesetzten Tagen angebetet werden: zum Exempel Phbus in
Rhodus, Venus in Cypern, Juno in Argos, Minerva in Athen, Jupiter auf
dem Olymp, Neptun zu Tarent, Priapus in Lampsokus; die ganze Welt wird
stets fortfahren, mir weit treflichere Opfer darzubringen.

[Illustration]

Es knnte das Ansehen haben, ich sey verwgen genug, die Wahrheit
vorbey zu gehen. Lasset uns aber das Leben der Menschen etwas nher
betrachten, um an den Tag zu bringen, wie vieles die Menschen, vom
hchsten Range bis zum niedersten, mir zu verdanken haben, und wie hoch
sie mich auch wirklich schtzen. Wir wollen nicht das ganze Leben eines
jeden durchgehen, welches viel zu weit fhren wrde, sondern nur das
Leben der vornehmsten berhren, wo es dann leicht seyn wird, den Schlu
auch auf die brigen zu machen.

Was den gemeinen Pbel betrift, so steht er augenscheinlich auf
meinen Seiten: er zeigt sich allerorten in so vielerley Gestalten
der Narrheit, tglich sinnt er diesorts so viele neue Moden aus,
da tausend Demokritusse nicht zureichend wren, sie gebhrend zu
belachen; und noch ein Demokritus wre nthig, um ber diese tausend
zu lachen. Man wrde keinen Glauben finden, wenn man es sagen sollte,
wie lustig sich tglich die Gtter ber die Menschengeschpfe machen.
Die Gtter bringen ihre nchteren vormittgigen Stunden damit zu, da
sie zankschtigen Menschen, die sich bey ihnen Raths erholen, Verhr
ertheilen, und auf die Gelbde horchen, die man an sie richtet; wenn
einmal der Nektar ihnen in den Kopf gestiegen ist, und sie zu nichts
Ernsthaftem mehr aufgelegt sind, so setzen sie sich auf das usserste
Vorgebrg des Himmels, und begaffen mit ausgestrecktem Halse das Thun
und Lassen der Menschen. Von einem angenehmern Schauspiele wissen sie
nichts. O welch eine Schaubhne, auf welcher sich so vielerley Narren
drngen! Auch ich setze mich zuweilen in den Kreis der poetischen
Gtter.

[Illustration]

Dieser ist sterblich in ein Mdchen verliebt; und wie weniger er
geliebt wird, desto rasender liebt er. Jener vermhlt sich mit der
Morgengabe, nicht mit der Tochter. Dieser fhrt gefllig seine
Gemahlinn einem Andern selbst zu. Jener bewacht sie aus Eifersucht wie
ein zweyter Argus. O welche thrichte Dinge sagt und thut nicht dieser
in seiner Trauer! Leute, die besser nicht sind als Possenreisser,
bezahlt er, um das Trauerspiel stattlich auszufhren. Jener weint beym
Grabe seiner Stiefmutter. Dieser jagt alles, was er immer aufbringen
kann, durch die Gurgel, um ja bald verhungern zu mssen. Jenem behagt
nichts besser, als schlafen, und nichts thun. Es giebt Leute, die in
Betreibung der Geschfte Andere schwitzen und keichen, indem sie
die ihrigen vernachlssigen. Es giebt Andere, die Geld aufnehmen, um
ihre Schulden abtragen zu knnen; beym fremden Gelde dnken sie sich so
lange reich zu seyn, bis sie ihren ganzen brigen Bettel den Glubigern
berlassen mssen. Es fehlt an solchen nicht, die alles vollauf haben,
und arm leben, um ihren Erben Reichthmer zu hinterlassen. Um eines
kleinen und ungewissen Gewinnes willen durchfhrt Einer alle Meere,
sein mit keinem Gelde zu ersetzendes Leben den Wellen und Winden
anvertrauend. Ein Anderer will lieber sein Glck im Kriege suchen,
als zu Hause sicher, ruhig, und gemchlich leben. Man glaubt, der
leichteste Weg, reich zu werden, sey, sich bey kinderlosen Alten
einzuschmeicheln; oder bey einem steinreichen Mtterchen, Hahn im Korbe
zu seyn. Beide machen, da die auf sie achthabenden Gtter von Herzen
lachen, wenn sie in eben den Stricken, die sie Andern legen, selbst
gefangen werden.

Es giebt eine recht nrrische und schndliche Art von Kaufleuten, die
sich mit schndlichen Dingen, und auf eine schndliche Weise abgeben:
lgen, schwren, stehlen, betrgen, bersetzen, sind bey ihnen etwas
gewhnliches; und doch strauben sie sich so, als ob ihnen durchgehends
der Vorrang gebhre, weil sich ihre Geldksten wohl bespickt befinden.
Auch im geistlichen Stande fehlt es ihnen an Schmeichlern nicht, von
denen sie bewundert und als hochachtungswrdige Leute gepriesen werden,
nur damit sie ihnen etwas weniges von dem mit Unrecht erworbenen
Vermgen zufliessen lassen.

Einigen von der Sorte des Pythagoras scheint alles so sehr theil
und gemein zu seyn, da sie alles, was von Andern nicht auf das
sorgfltigste verwahrt wird, als ob es ihr rechtmiges Erbgut wre, an
sich ziehen. Es giebt deren, die nur in ihren Wnschen und Hoffnungen
reich sind; sie lassen sich recht angenehme Dinge trumen, und stehen
in dem Wahne, zur Glckseligkeit werde weiter nichts erfordert. Einige
haben das Vergngen, da man sie fr reiche Leute hlt; und zu Hause
knnen sie sich kmmerlich des Hungers erwehren. Dieser lt es an
nichts fehlen, das Seinige recht geschwind durchzubringen; jener
vermehrt es mit Recht und Unrecht. Der Eine durchluft alle Strassen,
um sich Stimmen zu einem Amte zu erbettlen; der Andere lebt zufrieden,
indem er in seinem Ofenwinkel verrostet. Viele verwickelen sich in
Rechtshndel, die kein Ende nehmen, und bemhen sich beyderseits wie um
die Wette, einen zgernden Richter und schelmischen Frsprecher, reich
zu machen. Dieser sinnt immer auf Neuerungen; jener geht stets mit
grossen Entwrfen schwanger. Dort ist einer, der nach Jerusalem, Rom,
Compostell, wo er keine Geschfte hat, als Pilger zieht, und inzwischen
Weib und Kinder zu Hause darben lt.

[Illustration]

Wenn Sie, meine Herren, (gleich dem Menippus beym Lucian) das
unzhlbare Gewirre der Sterblichen vom Monde herab sehen knnten, so
wrd es Sie dnken, Sie sehen Heere von Mcken oder Schnaken, die
sich unter einander erzanken, bekriegen, belauren, berauben, spielen,
Muthwillen treiben, gebohren werden, fallen, sterben. Es ist nicht zu
ersagen noch zu erglauben, wie viel verwirrtes Gezeug und Unheil ein
so kleines und hinflliges Thierchen stifte. Etwann reit ein kleiner
Kriegs- oder Pestssturm auf einmal bey vielen tausenden hin. Ich wrde
aber eine Erznrrinn seyn und wrdig, da Demokritus sein ganzes Lachen
ber mich ausschtte, wenn ich fortfahren wrde, allen Pbelswahnsinn
in seinen so vielen Gestalten daher zu zhlen. Ich werde mich an die
halten, von denen man glaubt, da sie alle Weisheit verschlungen haben:

An der Spitze treten die Grammatiker auf, ein pedantisches Vlkchen;
elender knnt es um sie nicht stehen, und die Gtter selbst wrden
sie anfeinden, wenn nicht ich ihren Jammer mit einer angenehmen Art
von Wahnsinne gemildert htte. Griechen haben ein Sprchwort von fnf
Plagen, hier aber findet man bey tausenden: Hunger und Durst martert
sie; beschmutzt, bestaubt, sitzen sie in ihren Schulen, Jammerlchern,
rechten Zuchthusern; bey den Folterbnken, unter einer Heerde von
Buben, werden sie bey der Arbeit eselsgrau, durch Geschrey betubt,
durch Hitze und Gestank ausgedrrt; und doch (Dank haben sie mir)
dnken sie sich die Ersten unter den Menschen zu seyn. Sie geniessen
einer rechten Herzenslust, wenn sie mit ihrem Tyrannengesichte,
ihrer Donnerstimme, dem bebenden Huflein einen Schrecken einjagen
knnen; mit Stcken und Ruthen dreschen sie auf die armen Jungen zu;
und indem sie nach Willkhr auf vielerley Weise wten, geht es ihnen
wie dem Esel in der Lwenhaut.

[Illustration]

Ihr schmutziger Unrath deucht sie Reinlichkeit zu seyn; ihre Nase
haben sie zum Wohlgeruche des Gestanks gewhnt; in ihrer jmmerlichen
Sclaverey dnken sie sich Knige zu seyn; und ihre Tyrannenmonarchie
wrden sie nicht mit der Herrschaft eines Phalaris oder Dionisius
vertauschen. Noch beglckter macht sie ihre seltsame Ueberzeugung, da
sie grundgelehrte Mnner seyen. Alldieweil sie den Schuljungen lauter
Wahnsinn einbluen, denken sie Wunder, wie weit sie sich ber einem
Palmon, einen Donat, hinaufgeschwungen haben. Und ich wei nicht
durch welche Zauberknste sie es zu Stande gebracht haben, da sie
nrrischen Mttern und tummen Vtern gerade so verkommen, wie sie sich
selbst zu seyn glauben. Wollust ists fr einen solchen, wenn er in
einem halbvermoderten Buche etliche veraltete Wrter erstnkert, oder
ein Stck von einem mit verstmmelten Buchstaben bezeichneten Stein
hervorgegraben hat; o Jupiter! wie hpft er nicht vor Freude! welcher
Triumph! welches Lobgewsch! als ob er Afrika besiegt, oder Babilon
erobert htte. Wenn sie ihre frostigen und abgeschmackten Verslein
allerorten spiegeln und Bewunderer finden, so zweifeln sie nicht,
Virgils Seele sey mit Haut und Haar in ihren Leib gefahren. Lustiger
ist nichts, als wenn sie sich unter einander loben, bewundern, krazen.
Wenn der Eine sich an einem Wrtchen verstossen und ein Scharfsichtiger
es von ungefehr entdeckt hat; o Herkules! welch eine Trauerscene ffnet
sich! welches Gekeife, welche Spottnamen, welche Beschimpfungen!

Alle Grammatiker sollen mir ber den Nacken kommen; wenn ich nicht die
runde Wahrheit erzehle: Ich kenne einen Tausendknstler, Griechen,
Lateiner, Mathematiker, Philosophen, Arzt, und das alles im hchsten
Grad; er ist schon sechzig Jahr alt; seit mehr als zwanzig Jahren
ereselt und ermartet er sich, alle brigen Geschfte hindansetztend,
mit der Grammatik; er wrde sich fr ein rechtes Glckskind halten,
wenn es ihm so lange zu leben verstattet wrde, bis er es bey sich
festgesetzt htte, wie man die acht Theile der Rede von einander
unterscheiden msse; eine Sache, ber die sich bisher kein Grieche
und kein Rmer zuversichtlich erklret habe. Er scheut sich nicht,
den grausamsten Krieg anzufangen, wenn jemand das Beywort an die
Stelle setzt, wo sich das Fgwort befinden sollte. Da es so viele
Gramatiken als Grammatiker giebt, ja noch mehr (denn mein Freund Aldus
schrieb ihrer fnf) so lt unser Held doch keine vorbey, wenn sie
auch noch so barbarisch und kopfbrechend geschrieben ist, ohne sie
aufs genauste zu durchwhlen; neidisch auf einen jeden, der sich auch
auf die widersinnigste Weise an eine solche Arbeit gewaget hat, in
der herzabnagenden Furcht, es mchte jemand ihm dieses Ehrenkrnzlein
ablaufen und ihm die Arbeit so vieler Jahre schnden. Bey Ihnen, meine
Herren, steht es, dieses Wahnsinn zu nennen oder aber Narrheit: mir
liegt wenig daran, wenn man mir nur eingesteht, meiner Gte und Gnade
sey es zuzuschreiben, da dieser, der sonst das elendeste unter allen
Viehe seyn wrde, sich auf eine solche Stuffe der Glckseligkeit
schwinge, da er sein Loos auch mit keinem persischen Knige
vertauschen wrde.

So sehr sind die Dichter mir nicht verpflichtet, ob sie gleich
unstreitig von meiner Zunft sind; sie, denen, wie den Mahlern alles
erlaubt ist; deren Bemhung keinen andern Zweck hat, als die Ohren
der Narren durch possenhafte Schwnke und lcherliche Fabeln, zu
kitzlen. Und dennoch ist es zum Erstaunen, was fr grosse Dinge sie
auf diesen Wind bauen: weniger nicht, als da sie sich und Andern die
Unsterblichkeit und ein wonnevolles Gtterleben herzhaft versprechen.
Mit der Eigenliebe und der Schmeicheley leben sie vorzglich vertraut;
unter allen Sterblichen ist niemand, der mich mit mehrerer Einfalt und
Standhaftigkeit verehrt.

Die Redner treten freilich ein wenig aus dem Gleise, und spielen mit
den Philosophen unter dem Htchen; doch sind sie auch von meiner
Parthey. Wo der Beweis sey? Ich knnte vieles anfhren, man merke aber
nur dieses: unter andern Possen haben sie vieles und unanstndlich
von der Kunst zu scherzen geschrieben. Der, (er mag seyn wer er will)
welcher die Redekunst geschrieben und dem Herennius zugeeignet hat,
zhlt die Narrheit selbst unter die verschiedenen Arten des Scherzes.
Quintilian, den die Redner fr ihren Vortnzer erkennen, schrieb vom
Lachen ein ellenlanges Capitel. Diese Schriftsteller schreiben der
Narrheit eine so grosse Kraft zu, da sie oft das, was sich durch
keine Vernunftgrnde wegrumen liesse, durch ein Lachen in die Flucht
treiben. Man wird es mir doch nicht streitig machen wollen, durch
kunstreiche Schwnke ein Gelchter erwecken, gehre zu den Gaben der
Narrheit.

Dieses Gelichters sind auch die, welche sich durch Bcherschreiben
einen unsterblichen Ruhm erhaschen wollen. Sie sind mir alle sehr stark
in der Dinte; hauptschlich die, welche das Papier mit nichts als
Lappereyen berschmieren. Was die betrift, welche nach dem Urtheile
einiger weniger Gelehrten gelehrt schreiben, so scheinen sie mir nicht
so fast glcklich zu seyn, als aber erbarmungswrdig, wenn sie es
gleich auf den Entscheid eines Persius oder Clius wollen ankommen
lassen; denn sie marteren sich selbst bestndig; sie flicken hierzu,
ndern, streichen weg, setzen wieder hin, wiederholen, wrmen auf,
erholen sich Raths, haltens neun oder zehen Jahre zurck, sind nie mit
sich selbst zufrieden; eine nichtswerthe Belohnung, das Lob einiger
wenigen, erkaufen sie theuer, viele Nchte hindurch sich des Schlafes
beraubend, des angenehmsten Dinges von der Welt; bey vielem Schwei
und Grame, ist ihr Verlust gro; ihre Gesundheit wird vergeudet; die
Schnheit geht zu Grunde; sie werden triefugig, wo nicht gar blind;
ziehen sich Armuth und Neid zu, finden nirgends einen Eingang zum
Vergngen, altern und sterben vor der Zeit, und so weiter. Ein solcher
Weiser meynt, alles dieses Uebel werde ihm reichlich dadurch ersetzt,
da hier oder da ein Blinzer ihn seines Beyfalls gewhrt.

Weit glcklicher ist ein Schriftsteller, der sich bey seinen
Trumereyen an mich hlt; er darf sich den schalen Kopf nicht
zerbrechen; wie es ihm einfllt, in die Feder schiet, trumt, setzt er
es sogleich auf; es geht dabey nichts verlohren, als ein wenig Papier;
er ist des Erfolgs versichert: je possenhaftere Possen er schreibt, von
desto mehrern, das ist allen Narren und Tummkpfen, erhlt es Beyfall.
Es kostet ja keine Mhe, drei oder vier Gelehrten (gesetzt da sie es
lesen) zu verachten. Der Ausspruch so wenig Weiser gilt, bey einem so
unzhlbaren Haufen der Widersprecher, so viel als nichts.

Auch die verstehen die Sache besser, die eine fremde Arbeit fr die
ihrige ausgeben; den Ruhm, um den Andern mit grosser Mhe gearbeitet
haben, ziehen sie leicht an sich; ja, eines gelehrten Diebstahls wird
man sie anklagen; das aber, darauf sie sich verlassen, ist dieses: sie
werden sich wenigstens bis dahin die Sache zu Nutze machen. Es ist
der Mhe werth, Acht darauf zu haben, wie vieles diese sich darauf
zu Gute thun, wenn man sie auf den Strassen lobt, im Gedrnge mit
Fingern auf sie weist, und spricht: sehet, dort geht der grundgelehrte
Mann! Auf den Lden der Buchhndler stehen ihre Werke feil; auf den
Titelblttern liest man ihre auf verschiedene Weise verknstelten
Namen, die ein ganz fremdes und magisches Ansehen haben. Und diese
Namen, o Himmel, was sind sie anders, als Namen? Anbey sind sie in
dieser grossen weiten Welt nur sehr wenigen bekannt; und noch von weit
wenigern werden sie gelobt: denn auch bey den Ungelehrten hat jeder
seinen eigenen Geschmack. Nicht selten sind diese Namen erdichtet, oder
aus den Schriften der Alten an Kindesstatt angenommen. Der eine nennt
sich Telemachus, ein anderer Stelenus, ein dritter Laentes, ein vierter
Polykratus, ein fnfter Thrasymachus, und so weiter. Mit eben so gutem
Fuge knnten sie ihr Buch Cameleon betitlen, oder Krautskopf, oder A
oder B oder C, und so weiter.

Das Artigste ist, wenn sie sich unter einander, die Narren und
Dummkpfe, in ihren Briefen und Versen panegyrisieren. Dieser nennt
jenen seinen Alcus, und bekmmt zur Dankbarkeit den Titel Callimachus.
Sie, mein Herr, spricht Einer, sind beredter als Cicero; und Sie,
erwiedert der Andere, sind gelehrter als Plato. Etwann fordert man
einen Gegner zum Kampf heraus, um sich durch einen Klopffechterstreich
einen noch grssern Ruhm zu erwerben: dann wankt der gaffende Pbel,
unentschlssig, welcher Seiten er Beyfall zujauchzen wolle; bis da es
heit, jeder der beiden Streiter habe den Sieg erfochten, und beiden
wird die Ehre des Triumphes zuerkannt. Hier lachen die Weisen als ber
eine Erznarrheit. So mag es seyn; niemand leugnet es: inzwischen aber
verdanken es die Streiter mir, da sie ein vergngtes Leben haben,
und ihre Triumphe mit keinem der Scipionen vertauschen wollen. Auch
die Gelehrten, die hierber recht von Herzen lachen und sich an dem
Wahnsinne Anderer belustigen, sind mir vieles schuldig und werden es
nicht leugnen, wenn sie ja nicht die Undankbarkeit bis ins Unverschmte
treiben wollen.

Die Rechtsgelehrten wollen allen Andern den Rang ablaufen. Das ist ein
Vlkchen, das vor allem austreflich mit sich selbst zufrieden ist. Wenn
man sich einen Begriff von ihrer Arbeit machen will, so mache man sich
mit den Bemhungen des Sistyphus, und dem Erfolge derselben bekannt. In
einem Athemzuge stoppeln sie viele hundert Gesetze zusammen. Gehren
sie auch zur Sache? Davon ist die Frage nicht. Wenn nur Kunstwrter
auf Kunstwrter, Meynungen auf Meynungen, gehuft stehen; und die Leute
wunder denken, welch eine riesenmssige Arbeit diese Herren zu Stande
gebracht haben: denn das, dabey man wie ein Pferd arbeiten mu, das mu
ja nothwendig etwas vortrefliches seyn!

Bemerken wir jetzt die Logiker und Sophisten, Leute, die geschwtziger
sind, als die Dodonischen Kessel. Man whle unter den plauderhaftesten
Weibern zwanzig aus; jeder unsrer Helden wird es mit ihnen allen
aufnehmen. Doch wrden sie noch glcklicher seyn, wenn sie weiter
nichts als eine gelufige Zunge htten; leider haben sie zu viel Galle,
und sie erkmpfen sich um den Schatten mit einer solchen Heftigkeit,
da mehrentheils ber dem Gekeife die Wahrheit verlohren geht. Doch
macht die Eigenliebe auch sie glcklich; mit ein paar Syllogismen
versehen, finden sie keinen Anstand, ber jede Sache mit jedermann
handgemein zu werden. Eigensinn macht sie unberwindlich, wenn sie auch
gleich einen Stentor zum Gegner haben.

Auf diese kommen die durch Bart und Mantel ehrwrdig-gemachte
Philosophen, die sich fr die einzigen Weisen ausgeben, da alle brigen
Sterblichen blos ein Schatten der Menschheit sind, ein Auskericht
der Schpfung. Allerliebst schwrmen sie, wenn sie unzhlbare Welten
bauen: das Maa der Sonne, des Mondes, der Sternen, der Weltkreise, bis
auf die Breite eines Haares angeben; die Ursachen der Blitze, Winde,
Finsternisse, und aller unerklrbarer Dinge, bestimmen; nirgends so
wenig einen Anstand findend, als ob sie die Geheimrthe der Natur,
der Baumeisterinn der Dinge, gewesen, und gerad aus dem Rathe der
Gtter zu uns herabgekommen wren. Inzwischen helfen sie der Natur,
mit ihren Muthmassungen, zu einem recht herzlichen Lachen. Da sie
nichts verstehen, ist schon dieses ein zureichender Beweis: ber jedes
Ding gerathen sie sich so in die Haare, da sie nicht aus einander zu
reissen sind.

Ob sie gleich nichts wissen, geben sie sich doch fr allwissend aus.
Ihnen selbst sind sie fremd. Sie sehen die Grube nicht, den Stein
nicht, darauf sie gerade zugehen; entweder weil sie bldsichtig sind,
oder weil sie ihren Geist an das Umherschweifen gewhnt haben; und
doch prahlen sie, da sie Ideen, Universalien, getrennte Formen, die
ersten Stoffe, Quidditten, Ecceitten, sehen, das alles so berfeine
Dinge sind, da ich wohl sagen darf: auch Luchsenaugen seyen zu stumpf
dazu. Nie aber verachten sie den unheiligen Pbel mehr, als wenn sie
mit Dreyangeln, Vierecken, Zirkeln, und dergleichen mathematischen
Figuren, die in einander verschlungen, verlabyrinthisiert, und mit wie
in verschiedene Schlachtordnungen gestellten Buchstaben durchspickt
sind, den Ungelehrten einen blauen Dunst vor die Augen machen. Und
in diese Classe gehren auch die, welche, um knftige Dinge vorher
zu sagen, die Gestirne zu Rathe ziehen, und mehr als magische Wunder
versprechen; auch so glcklich sind, Menschen zu finden, die ihnen
tummen Glauben zustellen.

Vielleicht wrd ich am besten thun, wenn ich bey den Theologen
stillschweigend vorber gienge, und diese Seite ganz und gar nicht
berhrte. Diese Art von Menschen trgt den Kopf gewaltig hoch, und
ist ungemein reizbar; ich laufe Gefahr, da sie mit tausenderley
Folgerungen auf mich losstrmen; und mir bleibt dann anders nichts
brig, als zu palinodisieren, wenn ich nicht fr eine Erzketzerinn will
ausgeschrien werden. Wenn sie jemanden auch nur ein wenig ungnstig
sind, so sind sie gleich bereit, ihm mit einem Bannstrahle einen
Schrecken einzujagen. Freylich sind sie unter allen Menschen die,
welchen es am widerlichsten vorkmmt, mich fr ihre Wohlthterinn zu
erkennen; und doch sind sie auch aus verschiedenen nicht unwichtigen
Ursachen in meiner Schuld: die Eigenliebe, die sich in meinen Diensten
befindet, versetzt sie wie in den dritten Himmel, wo sie alle brigen
Sterblichen, als so viele auf der Erden kriechende Thiere, von ihrer
Hhe herab verachten, und beynahe bemitleiden. Mit einem ungeheuern
Heer von magisterialischen Definitionen, Conclusionen, Corollarien,
expliciten und impliciten Propositionen, sind sie rund umschanzt; so
vielerley Ausflchte stehen ihnen bereit, da es auch einem Vulkan
unmglich seyn wrde, sie zu verstricken; immer bahnt eine Distinction
ihnen den Ausweg; auch ist dieses das beste Mittel jeden Knoten zu
durchschneiden; schrfer und hurtiger, als jene Art, mit welcher
der Richter in Teredos dem, der den Proce verlohren hatte, den
Kopf zu zerspalten pflegte; und zu diesem Ende haben sie sich mit
neuausgedachten Wrtern reichlich versehen; Redensarten, die Schauer
einjagen.

Verborgene Geheimnisse erklren sie nach ihrem Gutdnken: auf welche
Weise die Welt erschaffen und eingerichtet worden; durch welche
Canle sich jene Sndenseuche in die Nachkommenschaft ergossen habe;
wie, in welchem Maasse, in welchem Zeitpunkte, Christus in dem Leibe
der Jungfrau vollendet worden; wie sich im Abendmahle Accidentien
ohne Behausung beherbergt befinden. Doch dieses sind nur gemeine
und ausgentzte Dinge. Es giebt andere, die verdienen von grossen
und hocherleuchteten Theologen fein behandelt zu werden; wenn diese
vorkommen, dann wacht man erst recht auf; zum Exempel: hat Gott einen
Zeitpunkt nthig, wenn er etwas hervorbringt? giebts in Christo
verschiedene Sohnschaften? lt sichs sagen, Gott der Vater hat den
Sohn? htte Gott sich mit einem Weibe vereinen knnen, mit dem Satan,
mit einem Esel, mit einer Pflanze, mit einem Steine? wie htte in
einem solchen Falle die Pflanze predigen, Wunder thun, ans Kreuz
geheftet werden knnen? was wrde Petrus eingesegnet haben, wenn er
zu eben der Zeit eingesegnet htte, in welcher Christi Leib am Kreuze
hieng? htte man alsdann Christum einen Menschen nennen knnen? wird es
nach der Auferstehung erlaubt seyn, zu essen, und zu trinken? O diesen
Herren liegt vieles daran, sich zum voraus und in Ewigkeit hinein vor
Hunger und Durste zu bewahren! Solcher fein gesponner Possen giebt es
eine unzhlbare Menge.

Es fehlt ihnen an noch weit feinern nicht: von Zeitpunkten bey
gttlichen Zeugungen; von Notionen, Relationen, Formalitten,
Quidditten, Ecceidten; Dingen, die selbst der Argonaute Lynceus,
der durch eine Mauer hindurch sehen konnte, nie wrde entdeckt haben;
denn hier mu man durch die dickste Finsterni hindurch das sehen, was
nirgends ist. Hieher gehren auch ihre Moralstze, die so seltsam sind,
da die paradoxesten Behauptungen der Stoiker, in Vergleichung mit
denselben, eine gemeine und Alletagswaare scheinen wrde; zum Exempel
es sey ein kleineres Verbrechen, tausend Menschen todt schlagen, als
auch nur einmal einem Armen am Sonntage den Schuh flicken; man solle
ehender die ganze Welt mit aller ihrer Zubehrde zu Grunde gehen
lassen, als nur die allerkleinste und nichtsbedeutendste Unwahrheit
sagen.

Diese so feinen Feinigkeiten werden durch eine Menge von scholastischen
Rnken noch mehr befeinert; so da man sich ehender aus allen
Labyrinthen heraus finden knnte, als aus dem Gewirre der Realisten,
Nominalisten, Thomisten, Albertisten, Occanisten, Scotisten, wer mchte
sie alle nennen? dieses sind nur die vornehmsten: Hier ist alles so
voll von Gelehrtheit, von Schwrigkeit, da ich wirklich glaube, die
Apostel mten mit einem ganz andern Geiste versehen seyn als dem,
der sie ehedem belebte, wenn sie gezwungen wren, ber diese Dinge
mit diesem neuen Geschlechte von Theologen handgemein zu werden.
Dem Paulus hat es an Glauben nicht gefehlt, wenn er aber sagt: der
Glaube sey eine Zuversicht dessen, das man hofft, und nicht zweifelt
an dem, das man nicht sieht, so hat er ihn nicht magistraliter
definiert. Er erwie sich auf eine vortrefliche Weise liebreich, aber
bey seiner Beschreibung und Eintheilung der Liebe, in dem dreizehnten
Capitel seines ersten Briefs an die Corinther, verrth er wenig
Logik. Die Apostel bezeigten sich bey Einsegnung des Abendmahls
andchtig und fromm; wenn man sie aber gefragt htte, was sich bey
dem Anfang und Fortgange des Erfolgs der Einsegnung ereigne; wie es
mit der Transsubstantiation beschaffen sey; wie der nmliche Krper
an verschiedenen Orten seyn knne; mit welchem Unterschiede der Leib
Christi im Himmel, am Kreuze, im Abendmahle gewesen sey; in welchem
Zeitpunkte die Transsubstantiation vorgehe, da die Einsegnung durch
Sylben und Worte geschieht, die sich nur nach und nach aussprechen
lassen: o so wrden sie wohl nicht so scharfsinnig geantwortet haben,
wie die Scotisten es heut zu Tage thun.

Die Apostel kannten die Mutter Jesu, aber welcher von ihnen hat es so
philosophisch demonstriert, wie sie vor Adams Fehler bewahrt worden,
als unsre Theologen es thun? Petrus empfieng die Schlssel, und
empfieng sie von dem, der sie keinem Unwrdigen anvertrauen wrde:
und doch wei ich nicht, ob er es verstanden habe (gewi ussert
er nirgends eine solche Spitzfindigkeit) wie auch der, indem sich
keine Erkenntni befindet, den Schlssel der Erkenntni habe. Sie
tauften allerorten, und lehrten doch nirgends, welches die frmliche,
materielle, wirksame, und endzweckliche Ursache der Taufe sey; auch
thun sie keine Meldung von einem auslschlichen und unauslschlichen
Charakter. Sie beteten an, aber im Geiste, und befolgten blos die
evangelische Anweisung. Gott ist ein Geist, und die, so ihn anbeten,
mssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. Es zeigt sich aber
nicht, es sey ihnen damals geoffenbaret worden, man msse das an der
Wand mit einer Kohle gezeichnete Bildchen mit der nmlichen Anbetung
wie Christum selbst anbeten, wenn er nur mit zween emporgestrebten
Fingern gezeichnet sey, mit langem Haare, und mit Strahlen sowohl
auf dem Wirbel, als auch an beiden Schlfen. Nein, niemand kann zu
solchen Einsichten gelangen, der nicht sechs und dreiig Jahre lang die
aristotelische und scotistische Physik und Metaphysik durchgeschwitzt
hat.

Die Apostel schrfen die Lehre von der Gnade ein, nirgends aber zeigen
sie den Unterschied zwischen der aus Gnade gegebenen Gnade, und der
begnadigenden Gnade. Sie vermahnen zu guten Werken; unterscheiden aber
nicht zwischen einem wirkenden Werke, und einem gewirkten. Sie schrfen
oft die Liebe ein, unterscheiden aber nicht zwischen der eingeflten,
und der erlangten; auch zeigen sie nicht, ob diese Tugend etwas
Zuflliges sey, oder etwas Wesentliches; etwas Erschaffenes, oder etwas
Unerschaffenes. Sie verabscheuen die Snde; ich will aber sterben,
wenn sie es kunstmig htten bestimmen knnen, was das sey, was wir
Snde nennen, insofern sie etwann nicht von dem Geiste der Scotisten
dessen belehrt worden. Man wird mich nie dahin bringen knnen, da ich
glaube, Paulus (man mache von der Gelehrtheit desselben einen Schlu
auf die brigen) wrde so oft wider spitzfindige Fragen, Znkereyen,
Wortkriege, geredet haben, wenn er mit allen jenen feinen Dingen
bekannt gewesen wre; insonderheit, wenn man das rohe und burische
Geznke seiner Zeiten mit den mehr als chrysippischen Feinheiten unsrer
grossen Meister vergleichen will. Doch mu man auch ihre grosse
Bescheidenheit zu rhmen nicht vergessen: wenn sie in den Schriften
der Apostel etwas nachlssiges finden, das vor Meister und Gesellen
nicht bestehen kann, so fahren sie nicht gleich mit der Verdammung zu,
sondern legen es auf das beste aus; und dieses ist die Ehre, die sie
theils dem Alterthume, theils dem apostolischen Namen erweisen. Und
gewi wrde es nicht billig seyn, so grosse Dinge von ihnen zu fordern,
ber welche ihr Lehrer nie auch nur ein Wrtchen mit ihnen verlohren
hat.

[Illustration]

Wenn sie beym Chrysostomus, Basilius, Hieronymus, etwas dergleichen
antreffen, so sprechen sie ohne Umschweif: dieses hat man nicht
angenommen. Jene Alten haben die heidnischen Philosophen und die Juden
widerlegt; Leute, denen es von Natur an Hartnckigkeit nicht fehlte;
sie thaten es aber mehr durch Leben und Wunder, als durch Syllogismen;
und die Leute, die bekehrt wurden, waren ehrlich-einfltige Leute, die
mit Anspannung alles ihres Witzes nicht im Stande gewesen wren, ein
einziges Quodlibet des Scotus zu verstehen. Nun aber, wo ist ein
Heid, ein Ketzer, welcher vor so feinen Subtilitten nicht sogleich
die Waffen strecken mte? Es sey denn, da er, der Tummkopf, es
nicht fassen konnte; oder unverschmt genug wre, es auszuzischen;
oder sich mit hnlichen Waffen und Fallstricken versehen htte, so
da man im Treffen keinen Vortheil vor einander haben wrde; wie
wenn zween Zauberer einander beym Kopfe kriegen; oder wenn jeder ein
Zauberschwerdt hat: da wrde die Sache so wenig zu Ende kommen, als das
Gewebe der klugen Frau Penelope.

Wenn die Christen (ich rede nach meiner Einsicht) weise wren, so
wrden sie anstatt jener Scharen von schwerflligen Soldaten, derer man
sich seit langem aber nicht mit dem besten Erfolge bedient, lrmende
Scotisten, hartnckige Occanisten, unberwindliche Albertisten, mit dem
ganzen Geschleppe der Sophisten, wider Trken und Saracenen senden;
man wrde (ich zweifle nicht daran) das allerlustigste Gefechte
sehen, und einen noch nie gesehenen Sieg. Wo sollte sich eine so
kalte Seele finden lassen, die nicht bey der Glut solcher Mnner in
Flammen gerathen mte? der allertrgste wrde dadurch zur Hurtigkeit
angespannt werden; dem Scharfsichtigsten wrde hier Staub in die Augen
geworfen werden.

Mich deucht bald, ich scheine euch dieses alles nur im Scherze gesagt
zu haben. Kein wunder! es giebt ja auch unter den Theologen, den
gelehrtesten, solche, denen vor dergleichen elenden (das ist ihr Wort)
theologischen Spitzfindigkeiten eckelt. Es giebt derer, die es als
eine Gotteslsterung verabscheuen und es fr die hchste Ruchlosigkeit
halten, wenn man von so geheimen Dingen, die ehender anzubeten als zu
erklren sind, mit einem so unausgesphlten Munde redet; sich darber
mit unheiligen von Heiden ausgesonnenen Grbeleyen erzankt; alles stolz
erklrt; und die Majestt der gttlichen Theologie mit einem frostigen
und unsaubern Wrtergemische beschmutzt.

[Illustration]

Indessen sind sie aufs herrlichste mit sich selbst zufrieden, und
klatschen sich Beyfall; mit diesen allerliebsten Kindereyen Tag und
Nacht beschftigt, finden sie die geringste Zeit nicht, nur einmal das
Evangelium, oder die paulinischen Briefe, aufzuschlagen. Unter diesen
Schulrmlichkeiten bereden sie sich, da sie die ganze Kirche, die
sonst einsinken mte, mit ihren Syllogismensttzen gerade so aufrecht
erhalten, wie der Himmel bey den Dichtern sich auf die Schultern des
Atlas steuert. Wie glckselig dnken sie sich nicht auch dann zu seyn,
wenn sie Schriftstellen, wie ein Stck Wachs, nach Willkhr bilden
und ndern! Wenn diesen ihren Entscheidungen die Unterschrift einiger
Scholastiker beygefgt ist, so sehen sie dieselben fr ehrwrdiger
an, als Solons Gesetze; sie ziehen sie den pbstlichen Decreten
vor; sie, als Censoren der Welt, wollen jedermann einen Wiederruf
abzwingen, der sich fr etwas erklret hat, das mit ihren mittelbaren
und unmittelbaren Folgerungen nicht haarklein bereinstimmt; mit einer
schnarrenden Orakelstimme sprachen sie: dieser Satz ist rgerlich;
dieser vergreift sich an der Ehrbarkeit; dieser riecht nach Ketzerey;
dieser klingt nicht gut. Also lsset man weder die Tauf noch das
Evangelium, weder Paulus noch Petrus, weder Hieronymus noch Augustinus,
ja den so sehr aristotelesierenden Thomas selbst nicht fr christlich
gelten, wenn es den Herren Baccalauren nicht einleuchten will: denn
ohne ihre Feinheiten lt sich kein gesundes Urtheil fllen. In der
That, wer wrde es haben fhlen knnen, da der kein Christ sey, der
sagen wrde; die beiden Stze: du, Nachttopf, stinkst, und, der
Nachttopf stinkt; ferner, in Hafen sdets, und, der Hafen sdet, lassen
sich beide sagen wenn er nicht bey diesen Weisen zur Schule gegangen
wre. Wer wrde die Kirche von solchen Irrthumsfinsternissen befreyt
haben, die man nirgends auch nur einmal gelesen htte, wenn diese
Herren nicht so gut gewesen wren, sie mit angehngten grossen Insiglen
an das Taglicht kommen zu lassen? Aber, sind sie nicht eben hiedurch
fr erzglckliche Geschpfe zu erkennen?

Alles, was sich in den unterirdischen Gegenden zutrgt, beschreiben
sie so mit den kleinsten Umstnden, als ob sie in selbiger Republik
viele Jahre zugebracht htten. Nach Willkhr bauen sie einen neuen
Himmel ber den andern; und lassen es zuletzt an dem weiten und schnen
Empyreum nicht fehlen, damit es den beglckten Seelen an Raume nicht
gebreche, sich zu ergehen, ihre festlichen Mahlzeiten zu halten, oder
den Ball zu schlagen.

[Illustration]

Mit diesen und tausend dergleichen Schnakereyen haben sie den Kopf so
vollgestopft, da ich glaube, Jupiters mit der Pallas beschwngertes
Gehirne sey nicht ausgespannter gewesen, da er die Art des Vulkans
um Hlfe anrief. Kein Wunder also, da sie in ihren ffentlichen
Disputationen den Kopf mit so vielen Binden auf das sorgfltigste
umschlungen haben; denn ohne dieses wrde er augenblicklich zerplatzen.
Auch dieses macht zuweilen selbst mich zu lachen. Erst alsdann dnken
sie sich recht grosse Theologen zu seyn, wenn sie eine garstige
rothwelsche Sprache plaudern, und alles so durch einander hudeln
knnen, da nur ein ganz zerrtteter Kopf darinnen Verstand finden
kann; denn, fr einen Scharfsinnigen wr es ja ein ewiger Schimpf, wenn
der Pbel ihn verstehen knnte! Die Wrde des Theologen mte sich
zu tief erniedrigen, wenn er sich unter die Gesetze der Grammatiker
zwingen liesse. Wunderbare Majestt dieser Mnner! sie machen einen
Anspruch auf das Vorrecht, fehlerhaft zu reden. Und doch findet sich
auch mancher Schuflicker im Besitze desselben. Endlich dnken sie sich
erhaben wie Gtter zu seyn, wenn man sie mit einer ehrfurchtsvollen
Mine, als Magister grt; ein Titel, in welchem sie etwas so Grosses
zu stecken glauben, als in dem bey den Juden fr unaussprechlich
gehaltenen Namen von vier Buchstaben. Ein Todesverbrechen, sagen sie,
wrde man begehen, wenn man _MAGISTER NOSTER_ anderst als mit
grossen Buchstaben schriebe; und auch dann, wenn man das letztere Wort
dem erstern vorhersetzte, wrd es um die ganze theologische Majestt
erbrmlich stehen.

Bald eben so glcklich als diese sind jene, die sich Religiosen und
Mnche zu nennen pflegen, und beydes falsch; ein grosser Theil von
ihnen wei von der Religion so viel als nichts; und Mnche, da ist
in der Einsamkeit Lebende, sind sie eben so wenig, weil wir uns in
allen Strassen an sie stossen. O ja, die elendesten Tropfe wrden
sie seyn, wenn ich ihnen nicht auf vielerley Weise zu Hlfe kme.
Diese Art von Menschen wird gemeiniglich so verabscheut, da man
es fr ein bses Zeichen hlt, wenn man von ungefehr einem dieser
Unglcksvgel begegnet; ich aber mache, da sie grosse Dinge von
sich selbst denken. Sie halten es fr den Gipfel der Frmmigkeit,
wenn sie so ungelehrt sind, da sie auch nicht einmal lesen knnen.
Wenn sie ihre vorgezhlten und nicht verstandenen Psalmen mit ihrer
Eselsstimm in den Tempeln herauskrchzen, so glauben sie dem Huflein
der Frommen die Ohren mit einem Wollustsgefhle zu kitzeln. Einige von
ihnen spiegeln aus Habsucht ihre schmutzige Betteley; vor den Thren
brllen sie um Brod; Gasthuser, Reisewagen, Schiffe, alles wird von
ihnen angeranzt, wenn auch gleich den brigen Bettlern noch so vieles
dadurch abgestohlen wird. Also pflegen diese holden Geschpfe durch ihr
garstiges, tummes, burisches, unverschmtes Wesen, uns das Muster der
Apostel vorzulgen.

Recht zum lachen ists, wie sie alles auf die vorgeschriebene Weise
einrichten; kein Mathematiker knnt es genauer auszirkeln; das
geringste Versehen wrde Todsnde seyn: wie viele Knoten am Schue seyn
mssen; von welcher Farbe der Gurt, von welchem Schnitte das Kleid, von
welchem Stoffe, wie viele Strohhalme breit, der Grtel; wie gestaltet,
wie viele Scheffel haltend, die Kappe; wie viel Finger breit die
Blasse; und wie viele Stunden der Schlaf dauern msse. Wer sieht nicht,
wie unschicklich bey einer so grossen Verschiedenheit des Leibes und
auch des Gemths, eine solche Gleichheit sey? Und doch sind es solche
rmliche Possen, um derentwillen sie nicht nur Andere weit unter sich
herabsetzen, sondern auch einander selbst verachten; sie die auf den
Besitz einer apostolischen Liebe prahlen, machen sich kein Bedenken,
wegen einem anderst gegrteten Kleide, einer etwas brunern Farbe, den
blutigsten Unfug zu stiften.

Einige derselben sind so streng religios, da sie das feine Hemd unter
dem hrenen Rocke ja nicht sehen lassen; andere hingegen tragen den
Leinwand ber der Wolle. Einige wollten viel lieber das giftigste Kraut
in die Hnde nehmen, als ein Stck Gelds berhren; und doch haben sie
keinen Abscheu vor dem Weine, noch von dem Betasten eines Weibes. Es
lt sich nicht genug sagen, wie vielen Flei sie alle anwenden, sich
in allem von einander zu unterscheiden. Es liegt ihnen nichts daran,
Christo ungleich zu seyn, wenn sie nur auch unter einander ungleich
sind. Stricktrger nennen sie sich, Coleten, Minoriten, Minimen,
Bullisten, Benedictiner, Bernhardiner, Brigittenser, Augustiner,
Wilhelminer, Jacobiten; als ob es zu gering wre, sich Christen zu
nennen.

[Illustration]

Viele von ihnen zhlen so sehr auf Ceremonien und armselige Legenden,
da sie glauben, der Himmel fr sich sey nicht im Stande, so
verdienstvolle Leute zureichend zu belohnen; sie denken nicht daran,
da Christus auf alles dieses nicht achte, und von den Menschen nur
die Beobachtung seines grossen Gebotes fordere, das sich auf die Liebe
bezieht. Am Gerichtstage wird der Eine mit seinem aufgedunsenen Bauche
prahlen, den man einen vollgestopften Fischkasten nennen knnte; ein
Anderer wird von hundert Scheffeln herausgeschriener Psalmen schwatzen;
ein Anderer wird Myriaden von Festtgen daher zhlen, und wie oft er,
des Tags nur einmal essend, den Magen bald bis zum zerplatzen angefllt
habe; ein Anderer wird einen solchen Haufen von Ceremonien daher
schleppen, da man sie auch in sieben Lastschiffe nicht zusammendrngen
knnte; ein Anderer wird sich rhmen, er habe sechzig Jahre lang nie
ein Stck Gelds anderst als mit Bffelhandschuen berhrt; ein Anderer
wird in einer so garstig beschmutzten Mtze einherstrotzen, da auch
ein Bootsknecht lieber die Ohren abfrieren als sie mit derselben wider
den Frost schtzen wrde; ein Anderer wird erzehlen, da er seit
mehr als fnfzig Jahren sein Leben, gleich einem Pfifferlinge, stets
am gleichen Orte zugebracht habe; ein Anderer wird sich auf seiner
durch stetes Singen heischer gewordene Stimme berufen; ein Anderer
wird erweisen, da er sich durch sein einsames Leben die Schlafsucht
zugezogen habe; ein Anderer wird seine durch stetes Schweigen
starrgewordene Zunge hervorstrecken.

Christus, um diesem sonst nie zu Ende kommenden Geprahle abzuhelfen,
wird fragen, woher dieses neue Judengeschmei entstanden sey? Nur
ein einziges Gesetze, wird er sagen, erkenne ich fr das meinige; und
nur von diesem hr ich nichts; ehedem versprach ich deutlich, ohne
es in Parabeln zu hllen, mein vterliches Erbe, nicht dieser oder
jener Kappe, diesem oder jenem Gebetlein, noch dem Fasten, sondern
der Liebthtigkeit; ich kenne die nicht, die von ihren Thaten zu
gro denken; diese, die das Ansehen haben wollen, als ob sie mich an
Heiligkeit bertrfen, mgen, wenn es ihnen beliebt, den Himmel der
Abraxasianer beziehen; oder sich von denen, deren Legenden sie meinen
Geboten vorgezogen haben, einen neuen Himmel erbauen lassen. Wenn sie
dieses hren und sehen werden, da man Matrosen und Fuhrknechte ihnen
vorziehe, o stellen Sie meine Herren, sichs einmal vor, mit welchen
langen Gesichtern werden die Tropfen einander anstarren! Inzwischen
sind sie bey ihrer Hoffnung glcklich, mit welcher sie von meiner
Gutmthigkeit ausgerstet worden.

Wenn diese Geschpfe gleich von der Republik ausgeschlossen sind, so
hat man sie doch nicht zu verachten; sonderlich die Bettelmnche: denn
die Beicht hat sie mit den Geheimnissen eines jeden bekannt gemacht.
Freylich halten sie es nicht fr erlaubt, aus der Schule zu schwatzen;
aber, was geschieht nicht, wenn man ein Glas Wein zu viel im Kopfe
hat, und zur Ergtzung etwas Lustiges auf die Bahn bringen will? dann
aber tragen sie die Sache nur rthselhaft vor und verschweigen die
eigentlichen Namen. Wenn jemand hier in das Hornissennest sticht, so
wissen sie sich in der ersten besten Predigt redlich zu rchen; durch
gewisse Umstnde wissen sie ihren Feind auf eine so versteckte Weise
zu schildern, da nur die ihn nicht erkennen, die ganz und gar nichts
begreifen knnen. Ihr Gebelle nimmt kein Ende, bis man zu dem Mittel
des Eneas greift, der dem Cerberus etwas zum Fressen in den Rachen warf.

Nein, meine Herren, bey keinem Schauspieler, keinem Marktschreyer
wrden Sie stehen bleiben, wenn Sie einen solchen Prediger auftreten
sehen. Freilich giebts da possierliche Rednersprnge; sie sind alle
den Regeln der Muster in dieser Kunst auf das lieblichste nachgeahmt.
O meine Herren! merken Sie dann wohl auf jede Geberde; wie schicklich
ndern die Leute nicht ihre Stimme! ihre Rede ist Gesang; alles
an ihnen regt und bewegt sich; niemand versteht besser die Kunst,
Gesichter zu schneiden und mit dem durchdringendsten Geschreye die
Gewlker erschallen zu machen. Und diese Rednerkunst pflanzt sich als
ein Geheimni durch die Ueberlieferung von einem Klosterbruder auf
den andern fort. Mir freylich, einem Weibe ist die Einsicht in solche
Dinge nicht verstattet; ich kann also davon nur so viel sagen, als ich
durch Muthmaassung erhaschen knnte.

[Illustration]

Sie vergessen nie, eine Anrufung vorher zu schicken; ein Kunstgriff,
den sie den Dichtern abgeborgt haben. Hierauf, wenn sie zum Exempel
von der Liebe reden wollen, bringen sie den egyptischen Nilflu
in den Eingang. Wenn sie von dem Geheimnisse des Kreuzes zu reden
haben, so lassen sie den Drachen von Babel feyerlich auftreten. Eine
Fastenpredigt lt zuerst die zwlf himmlische Zeichen in ihrer Ordnung
vor dem Gesichte der Zuhrer vorbey ziehen. Bey einer Glaubenspredigt
mu ihnen die Quadratur des Zirkels den Eingang erffnen. Ich habe
einen Erznarren (ich irre mich; einen Erzgelehrten wollte ich
sagen) gehrt, der in einer weltberhmten Predigt an Erklrung
des Geheimnisses der gttlichen Dreyeinigkeit arbeitete; um seine
ungemeine Gelehrtheit auszukramen und theologischen Ohren ein Vergngen
zu verschaffen, schlug er einen nagelneuen Weg ein: er sprach von
Buchstaben, Sylben, Redetheilen, der Uebereinstimmung des Nennworts
mit dem Zeitworte, des Hauptworts mit dem Beyworte. Alles war erstaunt
und bewunderungsvoll; und Einige murmelten zwischen den Zhnen: was
wird zuletzt aus dem verzweifelten Zeuge werden? Endlich leitete er
es so ein, da er in den ersten Grundstzen der Grammatik das Bild
der Dreyeinigkeit den Zuhrern so natrlich vor Augen legte, da man
jeden Mathematiker Trotz bieten knnte, es lebhafter in den Staub zu
kritzlen. In Verfertigung dieser Rede durchschwitzte der superlative
Theolog ganze acht Monate, und so, da keine Schrmaus stockblinder
seyn kann, als er es heutiges Tages ist: die Geistesspitze zerkratzt
ihm die Augenschrfe so ganz erbrmlich. Doch hlt der Mann seine
Blindheit fr keinen Verlust und findet, da er einen so grossen Ruhm
um einen Spottpreis eingewuchert habe.

Ich hrte auch einen andern achtzigjhrigen Graubart, der so ganz
Theolog war, da man darauf geschworen htte, der leibhafte Scotus sey
in ihm auferstanden. Um das Geheimni des Namens Jesu zu erklren,
bewie er mit bewunderungswrdiger Scharfsinnigkeit, da alles, was
sich von ihm sagen lasse, bereits schon in den Buchstaben verborgen
liege. Weil das Wort nur drey Endungen habe, so sey dieses eine
augenscheinliche Darlegung der gttlichen Dreyeinigkeit. Ferner, in den
drey Endungen dieses Namens (nmlich Jesus, Jesum, und Jesu) seyen die
drey letzten Buchstaben: S, M, und U; hierin liege das unaussprechliche
Geheimni; er sey Summus, Medius, und Ultimus; der Anfang, die Mitte,
und das Ende. Noch war ein viel verworreneres Geheimni, als es irgend
ein mathematisches Problem seyn knnte, zu entwicklen: Er zeigte, wie
das aus fnf Buchstaben bestehende Wort Jesus durch den mittlern, ein
S, in zween gleiche Theile getrennt werde; nun werde bey den Hebrern
dieser Buchstabe Syu genannt; und Syu bedeute (wenn ich nicht unrecht
habe) in der schottlndischen Sprache so viel als Snde; folglich sey
es sonnenklar, Jesus sey der, welcher die Snden der Welt wegnehme.

Ein so nagelneuer Eingang zeugte bey jedermann, insonderheit den
Theologen, eine so staunende Bewunderung, da man bald htte denken
sollen, sie seyen gleich der Niobe zu Steine geworden; mir aber war es
beynahe wie dem Priapus gegangen, als er den nchtlichen Gebruchen
der Canidia und Sagana zusah; da war es ihm nicht mehr wie ehedem, als
er noch ein feigenbumener Klotz gewesen; nun konnt er erschrecken;
die Wirkung des Schreckens aber schall und roch, zu seinem Glcke, den
bsen Weibern so wirksam in Ohren und Nasen, da sie ber Hals und Kopf
die Flucht ergriffen.

Ueber einen solchen Erfolg ist sich nicht zu verwundern; denn, bey
Griechen und Rmern, einem Demosthenes oder Cicero, wrde man sich
vergeblich nach einem solchen Einschmeichlungseingange umsehen.
Eine sich von der Sache entfernende Vorrede hielten sie fr einen
Fehlschlu. Wirklich auch lehrt die Natur ganz andere Dinge; sogar ein
Schweinshirt, der bey der Natur zu Schule gegangen ist, macht so wenig
Umschweife, da er lieber sogleich mit der Thr ins Haus fallen will.
Diese Gelehrten hingegen halten ihr Prambulieren alsdann erst fr
feinrhetorisch, wenn es mit dem Gegenstande ihrer Rede nicht in der
geringsten Verwandschaft steht, und die Zuhrer einander zuflstern:
wo wird der Kerl zuletzt noch hingerathen?

[Illustration]

Drittens berhren sie nur wie beylufig und obenhin, gleichsam nur
erzehlungsweise, etwas aus dem Evangelium; und doch wr es ihre
Pflicht gewesen, sich einzig bey der Erklrung desselben aufzuhalten.
Viertens fangen sie wieder eine ganz andere Rolle an, und nehmen
eine Theologalfrage vor die Hand, die sich auf das vorhergehende so
schicklich wie eine Faust auf das Auge reimt; denn auch dieses halten
sie fr kunstmssig. Nun fngt der Theolog sich erst recht zu brsten
an; er betubt die Ohren der Zuhrer mit seinen solennen, subtilen,
subtilsten, seraphischen, heiligen, irrefragablen Lehrern, und was
dergleichen prchtige Tne mehr seyn mgen. Darauf prahlen sie ihre
Syllogismen, Vorderstze, Hinderstze, Folgerungen, Corollarien,
frostige Voraussetzungen, und mehr als scholastische Possen, dem tummen
Pbel vor.

Nun ists noch um den fnften Aufzug zu thun, in dem man sich als
einen ganzen Meister dargeben mu. Hier ziehen sie ein nrrisches
und tummes Mrchen, ich wei nicht aus was fr einem Historienspiegel
oder aus Abentheuern der Rmer hervor, das sie sodann allegorisch,
tropologisch, und anagogisch behandeln. Und auf diese Weise bringen sie
ein Wundergeschpfe zu Stande, das weit lustiger anzusehen ist, als
jenes, welches Horaz, gleich anfangs seiner Dichtkunst, vorzuspiegeln
getrachtet hat. Weil sie, ich wei nicht von wem, gehrt haben, man
msse die Rede sanft und ohne Geschrey anfangen, so sind sie anfangs
so leise, da sie sich selbst nicht hren; als ob sie Dinge sagen
mten, die niemand verstehen drfe. Man hat ihnen etwann gesagt, um
die Leidenschaften rege zu machen, seyen Ausrfe ein vortrefliches
Mittel; sie daher, alldieweil sie ganz sanft reden, erheben unversehens
die Stimme zu einem ganz rasenden Geschreye, wo sie es doch nicht im
geringsten nthig htten. Man wrde einen Eid ablegen, da der Mensch,
der nur schreyt, damit er schreye, der Nwurze benthigt wre.

[Illustration]

Sie haben gehrt, mit dem Fortgange der Rede msse die Stimme sich
erheben; nun, beym Anfange jedes Theiles der Rede sind sie
ziemlich gelassen; bald aber fngt die Stimme gewaltig zu lermen an,
wenn sie auch die frostigsten Dinge von der Welt sagen; und allemal
beym Ende sinken sie so, da man meynen sollte, von Athem sey nichts
mehr in ihnen. Endlich haben sie bey den Redeknstlern gelernt, da
auch das Lachenmachen eine Kunst sey; sie sind daher auch beflissen,
etwas Scherzhaftes einzumischen; aber, o huldreiche Venus! wie
grazienmig, wie schicklich! ists nicht gerade so, wie da der Esel
sich als Lautenschlager hervorthun wollte. Ja, beissig sind sie etwann
auch; doch so, da sie mehr kitzeln, als verwunden; wenn sie sich
recht Mhe geben, frey von der Brust zu reden, so erweisen sie sich
als leibhafte Schmeichler. Kurz, ihr ganzes Betragen ist so, da man
schwren sollte, sie haben Marktschreyer zum Muster gewhlt, knnen
aber dasselbe bey weitem nicht erreichen; doch sind sie in gewissem
Verstande einander so hnlich, da niemand zweifelt, diese haben von
jenen, oder jene von diesen, die Redekunst erlernt.

[Illustration]

Bey allem dem mssen sie mir es verdanken, da sie Zuhrer haben, die
glauben, sie besitzen an ihnen mehr, als sie an einem Demosthenes
oder Cicero wrden besessen haben. Hieher gehren insonderheit Krmer
und Weiber, denen die gedachten Redner vorzglich die Ohren zu kitzlen
trachten; denn die Erstern lassen ihnen etwann, fr das besnftigende
Schmeicheln, etwas weniges von ihrem zusammenbetrogenen Vermgen
zukommen; und die Letztern sind, unter vielen andern Ursachen, diesem
Orden besonders darum gewogen, weil sie den Grollen, den sie wider
ihre Ehemnner haben, in den Schoo desselben auszuschtten pflegen.
Man mte also blind seyn, wenn man nicht she, wie tief diese Art von
Menschen bey mir in der Schuld sey, da sie durch kleine Zeremonien,
lcherliche Possen, und kein kleines Geschrey, die Sterblichen
gewissermaen beherrschen und sich mehr als ein Paulus und Antonius
zu seyn einbilden. Genug aber von diesen Marktschreyern, die meine
Wohlthaten so undankbar verkennen, und sich auf eine ruchlose Weise fr
fromm ausprahlen.

Es hat mich schon seit langem gelstet, etwas von Knigen und
Hofleuten, die sich offenherzig fr meine Verehrer angeben, nach Recht
und Billigkeit zu berhren. Wenn sie auch nur eine halbe Unze gesunden
Menschenverstandes htten: was knnte traurigers und fliehenswrdigers
seyn, als ihr Loos? Nein, derjenige wird sich gewi nicht durch Meineid
und Vatermord auf einen Thron schwingen wollen, der bey sich erwogen
hat, welch eine Last auf den Schultern dessen liege, der die Rolle
eines Frsten ehrlich zu spielen gedenkt. Wer am Steuerruder sitzt,
hat fr das Allgemeine nicht das Eigenthmliche zu sorgen; auf jenes
mu er alle seine Gedanken wenden; von Gesetzen, die er selbst gegeben
hat, und die er handhaben mu, nicht eines Fingers breit abweichen;
auf alles Thun und Lassen der Beamten und Richter ein wachsames Auge
haben; denken, die Augen Aller seyen auf ihn gerichtet, wie auf ein
gnstiges Gestirn; durch ein schuldloses Betragen knne er das Wohlseyn
der Menschen ungemein befrdern; oder durch eine widrige Auffhrung
gleichsam zu einem verderblichen Cometen werden; wenn andere Leute
Fehler begehen, so haben sie nicht so empfindliche und ausgebreitete
Folgen; wenn der Frst auch nur ein wenig von dem guten Weg abweiche,
so schleiche sich sogleich eine Sittenpest in die Herzen vieler
Menschen ein; die Glcksumstnde eines Frsten fhren vieles bey
sich, das geschickt ist, vom Guten wegzulocken; zum Exempel Wollust,
Freyheit, Schmeicheley, Ueppigkeit; er knne nicht genug arbeiten,
nicht zu sorgfltig wachen, um nicht irgendwo von seiner Pflicht
weggeteuscht zu werden; endlich (um von Hinderlist, Ha, Furcht,
Gefahr, nichts zu reden) er habe einen Knig ber sich, der in kurzem
Rechenschaft ber jeden seiner Fehltritte von ihm fordern werde; und
dieses um so viel schrfer, je grsser die ihm anvertraute Herrschaft
gewesen.

Ja, wenn der Frst dieses, und vieles dergleichen bey sich erwgen
wollte (und erwgen wrd er es, wenn er weise wre) so wrden ihm
wohl weder Schlaf noch Speise schmecken. Nun aber, Dank sey mir,
berlassen die Frsten alle diese Sorgen den Gttern, thun sich gtlich
und gnnen nur denen das Ohr, die es verstehen, ihnen angenehme
Dinge vorzuplaudern, damit sich ja nichts von Bekmmerni in ihr
Gemth einschleichen mge. Sie bereden sich, alle Obliegenheiten
eines Frsten redlich erfllt zu haben, wenn sie fleiig auf die
Jagd reiten; stattliche Pferde halten; obrigkeitliche Stellen und
Statthalterschaften theuer verkaufen; tglich neue Handgriffe
aussinnen, das Vermgen der Unterthanen zu schmlern, und in ihren
Schatz zusammenzuscharren; dabey aber schtzen sie verschiedene Dinge
vor, um dadurch der ungerechtesten Sache einen Schein von Billigkeit zu
geben; mit vielem Fleisse mengen sie etwas schmeichlendes ein, um ja
das Herz des Volkes nicht ganz zu verlieren.

Stellen Sie sich, meine Herren, einen Menschen vor (denn zuweilen wird
es so ungefehr eintreffen) der von den Gesetzen so viel als nichts
versteht, beynahe ein geschworner Feind des gemeinen Besten ist, blos
auf seine Gemchlichkeiten sieht, Wollsten ergeben ist, Gelehrtheit,
Freyheit und Wahrheit hat, an nichts weniger als an die Wohlfahrt
des gemeinen Wesens denkt, alles nach seiner Lsternheit und seinem
Eigennutzen abmit; hngen Sie ihm dann eine goldene Kette um, das
Zeichen der bereinstimmung zusammenhngender Tugenden; setzen Sie ihm
eine mit Edelsteinen bereicherte Kron auf, die ihn erinnern soll,
er msse an allen Heldentugenden jedermann bertreffen; versehen
Sie ihn mit einem Zepter, dem Merkmahle der Gerechtigkeit und einer
wider alle Bestechungen bewaffneten Seele; kleiden sie ihn endlich
in Purpur, um anzudeuten, da er fr das Wohlseyn des Volkes eine
inbrnstige Liebe habe. Wenn der Frst solche Verzierungen mit seinem
Leben zusammenhalten wollte, so deucht mich, er wrde sich seines
Putzes schmen, und frchten, ein naseweiser Dollmetsch mchte dieses
Theatergeprnge spttisch ins Gelchter ziehen.

Was soll ich von den vornehmen Hofschranzen sagen? gemeiniglich
ist nichts abhnglichers, knechtischers, abgeschmackteres,
niedertrchtigeres zu finden, und doch bereden sie sich, da ihnen
nichts beykomme. Ja, in einer einzigen Sache sind sie beraus
bescheiden: zufrieden, da sie Geld, Edelgesteine, Purpur, und
die brigen Zeichen der Tugenden und der Weisheit an ihrem Leib
umherschleppen knnen, lassen sie sichs gromthig gefallen, da Andere
die bezeichneten Dinge sich anschaffen. Sie glauben sich berglcklich
zu seyn, da sie den Knig ihren Herren nennen drfen; da sie
gelernet haben, ihn mit ein paar Worten sinnreich anzureden; da sie es
verstehen, wo die Titel, Eure Knigliche Hoheit, Eure Majestt, und so
weiter schicklich anzubringen seyn; da sie das Gesicht in verschiedene
Falten legen, und eine Schmeicheley artig anbringen knnen. Dieses,
dieses sind die Knste eines Edelmannes, eines Hofmannes. Wenn man ihr
briges Leben genauer beym Lichte betrachtet, so findet man sie noch
schpsenmssiger, als es ehedem die Phacier waren, oder die Freywerber
der Penelope, oder -- wenn Sie, meine Herren, noch mehrere wissen
wollen, so schlagen Sie den Horaz nach, denn eben gefllts mir nicht,
sein Echo zu spielen.

Der vornehme Mann schlft bis gegen Mittag. Beym Aufstehen kmmt
der wohlbezahlte Caplan, und thut geschwind das, dazu er amtsmssig
gedungen ist. Dann zum Frhstcke. Bald darauf zum Mittagsmahle.
Hierauf Karten, Wrfel, Possenspiele, Stocknarren, Spttereyen, liebes
Frauenzimmer. Etwas zum Abendbrode. Darauf zur Nachtmalzeit. Auch beym
Nachtische giebts Abwechslungen. Also, ohne sich das Leben abzugrmen,
verstreichen Stunden, Tage, Monate, Jahre, Jahrhunderte. Mir selbst
ist es zuweilen so, als ob ich mich mit Vergngen vollgepropft htte,
wenn ich diesem Hochleben zugeschaut habe. Jede der Nymphen meynt, den
Gttern um so viel nher zu seyn, je lnger die Schleppe ihres Rockes
ist; die Hofleute zerstossen sich die Ellbgen gewaltig, um dem Frsten
nher zu kommen, und fr den grssern Gnstling angesehen zu seyn.
Jeder schmeichelt sich um so viel mehr, je gewichtiger seine Halskette
ist; als ob er nicht nur seinen Reichthum sondern auch seine Strke
zugleich aufzuweisen htte.

Das Betragen der Frsten hat schon seit langem, Pbste, Cardinle
und Bischffe, zu unermdeten Nacheiferern; und bald haben diese
jenen den Vorzug abgelaufen. Was bedeutet das schneeweise Gewand?
Ein durchgehends schuldloses Leben. Was die zweyhrnichte Inful? ein
Band vereint die beyden Spitzen, und bezeichnet die Einsicht in das
Alte und Neue Testament. Was die Handschue? die reine und vor aller
irdischen Verunreinigung gesicherte Ausspendung der Sacramente. Was
der Hirtenstab? rathsame Besorgung der anvertrauten Heerde. Was das
vorhergetragene Kreuz? den Sieg ber alle menschlichen Leidenschaften.
Wer dieses, und vieles dergleichen bey sich erwgen wollte, der wrde
ein betrbtes und grmliches Leben fhren? Aber herrlich haben sie die
Sache eingerichtet: sie weiden sich selbst. Die Sorge fr die Schafe
empfehlen sie Christo, oder berlassen sie ihren Stellvertretern. Nicht
einmal an ihren Titel denken sie; er wrde sie an die Arbeit, Sorge,
Bekmmerni eines Bischoffs erinnern. Ja, wenn es um Geldsammlen zu
thun ist, dann erinnern sie sich, Bischoff bedeute einen Aufseher, und
sie haben die Augen ganz offen.

Die Cardinle sollten freylich denken: wir sind an die Stelle der
Apostel gekommen; was sie thaten, wird auch von uns gefordert; wir
sind nicht die Herren der geistlichen Gaben, sondern nur die Verwalter
derselben; in kurzem werden wir darber die genauste Rechenschaft
abzulegen haben; was bedeutet unser weisses Gewand? die hchste
und erhabenste Unschuld des Lebens. Was der Purpur darunter? die
inbrnstige Liebe gegen Gott. Was der so weite Obermantel, da er
das ganze Maulthier Seiner Eminenz bedecket, ja ein Kameel, bedecken
knnte? eine weit ausgedehnte Liebe, die sich jedermanns annimmt;
lehrt, ermahnt, bestraft, erinnert, Streitigkeiten schlichtet,
ruchlosen Frsten widersteht, und willig nicht nur Reichthmer, sondern
das Blut selbst zum Besten des Christenvolkes aufopfert. Aber wozu
solche Reichthmer fr Statthalter der armen Apostel? Ja, wenn sie
diese Dinge bedenken wollten, so wrden sie sich keine Mhe geben,
diese Wrde zu erhalten; oder sie wrden sich ihrer mit Freuden
entschlagen; oder sie wrden nach der Weise der alten Apostel ein ganz
arbeitsames und sorgenvolles Leben fhren.

Wenn die Ppste, Christi Statthalter, seinem Leben nachzueifern
trachteten, nmlich seiner Armuth, seinen Arbeiten, seiner Lehre,
seinem Kreuze, seiner Verachtung des Lebens; wenn sie auch nur an den
Namen Pabst, da ist, Vater, oder an den Beynamen Allerheilichster,
dchten: was wrde dann auf Erden traurigers seyn? wer wrde sein
Vermgen zur Erkaufung dieser Stelle anwenden? wer wrde Schwerdt,
Gift, und jede Gewaltthat hervorsuchen, um sich auf der erkauften
Stelle zu behaupten? wie viele Bequemlichkeiten wrden wegfallen,
wenn sie einmal der Weisheit Gehr geben! Der Weisheit, sage ich? Ja,
wenn sie auch nur ein Krnlein des von Jesu gelobten Salzes in sich
htten! So viele Reichthmer, Ehren, Herrschaft, Siege, Pflichten,
Verwaltungen, Zlle, Ablsse, Pferde, Maulthiere, Trabanten, Wollste,
Ergtzlichkeiten. O welch einen Reichthum von Herrlichkeiten hab ich in
wenige Worte zusammengefat! einen ganzen Jahrmarkt, eine ganze Erndte!

An die Stelle dieser Dinge wrden schlaflose Nchte kommen, Fasten,
Thrnen, Gebete, Predigten, Tiefsinnigkeiten, Seufzen, und tausenderley
dergleichen jmmerliche Arbeiten. Hiezu kommen so viele Schreiber,
Copisten, Notre, Advocaten, Promotoren, Secretre, Eseltreiber,
Rokamme, Schmarotzer, Unterhndler, Gelegenheitmacher; und ich htte
bald noch etwas schndlichers hinzugesetzt, wenn ich nicht die Ohren
schonen wollte. Kurz, eine so grosse Menge von Menschen, die dem Sitze
zu Rom zur Last fllt (nein, ich irre mich, Ehre macht) wrde sich des
Hungers nicht verwehren knnen. Ja, unmenschlich, abscheulich wre
dieses; aber noch weit verruchter, wenn man sogar die bersten Frsten
der Kirche, diese wahren Lichter der Welt, an den Bettelstab bringen
wollte. Jetzt aber wird alles, was nur ein wenig mhsam ist, einem
Petrus und Paulus berlassen, die dazu Zeit und Musse genug haben. Was
prchtig und angenehm ist, behlt man weislich fr sich selbst.

Also geschieht es durch meine Vermittlung, da bald keine Art
von Menschen weichlicher lebt, unbekmmerter. Sie glauben, ihrer
Christenpflicht vollkommen zu entsprechen, wenn sie in einem mystischen
und beynahe theatralischen Aufputze, mit Ceremonien, mit Titeln,
die alles was heilig ist, in sich schliessen, und mit Segnen und
Verwnschen, Bischoffe spielen. Wunder thun ist etwas veraltetes, und
den heutigen Zeiten ganz und gar nicht angemessen; das Volk lehren,
ist knechtische Arbeit; die Schrift erklren, schulfchsisch; beten,
Zeitverschwendung; weinen, elend und weibisch; arm seyn, schndlich;
sich besiegen lassen, schimpflich, und dem unanstndig, der kaum die
grsten Knige zum heiligen Fukusse lt; sterben, unangenehm; sich
ans Kreuz schlagen lassen, ein Schandfleck. Es bleiben ihnen keine
andern Waffen und sanfte Segnungen brig, als die, deren Paulus (Rm.
16. 18.) Meldung thut; und mit denselben sind sie gewi sehr freygebig:
Interdictionen, Suspensionen, Aggravationen, Anathematisationen,
Verdammungsgemhlde, und der entsetzliche Bannstrahl, der schon einig
ein Stand ist, die Seelen der Sterblichen mit einem Winke bis in die
unterste Hlle zu strzen.

[Illustration]

Die in Christo allerheiligsten Vter, und Statthalter Christi,
schiessen solche Pfeile wider niemanden schrfer los, als wider
die, welche sich durch den Teufel verleiten lassen, das Patrimonium
des Petrus zu schmlern. Dieser Apostel sagt im Evangelium: Wir
haben alles verlassen, und sind dir nachgefolgt und doch nennt man
Landgter, Stdte, Zlle, Schtze, Herrschaften, das Patrimonium
desselben. Um solcher Dinge willen ergreift sie der Eifer Christi; mit
Feuer und Schwerdt vertheidigen sie den Besitz derselben, wenn gleich
noch so viel Christenblut darber vergossen wird; dann erst glauben
sie, da sie die Kirche, die Braut Christi, apostolisch vertheidigt
haben, wenn die sogenannten Feinde tapfer abgetrieben worden. Als
ob es schdlichere Feinde der Kirche gebe, als gottlose Pbste, die
durch ihr Stillschweigen Christum lassen zernichtet werden, ihn durch
eigenntzige Gesetze binden, durch erzwungene Auslegungen schnden,
durch ein vergiftendes Leben tdten.

Durch Blut wird die christliche Kirche gezeugt, befestigt,
ausgebreitet; jetzt; als ob kein Christus mehr wre, der die Seinen
auf seine Weise beschtzen knnte, wird seine Sache durch das Schwerdt
betrieben. Um den Krieg ist es etwas so unmenschliches, da man ihn
den wilden Thieren berlassen sollte; nach der Meynung der Dichter
ist er ein Geschenk der Furien; er ist eine solche Pest, da die
Sitten dadurch ganz und gar verdorben werden; etwas so ungerechtes,
da er durch die schlimmsten Straenruber am besten betrieben wird;
so ruchloses, da er mit Christo nicht in der geringsten Gemeinschaft
steht: doch setzt man alles brige hindan, und betreibt nur diesen.
Man sieht Graukpfe, die sich hier jugendlich-munter erweisen, keinen
Aufwand sich dauern lassen, durch kein Arbeiten ermdet, durch nichts
abgeschreckt werden, wenn es zu thun ist, die Religion, den Frieden,
alle Menschlichkeit, in die usserste Zerrttung zu setzen. Es fehlt
auch an gelehrten Fuchsschwnzern nicht, die diese handgreifliche
Tobsucht, Eifer, Frmmigkeit, Tapferkeit nennen. Sie haben einen
Weg ausgedacht, auf dem man dem Bruder den Dolchen durch das Herz
jagen kann, ohne sich an dem Gebote Christi von der Nchstenliebe zu
vergreifen.

Ich bin noch nicht mit mir einig, ob einige deutsche Bischffe hier
gelernt oder gelehrt haben, ganz geradezu Gottesdienst, Segen, und
andere dergleichen Ceremonien, an einen Nagel hngend, vllige Satrapen
zu spielen; so, da sie es bald an einem Bischoffe fr Feigheit und
Unanstndigkeit halten, irgendwo sonst, als in einer Schlacht, Gott
die tapfere Seele zu bergeben. Gemeine Priester wrden sichs zur
Snde rechnen, von der Heiligkeit ihrer Prlaten abzuarten. O man
sehe, wie kriegerisch sie die Rechte der Zehnten mit Schwerd, und
Spie, und Steinen, und allen Arten von Kriegsgerthe vertheidigen!
Vortreflich scharf sind ihre Augen, wenn es zu thun ist, aus alten
Schriften etwas heraus zu grblen, dadurch sie dem armen Pbel einen
Schrecken einjagen, und darthun knnen, da ihnen noch mehr als nur der
Zehnden gebhre; inzwischen haben sie es ganz vergessen, wie vieles
man hin und wieder von ihren Pflichten gegen die Lgen lese; und doch
sollte wenigstens ihr beschorner Scheitel sie erinnern, ein Priester
msse von allen Lsten dieser Welt frey seyn, und blos himmlischen
Dingen nachsinnen. Die allerliebsten Mnnerchen sprachen, sie haben
sich ihrer Amtspflicht redlich entladen, wenn sie ihre Gebeterchen so
herausgemurmelt haben, das ich mich ich wei nicht zu was verwundern
sollte, wenn irgend ein Gott es hrt, oder versteht; denn sie selbst
hren und verstehen es kaum, wenn sie es aus dem Maule herausdrngen.

Doch stimmen Priester und Layen diesorts berein: wenn es um Einerndten
zu thun ist, so ist alles ungemein wachsam, und die dahin gehrenden
Gesetze sind jedermann bekannt; wenn sich aber etwas Lstiges zeigt, o
da wirft Einer es weislich auf die Schultern des Andern; man sollte
meynen, beym Ballspiele zu seyn. Wie Frsten die Regierungssachen ihren
Rthen, und diese wieder den Unterbeamten, bertragen: so berlassen
die grossen Cleriker, aus Bescheidenheit, den Flei der Gottseligkeit
ganz dem gemeinen Manne; dieser sendet ihn an die sogenannten
Geistlichen, als ob er mit den geistlichen Geschften nichts zu thun
und durch das Taufgelbd zu nichts dergleichen verpflichtet wre; die
sogenannten Secularpriester whlen (als ob sie sich nicht Christo
sondern der Welt gewidmet htten) diese Last auf die Regularen; die
Regularen auf die Mnche; die strengern mssen sie von den weniger
strengen annehmen; alles fllt zuletzt auf die Bettelmnche; doch
wissen auch diese es auf die Cartheuser zu schieben, bey welchen
einzig die Frmmigkeit begraben liegt; denn wirklich liegt sie da so
verborgen, da schwerlich jemand sich wird rhmen knnen, etwas davon
gesehen zu haben. Also weihen Pbste, die in der Gelderndte unermdet
sind, jene allzu apostolischen Arbeiten an die Bettelbrder, diese
wieder an solche, welche den Schafen alle Wolle abscheren.

Doch, hieher gehrts nicht, das Leben der Pbste und Priester durch
die Musterung gehen zu lassen; man wrde sonst denken, es sey mir um
eine Satire, und nicht um eine Lobrede zu thun; und man wrde auf den
Argwohn gerathen, ich wolle gute Frsten durch die Hechel ziehen,
indem ich bse lobe. Ich habe aus keiner andern Ursache auf diese
Dinge gedeutet, als da man es desto deutlicher einsehen mge, kein
Sterblicher knne ein wonnevolles Leben fhren, so lang er nicht
zu meinem Dienst eingeweiht ist, und in meiner Gunst steht. Denn,
wie solle dieses mglich seyn, da selbst die rhamnusische Gttinn,
die Beglckerinn aller menschlichen Dinge, mit mir so sehr unter
dergleichen Decke liegt, da sie sich jenen Weisen stets im hchsten
Grade feindselig erwiesen, und hingegen den Narren auch im Schlaf
alles Gute zugeschanzet hat. Ihnen, meine Herren, wird jener Timotheus
bekannt seyn, der atheniensische Feldherr, den man das Glckkind zu
nennen pflegte; von ihm kmmt das Sprchwort her: dem schlafenden
Fischer hpfen die Fische ins Garn und: ihn begnstigt die Eule der
Minerva von dem Weisen hingegen heits erst unter einem bsen
Planeten gebohren; immer reutet er ein stolperndes Pferd; sein Gold ist
Flitterwaare. Doch, genug gesprchwrtelt; man mchte sonst glauben,
ich habe den Adagienkasten meines Erasmus geplndert.

[Illustration]

Ich lenke wieder ein. Die Gttinn des Glcks liebt die Schwindelkpfe,
die Tollkhnen, die alles aufs Spiel setzen. Die Weisheit macht
schchtern; daher sieht man, wie die Weisen mit der Armuth kmpfen,
den Magen voll Hungers, und den Kopf voll Winds haben, und ein
verachtetes unberhmtes, verhates Leben fhren. Den Narren regnet
das Geld zu; sie sitzen am Steuerruder; alles ist blhend bey ihnen.
Wenn es einmal ein Glck ist, grossen Frsten zu gefallen, und unter
meinen Gnstlingen, den mit Edelgesteinen behangenen Erdengttern,
seinen Wandel zu fhren: was kann unntzers seyn, was von diesen
Menschengeschpfen mehr verabscheutes, als die Weisheit? Wenn es um
Reichthmer zu thun ist, wie wird es um den Gewinn des sich auf der
Weisheitsjagd vertndelnden Kaufmannes stehen! wenn ein Meineid ihm
ein Stein des Anstosses ist? wenn er, auf einer Lge ertapt, roth
wird? wenn er sich um die Gewissensgrbeleyen der Weisen, ber Diebstal
und Wucher, nur ein Haar bekmmert. Wer sich nach den Ehrenstellen und
Gtern der Kirche bestrebt, mu sich der Weisheit hurtig entschlagen,
sonst wird jeder Esel, jeder Bffel, ihn berlaufen. Wenn Sie, meine
Herren, eine Neigung zur Wollust haben, so lassen Sie sich berichten,
da ein Mdchen (ein solches wird Ihnen wohl im Kopfe stecken) einem
Narren von ganzem Herzen gewogen ist, und den Weisen wie einen Scorpion
verabscheut und flieht. Wenn es Ihnen um ein lustiges Leben zu thun
ist, o so lassen Sie sich ja keinen Weisen mehr kommen, und whlen
Sie sich lieber den ersten den besten Tummkopf zum Gefehrten. Kurz,
wohin man sich immer wendet, an Pbste, Frsten, Richter, Obrigkeiten,
Freunde, Feinde, Hohe, Niedere, alles richtet sich nach dem Gelde.
Freylich verachtet der Weise das Geld; aber, es lt sich auch recht
angelegen seyn, ihn zu fliehen.

[Illustration]

Ja, meine Herren, wenn man einmal anfngt, mich zu loben, so verliert
man Maa und Ziel; und doch mu jede Rede einmal zu Ende gehen.
Auch ich werde zu reden aufhren, aber dann erst, wenn ich mit wenigem
werde gezeigt haben, es fehle nicht an grossen Schriftstellern, die
mich durch Feder und Leben berhmt gemacht haben; sonst wrd ich blos
eine arme Nrrinn zu seyn scheinen, die niemanden als sich gefllt;
auch wrden die Herren Gesetzdrechsler es mir zur Schande rechnen, da
ich nicht citiere. Nun denn, nach ihrem Beyspiele will in das Kreuz
und in die Quer citieren. Erstlich hab ich wei nicht wo gelesen, wo
es am Wesentlichen fehle, sey das Scheinbarste das beste. Auch der
Schuljugend selbst pflegt man es einzuschrfen, gelegentlich den
Narren zu spielen, sey grosse Weisheit. Schon hieraus wird man den
Schlu ziehen knnen, um die Narrheit msse es etwas vortrefliches
seyn, weil auch ihr tuschender Schatte, und ihre blosse Nachahmung,
von den Gelehrten so sehr herausgestrichen wird. Horaz, der sich selbst
ein fettes und glnzendes Schwein aus Epikurs Heerden betittelt, sagts
recht ehrlich heraus, in die Weisheit msse sich Narrheit mischen,
nur htt er der Narrheit nicht das Lumpenwrtchen kurzdaurend
vorhersetzen sollen. Eben dieser sagt auch, schicklich den Narren zu
treiben, macht Vergngen; und besser ists, ein Narr und Tlpel zu
scheinen, als Weise zu seyn, und ausgezischt zu werden. Homer trachtet
seinen Telemach wo mglich bis in den Himmel zu erheben, und doch nennt
er ihnen zuweilen einen nrrischen Jungen; und ein gutes Zeichen fr
jeden ist es, den die Dichter mit diesem Beynamen beehren. Was enthlt
die heilige Ilias anders, als den Zorn nrrischer Knige und Vlker?
Cicero redet mein Lob frey heraus, da er sagt die Welt ist ganz
mit Narren bevlkert. Und wer wei nicht, da jedes Gute um soviel
vortreflicher sey, um so viel ausgedehnter es ist?

Vielleicht stehen diese Schriftsteller bey den Christen in schlechten
Rufe; ich will daher, wenn man es fr gut findet, mein Lob auch auf
Stellen der heiligen Schrift steuern oder grnden. Euch aber, ihr
Herren Theologen, mu ich zuvor in Demuth um Erlaubni dazu bitten; und
weil ich ein schweres Werk beginne, und es vielleicht ein Verbrechen
wre, die Musen von ihrem Helikon, eine so weite Strecke, zum
zweytenmale herab zu bemhen, insonderheit da ihnen mein Gegenstand
etwas fremd seyn mchte: so wirds vielleicht vertrglicher seyn, da
mitlerweil, alldieweil ich die Rolle eines Theologen spiele, und mich
durch so drnichte Wege hindurchreisse, die Seele des Scotus, spitziger
als ein Igel oder Stachelschwein, in meine Brust wandere, aber sich
bald wieder wegdrolle, wohin es ihr dann belieben wird, wenn es auch
auf den Rabenstein seyn sollte.

Mcht ich mein Gesicht ndern, und mich recht theologisch aufstutzen
knnen! Ich frchte aber anbey auch, man werde mich eines Diebstals
beschuldigen, da ich so vieles theologisches Zeug aus meiner Ficke
hervorziehend, die Schrnke der grundgelehrten Mnner heimlich
geplndert habe. Man hat sich aber nicht gro zu verwundern, wenn ich
in meinem langen und genauen Umgange mit den Theologen, etwas erhascht
habe; dann hat nicht auch jener Holzbock, der Gott Priapus, beym Lesen
seines Herrn und Meisters, einige griechische Wrter bemerkt und im
Gedchtnisse behalten? und Lucians Hahn, der lange unter den Menschen
lebte, hat er nicht auch wie ein Mensch geplaudert? Wohlan denn; Glck
zum Unternehmen!

Der Prediger schreibt im ersten Capitel: die Zahl der Narren ist
unendlich. Nun, sollte die unendliche Zahl nicht alle Sterblichen
in sich schliessen; ausser einige wenige; aber, wer ist so glcklich
gewesen, diese zu sehen? Noch offenherziger sagt Jeremias im zehnten
Capitel, die Sache heraus: durch ihre Weisheit sind alle Menschen
zu Narren geworden. Gott einzig legt er Weisheit bey, und wirft den
Menschen berhaupt die Narrheit zum Erbtheile hin. Kurz vorher hatte
er gesagt der Mensch rhme sich nicht in seiner Weisheit. Warum,
ehrlicher Jeremia, soll der Mensch sich nicht in seiner Weisheit
rhmen? Auf diese Frage wrd er anders nichts sagen, als: weil er
keine Weisheit besitzt. Ich komme wieder auf den Prediger. Da er
ausruft: Eitelkeit der Eitelkeiten; alles ist eitel, so wird wohl
niemand glauben, da er dadurch etwas anders habe andeuten wollen,
als was bereits gesagt worden: das menschliche Leben sey ein bloses
Narrenspiel. Dieses legt dem auf mich verfertigten und bereits
angefhrten Lobspruche des Cicero seine Strke bey: es wimmle alles
von Narren. Wenn jener weise Mann ferner sagt: der Narr ndert sich
wie der Mond, der Weise bleibt wie die Sonne was sagt er dadurch
anders, als: das ganze Menschengeschlecht sey nrrisch, und Gott allein
gebhre der Titel eines Weisen? denn, durch den Mond versteht man die
menschliche Natur; durch die Sonne hingegen Gott, die Quelle alles
Lichtes. Christus stimmt in dem Evangelium diesem bey, da er sagt, man
msse Gott allein gut nennen; nun, wenn jeder Unweise ein Narr, jeder
Gute aber ein Weiser ist, wie die Stoiker lehren, so folgt nothwendig,
da alle Sterblichen nrrisch sind.

[Illustration]

Salomon sagt im fnfzehnten Capitel seiner Sprche: die Narrheit
macht dem Narren Freude; er gesteht es also rund heraus, ohne die
Narrheit habe dieses Leben nichts angenehmes. Hieher gehrt auch
dieses: wo viele Weisheit ist, da ist viel Schmerzen; und wo viel
Verstand ist, grmt man sich sehr. Eben hievon redet auch dieser
vortrefliche Prediger, im siebenden Capitel: das Herz der Weisen
ist bey der Traurigkeit; das Herz der Narren bey der Freude. Es war
ihm nicht genug, da er sich mit der Weisheit bekannt machte, nein,
er wollte zugleich mich kennen. Wer mir auf mein Wort nicht glauben
will, der hre seine Worte des ersten Capitels: ich habe mein Herz
darauf gesetzt, zu wissen was Klugheit und Lehre, was Irrthmer und
Narrheit seyen. Hier ist zu bemerken, da er aus Ehrerbietung fr die
Narrheit sie zuletzt genennet hat; denn der Prediger schreibt (und
bekanntermaassen ist dieses die Predigerweise) der, welcher an Wrde
der erste ist, solle die letzte Stelle einnehmen; und hiemit stimmt das
evangelische Gebot berein.

Da die Narrheit der Weisheit vorzuziehen sey, sagt auch deutlich jener
Ecclesiasticus, wer er immer gewesen, in seinem vier und vierzigsten
Capitel. Doch nein, meine Herren, ich werde seine Worte nicht ehender
anfhren, als bis Sie mir (beym Herkules sey es geschworen) gewisse
Einleitungsfragen, wie es beym Plato die machen, welche sich mit dem
Socrates unterreden, richtig beantwortet haben. Nun, schickt sichs
besser, etwas seltenes und kostbares zu verbergen, als etwas gemeines
und geringes? Wie! Sie schweigen? Gut! wenn Sie gleich musestill
da stehen, so soll das Sprchwort der Griechen fr Sie antworten:
Den irdenen Wasserkrug lt man an der Thr stehen. Nein, niemand
versndige sich durch Verspottung dieses Sprchworts; wir finden es
bey dem von unsern Meistern gttlich verehrten Aristoteles. Wrde,
meine Herren, einer von Ihnen Narrs genug seyn, seine Edelgesteine und
sein Geld auf die Strasse hinaus zu legen? Im innersten Zimmer, in den
geheimsten Winkeln eiserner Ksten, werden Sie es verschlssen; was Sie
ffentlich liegen lassen, mu wirklich ein Quark seyn. Wenn man also
das Kostbare verschliet, und das Schlechte ffentlich liegen lt:
folgt nicht deutlich, die Weisheit, die er zu verbergen verbietet? Nun
mge man seine eigenen Worte hren. Der Mensch, der seine Narrheit
verbirgt, ist besser, als der Mensch, der seine Weisheit verbirgt.

Die heiligen Bcher schreiben auch der Narrheit ein aufrichtiges Gemth
zu, alldieweil der Weise meynt, da niemand ihm zu vergleichen sey.
Einmal versteh ich es so, was der Prediger im zehnten Capitel sagt.
Wenn der Narr auf der Strasse geht, so glaubt er, weil er nrrisch
ist, jeder, der ihm begegnet, sey ein Narr. O welche Redlichkeit!
er achtet jeden so gut als sich; er, da jedermann hohe Gedanken an
sich selbst hat, theilt seinen Ruhm mit jedermann. Ein so grosser
Knig schmte sich auch dieses Beynamens nicht, da er im dreiigsten
Capitel sagt: Ich bin der Nrrischste unter den Menschen. Und auch
Paulus, der Heidenlehrer, bezeugt in seinem Brief an die Corinther,
da er sich den Titel eines Narren sehr wohl gefallen lasse: als ein
Narr (spricht er) sag ich es; mehr als irgend ein anderer als ob er
sichs zur Schande rechnete, an Narrheit bertroffen zu werden. Freylich
widersprechen mir einige Nasenweise, die sich mit ihrem Griechischen
brsten, die heut zu Tage, recht krhenmig, die Augen so vieler
Theologen auspicken, und ihren Auslegungsquark Andern aufdringen
wollen; und hier kann mein Erasmus (den ich oft aus Hochachtung nenne)
Anspruch, wo nicht auf die erste doch auf die zweyte Stelle machen.
Ja (rufen sie), sich so auf die angefhrte Stelle zu beziehen, lie
sich wirklich von niemanden als von der Narrheit erwarten; der Apostel
hatte was ganz anders im Sinn, als ihm hier angetrumt wird; in diesen
Worten ist es ihm nicht darum zu thun, da man ihn fr nrrischer
als Andere halten solle, sondern er sagt: sie sind Diener Christi,
und auch ich bin es; und sich gleichsam rhmend, da er den brigen
nicht nur gleich sey, sondern sie diesorts noch bertreffe, setzt
er hinzu, noch mehr als sie. Damit man aber nicht denken mge, er
sage dieses aus Stolze, verwahrt er sich durch den Zusatz, er habe
thricht geredet. Als ein Unweiser (spricht er) sag ich es, denn
bekanntermaen haben die Narren das Vorrecht, Dinge zu reden, an denen
man sich aus ihrem Munde nicht rgert.

Was Paulus, da er das obige geschrieben, bey sich gedacht habe, berla
ich diesen Herren, es auszufechten. Ich trete in die Futapfen der
grossen, fetten, dicken und den meisten Beyfall erhaltenden Theologen;
denn (beym Jupiter!) ein grosser Theil der Lehrer will lieber mit
diesen irre gehen, als mit jenen griechischen, lateinischen, und
hebrischen Dreyznglern den richtigen Weg einschlagen. Auf ihre Reden
achtet man so wenig als auf ein Krhengewsche; insonderheit da ein
ruhmvoller Theolog[1] (dessen Namen ich mit Vorbedacht verschweige,
damit nicht eine griechische Krhe das der Esel bey der Leyer
spttisch ausrufe) diese Stelle theologisch-meisterhaft erklrt. Mit
den Worten als ein Unweiser sag ich es; ich bin es mehr als sie fngt
er ein neues Capitel an; und mit einem dialectischen Meisterzuge fgt
er einen neuen Abschnitt bey; und dieses auf folgende Weise, dabey ich
seine eigenen Worte nicht nur formaliter sondern auch materialiter
anfhren will: Als ein Unweiser sag ich es, da ist wenn ich euch als
Narr vorkomme, indem ich mich den falschen Aposteln an die Seite setze,
so werdet ihr mich noch fr nrrischer halten, da ich ihnen den Weg
ablaufe. Aber bald darauf fllt der gute Mann, der kein eisenmssiges
Gedchtni haben mu, auf etwas ganz anders.

Aber, was hab ich nthig mich ngstlich auf ein einzelnes Beispiel
zu berufen? Die Theologen haben sich ja augenscheinlich das Recht
verschaft, den Himmel, da ist die heilige Schrift, wie der Schuster
das Leder auszudehnen. Beym Paulus widersprechen sich gewisse Worte
der Schrift, die sich an den Stellen, daraus sie gezogen sind, nicht
widersprechen; wenn man den fnfzngigen (griechisch, lateinisch,
hebrisch, chaldisch, und Dalmatisch redenden) Hieronymus Glauben
zustellen kann. Zum Exempel, der Apostel sah in Athen die Aufschrift
eines Altars; er verdreht sie zum Behufe des christlichen Glaubens;
indem er alles das weglt, was seiner Sache htte nachtheilig seyn
knnen, und nur diese Worte dem unbekannten Gott und zwar auch
gendert, anfhrt; die ganze Aufschrift lautete also: Den Gttern
von Asia, Europa und Afrika, den unbekannten und fremden Gttern.
Nach diesem Beyspiele, wie mich deucht, richten sich unsre heutige
Theologen; hier und da klauben sie vier oder fnf Wrtchen zusammen,
und auch diese, wenn es nthig ist, drehen sie so lang herum, bis
sie dabey ihren Vortheil finden, wenn gleich das Vorhergehende und
Folgende nichts dazu hlft, oder ihm wohl gar gerade widerspricht.
Dieses thun sie mit einer so glcklichen Unverschmtheit, da oft die
Rechtsgelehrten auf die Theologen eiferschtig werden.

Worinn sollt es ihnen jetzt nicht gelingen? Jener grosse Theolog (bald
htt ich ihn wieder genannt, wenn der Esel bey der Leyer mich nicht
nochmals abgeschreckt htte) hat ja aus einigen Worten des Lucas eine
Meynung herausgeleiert, die mit dem Sinne Christi so vertrglich ist,
wie das Feuer mit dem Wasser. Da sich die usserste Gefahr nherte,
eine Zeit, in welcher getreue Anhnger sich am geflissensten erweisen,
ihren Gnnern beyzustehen, und nach bestem Vermgen auf ihrer Seiten zu
streiten, da fragte Christus seine Jnger, die er lehren wollte, sich
auf keine solche usserlichen Vertheidigungsmittel zu verlassen, ob sie
je an etwas Mangel gehabt haben, da er sie ohne Reisegeld ausgesandt
hatte; da sie weder mit Schuhen zur Vertheidigung wider Dornen und
Steine, noch mit einem Reisesack und Nahrungsmittel zur Abtreibung des
Hungers versehen gewesen. Nein, sagten sie, nie hatten wir Mangel.
Jetzt aber, sprach er, wer einen Beutel und Sacke hat, nehm ihn; und
wer kein Schwerdt hat, kaufe eines, wenn er gleich dewegen seinen
Rock verkaufen mte. Da Christus stets die Sanftmuth, Vertrglichkeit
und Verachtung des Lebens einschrfte, so ist hier seine Meynung
nicht schwer zu finden; nmlich, um seine Gesandten jetzt noch mehr
zu entwaffnen, sagt er ihnen, sie sollen sich nicht nur der Schue
und des Sackes entschlagen, sondern auch den Rock wegwerfen, um das
evangelische Geschft desto hurtiger und ungehinderter betreiben zu
knnen; sie sollen sich nichts anschaffen, als ein Schwerdt; nicht ein
solches, mit welchem Ruber und Mrder zu wrgen pflegen, sondern das
Schwerdt des Geistes, das bis in das Innerste der Seele dringt, und
daraus alle Leidenschaften so ausrottet, da nichts als Frmmigkeit in
dem Herzen herrscht.

Man sehe aber, wie jener Theolog die Sache zu verdrehen wei: das
Schwerdt erklrt er fr die Vertheidigung gegen die Verfolgung; durch
den Sack versteht er einen zureichenden Vorrath von Lebensmitteln; als
ob Christus seine Meynung ndernd, weil es das Ansehen haben knnte,
er habe seine Gesandten nicht stattlich genug ausgerstet, ber seine
vorige Anordnung einen Widerruf thue. Also htte er seiner vorigen
Aussprche vergessen: sie werden selig seyn, wenn man sie schmhe,
schimpfe, peinige; sie sollen den Bsen nicht widerstehen; denn die
sanftmthigen seyen selig, nicht die trotzigen; sie sollen die Vgel
und die Lilien zum Beyspiele nehmen; jetzt sollen sie sich wohl hten,
die Reise ohne Schwerdt anzutreten; ehender sollen sie ihre Kleider
verkaufen. Wie er also meynt, da unter dem Worte Schwerdt alles
verstanden werde, das zur Abtreibung eines feindlichen Angriffes
dienlich seyn kann: also versteht er durch Beutel und Sack alle
Lebensbedrfni.

Also versteht dieser Dolmetscher des Geistes Gottes die Apostel mit
Ober- und Untergewehr, um soldatenmig den Gekreuzigten zu predigen;
auch lt er es ihnen an Reisegepcke und Mundproviant nicht fehlen,
damit sie nicht genthigt seyen, auch das schlechteste Gasthaus
mit hungerndem Magen zu verlassen. Der Mann lt sichs auch nicht
anfechten, da auf den Befehl, ein Schwerdt zu kaufen, bald ein anderer
erfolgte, der das Schwerdt einstecken hie; auch da es nie erhrt
worden, da die Apostel sich wider Angriffe der Heiligen des Schwerdtes
und Schildes bedient haben; etwas, das sie ohne Zweifel gethan htten,
wenn ihnen dazu ein Befehl wre gegeben worden.

Ein Anderer[2], den ich aus Hochachtung nicht nenne, und der ein sehr
berhmter Mann ist, macht aus den bey dem Habakuk vorkommenden Huten,
das ist Gezelten der Midianiten, die Haut des lebendiggeschundenen
Bartholemus.

Neulich wohnt ich, wie ich es oft thue, einer theologischen Disputation
bey; jemand kam mit der Frage angestochen, auf welche Schriftstelle
sichs grnde, da man einen Ketzer ehender durch Feuer und Schwerdt
als durch Vernunftgrnde besiegen msse. Ein saurer Graukopf, an dem
schon die germpfte Stirn den Theologen verrieth, schrie auf eine
hmische Weise, dieses Gesetz hat ja Paulus gegeben, da er sprach:
einen ketzerischen Menschen meide, nachdem du ihn etlichemal ermahnet
hast. Nachdem er diese Worte mit grossem Nachdrucke verschiedenemal
wiederholet hatte, und jedermann im Zweifel war, was sich doch in des
Mannes Kopfe msse zugetragen haben, lie er sichs endlich gefallen,
sich nher zu erklren. Um diese seine Erklrung zu verstehen, mssen
Sie meine Herren wissen, da der Mann latein geredet habe, und, meide
in dieser Sprache heisse _devita_; nun spaltete der verschmitzte Mann
dieses Wort, und schrie: heit es nicht ausdrcklich _de vita_ aus dem
Leben weg und ists nicht klar, da man die Ketzer verbrennen und die
Asche in die Luft streuen msse?

Einige lachten; doch fehlt es auch an solchen nicht, denen diese
Erklrung recht theologisch zu seyn schien. Weil sich aber doch noch
Unglubige finden lassen, lie sichs unser unbesiegbare Held gefallen,
den Knoten mit einmal zu zerschneiden, indem er sprach: Merket auf;
es steht geschrieben, einen Maleficanten soll man nicht leben lassen;
nun ist jeder Ketzer ein Maleficant; und folglich, und so weiter. Alle
Anwesenden bewunderten des Mannes Scharfsinn, und fielen seiner Meynung
mit Haut und Haaren bey; keinem trumte auch nur, da das Gesetz von
Zauberern rede, die hier durch Maleficanten verstanden werden; sonst
mte man auch jeden Hurer und Trunkenbold, die ja auch Maleficanten
oder Uebelthter sind, mit dem Tode bestrafen.

Bin ich aber nicht nrrisch, da ich mich bey Dingen verweile, deren
es so unzhlbar giebt, da sie in den tausend von dem Chrysippus und
dem Didymus geschriebenen Bnden nicht Raum finden knnten. Nur dieses
mcht ich mir ausgebeten haben: da man es jenen Meistergelehrten
nicht bel nimmt, wenn sie zuweilen einen Fehlschlu thun, so hoff
ich, man werde fr mich auch, deren theologische Einsichten noch auf
sehr schwachen Fssen stehen, Nachsicht haben, wenn ich nicht alles
haarklein abgezirkelt habe.

Endlich komm ich wieder auf den Paulus. Indem er von sich selbst redet,
spricht er: Ihr pfleget die Thoren mit Geduld zu ertragen -- nehmet
auch mich als einen Thoren an -- ich rede nicht nach Gott, sondern wie
in Thorheit -- wir sind Narren um Christi Willen. Man hat gehrt,
wie der grosse Mann zum Lobredner der Narrheit wird. Ja, ffentlich
fordert er zur Narrheit auf, als zu der nothwendigsten und heilsamsten
Sache:Wer unter euch weise zu seyn scheint, der werde ein Narr, damit
er weise werde. Beym Lucas werden zween Jnger, zu denen Jesus sich
auf dem Wege gesellt, von ihm Narren genennt. Noch mehr verwundere ich
mich darber, da Paulus das Herz hat, Gott selbst etwas von Narrheit
zuzuschreiben: Gottes Narrheit ist besser als der Menschen Weisheit.
Der Ausleger Origines will nicht, da man diese Narrheit der Meynung
der Menschen beylege; wie auch nicht die Stelle das Wort des Kreuzes
ist Narrheit bey denen, die verlohren gehen.

Warum bemhe ich mich aber, die Sache ngstlich durch so viele
Zeugnisse zu untersttzen? In den mystischen Psalmen sagt Christus
gerade heraus zum Vater: Dir ist meine Thorheit bekannt. Es
geschicht nicht von ungefehr, da Gott an den Narren ein so herzliches
Wohlgefallen hat; die Ursache wird wohl diese seyn: Bey den grsten
Frsten sind die, welche allzuklug und scharfsichtig sind, verdchtig
und verhat; also traute Csar dem Brutus und Cassius nicht, setzte
aber kein Mitrauen in den nassen Bruder Antonius; Nero konnte den
Seneca nicht leiden; Dionysius den Plato nicht. Hingegen machen ihnen
die Dickkpfichten und Unweisen ein grosses Vergngen. Gleicherweise
verabscheut und verdammt Christus durchgehends jene Weisen, die sich
auf ihre Klugheit was grosses einbilden. Paulus giebt es deutlich zu
verstehen, wenn er sagt: was nrrisch vor der Welt ist, das hat Gott
gewhlt -- es hat Gott gefallen, durch Narrheit die Welt zu erhalten;
die Welt, die durch Weisheit nicht zu verbessern war. Ja, Gott selbst
spricht durch den Mund des Propheten: ich will die Weisheit der Weisen
verderben, und die Klugheit der Klugen zernichten. Auch hat Christus
Gott gedankt, da er das Geheimni des Heils den Weisen verborgen,
und den Unmndigen (nach der Kraft der Grundsprache, den Narren)
geoffenbaret habe, die er den Weisen entgegensetzt.

Hieher gehrt auch, da Christus in dem Evangelium durchgehends, den
Pharisern, Schriftgelehrten und Gesetzerklren, den Krieg ankndigt,
und hingegen den ungelehrten Pbel in seinen Schutz nimmt; denn das
wehe euch Schriftgelehrten Pharisern wird zuletzt anders nichts
sagen wollen, als wehe euch Weisen. Kindern, Weibern, Fischern, war
er vorzglich gewogen.

Unter den Thieren gefielen ihm die vorzglich, welche von der Klugheit
des Fuchses am weitesten entfernt sind. Er whlte sich einen Esel bey
seinem Einzuge, und htte sich, wenn es ihm beliebt htte, eben so
sicher dazu eines Lwen bedienen knnen. Der heilige Geist kam in der
Gestalt einer Taube herab, nicht eines Adlers oder Geiers.

Ferner nimmt die heilige Schrift oft Gleichnisse von Hirschen, Rehen
und Lmmern her. Die zur Unsterblichkeit Auserwhlten werden Schafe
genannt; nun giebts nichts dmmers als dieses Thier; und schon beym
Aristoteles steht ein Schafskopf in keinem grossen Ruhme. Christus
schmt sich nicht, fr den Hirten einer solchen Heerde gehalten zu
werden; und Johannes bezeugt, da es ihm gefallen habe, wenn man ihn
ein Lamm nennte siehe das Lamm Gottes. Und so wird er im Buche der
Offenbarung oft betitelt.

Was heit alles dieses anders, als die Menschen, auch die Frommen,
seyen Narren? Christus, um der Narrheit der Sterblichen zu Hlfe zu
kommen, da er die Weisheit des Vaters war, habe selbst etwas von dieser
Art mit des Menschen Natur angenommen, da er in seinen Geberden als
ein Mensch erfunden worden? so wie er auch um der Snde abzuhelfen,
zur Snde geworden; und abhelfen wollte er ihr blos durch die Thorheit
des Kreuzes; sich auch nur tummer und ungelehrter Apostel bedienend,
denen er fleisig Narrheit empfiehlt, sie von der Weisheit abschreckend,
indem er ihnen Kinder, Lilien, Senfkrner, Sperlinge, zum Muster der
Nachahmung anpreist; tumme und verstandlose Geschpfe, die blos durch
den natrlichen Instinkt, ohne Kunst und Sorge fortdauern. Er will, da
sie sich nicht darum bekmmern sollen, was sie von den Grossen der Welt
reden wollen; er verbietet ihnen, den Zeiten und ihren Vernderungen
nachzuforschen, damit sie sich in nichts auf eigene Klugheit sondern
ganz auf ihn verlassen mgen.

Gott, der Baumeister der Welt, verbietet den ersten Menschen, von dem
Baume der Erkenntni nur das geringste zu kosten; gerade, als ob dieses
fr die Glckseligkeit ein Gift wre. Paulus spricht deutlich, da das
Wissen etwas aufblhendes und schdliches sey. Bernhardus, wenn ich
mich nicht irre, nahm ihn zum Muster, da er den Berg, den Lucifer nach
einer Meinung zu seinem Wohnsitze gewhlt, den Berg der Erkenntni
nennt. Vielleicht verdient auch dieses zum Beweise angefhrt zu werden,
da die Narrheit bey den Himmelsbewohnern in Gunst stehe: man beruft
sich auf sie, wenn man Verzeihung wegen einen Fehler erhalten will; der
Weise wei wohl, da er nicht Vergebung finde, wenn er etwas verfehlt
hat; und was thut er in solchem Falle? er giebt vor, da er sich gleich
einem Narren betragen habe. Wenn Aaron (wenn ich mich recht erinnere,
im vierten Buche des Moses) die Snde seines Weibes abbittet, so
spricht er: ich bitte dich, mein Herr, rechne uns diese Snde nicht
zu, die wir thricht begangen haben. Auch Saul bittet den David also
um Vergebung: es liegt ja klar am Tage, da ich thricht gehandelt
habe. David selbst trachtet sich also bey Gott einzuschmeicheln: ich
bitte dich, Herr, nimm das Verbrechen von deinem Knechte weg, denn
wir haben thricht gethan, als ob er keine Vergebung htte erhalten
knnen, wenn er nicht Narrheit und Unwissenheit vorgeschtzt htte.

[Illustration]

Das berzeugendeste ist dieses: da Christus am Kreuze fr seine
Feinde bath, sprach er: Vater, vergieb ihnen, denn sie wissen nicht
was sie thun. Ihre Unklugheit hlt er fr ihre beste Entschuldigung.
Also schrieb Paulus an den Timotheus: Gott erwie sich mir barmherzig,
weil ich es im Unglauben unwissend that. Was heit das unwissend
anders, als er habe es aus Narrheit und nicht aus Bosheit gethan? Und
sieht man hier nicht zugleich, nur unter dem Schutze der Narrheit
sey ihm Barmherzigkeit wiederfahren? Auch dient hieher die Stelle
(ich fhre sie aus Vergelichkeit etwas spt an) des mystischen
Psalmdichters: Gedenke nicht der Uebertretungen meiner Jugend und
meiner Unwissenheiten. Haben Sie es bemerkt, meine Herren, da er
seine Jugend vorschtzt, die mich zur steten Gefehrtinn hat, und seine
Unwissenheiten, wo die gebrauchte mehrere Zahl die Grsse seiner
Thorheit andeutet.

Damit ich mich nicht ins Unendliche vertiefe, will ich nur berhaupt
dieses sagen: Es scheint wirklich, die christliche Religion stehe mit
der Narrheit in einer Art von Verwandtschaft und vertrage sich mit
der Weisheit ganz und gar nicht. Wie! man verlangt Beweise hierber?
Hier sind sie: Erstlich; Kinder, Greisen, Weiber, Bldsinnige, haben
vorzglich ein Vergngen an Kirchlichen Gebruchen und Ceremonien;
sie drngen sich stets am nchsten zu den Altren; und zwar blos
durch einen Naturtrieb. Anbey waren die ersten Stifter der Religion
wunderbare Freunde der Einfalt und geschworne Feinde der Gelehrtheit.
Endlich giebt es keine tmmere Stocknarren, als die, in denen die
Flamme der christlichen Frmmigkeit lichterloh brennet; sie werfen ihr
Geld reichlich aus, achten keine Beschimpfung, lassen sich betrgen,
machen keinen Unterschied zwischen Freunden und Feinden, verabscheuen
die Wollust, msten sich mit Fasten, Wachen, Weinen, Arbeiten,
Grmmungen; sind des Lebens berdrssig, wnschen sich nichts als den
Tod; kurz, es scheint, selbst der gemeine Menschenverstand knne keinen
Eindruck mehr in sie machen; es ist, als ob sich ihr Geist um eine
andere Herberge umgesehen, und seinen Leib verlassen habe. Und was ist
dieses anders als Wahnsinn? Nein, es ist sich eben nicht gro darber
zu verwundern, da es schien, die Apostel seyen voll sssen Weins; und
da es den Richter Festus deuchte, Paulus rase.

Da es mir einmal geglckt ist, mich, gleich jenem Esel, in der
Lwenhaut sehen zu lassen, so will ich es wagen, auch dieses zu
behaupten; die Glckseligkeit der Christen, um die sie sich so mhsam
bearbeiten, ist anders nichts, als eine Art von Wahnsinn und Narrheit.
Nein, meine Herren, bey den Worten mssen sie sich nicht aufhalten,
sondern die Sache selbst erwgen.

Die Christen, die in vielen Stcken mit den Platonikern bereinstimmen,
behaupten, die Seele sey mit Banden des Krpers gefesselt, und werde
durch die Schwere desselben gehindert, sich zur Betrachtung und zum
Genusse des Wahren hinaufzuschwingen. Daher beschreibt Plato die
Philosophie als eine Betrachtung des Todes, weil sie die Seele von
sichtbaren und krperlichen Dingen entfernt; etwas, das sie mit dem
Tode gemein hat. So lange die Seele sich der Werkzeuge des Leibes
richtig bedient, ist sie gesund zu nennen; wenn sie aber, die Bande
zerreissend, sich nach Freyheit bestrebt, und auf Flucht aus dem
Kerker denkt, nennt man es Wahnsinn. Und doch sehen wir zuweilen,
da diese Art von Menschen knftige Dinge vorhersagt, Sprachen und
Wissenschaften besitzt, die sie vorhin nicht erlernet hatte, und
durchgehends etwas Gttliches ussert. Ohne Zweifel kmmt dieses daher,
da die von der Knechtschaft des Leibes etwas freyere Seele anfngt,
sich ihrer angebohrnen Strke zu bedienen. Und eben dieses halte ich
auch fr die Ursache, da Sterbende zuweilen wie Begeisterte reden.

Wenn eine bertriebene Frmmigkeit hieran schuld hat, so ists
vielleicht eine andere Art von Wahnsinne, doch jenem so nahe verwandt,
da die wenigsten Menschen den Unterschied einsehen; insonderheit da
die Zahl derer sehr klein ist, die sich in allen Theilen ihres Lebens
von den brigen Menschen unterscheiden. Plato soll uns helfen, sie zu
beschreiben: Menschen befinden sich in einer Hle eingeschlossen, da
sie nichts als den Schatten der Dinge sehen; einer von ihnen hat sich
daraus durch die Flucht gerettet; er kmmt wieder zu ihnen und spricht,
er habe wirkliche Dinge gesehen; sie befinden sich in einem gewaltigen
Irrthume, da sie glauben, es gebe nichts ausser den elenden Schatten;
dieser Weise hat Mitleiden mit dem Wahnsinne der sich so sehr Irrenden;
sie aber lachen ber ihn, als ber einen Bldsinnigen, und stossen ihn
von sich.

Also bewundert der Pbel die krperlichen Dinge am meisten, und glaubt,
da es keine andern gebe. Fromme hingegen verachten das, welches dem
Krper am nchsten kmmt, am meisten, und werden ganz zur Betrachtung
unsichtbarer Dinge hingerissen. Jene ziehen die Reichthmer allem
vor; dann denken sie auf die Gemchlichkeit des Leibes; und die Seele
mu sich mit der letzten Sorge behelfen; ja die meisten glauben nicht
einmal eine Seele: denn sie lt sich ja nicht sehen! Diese hingegen
steuern sich zuerst ganz auf Gott selbst, das einfltigste unter
allen Wesen; nach diesem sehen sie auf das, was demselben am nchsten
kmmt, auf ihre Seele; auf den Leib wenden sie keine Sorge; und das
Geld verachten und fliehen sie, als ob es Koth wre. Wenn sie sich je
mit etwas dergleichen abgeben mssen, so thun sie es als eine schwere
Arbeit mit Widerwillen; sie habens, als htten sies nicht; besitzens,
als besssen sies nicht. Durchgehends sind sie auch noch auf vielerley
Weise von einander verschieden.

Ja, alle Sinnen sind dem Leibe anverwandt; doch sind einige derselben
grber, als das Gefhl, das Gehr, das Gesicht, der Geruch, der
Geschmack; andere sind von dem Krper entfernter, als das Gedchtni,
der Verstand, der Wille. Da, wo die Seele sich am meisten an etwas
tastet, ist sie am strksten. Weil die Frommen alle ihre Seelenkrfte
dem widmen, das sich von den grbern Sinnen am weitesten entfernt, so
sind sie hier wie tumm und betubt. Mit dem Pbel verhlt sich die
Sache gerade verkehrt. Haben wir nicht von einigen Gottesgelehrten
gehrt, da sie in ihrer Zerstreuung Oel anstatt Wein getrunken haben?

Unter den Leidenschaften der Seele haben einige mit dem groben Krper
mehrere Gemeinschaft; zum Exempel die Lsternheit der Wollust, die
Begierde zum Essen und Schlafen, der Zorn, der Stolz, der Neid;
mit diesen sind die Frommen in steten Kriege verflochten; die
Irdischgesinnten hingegen meynen, da sichs ohne dieselbe nicht leben
lasse.

Es giebt Leidenschaften von einer mittlern Natur; sie sind gleichsam
etwas natrliches; zum Exempel Liebe gegen das Vaterland, gegen die
Kinder, die Aeltern, die Freunde. Der gemeine Mann rumt denselben
etwas ein; jene aber trachten auch diese Leidenschaften aus der Seele
zu verbannen; wenigstens sich ihrer nur dann zu bedienen, wenn sie
sich in den hchsten Grad der geistigen Tugend verfeinert haben; so
da sie jetzt zwar den Vater lieben, aber nicht als Vater, denn dieser
hat ja nichts als den Leib gezeigt (ja ihn hat man eigentlich Gott zu
verdanken) sondern als einen rechtschaffenen Mann, aus welchem das Bild
jenes obersten Geistes hervorleuchtet, der allein das Hchste Gut zu
nennen ist, und ausser welchem nichts liebens- und wnschenswrdig seyn
kann.

Eben dieser Richtschnur bedienen sie sich auch bey allen brigen
Lebenspflichten; so da sie allerorten das Sichtbare, wo nicht ganz
verachten, doch weit geringer als das Unsichtbare schtzen. Sie sagen,
da sich auch in den Sacramenten und in den brigen gottesdienstlichen
Handlungen Krper und Geist finden lassen. Beym Fasten zum Exempel
halten sie nicht vieles darauf, wenn man sich nur von dem Fleischessen
und der Nachtmahlzeit enthlt, (etwas, das der gemeine Mann fr ein
vollkommenes Fasten hlt) wenn man nicht zugleich auch den Neigungen
etwas entzieht; wenn man nicht dem Zorne oder dem Stolze, weniger als
sonst erlaubt; wenn nicht die sich jetzt durch das Krperliche weniger
beschwerte Seele Mhe anwendet, zum Geschmack und Genusse himmlischer
Gter zu gelangen. Beym heiligen Abendmahle (sprechen sie) ist das
ceremonialische nicht zu verachten, doch ist es an sich selbst wenig
ntzlich, etwann schdlich, wenn nicht das geistliche hinzukmmt,
nmlich, was durch die sichtbaren Zeichen vorgebildet wird; und
vorgebildet wird der Tod Christi, dem die Menschen durch Bezwingung,
Tdtung und gleichsam Begrabung der Neigungen des Leibes nachahmen
mssen, um zu einem erneuerten Leben zu auferstehen, und sich mit ihm
und untereinander zu vereinigen.

Also betrgt sich und also denkt jener Fromme. Hingegen glaubt der
Gemeine Mann, da die Religion anders nichts fordere, als sich bey
den Altren einzufinden, sich zu denselben zu drngen, den Schall der
Stimmen zu hren, und andere dergleichen kleine Ceremonien zu sehen.
Und nicht nur in denen Dingen, die ich Beyspielsweise angefhrt habe,
sondern durchsgehends in allem Thun und Lassen, flieht der Fromme von
dem Krperlichen zum Ewigen, unsichtbaren und geistlichen.

Weil sich zwischen diesen Leuten durchgehends ein so grosser
Unterschied befindet, so kmmt jeder dem andern als wahnsinnig vor.
Doch lt sich (wenigstens nach meiner Meynung) dieses Wort richtiger
den Frommen beylegen, als den andern. Und dieses wird sich deutlicher
einsehen lassen, wenn ich meinem Versprechen nach, krzlich werde
dargethan haben, jene unendliche Belohnung sey anders nichts, als eine
Art von Wahnsinne.

Sie, meine Herren, mssen wissen, da es dem Plato schon damals etwas
dergleichen getrumet habe, da er schrieb, die Wuth der Liebenden sey
unter allen andern die glcklichste. Wer durch und durch verliebt ist,
lebt nicht mehr in sich, sondern in dem Geliebten; und je mehr er sich
von sich selbst entfernt und sich dorthin wendet, desto mehr wchst
seine Freude. Wenn die Seele darauf umgeht, aus ihrem Leibe zu ziehen,
und sich ihrer krperlichen Werkzeuge nicht richtig bedient, so legte
man diesem ohne Zweifel mit Grunde den Namen der Wuth bey. Was wrden
sonst die gewhnlichen Redensarten sagen wollen, er ist nicht bey
sich; kehre in dich selbst zurck; er ist wieder zu sich gekommen?
Ferner, je unumschrnkter die Liebe ist, desto grsser und glcklicher
ist die Wuth. Wie wird es demnach mit jenem Leben der Himmelsbewohner
beschaffen seyn, nach welchem fromme Seelen so inbrnstig seufzen? Mit
siegreicher Strke ausgerstet, wird der Geist den Krper verschlingen;
und schwer wird ihm solches nicht fallen: er ist bereits schon wie in
seinem Reiche; und schon in vorigen Leben hat er den Krper zu einer
solchen Verwandlung gereinigt und verfeinert.

Hernach wird die Seele von jenem hchsten unendlichstrkern Geiste
auf eine wunderbare Weise verschlungen werden. Der ganze Mensch wird
dann ausser sich selbst seyn, nur dadurch beglckt, da er ausser
sich selbst gesetzt ist, und sich durch jenes hchste alles an sich
ziehende Gut unaussprechlich beseligt befindet. Diese Seligkeit gelangt
mithin erst dann zur Vollkommenheit, wenn die Seelen mit ihren vorigen
Leibern wieder werden bekleidet, und beide unsterblich seyn; doch,
weil das Leben der Frommen anders nichts ist, als eine Betrachtung
jenes Lebens, und gleichsam ein Schattenri desselben, so geschieht es,
da sie sich hier schon zuweilen bey einem entzckenden Vorschmacke
desselben erquicken knnen. Freylich ist dieses nur ein beraus kleines
Trpflein, in Vergleichung mit jener Quelle der ewigen Glckseligkeit;
doch bertrift es weit alle Wollste des Krpers, gesetzt, da man
auch alle Vergngungen aller und jeder Sterblichen in sich vereinigen
knnte. So weit besser ist das Geistige als das Krperliche, das
Unsichtbare als das Sichtbare. Dieses ists, was ein prophetischer
Apostel hierber zu sagen gehabt hat: kein Auge hats gesehen, kein
Ohr gehrt, in keines Menschen Herz ists gekommen, was Gott denen
bereitet hat, die ihn lieben. Und dieses war Maria Theil, der bey der
Vernderung nicht wegfllt, sondern zur Vollkommenheit gelangt.

Wer mit einem solchen Gefhle begnadigt worden (nur wenige haben
sich dessen zu rhmen) der fhlt in sich etwas, das dem Wahnsinne
sehr hnlich ist; er redet Dinge, die nicht zusammenhngen; er redet
nicht wie die brigen Menschen; Tne sind es, bey denen sich kein
Verstand ussert; in seinem Gesichte zeigen sich etwann die seltsamsten
Geberden; bald frhlich, bald niedergeschlagen; weinend, lachend,
seufzend; kurz, er ist nicht bey sich selbst; und wenn er wieder nach
Hause kmmt, so will er nichts davon wissen, wo er gewesen sey; im
Krper oder ausser demselben; ob er gewacht oder geschlafen habe;
was er gehrt, gesehen, gesagt, gethan, sind alles Dinge, deren er
sich nicht erinnern kann, als nur durch einen Nebel, einen Traum; nur
dieses wei er, er sey am glcklichsten gewesen, alldieweil ein solcher
Wahnsinn ihn beseligt habe. Seine Genesung beweint er; sein eifrigster
Wunsch ist, da ein solcher Wahnsinn ihm ewig mchte zu Theil werden.
Und dieses ist ein sehr kleiner Vorschmack der knftigen Glckseligkeit.

Doch schon lange hab ich meiner vergessen, und bin aus meinen Schranken
gewichen. Wem es scheinen mchte, ich sey in meinen Reden zu frey und
zu schwatzhaft gewesen, der erinnere sich, da die Narrheit und ein
Weib bisher geplaudert hat. Dennoch bitte ich Sie, meine Herren recht
schn, zu bedenken, da man schon bey den alten Griechen gesagt habe,
ein Narr rede oft sehr schicklich. Und den unhflichen Einwurf will
ich von Ihnen nicht erwarten, die Griechen haben dieses Lob nur einem
Narren, nicht aber einer Nrrinn, beygelegt.

Ohne Zweifel erwarten Sie, meine Herren, zum Beschlu eine feyerliche
Zueignung; in ihren Minen sehe ich es; aber, seyen Sie nicht
Erznarren, da Sie sich bereden, ich werde mich alles des von mir
herausgeschwatzten Wrterplunders noch erinnern knnen? Die Alten
sagten: weg vom Trinkgelage mit dem der nichts vergessen kann! Ich
sage: weg aus meinem Hrsaale mit dem, der ein gutes Gedchtni hat!
Nun, meine Herren, weltberhmte Anhnger der Narrheit, leben Sie wohl,
und wenn Sie mir Ihren Beyfall zugeklatscht haben, so vergessen Sie
nicht, auf meine Gesundheit zu trinken.




                         Druck von Mnicke und Jahn in Rudolstadt.




Funoten:


[Funote 1: _Nicolaus de Lyra._]

[Funote 2: _Jordanus._]





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either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or
obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm
trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any
additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms
will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works
posted with the permission of the copyright holder found at the
beginning of this work.

1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including
any word processing or hypertext form. However, if you provide access
to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format
other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official
version posted on the official Project Gutenberg-tm web site
(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense
to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means
of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain
Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the
full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works
provided that

* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
  the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
  you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed
  to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has
  agreed to donate royalties under this paragraph to the Project
  Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid
  within 60 days following each date on which you prepare (or are
  legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty
  payments should be clearly marked as such and sent to the Project
  Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in
  Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg
  Literary Archive Foundation."

* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
  you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
  does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
  License. You must require such a user to return or destroy all
  copies of the works possessed in a physical medium and discontinue
  all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm
  works.

* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of
  any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
  electronic work is discovered and reported to you within 90 days of
  receipt of the work.

* You comply with all other terms of this agreement for free
  distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project
Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than
are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing
from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The
Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm
trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
works not protected by U.S. copyright law in creating the Project
Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm
electronic works, and the medium on which they may be stored, may
contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate
or corrupt data, transcription errors, a copyright or other
intellectual property infringement, a defective or damaged disk or
other medium, a computer virus, or computer codes that damage or
cannot be read by your equipment.

1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from. If you
received the work on a physical medium, you must return the medium
with your written explanation. The person or entity that provided you
with the defective work may elect to provide a replacement copy in
lieu of a refund. If you received the work electronically, the person
or entity providing it to you may choose to give you a second
opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If
the second copy is also defective, you may demand a refund in writing
without further opportunities to fix the problem.

1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO
OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT
LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of
damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement
violates the law of the state applicable to this agreement, the
agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or
limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or
unenforceability of any provision of this agreement shall not void the
remaining provisions.

1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in
accordance with this agreement, and any volunteers associated with the
production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm
electronic works, harmless from all liability, costs and expenses,
including legal fees, that arise directly or indirectly from any of
the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this
or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
Defect you cause.

Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of
computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
from people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
www.gutenberg.org Section 3. Information about the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
volunteers and employees are scattered throughout numerous
locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
date contact information can be found at the Foundation's web site and
official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:

    Dr. Gregory B. Newby
    Chief Executive and Director
    gbnewby@pglaf.org

Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment. Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements. We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations. To
donate, please visit: www.gutenberg.org/donate

Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
freely shared with anyone. For forty years, he produced and
distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search
facility: www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.


Updated editions will replace the previous one--the old editions
will be renamed.

Creating the works from public domain print editions means that no
one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
(and you!) can copy and distribute it in the United States without
permission and without paying copyright royalties.  Special rules,
set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark.  Project
Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
charge for the eBooks, unless you receive specific permission.  If you
do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
rules is very easy.  You may use this eBook for nearly any purpose
such as creation of derivative works, reports, performances and
research.  They may be modified and printed and given away--you may do
practically ANYTHING with public domain eBooks.  Redistribution is
subject to the trademark license, especially commercial
redistribution.



*** START: FULL LICENSE ***

THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK

To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
distribution of electronic works, by using or distributing this work
(or any other work associated in any way with the phrase "Project
Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
Gutenberg-tm License (available with this file or online at
http://gutenberg.org/license).


Section 1.  General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
electronic works

1.A.  By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
and accept all the terms of this license and intellectual property
(trademark/copyright) agreement.  If you do not agree to abide by all
the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.

1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org/license

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
permission of the copyright holder found at the beginning of this work.

1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5.  Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
word processing or hypertext form.  However, if you provide access to or
distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
form.  Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8.  You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
that

- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
     you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
     does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
     License.  You must require such a user to return or
     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
refund.  If you received the work electronically, the person or entity
providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


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including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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