The Project Gutenberg EBook of Der Schwierige, by Hugo von Hofmannsthal

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Title: Der Schwierige
       Lustspiel in drei Akten

Author: Hugo von Hofmannsthal

Release Date: September 20, 2014 [EBook #46912]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER SCHWIERIGE ***




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Anmerkungen zur Transkription:

Zeichenkodierung:

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                             DER SCHWIERIGE

                               LUSTSPIEL

                                  VON

                         HUGO VON HOFMANNSTHAL

                          S. FISCHER / VERLAG
                                 BERLIN

[Illustration: Logo Fischer-Verlag]




                             DER SCHWIERIGE

                               Lustspiel

                             in drei Akten

                                  von

                         HUGO VON HOFMANNSTHAL

                                  1921
                      S. Fischer / Verlag / Berlin




                        Erste und zweite Auflage

                        Alle Rechte vorbehalten

              Den Bhnen und Vereinen gegenber Manuskript

        Das Recht der Auffhrung ist nur von S. Fischer, Verlag,
                  Berlin W, Blowstr. 90, zu erwerben

              Copyright 1921 by S. Fischer, Verlag, Berlin




Personen


     Hans Karl Bhl
     Crescence, seine Schwester
     Stani, ihr Sohn
     Helene Altenwyl
     Altenwyl
     Antoinette Hechingen
     Hechingen
     Neuhoff
     Edine   }
     Nanni   } Antoinettes Freundinnen
     Huberta }
     Agathe, Kammerjungfer
     Neugebauer, Sekretr
     Lukas, erster Diener bei Hans Karl.
     Vinzenz, ein neuer Diener.
     Ein berhmter Mann.

     Bhlsche und Altenwylsche Diener.




_ERSTER AKT_


     $Mittelgroer Raum eines Wiener lteren Stadtpalais, als
     Arbeitszimmer des Hausherrn eingerichtet.$


Erste Szene

     $Lukas herein mit Vinzenz.$

_Lukas._ Hier ist das sogenannte Arbeitszimmer. Verwandtschaft und sehr
gute Freunde werden hier hereingefhrt oder nur wenn speziell gesagt
wird, in den grnen Salon.

_Vinzenz_ $(tritt ein)$. Was arbeitet er? Majoratsverwaltung? Oder was?
Politische Sachen?

_Lukas._ Durch diese Spalettr kommt der Sekretr herein.

_Vinzenz._ Privatsekretr hat er auch? Das sind doch Hungerleider!
Verfehlte Existenzen! Hat der bei ihm was zu sagen?

_Lukas._ Hier geht's durch ins Toilettezimmer. Dort werden wir jetzt
hineingehen und Smoking und Frack herrichten zur Auswahl je nachdem,
weil nichts Spezielles angeordnet ist.

_Vinzenz_ $(schnffelt an allen Mbeln herum)$. Also was? Sie wollen mir
jetzt den Dienst zeigen? Es htte Zeit gehabt bis morgen frh, und wir
htten uns jetzt kollegial unterhalten knnen. Was eine Herrenbedienung
ist, das ist mir seit vielen Jahren zum Bewutsein gekommen, also
beschrnken Sie sich auf das Ntige; damit meine ich die Besonderheiten.
Also was? Fangen Sie schon an!

_Lukas_ $(richtet ein Bild, das nicht ganz gerade hngt)$. Er kann kein
Bild und keinen Spiegel schief hngen sehen. Wenn er anfngt, alle
Laden aufzusperren oder einen verlegten Schlssel zu suchen, dann ist er
sehr schlechter Laune.

_Vinzenz._ Lassen Sie jetzt solche Lappalien. Sie haben mir doch gesagt,
da die Schwester und der Neffe, die hier im Hause wohnen, auch jedesmal
angemeldet werden mssen.

_Lukas_ $(putzt mit dem Taschentuch an einem Spiegel)$. Genau wie jeder
Besuch. Darauf hlt er sehr streng.

_Vinzenz._ Was steckt da dahinter? Da will er sie sich vom Leibe
halten. Warum lt er sie dann hier wohnen? Er wird doch mehrere Huser
haben? Das sind doch seine Erben. Die wnschen doch seinen Tod.

_Lukas._ Die Frau Grfin Crescence und der Graf Stani? Ja, da sei Gott
vor! Ich wei nicht, wie Sie mir vorkommen!

_Vinzenz._ Lassen Sie ihre Ansichten. Was bezweckt er also, wenn er die
im Haus hat? Das interessiert mich. Nmlich: es wirft ein Licht auf
gewisse Absichten. Die mu ich kennen, bevor ich mich mit ihm einlasse.

_Lukas._ Auf was fr gewisse Absichten?

_Vinzenz._ Wiederholen Sie nicht meine Worte! Fr mich ist das eine
ernste Sache. Konvenierendenfalls ist das hier eine Unterbringung fr
mein Leben. Wenn Sie sich zurckgezogen haben als Verwalter, werde ich
hier alles in die Hand nehmen. Das Haus pat mir eventuell soweit nach
allem, was ich hre. Aber ich will wissen, woran ich bin. Wenn er sich
die Verwandten da ins Haus setzt, heit das soviel, als: er will ein
neues Leben anfangen. Bei seinem Alter und nach der Kriegszeit ist das
ganz erklrlich. Wenn man einmal die geschlagene Vierzig auf dem Rcken
hat. --

_Lukas._ Der Erlaucht vierzigste Geburtstag ist kommendes Jahr.

_Vinzenz._ Kurz und gut, er will ein Ende machen mit den
Weibergeschichten. Er hat genug von den Spanponaden.

_Lukas._ Ich verstehe Ihr Gewsch nicht.

_Vinzenz._ Aber natrlich verstehen Sie mich ganz gut, Sie Herr Schtz.
-- Es stimmt das insofern mit dem berein, was mir die Portierin erzhlt
hat. Jetzt kommt alles darauf an: geht er mit der Ansicht um, zu
heiraten? In diesem Fall kommt eine legitime Weiberwirtschaft ins Haus,
was hab' ich da zu suchen? -- Oder er will sein Leben als Junggeselle
mit mir beschlieen! uern Sie mir also darber Ihre Vermutungen. Das
ist der Punkt, der fr mich der Hauptpunkt ist, nmlich.

_Lukas_ $(ruspert sich)$.

_Vinzenz._ Was erschrecken Sie mich.

_Lukas._ Er steht manchmal im Zimmer, ohne da man ihn gehen hrt.

_Vinzenz._ Was bezweckt er damit? Will er einen hineinlegen? Ist er
berhaupt so heimtckisch?

_Lukas._ In diesem Fall haben Sie lautlos zu verschwinden.

_Vinzenz._ Das sind mir ekelhafte Gewohnheiten. Die werde ich ihm zeitig
abgewhnen.


Zweite Szene

_Hans Karl_ $(ist leise eingetreten)$. Bleiben Sie nur, Lukas. Sind
Sie's, Neugebauer?

_Vinzenz_ $(steht seitwrts im Dunkeln)$.

_Lukas._ Erlaucht melde untertnigst, das ist der neue Diener, der vier
Jahre beim Durchlaucht Frst Palm war.

_Hans Karl._ Machen Sie nur weiter mit ihm. Der Herr Neugebauer soll
herberkommen mit den Akten, betreffend Hohenbhl. Im brigen bin ich
fr niemand zu Hause. $(Man hrt eine Glocke.)$

_Lukas._ Das ist die Glocke vom kleinen Vorzimmer. $(Geht.)$

_Vinzenz_ $(bleibt)$.

_Hans Karl_ $(ist an den Schreibtisch getreten)$.


Dritte Szene

_Lukas_ $(tritt ein und meldet)$: Frau Grfin Freudenberg.

_Crescence_ $(ist gleich nach ihm eingetreten)$.

_Lukas_ $(tritt ab, Vinzenz ebenfalls)$.

_Crescence._ Strt man dich, Kari? Pardon --

_Hans Karl._ Aber meine gute Crescence.

_Crescence._ Ich geh' hinauf, mich anziehen -- fr die Soiree.

_Hans Karl._ Bei Altenwyls?

_Crescence._ Du erscheinst doch auch? Oder nicht? Ich mchte nur wissen,
mein Lieber.

_Hans Karl._ Wenn's dir ganz gleich gewesen wre, htte ich mich
eventuell spter entschlossen und vom Kasino aus eventuell
abtelephoniert. Du weit, ich binde mich so ungern.

_Crescence._ Ah ja.

_Hans Karl._ Aber wenn du auf mich gezhlt httest --

_Crescence._ Mein lieber Kari, ich bin alt genug, um allein nach Hause
zu fahren -- berdies kommt der Stani hin und holt mich ab. Also du
kommst nicht?

_Hans Karl._ Ich htt' mir's gern noch berlegt.

_Crescence._ Eine Soiree wird nicht attraktiver, wenn man ber sie
nachdenkt, mein Lieber. Und dann hab' ich geglaubt, du hast dir drauen
das viele Nachdenken ein bil abgewhnt. $(Setzt sich zu ihm, der
beim Schreibtisch steht.)$ Sei er gut, Kari, hab' er das nicht mehr,
dieses Unleidliche, Sprunghafte, Entschlulose, da man sich hat aufs
Messer streiten mssen mit seinen Freunden, weil der eine ihn einen
Hypochonder nennt, der andere einen Spielverderber, der dritte einen
Menschen, auf den man sich nicht verlassen kann. -- Du bist in einer
so ausgezeichneten Verfassung zurckgekommen, jetzt bist du wieder so,
wie du mit zweiundzwanzig Jahren warst, wo ich beinah' verliebt war in
meinen Bruder.

_Hans Karl._ Meine gute Crescence, machst du mir Komplimente?

_Crescence._ Aber nein, ich sag's, wie's ist: da ist der Stani ein
unbestechlicher Richter; er findet dich einfach den ersten Herrn in der
groen Welt, bei ihm heit's jetzt, Onkel Kari hin, Onkel Kari her,
man kann ihm kein greres Kompliment machen, als da er dir hnlich
sieht, und das tut er ja auch -- in den Bewegungen ist er ja dein
zweites Selbst -- er kennt nichts Eleganteres als die Art, wie du die
Menschen behandelst, das groe air, die distance, die du allen Leuten
gibst -- dabei die komplette Gleichmigkeit und Bonhomie auch gegen
den Niedrigsten -- aber er hat natrlich, wie ich auch, deine Schwchen
heraus; er adoriert den Entschlu, die Kraft, das Definitive, er hat
den Wiegel-Wagel, darin ist er wie ich!

_Hans Karl._ Ich gratulier dir zu deinem Sohn, Crescence. Ich bin
sicher, da du immer viel Freud' an ihm erleben wirst.

_Crescence._ Aber -- pour revenir  nos moutons, Herr Gott, wenn man
durchgemacht hat, was du durchgemacht hast, und sich dabei benommen hat,
als wenn es nichts wre ...

_Hans Karl_ $(geniert)$. Das hat doch jeder getan!

_Crescence._ Ah, pardon, jeder nicht. Aber da htte ich doch geglaubt,
da man seine Hypochondrien berwunden haben knnte!

_Hans Karl._ Die vor den Leuten in einem Salon hab ich halt noch immer.
Eine Soiree ist mir ein Graus, ich kann mir halt nicht helfen. Ich
begreife noch allenfalls, da sich Leute finden, die ein Haus machen,
aber nicht, da es welche gibt, die hingehen.

_Crescence._ Also wovor frchtest du dich? Das mu sich doch diskutieren
lassen. Langweilen dich die alten Leut'?

_Hans Karl._ Ah, die sind ja scharmant, die sind so artig.

_Crescence._ Oder gehen dir die Jungen auf die Nerven?

_Hans Karl._ Gegen die hab' ich gar nichts. Aber die Sache selber ist
mir halt so eine Horreur, weit du, das Ganze -- das Ganze ist so ein
unentwirrbarer Knuel von Miverstndnissen. Ah, diese chronischen
Miverstndnisse!

_Crescence._ Nach allem, was du drauen durchgemacht hast, ist mir das
eben unbegreiflich, da man da nicht abgehrtet ist.

_Hans Karl._ Crescence, das macht einen ja nicht weniger empfindlich,
sondern mehr. Wieso verstehst du das nicht? Mir knnen ber eine
Dummheit die Trnen in die Augen kommen -- oder es wird mir hei vor
Gne ber eine ganze Kleinigkeit, ber eine Nuance, die kein Mensch
merkt, oder es passiert mir, da ich ganz laut sag', was ich mir denk'
-- das sind doch unmgliche Zustnd', um unter Leut' zu gehen. Ich
kann dir gar nicht definieren, aber es ist strker als ich. Aufrichtig
gestanden: ich habe vor zwei Stunden Auftrag gegeben, bei Altenwyls
abzusagen. Vielleicht eine andere Soiree, nchstens, aber die nicht.

_Crescence._ Die nicht. Also warum grad die nicht?

_Hans Karl._ Es ist strker als ich, so ganz im allgemeinen.

_Crescence._ Wenn du sagst, im allgemeinen, so meinst du was Spezielles.

_Hans Karl._ Nicht die Spur, Crescence.

_Crescence._ Natrlich. Aha. Also, in diesem Punkt kann ich dich
beruhigen.

_Hans Karl._ In welchem Punkt?

_Crescence._ Was die Helen betrifft.

_Hans Karl._ Wie kommst du auf die Helen?

_Crescence._ Mein Lieber, ich bin weder taub, noch blind, und da die
Helen von ihrem fnfzehnten Lebensjahr an, bis vor kurzem, na, sagen
wir, bis ins zweite Kriegsjahr, in dich verliebt war bis ber die Ohren,
dafr hab' ich meine Indizien, erstens, zweitens und drittens.

_Hans Karl._ Aber Crescence, da redest du dir etwas ein ...

_Crescence._ Weit du, da ich mir frher, so vor drei, vier Jahren, wie
sie eine ganz junge Debtantin war, eingebildet hab', das wr' die eine
Person auf der Welt, die dich fixieren knnt', die deine Frau werden
knnt'. Aber ich bin zu Tod froh, da es nicht so gekommen ist. Zwei so
komplizierte Menschen, das tut kein gut.

_Hans Karl._ Du tust mir zuviel Ehre an. Ich bin der unkomplizierteste
Mensch von der Welt. $(Er hat eine Lade am Schreibtisch herausgezogen.)$
Aber ich wei gar nicht, wie du auf die Idee -- ich bin der Helen
attachiert, sie ist doch eine Art von Cousine, ich hab' sie so klein
gekannt -- sie knnte meine Tochter sein. $(Sucht in der Lade nach
etwas.)$

_Crescence._ Meine schon eher. Aber ich mcht sie nicht als Tochter. Und
ich mcht erst recht nicht diesen Baron Neuhoff als Schwiegersohn.

_Hans Karl._ Den Neuhoff? Ist das eine so ernste Geschichte?

_Crescence._ Sie wird ihn heiraten.

_Hans Karl_ $(stt die Lade zu)$.

_Crescence._ Ich betrachte es als vollzogene Tatsache, dem zu Trotz,
da er ein wildfremder Mensch ist, dahergeschneit aus irgendeiner
Ostseeprovinz, wo sich die Wlf' gute Nacht sagen ...

_Hans Karl._ Geographie war nie deine Strke. Crescence, die Neuhoffs
sind eine holsteinische Familie.

_Crescence._ Aber das ist doch ganz gleich. Kurz, wildfremde Leut'.

_Hans Karl._ brigens eine ganz erste Familie. So gut alliiert, als man
berhaupt sein kann.

_Crescence._ Aber, ich bitt' dich, das steht im Gotha. Wer kann denn das
von hier aus kontrollieren?

_Hans Karl._ Du bist aber sehr acharniert gegen den Menschen.

_Crescence._ Es ist aber auch danach! Wenn eins der ersten Mdeln, wie
die Helen, sich auf einem wildfremden Menschen enttiert, dem zu Trotz,
da er hier in seinem Leben keine Position haben wird ...

_Hans Karl._ Glaubst du?

_Crescence._ In seinem Leben! dem zu Trotz, da sie sich aus seiner
Suada nichts macht, kurz, sich und der Welt zu Trotz ...

$(Eine kleine Pause.)$

_Hans Karl_ $(zieht mit einiger Heftigkeit eine andere Lade heraus)$.

_Crescence._ Kann ich dir suchen helfen? Du enervierst dich.

_Hans Karl._ Ich dank' dir tausendmal, ich such' eigentlich gar nichts,
ich hab' den falschen Schlssel hineingesteckt.

_Sekretr_ $(erscheint an der kleinen Tr)$. Oh, ich bitte untertnigst
um Verzeihung.

_Hans Karl._ Ein bissel spter bin ich frei, lieber Neugebauer.

_Sekretr_ $(zieht sich zurck)$.

_Crescence_ $(tritt an den Tisch)$. Kari, wenn dir nur ein ganz kleiner
Gefallen damit geschieht, so hintertreib' ich diese Geschichte.

_Hans Karl._ Was fr eine Geschichte?

_Crescence._ Die, von der wir sprechen: Helen-Neuhoff. Ich hintertreib'
sie von heut' auf morgen.

_Hans Karl._ Was?

_Crescence._ Ich nehm' Gift darauf, da sie heute noch genau so verliebt
in dich ist wie vor sechs Jahren, und da es nur ein Wort, nur den
Schatten einer Andeutung braucht --

_Hans Karl._ Die ich dich doch um Gottes willen nicht zu machen bitte --

_Crescence._ Ah so, bitte sehr. Auch gut.

_Hans Karl._ Meine Liebe, allen Respekt vor deiner energischen Art, aber
so einfach sind doch gottlob die Menschen nicht.

_Crescence._ Mein Lieber, die Menschen sind gottlob sehr einfach,
wenn man sie einfach nimmt. Ich seh' also, da diese Nachricht kein
groer Schlag fr dich ist. Um so besser -- du hast dich von der Helen
desinteressiert, ich nehm' das zur Kenntnis.

_Hans Karl_ $(aufstehend)$. Aber ich wei nicht, wie du nur auf
den Gedanken kommst, da ich es ntig gehabt htt', mich zu
desinteressieren. Haben denn andere Personen auch diese bizarren
Gedanken?

_Crescence._ Sehr wahrscheinlich.

_Hans Karl._ Weit du, da mir das direkt Lust macht, hinzugehen?

_Crescence._ Und dem Theophil deinen Segen zu geben? Er wird entzckt
sein. Er wird die grten Bassessen machen, um deine Intimitt zu
erwerben.

_Hans Karl._ Findest du nicht, da es sehr richtig gewesen wre, wenn
ich mich unter diesen Umstnden schon lngst bei Altenwyls gezeigt
htte? Es tut mir auerordentlich leid, da ich abgesagt habe.

_Crescence._ Also la wieder anrufen: es war ein Miverstndnis durch
einen neuen Diener und du wirst kommen.

_Lukas_ $(tritt ein)$.

_Hans Karl_ $(zu Crescence)$. Weit du, ich mchte es doch noch
berlegen.

_Lukas._ Ich htte fr spter untertnigst jemanden anzumelden.

_Crescence_ $(zu Lukas)$. Ich geh. Telephonieren Sie schnell zum Grafen
Altenwyl, Seine Erlaucht wrden heut' abend dort erscheinen. Es war ein
Miverstndnis.

_Lukas_ $(sieht Hans Karl an)$.

_Hans Karl_ $(ohne Lukas anzusehen)$. Da mt er allerdings auch noch
vorher ins Kasino telephonieren, ich la den Grafen Hechingen bitten,
zum Diner und auch nachher nicht auf mich zu warten.

_Crescence._ Natrlich, das macht er gleich. Aber zuerst zum Grafen
Altenwyl, damit die Leut' wissen, woran sie sind.

_Lukas_ $(ab)$.

_Crescence_ $(steht auf)$. So, und jetzt la ich dich deinen Geschften.
$(Im Gehen.)$ Mit welchem Hechingen warst du besprochen? Mit dem Nandi?

_Hans Karl._ Nein, mit dem Adolf.

_Crescence_ $(kommt zurck)$. Der Antoinette ihrem Mann? Ist er nicht
ein kompletter Dummkopf?

_Hans Karl._ Weit du, Crescence, darber hab' ich gar kein Urteil. Mir
kommt bei Konversationen auf die Lnge alles sogenannte Gescheite dumm
und noch eher das Dumme gescheit vor ...

_Crescence._ Und ich bin von vornherein berzeugt, da an ihm mehr ist
als an ihr.

_Hans Karl._ Weit du, ich hab' ihn ja frher gar nicht gekannt, oder
$(er hat sich gegen die Wand gewendet und richtet an einem Bild, das
nicht gerade hngt)$ -- nur als Mann seiner Frau -- und dann drauen, da
haben wir uns miteinander angefreundet. Weit du, er ist ein so vllig
anstndiger Mensch. Wir waren miteinander, im Winter Fnfzehn, zwanzig
Wochen in der Stellung in den Waldkarpathen, ich mit meinen Schtzen
und er mit seinen Pionieren, und wir haben das letzte Stckl Brot
miteinander geteilt. Ich hab' sehr viel Respekt vor ihm bekommen. Brave
Menschen hat's drauen viele gegeben, aber ich habe nie einen gesehen,
der vis--vis dem Tod sich eine solche Ruhe bewahrt htte, beinahe eine
Art Behaglichkeit.

_Crescence._ Wenn dich seine Verwandten reden hren knnten, die wrden
dich umarmen. So geh hin zu dieser Nrrin und vershn sie mit dem
Menschen, du machst zwei Familien glcklich. Diese ewig in der Luft
hngende Idee einer Scheidung oder Trennung, g'hupft wie g'sprungen,
geht ja allen auf die Nerven. Und auerdem wr es fr dich selbst gut,
wenn die Geschichte in eine Form kme.

_Hans Karl._ Inwiefern das?

_Crescence._ Also, damit ich dir's sage: es gibt Leut', die den
ungereimten Gedanken aussprechen, wenn die Ehe annulliert werden knnt',
du wrdest sie heiraten.

_Hans Karl_ $(schweigt)$.

_Crescence._ Ich sag' ja nicht, da es serise Leut' sind, die diesen
bei den Haaren herbeigezogenen Unsinn zusammenreden.

_Hans Karl_ $(schweigt)$.

_Crescence._ Hast du sie schon besucht, seit du aus dem Feld zurck bist?

_Hans Karl._ Nein, ich sollte natrlich.

_Crescence_ $(nach der Seite sehend)$. So besuch' sie doch morgen und
red' ihr ins Gewissen.

_Hans Karl_ $(bckt sich, wie um etwas aufzuheben)$. Ich wei wirklich
nicht, ob ich gerade der richtige Mensch dafr wre.

_Crescence._ Du tust sogar direkt ein gutes Werk. Dadurch gibst du ihr
deutlich zu verstehen, da sie auf dem Holzweg war, wie sie mit aller
Gewalt sich hat vor zwei Jahren mit dir affichieren wollen.

_Hans Karl_ $(ohne sie anzusehen)$. Das ist eine Idee von dir.

_Crescence._ Ganz genau so, wie sie es heut' auf den Stani abgesehen hat.

_Hans Karl_ $(erstaunt)$. Deinen Stani?

_Crescence._ Seit dem Frhjahr. $(Sie war bis zur Tr gegangen, kehrt
wieder um, kommt bis zum Schreibtisch.)$ Er knnte mir da einen groen
Gefallen tun, Kari ...

_Hans Karl._ Aber ich bitte doch um Gottes willen. So sag sie doch! $(Er
bietet ihr Platz an, sie bleibt stehen.)$

_Crescence._ Ich schick' ihm den Stani auf einen Moment herunter. Mach'
er ihm den Standpunkt klar. Sag' er ihm, da die Antoinette -- eine Frau
ist, die einen unntig kompromittiert. Kurz und gut, verleid' er sie ihm.

_Hans Karl._ Ja, wie stellst du dir denn das vor? Wenn er verliebt in
sie ist?

_Crescence._ Aber Mnner sind doch nie so verliebt, und du bist doch
das Orakel fr den Stani. Wenn du die Konversation benutzen wolltest --
versprichst du mir's?

_Hans Karl._ Ja, weit du -- wenn sich ein zwangloser bergang findet --

_Crescence_ $(ist wieder bis zur Tr gegangen, spricht von dort aus)$.
Du wirst schon das Richtige finden. Du machst dir keine Idee, was du
fr eine Autoritt fr ihn bist. $(Im Begriff hinauszugehen, macht
sie wiederum kehrt, kommt bis an den Schreibtisch vor.)$ Sag ihm, da
du sie unelegant findest -- und, da du dich nie mit ihr eingelassen
httest. Dann lat er sie von morgen an stehen. $(Sie geht wieder zur
Tr, das gleiche Spiel.)$ Weit du, sag's ihm nicht zu scharf, aber auch
nicht gar zu leicht. Nicht gar zu sous-entendu. Und da er ja keinen
Verdacht hat, da es von mir kommt -- er hat die fixe Idee, ich will ihn
verheiraten, natrlich will ich, aber -- er darf's nicht merken: darin
ist er ja so hnlich mit dir: die bloe Idee, da man ihn beeinflussen
mcht' -- ! $(Noch einmal das gleiche Spiel.)$ Weit du, mir liegt sehr
viel dran, da es heute noch gesagt wird, wozu einen Abend verlieren?
Auf die Weise hast du auch dein Programm: du machst der Antoinette klar,
wie du das Ganze mibilligst -- du bringst sie auf ihre Ehe -- du singst
dem Adolf sein Lob -- so hast du eine Mission, und der ganze Abend hat
einen Sinn fr dich. $(Sie geht.)$


Vierte Szene

_Vinzenz_ $(ist von rechts hereingekommen, sieht sich zuerst um, ob
Crescence fort ist, dann)$. Ich wei nicht, ob der erste Diener gemeldet
hat, es ist drauen eine jngere Person, eine Kammerfrau oder so etwas ...

_Hans Karl._ Um was handelt sich's?

_Vinzenz._ Sie kommt von der Frau Grfin Hechingen nmlich. Sie scheint
so eine Vertrauensperson zu sein. $(Nochmals nher tretend.)$ Eine
verschmte Arme ist es nicht.

_Hans Karl._ Ich werde das alles selbst sehen, fhren Sie sie herein.

_Vinzenz_ $(rechts ab)$.


Fnfte Szene

_Lukas_ $(schnell herein durch die Mitte)$. Ist untertnigst Euer
Erlaucht gemeldet worden? Von Frau Grfin Hechingen die Kammerfrau, die
Agathe. Ich habe gesagt: Ich wei durchaus nicht, ob Erlaucht zu Hause
sind.

_Hans Karl._ Gut. Ich habe sagen lassen, ich bin da. Haben Sie zum
Grafen Altenwyl telephoniert?

_Lukas._ Ich bitte Erlaucht untertnigst um Vergebung. Ich habe bemerkt,
Erlaucht wnschen nicht, da telephoniert wird, wnschen aber auch
nicht, der Frau Grfin zu widersprechen -- so habe ich vorlufig nichts
telephoniert.

_Hans Karl_ $(lchelnd)$. Gut, Lukas.

_Lukas_ $(geht bis an die Tr)$.

_Hans Karl._ Lukas, wie finden Sie den neuen Diener?

_Lukas_ $(zgernd)$. Man wird vielleicht sehen, wie er sich macht.

_Hans Karl._ Unmglicher Mann. Auszahlen. Wegexpedieren!

_Lukas._ Sehr wohl, Euer Erlaucht. So hab' ich mir gedacht.

_Hans Karl._ Heute abend nichts erwhnen.


Sechste Szene

_Vinzenz_ $(fhrt Agathe herein. Beide Diener ab)$.

_Hans Karl._ Guten Abend, Agathe.

_Agathe._ Da ich Sie sehe, Euer Gnaden Erlaucht! Ich zittre ja.

_Hans Karl._ Wollen Sie sich nicht setzen?

_Agathe_ $(stehend)$. Oh, Euer Gnaden, seien nur nicht ungehalten
darber, da ich gekommen bin, statt dem Brandsttter.

_Hans Karl._ Aber liebe Agathe, wir sind ja doch alte Bekannte. Was
bringt Sie denn zu mir?

_Agathe._ Mein Gott, das wissen doch Erlaucht. Ich komm' wegen der
Briefe.

_Hans Karl_ $(ist betroffen)$.

_Agathe._ Oh Verzeihung, oh Gott, es ist ja nicht zum Ausdenken, wie
mir meine Frau Grfin eingeschrft hat, durch mein Betragen nichts zu
verderben.

_Hans Karl_ $(zgernd)$. Die Frau Grfin hat mir allerdings geschrieben,
da gewisse in meiner Hand befindliche, ihr gehrige Briefe, wrden
von einem Herrn Brandsttter am Fnfzehnten abgeholt werden. Heute ist
der Zwlfte, aber ich kann natrlich die Briefe auch Ihnen bergeben.
Sofort, wenn es der Wunsch der Frau Grfin ist. Ich wei ja, Sie sind
der Frau Grfin sehr ergeben.

_Agathe._ Gewisse Briefe -- wie Sie das sagen, Erlaucht. Ich wei ja
doch, was das fr Briefe sind.

_Hans Karl_ $(khl)$. Ich werde sofort den Auftrag geben.

_Agathe._ Wenn sie uns so beisammen sehen knnte, meine Frau Grfin. Das
wre ihr eine Beruhigung, eine kleine Linderung.

_Hans Karl_ $(fngt an, in der Lade zu suchen)$.

_Agathe._ Nach diesen entsetzlichen sieben Wochen, seitdem wir wissen,
da unser Herr Graf aus dem Felde zurck ist und wir kein Lebenszeichen
von ihm haben ...

_Hans Karl_ $(sieht auf)$. Sie haben vom Grafen Hechingen kein
Lebenszeichen?

_Agathe._ Von dem! Wenn ich sage, unser Herr Graf, das heit in
unserer Sprache Sie Erlaucht! Vom Grafen Hechingen sagen wir nicht
unser Herr Graf!

_Hans Karl_ $(sehr geniert)$. Ah, pardon, das konnte ich nicht wissen.

_Agathe_ $(schchtern)$. Bis heute nachmittag haben wir ja geglaubt,
da heute bei der grflich Altenwylschen Soiree das Wiedersehen sein
wird. Da telephoniert mir die Jungfrau von der Komtesse Altenwyl: Er hat
abgesagt!

_Hans Karl_ $(steht auf)$.

_Agathe._ Er hat abgesagt, Agathe, ruft die Frau Grfin, abgesagt, weil
er gehrt hat, da ich hinkomme! Dann ist doch alles vorbei und dabei
schaut sie mich an mit einem Blick, der einen Stein erweichen knnte.

_Hans Karl_ $(sehr hflich, aber mit dem Wunsche, ein Ende zu machen)$.
Ich frchte, ich habe die gewnschten Briefe nicht hier in meinem
Schreibtisch, ich werde gleich meinen Sekretr rufen.

_Agathe._ Oh Gott, in der Hand eines Sekretrs sind diese Briefe! Das
drfte meine Frau Grfin nie erfahren!

_Hans Karl._ Die Briefe sind natrlich eingesiegelt.

_Agathe._ Eingesiegelt! So weit ist es schon gekommen?

_Hans Karl_ $(spricht ins Telephon)$. Lieber Neugebauer, wenn Sie fr
einen Augenblick herberkommen wrden! Ja, ich bin jetzt frei -- aber
ohne die Akten -- es handelt sich um etwas anderes. Augenblicklich?
Nein, rechnen Sie nur zu Ende. In drei Minuten, das gengt.

_Agathe._ Er darf mich nicht sehen, er kennt mich von frher!

_Hans Karl._ Sie knnen in die Bibliothek treten, ich mach' Ihnen Licht.

_Agathe._ Wie htten wir uns denn das denken knnen, da alles auf
einmal vorbei ist.

_Hans Karl_ $(im Begriff, sie hinberzufhren, bleibt stehen, runzelt
die Stirn)$. Liebe Agathe, da Sie ja von allem informiert sind -- ich
verstehe nicht ganz, ich habe ja doch der Frau Grfin aus dem Feldspital
einen langen Brief geschrieben, dieses Frhjahr.

_Agathe._ Ja, den abscheulichen Brief.

_Hans Karl._ Ich verstehe Sie nicht. Es war ein sehr freundschaftlicher
Brief.

_Agathe._ Das war ein perfider Brief. So gezittert haben wir, als wir
ihn gelesen haben, diesen Brief. Erbittert waren wir und gedemtigt!

_Hans Karl._ Ja, worber denn, ich bitt' Sie um alles!

_Agathe_ $(sieht ihn an)$. Darber, da Sie darin den Grafen Hechingen
so herausgestrichen haben -- und gesagt haben, auf die Letzt ist ein
Mann wie der andere, und ein jeder kann zum Ersatz fr einen jeden
genommen werden.

_Hans Karl._ Aber so habe ich mich doch gar nicht ausgedrckt. Das waren
doch niemals meine Gedanken!

_Agathe._ Aber das war der Sinn davon. Ah, wir haben den Brief oft und
oft gelesen! Das, hat meine Frau Grfin ausgerufen, das ist also das
Resultat der Sternennchte und des einsamen Nachdenkens, dieser Brief,
wo er mir mit dnnen Worten sagt: ein Mann ist wie der andere, unsere
Liebe war nur eine Einbildung, vergi mich, nimm wieder den Hechingen --

_Hans Karl._ Aber nichts von allen diesen Worten ist in dem Brief
gestanden.

_Agathe._ Auf die Worte kommt's nicht an. Aber den Sinn haben wir
gut herausbekommen. Diesen demtigenden Sinn, diese erniedrigenden
Folgerungen. Oh, das wissen wir genau. Dieses Sichselbsterniedrigen ist
eine perfide Kunst. Wo der Mann sich anklagt in einer Liebschaft, da
klagt er die Liebschaft an. Und im Handumdrehen sind wir die Angeklagten.

_Hans Karl_ $(schweigt)$.

_Agathe_ $(einen Schritt nher tretend)$. Ich habe gekmpft fr unsern
Herrn Grafen, wie meine Frau Grfin gesagt hat: Agathe, du wirst es
sehen, er will die Komtesse Altenwyl heiraten, und nur darum will er
meine Ehe wieder zusammenleimen.

_Hans Karl._ Das hat die Frau Grfin mir zugemutet?

_Agathe._ Das waren ihre bsesten Stunden, wenn sie ber dem gegrbelt
hat. Dann ist wieder ein Hoffnungsstrahl gekommen. Nein, vor der Helen,
hat sie dann gerufen, nein, vor der frcht' ich mich nicht -- denn die
lauft ihm nach; und wenn dem Kari eine nachlauft, die ist bei ihm schon
verloren, und sie verdient ihn auch nicht, denn sie hat kein Herz.

_Hans Karl_ $(richtet etwas)$. Wenn ich Sie berzeugen knnte --

_Agathe._ Aber dann wieder pltzlich die Angst --

_Hans Karl._ Wie fern mir das alles liegt --

_Agathe._ Oh Gott, ruft sie aus, er war noch nirgends! Wenn das
bedeutungsvoll sein sollte --

_Hans Karl._ Wie fern mir das alles liegt!

_Agathe._ Wenn er vor meinen Augen sich mit ihr verlobt --

_Hans Karl._ Wie kann nur die Frau Grfin --

_Agathe._ Oh, so etwas tun Mnner, aber Sie tun's nicht, nicht wahr,
Erlaucht?

_Hans Karl._ Es liegt mir nichts in der Welt ferner, meine liebe Agathe.

_Agathe._ Oh, kss' die Hnde, Erlaucht! $(Kt ihm schnell die Hand.)$

_Hans Karl_ $(entzieht ihr die Hand)$. Ich hre meinen Sekretr kommen.

_Agathe._ Denn wir wissen ja, wir Frauen, da so etwas Schnes nicht fr
die Ewigkeit ist. Aber, da es deswegen auf einmal pltzlich aufhren
soll, in das knnen wir uns nicht hineinfinden!

_Hans Karl._ Sie sehen mich dann. Ich gebe Ihnen selbst die Briefe und
-- Herein! Kommen Sie nur, Neugebauer.

_Agathe_ $(rechts ab)$.


Siebente Szene

_Neugebauer_ $(tritt ein)$. Euer Erlaucht haben befohlen.

_Hans Karl._ Wenn Sie die Freundlichkeit htten, meinem Gedchtnis
etwas zu Hilfe zu kommen. Ich suche ein Paket Briefe -- es sind private
Briefe, versiegelt -- ungefhr zwei Finger dick.

_Neugebauer._ Mit einem von Euer Erlaucht darauf geschriebenen Datum?
Juni 15 bis 22. Oktober 16?

_Hans Karl._ Ganz richtig. Sie wissen --

_Neugebauer._ Ich habe dieses Konvolut unter den Hnden gehabt, aber
ich kann mich im Moment nicht besinnen. Im Drang der Geschfte unter so
verschiedenartigen Agenden, die tglich zunehmen --

_Hans Karl_ $(ganz ohne Vorwurf)$. Es ist mir unbegreiflich, wie diese
ganz privaten Briefe unter die Akten geraten sein knnen --

_Neugebauer._ Wenn ich befrchten mte, da Euer Erlaucht den leisesten
Zweifel in meine Diskretion setzen --

_Hans Karl._ Aber das ist mir ja gar nicht eingefallen.

_Neugebauer._ Ich bitte, mich sofort nachsuchen zu lassen; ich werde
alle meine Krfte daransetzen, dieses hchst bedauerliche Vorkommnis
aufzuklren.

_Hans Karl._ Mein lieber Neugebauer, Sie legen dem ganzen Vorfall viel
zu viel Gewicht bei.

_Neugebauer._ Ich habe schon seit einiger Zeit die Bemerkung gemacht,
da etwas an mir neuerdings Euer Erlaucht zur Ungeduld reizt. Allerdings
war mein Bildungsgang ganz auf das Innere gerichtet, und wenn ich
dabei vielleicht keine tadellosen Salonmanieren erworben habe, so wird
dieser Mangel vielleicht in den Augen eines wohlwollenden Beurteilers
aufgewogen werden knnen durch Qualitten, die persnlich hervorheben zu
mssen meinem Charakter allerdings nicht leicht fallen wrde.

_Hans Karl._ Ich zweifle keinen Augenblick, lieber Neugebauer. Sie
machen mir den Eindruck, beranstrengt zu sein. Ich mchte Sie bitten,
sich abends etwas frher freizumachen. Machen Sie doch jeden Abend einen
Spaziergang mit ihrer Braut.

_Neugebauer_ $(schweigt)$.

_Hans Karl._ Falls es private Sorgen sind, die Sie irritieren,
vielleicht knnte ich in irgendeiner Beziehung erleichternd eingreifen.

_Neugebauer._ Euer Erlaucht nehmen an, da es sich bei unsereinem
ausschlielich um das Materielle handeln knnte.

_Hans Karl._ Ich habe gar nichts solches sagen wollen. Ich wei, Sie
sind Brutigam, also gewi glcklich ...

_Neugebauer._ Ich wei nicht, ob Euer Erlaucht auf die Beschlieerin von
Schlo Hohenbhl anspielen?

_Hans Karl._ Ja, mit der Sie doch seit fnf Jahren verlobt sind.

_Neugebauer._ Meine gegenwrtige Verlobte ist die Tochter eines hheren
Beamten. Sie war die Braut meines besten Freundes, der vor einem halben
Jahr gefallen ist. Schon bei Lebzeiten ihres Verlobten bin ich ihrem
Herzen nahe gestanden -- und ich habe es als ein heiliges Vermchtnis des
Gefallenen betrachtet, diesem jungen Mdchen eine Sttze frs Leben zu
bieten.

_Hans Karl_ $(zgernd)$. Und die frhere langjhrige Beziehung?

_Neugebauer._ Die habe ich natrlich gelst. Selbstverstndlich in der
vornehmsten und gewissenhaftesten Weise.

_Hans Karl._ Ah!

_Neugebauer._ Ich werde natrlich allen nach dieser Seite hin
eingegangenen Verpflichtungen nachkommen und diese Last schon in die
junge Ehe mitbringen. Allerdings keine Kleinigkeit.

_Hans Karl_ $(schweigt)$.

_Neugebauer._ Vielleicht ermessen Euer Erlaucht doch nicht zur Genge,
mit welchem bitteren, sittlichen Ernst das Leben in unsern glanzlosen
Sphren behaftet ist, und wie es sich hier nur darum handeln kann, fr
schwere Aufgaben noch schwerere einzutauschen.

_Hans Karl._ Ich habe gemeint, wenn man heiratet, so freut man sich
darauf.

_Neugebauer._ Der persnliche Standpunkt kann in unserer bescheidenen
Welt nicht magebend sein.

_Hans Karl._ Gewi, gewi. Also Sie werden mir die Briefe mglichst
finden.

_Neugebauer._ Ich werde nachforschen, und wenn es sein mte, bis
Mitternacht. $(Ab.)$

_Hans Karl_ $(vor sich)$. Was ich nur an mir habe, da alle Menschen
so tentiert sind, mir eine Lektion zu erteilen, und da ich nie ganz
bestimmt wei, ob sie nicht das Recht dazu haben.


Achte Szene

_Stani_ $(steht in der Mitteltr, im Frack)$. Pardon, nur um dir guten
Abend zu sagen, Onkel Kari, wenn man dich nicht strt.

_Hans Karl_ $(war nach rechts gegangen, bleibt jedoch stehen)$. Aber gar
nicht. $(Bietet ihm Platz an und eine Zigarette)$.

_Stani_ $(nimmt die Zigarette)$. Aber natrlich chipotierts dich, wenn
man unangemeldet hereinkommt. Darin bist du ganz wie ich. Ich hass' es
auch, wenn man mir die Tr einrennt. Ich will immer zuerst meine Ideen
ein bil ordnen.

_Hans Karl._ Ich bitte, genier' dich nicht, du bist doch zu Hause.

_Stani._ Oh pardon, ich bin bei dir ...

_Hans Karl._ Setz dich doch.

_Stani._ Nein wirklich, ich htte nie gewagt, wenn ich nicht so deutlich
die krhende Stimm' vom Neugebauer ...

_Hans Karl._ Er ist im Moment gegangen.

_Stani._ Sonst wre ich ja nie ... nmlich der neue Diener lauft mir
vor fnf Minuten im Korridor nach und meldet mir, notabene ungefragt,
du httest die Jungfer von der Antoinette Hechingen bei dir und wrest
schwerlich zu sprechen.

_Hans Karl_ $(halblaut)$. Ah, das hat er dir ... ein reizender Mann!

_Stani._ Da wre ich ja natrlich unter keinen Umstnden ...

_Hans Karl._ Sie hat ein paar Bcher zurckgebracht.

_Stani._ Die Toinette Hechingen liest Bcher?

_Hans Karl._ Es scheint. Ein paar alte franzsische Sachen.

_Stani._ Aus dem XVIII. Das pat zu ihren Mbeln.

_Hans Karl_ $(schweigt)$.

_Stani._ Das Boudoir ist scharmant. Die kleine Chaiselongue! Sie ist
signiert.

_Hans Karl._ Ja, die kleine Chaiselongue. Riesener.

_Stani._ Ja, Riesener. Was du fr ein Namensgedchtnis hast! Unten ist
die Signatur.

_Hans Karl._ Ja, unten am Fuende.

_Stani._ Sie verliert immer ihre kleinen Kmme aus den Haaren, und
wenn man sich dann bckt, um die zusammenzusuchen, dann sieht man die
Inschrift.

_Hans Karl_ $(geht nach rechts hinber und schliet die Tr nach der
Bibliothek)$.

_Stani._ Zieht's dir, bist du empfindlich?

_Hans Karl._ Ja, meine Schtzen und ich, wir sind da drauen rheumatisch
geworden wie die alten Jagdhunde.

_Stani._ Weit du, sie spricht scharmant von dir, die Antoinette.

_Hans Karl_ $(raucht)$. Ah!...

_Stani._ Nein, ohne Vergleich. Ich verdanke den Anfang meiner Chance bei
ihr ganz gewi dem Umstand, da sie mich so fabelhaft hnlich mit dir
findet. Zum Beispiel unsere Hnde. Sie ist in Ekstase vor deinen Hnden.
$(Er sieht seine eigene Hand an.)$ Aber bitte, erwhn' nichts von allem
gegen die Mamu. Es ist halt ein weitgehender Flirt, aber deswegen doch
keine Bandelei. Aber die Mamu bertreibt sich alles.

_Hans Karl._ Aber mein guter Stani, wie kme ich denn auf das Thema?

_Stani._ Allmhlich ist sie natrlich auch auf die Unterschiede zwischen
uns gekommen. a va sans dire.

_Hans Karl._ Die Antoinette?

_Stani._ Sie hat mir geschildert, wie der Anfang eurer Freundschaft war.

_Hans Karl._ Ich kenne sie ja ewig lang.

_Stani._ Nein, aber das vor zwei Jahren. Im zweiten Kriegsjahr. Wie
du nach der ersten Verwundung auf Urlaub warst, die paar Tage in der
Grnleiten.

_Hans Karl._ Datiert sie von daher unsere Freundschaft?

_Stani._ Natrlich. Seit damals bist du ihr groer Freund. Als Ratgeber,
als Vertrauter, als was du willst, einfach hors ligne. Du httest dich
benommen wie ein Engel.

_Hans Karl._ Sie bertreibt sehr leicht, die gute Antoinette.

_Stani._ Aber sie hat mir ja haarklein erzhlt, wie sie aus Angst vor
dem Alleinsein in der Grnleiten mit ihrem Mann, der gerade auch auf
Urlaub war, sich den Feri Uhlfeldt, der damals wie der Teufel hinter ihr
her war, auf den nchsten Tag hinausbestellt, wie sie dann dich am Abend
vorher im Theater sieht und es wie eine Inspiration ber sie kommt, sie
dich bittet, du solltest noch abends mit ihr hinausfahren und den Abend
mit ihr und dem Adolf zu dritt verbringen.

_Hans Karl._ Damals hab' ich ihn noch kaum gekannt.

_Stani._ Ja das entre parenthse, das begreift sie gar nicht! Da du
dich spter mit ihm hast so einlassen knnen. Mit diesem den Dummkopf,
diesem Pedanten.

_Hans Karl._ Da tut sie ihrem Mann unrecht, sehr!

_Stani._ Na, da will ich mich nicht einmischen. Aber sie erzhlt das
reizend.

_Hans Karl._ Das ist ja ihre Strke, diese kleinen Konfidenzen.

_Stani._ Ja, damit fangt sie an. Diesen ganzen Abend, ich sehe ihn vor
mir, wie sie dann nach dem Souper dir den Garten zeigt, die reizenden
Terrassen am Flu, wie der Mond aufgeht ...

_Hans Karl._ Ah, so genau hat sie dir das erzhlt.

_Stani._ Und wie du in der einen nchtlichen Konversation die Kraft
gehabt hast, ihr den Feri Uhlfeldt vollkommen auszureden.

_Hans Karl_ $(raucht und schweigt)$.

_Stani._ Das bewundere ich ja so an dir: du redest wenig, bist so
zerstreut und wirkst so stark. Deswegen find ich auch ganz natrlich,
worber sich so viele Leut den Mund zerreien: da du im Herrenhaus
seit anderthalb Jahren deinen Sitz eingenommen hast, aber nie das Wort
ergreifst. Vollkommen in der Ordnung ist das fr einen Herrn wie du
bist! Ein solcher Herr spricht eben durch seine Person! Oh, ich studier
dich. In ein paar Jahren hab ich das. Jetzt hab ich noch zuviel Passion
in mir. Du gehst nie auf die Sache aus und hast so gar keine Suada, das
ist gerade das Elegante an dir. Jeder andere wre in dieser Situation
ihr Liebhaber geworden.

_Hans Karl_ $(mit einem nur in den Augen merklichen Lcheln)$. Glaubst
du?

_Stani._ Unbedingt. Aber ich versteh natrlich sehr gut: in deinen
Jahren bist du zu seris dafr. Es tentiert dich nicht mehr: so leg
ich mir's zurecht. Weit du, das liegt so in mir: ich denk ber alles
nach. Wenn ich Zeit gehabt htt', auf der Universitt zu bleiben -- fr
mich: Wissenschaft, das wre mein Fach gewesen. Ich wre auf Sachen,
auf Probleme gekommen, auf Fragestellungen, an die andere Menschen gar
nicht streifen. Fr mich ist das Leben ohne Nachdenken kein Leben. Zum
Beispiel: Wei man das auf einmal, so auf einen Ruck: Jetzt bin ich kein
junger Herr mehr? -- Das mu ein sehr unangenehmer Moment sein.

_Hans Karl._ Weit du, ich glaub', es kommt ganz allmhlich. Wenn einem
auf einmal der andere bei der Tr vorausgehen lt und du merkst dann:
ja, natrlich, er ist viel jnger, obwohl er auch schon ein erwachsener
Mensch ist.

_Stani._ Sehr interessant. Wie du alles gut beobachtest. Darin bist du
ganz wie ich. Und dann wird's einem so zur Gewohnheit, das ltersein?

_Hans Karl._ Ja, es gibt aber immer noch gewisse Momente, die einen
frappieren. Zum Beispiel, wenn man sich pltzlich klar wird, da man
nicht mehr glaubt, da es Leute gibt, die einem alles erklren knnten.

_Stani._ Eines versteh' ich aber doch nicht, Onkel Kari, da du mit
dieser Reife und konserviert wie du bist, nicht heiratest.

_Hans Karl._ Jetzt.

_Stani._ Ja, eben jetzt. Denn der Mann, der kleine Abenteuer sucht, bist
du doch nicht mehr. Weit du, ich wrde natrlich sofort begreifen, da
sich jede Frau heut' noch fr dich interessiert. Aber die Toinette hat
mir erklrt, warum ein Interesse fr dich nie seris wird.

_Hans Karl._ Ah!

_Stani._ Ja, sie hat viel darber nachgedacht. Sie sagt: du fixierst
nicht, weil du nicht genug Herz hast.

_Hans Karl._ Ah!

_Stani._ Ja, dir fehlt das Eigentliche. Das, sagt sie, ist der enorme
Unterschied zwischen dir und mir. Sie sagt: du hast das Handgelenk immer
geschmeidig, um loszulassen, das sprt eine Frau, und wenn sie selbst im
Begriff gewesen wre, sich in dich zu verlieben, so verhindert das die
Kristallisation.

_Hans Karl._ Ah, so drckt sie sich aus?

_Stani._ Das ist ja ihr groer Charme, da sie eine Konversation hat.
Weit du, das brauch' ich absolut: eine Frau, die mich fixieren soll,
die mu auer ihrer absoluten Hingebung auch eine Konversation haben.

_Hans Karl._ Darin ist sie delizios.

_Stani._ Absolut. Das hat sie: Charme, Geist und Temperament, so wie sie
etwas anderes nicht hat: nmlich Rasse.

_Hans Karl._ Du findest?

_Stani._ Weit du, Onkel Kari, ich bin ja so gerecht; eine Frau kann
hundertmal das uerste an gutem Willen fr mich gehabt haben -- ich
geb' ihr, was sie hat, und ich sehe unerbittlich, was sie nicht hat.
Du verstehst mich: Ich denk' ber alles nach, und mach' mir immer zwei
Kategorien. Also die Frauen teile ich in zwei groe Kategorien: die
Geliebte und die Frau, die man heiratet. Die Antoinette gehrt in die
erste Kategorie, sie kann hundertmal die Frau vom Adolf Hechingen sein,
fr mich ist sie keine Frau, sondern -- das andere.

_Hans Karl._ Das ist ihr Genre, natrlich. Wenn man die Menschen so
einteilen will.

_Stani._ Absolut. Darum ist es, in Parenthese, die grte Dummheit, sie
mit ihrem Mann vershnen zu wollen.

_Hans Karl._ Wenn er aber doch einmal ihr Mann ist? Verzeih', das ist
vielleicht ein sehr spiebrgerlicher Gedanke.

_Stani._ Weit du, verzeih' mir, ich mache mir meine Kategorien, und da
bin ich dann absolut darin, ebenso ber die Galanterie, ebenso ber die
Ehe. Die Ehe ist kein Experiment. Sie ist das Resultat eines richtigen
Entschlusses.

_Hans Karl._ Von dem du natrlich weit entfernt bist.

_Stani._ Aber gar nicht. Augenblicklich bereit, ihn zu fassen.

_Hans Karl._ Im jetzigen Moment?

_Stani._ Ich finde mich auerordentlich geeignet, eine Frau glcklich
zu machen, aber bitte, sag' das der Mamu nicht, ich will mir in allen
Dingen meine volle Freiheit bewahren. Darin bin ich ja haarklein wie du.
Ich vertrage nicht, da man mich beengt.

_Hans Karl_ $(raucht)$.

_Stani_. Der Entschlu mu aus dem Moment hervorgehen. Gleich oder gar
nicht, das ist meine Devise!

_Hans Karl._ Mich interessiert nichts auf der Welt so sehr, als wie man
von einer Sache zur andern kommt. Du wrdest also nie einen Entschlu
vor dich hinschieben?

_Stani._ Nie, das ist die absolute Schwche.

_Hans Karl._ Aber es gibt doch Komplikationen?

_Stani._ Die negiere ich.

_Hans Karl._ Beispielsweise sich kreuzende widersprechende
Verpflichtungen.

_Stani._ Von denen hat man die Wahl, welche man lsen will.

_Hans Karl._ Aber man ist doch in dieser Wahl bisweilen sehr behindert.

_Stani._ Wieso?

_Hans Karl._ Sagen wir durch Selbstvorwrfe.

_Stani._ Das sind Hypochondrien. Ich bin vollkommen gesund. Ich war im
Feld nicht einen Tag krank.

_Hans Karl._ Ah, du bist mit deinem Benehmen immer absolut zufrieden?

_Stani._ Ja, wenn ich das nicht wre, so htte ich mich doch anders
benommen.

_Hans Karl_. Pardon, ich spreche nicht von Unkorrektheiten -- aber
du lt mit einem Wort den Zufall oder nennen wir's das Schicksal
unbedenklich walten?

_Stani._ Wieso? Ich behalte immer alles in der Hand.

_Hans Karl._ Zeitweise ist man aber halt doch versucht, bei solchen
Entscheidungen einen bizarren Begriff einzuschieben: den der hheren
Notwendigkeit.

_Stani._ Was ich tue, ist eben notwendig, sonst wrde ich es nicht tun.

_Hans Karl_ $(interessiert)$. Verzeih', wenn ich aus der aktuellen
Wirklichkeit heraus exemplifiziere -- das schickt sich ja eigentlich
nicht ...

_Stani._ Aber bitte ...

_Hans Karl._ Eine Situation wrde dir, sagen wir, den Entschlu zur
Heirat nahelegen.

_Stani._ Heute oder morgen.

_Hans Karl._ Nun bist du mit der Antoinette in dieser Weise immerhin
befreundet.

_Stani._ Ich brouillier mich mit ihr, von heut' auf morgen!

_Hans Karl._ Ah! Ohne jeden Anla?

_Stani._ Aber der Anla liegt doch immer in der Luft. Bitte. Unsere
Beziehung dauert seit dem Frhjahr. Seit sechs, sieben Wochen ist
irgend etwas an der Antoinette, ich kann nicht sagen, was -- ein
Verdacht wre schon zuviel -- aber die bloe Idee, da sie sich auer
mit mir noch mit jemandem andern beschftigen knnte, weit du, darin
bin ich absolut.

_Hans Karl._ Ah, ja.

_Stani._ Weit du, das ist strker als ich. Ich mchte es gar nicht
Eifersucht nennen, es ist ein derartiges Nichtbegreifenknnen, da
eine Frau, der ich mich attachiert habe, zugleich mit einem andern --
begreifst du?

_Hans Karl._ Aber die Antoinette ist doch so unschuldig, wenn sie etwas
anstellt. Sie hat dann fast noch mehr Charme.

_Stani._ Da verstehe ich dich nicht.


Neunte Szene

_Neugebauer_ $(ist leise eingetreten)$. Hier sind die Briefe, Euer
Erlaucht. Ich habe sie auf den ersten Griff ...

_Hans Karl._ Danke. Bitte, geben Sie mir sie.

_Neugebauer_ $(gibt ihm die Briefe)$.

_Hans Karl._ Danke.

_Neugebauer_ $(ab)$.


Zehnte Szene

_Hans Karl_ $(nach einer kleinen Pause)$. Weit du, wen ich fr den
gebornen Ehemann halte?

_Stani._ Nun?

_Hans Karl._ Den Adolf Hechingen.

_Stani._ Der Antoinette ihren Mann? Hahaha! --

_Hans Karl._ Ich red' ganz im Ernst.

_Stani._ Aber Onkel Kari.

_Hans Karl._ In seinem Attachement an diese Frau ist eine hhere
Notwendigkeit.

_Stani._ Der prdestinierte -- ich will nicht sagen was!

_Hans Karl._ Sein Schicksal geht mir nah'.

_Stani._ Fr mich gehrt er in eine Kategorie: der instinktlose Mensch.
Weit du, an wen er sich anhngt, wenn du nicht im Klub bist? An mich.
Ausgerechnet an mich! Er hat einen Flair!

_Hans Karl._ Ich habe ihn gern.

_Stani._ Aber er ist doch unelegant bis ber die Ohren.

_Hans Karl._ Aber ein innerlich vornehmer Mensch.

_Stani._ Ein uneleganter, schwerflliger Kerl.

_Hans Karl._ Er braucht eine Flasche Champagner ins Blut.

_Stani._ Sag' das nie vor ihm, er nimmt's wrtlich. Ein uneleganter
Mensch ist mir ein Greuel, wenn er getrunken hat.

_Hans Karl._ Ich hab' ihn gern.

_Stani._ Er nimmt alles wrtlich, auch deine Freundschaft fr ihn.

_Hans Karl._ Aber er darf sie wrtlich nehmen.

_Stani._ Pardon, Onkel Kari, bei dir darf man nichts wrtlich nehmen,
wenn man das tut, gehrt man in die Kategorie: Instinktlos.

_Hans Karl._ Aber er ist ein so guter, vortrefflicher Mensch.

_Stani._ Meinetwegen, wenn du das von ihm sagst, aber das ist noch gar
kein Grund, da er immer von deiner Gte spricht. Das geht mir auf
die Nerven. Ein eleganter Mensch hat Bonhomie, aber er ist kein guter
Mensch. Pardon, sag' ich, der Onkel Kari ist ein groer Herr und darum
auch ein groer Egoist, selbstverstndlich. Du verzeihst.

_Hans Karl._ Es ntzt nichts, ich hab' ihn gern.

_Stani._ Das ist eine Bizarrerie von dir! Du hast es doch nicht
notwendig, bizarr zu sein! Du hast doch das Wunderbare, da du mhelos
das vorstellst, was du bist: ein groer Herr! Mhelos! Das ist der groe
Punkt. Der Mensch zweiter Kategorie bemht sich unablssig. Bitte, da
ist dieser Theophil Neuhoff, den man seit einem Jahr berall sieht.
Was ist eine solche Existenz anderes als eine fortgesetzte jmmerliche
Bemhung, ein Genre zu kopieren, das eben nicht sein Genre ist.


Elfte Szene

_Lukas_ $(kommt eilig)$. Darf ich fragen -- haben Euer Erlaucht Befehl
gegeben, da fremder Besuch vorgelassen wird?

_Hans Karl._ Aber absolut nicht. Was ist denn das?

_Lukas._ Da mu der neue Diener eine Konfusion gemacht haben. Eben wird
vom Portier herauftelephoniert, da Herr Baron Neuhoff auf der Treppe
ist. Bitte, zu befehlen, was mit ihm geschehen soll.

_Stani._ Also, im Moment, wo wir von ihm sprechen. Das ist kein Zufall.
Onkel Kari, dieser Mensch ist mein Guignon, und ich beschwre sein
Kommen herauf. Vor einer Woche bei der Helen, ich will ihr eben meine
Ansicht ber den Herrn v. Neuhoff sagen, im Moment steht der Neuhoff
auf der Schwelle. Vor drei Tagen, ich geh' von der Antoinette weg -- im
Vorzimmer steht der Herr v. Neuhoff. Gestern frh bei meiner Mutter, ich
wollte dringend etwas mit ihr besprechen, im Vorzimmer find' ich den
Herrn v. Neuhoff.

_Vinzenz_ $(tritt ein, meldet)$. Herr Baron Neuhoff sind im Vorzimmer.

_Hans Karl._ Jetzt mu ich ihn natrlich empfangen.

_Lukas_ $(winkt: eintreten lassen)$.

_Vinzenz_ $(ffnet die Flgeltr, lt eintreten)$.


Zwlfte Szene

_Neuhoff_ $(tritt ein)$. Guten Abend, Graf Bhl. Ich war so
unbescheiden, nachzusehen, ob Sie zu Hause wren.

_Hans Karl._ Sie kennen meinen Neffen Freudenberg?

_Stani._ Wir haben uns getroffen. $(Sie setzen sich.)$

_Neuhoff._ Ich sollte die Freude haben, Ihnen diesen Abend im
Altenwylschen Hause zu begegnen. Grfin Helene hatte sich ein wenig
darauf gefreut, uns zusammenzufhren. Um so schmerzlicher war mein
Bedauern, als ich durch Grfin Helene diesen Nachmittag erfahren mute,
Sie htten abgesagt.

_Hans Karl._ Sie kennen meine Cousine seit dem letzten Winter?

_Neuhoff._ Kennen -- wenn man das Wort von einem solchen Wesen brauchen
darf. In gewissen Augenblicken gewahrt man erst, wie doppelsinnig das
Wort ist: es bezeichnet das Oberflchlichste von der Welt und zugleich
das tiefste Geheimnis des Daseins zwischen Mensch und Mensch.

_Hans Karl_ $(und Stani wechseln einen Blick)$.

_Neuhoff._ Ich habe das Glck, Grfin Helene nicht selten zu sehen und
ihr in Verehrung anzugehren.

$(Eine kleine, etwas genierte Pause)$.

_Neuhoff._ Heute nachmittag -- wir waren zusammen im Atelier von
Bohuslawsky -- Bohuslawsky macht mein Portrt, das heit, er qult sich
unverhltnismig, den Ausdruck meiner Augen festzuhalten: er spricht
von einem gewissen Etwas darin, das nur in seltenen Momenten sichtbar
wird -- und es war seine Bitte, da die Grfin Helene einmal dieses Bild
ansehen und ihm ber diese Augen ihre Kritik geben mchte -- da sagt sie
mir: Graf Bhl kommt nicht, gehen Sie zu ihm. Besuchen Sie ihn, ganz
einfach. Es ist ein Mann, bei dem die Natur, die Wahrheit alles erreicht
und die Absicht nichts. Ein wunderbarer Mann in unserer absichtsvollen
Welt, war meine Antwort -- aber so hab' ich mir ihn gedacht, so hab' ich
ihn erraten, bei der ersten Begegnung.

_Stani._ Sie sind meinem Onkel im Felde begegnet?

_Neuhoff._ Bei einem Stab.

_Hans Karl._ Nicht in der sympathischesten Gesellschaft.

_Neuhoff._ Das merkte man Ihnen an, Sie sprachen unendlich wenig.

_Hans Karl_ $(lchelnd)$. Ich bin kein groer Causeur, nicht wahr, Stani?

_Stani._ In der Intimitt schon!

_Neuhoff._ Sie sprechen es aus, Graf Freudenberg, Ihr Onkel liebt es,
in Gold zu zahlen; er hat sich an das Papiergeld des tglichen Verkehrs
nicht gewhnen wollen. Er kann mit seiner Rede nur seine Intimitt
vergeben, und die ist unschtzbar.

_Hans Karl._ Sie sind uerst freundlich, Baron Neuhoff.

_Neuhoff._ Sie mten sich von Bohuslawsky malen lassen, Graf Bhl.
Sie wrde er in drei Sitzungen treffen. Sie wissen, da seine Strke
das Kinderportrt ist. Ihr Lcheln ist genau die Andeutung eines
Kinderlachens. Miverstehen Sie mich nicht. Warum ist denn Wrde so ganz
unnachahmlich? Weil ein Etwas von Kindlichkeit in ihr steckt. Auf dem
Umweg ber die Kindlichkeit wrde Bohuslawsky vermgen, einem Bilde von
Ihnen das zu geben, was in unserer Welt das Seltenste ist, und was ihre
Erscheinung in hohem Mae auszeichnet: Wrde. Denn wir leben in einer
wrdelosen Welt.

_Hans Karl._ Ich wei nicht, von welcher Welt Sie sprechen: uns allen
ist drauen soviel Wrde entgegengetreten ...

_Neuhoff._ Deswegen war ein Mann wie Sie drauen so in seinem Element.
Was haben Sie geleistet, Graf Bhl! Ich erinnere mich des Unteroffiziers
im Spital, der mit Ihnen und den dreiig Schtzen verschttet war.

_Hans Karl._ Mein braver Zugfhrer, der Htter Franz! Meine Cousine hat
Ihnen davon erzhlt?

_Neuhoff._ Sie hat mir erlaubt, sie bei diesem Besuch ins Spital zu
begleiten. Ich werde nie das Gesicht und die Rede dieses Sterbenden
vergessen.

_Hans Karl_ $(sagt nichts)$.

_Neuhoff._ Er sprach ausschlielich von Ihnen. Und in welchem Ton! Er
wute, da sie eine Verwandte seines Hauptmanns war, mit der er sprach.

_Hans Karl._ Der arme Htter Franz!

_Neuhoff._ Vielleicht wollte mir die Grfin Helene eine Idee von Ihrem
Wesen geben, wie tausend Begegnungen im Salon sie nicht vermitteln
knnen.

_Stani_ $(etwas scharf)$. Vielleicht hat sie vor allem den Mann selbst
sehen und vom Onkel Kari hren wollen.

_Neuhoff._ In einer solchen Situation wird ein Wesen wie Helene Altenwyl
erst ganz sie selbst. Unter dieser vollkommenen Einfachheit, diesem
Stolz der guten Rasse verbirgt sich ein Strmen der Liebe, eine alle
Poren durchdringende Sympathie: es gibt von ihr zu einem Wesen, das sie
sehr liebt und achtet, namenlose Verbindungen, die nichts lsen knnte,
und an die nichts rhren darf. Wehe dem Gatten, der nicht verstnde,
diese namenlose Verbundenheit bei ihr zu achten, der engherzig genug
wre, alle diese verteilten Sympathien auf sich vereinigen zu wollen.

$(Eine kleine Pause)$.

_Hans Karl_ $(raucht)$.

_Neuhoff._ Sie ist wie Sie: eines der Wesen, um die man nicht werben
kann: die sich einem schenken mssen.

$(Abermals eine kleine Pause)$.

_Neuhoff_ $(mit einer groen, vielleicht nicht ganz echten Sicherheit)$.
Ich bin ein Wanderer, meine Neugierde hat mich um die halbe Welt
getrieben. Das, was schwierig zu kennen ist, fasziniert mich; was sich
verbirgt, zieht mich an. Ich mchte ein stolzes, kostbares Wesen, wie
Grfin Helene, in Ihrer Gesellschaft sehen, Graf Bhl. Sie wrde eine
andere werden, sie wrde aufblhen: denn ich kenne niemanden, der so
sensibel ist fr menschliche Qualitt.

_Hans Karl._ Das sind wir hier ja alle ein bichen. Vielleicht ist das
gar nichts so Besonderes an meiner Cousine.

_Neuhoff._ Ich denke mir die Gesellschaft, die ein Wesen wie Helene
Altenwyl umgeben mte, aus Mnnern Ihrer Art bestehend. Jede Kultur
hat ihre Blten: Gehalt ohne Prtention, Vornehmheit gemildert durch
eine unendliche Grazie, so ist die Blte dieser alten Gesellschaft
beschaffen, der es gelungen ist, was die Ruinen von Luxor und die Wlder
des Kaukasus nicht vermochten, einen Unstten, wie mich, in ihrem
Bannkreis festzuhalten. Aber, erklren Sie mir eins, Graf Bhl. Gerade
die Mnner Ihres Schlages, von denen die Gesellschaft ihr eigentliches
Geprge empfngt, begegnet man allzu selten in ihr. Sie scheinen ihr
auszuweichen.

_Stani._ Aber gar nicht, Sie werden den Onkel Kari gleich heute abend
bei Altenwyls sehen, und ich frchte sogar, so gemtlich dieser kleine
Plausch hier ist, so mssen wir ihm bald Gelegenheit geben, sich
umzuziehen. $(Er ist aufgestanden.)$

_Neuhoff._ Mssen wir das, so sage ich Ihnen fr jetzt adieu, Graf Bhl.
Wenn Sie jemals, sei es in welcher Lage immer, eines fahrenden Ritters
bedrfen sollten $(schon im Gehen)$, der dort, wo er das Edle, das Hohe
ahnt, ihm unbedingt und ehrfrchtig zu dienen gewillt ist, so rufen Sie
mich.

_Hans Karl_ $(dahinter Stani, begleiten ihn. Wie sie an der Tr sind,
klingelt das Telephon.)$

_Neuhoff._ Bitte, bleiben Sie, der Apparat begehrt nach Ihnen.

_Stani._ Darf ich Sie bis an die Stiege begleiten?

_Hans Karl_ $(an der Tr)$. Ich danke Ihnen sehr fr Ihren guten Besuch,
Baron Neuhoff.

_Neuhoff_ $(und Stani ab)$.

_Hans Karl_ $(allein mit dem heftig klingelnden Apparat, geht an die
Wand und drckt an den Zimmertelegraph, rufend)$: Lukas, abstellen! Ich
mag diese indiskrete Maschine nicht! Lukas! $(Das Klingeln hrt auf.)$


Dreizehnte Szene

_Stani_ $(kommt zurck)$. Nur fr eine Sekunde, Onkel Kari, wenn du mir
verzeihst. Ich hab' mssen dein Urteil ber diesen Herrn hren!

_Hans Karl._ Das deinige scheint ja fix und fertig zu sein.

_Stani._ Ah, ich find' ihn einfach unmglich. Ich verstehe einfach eine
solche Figur nicht. Und dabei ist der Mensch ganz gut geboren!

_Hans Karl._ Und du findest ihn so unannehmbar?

_Stani._ Aber ich bitte: so viel Taktlosigkeiten als Worte.

_Hans Karl._ Er will sehr freundlich sein, er will fr sich gewinnen.

_Stani._ Aber man hat doch eine Assurance, man kriecht wildfremden
Leuten doch nicht in die Westentasche.

_Hans Karl._ Und er glaubt allerdings, da man etwas aus sich
machen kann -- das wrde ich als eine Naivitt ansehen oder als
Erziehungsfehler.

_Stani_ $(geht aufgeregt auf und ab)$. Diese Tiraden ber die Helen!

_Hans Karl._ Da ein Mdel wie die Helen mit ihm Konversation ber
unsereinen fhrt, macht mir auch keinen Spa.

_Stani._ Daran ist gewi kein wahres Wort. Ein Kerl, der kalt und warm
aus einem Munde blast.

_Hans Karl._ Es wird alles sehr hnlich gewesen sein, wie er sagt. Aber
es gibt Leute, in deren Mund sich alle Nuancen verndern, unwillkrlich.

_Stani._ Du bist von einer Toleranz!

_Hans Karl._ Ich bin halt sehr alt, Stani.

_Stani._ Ich rgere mich jedenfalls rasend, das ganze Genre bringt mich
auf, diese falsche Sicherheit, diese lige Suada, dieses Kokettieren mit
seinem odiosen Spitzbart.

_Hans Karl._ Er hat Geist, aber es wird einem nicht wohl dabei.

_Stani._ Diese namenlosen Indiskretionen. Ich frage: was geht ihn dein
Gesicht an?

_Hans Karl._ Au fond ist man vielleicht ein bedauernswerter Mensch, wenn
man so ist.

_Stani._ Ich nenne ihn einen odiosen Kerl. Jetzt mu ich aber zur Mamu
hinauf. Ich seh' dich jedenfalls in der Nacht im Klub, Onkel Kari.

_Agathe_ $(sieht leise bei der Tr rechts herein, sie glaubt Hans Karl
allein)$.

_Stani_ $(kommt noch einmal nach vorne)$.

_Hans Karl_ $(winkt Agathe zu verschwinden)$.

_Stani._ Weit du, ich kann mich nicht beruhigen. Erstens die Bassesse,
einem Herrn wie dir ins Gesicht zu schmeicheln.

_Hans Karl._ Das war nicht sehr elegant.

_Stani._ Zweitens das Affichieren einer wei Gott wie dicken
Freundschaft mit der Helen. Drittens die Spionage, ob du dich fr sie
interessierst.

_Hans Karl_ $(lchelnd)$. Meinst du, er hat ein bil das Terrain
sondieren wollen?

_Stani._ Viertens diese malos indiskrete Anspielung auf seine
knftige Situation. Er hat sich uns ja geradezu als ihren Zuknftigen
vorgestellt. Fnftens dieses odiose Perorieren, das es einem unmglich
macht, auch nur einmal die Replique zu geben. Sechstens dieser
unmgliche Abgang. Das war ja ein Geburtstagswunsch, ein Leitartikel.
Aber ich halt dich auf, Onkel Kari.

_Agathe_ $(ist wieder in der Tr erschienen, gleiches Spiel wie
frher)$.

_Stani_ $(war schon im Verschwinden, kommt wieder nach vorne)$. Darf ich
noch einmal? Das eine kann ich nicht begreifen, da dir die Sache wegen
der Helen nicht nher geht!

_Hans Karl._ Inwiefern mir?

_Stani._ Pardon, %mir% steht die Helen zu nahe, als da ich diese
unmgliche Phrase von Verehrung und Angehren goutieren knnt'. Wenn
man die Helen von klein auf kennt, wie eine Schwester!

_Hans Karl._ Es kommt ein Moment, wo die Schwestern sich von den Brdern
trennen.

_Stani._ Aber nicht fr einen Neuhoff. Ah, ah!

_Hans Karl._ Eine kleine Dosis von Unwahrheit ist den Frauen sehr
sympathisch.

_Stani._ So ein Kerl drfte nicht in die Nhe von der Helen.

_Hans Karl._ Wir werden es nicht hindern knnen.

_Stani._ Ah, das mcht' ich sehen. Nicht in die Nhe!

_Hans Karl._ Er hat uns die kommende Verwandtschaft angekndigt.

_Stani._ In welchem Zustand mu die Helen sein, wenn sie sich mit diesem
Menschen einlt.

_Hans Karl._ Weit du, ich habe mir abgewhnt, aus irgendeiner Handlung
von Frauen Folgerungen auf ihren Zustand zu ziehen.

_Stani._ Nicht, da ich eiferschtig wre; aber mir eine Person wie
die Helen -- als Frau dieses Neuhoff zu denken, das ist fr mich eine
derartige Unbegreiflichkeit -- die Idee ist mir einfach unfalich -- ich
mu sofort mit der Mamu davon sprechen.

_Hans Karl_ $(lchelnd)$. Ja, tu das, Stani. --

_Stani_ $(ab)$.


Vierzehnte Szene

_Lukas_ $(tritt ein)$. Ich frchte, das Telephon war hereingestellt.

_Hans Karl._ Ich will das nicht.

_Lukas._ Sehr wohl, Euer Erlaucht. Der neue Diener mu es umgestellt
haben, ohne da ich's bemerkt habe. Er hat berall die Hnde und die
Ohren, wo er sie nicht haben soll.

_Hans Karl._ Morgen um sieben Uhr frh expedieren.

_Lukas._ Sehr wohl. Der Diener vom Herrn Grafen Hechingen war am
Telephon. Der Herr Graf mchten selbst gern sprechen wegen heute abend:
ob Erlaucht in die Soiree zu Graf Altenwyl gehen oder nicht. Nmlich,
weil die Frau Grfin auch dort sein wird.

_Hans Karl._ Rufen Sie jetzt bei Graf Altenwyl an und sagen Sie,
ich habe mich freigemacht, lasse um Erlaubnis bitten, trotz meiner
Absage doch zu erscheinen. Und dann verbinden Sie mich mit dem Grafen
Hechingen, ich werde selbst sprechen. Und bitten Sie indes die
Kammerfrau, hereinzukommen.

_Lukas._ Sehr wohl. $(Geht ab, Agathe herein.)$


Fnfzehnte Szene

_Hans Karl_ $(nimmt das Paket mit den Briefen)$. Hier sind die Briefe.
Sagen Sie der Frau Grfin, da ich mich von diesen Briefen darum trennen
kann, weil die Erinnerung an das Schne fr mich unzerstrbar ist: ich
werde sie nicht in einem Brief finden, sondern berall.

_Agathe._ Oh, ich kss' die Hand! Ich bin ja so glcklich. Jetzt wei
ich, da meine Frau Grfin unsern Herrn Grafen bald wiedersehen wird.

_Hans Karl._ Sie wird mich heut' abend sehen. Ich werde auf die Soiree
kommen.

_Agathe._ Und drften wir hoffen, da sie -- da derjenige, der ihr
entgegentritt, der gleiche sein wird wie immer?

_Hans Karl._ Sie hat keinen besseren Freund.

_Agathe._ Oh, ich kss' die Hand.

_Hans Karl._ Sie hat nur zwei wahre Freunde auf der Welt: mich und ihren
Mann.

_Agathe._ Oh, mein Gott, das will ich nicht hren. Oh Gott, oh Gott, das
Unglck, da sich unser Herr Graf mit dem Grafen Hechingen befreundet
hat. Meiner Frau Grfin bleibt wirklich nichts erspart.

_Hans Karl_ $(geht nervs ein paar Schritte von ihr weg)$. Ja, ahnen
denn die Frauen so wenig, was ein Mann ist?! Und wer sie wirklich lieb
hat!

_Agathe._ Oh, nur das nicht. Wir lassen uns ja von Euer Erlaucht alles
einreden, aber das nicht, das ist zu viel!

_Hans Karl_ $(auf und ab)$. Also nicht. Nicht helfen knnen! Nicht so
viel! $(Pause.)$

_Agathe_ $(schchtern und an ihn herantretend)$. Oder versuchen Sie's
doch. Aber nicht durch mich: fr eine solche Botschaft bin ich zu
ungebildet. Da htte ich nicht die richtigen Ausdrcke. Und auch
nicht brieflich. Das gibt nur Miverstndnisse. Aber Aug' in Aug': ja,
gewi! Da werden Sie schon was ausrichten! Was sollen Sie bei meiner
Frau Grfin nicht ausrichten! Nicht vielleicht beim erstenmal. Aber
wiederholt -- wenn Sie ihr recht eindringlich ins Gewissen reden --
wie sollte sie Ihnen denn da widerstehen knnen? $(Das Telephon lutet
wieder.)$

_Hans Karl_ $(geht ans Telephon und spricht hinein)$. Ja, ich bin es
selbst. Hier. Ja, ich bin am Apparat. Ich bleibe. Graf Bhl. Ja, selbst.

_Agathe._ Ich kss' die Hand. $(Geht schnell ab, durch die Mitteltr.)$

_Hans Karl_ $(am Telephon)$. Hechingen, guten Abend! Ja, ich hab's
mir berlegt. Ich habe zugesagt. Ich werde Gelegenheit nehmen. Gewi.
Ja, das hat mich bewogen, hinzugehen. Gerade auf einer Soiree, da ich
nicht Bridge spiele und deine Frau, wie ich glaube, auch nicht. Kein
Anla. Auch dazu ist kein Anla. Zu deinem Pessimismus. Zu deinem
Pessimismus! Du verstehst nicht? Zu deiner Traurigkeit ist kein Anla.
Absolut bekmpfen! Allein? Also die berhmte Flasche Champagner. Ich
bringe bestimmt das Resultat vor Mitternacht. bertriebene Hoffnungen
natrlich auch nicht. Du weit, da ich das Mgliche versuchen werde. Es
entspricht doch auch meiner Empfindung. Es entspricht meiner Empfindung!
Wie? Gestrt? Ich habe gesagt: Es entspricht meiner Empfindung.
Empfindung! Eine ganz gleichgltige Phrase! Keine Frage, eine Phrase!
Ich habe eine gleichgltige Phrase gesagt! Welche? Es entspricht meiner
Empfindung. Nein, ich nenne es nur eine gleichgltige Phrase, weil du es
so lange nicht verstanden hast. Ja. Ja. Ja! Adieu. Schlu! $(Lutet.)$
Es gibt Menschen, mit denen sich alles kompliziert, und dabei ist das so
ein exzellenter Kerl!


Sechzehnte Szene

_Stani_ $(aufs neue in der Mitteltr)$. Ist es sehr unbescheiden, Onkel
Kari?

_Hans Karl._ Aber bitte, ich bin zur Verfgung.

_Stani_ $(vorne bei ihm)$. Ich mu dir melden, Onkel Kari, da ich
inzwischen eine Konversation mit der Mamu gehabt habe und zu einem
Resultat gekommen bin.

_Hans Karl_ $(sieht ihn an)$.

_Stani._ Ich werde mich mit der Helen Altenwyl verloben.

_Hans Karl._ Du wirst dich ...

_Stani._ Ja, ich bin entschlossen, die Helen zu heiraten. Nicht heute
und nicht morgen, aber in der allernchsten Zeit. Ich habe alles
durchgedacht. Auf der Stiege von hier bis in den zweiten Stock hinauf.
Wie ich zur Mamu in den zweiten Stock gekommen bin, war alles fix und
fertig. Weit du, die Idee ist mir pltzlich gekommen, wie ich bemerkt
hab', du interessierst dich nicht fr die Helen.

_Hans Karl._ Aha.

_Stani._ Begreifst du? Es war so eine Idee von der Mamu. Sie behauptet,
man wei nie, woran man mit dir ist -- am Ende httest du doch daran
gedacht, die Helen zu nehmen -- und du bist doch fr die Mamu immer der
Familienchef, ihr Herz ist halt ganz Bhlisch.

_Hans Karl_ $(halb abgewandt)$. Die gute Crescence!

_Stani._ Aber ich hab' immer widersprochen. Ich verstehe ja jede Nuance
von dir. Ich hab' von jeher gefhlt, da von einem Interesse fr die
Helen bei dir nicht die Idee sein kann.

_Hans Karl_ $(dreht sich pltzlich zu ihm um)$. Und deine Mutter?

_Stani._ Die Mamu?

_Hans Karl._ Ja, wie hat sie es aufgefat?

_Stani._ Feuer und Flamme natrlich. Sie hat ein ganz rotes Gesicht
bekommen vor Freude. Wundert dich das, Onkel Kari?

_Hans Karl._ Nur ein bil, nur eine Idee -- ich hab' immer den Eindruck
gehabt, da deine Mutter einen bestimmten Gedanken hat in bezug auf die
Helen.

_Stani._ Eine Aversion?

_Hans Karl._ Gar nicht. Nur eine Ansicht. Eine Vermutung.

_Stani._ Frher, die frheren Jahre?

_Hans Karl._ Nein, vor einer halben Stunde.

_Stani._ In welcher Richtung? Aber die Mamu ist ja so eine Windfahn'!
Das vergit sie ja im Moment. Vor einem Entschlu von mir, da ist sie
sofort auf den Knien. Da sprt sie den Mann. Sie adoriert das fait
accompli.

_Hans Karl._ Also, du hast dich entschlossen? --

_Stani._ Ja, ich bin entschlossen.

_Hans Karl._ So auf eins, zwei!

_Stani._ Das ist doch genau das, worauf es ankommt. Das imponiert ja den
Frauen so enorm an mir. Dadurch eben behalte ich immer die Fhrung in
der Hand.

_Hans Karl_ $(raucht)$.

_Stani._ Siehst du, du hast vielleicht frher auch einmal daran gedacht,
die Helen zu heiraten ...

_Hans Karl._ Gott, vor Jahren vielleicht. In irgendeinem Moment, wie man
an tausend Sachen denkt.

_Stani._ Begreifst du? Ich hab' nie daran gedacht! Aber im Augenblick,
wo ich es denke, bring' ich es auch zu Ende. -- Du bist verstimmt?

_Hans Karl._ Ich habe ganz unwillkrlich einen Moment an die Antoinette
denken mssen.

_Stani._ Aber jede Sache auf der Welt mu doch ihr Ende haben.

_Hans Karl._ Natrlich. Und das beschftigt dich gar nicht, ob die
Helen frei ist? Sie scheint doch zum Beispiel diesem Neuhoff Hoffnungen
gegeben zu haben.

_Stani._ Das ist ja genau mein Kalkul. ber Hoffnungen, die sich der
Herr v. Neuhoff macht, gehe ich einfach hinweg. Und da fr die Helen
ein Theophil Neuhoff berhaupt in Frage kommen kann, das beweist doch
gerade, da eine ernste Okkupation bei ihr nicht vorhanden ist. Solche
Komplikationen statuier ich nicht. Das sind Launen, oder sagen wir das
Wort: Verirrungen.

_Hans Karl._ Sie ist schwer zu kennen.

_Stani._ Aber ich kenn' doch ihr Genre. In letzter Linie kann die sich
fr keinen Typ von Mnnern interessieren als fr den unsrigen; alles
andere ist eine Verirrung. Du bist so still, hast du dein Kopfweh?

_Hans Karl._ Aber gar nicht. Ich bewundere deinen Mut.

_Stani._ Du und Mut und bewundern?

_Hans Karl._ Das ist eine andere Art von Mut als der im Graben.

_Stani._ Ja, ich versteh' dich ja so gut, Onkel Kari. Du denkst an die
Chancen, die ich sonst noch im Leben gehabt htte. Du hast das Gefhl,
da ich mich vielleicht zu billig weggeb'. Aber siehst du, da bin ich
wieder ganz anders: ich liebe das Vernnftige und Definitive. Du, Onkel
Kari, bist au fond, verzeih', da ich es heraussage, ein Idealist: deine
Gedanken gehen auf das Absolute, auf das Vollkommene. Das ist ja sehr
elegant gedacht, aber unrealisierbar. Au fond bist du da wie die Mamu;
der ist nichts gut genug fr mich. Ich habe die Sache durchgedacht, wie
sie ist. Die Helen ist ein Jahr jnger wie ich.

_Hans Karl._ Ein Jahr?

_Stani._ Sie ist ausgezeichnet geboren.

_Hans Karl._ Man kann nicht besser sein.

_Stani._ Sie ist elegant.

_Hans Karl._ Sehr elegant.

_Stani._ Sie ist reich.

_Hans Karl._ Und vor allem so hbsch.

_Stani._ Sie hat Rasse.

_Hans Karl._ Ohne Vergleich.

_Stani._ Bitte, vor allem in den zwei Punkten, auf die in der Ehe alles
ankommt. Primo: sie kann nicht lgen, secundo: sie hat die besten
Manieren von der Welt.

_Hans Karl._ Sie ist so delizios artig, wie sonst nur alte Frauen sind.

_Stani._ Sie ist gescheit wie der Tag.

_Hans Karl._ Wem sagst du das? Ich hab' ihre Konversation so gern.

_Stani._ Und sie wird mich mit der Zeit adorieren.

_Hans Karl_ $(vor sich, unwillkrlich)$. Auch das ist mglich.

_Stani._ Aber nicht mglich. Ganz bestimmt. Bei diesem Genre von Frauen
bringt das die Ehe mit sich. In der Liaison hngt alles von Umstnden
ab, da sind Bizarrerien mglich, Tuschungen, Gott wei was. In der Ehe
beruht alles auf der Dauer; auf die Dauer nimmt jeder die Qualitt des
andern derart in sich auf, da von einer wirklichen Differenz nicht mehr
die Rede sein kann: unter der einen Voraussetzung, da die Ehe aus dem
richtigen Entschlu hervorgeht. Das ist der Sinn der Ehe.


Siebzehnte Szene

_Lukas_ $(eintretend)$. Frau Grfin Freudenberg.

_Crescence_ $(an Lukas vorbei, tritt schnell ein)$. Also, was sagt er
mir zu dem Buben, Kari? Ich bin ja berglcklich. Gratulier' er mir
doch!

_Hans Karl_ $(ein wenig abwesend)$. Meine gute Crescence. Ich wnsch'
den allergrten Erfolg.

_Stani_ $(empfiehlt sich stumm)$.

_Crescence._ Schick' er mir das Auto retour.

_Stani._ Bitte, zu verfgen. Ich gehe zu Fu. $(Geht.)$


Achtzehnte Szene

_Crescence._ Der Erfolg wird sehr stark von dir abhngen.

_Hans Karl._ Von mir? Ihm steht's doch auf der Stirne geschrieben, da
er erreicht, was er sich vornimmt.

_Crescence._ Fr die Helen ist dein Urteil alles.

_Hans Karl._ Wieso Crescence, inwiefern?

_Crescence._ Fr den Vater Altenwyl natrlich noch mehr. Der Stani ist
eine sehr nette Partie, aber nicht epatant. Darber mach' ich mir keine
Illusionen. Aber wenn er ihn appuiiert, Kari, ein Wort von ihm hat
gerade fr die alten Leut' so viel Gewicht. Ich wei gar nicht, woran
das liegt.

_Hans Karl._ Ich gehr' halt selbst schon bald zu ihnen.

_Crescence._ Kokettier' er nicht mit seinem Alter. Wir zwei sind nicht
alt und nicht jung. Aber ich hasse schiefe Positionen. Ich mcht' schon
lieber mit grauem Haar und einer Hornbrille dasitzen.

_Hans Karl._ Darum legt sie sich zeitig aufs Heiratstiften.

_Crescence._ Ich habe immer fr ihn tun wollen, Kari, schon vor zwlf
Jahren. Aber er hat immer diesen stillen obstinaten Widerspruch in sich
gehabt.

_Hans Karl._ Meine gute Crescence!

_Crescence._ Hundertmal hab' ich ihm gesagt: sag' er mir, was er
erreichen will, und ich nehm's in die Hand.

_Hans Karl._ Ja, das hat sie mir oft gesagt, wei Gott, Crescence.

_Crescence._ Aber man hat ja bei ihm nicht gewut, woran man ist!

_Hans Karl_ $(nickt)$.

_Crescence._ Und jetzt macht halt der Stani, was er nicht hat machen
wollen. Ich kann gar nicht erwarten, da wieder kleine Kinder in
Hohenbhl und in Gllersdorf herumlaufen.

_Hans Karl._ Und in den Schloteich fallen! Wei sie noch, wie sie mich
halbtot herausgezogen haben? Wei sie -- ich hab' manchmal die Idee, da
gar nichts Neues auf der Welt passiert.

_Crescence._ Wie meint er das?

_Hans Karl._ Das alles schon lngst irgendwo fertig dasteht und nur auf
einmal erst sichtbar wird. Weit du, wie im Hohenbhler Teich, wenn
man im Herbst das Wasser abgelassen hat, auf einmal die Karpfen und
die Schweife von den steinernen Tritonen da waren, die man frher kaum
gesehen hat? Eine burleske Idee, was!

_Crescence._ Ist er denn auf einmal schlecht aufgelegt, Kari?

_Hans Karl_ $(gibt sich einen Ruck)$. Im Gegenteil, Crescence. Ich danke
euch so sehr, als ich nur kann, ihr und dem Stani, fr das gute Tempo,
das ihr mir gebt mit eurer Frische und eurer Entschiedenheit. $(Er kt
ihr die Hand.)$

_Crescence._ Findet er, da ihm das gut tut, uns in der Nhe zu haben?

_Hans Karl._ Ich hab' jetzt einen sehr guten Abend vor mir. Zuerst eine
ernste Konversation mit der Toinette....

_Crescence._ Aber das brauchen wir ja jetzt gar nicht!

_Hans Karl._ Ah, ich red' doch mit ihr, jetzt hab' ich es mir einmal
vorgenommen, und dann soll ich also als Onkel vom Stani die gewissen
serisen Unterhaltungen anknpfen.

_Crescence._ Das Wichtigste ist, da du ihn bei der Helen ins richtige
Licht stellst.

_Hans Karl._ Da hab' ich also ein richtiges Programm. Sieht sie, wie sie
mich reformiert? Aber wei sie, vorher -- ich hab' eine Idee -- vorher
geh' ich fr eine Stunde in den Zirkus, da haben sie jetzt einen Clown
-- eine Art von dummem August ...

_Crescence._ Der Furlani, ber den ist die Nanni ganz verrckt. Ich hab'
gar keinen Sinn fr diese Spe.

_Hans Karl._ Ich find' ihn delizios. Mich unterhlt er viel mehr als die
gescheiteste Konversation von Gott wei wem. Ich freu' mich rasend. Ich
gehe in den Zirkus, dann esse ich einen Bissen in einem Restaurant, und
dann komm' ich sehr munter in die Soiree und absolvier mein Programm.

_Crescence._ Ja, er kommt und richtet dem Stani die Helen in die Hand,
so was kann er ja so gut. Er wre doch ein so wunderbarer Botschafter
geworden, wenn er htt' wollen in der Karriere bleiben.

_Hans Karl._ Dazu is es halt auch zu spt.

_Crescence._ Also, amsier er sich gut und komm' er bald nach.

_Hans Karl_ $(begleitet sie bis an die Tr, Crescence geht)$.


Neunzehnte Szene

_Hans Karl_ $(kommt nach vorn)$.

_Lukas_ $(ist mit ihm hereingetreten)$.

_Hans Karl._ Ich ziehe den Frack an. Ich werde gleich luten.

_Lukas._ Sehr wohl, Eure Erlaucht.

_Hans Karl_ $(links ab)$.


Zwanzigste Szene

_Vinzenz_ $(tritt von rechts ein)$. Was machen Sie da?

_Lukas._ Ich warte auf das Glockenzeichen vom Toilettezimmer, dann geh'
ich hinein helfen.

_Vinzenz._ Ich werde mit hineingehen. Es ist ganz gut, wenn ich mich an
ihn gewhne.

_Lukas._ Es ist nicht befohlen, also bleiben Sie drauen.

_Vinzenz_ $(nimmt sich eine Zigarre)$. Sie, das ist doch ganz ein
einfacher, umgnglicher Mensch, die Verwandten machen ja mit ihm, was
sie wollen. In einem Monat wickel ich ihn um den Finger.

_Lukas_ $(schliet die Zigarren ein. Man hrt eine Klingel)$.

_Lukas_ $(beeilt sich)$.

_Vinzenz._ Bleiben Sie nur noch. Er soll zweimal luten. $(Setzt sich in
einen Fauteuil.)$

_Lukas_ $(ab in seinem Rcken)$.

_Vinzenz_ $(vor sich)$. Liebesbriefe stellt er zurck, den Neffen
verheiratet er, und er selber hat sich entschlossen, als ltlicher
Junggeselle so dahinzuleben mit mir. Das ist genau, wie ich mir's
vorgestellt habe. $(ber die Schulter nach rckwrts, ohne sich
umzudrehen.)$ Sie, Herr Schtz, ich bin ganz zufrieden, da bleib' ich!

     $Der Vorhang fllt.$




_ZWEITER AKT_


     $Bei Altenwyls. Kleiner Salon im Geschmack des XVIII.
     Jahrhunderts. Tren links, rechts und in der Mitte. _Altenwyl_ mit
     _Hans Karl_ eintretend von rechts. _Crescence_ mit _Helene_ und
     _Neuhoff_ stehen links im Gesprch.$


Erste Szene

_Altenwyl._ Mein lieber Kari, ich rechne dir dein Kommen doppelt
hoch an, weil du nicht Bridge spielst und also mit den bescheidenen
Fragmenten von Unterhaltung vorlieb nehmen willst, die einem heutzutage
in einem Salon noch geboten werden. Du findest bekanntlich bei mir immer
nur die paar alten Gesichter, keine Knstler und sonstige Zelebritten
-- die Edine Merenberg ist ja auerordentlich unzufrieden mit dieser
altmodischen Hausfhrung, aber weder meine Helen noch ich goutieren
das Genre von Geselligkeit, was der Edine ihr Hchstes ist: wo sie
beim ersten Lffel Suppe ihren Tischnachbar interpelliert, ob er an
die Seelenwanderung glaubt, oder ob er schon einmal mit einem Fakir
Bruderschaft getrunken hat.

_Crescence._ Ich mu Sie dementieren, Graf Altenwyl, ich hab' drben
an meinem Bridgetisch ein ganz neues Gesicht, und wie die Mariette
Stradonitz mir zugewispelt hat, ist es ein weltberhmter Gelehrter, von
dem wir noch nie was gehrt haben, weil wir halt alle Analphabeten sind.

_Altenwyl._ Der Professor Brcke ist in seinem Fach eine groe
Zelebritt und mir ein lieber politischer Kollege. Er geniet es
auerordentlich, in einem Salon zu sein, wo er keinen Kollegen aus der
gelehrten Welt findet, sozusagen als der einzige Vertreter des Geistes
in einem rein sozialen Milieu, und da ihm mein Haus diese bescheidene
Annehmlichkeit bieten kann --

_Crescence._ Ist er verheiratet?

_Altenwyl._ Ich habe jedenfalls nie die Ehre gehabt, Madame Brcke zu
Gesicht zu bekommen.

_Crescence._ Ich find' die berhmten Mnner odios, aber ihre Frau'n
noch rger. Darin bin ich mit dem Kari einer Meinung. Wir schwrmen fr
triviale Menschen und triviale Unterhaltungen, nicht Kari?

_Altenwyl._ Ich hab' darber meine altmodische Auffassung, die Helen
kennt sie.

_Crescence._ Der Kari soll sagen, da er mir recht gibt. Ich find', neun
Zehntel von dem, was unter der Marke von Geist geht, ist nichts als
Geschwtz.

_Neuhoff_ $(zu Helene)$. Sind Sie auch so streng, Grfin Helene?

_Helene._ Wir haben alle Ursache, wir jngeren Menschen, wenn uns
vor etwas auf der Welt grausen mu, so davor: da es etwas gibt wie
Konversation; Worte, die alles Wirkliche verflachen und im Geschwtz
beruhigen.

_Crescence._ Sag, da du mir recht gibst, Kari!

_Hans Karl._ Ich bitte um Nachsicht. Der Furlani ist keine Vorbereitung
darauf, etwas Gescheites zu sagen.

_Altenwyl._ In meinen Augen ist Konversation das, was jetzt kein Mensch
mehr kennt: nicht selbst perorieren, wie ein Wasserfall, sondern dem
andern das Stichwort bringen. Zu meiner Zeit hat man gesagt: wer zu mir
kommt, mit dem mu ich die Konversation so fhren, da er, wenn er die
Trschnallen in der Hand hat, sich gescheit vorkommt, dann wird er auf
der Stiegen mich gescheit finden. -- Heutzutag hat aber keiner, pardon
fr die Grobheit, den Verstand zum Konversationmachen und keiner den
Verstand, seinen Mund zu halten -- ah, erlaub', da ich dich mit Baron
Neuhoff bekannt mache, mein Vetter Graf Bhl.

_Neuhoff._ Ich habe die Ehre, von Graf Bhl gekannt zu sein.

_Crescence_ $(zu Altenwyl)$. Alle diese gescheiten Sachen mten Sie
der Edine sagen -- bei der geht der Kultus fr die bedeutenden Menschen
und die gedruckten Bcher ins Uferlose. Mir ist schon das Wort odios:
bedeutende Menschen -- es liegt so eine Prpotenz darin!

_Altenwyl._ Die Edine ist eine sehr gescheite Frau, aber sie will immer
zwei Fliegen auf einen Schlag erwischen: ihre Bildung vermehren und
etwas fr ihre Wohlttigkeitsgeschichten herausschlagen.

_Helene._ Pardon, Papa, sie ist keine gescheite Frau, sie ist eine dumme
Frau, die sich frs Leben gern mit gescheiten Leuten umgeben mchte,
aber dabei immer die falschen erwischt.

_Crescence._ Ich wundere mich, da sie bei ihrer rasenden Zerstreutheit
nicht mehr Konfusionen anstellt.

_Altenwyl._ Solche Wesen haben einen Schutzengel.

_Edine_ $(tritt dazu durch die Mitteltr)$. Ich seh', ihr sprechts von
mir, sprechts nur weiter, genierts euch nicht.

_Crescence._ Na, Edine, hast du den berhmten Mann schon kennen gelernt?

_Edine._ Ich bin wtend, Graf Altenwyl, da Sie ihn ihr als Partner
gegeben haben und nicht mir. $(Setzt sich zu Crescence.)$ Ihr habts
keine Idee, wie ich mich fr ihn interessier'. Ich les' doch die Bcher
von die Leut'. Von diesem Brckner hab' ich erst vor ein paar Wochen ein
dickes Buch gelesen.

_Neuhoff._ Er heit Brcke. Er ist der zweite Prsident der Akademie der
Wissenschaften.

_Edine._ In Paris?

_Neuhoff._ Nein, hier in Wien.

_Edine._ Auf dem Buch ist gestanden: Brckner.

_Crescence._ Vielleicht war das ein Druckfehler.

_Edine._ Es hat geheien: ber den Ursprung aller Religionen. Da ist
eine Bildung drin, und eine Tiefe! Und so ein schner Stil!

_Helene._ Ich werd' ihn dir bringen, Tant' Edine.

_Neuhoff._ Wenn Sie erlauben, werde ich ihn suchen und ihn herbringen,
sobald er pausiert.

_Edine._ Ja, tun Sie das, Baron Neuhoff. Sagen Sie ihm, da ich seit
Jahren nach ihm fahnde.

_Neuhoff_ $(geht links ab)$.

_Crescence._ Er wird sich nichts Besseres verlangen, mir scheint, er ist
ein ziemlicher --

_Edine._ Sagts nicht immer gleich snob, der Goethe ist auch vor jeder
Frstin und Grfin -- ich htt' bald was g'sagt.

_Crescence._ Jetzt ist sie schon wieder beim Goethe, die Edine! $(Sieht
sich nach Hans Karl um, der mit Helene nach rechts getreten ist.)$

_Helene_ $(zu Hans Karl)$. Sie haben ihn so gern, den Furlani?

_Hans Karl._ Fr mich ist ein solcher Mensch eine wahre Rekreation.

_Helene._ Macht er so geschickte Tricks? $(Sie setzt sich rechts, Hans
Karl neben ihr.)$

_Crescence_ $(geht durch die Mitte weg, Altenwyl und Edine haben sich
links gesetzt.)$

_Hans Karl._ Er macht gar keine Tricks. Er ist doch der dumme August!

_Helene._ Also ein Wurstel?

_Hans Karl._ Nein, das wre ja outriert! Er outriert nie, er karikiert
auch nie. Er spielt seine Rolle: er ist der, der alle begreifen, der
allen helfen mchte und dabei alles in die grte Konfusion bringt. Er
macht die dmmsten lazzi, die Galerie kugelt sich vor Lachen, und
dabei behlt er eine Elegance, eine Diskretion, man merkt, da er sich
selbst und alles, was auf der Welt ist, respektiert, er bringt alles
durcheinander, wie Kraut und Rben; wo er hingeht, geht alles drunter
und drber, und dabei mchte man rufen: Er hat ja recht!

_Edine_ $(zu Altenwyl)$. Das Geistige gibt uns Frauen doch viel mehr
Halt! Das geht der Antoinette zum Beispiel ganz ab. Ich sag' ihr immer:
sie soll ihren Geist kultivieren, das bringt einen auf andere Gedanken.

_Altenwyl._ Zu meiner Zeit hat man einen ganz andern Mastab an die
Konversation angelegt. Man hat doch etwas auf eine schne Replik
gegeben; man hat sich ins Zeug gelegt, um brillant zu sein.

_Edine._ Ich sag': wenn ich Konversation mach', will ich doch woanders
hingefhrt werden. Ich will doch heraus aus der Banalitt. Ich will doch
wohintransportiert werden!

_Hans Karl_ $(zu Helene, in seiner Konversation fortfahrend)$. Sehen
Sie, Helen, alle diese Sachen sind ja schwer: die Tricks von den
Equilibristen und Jongleurs und alles -- zu allem gehrt ja ein
fabelhaft angespannter Wille und direkt Geist. Ich glaub' mehr Geist,
als zu den meisten Konversationen. --

_Helene._ Ah, das schon sicher.

_Hans Karl._ Absolut. Aber das, was der Furlani macht, ist noch um eine
ganze Stufe hher, als was alle andern tun. Alle andern lassen sich von
einer Absicht leiten und schauen nicht rechts und nicht links, ja, sie
atmen kaum, bis sie ihre Absicht erreicht haben: darin besteht eben ihr
Trick. Er aber tut scheinbar nichts mit Absicht -- er geht immer nur auf
die Absicht der andern ein. Er mchte alles mittun, was die andern tun,
soviel guten Willen hat er, so fasziniert ist er von jedem einzelnen
Stckl, was irgendeiner vormacht: wenn einer einen Blumentopf auf der
Nase balanciert, so balanciert er ihn auch, sozusagen aus Hflichkeit.

_Helene._ Aber er wirft ihn hinunter?

_Hans Karl._ Aber wie er ihn hinunterwirft, darin liegt's! Er wirft ihn
hinunter aus purer Begeisterung und Seligkeit darber, da er ihn so
schn balancieren kann! Er glaubt, wenn man's ganz schn machen tt,
mt's von selber gehen.

_Helene_ $(vor sich)$. Und das hlt der Blumentopf gewhnlich nicht aus
und fllt hinunter.

_Altenwyl_ $(zu Edine)$. Dieser Geschftston heutzutage! Und ich bitte,
auch zwischen Mnnern und Frauen: dieses gewisse Zielbewute in der
Unterhaltung!

_Edine._ Ja, das ist mir auch eine horreur! Man will doch ein bil eine
schne Art, ein Versteckenspielen --

_Altenwyl._ Die jungen Leut' wissen ja gar nicht mehr, da die Sauce
mehr wert ist als der Braten -- da herrscht ja eine Direktheit!

_Edine._ Weil die Leut' zu wenig gelesen haben! Weil sie ihren Geist zu
wenig kultivieren! $(Sie sind im Reden aufgestanden und entfernen sich
nach links.)$

_Hans Karl_ $(zu Helene)$. Wenn man dem Furlani zuschaut, kommen einem
die geschicktesten Clowns vulgr vor. Er ist frmlich schn vor lauter
Nonchalance -- aber natrlich gehrt zu dieser Nonchalance genau das
Doppelte wie zu den andern ihrer Anspannung.

_Helene._ Ich begreif', da Ihnen der Mensch sympathisch ist. Ich find'
auch alles, wo man eine Absicht merkt, die dahintersteckt, ein bil
vulgr.

_Hans Karl._ Oho, heute bin ich selber mit Absichten geladen, und diese
Absichten beziehen sich auf Sie, Grfin Helene.

_Helene_ $(mit einem Zusammenziehen der Augenbrauen)$. Oh, Grfin
Helene! Sie sagen Grfin Helene zu mir?

_Huberta_ $(erscheint in der Mitteltr und streift Hans Karl und Helene
mit einem kurzen, aber indiskreten Blick)$.

_Hans Karl_ $(ohne Huberta zu bemerken)$. Nein, im Ernst, ich mu Sie
um fnf Minuten Konversation bitten -- dann spter, irgendwann -- wir
spielen ja beide nicht.

_Helene_ $(etwas unruhig, aber sehr beherrscht)$. Sie machen mir Angst.
Was knnen Sie mit mir zu reden haben? Das kann nichts Gutes sein.

_Hans Karl._ Wenn Sie's prokkupiert, dann um Gottes willen nicht!

_Huberta_ $(ist verschwunden)$.

_Helene_ $(nach einer kleinen Pause)$. Wann Sie wollen, aber spter.
Ich seh' die Huberta, die sich langweilt. Ich mu zu ihr gehen. $(Steht
auf.)$

_Hans Karl._ Sie sind so delizios artig. $(Ist auch aufgestanden.)$

_Helene._ Sie mssen jetzt der Antoinette und den paar andern Frauen
guten Abend sagen. $(Sie geht von ihm fort, bleibt in der Mitteltr noch
stehen.)$ Ich bin nicht artig: ich spr' nur, was in den Leuten vorgeht,
und das belstigt mich -- und da reagier' ich dagegen mit gards, die
ich fr die Leut' hab'. Meine Manieren sind nur eine Art von Nervositt,
mir die Leut' vom Hals zu halten. $(Sie geht.)$

_Hans Karl_ $(geht langsam ihr nach)$.


Zweite Szene

_Neuhoff_ $(und der berhmte Mann sind gleichzeitig in der Tr links
erschienen)$.

_Der berhmte Mann_ $(in der Mitte des Zimmers angelangt, durch die Tr
rechts blickend)$. Dort in der Gruppe am Kamin befindet sich jetzt die
Dame, um deren Namen ich Sie fragen wollte.

_Neuhoff._ Dort in Grau? Das ist die Frstin Pergen.

_Der berhmte Mann._ Nein, die kenne ich seit langem. Die Dame in
Schwarz.

_Neuhoff._ Die spanische Botschafterin. Sind Sie ihr vorgestellt? Oder
darf ich --

_Der berhmte Mann._ Ich wnsche sehr, ihr vorgestellt zu werden. Aber
wir wollen es vielleicht in folgender Weise einrichten --

_Neuhoff_ $(mit kaum merklicher Ironie)$. Ganz wie Sie befehlen.

_Der berhmte Mann._ Wenn Sie vielleicht die Gte haben, der Dame zuerst
von mir zu sprechen, ihr, da sie eine Fremde ist, meine Bedeutung,
meinen Rang in der wissenschaftlichen Welt und in der Gesellschaft
klarzulegen -- so wrde ich mich dann sofort nachher durch den Grafen
Altenwyl ihr vorstellen lassen.

_Neuhoff._ Aber mit dem grten Vergngen.

_Der berhmte Mann._ Es handelt sich fr einen Gelehrten meines Ranges
nicht darum, seine Bekanntschaften zu vermehren, sondern in der
richtigen Weise gekannt und aufgenommen zu werden.

_Neuhoff._ Ohne jeden Zweifel. Hier kommt die Grfin Merenberg, die
sich besonders darauf gefreut hat, Sie kennen zu lernen. Darf ich --

_Edine_ $(kommt)$. Ich freue mich enorm. Einen Mann dieses Ranges
bitte ich nicht mir vorzustellen, Baron Neuhoff, sondern mich ihm zu
prsentieren.

_Der berhmte Mann_ $(verneigt sich)$. Ich bin sehr glcklich, Frau
Grfin.

_Edine._ Es hiee Eulen nach Athen tragen, wenn ich Ihnen sagen wollte,
da ich zu den eifrigsten Leserinnen Ihrer berhmten Werke gehre.
Ich bin jedesmal hingerissen von dieser philosophischen Tiefe, dieser
immensen Bildung und diesem schnen Prosastil.

_Der berhmte Mann._ Ich staune, Frau Grfin. Meine Arbeiten sind keine
leichte Lektre. Sie wenden sich wohl nicht ausschlielich an ein
Publikum von Fachgelehrten, aber sie setzen Leser von nicht gewhnlicher
Verinnerlichung voraus.

_Edine._ Aber gar nicht! Jede Frau sollte so schne tiefsinnige Bcher
lesen, damit sie sich selbst in eine hhere Sphre bringt: das sag' ich
frh und spt der Toinette Hechingen.

_Der berhmte Mann._ Drfte ich fragen, welche meiner Arbeiten den
Vorzug gehabt hat, Ihre Aufmerksamkeit zu erwecken?

_Edine._ Aber natrlich das wunderbare Werk ber den Ursprung aller
Religionen. Das hat ja eine Tiefe, und eine erhebende Belehrung schpft
man da heraus --

_Der berhmte Mann_ $(eisig)$. Hm. Das ist allerdings ein Werk, von dem
viel geredet wird.

_Edine._ Aber noch lange nicht genug. Ich sag' gerade zur Toinette, das
mte jede von uns auf ihrem Nachtkastl liegen haben.

_Der berhmte Mann._ Besonders die Presse hat ja fr dieses Opus eine
zgellose Reklame zu inszenieren gewut.

_Edine._ Wie knnen Sie das sagen! Ein solches Werk ist ja doch das
Grandioseste --

_Der berhmte Mann._ Es hat mich sehr interessiert, Frau Grfin, Sie
gleichfalls unter den Lobrednern dieses Produktes zu sehen. Mir selbst
ist das Buch allerdings unbekannt, und ich drfte mich auch schwerlich
entschlieen, den Leserkreis dieses Elaborates zu vermehren.

_Edine._ Wie? Sie sind nicht der Verfasser?

_Der berhmte Mann._ Der Verfasser dieser journalistischen Kompilation
ist mein Fakulttsgenosse Brckner. Es besteht allerdings eine fatale
Namenshnlichkeit, aber diese ist auch die einzige.

_Edine._ Das sollte auch nicht sein, da zwei berhmte Philosophen so
hnliche Namen haben.

_Der berhmte Mann._ Das ist allerdings bedauerlich, besonders fr
mich. Herr Brckner ist brigens nichts weniger als Philosoph. Er
ist Philologe, ich wrde sagen, Salonphilologe, oder noch besser:
philologischer Feuilletonist.

_Edine._ Es tut mir enorm leid, da ich da eine Konfusion gemacht habe.
Aber ich hab' sicher auch von Ihren berhmten Werken was zu Haus, Herr
Professor. Ich les' ja alles, was einen ein bil vorwrtsbringt. Jetzt
hab' ich gerad' ein sehr interessantes Buch ber den Semipelagianismus
und eins ber die Seele des Radiums zu Hause liegen. Wenn Sie mich
einmal in der Heugasse besuchen --

_Der berhmte Mann_ $(khl)$. Es wird mir eine Ehre sein, Frau Grfin.
Allerdings bin ich sehr in Anspruch genommen.

_Edine_ $(wollte gehen, bleibt nochmals stehen)$. Aber das tut mir ewig
leid, da Sie nicht der Verfasser sind! Jetzt kann ich Ihnen auch meine
Frage nicht vorlegen! Und ich wre jede Wette eingegangen, da Sie der
Einzige sind, der sie so beantworten knnte, da ich meine Beruhigung
fnde.

_Neuhoff._ Wollen Sie dem Herrn Professor nicht doch Ihre Frage vorlegen?

_Edine._ Sie sind ja gewi ein Mann von noch profunderer Bildung als der
andere Herr. $(Zu Neuhoff.)$ Soll ich wirklich? Es liegt mir ungeheuer
viel an der Auskunft. Ich wrde frs Leben gern eine Beruhigung finden.

_Der berhmte Mann._ Wollen sich Frau Grfin nicht setzen?

_Edine_ $(sich ngstlich umsehend, ob niemand hereintritt, dann
schnell)$. Wie stellen Sie sich das Nirwana vor?

_Der berhmte Mann._ Hm. Diese Frage aus dem Stegreif zu beantworten,
drfte allerdings Herr Brckner der richtige Mann sein. $(Eine kleine
Pause.)$

_Edine._ Und jetzt mu ich auch zu meinem Bridge zurck. Auf
Wiedersehen, Herr Professor. $(Ab.)$

_Der berhmte Mann_ $(sichtlich verstimmt)$. Hm. --

_Neuhoff._ Die arme gute Grfin Edine! Sie drfen ihr nichts bel nehmen.

_Der berhmte Mann_ $(kalt)$. Es ist nicht das erstemal, da ich im
Laienpublikum hnlichen Verwechslungen begegne. Ich bin nicht weit
davon, zu glauben, da dieser Scharlatan Brckner mit Absicht auf
dergleichen hinarbeitet. Sie knnen kaum ermessen, welche peinliche
Erinnerung eine groteske und schiefe Situation, wie die, in der wir uns
soeben befunden haben, in meinem Innern hinterlt. Das erbrmliche
Scheinwissen, von den Trompetensten einer bbischen Presse begleitet,
auf den breiten Wellen der Popularitt hinsegeln zu sehen -- sich mit
dem konfundiert zu sehen, wogegen man sich mit dem eisigen Schweigen der
Nichtachtung unverbrchlich gewappnet glaubte --

_Neuhoff._ Aber wem sagen Sie das alles, mein verehrter Professor! Bis
in die kleine Nuance fhle ich Ihnen nach. Sich verkannt zu sehen in
seinem Besten, frh und spt -- das ist das Schicksal --

_Der berhmte Mann._ In seinem Besten.

_Neuhoff._ Genau die Nuance verkannt zu sehen, auf die alles ankommt --

_Der berhmte Mann._ Sein Lebenswerk mit einem journalistischen --

_Neuhoff._ Das ist das Schicksal --

_Der berhmte Mann._ Die in einer bbischen Presse --

_Neuhoff._ -- des ungewhnlichen Menschen, sobald er sich der banalen
Menschheit ausliefert, den Frauen, die im Grunde zwischen einer leeren
Larve und einem Mann von Bedeutung nicht zu unterscheiden wissen!

_Der berhmte Mann._ Den verhaten Spuren der Pbelherrschaft bis in den
Salon zu begegnen --

_Neuhoff._ Erregen Sie sich nicht. Wie kann ein Mann Ihres Ranges --
Nichts, was eine Edine Merenberg und tutti quanti vorbringen, reicht nur
entfernt an Sie heran.

_Der berhmte Mann._ Das ist die Presse, dieser Hexenbrei aus allem und
allem! Aber hier htte ich mich davor sicher gehalten. Ich sehe, ich
habe die Exklusivitt dieser Kreise berschtzt, wenigstens was das
geistige Leben anlangt.

_Neuhoff._ Geist und diese Menschen! Das Leben -- und diese Menschen!
Alle diese Menschen, die Ihnen hier begegnen, existieren ja in
Wirklichkeit gar nicht mehr. Das sind ja alles nur mehr Schatten.
Niemand, der sich in diesen Salons bewegt, gehrt zu der wirklichen
Welt, in der die geistigen Krisen des Jahrhunderts sich entscheiden.
Sehen Sie doch um sich: eine Erscheinung wie die Figur dort im
nchsten Zimmer, vom Scheitel bis zur Sohle sich balancierend in der
Selbstsicherheit der unbegrenzten Trivialitt -- von Frauen und Mdchen
umlagert -- Kari Bhl.

_Der berhmte Mann._ Ist das Graf Bhl?

_Neuhoff._ Er selbst, der berhmte Kari.

_Der berhmte Mann._ Ich habe bis jetzt keine Gelegenheit gehabt, ihn
kennen zu lernen. Sind Sie befreundet mit ihm?

_Neuhoff._ Nicht allzusehr, aber hinlnglich, um ihn Ihnen in zwei
Worten erschpfend zu charakterisieren: absolutes, anmaendes Nichts.

_Der berhmte Mann._ Er hat einen auerordentlichen Rang innerhalb der
ersten Gesellschaft. Er gilt fr eine Persnlichkeit.

_Neuhoff._ Es ist nichts an ihm, das der Prfung standhielte. Rein
gesellschaftlich goutiere ich ihn halb aus Gewohnheit; aber Sie haben
weniger als nichts verloren, wenn Sie ihn nicht kennen lernen.

_Der berhmte Mann_ $(sieht unverwandt hin)$. Ich wrde mich sehr
interessieren, seine Bekanntschaft zu machen. Glauben Sie, da ich mir
etwas vergebe, wenn ich mich ihm nhere?

_Neuhoff._ Sie werden Ihre Zeit mit ihm verlieren, wie mit allen diesen
Menschen hier.

_Der berhmte Mann._ Ich wrde groes Gewicht darauf legen, mit Graf
Bhl in einer wirkungsvollen Weise bekannt gemacht zu werden, etwa durch
einen seiner vertrauten Freunde.

_Neuhoff._ Zu diesen wnsche ich nicht gezhlt zu werden, aber ich werde
Ihnen das besorgen.

_Der berhmte Mann._ Sie sind sehr liebenswrdig. Oder meinen Sie, da
ich mir nichts vergeben wrde, wenn ich mich ihm spontan nhern wrde?

_Neuhoff._ Sie erweisen dem guten Kari in jedem Fall zuviel Ehre, wenn
Sie ihn so ernst nehmen.

_Der berhmte Mann._ Ich verhehle nicht, da ich groes Gewicht darauf
lege, das feine und unbestechliche Votum der groen Welt den Huldigungen
beizufgen, die meinem Wissen im breiten internationalen Laienpublikum
zuteil geworden sind, und in denen ich die Abendrte einer nicht
alltglichen Gelehrtenlaufbahn erblicken darf. $(Sie gehen ab.)$


Dritte Szene

_Antoinette_ $(mit Edine, Nanni und Huberta sind indessen in der
Mitteltr erschienen und kommen nach vorne.)$

_Antoinette._ So sagt's mir doch was, so gebt's mir doch einen Rat, wenn
ihr seht's, da ich so aufgeregt bin. Da mach' ich doch die irreparablen
Dummheiten, wenn man mir nicht beisteht.

_Edine._ Ich bin dafr, da wir sie lassen. Sie mu wie zufllig ihm
begegnen. Wenn wir sie alle konvoiieren, so verscheuchen wir ihn ja
geradezu.

_Huberta._ Er geniert sich nicht. Wenn er mit ihr allein reden wollt',
da wren wir Luft fr ihn.

_Antoinette._ So setzen wir uns daher. Bleibt's alle bei mir, aber nicht
auffllig. $(Sie haben sich gesetzt.)$

_Nanni._ Wir plauschen hier ganz unbefangen: vor allem darf's nicht
ausschauen, als ob du ihm nachlaufen ttest.

_Antoinette._ Wenn man nur das Raffinement von der Helen htt', die
lauft ihm nach auf Schritt und Tritt, und dabei schaut's aus, als ob sie
ihm aus dem Weg ging.

_Edine._ Ich wr' dafr, da wir sie lassen, und da sie ganz, wie wenn
nichts wr', auf ihn zuging.

_Huberta._ In dem Zustand, wie sie ist, kann sie doch nicht auf ihn
zugehen, wie wenn nichts wr'.

_Antoinette_ $(dem Weinen nah)$. Sagt's mir doch nicht, da ich in einem
Zustand bin! Lenkt's mich doch ab von mir! Sonst verlier ich ja meine
ganze Contenance. Wenn ich nur wen zum Flirten da htt'!

_Nanni_ $(will aufstehen)$. Ich hol' ihr den Stani her.

_Antoinette._ Der Stani tt mir nicht so viel ntzen. Sobald ich wei,
da der Kari wo in einer Wohnung ist, existieren die andern nicht mehr
fr mich.

_Huberta._ Der Feri Uhlfeldt tt vielleicht doch noch existieren.

_Antoinette._ Wenn die Helen in meiner Situation wr', die wt' sich zu
helfen. Sie macht sich mit der grten Unverfrorenheit einen Paravant
aus dem Theophil, und dahinter operiert sie.

_Huberta._ Aber sie schaut ja den Theophil gar nicht an, sie is' ja die
ganze Zeit hinterm Kari her.

_Antoinette._ Sag' mir das noch, damit mir die Farb' ganz aus'm G'sicht
geht. $(Steht auf.)$ Red't er denn mit ihr?

_Huberta._ Natrlich red't er mit ihr.

_Antoinette._ Immerfort?

_Huberta._ Sooft ich hing'schaut hab'.

_Antoinette._ Oh mein Gott, wenn du mir lauter unangenehme Sachen sagst,
so werd' ich ja so hlich werden! $(Sie setzt sich wieder.)$

_Nanni_ $(will aufstehen)$. Wenn dir deine drei Freundinnen zuviel sind,
so lass' uns fort, ich spiel' ja auch sehr gern.

_Antoinette._ So bleibt's doch hier, so gebt's mir doch einen Rat, so
sagt's mir doch, was ich tun soll.

_Huberta._ Wenn sie ihm vor einer Stunde die Jungfer ins Haus geschickt
hat, so kann sie jetzt nicht die Hochmtige spielen.

_Nanni._ Umgekehrt sag' ich. Sie mu tun, als ob er ihr egal wr'. Das
wei ich vom Kartenspielen: wenn man die Karten leichtsinnig in die Hand
nimmt, dann kommt's Glck. Man mu sich immer die innere berlegenheit
menagieren.

_Antoinette._ Mir is' grad zumut, wie wenn ich die berlegene wr'!

_Huberta._ Du behandelst ihn aber ganz falsch, wenn du dich so aus der
Hand gibst.

_Edine._ Wenn sie sich nur eine Direktive geben lie! Ich kenn' doch den
Mnnern ihren Charakter.

_Huberta._ Weit, Edine, die Mnner haben recht verschiedene Charaktere.

_Antoinette._ Das Gescheitste wr', ich fahr' nach Haus.

_Nanni._ Wer wird denn die Karten wegschmeien, solang' er noch eine
Chance in der Hand hat.

_Edine._ Wenn sie sich nur ein vernnftiges Wort sagen liee. Ich hab'
ja einen solchen Instinkt fr solche psychologische Sachen. Es wr'
ja absolut zu machen, da die Ehe annulliert wird, sie ist eben unter
einem moralischen Zwang gestanden die ganzen Jahre und dann, wenn sie
annulliert ist, so heirat' sie ja der Kari, wenn die Sache halbwegs
richtig eingefdelt wird.

_Huberta_ $(die nach rechts gesehen hat)$. Pst!

_Antoinette_ $(fhrt auf)$. Kommt er? Mein Gott, wie mir die Knie
zittern.

_Huberta._ Die Crescence kommt. Nimm dich zusammen.

_Antoinette_ $(vor sich)$. Lieber Gott, ich kann sie nicht ausstehen,
sie mich auch nicht, aber ich will jede Bassesse machen, weil sie ja
seine Schwester is'.


Vierte Szene

_Crescence_ $(kommt von rechts)$. Gr euch Gott, was macht's ihr denn?
Die Toinette schaut ja ganz zerbeutelt aus. Sprecht's ihr denn nicht?
So viele junge Frauen! Da htt' der Stani halt nicht in den Klub gehen
drfen, wie?

_Antoinette_ $(mhsam)$. Wir unterhalten uns vorlufig ohne Herren sehr
gut.

_Crescence_ $(ohne sich zu setzen)$. Was sagt's ihr, wie famos die Helen
heut ausschaut? Die wird doch als junge Frau eine Allure haben, da
berhaupt niemand gegen sie aufkommt!

_Huberta._ Is' die Helen auf einmal so in der Gnad' bei dir?

_Crescence._ Ihr seid's auch sehr herzig. Die Antoinette soll sich ein
bil schonen. Sie schaut ja aus, als ob sie drei Ncht' nicht g'schlafen
htt'. $(Im Gehen.)$ Ich mu dem Poldo Altenwyl sagen, wie brillant ich
die Helen heut find'. $(Ab.)$


Fnfte Szene

_Antoinette._ Herr Gott, jetzt hab' ich's ja schriftlich, da der Kari
die Helen heiraten will.

_Edine._ Wieso denn?

_Antoinette._ Sprt's ihr denn nicht, wie sie fr die zuknftige
Schwgerin ins Zeug geht?

_Nanni._ Aber geh', bring' dich nicht um nichts und wieder nichts hinein
in die Verzweiflung. Er wird gleich bei der Tr hereinkommen.

_Antoinette._ Wenn er in so einem Moment hereinkommt, bin ich ja ganz --
$(bringt ihr kleines Tuch vor die Augen)$ -- verloren. --

_Huberta._ So gehen wir. Inzwischen beruhigt sie sich.

_Antoinette._ Nein, geht's ihr zwei und schaut's, ob er wieder mit der
Helen red't und strt's ihn dabei. Ihr habt's mich ja oft genug gestrt,
wenn ich so gern mit ihm allein gewesen wr'. Und die Edine bleibt bei
mir. $(Alle sind aufgestanden, Huberta und Nanni gehen ab.)$


Sechste Szene

_Antoinette_ $(und Edine setzen sich links rckwrts)$.

_Edine._ Mein liebes Kind, du hast diese ganze Geschichte mit dem Kari
vom ersten Moment falsch angepackt.

_Antoinette._ Woher weit denn du das?

_Edine._ Das wei ich von der Mademoiselle Feydeau, die hat mir
haarklein alles erzhlt, wie du die ganze Situation in der Grnleiten
schon verfahren hast.

_Antoinette._ Diese mignstige Tratschen, was wei denn die!

_Edine._ Aber sie kann doch nichts dafr, wenn sie dich hat mit die
nackten F' ber die Stiegen 'runterlaufen gehrt, und gesehen mit
offene Haar im Mondschein mit ihm spazieren gehen. -- Du hast eben die
ganze G'schicht' von Anfang an viel zu terre  terre angepackt. Die
Mnner sind ja natrlich sehr terre  terre, aber deswegen mu eben von
unserer Seiten etwas Hheres hineingebracht werden. Ein Mann wie der
Kari Bhl aber ist sein Leben lang keiner Person begegnet, die ein bil
einen Idealismus in ihn hineingebracht htte. Und darum ist er selbst
nicht imstand', in eine Liebschaft was Hheres hineinzubringen, und so
geht das vice versa. Wenn du mich in der ersten Zeit ein bil um Rat
gefragt httest, wenn du dir httest ein paar Direktiven geben lassen,
ein paar Bcher empfehlen lassen -- so wrst du heut seine Frau!

_Antoinette._ Geh, ich bitt' dich, Edine, agacier' mich nicht.


Siebente Szene

_Huberta_ $(erscheint in der Tr)$. Also: der Kari kommt. Er sucht dich.

_Antoinette._ Jesus Maria! $(Sie sind alle aufgestanden.)$

_Nanni_ $(die rechts hinausgeschaut hat)$. Da kommt die Helen aus dem
andern Salon.

_Antoinette._ Mein Gott, gerade in dem Moment, auf den alles ankommt,
mu sie daher kommen und mir alles verderben. So tut's doch was dagegen.
So geht's ihr doch entgegen. So halt's sie doch weg, vom Zimmer da!

_Huberta._ Bewahr' doch ein bil deine Contenance.

_Nanni._ Wir gehen einfach unauffllig dort hinber.


Achte Szene

_Helene_ $(tritt ein von rechts)$. Ihr schaut's ja aus, als ob ihr
gerade von mir gesprochen httet's. $(Stille.)$ Unterhalt's ihr euch?
Soll ich euch Herren hereinschicken?


_Antoinette_ $(auf sie zu, fast ohne Selbstkontrolle)$. Wir unterhalten
uns famos, und du bist ein Engel, mein Schatz, da du dich um uns
umschaust. Ich hab' dir noch gar nicht guten Abend gesagt. Du schaust
schner aus als je. $(Kt sie.)$ Aber lass' uns nur und geh wieder.

_Helene._ Str' ich euch? So geh' ich halt wieder. $(Geht.)$


Neunte Szene

_Antoinette_ $(streicht sich ber die Wange, als wollte sie den Ku
abstreifen.)$ Was mach' ich denn? Was lass' ich mich denn von ihr
kssen? Von dieser Viper, dieser falschen!

_Huberta._ So nimm dich ein bil zusammen.


Zehnte Szene

_Hans Karl_ $(ist von rechts eingetreten)$.

_Antoinette_ $(nach einem kurzen Stummsein, Sichducken, rasch auf ihn
zu, ganz dicht an ihn)$. Ich hab' die Briefe genommen und verbrannt. Ich
bin keine sentimentale Gans, als die mich meine Agathe hinstellt, da
ich mich ber alte Briefe totweinen knnt'. Ich hab' einmal nur das, was
ich im Moment hab', und was ich nicht hab', will ich vergessen. Ich leb'
nicht in der Vergangenheit, dazu bin ich nicht alt genug.

_Hans Karl._ Wollen wir uns nicht setzen? $(Fhrt sie zu den Fauteuils.)$

_Antoinette._ Ich bin halt nicht schlau. Wenn man nicht raffiniert ist,
dann hat man nicht die Kraft, einen Menschen zu halten, wie Sie einer
sind. Denn Sie sind ein Genre mit Ihrem Vetter Stani. Das mchte ich
Ihnen sagen, damit Sie es wissen. Ich kenn' euch. Monstrs selbstschtig
und grenzenlos unzart. $(Nach einer kleinen Pause.)$ So sagen Sie doch
was!

_Hans Karl._ Wenn Sie erlauben wrden, so mchte ich versuchen, Sie an
damals zu erinnern --

_Antoinette._ Ah, ich lass' mich nicht maltrtieren. -- Auch nicht von
jemandem, der mir frher einmal nicht gleichgltig war.

_Hans Karl._ Sie waren damals, ich meine vor zwei Jahren, Ihrem Mann
momentan entfremdet. Sie waren in der groen Gefahr, in die Hnde von
einem Unwrdigen zu fallen. Da ist jemand gekommen -- der war --
zufllig ich. Ich wollte Sie -- beruhigen -- das war mein einziger
Gedanke -- Sie der Gefahr entziehen -- von der ich Sie bedroht gewut
-- oder gesprt hab'. Das war eine Verkettung von Zufllen -- eine
Ungeschicklichkeit -- ich wei nicht, wie ich es nennen soll --

_Antoinette._ Diese paar Tage damals in der Grnleiten sind das einzige
wirklich Schne in meinem ganzen Leben. Die lass' ich nicht -- die
Erinnerung, daran lass' ich mir nicht heruntersetzen. $(Steht auf.)$

_Hans Karl_ $(leise)$. Aber ich hab' ja alles so lieb. Es war ja so
schn.

_Antoinette_ $(setzt sich mit einem ngstlichen Blick auf ihn.)$

_Hans Karl._ Es war ja so schn!

_Antoinette._ Das war zufllig ich. Damit wollen Sie mich insultieren.
Sie sind drauen zynisch geworden. Ein zynischer Mensch, das ist das
richtige Wort. Sie haben die Nuance verloren fr das Mgliche und das
Unmgliche. Wie haben Sie gesagt? Es war eine Ungeschicklichkeit von
Ihnen? Sie insultieren mich ja in einem fort.

_Hans Karl._ Es ist drauen viel fr mich anders geworden. Aber zynisch
bin ich nicht geworden. Das Gegenteil, Antoinette. Wenn ich an unsern
Anfang denke, so ist mir das etwas so Zartes, so Mysterises, ich
getraue mich kaum, es vor mir selbst zu denken. Ich mchte mich fragen:
Wie komm' ich denn dazu? Hab' ich denn drfen? Aber $(sehr leise)$ ich
bereu' nichts.

_Antoinette_ $(senkt die Augen)$. Aller Anfang ist schn.

_Hans Karl._ In jedem Anfang liegt die Ewigkeit.

_Antoinette_ $(ohne ihn anzusehen)$. Sie halten au fond alles fr
mglich und alles fr erlaubt. Sie wollen nicht sehen, wie hilflos ein
Wesen ist, ber das Sie hinweggehen -- wie preisgegeben, denn das wrde
vielleicht Ihr Gewissen aufwecken.

_Hans Karl._ Ich habe keins.

_Antoinette_ $(sieht ihn an)$.

_Hans Karl._ Nicht in bezug auf uns.

_Antoinette._ Jetzt war ich das und das von Ihnen -- und wei in diesem
Augenblick so wenig, woran ich mit Ihnen bin, als wenn nie was zwischen
uns gewesen wr'. Sie sind ja frchterlich.

_Hans Karl._ Nichts ist bs. Der Augenblick ist nicht bs, nur das
Festhalten-wollen ist unerlaubt. Nur das Sich-festkrampeln an das, was
sich nicht halten lat --

_Antoinette._ Ja, wir leben halt nicht nur wie die gewissen Fliegen vom
Morgen bis zur Nacht. Wir sind halt am nchsten Tag auch noch da. Das
pat euch halt schlecht, solchen wie du einer bist.

_Hans Karl._ Alles was geschieht, das macht der Zufall. Es ist nicht zum
Ausdenken, wie zufllig wir alle sind, und wie uns der Zufall zueinander
jagt und auseinander jagt, und wie jeder mit jedem hausen knnte, wenn
der Zufall es wollte.

_Antoinette._ Ich will nicht --

_Hans Karl_ $(spricht weiter, ohne ihren Widerstand zu respektieren)$.
Darin ist aber so ein Grausen, da der Mensch etwas hat finden mssen,
um sich aus diesem Sumpf herauszuziehen, bei seinem eigenen Schopf. Und
so hat er das Institut gefunden, das aus dem Zuflligen und Unreinen,
das Notwendige, das Bleibende und das Gltige macht: die Ehe.

_Antoinette._ Ich spr', du willst mich verkuppeln mit meinem Mann. Es
war nicht ein Augenblick, seitdem du hiersitz'st, wo ich mich htte
foppen lassen und es nicht gesprt htte. Du nimmst dir wirklich alles
heraus, du meinst schon, da du alles darfst, zuerst verfhren, dann
noch beleidigen.

_Hans Karl._ Ich bin kein Verfhrer, Toinette, ich bin kein Frauenjger.

_Antoinette._ Ja, das ist dein Kunststckl, damit hast du mich
herumgekriegt, da du kein Verfhrer bist, kein Mann fr Frauen, da
du nur ein Freund bist, aber ein wirklicher Freund. Damit kokettierst
du, sowie du mit allem kokettierst, was du hast, und mit allem, was dir
fehlt. Man mte, wenn's nach dir ging', nicht nur verliebt in dich
sein, sondern dich noch liebhaben ber die Vernunft hinaus, und um
deiner selbst willen, und nicht einmal nur als Mann -- sondern -- ich
wei ja gar nicht, wie ich sagen soll, oh mein Gott, warum mu ein und
derselbe Mensch so scharmant sein und zugleich so monstrs eitel und
selbstschtig und herzlos!

_Hans Karl._ Wei sie, Toinette, was Herz ist, wei sie das? Da
ein Mann Herz fr eine Frau hat, das kann er nur durch Eins zeigen,
nur durch ein Einziges auf der Welt: durch die Dauer, durch die
Bestndigkeit. Nur dadurch: das ist die Probe, die einzige.

_Antoinette._ Lass' mich mit dem Ado -- ich kann mit dem Ado nicht leben
--

_Hans Karl._ Der hat dich lieb. Einmal und fr alle Male. Der hat dich
gewhlt unter allen Frauen auf der Welt, und er hat dich liebbehalten
und wird dich liebhaben fr immer, weit du, was das heit? Fr immer,
gescheh' dir, was da will. Einen Freund haben, der dein ganzes Wesen
lieb hat, fr den du immer ganz schn bist, nicht nur heut und morgen,
auch spter, viel spter, fr den seine Augen der Schleier, den die
Jahre oder was kommen kann, ber dein Gesicht werfen -- fr seine Augen
ist das nicht da, du bist immer, die du bist, die Schnste, die Liebste,
die Eine, die Einzige.

_Antoinette._ So hat er mich nicht gewhlt. Geheiratet hat er mich halt.
Von dem andern wei ich nichts.

_Hans Karl._ Aber er wei davon.

_Antoinette._ Das, was Sie da reden, das gibt's alles nicht. Das redet
er sich ein -- das redet er Ihnen ein -- Ihr seid's einer wie der
andere, Ihr Mnner, Sie und der Ado und der Stani, ihr seid's alle aus
einem Holz geschnitzt und darum versteht's ihr euch so gut und knnt's
euch so gut in die Hnde spielen.

_Hans Karl._ Das red't er mir nicht ein, das wei ich, Toinette. Das ist
eine heilige Wahrheit, die wei ich -- ich mu sie immer schon gewut
haben, aber drauen ist sie erst ganz deutlich fr mich geworden: es
gibt einen Zufall, der macht scheinbar alles mit uns, wie er will --
aber mitten in dem Hierhin- und Dorthingeworfenwerden und der Stumpfheit
und Todesangst, da spren wir und wissen es auch, es gibt halt auch eine
Notwendigkeit, die whlt uns von Augenblick zu Augenblick, die geht
ganz leise, ganz dicht am Herzen vorbei und doch so schneidend scharf
wie ein Schwert. Ohne die wre da drauen kein Leben mehr gewesen,
sondern nur ein tierisches Dahintaumeln. Und die gleiche Notwendigkeit
gibt's halt auch zwischen Mnnern und Frauen -- wo die ist, da ist ein
Zueinandermssen und Verzeihung und Vershnung und Beieinanderbleiben.
Und da drfen Kinder sein, und da ist eine Ehe und ein Heiligtum, trotz
allem und allem --

_Antoinette_ $(steht auf)$. Alles, was du red'st, das heit ja gar
nichts anderes, als da du heiraten willst, da du demnchst die Helen
heiraten wirst.

_Hans Karl_ $(bleibt sitzen, hlt sie)$. Aber ich denk' doch nicht an
die Helen! Ich red' doch von dir. Ich schwr' dir, da ich von dir red'.

_Antoinette._ Aber dein ganzes Denken dreht sich um die Helen.

_Hans Karl._ Ich schwre dir: ich hab' einen Auftrag an die Helen. Ganz
einen andern, als du dir denkst. Ich sag' ihr noch heute --

_Antoinette._ Was sagst du ihr noch heute -- ein Geheimnis?

_Hans Karl._ Keines, das mich betrifft.

_Antoinette._ Aber etwas, das dich mit ihr verbindet?

_Hans Karl._ Aber das Gegenteil!

_Antoinette._ Das Gegenteil? Ein Adieu -- du sagst ihr, was ein Adieu
ist zwischen dir und ihr?

_Hans Karl._ Zu einem Adieu ist kein Anla, denn es war ja nie etwas
zwischen mir und ihr. Aber wenn's ihr Freud' macht, Toinette, so kommt's
beinah' auf ein Adieu hinaus.

_Antoinette._ Ein Adieu frs Leben?

_Hans Karl._ Ja, frs Leben, Toinette.

_Antoinette_ $(sieht ihn ganz an)$. Frs Leben? $(Nachdenklich.)$ Ja,
sie ist so eine Heimliche und tut nichts zweimal und red't nichts
zweimal. Sie nimmt nichts zurck -- sie hat sich in der Hand: ein Wort
mu fr sie entscheidend sein. Wenn du ihr sagst: adieu -- dann wird's
fr sie sein adieu und auf immer. Fr sie wohl. $(Nach einer kleinen
Pause.)$ Ich lass' mir von dir den Ado nicht einreden. Ich mag seine
Hnd' nicht. Sein Gesicht nicht. Seine Ohren nicht. $(Sehr leise.)$
Deine Hnde hab' ich lieb. -- Was bist denn du? Ja, wer bist denn
du? Du bist ein Zyniker, ein Egoist, ein Teufel bist du! Mich sitzen
lassen ist dir zu gewhnlich. Mich behalten, dazu bist du zu herzlos.
Mich hergeben, dazu bist du zu raffiniert. So willst du mich zugleich
loswerden und doch in deiner Macht haben, und dazu ist dir der Ado der
Richtige. -- Geh hin und heirat' die Helen. Heirat', wenn du willst! Ich
hab' mit deiner Verliebtheit vielleicht was anzufangen, mit deinen guten
Ratschlgen aber gar nix. $(Will gehen.)$

_Hans Karl_ $(tut einen Schritt auf sie zu)$.

_Antoinette._ Lass' er mich gehen. $(Sie geht ein paar Schritte, dann
halb zu ihm gewendet)$. Was soll denn jetzt aus mir werden? Red' er mir
nur den Feri Uhlfeldt aus, der hat so viel Kraft, wenn er was will. Ich
hab' gesagt, ich mag ihn nicht, er hat gesagt, ich kann nicht wissen,
wie er als Freund ist, weil ich ihn noch nicht als Freund gehabt hab'.
Solche Reden verwirren einen so. $(Halb unter Trnen, zart.)$ Jetzt wird
er an allem schuld sein, was mir passiert.

_Hans Karl._ Sie braucht eins in der Welt: einen Freund. Einen guten
Freund. $(Er kt ihr die Hnde.)$ Sei sie gut mit dem Ado.

_Antoinette._ Mit dem kann ich nicht gut sein.

_Hans Karl._ Sie kann mit jedem.

_Antoinette_ $(sanft)$. Kari, insultier' er mich doch nicht.

_Hans Karl._ Versteh' sie doch, wie ich meine.

_Antoinette._ Ich versteh' ihn ja sonst immer so gut.

_Hans Karl._ Knnt' sie's nicht versuchen?

_Antoinette._ Ihm zulieb' knnt' ich's versuchen. Aber er mt' dabei
sein und mir helfen.

_Hans Karl._ Jetzt hat sie mir ein halbes Versprechen gegeben.


Elfte Szene

_Der berhmte Mann_ $(ist von rechts eingetreten, sucht sich Hans Karl
zu nhern, die beiden bemerken ihn nicht.)$

_Antoinette._ Er hat mir was versprochen.

_Hans Karl._ Fr die erste Zeit.

_Antoinette_ $(dicht bei ihm)$. Mich liebhaben!

_Der berhmte Mann._ Pardon, ich stre wohl. $(Schnell ab.)$

_Hans Karl_ $(dicht bei ihr)$. Das tu' ich ja.

_Antoinette._ Sag er mir sehr was Liebes: nur fr den Moment. Der Moment
ist ja alles. Ich kann nur im Moment leben. Ich hab' so ein schlechtes
Gedchtnis.

_Hans Karl._ Ich bin nicht verliebt in sie, aber ich hab' sie lieb.

_Antoinette._ Und das, was er der Helen sagen wird, ist ein Adieu?

_Hans Karl._ Ein Adieu.

_Antoinette._ So verhandelt er mich, so verkauft er mich!

_Hans Karl._ Aber sie war mir doch noch nie so nahe.

_Antoinette._ Er wird oft zu mir kommen, mir zureden? Er kann mir ja
alles einreden.

_Hans Karl_ $(kt sie auf die Stirn, fast ohne es zu wissen)$.

_Antoinette._ Dank schn. $(Luft weg durch die Mitte.)$

_Hans Karl_ $(steht verwirrt, sammelt sich)$. Arme, kleine Antoinette.


Zwlfte Szene

_Crescence_ $(kommt durch die Mitte, sehr rasch)$. Also brillant hast du
das gemacht. Das ist ja erste Klasse, wie du so was deichselst.

_Hans Karl._ Wie? Aber du weit doch gar nicht.

_Crescence._ Was brauch' ich noch zu wissen. Ich wei alles. Die
Antoinette hat die Augen voller Trnen, sie strzt an mir vorbei,
so wie sie merkt, da ich's bin, fallt sie mir um den Hals und ist
wieder dahin wie der Wind, das sagt mir doch alles. Du hast ihr ins
Gewissen geredet, du hast ihr besseres Selbst aufgeweckt, du hast ihr
klargemacht, da sie sich auf den Stani keine Hoffnungen mehr machen
darf, und du hast ihr den einzigen Ausweg aus der verfahrenen Situation
gezeigt, da sie zu ihrem Mann zurck soll und trachten soll, ein
anstndiges, ruhiges Leben zu fhren.

_Hans Karl._ Ja, so ungefhr. Aber es hat sich im Detail nicht so
abgespielt. Ich hab' nicht deine zielbewute Art. Ich komm' leicht von
meiner Linie ab, das mu ich schon gestehen.

_Crescence._ Aber das ist doch ganz egal. Wenn du in so einem Tempo ein
so brillantes Resultat erzielst, jetzt, wo du in dem Tempo drin bist,
kann ich gar nicht erwarten, da du die zwei Konversationen mit der
Helen und mit dem Poldo Altenwyl absolvierst. Ich bitt' dich, geh sie
nur an, ich halt dir die Daumen, denk' doch nur, da dem Stani sein
Lebensglck von deiner Suada abhngt.

_Hans Karl._ Sei auer Sorg', Crescence, ich hab' jetzt grad' whrend
dem Reden mit der Antoinette Hechingen so die Hauptlinien gesehen fr
meine Konversation mit der Helen. Ich bin ganz in der Stimmung. Weit
du, das ist ja meine Schwche, da ich so selten das Definitive vor mir
sehe: aber diesmal seh' ich's.

_Crescence._ Siehst du, das ist das Gute, wenn man ein Programm hat.
Da kommt ein Zusammenhang in die ganze Geschichte. Also komm nur: wir
suchen zusammen die Helen, sie mu ja in einem von den Salons sein und
so, wie wir sie finden, lass' ich dich allein mit ihr. Und sobald wir
ein Resultat haben, strz' ich ans Telephon und depeschier' den Stani
hierher.


Dreizehnte Szene

_Crescence_ $(und Hans Karl gehen links hinaus)$.

_Helene_ $(mit Neuhoff treten von rechts herein. Man hrt eine gedmpfte
Musik aus einem entfernten Salon.)$

_Neuhoff_ $(hinter ihr)$. Bleiben Sie stehen. Diese nichtsnutzige,
leere, se Musik und dieses Halbdunkel modellieren Sie wunderbar.

_Helene_ $(ist stehengeblieben, geht aber jetzt weiter auf die Fauteuils
links zu)$. Ich stehe nicht gern Modell, Baron Neuhoff.

_Neuhoff._ Auch nicht, wenn ich die Augen schliee?

_Helene_ $(sagt nichts, sie steht links)$.

_Neuhoff._ Ihr Wesen, Helene! Wie niemand je war, sind Sie. Ihre
Einfachheit ist das Resultat einer ungeheuren Anspannung. Regungslos wie
eine Statue vibrieren Sie in sich, niemand ahnt es, der es aber ahnt,
der vibriert mit Ihnen.

_Helene_ $(sieht ihn an, setzt sich)$.

_Neuhoff_ $(nicht ganz nahe)$. Wundervoll ist alles an Ihnen. Und dabei,
wie alles Hohe, fast erschreckend selbstverstndlich.

_Helene._ Ist Ihnen das Hohe selbstverstndlich? Das war ein nobler
Gedanke.

_Neuhoff._ Vielleicht knnte man seine Frau werden -- das war es, was
Ihre Lippen sagen wollten, Helene!

_Helene._ Lesen Sie von den Lippen wie die Taubstummen?

_Neuhoff_ $(einen Schritt nher)$. Sie %werden mich heiraten%, weil
Sie meinen Willen spren in einer willenlosen Welt.

_Helene_ $(vor sich)$. Mu man? Ist es ein Gebot, dem eine Frau sich
fgen mu: wenn sie gewhlt und gewollt wird?

_Neuhoff._ Es gibt Wnsche, die nicht weit her sind. Die darf man
unter seine schnen rassigen Fe treten. Der meine ist weit her. Er
ist gewandert um die halbe Welt. Hier fand er sein Ziel. Sie wurden
gefunden, Helene Altenwyl, vom strksten Willen, auf dem weitesten
Umweg, in der kraftlosesten aller Welten.

_Helene._ Ich bin aus ihr und bin nicht kraftlos.

_Neuhoff._ Ihr habt dem schnen Schein alles geopfert, auch die
Kraft. Wir, dort in unserm nordischen Winkel, wo uns die Jahrhunderte
vergessen, wir haben die Kraft behalten. So stehen wir gleich zu gleich
und doch ungleich zu ungleich, und aus dieser Ungleichheit ist mir mein
Recht ber Sie erwachsen.

_Helene._ Ihr Recht?

_Neuhoff._ Das Recht des geistig Strksten ber die Frau, die er zu
vergeistigen vermag.

_Helene._ Ich mag nicht diese mystischen Redensarten.

_Neuhoff._ Es waltet etwas Mystik zwischen zwei Menschen, die sich auf
den ersten Blick erkannt haben. Ihr Stolz soll es nicht verneinen.

_Helene_ $(sie ist aufgestanden)$. Er verneint es immer wieder.

_Neuhoff._ Helene, bei Ihnen wre meine Rettung -- meine
Zusammenfassung, meine Ermglichung!

_Helene._ Ich will von niemand wissen, der sein Leben unter solche
Bedingungen stellt! $(Sie tut ein paar Schritte an ihm vorbei; ihr Blick
haftet an der offenen Tr rechts, wo sie eingetreten ist.)$

_Neuhoff._ Wie Ihr Gesicht sich verndert! Was ist das, Helene?

_Helene_ $(schweigt, sieht nach rechts)$.

_Neuhoff_ $(ist hinter sie getreten, folgt ihrem Blick)$. Oh! Graf
Bhl erscheint auf der Bildflche! $(Er tritt zurck von der Tr.)$
Sie fhlen magnetisch seine Nhe -- ja spren Sie denn nicht,
unbegreifliches Geschpf, da Sie fr ihn nicht da sind?

_Helene._ Ich bin schon da fr ihn, irgendwie bin ich schon da!

_Neuhoff._ Verschwenderin! Sie leihen ihm alles, auch noch die Kraft,
mit der er Sie hlt.

_Helene._ Die Kraft, mit der ein Mensch einen hlt -- die hat ihm wohl
Gott gegeben.

_Neuhoff._ Ich staune. Womit bt ein Kari Bhl diese Faszination ber
Sie? Ohne Verdienst, sogar ohne Bemhung, ohne Willen, ohne Wrde --

_Helene._ Ohne Wrde!

_Neuhoff._ Der schlaffe zweideutige Mensch hat keine Wrde.

_Helene._ Was fr Worte gebrauchen Sie da?

_Neuhoff._ Mein nrdlicher Jargon klingt etwas scharf in ihre
schngeformten Ohren. Aber ich vertrete seine Schrfe. Zweideutig nenne
ich den Mann, der sich halb verschenkt und sich halb zurckbehlt -- der
Reserven in allem und jedem hlt -- in allem und jedem Berechnungen --

_Helene._ Berechnung und Kari Bhl! Ja, sehen Sie ihn denn wirklich
so wenig! Freilich ist es unmglich, sein letztes Wort zu finden, das
bei andern so leicht zu finden ist. Die Ungeschicklichkeit, die ihn so
liebenswrdig macht, der timide Hochmut, seine Herablassung, freilich
ist alles ein Versteckenspiel, freilich lt es sich mit plumpen Hnden
nicht fassen. -- Die Eitelkeit erstarrt ihn ja nicht, durch die alle
andern steif und hlzern werden -- die Vernunft erniedrigt ihn ja nicht,
die aus den meisten so etwas Gewhnliches macht -- er gehrt nur sich
selber -- niemand kennt ihn, da ist es kein Wunder, da Sie ihn nicht
kennen!

_Neuhoff._ So habe ich Sie nie zuvor gesehen, Helene. Ich geniee
diesen unvergleichlichen Augenblick! Einmal sehe ich Sie, wie Gott Sie
geschaffen hat, Leib und Seele. Ein Schauspiel fr Gtter. Pfui ber die
Weichheit bei Mnnern wie bei Frauen! Aber Strenge, die weich wird, ist
herrlich ber alles!

_Helene_ $(schweigt)$.

_Neuhoff._ Gestehen Sie mir zu, es zeigt von etwas Superioritt, wenn
ein Mann es an einer Frau genieen kann, wie sie einen andern bewundert.
Aber ich vermag es: denn ich bagatellisiere Ihre Bewunderung fr Kari
Bhl.

_Helene._ Sie verwechseln die Nuancen. Sie sind aigriert, wo es nicht am
Platz ist.

_Neuhoff._ ber was ich hinweggehe, das aigriert mich nicht.

_Helene._ Sie kennen ihn nicht! Sie haben ihn kaum gesprochen.

_Neuhoff._ Ich habe ihn besucht --

_Helene_ $(sieht ihn an)$.

_Neuhoff._ -- Es ist nicht zu sagen, wie dieser Mensch Sie preisgibt --
Sie bedeuten ihm nichts. Sie sind es, ber die er hinweggeht.

_Helene_ $(ruhig)$. Nein.

_Neuhoff._ Es war ein Zweikampf zwischen mir und ihm, ein Zweikampf um
Sie! -- und ich bin nicht unterlegen.

_Helene._ Nein, es war kein Zweikampf. Es verdient keinen so heroischen
Namen. Sie sind hingegangen, um dasselbe zu tun, was ich in diesem
Augenblick tu'! $(Lacht.)$ Ich gebe mir alle Mhe, den Grafen Bhl zu
sehen, ohne da er mich sieht. Aber ich tue es ohne Hintergedanken.

_Neuhoff._ Helene!

_Helene._ Ich denke nicht, dabei etwas wegzutragen, das mir ntzen
knnte!

_Neuhoff._ Sie treten mich ja in den Staub, Helene -- und ich lasse mich
treten!

_Helene_ $(schweigt)$.

_Neuhoff._ Und nichts bringt mich nher?

_Helene._ Nichts. $(Sie geht einen Schritt auf die Tr rechts zu.)$

_Neuhoff._ Alles an Ihnen ist schn, Helene. Wenn Sie sich niedersetzen,
ist es, als ob Sie ausruhen mten von einem groen Schmerz -- und
wenn Sie quer durchs Zimmer gehen, ist es, als ob Sie einer ewigen
Entscheidung entgegengingen.

_Hans Karl_ $(ist in der Tr rechts erschienen)$.

_Helene_ $(gibt Neuhoff keine Antwort. Sie geht lautlos langsam auf die
Tr rechts zu)$.

_Neuhoff_ $(geht schnell links hinaus)$.


Vierzehnte Szene

_Hans Karl._ Ja, ich habe mit Ihnen zu reden.

_Helene._ Is' es etwas sehr Ernstes?

_Hans Karl._ Es kommt vor, da es einem zugemutet wird. Durchs Reden
kommt ja alles auf der Welt zustande. Allerdings, es ist ein bil
lcherlich, wenn man sich einbildet, durch wohlgesetzte Wrter eine wei
Gott wie groe Wirkung auszuben, in einem Leben, wo doch schlielich
alles auf die letzte unaussprechliche Nuance ankommt. Das Reden basiert
auf einer indezenten Selbstberschtzung.

_Helene._ Wenn alle Menschen wten, wie unwichtig sie sind, wrde
keiner den Mund aufmachen.

_Hans Karl._ Sie haben einen so klaren Verstand, Helene. Sie wissen
immer in jedem Moment so sehr, worauf es ankommt.

_Helene._ Wei ich das?

_Hans Karl._ Man versteht sich mit Ihnen ausgezeichnet. Da mu man sehr
achtgeben.

_Helene_ $(sieht ihn an)$. Da mu man achtgeben?

_Hans Karl._ Freilich. Sympathie ist ganz gut, aber auf ihr
herumzureiten, wre doch namenlos indiskret. Darum mu man doch gerade
auf der Hut sein, wenn man das Gefhl hat, sich sehr gut zu verstehen.

_Helene._ Das mssen Sie tun, natrlich. So ist Ihre Natur. Wer sich
einfallen liee, Sie fixieren zu wollen, wre schon verloren. Aber wer
glaubt, da Sie ihm fr immer Adieu gesagt haben, dem knnte passieren,
da Sie ihm wieder guten Tag sagen. -- Heut' hat die Antoinette wieder
Charme fr Sie gehabt.

_Hans Karl._ Sie bemerken alles!

_Helene._ Sie verbrauchen auf Ihre Art die armen Frauen, aber Sie haben
sie gar nicht sehr lieb. Es gehrt viel Contenance dazu oder ein bil
Gewhnlichkeit, um Ihre Freundin zu bleiben.

_Hans Karl._ Wenn Sie mich so sehen, dann bin ich Ihnen ja direkt
unsympathisch!

_Helene._ Gar nicht. Sie sind scharmant. Sie sind bei all dem wie ein
Kind.

_Hans Karl._ Wie ein Kind? Und dabei bin ich nahezu ein alter Mensch.
Das ist doch ein Horreur. Mit neununddreiig Jahren nicht wissen, woran
man mit sich selber ist, das ist doch eine Schand'.

_Helene._ Ich brauchte nie nachzudenken, woran ich mit mir selber
bin. Bei mir ist wirklich gar nichts los, es ist nichts da, als ein
anstndiges, ruhiges Benehmen.

_Hans Karl._ Sie haben so eine reizende Art!

_Helene._ Ich mchte nicht sentimental sein, das langweilt mich. Ich
mchte lieber terre  terre sein, wie Gott wei wer, als sentimental.
Ich mchte auch nicht spleenig sein, und ich mchte nicht kokett sein.
So bleibt mir nichts brig, als mglichst artig zu sein.

_Hans Karl_ $(schweigt)$.

_Helene._ Au fond knnen wir Frauen tun was wir wollen, meinetwegen
Solfges singen oder politisieren, wir meinen immer noch was andres
damit. -- Solfges singen ist indiskreter, Artigsein ist diskreter, es
drckt die bestimmte Absicht aus, keine Indiskretionen zu begehen. Weder
gegen sich, noch gegen einen andern.

_Hans Karl._ Alles an Ihnen ist besonders und schn. Ihnen kann ja gar
nichts geschehen. Heiraten Sie wen immer, heiraten Sie den Neuhoff, nein
den Neuhoff, wenn sich's vermeiden lat, lieber nicht, aber den ersten
besten frischen Menschen, einen Menschen wie meinen Neffen Stani, ja,
wirklich Helene, heiraten Sie den Stani, er mchte so gern, und Ihnen
kann ja gar nichts passieren. Sie sind ja unzerstrbar, das steht ja
deutlich in Ihrem Gesicht geschrieben. Ich bin immer fasziniert von
einem wirklich schnen Gesicht -- aber das Ihre --

_Helene._ Ich mchte nicht, da Sie so mit mir reden, Graf Bhl.

_Hans Karl._ Aber nein, an ihnen ist ja nicht die Schnheit das
Entscheidende, sondern ganz etwas anderes: in Ihnen liegt das
Notwendige. Sie knnen mich natrlich nicht verstehen, ich versteh' mich
selbst viel schlechter, wenn ich red', als wenn ich still bin. Ich kann
gar nicht versuchen, Ihnen das zu explizieren, es ist halt etwas, was
ich drauen begreifen gelernt habe: da in den Gesichtern der Menschen
etwas geschrieben steht. Sehen Sie, auch in einem Gesicht, wie dem von
der Antoinette kann ich lesen --

_Helene_ $(mit einem flchtigen Lcheln)$. Aber davon bin ich berzeugt.

_Hans Karl_ $(ernst)$. Ja, es ist ein scharmantes, liebes Gesicht, aber
es steht immer ein und derselbe stumme Vorwurf in ihm eingegraben: Warum
habt's ihr mich alle dem frchterlichen Zufall berlassen? Und das gibt
ihrer kleinen Maske etwas so Hilfloses, Verzweifeltes, da man Angst um
sie haben knnte.

_Helene._ Aber die Antoinette ist doch da. Sie existiert doch so ganz
fr den Moment. So mssen doch Frauen sein, der Moment ist ja alles.
Was soll denn die Welt mit einer Person anfangen, wie ich bin? Fr mich
ist ja der Moment gar nicht da, ich stehe da und sehe die Lampen dort
brennen, und in mir sehe ich sie schon ausgelscht. Und ich spreche mit
Ihnen, wir sind ganz allein in einem Zimmer, aber in mir ist das jetzt
schon vorbei: wie wenn irgendein gleichgltiger Mensch hereingekommen
wre und uns gestrt htte, die Huberta oder der Theophil Neuhoff
oder wer immer, und das schon vorber wre, da ich mit Ihnen allein
dagesessen bin, bei dieser Musik, die zu allem auf der Welt besser pat,
als zu uns beiden -- und Sie schon wieder irgendwo dort zwischen den
Leuten. Und ich auch irgendwo zwischen den Leuten.

_Hans Karl_ $(leise)$. Jeder mu glcklich sein, der mit Ihnen leben
darf, und mu Gott danken bis an sein Lebensende, Helen, bis an sein
Lebensende, sei's, wer's sei. Nehmen Sie nicht den Neuhoff, Helen, --
eher einen Menschen wie den Stani, oder auch nicht den Stani, einen
ganz andern, der ein braver, nobler Mensch ist -- und ein Mann: das ist
alles, was ich nicht bin. $(Er steht auf.)$

_Helene_ $(steht auch auf, sie sprt, da er gehen will)$. Sie sagen mir
ja Adieu!

_Hans Karl_ $(gibt keine Antwort)$.

_Helene._ Auch das hab' ich voraus gewut. Da einmal ein Moment kommen
wird, wo Sie mir so pltzlich Adieu sagen werden und ein Ende machen --
wo gar nichts war. Aber denen, wo wirklich was war, denen knnen Sie nie
Adieu sagen.

_Hans Karl._ Helen, es sind gewisse Grnde.

_Helene._ Ich glaube, ich habe alles in der Welt, was sich auf uns zwei
bezieht, schon einmal gedacht. So sind wir schon einmal gestanden, so
hat eine fade Musik gespielt, und so haben Sie mir Adieu gesagt, einmal
fr allemal.

_Hans Karl._ Es ist nicht nur so aus diesem Augenblick heraus, Helen,
da ich Ihnen Adieu sage. Oh nein, das drfen Sie nicht glauben. Denn
da man jemandem Adieu sagen mu, dahinter versteckt sich ja was.

_Helene._ Was denn?

_Hans Karl._ Da mu man ja sehr zu jemandem gehren und doch nicht ganz
zu ihm gehren drfen.

_Helene_ $(zuckt)$. Was wollen Sie damit sagen?

_Hans Karl._ Da drauen, da war manchmal was -- mein Gott, ja, wer
knnte denn das erzhlen!

_Helene._ Ja, mir. Jetzt.

_Hans Karl._ Da waren solche Stunden, gegen Abend oder in der Nacht, der
frhe Morgen mit dem Morgenstern -- Helen, Sie waren da sehr nahe von
mir. Dann war dieses Verschttetwerden, Sie haben davon gehrt --

_Helene._ Ja, ich hab' davon gehrt --

_Hans Karl._ Das war nur ein Moment, dreiig Sekunden sollen es gewesen
sein, aber nach innen hat das ein anderes Ma. Fr mich war's eine ganze
Lebenszeit, die ich gelebt hab', und in diesem Stck Leben, da waren Sie
meine Frau. Ist das nicht spaig?

_Helene._ Da war ich Ihre Frau?

_Hans Karl._ Nicht meine zuknftige Frau. Das ist das Sonderbare. Meine
Frau ganz einfach. Als ein fait accompli. Das Ganze hat eher etwas
Vergangenes gehabt als etwas Zuknftiges.

_Helene_ $(schweigt)$.

_Hans Karl._ Mein Gott, ich bin eben nicht mglich, das sag' ich ja der
Crescence! Jetzt sitz' ich da neben Ihnen in einer Soiree und verlier'
mich in Geschichten, wie der alte Millesimo, Gott hab' ihn selig, den
schlielich die Leut' allein sitzen lassen haben, mit seinen Anekdoten
ohne Pointe, und der das gar nicht bemerkt hat und mutterseelenallein
weiter erzhlt hat.

_Helene._ Aber ich lass' Sie gar nicht sitzen, ich hr' zu, Graf Kari.
Sie haben mir etwas sagen wollen, war es das?

_Hans Karl._ Nmlich: das war eine sehr subtile Lektion, die mir da eine
hhere Macht erteilt hat. Ich werd' Ihnen sagen, Helen, was die Lektion
bedeutet hat.

_Helene_ $(hat sich gesetzt, er setzt sich auch, die Musik hat
aufgehrt)$.

_Hans Karl._ Es hat mir in einem ausgewhlten Augenblick ganz eingeprgt
werden sollen, wie das Glck ausschaut, das ich mir verscherzt habe.
Wodurch ich mir's verscherzt habe, das wissen Sie ja so gut wie ich.

_Helene._ Das wei ich so gut wie Sie?

_Hans Karl._ Indem ich halt, solange noch Zeit war, nicht erkannt habe,
worin das Einzige liegen knnte, worauf es ankm'. Und da ich das
nicht erkannt habe, das war eben die Schwche meiner Natur. Und so habe
ich diese Prfung nicht bestanden. Spter im Feldspital, in den vielen
ruhigen Tagen und Nchten hab' ich das alles mit einer unbeschreiblichen
Klarheit und Reinheit erkennen knnen.

_Helene._ War es das, was Sie mir haben sagen wollen, genau das?

_Hans Karl._ Die Genesung ist so ein merkwrdiger Zustand. Darin ist
mir die ganze Welt wiedergekommen, wie etwas Reines, Neues und dabei
so Selbstverstndliches. Ich hab' da auf einmal ausdenken knnen, was
das ist: ein Mensch. Und wie das sein mu: zwei Menschen, die ihr Leben
aufeinander legen und werden wie ein Mensch. Ich habe -- in der Ahnung
wenigstens -- mir vorstellen knnen -- was da dazu gehrt, wie heilig
das ist und wie wunderbar. Und sonderbarerweise, es war nicht meine
Ehe, die ganz ungerufen die Mitte von diesem Denken war -- obwohl es ja
leicht mglich ist, da ich noch einmal heirat' -- sondern es war Ihre
Ehe.

_Helene._ Meine Ehe! Meine Ehe -- mit wem denn?

_Hans Karl._ Das wei ich nicht. Aber ich hab' mir das in einer ganz
genauen Weise vorstellen knnen, wie das alles sein wird, und wie
es sich abspielen wird, mit ganz wenigen Leuten und ganz heilig und
feierlich, und wie alles so sein wird, wie sich's gehrt zu Ihren
Augen und zu Ihrer Stirn und zu Ihren Lippen, die nichts berflssiges
reden knnen, und zu Ihren Hnden, die nichts Unwrdiges besiegeln
knnen -- und sogar das Ja-Wort hab' ich gehrt, ganz klar und rein,
von Ihrer klaren, reinen Stimme -- ganz von weitem, denn ich war doch
natrlich nicht dabei, ich war doch nicht dabei! -- Wie km' ich als
ein Auenstehender zu der Zeremonie -- Aber es hat mich gefreut, Ihnen
einmal zu sagen, wie ich's Ihnen mein. -- Und das kann man natrlich
nur in einem besonderen Moment; wie der jetzige, sozusagen in einem
definitiven Moment --

_Helene_ $(ist dem Umsinken nah, beherrscht sich aber)$.

_Hans Karl_ $(Trnen in den Augen)$. Mein Gott, jetzt hab' ich Sie ganz
bouleversiert, das liegt an meiner unmglichen Art, ich attendrier mich
sofort, wenn ich von was sprech' oder hr', was nicht aufs Allerbanalste
hinausgeht -- es sind die Nerven seit der Geschichte, aber das steckt
sensible Menschen wie Sie natrlich an -- ich gehr' eben nicht unter
Menschen -- das sag' ich ja der Crescence -- ich bitt' Sie tausendmal
um Verzeihung, vergessen Sie alles, was ich da Konfuses zusammengeredt
hab' -- es kommen ja in so einem Abschiedsmoment tausend Erinnerungen
durcheinander -- $(hastig, weil er fhlt, da sie nicht mehr allein
sind)$ -- aber wer sich beisammen hat, der vermeidet natrlich, sie
auszukramen -- Adieu, Helen, Adieu.

_Der berhmte Mann_ $(ist von rechts eingetreten)$.

_Helene_ $(kaum ihrer selbst mchtig)$. Adieu! $(Sie wollen sich die
Hnde geben, keine Hand findet die andere.)$

_Hans Karl_ $(will fort nach rechts)$.

_Der berhmte Mann_ $(tritt auf ihn zu)$.

_Hans Karl_ $(sieht sich nach links um)$.

_Crescence_ $(tritt von links ein)$.

_Der berhmte Mann._ Es war seit langem mein lebhafter Wunsch, Euer
Erlaucht --

_Hans Karl_ $(eilt fort nach rechts)$. Pardon, mein Herr! $(An ihm
vorbei.)$

_Crescence_ $(tritt zu Helene, die totenbla dasteht)$. --

_Der berhmte Mann_ $(ist verlegen abgegangen)$.

_Hans Karl_ $(erscheint nochmals in der Tr rechts, sieht herein, wie
unschlssig und verschwindet gleich wieder, wie er Crescence bei Helene
sieht)$.

_Helene_ $(zu Crescence, fast ohne Besinnung)$. Du bist's, Crescence?
Er ist ja noch einmal hereingekommen. Hat er noch etwas gesagt? $(Sie
taumelt, Crescence hlt sie)$.

_Crescence._ Aber ich bin ja so glcklich. Deine Ergriffenheit macht
mich ja so glcklich!

_Helene._ Pardon, Crescence, sei mir nicht bs! $(Macht sich los und
luft weg nach links.)$

_Crescence._ Ihr habt's euch eben beide viel lieber, als ihr wit's, der
Stani und du! $(Sie wischt sich die Augen.)$

     $Der Vorhang fllt.$




_DRITTER AKT_


     $Vorsaal im Altenwylschen Haus. Rechts der Ausgang in die
     Einfahrt. Treppe in der Mitte. Hinauffhrend zu einer Galerie, von
     der links und rechts je eine Flgeltr in die eigentlichen Gemcher
     fhrt. Unten neben der Treppe niedrige Diwans oder Bnke.$


Erste Szene

_Kammerdiener_ $(steht beim Ausgang rechts. Andere Diener stehen
auerhalb, sind durch die Glasscheiben des Windfangs sichtbar.
Kammerdiener ruft den andern Dienern zu)$. Herr Hofrat Professor Brcke!

_Der berhmte Mann_ $(kommt die Treppe herunter)$.

_Diener_ $(kommt von rechts mit dem Pelz, in dem innen zwei Cache-nez
hngen, mit berschuhen.)$

_Kammerdiener_ $(whrend dem berhmten Mann in die berkleider geholfen
wird.)$ Befehlen Herr Hofrat ein Auto?

_Der berhmte Mann._ Ich danke. Ist seine Erlaucht, der Graf Bhl nicht
soeben vor mir gewesen?

_Kammerdiener._ Soeben im Augenblick.

_Der berhmte Mann._ Ist er fortgefahren?

_Kammerdiener._ Nein, Erlaucht hat sein Auto weggeschickt, er hat zwei
Herren vorfahren sehen und ist hinter die Portiersloge getreten und hat
sie vorbeigelassen. Jetzt mu er gerade aus dem Haus sein.

_Der berhmte Mann_ $(beeilt sich)$. Ich werde ihn einholen. $(Er geht,
man sieht zugleich drauen Stani und Hechingen eintreten.)$


Zweite Szene

     $Stani und Hechingen treten herein, hinter jedem ein Diener,
     der ihm berrock und Hut abnimmt.$

_Stani_ $(grt im Vorbeigehen den berhmten Mann)$. Guten Abend Wenzel,
meine Mutter ist da?

_Kammerdiener._ Sehr wohl, Frau Grfin sind beim Spiel. $(Tritt ab,
ebenso die andern Diener.)$

_Stani_ $(will hinaufgehen)$.

_Hechingen_ $(steht seitlich an einem Spiegel, sichtlich nervs)$.

$(Ein anderer Altenwylscher Diener kommt die Treppe herab.)$

_Stani_ $(hlt den Diener auf)$. Sie kennen mich?

_Diener._ Sehr wohl, Herr Graf.

_Stani._ Gehen Sie durch die Salons und suchen Sie den Grafen Bhl, bis
Sie ihn finden. Dann nhern Sie sich ihm unauffllig und melden ihm, ich
lasse ihn bitten auf ein Wort, entweder im Eckzimmer der Bildergalerie
oder im chinesischen Rauchzimmer. Verstanden? Also was werden Sie sagen?

_Diener._ Ich werde melden, Herr Graf Freudenberg wnschen mit seiner
Erlaucht privat ein Wort zu sprechen, entweder im Eckzimmer --

_Stani._ Gut.

_Diener_ $(geht)$.

_Hechingen._ Pst, Diener!

_Diener_ $(hrt ihn nicht, geht oben hinein)$.

_Stani_ $(hat sich gesetzt)$.

_Hechingen_ $(sieht ihn an)$.

_Stani._ Wenn du vielleicht ohne mich eintreten wrdest? Ich habe eine
Post hinaufgeschickt, ich warte hier einen Moment, bis er mir die
Antwort bringt.

_Hechingen._ Ich leiste dir Gesellschaft.

_Stani._ Nein, ich bitte sehr, da du dich durch mich nicht aufhalten
lat. Du warst ja sehr pressiert herzukommen --

_Hechingen._ Mein lieber Stani, du siehst mich in einer ganz besonderen
Situation vor dir. Wenn ich jetzt die Schwelle dieses Salons
berschreite, so entscheidet sich mein Schicksal.

_Stani_ $(enerviert ber Hechingens nervses Auf-und-ab-Gehen)$.
Mchtest du nicht vielleicht Platz nehmen? Ich wart' nur auf den Diener,
wie gesagt.

_Hechingen._ Ich kann mich nicht setzen, ich bin zu agitiert.

_Stani._ Du hast vielleicht ein bissel schnell den Schampus
hinuntergetrunken.

_Hechingen._ Auf die Gefahr hin, dich zu langweilen, mein lieber Stani,
mu ich dir gestehen, da fr mich in dieser Stunde auerordentlich
Groes auf dem Spiel steht.

_Stani_ $(whrend Hechingen sich wieder nervs zerstreut von ihm
entfernt)$. Aber es steht ja fter irgend etwas Serises auf dem Spiel.
Es kommt nur darauf an, sich nichts merken zu lassen.

_Hechingen_ $(wieder nher)$. Dein Onkel Kari hat es in seiner
freundschaftlichen Gte auf sich genommen, mit der Antoinette, mit
meiner Frau, ein Gesprch zu fhren, dessen Ausgang wie gesagt --

_Stani._ Der Onkel Kari?

_Hechingen._ Ich mute mir sagen, da ich mein Schicksal in die Hand
keines nobleren, keines selbstloseren Freundes --

_Stani._ Aber natrlich -- Wenn er nur die Zeit gefunden hat?

_Hechingen._ Wie?

_Stani._ Er bernimmt manchmal ein bissel viel, der Onkel Kari. Wenn
irgend jemand etwas von ihm will -- er kann nicht nein sagen.

_Hechingen._ Es war abgemacht, da ich im Klub ein telephonisches Signal
erwarte, ob ich hier herkommen soll, oder ob mein Erscheinen noch nicht
opportun ist.

_Stani._ Ah. Da htte ich aber an deiner Stelle auch wirklich gewartet.

_Hechingen._ Ich war nicht mehr imstande, lnger zu warten. Bedenke, was
fr mich auf dem Spiel steht!

_Stani._ ber solche Entscheidungen mu man halt ein bissel erhaben
sein. Aha! $(Sieht den Diener, der oben heraustritt.)$

_Diener_ $(kommt die Treppe herunter)$.

_Stani_ $(ihm entgegen, lt Hechingen stehen)$.

_Diener._ Nein, ich glaube, seine Erlaucht mssen fort sein.

_Stani._ Sie glauben? Ich habe Ihnen gesagt, sie sollen herumgehen, bis
Sie ihn finden.

_Diener._ Verschiedene Herrschaften haben auch schon gefragt, seine
Erlaucht mssen rein unauffllig verschwunden sein.

_Stani._ Sapristi! Dann gehen Sie zu meiner Mutter und melden Sie ihr,
ich lasse vielmals bitten, sie mchte auf einen Moment zu mir in den
vordersten Salon herauskommen. Ich mu meinen Onkel oder sie sprechen,
bevor ich eintrete.

_Diener._ Sehr wohl. $(Geht wieder hinauf.)$

_Hechingen._ Mein Instinkt sagt mir, da der Kari in der Minute
heraustreten wird, um mir das Resultat zu verkndigen, und da es ein
glckliches sein wird.

_Stani._ So einen sicheren Instinkt hast du? Ich gratuliere.

_Hechingen._ Etwas hat ihn abgehalten zu telephonieren, aber er hat mich
herbeigewnscht. Ich fhle mich ununterbrochen im Kontakt mit ihm.

_Stani._ Fabelhaft!

_Hechingen._ Das ist bei uns gegenseitig. Sehr oft spricht er etwas aus,
was ich im gleichen Augenblick mir gedacht habe.

_Stani._ Du bist offenbar ein groartiges Medium.

_Hechingen._ Mein lieber Freund, wie ich ein junger Hund war wie du,
htte ich auch viel nicht fr mglich gehalten, aber wenn man seine
fnfunddreiig auf dem Buckel hat, da gehen einem die Augen fr so
manches auf. Es ist ja, wie wenn man frher taub und blind gewesen wre.

_Stani._ Was du nicht sagst!

_Hechingen._ Ich verdank' ja dem Kari geradezu meine zweite Erziehung.
Ich lege Gewicht darauf, klarzustellen, da ich ohne ihn einfach aus
meiner verworrenen Lebenssituation nicht herausgefunden htte.

_Stani._ Das ist enorm.

_Hechingen._ Ein Wesen wie die Antoinette, mag man auch ihr Mann gewesen
sein, das sagt noch gar nichts, man hat eben keine Ahnung von dieser
inneren Feinheit. Ich bitte nicht zu bersehen, da ein solches Wesen
ein Schmetterling ist, dessen Bltenstaub man schonen mu. Wenn du sie
kennen wrdest, ich meine nher kennen --

_Stani_ $(verbindliche Gebrde)$.

_Hechingen._ Ich fass' mein Verhltnis zu ihr jetzt so auf, da es
einfach meine Schuldigkeit ist, ihr die Freiheit zu gewhren, deren ihre
bizarre, phantasievolle Natur bedarf. Sie hat die Natur der grande dame
des XVIII. Jahrhunderts. Nur dadurch, da man ihr die volle Freiheit
gewhrt, kann man sie an sich fesseln.

_Stani._ Ah.

_Hechingen._ Man mu large sein, das ist es, was ich dem Kari verdanke.
Ich wrde keineswegs etwas Irreparables darin erblicken, einen Menschen,
der sie verehrt, in larger Weise heranzuziehen.

_Stani._ Ich begreife.

_Hechingen._ Ich wrde mich bemhen, meinen Freund aus ihm zu machen,
nicht aus Politik, sondern ganz unbefangen. Ich wrde ihm herzlich
entgegenkommen: das ist die Art, wie der Kari mir gezeigt hat, da man
die Menschen nehmen mu: mit einem leichten Handgelenk.

_Stani._ Aber es ist nicht alles au pied de la lettre zu nehmen, was der
Onkel Kari sagt.

_Hechingen._ Au pied de la lettre natrlich nicht. Ich wrde dich
bitten, nicht zu bersehen, da ich genau fhle, worauf es ankommt. Es
kommt alles auf ein gewisses Etwas an, auf eine Grazie -- ich mchte
sagen, es mu alles ein bestndiges Impromptu sein. $(Er geht nervs auf
und ab.)$

_Stani._ Man mu vor allem seine tenue zu wahren wissen. Beispielsweise,
wenn der Onkel Kari eine Entscheidung ber was immer zu erwarten htte,
so wrde kein Mensch ihm etwas anmerken.

_Hechingen._ Aber natrlich. Dort hinter dieser Statue oder hinter der
groen Azalee wrde er, mit der grten Nonchalance stehen und plauschen
-- ich mal mir das aus! Auf die Gefahr hin, dich zu langweilen, ich
schwr' dir, da ich jede kleine Nuance, die in ihm vorgehen wrde,
nachempfinden kann.

_Stani._ Da wir uns aber nicht beide hinter die Azalee stellen knnen
und dieser Idiot von Diener absolut nicht wiederkommt, so werden wir
vielleicht hinaufgehen.

_Hechingen._ Ja, gehen wir beide. Es tut mir wohl, diesen Augenblick
nicht allein zu verbringen. Mein lieber Stani, ich hab' eine so
aufrichtige Sympathie fr dich! $(Hngt sich in ihn ein.)$

_Stani_ $(indem er seinen Arm von dem Hechingens entfernt)$. Aber
vielleicht nicht bras dessus -- bras dessous wie die Komtessen, wenn sie
das erste Jahr ausgehen, sondern jeder extra.

_Hechingen._ Bitte, bitte, wie dir's genehm ist. --

_Stani._ Ich wrde dir vorschlagen, als erster zu starten. Ich komm'
dann sofort nach.

_Hechingen_ $(geht voraus, verschwindet oben)$.

_Stani_ $(geht ihm nach)$.


Dritte Szene

_Helene_ $(tritt aus einer kleinen versteckten Tr in der linken
Seitenwand. Sie wartet, bis Stani oben unsichtbar geworden ist. Dann
ruft sie den Kammerdiener leise an)$. Wenzel, Wenzel, ich will Sie etwas
fragen.

_Kammerdiener_ $(geht schnell zu ihr hinber)$. Befehlen Komtesse?

_Helene_ $(mit sehr leichtem Ton)$. Haben Sie gesehen, ob der Graf Bhl
fortgegangen ist?

_Kammerdiener._ Jawohl, sind fortgegangen, vor fnf Minuten.

_Helene._ Er hat nichts hinterlassen?

_Kammerdiener._ Wie meinen die Komtesse?

_Helene._ Einen Brief oder eine mndliche Post.

_Kammerdiener._ Mir nicht, ich werde gleich die andern Diener fragen.
$(Geht hinber.)$

_Helene_ $(steht und wartet)$.

_Stani_ $(wird oben sichtbar. Er sucht zu sehen, mit wem Helene spricht
und verschwindet dann wieder)$.

_Kammerdiener_ $(kommt zurck zu Helene)$. Nein, gar nicht. Er hat sein
Auto weggeschickt, sich Zigarre angezndet und ist gegangen.

_Helene_ $(sagt nichts)$.

_Kammerdiener_ $(nach einer kleinen Pause)$. Befehlen Komtesse noch
etwas?

_Helene._ Ja, Wenzel, ich werd' in ein paar Minuten wiederkommen, und
dann werd' ich aus dem Hause gehen.

_Kammerdiener._ Wegfahren, noch jetzt am Abend?

_Helene._ Nein, gehen, zu Fu.

_Kammerdiener._ Ist jemand krank worden?

_Helene._ Nein, es ist niemand krank, ich mu mit jemandem sprechen.

_Kammerdiener._ Befehlen Komtesse, da wer begleitet auer der Mi?

_Helene._ Nein, ich werde ganz allein gehen, auch die Mi Jekyll wird
mich nicht begleiten. Ich werde hier herausgehen in einem Augenblick,
wenn niemand von den Gsten hier fort geht. Und ich werde Ihnen einen
Brief fr den Papa geben.

_Kammerdiener._ Befehlen, da ich den dann gleich hineintrage?

_Helene._ Nein, geben Sie ihn dem Papa, wenn er die letzten Gste
begleitet hat.

_Kammerdiener._ Wenn sich alle Herrschaften verabschiedet haben?

_Helene._ Ja, im Moment, wo er befiehlt, das Licht auszulschen. Aber
dann bleiben Sie bei ihm. Ich mchte, da Sie -- $(sie stockt)$.

_Kammerdiener._ Befehlen?

_Helene._ Wie alt war ich, Wenzel, wie Sie hier ins Haus gekommen sind?

_Kammerdiener._ Fnf Jahre altes Mderl waren Komtesse.

_Helene._ Es ist gut, Wenzel, ich danke Ihnen. Ich werde hier
herauskommen, und Sie werden mir ein Zeichen geben, ob der Weg frei ist.
$(Reicht ihm ihre Hand zum Kssen)$.

_Kammerdiener._ Befehlen. $(Kt die Hand.)$

_Helene_ $(geht wieder ab durch die kleine Tr)$.


Vierte Szene

     $Antoinette und Neuhoff kommen rechts seitwrts der Treppe aus
     dem Wintergarten.$

_Antoinette._ Das war die Helen. War sie allein? Hat sie mich gesehen?

_Neuhoff._ Ich glaube nicht. Aber was liegt daran? Jedenfalls haben Sie
diesen Blick nicht zu frchten.

_Antoinette._ Ich frcht' mich vor ihr. So oft ich an sie denk', glaub'
ich, da mich wer angelogen hat. Gehen wir woanders hin, wir knnen
nicht hier im Vestibl sitzen.

_Neuhoff._ Beruhigen Sie sich. Kari Bhl ist fort. Ich habe soeben
gesehen, wie er fortgegangen ist.

_Antoinette._ Gerade jetzt im Augenblick?

_Neuhoff_ $(versteht, woran sie denkt)$. Er ist unbemerkt und
unbegleitet fortgegangen.

_Antoinette._ Wie?

_Neuhoff._ Eine gewisse Person hat ihn nicht bis hierher begleitet und
hat berhaupt in der letzten halben Stunde seines Hierseins nicht mit
ihm gesprochen. Ich habe es festgestellt. Seien Sie ruhig.

_Antoinette._ Er hat mir geschworen, er wird ihr Adieu sagen fr immer.
Ich mcht ihr Gesicht sehen, dann wt' ich --

_Neuhoff._ Dieses Gesicht ist hart wie Stein. Bleiben Sie bei mir hier.

_Antoinette._ Ich --

_Neuhoff._ Ihr Gesicht ist entzckend. Andere Gesichter verstecken
alles. Das Ihrige ist ein unaufhrliches Gestndnis. Man knnte diesem
Gesicht alles entreien, was je in Ihnen vorgegangen ist.

_Antoinette._ Man knnte? Vielleicht -- wenn man einen Schatten von
Recht dazu htte.

_Neuhoff._ Man nimmt das Recht dazu aus dem Moment. Sie sind eine Frau,
eine wirkliche, entzckende Frau. Sie gehren keinem und jedem! Nein:
Sie haben noch keinem gehrt, Sie warten noch immer.

_Antoinette_ $(mit einem kleinen nervsen Lachen)$. Nicht auf Sie!

_Neuhoff._ Ja, genau auf mich, das heit auf den Mann, den Sie noch
nicht kennen, auf den wirklichen Mann, auf Ritterlichkeit, auf Gte, die
in der Kraft wurzelt. Denn die Karis haben Sie nur maltrtiert, betrogen
vom ersten bis zum letzten Augenblick, diese Sorte von Menschen ohne
Gte, ohne Kern, ohne Nerv, ohne Loyalitt! Diese Schmarotzer, denen ein
Wesen wie Sie immer wieder und wieder in die Schlinge fllt, ungelohnt,
unbedankt, unbeglckt, erniedrigt in ihrer zartesten Weiblichkeit!
$(Will ihre Hand ergreifen.)$

_Antoinette._ Wie Sie sich echauffieren! Aber vor Ihnen bin ich sicher,
Ihr kalter, wollender Verstand hebt ja den Kopf aus jedem Wort, das Sie
reden. Ich hab' nicht einmal Angst vor Ihnen. Ich will Sie nicht!

_Neuhoff._ Mein Verstand, ich hass' ihn ja! Ich will ja erlst sein von
ihm, mich verlangt ja nichts anderes, als ihn bei Ihnen zu verlieren,
se kleine Antoinette! $(Er will ihre Hand nehmen.)$

_Hechingen_ $(wird oben sichtbar, tritt aber gleich wieder zurck)$.

_Neuhoff_ $(hat ihn gesehen, nimmt ihre Hand nicht, ndert die Stellung
und den Gesichtsausdruck)$.

_Antoinette._ Ah, jetzt hab' ich Sie durch und durch gesehen, wie sich
das jh verndern kann in Ihrem Gesicht! Ich will Ihnen sagen, was
jetzt passiert ist: jetzt ist oben die Helen vorbeigegangen, und in
diesem Augenblick hab' ich in Ihnen lesen knnen wie in einem offenen
Buch. Dpit und Ohnmacht, Zorn, Scham und die Lust, mich zu kriegen --
faute de mieux -- das alles war zugleich darin. Die Edine schimpft mit
mir, da ich komplizierte Bcher nicht lesen kann. Aber das war recht
kompliziert, und ich hab's doch lesen knnen in einem Nu. Geben Sie sich
keine Mh' mit mir. Ich mag nicht!

_Neuhoff_ $(beugt sich zu ihr)$. Du sollst wollen!

_Antoinette_ $(steht auf)$. Oho! Ich mag nicht! Ich mag nicht! Denn
das, was da aus Ihren Augen hervorwill und mich in seine Gewalt kriegen
will, aber nur will! -- kann sein, da das sehr mnnlich ist -- aber
ich mag's nicht. Und wenn das Euer Bestes ist, so hat jede einzelne von
uns, und wre sie die Gewhnlichste, etwas in sich, das besser ist als
Euer Bestes, und das gefeit ist gegen Euer Bestes durch ein bisserl eine
Angst. Aber keine solche Angst, die einen schwindlig macht, sondern eine
ganz nchterne, ganz prosaische. $(Sie geht gegen die Treppe, bleibt
noch einmal stehen.)$ Verstehen Sie mich? Bin ich ganz deutlich? Ich
frcht' mich vor Ihnen, aber nicht genug, das ist Ihr Pech. Adieu, Baron
Neuhoff. $(Neuhoff ist schnell nach dem Wintergarten abgegangen.)$


Fnfte Szene

_Hechingen_ $(tritt oben herein, er kommt sehr schnell die Treppe
herunter)$.

_Antoinette_ $(ist betroffen und tritt zurck)$.

_Hechingen._ Toinette!

_Antoinette_ $(unwillkrlich)$. Auch das noch!

_Hechingen._ Wie sagst du?

_Antoinette._ Ich bin berrascht -- das mut du doch begreifen.

_Hechingen._ Und ich bin glcklich. Ich danke meinem Gott, ich danke
meiner Chance, ich danke diesem Augenblick!

_Antoinette._ Du siehst ein bissel verndert aus. Dein Ausdruck ist
anders, ich wei nicht, woran es liegt. Bist du nicht ganz wohl?

_Hechingen._ Liegt es nicht daran, da diese schwarzen Augen mich lange
nicht angeschaut haben?

_Antoinette._ Aber es ist ja nicht so lang her, da man sich gesehen hat.

_Hechingen._ Sehen und Anschau'n ist zweierlei, Toinette. $(Er ist ihr
nher gekommen.)$

_Antoinette_ $(tritt zurck)$.

_Hechingen._ Vielleicht aber ist es etwas anderes, das mich verndert
hat, wenn ich die Unbescheidenheit haben darf, von mir zu sprechen.

_Antoinette._ Was denn? Ist etwas passiert? Interessierst du dich fr
wen?

_Hechingen._ Deinen Charme, deinen Stolz im Spiel zu sehen, die ganze
Frau, die man liebt, pltzlich vor sich zu sehen, sie leben zu sehen!

_Antoinette._ Ah, von mir ist die Rede!

_Hechingen._ Ja, von dir. Ich war so glcklich, dich einmal so zu sehen
wie du bist, denn da hab' ich dich einmal nicht intimidiert. Oh meine
Gedanken, wie ich da oben gestanden bin! Diese Frau begehrt von allen
und allen sich versagend! Mein Schicksal, dein Schicksal, denn es ist
unser beider Schicksal. Setz dich zu mir! $(Er hat sich gesetzt, streckt
die Hand nach ihr aus.)$

_Antoinette._ Man kann so gut im Stehen miteinander reden, wenn man so
alte Bekannte ist.

_Hechingen_ $(ist wieder aufgestanden)$. Ich hab' dich nicht gekannt.
Ich hab' erst andere Augen bekommen mssen. Der zu dir kommt, ist ein
andrer, ein Verwandelter.

_Antoinette._ Du hast so einen neuen Ton in deinen Reden. Wo hast du dir
das angewhnt?

_Hechingen._ Der zu dir redet, das ist der, den du nicht kennst,
Toinette, so wie er dich nicht gekannt hat! Und der sich nichts anderes
wnscht, nichts anderes trumt, als von dir gekannt zu sein und dich zu
kennen.

_Antoinette._ Ado, ich bitt' dich um alles, red' nicht mit mir, als wenn
ich eine Speisewagenbekanntschaft aus einem Schnellzug wre.

_Hechingen._ Mit der ich fahren mchte, fahren bis ans Ende der Welt!
$(Will ihre Hand kssen, sie entzieht sie ihm.)$

_Antoinette._ Ich bitt' dich, merk' doch, da mich das crispiert. Ein
altes Ehepaar hat doch einen Ton miteinander. Den wechselt man doch
nicht, das ist ja zum Schwindligwerden.

_Hechingen._ Ich wei nichts von einem alten Ehepaar, ich wei nichts
von unserer Situation.

_Antoinette._ Aber das ist doch eine gegebene Situation.

_Hechingen._ Gegeben? Das alles gibt's ja gar nicht. Hier bist du und
ich, und alles fngt wieder vom Frischen an.

_Antoinette._ Aber nein, gar nichts fngt vom Frischen an.

_Hechingen._ Das ganze Leben ist ein ewiges Wiederanfangen.

_Antoinette._ Nein, nein, ich bitt' dich um alles, bleib' doch in deinem
alten Genre. Ich kann's sonst nicht aushalten. Sei mir nicht bs, ich
hab' ein bissel Migrne, ich hab' schon frher nach Haus' fahren
wollen, bevor ich gewut hab', da ich dich -- ich hab' doch nicht
wissen knnen!

_Hechingen._ Du hast nicht wissen knnen, wer der sein wird, der vor
dich hintreten wird, und da es nicht dein Mann ist, sondern ein neuer
enflammierter Verehrer, enflammiert wie ein Bub' von zwanzig Jahren! Das
verwirrt dich, das macht dich taumeln. $(Will ihre Hand nehmen.)$

_Antoinette._ Nein, es macht mich gar nicht taumeln, es macht mich ganz
nchtern. So terre  terre macht's mich, alles kommt mir so armselig vor
und ich mir selbst. Ich hab' heut einen unglcklichen Abend, bitte, tu
mir einen einzigen Gefallen, la' mich nach Haus fahren.

_Hechingen._ Oh, Antoinette!

_Antoinette._ Das heit wenn du mir etwas Bestimmtes hast sagen wollen,
so sag's mir, ich werd's sehr gern anhren, aber ich bitt' dich um eins!
Sag's ganz in deinem gewhnlichen Ton, so wie immer.

_Hechingen_ $(betrbt und ernchtert, schweigt)$.

_Antoinette._ So sag doch, was du mir hast sagen wollen.

_Hechingen._ Ich bin betroffen zu sehen, da meine Gegenwart dich
einerseits zu berraschen, anderseits zu belasten scheint. Ich durfte
mich der Hoffnung hingeben, da ein lieber Freund Gelegenheit genommen
haben wrde, dir von mir, von meinen unwandelbaren Gefhlen fr dich
zu sprechen. Ich habe mir zurecht gelegt, da auf dieser Basis eine
improvisierte Aussprache zwischen uns mglicherweise eine vernderte
Situation schon vorfindet oder wenigstens schaffen wrde knnen. -- Ich
wrde dich bitten, nicht zu bersehen, da du mir die Gelegenheit, dir
von meinem eigenen Innern zu sprechen, bisher nicht gewhrt hast -- ich
fasse mein Verhltnis zu dir so auf, Antoinette -- langweil' ich dich
sehr?

_Antoinette._ Aber ich bitt' dich, sprich' doch weiter. Du hast mir doch
was sagen wollen. Anders kann ich mir dein Herkommen nicht erklren.

_Hechingen._ Ich fass' unser Verhltnis als ein solches auf, das nur
mich, nur mich, Antoinette, bindet, das mir, nur mir eine Prfungszeit
auferlegt, deren Dauer du zu bestimmen hast.

_Antoinette._ Aber wozu soll denn das sein, wohin soll denn das fhren?

_Hechingen._ Wende ich mich freilich zu meinem eigenen Innern, Toinette
--

_Antoinette._ Bitte, was ist, wenn du dich da wendest? $(Sie greift sich
an die Schlfe.)$

_Hechingen._ -- so bedarf es allerdings keiner langen Prfung. Immer
und immer werde ich der Welt gegenber versuchen, mich auf deinen
Standpunkt zu stellen, werde immer wieder der Verteidiger deines
Scharmes und deiner Freiheit sein. Und wenn man mir bewut Entstellungen
entgegenwirft, so werde ich triumphierend auf das vor wenigen Minuten
hier Erlebte verweisen, auf den sprechenden Beweis, wie sehr es dir
gegeben ist, die Mnner, die dich begehren und bedrngen, in ihren
Schranken zu halten.

_Antoinette_ $(nervs)$. Was denn?

_Hechingen._ Du wirst viel begehrt. Dein Typus ist die grande dame des
XVIII. Jahrhunderts. Ich vermag in keiner Weise etwas Beklagenswertes
daran zu erblicken. Nicht die Tatsache mu gewertet werden, sondern
die Nuance. Ich lege Gewicht darauf, klarzustellen, da, wie immer du
handelst, deine Absichten fr mich ber jeden Zweifel erhaben sind.

_Antoinette_ $(dem Weinen nah)$. Mein lieber Ado, du meinst es sehr gut,
aber meine Migrne wird strker mit jedem Wort, was du sagst.

_Hechingen._ Oh, das tut mir sehr leid. Um so mehr, als diese
Augenblicke fr mich unendlich kostbar sind.

_Antoinette._ Bitte, hab' die Gte -- $(sie taumelt)$.

_Hechingen._ Ich versteh'. Ein Auto?

_Antoinette._ Ja. Die Edine hat mir erlaubt, ihres zu nehmen.

_Hechingen._ Sofort. $(Geht und gibt den Befehl. Kommt zurck mit ihrem
Mantel. Indem er ihr hilft.)$ Ist das alles, was ich fr dich tun kann?

_Antoinette._ Ja, alles.

_Kammerdiener_ $(an der Glastr, meldet)$. Das Auto fr die Frau Grfin.

_Antoinette_ $(geht sehr schnell ab)$.

_Hechingen_ $(will ihr nach, hlt sich)$.


Sechste Szene

_Stani_ $(von rckwrts aus dem Wintergarten. Er scheint jemand zu
suchen)$. Ah, du bist's, hast du meine Mutter nicht gesehen?

_Hechingen._ Nein, ich war nicht in den Salons. Ich hab' soeben meine
Frau an ihr Auto begleitet. Es war eine Situation ohne Beispiel.

_Stani_ $(mit seiner eigenen Sache beschftigt)$. Ich begreif' nicht.
Die Mamu bestellt mich zuerst in den Wintergarten, dann lt sie mir
sagen, hier an der Stiege auf sie zu warten --

_Hechingen._ Ich mu mich jetzt unbedingt mit dem Kari aussprechen.

_Stani._ Da mut du halt fortgehen und ihn suchen.

_Hechingen._ Mein Instinkt sagt mir, er ist nur fortgegangen, um mich im
Klub aufzusuchen und wird wiederkommen. $(Geht nach oben.)$

_Stani._ Ja, wenn man so einen Instinkt hat, der einem alles sagt! Ah,
da ist ja die Mamu!


Siebente Szene

_Crescence_ $(kommt unten von links seitwrts der Treppe heraus)$.
Ich komm' ber die Dienerstiegen, diese Diener machen nichts als
Miverstndnisse. Zuerst sagt er mir, du bittest mich, in den
Wintergarten zu kommen, dann sagt er in der Galerie --

_Stani._ Mamu, das ist ein Abend, wo man aus den Konfusionen berhaupt
nicht herauskommt. Ich bin wirklich auf dem Punkt gestanden, wenn es
nicht wegen ihr gewesen wre, stante pede nach Haus zu fahren, eine
Dusche zu nehmen und mich ins Bett zu legen. Ich vertrag' viel, aber
eine schiefe Situation, das ist mir etwas so Odioses, das zerrt direkt
an meinen Nerven. Ich mu vielmals bitten, mich doch jetzt au courant zu
setzen.

_Crescence._ Ja, ich begreif' doch gar nicht, da der Onkel Kari hat
weggehen knnen, ohne mir auch nur einen Wink zu geben. Das ist eine
von seinen Zerstreutheiten, ich bin ja desperat, mein guter Bub'.

_Stani._ Bitte mir doch die Situation etwas zu erklren. Bitte mir nur
in groen Linien zu sagen, was vorgefallen ist.

_Crescence._ Aber alles ist ja genau nach dem Programm gegangen. Zuerst
hat der Onkel Kari mit der Antoinette ein sehr agitiertes Gesprch
gefhrt --

_Stani._ Das war schon der erste Fehler. Das hab' ich ja gewut, das war
eben zu kompliziert. Ich bitte mir also weiter zu sagen!

_Crescence._ Was soll ich ihm denn weiter sagen? Die Antoinette strzt
an mir vorbei, ganz bouleversiert, unmittelbar darauf setzt sich der
Onkel Kari mit der Helen --

_Stani._ Es ist eben zu kompliziert, zwei solche Konversationen an einem
Abend durchzufhren. Und der Onkel Kari --

_Crescence._ Das Gesprch mit der Helen geht ins Endlose, ich komm' an
die Tr -- die Helen fllt mir in die Arme, ich bin selig, sie lauft
weg, ganz verschmt, wie sich's gehrt, ich strz' ans Telephon und
zitier' dich her!

_Stani._ Ja, ich bitte, das wei ich ja, aber ich bitte, mir
aufzuklren, was denn hier vorgegangen ist!

_Crescence._ Ich strz' im Flug durch die Zimmer, such' den Kari, find'
ihn nicht. Ich mu zurck zu der Partie, du kannst dir denken, wie ich
gespielt hab'. Die Mariette Stradonitz invitiert auf Herz, ich spiel'
Karo, dazwischen bet' ich die ganze Zeit zu die vierzehn Nothelfer.
Gleich darauf mach' ich Renonce in Pik. Endlich kann ich aufstehen, ich
such' den Kari wieder, ich find' ihn nicht! Ich geh' durch die finstern
Zimmer bis an der Helen ihre Tr, ich hr' sie drin weinen. Ich klopf'
an, sag' meinen Namen, sie gibt mir keine Antwort. Ich schleich' mich
wieder zurck zur Partie, die Mariette fragt mich dreimal, ob mir
schlecht ist, der Louis Castaldo schaut mich an, als ob ich ein Gespenst
wr. --

_Stani._ Ich versteh' alles.

_Crescence._ Ja, was, ich versteh' ja gar nichts.

_Stani._ Alles, alles. Die ganze Sache ist mir klar.

_Crescence._ Ja, wie sieht er denn das?

_Stani._ Klar wie's Einmaleins. Die Antoinette in ihrer Verzweiflung
hat einen Tratsch gemacht, sie hat aus dem Gesprch mit dem Onkel
Kari entnommen, da ich fr sie verloren bin. Eine Frau, wenn sie in
Verzweiflung ist, verliert ja total ihre Tenue; sie hat sich dann an
die Helen heranfaufiliert und hat einen solchen Mordstratsch gemacht,
da die Helen mit ihrem Fumo und ihrer pyramidalen Empfindlichkeit
beschlossen hat, auf mich zu verzichten, und wenn ihr das Herz brechen
sollte.

_Crescence._ Und deswegen hat sie mir die Tr nicht aufgemacht!

_Stani._ Und der Onkel Kari, wie er gesprt hat, was er angerichtet hat,
hat sich sofort aus dem Staub gemacht.

_Crescence._ Ja, dann steht die Sache doch sehr fatal! Ja, mein guter
Bub', was sagst du denn da?

_Stani._ Meine gute Mamu, da sag' ich nur eins, und das ist das einzige,
was ein Mann von Niveau sich in jeder schiefen Situation zu sagen hat:
man bleibt, was man ist, daran kann eine gute oder eine schlechte Chance
nichts ndern.

_Crescence._ Er ist ein lieber Bub', und ich adorier ihn fr seine
Haltung, aber deswegen darf man die Flinten noch nicht ins Korn werfen!

_Stani._ Ich bitte um alles, mir eine schiefe Situation zu ersparen.

_Crescence._ Fr einen Menschen mit seiner Tenue gibt's keine schiefe
Situation. Ich such' jetzt die Helen und werd' sie fragen, was zwischen
jetzt und dreiviertel zehn passiert ist.

_Stani._ Ich bitt' instndig --

_Crescence._ Aber mein Bub', er ist mir tausendmal zu gut, als da
ich ihn wollt einer Familie oktroyieren und wenn's die vom Kaiser von
China wr'. Aber anderseits ist mir doch auch die Helen zu lieb, als
da ich ihr Glck einem Tratsch von einer eiferschtigen Gans, wie die
Antoinette ist, aufopfern wollte. Also tu' er mir den Gefallen und
bleib' er da und begleit er mich dann nach Haus, er sieht doch, wie ich
agitiert bin. $(Sie geht die Treppe hinauf, Stani folgt ihr.)$


Achte Szene

_Helene_ $(ist durch die unsichtbare Tr links herausgetreten, im Mantel
wie zum Fortgehen. Sie wartet, bis Crescence und Stani sie nicht mehr
sehen knnen. Gleichzeitig ist Karl durch die Glastr rechts sichtbar
geworden; er legt Hut, Stock und Mantel ab und erscheint. Helene hat
Karl gesehen, bevor er sie erblickt hat. Ihr Gesicht verndert sich
in einem Augenblick vollstndig. Sie lt ihren Abendmantel von den
Schultern fallen, und dieser bleibt hinter der Treppe liegen, dann tritt
sie Karl entgegen.)$

_Hans Karl_ $(betroffen)$. Helen, Sie sind noch hier?

_Helene_ $(hier und weiter in einer ganz festen, entschiedenen Haltung
und in einem leichten, fast berlegenen Ton)$. Ich bin hier zu Haus.

_Hans Karl._ Sie sehen anders aus als sonst. Es ist etwas geschehen!

_Helene._ Ja, es ist etwas geschehen.

_Hans Karl._ Wann, so pltzlich?

_Helene._ Vor einer Stunde, glaub' ich.

_Hans Karl_ $(unsicher)$. Etwas Unangenehmes?

_Helene._ Wie?

_Hans Karl._ Etwas Aufregendes?

_Helene._ Ah ja, das schon.

_Hans Karl._ Etwas Irreparables?

_Helene._ Das wird sich zeigen. Schauen Sie, was dort liegt.

_Hans Karl._ Dort? Ein Pelz. Ein Damenmantel scheint mir.

_Helene._ Ja, mein Mantel liegt da. Ich hab' ausgehen wollen.

_Hans Karl._ Ausgehen?

_Helene._ Ja, den Grund davon werd' ich Ihnen auch dann sagen. Aber
zuerst werden Sie mir sagen, warum Sie zurckgekommen sind. Das ist
keine ganz gewhnliche Manier.

_Hans Karl_ $(zgernd)$. Es macht mich immer ein bisserl verlegen, wenn
man mich so direkt was fragt.

_Helene._ Ja, ich frag' Sie direkt.

_Hans Karl._ Ich kann's gar nicht leicht explizieren.

_Helene._ Wir knnen uns setzen. $(Sie setzen sich.)$

_Hans Karl._ Ich hab' frher in unserer Konversation -- da oben, in dem
kleinen Salon --

_Helene._ Ah, da oben in dem kleinen Salon.

_Hans Karl_ $(unsicher durch ihren Ton)$. Ja, freilich, in dem kleinen
Salon. Ich hab' da einen groen Fehler gemacht, einen sehr groen.

_Helene._ Ah?

_Hans Karl._ Ich hab' etwas Vergangenes zitiert.

_Helene._ Etwas Vergangenes?

_Hans Karl._ Gewisse ungereimte, rein persnliche Sachen, die in mir
vorgegangen sind, wie ich im Feld drauen war, und spter im Spital.
Rein persnliche Einbildungen, Halluzinationen, sozusagen. Lauter Dinge,
die absolut nicht dazu gehrt haben.

_Helene._ Ja, ich versteh' Sie. Und?

_Hans Karl._ Da hab' ich Unrecht getan.

_Helene._ Inwiefern?

_Hans Karl._ Man kann das Vergangene nicht herzitieren, wie die Polizei
einen vor das Kommissariat zitiert. Das Vergangene ist vergangen.
Niemand hat das Recht, es in eine Konversation, die sich auf die
Gegenwart bezieht, einzuflechten. Ich drck' mich elend aus, aber meine
Gedanken darber sind mir ganz klar.

_Helene._ Das hoff' ich.

_Hans Karl._ Es hat mich hchst unangenehm berhrt in der Erinnerung,
sobald ich allein mit mir selbst war, da ich in meinem Alter mich so
wenig in der Hand hab' -- und ich bin wieder gekommen, um Ihnen Ihre
volle Freiheit, pardon, das Wort ist mir ganz ungeschickt ber die
Lippen gekommen -- um Ihnen Ihre volle Unbefangenheit zurckzugeben.

_Helene._ Meine Unbefangenheit -- mir wiedergeben?

_Hans Karl_ $(unsicher, will aufstehen)$.

_Helene_ $(bleibt sitzen)$. Also das haben Sie mir sagen wollen -- ber
Ihr Fortgehen frher?

_Hans Karl._ Ja, ber mein Fortgehen und natrlich auch ber mein
Wiederkommen. Eines motiviert ja das andere.

_Helene._ Aha. Ich dank' Ihnen sehr. Und jetzt werd' ich Ihnen sagen,
warum Sie wiedergekommen sind.

_Hans Karl._ Sie mir?

_Helene_ $(mit einem vollen Blick auf ihn)$. Sie sind wiedergekommen,
weil ... ja! es gibt das! gelobt sei Gott im Himmel! $(Sie lacht.)$ Aber
es ist vielleicht schade, da Sie wiedergekommen sind. Denn hier ist
vielleicht nicht der rechte Ort, das zu sagen, was gesagt werden mu --
vielleicht htte das -- aber jetzt mu es halt hier gesagt werden.

_Hans Karl._ Oh mein Gott, Sie finden mich unbegreiflich. Sagen Sie es
heraus!

_Helene._ Ich verstehe alles sehr gut. Ich versteh', was Sie
fortgetrieben hat, und was Sie wieder zurckgebracht hat.

_Hans Karl._ Sie verstehen alles? Ich versteh' ja selbst nicht.

_Helene._ Wir knnen noch leiser reden, wenn's Ihnen recht ist. Was Sie
hier hinausgetrieben hat, das war Ihr Mitrauen, Ihre Furcht vor Ihrem
eigenen Selbst -- sind Sie bs?

_Hans Karl._ Vor meinem Selbst?

_Helene._ Vor Ihrem eigentlichen tieferen Willen. Ja, der ist unbequem,
der fhrt einen nicht den angenehmsten Weg. Er hat Sie eben hierher
zurckgefhrt.

_Hans Karl._ Ich versteh' Sie nicht, Helen!

_Helene_ $(ohne ihn anzusehen)$. Hart sind nicht solche Abschiede fr
Sie, aber hart ist manchmal, was dann in Ihnen vorgeht, wenn Sie mit
sich allein sind.

_Hans Karl._ Sie wissen das alles?

_Helene._ Weil ich das alles wei, darum htt' ich ja die Kraft gehabt
und htte fr Sie das Unmgliche getan.

_Hans Karl._ Was htten Sie Unmgliches fr mich getan?

_Helene._ Ich wr' Ihnen nachgegangen.

_Hans Karl._ Wie denn nachgegangen? Wie meinen Sie das?

_Helene._ Hier bei der Tr auf die Gasse hinaus. Ich hab' Ihnen doch
meinen Mantel gezeigt, der dort hinten liegt.

_Hans Karl._ Sie wren mir -- ? Ja, wohin?

_Helene._ Ins Kasino oder anderswo -- was wei ich, bis ich Sie halt
gefunden htte.

_Hans Karl._ Sie wren mir, Helen -- ? Sie htten mich gesucht? Ohne zu
denken, ob -- ?

_Helene._ Ja, ohne an irgend etwas sonst zu denken. Ich geh' dir nach --
Ich will, da du mich --

_Hans Karl_ $(mit unsicherer Stimme)$. Sie, du, du willst? $(Fr sich.)$
Da sind wieder diese unmglichen Trnen! $(Zu ihr.)$ Ich hr' Sie
schlecht. Sie sprechen so leise.

_Helene._ Sie hren mich ganz gut. Und da sind auch Trnen -- aber die
helfen mir sogar eher, um das zu sagen --

_Hans Karl._ Du -- Sie haben etwas gesagt?

_Helene._ Dein Wille, dein Selbst; versteh' mich. Er hat dich umgedreht,
wie du allein warst, und dich zu mir zurckgefhrt. Und jetzt --

_Hans Karl._ Jetzt?

_Helene._ Jetzt wei ich zwar nicht, ob du jemand wahrhaft liebhaben
kannst -- aber ich bin in dich verliebt, und ich will -- aber das ist
doch eine Enormitt, da Sie mich das sagen lassen!

_Hans Karl_ $(zitternd)$. Sie wollen von mir --

_Helene_ $(mit keinem festeren Ton als er)$. Von deinem Leben, von
deiner Seele, von allem -- meinen Teil! $(Eine kleine Pause.)$

_Hans Karl._ Helen, alles, was Sie da sagen, perturbiert mich in der
malosesten Weise um Ihretwillen, Helen, natrlich um Ihretwillen! Sie
irren sich in bezug auf mich, ich hab' einen unmglichen Charakter.

_Helene._ Sie sind, wie Sie sind, und ich will kennen, wie Sie sind.

_Hans Karl._ Es ist so eine namenlose Gefahr fr Sie.

_Helene_ $(schttelt den Kopf)$.

_Hans Karl._ Ich bin ein Mensch, der nichts als Miverstndnisse auf dem
Gewissen hat.

_Helene_ $(lchelnd)$. Ja, das scheint.

_Hans Karl._ Ich hab' so vielen Frauen weh getan.

_Helene._ Die Liebe ist nicht slich.

_Hans Karl._ Ich bin ein maloser Egoist.

_Helene._ Ja? Ich glaub nicht.

_Hans Karl._ Ich bin so unstet, nichts kann mich fesseln.

_Helene._ Ja, Sie knnen -- wie sagt man das? -- verfhrt werden und
verfhren. Alle haben Sie sie wahrhaft geliebt und alle wieder im Stich
lassen. Die armen Frauen! Sie haben halt nicht die Kraft gehabt fr Euch
beide.

_Hans Karl._ Wie?

_Helene._ Begehren ist Ihre Natur. Aber nicht: das -- oder das --
sondern von einem Wesen: alles -- fr immer! Es htte eine die Kraft
haben mssen, Sie zu zwingen, da Sie von ihr immer mehr und mehr
begehrt htten. Bei der wren Sie dann geblieben.

_Hans Karl._ Wie du mich kennst!

_Helene._ Nach einer ganz kurzen Zeit waren sie dir alle gleichgltig,
und du hast ein rasendes Mitleid gehabt, aber keine groe Freundschaft
fr keine: das war mein Trost.

_Hans Karl._ Wie du alles weit!

_Helene._ Nur darin hab' ich existiert. Das allein hab' ich verstanden.

_Hans Karl._ Da mu ich mich ja vor dir schmen.

_Helene._ Schm' ich mich denn vor dir? Ah nein. Die Liebe schneidet ins
lebendige Fleisch.

_Hans Karl._ Alles hast du gewut und ertragen --

_Helene._ Ich htt' nicht den kleinen Finger gerhrt, um eine solche
Frau von dir wegzubringen. Es wr' mir nicht dafr gestanden.

_Hans Karl._ Was ist das fr ein Zauber, der in dir ist. Gar nicht wie
die andern Frauen. Du machst einen so ruhig in einem selber.

_Helene._ Du kannst freilich die Freundschaft nicht fassen, die ich fr
dich hab'. Dazu wird eine lange Zeit ntig sein -- wenn du mir die geben
kannst.

_Hans Karl._ Wie du das sagst!

_Helene._ Jetzt geh, damit dich niemand sieht. Und komm bald wieder.
Komm morgen, am frhen Nachmittag. Die Leut' geht's nichts an, aber der
Papa soll's schnell wissen. -- Der Papa soll's wissen -- der schon! Oder
nicht, wie?

_Hans Karl_ $(verlegen)$. Es ist das -- mein guter Freund Poldo
Altenwyl hat seit Tagen eine Angelegenheit, einen Wunsch -- den er mir
oktroyieren will: er wnscht, da ich, sehr berflssigerweise, im
Herrenhaus das Wort ergreife --

_Helene._ Aha --

_Hans Karl._ Und da geh' ich ihm seit Wochen mit der grten Vorsicht
aus dem Weg -- vermeide mit ihm allein zu sein -- im Kasino, auf der
Gasse, wo immer --

_Helene._ Sei ruhig -- es wird nur von der Hauptsache die Rede sein --
dafr garantier' ich. -- Es kommt schon jemand: ich mu fort.

_Hans Karl._ Helen!

_Helene_ $(schon im Gehen, bleibt nochmals stehen)$. Du! Leb wohl!
$(Nimmt den Mantel auf und verschwindet durch die kleine Tr links.)$


Neunte Szene

_Crescence_ $(oben auf der Treppe)$. Kari! $(Kommt schnell die Stiege
herunter.)$

_Hans Karl_ $(steht mit dem Rcken gegen die Stiege)$.

_Crescence._ Kari! Find' ich ihn endlich! Das ist ja eine Konfusion ohne
Ende! $(Sie sieht sein Gesicht.)$ Kari! es ist was passiert! Sag mir,
was?

_Hans Karl._ Es ist mir was passiert, aber wir wollen es gar nicht
zergliedern.

_Crescence._ Bitte! aber du wirst mir doch erklren --


Zehnte Szene

_Hechingen_ $(kommt von oben, bleibt stehen, ruft Hans Karl halblaut
zu)$. Kari, wenn ich dich auf eine Sekunde bitten drfte!

_Hans Karl._ Ich steh' zur Verfgung. $(Zu Crescence.)$ Entschuldig' sie
mich wirklich.

_Stani_ $(kommt gleichfalls von oben)$.

_Crescence_ $(zu Hans Karl)$. Aber der Bub'! Was soll ich denn dem Buben
sagen? Der Bub' ist doch in einer schiefen Situation!

_Stani_ $(kommt herunter, zu Hechingen)$. Pardon, jetzt einen Moment mu
unbedingt ich den Onkel Kari sprechen! $(Grt Hans Karl.)$

_Hans Karl._ Verzeih' mir einen Moment, lieber Ado! $(Lt Hechingen
stehen, tritt zu Crescence.)$ Komm sie daher, aber allein: ich will ihr
was sagen. Aber wir wollen es in keiner Weise bereden.

_Crescence._ Aber ich bin doch keine indiskrete Person!

_Hans Karl._ Du bist eine engelsgute Frau. Also hr' zu! Die Helen hat
sich verlobt.

_Crescence._ Sie hat sich verlobt mit'm Stani? Sie will ihn?

_Hans Karl._ Wart noch! So hab' doch nicht gleich die Trnen in den
Augen, du weit ja noch nicht.

_Crescence._ Es ist er, Kari, ber den ich so gerhrt bin. Der Bub'
verdankt ihm ja alles!

_Hans Karl._ Wart' sie, Crescence! -- Nicht mit dem Stani!

_Crescence._ Nicht mit dem Stani? Ja, mit wem denn?

_Hans Karl_ $(mit groer Gne)$. Gratulier' sie mir!

_Crescence._ Dir?

_Hans Karl._ Aber tret' sie dann gleich weg und misch sie's nicht in die
Konversation. Sie hat sich -- ich hab' mich -- wir haben uns miteinander
verlobt.

_Crescence._ Du hast dich! Ja, da bin ich ja selig!

_Hans Karl._ Ich bitte sie, jetzt vor allem zu bedenken, da sie mir
versprochen hat, mir diese odiosen Konfusionen zu ersparen, denen sich
ein Mensch aussetzt, der sich unter die Leut' mischt.

_Crescence._ Ich werd' gewi nichts tun -- $(Blick nach Stani.)$

_Hans Karl._ Ich hab' ihr gesagt, da ich nichts erklren werd',
niemandem, und da ich bitten mu, mir die gewissen Miverstndnisse zu
ersparen!

_Crescence._ Werd' er mir nur nicht stutzig! Das Gesicht hat er als
kleiner Bub' gehabt, wenn man ihn konterkariert hat. Das hab' ich schon
damals nicht sehen knnen! Ich will ja alles tun, wie er will.

_Hans Karl._ Sie ist die beste Frau von der Welt, und jetzt entschuldig'
sie mich, der Ado hat das Bedrfnis, mit mir eine Konversation zu haben
-- die mu also jetzt in Gottes Namen absolviert werden. $(Kt ihr die
Hand.)$

_Crescence._ Ich wart' noch auf ihn!

     $Crescence, mit Stani, treten zur Seite, entfernt, aber dann
     und wann sichtbar.$


Elfte Szene

_Hechingen._ Du siehst mich so streng an! Es ist ein Vorwurf in deinem
Blick!

_Hans Karl._ Aber gar nicht: ich bitt' um alles, wenigstens heute meine
Blicke nicht auf die Goldwage zu legen.

_Hechingen._ Es ist etwas vorgefallen, was deine Meinung von mir
gendert hat? oder deine Meinung von meiner Situation?

_Hans Karl_ $(in Gedanken verloren)$. Von deiner Situation?

_Hechingen._ Von meiner Situation gegenber Antoinette natrlich! Darf
ich dich fragen, wie du ber meine Frau denkst?

_Hans Karl_ $(nervs)$. Ich bitt' um Vergebung, aber ich mchte heute
nichts ber Frauen sprechen. Man kann nicht analysieren, ohne in die
odiosesten Miverstndnisse zu verfallen. Also ich bitt' mir's zu
erlassen!

_Hechingen._ Ich verstehe. Ich begreife vollkommen. Aus allem, was du
da sagst oder vielmehr in der zartesten Weise andeutest, bleibt fr
mich doch nur der einzige Schlu zu ziehen: da du meine Situation fr
aussichtslos ansiehst.


Zwlfte Szene

_Hans Karl_ $(sagt nichts, sieht verstrt nach rechts)$.

_Vinzenz_ $(ist von rechts eingetreten, im gleichen Anzug wie im ersten
Akt, einen kleinen runden Hut in der Hand)$.

_Crescence_ $(ist auf Vinzenz zugetreten)$.

_Hechingen_ $(sehr betroffen durch Hans Karls Schweigen)$. Das ist der
kritische Moment meines Lebens, den ich habe kommen sehen. Jetzt brauche
ich deinen Beistand, mein guter Kari, wenn mir nicht die ganze Welt ins
Wanken kommen soll.

_Hans Karl._ Aber mein guter Ado -- $(fr sich, auf Vinzenz
hinbersehend)$. Was ist denn das?

_Hechingen._ Ich will, wenn du es erlaubst, die Voraussetzungen
rekapitulieren, die mich haben hoffen lassen --

_Hans Karl._ Entschuldige mich fr eine Sekunde, ich sehe, da ist
irgendwelche Konfusion passiert. $(Er geht hinber zu Crescence und
Vinzenz.)$

_Hechingen_ $(bleibt allein stehen)$.

_Stani_ $(ist seitwrts zurckgetreten, mit einigen Zeichen von
Ungeduld)$.

_Crescence_ $(zu Hans Karl)$. Jetzt sagt er mir: du reist ab, morgen in
aller Frh -- ja was bedeutet denn das?

_Hans Karl._ Was sagt er? Ich habe nicht befohlen --

_Crescence._ Kari, mit dir kommt man nicht heraus aus dem Wiegel-Wagel.
Jetzt hab' ich mich doch in diese Verlobungsstimmung hineingedacht!

_Hans Karl._ Darf ich bitten --

_Crescence._ Mein Gott, es ist mir ja nur so herausgerutscht!

_Hans Karl_ $(zu Vinzenz)$. Wer hat Sie hergeschickt? Was soll es?

_Vinzenz._ Euer Erlaucht haben doch selbst Befehl gegeben, vor einer
halben Stunde im Telephon.

_Hans Karl._ Ihnen? Ihnen hab' ich gar nichts befohlen.

_Vinzenz._ Der Portierin haben Erlaucht befohlen, wegen Abreise morgen
frh sieben Uhr aufs Jagdhaus nach Gebhardtskirchen -- oder richtig
gesagt, heut frh, denn jetzt haben wir viertel eins.

_Crescence._ Aber Kari, was heit denn das alles?

_Hans Karl._ Wenn man mir erlassen mchte, ber jeden Atemzug, den ich
tu, Auskunft zu geben.

_Vinzenz_ $(zu Crescence)$. Das ist doch sehr einfach zu verstehen.
Die Portierin ist nach oben gelaufen mit der Meldung, der Lukas war im
Moment nicht auffindbar, also hab' ich die Sache in die Hand genommen.
Chauffeur habe ich avisiert, Koffer hab' ich vom Boden holen lassen,
Sekretr Neugebauer hab' ich auf alle Flle aufwecken lassen, falls er
gebraucht wird -- was braucht er zu schlafen, wenn das ganze Haus auf
ist? -- und jetzt bin ich hier erschienen und stelle mich zur Verfgung,
weitere Befehle entgegenzunehmen.

_Hans Karl._ Gehen Sie sofort nach Haus, bestellen Sie das Auto ab,
lassen Sie die Koffer wieder auspacken, bitten Sie den Herrn Neugebauer,
sich wieder schlafen zu legen und machen Sie, da ich Ihr Gesicht nicht
wieder sehe! Sie sind nicht in meinen Diensten, der Lukas ist vom
brigen unterrichtet. Treten Sie ab!

_Vinzenz._ Das ist mir eine sehr groe berraschung. $(Geht ab.)$


Dreizehnte Szene

_Crescence._ Aber so sag mir doch nur ein Wort! So erklr' mir nur --

_Hans Karl._ Da ist nichts zu erklren. Wie ich aus dem Kasino gegangen
bin, war ich aus bestimmten Grnden vollkommen entschlossen, morgen frh
abzureisen. Das war an der Ecke von der Freyung und der Herrengasse.
Dort ist ein Caf, in das bin ich hineingegangen und hab' von dort aus
nach Haus telephoniert; dann wie ich aus dem Kaffeehaus herausgetreten
bin, da bin ich, anstatt wie meine Absicht war, ber die Freyung
abzubiegen -- bin ich die Herrengasse heruntergegangen und wieder hier
hereingetreten -- und da hat sich die Helen -- $(er streicht sich ber
die Stirn.)$

_Crescence._ Aber ich lass' ihn ja schon. $(Sie geht zu Stani hinber,
der sich etwas im Hintergrund gesetzt hat.)$

_Hans Karl_ $(gibt sich einen Ruck und geht auf Hechingen zu, sehr
herzlich)$. Ich bitt' mir alles Vergangene zu verzeihen, ich hab'
in allem und jedem unrecht und irrig gehandelt und bitt', mir meine
Irrtmer alle zu verzeihen. ber den heutigen Abend kann ich im Detail
keine Auskunft geben. Ich bitt', mir trotzdem ein gutes Andenken zu
bewahren. $(Reicht ihm die Hand.)$

_Hechingen_ $(bestrzt)$. Du sagst mir ja Adieu, mein Guter! Du hast
Trnen in den Augen. Aber ich versteh' dich ja, Kari. Du bist der wahre,
gute Freund, unsereins ist halt nicht imstand', sich herauszuwursteln
aus dem Schicksal, das die Gunst oder Nichtgunst der Frauen uns
bereitet, du aber hast dich ber diese ganze Atmosphre ein fr allemal
hinausgeschoben --

_Hans Karl_ $(winkt ihn ab)$.

_Hechingen._ Das kannst du nicht negieren, das ist dieses gewisse Etwas
von Superioritt, das dich umgibt, und wie im Leben schlielich alles
nur Vor- oder Rckschritte macht, nichts stehen bleibt, so ist halt um
dich von Tag zu Tag immer mehr die Einsamkeit des superioren Menschen.

_Hans Karl._ Das ist ja schon wieder ein kolossales Miverstndnis! $(Er
sieht ngstlich nach rechts, wo in der Tr zum Wintergarten Altenwyl mit
einem seiner Gste sichtbar geworden ist.)$

_Hechingen._ Wie denn? Wie soll ich mir diese Worte erklren?

_Hans Karl._ Mein guter Ado, bitt' mir im Moment diese Erklrung und
jede Erklrung zu erlassen. Ich bitt' dich, gehen wir da hinber, es
kommt da etwas auf mich zu, dem ich mich heute nicht mehr gewachsen
fhle.

_Hechingen._ Was denn, was denn?

_Hans Karl._ Dort in der Tr, dort hinter mir!

_Hechingen_ $(sieht hin)$. Es ist doch nur unser Hausherr, der Poldo
Altenwyl --

_Hans Karl._ -- der diesen letzten Moment seiner Soiree fr den
gegebenen Augenblick hlt, um sich an mich in einer grlichen Absicht
heranzupirschen; denn fr was geht man denn auf eine Soiree, als da
einen jeder Mensch mit dem, was ihm gerade wichtig erscheint, in der
erbarmungslosesten Weise ber den Hals kommt!

_Hechingen._ Ich begreif' nicht --

_Hans Karl._ Da ich in der bermorgigen Herrenhaussitzung mein Debt
als Redner feiern soll. Diese scharmante Mission hat er von unserm Klub
bernommen, und weil ich ihnen im Kasino und berall aus dem Weg geh',
so lauert er hier in seinem Haus auf die Sekunde, wo ich unbeschtzt
dasteh'! Ich bitt' dich, sprich recht lebhaft mit mir, so ein bissel
agitiert, wie wenn wir etwas Wichtiges zu erledigen htten.

_Hechingen._ Und du willst wieder refsieren?

_Hans Karl._ Ich soll aufstehen und eine Rede halten, ber
Vlkervershnung und ber das Zusammenleben der Nationen -- ich, ein
Mensch, der durchdrungen ist von einer Sache auf der Welt: da es
unmglich ist, den Mund aufzumachen, ohne die heillosesten Konfusionen
anzurichten! Aber lieber leg' ich doch die erbliche Mitgliedschaft
nieder und verkriech' mich zeitlebens in eine Uhuhtten. Ich sollte
einen Schwall von Worten in den Mund nehmen, von denen mir jedes
einzelne geradezu indezent erscheint!

_Hechingen._ Das ist ein bisserl ein starker Ausdruck.

_Hans Karl_ $(sehr heftig, ohne sehr laut zu sein)$. Aber alles,
was man ausspricht, ist indezent. Das simple Faktum, da man etwas
ausspricht, ist indezent. Und wenn man es genau nimmt, mein guter Ado,
aber die Menschen nehmen eben nichts auf der Welt genau, liegt doch
geradezu etwas Unverschmtes darin, da man sich heranwagt, gewisse
Dinge berhaupt zu erleben! Um gewisse Dinge zu erleben und sich dabei
nicht indezent zu finden, dazu gehrt ja eine so rasende Verliebtheit
in sich selbst und ein Grad von Verblendung, den man vielleicht als
erwachsener Mensch im innersten Winkel in sich tragen, aber niemals sich
eingestehen kann! $(Sieht nach rechts.)$ Er ist weg. $(Will fort.)$

_Altenwyl_ $(ist nicht mehr sichtbar)$.

_Crescence_ $(tritt auf Kari zu.)$ So echappier er doch nicht! Jetzt mu
er sich doch mit dem Stani ber das Ganze aussprechen.

_Hans Karl_ $(sieht sie an)$.

_Crescence._ Aber er wird doch den Buben nicht so stehen lassen!
Der Bub' beweist ja in der ganzen Sache eine Abnegation, eine
Selbstberwindung, ber die ich geradezu starr bin. Er wird ihm doch ein
Wort sagen. $(Sie winkt Stani, nherzutreten.)$

_Stani_ $(tritt einen Schritt nher)$.

_Hans Karl._ Gut, auch das noch. Aber es ist die letzte Soiree, auf
der sie mich erscheinen sieht. $(Zu Stani, indem er auf ihn zutritt)$.
Es war verfehlt, mein lieber Stani, meiner Suada etwas anzuvertrauen
$(reicht ihm die Hand)$.

_Crescence._ So umarm' er doch den Buben! Der Bub' hat ja doch in dieser
Geschichte eine Tenue bewiesen, die ohnegleichen ist.

_Hans Karl_ $(sieht vor sich hin, etwas abwesend)$.

_Crescence._ Ja, wenn er ihn nicht umarmt, so mu doch ich den Buben
umarmen fr seine Tenue.

_Hans Karl._ Bitte das vielleicht zu tun, wenn ich fort bin. $(Gewinnt
schnell die Ausgangstr und ist verschwunden.)$


Vierzehnte Szene

_Crescence._ Also, das ist mir ganz egal, ich mu jemanden umarmen! Es
ist doch heute zuviel vorgegangen, als da eine Person mit Herz wie ich
so mir nix dir nix nach Haus fahren und ins Bett gehen knnt'!

_Stani_ $(tritt einen Schritt zurck)$. Bitte, Mamu! nach meiner Idee
gibt es zwei Kategorien von Demonstrationen. Die eine gehrt ins
strikteste Privatleben: dazu rechne ich alle Akte von Zrtlichkeit
zwischen Blutsverwandten. Die andere hat sozusagen eine praktische
und soziale Bedeutung: sie ist der pantomimische Ausdruck fr eine
auergewhnliche, gewissermaen familiengeschichtliche Situation.

_Crescence._ Ja, in der sind wir doch!

_Altenwyl_ $(mit einigen Gsten ist oben herausgetreten und ist im
Begriffe, die Stiege herunterzukommen)$.

_Stani._ Und fr diese gibt es seit tausend Jahren gewisse richtige und
akzeptierte Formen. Was wir heute hier erlebt haben, war tant bien que
mal, wenn man's Kind beim Namen nennt, eine Verlobung. Eine Verlobung
kulminiert in der Umarmung des verlobten Paares. -- In unserm Fall ist
das verlobte Paar zu bizarr, um sich an diese Formen zu halten. Mamu,
sie ist die nchste Verwandte vom Onkel Kari, dort steht der Poldo
Altenwyl, der Vater der Braut. Geh sie sans mot dire auf ihn zu und
umarm' sie ihn, und das Ganze wird sein richtiges, offizielles Gesicht
bekommen.

     $Altenwyl ist mit einigen Gsten die Stiege heruntergekommen.$

_Crescence_ $(eilt auf Altenwyl zu und umarmt ihn. Die Gste stehen
berrascht)$.

     $Vorhang.$

Druck von Frankenstein & Wagner, Leipzig.





End of the Project Gutenberg EBook of Der Schwierige, by Hugo von Hofmannsthal

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both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

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effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
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property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
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LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

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in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER
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If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
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that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation information page at www.gutenberg.org


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at 809
North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887.  Email
contact links and up to date contact information can be found at the
Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org

Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit:  www.gutenberg.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For forty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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