The Project Gutenberg EBook of Reise nach dem skandinavischen Norden und
der Insel Island im Jahre 1845. Zweiter Band., by Ida Pfeiffer

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Title: Reise nach dem skandinavischen Norden und der Insel Island im Jahre 1845. Zweiter Band.

Author: Ida Pfeiffer

Release Date: October 25, 2014 [EBook #47193]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK REISE NACH DEM SKANDINAVISCHEN NORDEN ***




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  Reise
  nach dem
  skandinavischen Norden
  und der
  Insel Island
  im Jahre 1845.

  Von
  Ida Pfeiffer,
  geborne Reyer,
  Verfasserin der Reise einer Wienerin in das heilige Land.

  Zweite Auflage.

  Zweiter Band.

  Pest, 1855.

  Verlag von Gustav Heckenast.


  Pest, 1855. Gedruckt bei Landerer und Heckenast.




Inhalt des zweiten Bandes.


                                                          Seite

  Reise nach dem Geiser, Hekla u.s.w.                       1

  Fernere Bemerkungen ber Island und seine Bewohner         64

  Abreise von Island. -- Fahrt nach Kopenhagen               79

  Abreise von Kopenhagen. -- Christiania                     97

  Aufenthalt zu Christiania                                 107

  Reise nach Delemarken                                     115

  Reise von Christiania nach Stockholm                      142

  Aufenthalt in Stockholm                                   170

  Fahrt nach dem alten knigl. Schlosse Gripsholm in
        Mlarsee                                            182

  Reise von Stockholm nach Upsala und den Eisenbergwerken
        von Danemora                                        188

  Von Stockholm nach Travemnde und Hamburg                 208

  Von Hamburg nach Berlin                                   220

  Aufenthalt in Berlin. -- Rckkehr nach Wien               227

  Charlottenburg                                            236

  Potsdam                                                   238

  Jahresgehalte der kn. dnischen Beamten auf Island       252

  Verzeichni der auf Island gesammelten wirbellosen
        Thiere                                              256

  Uebersicht der islndischen Pflanzen                      259




Reise nach dem Geiser, Hekla, u.s.w.


Das Wetter hatte sich bald wieder aufgeheitert, und ich trat schon am
24.Juni meine Reise nach dem _Geiser_ und _Hekla_ an. -- Der erste Tag,
an dem wir nach Thingvalla ritten, bot an Gegenden zwar nichts Neues, aber
dafr eine uerst schne atmosphrische Erscheinung.

Als wir nmlich in die Nhe des See's kamen, senkten sich einige zarte
Nebelwolken ber den See und auch zur Erde, da es den Anschein hatte, als
ob es regnen wrde. -- Ein Theil des Himmels erglnzte im schnen Hellblau,
whrend der andere mit dichten Wolken bedeckt war, aus denen gerade die
Sonne hervor brach. Einige ihrer Strahlen erreichten nun die Nebelwolken,
und beleuchteten den Dunstkreis auf eine wunderbare Art. Der zarteste
Farbenschmelz war ber diese Stellen gehaucht; da schien ein Regenbogen
aufgelst; seine glhendsten Farben waren da verschmolzen, und traten doch
wieder einzeln aus dem Ganzen. Dieses Farbenspiel blieb so ber eine halbe
Stunde, dann ward es immer schwcher und schwcher, bis es ganz verschwand,
und die gewhnliche Atmosphre an seine Stelle trat. -- Es war die eine
der reitzendsten Erscheinungen, die ich je gesehen.


  25.Juni.

Eine viertel Meile hinter dem Oertchen Thingvalla trennen sich die Wege;
links reitet man nach Reikholt, rechts nach dem Geiser. -- Wir hatten
noch lange den See zur Seite, und fanden am Ende des Thales eine hnliche
schauerliche Felsenkluft, wie jene von Almannagiau, die wir auf einem
grlichen Wege passiren muten.

Das daran stoende Thal glich viel jenem von Thingvalla; dagegen sah das
dritte wieder schrecklich aus. Da war die Lava niedrig, und ganz mit jenem
weilichen Moose berwuchert, das sich wunderschn ausnimmt, wenn es nur
die untern Theile der Lava bedeckt, und wenn schwarze Massen und Figuren
darber hinaus ragen, so aber einen hchst einfrmigen und den Anblick
gewhrt.

Wir kamen auch an zwei Grotten vorber, die sich zu unsern Fen ffneten.
Am Eingange der einen stand ein Felsenpfeiler, als Sttze einer ungeheuern
Lavaplatte, welche ein schauerliches Portale bildete. Leider hatte ich von
diesen beiden Hhlen nichts gewut, und daher auch keine Vorbereitungen
getroffen, sie besuchen zu knnen. -- Wenigstens htte ich Fackeln dazu
benthiget. So viel ich aber spter erfuhr, sollen sie gar nicht tief
reichen, und nichts Interessantes bieten.

Im Verlaufe dieses Tages kamen wir durch Thler, wie ich deren in ganz
Island noch keine gesehen hatte. Schne Wiesenteppiche, und zwar ohne
jene zahllosen Erhhungen, bedeckten oft mehrere meilenlange Strecken.
-- Natrlich waren diese futterreichen Thler auch ziemlich bewohnt; wir
ritten hufig an 3-4 beisammen stehenden Kothen vorber, und sahen Pferde,
Khe und Schafe in ziemlicher Anzahl auf den Wiesen weiden.

Die Berge, die diese Thler auf der linken Seite begrnzten, erschienen
mir sehr merkwrdig; -- sie waren zwar auch braun, schwarz oder dunkelblau,
allein die Massen, aus welchen sie bestanden, hielt ich, meinen geringen
mineralogischen Kenntnissen zu Folge, fr feine Lehmschichten. Einige
dieser Berge hatten auch Aufstze von groen, einzeln stehenden Lavafelsen,
wirklichen Kolossen, von denen es mir unbegreiflich war, wie sie sich auf
diesen weichen Schichten halten konnten.

In einem dieser Thler lag auch ein ziemlich bedeutender See, an und um
welchen einige Dampfwolken empor wirbelten, die von unbedeutenden heien
Quellen aufstiegen.

Nun aber, nachdem wir schon bei 5-6 Meilen zurckgelegt hatten, kam das
Merkwrdigste das mir noch je vorgekommen ist; -- es war die ein Strom mit
einem ganz eigenthmlichen Flubette.

Dieses Flubett ist breit und etwas abschssig; es besteht aus
Lavaschichten und ist in der _Mitte_ der _Lnge_ nach durch eine 18-20 Fu
tiefe, und 15-18 Fu breite Schlucht getheilt, der sich das Wasser brausend
und schumend zudrngt, so da man schon von weitem das Rauschen desselben
hrt. -- Ueber diese Kluft fhrt ein hlzernes Brckchen, das in der Mitte
des Flusses steht, und stets von den hochaufspringenden Wogen besphlt
wird. -- Wer nun nicht nher unterrichtet ist, kann sich schwerlich diesen
Anblick, so wie das Tosen und Brausen des Stromes entrthseln. -- Das
Stckchen Brcke mitten im Flusse wrde man fr den Rest einer eben
zerstrten Brcke halten, und die Kluft sieht man vom Ufer aus nicht,
weil sie von den aufschumenden Wellen berragt ist. -- Gewi, von einer
unbeschreiblichen Bangigkeit wird man erfat, sieht man den verwegenen
Fhrer in den ungestmen Flu hineinreiten, und mu ihm dann ohne Gnade und
Barmherzigkeit folgen.

Der Priester zu Thingvalla hatte mich auf diese Scene schon vorbereitet,
und mir gerathen, ber diese Brcke zu _gehen_. Da aber der Wasserstand
in dieser Jahreszeit so gro war, da die Wogen von allen Seiten bei 2
Fu hoch ber die Brcke schlugen, konnte ich nicht absteigen, und mute
hinber reiten.

Die ganze Passage durch den Strom war so eigen, da man sie sehen mu, aber
schwer beschreiben kann. Mit furchtbarer Gewalt tobt und ras't das Wasser
von allen Seiten; es strzt mit heftigem Ungestm in die Kluft, bildet von
beiden Seiten Flle, und zerschellt beinah an den emporragenden Klippen.
-- Unweit der Brcke endet die Kluft, und der Strom strzt dann in seiner
ganzen Breite ber 30 bis 40 Fu hohe Felsen. Je mehr wir der Mitte
zukamen, desto wthender, tiefer und reiender wurde der Strom, desto
betubender das Getse. Die Pferde wurden ngstlich und scheu, und als wir
ber die Brcke reiten wollten, fingen sie an zu zittern, strubten sich,
wandten sich nach allen Seiten, nur nicht nach der rechten, und versagten
uns durchaus den Gehorsam. Mit unendlich vieler Mhe gelang es uns endlich,
sie ber diese gefahrdrohende Stelle zu bringen.

Das Thal, welches von diesem originellen Flubette durchschnitten wird, ist
enge, und ganz von Lava-Bergen und Hgeln umfat; die erstorbene, lautlose
Natur vollkommen geschaffen, dem Wanderer diese grausige Scene fr immer
in's Gedchtni zu prgen.

Dieser merkwrdige Strom war das letzte Hinderni gewesen, und nun ging
es ruhig und gefahrlos in einem schnen Thale fort, bis zu dem Geiser, den
jedoch ein vorliegender Hgel meinem sphenden Auge noch lange verbarg. --
Endlich war auch dieser Hgel umritten, und ich sah den Geiser mit seinen
Umgebungen, mit den mchtigen Dampfsulen, mit den zahllosen Wolken und
Wlkchen. -- Von diesem Hgel hatten wir noch eine kleine halbe Meile
an den Geiser, und die ihn umgebenden heien Quellen. Da kochten und
sprudelten sie rings um ihn herum, und mitten durch fhrte der Weg zu
seinem Becken. -- Achtzig Schritte vor diesem wurde Halt gemacht.

Und nun stand ich da -- vor einem Hauptziele meiner Reise; ich sah es, --
es lag so nahe vor mir, und doch wagte ich keinen Schritt weiter. -- Ich
wute nicht, ob und wie weit man sich dem Becken nhern drfe. -- Da
kam ein Bauer, der uns aus einer der nahen Kothen gefolgt war, und meine
Begierde und Furcht errathen haben mochte; der nahm mich bei der Hand und
machte meinen Cicerone. Leider hatte er aber, da es gerade Sonntag war, der
Brandweinflasche etwas zu tapfer zugesprochen, so da er mehr taumelte
als ging, -- und diesem Menschen nun, von dem ich nicht wute, ob er noch
Verstand genug bese, unterscheiden zu knnen, wie weit man sich berall
wagen drfe, sollte ich mich anvertrauen? -- Zwar versicherte mich mein
Fhrer, der mich von Reikjavik hierher begleitet hatte, da ich ihm dessen
ungeachtet trauen drfe, und da er selbst mitgehen werde, um mir sein
islndisches Kauderwelsch in das Dnische zu bersetzen, aber dennoch
folgte ich ihm nicht ohne einige Furcht.

Er fhrte mich also bis an den Rand des Beckens des Geisers, der auf einer
sanften Erhhung von hchstens 10 Fu liegt und in sich das Becken und
den Kessel fat. Der Durchmesser des Beckens mag 30 Fu betragen, der des
Kessels 6-7 Fu. Beide waren bis an den Rand gefllt, das Wasser war rein
wie Crystall, kochte und brauste aber nur sehr wenig. Bald verlieen wir
diese Stelle; denn, ist Becken und Kessel mit Wasser ganz angefllt, so ist
es hchst gefhrlich sich ihm zu nhern, da er sich alle Augenblick durch
einen Ausbruch entleeren kann. Wir gingen also die andern Quellen zu
besichtigen.

Mein begeisterter Fhrer bezeichnete mir jene, denen ich ungescheut nahen
drfe, und warnte mich vor den andern. Dann kehrten wir wieder in die Nhe
des Geisers, wo er mir noch einige Verhaltungsregeln fr den Fall eines
statthabenden Ausbruches gab, und mich dann verlie, um Anstalt zu meinem
Aufenthalte zu treffen. -- Ich will hier in Kurzem die Regeln meinen Lesern
mittheilen.

Die Wassersule steigt immer senkrecht in die Hhe, und das berstrmende
Wasser hat seine Hauptabzge stets auf einer und derselben Seite; von
dieser mu man sich daher entfernt halten. An den andern Seiten luft
zwar auch Wasser ab, aber nur in sehr geringer Menge, und in unfrmlichen
Rinnen, denen man leicht ausweichen kann. -- Man kann sich daher von diesen
Seiten selbst bei den strksten Ausbrchen bis auf vierzig Schritte nahen.
Der Ausbruch selbst kndigt sich durch ein dumpfes Gebrll an. Wie man nun
die vernimmt, mu man sich gleich auf die bezeichnete Stelle begeben,
da der Ausbruch sehr schnell darauf folgt. Das Wasser steigt jedoch nicht
jedesmal in die Hhe, oder oft auch nur unbedeutend, so da man, um eine
schne Explosion zu sehen, manchmal mehrere Tage verweilen mu.

Fr das Unterkommen der Reisenden sorgte wahrhaft edelmthig der
franzsische Gelehrte, Herr _P.Geimard_, der vor einigen Jahren ganz
Island bereiste. Er lie nmlich zwei groe Zelte zurck, und zwar das
eine hier, und das andere in Thingvalla. Das hiesige ist besonders
zweckdienlich, da man, wie gesagt, oft mehrere Tage auf einen schnen
Ausbruch warten mu. -- Gewi wird jeder Reisende, wenigstens in Gedanken,
ihm Dank fr diese Annehmlichkeit zollen. -- Ein Bauer, derselbe, der die
Reisenden an den Quellen herum fhrt, hat es zu bewahren, und mu es gegen
ein Trinkgeld von 1 bis 2fl. Jedermann aufschlagen.

Als ich mit meinem Zelte in Ordnung kam, war es bereits 11Uhr Nachts. Da
empfahlen sich Alle, und ich blieb _allein_ zurck.

Man pflegt immer die Nacht zu durchwachen, um keinen Ausbruch zu versumen.
Fr _mehrere_ Reisende ist nun zwar ein abwechselndes Wachen keine sehr
schwere Sache, fr mich allein war es aber doch eine arge Last; -- und
einem islndischen Bauer ist nicht zu trauen; den knnte oft kaum ein
Ausbruch des Hekla erwecken.

Ich sa bald vor, bald in dem Zelte und horchte mit gespannter Erwartung
der Dinge, die da kommen sollten; endlich -- nach Mitternacht -- der
Geisterstunde -- vernahm ich einige dumpfe Tne, als wrde in weiter
Ferne eine Kanone gelst, und deren echohnlicher Schall durch den Luftzug
herber getragen. -- Ich strzte aus dem Zelte, und erwartete nun in
Folge der Beschreibungen, welche ich gelesen hatte, unterirdisches Getse,
heftiges Krachen und Erzittern der Erde, als Vorlufer des eigentlichen
Ausbruches. -- Kaum konnte ich mich einer Anwandlung von Furcht erwehren.
Um Mitternacht bei einer solchen Scene sich allein zu wissen, ist denn doch
keine kleine Sache.

Manche meiner Freunde und Freundinen werden sich vielleicht erinnern, wie
ich ihnen schon bei meiner Abreise sagte, da ich mir vorstelle, auf
den Reisen in Island vorzglich in den Nchten am Geiser der meisten
Herzhaftigkeit zu benthigen.

Diese dumpfen Laute lieen sich nur in sehr kurzen Zwischenrumen 13 Mal
vernehmen; nach einem jedesmaligen Laute berlief das Becken, und entleerte
sich immer bedeutender Portionen Wassers. Die Tne selbst schienen
nicht von einem unterirdischen Tosen, sondern von den starken, heftigen
Aufwallungen des Wassers herzurhren. -- Nach anderthalb Minuten war
Alles vorber; das Wasser flo nicht mehr ber, Kessel und Becken blieben
ziemlich gefllt, und -- in jeder Hinsicht getuscht kehrte ich wieder
in mein Zelt zurck. -- Diese Erscheinungen wiederholten sich alle 2,
sptestens alle 3 Stunden. Ich sah und hrte die ganze Nacht nichts
anderes, so wie auch am folgenden Tage und in der zweiten Nacht. Vergebens
sah ich einem Ausbruche entgegen.

Nachdem ich mit dieser periodischen Beschaffenheit meines Nachbars vertraut
geworden war, berlie ich mich in den Zwischenrumen entweder einem leisen
Schlummer, oder ich besuchte die andern Quellen und ging auf Entdeckungen
aus -- nach den kochenden Brodem, und nach den verschiedenen farbigen
Quellen, welche hier gesehen zu haben manche Reisebeschreiber behaupten.

Alle heien Quellen sind in einem Umkreise von 800 bis 900 Schritte
vereint; mehrere derselben sind merkwrdig, die meisten aber unbedeutend.

Sie liegen in einem Winkel eines ungeheueren Thales am Fue eines Hgels,
hinter welchem sich eine Gebirgskette erhebt. Das Thal ist ganz mit Gras
bewachsen, und die Vegetation ist nur unmittelbar in der Nhe der Quellen
etwas geringer. -- Auch liegen berall Kothen, ja die nchsten an den
Quellen mgen kaum 7-800 Schritte davon entfernt sein.

Grere Becken und Kessel mit kochenden und springenden Quellen zhlte ich
zwlf; -- kleinere noch mehr.

Unter den Springquellen zeichnet sich besonders der _Strokker_ aus. Er
kocht und wallt mit ganz auerordentlicher Heftigkeit in einer Tiefe von
ungefhr 20 Fu, schiet dann pltzlich auf, und wirft seine Strahlen in
die Hhe. Ein solcher Ausbruch soll oft ber eine halbe Stunde whren,
und die Strahlen sollen oft bei 40 Fu hoch gehen. Ich sah mehrere seiner
Ausbrche, aber leider nie einen in dieser vollen Herrlichkeit. Der
strkste Strahl, den ich sah, mochte hchstens 30 Fu hoch gehen, und das
Aufsteigen whrte nie ber eine Viertelstunde. -- Der Strokker ist auer
dem Gaiser die einzige Quelle, der man sich vorsichtig nahen mu. Die
Ausbrche folgen oft auf einander, setzen aber oft auch viele Stunden aus,
und kndigen sich nicht an. -- Eine andere Quelle springt bestndig, aber
nie ber 3-4 Fu. -- Wieder eine andere liegt ungefhr 4-5 Fu tief in
einem ziemlich weiten Kessel, und wirft kaum einige zarte Blschen auf.
Diese Ruhe ist aber nur scheinbar; sie dauert oft nicht Minute, hchst
selten 2 bis 3 Minuten. Dann fngt die Quelle an zu brausen, zu wallen und
zu kochen, und wirft 2 bis 3 Fu hohe Strahlen, die jedoch nie die Hhe des
Kessels erreichen. -- In einigen Kesseln hrte ich wieder ein Kochen und
Brausen, wie ein leises Brllen, sah aber kein Wasser, oft nicht einmal
viel Dampf aufsteigen.

Zwei der allermerkwrdigsten Quellen aber, wie man sie vielleicht in der
ganzen Welt nicht sehen kann, liegen gleich oberhalb des Geisers, in zwei
Oeffnungen, die durch eine kaum fubreite Felswand geschieden sind. Diese
Scheidewand erhebt sich aber nicht ber die Oberflche des Erdbodens,
sondern geht nur in die Tiefe hinab; das Wasser kocht sehr schwach, und hat
einen gleichmig langsamen Abflu. Die auerordentliche Schnheit dieser
Quellen besteht in ihrer merkwrdigen Durchsichtigkeit und Klarheit. All
die manigfaltigen Formen und Hhlen, die vorspringenden Zacken und Ecken
der Felsen sieht man weit hinab, bis sich der Blick in den Tiefen der
Finsterni verliert. -- Noch schner aber und wie dem Feenreiche entnommen
wird diese Quelle durch eine herrliche Beleuchtung, die sich an den Felsen
bildet. Es ist das zarteste, durchsichtigste, blagrn und blau spielende
Licht, und gleicht dem Wiederscheine eines griechischen Feuers. -- Das
Merkwrdigste aber ist, da dieses Farbenspiel von den Felsen auszugehen
scheint, indem es sich nur 8 bis 10 Zoll weit davon erstreckt, und das
brige Wasser wieder farblos, wie das gewhnliche, nur durchsichtiger und
reiner ist.

Ich konnte das nicht glauben, und dachte, die Sonne me doch auch mit im
Spiele sein; ich ging daher zu den verschiedensten Zeiten an diese Quellen,
theils wenn die Sonne hell leuchtete, theils wenn sie von Wolken ganz
umhllt war, ja selbst nach ihrem Untergange: -- die Beleuchtung blieb
immer dieselbe, immer das gleiche, berirdisch schne Farbenspiel.

Man kann sich dem Rande dieser Quellen ungescheut nahen. Die Decke, welche
sich unmittelbar an die Quellen schliet, und unter die man nach allen
Seiten sehen kann, ist zwar nur eine dnne Felsplatte, aber doch stark
genug, um jeden Einbruch zu verhten. -- Das Schne und Ergreifende
liegt, wie bereits gesagt, in der magischen Beleuchtung und in der
Durchsichtigkeit, vermge welcher alle Hhlen und Grotten bis zur grten
Tiefe dem Auge sichtbar sind.

Unwillkhrlich fiel mir Schillers Taucher ein. Ich meinte den Becher an
den Spitzen und Zacken der Felsen hangen, -- die Ungeheuer aus den Tiefen
auftauchen zu sehen. ---- An dieser Stelle das herrliche Gedicht zu lesen,
mte von ganz eigener Wirkung sein.

Kessel, in welchen Brodem oder farbige Wasser kochten, fand ich beinahe gar
keine. Das Einzige, was ich der Art sah, war ein kleines Becken, in welchem
eine braunrothe Substanz kochte, die etwas dichter war als Wasser. Ein noch
kleineres Quellchen mit schmutzig braunem Wasser wrde ich ganz bersehen
haben, htte ich nicht so emsig nach derlei Merkwrdigkeiten gesucht.

Endlich nach langem Harren und Warten, am zweiten Tage meines Aufenthalts
am Geiser, am 27-ten Juni um halb 9Uhr Morgens, war es mir vergnnt, einen
Ausbruch des Geisers in seiner vollsten Pracht zu sehen. -- Der Bauer,
der tglich Frh und Abends kam, sich zu erkundigen, ob ich schon einen
Ausbruch gesehen habe, war gerade bei mir, als sich die dumpfen Tne,
welche denselben ankndigen, wieder hren lieen. -- Wir eilten hinaus, und
ich verlor abermals die Hoffnung etwas zu sehen; das Wasser berwallte
nur, wie gewhnlich, und das Getse lie schon nach. -- Da aber begann auf
einmal, als kaum die letzten Tne verstummt waren, die Explosion. --
Diese zu schildern, wei ich wirklich keine Worte zu finden. So etwas
Groartigem, so ergreifend Schnem kann man nur einmal im Leben begegnen.

Alle meine Erwartungen und Vorstellungen wurden weit bertroffen. -- Die
Strahlen schoen mit unbeschreiblicher Kraft, Heftigkeit und Wasserflle
empor; eine Sule stieg hher als die andere, eine schien die andere
berbieten zu wollen. -- Als ich nur einigermaen mich von der
Ueberraschung erholt hatte, und meiner Besinnung wieder mchtig war,
sah ich auf das neben an stehende Zelt. -- Wie klein, wie winzig klein,
erschien es gegen die Hhen dieser Wassersulen! Und doch hatte es bei 20
Fu Hhe. Freilich lag es ungefhr 10 Fu niedriger, als das Becken des
Geisers; -- htte man aber Zelt auf Zelt gestellt, so konnten diese 10
Fu doch nur das erstemal abgezogen werden, und ich berechnete nach meiner
Ansicht, die wohl nicht die richtigste sein mag, da man fnf und sechs
Zelte auf einander htte stellen knnen, um die gleiche Hhe zu erreichen.
-- Ohne Uebertreibung glaube ich behaupten zu knnen, da der strkste
Strahl gewi ber 100 Fu hoch stieg, und 3 bis 4 Fu im Durchmesser hatte.

Glcklicher Weise hatte ich schon beim Beginn der dumpfen Tne, der
Vorlufer des Ausbruches, auf die Uhr gesehen; whrend des Ausbruches
selbst wrde ich wohl darauf vergessen haben. -- Das Ganze whrte bei
vier Minuten, von denen die grere Hlfte auf die eigentliche Eruption zu
rechnen ist.

Als diese wunderbare Scene geendet hatte, geleitete mich der Bauer an
das Becken. Wir konnten uns nun sowohl diesem, als dem Kessel ohne Gefahr
nhern, und beide nach Gefallen betrachten und umgehen. -- Zu besorgen
war nichts mehr. Das Wasser war spurlos aus dem Becken verschwunden; wir
stiegen hinein und naheten uns unmittelbar dem Kessel, in welchem das
Wasser ebenfalls 7 bis 8 Fu tief gesunken war, wo es heftig kochte und
wallte.

Ich lste mittelst eines Hammers einige Krusten sowohl von dem Innern des
Beckens, als auch des Kessels; die ersteren waren wei, letztere braun.
Auch das Wasser kostete ich; es hatte keinen unangenehmen Geschmack, und
kann nur wenig Schwefeltheile enthalten, da auch der Dampf nicht darnach
riecht.

Ich ging nun jede halbe Stunde zu dem Becken des Geisers, um zu beobachten,
wie viel Zeit zur Fllung des Kessels und Beckens nthig sei. -- Nach der
ersten Stunde konnte ich noch in das Becken steigen; als ich aber nach
einer halben Stunde spter kam, war der Kessel bereits gefllt, und fing
gerade an berzulaufen. So lange das Wasser nur den Kessel fllte, kochte
es heftig auf, je mehr es aber in das Becken berflo, desto weniger kochte
es, und hrte beinahe ganz auf, nachdem das Becken angefllt war; es warf
nur hie und da kleine Blschen.

Nach dem Verlaufe von ferneren zwei Stunden -- es war gerade 12Uhr Mittags
-- war das Becken beinah bis an den Rand gefllt, und whrend ich noch an
selbem stand, fing das Wasser wieder an, sich heftig aufzuwerfen, und die
dumpfen Tne von sich zu geben. Ich hatte kaum Zeit zurck zu springen,
denn allsogleich erhoben sich die Strahlen. Sie stiegen diemal whrend
des Brllens empor, und waren noch wasserreicher, als jene der ersten
Explosion, was wohl daher kommen mochte, weil sie nicht so hoch sprangen,
und daher dichter beisammen blieben. -- Ihre Hhe mochte bei 40 und 50 Fu
betragen. Kessel und Becken blieben diemal nach dem Ausbruche beinahe eben
so gefllt, wie vorher.

Somit hatte ich nun zwei Explosionen des Geisers gesehen, und fhlte mich
bereits reichlich entschdigt fr meine unermdete Geduld und Wachsamkeit.
Aber ich sollte noch glcklicher sein, und seine Ausbrche in allen Formen
und Gestalten kennen lernen; -- er sprang abermals um 7Uhr Abends, stieg
hher als Mittags, und fhrte diemal einige Steine mit, die in der wei
schumenden Wassersule gerade wie schwarze Flecken und Punkte aussahen. --
Und wieder ein anderes Schauspiel gewhrte er in der dritten Nacht. --
Da erhob sich das Wasser in furchtbaren, schnell auf einander folgenden
Wallungen, ohne Strahlen zu werfen; das Becken flo stark ber, und es
erzeugte sich eine solche Masse von Dampf, wie ich noch nie gesehen.
Zufllig trieb ihn der Wind gerade der Gegend zu, wo ich stand, und da
hllte er mich so dicht ein, da ich kaum einige Fu weit sehen konnte. Ich
fhlte jedoch weder einen Geruch, noch eine Bengstigung, sondern nur einen
geringen Grad von Wrme.


  28.Juni.

Da ich nun den Geiser schon so oft und auch so schn hatte spielen gesehen,
bestellte ich meine Pferde auf heute 9Uhr Frh zur Weiterreise. Ich eilte
um so mehr aus der Nhe des Geisers, da ein hollndischer Prinz erwartet
wurde, der erst krzlich mit groem Gefolge in einer schnen Kriegsfregatte
zu Reikjavik angekommen war.

Noch hatte ich das Glck, vor meiner Abreise, um halb neun Uhr, abermals
einen Ausbruch zu sehen, und zwar einen beinah eben so schnen, als der
erste war. -- Auch diemal war das Becken ganz und der Kessel bis auf eine
Tiefe von 6 bis 7 Fu geleert. Ich konnte daher nochmals in das Becken
treten, und dem Geiser unmittelbar am Kessel selbst Lebewohl sagen, was
ich natrlich auch that.

Ich war nun drei Nchte und zwei Tage bestndig in unmittelbarer Nhe des
Geisers gewesen, und hatte im Ganzen fnf Ausbrche erlebt, von welchen
zwei zu den bedeutendsten gehrten; doch kann ich auf mein Wort versichern,
nicht Alles so gefunden zu haben, wie ich es mir nach den vernommenen
Erzhlungen und Beschreibungen vorstellte. -- Ich hrte nie ein greres
Gerusch, als ich es bereits anfnglich beschrieb, und fhlte von einem
Erzittern der Erde nie das Geringste, obwohl ich stets mit gespanntester
Aufmerksamkeit auf Alles achtete und mein Ohr sogar whrend einer Explosion
an den Boden hielt.

Es ist wirklich merkwrdig, wie manche Leute Alles nachreden, was sie von
Andern hren, und wie Andere wieder in ihrer erhitzten Fantasie selbst
Sachen zu sehen, zu hren und zu empfinden sich einbilden, die gar
nicht vorhanden sind, ---- und wie endlich noch Andere geradezu die
unverschmtesten Lgen erzhlen. -- So traf ich z.B. in Reikjavik im Hause
des Apothekers Mller einen Marine-Offizier von der franzsischen Fregatte,
welcher behauptete, er sei bis unmittelbar an den Krater des Vesuv's
geritten. -- Er dachte wohl nicht in Reikjavik mit Jemanden zusammen zu
treffen, der ebenfalls am Krater des Vesuv's gewesen war. -- Nichts rgert
mich mehr als dergleichen Lgen und Prahlereien. Ich konnte mich daher
nicht enthalten zu fragen, wie er das angestellt habe; -- ich sei auch
dort gewesen, scheue gewi so wenig eine Gefahr wie er, und htte mich doch
bequemen mssen, am Kogel des Vesuv's von dem Esel zu steigen, und mich von
meinen Fen hinauf tragen zu lassen. -- Er schien nun freilich ein wenig
verlegen und meinte, er habe sich versprochen, er habe nur sagen wollen,
bis beinahe an den Krater; -- doch wette ich darauf da er diese Lge noch
oft erzhlen, und sie endlich selbst glauben wird.

Bevor ich den Geiser verlasse, kann ich nicht umhin, meinen Lesern einige
Kleinigkeiten zu erzhlen, die mir da wiederfuhren. Ich hoffe ihre
Geduld nicht allzusehr zu ermden. -- Von einem so wenig bekannten Lande
interessirt oft das Geringste, und aus unbedeutenden Vorfllen kann man oft
am Besten auf die eigenthmlichen Eigenschaften der Bewohner schlieen.

Von meinem betrunkenen Cicerone habe ich bereits erzhlt; und heute noch
ist es mir ein Rthsel, wie er mich in einem solchem Zustande so sicher
umherfhren konnte; -- wre er nicht der einzige zu haben gewesen, ich
htte mich ihm gewi nicht anvertraut.

Als er das Zelt errichtet hatte, lie ich mir einen Kotzen und einen
Polster bringen, um der Feuchtigkeit des Bodens weniger ausgesetzt zu sein,
-- prosit die Mahlzeit ---- es sollte mir noch schlimmer ergehen. -- Aus
dem Polster kroch ein ganz kleines Wrmchen, in welchem ich Anfangs eine
Bereicherung meiner Sammlung gefunden zu haben vermeinte, welches ich aber
bei genauerer Besichtigung zu meinem Entsetzen fr eine Made erkannte. --
Mehrere dieser lieblichen Thierchen folgten noch nach. -- Natrlich warf
ich Polster und Kotzen allsogleich wieder zum Zelte hinaus.

Reinlichkeit ist bei den Islndern durchaus nicht zu finden; Alle sind im
hchsten Grade ekelhaft. So zog z.B. ein zwlfjhriges Mdchen, das mir
immer Schmetten (Obers) und frisches Wasser brachte, in meiner Gegenwart
den Stpsel aus der Flasche, um das daran klebende Obers mit der Zunge
abzulecken, und wollte solchen dann wieder auf die Flasche thun.

Oft sa sie halbe Stunden lang an meiner Seite; da geschah es denn
mitunter, da sie vom Ungeziefer auf dem Kopfe belstiget wurde; sie suchte
und fing es, sah es ganz phlegmatisch an, und wollte es gleich nebenan auf
den Boden werfen. -- Da ziehe ich in diesem Punkte noch die Grnlnder
vor, die speisen es doch sogleich auf, und man ist wenigstens vor einer
Erbschaft gesichert. -- Ueberhaupt haben die Islnder durchaus keinen
Begriff und kein Gefhl des Schicklichen. Wollte ich alle Ekelhaftigkeiten,
die ich sah, erzhlen, ich knnte noch manche Seite damit fllen.

Nie werde ich begreifen knnen, da dieses Volk einst durch Wohlhabenheit,
durch Tapferkeit und Bildung ausgezeichnet war. -- Ich setze z.B. im
Schicklichkeits-Gefhle die Islnder den Beduinen und Arabern weit nach.

Meine heutige Reise ging nur sechs Meilen weit, nach _Skalholt_.

Die erste Meile gingen wir denselben Weg zurck, den wir gekommen waren;
dann wendeten wir uns links und durchwanderten das ganze schne und lange
Thal, in welchem der Geiser liegt. -- Meilenweit sahen wir von dieser Seite
noch seine Dampfsulen aufsteigen. -- Die Wege waren nur gut, wo sie
sich an den Seiten der Hgel und Berge fortzogen; in den Ebenen waren sie
meistens sumpfig und voll Wasser. Wir verloren oft jede Spur des Weges, und
ritten nur der Gegend zu, dabei muten wir bei jedem Schritte befrchten
einzusinken, so weich und nachgiebig war der Boden.

Ich fand die Trgheit der islndischen Bauern wirklich unverzeihlich.
Alle Thler, die wir durchzogen, waren eigentlich groe, reich mit Gras
bewachsene Smpfe. Trten nun die einzelnen Gemeinden zusammen, um Grben
zu ziehen und sie trocken zu legen, so wrden sie die schnsten Wiesen
erhalten. Die beweisen die vielen Abhnge, wo das Wasser abluft; -- da
herrscht ppiger Graswuchs, da gedeihen schne Wiesenblumen und Kruter, ja
selbst wilder Klee. -- Meist stehen auf diesen Abhngen auch einige Kothen.

Bevor wir noch das Oertchen _Thorfastdir_ erreichten, erblickten wir schon
den _Hekla_, umgeben von schnen Jokuln.

In Thorfastdir kam ich gerade zu einem Begrbnisse. Als ich in die Kirche
trat, waren die Leidtragenden eben beschftigt, sich gegenseitig mit
Brandwein Muth und Trost einzutrinken. Freilich lautet das Gesetz, da die
nicht in der Kirche geschehen soll; -- doch hielten sich alle Leute an das
Gesetz, zu was wren die Richter? -- Gewi denken die Islnder so; sonst
wrden sie diesen Unfug unterlassen.

Endlich kam der Priester. -- Nun wurde ein Psalm oder ein Gebet -- ich
verstand nichts davon, da es islndisch war -- unter Anleitung eines
Vorbeters von dem Priester und von mehreren Auserwhlten -- Bauern --
derart herab geschrieen, da die guten Leute ganz erhitzt wurden, und
vllig auer Athem kamen. -- Hierauf stellte sich der Priester an den Sarg,
der aus Mangel an Raum auf die Lehnen der Bnke gestellt worden war, und
las da mit lauter Stimme ein Gebet ab, das ber eine halbe Stunde dauerte.
Die Funktionen im Innern der Kirche waren hiemit beendet, und die Leiche
wurde nun in Begleitung des Priesters und der Anwesenden um die Kirche
herum dem Grabe zu getragen. Letzteres war von einer Tiefe, wie ich noch
nirgends gesehen. -- Als die Leiche hineingesenkt worden war, warf der
Priester dreimal Erde darauf; von den Leidtragenden that aber die Niemand.
-- Unter der herausgegrabenen Erde befanden sich vier Todtenschdel,
mehrere Gebeine, und ein Stck Brett von einem einstigen Sarg. Alles
wurde dem so eben eingesenkten nachgeworfen, und das Grab im Beisein des
Priesters und des Volkes zugeschaufelt. Ein Mann trat dabei die Erde fest;
dann wurde ein Leichenhgel aufgerichtet, und mit Rasenstcken, die schon
bereit lagen, berdeckt. Die ganze Arbeit ging mit beispielloser Raschheit
von Statten.

Das Oertchen _Skalholt_, meine heutige Nachtstation, war in religiser
Beziehung einst so berhmt, wie Thingvalla in politischer. -- Hier ward,
bald nach Einfhrung der christlichen Religion, das erste Bisthum im Jahre
1098 gegrndet; auch soll die hiesige Kirche eine der grten und reichsten
gewesen sein. -- Jetzt ist Skalholt ein erbrmliches Nest; es besteht aus
einer mittelgroen hlzernen Kirche -- die vielleicht 100 Personen fassen
mag -- und 3-4 Kothen, und hat nicht einmal seinen eigenen Geistlichen,
sondern gehrt nach Thorfastdir.

Das Erste, als ich ankam, war, die noch vorhandenen Reste der Vergangenheit
zu besehen. -- Man zeigte mir vor Allem ein Bildni in Oehl gemalt, das
in der Kirche hngt und den ersten Bischof von Skalholt, _Thorlakur_,
darstellen soll, der wegen seines strengen und frommen Lebenswandels
beinahe als Heiliger verehrt wurde.

Hierauf wurden Anstalten gemacht, am Altar die groen Stufen, und mehrere
Bretter vom Fuboden wegzurumen. -- Erwartungsvoll stand ich daneben und
dachte an nichts anderes, als nun in eine Gruft steigen zu mssen, und
darin den einbalsamirten Krper des Bischofes zu finden. -- Ich mu
gestehen, da mir diese Aussicht gerade nicht sehr angenehm erschien, wenn
ich an die herannahende Nacht dachte, die ich in dieser Kirche, vielleicht
gerade ober dem Todten-Gerippe, zubringen mute. -- Ich hatte an dem
heutigen Tage ohnehin schon zu viel mit Verstorbenen zu thun gehabt, und
konnte den garstigen Leichengeruch, den ich in Thorfastdir einsog, gar
nicht mehr aus meinen Kleidern und aus meiner Nase bannen.[1] -- Wie
erfreut war ich daher, statt der gefrchteten Gruft und Mumie, nur eine
groe Marmorplatte zu Gesichte zu bekommen, auf der die blichen Anzeigen
der Geburt, des Todes u.s.w. dieses Bischofes standen.

  [1]: In Island herrscht so wie in Dnemark der Gebrauch, da man die
  Verstorbenen erst nach acht Tagen bestattet. Man denke sich nun einen
  todten Krper, der acht Tage, und noch dazu im Sommer, mitten unter den
  Lebendigen in einem warmen dumpfigen Loche gelegen hatte, und man
  wird mir gerne glauben, da viel Ueberwindung dazu gehrte, mit einer
  nicht-islndischen Nase einem solchen Leichenbegrbnisse vom Anfange
  bis zu Ende beizuwohnen. Doch will ich nicht lugnen, da der mir
  bleibende Leichengeruch auch Einbildung gewesen sein mag.

Noch zeigte man mir ein altes gesticktes Mekleid, und einen einfachen
goldenen Kelch, die beide aus jenen Zeiten herstammen sollen.

Dann stiegen wir in die sogenannte Rumpelkammer, die nur durch Bretter von
dem untern Theile der Kirche geschieden ist, und sich bis gegen den Altar
zu zieht. Hier befinden sich die Glocken und die Orgel wenn nmlich
die Kirche etwas derart besitzt, die Lebensvorrthe, und eine Menge
Gerthschaften verschiedener Art u.s.w. -- Man ffnete da eine ungeheure
Kiste, die groe Stcke Talg, der in Form von Ksen gegossen war, enthielt,
hob diese heraus, und kam auf die Bibliothek, in welcher ich einen sehr
interessanten Fund machte. Ich fand nmlich unter mehreren sehr alten
Bchern in islndischer Sprache, drei dicke Folianten, die ich ganz bequem
lesen konnte; -- sie waren deutsch, und enthielten Luthers Lehren, Briefe,
Episteln u.s.w.

Jetzt hatte ich aber auch Alles gesehen. -- Ich konnte nun auch auf
meine leiblichen Bedrfnisse denken, und mir etwas heies Wasser zum
Kaffeeaufgusse bringen lassen u.s.w. Abermals pflanzten sich smmtliche
Einwohner des Oertchens vor und in der Kirche auf, vermuthlich um an mir
das Studium ihrer Menschenkenntni zu bereichern. Doch bald sperrte ich die
Thr zu, und bereitete mir ein prchtiges Lager. Schon bei meinem ersten
Eintritte in die Kirche hatte ich an einer der Wnde einen langen Verschlag
bemerkt, der ganz mit Schafwolle angefllt war; auf diese warf ich meinen
Polster, und da lag ich so warm und so weich, wie in dem besten Bette. --
Des Morgens krauste ich die Wolle wieder sorgfltig auf, und kein Mensch
htte nun errathen knnen, wo ich eigentlich die Nacht zugebracht habe.

Nichts kam mir bei meinen derartigen Nachtquartieren komischer vor, als
die Neugierde der Leute, die stets, nachdem ich des Morgens die Thr
aufgeschlossen hatte, herein strmten. Das erste, was sie zu einander
sagten, war: =Kvar hefur hn sovid= (wo hat sie denn geschlafen?) Die
guten Leute konnten durchaus nicht begreifen, wie es mir mglich sei, die
ganze Nacht _allein_ in einer Kirche mitten auf dem Friedhofe zuzubringen;
sie hielten mich vielleicht fr einen halben Geist oder wohl gar fr eine
Zauberin, und htten gar zu gerne gewut, wo denn dieses Geschpf gehaust
habe. -- Wenn ich dann ihre verblften Gesichter gesehen hatte, mute ich
mich immer umwenden, um nicht laut aufzulachen.


  29.Juni.

Frh, zeitlich des Morgens setzte ich meine Reise wieder fort. Unweit
Skalholt kamen wir an den Flu _Thiorsa_, der ziemlich tief und sehr
reiend ist. Wir wurden in einem Boote bergesetzt; die Pferde muten
durchschwimmen. Es braucht oft viel Mhe diese Thiere in solche Strme zu
bringen; sie entdecken gleich, da sie da schwimmen mssen. -- Fhrer und
Bootsmann drfen sich nicht eher vom Ufer entfernen, als bis sie vom Strome
erfat sind, und selbst dann noch mssen sie ihnen Steine nachwerfen, mit
der Peitsche drohen, und sie durch Lrmen und Geschrei erschrecken, damit
sie nicht wieder umkehren.

Nachdem wir ungefhr drei Meilen auf grtentheils sumpfigen Wegen
zurckgelegt hatten, kamen wir zu einem schnen Wasserfalle des _Huitha_.
-- Dieser Fall war nicht so sehr durch seine Hhe -- die betrug kaum 15 bis
20 Fu, -- als vielmehr durch seine Breite und Wasserflle ausgezeichnet.
-- Einige schne Felsentrmmer sind an der Kante des Sturzes derart
gelagert, da sie ihn auf Augenblicke in drei Theile theilen; doch unter
ihnen vereinigt sich der Sturz gleich wieder. -- Das Bett dieses Flues
besteht, so wie auch seine Ufer, aus Lava.

Merkwrdig ist an diesem Flusse die Farbe des Wassers; sie spielt so sehr
in's Milchweie, da wenn die Sonne darauf scheint, wirklich keine starke
Einbildungskraft dazu gehrt, die ganze Flssigkeit fr Milch zu halten.

Eine kleine Meile oberhalb des Wasserfalles mu man den Huitha, der einer
der bedeutendsten Flsse Island's ist, in einem Boote bersetzen. -- Dann
zieht sich der Weg durch Wiesen, die jedoch weniger versumpft sind, als
ihre Vorgngerinen, bis zu einem groen Lavastrome, durch den man an die
Nhe des frchterlichen Feuerspeiers _Hekla_ erinnert wird.

Noch waren mir in Island keine so groen Strecken, wie vom Thale des
Geisers bis hierher, vorgekommen, die ich htte durchziehen knnen, ohne
auf Lavastrme zu stoen. -- Und selbst dieser hier schien fr die schnen
Wiesen einiges Mitleid zu empfinden; er theilte sich an mehreren Stellen
in zwei Arme, und umschlo so die lachende Flur. Doch auf lange hatte er
wahrscheinlich den nachstrmenden Massen nicht widerstehen knnen; er ward
mit fortgerissen, um berall hin Tod und Vernichtung zu tragen. --
Flchen, die mit dunklem Sande berdeckt waren, und steile Hgel, die sich
dazwischen lagerten, machten den Weg etwas mhevoll und beschwerlich.

So ging es fort bis zu dem Oertchen _Struvellir_, wo wir anhielten und
unsere Pferde einige Stunden ruhen lieen. Wir trafen hier eine groe
Versammlung von Menschen und Thieren.[2] Es war gerade Sonntag, und noch
dazu ein recht warmer, sonnenklarer, und da wurde in der hbschen Kirche
groer Gottesdienst gehalten. -- Nach Beendigung desselben sah ich eine
recht artige, lndliche Scene. Die Leute strmten alle aus der Kirche --
ich zhlte 96 Personen -- eine unerhrte Versammlung fr Island -- theilten
sich in verschiedene Gruppen, und schwatzten und schckerten, wobei sie
jedoch nicht vergaen, ihre Kehlen mit Brandwein zu befeuchten, von dem sie
bedeutende Quantitten zur Vorsorge mitgenommen hatten. Dann zumten sie
ihre Pferde, und schickten sich zu ihrer Abreise an. Nun regnete es Ksse
von allen Seiten und das Abschiednehmen hatte kein Ende, -- die Armen
wissen ja nie, ob und wann sie sich wieder zusammen finden.

  [2]: In Island reitet Alles.

In ganz Island besteht Willkomm und Abschied in einem derben Kusse, -- ein
Gebrauch der fr den Nicht-Islnder sehr ekelhaft ist, wenn er einen Blick
auf die hlichen, schmutzigen Gesichter, auf die tabaktriefenden Nasen
der Alten und auf die ....... der Kinder wirft. Jedoch fr den Islnder
hat die nichts auf sich. Alle kten den Priester und er wieder sie, dann
kten sie sich untereinander, und so ging es fort und fort. Es herrscht
hierbei nicht einmal Rangunterschied, und ich war nicht wenig erstaunt
zu sehen, wie mein Fhrer, ein ganz gewhnlicher Bauersknecht, ein halb
Dutzend Tchter eines Sysselmanns kte, oder die Frau und die Kinder
irgend eines Pastors, oder den Sysselmann, den Pastor oder Probst selbst,
und wie diese seine Ksse eben so herzlich erwiederten. -- Lndlich,
sittlich.

Die Ceremonieen in der Kirche fangen gewhnlich erst gegen Mittag an und
dauern zwei auch drei Stunden. -- Die Lebhaftigkeit vor der Kirche ist
dehalb so gro, weil es nirgend eine Gaststube gibt, in der man sich
versammeln, oder einen Stall, in den man die Pferde sperren knnte. Alles
mu unter freiem Himmel bleiben.

Als der Gottesdienst beendet war, besuchte ich den Priester, Herrn
_Horfuson_; er war so gtig, mir seine Begleitung nach dem zwei Meilen
entfernten Oertchen _Slsun_ anzutragen, hauptschlich um dort fr mich mit
einem Fhrer nach dem Hekla zu unterhandeln.

Ich war doppelt froh, diesen guten Mann an meiner Seite zu haben, da wir
einen sehr gefhrlichen Strom zu passiren hatten, der sehr reiend und so
tief war, da er den Pferden bis an die Brust reichte. Trotz dem, da
wir die Fe so viel als mglich hinauf zogen, wurden wir dennoch tchtig
durchnt. -- Eine derlei Partie gehrt zu den unangenehmsten, die ich
kenne. -- Das Pferd schwimmt mehr als es geht, und die erzeugt eine hchst
widerliche Empfindung. Man wei gar nicht, wohin man sehen soll; sieht man
in den Strom, so wird man sehr leicht vom Schwindel erfat, und sieht man
nach dem Ufer, so ist es auch nicht viel besser, denn dieses scheint sich
ordentlich zu bewegen und davon zu gleiten, was natrlich daher rhrt, weil
das Pferd, von der Strmung erfat, ein Stck abwrts gerissen wird. --
Zu meiner groen Beruhigung ritt der Priester an meiner Seite, um mich zu
erfassen, wenn ich mich auf dem Pferde nicht mehr sollte erhalten knnen.
-- Glcklich berstand ich auch diese Feuer- -- nein -- Wasserprobe,
und als wir das jenseitige Ufer erreicht hatten, machte mich HerrH.
aufmerksam, wie weit wir von der Strmung waren mitgerissen worden.

Das Thal, in welchem _Slsun_ und der _Hekla_ liegen, ist eben wieder eines
derjenigen, die man nur in Island finden kann. -- Es umfat die grten
Contraste. Da sind wunderliebliche Fluren, wie mit einem prchtigen
sammtgrnen Teppiche berzogen, dort wieder Hgel von schwarzer, glnzender
Lava; -- ja die Wiesen selbst sind durchschnitten von Lavastrmen und
Sandflchen. Bekanntlich hat der Hekla die schwrzeste Lava und den
schwrzesten Sand; hier ist nun Alles von ihm, Hgel und Berg, Lava und
Sand; und man kann sich denken, wie das aussieht. Ein einziger Berg an
der linken Seite des Hekla ist rothbraun, und mit Sand und Gerlle von
derselben Farbe ganz bedeckt. In der Mitte ist er stark eingesunken, und
scheint einen groen Krater zu bilden. -- Der Hekla selbst schliet sich
unmittelbar an die rund um ihn her aufgethrmten Lavaberge, und erscheint
von hier gesehen auf ihnen, wie ein hherer Aufsatz. Er ist von mehreren
Gletschern umgeben, deren glnzende Schneefelder sich tief herab neigen,
und deren Flchen wohl nie von einem menschlichen Fue betreten wurden.
Mehrere seiner Seitenwnde waren ebenfalls mit Schnee bedeckt. Links im
Thale bei Slsun, und am Fue eines Lavahgels liegt ein lieblicher See, an
dessen Ufer eine bedeutende Schafheerde gelagert war. -- Unweit davon
steht ein schner Berg, so vereinzelt und abgesondert, als ob er von seinen
Nachbarn verstoen und hierher gewiesen worden wre. -- Ueberhaupt ist
die Ansicht dieser ganzen Landschaft so echt islndisch, so eigen und
merkwrdig, da sie gewi fr immer meinem Gedchtnisse eingeprgt bleiben
wird.

Das Oertchen _Slsun_ liegt am Fue des Vorgebirges Hekla; man sieht es
aber erst, wenn man es schon beinahe erreicht hat.

Als wir zu _Slsun_ angelangt waren, war das Erste, einen Fhrer zu suchen,
und Alles zur Besteigung des Hekla vorzubereiten und auszuhandeln. Der
Fhrer hatte fr mich ein Pferd zu schaffen, und mich nebst meinem frhem
Fhrer bis auf die Spitze des Hekla zu geleiten. -- Er begehrte 5 Thaler
und 2 Mark, nach unserem Gelde 5fl. 20kr. CM., eine unverschmte
Forderung, -- fr das Pferd rechnete er nur 20kr., fr sich selbst 5fl.,
-- eine Summe, mit der er gewi einen ganzen Monat leben konnte. -- Doch
was war zu machen? Ein anderer Fhrer war nicht zu finden, das wute
er wohl, und so mute ich in Gottes Namen einwilligen. -- Nachdem Alles
geordnet war, empfahl sich mein gtiger Beschtzer, mir viel Glck zur
morgigen beschwerlichen Reise wnschend.

Ich sah mich nun nach einer Stelle um, wo ich die Nacht zubringen konnte;
-- ach, ein ekelhaftes Loch ward mir zu Theil. Man stellte mir eine
Truhe hinein, die etwas krzer war als meine Person, die sollte mir
zur Schlafstelle dienen; neben ihr hing ein mehr als ellenlanger halb
verfaulter Fisch, der bereits das ganze Gemach mit seinem Gestank verpestet
hatte. Ich konnte kaum Athem holen, und mute, da keine andere Oeffnung
vorhanden war, die Thre offen lassen, und derart die zahlreichen Besuche
der liebenswrdigen Einwohner empfangen. -- Wahrhaftig eine schne Erholung
und Strkung fr die morgende Reise!

Am Fue des Hekla, und besonders in dieser Gegend, scheint Alles unterhhlt
zu sein. -- Solch dumpfe drhnende Tne, wie sie hier den schweren
Futritten der Bauern nachhallten, hrte ich weder auf dem Vesuv, noch
sonst wo. -- Diese Tne machten einen besonders schauerlichen Eindruck
auf mich, da ich in der Nacht so ganz allein in diesem finstern Loche
eingeschlossen war.

Mein Hekla-Fhrer -- ich nenne ihn so zum Unterschiede meines andern --
meinte, da wir Morgens um zwei Uhr aufbrechen sollten. Ich war vollkommen
damit einverstanden, wute aber schon voraus, da wir um fnf Uhr auch noch
nicht zu Pferde sitzen wrden.

Wie gedacht, so geschehen. Erst um halb sechs Uhr waren wir vollkommen
ausgerstet, und zum Aufbruche bereit. Auerdem, da wir Brod und Kse,
eine Flasche Wasser fr mich und eine Flasche Brandwein fr meine Fhrer
mitnahmen, hatten wir uns auch mit langen Stcken, die unten in eisernen
Spitzen ausgingen, versehen, um damit den Schnee sondiren, und uns auf sie
sttzen zu knnen.

Der schnste, wrmste Morgen begnstigte uns, und guten Muthes galoppirten
wir ber die Wiesen, und die daran stoenden Sandflchen. Mein Fhrer nahm
die schne Wetter fr eine besonders glckliche Vorbedeutung; er sagte
mir, da Herr _Geimard_ -- der bereits erwhnte franzsische Gelehrte und
Naturforscher -- drei Tage auf schnes Wetter habe warten mssen. -- Die
sei nun schon neun Jahre, und seitdem habe Niemand den Hekla erstiegen. Ein
Prinz von Dnemark, der vor einigen Jahren ganz Island bereiste, sei zwar
auch da gewesen, aber unverrichteter Sache wieder weiter gezogen.

Der Weg fhrte anfnglich, wie gesagt, ber eine schne Wiese, und dann
ber Flchen von schwarzem Sande, die von allen Seiten von Strmen, Hgeln
und Bergen aufgethrmter Lava umfangen sind. Immer mehr und mehr rcken
diese furchtbaren Massen zusammen, und gewhren oft kaum den Ausweg durch
eine enge Schlucht; da mu man ber Lava-Blcke klettern, Hgel und Berge
erklimmen, und findet kaum ein Pltzchen, den Fu fest zu stellen. Lava
rollte neben und hinter uns, und wir muten sehr auf der Hut sein, nicht
selbst zu rollen, oder von der rollenden Lava getroffen zu werden. Das
Gefhrlichste waren aber die mit Schnee ausgefllten Schluchten, ber
die wir setzen muten; der Schnee war, durch die Wrme der vorgerckten
Jahreszeit, doch schon erweicht worden, und so sanken wir beinahe bei jedem
Schritte ein, oder was noch schlimmer war, glitten oft mehr zurck als wir
vorwrts kamen. Ich glaube kaum, da es einen zweiten Berg geben kann, bei
dessen Ersteigung man mit so vielen Schwierigkeiten zu kmpfen hat.

Nachdem wir nach vierthalbstndiger Mhe den letzten Hhen des Berges nahe
kamen, muten wir auch die Pferde zurck lassen. -- Ich htte die zwar
schon lange gethan, da mich die armen Thiere erbarmten, wie sie ber die
Abhnge, man knnte beinahe sagen, ber diese rollenden Berge, mehr fielen
als kletterten, aber mein Hekla-Fhrer lie es nicht zu. Theilweise kamen
doch Stellen, wo wir sie bentzen konnten, und dann behauptete er, msse
ich so weit als mglich reiten, um den nachfolgenden Beschwerden gewachsen
zu sein. -- Und er hatte recht; -- ich glaube kaum, da ich es ausgehalten
htte, all diese Strecken zu Fu zurck zu legen; denn wenn man schon
glaubt den letzten Hhen des Berges ganz nahe zu sein, lagern sich
abermals Hgel und Strme von Lava dazwischen, und man sieht sich vom Ziele
entfernter als zuvor.

Mein Fhrer sagte mir, da er noch nie Jemanden zu Pferde so weit gefhrt
habe, wie mich. -- Ich glaube es gerne, -- schon das Gehen war schrecklich,
das Reiten aber wahrhaft frchterlich!

Auf jeder erkmpften Hhe entrollten sich neue Bilder der desten,
traurigsten Gegend. Alles war starr und todt, berall ausgebrannte schwarze
Lava. -- Es war ein schmerzliches Gefhl, so weit zu sehen, und doch nichts
zu erschauen, als eine steinige Wste, ein unermeliches Chaos.

Noch hatten wir zwei Hhen zu erklimmen, -- es waren die letzten, aber
auch die schrecklichsten. Da ging es steil ber Lavamassen, die ordentlich
stachelig waren, und die ganze Spitze des Berges bedeckten. -- Wie oft
ich da fiel, und wie oft ich mir die Hnde an den feinen Zacken der Lava
aufritzte, kann ich gar nicht sagen. Ach! es war eine grliche Partie.

Die blendende Weie des Schnees wirkte beinahe blind machend gegen die
glnzend schwarze Lava daneben. Wenn ich Schneefelder ersteigen mute, sah
ich nach der Lava gar nicht hinber; ich hatte es einigemal versucht,
und htte darauf bald meinen Weg nicht mehr gesehen, ich wre schneeblind
geworden.

Endlich nach abermaligem zweistndigem Klettern war die Spitze des Berges
erstiegen. -- Ich stand nun auf dem _Hekla_, und suchte vor Allem den
Krater auf der schneelosen Spitze, und -- fand ihn nicht. Ich war um so
mehr erstaunt auf dem Hekla keinen Krater zu finden, da ich in einigen
Reisebeschreibungen ganz ausfhrliche Berichte davon gelesen hatte.

Ich umging die ganze Spitze des Berges, ich kletterte bis zu dem
anstoenden Jokul -- nirgends bemerkte ich eine Oeffnung, einen Ri, eine
eingedrckte Wand, oder sonst irgend ein Anzeichen eines Kraters. Nur an
den etwas tiefer gelegenen Seiten des Berges, aber durchaus nicht an dem
eigentlichen Kogel, sah ich weite Risse und Schlnde, aus welchen sich
wahrscheinlich die Lavastrme ergossen haben werden.

Die Hhe des Berges soll 4300 Fu betragen.

Schon whrend der letzten Stunde unseres Hinaufklimmens hatte sich die
Sonne verdunkelt. Nebelwolken strmten von den nahen Gletschern herber,
verbargen die Ferne, und hllten bald auch uns dermaen ein, da wir kaum
zehn Schritte weit sehen konnten. Endlich lsten sie sich auf, -- aber
glcklicher Weise nicht in Regen, sondern in Schnee, der in reichlicher
Menge die schwarze krause Lava mit groen Flocken berstreute. -- Der
Schnee blieb liegen, und der Thermometer wies 1 Grad Klte.

Nach und nach erschien der Himmel wieder in seinem unnachahmlichen zarten
Blau, und auch die Sonne sumte nicht lnger uns zu erfreuen. Ich blieb
oben auf der Spitze des Berges, bis die Wolken auch in der Ferne sich
theilten und mir eine willkommene Rundansicht gestatteten.

Solch ein Bild, wie ich es hier sah, meinen Lesern zu versinnlichen, ihnen
die Zerstrung, Ausdehnung und Anhufung dieser Lavamassen zu beschreiben,
ist leider meine Feder viel zu schwach. -- Ich meinte in einem Krater zu
stehen, das Ganze schien mir ein ausgebrannter Feuerherd. -- Hier waren
Lavamassen bereinander gethrmt zu steilen unersteigbaren Bergen, -- dort
fllten versteinerte Strme, deren Breite und Lnge ich gar nicht ersehen
konnte, unermeliche Thler. -- Alles war ber- und durcheinander geworfen,
und doch unterschied man wieder deutlich die Bahn der letzteren Ausbrche.

Man ist in der Mitte der grlichsten Schluchten, Hhlen, Strme, Thler
und Berge; man fat es kaum, wie es mglich gewesen sei, bis hierher zu
dringen, und wird von Angst und Entsetzen ergriffen bei dem unwillkhrlich
sich aufdringenden Gedanken, vielleicht nimmer wieder aus diesem grlichen
Labyrinthe hinaus finden zu knnen.

Hier, von der Spitze des Hekla konnte ich weit hinein in das unbewohnte
Land sehen -- das Bild einer erstarrten Schpfung, todt und regungslos, und
doch dabei so einzig groartig, -- ein Bild, das, nur einmal gesehen, nie
mehr dem Gedchtnisse entschwindet, und dessen Erinnerung allein schon fr
alle ausgestandenen Beschwerden und Gefahren reichlich entschdiget! Eine
ganze Welt von Gletschern, Lavamassen, Schnee- und Eisfeldern, Flen
und kleinen Seen liegt da aufgeschlossen, nie hat es ein menschlicher Fu
gewagt, ihr Inneres zu betreten. -- Wie mu es da gewthet und gearbeitet
haben, bis solche Gestaltungen geschaffen wurden? -- Und wird es nun genug
damit sein? -- Hat das Element ausgetobt, oder ruht es nur, gleich der
hundertkpfigen Hydra, um mit verdoppelter Kraft wieder hervor zu brechen,
und auch noch jene Gegenden zu verwsten, die ohnehin schon, so weit dem
Meere zugedrngt, sich nur als bescheidener Kranz um das Innere des Landes
winden. -- Ich danke Gott, da er mich dies Chaos seiner Schpfung schauen
lie; aber doppelt danke ich ihm, da er mich in Gefilden leben lt, wo
die Sonne mehr zu thun hat, als nur den Tag zu schaffen; wo sie wirkend und
wrmend Pflanzen und Thiere belebt, und das Herz des Menschen zur Freude
und zum Dank gegen den Schpfer stimmt.[3]

  [3]: Ich kann nicht umhin, bei dieser Gelegenheit eines sonderbaren
  Zufalls zu erwhnen. Als ich im Jahre 1842 am Fue des Aetna war, fand
  ich sein feuerspeiendes Element besnftiget. -- Erst einige Monate nach
  meiner Abreise flammte es mit erneuerten Krften auf. Als ich nun auf
  meiner Rckreise vom Hekla nach Reikjavik kam, uerte ich scherzweise,
  da es doch hchst sonderbar wre, wenn nun dieser Aetna des Nordens
  auch zum Ausbruche kme. -- Und kaum war ich fnf Wochen von Island
  entfernt, geschah die wirklich, und er flammte strker als je. --
  Um so merkwrdiger ist dieser Zufall, da der Hekla nun achtzig Jahre
  geschwiegen hatte, und bereits fr einen ausgebrannten Krater angesehen
  wurde. -- Kme ich jetzt wieder nach Island, so wrde man mich als
  bse Prophetin betrachten, und ich wre wahrscheinlich kaum meines
  Lebens sicher.

Die Westmanns-Inseln, die man vom Hekla aus erblicken soll, konnte ich
nicht finden, wahrscheinlich waren sie von Wolken verdeckt.

Schon whrend der Besteigung des Hekla hatte ich hufig die Lava berhrt,
theils unfreiwillig, wenn ich fiel, theils freiwillig, um eine heie oder
wenigstens warme Stelle zu finden. -- Ich war so unglcklich auf lauter
kalte zu treffen. Nichts konnte mir daher erwnschter kommen, als der so
eben gefallene Schnee. Ueberall sah ich begierig herum, ein Pltzchen zu
entdecken, wo ihn die unterirdische Hitze nicht dulden wrde. -- Dahin wre
ich dann geeilt, und das Gesuchte wre gefunden gewesen. -- Leider
blieb der Schnee an allen Orten liegen. Auch Rauchwolken sah ich nirgend
aufsteigen, obwohl ich stundenlang meine Augen nicht von dem Berge wendete,
den ich hier auch von allen Seiten bis tief hinab ganz berschauen konnte.

Als wir hinab stiegen, fanden wir in einer Tiefe von 5-600 Fu den Schnee
im Schmelzen; noch tiefer rauchte der ganze Berg, eine Erscheinung, die
ich fr eine Folge der pltzlich eingetretenen Sonnenwrme hielt; mein
Thermometer zeigte nmlich jetzt neun Grade Wrme. Ich beobachtete sie
hufig auch an Bergen, die nicht zu den Feuerspeiern gehrten. -- Die
Stellen, wo der Rauch aufstieg, waren ebenfalls kalt.

Die eigentliche glatte, kohlschwarze, glnzende und durchaus nicht porse
Lava findet man nur auf dem Hekla selbst und in seinen nhern Umgebungen.
Doch ist nicht alle Lava so; man sieht auch zackige, glasige und porse;
jede ist aber schwarz, so wie ebenfalls der Sand, welcher eine Seite des
Hekla berdeckt. Je weiter Lava und Sand von diesem Berge entfernt
sind, desto mehr verlieren sie jene Schwrze, und ihre Farbe geht ins
eisenfarbige, ja sogar ins lichtgraue ber; manche Lava behlt jedoch,
selbst bei dieser lichten Farbe, den Glanz und die Gltte der schwarzen
bei.

Nach dem mhevollsten Herabsteigen, und nachdem wir zur ganzen Partie ber
zwlf Stunden verwendet hatten, erreichten wir glcklich wieder Slsun,
und ich wollte mich eben, etwas niedergeschlagen, in meine frhere Wohnung
begeben, schaudernd bei dem Gedanken, hier abermals eine Nacht zubringen zu
mssen, -- da berraschte mich mein Fhrer sehr angenehm durch die Frage,
ob ich nicht vielleicht heute noch nach Struvellir wolle? Die Pferde seien
hinlnglich ausgeruht, und dort knnte ich doch im Hause des Priesters ein
gutes Zimmer bekommen. -- Rasch war Alles zusammen gepackt und im Kurzen
sa ich wieder zu Pferde. -- Als ich jetzt zum zweiten Male in die tiefe
Rangaa kam, durchritt ich sie schon furchtlos, und bedurfte keines Schutzes
mehr an der Seite. -- So ist der Mensch; nur das erstemal schreckt ihn die
Gefahr; hat er sie glcklich berwunden, denkt er das knftige Mal kaum
mehr daran, und begreift gar nicht, wie er da so groe Furcht haben konnte.

In der Nhe dieses Stromes sah ich eine Merkwrdigkeit, -- fnf kleine
Bumchen, die auf einer Wiese standen. Ihre Stmme waren zwar schief und
knotig, aber dennoch 6-7 Fu hoch, und mochten 4-5 Zoll im Durchmesser
haben.

Wie mein Fhrer behauptet hatte, fand ich wirklich in dem Hause des
Priesters ein niedliches Zimmerchen sammt einem guten Bette. Herr
_Horfuson_ ist einer der besten Menschen, die mir im Leben vorgekommen
sind. -- Mit grter Freude ergriff er jede Gelegenheit mir ein
Vergngen zu machen; ich habe ihm auch mehrere schne Mineralien, und ein
islndisches Buch vom Jahre 1601 zu verdanken. -- Gott lohne ihm seine Gte
und Herzlichkeit.


  1.Juli.

Nun ging die Reise abermal bis zum Flue _Huitha_, wo wir uns berfhren
lieen, dann schlugen wir eine andere Richtung ein. -- Da ging es durch
lauter schne Thler, die grtentheils mit Gras bewachsen waren; leider
wuchs aber darunter so viel Moos, da diese groen Flchen doch keine guten
Weiden abgaben, und nur den Reisenden eine Annehmlichkeit gewhrten, indem
sie hbsch aussahen und durchaus trocken waren.

Das Thal, in welchem _Hjalmholm_, unsere heutige Nachtstation lag, durchzog
ein groer Lavastrom, der jedoch so bescheiden war, nicht das ganze Thal
auszufllen, sondern auch dem schnen Wasserstrome _Elvas_ und einigen
Wiesen und Anhhen Raum gab, auf deren letzterer berall Kothen standen.
Dieses Thal war eines der bevlkertsten, die ich bisher sah.

_Hjalmholm_ liegt auch auf einem Hgel. Hier wohnt der Sysselmann des
Rangaarsyssels, und zwar in einem so schnen und groen Hause, wie ich
deren nur in Reikjavik einige sah. -- Ich wurde von seinen Tchtern -- er
selbst befand sich als Mitglied des Alldings in Islands Hauptstadt -- sehr
herzlich und freundlich aufgenommen.

Wir plauderten und schwatzten viel; ich suchte meine dnische
Sprachkenntni in voller Pracht und Herrlichkeit zu entfalten, und mute
dabei manchmal gar komische Phrasen hervorgebracht haben, denn die Mdchen
konnten sich oft des Lachens nicht enthalten. Das hinderte mich jedoch
nicht; ich lachte mit, nahm mein Wrterbuch, das ich stets mit mir
fhrte, zu Hilfe, und schwatzte wieder weiter. -- Von der Schnheit meiner
Landsmnninen muten sie durch meine Person eben auch keinen hohen Begriff
bekommen haben, wofr ich Letztere pflichtschuldigst um Entschuldigung
bitte, und sie dabei auf meine Ehre versichere, da ich es selbst am
meisten bedauerte. Allein die gute Mutter Natur verfhrt gegen Leute in
meinem Alter stets sehr unerbittlich, und gibt der Jugend, bezglich
der Aufmerksamkeit die man dem Alter erzeigen soll, ein sehr schlechtes
Beispiel. -- Statt uns zu ehren, und uns den Vorzug zu geben, hlt sie sich
lieber an das junge Volk, und jedes sechzehnjhrige Mdchen schlgt uns
wrdigen Matronen ein gar gewaltiges Schnippchen. Dazu kam noch, da
die schrecklich scharfe Luft und die rauhen Strme, denen ich bestndig
ausgesetzt war, mein Gesicht sehr entstellt hatten. -- Sie hatten mich
mehr angegriffen, als selbst die glhende Hitze im Oriente; -- ich sah sehr
braun aus, meine Lippen waren aufgesprungen, und meine Nase -- ach Gott!
-- die fing gar an sich gegen ihre garstige Farbe aufzulehnen; sie wollte
wahrscheinlich eine neue, blendendweie zarte Haut besitzen, und da schob
sie die alte in kleinen Stckchen von sich.

Das Einzige, was mich in der Meinung der guten Mdchen noch rettete, war,
da ich zuflliger Weise meine Haare mehr als gewhnlich aus der Stirne
streifte, und da dadurch eine weie Stelle zum Vorscheine kam. -- Wie aus
einem Munde schrien alle Mdchen, ganz berrascht und verwundert: =Hn er
quit= (sie ist wei). Ich mute darber lachen, und streifte den Aermel
hinauf, um ihnen zu beweisen, da ich nicht zu dem Stamme der Araber
gehre.

Aber auch mir stand in diesem Hause eine groe Ueberraschung bevor; -- ich
stberte nmlich in dem Bcherkasten des Sysselmannes herum, und fand da
-- Rottecks Weltgeschichte, ein deutsches Lexikon, und mehrere Gedichte und
andere Schriften von deutschen Dichtern.


  2.Juli.

So wie der Weg von Kalmannstunga nach Thingvalla ber lauter Lava fhrte,
so fhrte der heutige durch lauter Smpfe. Kaum hatten wir einen im Rcken,
lag schon wieder ein anderer vor uns. Doch schien auch hier der Grund aus
Lava zu bestehen; denn an vielen Orten erhoben sich kleine Flecken dieses
Gesteins, die wie Inseln aus den Smpfen ragten.

Die Gegend wurde nun schon immer freier; die Gletscher verloren sich nach
und nach ganz. Die hohen Gebirge auf der linken Seite erschienen, ihrer
groen Entfernung wegen, wie Hgel, und die nheren waren es wirklich. --
Nach einem ungefhr zwei Meilen langen Ritte muten wir in einem Boote
ber den ziemlich bedeutenden Flu _Elvas_ setzen, und hierauf ber einen
schmalen, sehr langen Damm balanciren, der ber eine Wiese fhrte, die ganz
unter Wasser stand. Wren wir auf diesem Damme einem Reisenden begegnet,
wte ich wahrlich nicht, was wir angefangen htten; das Umkehren wre so
gefhrlich gewesen, wie das Hinabsteigen in den Sumpf. Glcklicher Weise
begegnet man in Island Niemanden.

Hat man den Damm berschritten, so fhrt der Weg einige Meilen lngs der
Berge und Hgel, die alle aus Lava bestehen, und von sehr dunkler, beinahe
schwarzer Farbe sind. Das Gestein auf dieser Hhe war sehr lose; in der
Wiese unten lagen viele Kolosse, die herabgestrzt sein muten, und eine
Menge andere sahen dem Sturze jeden Augenblick entgegen. -- Wir bekamen
diese gefhrliche Passage glcklich im Rcken, ohne Augenzeuge eines
solchen Schauspieles sein zu mssen.

In diesen Gebirgen hrte ich sehr oft ein dumpfes Getse; ich hielt
es anfangs fr fernes Rollen des Donners, und suchte am Horizonte das
herannahende Gewitter zu entdecken. Als ich aber weder Wolken noch Blitze
sah, sondern nur den blauen Himmel, der sich heiter und rein ber die
unermelichen Thler wlbte, da gewahrte ich erst, da diese dumpfen Laute
in meiner Nhe zu suchen waren, und aus den Bergen kamen.

Die hhern Gebirge links verliert man nun immer mehr und mehr aus dem
Gesichte; dagegen breitet sich der Flu Elvas der Art aus, und theilt sich
in so viele Arme, da man ihn fr einen groen See mit vielen Inseln halten
knnte. Er ergiet sich in das nahe Meer, dessen ausgedehnte Flche man
erblickt, nachdem man noch einige unbedeutende Hgel berstiegen hat.

Das Thal _Reikum_, in welches wir nun kamen, ist eben so wie jenes von
Reikholt, reichhaltig an heien Quellen, die rechts theils in der Ebene,
theils auf Anhhen oder hinter solchen, in dem Umkreise einer halben Meile
beisammen liegen.

Als wir das Oertchen _Reikum_ erreicht hatten, lie ich gleich meine
wenigen Effekten in das Kirchlein schaffen, nahm einen Fhrer, und begab
mich zu diesen kochenden Quellen. -- Ich fand ihrer sehr viele, aber
merkwrdige nur zweie; die gehren aber auch wieder zu dem Merkwrdigsten,
was man in dieser Art sehen kann. Die Eine heit: _der kleine Geiser_, die
Andere: _der Bogensprung_.

Der kleine Geiser hat einen Kessel von ungefhr drei Fu im Durchmesser.
Das Wasser kocht heftig in einer Tiefe von zwei bis drei Fu, und bleibt
ziemlich in diesen Schranken, bis es anfngt zu springen, wo es dann einen
schnen wasserreichen Strahl von 20 bis 40 Fu in die Hhe wirft.

Schon um halb neun Uhr Abends hatte ich das Glck, einen dieser schnen
Ausbrche zu sehen, und durfte also nicht, wie beim groen Geiser, Tag
und Nacht seine Quelle belagern. Der Ausbruch dauerte sehr lange, und war
ziemlich gleichmig, nur auf Augenblicke sank der Strahl etwas zurck, um
dann mit erneuerter Gewalt auf die frhere Hhe wieder empor zu schieen;
erst nach vierzig Minuten sank er ganz in den Kessel zurck. -- Steine, die
wir hinein warfen, fhrte er entweder gleich, oder nach einigen Secunden in
zersplitterten Stcken bis zu einer Hhe von ungefhr 12-15 Fu mit sich.
-- Seine Dicke mochte 1 bis 1Fu im Durchmesser betragen. -- Mein Fhrer
versicherte mich, da diese Quelle in 24 Stunden hchstens drei Mal,
gewhnlich aber nur zwei Mal springe; -- also nicht wie ich irgendwo
gelesen, alle sechs Minuten. -- Ich selbst blieb bis Mitternacht in seiner
Nhe, sah aber keinen Ausbruch mehr.

Man knnte diese Quelle fglich mit dem _Strukker_ am Geiser vergleichen,
und drfte nur den einzigen Unterschied finden, da bei Letzterem das
Wasser im Kessel viel tiefer sinkt.

Die zweite der beiden merkwrdigen Quellen, _der Bogensprung_, liegt unweit
vom kleinen Geiser, am Abhange eines Hgels, den man bersteigen mu.
-- Bei keiner Springquelle hatte ich noch eine so sonderbare Bildung des
Bettes gefunden. -- Sie besitzt gar keinen Kessel, sondern liegt halb offen
vor den Fen, wie in einer kleinen Grotte, die in verschiedene Hhlungen
und Lcher getheilt, und halb kreisfrmig von einer Felswand umgeben ist,
die sich in einer Hhe von ungefhr zwei Fu sanft ber sie neigt, und dann
noch 10 bis 12 Fu gerade aufsteigt. -- Diese Quelle bleibt hchstens eine
Minute in ruhigem Zustande; sie fngt dann an schnell zu steigen und
zu kochen, und wirft einen wasserreichen Strahl auf, der an die sich
berneigende Felswand anprallt, durch sie breitgedrckt, und gleich einem
bogenartigen Fcher in die Hhe steigt. Die Hhe dieses so wunderbar
ausgebreiteten Strahles mag bei 12 Fu, der Bogen, den er beschreibt, 15
bis 20 Fu, und seine Breite 3 bis 8 Fu betragen. Die Zeit des Ausbruches
whrt oft lnger als jene der Ruhe. Nach dem Ausbruche sinkt das Wasser
immer einige Fu in die Hhle zurck, und gewhrt auf 15 oder 20 Secunden
einen Blick in diese wunderbare Grotte. -- Doch gleich fngt es wieder
an zu steigen, fllt bald sowohl die Grotte als auch das Becken, das
eigentlich nur eine etwas erhhte Fortsetzung der Grotte ist, und springt
von Neuem.

Ich verweilte bei diesem wundervollen Naturspiele gewi ber eine
Stunde, und konnte mich von dem Anblicke dieser bogenfrmig aufsteigenden
Wasserstrahlen gar nicht trennen. Mir gefiel diese Quelle, die gewi einzig
in ihrer Art ist, bei weitem besser, als jene des kleinen Geiser.

Noch ist eine Quelle da, der sogenannte _brllende Geiser_; es ist die
aber nichts, als ein unfrmliches Loch, in welchem man das Wasser kochen
hrt, aber nicht sieht. Das Gerusch ist unbedeutend.


  3.Juli.

Nahe an Reikum setzten wir ber ein Bchlein, das all diese heien Quellen
aufnimmt, und da einen artigen Fall bildet. Wir stiegen hierauf den daran
stoenden Berg hinan, und ritten dann gute zwei Stunden in einer Hochebene
fort. Die Hochebene selbst bot, da sie nur mit Lavagerlle und Moos bedeckt
war, einen sehr einfrmigen Anblick, -- dagegen war aber die Aussicht
desto abwechselnder und schner. Thal und Meer lagen ausgebreitet vor den
Blicken, und ich sah, was mir auf dem Hekla die Wolken neidisch
verborgen hatten, -- in weiter Ferne eine schne Gebirgskette, die
_Westmanns-Inseln_. Zu meinen Fen lagen einige Huschen, der Hafenort
_Eierbach_, und unweit davon strmen die Wasser der Elvas in jene des
Meeres.

Am Ende dieser Hochebene lag ein Thal, das zwar auch nur wieder mit Lava
ausgefllt war, aber mit jener schwarzen, zackigen, die einen so beraus
schnen Anblick gewhrt. Mchtige Strme dieser Lavaart durchzogen es von
allen Seiten, so da es beinahe einem schwarzen See glich, der durch eine
Reihe ebenfalls schwarzer Berge von dem Meere abgedmmt war.

Ueber Lava-Trmmer und Schneeflchen muten wir uns in dieses finstere Thal
hinab den Weg bahnen, und dann ging es fort durch Thler und Schluchten,
ber Lavafelder und Wiesenflchen, an dunkeln Bergen und Hgeln vorber,
bis zur Hauptstation meiner islndischen Reisen, -- bis nach Reikjavik.

Das ganze Land zwischen Reikum und Reikjavik ist grtentheils unbewohnt.
(Eine Strecke von 10 Meilen). Nur hie und da sieht man in den Lavafeldern
kleine Pyramiden von Lavasteinen aufgeschichtet, die als Wegweiser dienen,
und an zwei Stellen sind Huschen errichtet fr jene Reisende, die da im
Winter durchmssen. -- Wir trafen aber dennoch sehr viel Leben auf den
Straen, und berholten hufig Caravanen von 15-20 Pferden. -- Es war
nmlich jetzt Anfangs Juli, die Zeit des Verkehres und Handels in Island.
Da ziehen die Landleute 20 und noch mehrere Meilen weit nach Reikjavik,
um ihre Erzeugnisse und Produkte theils gegen Geld, theils gegen andere
Bedrfnisse umzusetzen. -- Die Kaufleute und Faktoren haben dann nicht
Hnde genug, die Waaren umzutauschen, oder die Rechnungen zu schlieen, die
der Bauer fr das oft schon whrend des Jahres Genommene berichtigen will.

Um diese Zeit herrscht in und um Reikjavik eine Lebendigkeit sonder
gleichen. Ueberall sieht man zahlreiche Gruppen von Menschen und Pferden.
Hier werden Waaren auf- oder abgeladen, dort begren sich Freunde, die
sich schon ein ganzes Jahr, oder noch lnger nicht gesehen haben. Da nehmen
Andere von einander Abschied; hier sieht man einzige Zelte[4] errichtet,
vor welchen sich Kinder herum tummeln, dort sieht man Betrunkene taumeln,
oder wohl gar zu Pferde heran sprengen, da Einem angst und bange wird, und
man jeden Augenblick frchtet sie strzen zu sehen u.s.w.

  [4]: Jeder nur etwas wohlhabende Bauer, der sich mehrere Tage von
  seinem Hause entfernt, fhrt ein kleines Zelt bei sich, das er berall
  aufschlagen kann. Diese Zelte sind hchstens 3 Fu hoch, 5 bis 6 Fu
  lang und 3 Fu breit.

Leider whrt diese Lebhaftigkeit hchstens 6-8 Tage. Fr den Bauer ist
die Heuernte vor der Thre, und der Kaufmann mu eilen seine eingelsten
Produkte und Waaren zu ordnen, und seine Schiffe damit zu befrachten, um
absegeln zu knnen, und noch vor den Strmen des herbstlichen Aequinoctiums
seinen Hafen zu erreichen.

  Von Reikjavik bis Thingvalla          10 Meilen.
  Von Thingvalla bis an den Geiser       8    "
  Vom Geiser nach Skalholt               6    "
  Von Skalholt bis Slsun                8    "
  Von Slsun bis Struvellir              2    "
  Von Struvellir bis Hjalmholm           6    "
  Von Hjalmholm bis Reikum               7    "
  Von Reikum bis Reikjavik              10    "
                                      -------------
                                        57 Meilen.




Fernere Bemerkungen ber Island und seine Bewohner.


Durch meine Reisen in diesem Lande hatte ich natrlich Gelegenheit, seine
Bewohner, und deren Thun und Treiben kennen zu lernen. Ich mu gestehen,
da ich von dem Bauernstande einen hhern Begriff gehabt hatte. Wenn man in
der Geschichte ihres Landes liest, da die ersten Bewohner dieser Insel von
aufgeklrten Staaten ausgewandert waren, da sie Gesittung und Kenntnisse
mitgebracht hatten; wenn man in den Schilderungen frherer Reisenden stets
von dem einfach gemthlichen Volke, von seiner wahrhaft patriarchalischen
Lebensweise sprechen hrt; wenn man endlich wei, da fast jeder Bauer
Island's lesen und schreiben kann, da man in der rmsten Htte wenigstens
die Bibel, und noch andere Bcher religisen Inhaltes findet; so ist man ja
freilich geneigt, die Volk fr das beste und gebildetste von ganz Europa
zu halten. -- Die Gesittung desselben dachte ich mir auch hinlnglich
verwahrt und gesichert durch den wenigen Verkehr mit Fremden, durch das
vereinzelte Leben, und durch die Armuth des Landes. Da gibt keine groe
Stadt Gelegenheit zu Putz und Unterhaltung, zur Erzeugung geringerer oder
grerer Laster. -- Nur selten betritt ein Fremdling die Insel, deren groe
Entfernung, deren rauhes Clima, Unwirthlichkeit und Armuth zu abschreckend
sind. -- Was allein sie interessant macht, Groartigkeit und Seltsamkeit
der Natur, gengt dem groen Haufen nicht.

Ich hielt daher Island, in Bezug seiner Bewohner, fr ein wahres
Arkadien, und freute mich innig ein solch idyllisches Leben doch zum Theil
verwirklicht zu sehen. -- Ich fhlte mich so glcklich, als ich dieses Land
betrat, -- ich htte alle Menschen an mein Herz drcken knnen, ------
Aber bald ward ich eines Andern belehrt.

Oft schon zrnte ich dem Mangel an Begeisterung, der bei mir sehr arg sein
mu, da ich leider immer Alles viel prosaischer sehe, als andere Reisende.
Ich bin auch weit entfernt zu behaupten, da ich _recht_ sehe, -- hchstens
habe ich die gute Eigenschaft, das Gesehene so darzustellen, wie ich es
sah, und nicht Andern nachzuplaudern.

Die Unhflichkeit und Herzlosigkeit der sogenannten gebildeten Klasse
habe ich bereits geschildert. Von dieser verlor ich sehr bald die
vorgefate gute Meinung. Nun kam die Reihe an die Arbeitsleute in der Nhe
Reikjavik's. -- Wie das Sprichwort von den Schweizern sagt: Kein Geld,
kein Schweizer, -- so kann man von diesen sagen: Kein Geld, kein
Islnder. -- Hier nur einige Beispiele:

Kaum erfuhren sie, da ich, eine Fremde, angelangt sei, so kamen sie auch
schon hufig und alle Augenblicke zu mir, und brachten mir Gegenstnde ganz
gewhnlicher Art, wie man sie in Island berall findet; die sollte ich nun
theuer bezahlen. Anfangs kaufte ich Manches aus Mitleid, oder um nur Ruhe
zu haben, und warf es gewhnlich wieder weg; bald aber mute ich damit
aufhren, ich wre sonst den ganzen Tag von Gro und Klein umlagert
gewesen. Die Sucht sich auf leichte Art etwas zu verdienen, nahm ich ihnen
dabei noch weniger bel, als die Unverschmtheit, mit der sie die Preise
machen und den Fremdling zu prellen suchen. -- Fr einen Kfer, den man
unter jedem Steine finden konnte, begehrten sie 5kr. C.M., fr eine
Schnecke, von deren Art Tausende an der Kste lagen, eben so viel, und fr
ein Vogelei, ganz gewhnlicher Art 10 bis 20kr. Zwar lieen sie dann,
wenn ich nichts kaufen wollte, oft zwei Drittheile der Forderung nach;
sicherlich war die aber keine Folge ihrer Redlichkeit. Ein anderes
Beispiel des Eigennutzes dieser Leute, erlebte der Bcker, bei dem ich
wohnte. -- Er hatte einen armen Taglhner aufgenommen, um sein Haus mit
Theer bestreichen zu lassen. Mitten in dieser Arbeit begriffen, kam dem
Manne ein anderer Verdienst vor. Da fand er es nicht einmal der Mhe werth,
den Bcker zu fragen, ob er einige Tage bei ihm aussetzen drfe; er ging
fort, und kam erst nach acht Tagen wieder, um die unterbrochene Arbeit
fortzusetzen. Um so schndlicher war die Benehmen von ihm, da seine Kinder
vom Bcker wchentlich zweimal Brod, und auch noch Butter dazu bekamen.

Auch ich war so glcklich, Aehnliches zu erfahren. Herr Knudson hatte fr
mich einen Fhrer gedungen, und in einigen Tagen schon sollte die Reise
angetreten werden. Da wollte zuflliger Weise auch der Stiftsamtmann einen
Ausflug machen, und schickte um meinen Fhrer. Dieser hoffte da mehr zu
verdienen, und sagte zu, kam aber nicht zu mir, um sich zu entschuldigen,
sondern lie mir blos am Vorabend der Reise sagen, da er krank geworden
sei, und folglich nicht mit mir gehen knne. -- Und solche Beispiele, die
dem Islnder gerade nicht zum Lobe gereichen, knnte ich noch gar viele
aufzhlen.

Ich trstete mich, Einfalt und Redlichkeit in den entfernteren Gegenden zu
finden, und freute mich dehalb doppelt auf meine Reisen in das Innere
des Landes. -- Da fand ich wohl manches Gute, doch leider auch so viele
Schattenseiten, da ich weit entfernt bin, die islndischen Bauern als
Muster aufzustellen.

Die vorzglichste ihrer guten Eigenschaften ist die Ehrlichkeit. -- Ich
konnte meine Sachen berall liegen lassen, und stundenlang davon entfernt
bleiben, -- nie mangelte mir das geringste, ja sie erlaubten sogar weder
sich noch ihren Kindern auch nur etwas davon in die Hnde zu nehmen. In
diesem Punkte sind sie so gewissenhaft, da wenn z.B. ein Bauer aus einem
entfernteren Orte kmmt, und in eine Kothe treten will, er gewi nicht
unterlt, vorher an die Thre zu klopfen, selbst wenn sie offen steht.
Sagt Niemand herein, so betritt er sie nicht. -- Man knnte ohne Furcht
und Sorge bei unverschlossener Thre schlafen.

Ueberhaupt sind Verbrechen hier so selten, da das Gefngnigebude zu
Reikjavik schon seit vielen Jahren in das Wohnhaus fr den Stiftsamtmann
umgewandelt wurde. -- Kleine Vergehungen werden gleich bestraft, entweder
in Reikjavik selbst, oder an dem Orte, wo der Sysselmann seinen Sitz hat.
-- Groe Verbrecher werden nach Kopenhagen geschickt und dort verurtheilt
und bestraft.

Mein Hausherr zu Reikjavik, der Bckermeister Bernhft, erzhlte mir,
da seit den 13 Jahren, die er in Island ansssig ist, nur ein groes
Verbrechen begangen worden sei. -- Ein verheiratheter Bauer hatte mit
seiner Magd ein Kind gezeugt, und es gleich nach der Geburt verbrannt. --
Die kleineren Verbrechen bestehen meistens aus Vieh-Diebsthlen.

Was die Kenntnisse der Islnder anbelangt, so sah ich wirklich mit
Erstaunen, da fast Alle lesen und schreiben konnten; Letzteres war unter
dem weiblichen Geschlechte etwas seltener. Jnglinge und Mnner aber hatten
oft recht gute und feste Schriften. -- Bcher fand ich in jeder Htte,
wenigstens die Bibel, oft aber auch Gedichte und Erzhlungen, manchmal
sogar in dnischer Sprache.

Ihr Begriffsvermgen ist ebenfalls sehr gut. Wenn ich in ihrer Gegenwart
meine Landkarte aufschlug, verstanden sie so ziemlich, was sie vorstellte,
und begriffen schnell und leicht deren Gebrauch und Nutzen. -- Diese
Bildung ist doppelt berraschend, wenn man bedenkt, da jeder Familienvater
seine Kinder, und allenfalls auch die nachbarlichen Waisen selbst
unterrichtet. -- Zwar geschieht die nur im Winter, doch der dauert acht
Monate, und ist folglich dazu lange genug.

Schule besteht im ganzen Lande eine einzige, in Bessestadt -- vom Jahre
1846 an in Reikjavik. -- In dieser Schule werden nur Jnglinge aufgenommen
die bereits lesen und schreiben knnen. -- Sie knnen hier entweder zu
Priestern gebildet werden, oder auch die Vorkenntnisse zu den juridischen
Studien erhalten. -- Jene, die sich dem Priesterstande widmen, knnen
allda ihre ganzen Studien beendigen; Jene aber, die Aerzte, Apotheker oder
Sysselmnner werden wollen, mssen nach Kopenhagen gehen.

Auer den theologischen Wissenschaften werden auf der Schule zu Reikjavik
auch Geometrie, Geographie und Geschichte gelehrt, so wie mehrere Sprachen,
als: lateinisch, dnisch und vom Jahre 1846 auch deutsch und franzsisch.

Die Hauptbeschftigung der islndischen Bauern besteht im Fischfange,
welcher am strksten in den Monaten Februar, Mrz und April betrieben wird.

Da kommen die Bewohner der innern Gegenden des Landes in die Hafenorte,
verdingen sich den Strandbewohnern, den eigentlichen Fischern, als
Gehilfen, und nehmen dafr einen Antheil an den Fischen. Auer dieser
Zeit wird der Fischfang wohl auch betrieben, aber mehr nur von den
Strandbewohnern. -- In den Monaten Juli und August gehen wieder Viele von
diesen in das Innere des Landes, und helfen da bei der Heuernte, wofr sie
Butter, Schafwolle und gesalzenes Lammfleisch erhalten. -- Andere besteigen
die Gebirge, und sammeln das islndische Moos. Von diesem machen sie
entweder einen Absud, der dann mit Milch gemischt, getrunken wird, oder sie
zerreiben es zu Mehl und backen flache Kuchen daraus, die ihnen statt des
Brodes dienen.

Die Arbeit des weiblichen Geschlechtes besteht in der Zurichtung der Fische
zum Trocknen, Ruchern oder Einsalzen, in Abwartung des Viehes, im Stricken
und wohl auch in Moossammeln. -- Im Winter weben und stricken beide
Geschlechter.

Was die Gastfreundschaft der Islnder betrifft, so glaube ich nicht, da
man sie ihnen zu einem sehr groen Verdienste anrechnen darf. Es ist wahr,
Priester und Bauern nehmen jeden europischen Reisenden gerne auf, und
bewirthen ihn mit Allem was in ihren Krften steht, -- aber Beide wissen,
da _der_ Reisende, der _ihr_ Land besucht, gewi weder ein Abentheurer
noch ein Bettler ist, und ihnen daher auch erkenntlich sein wird. -- Mir
kam kein Priester und kein Bauer vor, der nicht die gebotene Gabe ohne die
geringste Widerrede angenommen htte. -- Von den Priestern mu ich jedoch
zu ihrem besondern Lobe bemerken, da sie berall sehr dienstfertig und
gefllig, und mit jeder Gabe zufrieden waren. Auch ihre Forderungen,
wenn ich Pferde zu meinen Excursionen nahm, waren immer sehr bescheiden
gestellt. -- Den Bauer hingegen fand ich nur in jenen Gegenden weniger
eigenntzig, wo beinah nie ein Reisender hinkam. An Orten aber die schon
mehr besucht werden, waren seine Forderungen oft unverschmt.

Fr Ueberfahrten ber Flsse z.B. mute ich 20 bis 30kr. zahlen, und da
wurden ich und mein Fhrer in einem Kahn bergeschifft, die Pferde muten
schwimmen. -- Der Fhrer, welcher mich auf den Hekla begleitete, forderte
gar 5fl. 20kr. CM. und lie sich ordentlich noch dazu bitten. Er wute,
da ich gezwungen war, ihn zu nehmen, denn Auswahl an Fhrern hat man
nicht, und unverrichteter Sache will man auch nicht zurckkehren.

Aus diesem Benehmen aber sieht man, da der Charakter der Islnder gerade
nicht zu den trefflichsten gehrt, und da sie ihren Vortheil von den
Reisenden so gut zu ziehen wissen, wie die Wirthe und Lohnbedienten auf dem
Continente.

Eine groe Leidenschaft der Islnder ist das Trinken. Ihre Armuth wre
gewi nicht so gro, wenn sie weniger dem Brandweine zusprchen, und dafr
fleiiger arbeiten wrden. Aber so ist es heillos zu sehen welch tiefe
Wurzel dieses Laster hier gefat hat. -- Nicht nur an Sonntagen, auch an
Wochentagen begegnete ich Bauern, die so berauscht waren, da es mir noch
heute ein Rthsel ist, wie sie sich auf den Pferden erhalten konnten. --
Vom weiblichen Geschlecht kam mir, Gott sei es gedankt, nie ein Exemplar in
diesem Zustande vor.

Eine zweite ihrer Haupt-Leidenschaften ist das Tabakschnupfen. -- Sie kauen
und schnupfen den Tabak mit derselben Lust, mit der man ihn bei uns rauchen
sieht. Ihre Art aber, wie sie den Tabak zu sich nehmen, ist so eigen, da
ich sie unmglich bergehen kann. Die meisten Bauern, ja selbst viele
der Priester haben keine eigentliche Dose, sondern eine Bchse aus Bein
gedrechselt, in Gestalt eines kleinen Pulverhornes. -- Wenn sie nun
schnupfen wollen, so neigen sie den Kopf zurck, stecken die Spitze dieses
Hornes in die Nase und schtteln eine Dosis Tabak hinein. -- Und so
gar nicht ekel sind diese liebenswrdigen Naturmenschen, da sie die
Tabak-Horn ihrem Nachbar reichen, dieser wieder dem seinigen und so fort
---- von Nase zu Nase, -- ohne es je zu reinigen oder abzuwischen.

Ueberhaupt glaube ich, da, was Unreinlichkeit anbelangt, die Islnder
den Grnlndern, Eskimos oder Lapplndern nicht viel nachstehen werden. --
Wollte ich beschreiben, was ich in der Art alles sah, meine guten Leserinen
wrden mitten auf dem festen Lande seekrank werden, oder doch wenigstens
mich sehr arger Uebertreibungen beschuldigen. Ich sage daher nur: Man denke
sich von Unreinlichkeiten, von ekelhaften Handlungen so viel die krftigste
Fantasie zu erfinden vermag, ich unterschreibe es unbedingt als bei den
Islndern zu Hause.

Neben diesen gar nicht rhmlichen Eigenschaften besitzen sie auch eine
groe Trgheit. Etwas entfernt von den Ksten liegen unbersehbare
Wiesenthler, die aber alle so versumpft sind, da man sie stets mit Furcht
durchreiten mu. Die Ursache hiervon liegt weniger am Boden als an den
Menschen. -- Man drfte nur Grben ziehen, und die Wiesen auf diese Art
trocken legen, um das herrlichste Gras zu erhalten; denn da dieses in
Island gedeiht, beweisen die vielen kleinen Anhhen, die in solchen Thlern
aus den Smpfen ragen, und mit Gras, Futterkrutern und wildem Klee ppig
bewachsen waren. -- Eben so kam ich ber groe Stellen, die schne Erde
hatten, und ber andere, auf denen Erde mit Sand gemischt lag.

Ich sprach fter mit einem Herrn Boge, der bereits vierzig Jahre in Island
ansssig ist und nicht geringe landwirthschaftliche Kenntnisse besitzt, ob
es denn nicht mglich wre, durch Flei und Arbeit da bedeutende Feld- und
Wiesenkultur zu erzielen? Herr Boge gab die zu, und meinte selbst, da
nebst schnen Wiesen auch wohl ergiebige Kartoffelfelder erzweckt werden
knnten, wenn nur das Volk nicht so trge wre und lieber Hunger litte, und
allen Bedrfnissen der Reinlichkeit und Annehmlichkeit entsagte, ehe es zur
Arbeit greift. Was ihm die Natur freiwillig bietet, ist ihm genug; --
ihr etwas abzuringen, fllt ihm gar nicht ein. -- Ich wnschte nur einige
deutsche Bauern hierher versetzt zu sehen, wie manche Stelle wrde bald
ganz anders aussehen!

Der beste Boden Island's soll auf dem Norderlande sein. Da sieht man sogar
einige Kartoffel-Aeker und auch Bumchen, die ohne Hilfe und Pflege eine
Hhe von 7-8 Fu erreichen. Herr Boge, welcher bei dreiig Jahre dort
etablirt war, hatte einige Vogelbeer- und Birken-Bumchen gepflanzt, die
bis zu 16 Fu empor gewachsen waren.

Im Norderlande, so wie berhaupt etwas entfernter von der Kste, leben die
Leute von der Viehzucht. Mancher Bauer besitzt da 2-400 Schafe, 10-15 Khe
und 10-12 Pferde; freilich gibt es so reiche nicht viele, aber jedenfalls
sind sie besser daran, als die armen Kstenbewohner. -- Die haben meist
schlechten Grund und Boden und sind daher grtentheils auf den Fischfang
angewiesen.

       *       *       *       *       *

Noch mu ich, bevor ich Island verlasse, einer Sage erwhnen, die mir von
vielen Seiten erzhlt wurde, und die nicht nur von Bauern, sondern auch von
Leuten der sogenannten bessern Klasse fr Wahrheit gehalten wird.

Man behauptet nmlich, da das innere unwirthbare Land ebenfalls bevlkert
sei. Es sei von einer ganz eigenen Menschenklasse bewohnt, der allein die
Pfade in diesen Wsteneien bekannt wren. Diese Wilden htten aber whrend
des Jahres gar keinen Verkehr mit ihren Landsleuten, und kmen nur Anfangs
Juli, hchstens auf einen Tag an einen der Hafenorte, um verschiedene
Lebensbedrfnisse zu erhandeln, die sie alsogleich mit baarem Gelde
auszahlen. Hierauf verschwinden sie pltzlich, ohne da man wei, wohin sie
ihren Weg genommen haben. -- Niemand kennt sie, nie bringen sie Frauen oder
Kinder mit, und nie beantworten sie die Frage, woher sie kmen? -- Auch
ihre Sprache soll etwas schwerer zu verstehen sein, als jene der bekannten
Einwohner Island's.

Ein Herr -- den ich aus Achtung nicht nennen will -- uerte mehrmals den
Wunsch, 20 oder 25 gut bewaffnete Soldaten zu haben, und mit ihnen diese
wilden Menschen aufzusuchen.

Die Leute, welche jene Naturmenschen gesehen haben wollen, behaupten: da
sie grer und strker seien als die andern Islnder, da ihre Pferde,
statt mit eisernen Hufen -- mit Hufen aus Horn beschlagen wren, und da
man sehr viel Geld bei ihnen she, welches sie wohl nur durch Raub erlangen
knnten. Als ich aber frug, _wer_ von den _rechtlichen Bewohnern_ Islands,
_wann_ und in _welchen_ Gegenden er von dieser wilden Menschenrace beraubt
worden wre, wute mir Niemand eine andere Antwort zu geben als: _das
wisse man nicht_. -- Ich glaube aber kaum, da in Island eine Person, viel
weniger ein ganzer Stamm vom Raube leben knnte.




Abreise von Island; -- Fahrt nach Kopenhagen.


Ich hatte jetzt alles Merkwrdige in Island gesehen, alle meine Reisen in
diesem Lande glcklich beendet, und erwartete nun mit unaussprechlicher
Sehnsucht das Absegeln eines Fahrzeuges, das mich meiner theuern Heimat
wieder etwas nher bringen sollte. Ach, ich mute noch 4 ewig lange Wochen
in Reikjavik bleiben, tglich meine Geduld auf die Probe stellen, und
selbst dann, nach so langem Harren, mit der ersten besten Gelegenheit
vorlieb nehmen.

Freilich segelten auch unter dieser Zeit einige Schiffe ab, und auch Herr
Knudson, mit dem ich die Herberfahrt von Kopenhagen gemacht hatte, lud
mich ein, Theil an seiner Rckreise zu nehmen, -- aber da ging Alles
nach England oder Spanien, und diese Wege wollte ich nun einmal nicht
einschlagen. -- Ich wnschte eine Gelegenheit nach Scandinavien, um auf
diese pittoresken Lnder wenigstens einige Blicke werfen zu knnen.

Endlich fanden sich zwei Schaluppen, die gegen Ende Juli in die See zu
stechen gedachten. Die Eine davon, die bessere, ging nach Altona, und die
andere nach Kopenhagen. Ich wollte mit der Ersteren gehen, allein da hatte
schon ein Kaufmann von Reikjavik den einzigen Platz -- mehr gibt es auf
so kleinen Fahrzeugen selten -- gemiethet, und so mute ich mich noch
glcklich schicken, auf der zweiten einen Platz zu erhalten. Herr
Bernhft meinte freilich, das Schiff knnte zu erbrmlich sein, um eine so
bedeutende Reise darauf zu machen, und er wollte es doch wenigstens vorher
in Augenschein nehmen und mir einen Bericht darber erstatten. Allein da
ich _fest_ entschlossen war, nach Dnemark zu gehen, so bat ich ihn, die
Untersuchung zu unterlassen und mit dem Kapitain auf dem _Lande_ fr meine
Ueberfahrt zu unterhandeln. -- Wrde er, wie ich gleich voraus vermuthete,
das Fahrzeug gar zu schlecht gefunden haben, so htten seine Warnungen
vielleicht meinen Vorsatz erschttern knnen, und das wollte ich vermeiden.

Zuletzt erfuhren wir noch, da auch eine Dnin, die hier im Dienste stand,
sich auf diesem Fahrzeuge einzuschiffen wnsche. -- Sie war so vom Heimweh'
erfat worden, da sie um jeden Preis ihr geliebtes Vaterland wieder sehen
wollte. Nun, dachte ich mir, ist bei diesem Mdchen das _Heimweh_ stark
genug, sie gegen Gefahr gleichgiltig zu machen, so wird die bei mir die
_Sehnsucht_ thun, und ich werde ihr nicht zurck stehen.

Unsere Schaluppe fhrte den beruhigenden Namen Haabet (die Hoffnung) und
gehrte dem Kaufmanne Fromm in Kopenhagen.

Die Abfahrt war fr den 26.Juli bestimmt. -- Von diesem Tage an durfte
ich mich kaum vom Hause entfernen, und mute jeden Augenblick die Botschaft
erwarten gleich an Bord zu kommen. -- Leider verhinderten heftige Strme
unser Auslaufen, und ich wurde erst am 29.Juli an Bord geholt. -- Nun hie
es Abschied nehmen.

Von dem Lande that ich es leicht. -- Hatte ich gleich wirklich viel
Wunderbares, Neues und Interessantes gesehen, -- ich sehnte mich doch
wieder nach den heimatlichen Fluren, in denen man zwar nicht so groartige,
ergreifende, aber desto heitrere, lieblichere Bilder findet. -- Schwerer
ward mir die Trennung von Herrn Knudson, und von der Familie Bernhft.
Alles Gute, das mir in diesem Lande erwiesen wurde, jede Anleitung und
Erleichterung meiner Reisen habe ich nur ihnen zu verdanken. -- Nie wird
aber auch mein Dank, mein Andenken an diese guten Menschen in meiner Brust
ersterben.

Um Mittag also befand ich mich bereits auf der Schaluppe, und konnte mit
Mue all' die schnen Flaggen und Fhnlein betrachten, mit welchen die
franzsische Fregatte, die hier vor Anker lag, geschmckt war, um das
Andenken der Juli-Revolution zu feiern.

Ich suchte meine Aufmerksamkeit so viel als mglich von meinem Schiffe
abzulenken, denn nach Allem, was ich bereits unwillkhrlich davon gesehen
hatte, lie es sehr viel zu wnschen brig. -- Auch die Kajte nahm ich
mir vor, nicht eher zu betreten, als bis wir in offner See wren, und die
Lootsen unsere Schaluppe verlassen htten, damit mir dann jede Mglichkeit
einer Rckkehr abgeschnitten sei.

Unsere Mannschaft bestand aus dem Kapitain, dem Steuermann, zwei Matrosen
und einem Schiffsjungen, der den Titel eines Koches hatte; wir fgten ihm
auch noch den eines Kammerdieners bei, da er zu unserer Bedienung bestimmt
war.

Als uns die Lootsen Lebewohl gesagt hatten, suchte ich den Eingang der
Kajte, des einzigen, und daher gemeinschaftlichen Gemaches. -- Er bestand
aus einem ungefhr 2 Fu breiten Loche, das sich ghnend zu meinen Fen
ffnete, und in welches eine Leiter von fnf Sprossen senkrecht hinab
fhrte. -- Ich stand lange sinnend davor, und berlegte, auf welche Art
am Besten da hinab zu kommen sei. -- Endlich wute ich mir nicht anders zu
helfen, als da ich beschlo unsern Hausherrn, den Schiffskapitain,
darum zu fragen. -- Er zeigte es mir gleich, indem er sich an den Eingang
niedersetzte und die Fe hinab lie. -- Man denke sich nun eine solche
Expedition mit unsern langen Kleidern, und noch dazu bei schlechtem Wetter,
wenn das Schiff von Strmen tchtig herum geworfen wird! -- Aber der
Gedanke, da es viele Menschen noch viel schlechter treffen, und dennoch
fortkommen, war bei dergleichen Unannehmlichkeiten immer der Ankerstab des
Trostes, an dem ich mich festhielt. Ich stellte mir gleich vor, da ich ja
aus demselben Teige gemacht sei, wie meine Nebenmenschen, nur verzrtelter,
verwhnter, und da ich dasselbe ertragen knne, wie sie. In Folge dieser
Vorstellungen setzte ich mich augenblicklich nieder, versuchte die neue
Rutschbahn und langte glcklich in der Tiefe an.

Vor allem andern mute ich meine Augen an das hier herrschende Halbdunkel
gewhnen, denn die Lucken (Schiffsfensterchen) lieen die Tageshelle nur
gar zu sprlich ein. -- Leider sah ich aber bald nur zu viel. -- Diese
trostlose Erbrmlichkeit, dieser Schmutz, diese Unordnung, die ich da
fand! ---- Doch ich will Alles nach der Ordnung, und zwar noch dazu recht
ausfhrlich beschreiben, denn ich schmeichle mir, da manche meiner lieben
Landsmnninen im Buche diese Reise mit mir machen wird, und da Viele unter
ihnen wahrscheinlich noch nie Gelegenheit gehabt hatten, ein Seefahrzeug
zu sehen, so drfte eine solche ausfhrlichere Beschreibung hier nicht
berflig sein. -- Da ich der Wahrheit getreu bleiben werde, mgen ihnen
alle Jene bezeugen, die mit dem Seewesen vertraut sind. -- Kehren wir also
wieder zu meiner geliebten Schaluppe zurck. -- An Alter wetteiferte
sie mit mir, -- wir Beide stammten aus dem vorigen Jahrhundert.
Unglcklicherweise wurde damals bei Schiffsbauten wenig Rcksicht auf die
Bequemlichkeit der Menschen genommen, und aller Raum nur fr die Fracht
bemessen; -- eine Sache, ber die man sich eben nicht wundern darf, da
des Schiffers eigentliches Leben nur auf dem Deck ist, und das Schiff fr
Reisende nicht gebaut wurde. -- Die ganze Lnge der Kajte ma von einer
Koje zur andern 10 Fu, die Breite 6 Fu. Letztere ward noch berdie auf
der einen Seite durch einen Kasten, auf der andern durch ein Tischchen
und zwei Bnkchen dermaen eingeengt, da gerade nur so viel Raum blieb,
durchgehen zu knnen.

Beim Diner oder Souper saen wir Damen -- die Dnin und ich -- auf dem
Bnkchen, wo wir so eingepret waren, da wir uns kaum rhren konnten; --
die beiden Cavaliere -- der Kapitain und der Steuermann -- muten aber vor
dem Tischchen stehen, und in dieser Stellung ihr Mahl einnehmen. -- Das
Tischchen war so klein, da sie ihre Teller in den Hnden halten muten.
Kurz man sah aus Allem, da die Gre der Kajte blos auf den Schiffsstand,
nicht aber auf Passagiere berechnet war.

Die Luft in diesem Gemache war auch nicht die allerbeste, denn auerdem,
da es unsern Speise-, Schlaf- und Empfangssalon bildete, ward es noch als
Vorrathskammer verwendet, und in den Seitenschrnken lagen Lebensmittel
aller Art, Oelfarben, und eine Menge anderer Sachen. -- Ich zog es vor, auf
dem Verdecke zu sitzen, und lieber Sturm und Klte zu ertragen, oder mich
von einer Woge berschtten zu lassen, als da unten halb zu ersticken.
Manchmal mute ich aber doch hinab, theils wenn es gar zu sehr regnete und
strmte, theils wenn das Schiff von Gegenwinden erfat, und von den hohen
Wellen derart herumgeworfen oder geschlungen[5] wurde, da man auf dem
Verdecke nicht sicher war. -- Das Rollen und Werfen des Schiffes war oft
so arg, da wir -- die Dnin und ich -- nicht einmal sitzen, viel weniger
stehen konnten, und manchen langen Tag in der erbrmlichen Koje liegen
bleiben muten. -- Ich beneidete da meine Gefhrtin, die konnte Tag und
Nacht in einem fort schlafen. -- Mir ging es nicht so gut, -- ich wachte
immer, und empfand dabei viel Langeweile und Unbehagen, denn die Lucken,
der Eingang, Alles war bei Regenwetter verschlossen, und in dem Gemache
herrschte nebst einer athembehemmenden Luft auch noch eine wahrhaft
egyptische Finsterni.

  [5]: Schlingen, nennen die Schiffer, wenn die Segel schlaff hngen,
  der Wind stoweise kmmt, und so das Fahrzeug von den pltzlich
  angeschwellten Segeln frchterlich herumgeworfen wird.

Was die Kost betraf, so speiste Alles, Passagiere, Kapitain, Steuermann und
Matrosen aus einem und demselben Topfe. -- Den Anfang machte des Morgens
ein erbrmlicher Thee, oder besser gesagt, ein belschmeckendes Wasser,
das eine Theefarbe hatte. Die Matrosen tranken es ohne Zucker, der Kapitain
aber und der Steuermann nahmen dazu ein kleines Stckchen Kandiszucker --
dieser Zucker zerfliet weniger schnell als der raffinirte -- in den
Mund, schlrften eine Tasse Thee nach der andern, und aen dazwischen
Schiffszwieback mit Butter.

Die Mittagskost wechselte von einem Tage zum andern. Den ersten Tag bekamen
wir gesalzenes Fleisch, das schon immer den Abend vorher in Seewasser
geweicht, und am folgenden Tag in Seewasser gekocht wurde. Es war so
bersalzen, hart und zhe, da wohl nur ein Matrosen-Gaumen daran Behagen
finden konnte; als Suppe, Gemse und Mehlspeis kam dazu Gerstengrtze,
die ganz einfach, ohne Salz und Butter in Wasser gekocht, und Mittags bei
Tische mit Syrup und Essig gemischt wurde. -- Alle fanden dieses Gericht
sehr leckerhaft, und konnten sich, als ich es fr ungeniebar erklrte,
nicht genug ber meinen verdorbenen Geschmack wundern.

Der zweite Tag brachte uns ein in Seewasser gekochtes Stck Speck, und dazu
abermals die Gerstengrtze. -- Der dritte Stockfische mit Erbsen. Letztere
waren zwar etwas hart gekocht und ohne Butter, doch fand ich sie unter
allen Gerichten noch am geniebarsten. -- Am vierten Tage bekamen wir
wieder die Speisen des ersten, und so ging es regelmig fort; -- den
Schlu jedes Diner's machte schwarzer Kaffee. -- Der Abend bot die
Morgenkost, Theewasser, Schiffszwieback und Butter.

Ich htte mich gerne in Reikjavik mit einigen Hhnern, Eiern und Kartoffeln
versehen, allein ich konnte keinen dieser Artikel bekommen. Hhner werden
nur wenig gehalten, hchstens von den Beamten oder Kaufleuten; -- Eier
bekmmt man zwar ziemlich hufig von Eidergnsen und andern Vgeln, aber es
werden nur so viele gesammelt, als man zum tglichen Gebrauche benthiget,
und das nur im Frhjahre zur Brtezeit dieser Thiere; -- fr die Kartoffeln
war es noch zu frh an der Zeit. -- Man denke sich nun das ppige Leben,
da ich auf diesem Schiffe fhrte. -- Htte ich das Glck gehabt auf ein
besseres Fahrzeug zu kommen, wo man doch bequemer wohnt, und schmackhaftere
Speisen erhlt, wrde mir die Seekrankheit diemal gewi nichts angehabt
haben; -- so aber in Folge der dunstigen Kajten-Luft und der schlechten
Nahrung litt ich doch den ersten Tag daran. Aber schon am zweiten Tage ward
ich gesund, der Hunger stellte sich wieder ein, und ich speiste ein Stck
Salzfleisch, Speck und Erbsen u.s.w. so gut wie ein Matrose; nur den
Stockfisch, die Grtze, den Kaffee und Thee lie ich unberhrt.

Ein echter Schiffsmann trinkt nie Wasser. Ich machte diese Bemerkung auch
an unserm Kapitain und Steuermann; in Ermangelung des Weines oder Bieres
tranken sie stets Thee, und zwar auer den Mahlzeiten meistens kalten Thee.

Sonntag Abends war groes Souper, da lie der Kapitain fr uns vier
Personen acht Stck Eier kochen, die er noch von Dnemark mit sich fhrte.
Die Mannschaft bekam in den Thee einige Glschen Punsch-Essenz.

Da ich nun meine lieben Leserinen mit dem kostbaren Speisenwechsel auf
solch einem Schiffe bekannt gemacht habe, mu ich auch noch sagen, wie die
Tischwsche und das Reinigen derselben beschaffen war. -- Erstere bestand
blos aus einem Stcke altem Segeltuche, das ber den Tisch gebreitet wurde,
und so beschmutzt und unrein aussah, da ich mir dachte, es wre gewi
besser und appetitlicher den Tisch gar nicht zu decken -- _appetitlicher_?
Ja! aber _besser_?? Nein! -- Doch so geht es den naseweisen Leuten, die
immer klger sein wollen, als Andere; -- bald sollt' ich erfahren, wie
wichtig dieses Tuch sei. -- Ich sah nmlich eines Tages unsern Kammerdiener
ein Stck Segeltuch gar mrderisch bearbeiten; er hatte es auf dem Boden
ausgebreitet, stand mit den Fen darauf, und fegte es von allen Seiten mit
dem Schiffsbesen rein. -- Nur bald erkannte ich an den manigfaltigen Fett-
und Schmutzflecken unser Tischtuch, -- und richtig fand ich Abends den
Tisch ungedeckt. Nun sah ich aber auch die Folgen davon. Kaum hatte der
Junge die Theekanne auf den Tisch gestellt, als sie schon in demselben
Augenblick zu gleiten anfing. Glcklicherweise erfate sie der gewandte
Kapitain noch am Henkel, sonst wre sie zu Boden gestrzt, und htte unsere
Fe mit ihrem Inhalte berschttet. -- Und so ging es mit Allem; man
konnte nichts auf dem glatten Tische stehen lassen und ich bedauerte den
Kapitain recht sehr da er kein zweites hatte.

Alles bisher Gergte wre, wie jeder meiner Leser einsehen wird, gewi
schon hinreichend gewesen, den Aufenthalt auf diesem Schiffe sehr
unangenehm zu machen; nun kam aber noch ein Umstand dazu, durch welchen
er sogar beunruhigend ward. Ich entdeckte nmlich nach mehreren Tagen, da
unser Schifflein fortwhrend eine tchtige Portion Wasser einlie, die alle
6-8 Stunden ausgepumpt werden mute. Der Kapitain suchte mich zu beruhigen,
indem er behauptete, da jedes Schiff Wasser einliee, und das unsere nur
etwas mehr, weil es schon alt sei. Ich mute mich damit zufrieden geben;
denn es zu ndern wre ich doch nicht im Stande gewesen. -- Glcklicher
Weise bekamen wir keinen bedeutenden Sturm, und liefen daher weniger
Gefahr.

Unsere Reise dauerte 20 Tage; 12 Tage sahen wir kein Land; der Wind
trieb uns zu viel stlich und so bekamen wir weder die Farroer noch die
Schettlands-Inseln zu Gesichte. -- Daraus wrde ich mir nun eben nicht viel
gemacht haben, htte ich dafr einige Seeungeheuer, schckernde Wallfische,
bescheidene Haie oder so etwas dergleichen gesehen. -- So aber sah ich von
allen diesen Merkwrdigkeiten nur sehr wenig. Von einem Wallfische nahm ich
nur die Strahlen des Wassers wahr, die er aus seinen Nasenffnungen in die
Hhe warf, und die vollkommen den Strahlen eines Springbrunnens glichen.
Das Thier selbst war leider von unserm Schiffe zu weit entfernt, als da
man das Geringste von seinem Krper htte sehen knnen. -- Da war ein Hai
schon etwas galanter; der schwamm doch wenigstens einige Minuten hindurch
so nahe an unserm Fahrzeuge, da man ihn vollkommen gut betrachten konnte;
er mochte gewi 16 bis 18 Fu lang sein.

Eine schne Vorstellung gaben uns whrend zwei Abenden die sogenannten
Springer oder fliegenden Fische. Die See war so ruhig, als sie es nur sein
konnte, die Abende mild und vom Mondlichte glnzend erleuchtet, und so
blieben wir lange auf dem Decke und sahen dem heitern Spiele dieser Thiere
zu. -- So weit wir sehen konnten, war die Wasserflche von ihnen bedeckt.
Die jngeren Fische erkannte man gleich an ihren hheren Sprngen; sie
mochten 3-4 Fu lang sein und erhoben sich 5-6 Fu ber die Meeresflche.
Das Springen selbst sah aus wie ein Versuch des Fliegens, wobei ihnen
jedoch ihre Flossen schlechte Dienste erwiesen, und sie augenblicklich
wieder zurckfallen lieen. -- Die Alten schienen nicht mehr die
Schwungkraft zu besitzen, sie beschrieben nur hnliche Bogen wie die
Delphine, und erhoben sich nur so viel ber das Wasser, da man den
Mitteltheil ihres Krpers sehen konnte.

Diese Springer werden nicht gefangen, sie haben wenig Thran und schmecken
sehr schlecht.

Am dreizehnten Tage erblickten wir endlich wieder Land. Wir waren in
das _Skaggerakk_ gekommen, und sahen die Halbinsel _Jttland_ nebst dem
Stdtchen _Skaggen_. Die Halbinsel sieht von dieser Seite sehr de aus; sie
ist flach und mit viel Sand bedeckt.

Am sechzehnten Tage liefen wir in das _Kattegat_ ein. -- Wir hatten in
letzterer Zeit fast immer entweder Windstille oder Gegenwinde, und trieben
uns in Skaggerakk, Kattegat und Sund beinah 8 Tage herum. Manchen Tag
kamen wir kaum 15 bis 20 Seemeilen vorwrts. -- An solch windstillen Tagen
vertrieb ich mir manche Stunde mit dem Fischfange, allein die guten
Fische, obwohl man sie dumm schilt, waren doch so verzweifelt klug, an
der Lockspeise meiner Angel nicht anzubeien. Ich hoffte tglich auf eine
Mahlzeit von Makarelen und fing im Ganzen -- eine einzige.

Grere Unterhaltung gewhrte mir der Anblick der vielen Schiffe, die von
allen Seiten in das Kattegat segelten; ich zhlte ihrer ber 70. Je
nher wir der Einfahrt des Sundes kamen, desto imposanter wurde dieses
Schauspiel, desto nher drngten sich die Schiffe an einander. --
Glcklicherweise begnstigte uns eine prachtvolle Mondnacht; -- in
einer finstern Gewitternacht wre wohl mit der grten Vorsicht und
Geschicklichkeit ein Zusammenstoen nicht zu vermeiden gewesen.

Von der auerordentlichen Klarheit und dem Schimmer einer nordischen
Mondnacht haben wir sdlich Gelegenen keinen Begriff; es ist gerade als ob
ein Theil des Sonnenlichtes sich mit dem nchtlichen Gestirne vereinte. Ich
habe herrliche Nchte an den asiatischen Ksten, auf dem mittellndischen
Meere erlebt, -- ich fand sie aber hier an den Gestaden Skandinaviens
heller und schimmernder.

Die ganze Nacht blieb ich auf dem Verdecke. Eine solche Masse von Schiffen
zu sehen, die sich hier zusammen drngten, und gleichzeitig die Einfahrt
in den Sund erstrmen wollten, war fr mich ein seltenes Schauspiel. Ich
konnte mir nun einen deutlichen Begriff von einer Flotte machen, denn
ich glaube nicht zu irren, wenn ich diese Masse von Schiffen mit einer
Kauffarthei-Flotte vergleiche.

Am zwanzigsten Tage unserer Reise um drei Uhr Morgens liefen wir in den
Hafen von _Helsingr_ ein. Man mu hier den Sund-Zoll entrichten, oder wie
der Schiffer es nennt: das Schiff klar machen. -- Es ist die eine
sehr lstige Unterbrechung, und das Anhalten und wieder Weiterfahren des
Schiffes macht sehr viele Umstnde. Da mssen die Segel eingerfft, die
Anker ausgeworfen, die Jolle ausgesetzt und der Kapitain an das Ufer
gerudert werden. Meist vergehen viele Stunden bis er abgefertigt ist. --
Kehrt er endlich an das Schiff zurck, mu die Jolle wieder aufgewunden,
mssen die Anker wieder gelichtet, die Segel entfaltet werden. -- Oft
hat unterdessen der Wind umgeschlagen, und man verdankt es nur diesen
Plackereien, da man den Hafen von Kopenhagen viel spter erreicht, als man
gehofft hat.

Ist man erst so unglcklich, in einer finstern Nacht in die Nhe von
_Helsingr_ zu kommen, so darf man, um mit andern Schiffen nicht zusammen
zu stoen, gar nicht einlaufen; man mu im Kattegat vor Anker gehen, und
somit zwei Unterbrechungen erleiden. -- Kmmt man in der Nacht vor vier
Uhr nach Helsingr, so mu man warten, da erst um diese Zeit das Zollamt
erffnet wird.

Freilich steht es dem Schiffer frei, hier _nicht_ anzuhalten und gleich
nach Kopenhagen zu fahren, allein diese Freiheit kostet ihm 5 Thaler. --
Kann nun aber der Zoll auf diese Art auch in Kopenhagen entrichtet werden,
so ist dann die Forderung des Anhaltens bei Helsingr eigentlich nichts als
eine Finte, um dem Schiffer eine hhere Taxe zu entlocken, denn hat dieser
groe Eile, oder einen gar zu herrlichen Wind, so lt er in Gottesnamen
diese 5 Thaler fahren und segelt unaufgehalten bis Kopenhagen.

Unser guter Kapitain bercksichtigte weder Zeit noch Arbeit, er machte das
Schiff hier klar, und so begrten wir erst um 2Uhr Nachmittag die liebe
Stadt Kopenhagen, die mir beinahe heimatlich vorkam, und so schn und
herrlich, als ob ich in meinem ganzen Leben nichts Aehnliches gesehen
htte. Man mu aber auch bedenken, woher ich kam, und wie lange ich an ein
Fahrzeug gebannt war, auf dem ich mich kaum bewegen konnte. -- Als ich
die Erde wieder betrat, ging es mir beinahe wie Columbus, ich wre bald
niedergesunken und htte sie gekt.




Abreise von Kopenhagen. -- Christiania.


Am 19.August -- den folgenden Tag nach meiner Ankunft von Island -- um
zwei Uhr Nachmittag sa ich schon wieder zu Schiffe, und zwar auf
dem schnen kniglichen norwegischen Dampfer _Christiania_ von 170
Pferdekraft, um nach der 304 Seemeilen entfernten Stadt _Christiania_ zu
segeln. -- Bald hatten wir den Sund durchschnitten und gelangten glcklich
in das Kattegat, in welchem wir uns jetzt mehr rechts hielten, als auf
der Reise nach Island, denn diemal war es uns nicht genug Schweden und
Norwegen nur von der Ferne zu sehen; wir wollten auch daselbst Anker
werfen, und zwar an der schwedischen Kste schon den folgenden Morgen.

Wir sahen vollkommen gut die schne Gebirgskette, welche rechts das
Kattegat begrenzt, und deren uerste Spitze, die _Kulm_, sich derart in
das Meer verluft, da sie eine lange Erdzunge bildet. -- Sowohl hier, als
an allen andern gefhrlichen Stellen, deren es eine Menge gibt, sowohl an
der dnischen als schwedischen Kste, stehen Leuchtthrme, deren Lichter
uns Abends von allen Seiten entgegen schimmerten. Diese Lichter sind theils
beweglich, theils unbeweglich, um dem Schiffer in finsterer Nacht die
verschiedenen Stellen anzuzeigen, die er zu vermeiden hat.


  20.August.

Schlechtes Wetter gehrt fr den Reisenden gewi zu den grten Plagen, und
ist um so unangenehmer, wenn man durch Gegenden kmmt, die sich durch ihre
Schnheit oder Originalitt auszeichnen. -- Beides vereinte sich heute;
es regnete fast unaufhrlich, und dabei war die Fahrt an der schwedischen
Kste und in den kleinen _Fiord_ nach dem Hafen _Gothenburgs_ von ganz
eigenem Interesse. Das Meer glich hier mehr einem ausgebreiteten Strome,
der von schnen Klippenpartieen begrnzt, und von einzelnen kleineren
und greren Felsen und Klippenriffen durchwirkt war, an welchem sich die
Brandung wunderbar schn machte. -- Ganz nahe vor dem Hafen liegen theils
an, theils zwischen den Felsbergen einige Gebude; -- es ist die das
berhmte knigl. schwedische Eisenbergwerk, _das neue Werk_ genannt. Sogar
amerikanische Schiffe kamen in grerer Anzahl, um hier dieses Metall zu
holen.

Das Dampfboot bleibt in dem Hafen von _Gothenburg_ ber vier Stunden
liegen, und man hat daher Zeit in die Stadt zu gehen, die eine kleine
halbe Meile entfernt ist, und deren Vorstdte sich bis an den Hafen ziehen.
Gleich beim Landungsplatze wohnt ein Kapitain, der stets zwei Pferde und
einen Wagen in Bereitschaft hat, um die Reisenden in die Stadt zu fhren.
Es gibt auch Einspnner da, und selbst einen Omnibus. Erstere waren bereits
bestellt, und letzterer soll so langsam fahren, da beinah die ganze Zeit
damit zugebracht wird. Ich miethete mit zweien meiner Reisegefhrten die
Equipage des Herrn Kapitain zur Hin- und Rckfahrt. Der Regen strmte zwar
noch in dichten Massen auf unsere Hupter; doch beirrte uns die nur wenig.
Meine beiden Gefhrten hatten Geschfte zu besorgen, und mich lockte die
Neugierde. Ich wute damals noch nicht, da mich mein Weg nochmals hierher
fhren werde, und fortzufahren ohne eine so niedliche Stadt zu besehen, das
ertrage wer will, -- ich nicht.

Die Vorstdte sind durchaus von Holz gebaut, und besitzen viele schne
stockhohe Huser, an die sich meist kleine Grtchen schlieen. Die Lage der
Vorstdte ist ganz sonderbar und eigen. Mitten zwischen den Husern liegen
oft Felsenhgel, oder kleine Wiesen und Felder, ja die Felsen ziehen sich
hie und da bis an die Strae und muten theilweise gesprengt werden um
den Durchgang zu gewinnen. Herrlich macht sich die Aussicht auf einer der
Hhen, ber welche der Weg nach der Stadt fhrt. Man sieht zwischen zwei
gigantischen Felsen, welche einen schnen Ausschnitt bilden und in der See
stehen -- hindurch auf die ausgebreitete Nordsee.

Die Stadt hat zwei schne Pltze. Auf dem kleinern steht die ansehnliche
Hauptkirche, auf dem greren das Rathhaus, die Post und viele sehr hbsche
Huser, an welchen es auch in den Gassen nicht fehlt. In der Stadt ist
Alles von Ziegeln erbaut. Der Flu _Ham_ durchschneidet den groen Platz
und erhht seine Lebhaftigkeit durch die vielen Schiffe und Barken, die von
der nahen See herein kommen, und Lebensmittel, vorzglich aber Brennholz zu
Markte bringen. Mehrere Brcken fhren ber ihn. -- Interessant zu besuchen
ist auch der Fischmarkt; es sind da sehr viele, und darunter sehr groe
Fische aufgestappelt.

Ich betrat hier zum ersten Male auf schwedischem Grund und Boden ein
Zimmer. Was mir alsogleich in die Augen fiel, war, da ich den Fuboden mit
den feinen zarten Spitzen der Tannenzweige ganz bestreut fand; diese Nadeln
verbreiteten einen hchst angenehmen Geruch, der gewi auch gesnder ist,
als jeder durch Kunst hervorgebrachte. -- Ich fand diesen Gebrauch in
ganz Schweden und Norwegen, aber leider nur in den Gasthfen oder in den
Wohnungen rmerer Leute.

Gegen 11Uhr Morgens setzten wir unsere Reise fort. Wir schifften glcklich
durch die vielen Felsen und Klippen, und gelangten bald wieder in die
offene Nordsee. An der Kste, welcher wir immer ziemlich nahe blieben,
sahen wir auf einigen Felsen Telegraphen errichtet. Das Land links,
Dnemark, verloren wir bald aus dem Gesichte. -- Abends kamen wir zu
der Festung _Friedrichsver_, von der wir aber, der bereits eingetretenen
Dmmerung halber, nicht viel sehen konnten. Hier beginnen die sogenannten
_Scheren_, die sich ber 60 Seemeilen weit erstrecken, und den
_Christianssund_ bilden. So viel uns die zunehmende Dunkelheit erkennen
lie, war der Anblick dieses Sundes wunderschn. Zahllose Inselchen,
viele darunter aus einzelnen Felsmassen bestehend, andere wieder herrlich
bewachsen mit schnen schlanken Tannen, traten uns von allen Seiten
entgegen. Doch der Lootse den wir eingenommen hatten, verstand sein Amt
meisterhaft, und trotz der finstersten Nacht fhrte er uns sicher mitten
hindurch nach _Sandessund_. -- Hier warfen wir Anker, denn noch weiter zu
fahren, wre doch zu gefhrlich gewesen. Auch muten wir hier mit dem von
_Bergen_ kommenden Dampfboote zusammentreffen, seine Passagiere bernehmen,
und ihm dafr einen Theil der unsrigen bergeben. Dieses Dampfboot ging
nmlich wieder nach _Bergen_ zurck, und nahm daher unsere dahin reisenden
Passagiere mit sich. -- Leider ging die See sehr hoch, und da war dieses
Uebersiedeln hchst schwer zu veranstalten. -- Keiner der beiden Dampfer
wollte ein Boot aussetzen; endlich nach Mitternacht that es der unsrige,
und nicht ohne Angst und Jammern wurden die Reisenden hinabgelassen. --
Mich erbarmten sie Alle recht von Herzen; doch -- Gott sei gedankt -- es
ging Alles ohne Unfall von statten.


  21.August.

Heute bei Tage konnte ich erst die Lage von _Sandessund_ besser betrachten.
-- Es besteht nur aus einigen Husern. Die Wasserstrae ist hier von
schroffen Felswnden derart eingeengt, da sie kaum die Breite eines
Stromes erreicht; doch bald erweitert sie sich wieder, und gewinnt nun mit
jedem Ruderschlage an Schnheit und Mannigfaltigkeit. Man meint fast auf
einem herrlichen See zu fahren, denn die Inseln ziehen sich so nahe an
das im Hintergrunde liegende Gebirge, da man sie fr festes Land, und die
durch sie gebildeten Buchten fr Mndungen von Strmen halten kann. Dann
scheint es wieder, als she man eine ganze Kette von Seen; da reiht sich
einer an den andern, und manchmal glaubt man gar, schon das Ende der Fahrt
erreicht zu haben, als sich pltzlich wieder durch die dicht an einander
gelegenen Inseln ein Ausweg erffnet. Die Inseln selbst sind von der
mannigfaltigsten Verschiedenheit; -- bald bestehen sie aus kahlen Felsen,
und sind nur hie und da mit einzeln stehenden Tannen bewachsen, bald
wieder reich mit Wiesen und Wldern bedeckt. -- Und zu allem diesem nun
der Anblick der Ufer! Ach da gibt es so viel des Schnen, da ich wirklich
nicht wute, wohin die Blicke zu wenden, um ja auch Alles zu sehen. -- Dort
liegen hohe Berge, die von unten bis hinauf mit finstern Tannenwaldungen
bewachsen sind, da wieder liebliche Hgel mit saftigen Wiesen, mit reichen
Feldern, mit niedlichen Bauerhusern und Hfen, oder es ffnen sich die
Berge und bilden die schnste Perspective in Schluchten und Thler. -- Oft
kann man den Lauf einer Bucht verfolgen, bis sie in unendlicher Ferne mit
den Wolken verschwimmt. -- Oft sieht man wieder die herrlichsten Thler
geschmckt mit Ortschaften und kleinen Stdten. -- Ach! wre ich nur auch
im Stande, diese reiche, schne Natur mit der Begeisterung zu schildern,
die ich fhlte, als ich sie erschaute. -- Leider sind meine Worte, wie
meine Kenntnisse, viel zu schwach dazu, und ich kann meine Gedanken und
Empfindungen nur andeuten, aber nicht beschreiben.

Bei dem Oertchen _Walloe_ fngt die Gegend an minder schn zu werden;
die Berge verwandeln sich in Hgel, und das Wasserbecken entbehrt der
Inselgruppen. Das Oertchen selbst ist grtentheils hinter kleinen Hgeln
verborgen. Doch daran stoen eine Reihe hlzerner Htten und Huschen,
die alle zu einer Salzsiederei gehren. Das Salz wird hier aus Meerwasser
gewonnen.

Um zu dem Stdtchen _Mo_ zu gelangen, macht man einen kleinen Abstecher in
eine der vielen Buchten, die sich von allen Seiten ffnen. Die Lage dieses
Stdtchens ist wunderschn; es liegt amphitheatralisch an einem Hgel, der
sich an einen Berg lehnt. Am Meeresgestade steht ein artiges Haus, dessen
Porticus auf Sulen ruht, es ist eine Badeanstalt.

Nahe dem Oertchen _Horten_, das ebenfalls recht malerisch gelegen ist,
sieht man ein Schiffswerft, auf welchem Kriegsschiffe fr Rechnung des
Staates gebaut werden. -- Viele mssen es aber denn doch nicht sein, denn
ich sah nur ein einziges vor Anker liegen, und kein zweites im Beginne.

Auf der Fahrt nach dem Stdtchen _Drbak_ kmmt man fter an Ausschnitte
von Inseln, durch die der Blick auf das hohe Meer streifen kann.

Ungefhr acht Seemeilen hinter _Horten_ gewhrt ein Berg ein wunderschnes
Bild. Er liegt mitten in der See, drngt sie an die nahen Gebirgsketten
und theilt sie derart in zwei Strme, die sich erst hinter ihm wieder
vereinigen.

_Christiania_ erblickt man erst, wenn man kaum mehr zehn Seemeilen entfernt
ist. Die Stadt und die Vorstdte, das Festungsgebude, das neu erbaute
knigl. Schlo, die Freimaurerloge u.s.w. liegen an dem Hafen in einem
schnen Halbkreise, der von Feldern und Wiesen, Waldungen und Gebirgen
herrlich umfangen ist. Selbst die See kann sich von diesem zauberischen
Anblicke nicht losreien, und windet sich durch Hgel und Felder in
schmalen Streifen bis weit hinter die Stadt.

Gegen eilf Uhr Morgens ungefhr erreichten wir Christianiens Hafen. Die
Strecke von Sandesund hatten wir in sieben Stunden zurckgelegt, und
whrend dieser Zeit viermal angehalten. Die Boote mit den Reisenden, mit
den Waaren und Briefen waren immer schon bereit, fuhren eilig heran; Alles
wurde umgetauscht und -- weiter gefahren.




Aufenthalt zu Christiania.


In dieser Stadt kaum angekommen, war mein Erstes, eine Landsmnnin
aufzusuchen, die hier an einen Advocaten verheirathet ist. -- Man sieht,
da die Wienerinen, denen man immer vorwirft sie knnten ohne ihren
lieben Stephansthurm gar nicht leben, diese Sage doch manchmal zu Schanden
machen. Nicht bald sah ich ein Prchen, das glcklicher und zufriedener
lebt als dieses, und doch ist Christiania ber 200 Meilen vom Stephansthurm
entfernt.

Schon whrend des Ganges vom Hafen in den Gasthof, und von da zu meiner
Freundin kam ich durch die ganze Stadt. Ich fand sie nicht sehr gro und
nicht sehr hbsch. Am besten macht sich noch der neuerbaute Theil; der hat
doch wenigstens breite, ziemlich lange Straen, in welchen die Huser von
Ziegeln und Steinen und mitunter recht ansehnlich sind. In den Nebengassen
findet man hufig hlzerne Baracken die den Einsturz drohen. -- Der Platz
ist gro, aber unregelmig, und, da auf ihm der Markt von allen mglichen
Artikeln abgehalten wird, auch sehr schmutzig.

Die Vorstdte sind meist von Holz erbaut. -- Oeffentliche Gebude gibt es
mehrere ziemlich hbsche. Am schnsten machen sich das neue knigl. Schlo
und die Festung. Beide sind auf kleinen Anhhen herrlich gelegen, und
besitzen eine wahrhaft feenartige Aussicht. -- Das alte knigl. Schlo
liegt in der Stadt, zeichnet sich aber durch nichts aus; es gleicht
vollkommen einem Privathause. -- Das Haus, in welchem der Storrthing
abgehalten wird, ist gro, sein Portale ruht auf Sulen; doch die Treppen
sind, wie in allen Steinhusern in ganz Skandinavien, von Holz. -- Das
Theater fand ich von Auen fr den Bedarf der Stadt gro genug, --
von Innen sah ich es nicht. -- Eines der schnern Gebude ist die
Freimaurerloge; sie enthlt zwei ausgezeichnet groe und schne Sle,
in welchen, nebst den Sitzungen der Freimaurer, auch jene von
Gelehrtengesellschaften oder Festlichkeiten anderer Art abgehalten werden.
-- Das Universittsgebude scheint mir in gar zu groem Style angelegt zu
sein; es ist noch nicht ganz beendet, wird aber so schn erbaut, da es
den grten Residenzen zur Zierde dienen knnte. Recht artig ist auch das
Locale, in welchem sich die Fleischerbuden befinden. -- Es bildet einen
Halbkreis, und ist mit Bogengngen umgeben, in welchen die Kufer bei jeder
Witterung im Trocknen stehen. Das ganze Gebude ist von Ziegeln gebaut, die
in ihrem natrlichen Zustande gelassen, weder mit Mrtel angeworfen, noch
mit Kalk bertncht sind. -- Von sonstigen Pallsten oder Prachtgebuden
ist nicht viel zu sehen; die meisten Huser sind einstockig.

Eine groe Erleichterung fr Fremde, die man in allen Stdten Skandinaviens
findet, ist das hufige Anschreiben der Namen der Straen. Es mgen noch so
viele Straen in eine oder die andere mnden, an jeder Ecke sind ihre Namen
angeschrieben. -- Man mag daher kommen, von welcher Seite man will, so
wei man gleich den Namen der Strae, in der man sich befindet, und braucht
nicht erst darum zu fragen.

Die Stadt hat offene Kanle und, wie alle brigen, bei angekndigtem
Mondschein keine Beleuchtung.

Um den Hafen ziehen sich hlzerne Quais, neben welchen mehrere groe
Magazingebude stehen, die ebenfalls aus Holz erbaut, aber, wie berhaupt
auch die meisten Huser, mit Ziegeln gedeckt sind.

Die Einrichtungen und Auslagen der Gewlber sind einfach, die Waaren sehr
schn, jedoch nicht von eigener Erzeugung. Es bestehen noch sehr wenig
Fabriken, und Alles mu aus fremden Staaten bezogen werden.

Was mir sehr mifiel, waren die schrecklich zerlumpt gekleideten Leute, die
man berall auf den Straen traf. Besonders sahen die jungen Burschen sehr
liederlich aus. Sie bettelten zwar hchst selten; doch mchte ich ihnen bei
Leibe nicht in einem einsamen Gchen begegnet sein.

Ich war so glcklich, gerade zur Zeit nach Christiania zu kommen, als die
Sitzungen des _Storthings_ gehalten wurden. -- Es geschieht die alle
drei Jahre. Die Sitzungen fangen im Jnner oder Februar an, und dauern
gewhnlich drei Monate. Diemal hatten sich jedoch die Geschfte derart
angehuft, da der Knig vorschlug, den Storthing zu verlngern. Diesem
glcklichen Zufalle hatte ich es zu verdanken, noch mehreren Sitzungen
beiwohnen zu knnen. -- Der Knig selbst wurde, um die Verhandlungen zu
schlieen, erst im Monat September erwartet.

Der Sitzungssaal ist lnglich und ziemlich gro. An der einen der lngern
Wnde stehen vier Reihen tapezierter Bnke, von denen eine Reihe die andere
berragt. -- Ueber achtzig Storthings-Mnner haben da Raum zu sitzen. Den
Bnken gegenber steht auf einer erhhten Tribne der Tisch, an welchem
der Prsident und der Secretr sitzen. Um die eine obere Hlfte des Saales
luft eine Gallerie, zu welcher Jedermann Zutritt hat.

Obwohl ich von der norwegischen Sprache nur sehr wenig verstand, so ging
ich doch whrend meines kurzen Aufenthaltes in Christiania tglich auf
eine Stunde in die Sitzung. Ich konnte wenigstens entnehmen, ob flssig
gesprochen, ob kurze oder lange Reden gehalten wurden u.s.w. Ich hatte
leider das Unglck, lauter solche Redner zu hren, die die wenigen Worte
die sie vortrugen, so abgesetzt und langsam herausstotterten, da mir dabei
ordentlich angst wurde, sie schienen nicht die geringste Gabe des Vortrages
zu besitzen. Man sagte mir, da es bei dem ganzen Storthing nur 3-4 gute
Redner gbe, und da diese whrend der Paar Tage meines Aufenthaltes gerade
nicht zu sprechen gehabt htten.

Noch nirgends habe ich so verschiedenartige Fuhrwerke gesehen wie hier.
Die gewhnlichsten, dabei aber unbequemsten, sind jene, die man _Carriol_
nennt. Solch eine _Carriol_ besteht aus einem sehr schmalen, lnglichen und
offenen Kasten, der zwischen zwei ungeheuer hohen Rdern ruht und mit einem
winzigen Sitzchen versehen ist. Da hinein wird man gepret; man mu die
Fe der Lnge nach ausstrecken, wird mit einem Leder bis an die Hfte
zugeschnrt, und mu in derselben Stellung, ohne auch nur einen Fu
bewegen zu knnen, vom Anfange bis zu Ende der Fahrt verbleiben. -- Fr den
Kutscher ist hinter dem Kstchen ein Brett angebracht, auf welchem er, will
der Kastenbewohner nicht selbst die Pferde leiten, knieend oder stehend
die Geschft verrichtet. Da es aber hchst unangenehm ist, auf der einen
Seite bestndig das Schwirren des Leitseiles, und auf der andern das
Knallen der Peitsche zu hren, so kutschirt Alles selbst, die Frauen so
gut wie die Mnner. Auer diesen Carriols gibt es auch noch Phaetons,
Droschken, Steierwgelchen u.s.w., nur keine gedeckten Wagen.

Ganz eigen construirt sind die Wagen, die zur Verfhrung des Biers
gebraucht werden; man mu vorerst wissen, da in Christiania sehr viel
Bier getrunken wird, und da man selbes nicht in Fssern, sondern gleich
in Flaschen verfhrt. Die Wagen bestehen nun aus gerumigen, hchstens
anderthalb Fu hohen, gedeckten Ksten, die inwendig, gleich einem
Flaschenkorbe, in viele Fcher getheilt sind, in welche die Flaschen
gestellt werden.

Vielleicht nimmt man mir es nicht bel, wenn ich auch einer besonderen Art
von Krben erwhne, deren sich die Dienstleute bedienen, wenn sie Artikel,
die feucht oder schmutzig sind, wie z.B. Fische, Fleisch, Kartoffeln
u.s.w., einkaufen. Diese Krbe sind von feinem Weiblech, und mit einem
Henkel versehen. Die strohgeflochtenen Krbe gehren fr Brot und andere
reine und trockene Ewaaren.

Oeffentliche Grten oder Versammlungsorte gibt es in Christiania eigentlich
keine, aber Spaziergnge desto mehr; denn jeder Weg, den man auer der
Stadt einschlgt, fhrt in die herrlichsten Gegenden, und jeder Hgel, den
man ersteigt, ja beinah jeder Punkt der von allen Seiten offenen Stadt,
bietet die wunderherrlichsten Aussichten.

_Ladegaardoen_ ist allenfalls der einzige Ort, den die Stdter sehr
hufig sowohl zu Fu als auch zu Wagen besuchen. Man hat hier viele und
prachtvolle Ansichten der See und deren Inseln, so wie der umliegenden
Gebirge, Thler, Fichten- und Tannenwaldungen. Hier liegen auch sehr viele
Landhuser. Die meisten sind klein, aber recht niedlich und von schnen
Obst- und Blumen-Grten umgeben. -- Wenn ich da herumspazierte, glaubte ich
tief im Sden zu sein; -- so herrlich grnte und blhte Alles. -- Nur an
den Getreidefeldern erkannte ich den Norden. -- Nicht da das Getreide
schlecht gestanden wre, im Gegentheile, ich fand Waitzenhren, die sich
in hchster Flle und Schwere zur Erde neigten, -- aber jetzt, gegen Ende
August, stand das meiste noch ungeschnitten auf dem Felde.

Schne Wege fhren durch einen Tannenwald, oft an Ausschnitten vorber, die
so herrliche Prospecte gewhren, da man stundenlang da verweilen knnte.
-- In diesem Walde stehen zwei Monumente, die jedoch beide nicht von
Bedeutung sind; das Eine gilt einem Kronprinzen von Schweden, _Christian
August_, das Andere dem Grafen _Hermann Wedel Jarlsberg_.




Reise nach Delemarken.


Alles was ich bisher von Norwegen gesehen, gefiel mir so auerordentlich,
da ich der Begierde unmglich widerstehen konnte, eine Reise nach den
wildromantischen Gegenden _Delemarkens_ zu machen. Man sagte mir freilich,
da es fr eine Frau _allein_, und noch dazu bei so geringer Kenntni
der Sprache, ein etwas schwieriges Unternehmen sei, sich durch all das
Bauernvolk durchzuarbeiten. -- Nun fand sich aber in diesem Augenblicke
Niemand, der dieselbe Reise gemacht htte, -- reisen wollte ich doch, und
so vertraute ich meinem Glcke und ging allein.

Nach den Erkundigungen, die ich in Betreff dieser Reise eingezogen hatte,
standen mir besonders dadurch viel Unannehmlichkeiten bevor, da man
nirgends eine Anstalt trifft, die fr das schnelle und bequeme Fortkommen
der Reisenden sorgt. Man ist gezwungen sich einen eigenen Wagen
anzuschaffen, und von Station zu Station Pferde zu miethen. Man bekommt
zwar wohl auch auf jeder Station ein Wgelchen, das aber nichts anders als
ein hchst elender Bauernkarren ist. Ich miethete daher zu Christiania
eine Carriol fr die ganze Reise und ein Pferd bis nach dem 5 Meilen weit
entfernten Stdtchen _Drammen_.

Am 25.August Nachmittags drei Uhr verlie ich Christiania, prete mich in
meinen Wagen, und bemchtigte mich, dem Beispiele der norwegischen Frauen
folgend, allsogleich des Leitseiles. Ich fuhr so tapfer zu, als htt' ich
die Geschft schon seit meiner Kindheit betrieben, ich lenkte rechts und
links, und lie mein Brunchen laufen und springen, da es eine Freude war.

Die Fahrt nach _Drammen_ ist das Herrlichste was man sehen kann. Hierher
soll jeder Maler kommen. -- Alle mglichen Naturschnheiten die er sich
nur denken kann, findet er hier in schnster Harmonie vereint. Man wird
gleichsam erdrckt von dieser Flle und Reichhaltigkeit, -- und der
Maler knnte aus _einer_ Ansicht unzhlige Bilder schaffen. -- Auch die
Vegetation ist hier viel krftiger und ppiger, als ich sie so hoch im
Norden zu finden hoffte. Jeder Hgel, ja beinahe jeder Fels und Stein
ist von Tannen berschattet; das Grne der Wiesen war von unnachahmlicher
Frische, das Gras mit Krutern und Blumen durchwirkt, und die Felder
strotzten von ppiger Aehrenflle.

Ich habe viele Lnder, viele herrliche Gegenden gesehen, ich war in
Italien, in der Schweiz, in Tyrol und Salzburg gewesen; aber nirgends fand
ich so eigenthmliche Ansichten wie hier. -- Da war das Meer, das sich
berall hereindrngte und uns bis _Drammen_ folgte. Da bildete es bald
einen lieblichen See, auf dem sich einzelne Boote schaukelten, bald wieder
einen Strom, der sich durch Hgel und Felder die Bahn brach, bald war
es wieder die herrliche, weit ausgedehnte Wasserflche, von ziemlichen
Dreimastern, gleich riesigen Schwnen, durchzogen und mit zahllosen Inseln
berset. Letztere bestehen oft nur aus einigen Felstrmmern, manche jedoch
bilden niedliche Eilande, auf welchen, halb verborgen von Feldern und
Bumen, einzelne Htten stehen. -- Durch ppige Thler, durch herrliche
Waldungen dahin fahrend, stets begleitet von den schnsten Ansichten und
Bildern, erreichte ich nach fnf Stunden die Stadt _Drammen_, die sich an
den Ufern der See und des Flues _Storri Elf_ ausbreitet, und deren Nhe
ich schon, bevor ich sie noch sah, an den umliegenden Landhusern erkannt
hatte.

Ueber den Flu fhrt eine lange, schn gebaute hlzerne Brcke, die mit
herrlichen eisernen Gelndern versehen ist. Das Stdtchen _Drammen_ hat
hbsche Gassen und Huser, und ber 6000 Einwohner. Das Gasthaus, in
welchem ich abstieg, war sehr nett und rein. Man wies mir zum Schlafgemache
einen Salon an, der gewi auch den vornehmsten Stdter in jeder Hinsicht
zufrieden gestellt htte. -- Lcheln mute ich dagegen, als man mir mein
frugales Abendmahl brachte, das aus einigen weichgekochten Eiern bestand.
Ich bekam dazu weder Salz noch Brot, noch ein Lffelchen, sondern nichts
als ein Messer und eine Gabel. -- Ich mchte doch wissen, wie es diese
Leute hier anstellen, weich gekochte Eier mittelst Messer und Gabel zu
verspeisen.


  25.August.

Ich miethete hier ein frisches Pferd, mit welchem ich bis _Kongsberg_, vier
Meilen weit, fuhr. Die ersten anderthalb Meilen boten eine Fortsetzung der
gestrigen romantischen Gegend; nur die See blieb zurck. Dafr hatte ich
lange den schnen Flu zum Gefhrten, bis ich eine kleine Anhhe erklimmen
mute, von der ich ein groes, und wie es schien, auch ziemlich bevlkertes
Thal bersah; denn berall lagen theils Gruppen von Husern, theils
einzelne Hfe. -- Sonderbar ist es, da man in ganz Norwegen selten groe
Ortschaften findet; jeder Bauer baut sein Haus inmitten seiner Grundstcke.

Von dieser Anhhe an wird und bleibt die Gegend etwas einfrmig; am meisten
verliert sie durch den Mangel des Meeres. Die Gebirge werden niedriger,
das Thal verengt sich, und man ist allerseits von Wald- und Felspartieen
umschlossen. Was die norwegischen Felsenregionen ganz eigen fr sich haben,
ist ihre Nsse. Von allen Seiten sickert das Wasser hervor, aber gerade nur
so viel, um die Steinflchen wie mit einem Schleier zu berdecken. Scheint
dann die Sonne auf solch eine bente Felsenplatte, deren es zwischen und
ober den Waldpartieen sehr viele und mitunter auch groe gibt, so erglnzen
sie wie Glas- oder Spiegel-Wnde.

Dieser Theil von Norwegen, nmlich _Delemarken_, scheint noch ziemlich
bevlkert zu sein. -- Selbst hier in diesen ausgedehnten, finstern
Waldungen traf ich hufig einzeln stehende Bauernhtten, die in die
einfrmige Landschaft doch einiges Leben brachten. -- Der Flei des
norwegischen Bauers ist gro, denn jedes Fleckchen Erde, oft an den
steilsten Abhngen, war mit Kartoffeln, Gerste oder Hafer bebaut; auch ihre
Huschen sehen recht freundlich aus und waren meist mit ziegelrother Farbe
bertncht.

Die Straen fand ich sehr gut. Besonders war es jene von Christiania
bis Drammen; auch an der von Drammen nach Kongsberg fand ich nur wenig
auszustellen. -- Man hat in Norwegen einen solchen Ueberflu von Holz, da
die Straen von beiden Seiten mit hlzernen Zunen besetzt sind; ja jede
Wiese, jedes Feld ist gegen das Eindringen des Viehes durch einen derlei
Zaun geschtzt, und die schlechten Wege im Walde werden sogar mit runden
Baumstmmen berlegt.

Das Bauernvolk hat in diesen Gegenden keine eigene oder bemerkenswerthe
Tracht; nur die Kopfbedeckung der Weiber lt komisch. Sie tragen nmlich
einen vollkommenen Damenhut, der, freilich nach einer Mode des vorigen
Jahrhunderts, rckwrts mit einem kleinen Bunde geziert, und vorne mit
einem groen Schirme versehen ist. Diese Hte sind von allen Stoffen, meist
aus den Resten alter Kleidungsstcke zusammen gemacht, und nur an Sonntagen
sieht man schnere, manchmal sogar seidene.

In der Gegend von Kongsberg hrt dieser Kopfputz auf; da tragen sie kleine
Hubchen, nach Art der schwbischen Buerinen; Rcke, die beinah bis an die
Schultern reichen, und ganz kurze Spenser, eine Tracht, die sehr hlich
lt, da der ganze Wuchs durch den kurzen Leib verunstaltet wird.

Das Stdtchen Kongsberg ist ziemlich ausgebreitet, und liegt ber alle
Beschreibung schn auf einer kleinen Anhhe in der Mitte eines groen
herrlichen Waldthales. Das ganze Stdtchen ist zwar nur, wie alle Stdte
Norwegens, Christiania ausgenommen, von Holz erbaut, doch hat es viele
schne, nette Huser und einige breite Gassen. Besonders hbsch nimmt sich
die Kirche aus, die auf der Spitze der Anhhe steht, und hoch ber alle
Gebude empor ragt.

An der Stadt fliet der Strom _Storri Elf_, der gerade unterhalb der Brcke
ber Felsentrmmer strzt und einen, zwar kleinen, aber recht artigen
Fall bildet. Am besten gefiel mir dabei die Farbe des an den Felsen
aufspringenden Wassers. -- Es war gegen Mittag als ich ber die Brcke
fuhr, die Sonne beleuchtete den Strom und die ganze Gegend, und die an den
Felsen zerschellenden, und wieder aufsteigenden Wogen erschienen, vermge
der Beleuchtung, in schner blagelber Farbe, so da sie groen Massen des
herrlichsten, durchsichtigsten Bernsteines glichen.

In der Nhe von Kongsberg befinden sich zwei bedeutende Merkwrdigkeiten,
ein reichhaltiges Silber-Bergwerk, und ein herrlicher Wasserfall, der
_Labrafo_. -- Da aber meine Zeit karg bemessen war, und ich nur einige
Stunden in Kongsberg verweilen konnte, zog ich es vor, den Wasserfall zu
besuchen, und mir von dem Silberbergwerke blos erzhlen zu lassen, da sich
der tiefste Schacht 800 Fu unter der Erde befinde, und da es da hchst
beschwerlich sei herum zu gehen, indem Klte, Rauch und Pulverdampf eine
gar unangenehme Wirkung auf den an Licht und Luft gewohnten Reisenden
machen.

Ich miethete also ein Pferd und fuhr zu dem Falle, der ungefhr eine kleine
Meile von Kongsberg entfernt in einem engen Waldthale liegt. -- Der Strom
bildet eine kleine Strecke vor dem Falle ein stilles ruhiges Wasserbecken,
und strzt dann mit jhem Falle dem Abgrunde zu. Sowohl die bedeutende
Tiefe des Falles, als auch die Flle des Wassers bilden einen wahrhaft
imposanten Anblick. Dieser wird noch gesteigert durch einen ungeheuren
Felskolo, der gleich einer Wand im untern Becken aufgepflanzt ist, und
sich dem eilig dahin brausenden Elemente entgegen stemmt. An ihm prallt der
grte Theil des Wassers zurck, erhebt sich dann in mchtigen Massen, und
strzt hinber, auf seinem ferneren Laufe noch einige kleine Flle bildend.

Ich stand auf einem hohen Fels, ward aber doch von dem Staubregen erreicht,
und oft derart berschttet, da ich kaum die Augen ffnen konnte. Der
Fhrer leitete mich dann hinab in die Tiefe, um auch von da den Fall, und
zwar von verschiedenen Seiten betrachten zu knnen; -- berall erschien er
anders und herrlicher. Ich sah auch hier an den Wasserstrahlen, die sich
an dem Felsen brachen, und von der Sonne erleuchtet waren, jene gelbe,
durchsichtige Farbe, die mir bereits an dem Falle bei Kongsberg aufgefallen
war. Meines Erachtens rhrt sie, nebst der Beleuchtung, von den Felsen her,
die in der ganzen Gegend hufig als braun-rthliches Gestein vorkommen,
denn das Wasser selbst war klar und rein.

Um 4Uhr Nachmittag verlie ich Kongsberg, und fuhr nach dem vier Meilen
entfernten Oertchen _Bolkesoe_. Die Fahrt gehrte eben nicht zu den schnen
oder angenehmen. Der Weg war meistentheils sehr schlecht, und fhrte
fortwhrend durch Schluchten und Thler, durch Waldungen und ber steile
Berge, und dazu berraschte uns eine finstere, mondlose Nacht. -- Oft kam
mir der Gedanke wie leicht es meinem Fhrer, der knapp hinter mir auf dem
Wagen sa, wre, mich durch einen sanften Schlag aus der Welt zu expediren,
um sich dann meiner Habseligkeiten zu bemchtigen. Doch ich vertraute dem
biedern Charakter der Norweger, fuhr ruhig meines Weges, und schenkte meine
ganze Aufmerksamkeit der Lenkung meines Rleins, das ich ber Berg und
Thal, ber Lcher und Steine und neben Abgrnden mit sicherer Hand leiten
mute. Ich hrte keinen andern Laut, als das Brausen eines Waldstromes,
der oft knapp an unserer Seite ber Felsen dahin strmte, und oft wieder in
weiter Ferne zu verrauschen schien.

Erst gegen 10Uhr Nachts erreichten wir das Oertchen _Bolkesoe_. -- Eine
kleine Angst befiel mich, als wir an einem unansehnlichen Bauernhause
anhielten; -- die islndischen Nachtlager waren mir noch ganz frisch
im Andenken, und ich dachte es hier nicht viel besser zu finden. -- Wie
angenehm war ich daher berrascht, als mich die Buerin ber eine bequeme
Treppe in ein groes, nettes Zimmer fhrte, das nebst einigen guten Betten
auch mit Bnken, einem Tische, Kasten, und sogar mit einem eisernen Ofen
versehen war. -- Eben so fand ich es auch auf den ferneren Stationen.

In Norwegen gibt es auf den weniger befahrenen Straen eigentlich keine
Gast- und Posthuser. Beide Geschfte werden von den wohlhabenderen
Bauern versehen. Es ist jedoch jedem Reisenden zu rathen, Brot und andere
Lebensartikel selbst mitzufhren, indem er von diesen Bauern-Wirthen
selten etwas bekmmt. -- Ihre Khe haben sie whrend des Sommers stets auf
den Hhen der Gebirge, oder auf den Alpen, -- Hhner sind fr sie ein zu
groer Luxus-Artikel, und das Brot, das sie backen, ist kaum zu genieen.
Es besteht aus groen runden Kuchen, die hchstens einen halben Zoll dick
und sehr hart sind, oder aus eben so groen Kuchen, die kaum Messerrcken
dick, und ganz ausgetrocknet sind. -- Das Einzige, was ich manchmal fand,
waren Fische und Kartoffeln, und hatte ich Zeit einige Stunden irgendwo zu
bleiben, so brachte man mir auch gute Milch von der Alpe herab.

Noch schlechter steht es mit der Weiterbefrderung; doch werde ich die
Kapitel erst spter berhren, wenn ich noch grere Erfahrungen gemacht
haben werde.


  26.August.

Erst heute bei Tage konnte ich die Lage des Oertchens Bolkesoe besehen;
gestern war sie mir durch das Dunkel der Nacht verborgen. Es liegt in einem
niedlichen Waldthale, auf einem kleinen Hgel, zu dessen Fssen sich ein
artiger See gleichen Namens ausbreitet.

Von hier bis _Tindosoe_, 3Meile ist der Weg nicht mehr fahrbar, man mu
seine Zuflucht zum reiten nehmen; ich lie also mein Carriol zurck und
stieg zu Pferde. -- Die Gegend wird nun immer unbewohnter und stiller, und
die Thler werden zu frmlichen Schluchten. Um so berraschender ist der
Anblick zweier Seen, die in ziemlicher Ausdehnung zwischen den Bergen
liegen. Der grere davon, der Foelsoe, hat eine ziemlich regelmige Form,
mag eine halbe Meile im Durchmesser haben, und ist von schnen Gebirgen
kreisfrmig umgeben. Besondern Effect machen die dstern Schatten, die die
nadelbewachsenen Spitzen der Berge auf seine spiegelglatte Flche werfen.
Ich ritt ber eine Stunde an seinen Ufern, und hatte berhaupt whrend
dieser ganzen Partie Zeit genug, Alles genau zu besehen und zu betrachten,
denn das Reiten geht hier zu Lande hchst langsam von statten. Der
Begleiter hat kein Pferd, und geht nebenher zu Fu, und zwar meist auf
etwas schlfrige Weise; das Pferd kennt durch mehrjhrige Erfahrung die
Eigenschaft seines Herrn, und ist nur zu bereitwillig, ihn dabei durch
einen ebenfalls langsamen, schwerflligen Gang zu untersttzen. -- Ich ritt
ber 5 Stunden bis nach dem Oertchen Tindosoe. -- Von hier mu man, um nach
dem berhmten Wasserfalle des _Rykanfo_ -- meinem diemaligen Ziele -- zu
gelangen, ber einen groen See schiffen. -- Obwohl der Regen bereits seit
der letzten Meile mein unzertrennlicher Begleiter gewesen war, und der
Himmel von allen Seiten hchst melancholisch auf mich herab blickte,
miethete ich doch augenblicklich ein Boot mit zwei Ruderern, um meine Reise
alsogleich fortzusetzen. Ich befrchtete nmlich einen Sturm, und wrde
dann keinen Schiffer gefunden haben, der es gewagt htte, die 4 oder 5
Stunden lange Fahrt auf diesem gefhrlichen See zu unternehmen. -- Nach
zwei Stunden war schon Alles in Ordnung, und unter heftigem Regen fuhr
ich ab. -- Ich mute mich noch glcklich schtzen, doch wenigstens keine
starken Nebel zu Begleitern zu haben, denn dadurch wren mir die groen
Schnheiten der mich umgebenden Natur verborgen geblieben. -- Der See ist
bei 4 Meilen lang, jedoch nur an manchen Stellen eine halbe Meile breit. Er
ist von allen Seiten von Bergen umgeben, die zum Theil sich terassenfrmig
erheben, und auch nicht den kleinsten Ausschnitt zu einer Fernsicht bilden.
In Folge dieser Gebirge, die grtentheils mit finstern Tannenwaldungen
bedeckt sind und vermge der nicht sehr bedeutenden Breite des See's ihn
ganz berschatten, sieht sein Wasser vollkommen dunkel, ja beinahe schwarz
aus. -- Dieser See ist sehr gefhrlich zu befahren wegen der vielen
Felswnde, die senkrecht aus dem Wasser steigen. Ueberfiele den Fahrenden
in ihrer Nhe ein Sturm, so wrde sein Boot an ihnen zerschmettert, und er
in der Tiefe des See's sein Grab finden. -- Wir hatten zwar auch ziemlichen
Wind, er war uns aber gnstig, und trieb uns rasch unserm Ziele zu. -- An
einer dieser Felswnde bildet sich ein starkes Echo.

Dieser See hat eine Insel, an der man gleich nach der ersten Meile vorber
kmmt; sie ist hchstens eine viertel Meile lang, und scheidet ihn in
zwei ganz gleiche Theile. -- Nunmehr gestalten sich die Gebirge ganz
eigenthmlich. Ein Berg scheint dem andern vortreten zu wollen, und schiebt
seinen Fu tiefer in den See hinein; es bilden sich dadurch viele liebliche
kleine Buchten, deren Mehrzahl aber weder zum Landen noch zum Einfahren
geeignet ist, da berall gefhrliche Klippen und Felsen aus dem Wasser
hervorragen.

Wunderbar nehmen sich die kleinen Fleckchen Wiesen oder Felder aus, die wie
an den Wnden zu schweben scheinen, so wie die bescheidenen Huschen der
Bauern, die oft an den gefhrlichsten Abhngen stehen, und ber die sich
Felsmassen und Trmmer zu Bergen thrmen. Die frchterlichsten Blcke
hngen hie und da darber, und drohen den baldigen Einsturz, der freilich
Htte und Felder mit in den See reien wrde. Man wei da wahrlich nicht,
ob man die Wahl solcher gefhrlicher Wohnpltze mehr der Tollkhnheit oder
der Dummheit der Bauern zuschreiben soll.

Von den Bergen strzen sich viele Flsse in den See, die wunderschne,
wasserreiche Flle bilden. Freilich mag die auch nur jetzt der Fall
gewesen sein, weil es unaufhrlich regnete, so da von allen Seiten
Wasser herabrieselte, und die Berge und Felsen wie mit zarten Silberfden
durchwirkt erschienen. Es war ein schner Anblick; ich wrde ihm aber gerne
entsagt, und dafr lieber die Sonne gesehen haben. Sich einem so heftigen
Gebirgsregen von Frh bis Abends Preis zu geben, ist denn doch keine
Kleinigkeit. -- Ich war durch und durch na, und hatte keine Aussicht auf
besseres Wetter, da der Himmel auf allen Seiten finster, und mit Wolken
bedeckt war. Bald wre sogar meine Beharrlichkeit erschttert worden, und
ich war schon dehalb im Begriffe umzukehren, und dem Ziele meiner Reise,
dem Anblicke des hchsten norwegischen Wasserfalles zu entsagen; ----
da fiel mir ein, da dieses schlechte Wetter meinem Zwecke gerade gnstig
wre, da mit jedem Tropfen die Schnheit des Wasserfalles gesteigert
wrde, -- und ich lie vorwrts rudern.

Nach vierthalb Stunden erreichten wir _Haukane am See_, an welchem Orte
man gewhnlich ber Nacht zu bleiben pflegt, da man hier einen recht netten
Hof findet, und die Entfernung des Falles doch noch bedeutend ist.


  27.August.

Mein erster Blick war des Morgens nach dem Wetter, -- ach! es war so wie
gestern, und die erfahrnen Bauersleute prophezeiten mir, da es auch so
bleiben wrde. Umkehren, oder hier einige Tage auf besseres Wetter warten
wollte ich nicht, und so blieb mir nichts anders brig, als mein Boot
wieder zu besteigen, meinen ganz durchnten Mantel umzuhngen, und muthig
weiter zu schiffen.

Schon das Schlubild des See's, das sich uns bald zeigte, entschdigte mich
zum Theil fr meine bewiesene Ausdauer. -- Ein hoher Berg stellt sich
der Breite nach dem See entgegen, der sich beiderseits an seinen Abhngen
verluft, und zwei beraus reizende Buchten bildet. Wir lenkten in die
linkseitige, und landeten bei dem Oertchen _Mael_, das an der Mndung des
Flusses Rykane liegt. Die Entfernung von Haukane bis hieher betrgt eine
halbe Meile.

Ich mute nun ein Pferd besteigen, um zu dem noch 2Meilen entfernten
Wasserfalle zu gelangen. Der Weg fhrt durch ein schmales Thal, das immer
enger und enger wird, und bald blos dem Strome Raum gibt, so da man die
Hhen ersteigen, und sich an den Abhngen der Berge fortwinden mu. Man
sieht dann unten im Thale nur den Schaum der Wellen, die sich an den
Klippen und Felsen brechen; -- gleich einem Silberfaden erglnzt ihr Band
in der finstern Tiefe. Oft fhrt der Weg so hoch an den Bergen, da man
weder den Strom selbst sieht, noch sein Rauschen vernimmt. -- Die letzte
halbe Meile mu man zu Fu machen. Da gelangt man an Stellen, die wirklich
gefhrlich zu passiren sind; zahlreiche Wasserflle, die man auf Stegen von
zusammen gelegten Baumstmmen umgehen mu, strzen von den Bergen und kaum
fubreite Wege fhren an schwindelnden Alpenwnden vorber. -- Doch
kann man sich furchtlos auf den Arm des Fhrers sttzen, der noch Jeden
glcklich an das ersehnte Ziel geleitete.

Diese Partie von Haukane bis an den Wasserfall mte an einem
freundlichen, sonnenhellen Tage das schnste sein, was man sich wnschen
knnte; denn selbst trotz dem bestndigen Regen trotz meinen von
Nsse triefenden Kleidern, ward ich begeistert von der mich umgebenden
wildromantischen Natur, und htte um keinen Preis meinem vorgesteckten
Ziele entsagt. Leider nahm das Unwetter immer mehr zu, und dichte Nebel
wlzten sich von allen Seiten dem Thale zu. Das Wasser rieselte berall von
den Bergen herab, und verwandelte unsern Gehsteig oft in einen frmlichen
Bach, dessen Wasser uns hoch ber die Knchel ging. -- Endlich gelangten
wir an die Stelle, von welcher der Fall am besten bersehen werden konnte.
Noch war er nebelfrei, und es war mir vergnnt, die auerordentliche
Schnheit seines Sturzes und seines Wasserreichthumes zu bewundern. Ich sah
den ungeheuern Felsberg, der das Thal schliet, die ungeheure Wassersule,
die ber ihn rollt, und in der Mitte des Falles an den vorragenden Felsen
anprallend, und das ganze Thal mit Schaumwolken erfllend, kaum die
Tiefe erkennen lt, in die sie hinabstrzt. -- Ach! ich sah eines der
seltensten, eines der herrlichsten Naturwunder, aber ich sah es nur -- auf
einen Augenblick; ich hatte nicht einmal Zeit, mich von der Ueberraschung
des ersten Anblicks zu erholen. Es war mir nicht vergnnt die einzelnen
Groartigkeiten des Falles oder seiner Umgebung anzustaunen, -- ich mute
mit _einem_ Bilde, mit _einem_ Blicke zufrieden sein. Undurchdringliche
Nebel senkten sich von allen Seiten in die wilde Schlucht herein, und
hllten Alles in vllige Nacht. Ich setzte mich auf einen Felsblock,
und starrte zwei Stunden lang auf den Ort hin, wo der Fall kaum in den
schwchsten Umrissen durch den Nebel zu erkennen war; oft aber gingen sogar
diese verloren, und dann erkannte ich seine Nhe nur an dem frchterlichen
Tosen des Sturzes, und an dem Erzittern der Felsen unter meinen Fssen.

Nachdem ich so lange geschaut und gehofft, und meinen Blick vergebens, nur
um einen einzigen Sonnenstrahl flehend, zum Himmel erhoben hatte, mute
ich mich endlich doch zur Rckkehr entschlieen. Beinah mit Thrnen im Auge
verlie ich meinen Standpunkt, und hatte im Vorwrtsschreiten den Kopf
mehr rck- als vorwrts gewendet. Htte sich der Nebel nur etwas zerstreut,
gleich wrde ich wieder umgekehrt sein.

Leider entfernte ich mich immer mehr und mehr davon, bis zu dem Oertchen
_Mael_, wo ich betrbt mein Boot wieder bestieg, und ohne Unterbrechung
nach dem Oertchen Tindosoe fuhr. -- Erst gegen 10Uhr Abends kam ich da
an. -- Die schreckliche Nsse, die Klte, der gnzliche Mangel an
Nahrungsmitteln, und vor allem Andern meine durch die getuschte Hoffnung
etwas getrbte Gemthsstimmung hatten mich so angegriffen, da ich mich mit
leichten Fieberanfllen zu Bette legte, und schon glaubte, meine Reise
des andern Tages nicht fortsetzen zu knnen. -- Doch meine krftige Natur
besiegte Alles, und um 5Uhr Morgens war ich schon wieder bereit meine
Reise zu Pferd nach Bolkesoe anzutreten.

Ich mute so eilen, um die Abfahrt des Dampfschiffes von Christiania
nicht zu versumen. -- Man hatte mir die Reise nach Delemarken viel krzer
angegeben, als ich sie in der Wirklichkeit fand; auch nimmt das ewige
Warten auf Pferde, Boote, Fhrer u.s.w. sehr viele Zeit in Anspruch.


  28.August.

Ich hatte mir in Tindosoe schon Abends vorher das Pferd zur Weiterreise auf
heute Morgens 5Uhr bestellt; trotz dem mute ich bis 7Uhr warten.

Obwohl ich nur eine kleine Reise in das Innere des Landes machte, hatte ich
doch volle Gelegenheit, all die Prellereien und Unannehmlichkeiten kennen
zu lernen, welchen der Fremde in Norwegen ausgesetzt ist. -- Ich
glaube, da es in ganz Europa kein Land geben mag, das hinsichtlich der
Reiseverbindungen noch so in der Kindheit liegt wie dieses. Man bekmmt
zwar berall Pferde, Wagen, Boote u.s.w., das Gesetz hat auch die
Gebhren dafr festgestellt; leider ist aber Alles in den Hnden der Bauern
oder der Wirthe, und diese wissen den Fremdling durch ihr Zaudern, und
durch ihre absichtliche Langsamkeit so zu qulen, da er, um nur etwas
schneller fort zu kommen, gezwungen ist, das Doppelte und Dreifache zu
bezahlen. Die Stationen sind sehr klein, hchstens 1 oder 1Meile lang;
man mu daher alle Augenblicke Pferde wechseln. Kmmt man nun auf die
Station, so ist entweder wirklich kein Pferd vorhanden, oder es wird nur
so vorgegeben. -- Dem Fremden wird dann gesagt, da man das Pferd erst vom
Berge holen msse, da er aber in 1 bis 2 Stunden befrdert werde. -- Man
fhrt also eine Stunde um dann zweie warten zu knnen. Es ist auch hchst
nthig ein ganzes Register zu fhren; denn jede Kleinigkeit, der Wagen, der
Sattel, das Pferdegeschirr, das Holen des Pferdes, das Boot u.s.w., Alles
mu bezahlt werden. Wei man nun nicht die dafr bestimmten Taxen, so wird
man auch hierin tchtig betrogen. Auf jeder Station liegt zwar ein Buch, in
welchem sie angegeben sind; es ist aber nur in der Landessprache, und also
fr den Fremden so gut als gar nicht vorhanden. Man kann in dieses Buch,
das alle Monate dem nchsten Gerichte vorgelegt werden mu, auch seine
Klagen gegen Bauer oder Wirth einzeichnen; jedoch scheinen Beide nur wenig
Furcht davor zu haben, denn der Fhrer z.B. der mich nach dem Rykanfosser
Falle begleitete, suchte mich zweimal auf die unverschmteste Weise zu
prellen, indem er fr den Gebrauch des Sattels das Achtfache, und fr das
Holen des Pferdes das Sechsfache begehrte. Als ich ihm mit dem Strafbuche
drohte, kehrte er sich wenig daran, und bestand derart auf seiner
Forderung, da ich ihn wirklich bezahlen mute. Bei meiner Rckkehr nach
Mael hielt jedoch auch ich Wort, forderte das Buch, und zeichnete in
Gegenwart aller Bauern, obwohl ich mich ganz allein unter ihnen befand,
meine Klage ein -- Es war nicht der Geldbetrag, was mich dazu bewogen,
sondern nur die niedertrchtige Prellerei. Ich bin der Meinung, da jeder
Mensch sich stets beschweren soll, wenn ihm Unrecht geschieht; wird auch
ihm selbst nichts vergtet, so macht er es vielleicht doch fr seinen
Nachfolger leichter.

Zum Lobe der Bauern mu ich sagen, da, als ich ihnen die Betrgereien
ihres Landsmannes erklrte, sie sehr ungehalten ber ihn waren, und
durchaus keinen Versuch machten, mich von der Klage abzuhalten.

Um nun noch zum Schlusse meiner Reise zu kommen, so bemerke ich nur, da
der Regen zwar aufgehrt hatte, der Himmel jedoch noch immer mit Wolken
bedeckt, und die Gegend in Nebel gehllt war. Ich nahm dehalb den frhern
krzern Weg nach Christiania zurck, obwohl ich dadurch um eine schne
Partie kam, wo ich, wie man mir sagte, eine der herrlichsten Gegenden,
und besonders der schnsten Fernsichten Norwegens gesehen htte. Man kann
nmlich von Kongsberg ber Kroxleben nach Christiania gehen. Bei Kroxleben
ist diese herrliche Gegend.

Doch meine Zeit war zu kurz, um diesen Umweg machen zu knnen, und ich ging
ber Drammen zurck. Eine Meile hinter Kongsberg, in dem Oertchen _Muni_,
wo ich gegen 7Uhr Abends ankam, wollte mich der liebenswrdige Wirth
abermals zwei Stunden auf ein Pferd warten lassen. Da mir dasselbe
wahrscheinlich auf jeder Station geschehen wre, so war ich gezwungen
ein Pferd gleich auf die ganze noch brige Strecke von 6 Meilen, bis
Christiania, um den dreifachen Betrag zu miethen, legte mich dann auf
einige Stunden zur Ruhe, fuhr in der Nacht um 1Uhr ab, und erreichte
Christiania glcklich gegen 2Uhr Nachmittag.

Ich fand auf dieser Reise alle jene Leute sehr gut und gefllig, die mit
mir in keine Geldverbindung kamen, aber die Wirthe, Bootfhrer, Fuhrmnner,
Fhrer u.s.w. waren eben so eigenntzig und habschtig, wie in allen
andern Lndern. -- Ich glaube, da man bei diesen Leuten Biederkeit und
Treuherzigkeit nur dort fnde, wo man das Glck htte _der erste Reisende_
zu sein.

Diese kleine Reise kam mich ziemlich theuer, und dennoch getraute ich mich
auch dieses bekannt theure Land ziemlich billig zu durchreisen. Ich wrde
mit dem Dampfschiffe die Kstenreise bis Hammerfast machen, dort mir ein
gutes Pferd und ein Wgelchen kaufen, und dann die Reise mitten durch das
Land recht angenehm und ohne Aerger fortsetzen. Einer Familie aber, die in
einem gedeckten bequemen Wagen fahren wollte, kme diese Reise ber alle
Maen hoch, und wre wohl an manchen Stellen, der schlechten Wege halber,
gar nicht ausfhrbar.

Das norwegische Landvolk ist krftig und stark, ihre Gesichtszge gehren
aber gerade auch nicht zu den hbschen und anmuthigen; -- auch schienen
sie mir weder wohlhabend noch Reinlichkeit liebend zu sein. Sie waren
meistentheils sehr rmlich gekleidet, und gingen barfu. Ihre Htten, von
Holz erbaut, und hufig mit Ziegeln gedeckt, sind zwar gerumiger als
jene der Islnder, aber nichts desto weniger schmutzig und armselig. Eine
Schwche der Norweger scheint der Kaffee zu sein. Sie trinken ihn schwarz
und ohne Zucker. -- Die alten Weiber rauchen so gut wie die Mnner des
Abends und des Morgen ihr Pfeifchen.

  Von Christiania bis Kongsberg                     9 deutsche M.
  Von Kongsberg bis an den Wasserfall Labrafo      1    "     "
  Von Kongsberg nach Bolkesoe                       3    "     "
  Von Bolkesoe bis Tindosoe                         3   "     "
  Von Tindosoe ber den See nach Maelen             3   "     "
  Von Maelen bis an den Wasserfall Rykanfo         2   "     "
                                                   --------------
                                                   22 Meilen.




Reise von Christiania nach Stockholm.


  30.August.

Von den Segenswnschen meiner lieben Landsmnnin und ihrem Gemahl, Herrn
Procurator M.... begleitet, verlie ich um 7Uhr Morgens Christiania, und
fuhr auf demselben Dampfschiffe, das mich vor zehn Tagen hieher gebracht
hatte, nach Gothenburg zurck. -- Ich habe von dieser Fahrt nur noch die
herrliche Ansicht eines Theiles des Christians-Sundes -- auch _Fiord_
genannt -- nachzutragen, die mir bei der Herreise durch die Dunkelheit
entzogen wurde. -- Wir kamen da Nachmittags vorber. -- Die Lage des
Stdtchens _Lauervig_ gehrt zu den ausgezeichnetsten. Es breitet sich
auf einer erhhten Naturterasse aus, und ist im Hintergrunde von schnen
Gebirgen umgeben. Vorne liegt die Festung _Friedrichsver_ auf einem
Fels, der von vielen Klippen und Felsen umgeben ist, auf welchen einzelne
Wachhuschen stehen. Links sieht man das weite Meer.

Bei _Friedrichsver_ hatten wir uns ber eine Stunde verhalten. Es
wird nmlich, wie auf der Hinreise von Kopenhagen nach Christiania bei
Sandessund, so auf der Rckreise bei Friedrichsver angehalten, um die nach
_Bergen_ abgehenden Reisenden dem bereits vor Anker liegenden Dampfschiffe
zu bergeben.

Die Bild machte den Schlustein des _Fiordes_, folglich auch des Schnen,
denn nun ging es hinaus in die offene See, und schon nach einigen Stunden
war alles Land unserem Blicke entschwunden. Wir sahen nun nichts als Himmel
und Wasser, bis wir am folgenden Morgen an die _Scherren_ kamen und nach
_Gothenburg_ einlenkten.


  31.August.

Wir hatten die ganze Nacht _hohe See_ gehabt, und trafen dehalb in
_Gothenburg_ um drei Stunden spter als gewhnlich ein. Wunderbar machte
sich bei diesem Stande der bewegten See die schumende Brandung an den
vielen Klippen und Inseln in der Nhe _Gothenburgs_.

Die wenigen Reisenden, die sich auf den Fen erhalten konnten, die nicht
der Seekrankheit erlagen, und auf dem Decke geblieben waren, sprachen
viel von dem gegenwrtigen gefhrlichen Sturm. -- Ich hatte mich oft schon
verwundert, jeden Menschen, und wenn er auch nur eine ganz kleine Fahrt
von 40-60 Seemeilen ber irgend einen Kanal gemacht hatte, von den
schrecklichen Strmen erzhlen zuhren, die er auf seiner Reise erlebte. --
Nun konnte ich mir die Sache erklren, da die Reisenden neben mir den
etwas scharfen Wind, der nichts als ein -- wie die Seeleute es nennen
-- Hochgehen des Meeres bewirkte, bereits fr einen Sturm erklrten, und
wahrscheinlich zu Hause viel von den berstandenen Gefahren erzhlten.
Die Strme sind, Gott sei Dank, nicht gar so hufig. Ich selbst habe schon
viele tausend Seemeilen, und gar manche strmische Ueberfahrt -- besonders
jene von Kopenhagen nach Island -- gemacht, und dennoch erlebte ich
eigentlich nur _einen_ Sturm, aber einen desto bedeutenderen und wirklich
gefhrlichen, im Monat April 1842, als ich ber das schwarze Meer nach
Constantinopel fuhr.

Wir langten im Hafen von _Gothenburg_, wie bereits gesagt, um drei Stunden
spter -- statt um sechs Uhr, erst um neun Uhr des Morgens an. -- Ich
lie mich gleich in die Stadt rudern, um mit dem nchsten Stockholmer
Dampfschiffe die berhmte Schleuenfahrt ber die Wasserflle bei
_Trollhtta_ zu machen. -- Durch die Verbindung des Flues _Gtha_ mit
einigen Binnenseen durchschneidet dieses groe Werk das ganze Land und
verbindet die Nordsee mit der Ostsee.

Ich fand diemal die Stadt _Gothenburg_ ganz auerordentlich belebt. Der
Knig von Schweden befand sich hier auf der Durchreise nach Christiania,
wohin er ging, um den Storthing zu schlieen. Es war eben Sonntag, und
der Knig mit seinem Sohne gerade in der Kirche. Die Straen wogten von
Menschen, die sich alle dem Platze zudrngten, um die Majestt bei ihrem
Austritte aus dem Dome zu sehen. Natrlich hatte auch ich nichts Eiligeres
zu thun, als mich unter die Menge zu mischen, und glcklich sah ich Vater
und Sohn aus der Kirche treten, den Wagen besteigen und knapp an mir
vorberfahren. Beide waren schne, freundliche Erscheinungen. Das Volk
strmte dem Wagen nach, und haschte begierig nach den herzlichen Gren des
geistvollen Vaters, wie des hoffnungsvollen Jnglings; es begleitete sie
bis an die Wohnung, stellte sich vor derselben auf, und sah mit Sehnsucht
dem Augenblicke entgegen, in welchem sie sich am Fenster zeigen wrden.

Ich htte frwahr an keinem gnstigeren Tage hier eintreffen knnen, denn
heute sah ich Alles geschmckt und geputzt; Militr, Geistlichkeit, Beamte,
Brger und Volk waren dem Knige zu Ehren im vollsten Staate.

Unter dem herbei gestrmten Landvolke bemerkte ich zwei Buerinen, die
etwas eigens gekleidet waren. Sie trugen schwarze Rcke, die bis an die
halbe Wade reichten, rothe Strmpfe, rothe Leibchen und weie Hemden mit
langen weiten Aermeln. Die Kpfe hatten sie mit Tchern verhllt. -- Einige
Brgerinen trugen kleine Hubchen nach Art der schwbischen, und darber
einen kleinen, schwarzen, gestickten Schleier, der jedoch das Gesicht frei
lie.

Auch hier sah ich, so wie zu Kopenhagen, unter den Trommelschlgern und in
den Musikbanden des Militrs 10-12jhrige Knaben.

Der Knig blieb noch diesen und den folgenden Tag in _Gothenburg_, und
setzte erst Dienstags seine Reise fort. An den beiden Abenden seiner
Anwesenheit waren allerorts die Fenster mit Guirlanden von frischen Blumen
geschmckt, zwischen welchen Lichter brannten. -- An manchen Husern waren
sogar Transparente sichtbar, die jedoch dem Erfindungsgeiste der guten
Gothenburger gar keine groe Ehre machten. Alle waren gleich, jedes zeigte
ein ungeheures ~O~ (Oskar), ber welchem die knigliche Krone angebracht
war.

Ich mute vier ganze Tage in Gothenburg bleiben; auch in Schweden scheint
bei den Eintheilungen der Fahrten wenig Rcksicht auf die schnellere
Befrderung der Reisenden genommen zu werden. An demselben Tage als ich mit
dem Dampfschiffe von Christiania kam, ging jenes nach Stockholm ab, aber
leider schon um fnf Uhr Morgens. -- Da nun im Monate September nur
mehr zwei Dampfboote wchentlich nach Stockholm abgehen, mute ich bis
Donnerstag warten. -- Ich empfand bis dahin ziemlich Langeweile, denn
die Stadt selbst so wie die herrliche Aussicht auf dem Hgel zwischen den
Vorstdten hatte ich bereits whrend meiner frhern Anwesenheit gesehen,
und die brige Umgebung der Stadt bestand nur aus kahlen Felsen und
Klippen, die nichts Sehenswerthes boten.


  4.September.

Der Zudrang der Reisenden war diemal so gro gewesen, da man schon zwei
Tage vor der Abfahrt keinen andern Platz mehr als auf dem Decke bekommen
konnte; mehrere Frauen und Herren, die die nchste Gelegenheit nicht
abwarten wollten, muten sich damit begngen. Auch mich traf die
Schicksal; denn ich dachte nicht an die Mglichkeit einer solchen
Ueberfllung, und nahm erst zwei Tage vor der Abreise einen Platz. --
Whrend der Fahrt bekamen wir auf den verschiedenen Stationen auch noch
Passagiere, und da kann man sich nun den Jammer der armen, jeder Beschwerde
ungewohnten Stdter denken. -- Da suchte nur jedes ein Pltzchen fr
die Nacht. Einige Glckliche erhielten die winzig kleinen Gemcher des
Maschinisten und des Steuermannes, und die andern kauerten sich in den
Gngen und an den Stufen der zu den Kajten fhrenden Treppen nieder. --
Auch mir bot man ein Pltzchen in der kleinen auf eine Person berechneten
Kajte des Maschinisten; da waren aber bereits 3-4 Personen hineingepret,
und ich zog es daher vor, lieber Tag und Nacht auf dem Decke zu
bivouakiren. Einer der Herren war so gtig mir einen tchtigen Mantel zu
borgen, in welchen ich mich einhllen konnte, und so schlief ich
unter Gottes freiem Himmel viel besser, als meine Gefhrten in ihrer
Schwitzkammer.

Die Einrichtung auf den Schiffen die den Gthakanal befahren, ist auch
nicht die beste. Der erste Platz ist zwar sehr bequem, und sein Kajtenraum
ist in artige, lichte Kabinete fr zwei und zwei Personen eingetheilt; aber
desto schlechter steht es mit dem zweiten Platz; da wurden des Nachts
nur Hngematten aufgezogen; ber Tag diente er zum gemeinschaftlichen
Speisesaale. -- Noch schlechter ist fr das Gepck gesorgt. Die Schiffe,
die den Kanal befahren, haben einen etwas beschrnkten Kielraum, und da
werden die Koffer, Kisten, Felleisen u.s.w. auf dem Decke aufgespeichert,
gar nicht befestiget, und nur hchst nothdrftig gegen den Regen geschtzt.
Da aber diese Nachlssigkeit bei einer Fahrt von 5-6 Tagen gar zu gro
ist, bewies die Folge. -- Der Regen und die aufschlagenden Wogen der
Binnenseen setzten den Raum des zweiten Deckplatzes oft 2-3 Zoll hoch unter
Wasser, und das Gepck wurde von allen Seiten durchnt. Noch rger war
es whrend des Sturmes auf dem Wennersee; der warf das Schiff etwas
derb herum, wodurch mancher Koffer sein Gleichgewicht verlor, und den
Vorbergehenden auf den Kopf zu strzen drohte. Dagegen sind die Preise
sehr billig; eine Sache, die mir doppelt auffiel, da doch die vielen
Schleuen bedeutende Kosten verursachen mssen.

Nun zur Reise selbst.

Um fnf Uhr Morgens wurde abgefahren, und bald befanden wir uns im
Gtha-Flu, dessen Ufer Anfangs sehr flach und de sind. Das Thal selbst
ist von kahlen, felsigen Hgelketten begrenzt. -- Nach ungefhr zwei
Meilen[6] kamen wir zu dem Stdtchen _Kongelf_, das 1000 Einwohner haben
soll. Es liegt an und hinter Felsen, und bleibt dadurch dem Auge theilweise
verborgen. Dem Stdtchen gegenber, auf einem Fels, steht die Ruine
der einstmaligen Festung _Bogus_. Von hier fngt die Gegend an etwas
mannigfaltiger zu werden. Waldpartieen wechseln mit den kahlen Felsen ab;
an beiden Seiten ffnen sich kleine Thler, und der Flu selbst, hier
durch eine Insel getheilt, breitet sich spter oft bedeutend aus. -- Die
Bauerhuser sahen grer und netter aus, als jene in Norwegen; sie sind
meist ziegelroth angestrichen, und stehen oft auch in grern Gruppen
beisammen.

  [6]: Auf dieser Fahrt wird nach Landmeilen gerechnet.

Bei _Lilla Edet_ kmmt man an die ersten Schleuen, deren hier fnfe sind.
Whrend das Schiff sie passirt, hat man Zeit den gleich daneben liegenden
zwar niedern, aber wasserreichen und breiten Fall der Gtha zu betrachten.

Diese erste Strecke der Schleuen und des Kanals zieht sich noch ziemlich
weit hinter dem Falle fort, und ist theils in die Felsen gesprengt, theils
mit Quadersteinen ausgemauert. -- Bei _kestron_ fhrt man wie in einem
schnen Naturparke; das Thal wird durch reizende Hgel eingeengt und
gibt nur dem Strome und einigen niedlichen Pfaden Raum, die sich durch
Nadelgehlz, das sich bis an die Ufer zieht, winden.

Nachmittags kamen wir an die berhmten Schleuen bei _Trollhtta_. Sie
bilden ein Riesenwerk, das man nur in den grten Staaten vermuthen wrde,
nicht aber in einem Lande, das weder an Macht noch an Gre zu den ersten
gehrt. Im Ganzen sind 11 Schleuen, die bei einer Lnge von 3500 Fu
die Hhe von 112 Fu erreichen. Sie sind breit, tief und in die Felsen
gesprengt und mit schnen Quadersteinen ausgelegt; sie gleichen den
einzelnen Stufen einer Riesentreppe, unter welchem Namen man dieses Werk
auch fglich den sieben Weltwundern beizhlen knnte. Eine Schleue erhebt
sich ber der andern, mchtige Thore schlieen sie, und wunderbar schwebt
das groe Fahrzeug der Hhe zu. Die Umgebung ist wildromantisch.

Kaum bei den Schleuen angelangt, wird man gleich von einer Menge Knaben
umschwrmt, die sich den Fremden als Wegweiser zu den nahen Wasserfllen
bei dem Oertchen _Trollhtta_ anbieten. An Zeit zu diesem Ausfluge gebricht
es nicht; das Schiff braucht um die Hhe zu erreichen 3-4 Stunden, und in
der halben Zeit ist die Excursion abgethan. Frher unterlasse man aber
ja nicht, den Fels zu ersteigen, zu dem sich die Schleuen erheben. Ein
Pavillon ziert seine Spitze, und von hier bersieht man die Schleuen in
die Tiefe hinab.

Nach _Trollhtta_ fhren artige, durch den Wald gehauene Wege. Dieses
Oertchen hat eine beraus reizende Lage; es liegt in einem lieblichen
Thale, das von Waldungen und Hgeln umgeben ist, an den Ufern des Stromes,
dessen wei schumende Wogen grell von dem dunkeln Waldsaume abstechen. --
Man sieht von hier aus nur den Saum des Kanals, der einen weiten Bogen vom
Hauptstrome beschreibt, die letzten Schleuen aber liegen hinter kleinen
Felspartieen ganz verborgen; wir konnten weder das Aufziehen der Thore noch
das Steigen des Wassers in ihnen bemerken, und waren daher sehr berrascht,
als wir pltzlich erst die Masten, dann das Schiff selbst aus den Tiefen
steigen sahen. Es schien, als ob es von unsichtbaren Hnden zwischen
Felsenmassen empor gehoben wrde.

Die Flle des Stromes zeichnen sich weniger durch ihre Hhe, als durch ihre
Mannigfaltigkeit und Wasserflle aus. Der Hauptstrom wird an der uersten
Spitze seines Sturzes durch eine kleine Felsinsel in zwei beinahe gleich
mchtige Flle getheilt. Auf die Inselchen fhrt ein langer, schmaler
Kettensteg, der gerade ber dem Falle schwebt, und so zart und schwach
gebaut ist, da nur immer eine Person hinber schreiten darf. Der
Eigenthmer dieses gefhrlichen Steges hlt ihn stets versperrt, und ffnet
ihn nur gegen ein Entgeld von 10kr. CM.

Ein eigenes schauerliches Gefhl beengt die Brust whrend des
Hinberschreitens. Man sieht den Strom wthend daher tosen, man sieht ihn
sich an den hoch emporragenden Felsen brechen und schumend in die Tiefe
strzen, man sieht unter seinen Fen die brandenden Wogen; -- dabei
erzittert das Brckchen bei jedem Tritte, -- ngstlich eilt man das
Inselchen zu erreichen. Hier erst, auf festem Grund und Boden, wagt man es,
sich mit Mue umzusehen. Ein fester Fels neigt sich etwas ber die Flle
hinaus, und auf ihm kann man mit Sicherheit seinen Standpunkt whlen. Man
steht da nicht nur zwischen zwei schnen Fllen sondern bersieht auch noch
4-5 andere, welche der Strom ober- und unterhalb bildet. -- Kaum glaubt man
sich von diesen zauberischen Bildern trennen zu knnen.

Hinter _Trollhtta_ breitet sich der Strom beinahe zu einem See aus, indem
er von mehreren Inseln in viele Arme getheilt wird. Seine Ufer verlieren
jedoch bedeutend an Schnheit, indem sie flach und unansehnlich werden.

Den herrlichen Wenner-See, 10-12 Meilen lang und mehrere Meilen breit,
erreichten wir leider erst gegen Abend, als es schon zu sehr dunkelte, um
von der Umgebung noch etwas unterscheiden zu knnen. -- Wir hielten hier
bei dem unbedeutenden Stdtchen _Wennersborg_ einige Stunden an.

Diesen Tag ber waren uns gewi sechs oder sieben Dampfschiffe begegnet,
die Alle schwedischen oder norwegischen Kaufleuten gehrten. Es gewhrte
einen eigenen interessanten Anblick, diese Schiffe in den hohen Schleuen
auf und ab steigen zu sehen.


  5.September.

Als wir noch gestern spt in der Nacht Wennersborg verlieen, und uns
auf dem See herumtrieben, erhob sich ein widriger Wind, oder vielmehr ein
kleiner Sturm, der zwar fr ein gutes Fahrzeug nichts zu bedeuten gehabt
htte, dem aber das unsrige doch nicht gewachsen war. Vergebens mhte sich
der arme Kapitain die ganze Nacht hindurch ab, das Fahrzeug ber den See
zu bringen, -- er mute seinem Versuche entsagen, wieder zurckkehren, und
irgend an einer Stelle Anker werfen. -- Wir verloren bei dieser Gelegenheit
unser Hilfsboot; eine mchtige Welle schlug ber das Schiff und ri es
mit sich fort; wahrscheinlich war es so gut befestiget gewesen, als unsere
Kisten und Koffer.

Obwohl es erst neun Uhr Morgens war, erklrte der Kapitain dennoch, whrend
des Tages nicht weiter fahren zu knnen; nur wenn es gut ginge, wre er im
Stande die Reise gegen Mitternacht fortzusetzen. -- Glcklicherweise wagte
sich ein Fischerboot heran, und einige von uns lieen sich ans Land setzen.
Auch ich that die und bentzte diesen Zufall, einige Bauernhtten zu
besuchen, die unfern des Sees am Saume eines Waldes lagen. Ich fand sie
zwar auch rmlich, aber doch aus zwei Gemchern bestehend, die einige
Betten und andere Gerthschaften enthielten; auch die Leute waren etwas
besser gekleidet als jene in Norwegen. Selbst die Kost der Leute war nicht
so bel; sie kochten aus grobem schwarzen Mehle ein dickes Mu, das dann
mit ser Milch verspeiset wurde.


  6.September.

Erst des Morgens ein Uhr lichteten wir die Anker -- Nach ungefhr fnf
Stunden kamen wir an die kleine Insel _Eken_, die aus lauter Felsen
besteht, und von einer Menge noch kleinerer Inseln und Klippen umgeben
ist. Es ist hier einer der bedeutenderen Landungspltze des See's. -- Ein
ziemlich groes hlzernes Magazin steht nahe am Ufer, und in dieses werden
die verschiedenen Artikeln von der Umgebung geschafft und an Bord gebracht,
und so umgekehrt. Man sieht hier immer einige Schiffe vor Anker liegen.

Nun muten wir uns durch ein Heer von Inseln durchwinden, bis wir wieder
den groen See erreichten der auer seiner Gre nicht viel Sehenswerthes
bietet. -- Seine Ufer sind grtentheils kahl und einfrmig, und nur hie
und da mit Waldungen oder niederen Hgeln umgeben; selbst der Hintergrund
zeichnet sich durch nichts aus. -- Zu den schnsten Ansichten gehrt noch
das ziemlich bedeutende Schlo _Leko_, das auf einem Fels liegt und von
dichten Waldungen umgeben ist. -- Weiterhin erhebt sich der Berg, oder
besser gesagt, Hgel _Kinnekulle_[7], auf welchen jeder Reisende aufmerksam
gemacht wird. Er soll nmlich eine ausgedehnte Aussicht, sowohl auf den
See, als auch tief hinein in das Land gewhren, da sich dem Auge nirgends
ein hoher Punkt strend dazwischen stellt. -- In dem Innern dieses Berges
soll sich eine sehr merkwrdige Grotte befinden. -- Leider kann man, seit
man auf Dampfschiffen fhrt, all diese Merkwrdigkeiten nicht mehr besehen.
Man fliegt berall schnell vorber, und wird bald die grte Reise mit
einigen Worten beschreiben knnen.

  [7]: _Kulle_ heit in der schwedischen Sprache, der Hgel.

Zu _Bromoe_ befindet sich eine bedeutende Glasfabrik, die ausschlieend
Fensterscheiben verfertiget. Wir hielten kurze Zeit an, und nahmen eine
tchtige Ladung dieses Artikels ein.

Die Fabriksgebude liegen, nebst einigen andern Huschen, recht artig auf
kleinen Hhen zwischen reizenden Waldpartieen.

Bei _Sjotorp_ tritt man wieder durch mehrere Schleuen aus dem See in den
Flu. -- Die Fahrt ber den Wennersee rechnet man gewhnlich auf zehn bis
eilf Stunden.

Der Flu schlngelt sich anfnglich hufig durch Waldungen, und man kann,
whrend sich das Schiff mhsam in den Schleuen fortarbeitet, einen Theil
des Weges recht angenehm im Schatten zu Fue machen. Spter ffnen sich
weite Thler, die jedoch durchaus keine schnen Bilder gewhren.


  7.September.

Zeitlich des Morgens durchschifften wir den niedlichen _Bikensoe_, der
sich, wie berhaupt alle schwedischen Seen, durch seinen Reichthum an
Inselchen, Felsen und Klippen auszeichnet. Hufig sind diese Inselchen mit
Bumen berwachsen, was sich dann um so herrlicher macht.

Dieser See liegt 306 Fu hher als die Nordsee; hier hat man den hchsten
Punkt erreicht, und nun beginnen die Schleuen in die Tiefe zu fhren. --
Die Zahl aller Schleuen, durch welche man sowohl hinauf als hinab getragen
wird, betrgt 72.

Ein kurzer Kanal fhrt in den _Bottensee_, welcher anfnglich einen weniger
durch Inseln unterbrochenen Wasserspiegel zeigt. Die Fahrt durch diesen
kleinen See ist beraus lieblich; die Ufer bieten schne Hgelreihen,
wechselnd mit Wldern, Wiesen und Feldern. -- Ihm folgt der bedeutend
grere _Wettersee_, dessen Eingang durch die schne Festung _Karlsborg_
leicht vertheidigt werden kann. -- Dieser See hat zwei ganz besondere
Eigenheiten: die eine besteht in der auerordentlichen Reinheit und
Klarheit des Wassers, die andere darin, da sehr viele Strme auf demselben
herrschen. Man sagt, da es da manchmal woge und brause, selbst, wenn es in
der Umgegend heiter und windstill sei. Oft soll der Sturm den Schiffer mit
solcher Eile und Heftigkeit berfallen, da ihm das Entrinnen unmglich
wird. Gar viel Sagen und Mrchen erzhlt man sich von den tckischen
Unthaten dieses Sees.

Wir blieben, Gottlob, verschont, und durchschnitten seine Flchen
unter Scherz und Freude. -- An den Ufern dieses See's liegt das schne
Fruleinstift _Wadsten_ und der berhmte Berg _Omberg_, an dessen Fue
eine Schlacht statt hatte.

Der nun folgende Kanal ist sehr kurz und leitet durch liebliche Waldungen
in den kleinen See _Norrbyson_. Man legt diese Strecke gewhnlich zu Fu
zurck, um das einfache Grabmal des Grafen _Platen_ zu besuchen, der die
Plane zu den Schleuen und Kanlen, zu diesem ewig dauernden Riesenwerke
geliefert hat. -- Das Grabmal ist mit einem Eisengitter umfat; die Gruft
deckt eine schne Marmorplatte, auf welcher eine einfache Inschrift in
schwedischer Sprache angebracht ist, die seinen Namen, Todestag u. s. w.
anzeigt. Dem Monumente beinahe gegenber, auf der andern Seite des Kanals,
liegt das Stdtchen _Motala_, mit groen Eisenwaaren-Fabriken, in
deren schnen Gebuden sich besonders die ungeheuren groen Arbeitssle
auszeichnen.

Von dem _Norrbysee_ in den _Roxersee_ fhren 15 Schleuen, durch welche das
Schiff 116 Fu hinabgelassen wird. -- Dieser Kanal schlngelt sich recht
angenehm durch Waldungen, Wiesen und Felder, die von hbschen Landstraen
durchzogen, mit niedlichen Huschen und greren Gebuden besetzt sind.
-- Einige Kirchthrme verrathen die Nhe des Oertchens _Norrby_, das, halb
versteckt hinter kleinen Waldpartieen, den Blicken des Vorbereilenden
bald erscheint, bald wieder entschwindet. Wenn die Sonne auf das Wasser in
diesem Kanale schimmert, hat es eine so schne, durchsichtige, erbsengrne
Farbe, wie der reinste Chrisolith.

Einen berraschenden Anblick geniet man von der Hhe, welche sich beinahe
unmittelbar vor dem See _Roxen_ erhebt. Pltzlich erschliet sich da ein
mchtig groes Thal, das von den herrlichsten Wald- und Felspartieen und
anmuthigen Hgeln durchwirkt ist, und -- zu den Fen der See, der sich
sehr ausdehnt und dessen Arme weit in die Waldungen hinein greifen. -- Die
Abendsonne warf ihre letzten Strahlen auf ein Stdtchen, das am See liegt,
und glnzend leuchteten die neuberfirniten Ziegeldachungen zu uns herauf.

Whrend sich das Schiff durch die vielen Schleuen da hinabsenkte,
besuchten wir die nahe Kirche des Oertchens _Vretakloster_, die in uerst
schn gearbeiteten, metallenen Srgen die Gerippe mehrerer Knige enthlt.

Wir fuhren dann noch ber den See, der gewi eine Meile breit ist, und
blieben die Nacht ber am Eingange des Kanals, der uns am nchsten Morgen
in einen Busen der Ostsee leiten sollte.


  8.September.

Dieser Kanal ist einer der lngsten; seine Umgebungen sind ziemlich hbsch,
und das Thal, welches er durchschneidet, gehrt zu den greren. Das
Stdtchen _Sderkping_ lehnt an hohen malerischen Felsgruppen, die sich
weit verzweigen.

Auch in Schweden sah ich jedes Thal, jedes Fleckchen Erde sorgfltig
angebaut und cultivirt. Das Volk war im Ganzen ziemlich wohl gekleidet, und
besa zwar kleine, aber uerst niedliche Huschen, deren Fenster an den
obern Theilen sogar hufig mit neuen, weien Vorhngen drapirt waren.
Ich besuchte mehrere solche Huschen, denn, whrend das Schiff durch die
Schleuen ging, hatte man zu Spaziergngen und kleinen Ausflgen Zeit
genug. -- Ich glaube, da man die ganze Reise von Gothenburg bis Stockholm
zu Fu in derselben Zeit zurcklegen knnte, wie mit dem Dampfschiffe.
Tglich verliert man viele Stunden mit diesen Schleuen, und mu sogar
ihretwegen die Fahrt bei der Nacht einstellen. Man rechnet die Entfernung
auf 40-45 deutsche Meilen, und bringt gewhnlich 5 Tage auf der Reise zu.

Erst des Nachmittags kamen wir in die Scheren der Ostsee, welche ganz den
Character jener der Nordsee an sich tragen. Man befindet sich in einem
Meere von Inseln und Inselchen, von Felsen und Klippen; man begreift hier
so wenig wie dort, wie es dem guten Steuermanne mglich ist, alle diese
hervorragenden Klippen zu vermeiden, und das Schiff so sicher mitten
durchzufhren. Ueberall theilt sich das Meer in Strme und Buchten, in
kleine und groe Seen, die sich zwischen den Inseln und Waldungen
bilden, und von schnen Hgeln ungesumt sind. -- Nichts gleicht aber dem
berraschenden Anblicke des Schlosses _Storry Husby_, das in einer
Bucht auf einem hohen Berge liegt. Vor dem Fels breitet sich ein schner
Wiesenteppich bis an die Ufer des Meeres aus, whrend er im Hintergrunde
von herrlichem Tannengehlze umgeben ist. Und unweit von diesem niedlichen
Bilde taucht aus einem bewaldeten Inselchen ein Thurm auf, als Rest der
groen Ruine _Stegeborg_. Es ist nicht leicht mglich etwas Romantischeres
zu sehen, als die Zusammenstellung dieser Gegend, und berhaupt die ganze
Fahrt in diesem Fiord, der in ewig wechselnden Gestaltungen dem Blicke
erscheint.

Doch nach und nach werden die Hgel niedriger, die Inseln seltner; das Meer
drngt Alles zurck, es scheint eiferschtig zu sein, die Aufmerksamkeit
des Reisenden mit so vielen andern Gegenstnden theilen zu mssen, es will
sie allein besitzen, und nimmt das Schiff in seine weiten Rume auf. Und
nun ist man bald in der offenen See, und sieht nur Himmel und Wasser, und
bald ist man wieder von Felsen und Klippen derart eingeengt, da man ohne
Lootsen den Ausweg gar nicht finden knnte.


  9.September.

Heute verlieen wir das Meer und schifften durch einen sehr kurzen Kanal
abermals in einen See, und zwar in den durch die Zahl seiner Inseln
berhmten _Mlar-See_. -- An seinem Eingange liegt das Stdtchen _Sotulje_
reizend in einem engen Thale am Fue eines ziemlich steilen Hgels.
-- Dieser See gleicht anfangs eigentlich mehr einem breiten Strome,
er erweitert sich jedoch bei jedem Ruderschlage, und erscheint bald in
ausgedehnter Gre. -- Die Fahrt auf dem Mlarsee dauert 4 Stunden, und ist
eine der reizendsten die man sich nur denken kann. -- Dieser See soll bei
1000 Inseln und Inselchen enthalten, man kann sich nun leicht vorstellen,
wie in ewig wechselnden Gestaltungen und Formen dieser schne Wasserspiegel
erscheint und wie er, gleich seinem Vorgnger, dem herrlichen Fiord der
Ostsee, bald kleinere und grere Seen, bald Strme und Buchten u.s.w.
bildet.

Auch die Ufer sind sehr abwechselnd und schn. Bald ziehen sich Hgel und
Berge bis knapp an den See, und steil abfallende Felsen bilden gefhrliche
Wnde, bald erscheinen wieder dunkle, finstere Tannen-Waldungen, oder es
ffnen sich freundliche Thler mit Wiesen und Feldern, mit Drfchen
und Hfen. -- Manche der Reisenden behaupten zwar, da dieser See doch
eigentlich nur ein ewiges Einerlei biete; ich konnte jedoch ihre Meinung
nicht theilen, ich fand ihn so reizend, da ich wohl unzhlige Male darauf
fahren knnte, ohne dieses lieblichen Einerlei's berdrig zu werden. --
Er hat zwar nicht die majesttischen Umgebungen der Schweizerseen, aber
gerade seine Unzahl von Inselchen bilden eine Eigenthmlichkeit, die man
gewi auf keinem andern See findet.

Auf der Spitze eines steilen Abhanges, wie deren mehrere den See umgeben,
ist eine hohe Stange errichtet, auf welcher der Hut des unglcklichen Eriks
befestiget ist. Die Geschichte erzhlt von diesem Knige, da er in einer
Schlacht vor dem Feinde geflohen, und hier von einem Soldaten ereilt
worden sei, der ihm darber Vorwrfe gemacht haben soll. Aus Scham und
Verzweiflung gab er seinem Pferde die Sporen, und strzte sich mit ihm
in die frchterliche Tiefe. Bei diesem Sturze soll ihm der Hut vom Kopfe
geflogen, und an dieser Stelle zurck geblieben sein.

Unweit dieses Punktes erblickt man nun endlich auch einen Theil der
Vorstdte Stockholms, die sich um einen breiten Arm des See's lagern. --
Mit steigender Begierde aber sieht man nach der Stadt, von der sich immer
mehr und mehr entfaltet. -- Man sieht schon viele der artigen Landhuser,
die in kleinen Thlern, oder auf Abhngen und Hgeln als Vorlufer der
Stadt liegen, und die Vorstdte, die sich amphitheatralisch an den steilen
Felsufern fortziehen. Die Stadt selbst macht den Schlu, sie nimmt das
ganze obere Ende des See's ein, und reiht sich zu beiden Seiten an die
Vorstdte. Schon von weitem sieht und bewundert man die Ritterholmer
Kirche, mit ihren gueisernen, durchbrochenen Thrmen, und das wahrhaft
grandiose knigliche Schlo, das ganz im italienischen Style erbaut ist.

Kaum hatten wir im Hafen Stockholms Anker geworfen, so erschienen schon
mehrere herkulische Weiber, und boten uns, gleich Trgern, ihre Dienste an.
Es waren Darlekarlerinen[8]; sie kommen hufig nach Stockholm, um daselbst
als Last- und Wassertrgerinen, als Kahnfhrerinen, u.s.w. ihren
Lebensunterhalt zu gewinnen. Man nimmt sie gerne in Dienst, weil sie zwei
treffliche Eigenschaften besitzen; sie sollen nmlich hchst redlich und
arbeitsam sein, und dabei Kraft und Ausdauer gleich Mnnern besitzen.

  [8]: Darlekarlien ist eine schwedische Provinz, 20 Meilen nrdlich von
  Stockholm entlegen.

Ihre Tracht besteht in schwarzen Rcken, die bis an die halbe Wade reichen,
rothen Leibchen, weien Hemden mit langen Aermeln, kurzen schmalen Schrzen
von zwei Farben, rothen Strmpfen und Schuhen mit zollhohen hlzernen
Sohlen. Um den Kopf schlagen sie entweder ein Tuch, oder sie setzen
ein ganz kleines, anliegendes, schwarzes Hubchen auf, das nur auf dem
Hinterkopfe sitzt.

Man findet in Stockholm hufig sowohl ganze eingerichtete Wohnungen, als
auch einzelne Zimmer, die, so wie im Gasthause, tagweise vermiethet werden.
Sie kommen bedeutend billiger, und haben daher sehr vielen Zuspruch.
Auch ich miethete mir gleich ein solches Zimmerchen, das recht nett und
freundlich war, und fr welches ich, den Morgenkaffee mit eingeschlossen,
tglich nur 1 Reichsthaler, d.i. nach unserm Gelde 32kr. bezahlte.




Aufenthalt in Stockholm.


Da meine Reise eigentlich nur Island gegolten hatte, und ich diesen kleinen
Theil Skandinaviens nur im Durchfluge besah, wird man es mir verzeihen,
wenn ich mich darber kurz fasse. Auch sind diese Lnder bereits von andern
Reisenden so trefflich geschildert, da dagegen meine Beschreibung von zu
geringem Belange wre.

Ich blieb sechs Tage in Stockholm, und bentzte diese Zeit so gut als
mglich. -- Die Stadt liegt an den Gestaden der Ostsee und des Mlarsee's.
Beide Wasserflchen sind durch einen kurzen Kanal verbunden, an welchem die
schnsten Gebude stehen.

Ich besuchte vor Allem die herrliche Ritterholm-Kirche, die eigentlich mehr
die Dienste einer Gruft und eines Waffensaales, als einer Kirche
vertritt. -- Die untern Rume bilden die Knigsgruft; -- die Monumente der
verstorbenen Knige stehen in den Seitenkapellen. Im Schiffe der Kirche
sind an beiden Seiten gewappnete Ritter zu Pferde aufgestellt, deren
Rstungen von einigen Knigen von Schweden herrhren. -- Die Wnde und
Ecken der hhern Rume der Kirche und Seitenkapellen sind reich mit Fahnen
und Standarten geschmckt, deren Anzahl sich auf 5000 belaufen soll.
Ueberdie hngen noch an den Wnden der Seitenkapellen die Schlssel der
eroberten Festungen und Stdte, und auf dem Boden liegen Trommeln und
Pauken aufgeschichtet. Alle diese Gegenstnde wurden den verschiedenen
Nationen abgerungen, mit welchen Schweden Krieg fhrte.

Nebst all diesen Merkwrdigkeiten sieht man auch noch in den Seitenkapellen
mehrere Rstungen oder Anzge von schwedischen Regenten hinter Glasksten
bewahrt. -- Am meisten interessirte mich jener Anzug darunter, den
KarlXII. an seinem Todestage trug, und der Hut durch welchen die Kugel
durchging; -- seine Reiterstiefel stehen daneben auf dem Boden. -- Nicht
minder interessant ist, schon auch des grellen Gegensatzes wegen,
der modische Anzug, und der mit Gold und Federn geschmckte Hut des
letztverstorbenen Knigs, des Grnders der neuen Dynastie.

An derselben Seite des Kanals steht auch die Nikolaus-Kirche, welche unter
den protestantischen Kirchen eine der schnern ist, die ich bisher gesehen
habe; man sieht gleich, da sie noch aus den katholischen Zeiten stammt,
und da man ihr die frhere Ausschmckung grtentheils gelassen hat. Sie
besitzt mehrere groe und kleine Oelgemlde, viele Monumente lterer und
neuerer Zeit, und einen groen Reichthum an Vergoldungen. -- Die Orgel
ist gro und schn. Am Eingange der Kirche stehen schne Reliefs in Stein
gehauen, und in der Hhe sieht man auf einer Brcke stehend, eine aus Holz
geschnitzte, mehr als lebensgroe Statue des heil. Erzengels Michael, wie
er zu Pferde sitzend den Drachen erlegt.

Unweit dieser Kirche liegt der knigliche Palast, zu dessen Beschreibung
eine geschicktere Feder gehrte als die meine ist, und ber welchen
man lange Abhandlungen schreiben mte, wollte man alle Schtze,
Merkwrdigkeiten und Schnheiten sowohl seines Baues, als seiner innern
Einrichtung erwhnen. Ich kann nur sagen, da ich, auer den kniglichen
Palsten zu Neapel -- Caserta mitgerechnet -- nie etwas Aehnliches sah!
-- Doppelt fllt ein solcher Bau hier im hohen Norden auf, und in einem
Reiche, das eben auch nie mit Ueberflu berschttet war.

Die Schifferholm-Kirche zeichnet sich mehr durch ihre Lage und tempelartige
Form, als durch sonst etwas aus; sie steht frei auf einem Fels, dem
kniglichen Schlosse beinahe gegenber, an der jenseitigen Seite einer
Bucht der Ostsee, welche hier hereinschneidet. -- Eine lange Schiffbrcke
fhrt hinber.

Die Katharinen-Kirche ist gro und schn. Man zeigt hier auerhalb der
Kirche an einer Ecke derselben den Stein, auf welchem einer der Brder
_Sturre_ gekpft wurde.[9]

  [9]: Die Familie _Sturre_ war eine der ausgezeichnetsten in Schweden.
  _Sten Sturre_ fhrte die Buchdruckerei in Schweden ein, stiftete die
  Universitt Upsala, und zog viele gelehrte Mnner nach Schweden. In
  einer Schlacht gegen die Dnen wurde Sten Sturre tdtlich verwundet und
  starb 1520.

  Seine beiden Nachfolger, als Reichsvorsteher, _Suante_, _Nilson
  Sturre_ und dessen Sohn, _Sten Sturre_, der Jngere, leben auch noch
  im dankbaren Andenken bei den Schweden, wegen ihrer patriotischen
  Grothaten.

Am Ritterplatz steht das Ritterhaus, eines der schnsten Schlsser -- das
alte knigl. Schlo, und unweit davon noch andere theils knigl., theils
Privat-Schlsser; aber bei weitem nicht in der Anzahl und Pracht wie zu
Kopenhagen. Auch die Straen und Pltze drfen sich mit jenen in Kopenhagen
nicht messen.

Auf einem in einer der Vorstdte gelegenen Hgel, _Gro-Mosbecken_, hat
man die schnste Ansicht von Stockholm; man bersieht das Meer und den
Mlarsee, die Stadt und die Vorstdte, die sich bis an die Spitzen der
Felshgel ziehen, die lieblichen Landhuser, die auf allen Seiten an den
Ufern der beiden Seen liegen. Kleine Felspartieen und Inselchen liegen
so zwischen den Husern und den Vorstdten, da man sie auch noch zum
Stadtgebiet rechnen mu, und gerade die Alles zusammen gibt der Stadt
Stockholm ein so bizarres Ansehen, da man wohl sagen kann, die Lage
Stockholms lt sich mit keiner Lage irgend einer andern Stadt vergleichen.
Waldbedeckte Hgel, und nackte Felsengebirge schlieen sich daran, deren
Ketten man bis in die unendliche Ferne verfolgen kann. Wiesen und Felder
nehmen wohl nur einen geringen Raum ein in dieser groen herrlichen Natur.

Wenn man von diesem Hgel herab steigt, unterlasse man ja nicht, nach
_Sdermalm_ zu gehen, und die ungeheuren Eisenniederlagen zu besehen. Auf
zwei groen freien Pltzen ist das Eisen in zahllosen Stangen aufgehuft.
-- Der Kornmarkt ist unbedeutend. -- Als grere und theilweise auch
hbsche Gebude sind zu bemerken: die Bank, die Mnze, die Hauptwache, der
Palast des Kronprinzen, das Theater u.a.m. Das Letztere ist schon darum
interessant, weil Knig Gustav der III. daselbst bei einem Feste erschossen
wurde. Der Platz wo er fiel, befindet sich auf dem Podium. Es war nmlich
ein groer Maskenball gegeben worden, und das ganze Theater war in einen
Saal umgestaltet. Der Knig bekam den Schu von einer Maske, und verschied
einige Stunden darauf.

Denselben Abend als ich das Theater besuchen konnte -- tglich wird nicht
gespielt -- fand in dem Saale der Antiken eine groe Feierlichkeit statt.
Der geschtzte Knstler _Vogelberg_, ein geborner Schwede, hatte aus
schnem Marmor die drei heidnischen Gottheiten: _Thor_, _Balder_ und _Odin_
in kolossaler Gre kunstvoll geschaffen, und von Rom hieher gebracht. Die
Statuen waren erst krzlich aufgestellt worden, und heute war, dem Knstler
zu Ehren, der Saal erleuchtet, und eine groe Gesellschaft geladen. Bei dem
Enthllen der Statuen sollten feierliche Hymnen gesungen werden. Ich hatte
das Glck zu diesem Feste geladen zu sein, das gleich nach 7Uhr seinen
Anfang nehmen sollte. Vorher ging ich noch in's Theater, welches, wie man
mir sagte, um 6Uhr beginnen wrde. Ich dachte da eine halbe Stunde zu
bleiben, und dann nach dem knigl. Palaste zu gehen, wo mich meine Freunde
erwarteten, um mit mir das Fest zu besuchen. Schon um 6Uhr sa ich im
Theater, und wartete eine halbe Stunde sehnsuchtsvoll auf das Beginnen der
Ouverture; -- es war schon 6Uhr und noch immer wurden keine Anstalten
dazu gemacht. -- Nun sah ich genauer nach dem Zettel, und entdeckte zu
meinem Schrecken, da die Oper erst um 7Uhr beginne. Ich wollte aber nicht
weichen, ohne das Podium gesehen zu haben, und vertrieb mir indessen die
Zeit damit, das Theater von allen Seiten zu betrachten. Es ist ziemlich
gro, und besteht aus 5 Stcken, ist aber weder mit Pracht noch Luxus
ausgestattet. Am meisten wunderte ich mich ber die hohen Preise, und
noch mehr ber die Mannigfaltigkeit der Pltze. -- Ich zhlte deren 26; es
scheint, da jede Bank ihren eigenen Preis hat, sonst wte ich wirklich
nicht, wie man eine solche Menge heraus brchte.

Endlich begann die Ouvertre; ich hrte sie, sah den Vorhang aufrollen,
betrachtete den verhngnivollen Platz, und ging nach der ersten Arie fort.
-- Der Billeteur eilte mir nach, fate mich am Arme, und wollte mir ein
Retour-Billet geben. Als ich ihm sagte, da ich keines brauche, indem ich
nicht mehr zu kommen gedchte, meinte er, es habe ja erst angefangen, ich
sollte doch bleiben, sonst htte ich das viele Geld umsonst ausgegeben. --
Leider besa ich zu wenig Kenntni der schwedischen Sprache, um ihm alle
die Ursachen auseinander zu setzen, die mich zum Fortgehen veranlat
hatten; gab ihm keine Antwort, und ging meiner Wege. Da hrte ich noch, wie
er zu Jemanden sagte: Das ist mir noch nicht vorgekommen. Bleibt die Frau
eine halbe Stunde vor dem Vorhange sitzen, und geht fort, nachdem man ihn
aufgezogen hat. Als ich mich umsah, deutete er gerade mit dem Finger auf
die Stirne, und schttelte dazu bedenklich den Kopf. -- Ich konnte mich des
Lchelns nicht enthalten, und nahm diese Verurtheilung als zweiten Akt des
stummen Gastes aus Mozarts Don Juan.

Ich holte meine Freunde im knigl. Schlosse ab, und brachte dann den Abend
recht angenehm in den effektreich beleuchteten Slen der Antiken und der
Bildergallerie zu. Ich hatte daselbst auch das Vergngen Herrn Vogelberg
persnlich kennen zu lernen. Schon sein bescheidenes, anspruchloses
Benehmen mute Jedermann mit Achtung erfllen, die um so hher steigt, wenn
man wei, welch ausgezeichnetes Talent man in ihm begrt.

Zu den nheren Umgebungen von Stockholm gehrt vor Allem der knigl.
Thiergarten. In dieser Art wird man nicht leicht etwas Schneres sehen
knnen. Es ist die ein sehr groer, prachtvoller Naturpark, mit einer
endlosen Folge von Waldungen, Wiesen, Hgeln und Felsen. Dazwischen liegen
allerliebste Landhuser mit duftenden Blumengrten, und geschmackvolle
Kaffee- und Gasthuser, die an schnen Sonntagen von Stdtern berfllt
sind. -- Treffliche Fahrstraen ziehen sich durch und um den Park, und
bequeme Gehsteige fhren auf allen Seiten zu den herrlichsten Aussichten
ber See und Land.

An einem freundlichen Pltzchen steht eine Bste des bekannten und
beliebten Dichters _Bellmann_, dem zu Ehren da alljhrlich ein frhliches
Fest abgehalten wird.

Tiefer im Thiergarten liegt das sogenannte _Rosenthal_, ein wahres kleines
Eden. -- Der letzt verstorbene Knig hatte die Pltzchen so lieb, da er
manche Stunde in dem Lustschlchen zugebracht haben soll, das hier ganz
einsam inmitten von Blumenbeeten und Waldungen liegt. Vor dem Schlchen
steht ein herrliches Becken, das aus _einem_ Stck Porphyr gearbeitet
ist. Man wollte behaupten, da es das grte in Europa sei, doch halte ich
jenes, welches man im Museum zu Neapel sieht, fr bei weitem grer.

In diesem Garten brachte ich noch die letzten angenehmen Stunden mit der
aus Finnland stammenden, hchst liebenswrdigen Familie _Boje_ zu, welche
ich auf der Reise von Gothenburg nach Stockholm kennen gelernt hatte.
Doppelt unvergelich wird mir daher dieser schne Park bleiben.

Einen zweiten recht angenehmen Ausflug machte ich nach dem
knigl. Schlchen _Haga_, nach dem groen _Friedhofe_ und dem
Militr-Erziehungshause _Karlberg_.

Das knigl. Schlchen _Haga_ ist von einem groartigen Park umgeben, an
welchem die Kunst wenig nachzuhelfen hatte; er besteht aus den schnsten
Wald- und Wiesenpartieen, aus majesttischen Alleen und niedlichen Hgeln;
berall durchkreuzen sich prchtige Fahr- und Gehwege. -- Das Schlchen
selbst ist so auerordentlich klein, da man die Gengsamkeit der
Herrscherfamilie nicht genug bewundern kann. Es soll aber auch ihr
kleinster Sommersitz sein.

Diesem Parke beinah gegenber liegt der groe Friedhof; er besteht erst
seit 17 Jahren und ist daher eine noch etwas junge Anlage. Bei Friedhfen
anderer Lnder wrde die zwar nicht viel zu sagen haben, allein in
Schweden dienen sie zugleich zu Spaziergngen, und sind mit Alleen
durchschnitten, mit Bosketten geziert, und mit Bnken zum Ausruhen
versehen. Dieser Friedhof ist von einem dstern Tannenwald umgeben, und
scheint dadurch wirklich so ganz von der Auenwelt abgeschlossen zu sein.
Er ist der einzige auer der Stadt; alle brigen liegen an den Kirchen
zwischen den Husern, deren Fronten oft unmittelbar ihre Wnde bilden. --
Und noch gegenwrtig haben da Begrbnisse statt; -- das heie ich doch,
sich mit dem Gedanken des Todes befreunden.

Von dem groen Friedhofe fhrt eine schne Fahrstrae durch den Wald
nach dem nahen _Karlberg_; hier ist die Erziehungsschule der Land- und
Seekadeten. Die zu dieser Anstalt gehrigen ausgedehnten Gebude liegen
auf einem Felsberg, der auf einer Seite von einem kleinen Arm des See's
umsphlt wird, auf der andern von schnen Park-Anlagen umgeben ist.

       *       *       *       *       *

Ehe ich Stockholm verlie, ward mir noch die Ehre zu Theil, Ihrer Majestt,
der regierenden Knigin vorgestellt zu werden. Ihre Majestt hrten von
meinen Reisen, und nahmen ein ganz besonderes Interesse an jener von
Palstina. -- Ich erhielt auch in Folge dieser Auszeichnung die besondere
Erlaubni, das Innere des ganzen Palastes besehen zu drfen. Obwohl
er schon bewohnt war, fhrte man mich doch, nicht nur in alle
Gesellschaftssle, sondern auch in die Wohnzimmer des ganzen Hofes. --
Von der hier herrschenden Pracht, von den Kunstschtzen jeder Art, von der
berreichen Einrichtung und von dem in Allem ausgesprochenen Geschmack
wre so viel zu erzhlen, da ich gar nicht wte, wo anzufangen und wo
aufzuhren. Ich war ganz bezaubert von all den gesehenen Schtzen und
Herrlichkeiten, noch mehr aber von der wahren Herzlichkeit und dem
Antheile, mit welchem sich Ihre Majestt mit mir ber Palstina
unterhielten. Ewig werden mir diese Augenblicke, als schne Lichtpunkte
meiner nordischen Reise im Gedchtnisse fortleben.




Fahrt nach dem alten kniglichen Schlosse Gripsholm in Mlarsee.


Alle Sonntage Morgens 8Uhr geht von Stockholm ein kleines Dampfboot
nach diesem Schlosse ab; die Entfernung betrgt bei 8 Meilen, welche in 4
Stunden zurck gelegt werden; es bleibt daselbst 4 Stunden, und kehrt
dann Abends wieder nach Stockholm zurck. -- Dieser Ausflug ist hchst
interessant, obwohl man den grten Theil derselben Strecke ber den See
fhrt, welchen man schon auf der Fahrt von Gothenburg gemacht hat. Nur die
letzte Meile biegt man ab in eine schne Bucht, an deren Ende das schne
Schlo _Gripsholm_ liegt. Dieses Schlo zeichnet sich sowohl durch seine
Gre, als auch durch seine Bauart, und seine kolossalen Erkerthrme aus.
Leider ist es aber auch mit der berhaupt in ganz Schweden so beliebten
ziegelrothen Farbe angestrichen.

Im Vorhofe stehen zwei ungeheure groe prchtig gearbeitete Kanonen, welche
die Schweden einst in einem Kriege den Russen abgenommen haben.

Die Gemcher des Schlosses, die alle noch in gutem Stande erhalten werden,
bieten an innerer Einrichtung weder Pracht noch Verschwendung, ja man
knnte beinahe sagen, das Gegentheil davon dar. Nur das beraus niedliche
Theater macht hiervon eine Ausnahme; in diesem sind die Seitenwnde von
oben bis unten mit Spiegeln eingelegt, die Zwischenpfeiler vergoldet, und
die knigliche Loge mit kostbarem rothen Sammte ausgeschlagen. -- Seit
Gustav dem III. wurde hier nicht mehr gespielt.

Besonders merkwrdig sind an diesem Schlosse die ungeheuer massiven Mauern;
in den untern Erdgeschoen messen sie gewi drei Ellen in der Dicke.

Die obern Gemcher sind alle gro und hoch, und man geniet von den meisten
Fenstern eine herrliche Aussicht auf den See. -- Seufzend wendet man
aber den Blick von diesen schnen Bildern, denkt man an die traurigen
Begebenheiten, welche in diesem Schlosse einst statt hatten.

Knig Johann der III. und Knig Erich der XIV., Letzterer mit vier Rthen,
die dann enthauptet wurden, saen Jahre lang als Gefangene hier.

Das Gefngni Johann des III. wre gerade nicht so schlecht zu nennen
gewesen, in so ferne man ein _Gefngni_ gut nennen kann. -- Der Knig
war auf einen groen, herrlichen Saal angewiesen, welchen er aber nicht
berschreiten durfte und welchem er daher gewi jede Bauernhtte mit dem
Rechte der Freiheit vorgezogen haben wrde. -- Seine Gemahlin bewohnte zwei
kleine Gemcher an der Seite des Saales; -- sie wurde nicht als Gefangene
betrachtet, und konnte ihre Wohnung nach Gefallen verlassen. -- Hier wurde
ihm sein Sohn Sigismund, im Jahre 1566 geboren; man zeigt noch das Zimmer
und das Bett seiner Geburt.

Lange nicht so gut erging es Erich dem XIV. Dieser Knig wurde in enger und
finsterer Haft gehalten. Ein kleines ganz schmuckloses Gemach, mit schmalen
und ganz vergitterten Fensterchen in einem der runden Thrme diente ihm zum
Gefngnisse. Der Eingang war mit einer festen, eichenen Thre geschlossen,
in welcher eine kleine Oeffnung angebracht war, durch welche man ihm
die Nahrung reichte. Zu noch grerer Sicherheit schlo sich ber diese
hlzerne Thre noch eine eiserne. -- Auen um das Gemach lief rund herum
ein schmaler Gang, in welchem die Wachen ihren Posten hatten, und stets
durch die vergitterten Fenster auf den Gefangenen sehen konnten. Man
zeigt noch an einem der kleinen Fenster die Stelle, an welchem der Knig
stundenlang gestanden haben soll, den Kopf auf die Hand gesttzt, und
in das Freie sehend. -- Mit welchen Empfindungen mag er da hinauf zu dem
schnen Himmel, auf das ppige Grn, und auf den herrlichen See gestarrt
haben! Wie viele Seufzer des Unglcklichen mgen da verhallt sein, -- wie
viele schlaflose Nchte mag er vertrauert, -- wie viele Stunden -- in
den zwei langen Jahren -- in banger Erwartung der Zukunft dahin gebracht
haben!!--

Der Mann, der uns da herum fhrte, behauptete, der Fuboden sei an diesem
Orte mehr ausgetreten, als in jedem andern, und auch der Ziegelstein am
Fenster sei von dem aufgesttzten Elbogen ausgewetzt; -- ich bemerkte
jedoch nichts von Beidem.

Der Knig war hier zwei Jahre eingeschlossen und wurde dann in ein anderes
Gefngni gebracht.

In diesem Schlosse befindet sich eine ziemlich bedeutende Bildergallerie.
Sie enthlt meistens Bildnisse von Regenten, nicht nur des schwedischen,
sondern auch anderer Reiche, vom Mittelalter angefangen bis auf die jngste
Zeit. -- Auch die Bildnisse berhmter Rthe, Generle, Maler, Poeten,
Gelehrten, dann jene ausgezeichneter Schwedinen, die sich um ihr Vaterland
verdient gemacht haben, -- und vorzglicher Schnheiten der Frauenwelt
haben hier Platz gefunden. -- Auf jedem Bilde steht der Name und das
Geburtsjahr des Dargestellten, und man kann sich daher seine Lieblinge
aussuchen, ohne eines Cataloges, oder der langweiligen Erluterung eines
Cicerone zu bedrfen. -- Was die Richtigkeit der Zeichnung, und die
Schnheit des Colorits betrifft, bliebe freilich wohl bei den meisten viel
zu wnschen brig, doch wollen wir glauben, da vielleicht die Aehnlichkeit
dafr entschdige.

Auf der Rckfahrt waren mehrere Herren so gtig, mich auf einige
interessante Punkte des See's aufmerksam zu machen. Dazu gehrt _Kakeholm_,
wo er seine grte Breite erreicht, die Felsinsel _Esmoi_, auf welcher eine
Schwedin eine Schlacht gewann, _Norsberg_, ebenfalls durch eine Schlacht
berhmt, und _Sturrehof_, die schne Besitzung einer groen schwedischen
Familie. -- Bei _Bjarkesoe_ sieht man ein einfaches Kreuz. Hier soll das
Christenthum in Schweden zuerst eingefhrt worden sein. -- Ueberhaupt hat
der _Mlarsee_ auer dem Reize seiner ewig wechselnden Naturschnheiten
auch noch so viele geschichtliche Erinnerungen, da er dadurch einer der
interessantesten Seen, nicht nur von Schweden, sondern von ganz Europa
wird.




Reise von Stockholm nach Upsala und den Eisen-Bergwerken von Danemora.


  12.September.

Zwischen _Stockholm_ und _Upsala_ besteht ein sehr groer Verkehr. Tglich,
nur die Sonntage ausgenommen, geht von beiden genannten Orten ein kleines
Dampfschiff ber den Mlarsee, welches die Entfernung von neun deutschen
Meilen in sechs Stunden zurcklegt.

Durch diese bequeme Gelegenheit angezogen, so leicht und schnell nach der
berhmten Stadt _Upsala_ zu kommen, und von der ungemein schnen Witterung
angelockt, nahm ich eines Abends einen Platz zu dieser Fahrt, und war am
darauf folgenden Morgen hchst unangenehm berrascht, als der Regen sich
in Strmen ergo. -- Doch wollte man sich durch dergleichen Zuflligkeiten
abhalten lassen, wrde man nicht weit kommen. -- Ich schiffte mich also um
halb acht Uhr Morgens getrost ein, und kam zwar glcklich in _Upsala_ an,
war aber diemal so recht wie eine verpackte Waare gereist. -- Ich mute
bestndig im Saale sitzen bleiben, und konnte nicht einmal die sprliche
Aussicht durch die Kajten-Fensterchen genieen; denn von auen schlug der
Regen heftig an sie an, und von innen waren sie wegen der bergroen Hitze
ganz angelaufen. Ich begab mich diemal ganz gegen meine Gewohnheit gar
nicht auf das Deck, ich hoffte bei der Rckkehr wohl besseres Wetter zu
treffen, und dann das Versumte nachholen zu knnen.

Gegen drei Uhr endlich, als ich schon ber eine Stunde in _Upsala_ sa,
heiterte sich das Wetter auf, und ich ging nun aus, um die Merkwrdigkeiten
dieser Stadt zu besehen.

Vor Allem andern besuchte ich den schnen Dom. -- Mit Bewunderung blieb
ich am Haupteingange stehen, und betrachtete die hohe Decke, die auf zwei
Reihen von Sulen ruht, und sich ber die ganze Kirche spannt. -- Keine
Kuppel macht eine Unterbrechung; Alles luft in einer geraden schnen Linie
fort. -- Das Innere der Kirche ist schmucklos, nur hinter dem Hauptaltare
befindet sich eine schne Kapelle, deren Wlbung himmelblau gemalt und mit
goldenen Sternen durchwirkt ist. In dieser Kapelle ruht GustavI. in Mitte
seiner beiden Gemahlinen. Das Monument, welches die Gruft deckt, ist
zwar gro und von Marmor, aber kunst- und geschmacklos. Es stellt einen
Sarcophag vor, auf welchem die drei Krper in Lebensgre ruhen. Ein
Baldachin, ebenfalls von Marmor, wlbt sich darber. -- An den Wnden der
Kapelle sind in hbschen Fresko-Gemlden, die wichtigsten Momente aus dem
Leben dieses Monarchen dargestellt. -- Unter diesen zeichnen sich besonders
zwei aus -- der eine, wie er als Bauer gekleidet gerade in demselben
Augenblick in die Htte eines Bauers tritt, als man sich _vor_ derselben
eifrig nach ihm erkundigt, -- der andere, wie er ebenfalls als Bauer
gekleidet auf einer Tonne steht, und eine Anrede an sein Volk hlt. -- Zwei
groe Tafeln, in breite Goldrahmen gefat, und ebenfalls als Fresko gemalt,
enthalten in _schwedischer_ Sprache -- und nicht in lateinischer, wie es
leider bei dergleichen Inschriften so hufig der Fall ist -- die Erklrung
der Gemlde. -- Jeder Eingeborne kann sich daraus leicht mit der Geschichte
dieses Knigs bekannt machen.

In den verschiedenen Seitenkapellen stehen noch mehrere Monumente: das der
_Katharina Magelone_, _Johann's_ III., _Gustav Erichson's_, welcher gekpft
wurde, und das der beiden Brder _Sturre_, welche ermordet wurden. -- Das
Monument des Erzbischofes _Menander_ von weiem Marmor ist eine geschmack-
und kunstvolle Arbeit neuerer Zeit. In dieser Kirche ruht auch unter einer
einfachen Steinplatte der groe _Linne_. Sein Monument steht jedoch nicht
ber dem Grabe, sondern in einer der Nebenkapellen, und besteht aus einer
wunderschnen, dunkelbraunen Porphyr-Platte, an welcher sein Bildni =en
relief= angebracht ist.

Eine besondere Aufmerksamkeit verdient die prachtvolle Orgel, welche
beinahe bis an die Decke der Kirche reicht.

In der Schatzkammer, die eben nicht groe Reichthmer besitzt, sind
hinter einem Glaskasten die mit Blut befleckten und mit Dolchstichen
durchlcherten Kleidungsstcke der unglcklichen Brder _Sturre_
aufbewahrt. -- Auch steht hier eine aus Holz geschnitzte Bildsule des
Heidengottes Thor. Dieses hlzerne Machwerk scheint ursprnglich ein =Ecce
Homo= gewesen zu sein, der vielleicht einstens irgend eine Dorfkapelle
schmckte, dann von einem Unglubigen geraubt, und noch mehr verstmmelt
wurde, als es bereits der Schpfer, der durchaus kein Jnger der Kunst
gewesen sein konnte, gethan hatte. Jetzt glich es vollkommen einer
abscheulichen Vogelscheuche.

Der Kirchhof, welcher unweit der Kirche ist, zeichnet sich durch seine
Gre und Schnheit ganz vorzglich aus. Er ist von einer zwei Fu hohen
Steinmauer umgeben, auf welcher ein ebenfalls zwei Fu hohes eisernes
Gelnder, durch niedere Steinpfeiler unterbrochen, fort luft. Von mehreren
Seiten fhren Stufen ber diese vier Fu hohe Einfassung in den Friedhof.
-- Auch in diesem Friedhofe, wie in jenem von Stockholm, glaubt man sich in
einem lieblichen Garten mit groen Alleen, Lauben, Wiesenteppichen u.s.w.
versetzt zu sehen, nur schner und herrlicher wie dort, weil die Anlagen
hier schon viele Jahre zhlen mgen. Die Grabeshgel liegen hier von den
Lauben halb verborgen. Viele waren mit Blumen und Blumenkrnzen geziert,
oder mit Rosenhecken umgeben. Wenn man diesen Friedhof oder vielmehr diesen
Garten sieht, sollte man beinahe denken, er sei eben so fr die Lebendigen
zum Lustwandeln, wie fr die Todten zur Ruhe bestimmt.

Die Monumente zeichnen sich durch nichts aus. Nur zwei darunter sind
merkwrdig; sie bestehen aus ungeheuren Felsplatten in rohem Zustande, die
aufrecht auf den Grabeshgeln stehen. Der eine dieser Hgel gleicht noch
berdie vollkommen einem Berge; er deckt die Asche eines Generals, und
wre wahrlich gro genug, auch noch seine ganze Mannschaft zu beherbergen.
-- Vermuthlich haben seine Verwandten die Grabeshgel von Troja zu
Vorbildern genommen. -- Auch die Zeichen auf dieser colossalen Felsentafel
waren ganz ungewhnlicher Art, und, so viel mir schien, waren es Runenzge.
-- Die guten Leute vereinten also hier zwei Sachen des hchsten Alterthums
ganz entgegengesetzter Reiche.

Das Universitts- oder Bibliotheks-Gebude in Upsala ist gro und schn;
es liegt auf einem kleinen Hgel, und bildet gegen die Stadt eine schne
Fronte. Im Hintergrunde schliet sich ein Park daran, der jedoch noch etwas
jugendlich ist.

Unweit von diesem Gebude auf demselben Hgel steht ein knigl. Schlo,
welches durch seine ziegelrothe Farbe besonders auffllt. -- Es ist sehr
gro, und an seinen beiden vordern Eckseiten sind massive, runde Thrme
angebaut.

An der Rckseite des Schlosses, in der Mitte des Vorplatzes, steht eine
mehr als lebensgroe Bste Gustav des Ersten. Einige Schritte davon
entfernt sind zwei knstliche Hgel gleich Bastionen errichtet, auf welchen
einige Kanonen aufgepflanzt sind. Von hier, als den hchsten Standpunkten
in der ganzen Umgebung, hat man die beste Uebersicht ber Stadt und Gegend.

Das Stdtchen selbst ist halb von Holz, halb von Stein erbaut, und sieht
allerliebst aus; es ist von breiten schnen Straen durchzogen, und mit
vielen artigen Gartenanlagen geziert. Nur Eines mifiel mir -- die dunkle
braunrothe Farbe der Huser, die bei scheidendem Sonnenlichte einen
eigenthmlich dstern Anblick gewhrte.

Die Umgebung besteht aus einer weithin ausgedehnten Ebene, die zum Theil
sehr fruchtbar ist. Zwischen die hellgrnen Wiesen und die gelbschimmernden
Stoppelfelder lagern sich hufig dunkle Waldstreifen, und schon aus weiter
Ferne sieht man den Silberfaden des Flues _Fyris_, der sich dem See
zuschlngelt. Den Hintergrund bilden dunkle Wlder, in deren Schatten sich
der Blick verliert. -- Drfer sah ich wenige, es mte nur sein, da sie
von Bumen verdeckt waren.

Viele schne Fahrstraen durchschneiden und durchkreuzen diese Ebene.

Bevor ich meinen Standpunkt auf den Bastionen vor dem kniglichen Schlo
verlie, warf ich noch einen Blick auf den Schlogarten, welcher unten am
Hgel zu meinen Fen aufgedeckt lag, und durch eine Strae vom Schloe
getrennt ist; er scheint nicht sehr gro, aber recht hbsch zu sein.

Gerne htte ich auch noch den botanischen Garten besucht, der unweit
der Stadt liegt und Linne's Lieblingsaufenthalt war, -- doch die Sonne
verschwand hinter den Bergen, und ich begab mich in mein Stbchen, mich
auf die morgige Reise nach _Danemora_ zu bereiten. ---- Eine
herrlichgearbeitete Bste Linnes soll die Hauptzierde jenes Gartens sein.


  13.September.

Um vier Uhr Morgens verlie ich _Upsala_, um nach dem weltberhmten
Eisenbergwerke _Danemora_ zu fahren, welches 7 Meilen von hier entfernt
ist. Ich fuhr so zeitlich aus, um ja gewi vor 12Uhr Mittags einzutreffen,
da um diese Stunde in den Gruben gesprengt wird, und selbe dann geschlossen
werden. -- Man sagte mir schon, wie langsam das Reisen auch in diesem
Lande von statten gehe, wie lange man berall durch das Wechseln der
Pferde aufgehalten werde, und so mute ich _viel_ Zeit vor mir haben, um zu
_rechter_ Zeit an Ort und Stelle gelangen zu knnen.

Ungefhr eine halbe Meile hinter Upsala liegt _Alt-Upsala_ (Gamla-Upsala).
Ich sah nur im Vorberfahren die alte Kirche und die Grabeshgel, von
welchen drei ganz besonders gro, die andern kleiner sind. Man vermuthet,
da diese Hgel die Leichname schwedischer Knige bergen. -- Ich sah
hnliche Hgel -- Tumuli -- auf meiner Reise in Griechenland, und zwar an
der Stelle wo Troja gestanden sein soll. -- Die Kirche wird nicht als Ruine
geehrt; sie mu noch immer Dienste leisten, und ich sah mit Wehmuth an
diesem altersgrauen Gebude manche Stelle untermauert, und mit frischem
Kalk bertncht.

Auf dem halben Wege zwischen Upsala und Danemora liegt ein groes Schlo,
das sich aber weder durch eine besondere Bauart, noch durch eine reizende
Lage oder sonst irgend etwas auszeichnet. -- Endlich sieht man den Flu
_Fyris_ und den bedeutend langen See _Danemora_. Beide sind ganz mit Schilf
und Gras berwachsen, und haben flache, einfrmige Ufer. Ueberhaupt bietet
die ganze Reise sehr wenig Abwechslung; man bleibt fortwhrend in einer
Ebene, und sieht nur Felder, Waldungen und Felsblcke. Letztere sind noch
das Interessanteste, weil man nicht begreifen kann, wie sie eigentlich
hierher kamen. Berge und Hgel sind nmlich weit entfernt, und die Ebene
selbst hat durchaus keinen felsigen Boden.

Das Oertchen _Danemora_ liegt mitten im Walde, und besteht nur aus einer
kleinen Kirche und einigen grern und kleinern zerstreut liegenden
Husern. Bevor man noch das Oertchen erreicht, ahnt man schon die Nhe der
Gruben. Groe, mchtige Anschichtungen von Steinen, welche fortwhrend
aus den Gruben geschafft werden, decken bedeutende Rume. Pferde sind
beschftiget, groe Rder zu treiben, und Maschinen, Schleifen, Seile
u.dgl. mehr sieht man berall gezogen.

Ich war glcklich zu rechter Zeit gekommen, und konnte den Sprengungen noch
beiwohnen. -- Am interessantesten sind sie in der _groen_ Grube, deren
obere Oeffnung so auerordentlich gro ist, da man, um die Menschen in
der Tiefe arbeiten und schaffen zu sehen, gar nicht nthig hat hinab zu
steigen; -- man sieht Alles von oben. Es ist die ein unbeschreiblich
schner, einziger Anblick. -- Wie ein Bild der Unterwelt erscheint der
480 Fu tiefe Schlund. Man sieht colossale Thore und Eingnge, die in die
Stollen fhren, so wie Felsenbrcken, Vorsprnge, Bogen und Hhlen, die
sich an den Wnden bilden, und bis an die Oberwelt reichen. -- Die Menschen
erscheinen da unten gleich beweglichen Pppchen; -- man ist kaum im Stande
ihren Bewegungen zu folgen, und mu erst das Auge an die Tiefe und an die
unten herrschende Dmmerung gewhnen. -- Letztere ist jedoch nicht sehr
bedeutend, ich konnte sogar mehrere Leitern unterscheiden, die mir wie
Kinderspielzeug vorkamen.

Es war schon nahe an 12Uhr, und die Arbeitsleute verlieen die Gruben, nur
jene blieben zurck, die mit den Minen zu thun hatten. -- Das Heraufziehen
geschieht hier mittelst kleiner Tonnen, die an Stricken hngen, und durch
eine Winde gehoben werden. Es sieht wirklich schauerlich aus, die Menschen
auf einem so kleinen Fahrzeuge herauf schweben zu sehen, besonders da oft
zwei bis drei Arbeiter in einer Tonne beisammen sind, von welchen der
Eine in der Mitte steht, whrend die beiden Andern auf den Rndern reitend
sitzen.

Ich htte mich gerne in die groe Grube hinabgelassen, allein fr heute war
es schon zu spt, und bis an den andern Tag wollte ich nicht warten. Das
Hinablassen htte ich nicht gefrchtet, indem ich mit derlei Fahrten schon
von frhern Zeiten her vertraut war. Ich hatte nmlich vor mehreren Jahren
die berhmten Salzbergwerke von Wieliczka und Bochnia in Galizien besucht,
und mich in beide an einfachen Seilen, also auf eine gefhrliche Art, als
solches hier mit der Tonne geschieht, hinabgelassen.

Mit Schlag 12Uhr wurden an vier Minen in der groen Grube Lunten gelegt.
Der Mann, der die that, lief hierauf mit grter Eile davon, und verbarg
sich hinter einer Steinwand. -- Nach einigen Minuten sah man das Pulver
aufblitzen, und einige Steine in die Hhe fliegen, dann hrte man von allen
Seiten ein frchterliches Gekrache, und zum Schlusse das Rollen und Fallen
der gesprengten Massen. Mehrfache krftige Wiederholungen des Echo's
verkndeten die schreckliche Explosion im Innern des Bergwerkes. Der
Eindruck, den die Alles hervorbrachte, war ein wahrhaft schauerlicher. --
Kaum da noch die erste Mine ausgetobt hatte, fing schon die zweite, dritte
u.s.w. an. -- Dergleichen Minen werden tglich in verschiedenen Gruben
gelegt.

Die andern Gruben sind noch tiefer, die tiefste hat 600 Fu; aber ihre
Oeffnungen sind kleiner und gehen auch nicht immer senkrecht hinab, wodurch
sich der Blick dann in der Finsterni verliert, was einen gar unheimlichen
Eindruck macht. Mit beklommener Brust starrt man in diese dunkeln Rume
und sucht vergebens etwas unterscheiden zu knnen. -- Ich mchte um keinen
Preis ein Bergmann sein; abgeschieden von dem Tage, von der Sonne, knnte
ich das Leben kaum ertragen. -- Ich wandte meinen Blick ab von den finstern
Gruben, und warf ihn freudig auf die liebliche Landschaft, die im hellen
Sonnenlichte erglnzte.

Noch denselben Tag kehrte ich nach _Upsala_ zurck.

Ich hatte diese kleine Reise mit der Post versucht, werde aber meinen
Lesern nur die Facta erzhlen. Eine umfassende Meinung ber das gute oder
schlechte Fortkommen in diesem Lande kann ich unmglich abgeben, da diese
kleine Tour mehr einer Spazierfahrt als einer Reise glich.

Da ich keinen eigenen Wagen gemiethet hatte, mute ich auf jeder Station
ein anderes Fuhrwerk besteigen. Diese Fuhrwerke bestanden aus zweirdrigen
ganz ordinren hlzernen Karren. Der Sitz wurde aus Heu gemacht, und mit
dem Kotzen des Pferdes bedeckt. -- Wren die Wege nicht so ausgezeichnet
gut, wrde man auf diesen Wagen wohl frchterlich durchgeschttelt werden.
So aber mu ich sagen, da ich mit ihnen besser fuhr, als mit jenen, zwar
lakirten Kariolen der Norweger, in welchen ich ausgestreckt und eingepret
fortwhrend in derselben Stellung verbleiben mute.

Die Stationen sind ungleich, bald lnger bald krzer. Die Postpferde
werden hier wie in Norwegen von wohlhabenden Bauern besorgt, die man
hier _Dschusbauern_ nennt. Jeden Abend mu ein solcher Dschusbauer eine
bestimmte Zahl Pferde zusammenbringen, um am folgenden Tag die Reisenden
weiter befrdern zu knnen. -- Kmmt der Reisende, so findet er auf jeder
Station ein Buch, aus welchem er ersehen kann, wie viele Pferde der Bauer
hat, wie viele Fremde bereits expedirt wurden, und wie viele Pferde noch
im Stalle stehen. Auch er mu seinen Namen, die Stunde der Abfahrt, und
die Zahl der Pferde einzeichnen, deren er bedurfte. Auf diese Art ist
den Betrgereien doch ziemlich Einhalt gethan; man kann sich von Allem
berzeugen, und seine Forderungen darnach einrichten.

Geduld mu man aber auch hier haben, obwohl bei weitem nicht so viel, wie
in Norwegen. Bis der Wagen in Stand gesetzt war, bis das Pferdegeschirr und
endlich das Pferd selbst herbeigeschafft wurde, vergingen zwar immer 15-20
Minuten, aber auch nie mehr, und ich mu diesen schwedischen Postmeistern
nachsagen, da sie sich, so viel ihnen mglich war, beeilten, und nie ein
doppeltes Fahrgeld verlangten, obwohl sie, besonders auf meiner Hinreise,
wissen mochten, da ich Eile hatte. -- Das schnelle oder langsame Fahren
hngt natrlich von der Gte des Pferdes, und von dem Willen des Kutschers
ab. -- In keinem Lande aber ist mir ein solches Schonen der Pferde
vorgekommen, wie hier. Es ist wirklich lcherlich zu sehen, welch kleine
Last zu Wagen, die mit Getreide, Ziegeln, Holz u.s.w. beladen sind, zwei
Pferden aufgebrdet, und wie langsam und schlfrig gefahren wird.

Eine schreckliche Plage fr Fahrende sind die unzhligen hlzernen Gitter,
welche die Straen in so viele Theile theilen, als Gemeinde-Grnde an
derselben liegen. -- Der Kutscher mu oft in einer Stunde mehr als 6-8 Mal
absteigen, um diese Gitter zu ffnen und zu schlieen. -- Selbst auf der
groen Poststrae sollen diese angenehmen Gitter nicht fehlen, und nur
nicht gar so hufig vorkommen, wie auf den Nebenstraen.

Der Holzreichthum mu hier so gro sein, wie in Norwegen; Alles ist
eingezunt, ja selbst Grnde, die so schlecht aussehen, da sie gewi des
Zaunes und der Arbeit nicht werth sind.

Die Drfchen, die ich theils berhrte, theils seitwrts liegen sah, waren
mitunter recht niedlich und freundlich. Auch die Htten, deren manche
ich whrend des Pferdewechsels besuchte, fand ich meist ziemlich nett und
wohnlich eingerichtet.

Die Bauern haben in dieser Gegend eine sehr sonderbare Tracht. Die Mnner,
auch oft sogar die Knaben, tragen lange, dunkelblaue, tchene Ueberrcke,
und auf dem Kopfe tchene Kppchen, so da sie von ferne gesehen, beinahe
Herren im Reiseanzuge gleichen. Komisch lt es nun, so viel vermeinte
Herren hinter den Pflgen gehen, oder Gras hauen zu sehen. -- In der Nhe
hat das Ding freilich ein ganz anderes Aussehen; da bemerkt man die meist
abgerissenen und schmutzigen Kleider -- und sieht, da sie unter diesen
Rcken auch noch lederne Schurzfelle tragen, wie bei uns die Zimmerleute.
An der Tracht der Weiber fand ich nichts Eigenthmliches, als da sie
ebenfalls rmlich und abgerissen war. -- Was Kleidung und Fubedeckung
betrifft, stehen sowohl die Schweden, als auch die Norweger hinter den
Islndern, -- whrend Betreffs der Wohnungen Jene voraus sind.


  14.September.

Heute machte ich die Fahrt auf dem Mlarsee zurck nach Stockholm. Das
Wetter begnstigte mich mehr, als auf der Herreise, und ich konnte die
ganze Zeit auf dem Decke bleiben. -- Nun erst bemerkte ich, da wir eine
ganze Meile auf dem Flue _Fyris_ fuhren, dessen flaches Bett sich durch
Waldungen und Wiesen dem See zuschlngelt.

Die groe Ebene, auf welcher Neu- und Alt-Upsala liegen, verliert man bald
aus dem Gesichte, und nachdem man zwei Brcken passirt hat, gelangt man
unmittelbar in den Mlarsee, der sich anfangs als groe Wasserflche
ausbreitet, und keine Insel zeigt. Seine Ufer sind mit niedrigen,
bewaldeten Hgeln umfat. Doch bald kmmt man wieder in die Regionen der
Inseln; die Wasserfahrt gewhrt nun greres Interesse, besonders da sich
auch auf den Ufern immer schnen Bilder entfalten. Eines der ersten ist
das nette Gtchen _Krusenberg_, dessen Schlchen recht idyllisch auf einem
reizenden Hgel liegt. Noch schner aber und wahrhaft berraschend ist das
herrliche Schlo _Skukloster_, ein groes, schnes und hchst regelmiges
Gebude, das mit vier mchtigen, runden Eckthrmen geziert, knapp am See
liegt, und von prchtigen Gartenanlagen umgeben ist.

Von diesem Punkte an sind die Partieen des Mlarsee's voll Schnheit und
Abwechslung. Jeder Augenblick bietet etwas anderes, etwas herrlicheres.
Die Wasser breiten sich bald aus, bald werden sie wieder von den Inseln und
Felsen eingeengt und in frmliche Kanle gedmmt. -- Vorzglich gefielen
mir jene Stellen, um welche die Inseln so beisammen liegen, da man gar
keinen Ausweg sieht. Pltzlich ffnete er sich dann zwischen ihnen, und
man sah wieder eine neue Abtheilung des Sees. An den Ufern werden die
Hgel immer hher, die Vorsprnge derselben immer bedeutender, und
schne Inselgruppen schlieen sich derart an, da man sie von ferne
fr vorgeschobene Theile des Landes hlt, und erst in der Nhe ihre
Selbststndigkeit erkennt.

Hchst malerisch nimmt sich das Stdtchen _Sixtun_ aus, das in einem
reizenden kleinen Thale liegt, in welchem auf allen Seiten Ruinen,
besonders solche von runden Thrmen hervorragen. Diese Ruinen sollen
noch Reste der alten Rmerstadt _Sixtum_ sein. Die neue Stadt behielt,
wahrscheinlich zur Erinnerung, den Namen ihrer Vorgngerin bei.

Die hierauf folgende Partie bietet dem Auge Klippen und Felswnde, die sich
in die Tiefe des Sees senken, und deren Nhe bei einem Sturme nicht sehr
erfreulich wre. -- Vom Schloe _Rouse_ sieht man nur drei schne Kuppeln
aus dem Walde ragen; ein neidischer kahler Hgel verbirgt dem sphenden
Auge das Uebrige. -- Noch sieht man ein Schlo, Besitzthum eines
Privaten, das durch seine Gre sehr in die Augen fllt, sonst aber nichts
Ausgezeichnetes an sich hat. -- Die letzte der Merkwrdigkeiten ist die
_Nokeby-Brcke_, welche eine der lngsten in Schweden sein soll. Sie
verbindet das feste Land mit der Insel, auf welcher das knigliche Schlo
_Drottingholm_ steht. -- Von dieser Stelle erblickt man alsobald die Stadt
Stockholm, und lenkt auch in den Theil des Mlarsees ein, an welchem sie
liegt. -- Um zwei Uhr Nachmittags erreichten wir glcklich wieder die
Hauptstadt Schwedens.




Von Stockholm nach Travemnde und Hamburg.


Am 18.September sagte ich Stockholm Lebewohl und schiffte mich Mittags
12Uhr auf dem Dampfboote _Svithiold_, mit 100 Pferdekraft, ein, um nach
Travemnde zu fahren.

Ich glaube, da nicht leicht eine Ueberfahrt theurer ist, wie diese. Die
Entfernung betrgt bei 500 Seemeilen, die man gewhnlich in dritthalb bis
drei Tagen zurcklegt; dafr bezahlt man auf dem zweiten Platze ohne Kost
43 Bankthaler, oder nach unserm Gelde 35fl. CM. Die Kost ist ebenfalls
unendlich theuer, und noch dazu spielt der Kapitain auch die Rolle des
Gastwirthes; man kann sich daher bei einer vorkommenden Prellerei oder
Unzufriedenheit an Niemanden wenden, und mu Alles geduldig ertragen.

Nichts that mir so wehe, als da ich sah, wie sich einer der rmeren
Reisenden, der sehr an der Seekrankheit litt, an den Kellner wandte um eine
Suppe zu bekommen, und wie dieser ihn an den gutmthigen Kapitain wies, der
dann rund heraus erklrte: er werde keine Ausnahme machen, und man msse
fr eine Tasse Suppe so viel bezahlen, wie fr die ganze Mittagskost.
-- Der Arme -- er mute also entweder der fr ihn so wohlthuenden Suppe
entsagen, oder jeden Kreuzer zusammen suchen, um tglich einige Bankthaler
ausgeben zu knnen. -- Glcklicherweise befanden sich einige wohlthtige
Menschen auf dem Schiffe, welche fr ihn die Mittagskost bezahlten. --
Einige der Herren fhrten ein paar Flaschen Wein mit sich, dafr muten sie
beinah so viel Taxe zahlen, als der Wein werth war.

Zu all diesen Annehmlichkeiten kmmt auf einem schwedischen Dampfschiffe
auch noch jene, da man bei nur etwas ungnstigem Wetter gar nicht vom
Flecke kmmt. -- Vermuthlich sind die Maschinen zu schwach; wenigstens
behaupteten die Viele der Reisenden. -- Wir hatten nur etwas Gegenwinde
und hohes Meer, aber bei weitem keinen Sturm, und doch verspteten wir uns
schon auf der ersten Hlfte des Weges, auf der Fahrt von _Stockholm_ nach
_Calmar_, um 24 Stunden. In _Calmar_ warfen wir Anker und warteten auf
bessern Wind. -- Ein paar Herren, deren Geschfte zu Lbeck sehr dringend
waren, verlieen hier das Dampfboot und setzten ihre Reise zu Lande fort.

Anfnglich hat die Ostsee den Charakter des Mlarsee's. Inseln, Klippen,
Felsen, groe und kleine Wasserbecken u.s.w. erscheinen immer wechselnd
und schn. Rechts sieht man im Hintergrunde die unendlich lange hlzerne
Brcke _Lindenbrog_, die eine Insel mit dem Festlande verbindet.

An dem Ende eines der Becken, in die man einlenkt, liegt das Stdtchen
_Wachsholm_, und diesem gegenber auf einer kleinen felsigen Insel ein
herrliches Festungswerk mit einem kolossalen runden Thurme. -- Nach der
Zahl der Kanonen, welche auf den Wllen aufgepflanzt sind, zu urtheilen,
mu diese Festung zu einer der wichtigsten gehren. -- An ein hnliches
Festungswerk, _Friedrichsborg_, kamen wir einige Stunden spter; es steht
jedoch nicht so frei wie das erstere, sondern ist zum Theil von Waldungen
umgeben. Wir fuhren in ziemlicher Entfernung vorbei, und konnten nicht
viel davon sehen, so wie auch von einem auf der entgegengesetzten Seite
gelegenen Schlosse, das ebenfalls von Waldungen umgeben ist und sehr
groartig zu sein scheint.

Die See wird nun auf der rechten Seite auf Augenblicke unbersehbar; --
doch bald kmmt man wieder auf eine schauerliche Partie nackter Felsen,
an deren uersten Enden die schne Festung _Dolero_ liegt. Unweit davon
hngen an nackten, in die See ragenden Felsen gruppenweise viele Huser,
die einen sehr ausgebreiteten groen Ort bilden.


  19.September.

Wir befanden uns heute auf offener, etwas strmischer See. Erst gegen
Mittag kamen wir in den _Calmarsund_, der links von dem flachen,
einfrmigen Ufer der 15 Meilen langen Insel _land_, rechts von dem
Festlande _Schmoland_ gebildet wird. Vor uns thrmte sich der Inselberg,
_die Jungfrau_, auf, auf welchen Wunderberg jeder Schwede mit Stolz
hinweist. Seine Hhe fllt jedoch nur auf, weil Alles rund umher flach und
eben ist. -- Gegen die stolze, riesige _Jungfrau_ in der Schweiz drfte er
wohl nur als Hgelchen erscheinen.


  20.September.

Gestern Abend wurde, des widrigen Windes wegen, Anker geworfen, und erst
heute Morgens die Fahrt nach dem Stdtchen _Calmar_ fortgesetzt, welches
wir gegen 10Uhr Vormittags erreichten. Das Stdtchen liegt auf einer
unbersehbaren Ebene, und bietet nicht viel Interessantes. Hchstens
knnten die ausgezeichnet schne Kirche und das sehr alterthmliche Schlo
den Wunsch erregen, da einige Stunden verweilen zu drfen. Uns wurde
dieser Wunsch nur zu sehr gewhrt. Wind und Wogen schienen sich gegen uns
verschworen zu haben, und der Kapitain kndigte uns daher eine ungewisse
Frist des Bleibens an. -- Man wollte uns anfangs nicht an das Land setzen,
da die Wogen zu hoch gingen. Endlich wagte sich doch eines der greren
Boote heran, und die Neugierigsten unter uns wagten es, das schwankende
Fahrzeug zu besteigen, und an das Land zu schiffen.

Die Kirche wrde man dem uern Bau nach fr ein schnes, aus vergangenen
Zeiten stammendes Schlo halten. Vier schne Eckthrme geben ihr dieses
Ansehen, das noch dadurch vermehrt wird, da die Kuppel das Gebude
nur wenig berragt, und die brigen Thrme, die hie und da als Zierde
angebracht sind, kaum bemerkbar werden. Das Innere der Kirche zeichnet
sich durch Gre, Hhe und durch ein besonders schnes Echo aus. Einen
ergreifenden Eindruck sollen die Tne der Orgel hervor bringen. -- Wir
sandten um den Organisten, der aber leider nirgend zu finden war, und wir
muten uns mit dem Echo unserer Stimmen begngen. -- Von da wanderten wir
in das kaum zehn Minuten weit entfernte alte knigliche Schlo, welches
unter der Knigin Margaretha im 16.Jahrhundert erbaut wurde. Im Innern
ist dieses Schlo so gnzlich verfallen, da ein lngeres Verweilen in den
obern Slen beinahe nicht rathsam wre. Die untern Gemcher des
Schlosses wurden ausgebessert und dienen als Gefngnisse; aus vielen der
eisenvergitterten Fenster ragten Arme hervor und flehende Stimmen baten uns
Vorbergehende um eine kleine Gabe. -- Es sollen sich gegenwrtig ber 140
Gefangene hier befinden.

Gegen 3Uhr Nachmittag lie der Wind etwas nach, und wir setzten die Reise
fort. -- Die Fahrt in dem Calmars-Sunde ist hchst einfrmig, da man nichts
als flache de Ufer an den Seiten hat; ein Wldchen gehrt schon zu den
Seltenheiten.


  21.September.

Als ich heute auf das Deck kam, hatten wir den Sund schon lange hinter uns;
links umgab uns die offene See, und rechts wechselte das de _Schmoland_
mit dem noch deren _Schonen_ ab, das zum Theil so nackt erschien, da man
zwischen den niedrigen kahlen Hgeln kaum ein rmliches Fischerdrfchen
gewahrte.

Um 9Uhr Morgens warfen wir im Hafen zu _Ystadt_ Anker. Das Stdtchen ist
ziemlich artig, und besitzt einen gerumigen Platz, welchen das Haus des
Gouverneurs, das Theatergebude und das Rathhaus zieren. Die Gassen sind
breit, die Huser theils von Holz, theils von Stein. Das Interessanteste
ist die alterthmliche Kirche, und in ihr ein hlzernes, zum Theil schon
sehr beschdigtes Altarblatt, welches in der Sakristei aufbewahrt wird.
Wenn auch die Figuren daran etwas plump und unrichtig gearbeitet sind, so
mu man doch die Composition und das angebrachte Schnitzwerk bewundern.
Nicht zu bersehen sind auch die Reliefs an der Kanzel, und ein schnes
Monument, welches rechts vom Hochaltare steht. Alle diese Arbeiten sind in
Holz geschnitzt.

Des Nachmittags kamen wir an der dnischen Insel _Malm_ vorber.

Endlich, nachdem wir statt 2 Tagen beinahe 4 Tage auf der See zugebracht
hatten, erreichten wir am 22.September Morgens 2Uhr glcklich den Hafen
von _Travemnde_. Und nun waren meine Seereisen beendet. -- Mit Wehmuth
schied ich von der See. Die Wasser so ausgebreitet vor sich zu sehen,
und auf ihrer spiegelglatten Flche dahin zu schiffen, ist doch gar zu
herrlich. Immer bietet die See ein schnes Bild, selbst wenn sie strmt und
wthet, wenn sich Wellen auf Wellen thrmen, sich an dem Fahrzeuge brechen
und es zu verschlingen drohen, oder wenn das Schiff bald auf ihren Spitzen
tanzt, bald in den Abgrund schiet. Ich kauerte oft stundenlang in irgend
einem Winkel, klammerte mich an die Schiffswand, und lie Sturm und Welle
ber mich ergehen. Ich war durch das viele Reisen auf der See von der
unleidlichen Seekrankheit nicht mehr bedroht, und konnte daher ungetrbt
diese frchterlich schnen Naturscenen bewundern und Gott in seinen
erhabenen Werken preisen.

Kaum hatten wir im Hafen Anker geworfen, empfing uns ein ganzes Heer von
Kutschern, um uns zu Land ber Lbeck nach Hamburg zu expediren, -- eine
Reise von acht Meilen, die man gewhnlich in neun Stunden zurcklegt.

_Travemnde_ ist ein nettes Oertchen, das eigentlich nur aus einer Gasse
besteht, deren Huser meist Gasthfe sind. Die Fahrt von hier bis Lbeck
-- zwei Meilen -- ist beraus artig. Eine herrliche Strae, auf welcher die
Wagen wirklich nur dahin rollen, fhrt durch einen anmuthigen Wald an einem
Friedhofe vorber, der an Schnheit selbst jenen von Upsala bertrifft;
man wrde ihn, she man nicht die Monumente, fr den kunstvollsten,
herrlichsten Park oder Garten halten.

Nichts bedauerte ich so sehr, als nicht _einen_ Tag dem Aufenthalte zu
Lbeck widmen zu knnen. Diese alte Hanseestadt, mit ihren pyramidal
erbauten Husern, mit dem ehrwrdigen Dome und den andern schnen Kirchen,
mit dem gerumigen und reinlichen Platze u.s.w. zog mich gar sehr an;
aber so mute ich weiter, und konnte nur in eiliger Durchfahrt Manches
bewundern und anstaunen. -- Das Pflaster fr die Fahrenden und das Trottoir
daneben ist so schn und eben, wie in keiner andern nordischen Stadt. Auf
den Straen vor den Husern stehen hufig hlzerne Kanapee's, auf welchen
wahrscheinlich die Inwohner die schnen Abende zubringen. Hier sah ich auch
zum ersten Male die funkelnden Hamburger Spiegelscheiben wieder. -- Die
_Trave_, ber welche man zwischen Travemnde und Lbeck auf einem Schiffe
bersetzt, umgibt auf einer Seite die Stadt.

In der Nhe von _Oldeslo_ sind Salzsiedereien mit schnen Gebuden
und unendlich hohen Dampfrauchsulen; bei _Arensburg_ liegt ein altes
romantisches Schlchen, das ganz mit Wasser umgeben ist.

Nun aber wird die Gegend ziemlich einfrmig, und bleibt so bis Hamburg;
sie scheint jedoch sehr fruchtbar zu sein, da man berall schne Felder und
Wiesen sieht.

Diese kleine Reise von Lbeck bis Hamburg kmmt ziemlich hoch zu stehen; es
ist aber auch unglaublich, wie viel Taxen und Zahlungen der arme Kutscher
auf dieser kurzen Strecke zu entrichten hat. Erst mute er fr 1fl.
16kr. einen Erlaubnischein lsen, um von dem Lbecker Gebiet in jenes
von Hamburg fahren zu drfen, dann bezahlt er in Lbeck ein doppeltes
Thorsperrgeld, jedes von 24kr., weil wir vor fnf Uhr frh kamen, und uns
sowohl bei der Einfahrt, als auch bei der Ausfahrt die Thore, die erst um
5Uhr geffnet werden, aufsperren lieen, und auerdem mute er fast auf
jeder Meile an den Schlagbumen 5 bis 6kr. entrichten.

Diese fatale Plackerei des ewigen Anhaltens an den Schlagbumen kennt man
weder in Norwegen noch Schweden. Dort zahlt man fr jedes Pferd des Jahres
eine gewisse Taxe, und kann dann ungehindert im ganzen Lande herum fahren,
nirgends sind solche -------- errichtet.

Die Bauernhuser sind hier sehr gro und ausgedehnt; die kmmt aber daher,
weil Stall, Scheuer, Schoppen -- Alles unter _einem_ Dache ist. Die Wnde
oder eigentlich Gerippe dieser Huser sind von Holz, und mit Ziegeln
ausgefllt.

Gleich hinter _Arensburg_ sieht man schon die Thrme von _Wandsbeck_ und
_Hamburg_, welche beide Stdte nur _eine_ zu bilden scheinen, da sie blos
durch artige Landhuser getrennt sind. Wandsbeck ist jedoch im Vergleiche
zu Hamburg nicht als Stadt, sondern als Dorf zu betrachten.

Gegen 2Uhr Nachmittag traf ich glcklich bei meinen lieben Verwandten ein,
die ber meine Ankunft so erstaunt waren, da sie mich beinahe fr einen
Geist hielten. -- Bald wurde mir ihr Erstaunen begreiflich.

Als ich nmlich von Island abfuhr, ging, wie ich bereits bemerkte, zu
gleicher Zeit eine Gelegenheit nach Altona, mit welcher ich ein Kistchen
Mineralien u.dergl. an meinen Vetter nach Hamburg sandte. Der Schiffer
nun, welcher das Kistchen bergab, machte ihm eine so arge Schilderung
von dem schrecklich schlechten Fahrzeuge, in welchem ich nach Kopenhagen
bergefahren wre, da er, nachdem ich ber zwei Monate keine Nachricht von
mir gegeben hatte, dachte, ich sei mit dem Schiffe zu Grunde gegangen. --
Wohl hatte ich ihm bei meiner Ankunft zu Kopenhagen geschrieben, aber der
Brief mute verloren gegangen sein, und daher seine Vermuthung, und dann
sein Erstaunen.




Von Hamburg nach Berlin.


Meine Zeit war karg bemessen, und ich konnte mich diemal leider nur einige
Tage bei meinen lieben Verwandten aufhalten. Schon am 26.September ging
ich mit einem kleinen Dampfboote auf der Elbe nach _Haarburg_, das man in
dreiviertel Stunden erreicht. Hier wechselte ich die Schiffsgelegenheit mit
dem Eilwagen und fuhr nach _Celle_ (14 Meilen).

Von der Gegend ist nur wenig zu sagen; sie besteht grtentheils aus
Ebenen, die theilweise zu Haiden und Smpfen werden, -- doch gibt es
dazwischen auch fruchtbare Stellen mit Feldern und Wiesen.


  27.September.

In der Nacht trafen wir in Celle ein. Von hier bis _Lehrte_ (1Meile) mu
man eine Privatgelegenheit miethen. In Lehrte besteigt man die Eisenbahn,
und fhrt nun ununterbrochen bis Berlin. -- Man berhrt auf dieser Fahrt
viele Stdte und grere oder kleinere Orte, kann aber nur wenig von ihnen
sehen, da die Bahnhfe berall ziemlich entfernt liegen, und man nur einige
Augenblicke anhlt.

Die erste Stadt, an der wir vorber kamen, war _Braunschweig_. Gleich
auerhalb der Stadt sieht man das artige herzogliche Schlo, das
im gothischen Style erbaut ist und in einem schnen Parke liegt. --
_Wolfenbttel_ scheint, nach der Menge der Huser und Kirchthrme zu
urtheilen, eine ziemlich bedeutende Stadt zu sein. -- Eine schne hlzerne
Brcke mit elegant gearbeitetem eisernem Gelnder fhrt hier ber die
Ocker. Vor der Stadt leitet eine reizende Promenade zu einem sanften Hgel,
auf dessen Plateau ein wunderliebliches Gebude, ein Kaffeehaus steht.

Sobald man das Gebiet von Hannover im Rcken hat, wird die Gegend zwar
nicht reicher an seltenen Naturmerkwrdigkeiten, aber doch verlieren sich
wenigstens die Smpfe und Haiden, und ein fleiig cultivirtes Land ersetzt
deren Stelle. -- Viele Drfer liegen zerstreut umher, und manch reizendes
Stdtchen erregt den Wunsch, die Gegenden nicht gar so eilig durchfliegen
zu mssen.

Man kmmt nun an _Schepenstadt_, _Jersheim_ und _Wegersleben_ vorber,
welch letztere Stadt bereits zu Preuen gehrt. -- In _Aschersleben_ werden
die Wagen gewechselt, eben so in Magdeburg. -- Bei dem Stdtchen _Salze_
sieht man schne Gebude, die zu den ausgedehnten hier befindlichen
Salzsiedereien gehren. -- Zu _Jernaudau_ ist der Sitz einer Herrnhuter
Gesellschaft. -- Gerne htte ich die Stadt _Kthen_ besucht; man kann sich
nichts Reizenderes denken, als die Lage dieses Stdtchens inmitten von
duftenden Grten. Leider hielten wir nur kurze Augenblicke an. -- Auch das
Stdtchen _Dessau_ ist mit artigen Anlagen umgeben. Mehrere Brcken fhren
hier ber einzelne Arme der Elbe; die ber den Hauptstrom fhrende ruht auf
mchtigen Steinpfeilern. -- Von dem Stdtchen _Wittenberg_ sieht man nur
Husermassen und Kirchthrme; eben so auch von dem Stdtchen _Jterbog_,
das so neu aussieht, als ob es erst krzlich entstanden wre. -- Bei
_Lukewalde_ fngt die Sandregion an, in die nur eine bei _Trebbin_
erscheinende kleine Kette bewaldeter Hgel einige Abwechslung bringt.
Doch auch diese nimmt bald ihr Ende, und man fhrt nun bis Berlin in einer
traurigen, einfrmigen Sandflche.

Ich war heute von 6Uhr Morgens bis 7Uhr Abends auf dem Wege, und hatte 46
Meilen zurckgelegt. -- Hufig waren auf dieser Reise die Wagen gewechselt
worden. -- Ueberall hatte, der Leipziger Messe wegen, ein unendlicher
Zudrang von Menschen statt gefunden; -- oft zhlte der Zug 35 bis 40
Wagen, 3 Locomotive und gewi 7-800 Reisende, -- dennoch war immer Alles
in grter Ordnung geblieben. Eine groe Bequemlichkeit ist es, da man den
Platz von Lehrte bis Berlin, obwohl man so vielerlei Staaten zu passiren
hat, auf einmal berichtigen kann, und sich daher whrend der ganzen Reise,
weder um sein Gepck noch um sonst etwas mehr zu bekmmern hat. -- Die
bei den Eisenbahnen angestellten Leute fand ich alle sehr hflich. Wenn
an einer Station angehalten wurde, verkndeten gleich die Conducteure mit
lauter Stimme die Zeit des Aufenthaltes, 2-3 Minuten, Stunde u.s.w.
Jeder Mitfahrende konnte sich darnach richten, in ein nahes Gasthaus oder
Zelt treten und sich etwas reichen lassen. Die Wagen sind hchst bequem zum
Ein- und Aussteigen eingerichtet, und zwar dadurch, da die Rder an
den Stations-Stellen in tiefen Geleisen laufen, und so der Wagen mit
dem Erdboden in gleicher Hhe ist; man braucht gar keinen Wagentritt zu
besteigen, sondern setzt den Fu gleich auf die Erde. Die Wagen sind wie
in breite Kutschen getheilt. Zwei Bnke stehen der Breite nach, einander
gegenber, und an jeder Seite befindet sich eine gerumige Wagenthr, bei
welcher man bequem hinaus und herein kmmt. Auf der ersten und der zweiten
Klasse sitzen in jeder solchen Wagenabtheilung 8 Personen, auf der dritten
Klasse 10 Personen. -- Die Wagen sind Alle numerirt und Jedermann findet
leicht seinen Platz. -- Eingesperrt ist Niemand.

Durch diese einfachen Einrichtungen ist es mglich, da man selbst, wenn
der Zug nur zwei Minuten anhlt, aussteigen und Bewegung machen, oder sich
mit Lebensmitteln versehen kann, ohne da ein Gedrnge oder eine Verwirrung
statt hat.

Alles die fllt bei jenen Eisenbahnwagen weg, welche die unnatrliche
Lnge eines Hauses haben, und in deren jeden 60 oder gar 70 Personen
eingepackt, mitunter sogar _eingesperrt_ sind, wo die Thren von den
Conducteuren geffnet werden, und dieser nur den Namen der Station
hineinschreit, ohne die Zeit des Aufenthaltes bekannt zu machen. -- Da ist
es wohl keinem Reisenden zu rathen, seinen Posten zu verlassen; denn bis er
sich von einem Ende des Wagens bis an das andere drngt, bis er durch das
enge Pfrtchen schlpft und endlich ber die hohen Stufen hinabklettert,
erschallt schon wieder das Horn, und in demselben Augenblicke setzt sich
der Zug in Bewegung, es ist also selbst die Blasen kein Zeichen fr
die Reisenden, um sich darnach richten zu knnen; es gehrt nur fr den
Locomotivfhrer.

Eben so hat man in diesen Staaten, welche ich heute durchreiset hatte,
nicht die geringste Plackerei mit dem Pawesen, und mit den noch
unausstehlichern Passirscheinen. Kein lstiger Polizei-Soldat kmmt in den
Wagen und lt den Reisenden erst aussteigen, nachdem er ihm von A bis Z
Auskunft ertheilt hat. -- Ich mchte wissen, wie viele Tage man auf dieser
Reise zubringen wrde, wenn man, wie in andern Staaten, die Psse so oft
abgeben mte, die nicht einmal gleich an Ort und Stelle expedirt, sondern
erst auf das Amt getragen werden.

Und solch strende Einrichtungen, man sollte es nicht glauben, haben oft im
Innern eines und desselben Staates statt. -- Man braucht gar nicht erst
vom Auslande zu kommen; -- man mu all diese Scherereien erfahren, wenn man
auch nur von einer Provinz-Hauptstadt in die andere fhrt.

In allen Lndern, durch welche ich bisher kam, hatte ich mich nirgends ber
dergleichen Sachen zu beklagen; man forderte mir den Pa nur im Gasthofe
der Hauptstadt des Landes ab, wenn ich mehrere Tage daselbst zu verweilen
gedachte. -- Blos in Stockholm fand ich eine etwas sonderbare Einrichtung;
da mu jeder Fremde, und wenn er nur 24 Stunden verweilt einen schwedischen
Pa lsen, und dafr 1fl. 20kr. zahlen. Die ist, bei Licht betrachtet,
doch nur eine Einfhrung, um dem Fremden auf eine anstndige Art 1fl.
20kr. abzunehmen; wahrscheinlich scheut man sich, fr das einfache Visiren
der Psse eine so hohe Bezahlung zu verlangen.




Aufenthalt in Berlin. -- Rckkehr nach Wien.


Ich sah noch nie eine schner und regelmiger gebaute Stadt als Berlin
-- die eigentliche Stadt Berlin; -- hchstens knnen die vorzglichsten
Straen, Pltze und Palste Kopenhagens einen Vergleich mit ihr aushalten.

Ich konnte mich nur einige Tage da aufhalten, und hatte daher kaum Zeit,
das Merkwrdigste und Interessanteste zu besehen.

In einem ziemlich nahen Umkreise liegen die herrliche knigl. Residenz,
die ausgedehnten Gebude der Bildergallerie und der Museen, der groe Dom
u.s.w.

Die _Domkirche_ ist gro und regelmig; an jeder Seite des Einganges steht
eine Kapelle, die mit eisernen Gittern umgeben ist. Einige Knige liegen
hier begraben, und alterthmliche Sarkophage decken die Grfte, die unter
dem Namen der _Knigsgrber_ bekannt sind. Unweit davon sieht man ein
schnes, in Erz gegossenes Monument, unter welchem ein Graf Brandenburg
ruht.

Die _katholische Kirche_ ist im Style der Rotonde zu Rom gebaut, nur erhlt
sie nicht wie diese das Licht von oben, sondern durch Fenster, die rund
herum im Kreise angebracht sind. Schne Statuen, und ein einfacher aber
geschmackvoller Altar sind die einzigen Zierden der Kirche. An dem Porticus
sieht man kunstvolle Reliefs.

Die _Werderische Kirche_ stammt aus neuerer Zeit, ist aber ganz im
gothischen Style gehalten. Die Thrme schmcken schne Bronce-Relief's. Die
Wnde im Innern der Kirche sind mit Holztafeln ausgelegt, die bis an die
Gallerien reichen, und frbig eingelegt sind. Sie endigen in gothisches
Schnitzwerk. Die Orgel hat einen klaren, starken Ton. Die Brstung vor
derselben enthlt ein Gemlde, das man auf den ersten Blick eher fr eine
Fantasie aus der Gttergeschichte, als fr ein Heiligenbild halten wrde.
Eine Menge Amoretten schweben zwischen Blumengewinden, und umgeben drei
schne weibliche Figuren.

Ganz nahe an dieser Kirche stehen das _Mnzgebude_ und die _Bauakademie_.
Ersteres ist mit schnen Bildhauerarbeiten geschmckt, Letzteres ist
von viereckiger Form, mit ziegelrother Farbe angestrichen, ohne alle
Architectur, und gleicht ganz einem ausgezeichnet groen Privat-Gebude.
Das untere Gescho ist zu glnzenden Kaufmannsladen verwendet.

In der Nhe der Residenz liegt der Opernplatz, auf welchem auer dem
berhmten Opernhause, auch noch das Zeughaus, die Universitt, die
Bibliothek, die Akademie, das Wachthaus, und einige knigl. Palste,
u.s.w. stehen. -- Der Platz selbst ist mit drei Statuen der Generle:
Graf _Blov_, Graf _Scharnhorst_ und Frst _Blcher_ geziert. Alle drei
sind sehr schn gearbeitet; nur gefllt mir ihr Costume nicht, welches aus
ganz gewhnlichen Tuchmnteln besteht, die, vorne auseinander geschlagen,
einen Theil ihrer Pracht-Uniform erblicken lassen.

Das _Zeughaus_ ist eines der prachtvollsten Gebude Berlin's; es bildet ein
schnes Viereck. -- Da zu der Zeit, als ich mich in dieser Stadt befand,
einige kleine Ausbesserungen im Zeughause statt fanden, so war es fr
den Fremden geschlossen. Ich begngte mich daher durch die Fenster im
Erdgeschoe zu sehen, wo ich ungeheure Sle erblickte, in welchen ganze
Reihen groer Kanonen aufgepflanzt waren.

Das _Wachthaus_ ist gleich daneben, und gleicht mit seinem Sulenporticus
einem artigen Tempel.

Des _Opernhaus_ bildet ein lngliches Viereck, es steht von allen Seiten
frei. Es wrde sich ungemein besser ausnehmen, wenn die Eingnge nicht
so jmmerlich ausshen. Jener an der Hauptfaade gleicht einer engen,
rmlichen Kirchthre, er ist schmal, und von dunkler Farbe. Die untern
Eingnge sind noch niedriger, und man vermuthet durchaus nicht, durch
sie in solch ein Pracht-Lokale zu gelangen. -- Die innere Einrichtung des
Theaters ist ber alle Beschreibung luxuris und bequem. Im Parterre
reihen sich hchst bequeme, herrlichst gepolsterte Sthle, die mit breiten,
ebenfalls gepolsterten Lehnen versehen sind, an einander; sie werden
nicht gesperrt, sondern offen gelassen; jeder Stuhl ist mit einer Nummer
bezeichnet. Die Logen sind durch kaum fuhohe Wnde geschieden; man sieht
da die elegante Welt wie auf Tribunen sitzen. Die Sthle im Parterre, so
wie die Logen des ersten und des zweiten Ranges, sind mit dunkelrothem
Seidendamast berdeckt. Die knigliche Loge ist ein herrlicher Salon,
dessen Boden die feinsten Teppiche bedecken. -- Den Plafond des Theaters
schmcken schne Oelgemlde, die in zierlich goldenen Rahmen gefat sind.
Das grte Meisterwerk aber ist der ungeheure Luster. Er sieht so massiv in
Bronce gearbeitet aus, da einem ordentlich bangt, diese schwere Masse so
frei in der Luft ber den Kpfen der Zuseher schweben zu sehen. Das Ganze
ist aber nur Tuschung, denn er soll aus Pappe zusammengesetzt, und blos
broncirt sein. Eine Unzahl Gasflammen verbreiten das heiterste Licht. --
Nur Eines geht mir bei so schnen und neu erbauten Theatern ab, -- da
nirgends eine Uhr angebracht ist, -- eine Sache, die man fast in jedem
italienischen Theater findet.

Die brigen Gebude und Palste auf dem Opernplatz zeichnen sich sowohl
durch ihre Gre, als auch durch ihre schne Bauart aus.

Eine ganz auerordentlich breite, steinerne Brcke mit knstlich
gearbeitetem ehernem Gelnder fhrt ber einen kleinen Arm der Spree, und
verbindet den Opernplatz mit jenem, auf welchem die Residenz steht.

Das _knigliche Museum_ gehrt auch unter die vorzglichsten Bauten; --
schne Fresken zieren den hohen Porticus. -- Die _Bildergallerie_ enthlt
manches Meisterwerk; und sehr bedauerte ich, fr diese Schtze, so wie auch
fr die _Antiken_ nicht mehr Zeit gehabt zu haben, -- ich durchflog Beide
in drei Stunden.

An die Akademie schliet sich eine ungemein breite und lange Strae, in
welcher Reihen von Linden stehen, die ihr den Namen _unter den Linden_
gegeben haben. Diese Alleen bilden den freundlichsten Spaziergang nach dem
schnen Brandenburger Thor, vor welchem der Thiergarten liegt. -- Unter
den Straen, welche in den _Linden_ auslaufen, sind die lngsten und
hbschesten die _Friedrichs-_ und _Wilhelmsstrae_. Die _Leipzigerstrae_,
welche zwar nicht hier ausmndet, gehrt auch noch unter die
vorzglichsten.

Auf dem _Gensd'arme-Platz_ zeichnen sich die franzsische und deutsche
Kirche, jedoch nur durch ihre herrliche Auenseite, durch ihre schnen
hohen Kuppeln, Sulen und Porticus aus; die Kirchen selbst sind klein und
unbedeutend. Auf diesem Platze steht auch das _knigliche Schauspielhaus_,
ein geschmackvolles, ausgezeichnet schnes Gebude, das mit vielem
Sulenwerk, den Musen und andern Statuen geziert ist.

Den Thurm, auf welchem sich der Telegraph befindet, bestieg ich der
Aussicht halber, die man da ber die Stadt und deren einfrmige, flache
Gegend hat. -- Ein recht hflicher Beamter war so gtig, mir die Zeichen
des Telegraphen zu erklren und erlaubte mir auch, durch die Fernrhre auf
die entfernten Telegraphen zu sehen.

In der Knigsstadt, die unweit der knigl. Residenz am jenseitigen Ufer der
Spree liegt, ist nicht viel zu sehen. Die Hauptstrae _Knigsstrae_, ist
zwar lang, aber schmal und etwas schmutzig. Ueberhaupt herrscht hier ein
mchtiger Abstand gegen die eigentliche Stadt Berlin; die Gassen sind enge,
kurz und mitunter auch winklicht. Die merkwrdigsten Gebude sind die Post
und ein Theater.

Der Luxus in den Auslagen der Waaren ist hier an einigen Pltzen und
Straen bedeutend. Manche Spiegelwand und manches Spiegelfenster erinnerte
mich an Hamburgs Pracht, doch steht sie dort noch auf ungleich hherer
Stufe als in Berlin.

An Ausflgen besitzt Berlin nicht viel, da die Umgebung grtentheils flach
und einfrmig ist. -- Die einigen interessanten sind der _Thiergarten_,
_Charlottenburg_, und jetzt, seit die Eisenbahnen Alles nahe bringen, auch
_Potsdam_.

Der _Thiergarten_ liegt gleich auerhalb des Brandenburger Thores; er ist
in mehrere Partieen getheilt, deren eine mich ganz an unsern beliebten
Prater erinnerte. -- Schne Alleen waren voll von Wagen, Reitern und
Fugngern; zierliche Kaffeehuser belebten die freundlichen Waldpartieen
und auf den grnen Pltzen schckerten frhliche Kinder. -- Ich fand mich
so sehr in meinen lieben Prater versetzt, da ich mich nur wunderte, keine
bekannten Gesichter zu sehen, keinen herzlichen Gru zu empfangen. -- Auf
dieser Seite des Thiergartens steht auch das _Krollische Casino_; auch
_Wintergarten_ genannt. -- Ich wei nicht, wie ich die Gebude nennen
soll; -- es ist ein wahrer Feenpalast. Alles was man sich Kostbares an
Einrichtung, Vergoldung, Malereien, Drapirungen u.s.w. zu denken vermag,
findet sich hier in herrlichen Slen, Salon's, Tempeln, Galerien, Logen,
u.s.w. vereint. Der Hauptsaal, welcher fr 1800 Couverts Raum hat,
erhlt sein Licht nicht nur durch groe Fenster, sondern auch durch eine
Glasdecke, die sich als Dach darber wlbt. Ganze Reihen von Sulen sttzen
hier Gallerien oder scheiden die kleinern Sle vom Hauptsaale. In den
Fensternischen, in den Ecken, um die Sulen, berall stehen duftende Blumen
und Gewchse in zierlichen Tpfen und Vasen, welche dieses Lokale im Winter
in einen wahren Zaubergarten umschaffen mgen. Alle Sonntage finden
hier Conzerte und Reunionen statt, zu welchen der Zudrang des Publikums
auerordentlich ist -- trotz dem, da _nicht geraucht_ werden darf. --
Dieses Lokale soll Raum fr 5000 Menschen haben.

Die Seite des Thiergartens, welche sich gegen das Potsdamer Thor zieht,
gleicht mit den beschnittenen Alleen, Blumenbeeten und Terassen, Inseln,
Goldfischteichen u.s.w. einem vollkommenen Ziergarten. Hier besuche man
die Luiseinsel, auf welcher ein schnes Denkmal der Knigin Luise zu
sehen ist. -- Auf der Seite des Ziergartens ist das Kaffeehaus _Odeon_ das
vorzglichste, es kann sich aber in keiner Art mit dem Krollischen Casino
messen. -- Hier stehen auch ganze Reihen der elegantesten Landhuser,
worunter die meisten im italienischen Style gebaut sind.




Charlottenburg


ist eine halbe Stunde vom Brandenburger Thor entfernt, vor welchem die
Omnibus stehen, die alle Augenblicke dahin abgehen. Der Weg fhrt durch den
Thiergarten, an dessen Ende ein niedlich Drfchen, und gleich an demselben
das knigl. Lustschlo _Charlottenburg_ liegt. -- Das Schlo besteht aus
zwei Stcken, wovon der obere ganz nieder ist, und nur fr die Dienerschaft
zu gehren scheint. Das Schlo ist mehr breit als tief, das Dach
terassenfrmig, und in der Mitte desselben erhebt sich eine zierliche
Kuppel.

Der Garten ist einfach, nicht sehr gro, besitzt aber eine bedeutende
Orangerie. -- In einem dstern Boskett steht ein kleines Gebude, das
Mausoleum, in welchem das Bildni der Knigin Luise in Marmor, von dem
geschtzten Knstler _Rauch_, herrlich dargestellt ist. -- Hier ruhen auch
die irdischen Ueberreste des verstorbenen Knigs. -- Ferner ist hier eine
Insel mit Statuetten, und endlich ein groer Teich, auf welchem einige
Schwne herum stolzieren. -- Es ist wahrlich schade, da an diesen
weigefiederten Thierchen kein Schmutz kleben bleibt, sonst wrde man sie
bald fr eine der grten Merkwrdigkeiten, nmlich fr _schwarze Schwne_
halten; denn der Teich oder Flu, der sich um die Insel zieht, gleicht der
schmutzigsten Pftze, die ich noch je gesehen habe.

Bereits ermdet drfte man diesen Park nicht besuchen, denn Bnke findet
man nur sehr wenige; dafr gibt es aber desto mehr Mcken.




Potsdam.


Die Entfernung Potsdam's von Berlin betrgt kaum 4 Meilen, die man auf
der Eisenbahn in Stunden zurcklegt. -- Diese Bahn ist sehr bequem
eingerichtet; die einzelnen Wagen sind nmlich mit den Namen der Stationen
bezeichnet, und der Reisende steigt daher in den Wagen jener Station,
wohin er zu fahren gedenkt. Auf diese Art wird man nie durch das Ein- und
Aussteigen der Ankommenden und Abgehenden belstiget, indem Alle, die in
einen Wagen sitzen, zu gleicher Zeit aussteigen.

Die Fahrt selbst bietet nichts Interessantes, desto mehr aber Potsdam, so
da kaum ein Tag hinreicht, Alles besehen zu knnen.

Unmittelbar vor der Stadt fliet die _Havel_, ber welche eine lange,
wunderschne Brcke fhrt, deren Pfeiler von Stein, und das Sparrwerk nebst
dem Gelnder von Eisen ist. Gleich am jenseitigen Ufer liegt das groe
knigliche Schlo von Potsdam, dessen rckwrtige Seite von Gartenanlagen
umgeben ist. Der Garten ist nicht sehr ausgedehnt, fr einen Park in der
Stadt aber immer gro genug; -- er ist dem Publikum geffnet. -- Das Schlo
ist in einem sehr groen Style gebaut. Leider ist es ganz unntz geworden,
da der Hof in der Nhe von Potsdam zu schne Sommerpalste besitzt, und den
Winter in Berlin zubringt.

Der Platz vor dem Schloe gehrt nicht zu den schnsten; er ist weder
regelmig noch gro, und nicht einmal eben. Hier steht auch die
Hauptkirche, die zwar noch nicht vollendet ist, aber ein schnes Gebude
zu werden verspricht. Die Stadt ist ziemlich gro, und besitzt eine Menge
schner Huser. Die Straen -- darunter vorzglich die _Nauner_ -- sind
breit und lang, aber sehr schlecht gepflastert; die Steine sind alle mit
den Spitzen nach oben gekehrt; fr die Fugeher ist nur immer auf einer
Seite der Huser durch ein zwei Fu breites, aus Steinplatten bestehendes
Trottoir gesorgt. -- Ein schner Platz am _Kanal_, von einem Kanal
durchschnitten, und mit mehreren Alleen geziert, bildet die Promenade der
Stdter.

Von den knigl. Sommerlustschlssern besuchte ich zuerst jenes von _Sans
souci_, das von einem artigen Parke umgeben ist. Das Schlo selbst liegt
auf einer Anhhe, die in 6 Terassen abgetheilt ist. Auf jeder derselben
stehen bedeutende Treibhuser, und vor diesen ganze Alleen von Orangen- und
Citronen-Bumen.

Das Schlo besteht nur aus einem Erdgeschoe, und ist derart mit Lauben,
Bumen und Rebengewinden umgeben, da nur wenig davon zu sehen ist. --
In das Innere des Schlosses konnte ich nicht, weil es von der kniglichen
Familie bewohnt war.

Ein kleiner Seitenweg fhrt nach dem _Ruinenberge_, auf welchem durch die
Hand der Kunst Reste eines kleinern und eines greren Tempels zu sehen
sind. Ein weites, ausgedehntes Wasserbecken nimmt zum Theil die Hhe des
Hgels ein. Man bersieht von hier aus die rckwrtige Seite des Schlosses
Sanssouci, und den sogenannten _neuen Palast_, welcher von ersterem nur
durch den Park getrennt und kaum eine Viertelstunde entfernt ist.

Der _neue Palast_ oder das _neue Schlo_, von Friedrich dem Groen
erbaut, ist so prachtvoll, als man es sich nur denken kann. Es bildet ein
lngliches Viereck mit Arabesken und flachen Sulen geziert, und mit einem
terassenartigen Dache berdeckt, das mit einem Steingelnder umgeben, und
durch Figuren verschnert ist.

Die Sle und Gemcher sind hoch und gro, und ber alle Maen herrlich
gemalt, austapeziert und eingerichtet. Viele Oelgemlde, darunter manche
Meisterstcke, zieren die Wnde. -- Im Erdgeschoe ist ein Salon ganz mit
den schnsten Muscheln ausgelegt. -- Beinahe knnte man ein Buch fllen mit
der Beschreibung der zahllosen Wunder dieses Feenschlosses. -- Leider wird
es nicht bewohnt.

An der Rckseite dieses Palastes, und nur durch einen groen Vorplatz von
ihm getrennt, liegen zwei wunderniedliche Schlchen, die mit einander
durch eine halbmondfrmige Sulenhalle verbunden sind, und herrliche
Steintreppen fhren auf Terassen, die sich um die ersten Stcke dieser
Gebude ziehen. Beide Schlchen dienen zu Casernen, und sind als solche
die schnsten, die ich je gesehen habe.

Von hier fhrte mich ein recht lieblicher Weg nach dem allerliebsten
Schlchen _Charlottenhof_. -- Da ich gerade vom groen _neuen Palaste_
kam, konnte ich mir die Schlchen als Wohnung, wenn auch nur fr den
Kronprinzen, nicht denken. Ich htte es fr einen prachtvollen, des _neuen
Schlosses_ wrdigen Pavillon gehalten, nach welchem die knigliche
Familie manchmal einen Spaziergang machte, um daselbst etwa ein kleines
Erfrischungsmahl einzunehmen. -- Erst nachdem ich etwas heimischer
geworden, und all die herzigen Zimmerchen gesehen hatte, die mit dem
geschmackvollsten Luxus eingerichtet sind, erst da begriff ich, da der
Kronprinz nicht leicht eine bessere Wahl htte treffen knnen.

Auf den Terrassen, die von einer Seite den obern Stock umgeben, spielen
herrliche Wasserknste. -- Die Wnde der Corridore und Vorsle sind mit
herrlichen Fresken bemalt, nach Art derjenigen, die man in Pompeji bei
Neapel sieht. Die Zimmer selbst sind mit vortrefflichen Kupferstichen,
Oelgemlden und andern Kunstschtzen geschmckt. Ueberall herrscht die
grte Pracht und Herrlichkeit.

Unweit von diesem Schlchen steht ein schner chinesischer Chiosk, mit
kunstvoll gearbeiteten Figuren, die aber leider grtentheils verstmmelt
und arg beschdiget sind.

Alle diese drei kniglichen Schlsser liegen in schnen Parken, die aber
derart zusammenhngen, da man sie fr _einen_ halten knnte. Diese Parke
bestehen aus schnen Wald- und Wiesen-Partieen, durch welche sich die
schattenreichsten Fahr- und Gehwege schlngeln; -- an Blumenpartieen kmmt
man nur selten vorber.

Nachdem ich Alles mit Mue betrachtet hatte, kehrte ich wieder zu dem
Schlosse Sanssouci zurck, um da die berhmten Wasserknste spielen zu
sehen. Sie spielen wchentlich zweimal, Dienstag und Freitag, von Mittag
bis Abend. -- Die Strahlen, welche den beiden vor dem Schlosse liegenden
Wasserbecken entsteigen, sind so mchtig, und steigen mit solcher Kraft in
die Hhe, da man staunend das wunderbare Kunstwerk betrachtet. Es ist
ein wahres Vergngen, in der Nhe dieser Becken zu sein, wenn die Sonne in
ihrer vollen Pracht leuchtet, und in den Staubregen der halb aufgelsten
Wasserstrahlen die schnsten Regenbogen bildet. -- Einen zweiten schnen
Anblick gewhrt eine hohe Vase, die mit schnen Krnzen lebendiger
Blumen umwunden ist; das Wasser ergiet sich ber selbe, und bildet einen
mchtigen beweglichen Sturz, der durchsichtig und rein wie der schnste
Krystall ist. Ein schner Aufsatz, von zwei Blumenkrnzen umwunden, reicht
noch ber den Sturz hinaus. -- Unbedeutend ist eine Neptunsgrotte, von
deren Hhe sich aus einer Urne das Wasser ergiet und einige kleine Flle
ber Muschelbecken bildet.

Gerade blieb mir noch Zeit, auch den Marmorpallast zu besuchen, der auf
einer andern Seite Potsdams liegt, und von diesen Schlssern gewi eine
halbe Stunde entfernt ist.

Wenn man den Park dieses Schlosses betritt, sieht man an der linken Seite
desselben eine Reihe niedlicher Bauerhuser, die alle gleich gebaut, und
nur durch Obst-, Blumen- und Gemse-Grten getrennt sind. -- Der Pallast
selbst liegt so ziemlich am Ende des Parkes, an einem niedlichen See, den
der Flu _Havel_ bildet. -- Er trgt den Namen _Marmorpallast_ zwar nicht
ganz mit Unrecht, aber doch mit etwas Anmaung, wenn man ihn mit den
Marmorpallsten zu Venedig oder mit den Marmor-Moscheen zu Constantinopel
vergleicht.

Die Wnde des Gebudes sind von Ziegeln aufgefhrt, welche in ihrer
Naturfarbe gelassen wurden. Die untere und obere Einfassung derselben
besteht aus Marmorplatten, ebenso die Fenstergesimse und die breiten
Portale. Theilweise luft um das Schlo eine Gallerie, welche auf
Marmorsulen ruht. -- Die Treppen sind von schnem weien Marmor, und
manche der Gemcher sind mit dieser Steinart ausgelegt. -- Im Innern ist
der Luxus nicht so bedeutend, wie in den andern Potsdamer Schlssern.

Dieser Pallast machte den Schlu alles Schnen und Merkwrdigen, was ich
in Potsdam und berhaupt in der Umgebung Berlins gesehen; denn schon am
folgenden Tage setzte ich meine Rckreise nach Wien fort.

Schlielich mu ich noch einer in Berlin bestehenden Einrichtung erwhnen,
welche besonders fr die Fremden sehr zweckmig ist ---- die Taxe fr die
Droschkenfahrten. Man darf nicht erst handeln, sondern setzt sich in den
Wagen, gibt dem Kutscher den Ort an, wohin man zu fahren wnscht, und zahlt
dafr 5 Groschen. Dieser mige Preis gilt fr die Stadt, die wirklich sehr
ausgedehnt ist. -- Auch an den Eisenbahnen findet man stets eine Unzahl
solcher Droschken, die einen um diese _kleine_ Bezahlung nach jedem
Gasthofe, wenn er auch noch so weit vom Bahnhofe entfernt liegt, fahren. --
Wren doch die Wiener Fiaker auch so leicht zu befriedigen!!--


  1.Oktober.

Ich fuhr auf der Eisenbahn ber Leipzig nach Dresden, bestieg noch
denselben Tag Abends 8Uhr den Eilwagen, der in 18 Stunden Prag erreichte.

Von den reizenden Partieen und Aussichten des Nollendorfer Berges genossen
wir nichts, da es noch Nacht war, als wir ihn passirten. -- Des Morgens
sahen wir zwei schne Denkmler, deren eines, eine 54 Fu hohe Pyramide,
dem Andenken des Feldzeugmeisters Grafen _Kolloredo_, das andere dem
Andenken der russischen Truppen errichtet wurde. Beide entstanden nach den
napoleonischen Kriegen.

Nun ging es fort durch reizende Gegenden nach dem berhmten Badeorte
_Teplitz_, das auer seinen heien Gesundheitsquellen noch die groartigste
Umgebung besitzt, und so ausgerstet gewi mit jedem Badeorte in die
Schranken treten darf.

Auf der fortgesetzten Route sieht man einen isolirt stehenden Basaltfelsen,
_Boren_, der die Aufmerksamkeit des Fremden schon von ferne auf sich
zieht, und gewi nicht nur als Naturschnheit, sondern auch als
Naturmerkwrdigkeit der Mhe werth wre, genauer besehen zu werden. -- Wir
konnten die nicht, wir eilten fort nach Prag, um noch vor 6Uhr Abends
einzutreffen, und den Eisenbahn-Train, der um diese Stunde nach Wien
abgeht, nicht zu versumen.

Wer malt sich unsern Schrecken, als wir an die Stadtthore Prags kamen, uns
da die Psse abgenommen und nicht wieder zurckgegeben wurden. -- Vergebens
wiesen wir auf das Visa von _Peterswalde_ -- dem Grenzorte -- hin;
vergebens bedeuteten wir unsere Eile. -- Man war so hflich uns ganz kurz
mit den Worten zu expediren: Das geht uns nichts an, morgen knnen Sie
Ihre Papiere auf der Polizei-Direction holen lassen. -- Hiermit waren wir
abgefertiget und verloren 24 Stunden.

Ich mu doch eines kleinen Scherzes erwhnen der mir auf dieser Fahrt von
Dresden nach Prag begegnete. -- In dem Eilwagen saen auer mir noch eine
Frau und zwei Herren. Die Frau hatte zuflliger Weise mein Reisetagebuch
nach Palstina gelesen, und fragte mich, als sie meinen Namen erfuhr, ob
ich jene gereiste Frau sei. Nachdem ich mich dazu bekannt hatte, drehte
sich unser Gesprch viel sowohl um jene, als auch um meine jetzige Reise.
Einer der beiden Herren, Herr _Katze_, war sehr gebildet, und wute
trefflich ber Lnder, Vlkerkunde und andere wissenschaftliche Gegenstnde
zu sprechen. Auch dem andern Herrn mochte es nicht an vollkommener Bildung
fehlen, nur machte er wenig Gebrauch davon. -- HerrK. blieb in Teplitz
zurck, und der Ungenannte fuhr mit mir bis nach Wien. Da fragte er mich
einst: Nicht wahr, HerrK. hat Sie ersucht, seiner in Ihrem knftigen
Reisejournal mit Namen zu gedenken? Wenn Sie mir versprechen dasselbe zu
thun, so sage ich Ihnen auch meinen Namen. -- Ich konnte mich des Lchelns
kaum enthalten, und versicherte ihn, da HerrnK. so etwas gewi nie in
den Sinn gekommen wre, -- auch bte ich ihn, damit er sehe, da wir arme
Frauen mit Unrecht als neugierig gescholten werden, mir seinen Namen zu
verschweigen. -- Der gute Mann konnte es aber nicht, und ehe wir schieden,
nannte er sich mir: Nikolaus B.... -- Ich will aber doch lieber seinen
Namen verschweigen, und zwar aus zwei Grnden: Erstens, weil ich ihm nicht
versprochen habe, ihn zu nennen, und zweitens, weil ich gewi nicht glaube,
ihm dadurch eine Artigkeit erweisen zu knnen.

Die Eisenbahn von Prag nach Wien geht ber Olmtz, und macht einen so
bedeutenden Umweg, da die Entfernung jetzt 66 Meilen betrgt. -- Die
Einrichtung der Eisenbahn selbst lt noch Manches zu wnschen brig.

Als ich fuhr, war noch nirgends ein Gasthof errichtet, und man mute sich
whrend der ganzen Reise mit Obst, Bier, Butterbrod u.dgl. begngen. Und
selbst diese Gegenstnde waren schwer zu bekommen, da man es nicht wagen
konnte aus dem Wagen zu steigen. Der Conducteur rief auf jeder Station: es
gehe gleich weiter, obwohl der Zug oft eine halbe Stunde und noch lnger
stehen blieb. Mit Gewiheit wute man es doch nicht, und so mute man mit
Geduld in dem Wagen ausharren. -- Die Conducteure waren auch nicht von dem
sanftesten Charakter -- eine Sache, die ich beinahe dem Clima zuschreiben
mchte; denn schon als wir von der schsischen Grenze an die Grenze des
sterreichischen Staates zu _Peterswalde_ kamen, empfing uns der Herr
Controllor eben nicht am freundlichsten. Wir boten ihm zweimal einen
guten Abend; er schien es zu berhren und forderte in ziemlich lautem und
barschem Tone unsere Papiere; wahrscheinlich hielt _er uns_ so wie _wir
ihn_ fr taub. -- Auch zu _Gnserndorf_, 6 Meilen von Wien, nahm man unsere
Papiere auf sehr unfreundliche, wenig zuvorkommende Art in Empfang.

Am 4.October 1845, nach einer Abwesenheit von sechs Monaten, begrte ich
endlich wieder -- wie viele meiner Landsmnninen sagen wrden -- meinen
lieben Stephansthurm.

Viel hatte ich ausgestanden und gelitten; doch wren alle Gefahren und
Beschwerden auch noch viel rger gewesen, meine Reiselust wrde sich doch
nicht gemindert haben, mein Muth wre nicht gesunken. -- Ich ward fr Alles
reichlich entschdigt. -- Ich sah Dinge, wie sie im gewhnlichen Leben wohl
nie vorkommen; -- ich sah Menschen -- in ihrer Natrlichkeit -- wie man
sie auch nur selten trifft. -- Und vor Allem brachte ich die Erinnerung des
Geschehenen mit, welche mir ewig bleiben wird, und in welcher noch Jahre
lang die gehabten Gensse sich wiederholen werden.

Nun nehme ich Abschied von meinen lieben Lesern und Leserinen, und bitte,
vorlieb zu nehmen mit meinen einfachen Worten und meinen vielleicht
wenig ergtzlichen, aber gewi wahren Schilderungen. -- Haben sie ihnen
vielleicht doch wider mein Vermuthen einiges Vergngen gemacht, so mgen
sie dafr in ihrer Erinnerung ihrer Landsmnnin ein kleines Pltzchen
gnnen.

Zum Schlue sei es mir erlaubt, meinem Werkchen noch einen kleinen Anhang
beizufgen, der vielleicht fr manche meiner Leser nicht uninteressant sein
drfte, und zwar:

1. Ein Document, welches ich mir in Reikjavik verschaffte, und aus welchem
man die Besoldungen der knigl. dnischen Beamten, so wie auch verschiedene
andere Taxen und Gebhren ersehen kann.

2. Ein Verzeichni der islndischen Insekten, Schmetterlinge, Blumen und
Kruter, die ich sammelte und mit in meine Vaterstadt brachte.




Jahresgehalte

der kniglichen dnischen Beamten auf Island, welche sie von der
islndischen Grundbuchs-Cassa beziehen:


  Der Stiftsamtmann ber Island                2000fl. CM.
      Bureau-Spesen                             600  "   "

  Der Amtmann ber das westliche Amt           1586  "   "
      Bureau-Spesen                             400  "   "
      Hausmiethe                                200  "   "

  Der Amtmann ber das Nord- und Ostland       1286  "   "
      Bureau-Spesen                             400  "   "

  Der Bischof ber Island, der seinen
      Gehalt aus der Schul-Cassa
      erhlt, bezieht noch aus der
      Grundbuchs-Cassa                          800  "   "


        Die Mitglieder des Landesobergerichtes:

  Ein Justiziarius                             1184fl. CM.

  Erster Assessor                               890  "   "

  Zweiter Assessor                              740  "   "


  Der Landvogt auf Island                       600fl. CM.
      Bureau-Spesen                             200  "   "
      Hausmiethe                                150  "   "

  Stadtvogt in Reikjavik                        300  "   "

  Erster Polizeidiener in Reikjavik, der
      zugleich Profo ist, und dehalb
      um 50fl. mehr hat, als
      der zweite Polizeidiener                  200  "   "

  Zweiter Polizeidiener                         150  "   "

  Der Probst zu Reikjavik bezieht aus
      dieser Casse nur die Hausmiethe mit       150  "   "

  Sysselmann auf den Westmanns-Inseln           296  "   "

  Die andern Sysselmnner jeder                 230  "   "


        _Medicinal-Einrichtung und Hebammen-Wesen._

  Landphysikus                                  900fl. CM.
      Hausmiethe                                150  "   "

  Apotheker zu Reikjavik                        185  "   "
      Hausmiethe                                150  "   "

  Der zweite Apotheker zu Sikkisholm             90  "   "

  Die sechs Chirurgen im Lande, jeder           300  "   "
      Hausmiethe die Einen                       30  "   "
           "     die Andern                      25  "   "

  Ein practizirender Arzt auf dem
      Nordlande                                 100  "   "

  Reikjavik hat zwei Hebammen, jede
      erhlt                                     50  "   "

  Die andern Hebammen im Lande,
      deren Zahl sich auf dreiig
      beluft, erhlt jede                      100  "   "

  Diese Hebammen werden von dem Landphysikus unterrichtet und examinirt,
  und dieser hat jhrlich die Gelder unter sie zu vertheilen.


  Organist zu Reikjavik                         100fl. CM.


        Aus der Casse der Hochschule erhlt:

  Der Bischof                                  1200fl. CM.

        Die Lehrer an der Hochschule:

  Der Lector der Theologie                      800  "   "

  Der erste Adjunct, nebst der Wohnung,
      Gehalt                                    500  "   "

  Der zweite Adjunct                            500  "   "
      Hausmiethe                                 50  "   "

  Der dritte Adjunct                            500  "   "
      Hausmiethe                                 50  "   "

  Der Oeconom an der Schule                     117  "   "




Verzeichni

der auf Island gesammelten wirbellosen Thiere

(=Animalia evertebrata Cuv.=).


=I. Crustacea.= Krebse.

  =Pagurus Bernhardus. Linn.=


=II. Insecta.= Insecten.

  ~=a) Coleoptera.=~ Kfer.

    =Nebria rubripes. Dejean.= Rothfiger Damm-Kfer.

    =Patrobus hyperboreus.= Polar-Lauf-Kfer.

    =Calathus melanocephalus. Fabr.= Schwarzkpfiger Kreisel-Kfer.

    =Notiophilus aquaticus.= Wasser-Sumpf-Kfer.

    =Amara vulgaris.= Duftsihm. Gemeiner Bitter-Kfer.

    =Ptinus fur. Linn.= Ruberischer Bohrholz-Kfer.

    =Aphodius Lapponum. Schh.= Lapplndischer Koth-Kfer.

    =Otiorhynchus laevigatus. Dhl.= Glatter Holz-Rssel-Kfer.

    =Ot..... Pinastri Fabr.= Fichten-Holz-Rssel-Kfer.

    =Ot..... ovatus Fabr.= Eifrmiger    "        "

    =Staphylinus maxillosus.= Gezhnter Kurz-Kfer.

    =Byrrhus pillula.= Pillenartiger Fugen-Kfer.


  ~=b) Neuroptera.=~ Netzflgler.

    =Limnophilus Lineola, Schrank.= Gestreifte Thau-Fliege.


  ~=c) Hymenoptera.=~ Aderflgler.

    =Pimpla instigator.= Gravh. Nrdliche Schlupf-Wespe.

    =Bombus subterraneus. Linn.= Unterirdische Hummel.


  ~=d) Lepidoptera.=~ Falter.

    =Geometra russata. Hb.= Brunlicher Sponner.

    =Geom. alchemillata.= Frauenmantel-Sponner.

    =Geom. spec. nov.= Unbestimmte neue Sponner-Art.


  ~=e) Diptera.=~ Zweiflgler.

    =Tipula lunata. Meig.= Wollige Schnacke.

    =Scatophaga stercoraria.= Gemeine Dung-Fliege.

    =Musca vomitoria.= Brech-Fliege.

    =Musca mortuorum.= Leichen-Fliege.

    =Helomyza serrata.= Gesgte Helomize.

    =Lecogaster islandicus Scheff.=[10]

    =Anthomyia decolor Fallin.= Zweifrbige Anthomye.


=III. Mollusea.= Weichthiere.

  =Littorina (Turbo Linn.) obtusata Ferus.= Stumpfe Uferschnecke.


  [10]: Herr J. Scheffer in Mdling nchst Wien entwirft von diesem
  neuen Zweiflgler, welcher zur Familie der Muscidae gehrt und mit der
  Gattung Borborus zunchst verwandt ist, folgenden Charakter:

  =_Antennae_ deflexae, breves, triarticulatae, articulo ultimo phaerico;
        seda nuda.=
  =_Hypoctoma_ subprominulum, fronte lata, setosa.=
  =_Oculi_ rotundi, remoti.=
  =_Abdomen_ quinque annulatum, dorso nudo=.
  =_Tarsi_, simplices.=
  =_Alae_, incumbentes, abdomine longiores, nervo primo simplici.=

    =_Lecogaster islandicus._=

  =Niger, abdomine nitido, antennis pedibusque rufopiceis.=




Uebersicht

von islndischen Pflanzen, gesammelt von Frau Ida Pfeiffer im Sommer des
Jahres 1845.


=Felices.=

  =Cystopteris fragilis.= Bernh. Zerbrechlicher Blasenfarren.


=Equisetaceae.=

  =Equisetum Teltamega.= Ehr. Weier Schachtelnhalm.


=Gramineae.=

  =Festuca uniglumis.= B. Einspelziger Schwingel.


=Cyperaceae.=

  =Carex filiformis.= B. Fadenfrmiges Riedgras.

  =  "   caespitosa.= B. Rasenfrmiges Riedgras.

  =Eriophorum caespitosum.= B.


=Juncaceae.=

  =Luzula spicata.= D. C. Aehrenartige Binse.

  =  "    campestris.= D. C. Feld-Binse.


=Salicineae.=

  =Salix polaris.= Wahl. Polar-Weide.


=Polygoneae.=

  =Rumex arifolius.= Ehr. Arumblttriger Sauerampfer.

  =Oxyria reniformes.= R. Br. Alpen-Oxyrie.


=Plumbagineae.=

  =Armeria alpina.= W. Alpengras-Nelke. (In den inneren hheren
  Gegenden.)


=Compositae.=

  =Chrysanthemum maritimum.= S. Seestrands-Gnseblmchen. (Am
  Meeresstrande, hufig auch auf feuchten Wiesen.)

  =Hieracium alpinum.= B. Alpenhabichtskraut. (Auf grasichten
  Niederungen.)

  =Taraxacum alpinum.= D. C. Alpen-Lwenzahn.

  =Erigeron uniflorum.= B. Einblthiges Berufungskraut. (Westlich von
  Havenfiord auf Felsen.)


=Rubiaceae.=

  =Gallium pusillum.= Smith. Niederes Laabkraut.

  =   "    verum.= L. Wahres Laabkraut.


=Labiatae.=

  =Thymus serpyllum.= S. Gemeines Quendelkraut.


=Asperifoliae.=

  =Myosotis Alpestris.= Sch. Alpen-Vergimeinnicht.

  =Myosotis scorpioides.= B. Gemeines Vergimeinnicht.


=Scrophularineae.=

  =Bartsia alpina.= S. Alpen-Barthie. (In den inneren nordwestlichen
  Thlern.)

  =Rhinanthus alpestris.= Waldst. Alpen-Hahnenkamm.


=Utricularieae.=

  =Pinguicula alpina.= B. Alpen-Fettkraut.

  =    "      vulgaris.= Gemeines Fettkraut.


=Umbelliferae.=

=Archangelica officinalis.= B. Aechte Engelwurz. (Havenfiord.)


=Saxifrageae.=

  =Saxifraga caespitosa.= B. Rasen-Steinbrech (Die cht Linnische
  Pflanze. Um den Hekla auf Felsen.)


=Ranunculaceae.=

  =Ranunculus auricomus.= B. Gold-Ranunkel.

  =     "     nivalis.= B. Schnee-Ranunkel.

  =Thalictrum alpinum.= B. (Um Reikjavik zwischen Lavastcken wachsend.)

  =Caltha palustris.= B. Sumpf-Dotterblume.


=Cruciferae.=

  =Draba verna.= B. Gewhnliches Hungerblmchen.

  =Cardamine pratensis.= B. Wiesen-Schaumkraut.


=Violariceae.=

  =Viola hirta.= B. Rauhes Veilchen.


=Caryophylleae.=

  =Sagina stricta.= Fries. Steifes Mostkraut.

  =Cerastium semidecandrum.= B. Fnffdiges Hornkraut.

  =Lepigonum rubrum.= Fries. Rothes Sandkraut.

  =Silene maritima.= L. Seestrands-Silene.

  =Lychnis alpina.= L. Alpen-Pechnelke. (Auf Bergwiesen um Reikjavik.)


=Empetreae.=

  =Empetrum nigrum.= B. Schwarze Rauschbeere.


=Geraniaceae.=

  =Geranium sylvaticum.= Waldstorchschnabel. (Am See Thingvalla in
  Gruben.)


=Troseraceae.=

  =Parnassia palustris.= S. Sumpf-Parnaie.


=Oenothereae.=

  =Epilobium latifolium.= B. Breitblttriger Schattenweiderich. (Am Fue
  des Hekla in Felsenspalten.)

  =Epilobium alpinum.= Alpen-Schottenweiderich. (Westlich von Havenfiord
  im Reikerthal.)


=Rosaceae.=

  =Rubus arcticus.= L. Arktische Himbeere.

  =Potentilla anserina.= B. Gnse-Fnffingerkraut.

  =Potentilla grnlandica.= B. Grnlndisches Fnffingerkraut. (Um
  Kalmannstunga und Kollismola auf Felsen.)

  =Alchemilla montana.= B. Berg-Frauenmantel.

  =Sanguisorba officinalis.= B. Gemeiner Wiesenknopf.

  =Geum rivale.= Quellen-Bergwurz.

  =Dryas octopetala.= B. Achtblttrige Dryade. (Um Havenfiord.)


=Papilionaceae.=

  =Trifolium repens.= B. Kriechender Klee.




[Hinweise zur Transkription


Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt.

Der Text des Originalbuches wurde grundstzlich beibehalten, mit folgenden
Ausnahmen:

  der Halbtitel wurde entfernt;

  das Inhaltsverzeichnis wurde vom Buchende an den Textbeginn verschoben;

  "Ui" als Umlaut wurde generell in "Ue" gendert;

  im Inhaltsverzeichnis:
  "dnichen" gendert in "dnischen"
  (Jahresgehalte der kn. dnischen Beamten auf Island)

  Seite 13:
  "uud" gendert in "und"
  (30 Fu hoch gehen, und das Aufsteigen whrte nie)

  Seite 36:
  "hauptchlich" gendert in "hauptschlich"
  (hauptschlich um dort fr mich mit einem Fhrer nach dem Hekla)

  Seite 39:
  "." eingefgt
  (mir viel Glck zur morgigen beschwerlichen Reise wnschend.)

  Seite 63:
  "." eingefgt
  (seinen Hafen zu erreichen.)

  Seite 84:
  "." eingefgt
  (und langte glcklich in der Tiefe an.)

  Seite 112:
  "ordentllich" gendert in "ordentlich"
  (da mir dabei ordentlich angst wurde)

  Seite 122:
  "Elb" "Elf"
  (An der Stadt fliet der Strom _Storri Elf_)

  Seite 155:
  "," eingefgt
  (Den herrlichen Wenner-See, 10-12 Meilen lang)

  Seite 162:
  "." eingefgt
  (vor dem See _Roxen_ erhebt. Pltzlich erschliet sich)

  Seite 176:
  "nm" gendert in "um"
  (Schon um 6Uhr sa ich im Theater)

  Seite 180:
  "Da" gendert in "Das"
  (Das Schlchen selbst ist so auerordentlich klein)

  Seite 196:
  "Upsula" gendert in "Upsala"
  (Ungefhr eine halbe Meile hinter Upsala liegt)

  Seite 205:
  "Alt-Upsula" gendert in "Alt-Upsala"
  (Die groe Ebene, auf welcher Neu- und Alt-Upsala liegen)

  Seite 207:
  "." eingefgt
  (in den Theil des Mlarsees ein, an welchem sie liegt.)

  Seite 208:
  "ertrageu" gendert in "ertragen"
  (an Niemanden wenden, und mu Alles geduldig ertragen.)

  Seite 209:
  "Mittagkost" gendert in "Mittagskost"
  (so viel bezahlen, wie fr die ganze Mittagskost)

  Seite 210:
  "Stdchen" gendert in "Stdtchen"
  (liegt das Stdtchen _Wachsholm_, und diesem gegenber)

  Seite 217:
  "Trottroir" gendert in "Trottoir"
  (das Trottoir daneben ist so schn und eben)

  Seite 219:
  "Banernhuser" gendert in "Bauernhuser"
  (Die Bauernhuser sind hier sehr gro und ausgedehnt)

  Seite 239:
  "nocht" gendert in "noch"
  (die Hauptkirche, die zwar noch nicht vollendet ist)

  Seite 240:
  "Slosses" gendert in "Schlosses"
  (In das Innere des Schlosses konnte ich nicht)

  Seite 243:
  "Blummenpartieen" gendert in "Blumenpartieen"
  (an Blumenpartieen kmmt man nur selten vorber)

  Seite 256:
  "Bohholz-Kfer" gendert in "Bohrholz-Kfer"
  (Ruberischer Bohrholz-Kfer)]






End of the Project Gutenberg EBook of Reise nach dem skandinavischen Norden
und der Insel Island im Jahre 1845. Zweiter Band., by Ida Pfeiffer

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK REISE NACH DEM SKANDINAVISCHEN NORDEN ***

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the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.

1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
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to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
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License terms from this work, or any files containing a part of this
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electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
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1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
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     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
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     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
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     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

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written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
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providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation information page at www.gutenberg.org


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at 809
North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887.  Email
contact links and up to date contact information can be found at the
Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org

Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit:  www.gutenberg.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For forty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.

