The Project Gutenberg EBook of Die Sebalduskirche in Nrnberg, by 
Wilhelm Friedrich Hoffmann

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Title: Die Sebalduskirche in Nrnberg

Author: Wilhelm Friedrich Hoffmann

Release Date: October 3, 2015 [EBook #50120]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE SEBALDUSKIRCHE IN NRNBERG ***




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[Illustration: TAFEL I. Ansicht des Ostchores.]




                     DIE SEBALDUSKIRCHE IN NRNBERG

                         IHRE BAUGESCHICHTE UND
                           IHRE KUNSTDENKMALE

                                   VON

                       FRIEDRICH WILHELM HOFFMANN

                      BERARBEITET UND ERGNZT VON

                 TH. HAMPE, E. MUMMENHOFF, JOS. SCHMITZ

            MIT 15 TAFELN, ZUM TEIL NACH DEN UNTER PROFESSOR
             DR. v. HAUBERRISSER GEFERTIGTEN PLANZEICHNUNGEN
                       UND 144 ABBILDUNGEN IM TEXT

           MIT UNTERSTTZUNG                   HERAUSGEGEBEN
                  DER                          VOM VEREIN FR
             STADTGEMEINDE                     GESCHICHTE DER
               NRNBERG                        STADT NRNBERG

                                  WIEN
                      VERLAG VON GERLACH & WIEDLING
                                  1912

                   DRUCK VON FRIEDRICH JASPER IN WIEN.




                                Vorwort.


Im Frhjahr 1897 fate der Ausschu des Vereines fr Geschichte der
Stadt Nrnberg auf Anregung seines Vorstandes den wichtigen Beschlu,
aus Anla des herannahenden Abschlusses des groen Unternehmens der
Wiederinstandsetzung der St. Sebaldkirche in Nrnberg eine umfassende,
reich illustrierte Geschichte dieses herrlichen Bauwerkes gleichsam
zum Abschlu des Restaurationswerkes herauszugeben. Es sollte den
Mitgliedern des Vereines und allen Freunden Nrnberger Kunst und
Geschichte in Wort und Bild die Entstehung und Entwicklung des
ehrwrdigen Gotteshauses mit seinen zahllosen Kunstschtzen eingehend
geschildert und ein zuverlssiger Bericht ber seine Wiedererneuerung
durch die lebende Generation gegeben werden, so wie zehn Jahre vorher
der Verein aus Anla des teilweisen Umbaues und der Erweiterung des
Nrnberger Rathauses durch den unvergelichen August v. Essenwein und
seinen getreuen Mitarbeiter, den stdtischen Architekten und jetzigen
Baurat Heinrich Wallraff, eine reich illustrierte, vom Stadtarchivar
Ernst Mummenhoff verfate Geschichte des wichtigsten Profanbauwerkes der
Stadt, des Rathauses, mit finanzieller Untersttzung der stdtischen
Kollegien herausgegeben hatte. Gleichwie diese schne Publikation dem
Verein allenthalben Ehre und Anerkennung eingetragen hatte, hoffte
der Ausschu sich ein Verdienst zu erwerben, wenn er auch das groe
Unternehmen der Restauration der St. Sebaldkirche nicht unbeachtet
vorbergehen lassen, sondern nach besten Krften zum Ruhme der um
sie am meisten verdienten Mnner, des vortrefflichen Kirchenrates
Friedrich Michahelles und der Restauratoren Prof. Georg v. Hauberrisser
und Professor Joseph Schmitz, beitragen wrde. In der Tat fand auch
dieser Gedanke berall Anklang. Aber niemand ahnte damals, welchen
Schwierigkeiten seine Durchfhrung begegnen und wie viel Zeit vergehen
wrde, bis diese Geschichte der St. Sebaldkirche das Licht der Welt
erblicken wrde.

Wohl wissend, da seine eigenen Krfte zur Durchfhrung eines so groen
Unternehmens nicht ausreichen wrden, bemhte sich der Verein vor allem,
sich auch in diesem Falle des Einverstndnisses und der materiellen
Untersttzung der stdtischen Kollegien zu versichern. Bereitwillig
und in dankenswerter Liberalitt wurde der Bitte des Vereines von
seiten der stdtischen Kollegien entsprochen. Im Oktober 1897 wurde
dem Vorstand die erfreuliche Mitteilung, da die stdtischen Kollegien
beschlossen htten, dem Verein zur Herausgabe eines illustrierten
Prachtwerks ber die St. Sebaldkirche fr jedes der Jahre 1898, 1899 und
1900 einen Zuschu von 1500 Mark aus der Stadtkasse unter bestimmten
Voraussetzungen zu bewilligen.

Eine zur Bearbeitung des Textes geeignete wissenschaftliche Kraft wurde
in der Person eines jngeren Kunsthistorikers gewonnen, der, frei ber
seine Zeit verfgend, seine ganze Kraft der Aufgabe widmen konnte, des
Dr. Friedrich Hoffmann in Mnchen. Nach dem mit ihm abgeschlossenen
Vertrage sollte das Werk nach drei Jahren im Manuskript druckfertig
vorliegen.

Allein durch eine ganze Reihe widriger, hier nicht nher zu errternder
Umstnde wurde die programmige Fertigstellung des Werkes um Jahre
verzgert. Besonders hinderlich stand der Frderung der Arbeit
entgegen, da Dr. =Hoffmann= nicht, wie man doch htte erwarten mssen,
seinen Wohnsitz in Nrnberg nahm, wo er in bestndiger Fhlung mit
dem Bauwerke selbst und dem bauleitendem Architekten sowie unter der
Aufsicht der niedergesetzten Kommission viel eher seine Aufgabe htte
bewltigen knnen, sondern in Mnchen blieb. Ein weiteres Haupthindernis
eines rstigen Fortschreitens der Arbeit war die Annahme einer
Assistentenstelle am bayrischen Nationalmuseum durch Dr. =Hoffmann= im
Jahre 1898, infolgedessen er nur einen verhltnismig geringen Teil
seiner Zeit und Kraft auf die bernommene umfassende Aufgabe verwenden
konnte.

Da die Fortfhrung der Arbeit nach und nach immer mehr ins Stocken
geriet und schlielich sogar das Erscheinen des Werkes in Frage gestellt
wurde, sah sich der Vereinsausschu gezwungen, von dem ihm vertraglich
eingerumten Rechte, die Vollendung des Werkes selbst in die Hand
zu nehmen, Gebrauch zu machen, und bertrug im September 1909 die
Durchfhrung der erforderlichen Abnderungs- und Ergnzungsarbeiten
einer aus den Herren Direktor Dr. =Hampe=, Archivrat Dr. =Mummenhoff=
und Professor =Schmitz= bestehenden Subkommission, die schon seither
die Arbeit vom kunsthistorischen, historischen und architektonischen
Standpunkte aus einer eingehenden und sorgfltigen Prfung unterzogen
hatte.

Das Werk wurde jetzt nochmals durchgeprft, und es war dann keine
geringe Arbeit und Mhe, welche die Abnderung des Textes, die
Ausmerzung der Irrtmer und Mngel, die teilweise vllige Umgestaltung
ganzer Partien und die mannigfachen Ergnzungen, zumal des Inventars,
welch letztere schwierige und zeitraubende Arbeit die Herren Direktor
=Hampe= und Professor =Schmitz= ausschlielich auf sich nahmen, endlich
die gnzliche Umarbeitung des Urkunden- und Regestenteiles erforderten.
Gern wren die berarbeiter in den nderungen und Ergnzungen noch
weiter gegangen, aber sie hielten sich dazu nur im uersten Notfall
fr berechtigt und wollten noch tiefere Eingriffe in die Arbeit des
eigentlichen Verfassers vermeiden. Vor allem auch muten sie auf die
Beibringung weiteren Quellenmateriales verzichten, und so wird sich
denn in Zukunft noch so manches zur Geschichte der Sebalduskirche
beischaffen lassen, das der Verfasser nicht gebracht hat. Aber alles zu
geben, was oft in ganz versteckten Quellen ruht, ist wohl ein Ding der
Unmglichkeit, zumal bei einem Werke, das auf Jahrhunderte zurckgeht.

Trotz so vieler Hindernisse, die sich dem Werke in den Weg stellten,
und trotz aller Widrigkeiten, die oft alle Hoffnung auf das endliche
Zustandekommen schwinden lieen, liegt es nun doch, wenn auch erst nach
jahrelanger Verzgerung, in einer Gestalt vor, die hohen Anforderungen
gengen drfte. Auch hier darf man wohl sagen, wenn man das Werk und
seine schne, ja glnzende Ausstattung durch die bewhrte Firma Gerlach
& Wiedling ins Auge fat: Ende gut, alles gut!

Freuen wir uns deshalb, da es dem opferwilligen Zusammenwirken einer
Reihe von berufenen Krften endlich gelungen ist, ein der herrlichen
St. Sebaldkirche wrdiges Buch zustande zu bringen.

In Dankbarkeit sei zunchst der stdtischen Kollegien gedacht, die
durch Gewhrung einer bedeutenden finanziellen Untersttzung erst
das Zustandekommen des Werkes ermglichten. Besonderer Dank gebhrt
ferner dem ersten Direktor am Germanischen Museum, Herrn Dr. v.
=Bezold=, der als Vertreter der Kommission zunchst dem Bearbeiter
als sachverstndiger Berater beigegeben war, in welcher Funktion er
dann durch den damaligen Konservator am Germanischen Museum und
nunmehrigen Direktor des Bayrischen Nationalmuseums in Mnchen,
Herrn Dr. =Stegmann=, in dankenswerter Weise abgelst wurde, ferner
den Verwaltungen der Archive, Bibliotheken und Anstalten, welche
bereitwilligst dem Bearbeiter die einschlgigen Materialien zur
Verfgung stellten, und nicht minder der Verwaltung des vereinigten
protestantischen Kirchenvermgens wie dem kgl. Pfarramt St. Sebald,
welche vielen und oft einschneidenden Wnschen des Vereines, wie z. B.
der Bitte um Gestattung von Nachgrabungen in der Kirche, unbedenklich
Rechnung trugen und so das Unternehmen ganz wesentlich frderten,
endlich all den Gnnern, die durch ihre freiwilligen Beitrge die Kosten
der Aufgrabungen deckten. Prof. Dr. Georg Ritter v. =Hauberrisser= in
Mnchen hat sich das besondere Verdienst erworben, da er die whrend
der Restaurierung gefertigten Plne und Werkzeichnungen zur Verfgung
stellte, um ihre Vervielfltigung fr das Buch zu ermglichen. Prof.
Jos. =Schmitz= hat dem Werke in allen Stadien seines Entstehens sein
tatkrftiges Interesse zugewandt, die so wichtigen Ausgrabungen
geleitet, den Bearbeiter vielfach beraten und auf die Auswahl und
Vervielfltigungsart der Illustrationen Einflu gebt.

Dem Verein fr Geschichte der Stadt Nrnberg ist es endlich auch
gelungen, in der Firma =Gerlach & Wiedling=, Buch-, Kunst- und
Musikalienverlag in Wien, Verleger zu finden, die bereit waren, dem
Druck und der knstlerischen Ausstattung des Werkes diejenige Sorgfalt
angedeihen zu lassen, die ihren lngst anerkannten Ruf begrndet hat.

Noch eines Mannes mssen wir in Wehmut gedenken, der viele Jahre
hindurch dem Werke seine Kraft und Frsorge widmete und dessen
unermdlicher Beharrlichkeit und nie nachlassender Geduld es gelang,
dasselbe, wenn es ins Stocken geraten, wieder flott zu machen, und
der, als gar sein Erscheinen in Frage gestellt war, als ein bewhrter
Steuermann doch alles wieder zum Besten lenkte, des langjhrigen ersten
Vorstandes des Vereines Dr. Georg Freiherrn v. =Kre=. Leider sehen
seine Augen das vollendete Werk nicht mehr, um dessen Zustandekommen er
sich so groe Verdienste erworben hat. Wir aber mssen es immer wieder
rckhaltslos anerkennen, da er, hier wie sonst, um alles und jedes
besorgt und bemht, seine ganze Kraft einsetzte, um dem Vereine zu
dienen und das gesteckte Ziel zu erreichen.

So mge denn das Buch hinausgehen und nicht nur den Ruhm der
kunstsinnigen Vorfahren verknden, die einst die Vaterstadt mit dem
herrlichen Bauwerk der St. Sebaldkirche schmckten, sondern auch den des
lebenden Geschlechtes, das den Mut besa, rechtzeitig seinem Verfall
Einhalt zu tun und den Nachkommen den Besitz der hohen ethischen,
kulturellen und knstlerischen Werte, die das ehrwrdige Baudenkmal
darstellt und umschliet, auf Jahrhunderte hinaus zu sichern.

     =Nrnberg=, im Januar 1912.
                                                 $Dr. Ernst Mummenhoff$,
                                                    1. Vorsitzender.




                           Inhaltsverzeichnis.


                                                                   Seite
  Einleitung                                                          11

    I. Der romanische Bau, etwa 1225-1273                             13

   II. Die gotische Bauperiode                                        39
       1. Die Erweiterung der Seitenschiffe und die Umbauten am
          Querschiff und Westchor. 1309-1361                          39
       2. Der Ostchor. 1361-1379                                      48
       3. Der Umbau der Trme. 1345, 1481-1484, 1489, 1490            67

  III. Die Restaurierungen der Kirche                                 75
       1. Die Restaurierungen der Kirche bis zur Neuzeit              75
       2. Das Restaurierungswerk der Neuzeit. 1888-1906               79
       3. Bericht der Bauleitung ber die Wiederherstellung des
          uern. 1888-1904                                           85
       4. Bericht der Bauleitung ber die Instandsetzung des
          Innern. 1903-1906                                          104
       5. Nachtrag vom 15. Januar 1912                               127

   IV. Das Inventar der Kirche                                       129
       1. Altre und Kanzel                                          129
       2. Die Plastik                                                138
          A. Die Plastik am Auenbau                                 140
          B. Die Plastik im Innern                                   153
       3. Die Gemlde                                                168
       4. Die Glasgemlde                                            177
       5. Gedenktafeln, Totenschilder, Stuhlwerk, Orgeln und Glocken 187
       6. Altargerte, Wandteppiche, Paramente                       196
       7. Sammlung alter Skulpturen- und Baureste. -- Bchersammlung 206

  Urkundliche Beilagen                                               213

  Anmerkungen                                                        226

  Chronologische bersicht                                           234

  Verzeichnis der Abbildungen                                        243

  Verzeichnis der Personen, Orte und wichtigsten Sachen              246




                               Einleitung.


An Stelle der jetzigen Pfarrkirche St. Sebald in Nrnberg stand
ursprnglich eine Kapelle, dem hl. Petrus geweiht. Ein urkundlicher
Beleg kann hierfr nicht beigebracht werden, allein die lteren
Chroniken berichten hiervon in bereinstimmender Weise und andererseits
spricht fr die Wahrheit jener Behauptung der Umstand, da der Bau
von St. Sebald erst dem 13. Jahrhundert seine Entstehung verdankt,
whrend Nrnberg schon zu Beginn des 12. Jahrhunderts den Rang einer
Stadt besa, und da man in der spteren Pfarrkirche zur Aufnahme von
Reliquien des hl. Petrus und zum Zweck seiner besonderen Verehrung durch
Anlage eines eigenen Westchors einen entsprechenden Raum schuf. Denn so
jung auch Nrnberg im Verhltnis zu anderen hervorragenden deutschen
Stdten des Mittelalters war, in der zweiten Hlfte des 11. Jahrhunderts
war es schon ein ansehnlicher Ort; hatte doch der frnkische Kaiser
Heinrich III. (1039-1056)[1] -- wenn auch nur vorbergehend -- den Markt
von Frth dorthin verlegt und er sowie sein Nachfolger Nrnberg mehrmals
zum Aufenthalt erwhlt. Selbstverstndlich besa die Gemeinde in jener
Zeit zur Befriedigung ihrer religisen Bedrfnisse ein Gotteshaus.
Dieses Gotteshaus war aller Wahrscheinlichkeit nach nur eine Kapelle;
von einem greren Kirchenbau wrden in Gestalt von Mauerresten oder
handschriftlichen Nachrichten noch Zeugen zu finden sein. Aber auch
nicht zu klein wird man sich jene Kapelle vorstellen drfen. Trotz der
raschen Entwicklung Nrnbergs und der starken Zunahme seiner Bevlkerung
im Laufe des 12. Jahrhunderts hatte die Kapelle gengt. Obschon nun die
hohe Verehrung des hl. Sebald in Nrnberg uns bereits fr den Beginn der
siebziger Jahre des 11. Jahrhunderts bezeugt ist, verstrich doch noch
ber ein Jahrhundert, bis man zur Erbauung eines ihm besonders geweihten
Gotteshauses schritt. Die alte Kapelle blieb dem hl. Petrus zubenannt.

Von dem Aussehen der Kapelle ist nichts bekannt. Auch nichts von
der Zeit ihrer Grndung. Auffllig will aber der Name des Heiligen
erscheinen, dem sie geweiht war; er kann vielleicht ber die Zeit der
Erbauung Aufschlu geben. Wie eben erwhnt, fanden Reliquien des
hl. Petrus auch in der Sebalduskirche eine Unterkunftsttte, der
Westchor wurde hierzu ausersehen, und, wie im I. Kapitel dargelegt
wird, steht die doppelchrige Anlage von St. Sebald im engsten
Zusammenhang mit dem Bau des Bamberger Domes. Auch in Bamberg ist der
Westchor dem hl. Petrus geweiht, whrend der eigentliche Schutzpatron,
dem der Ostchor eingerumt ist, nicht Petrus, sondern Georg heit.
Dasselbe gilt beinahe von allen Kirchenbauten in Bayern und Schwaben,
welche, um das Jahr 1000 gegrndet, mit dem Dom von Bamberg in naher
Verwandtschaft stehen: den Ausgangspunkt bildet Augsburg, es folgen
St. Emmeram und Obermnster in Regensburg, von wo aus durch Vermittlung
des Kaisers Heinrich II., des ehemaligen Herzogs von Bayern, Bamberg
beeinflut worden ist. Die basilikale Anlage, bei welcher der
Schwerpunkt nach Westen verlegt ist, wird direkt auf die Petersbasilika
in Rom zurckgefhrt. Nur scheint diese Epoche der Baukunst, zu deren
wichtigen Vertretern auch Mainz (978-1009) und Worms (996-1016)
zhlen, mehr den Charakter einer Mode zu tragen als den einer fr die
Folgezeit wichtigen Entwicklungsstufe. Der Bau von Westchren oder
gar westlichen Querhusern wurde bald wieder aufgegeben und damit kam
auch sonderbarerweise die Verehrung des Schutzpatrons von Rom wieder
in Wegfall. Denselben noch nicht gengend bekannten Grnden, welchen
jene befremdliche Abart von der Tradition des Bauwesens ihre Entstehung
verdankt, wird man auch die Grndung der Kapelle St. Peter zuschreiben
drfen. Hier mu noch darauf hingewiesen werden, da die Mutterkirche
dieser Kapelle und der spteren Sebalduskirche, die Pfarrkirche zu
Poppenreuth, ebenfalls dem hl. Petrus geweiht ist.

Der Platz, auf dem die Peterskapelle stand, wird sich ungefhr mit dem
des Westchors der jetzigen Sebalduskirche gedeckt haben. Die Stelle
bedeutete nach ihrer frheren Beschaffenheit, wie sich jetzt unschwer
erkennen lt, gegenber dem stlich, sdlich und westlich angrenzenden
Gelnde eine Erhebung, welche nach Osten nur wenig, nach Sden und
Westen steiler abfiel. Nach Norden hatte die Erhebung Anschlu an den
mit der Burg bekrnten Kegel, sie bildete gleichsam den sdlichen in
das sandige und sumpfige Nordufer der Pegnitz vorgeschobenen Auslufer
des Burgberges. An dem gegen den Flu sich neigenden Sdabhang der Burg
siedelte sich nach und nach die Stadt an, vermied jedoch den weichen
Boden der Pegnitzufer; die Kapelle St. Peter war somit eine Zeit lang
der das Sdende der Ansiedlung bezeichnende Punkt und lag ungefhr in
der Mitte dieser Grenze an dem Knotenpunkte der alten Handelsstraen.

[Illustration: TAFEL II. Grundrisse und Details des romanischen Baues.]




                                   I.

                   Der romanische Bau, etwa 1225-1273.


Am 1. Oktober des Jahres 1256 erteilte Bischof Heinrich von Bamberg
einen Abla allen jenen Christglubigen, welche die Pfarrkirche St.
Sebald zu Nrnberg am Tag ihrer Einweihung und an den Tagen ihrer
Patrone St. Peter und Paul und St. Sebald besuchen und Almosen spenden
wrden.

Dies ist im wesentlichen der Inhalt der fr die ltere Baugeschichte von
St. Sebald wichtigsten Urkunde.[I]

  [I] Siehe Beilage 2.

Aus dem Text des in lateinischer Sprache abgefaten Ablabriefes ist
auf den ersten Blick nicht ersichtlich, was der Ausdruck Tag der
Einweihung: _dies dedicationis_ bedeuten soll. Handelt es sich hier um
die Einweihungsfeier selbst oder um die Wiederkehr des Einweihungstages?
In letzterem Falle wrde die Einweihung der Kirche schon =vor= dem 1.
Oktober 1256 -- sei es nun unmittelbar oder ein oder mehrere Jahre
vorher -- stattgefunden haben und die Kirche als eine zu jenem Zeitpunkt
vollendete oder wenigstens in einem ihrer Hauptteile vollendete zu
betrachten sein. In ersterem Falle wre die Einweihung der Kirche
erst =nach= dem 1. Oktober 1256, und zwar bald nach diesem Termin
anzusetzen.[2]

Der Inhalt unserer Urkunde ist in einfacher, schlichter Form
vorgetragen. Der Bischof von Bamberg entbietet zunchst allen
Christglubigen, welche von dieser Ablaerffnung Kenntnis erhalten,
seinen Gru, spricht dann von dem Wert werkttiger Liebe und kndigt
allen denen, welche die Kirche St. Sebald an den eingangs erwhnten drei
Tagen besuchen und Almosen spenden, einen Nachla ihrer Sndenstrafen
an. Der Inhalt ist beraus kurz und bndig. Es fehlt jegliche
Zutat, welche als charakteristisches Kennzeichen dieser Urkunde zum
Unterschiede von anderen, gewhnlichen Ablaurkunden gedeutet werden
knnte. Demnach scheint es keine Urkunde zu sein, die aus Anla der
feierlichen Einweihung der Kirche ausgefertigt wurde, ja es darf
als ziemlich sicher gelten, da mit dem _dies dedicationis_ der
alljhrlich wiederkehrende Kirchweihtag gemeint ist. Denn es mte doch
andernfalls vom Bau oder dessen Vollendung die Rede sein, oder es wren
Feierlichkeiten erwhnt, die gelegentlich der Einweihung abgehalten
werden, oder es wren die geistlichen Wrdentrger aufgezhlt, welche
der Feier beiwohnen. Kein Wort verlautet von alledem. Oder man mte
doch erwarten, da der Tag der Einweihung besonders hervorgehoben wird;
im Gegenteil, abgesehen davon, da er berhaupt nur allein genannt sein
sollte, wird er aufgefhrt im Verein mit zwei anderen Tagen, und es wird
ihm gewissermaen die gleiche Bedeutung wie diesen zuerkannt.

Auerdem spricht fr eine gewhnliche Ablaurkunde noch der Umstand,
da mit den beiden Tagen St. Peter und Paul und St. Sebald nicht nur
die ersten auf das Datum der Urkunde folgenden Heiligentage gemeint
sein knnen, sondern auch die des bernchsten Jahres und der folgenden
Jahre mitinbegriffen sein mssen. Denn ein bestimmtes Jahr ist nicht
bezeichnet. Und dann wre es doch sehr auffllig, da man, falls es
sich in der Urkunde um die Feier der Einweihung handeln sollte, gerade
jene beiden Tage, so enge sie auch mit der Kirchengeschichte von
St. Sebald verknpft sind, gewhlt htte, obwohl zwischen ihnen und dem
Datum der Urkunde ein Zeitraum von mindestens drei Vierteljahren (vom
1. Oktober bis 29. Juni, beziehungsweise 19. August) liegt. Und was fr
jene beiden Tage gilt, mu auch fr den _dies dedicationis_ in Anspruch
genommen werden: derselbe ist hier soviel wie der stets wiederkehrende
Kirchweihtag.

Fr die Baugeschichte von St. Sebald ergibt sich somit aus den
bisherigen Errterungen: Als der Bischof von Bamberg am 1. Oktober 1256
jenen Abla fr die Kirche St. Sebald ankndigte, war die Kirche bereits
eingeweiht und dem Gottesdienst bergeben.

Das gewonnene Ergebnis mu nun aber nicht unbedingt so gedeutet werden,
als wre der ltere Bau in allen seinen Teilen vollendet gewesen; es ist
sehr wohl mglich, da der Bau damals nur in einem seiner Hauptteile
fertig war, in welchem vorerst provisorisch bis zur Vollendung des
ganzen Bauwerkes Gottesdienst abgehalten wurde. Bekanntlich zog sich
im Mittelalter die Vollendung von Kirchenbauten oft sehr lange hin,
die greren Bauten nahmen stets Jahrzehnte in Anspruch, muten, wenn
die Mittel ausgingen, lngere Unterbrechungen erleiden, und so kam es
hufig, da man, um dem religisen Bedrfnis der Gemeinde zu gengen,
den zuerst in Angriff genommenen und am weitesten gediehenen Bauteil --
in der Regel war es der Ostchor -- fr sich einweihte und Gottesdienst
darin abhielt. St. Sebald war im Jahre 1256 offenbar in dem gleichen
oder wenigstens in einem hnlichen Zustande.[II]

  [II] Dr. Hoffmann ist zwar der Ansicht, da die Nennung der =beiden=
       Patrone der Kirche in der Urkunde vom 1. Oktober 1256 die
       Fertigstellung der =beiden= ihnen geweihten =Chre=, also auch
       des Westchores, bereits voraussetze, somit der Tenor der Urkunde
       gegen die oben geltend gemachte Auffassung spreche. Die mit
       der berarbeitung des Manuskriptes betraute Kommission konnte
       sich indessen dieser Ansicht um so weniger anschlieen, als
       der Ablabrief vom 17. August 1274 deutlich von einer am 9.
       September 1273 stattgehabten Einweihung von Chor und Altar der
       Sebalduskirche berichtet. Dieses Datum (1273) mit baulichen
       Vernderungen anderer Art, die eine neue Weihe notwendig gemacht
       htten, in Zusammenhang zu bringen, wie es Dr. Hoffmann wollte,
       schien der Kommission nicht angngig. Die das Innere der Kirche
       wenig berhrenden baulichen Vernderungen, die Dr. Hoffmann
       im Auge hatte, nmlich der Ausbruch grerer Fenster und eine
       mutmaliche Vernderung der Dachform beim Westchor, boten zu
       einer Neueinweihung sicherlich keine Veranlassung.

An Stelle der Kirche St. Sebald stand zuvor eine Kapelle, welche ebenso
wie ihre Mutterkirche, die Pfarrkirche in dem nordwestlich von Nrnberg
gelegenen, eine Stunde entfernten Poppenreuth, dem hl. Petrus geweiht
war.[3] Vom hl. Petrus wurden in jener Kapelle zweifellos Reliquien
aufbewahrt und verehrt. Mit der Zeit fand in Nrnberg auch der
hl. Sebald Verehrung, ja er machte bald dem hl. Petrus im Kult
bedeutende Konkurrenz. Auch von ihm besa man Reliquien. Bei dem
stattlichen Neubau nun, welcher an die Stelle des bescheidenen
Kirchleins treten sollte, muten beide Heilige die entsprechende
Bercksichtigung finden, und so entschlo man sich, fr die neue Kirche
die doppelchrige Anlage zu whlen, um den Ostchor dem hl. Sebald, den
Westchor den Heiligen Petrus und Paulus weihen zu knnen.

Wenn nun, wie anzunehmen ist, jene alte Peterskapelle sich an der Stelle
des heutigen Westchores erhob und schwerlich abgebrochen wurde, bevor
durch Erbauung und Einweihung des Hauptteiles der neuen Kirche Ersatz
fr die alte Kultsttte geschaffen war, so wird es verstndlich, da
mit dem Baue des Westchores kaum vor dem Jahre 1256 begonnen worden
sein kann. ber die Zeit seiner Vollendung unterrichtet uns ein uns
erhaltener Ablabrief vom 17. August 1274, in dem Bischof Berthold von
Bamberg allen jenen Glubigen Abla gewhrt, die sich am Kirchweihtage
jenes Jahres der Pfarrkirche des hl. Sebald zu Nrnberg, deren Chor und
Altar er am 9. September 1273 geweiht habe, christlich vorbereitet nahen
und daselbst ihre Almosen spenden wrden.[III] Von dem gleichen Tage
ist auch ein Ablabrief Bischof Bertholds fr die Maria Magdalenakirche
des Klaraklosters zu Nrnberg datiert, die nach dieser Urkunde einen
Tag nach der Konsekration des Westchores der Sebalduskirche, nmlich
am 10. September 1273 eingeweiht worden war. Die uns heute noch
erhaltenen romanischen Teile dieser spterhin vielfach umgebauten
Klarakirche zeigen mit den Architekturformen der Sebalduskirche so nahe
Verwandtschaft, da auf die Ttigkeit der gleichen Werkleute bei beiden
Bauten mit voller Sicherheit geschlossen werden darf.

  [III] Siehe Beilage 4.

In der nrdlichen Hlfte des von Mauern umgrenzten Gebietes der Stadt
Nrnberg, nahezu in der Mitte zwischen Burg und Pegnitz, erhebt sich
der vornehme Bau der Pfarrkirche von St. Sebald. Mit dem mchtigen
Ostchor und den berschlanken spitzen Trmen beherrscht er einen groen
Teil der Stadt, ja er ist eines jener Bauwerke, welche dem Stadtbild
sein charakteristisches Geprge verleihen. Denn so reich auch Nrnberg
ist an hochragenden Kirchen, Trmen und steilen Giebeln, die Burg, St.
Sebald und St. Lorenz sind diejenigen Bauwerke, welche auch auf weite
Entfernung hin die dominierende Rolle spielen und besonders nach Osten
oder Westen der alten Reichsstadt eine geradezu prchtige Silhouette
verleihen.

Der Bau von St. Sebald ist ein Werk des Mittelalters, und zwar ein
Werk mehrerer Jahrhunderte. Die oberen Teile der Trme sind Zeugen der
sptesten Gotik, die Seitenschiffe und vor allen Dingen der stattliche
Ostchor -- abgesehen von den Mauern des westlichen Joches -- entstammen
dem 14. Jahrhundert und die brigen Teile des Baues, insbesondere das
Mittelschiff, die unteren Turmgeschosse und der Westchor, sind Werke des
13. Jahrhunderts. Die dem 13. Jahrhundert angehrenden Bauteile sind als
die berreste einer ehemals einheitlichen Kirche anzusehen (Taf. II und
III).

Wir beschrnken uns im folgenden auf diese lteren Bauteile und
versuchen eine vollstndige Rekonstruktion der frheren Kirche.[4]

Der Westchor ist intakt geblieben bis auf die drei mittleren
spitzbogigen Fenster der polygonen Apsis, welche in spterer Zeit
ausgebrochen wurden an Stelle von rundbogigen Fenstern mit ebensolchen
Oberfenstern, wie sie sich noch neben den Trmen in der Nord- und
Sdwand der Apsis unverndert erhalten haben.

Das Dach des Westchores wurde spter erhht, und zwar zu gleicher Zeit,
als auch das Dach und damit der Giebel des Mittelschiffes erhht wurde.
Unter dem Dach des Westchores kann man sowohl den Ansatz des frheren
Westchordaches als auch das Dachgesims des Mittelschiffwestgiebels und
den darunter hinlaufenden Rundbogenfries erkennen.

Von den Trmen gehren die vier unteren Stockwerke zum alten Bau. Das
nchstfolgende Stockwerk enthlt beim nrdlichen Turm zwar auch lteres
Mauerwerk und Teile eines Rundbogenfrieses, wurde jedoch vielleicht
schon im 14., wahrscheinlich aber erst zu Ende des 15. Jahrhunderts mit
teilweiser Verwendung des bisherigen Mauerwerkes und des Frieses erhht.
Es ist anzunehmen, da das fnfte Stockwerk des nrdlichen Turmes etwa
die Hhe des nchst unteren Stockwerkes gehabt hat und zugleich das
letzte Stockwerk war. Aus vierseitigen Helmen von mittlerer Hhe werden
die Turmdcher bestanden haben.

Das Mittelschiff ist, abgesehen von der schon erwhnten Abnderung des
Daches und der Giebel, vllig unverndert geblieben.

Die jetzigen Seitenschiffe stammen, wie bereits hervorgehoben, aus dem
14. Jahrhundert. Ausdehnung und Gestalt der lteren Seitenschiffe lassen
sich ziemlich genau bestimmen.

An der stlichen Mauer des nrdlichen wie des sdlichen Turmes sind
Spuren eines frheren Dachgesimses wahrzunehmen, welches in der Hhe der
Fensterbnke des Mittelschiffes beginnt und bedeutend steiler verluft
als das jetzige Dach. Die gleichen Spuren finden sich auch am anderen
Ende der Seitenschiffe, nmlich an der Westwand des jetzigen Ostchores
oder ehemaligen Querschiffes vor. Nur sind weder hier noch dort die
unteren Enden der Gesimse sichtbar, da sie durch das Gewlbmauerwerk
der spter erhhten und erweiterten Seitenschiffe verdeckt werden.
Dagegen ist das Kaffgesims an den beiden westlichen Strebepfeilern des
Querhauses noch erhalten.

Den notwendigen Aufschlu ber die Breite der alten Seitenschiffe bieten
erst im Innern der Kirche die die Turmhallen von den Seitenschiffen
trennenden Scheidbgen und noch zuverlssiger die ber den Scheidbgen
sichtbaren Anstze des alten Seitenschiffgewlbes. Demnach hatten die
Seitenschiffe nahezu die Breite der Trme und das Verhltnis der lichten
Weite der Seitenschiffe zu der des Mittelschiffes war 4 : 7.

ber den Seitenschiffen waren zur Mittelschiffshochwand je zwei
Strebebgen gespannt, wie die Spuren zwischen den drei mittleren
Fenstern des Mittelschiffes auf jeder Seite heute noch beweisen. Beim
Umbau der Seitenschiffe wurden die Strebebgen entfernt.

Die Wnde des westlichen Joches des jetzigen Ostchores mit den Diensten
und zum groen Teil den Strebepfeilern sind Bestandteile eines
ehemaligen Querschiffes. Dasselbe war aus drei gewlbten Quadraten,
jedes in Mittelschiffbreite, zusammengesetzt. Die Hhe des Querschiffes
entsprach der des Mittelschiffes. Die mittleren Dienste und Streben an
den Giebelwnden des Querschiffes finden darin ihre Erklrung, da von
den vierteiligen Gewlben die seitlichen oder ueren Gewlbviertel
in den Kreuzarmen in zwei Achtelfelder geteilt waren. In den beiden
nrdlichen Jochen des Querschiffes befanden sich kreisfrmige Fenster,
von deren Umrahmung heute noch im Innern der Kirche mehrere Werkstcke
sichtbar sind.

Im brigen ergibt der Bau ber die Gestalt der alten Ostpartie keine
Anhaltspunkte. Hier konnte nur durch Nachgrabungen Aufschlu erlangt
werden.

Auf Anregung von verschiedenen Seiten und mit Genehmigung der Verwaltung
des vereinigten protestantischen Kirchenvermgens unterzog sich der
Verein fr Geschichte der Stadt Nrnberg dieser anerkennenswerten
Aufgabe, indem er im November 1899 auf eigene Kosten die erforderlichen
Nachgrabungen unter der Leitung von Prof. Schmitz vornehmen lie. Im
dritten mittleren Joch des jetzigen Ostchores, von Westen gerechnet, und
zugleich im zweiten sdlichen Joch desselben wurde mit der Wegnahme der
Bodenplatten und dem Ausheben des Grundes begonnen. Man stie gleich in
den ersten Tagen hier wie dort auf das Mauerwerk des alten Ostchores
und fhrte nun die Nachgrabungen einseitig, nmlich auf der in Angriff
genommenen Sdhlfte des Chores, durch, mit Recht eine symmetrische
Anlage des alten Ostchores voraussetzend. Im Verlauf von 14 Tagen waren
die Nachgrabungen beendet (Abb. 1).

[Illustration: Abb. 1. Modell (von oben gesehen) der ausgegrabenen
Ostchorkrypta.]

[Illustration: Abb. 2. Innenansicht gegen Osten.]

Nach dem Ergebnis derselben hat sich an das Vierungsquadrat des
alten Querschiffes, welchem ungefhr das erste mittlere Joch des
jetzigen Ostchores entspricht, stlich ein ebenso groes Chorquadrat
und an dieses eine halbrunde Apsis in der Breite des Chorquadrates
angeschlossen; und unmittelbar an die beiden Querarme kleinere,
ebenfalls halbrunde Seitenapsiden. Der Chor, und zwar nicht nur Apsis
und Chorquadrat, sondern auch die Vierung, ist um mindestens zehn Stufen
ber das Niveau der Kirche erhht gewesen, und unter ihm hat sich eine
zweischiffige, in drei Konchen endigende Krypta hingezogen. Das Gewlbe
der Krypta, acht vierteilige Kreuzrippengewlbe, wurde in der Mitte von
vier freistehenden Sulen und einer Wandsule und an den Seitenwnden
von zehn Diensten oder Wandsulen getragen; das Gewlbe im Chorabschlu
der Krypta bestand aus drei radial gestellten Kappen. Zugnglich war die
Krypta durch zwei aus den Kreuzarmen und durch zwei aus dem Mittelschiff
herabfhrenden Treppen von je acht Stufen. Auf den Chor werden
wahrscheinlich zwei Zugnge von den Kreuzarmen neben den Kryptatreppen
gefhrt haben; ein Zugang auf den Chor vom Mittelschiff aus hat nicht
bestanden, da zwischen den beiden Mittelschiffstreppen, welche in die
Krypta fhrten, ein Altar stand, ber welchem sich an der Chorbrstung
die Kanzel befand. Nach den Querhausarmen zu wird der Chor durch eine
Brstung abgeschlossen gewesen sein.

Der in allgemeinen Umrissen soeben rekonstruierte ltere Bau von
St. Sebald war eine doppelchrige, kreuzfrmige Pfeilerbasilika. Das
Langhaus bestand aus drei Schiffen, welche durch je fnf Scheidbgen
voneinander getrennt waren.

Das Querschiff lag im Osten des Baues. Dieses, ein daran anschlieendes
Chorquadrat und drei vermutlich halbrunde Chornischen bildeten die
Ostpartie.

Der Westchor schliet polygon ab und zwar mit fnf Seiten des Achteckes,
das in diesem Falle jedoch nicht regulr gebildet ist. Ein Rechteck
verbindet Westapsis mit Mittelschiff. Dieses Rechteck ist von einem
Turmpaar flankiert.

Jeder der beiden Chre ist, beziehungsweise war mit einer Krypta
versehen. Whrend die des Westchores nur Apsis und das vorliegende
Rechteck umfat, erstreckte sich die stliche ber Apsis, Chorquadrat
und Vierung. Da jede der beiden Krypten eine Erhhung des ber
ihr liegenden Bodens bedingte, so war hiermit zugleich auch die
Ausdehnung der Chre festgelegt; und war schon durch die Anlage des
Querschiffes im Osten dem Ostchor eine bevorzugte Stellung gegenber
dem Westchor eingerumt, so wurde derselben durch die Ungleichheit der
Bodenausdehnung der Chre noch mehr Nachdruck verliehen. Andererseits
ergab sich fr den Ostchor durch die Krypta notwendigerweise eine
Spaltung. Denn dadurch, da auch der Boden des Vierungsquadrates erhht
und mit zum Chor einbezogen wurde, nahm man ihn aus dem Querschiff
heraus und lste so die beiden Kreuzarme voneinander los. Dieselben
waren also nicht mehr vom Mittelschiff aus, sondern eigentlich nur von
den Seitenschiffen aus zugnglich und erhielten mit ihren Apsiden als
Nebenchre sowohl eine in sich abgeschlossene selbstndige als auch dem
Hauptchor gegenber untergeordnete Stellung. Hatten so die Seitenschiffe
an Bedeutung nichts eingebt, so gilt dies um so mehr fr das
Mittelschiff. Denn abgesehen davon, da das an und fr sich schon kurz
geratene Langhaus durch das Vorhandensein eines Westchores im Innern
an Ausdehnung verloren hat, wird die Bedeutung des Mittelschiffes noch
mehr dadurch beeintrchtigt, da es zum Verzicht auf das Vierungsquadrat
gezwungen wurde, worauf es doch -- und dies liegt im Wesen der
kreuzfrmigen Basilika begrndet -- denselben Anspruch htte wie das
Querschiff.

=Das Gewlbe.= Der ganze Bau war eingewlbt. Die noch vorhandenen
Gewlbe bestehen durchgehends aus Bruchsteinen in starker Mrtelbettung,
wobei hufig ein leichter Tuffstein der frnkischen Schweiz zur
Verwendung gekommen ist.

Die bei der Wlbung angewandte Gattung ist die des Kreuzgewlbes mit
profilierten Rippen.

In den Seitenschiffen erhob sich die Wlbung ber nahezu quadratischen
Grundrissen. Im Mittelschiff dagegen, das bei grerer Breite
ebensoviele Joche zhlt wie die Seitenschiffe, haben die einzelnen
Gewlbefelder rechteckige Form. Es ist also nicht das sogenannte
gebundene, bei romanischen Bauten bliche System, bei welchem je zwei
Seitenschiffjoche einem Mittelschiffjoch entsprechen, zur Anwendung
gelangt, sondern das bei gotischen Bauten angewandte einfache System mit
durchlaufenden Jochen.

Gurte und Rippen sind spitzbogig, erstere wenig gestelzt. Die Gewlbe
haben leichte Busung mit fast horizontaler Scheitellinie.

Whrend die Gewlbe des Mittelschiffes selbst vierteilig sind, was auch
bei den Turmhallen und den Seitenschiffen der Fall ist oder doch war, so
zeigen die anderen, sowohl die noch vorhandenen wie zum Teil die noch
rekonstruierbaren Gewlbe eine hiervon verschiedene Form.

Das Gewlbe des Westchorrechteckes ist sechsteilig.

Das Gewlbe der polygonen Westapsis selbst hat fnf, d. h. ebensoviele
Kappen, wie der Chor Seiten hat, und noch einen Zwickel am Gurtbogen, so
da der Schlustein den Gurtbogen nicht berhrt.

Das Gewlbe ber den beiden Querschiffarmen war eine Mischung von vier-
und sechsteiligem Gewlbe. Denn die noch vorhandenen seitlichen Mauern
weisen in der Mitte auen einen Strebepfeiler und entsprechend an der
Innenseite einen Dienst auf, was darauf schlieen lt, da die beiden
seitlichen Gewlbeviertel nochmals geteilt waren, und zwar, wie die
Spuren an der Innenwand erkennen lassen, in zwei Kappen mit niedrigeren
Schildbgen und infolgedessen mit steileren Scheiteln wie die brigen
ungeteilten Viertel der Kreuzarmgewlbe.

Ob das Ostchorquadrat vierteilig oder sechsteilig eingewlbt war, lt
sich nicht mehr entscheiden, da die Nachgrabung Anhaltspunkte nicht
gab und auch nicht geben konnte. Selbst wenn bei den Nachgrabungen die
unteren Mauerteile des Chorquadrates ohne Pilastervorlagen und Dienste
aufgefunden worden wren, wre ein sechsteiliges Gewlbe noch nicht
ausgeschlossen. Denn es htten sehr wohl, wie es an den erhaltenen
Bauteilen hufig der Fall ist, die fr die mittleren Querrippen
bestimmten Dienste nicht ganz herabgefhrt sein, sondern in halber Hhe
auf Konsolen ruhen knnen.

Die drei stlichen Apsiden hatten wahrscheinlich Halbkuppeln.

=System des Aufbaues und Hochwandgliederung.= Der ganze Bau ist ein
Werksteinbau, jedoch mit der Einschrnkung, da die Mauer stets aus zwei
Werksteinwnden besteht, deren Zwischenraum mit Bruchsteinmauerwerk
ausgefllt ist: die gewhnliche Bauart des Mittelalters.

[Illustration: TAFEL III. Ansicht und Schnitte des romanischen Baues.]

Die Gewlbgurte werden von Halbpfeilern mit vorgelagerten
Dreiviertelsulen oder Diensten getragen (Abb. 2). An die Halbpfeiler
schlieen sich auch seitlich Halbsulen an, welche zur Aufnahme der
Diagonalrippen bestimmt sind. Am Querschiff werden die Gewlbtrger
auen durch Strebepfeiler untersttzt. Dagegen fehlen die Strebepfeiler
am Westchor, whrend wiederum an den Trmen Streben angebracht sind.
Am Mittelschiff scheint durch je zwei Strebebgen Ersatz fr die
Strebepfeiler geschaffen worden zu sein, um dem etwaigen Schub des
hohen Gewlbes nach auen Widerstand zu leisten. Ist hierbei nicht
zu verkennen, da der Baumeister von St. Sebald den Anlauf zu einer
den wirkenden Krften entsprechenden organischen Gliederung des
Baues genommen hat, so mu andererseits auf die Inkonsequenz bei der
Durchfhrung der gewollten Gliederung hingewiesen werden und zwar in
Anbetracht der Strke der Mittelschiffsjochmauern. Dieselben sollten
eigentlich nur als Fllmauerwerk funktionieren, weshalb Mauern von
bedeutend geringerer Strke den gleichen Zweck erfllt htten. Nur bei
den Bogenfeldern des Lichtgadens ist ein Versuch zur Entlastung des
Mauerwerkes gemacht worden, indem dasselbe im Innern zurcktritt und die
Schildbgen auf kleinen, an die Halbpfeiler angelehnten Sulchen ruhen.

[Illustration: Abb. 3. Innenansicht gegen den Westchor.]

[Illustration: Abb. 4. Triforien im Mittelschiff.]

Was die Gliederung der Mittelschiffhochwand betrifft (Abb. 3), so
ist durch die Einfhrung des schmalen durchlaufenden Joches jeder
Pfeiler Hauptpfeiler geworden und so eine enge Aneinanderreihung der
Gewlbsttzen ermglicht. Die auf diese Weise schlank gewordenen
Proportionen des Lngsschnittes korrespondieren mit der starken
Hhenentwicklung des Querschnittes. Einen wohltuenden Gegensatz zur
starken vertikalen Gliederung bildet die dreigeschossige Anlage des
Aufrisses. Die Arkaden werden durch Einsprnge abgestuft; die so
entstandenen rechtwinkeligen Vorlagen ruhen auf Halbsulen, welche
aber ihrerseits von Konsolen getragen werden, so da den Pfeilern die
quadrate Grundriform bleibt. Die Mauerflche zwischen den Arkaden und
dem Lichtgaden ist belebt durch ein ber die Bgen hinlaufendes Gesims
und darber durch eine Galerie, welche nach Art des franzsischen
Triforiums aus der Mauerdicke ausgespart ist (Abb. 4). Die Bogenfelder
des Lichtgadens sind, wie vorhin erwhnt, gegliedert und mit
Rundbogenfenstern durchbrochen, so da sich das Streben geltend macht,
den an und fr sich schweren, krftigen Bau nach oben zu leichter
erscheinen zu lassen.

Ebenso wie die Fenster der Mittelschiffhochwand und die lteren Fenster
des Westchores -- zweifellos waren smtliche Fenster rundbogig -- sind
auch die beiden einzigen erhaltenen Portale, die jetzigen Portale der
Turmhallen, rundbogig, whrend Gewlbe und Arkaden spitzbogig gestaltet
sind, was ein charakteristisches Merkmal fr die Bauzeit der Kirche
bildet.

Die Wnde des westlichen Vorchores sind belebt durch je einen
zweiteiligen loggienartigen Durchbruch nach den Turmhallen. Beide
Doppelfenster wurden gelegentlich der letzten Restaurierung wieder
blogelegt. An der nrdlichen Wand hat sich durch Untersuchungen
herausgestellt, da das ehemalige Doppelfenster in spterer Zeit
grndlich verndert wurde. Die Fenster hatten den Zweck, vom Westchor
aus die Turmhallen zu erhellen.

Der fnfteilige Westchor erhlt sein Licht durch ebensoviele Fenster
mit Oberfenstern. Die Wnde unterhalb der greren Fenster sind mit
Kleeblattblendarkaden gegliedert.

[Illustration: Abb. 5. Partie aus dem Engelschor.]

ber dem Westchor befindet sich ein Obergescho, Engelschor genannt
(Abb. 5). Denn die Wlbung des eigentlichen Chores erreicht nicht die
Hhe des Mittelschiffes und der ausgesparte Raum mit dem gleichen
Grundri wie der untere dem hl. Petrus geweihte Chor ist auch analog
diesem eingewlbt. Der Engelschor erhlt sein Licht durch drei Fenster
von gleicher Gre und Gestalt wie die oberen Fenster des Peterschores
und durch zwei Rundfenster. Er hat die Bedeutung einer Empore. Die
Sockelwnde sind gleichfalls mit Kleeblattblendbgen gegliedert. Im
brigen ist Architektur und Dekoration reicher wie die des unteren
Chores. Die Ausfhrung macht einen unfertigen Eindruck. Eine Brstung
mit halbrundem Erker in der Mitte schliet die Empore gegen das Schiff
ab.

Von den Wnden der Querschiffarme sind die westlichen Mauern ber den
Seitenschiffen von je zwei rundbogigen Fenstern durchbrochen.

ber die Gliederung der Wnde des Ostchores wrden sich nur Vermutungen
aufstellen lassen.

=Der Auenbau.= War es bei der bisherigen Beschreibung des Baues
notwendig, stets die rekonstruierten Bauteile in Bercksichtigung zu
ziehen, so gilt dies in nicht geringerem Grade von der Beschreibung des
Auenbaues, insbesondere in bezug auf die Gesamtwirkung desselben.

Die Behandlung der Auenseite des Baues ist im allgemeinen sehr
einfach. Der Bogenfries ist fast der einzige Schmuck.[5] Er luft am
Mittelschiff unter dem Dach hin, an den Trmen ziert er die einzelnen
Stockwerkgesimse und auerdem hat ihn noch der Westchor aufzuweisen.
Wahrscheinlich wird er auch Querschiff, Seitenschiffe und die Ostpartie
geschmckt haben. An den Trmen tritt anstatt des einfachen ein mit
Laubwerk reich ornamentierter Bogenfries auf. Die Wnde sind glatt
behandelt bis auf eine schlichte Gliederung der polygonen Westchorapsis
durch Dienste an den Eckkanten, welche oben in Kapitle endigen und
anfangs wohl fnf Giebel mit runden, viereckig geblendeten Fenstern,
wie sie noch die ueren Seiten aufweisen, getragen haben drften.
Mglicherweise waren Ostchor und Seitenschiffe mit Lisenen belebt. Man
scheint eben bei der dekorativen Gliederung mehr Nachdruck auf den
Innenbau gelegt zu haben.

Die Haupteingnge befanden sich, wie mit ziemlicher Gewiheit
angenommen werden darf, an den beiden Seitenschiffen, wohl zwischen
den Strebebgen. Diese Portale wurden beim Umbau der Seitenschiffe an
die Trme transferiert. Ob die Turmhallen von Anfang an mit Eingngen
versehen waren, kann nicht zuverlssig behauptet werden.[6] Kleinere
Portale fhrten vermutlich an Stelle des spteren Brautportales und des
Dreiknigsportales in das Querhaus.

Bei der Baumasse, als Ganzes betrachtet, lag der Schwerpunkt auf der
Ostpartie. Gleichwohl ist eine starke Hervorhebung der Westpartie mit
dem Turmpaar (Abb. 6) nicht zu leugnen, wenn auch auf eine Fassade im
richtigen Sinne des Wortes wegen des Chores verzichtet werden mute.
Andererseits darf nicht vergessen werden, da der Gedanke, die Ostpartie
mehr zu betonen, fast auf den Grundplan beschrnkt geblieben ist, da am
Ostchor wahrscheinlich weder Trme noch Kuppel vorhanden waren, so da
im Hochbau die vertikale Entfaltung eigentlich nur in der Westpartie zum
przisen Ausdruck kommt.

Kurz geraten in der Anlage ist das Langhaus mit seinen nur fnf schmalen
Jochen. Ost- und Westpartie sind einander dadurch ziemlich nahe gerckt,
eine enge Gruppierung der Baumassen war die Folge. So bescheiden die
Auenarchitektur im einzelnen auch ist, im ganzen mu die geschlossene
Komposition eine malerische Wirkung gebt haben.

=Einzelglieder und Dekoration.= Das reiche Formenspiel des Innenbaues
bietet eine malerische Verteilung und Abwechslung von Licht und
Schatten. In der Verwendung von Sulen und Sulchen, Halbsulen,
Bgen und Blendbgen ist nicht gespart; dabei gibt sich das Bestreben
kund, die struktiven Glieder den dekorativen zu substituieren. Von
statuarischer Plastik der romanischen Kirche haben sich keine Reste
erhalten. Die Bogenfelder der nicht mehr existierenden oder der spter
umgebauten, beziehungsweise versetzten Portale hatten vielleicht
Reliefplastik aufzuweisen. Die Dekoration war nur in beschrnktem Mae
polychrom, wie die Feststellungen bei der letzten Restaurierung bewiesen
haben. Mglicherweise war der Ostchor mit greren Wandmalereien
ausgestattet. Im Langhaus genossen in der Hauptsache die Schlusteine
und einige Kapitle die Vorteile des Farbenkleides. Anspruch auf
romanischen Ursprung knnen aber nur die im Westchor vorgefundenen
Farbenreste erheben, wonach eine Anzahl von Halbsulenvorlagen oder
Diensten an ihren Schften nach rheinischer Art im Schieferton, die
Rippen und Gurte mit weiem und grauem Steinmuster und die Gewlbekappen
mit kleinem Steinfugenschnitt bemalt waren. Auch einzelne Gesimse
zeigten eine dunkelgraue Frbung. Glasmalerei ist wahrscheinlich auch
vertreten gewesen.

Der =Pfeiler= (Abb. 7) funktioniert im Innern der Kirche als
freistehende Sttze der Hochwand und steht mit dieser in naher
struktiver wie formaler Beziehung. Er ist quadratisch im Grundri
und hat im Seitenschiff eine Pfeilervorlage, an jeder Seite eine
Halbsulenvorlage. Die Ecken sind mit Rundstben versehen. Der Sockel
fehlt. Im Mittelschiff ruhen die Halbsulenvorlagen auf Konsolen oder
setzen auch trichterfrmig am Pfeiler an. Durch die Halbsulenvorlagen
an den Schiffsseiten ist eine enge organische Verbindung zwischen
Pfeiler und Gewlbetrger hergestellt. Das Gesims wird an den vier
Seiten ringsum gefhrt, sogar um die Vorlagen, dort die Deckplatten der
Halbsulenkapitle bildend.

[Illustration: Abb. 6. Westansicht vor der Restaurierung.]

Die =Sule= ist meist als Halbsule mit dem Pfeiler oder der
Pfeilervorlage verbunden und trgt als solche Gurte und Rippen. Sie
sttzt auch leichtere Lasten, und hier mehr in dekorativer als in
konstruktiver Verbindung, so an den Kleeblattblendbgen, an den
Schildbgen, an den Arkadenvorlagen. Freistehend findet sie sich nur
in der Triforien- oder Zwerggalerie und im Engelschor vor. Als reines
Zierglied steht sie an den Wandungen der Westportale. Die Behandlung
des Schaftes ist glatt, die Form zylindrisch, ohne Schwellung und ohne
Verjngung, an der Triforiengalerie auch achteckig. Im Westchor, wo die
Sule, als Dreiviertelsule an die Wand angelehnt, die Gewlberippen
trgt, ist ihr Schaft mit einem scharf profilierten Ring in der
Mitte umgrtet. Ebenso an den beiden noch vorhandenen westlichen
Vierungspfeilern.

Die =Kapitle= (Abb. 8, 9, 10, 11, 12) gruppieren sich in
Knospenkapitle und solche mit Blattornament, beziehungsweise in Kelch-
und Wrfelkapitle. Der Kern des Knospenkapitls ist die Kelchform, die
Behandlung des Reliefs zum groen Teil eine mehr zeichnende, abgesehen
natrlich von den Knospen, welche zuweilen ber den Rand der Deckplatte
vortreten. Bei den Blattornamentkapitlen geht die Kelchform in die des
Wrfels ber infolge plastischer Behandlung der Bltter; dabei zeigt
sich eine Vorliebe fr das bandfrmige Blattornament, indem Stengel
und Ranken wie gestickte Bnder gearbeitet, die Bltter gleichsam mit
Schnren von Perlen oder Edelsteinen besetzt sind. Eine freiere zum Teil
phantastische Behandlung weisen nur die Kapitle in der Triforiengalerie
auf, wo auch die Wrfelform mehr Anwendung gefunden hat. Hufig
vertreten hier Fratzen die Stelle von Kapitlen.

Die =Basen=, von der bei romanischen Bauten blichen attischen Art,
sind nicht mehr starr und hoch, sondern biegsam und zeigen bereits die
flache, gedrckte Gestalt, welche dem Druck elastisch nachgegeben hat
und mit dem unteren Wulst ber den Rand des Sockels hinausgedrngt
worden ist. Manche Basen weisen Eckknollen auf.

Unter den =Konsolen= (Abb. 13, 14) sind die am hufigsten vorkommenden
die Hornkonsolen, in welche die fr die Diagonalrippen bestimmten
seitlichen Halbsulenvorlagen oder Dienste unmittelbar ber dem Gesims
der Arkadenpfeiler endigen. Sie sind meist glatt behandelt, die Spitze
nach auen gebogen. Einige tragen auch schlichtes Blattornament. Die
Gurtdienste im Mittelschiff werden zuweilen von hockenden brtigen
Gestalten gesttzt. Die brigen Konsolen haben einfache Form, in einen
schaftartigen Rundbogenfries gehllt.

Von den =Tren= kommen nur die jetzigen beiden West- oder Turmportale
(Abb. 15, 16, 17, 18) in Betracht. Dieselben treten mit ihrem
verschrgten Gewnde und ihrem bogenfrmigen Abschlu als Umrahmung
vor die Flche der Turmmauer vor. Gewnde und Bogenleibung sind durch
drei rechtwinkelige Einsprnge aufgelst. In den Winkeln stehen zu
beiden Seiten je drei Sulen, welche mehrfach profilierte Bgen tragen.
Plastischer Schmuck ist nur an den Kapitlen vorhanden, und zwar sind
dieselben an der einen Seite als Knospenkapitle, auf der anderen
Seite als Blattornamentkapitle unterschieden. Die Bogenfelder ruhen
auf Pfeilern auf, welche aber mit den flankierenden Sulen nur das
bekrnende Gesims gemein haben. Durch die beiden Turmportale hat die
Westseite nachtrglich die Bedeutung einer Fassade gewonnnen.

=Bisheriges Ergebnis.= Die im Vorausgehenden gegebene Beschreibung
des Baues fhrt zu dem Ergebnis, da die ltere Kirche St. Sebald im
groen und ganzen ein der romanischen Stilart angehriger Bau ist. Es
haben allerdings die drei gotischen Grundelemente: der Spitzbogen, der
Strebebogen und das einfache System bereits Eingang gefunden. Allein
diese Anleihen haben nicht den Organismus des Gliederbaues vllig
durchdrungen, sie sind nicht durchweg zu konstruktiver Notwendigkeit
geworden. Hat man doch beim spteren Umbau der Seitenschiffe den
berflu der Strebebgen erkannt und ihre Beseitigung herbeigefhrt.
Auch der Eindruck des Innern, wo erst das einfache System dem Beschauer
sichtbar wird, ist trotz der reichen Hochwandgliederung und trotz der
starken Hhenentwicklung nicht der eines gotischen Baues. Der Bau ist in
seinem innersten Kern romanisch. Den romanischen Charakter besttigen
auch die Ornamente.

=Stilkritik.= Die erste Periode der Nrnberger Bau- und Kunstgeschichte
fllt in das 12. Jahrhundert. Die ehemalige Schottenkirche St. Egidien
mit der Euchariuskapelle und die Doppelkapelle auf der Burg sind ihre
Reprsentanten. Die Egidienkirche brannte 1696 ab. Nur Abbildungen
aus der Zeit vor und unmittelbar nach der Brandkatastrophe haben uns
ein Bild der romanischen, in gotischer Zeit mehrfach umgebauten und
erweiterten Klosterkirche berliefert, allein sie gengen nicht,
um genau Konstruktion oder gar Ornamentik erkennen zu lassen.
Wir wissen nur, da die Kirche eine dreischiffige Basilika mit
stlichem Querschiff, westlichen Trmen und Vorhalle war; vielleicht
eine Sulenbasilika, in welcher die Seitenschiffe gewlbt, das
Mittelschiff dagegen flach gedeckt war. Mit ziemlicher Sicherheit
aber wird man annehmen knnen, da die Kirche des um 1140 von Kaiser
Konrad III. gestifteten und mit Regensburger, teilweise auch mit
Wrzburger Schottenmnchen besetzten Klosters auch in der Bauweise
als Schottenkirche gekennzeichnet und mit St. Jakob in Regensburg eng
verwandt war. Deutlich ist der Einflu der Schotten an der Doppelkapelle
auf der Burg, der Margareten- und Kaiserkapelle (etwa 1170 bis etwa
1180). Weniger in der Gewlbekonstruktion, als besonders durch Gestalt
und Ornamentik der Kapitle und durch die Anlage des Oratoriums mit
den kurzen, gedrungenen Sulen wird man sofort an die Regensburger
Schottenkirche erinnert. Dagegen deutet die gegen Ende des 12.
Jahrhunderts erbaute Euchariuskapelle mit ihren Rippengewlben und den
hohen, reich profilierten Sockeln, Basen und Kmpfern auf Bamberg.

[Illustration: Abb. 7. Ansicht vom sdlichen Seitenschiff gegen Norden.]

Von wie hoher Bedeutung auch fr die Kunstgeschichte Nrnbergs in der
zweiten Hlfte des 12. Jahrhunderts die Beziehungen zu Regensburg
gewesen sind, eine =Nrnberger Bauschule= scheint sich aus jener nicht
allzu umfangreichen, im wesentlichen auf die beiden ersterwhnten
Kirchen beschrnkten Bauttigkeit nicht entwickelt zu haben. Es ist
anzunehmen, da die Bauleute fr die Doppelkapelle auf der Burg und fr
die Egidienkirche von auswrts, das heit von Regensburg, gekommen waren
und nach Vollendung der Bauten wieder weitergezogen sind, also weder aus
der Bevlkerung Nrnbergs hervorgegangen sind, noch sich in Nrnberg
dauernd angesiedelt haben.

[Illustration: Abb. 8. Kapitl der Dienste im Mittelschiff.]

Mit der Wende zum 13. Jahrhundert war auf einige Jahrzehnte eine
Stockung im Bauleben Nrnbergs eingetreten, bis sich mit der
Niederlassung der Bettelorden, vor allem aber mit dem Bau von St.
Sebald eine um so regere Ttigkeit entfaltete. So kam es, da sich an
die von den Schotten angewendete Bauweise keine Tradition knpfte und
man die technischen Vorteile und die dekorative Eigenart, welche jene
mitgebracht, vllig verga. Und als das Bedrfnis nach einem greren
Gotteshaus wach wurde, war in Nrnberg ein gnzlicher Mangel an
geschulten Baumeistern wie Steinmetzen, welche einen umfassenden Auftrag
htten bernehmen und durchfhren knnen. Dazu handelte es sich jetzt
nicht mehr um eine Kirche fr einen geschlossenen Orden, sondern um die
Kirche fr eine Pfarrgemeinde. Stand bereits die zum Egidienkloster
gehrige Euchariuskapelle unter dem Einflu des Bamberger Domes, so war
es ganz natrlich, da die unterbrochenen Beziehungen zu dem erst 1237
vollendeten Dom wieder aufgenommen wurden, um so mehr als Bamberg die
Dizesanhauptstadt von Nrnberg war.

=St. Sebald und der Dom zu Bamberg.= Bei der Grndung der Dizese
Bamberg durch Kaiser Heinrich II. im Jahre 1007 wurde der neue Sprengel
gegen den von Eichsttt mit dem Laufe der Pegnitz abgegrenzt. Was also
vom jetzigen Stadtgebiet Nrnbergs nrdlich dieses Flusses lag, gehrte
zu Bamberg, was dagegen auf der anderen Seite lag, zhlte vorerst zu
Eichsttt. Dieses Verhltnis scheint jedoch nicht lange bestanden zu
haben, denn schon 1162 wird die Kapelle zum Heiligen Grab, an deren
Stelle sich jetzt die Pfarrkirche St. Lorenz erhebt, als zu Frth
eingepfarrt erwhnt, und Frth gehrte damals zur Dizese Bamberg. Im
13. Jahrhundert kommt also fr Nrnberg als Dizesanhauptstadt nur
Bamberg in Betracht.

Im ersten Drittel dieses Jahrhunderts entwickelte sich in Bamberg im
Anschlu an den Dombau ein reges Kunstleben. Der unter Kaiser Heinrich
II. erbaute, 1081 abgebrannte, unter Bischof Otto dem Heiligen wieder
aufgebaute und 1185 abermals durch eine Feuersbrunst zerstrte Dom
wurde gleich nach dem Brande von neuem aufgebaut. Begonnen wurde mit
der Ostpartie. Nach Vollendung derselben vor 1202 trat eine kurze
Unterbrechung ein. Man ging nun energisch an die Vollendung des ganzen
Baues. Auf die provisorische Einweihung von 1232 folgte am 6. Mai
1237 die letzte und endgltige.[7] Es ist ganz natrlich, da bei dem
Bau eines Gotteshauses von den Dimensionen des Bamberger Domes, der
noch dazu in verhltnismig kurzer Zeit zur Ausfhrung gelangte und
infolgedessen eine zahlreich besetzte Bauhtte erforderte, sich eine
eigene Bauschule heranbildete, die im Bedarfsfalle imstande war, auch
nach auswrts Parliere und Steinmetzen abzugeben. Was liegt da nher,
als da die Nrnberger Pfarrgemeinde, als man nach einem monumentalen,
nur mit dem Aufgebot gediegener und geschulter Krfte zu erbauenden
Gotteshaus verlangte, zur Dombauschule der Dizesanhauptstadt in engste
Beziehungen trat.

[Illustration: Abb. 9. Romanisches Kapitl mit Blatt- und Bandornament.]

[Illustration: Abb. 10. Romanisches Kapitl mit Blatt- und Bandornament.]

[Illustration: Abb. 11. Gotisches Kapitl im Seitenschiff.]

Wir fassen zunchst die beiden Grundrisse, beziehungsweise
Plandispositionen ins Auge.

Beim Bamberger Dom ist die Plandisposition des alten Heinrichsbaues --
doppelchrige Basilika mit westlichem Querschiff -- beibehalten worden.
Es kann daher weder in der doppelchrigen Anlage, noch im westlichen
Querschiff eine auf Rechnung des Neubaues kommende Besonderheit
erblickt werden, es ist vielmehr auf andere hnliche Beispiele, nmlich
einerseits auf die Dome von Mainz (erster Bau 978-1009) und Worms
(996-1016), andererseits auf die schwbisch-bayerischen Bauten, so auf
den Dom von Augsburg (994 bis 1006), auf Obermnster (1010 und 1020)
und St. Emmeram in Regensburg (1002 und 1020), unter deren Einflu der
Heinrichsbau des Bamberger Domes zweifelsohne stand, zu verweisen.[8]
Das Schwergewicht bei der Anlage einer Kirche nach Westen zu verlegen,
wurde, wenn nicht hnliche zwingende Grnde vorhanden waren, von jener
Zeit ab vermieden. Um so aufflliger mu es erscheinen, da bei dem Bau
einer Kirche wie St. Sebald, der von Grund aus einen Neubau bildet, zwar
nicht das Hauptgewicht auf den Westchor verlegt, aber doch demselben
eine dem Ostchor beinahe gleichkommende Bedeutung zuteil wird, ja da
berhaupt ein Westchor noch Anklang findet. Denn sptere doppelchrige
Anlagen sind nicht bekannt.

[Illustration: Abb. 12. Romanisches Kapitl mit Knollenornament.]

Wie schon erwhnt, stand zuvor an Stelle der Kirche St. Sebald eine
Kapelle. Dieselbe war von Anfang an dem hl. Petrus geweiht und bewahrte
Reliquien von ihm. Im letzten Viertel des 11. Jahrhunderts fand
allmhlich auch der hl. Sebald Verehrung, er wurde bald zum Stadtpatron
erhoben, ohne da auf die Verehrung des hl. Petrus verzichtet worden
wre. Auch vom hl. Sebald waren Reliquien vorhanden. Es mute daher,
als man eine Gemeindekirche grerer Ausdehnung als Ersatz fr die
kleine Kapelle erbauen wollte, gleich von vornherein auf beide Heilige
Rcksicht genommen werden. So blieb nichts anderes brig, als den
Grundri einer doppelchrigen Kirche zu whlen, und hierzu bot der
Bamberger Dom das geeignetste Vorbild. Man begngte sich aber nicht mit
der bloen Kopie, sondern ging in einer Hinsicht sehr selbststndig vor.
Beim Bamberger Dom liegt, weil die Plandisposition des Heinrichsbaues
beibehalten wurde, das Querhaus im Westen. Vom 11. Jahrhundert an jedoch
wurden berall nicht nur doppelchrige Anlagen soviel wie mglich
vermieden, sondern auch die Kirchen regelmig nach Osten angelegt.
Infolgedessen ist der Grundri von St. Sebald gegenber dem Bamberger
Grundri in der Himmelsrichtung gerade umgekehrt. Und da im Laufe des
12. Jahrhunderts der hl. Sebald Stadtpatron geworden war, nach welchem
auch die Kirche benannt werden sollte, so wurde seiner Verehrung der
grere Ostchor eingerumt, whrend dem hl. Petrus der kleinere Westchor
zufiel.[9]

[Illustration: Abb. 13. Romanische Hornkonsole.]

[Illustration: Abb. 14. Romanische Konsole.]

Eine weitere Selbstndigkeit liegt in dem Mangel eines zweiten
Turmpaares am Querschiffe von St. Sebald, welches dafr zwei Apsiden als
Nebenchre hat.

Dagegen spricht wieder deutlich fr die enge Verwandtschaft, da bei den
stlichen Apsiden der Kirche St. Sebald genau wie bei der Ostapsis des
Bamberger Domes die halbrunde Form gewhlt, whrend hier wie dort der
Westchor polygon abgeschlossen wurde.

Abgesehen von dieser hnlichkeit im Grundri haben die beiden Westchre
auch fast den gleichen Aufbau, wenn wir die durch den Unterschied der
Grenverhltnisse gegebenen Abweichungen auer acht lassen. Auen:
Mangel an Strebepfeilern, Abtrennung eines oberen Stockwerkes mit
Oberfenstern durch ein krftiges Gesims, an den Ecken Dienste, welche
nicht bis zum Dachgesims reichen; ein Unterschied besteht in den hier
runden, dort spitzbogigen Fenstern und darin, da bei St. Sebald auch
das untere Stockwerk Oberfenster hat. Innen: sechsteilige Gewlbe in den
Rechtecken, Dienste mit Schaftringen und Kleeblattblendarkaden an den
Wnden der Apsis.

Sowohl hier wie dort ist die Auenwand des Mittelschiffes so schlicht
wie mglich behandelt. Wandgliederung fehlt. Die Anzahl der Fenster
stimmt berein, es trifft auf jedes Joch ein Fenster. Die Fenster
sind bei beiden Bauten rundbogig, mit glatten Wandungen, und sitzen
unmittelbar auf dem Ansatz der Seitenschiffdcher auf. Ein ebenfalls
bereinstimmender Rundbogenfries, welcher sich unter dem Dachgesims
hinzieht, bildet den einzigen Schmuck der Hochwand.

Ferner ist im Auenbau der Ansatz der Chornische, beziehungsweise
des Chordaches an den Mittelschiffgiebel der gleiche (bei St. Sebald
im Westen, beim Dom zu Bamberg im Osten), und ebenfalls belebt der
eben erwhnte Rundbogenfries die Giebellinie. brigens hat aller
Wahrscheinlichkeit nach beim Bamberger wie beim Nrnberger Westchor der
Abschlu in einem Kranz von Giebeln mit Giebeldchern bestanden, wie die
Endigungen der Eckdienste beweisen; zum mindesten war eine derartige
Bekrnung bei beiden Apsiden geplant wie an rheinischen Bauten des
bergangsstiles.

Sonst fllt von den bereinstimmungen am Auenbau noch der an den beiden
Westapsiden unter dem das untere vom oberen Stockwerk trennenden Gesims
sich hinziehende Rundbogenfries auf, der auch auf die flankierenden
Trme bergreift und dessen Bogenanstze von blattwerkgeschmckten
Konsolen getragen werden.

In allen brigen Punkten kommt beim Auenbau der Unterschied zwischen
der reich ausgestatteten Bischofskirche und der einfachen, schlichten
Pfarrkirche zum Ausdruck.

Bezglich der Einzelglieder und der Dekoration im Innern der beiden
Kirchen kann nur eine teilweise bereinstimmung festgestellt werden:
die Kleeblattblendarkaden im Westchor (bei Bamberg auch an den
Westchorschranken)[10] in der Anlage sowohl wie in der Detailbildung,
Abschlu der Dienste in halber Hhe durch sttzende Konsolen, auch
Hornkonsolen (bei Bamberg nur im Westchor, bei St. Sebald durchgehends)
und Abrundung der Scheidbgenkanten in Wulste.

Zum Schlusse sei noch betont, da smtliche Steinmetzzeichen von St.
Sebald sich unter den zahlreichen Zeichen des Bamberger Domes vorfinden.

Durch diese Nebeneinanderstellung wird die von der Kunstgeschichte
ausgesprochene Vermutung, da die Kirche St. Sebald in ihrer ersten,
durch sptere An- und Umbauten noch nicht erweiterten Gestalt durch den
Bamberger Dom wesentlich beeinflut ist, vollauf besttigt. Es gilt dies
in erster Linie von der Plandisposition, in zweiter Linie vom Auenbau.
Was vom Dom zu Bamberg aus dessen erster Bauperiode vor und kurz nach
1200 auf die Kirche St. Sebald bertragen wurde, ist die doppelchrige
Anlage und die Idee, die Chorapsis mit zwei Trmen zu flankieren. Beides
wurde in selbstndiger und eigenartiger Weise vom Baumeister von St.
Sebald verwertet. Alle brigen bereinstimmungen der beiden Bauten gehen
auf die zweite Bauperiode des Bamberger Domes zurck, welche die Zeit
vom Ende des zweiten Jahrzehnts bis 1237 umfat. Und da die Nrnberger
Steinmetzzeichen nur am westlichen, der zweiten Bauperiode angehrenden
Teil des Bamberger Domes vorkommen, so steht fest, da die zweite
Bamberger Bauperiode und die erste Hlfte der Nrnberger Bauzeit durch
keinen greren Zeitraum getrennt sein knnen.

Es erbrigt nun beide Bauwerke auf ihre =Verschiedenheiten und
Abweichungen= zu untersuchen.

Technik und Konstruktion der Gewlbe ist bei beiden Kirchen so ziemlich
die gleiche: Bruchsteingewlbe in reicher Mrtelbettung, spitzbogige
Kreuzrippengewlbe mit schwacher Busung und nahezu horizontalem
Scheitel. Allein die angewandten Systeme sind grundverschieden: beim Dom
zu Bamberg das gebundene, bei St. Sebald das einfache System.

Ferner ist bei St. Sebald an einigen Stellen der Versuch gemacht worden,
durch Sttzwerk eine Verringerung der Mauerstrke herbeizufhren und
so den Gliederbau mehr zu betonen: an den Trmen und am Querschiff
durch Strebepfeiler, am Mittelschiff sogar durch Strebebgen. Am Dom zu
Bamberg fehlt -- abgesehen von den beiden Sttzpfeilern an den Osttrmen
aus dem Jahre 1274 -- jede Strebe; es entspricht fast durchwegs die
Mauerstrke der Strke der alten Grundmauer, so da Strebepfeiler oder
Strebebgen auch berflssig waren.

Was die Maverhltnisse und die Raumwirkung anlangt, so macht
sich am Bamberger Dom im Querschnitt ein Streben nach imposanter
Breitenentwicklung geltend. Die Hhe des Mittelschiffes verhlt sich
zu dessen lichter Weite wie 2 : 1. Anders bei St. Sebald. Hier ist
bei einem Verhltnis von 3 : 1 eine ganz bedeutende Hhenentwicklung
festzustellen.[11]

Im engsten Zusammenhang mit den Unterschieden im Querschnitt stehen
die in der Hochwandgliederung. Der breiten Anlage im Querschnitt beim
Dom zu Bamberg entspricht im Mittelschiff die breite Wandflche eines
Joches, welche sich ber zwei Arkadenbgen erhebt und um so breiter
erscheint, weil sie vom Gesims bis zum Fenster vllig leer geblieben,
d. h. weil jede Gliederung streng vermieden ist. Bei St. Sebald
entspricht der Hhenentwicklung des Mittelschiffes die schmale Bildung
einer Jochwand, die schon dadurch schlank erscheint, da sie sich bei
enger Aneinanderreihung der Sttzen nur ber =einer= Arkade erhebt und
auerdem durch Belebung mit einer Triforiengalerie und Gliederung des
Lichtgadens kurzweiliger wirkt.

Der Gesamteindruck des Auenbaues ist beim Bamberger Dom bedingt --
und zwar fr den in sptromanischer Zeit errichteten Hochbau nicht in
der gnstigsten Weise -- durch die vom alten Heinrichsbau beibehaltene
Anlage. Der ganze Bau ist langgestreckt und so scheinen gegenber der
leeren Mittelschiffhochwand die mehr oder minder reich behandelte Ost-
und Westpartie in einem losen Zusammenhang zu stehen. Grundverschieden
hiervon ist der Gesamteindruck des Auenbaues von St. Sebald, oder
besser gesagt, wird er gewesen sein. Starke Anklnge an Bamberg hat
eigentlich nur die Westpartie. Das Gesamtbild jedoch bietet eine ganz
andere Massenwirkung und Silhouette. Vor allen Dingen fehlt ein zweites
Turmpaar. Die Ostpartie mit den drei Apsiden ist Bamberg gegenber ein
neues, jedenfalls selbstndiges Motiv. Und dann, dies drfte wohl der
Hauptunterschied sein, stellt St. Sebald von den Fundamenten an einen
einheitlichen Bau dar, der auch nach auen hin die charakteristischen
Merkmale des sptromanischen oder bergangsstiles zur Schau trgt:
die Entfernung vom stlichen Querschiff zu den Westtrmen ist im
Verhltnis zu Bamberg eine beraus kurze, was bei der gleichen Anzahl
von Mittelschiffjochen in der Verschiedenheit der Systeme liegt, die
Baumassen sind demnach eng zusammengruppiert, und diese Wirkung wird
noch verstrkt durch Strebepfeiler und Strebebgen.

Ein nicht gerade wesentlicher Unterschied ist an den Westchren zwischen
den spitzbogigen Bamberger und rundbogigen Nrnberger Fenstern zu
verzeichnen.

Diese mannigfachen, teilweise schwerwiegenden Unterschiede der beiden
Kirchen lehren, da St. Sebald in vielen Punkten noch auf andere Bauten
zurckgehen mu. Die kunstgeschichtliche Bedeutung des Bamberger
Domes liegt vor allen Dingen in der eigenartigen Verschmelzung
fremder Einflsse, die nicht nur verschiedenen lokalen, sondern auch
verschiedenen zeitlichen Ursprunges sind. Fllt die Anlage unter
den Einflu Regensburgs im Anfang des 11. Jahrhunderts, so zhlt
anderseits der Hochbau zu den bedeutendsten Schpfungen des deutschen
bergangsstiles, wobei der Auenbau des Ostchores vom Ende des 12.
Jahrhunderts stark an die Ostpartie des Mainzer Domes und an andere
rheinische Bauten erinnert; und whrend einzelne Bauglieder des
Westchores aus dem zweiten und dritten Zehnt des folgenden Jahrhunderts
der Ebracher Schule angehren, weisen die Einwlbung des Westchores und
der Ausbau der Westtrme aus den dreiiger Jahren desselben Jahrhunderts
auf Nordfrankreich, speziell auf Laon. Es ist ganz klar, da von einem
derartigen Bauwerk mit so vielen stilistischen Verschiedenheiten nur
verhltnismig wenige Einzelheiten auf den Bau von St. Sebald bergehen
konnten: ein Teil der Plandisposition, die Anlage des Westchores und
Teile am Auenbau. Und dann war eben bei St. Sebald die Einfhrung
zeitgemer Neuerungen mglich, weil nicht, wie beim Bamberger Dom,
alte Grund- und Hochmauern einen Zwang auf die Gestaltung des neuen
Hochbaues ausbten. Da nun bis zum damaligen Zeitpunkt eine Bauschule
in Nrnberg nicht bestanden hat, so mssen jenen Neuerungen, welche
St. Sebald gegenber Bamberg aufzuweisen hat, andere verwandtschaftliche
Beziehungen zugrunde liegen.

=St. Sebald und die Klosterkirche zu Ebrach.= Die Entwicklung der
Baukunst in der romanischen Epoche wurde vorzugsweise in den groen
Stdten gefrdert, welche Bischofssitze waren. Man braucht da nur an
die Stdte Mainz, Speyer oder Kln zu erinnern und man kennt sofort die
Bedeutung ihrer romanischen Bauwerke und den Einflu derselben auf die
ganze Entwicklung.

Daneben machte sich aber eine Bewegung geltend, deren Einflu nicht
geringer als jener geschtzt werden darf. Es ist die Bewegung, welche
durch die Bauschulen des Benediktiner- und des Zisterzienser-Ordens
hervorgerufen wurde.[12] Ja, der Einflu derselben ist in gewisser
Hinsicht von weit hherer Bedeutung fr die Kunstgeschichte als der der
Dombauschulen; denn dieser war selten ber ein eng begrenztes Gebiet,
meist nicht ber die Grenzen der Dizese hinausgegangen, der Einflu
jener Ordensbauschulen war aber nie lokal beschrnkt, er erstreckte sich
weithin nach allen Richtungen in die verschiedensten Lnder, er darf
mitunter geradezu als international betrachtet werden. Und waren es dort
die Kirchen und Dome, welche von ihrer Zentral- oder Metropolitankirche
Neuerungen empfingen und mit grerer oder geringerer Modulation in
sich aufnahmen, so waren es hier die Kirchen des Landes, gewhnlich die
Klosterkirchen, denen -- natrlich ebenfalls in lokaler Anpassung -- das
charakteristische Geprge der entsprechenden Ordensbauschule aufgedrckt
wurde.

Im 11. Jahrhundert hatte unter den Ordensbauschulen der
Benediktinerorden die der Kluniazenser die Oberhand, im 12. Jahrhundert
wurden dieselben von den Hirsauern abgelst, und im letzten Drittel des
12. und in der ersten Hlfte des 13. Jahrhunderts hatte der Orden der
Zisterzienser, neben dem sich auch die Prmonstratenser geltend machten,
die weiteste Verbreitung.

Zwischen Wrzburg und Bamberg, nher bei letzterer Stadt, liegt
mitten in den stattlichen Nadel- und Laubwaldungen des Steigerwaldes
im Quellgebiet der mittleren Ebrach das nach diesem Bache benannte
Zisterzienserkloster. Es liegt -- was die Zisterzienser bei neuen
Klostergrndungen stets im Auge behielten -- in sich abgeschlossen,
abseits von allen Verkehrswegen, gleichweit vom Main, von der Rednitz
und von der Heerstrae Nrnberg-Wrzburg entfernt.

Das Kloster wurde im Jahre 1126 gegrndet.[13] Der Besitz hatte bald
bedeutenden Umfang gewonnen teils durch Schenkungen, teils durch Ankauf
von Gtern, teils durch den Flei der Mnche in der Kultivierung der
umliegenden Waldungen. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts mute bereits
der Frage einer Erweiterung der konomiegebude wie der Kirche nher
getreten werden. Was die Kirche anlangt, so entschlo man sich zu
einem vollstndigen Neubau, und zwar zu einem Bau von betrchtlichen
Dimensionen, der an und fr sich schon einen Rckschlu auf die damalige
zahlreiche Besetzung und den Reichtum des Klosters zult.

Bald nach 1200 wurde der Bau begonnen, eine dreischiffige
Pfeilerbasilika mit dem nach Schema Cisteaux II gebildeten Chorabschlu,
nmlich einer einfachen geradlinigen Kapellenreihe an der Ostseite
des Querschiffes und einer doppelten um den ebenfalls geradlinig
abschlieenden Chor. Die Wlbung besteht aus Kreuzrippengewlben in dem
System des durchlaufenden Joches. Im 18. Jahrhundert wurde das Innere
der Kirche im Stile der Zeit derartig umgestaltet, da die romanischen
Details nicht mehr zu erkennen, ja grtenteils berhaupt nicht mehr
sichtbar sind. Doch steht fest, da eine Triforiengalerie nicht
vorhanden war. Die Hauptbauperiode fllt in das erste Drittel des 13.
Jahrhunderts; die Vollendungsarbeiten zogen sich in die Lnge, erst 1285
fand die Einweihung der Kirche statt.

Dagegen hat sich eine an die Nordseite des Querschiffes der Kirche
angebaute Kapelle, die Michelskapelle, bis auf den heutigen Tag
unverndert erhalten. Sie wurde ebenfalls zu Beginn des 13. Jahrhunderts
in Angriff genommen, 1207 schon fand die Einweihung der Kapelle und
dreier Altre statt. Dieser Epoche gehrt der grere Teil der Kapelle
an, nmlich der mit sieben Stufen ber das Niveau der brigen Kapelle
erhhte Chor einschlielich Querschiff mit vier Wlbungsquadraten und
das anstoende Quadrat der unteren Kapelle. Die beiden westlichen
Rechtecke mit den sechsteiligen Gewlben wurden erst im folgenden
Jahrzehnt angefgt. Hier in dieser Kapelle haben Architekturglieder und
Ornamente die reichste Verwendung gefunden, hier finden sich wieder
Kleeblattblendbgen und Hornkonsolen, welche in der allgemeinen Form
sowohl wie in der Detailbearbeitung stark an den Dom zu Bamberg und an
St. Sebald in Nrnberg erinnern. Und wenn wir uns vergegenwrtigen, wie
damals die Zisterzienser mit ihren Mnchen und Laienbrdern sich hufig
auch an anderen Kirchenbauten, welche im Auftrage von Pfarrgemeinden
oder weltlichen Geistlichen errichtet wurden, rege beteiligten, so liegt
die Vermutung sehr nahe, da zwischen dem Bau der Klosterkirche in
Ebrach und den zeitlich mit ihm bereinstimmenden Bauten in Bamberg und
Nrnberg enge Beziehungen bestanden haben.

Die Vermutung wird in erster Linie durch den Umstand besttigt, da
smtliche Steinmetzzeichen am alten Bau von St. Sebald nicht nur am Dom
zu Bamberg, sondern auch mit noch etlichen Zeichen dieses Baues wieder
an der Klosterkirche in Ebrach angetroffen werden. Es steht somit fest,
da eine Anzahl ein und derselben Steinmetzen an allen drei Kirchen
ttig waren. War diese wandernde Kolonie an dem einen Bau fertig, so zog
sie zum anderen Bau, um dort ihre Ttigkeit von neuem aufzunehmen.

Der Anzahl der Zeichen nach zu schlieen waren von den Steinmetzen,
die am Bau der Klosterkirche Ebrach arbeiteten, mehr am Dom zu Bamberg
ttig als an der Kirche St. Sebald. Trotzdem war den Ebrachern an der
Nrnberger Pfarrkirche ein greres Arbeitsfeld eingerumt als dort.
Was am Bamberger Dom direkt auf Ebracher Einflu zurckgeht, ist der
Westchor bis zum Dachgesims, beziehungsweise bis zu den Gewlbeanfngen
im Innern und das Nordportal des Querhauses mit den Kleeblattblendbgen;
ferner die Schranken des Westchores.[14] Der Dom war eben in seinen
Hauptteilen: Ostchor mit Trmen, Langhaus und Querschiff, bereits
vollendet oder wenigstens der Vollendung nahe, als man in Ebrach die
Neubauten aufzufhren begann. Beim Weiterbau am Bamberger Dom mute die
einmal gegebene Disposition beibehalten werden, und so hatten sich die
Ebracher den Anordnungen der Dombauleitung unterzuordnen. Anders bei
St. Sebald. Hier konnte sich die Ttigkeit der Ebracher viel
einflureicher gestalten, weil man berhaupt erst zu bauen anfing,
als die Ebracher kamen. Hier konnten also die von den Ebrachern in
ihr Bauprogramm aufgenommenen Neuerungen volle Verwertung finden.
Und so finden sich bei St. Sebald nicht nur dekorative Glieder, wie
kleeblattfrmige Blendnischen oder Hornkonsolen vor, welche auf eine
nahe Verwandtschaft mit Ebrach hinweisen, sondern auch Konstruktion
und System, d. h. fast alles, worin St. Sebald mit Bamberg nicht
bereinstimmt, bilden ein Produkt der engen Beziehungen.

Wir sehen nmlich in Ebrach, und zwar zunchst in der Klosterkirche
selbst, vor allem das einfache System mit durchlaufendem Joch wieder,
die rechteckigen Gewlbefelder im Mittelschiff und infolgedessen im
Lngsschnitt der Mittelschiffjoche eine bedeutende Hhenentwicklung
(Bamberg 2 : 1, Ebrach 3 : 1); ferner eine im Gegensatz zu Bamberg groe
Entfernung der Gewlbkmpferlinie von den Arkadenbgen, Vorlagen in
den Arkadenbgen, von Sulen getragen, nicht vollstndige Herabfhrung
der Mittelschiffdienste im Gegensatz zu den Seitenschiffdiensten und
schlielich am Auenbau Strebepfeiler. Ebenfalls ist der Rundbogen in
den Fenstern, der Spitzbogen in den Arkaden und im Gewlbe vertreten.
In der Michelskapelle und zwar in deren jngerem Teil kehren das
sechsteilige Gewlbe, Verringerung der Mauerstrke des Lichtgadens und
Aufsitzen des Schildbogens auf kleinen Sulen, auerdem nahverwandte
Formen an den Halbsulenkonsolen und an den Kapitlen wieder.

[Illustration: Abb. 15. Portal am sdlichen Turm.]

Die soeben festgestellten bereinstimmungen zwischen St. Sebald und
der Ebracher Klosterkirche sind architektonische Elemente, welche dem
Bamberger Dombau vllig fern liegen, und zum weitaus grten Teil
konstruktiver Natur, in der Hauptsache: das Strebesystem und das System
des einfachen Joches. Wir fragen uns nun: wie kamen bei Ebrach zu Anfang
des 13. Jahrhunderts diese wesentlichen Elemente gotischen Stiles in die
sptromanische Baukunst Ostfrankens?

Bekanntlich war Frankreich das Kulturland des Mittelalters. Am meisten
hatte Deutschland im 13. Jahrhundert den Einflu Frankreichs im gesamten
Bereich der Kultur zu verspren und nicht zum mindesten in der Baukunst.
Mit dem 13. Jahrhundert hatte die Gotik in ihrem Geburtslande Frankreich
den Hhepunkt ihrer Entwicklung erreicht, und von dieser Zeit an datiert
ihre Einfhrung nach Deutschland, und zwar in der zweiten Hlfte des 13.
Jahrhunderts die Einfhrung der entwickelten Gotik, in der ersten Hlfte
die Einfhrung einzelner Elemente dieses Stiles. Und die Einfhrung
einzelner gotischer Elemente wurde von dem weit verbreiteten Orden der
Zisterzienser besorgt.

Gewi fand in Ebrach auch nach Vollendung des 1126 gegrndeten Klosters
die Baukunst durch die Mnche und Laienbrder weiterhin Pflege.
Erweiterungen der Klosteranlage, welche durch den rasch anwachsenden
Reichtum bedingt wurden, und Auftrge in der Umgegend werden gengend
Arbeit zugefhrt haben. Als jedoch das Kloster zu Beginn des 13.
Jahrhunderts beschlo, einen bedeutenden Neubau dem Zeitcharakter
entsprechend aufzufhren, da reichten die vorhandenen bau- und
kunstverstndigen Mitglieder des Ordens nicht aus, man bedurfte eines
bedeutenden Zuwachses neuer Krfte, insbesondere eines entsprechend
geschulten Bauleiters. Es blieb daher nichts anderes brig, als sich an
das Mutterkloster zu wenden und sich von dort eine Anzahl von Konversen
samt Baumeister, Parlieren und Steinmetzen kommen zu lassen. Nur auf
diese Weise erklrt sich das pltzliche Auftauchen franzsischer
Bauweise in Ostfranken, zumal in Ebrach.

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts waren fr die Zisterzienser nicht mehr
die fnf burgundischen Hauptkirchen die allein ausschlaggebenden Bauten.
Dieselben waren im wesentlichen nunmehr Vorbilder in der Anlage. In
allen brigen Punkten kam jetzt die burgundische Schule berhaupt,
also nicht nur die der Zisterzienser speziell, als Ausgangspunkt fr
neuere Bestrebungen in Betracht, und hier nahmen den ersten Platz die
beiden im stlichen oder Niederburgund gelegenen Bauten, die gegen 1200
vollendete Kathedrale von Langres und die um 1220 erbaute mchtige
Vorhalle von Cluny ein. Von da aus scheinen die beiden Hauptelemente
der franzsischen Frhgotik, das einfache Wlbungssystem und die
Verstrebung, bis nach Ostfranken und nach Nrnberg vorgedrungen zu sein.
Auffllig ist nur, da die dort einen Hauptteil der Hochwandgliederung
bildende Triforiengalerie und der Strebebogen in Ebrach keinen Eingang
fanden, um so mehr, als die Zisterzienser doch stets ein lebhaftes
Streben nach Zweckmigkeit im Konstruktiven bekundeten. Nach dieser
Richtung also kann Ebrach fr St. Sebald nur eine vermittelnde Rolle
gespielt haben und nicht selbst Vorbild gewesen sein.

[Illustration: Abb. 16.]

[Illustration: Abb. 17.]

[Illustration: Abb. 18. Romanisches Portal am sdlichen Turme.]

Jedoch ist ein anderer Weg der Einfhrung nicht ausgeschlossen. Die
Einwlbung des Bamberger Westchores ist ein Werk franzsischer Frhgotik
aus den dreiiger Jahren des 13. Jahrhunderts und hat mit Ebracher
Baukunst, als deren Werk oben der brige Teil des Westchores bezeichnet
wurde, nicht das geringste gemein. Im Gegenteil weisen verschiedene
Spuren darauf hin, da die Einwlbung von dem nmlichen Meister geleitet
wurde, nach dessen Plnen auch die Westtrme ihre charakteristische
Gestalt erhielten. Die beiden Westtrme wurden nach dem Muster der Trme
der Kathedrale von Laon gebaut, und diese, das letzte bedeutendste
Bauwerk der nordfranzsischen Frhgotik, dessen Vollendung in die
Zeit vor 1226 fllt, scheint denselben Anteil an St. Sebald wie die
Kathedrale von Langres und die Vorhalle von Cluny zu haben. Ein
bestimmtes Ergebnis drfte natrlich erst durch eine eingehende, die
erwhnten Punkte besonders bercksichtigende rtliche Untersuchung jener
Bauten zu erzielen sein. Vorerst jedoch hat die Vermutung viel fr sich,
es gingen die nahen verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen Bamberg
und Laon zuletzt auch auf eine Vermittlung von Ebrach zurck und liege
so fr die Einfhrung franzsisch-frhgotischer Elemente in St. Sebald
eine durch Ebrach bewirkte Verschmelzung von Einflssen der beiden
angrenzenden Gegenden Burgund und Champagne zugrunde. --

Bamberg und Ebrach teilen sich in ihre Ansprche auf die Gestaltung der
Kirche St. Sebald. Konstruktion und System fallen Ebrach, Plananlage
und Auenbau Bamberg, Ornamentik und Dekoration beiden zu. Man sollte
glauben, da die Wage sich dorthin, von wo Konstruktion und System
entlehnt wurden, neigen msse. Keineswegs. Der Baumeister von St.
Sebald hat nie vergessen, da er eine Pfarrkirche und nicht eine
Klosterkirche zu bauen hatte. Das Programm der Zisterzienser lautete
auf Verzicht von Krypten, St. Sebald birgt deren zwei, und eine reiche
Verwendung plastisch-dekorativer Details wird noch durch die ebenfalls
von den Zisterziensern verschmhte Polychromie besonders hervorgehoben.
Durch die Kreuzung zweier so grundverschiedener Einflsse wie die
von Bamberg und Ebrach zhlt St. Sebald nicht zu den gewhnlichen
Durchschnittsbauten des deutschen bergangsstiles, sondern nimmt eine
besondere Stellung ein. Freilich mute darunter der einheitliche
Charakter des Baues leiden. Einheitlich ist das Innere, einheitlich
scheint auch der Auenbau, wenn wir von den Strebebgen absehen, gewesen
zu sein; aber nach Ansicht des Auenbaues vermutet man beim Eintritt
in das Innere nie und nimmer franzsische Frhgotik. Auenbau und
Innenbau decken sich nicht. Und eben weil der Baumeister eine organische
Verschmelzung beider nicht oder vielmehr noch nicht erreicht hat, mu
der Bau den sptromanischen Bauten und darf nicht den frhgotischen
Bauten eingereiht werden. Es hat sich in Deutschland nirgends aus der
Vereinigung des sptromanischen Stiles mit franzsischen frhgotischen
Elementen eine eigene Gotik herausgebildet. Die Gotik mute als fertiges
Ganzes von Frankreich herber gebracht werden; erst dann konnte man in
Deutschland gotisch bauen.

[Illustration: TAFEL IV. Das Brauttor.]




                                   II.

                        Die gotische Bauperiode.

   1. Die Erweiterung der Seitenschiffe und die Umbauten am Querschiff
                        und Westchor. 1309-1361.


Am 14. Februar des Jahres 1309 erschien Friedrich Holzschuher,
Gotteshauspfleger von St. Sebald, vor dem Schultheien Siegfried von
Kammerstein und den Schffen der Stadt, um im Auftrage des Rats den
Verkauf eines zum Kirchenvermgen der Sebaldkirche gehrigen Hauses
vor der badstuben bi dem fleischpenken an Herdegen Holzschuher und
dessen Erben verbriefen zu lassen. In der vom Gericht ausgefertigten
Kaufsurkunde ist der Zweck der Veruerung jenes Hauses bei den
Fleischbnken ausdrcklich angegeben: sw[.a] daz wer durch des
neuen poues wegen an sante Sebol[t]s kirchen, daz man den dest baz
m[.o]cht volbringen an den apseiten.[IV]

  [IV] Siehe Beilage 18.

In der Literatur ist gewhnlich als Grund fr diese Bauvernderung der
schlechte Zustand der Seitenschiffe bezeichnet, ja es wird sogar eine
gefahrdrohende Bauflligkeit als unmittelbarer Anla vermutet.[15]
Es ist nicht ersichtlich, wie vom ganzen romanischen Bau gerade die
Seitenschiffe htten schadhaft werden sollen, whrend alles brige
vllig intakt geblieben wre.

Noch immer war damals die Sebaldkirche wie zur Zeit ihrer Grndung
die einzige Pfarrkirche von Nrnberg. Denn soweit auch der fr den
sdlichen Sprengel der Stadt bestimmte, im letzten Drittel des 13.
Jahrhunderts begonnene Bau von St. Lorenz gediehen sein mochte, er
scheint zu Beginn des 14. Jahrhunderts noch nicht dem Gottesdienst
bergeben worden zu sein. Zudem hatte sich Nrnberg im 13. Jahrhundert
gewaltig entwickelt. Schon vor Mitte desselben wurde mit der zweiten
Ummauerung begonnen, welche nicht nur das bisherige befestigte Gebiet
zwischen Burg und Pegnitz westlich und stlich vergrerte, sondern
auch einen betrchtlichen sdlich der Pegnitz gelegenen Teil mit in
das Stadtbild hereinnahm. Die Mauerzge sind heute noch deutlich zu
erkennen, der Weie Turm und der Laufer Schlagturm sind berreste dieser
Befestigung.[16] Der Rckschlu auf den Zuwachs der Bevlkerung und
Pfarrgemeinde lt die Notwendigkeit einer Erweiterung der Pfarrkirche
deutlich erkennen.

Der Wortlaut der Urkunde steht dieser Annahme nicht entgegen. Denn von
dem Zweck des Umbaues ist gar nicht die Rede. Es heit schlechthin:
wegen des neuen Baues bei St. Sebald ist der Hausverkauf notwendig
geworden. Die Vermutung liegt nahe, da der Bau, als der Verkauf jenes
Anwesens durchgefhrt wurde, schon seit einiger Zeit im Gange war
und da die nun gewonnenen Geldmittel zu einer reicheren Ausstattung
des Baues verwendet werden sollten: da man ihn desto besser mchte
vollbringen.

=Anlage.= Die um 1309 durchgefhrte Erweiterung der Seitenschiffe (Abb.
19) besteht vor allem darin, da die Mauer derselben bis auf die Breite
des Querschiffes hinausgeschoben worden ist. Der Raumgewinn ist ein ganz
bedeutender, denn die Bodenflche der jetzigen Seitenschiffe betrgt
fast das Doppelte der alten. In vertikaler Richtung hat man ebenfalls an
Raum gewonnen, denn durch die grere Breite ist naturgem ein hheres
Gewlbe bedingt worden.[17] Eine besondere Schwierigkeit hat sich dem
Neubau nicht in den Weg gestellt. Zu erwgen war nur, was mit den beiden
Paaren von Strebebgen, welche die mittlere Gewlbepartie des Langhauses
sttzten, anzufangen sei. Man hatte bei der krftigen Konstruktion des
romanischen Mauerwerkes wahrscheinlich bald die Entbehrlichkeit dieser
Bgen erkannt und sie ohne jeglichen Ersatz beseitigt. Bedenken machte
ferner die Lsung der Dachfrage. Die Erhhung des Gewlbes brachte
auch eine Erhhung des Daches mit sich, wollte man fr den Dachstuhl
die fr den Wasserablauf gnstige und zur damaligen Zeit beliebte
steile Form whlen. Allein man frchtete eine Einbue an Licht, weil
die Fenster der Hochwand in ihrem unteren Drittel htten zugedeckt
werden mssen, und entschied sich beim nrdlichen Seitenschiff fr
Kapellen- oder Giebeldcher, von welchen jedes einem Gewlbe entsprach.
Um eine Bentzung der romanischen Triforien whrend des Gottesdienstes
auch weiterhin zu ermglichen, wurden Treppenlufe innerhalb der
Gewlbetrichter angelegt. Der First der Kapellendcher lief wagerecht,
berhrte also die Hochwandfenster nur an ihrer Sohle, und zwischen den
Dchern lagen schrg nach auen dreieckfrmige Dachzwickel, deren Rinnen
neben den neuen Strebepfeilern in Wasserspeier endeten. Beim sdlichen
Seitenschiff sind die Kapellendcher nicht nachzuweisen. Hier scheint
ein Pultdach, welches in die Mittelschiffenster einschnitt, vorhanden
gewesen zu sein.

=Gewlbe.= Das vierteilige Kreuzgewlbe ist auch bei dem Neubau
beibehalten worden, ebenso die Hhe der ueren Kmpferlinie. Es ist ein
Rippengewlbe ohne Stelzung und mit wagerechtem Scheitel. Die Strke
der Gurte unterscheidet sich nicht von der Strke der Rippen; selbst
in der Profilierung ist nur ein kleiner Unterschied bemerkbar: whrend
dort auf Sockel und Hohlkehle eine ebenfalls gekehlte Rippe aufgesetzt
ist, folgt hier ein herzfrmiger Stab. Die Schlusteine zeigen beraus
reichen und anziehenden, teils figuralen, teils ornamentalen plastischen
Schmuck. Die Wandpfeiler sind rund, gleichsam als Halbsulen gedacht.
Die Kapitle gliedern sich in zwei Hlften: die untere hat zwei Krnze
bereinander, die obere zwischen zwei polygonen Plinten einen Laubkranz.

=Fassade.= Durch die zur Sttze der Gewlbe erforderlichen Strebepfeiler
ist die Fassade der Seitenschiffe von selbst gegliedert. Vier Jochwnde
sind mit Fenstern durchbrochen, eine, und zwar beiderseits die zweite
von den Trmen an gerechnet, enthlt ein Portal, dessen Krper vor die
Mauerflucht bis auf die Tiefe der Strebepfeiler heraustritt. ber dem
Portalkrper ist in der Mauer ein kleineres Fenster. Ein belebendes
Moment bilden beim nrdlichen Seitenschiff die Wimperge ber den
Fenstern und die den horizontalen Mauerabschlu bekrnende Galerie, so
da mit den Fialen der Streben ein abwechslungsreiches Bild entsteht.
Im brigen hat die Mauer der Fassade die an gotischen Bauten bliche
Gliederung.

=Strebepfeiler.= Der zweifach abgestufte Mauersockel setzt sich auch
um die Strebepfeiler fort. Ebenso das Kaffgesims. In halber Hhe
beginnt die bis zum Schlu sich steigernde architektonische Belebung,
welche zunchst darin besteht, da sich an den drei Seiten ebensoviele
Giebelgesimse mit Krabben und Kreuzblumen anlehnen. ber denselben ein
Zinnenkranz. Der obere Teil endigt mit je einem mit Kreuzblumen und
Krabben geschmckten Giebel, darunter zweiteiliges Blendmawerk. Den
Abschlu bildet eine krabbengezierte Pyramide mit Kreuzblume.

[Illustration: Abb. 19. Querschnitt durch das Mittelschiff und die
Seitenschiffe.]

Bei den Strebepfeilern, welche die Portale flankieren, treten die oberen
Teile zurck. Der dadurch ausgesparte Raum an der Vorderseite ist zur
Aufnahme von Statuen bestimmt, wie die Baldachine andeuten. Es soll
damit wahrscheinlich eine einheitliche Komposition dieser Wand als
Portalwand betont sein.

=Fenster.= Die Breite der Fenster ist ungleich. Das Fenster in der
letzten an das Querhaus anstoenden Jochwand mute mit Rcksicht auf den
in das neue Mauerwerk mit hereingenommenen romanischen Strebepfeiler
schmler ausfallen als die brigen. Hingegen wurde das Fenster in
der an die Trme anstoenden Jochwand mit Absicht breiter gestaltet,
nmlich um mehr Licht in dem dunkeln Winkel bei den Trmen zu
gewinnen. Da dieses Fenster erst spter seine jetzige Breite erhalten
htte, ist bei der genauen bereinstimmung der Profilierung seiner
Leibung nicht mglich. berall ist die Leibung durch zwei Hohlkehlen
gegliedert, welche durch einen im Profil birnfrmigen Stab geschieden
sind, whrend die uere Kante ein Rundstab begleitet. Auch die
Maverhltnisse stimmen berein. Whrend die beiden stlichen Fenster
Drei- und Vierteilung mit je drei Gruppierungen aufweisen, sind jedoch
die Mawerke der westlichen Fenster mehrfach gruppiert bei teilweiser
Verwendung von halbrunden Bgen anstatt der Spitzbgen (Abb. 21 und a,
b, c).

=Ornamente.= Beim nrdlichen Seitenschiff ist die Galerie des Daches
eine Neuschpfung der letzten Restaurierung, zu der nur sprliche
Anhaltspunkte vorhanden waren. Im Gegensatze hierzu bedurfte die Galerie
des Portales nur einer Ergnzung; sie ist durch fnf freistehende und
zwei Wandpfosten geteilt, welche schlichtes Mawerk einschlieen. Beim
sdlichen Seitenschiff fehlen sowohl die Wimperge ber den Fenstern wie
die abschlieende Galerie.

=Portale.= Die beiden Portale sind bis auf die Galerie, welche am Portal
des sdlichen Seitenschiffes (Abb. 20) fehlt, vollstndig gleich in
der Anlage. Das Gewnde ist in je vier Abstufungen aufgelst, deren
Kanten durch Stbe gegliedert sind und in deren Ecken ebensoviele
Sulen stehen. Die Sulen bestehen aus je vier Einzelsulen, sind also
gleichsam Sulenbndel. Dieselbe Gliederung setzt sich in Basis und
Kapitl fort. Die Basen ruhen auf Wrfelsockeln und diese ihrerseits auf
einem glatten Postament. Die trichterfrmig sich erweiternden Kapitle
haben bald figrlichen, bald ornamentalen Schmuck; ihre Platten sind
durch eine Hohlkehle gegliedert und bilden das Hauptgesims. Der Bogen
hat eine dem Gewnde entsprechende Gliederung.

=Mauerwerk.= Das Mauerwerk der Fassademauer besteht aus Werksteinen, das
der Gewlbe aus Bruchsteinen in Mrtelbettung.

Der eben in seinen Einzelheiten beschriebene Bau der Seitenschiffe von
St. Sebald gehrt nach der stilistischen Seite noch in die Periode der
Hochgotik. Er weist in der ganzen Anlage, in der Verteilung der Massen,
in den Proportionen, in der Art der Ausschmckung, in der Ornamentik
selbst alle Vorzge derselben auf.

Der Meister, dessen Persnlichkeit festzustellen uns bis jetzt nicht
gelungen ist, stammte zweifellos aus einer der ersten damaligen
Schulen, und zwar aus einer Schule, in welcher die Gotik nicht mehr als
franzsische Anleihe, sondern bereits als deutsches Eigentum behandelt
wurde.

Vielleicht kann ein in den ersten noch romanischen Strebepfeiler
der ehemaligen nrdlichen Querschiffwand nachtrglich eingesetztes
mnnliches Bildnis als Portrt dieses Meisters angesprochen werden.

[Illustration: TAFEL V. Grundri der Sebalduskirche.]

=Stilkritische Wrdigung.= Die bau- und kunstgeschichtlichen Beziehungen
der Seitenschiffe zur allgemeinen Entwicklung nachzuweisen, ist nicht
leicht. Da bei den gnstigen Maverhltnissen, bei dem Reichtum des
Aufbaues und bei der knstlerischen Ausfhrung der belebenden Ornamente
ein Zusammenhang mit einer einflureichen Bauschule Deutschlands
bestanden hat, versteht sich ja von selbst. Allein die vermittelnden
Bindeglieder fehlen, welche an den Ausgangspunkt fhren. Zweifellos
wrden die Bauten der vier Bettelorden, die sich seit den zwanziger
Jahren des 13. Jahrhunderts in Nrnberg ansiedelten, imstande sein,
Aufschlu zu geben -- wenn sie noch bestnden. Erhalten ist nur die
Barferkirche, aber durch den Umbau im 17. Jahrhundert so verndert,
da ihr ursprngliches Aussehen vollstndig verschwunden ist. Auch
mit den auf uns gekommenen Abbildungen der Bettelordenkirchen, meist
Stichen des 17. und 18. Jahrhunderts, ist nichts anzufangen, sie sind
in der Darstellungsweise zu sehr von dem Stilcharakter ihrer Zeit
beeinflut, als da sie fr eine kunstgeschichtliche Untersuchung in
dieser Hinsicht in Frage kommen knnten. Freilich hatten die Kirchen
der Bettelorden der Ordensregel entsprechend nirgends eine reichere
Ausfhrung aufzuweisen, soda sie fr eine direkte Beeinflussung
stattlicher Pfarrkirchen berhaupt nicht von Belang sind. Nur indirekt
knnen sie durch Grundrianlage und Konstruktion des Aufbaues
Fingerzeige bei Vergleichung bedeutender Bauten geben, was aber in dem
vorliegenden Falle aus dem angefhrten Grunde nicht mehr mglich ist.

[Illustration: Abb. 20. Portal am sdlichen Seitenschiff.]

Eine weitere Vermittlerrolle ist der Schwesterkirche St. Lorenz
zugefallen, deren Erbauung in den siebziger Jahren des 13.
Jahrhunderts begonnen hat. Auch sie hat wie St. Sebald spter mehrere
durchgreifende Vernderungen erfahren: 1403 eine Erweiterung der
Seitenschiffe, 1439-1477 den Bau des neuen Chores. Mit der Erweiterung
der Seitenschiffe im Jahre 1403 fielen die alten Mauern und die neuen
wurden in die Flucht der Querschiffmauern hinausgerckt. Was vom
Mauerkrper der alten Seitenschiffe noch besteht, zeigt indessen eine
so nahe Verwandtschaft mit den Seitenschiffen von St. Sebald, da der
Gedanke, es sei der gleiche Meister an beiden Bauten ttig gewesen, sich
unwillkrlich aufdrngt. War es doch wohl auch das Nchstliegende, zu
den baulichen Vernderungen, die St. Sebald in dieser Epoche erfuhr,
Werkleute der eben im Bau begriffenen neuen Pfarrkirche heranzuziehen.
Der alte Bau von St. Lorenz seinerseits deutet in stilistischer
Hinsicht auf die Schule von Freiburg. Die Bauzeit deckt sich ungefhr
mit der des Langhauses vom Freiburger Mnster und dehnt sich noch ber
dieselbe aus. Vor allem erinnert der ganze innere Aufbau an Freiburg,
nur mit dem Unterschiede, da die bei beiden bereits vorhandenen
Reduktionserscheinungen an der Kirche St. Lorenz noch um einen Grad
strker eingegriffen haben: die Hochwand ist durch den Mangel des die
vorausgegangene Epoche auszeichnenden Triforiums wieder eine wirkliche
Mauer geworden, die Fensterffnungen sind verringert. Die Sulenbndeln
hnlichen Pfeiler sind nahe verwandt. An den Kapitlen fehlt bei St.
Lorenz fast durchgehends schon das Laubwerk. Die Raumwirkung ist hier
gnstig, whrend bei Freiburg die Rcksichtnahme auf ltere Bauteile
die Raumverhltnisse wesentlich beeintrchtigt hat. In der Anlage
der Fassade geht St. Lorenz auf das Straburger Mnster zurck, wie
berhaupt bei den Wechselbeziehungen zwischen Freiburg und Straburg die
Einflsse einer dieser Schulen stets mit denen der anderen gemischt sind.

Obwohl die Erweiterung der Seitenschiffe bei St. Sebald erst im
Beginn des 14. Jahrhunderts in Angriff genommen wurde, sind hier die
Reduktionserscheinungen relativ gering. So nehmen die Fenster die
ganze Wandflche ein, der ornamentale Schmuck ist noch reich. Dieser,
die Pfeilerbildung, insbesondere die fr Figuren bestimmten Nischen
und Baldachine an den Pfeilern gemahnen an Freiburg. Dagegen wird die
Frage der Herkunft der Fensterwimperge mit Freiburg nicht gelst. Die
Schnheit, welche in der fortlaufenden Abwechslung der bekrnenden
Strebepfeilerfialen, Wimperge und Galerien liegt, hatte man im 13.
Jahrhundert zu wrdigen gewut. Von Frankreich ausgehend, verbreitete
sich dieses Motiv rasch ber Deutschland. Alle bedeutenderen Bauten
sind damit geziert. Zu den Reduktionserscheinungen im 14. Jahrhundert
zhlt auch der Verzicht auf die Wimperge, nur die Galerien wurden neben
den Fialen beibehalten. Es ist anzunehmen, da, wie bei St. Lorenz die
ganze Anlage auf Freiburg und nur die Fassade auf Straburg zurckgeht,
so bei St. Sebald die Wimperge ebenfalls mittelbar oder unmittelbar
eine Entlehnung vom Straburger Mnster bedeuten, wo sich dieselben
nicht nur ber Portalen und einzelnen Fenstern der Fassade, sondern
im Verein mit Fialen und Galerien an den Seitenschiffen finden. Die
Wlbung hinwiederum ist der im Freiburger Mnster eng verwandt, hier
wie dort Gewlbe mit wagerechtem Scheitel, whrend bei den Gewlben des
Straburger Mnsters Busung und konkave Scheitellinien anzutreffen sind.

[Illustration: Abb. 21 a-d. Fenster-Mawerke der Seitenschiffe.]

[Illustration: Abb. 22 und 22a. Brauttor.]

Der romanische Bau von St. Sebald war, so viele gotische Elemente
er auch in sich aufgenommen hatte, in seinem Kern nur wenig berhrt
worden. Mit dem Umbau der Seitenschiffe dagegen hatte die Gotik in
ihrer reifsten Form Ausdruck erhalten. Der gewaltige Umschwung, der
sich whrend der zweiten Hlfte des 13. Jahrhunderts in der deutschen
Baukunst vollzogen hatte, ist aus diesem Gegensatz deutlich zu erkennen:
Anfangs- und Endstadium stehen nebeneinander. Dort der Ausgang einer
Epoche mit deutlichen Anzeichen des neuen Stiles, hier bereits ein
fertiges Produkt desselben; die Zwischenstufen fehlen. Allein so sehr
beim romanischen Bau die importierten Elemente auf den Schauplatz
hinweisen, auf welchem der gotische Stil zur Entwicklung gebracht worden
ist, von franzsischer Gotik ist bei den Seitenschiffen nichts mehr zu
finden. Hier gehrt die Epoche der Rezeption der franzsischen Gotik auf
deutschem Boden schon zur Vergangenheit, hier hat die Gotik deutsches
Brgerrecht erworben. Die Seitenschiffe stehen aber auch schon hart an
der Grenze, jenseits welcher man zu reduzieren begonnen hat. Sie sind
eine Schpfung der Hochgotik mit allen Vorzgen derselben. Sie sind das
Beste, was die gotische Baukunst in Nrnberg geschaffen hat.

=Die Fensterausbrche im Querschiff und Westchor.= Die der Kirche durch
die breiten neuen Fenster der Seitenschiffe zugefhrte Lichtmenge war
bedeutend und mute den Wunsch erwecken, auch an anderen Wnden der
Kirche die romanischen Fenster durch Ausbrche zu verbreitern, um
so mehr, als in bezug auf grere Lichtflle die in der Vollendung
begriffene St. Lorenzkirche zur Nacheiferung aufforderte. So sehen
wir denn weiterhin an Stelle der romanischen Kreisfenster in den
Querschiffwnden breite vierteilige Mawerkfenster entstehen, von denen
die Kmpferkapitle jetzt noch vorhanden sind und zeigen, da beim
spteren Ostchorbau nur eine Verlngerung der schon vorhandenen Fenster
stattgefunden hat.

Aus dem gleichen Bedrfnisse erwuchs schlielich auch die Umwandlung der
romanischen Fenster in den drei mittleren Feldern des Westchores, die
bis dahin, wie die noch vorhandenen seitlichen Fenster ausweisen, aus je
zwei ffnungen bestanden, in zweiteilige gotische Mawerkfenster. ber
die genauere zeitliche Reihenfolge dieser Fensterausbrche lt sich
vllig Sicheres nicht feststellen.

Auf diese Weise hatte also der romanische Bau eine ganz vernderte
Beleuchtung, nmlich die heute noch vorhandene, erhalten. Die
ursprnglich gedmpfte und feierliche Lichtwirkung, die in den Schiffen
und Chren der romanischen Kirche geherrscht hat, knnen wir uns nur
mehr in der Vorstellung vergegenwrtigen.

Einen eigentmlichen Reiz mu in dieser Zwischenperiode die ganze
Erscheinung der Kirche, namentlich das romanische Querschiff mit seinen
gotischen Mawerkfenstern, geboten haben.

=Die neuen Portale am Querschiff.= Im Zusammenhang mit diesen baulichen
Vernderungen ist hier schlielich noch die Anlage zweier neuer Portale
an den ersten Querschiffjochen zu erwhnen, die offenbar bereits dieser
Bauperiode der Kirche angehrt: das =Brautportal= (Taf. IV und Abb. 22
und 22a) im stlichen Joch des nrdlichen Querschiffarmes zwischen
den romanischen Strebepfeilern, zeigt ein reich profiliertes Gewnde,
innerhalb dessen die Statuen der klugen und trichten Jungfrauen auf
Konsolen unter Baldachinen aufgestellt sind. Nach oben schliet das
Portal mit einem Spitzbogen und darber horizontal in rechtwinkeliger
Form ab. In der Spitze des Bogens ist das Brustbild des segnenden
Heilands, zu beiden Seiten sind die Statuen Adam und Eva angebracht. Das
jetzt leere Tympanonfeld kann ehemals eine Skulptur, vielleicht aber
auch nur ein Mawerk enthalten haben.

Eine wirkungsvolle Zutat, die aber einen Teil der frheren Anlage
verdeckt, erhielt das Portal ein paar Dezennien spter durch den Vorbau
eines reich ausgebildeten durchbrochenen Mawerkes, neben dem zwei
Statuen -- rechts der hl. Sebald und links Maria mit dem Christuskinde
-- auf Konsolen und unter Baldachinen ihren Platz fanden.

Am sdlichen Querschiffarme, ebenfalls zwischen den romanischen
Strebepfeilern des westlichen Joches, wurde das =Dreiknigsportal=
angelegt. In einfacherer Weise als beim Brauttor zeigt das Portal ein
reich profiliertes Gewnde und als Abschlu einen Spitzbogen, in dessen
Tympanonfeld heute eine nach dem Innern der Kirche hin gerichtete
Holzskulptur (Epitaphium der sel. Ebnerin) angebracht ist. Nach auen
wurde zwischen den Strebepfeilern durch den Einbau eines Gewlbes mit
profilierten Rippen eine Vorhalle geschaffen, an deren Wnden in Nischen
auf vier Konsolen Maria mit dem Christuskinde und je einer der drei
Weisen mit ihren Geschenken als Rundfiguren angebracht sind.


                       2. Der Ostchor. 1361-1379.

Der im Jahre 1309 begonnene Umbau der Seitenschiffe konnte, wenn auch
die Kirche ungefhr 100 qm an Flchenraum gewann, nicht als eigentlicher
Erweiterungsbau gelten. Es waren eben nur die Seitenschiffe, welche bei
dem Besuch der Kirche whrend des Hauptgottesdienstes wenig in Frage
kommen, erweitert worden, Mittelschiff und Chor waren geblieben, wie sie
in der ersten Hlfte des 13. Jahrhunderts angelegt waren.

Auf die Dauer gengte demnach die Kirche St. Sebald ihrer immer mehr
anwachsenden Gemeinde nicht. Wir wissen ja, da die Stadtgrenze in der
zweiten Hlfte des 13. Jahrhunderts mit jenem Mauerzug bestimmt wurde,
welcher im heutigen Stadtbild am Weien Turm und dem Laufer Schlagturm
noch deutlich zu erkennen ist, und da noch vor der Mitte des folgenden
Jahrhunderts diese Grenze auf den jetzigen Stadtgraben hinaus verlegt
wurde, was doch in Anbetracht der kurzen Zeit zweifellos auf eine rasche
Bevlkerungszunahme der Stadt und insbesondere der Pfarrei St. Sebald
schlieen lt.[18][19]

Angesichts dieses starken Bevlkerungszuwachses konnte auch die in den
Jahren 1355-1361 auf dem Markt erbaute Kapelle zu Unserer Lieben Frau
keine Entlastung fr die Kirche St. Sebald bedeuten.

Mitbestimmend fr die notwendige Erweiterung der Kirche St. Sebald war
wesentlich folgender Punkt.

Mit der Zunahme der Bevlkerung war auch Nrnbergs politische und
kulturelle Bedeutung gestiegen.

[Illustration: TAFEL VI. Lngenschnitt der Sebalduskirche.]

Die auerordentlich gnstige zentrale Lage des Ortes, seine Stellung
als bevorzugte Reichsstadt, in der sich die deutschen Knige und
Kaiser oft und lange aufhielten und die sie durch bedeutende Handels-
und sonstige Privilegien auf alle Weise frderten, die groe Gunst
und Liebe, die besonders die beiden Kaiser Ludwig der Bayer und Karl
IV. der Stadt angedeihen lieen, dann aber, und das war nicht weniger
wichtig, die unerschpfliche Arbeitskraft und Arbeitslust seiner
Bevlkerung sowie die Intelligenz und der Unternehmungsgeist seiner
Geschlechter und der brigen bedeutenden Kaufmannschaft, hatte das
Wachstum und die Blte Nrnbergs so mchtig gefrdert, da es bereits
um die Mitte des 14. Jahrhunderts in sonst kaum beobachteter rascher
Entwicklung sich eine weltgeschichtliche Bedeutung errungen hatte. Es
ist richtig, die Entwicklung Nrnbergs auf allen Gebieten, dem des
Handels und der Gewerbe, der Kunst und der Wissenschaft, tritt zu keiner
Zeit so deutlich und herrlich in die Erscheinung wie gegen Ende des
15. und im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts, wo eine auserlesene
Schar hervorragender, ja einziger Krfte auf dem Gebiete des Gewerbes,
insbesondere des Kunstgewerbes in Nrnberg wirkten und, man mchte
sagen, die Frsten im Reiche der Kunst und des Kunsthandwerkes dieser
einzigen Stadt ihren Glanz durch Jahrhunderte verliehen. Aber einen
ersten bedeutenden Hhepunkt erreichte das Kunstleben der Stadt,
entsprechend der bedeutenden Entwicklung, die das Gemeinwesen sowohl als
auch die handelspolitische Bedeutung der Stadt genommen hatte, schon
in der glanzvollen Epoche der gotischen Kirchenbauten. Da kann es denn
nicht wundernehmen, da man, als das Bedrfnis einer Erweiterung der
Hauptpfarrkirche immer dringender hervortrat, an Stelle des Ostchors,
fr dessen Stilcharakter man kein Verstndnis mehr hatte, und der auch
den gesteigerten Ansprchen viel zu bescheiden, ja armselig erscheinen
mochte, einen stattlichen, dem modernen Geschmack angepaten Neubau
erstehen lie.

Ende der fnfziger Jahre wurde bereits fr den Neubau zu sammeln
begonnen, wie zwei Ablaurkunden vom 23. Februar und 21. September
des Jahres 1358 beweisen.[20] 1360 wurde ein am Friedhof von St.
Sebald gelegenes und dem Egidienkloster gehriges Haus gegen ein
zum Kirchenvermgen von St. Sebald gehriges Anwesen umgetauscht,
was wohl nur daraus verstndlich wird, da jenes Haus hart an der
Friedhofmauer, in nchster Nhe des alten Ostchores lag und behufs
Niederlegen von der Kirchenverwaltung von St. Sebald erworben werden
mute.[21] Im Sommer 1361 nahm man den Neubau in Angriff.[22] Da
Geld stets vonnten war, besagt unter anderem der 1362 zur Frderung
des Neubaues erteilte Abla.[23] Im Frhjahr 1364 war der Bau bereits
weit vorgeschritten; der Pfarrer Albrecht Krauter, der sich um den
Neubau seiner Kirche sehr verdient gemacht hat, stellte der Stadt einen
Revers ber die Nichterweiterung des Friedhofes aus, obwohl das Areal
desselben durch den Neubau an Flchenraum erheblich eingebt hatte.[24]
Eine Unterbrechung des Gottesdienstes scheint whrend des Baues nicht
stattgefunden zu haben. So wurden bis zum Jahre 1365 Pfrnden gestiftet
und besttigt, darunter 1364 eine Pfrnde fr den in der sdlichen
Seitenapsis stehenden St. Stephansaltar.[25] Vom Oktober 1365[26] bis
zum Juli 1370[27] allerdings schweigen die urkundlichen Nachrichten, und
erst in den folgenden Jahren hren wir wieder von Stiftungen fr Altre
und zwar in erster Linie fr Altre, die ihren Standort im neuen Ostchor
erhielten. Schon 1370 scheint der Neubau den Anschlu an die alte Kirche
erreicht zu haben und auch eingewlbt gewesen zu sein, so da die bisher
in den drei Ostapsiden des romanischen Chores befindlichen Altre nun
neue Aufstellung finden konnten.[28] In der Zwischenzeit von 1365-1370
wurde der Hauptgottesdienst wahrscheinlich im Mittelschiff oder im
Westchor abgehalten.

Von besonderem Interesse erscheinen zwei Urkunden, vom 3. Juli 1370 und
vom 10. Juli 1379[29], nach deren Inhalt die Ostkrypta nicht, wie man
annehmen knnte, beim Neubau eingefllt worden wre, sondern einstweilen
noch fortbestanden htte. Beide Schriftstcke, von welchen das erste
die Besttigung der Stiftung einer Pfrnde fr den Marienaltar enthlt,
das andere von einem Abla des Kardinals Pileus fr den gleichen Altar
handelt, bezeichnen ausdrcklich den Standort dieses Altares als in der
Krypta befindlich. Diese Bezeichnung des Standortes mu indessen sehr
auffllig erscheinen und ist nur schwer zu erklren, da ein Fortbestehen
der Ostkrypta nach Vollendung des Neubaues technisch unmglich war.

War schon im Jahre 1370 der Bau im Innern soweit vorgeschritten, da der
Gottesdienst in demselben aufgenommen werden konnte, so ging auch das
uere rasch seiner Vollendung entgegen. Wie aus zwei im Stadtarchiv
Nrnberg aufbewahrten Urkunden vom 15. Oktober und 20. Dezember des
Jahres 1372[30] ersichtlich ist, war nmlich um diese Zeit der Auenbau
vollendet und aller Wahrscheinlichkeit nach auch das Gerst beseitigt,
denn es wurden den ehemaligen Pchtern der Brotbnke am alten Ostchor
nun neue Brotbnke an den Pfeilern des neuen Chores berlassen. Was den
endgltigen Abschlu des ganzen Unternehmens noch hinausschob, wird wohl
der Umstand gewesen sein, da entweder verschiedene auf die Ausstattung
und Einrichtung der Kirche abzielende Auftrge noch nicht erfllt waren
oder da es nach dieser Richtung berhaupt an Auftraggebern und Stiftern
eine Zeitlang gefehlt hat. Noch am 5. Juni 1379 erteilte der Kardinal
Pileus einen Abla, weil die vorhandenen Mittel zur Vollendung der
Kirche nicht ausreichten.[31] Am Sonntag nach Bartholomus des Jahres
1379 endlich fand die feierliche Einweihung des neuen Ostchores statt,
welcher im ganzen 24000 Goldgulden kostete.[32]

So war in verhltnismig kurzer Zeit -- besonders wenn wir die Jahre
1361-1372 ins Auge fassen -- ein mchtiges und herrliches Bauwerk
geschaffen worden. Es lt diese Tatsache wohl einen Rckschlu zu auf
den Eifer, mit dem das Unternehmen begonnen und durchgefhrt worden war,
aber auch auf die Wohlhabenheit der Brger, welche das Unternehmen nie
hatte ins Stocken geraten lassen, was im Mittelalter, wo fast niemals
ein greres Bauwerk nach dem ursprnglichen Plane in wenigen Jahren zur
Vollendung gelangte, zu den Seltenheiten gehrte.

                    *       *       *       *       *

=Baubeschreibung.= Der Ostchor von St. Sebald ist ein dreischiffiger
Hallenbau mit Chorumgang. Unregelmigkeiten und Verschiebungen in
der Grundribildung (Taf. V), wovon eingehend bei dem Abschnitt ber
Stilkritik die Rede sein wird, hatten zur Folge, da die Anlage mit
drei ungefhr gleich breiten Schiffen, wie sie im westlichen Joch, wo
der Chor an das Langhaus anstt, gegeben war, nicht genau durchgefhrt
werden konnte. Gleichwohl ist die quadratische Form der Gewlbefelder im
allgemeinen beibehalten worden, so da fast immer die Breite der Schiffe
so ziemlich der Gre der Pfeilerabstnde entspricht.

Der Abschlu des Binnenchores wird von drei Seiten des Achteckes
gebildet. Im Chorumgang, dessen Auenwand aus sieben Seiten des
Sechzehneckes besteht[33], wechseln vier dreieckige Felder mit drei
rechteckigen Feldern ab. Das Gewlbe wird von zehn freistehenden
Pfeilern getragen, dem Schub des Gewlbes nach auen begegnet die Wand
mit 18 Strebepfeilern, an der Westwand entsprechen den Innenpfeilern
zwei romanische Vierungspfeiler und an den Auenecken stehen zwei kleine
Strebepfeiler.

Das verwendete Baumaterial ist rtlichgrauer Sandstein von ziemlich
weicher Beschaffenheit aus den westlichen Auslufern des Jura, fr
Steinmetz- und Bildhauerarbeiten vorzglich geeignet, jedoch von
geringer Widerstandskraft gegen die Unbilden der Witterung.

Fr die Anlage des neuen Ostchores war die Breite des romanischen
Querhauses magebend, von welchem verschiedene Teile mit in den Neubau
aufgenommen wurden. Die Westwand und die beiden Seitenwnde wurden
mit ihren Pfeilern, Strebepfeilern und Diensten beibehalten. Dagegen
wurden die stlichen romanischen Vierungspfeiler durch neue freistehende
Pfeiler und die entsprechenden Strebepfeiler mit ihren Diensten
ebenfalls durch neue ersetzt.

Zu den Anbauten und Nebenbauten gehren zwei Sakristeien: die grere
an der Nordwand zwischen dem dritten und vierten Strebepfeiler,
ein zweistckiger Bau in rechteckiger Grundriform, das untere
Gescho mit zweiteiligem Gewlbe, und die kleinere gegenber an der
Sdwand, ebensolang, aber nur halb so breit wie die andere Sakristei
und nur eingeschossig. Die sdliche Sakristei war ursprnglich die
Pankratiuskapelle. An die beiden Sakristeien schliet sich westlich
je eine Kapelle an, zwischen zwei Pfeilern durch Einziehung derselben
eingebaut; die nrdliche derselben, von der Nrnberger Patrizierfamilie
der Pfinzing gestiftet, wurde spter durch Umbau in eine Empore
verwandelt und fhrt jetzt den Namen Magistratschor, die sdliche ist
die Pmerkapelle.

[Illustration: Abb. 23. Ostchor. Innenansicht.]

Zwischen den beiden ersten Strebepfeilern an der Nordwand wie an der
Sdwand, also hart neben den beiden eben erwhnten Kapellen, fhren
die zwei schon frher vorhandenen Portale in den Chor, nrdlich das
Brautportal oder die Ehtr und sdlich das Dreiknigsportal. Die
stlich der sdlichen Sakristei befindliche kleine Tre, die sogenannte
Schautre, bestand damals noch nicht.[34] Die einzelnen Wandabteilungen
werden von schlanken, gleich langen Fenstern durchbrochen; nur die
Fenster in einigen westlichen Traveen, insbesondere das ber der
nrdlichen Sakristei, haben eine Krzung erfahren mssen.

=Querschnitt und Aufri= (Taf. VI). Das Prinzip der Hallenkirche
erfordert, wenn es rein zum Ausdruck kommen soll, bei den drei
parallelen Schiffen nicht nur gleiche Spannweite, sondern auch gleiche
Hhe. Letzterem Erfordernis ist am Ostchor von St. Sebald durchweg
Rechnung getragen, und es konnte dies, eben weil die Schiffe so ziemlich
gleiche Spannung haben, leicht geschehen; es war demnach weder eine
schlanke, noch eine gedrckte Bildung der Wlbungslinien notwendig, und
so muten auch die Kmpfer, beziehungsweise Gewlbeanfnger gleiche
Hhe erhalten. Ungleichheiten entstanden nur im stlichen Teile des
Chores, wo zwar die Breiten der Wandabteilungen mit den Pfeilerabstnden
ungefhr bereinstimmen, aber beide nicht mit der Spannweite des
Umganges. Gleiche Scheitelhhe einerseits und gleiche Kmpferhhe
andererseits ist jedoch auch hier beibehalten worden, weshalb die
Wlbungslinien das einemal eine gedrcktere, das anderemal eine spitzere
Form annehmen. Eine kleine Unregelmigkeit hat sich ferner noch beim
Ansatz des Gewlbes an die stehengebliebenen Wnde, Pfeiler und Dienste
des romanischen Querhauses ergeben. Es wurden nmlich die westlichen
Vierungspfeiler mit ihren Diensten sowie die brigen Dienste vollstndig
in den Neubau aufgenommen, also einschlielich der Kapitle, nur an
den beiden Pfeilern wurden die vorkragenden Gesimse weggeschlagen, was
aber konstruktiv ohne Belang ist. Erst von den romanischen Kapitlen an
beginnen die gotischen Gurt-, Rippen- und Schildbgen, oder richtiger
gesagt: =schon= von den romanischen Kapitlen an; denn da das neue
Gewlbe -- nicht nur die Scheitel, sondern auch die Gewlbeanfnger --
etwa 150 m hher liegt als das alte, so muten die neuen Gewlbteile
ber den romanischen Sttzen um diese Entfernung gestelzt werden. Dabei
wurde fr den ersten nrdlichen Scheidbogen die Breite des romanischen
Vierungspfeilers beibehalten, da dessen Breite der Strke der brigen
Scheidbgen zuflliger Weise entsprach, die Breite des anderen Pfeilers
dagegen mute, weil derselbe bedeutend strker, verkleinert werden.

Die Wahl gleicher Hhe sowohl wie gleicher Spannweite der Schiffe
brachte auerdem noch ein gnstiges Verhltnis fr die Stabilitt
des Baues mit sich. Der Schub der mittleren Gewlbe wird auf
diese Weise naturgem durch die seitlichen vllig aufgehoben,
so da die Auenmauern und ihre Strebepfeiler nur dem Schub der
Seitenschiffsgewlbe Widerstand zu leisten haben. Auenmauern und
Strebepfeiler htten somit auf ihre geringste Strke reduziert werden
knnen, ebenso die Innenpfeiler, welche ja nur unter senkrechter
Belastung stehen. Allein eine solche Reduzierung htte fr den Bestand
des Bauwerkes gefahrdrohend sein mssen. Man wollte den ganzen Chor mit
seinen drei Schiffen und seinem Umgang, wie es damals bei Hallenbauten
blich war, unter ein einziges Dach bringen, und ein solches Dach mute
bei den riesigen Dimensionen schon durch sein eigenes Gewicht, dann aber
vor allem durch den Winddruck, den es auszuhalten, und die Schneemasse,
die es zu tragen hatte, den Gewlbebau ganz betrchtlich belasten. Und
so unterblieb die theoretisch zulssige Reduzierung von Pfeiler- und
Wandstrke auf das Mindestma.

[Illustration: Abb. 24. Innenansicht vom Ostchor gegen Nordosten.]

Die schlanken Innenpfeiler (Abb. 23) zeigen bereits ausgesprochenen
sptgotischen Charakter: ihr Horizontalschnitt besteht aus einem
regulren Achteck mit vier angelegten kreisrunden Diensten. Der
Pfeilersockel hat die erweiterte Form des Pfeilers, mit dem Unterschied,
da der achteckige Grundri an den Diagonalseiten zu einem rechteckigen
ergnzt ist. Den bergang vom Sockel zum Pfeiler stellt eine einmalige
wellenfrmige Abstufung mit zwei kleinen Hohlkehlringen, bei den Ecken
eine pyramidenfrmige dreiteilige Abstufung her. Kapitle fehlen. Der
bergang von der Sttze zur Last sollte unmittelbar sein. Doch wurde es
unterlassen, den Grundri des Gewlbanfngers in bereinstimmung mit dem
Pfeilergrundri zu bringen oder umgekehrt. Denn der Pfeiler htte, wenn
Dienst mit Rippe oder Gurt, Scheidbogen mit einem Teile des Pfeilerkerns
selbst sich htten decken sollen, eine achteckige Grundriform haben
mssen, indem die beiden in der Querachse liegenden Seiten mit je drei
Diensten fr je einen Gurt und zwei Rippen ausgerstet gewesen wren;
die beiden in der Lngsachse liegenden Seiten wrden den Scheidbgen
entsprochen haben. So aber -- bei einem achteckigen Pfeiler mit vier
Diensten an den vier Hauptseiten -- muten die seitlich einmndenden
drei Rippen, einschlielich eines Gurtes, enger zusammengefat werden
und sich auf einen einzigen Dienst beschrnken, whrend die brigen
zwei Dienste mit den anschlieenden Teilen des Pfeilers in die gnzlich
anders profilierten Scheidbgen bergehen. Aber auch die Rippenprofile
sind wesentlich verschieden von der runden Form der Dienste, so da das
Gesamtbild des Gewlbanfngers keineswegs mit der Form des Pfeilers
bereinstimmt. Gleichwohl wird dadurch, da sich die einzelnen Rippen
und Bgen nur allmhlich im Pfeiler verlieren, im Beschauer die Meinung
erweckt, als wenn sich der bergang vom Pfeiler zum Gewlbe in weitem,
unmerklichem Flu vollziehen wrde.

Das in Anwendung gebrachte Gewlbesystem ist das einfache Kreuzgewlbe
ber quadratischem Grundri. Der Gewlbescheitel liegt nahezu
horizontal, auch in den beiden ueren Gewlbevierteln der ersten
Seitenschiffsjoche, welche wegen des vorhandenen romanischen
Mitteldienstes geteilt wurden. Es steht demnach auch die Wandflche
als solche nur unter senkrechter Belastung. Rippen, Gurte, Schildbgen
sind unter sich gleich stark und in gleicher Weise profiliert, die
Schlusteine sind kreisrund und fhren die Profilierung der Rippen fort.
Das Profil der Scheidbgen zeigt zwischen zwei tief einschneidenden
Hohlkehlen einen polygonalen Vorsprung.

Bei der Einwlbung der rechteckigen und dreieckigen Felder des
Chorumgangs hatten sich Besonderheiten nicht ergeben. Ebensowenig
bei der Einwlbung des Binnenchorabschlusses, indem zu den drei
gleich groen Achteckseiten die beiden anstoenden etwas greren
Pfeilerabstnde hereingenommen wurden, so da die Lsung der
Wlbungsfrage in der einfachsten Weise geschehen konnte.

Das Material des Kappengemuers ist Bruchstein in Mrtelbettung.

Dieselbe Einfachheit, mit der Grundri und Aufri, beziehungsweise
Querschnitt durchgebildet sind, zeigt sich auch bei der Gliederung der
Innenwand (Abb. 24). Die bereits gegebene Teilung wurde ohne eigentliche
Zutat belassen. Die senkrechte Teilung in einzelne Wandflchen
besorgen die Wandpfeiler, oder, besser gesagt, die Fortsetzungen der
Wlbungsgurte, welche aber nicht besonders auffllig aus der Wand
heraustreten, denn sie haben nicht nur die Profilierung der Rippen,
sondern auch deren Strke behalten. Etwa 4 m ber dem Boden beginnen
die Fensterffnungen und ziehen sich hoch hinauf bis an das Gewlbe.
Diese starke Betonung des Vertikalen wird nur unterbrochen durch ein
in der Nhe und in Verbindung mit den Fensterbnken horizontal um den
Chor herumlaufendes Gesims, das jedoch an den Mauerdiensten absetzt.
Als einziger Schmuck wurden zu beiden Seiten der Fenster fr noch zu
stiftende Statuen Konsolen und reich gestaltete Baldachine angebracht
(Abb. 25).

[Illustration: Abb. 25. Baldachin im Ostchor.]

In der Profilierung der Fensterleibungen wechseln mehrere Hohlkehlen,
Rundstbe und Stege miteinander ab. Charakteristisch ist auer der
Betonung einer greren Hohlkehle die Anfgung des Rundstabes, der mit
einem Doppelpolster auf einem kanellierten stabfrmigen Sockel aufsitzt.

Die Anwendung der Polychromie war nur sprlich. Trotzdem war der
Eindruck des Innenraumes auf den Beschauer ein malerischer. Die
Kirche war von Anfang an getncht, so da die scharfe Wirkung, welche
die nackte Steinarchitektur ausgebt htte, wesentlich gemildert
erschien. Ungemein wohltuend wirkten dann die einzelnen bemalten
Stellen, gleichsam Farbflecke im Gesamtbilde der Architektur. Die
Leibungen der Fenster waren mit roter Steinfarbe gestrichen, mit
einfachem Strichmuster waren die Gewlbrippen belebt, bunte Fassung
mit reichlicher Verwendung von Gold zeigten nur die Schlusteine. Die
farbige Ausschmckung der Chorwnde unterhalb der Fensterbank und auch
der Baldachine war dem Wohlttigkeitssinn der Patrizier und anderer
reicher Familien berlassen, ebenso wie die Ausfllung der groen
Fensterflchen mit Glasmalereien.

Der Eindruck des Innenraumes an und fr sich, des Raumbildes selbst,
ist ein beraus gnstiger. Schon in der Beleuchtung des Raumes liegt
eine Reihe von Vorzgen. Dadurch, da smtliche Schiffe gleiche Hhe
haben, verteilt sich das Licht gleichmig auf den ganzen Raum, es
entsteht nirgends eine finstere Ecke. Gesteigert wird diese Wirkung noch
durch den Umstand, da fast smtliche Fenster mit Glasmalereien bis zur
halben Hhe ausgestattet sind, beziehungsweise bei der 1379 erfolgten
Einweihung ausgestattet waren, so da die Beleuchtung den Gewlben
zu verstrkt, nach unten gedmpft wird und da andererseits die tief
herabgezogenen Seitenfenster weniger stren.

Der Charakter des Hallenbaues kommt voll und ganz zum Ausdruck. Die
Verzichtleistung auf ein Querschiff und somit auf die Kreuzform
berhaupt, der in die Breite gehende Aufbau bei verhltnismig kurzer
Lngenausdehnung des Ganzen haben zur Erreichung des Hallenprinzips den
grten Teil beigetragen. Die breite Anlage, der khne Aufbau kommt erst
recht zur Geltung, wenn man von dem romanischen Langhaus in den neuen
Chor bertritt. Ein gewisses beengendes Gefhl, das einen in den fest
geschlossenen Schiffen -- die gotischen Seitenschiffe nicht ausgenommen
-- berkommt, schwindet mit einemmal, man atmet auf und glaubt in freier
Luft zu sein.

Welch gewaltiger Unterschied liegt da zwischen dem Bauwerk der ersten
Hlfte des 13. Jahrhunderts und dem der zweiten Hlfte des 14.
Jahrhunderts! Ruhen dort die Vorzge in der Darstellung und in der bis
zu einem gewissen Grade konsequenten Durchfhrung des =Organischen=,
so breitet hier die =Raumkunst= ihre gesamten Vorteile in mchtiger
Entfaltung aus. So verhltnismig kurz der dazwischenliegende
Zeitraum auch ist, aus dem lteren Bau kann der Neubau nicht erklrt
werden; man glaubt vor einem Rtsel zu stehen. Denn der im Anfange
des 14. Jahrhunderts erfolgte Umbau der Seitenschiffe des romanischen
Langhauses gibt, obwohl er mit ein Glied in der Entwicklungskette
bildet, keinen Aufschlu und kann auch keinen geben, da das basilikale
System beibehalten worden ist und daher die Seitenschiffe wegen ihrer
untergeordneten Bedeutung nicht in Frage kommen knnen.

Das Innere des Ostchores zeichnet sich aber auch noch durch besondere
Vornehmheit in der Gesamtwirkung aus, ganz im Gegensatz zu der
Nchternheit der sptgotischen Hallenkirchen. Es ist dies vor
allem einem beraus fein gestimmten Proportionsgefhl des Erbauers
zuzuschreiben. Zudem zeigte sich derselbe auch frei von dem Streben nach
der in der Sptzeit so beliebten Kontrastwirkung und hat kleinliche
Details streng vermieden. Bei dem Gebrauch des dekorativen Elementes hat
er sich eine weise Beschrnkung auferlegt.

                    *       *       *       *       *

Die Struktur des Auenbaues (Taf. VII, VIII, IX) ist analog der
Gestaltung der Innenwand an sich wenig reich an Gliederung. Es wechseln
die schlanken Strebepfeiler mit den fast ebensolangen Fenstern ab, also
in der Hauptsache ebenfalls Betonung des Vertikalen. In Vereinigung mit
den Fensterbnken zieht sich ein krftiges Gesims um den ganzen Chor
herum, die Streben mitinbegriffen, und als zweite Horizontallinie kann
die auf der Chormauer aufsitzende Galeriebrstung betrachtet werden.
So einfach, ja man mchte sagen, so primitiv die Gliederung des durch
die Hallenanlage bedingten Auenbaues ist, schwerfllig kann derselbe
keineswegs genannt werden. Denn mit der Wahl von sieben Seiten des
Sechzehnecks fr den Chorabschlu wurde eine enge Aneinanderreihung der
Streben erzielt, so da die verhltnismig schmalen Fenster nahezu
die ganze Zwischenwand einnehmen und somit das Mauerwerk wesentlich
auf den konstruktiven Bedarf reduziert wird. Und auch Eintnigkeit und
Einfrmigkeit, die eine natrliche Folge im Auenbau einer solchen
Anlage htten sein mssen, sind durch Gliederung im einzelnen und durch
reichen Aufwand an Dekoration gnzlich vermieden worden.

Eine Gliederung des Mauerwerks unterhalb des in Fensterhhe sich
herumziehenden Gesimses ist unterlassen worden; nur ein schlichter
Sockel, wie am brigen Bau wellenfrmig mit der Mauer verbunden, ist zu
erwhnen. Erst von dem Hauptgesims ab beginnt die Architektur lebendig
zu werden. Die sich verjngenden Strebepfeiler sind in drei Stockwerke
abgeteilt, wobei die markierenden feinen Gesimse auch auf die zwischen
Pfeiler und Fenster als Rest verbliebenen Wandstreifen bergreifen.
Die einzelnen Abstze nun sind mit einer Flle von Blendwerk, jedoch
in klarer Disposition, ausgestattet. Die Blendnischen der unteren
Stockwerke enthalten zur Aufnahme von Statuen Baldachine (Abb. 27 und
a, b) und Konsolen, welch letztere, bald auf Sulen ruhend, bald nur
in die Wand eingelassen, ornamentalen und figrlichen Schmuck zeigen;
neben den Fenstern sind, entsprechend dem Pfeiler, zu demselben Zweck
Postamente, auf dem Hauptgesims stehend, und hohe, bis an das nchste
Pfeilerstockwerk hinaufragende Baldachine angebracht. Das Blendwerk des
zweiten Stockwerkes setzt sich auch auf die Wand bis an die Fenster hin
fort; dagegen fehlen hier Konsolen und Baldachine. Vorne ist dieses
Stockwerk dreieckig gestaltet, die Nischen der beiden Dreiecksseiten
enthalten wiederum kleine Postamente und Baldachine; ber dem Dreieck
erhebt sich eine mit Krabben und Kreuzblume geschmckte Fiale bis ber
die Hlfte des nchsten Stockwerkes, dessen Blendwerkgliederung infolge
des geringeren Umfanges wesentlich vereinfacht ist.

[Illustration: TAFEL VII. Grundrientwicklung der Strebepfeiler am
Ostchor.]

[Illustration: TAFEL VIII. Ansicht eines Ostchorjoches.]

[Illustration: TAFEL IX. Seitenansicht und Schnitt eines Strebepfeilers
am Ostchor.]

Die Profilierung der Fensterleibungen ist hnlich der an der Innenwand
und wird hauptschlich durch eine grere Hohlkehle bestimmt. Das
Mawerk der Fenster hat noch keine komplizierten Formen und erinnert
meist an die Zeit der Hochgotik. Die vier Teile, in welche die Fenster
durch einen strkeren Mittel- und zwei schwchere Seitenpfosten geteilt
sind, schlieen einzeln mit Spitzbgen ab, welche wiederum paarweise
zusammengefat sind, und die Fllung in diesen beiden Spitzbgen bilden
gewhnlich Dreipsse. Nur in den Fenstern des ehemals romanischen
Querhauses, die durch Verlngerung der dort schon bestandenen gotischen
Fenster entstanden sind, ist die Bildung der Mawerkfllung eine
freiere, weniger zum Gesamtorganismus passende, es tritt sogar die
Fischblase auf.

ber den Fenstern ragen Wimperge, in Kreuzblumen endigend und mit
Laubbossen auf den Kanten, empor; sie sitzen seitlich auf hohen, bis zur
Fensterbank hinabreichenden Rundstben auf und berschneiden oben die
zinnenbekrnte, an ihrem Fu mit Ranken und Blattwerkfries geschmckte
Galerie. Ein weiteres, die Gesamtarchitektur belebendes Moment sind die
mit Blendwerk, Krabben und Kreuzblumen ausgestatteten Fialen auf den
Strebepfeilern.

So ist es gelungen, durch Gliederung im einzelnen wie durch reiche,
aber immer mavolle Entfaltung ornamentalen Schmuckes den Mangel an
Gliederung des Ganzen zu ersetzen. Und auerdem ist mit dem von der
Chorgalerie, den Fensterwimpergen und Fialen gebildeten prchtigen Kranz
fr den Beschauer ein gut Teil des gewaltigen Daches verdeckt.

Die Westwand des romanischen Querhauses, welche schon wegen der
hheren Einwlbung des neuen Ostchores erhht werden mute, ist bis
ber den First des romanischen Mittelschiffes weitergefhrt, jedoch
nicht bis zum First des Chordaches, sondern, vielleicht um weniger
Widerstand gegen Wind und Wetter zu bieten, vielleicht auch nur aus
Sparsamkeitsrcksichten, abgewalmt.[35]

Der Eindruck des Auenbaues auf den Beschauer ist ein mchtiger, um so
mehr, als man beim Anblick unwillkrlich zum Vergleich mit den lteren,
in kleineren Verhltnissen errichteten Bauteilen der Kirche gezwungen
wird. Nur liegt hier die Sache anders als beim Innenbau. Dort wird der
Hauptunterschied mehr in der Breitendimension gefunden, hier mehr in der
Hhendimension.

Ist auch das Mauerwerk des neuen Ostchors nicht bedeutend hher als
die romanische Hochwand, so bt doch das Dach mit seiner mchtigen
Ausdehnung eine geradezu erdrckende Wirkung auf den brigen Bau aus,
und zwar deswegen, weil die drei Schiffe mit einem einzigen Sattel
berzogen sind. Angenommen, es wre mglich gewesen, jedem einzelnen
der Chorschiffe, wie es z. B. bei verschiedenen Bauten in Hessen fters
der Fall ist, eine besondere Bedachung aufzusetzen, so wrden diese
einzelnen Dcher ebenso wie das Mauerwerk das romanische Mittelschiff
nur wenig berragt haben. So aber ist der neue Ostchor mitbestimmend fr
das Stadtbild geworden, was hundert Jahre spter auch bei der Kirche St.
Lorenz der Fall war. In der Silhouette der Stadt, welche mit der Burg
und den beiden Turmpaaren von St. Sebald und St. Lorenz im wesentlichen
gegeben ist, ragen auch die beiden Chorbauten empor; von Westen gesehen,
blicken sie durch die Trme durch, von Sden gesehen gewhren sie den
Anschein, als wre jede Verbindung zwischen ihnen und ihren Trmen
aufgehoben.

Ein Vergleich des Neubaues mit dem alten Bau drngt sich aber noch
bezglich der Wirkung der Architektur selbst auf. Der Unterschied
zwischen dem Ostchor und der romanischen Hochwand ist im Auenbau
noch berraschender als im Innenbau. Denn hier fehlt beim romanischen
Bau jegliche Struktur. Aus der glatten Wand mit den fnf rundbogigen
Fenstern ist ein Rckschlu auf die Art der Innenkonstruktion,
beziehungsweise der Einwlbung unmglich. Doch tritt fr den Beschauer
der romanische Teil des Baues zu sehr in den Hintergrund zurck, als da
er unbedingt zu einem Vergleich mit dem Chor herausfordern wrde. Anders
verhlt es sich mit den Seitenschiffen. Im Innern werden dieselben trotz
ihrer erheblichen Breite kaum beachtet. Ihr Auenbau jedoch fhrt eine
beredte Sprache. Seit 1309 begonnen, zeigen sie in der Gliederung der
Architektur wie in der Dekoration den Geist der Hochgotik, voll Feinheit
und Geschmack. Und der Stilcharakter im Auenbau des Ostchores scheint
bei der ber ein halbes Jahrhundert betragenden Zeitdifferenz nicht weit
verschieden zu sein: dasselbe Prinzip der Gliederung und Dekoration
hier wie dort, bestehend in Galeriebrstung und berschneidenden
Fensterwimpergen und Pfeilerfialen.

=Stilkritische Wrdigung.= Wir fragen uns nun, welche Stelle nimmt der
Ostchor von St. Sebald in der Bau- und Kunstgeschichte seiner Zeit ein,
in welchen Beziehungen steht dieser Bau zu anderen Hallenbauten und aus
welchen Quellen hat sein Meister geschpft?

Die Hallenkirche nimmt in der Baugeschichte der Sptgotik einen breiten
Raum ein. Es hatte sich diese Bauart aus dem Grunde fast berall Eingang
verschafft, weil sie dem Zeitgeist am besten entsprach und weil die
in ihrem Wesen begrndet liegende Einfachheit im Raum sowohl wie in
der Konstruktion und die daraus sich ergebende grere Sparsamkeit
der Bauausfhrung ihr den Vorzug vor dem basilikalen Bausystem gaben.
Am meisten wurde die neue Bauart in der deutschen Sptgotik in zwei
ganz verschiedenen Gegenden kultiviert: in Hessen und in Westfalen
einerseits, in Schwaben und in den bayerischen Lndern andererseits.
Dabei hatten sich bald verschiedene Typen gebildet oder es wurden
frhere Typen wieder aufgegriffen und so entstanden Hallenkirchen
mit glattem Schlu der Schiffe, solche mit polygon geschlossenem,
vorgeschobenem Chor und solche mit Chorumgang. Der letztere Typus hatte
sich vornehmlich im nordstlichen Schwaben, in Bayern und sterreich
eingebrgert, und so scheint auch unser Ostchor von St. Sebald mit in
die Gruppe zu gehren.

Der erste Bau dieser langen Reihe von unter sich mehr oder weniger
verwandten Hallenkirchen war die Heiligkreuzkirche zu Schwbisch-Gmnd,
erbaut von dem aus Kln gebrtigen Meister Heinrich Parler.[36] Die
Bauzeit dieser Kirche umfat nahezu ein Jahrhundert: in den zwanziger
Jahren des 14. Jahrhunderts wurde an Stelle einer romanischen Kirche mit
dem Bau des Langhauses begonnen, 1351 wurde der Neubau des Chores in
Angriff genommen und erst 1414 fand die Einweihung des ganzen Bauwerkes
statt. Aus den letzten Jahren dieser Bauzeit wird die Einwlbung dieses
Langhauses stammen. Das Gewlbe des Chores gehrt erst dem Ausgang des
15. Jahrhunderts an.

In der Anlage nun ist die Heiligkreuzkirche in Gmnd eine dreischiffige
Hallenkirche mit Chorumgang und Kapellenkranz. Die Seitenschiffe
sind bedeutend schmler als das Mittelschiff, im Chor noch mehr als
im Langhaus; die Gewlbfelder im Mittelschiff sind rechteckig, die
in den Seitenschiffen haben fast quadratische Form. Der Abschlu des
Binnenchors ist aus drei Seiten gebildet, welchen im Chorumgang sieben
Seiten entsprechen, so da in der Mittelachse ein Chorfenster liegt.
Die Strebepfeiler des Chores sind in ihrer unteren Hlfte zur Bildung
von Kapellen eingezogen, welche geradlinig geschlossen sind. Von der
ursprnglich geplanten Wlbung kann nicht viel gesagt werden, doch
soviel scheint sicher, da die Scheitelhhe der Gewlbe auch damals
schon in den drei Schiffen einander gleich gedacht war; daraus htte
sich dann, ebenso wie es jetzt der Fall ist, fr das Mittelschiff eine
gedrcktere, fr die Seitenschiffe eine schlankere Form der Gewlbe und
eine ungleiche Verteilung der Drucklinien ergeben. Die Gewlbe ruhen auf
Sulen.

Der Bau des Ostchors von St. Sebald, in der Bauzeit mit der Gmnder
Kirche teilweise sogar zusammenfallend, scheint unter dem Einflusse
derselben zu stehen.

Das Prinzip der Hallenkirche ist beim Ostchor von St. Sebald viel
reiner zur Erscheinung gekommen als bei der Heiligkreuzkirche zu
Schwbisch-Gmnd. Die langgestreckte Ausdehnung hier konnte bei St.
Sebald leicht vermieden werden, da es sich in Wirklichkeit nur um einen
Chor und nicht um eine ganze Kirche handelte, und auch das gleiche Ma
der Schiffsbreiten, wenn auch nicht bei jedem Joch genau eingehalten,
war mit dem Anschlu an die drei Quadrate des romanischen Querschiffes
gegeben. Und infolge der gleichen Hhe der drei Schiffe wird der Schub
der mittleren Gewlbe aufgehoben, die inneren Pfeiler sind nur senkrecht
belastet und den Strebepfeilern auen obliegt lediglich die Aufgabe des
Widerstandes gegen den Gewlbeschub der ueren Schiffe. Es hat somit
eine in jeder Weise gleichmige Gestaltung des Baues bewirkt werden
knnen, und so sieht der Beschauer im Innern des Chores nach jeder
Richtung hin das gleiche System, wohl das Endziel des Hallenbaues, was
bei der Heiligkreuzkirche in Schwbisch-Gmnd bei weitem nicht der Fall
ist.

Nun liegt allerdings zwischen der 1326 mit dem Schiffe und 1351 mit
dem Chor begonnenen Heiligkreuzkirche zu Gmnd und dem 1361 begonnenen
Ostchor von St. Sebald der Bau der Nrnberger Liebfrauenkirche. Man
fragt sich unwillkrlich, ob nicht diese Kirche das Bindeglied zwischen
den beiden verwandten Bauten darstellte, d. h. ob denn ohne den Vorgang
der Liebfrauenkirche die Fortschritte am Bau von St. Sebald wohl denkbar
gewesen wren.

Innerhalb der schwbisch-bayerischen Gruppe, und nur diese kommt hier
in Betracht, ist die Liebfrauenkirche der erste Hallenbau mit gleich
weiten Jochen, in die Lnge wie in die Breite gemessen: der Grundri
besteht aus neun groen Quadraten. Abgesehen von diesem besonderen
Punkte besteht im brigen eine engere Verwandtschaft dieser Kirche mit
der Heiligkreuzkirche in Gmnd. Es sei hier nur an die gleiche Bildung
der Gewlbesttzen in Form zylindrischer Schfte oder runder Sulen mit
Blattwerkkranz als Kapitl und vor allem an die Gestaltung der Fassade
erinnert. Die Verschiedenheit im Verhltnis des Mittelschiffes zu den
Seitenschiffen hat aber aller Wahrscheinlichkeit nach darin ihren
Grund, da in Schwbisch-Gmnd zum Teil der Grundri der abgebrochenen
romanischen Kirche, vielleicht auch deren Grundmauern mit in den Neubau
aufgenommen wurden, und da dem Baumeister die Anlage mit schmleren
Seitenschiffen gar nicht unwillkommen war wegen der einfachen Lsung
der Frage der Umfhrung derselben um den Binnenchor, whrend an der
Nrnberger Frauenkirche, als an einer Hallenkirche mit vorgeschobenem
Chor, ohne Schwierigkeit das Prinzip des gleichen Maes bei Mittel- und
Seitenschiff zur Durchfhrung gelangen konnte.

Und dennoch wird man zugeben mssen, da in der Entwicklung von der
Heiligkreuzkirche in Gmnd zur Sebaldkirche in Nrnberg die Frauenkirche
ein Zwischenglied =nicht= bildet. Denn der einzige bereinstimmende
Punkt bei den zwei Nrnberger Kirchen ist eben das bei Seitenschiffen
und Mittelschiff gleiche Maverhltnis.

Wie oben bereits angedeutet, hngt beim Ostchor von St. Sebald die
Teilung in drei gleiche Schiffe mit dem Anschlu an das vorhandene,
in den Neubau bernommene romanische Querschiff zusammen. Von dem
romanischen Querschiff wurde beim Neubau verwertet die ganze Westwand
und die beiden Schmalwnde. Auf das relativ hohe Gewlbe verzichtete
man, da das neue Gewlbe im ganzen Chor durchweg noch um 15 m
hher gelegt werden sollte. Dagegen lie man die Mitteldienste an
den Seitenwnden bestehen und, um sie nicht ohne Bestimmungszweck
zu lassen, teilte man wie beim romanischen Bau die beiden ueren
Gewlbeviertel wiederum in je zwei Achtel.

Da die stlichen Vierungspfeiler neuen Pfeilern weichen muten,
erscheint selbstverstndlich. Jedoch steht, wenn auch bei Errichtung
der neuen Pfeiler das Fundament der alten Pfeiler mitbenutzt wurde, die
Achse des nrdlichen Pfeilers auerhalb der Achse des alten.

Bei nherer Betrachtung des Grundrisses findet man zunchst, da sich
der ganze Chor von Westen nach Osten fortschreitend verbreitert, sowie
ferner, da seine Achse um einige Grade nach Norden verschoben ist.

Was das Abbiegen der Lngsachse anlangt, die man auch bei anderen
mittelalterlichen Kirchen, wenn auch nicht in so starkem Mae,
beobachten kann, so gibt es dafr verschiedene Erklrungsversuche, die
sich auf die Annahme schlechten Baugrundes oder von Mngeln in der
Visierung sttzen. Einwandfrei ist jedoch diese Frage bis jetzt noch
nicht gelst worden.

Die andere Unregelmigkeit in der Anlage des neuen Chors mag vielleicht
darin ihren Grund gehabt haben, da einer allzu groen Ungleichheit
der Gewlbefelder bei dem sich verengernden Chorumgang dadurch
vorgebeugt und zugleich fr die am Hochaltar vorzunehmende Kulthandlung
Raum gewonnen wurde. Ebenso beabsichtigt erscheint die allmhliche
Verringerung der Abstnde der Mittelpfeiler von Westen nach Osten, die
es bewirkt, da sich die Zwischenrume zwischen den Abschlupfeilern des
Binnenchors harmonisch dem Rhythmus der Pfeileranlage einpassen.

Dabei wurden diese offenbaren Unregelmigkeiten vom Baumeister von
St. Sebald in so unaufflliger Weise vorgenommen, da wir, im Innern
der Kirche stehend, von den einzelnen Verschiebungen, Verkrzungen und
sonstigen Unregelmigkeiten, ohne vorher darauf aufmerksam gemacht zu
sein, gar nichts wahrnehmen.

Zeigen schon diese Manahmen, die sich zum Teil aus der Notwendigkeit
ergaben, eine Choranlage von fortentwickelten Raumabsichten mit der
ganz anders gearteten Raumwirkung der lteren Kirche in Einklang zu
bringen, den Baumeister von St. Sebald als berlegenen Geist, dem wir
ohne Zweifel auch einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung der
Baugedanken seiner Zeit zutrauen drfen, so wird diese Vermutung auch
durch die Betrachtung der Durchbildung des Aufrisses besttigt.

Wie bereits oben erwhnt, ist es uns bei der Gmnder Kirche nicht
mehr mglich, die vom Meister Heinrich Parler ursprnglich geplante
Wlbung mit Sicherheit zu rekonstruieren; wir wissen nicht, war
ein komplizierteres oder ein einfacheres System gewhlt worden.
Mit Bezug auf die, wenn auch in kleineren Verhltnissen gehaltene,
aber mit der Gmnder Kirche noch verwandte Nrnberger Frauenkirche
wre dort im allgemeinen das vierteilige Kreuzgewlbe, fr den
Abschlu des Binnenchores die Verbindung von Kreuz- und Sterngewlbe
anzunehmen. Was nun den Chorumgang anlangt, so wre die einfachste
Lsung gewi die: anschlieend an die Seitenschiffe zunchst je ein
vierteiliges Kreuzgewlbe mit ungleichen Seiten und Diagonalen, dann
je zwei dreiteilige Gewlbe und zum Schlusse wieder ein vierteiliges
Kreuzgewlbe. Die Sttzen der Gewlbe sind runde Sulenschfte, deren
Kapitle meist aus zwei Blattwerkkrnzen mit polychromer Platte
bestehen. Also von einer organisch-konstruktiven Verbindung von Gewlbe
und Gewlbsttze keine Rede.

Anders bei St. Sebald. Das Wlbungssystem stimmt mit dem an der Gmnder
Kirche eben rekonstruierten so ziemlich berein, bis auf den Chorumgang,
dessen Einwlbung sich hier infolge des fr den Binnenchorabschlu
gewhlten Achtecks natrlicher gestalten mute: es wechseln vier
dreieckige Felder mit drei rechteckigen ab. Der Hauptunterschied liegt
jedoch darin, da hier das Gewlbe nicht auf runden, sondern auf
polygonalen Sttzen ruht, d. h. nicht auf Sulen, sondern auf Pfeilern,
und zwar haben diese Pfeiler achteckige Form mit vier vorgelegten
Diensten. Ferner ist der Ansatz des Gewlbes nicht durch ein Kapitl
markiert, sondern Scheidbgen, Gurtbgen und Rippen wachsen gleichsam
unmittelbar aus den Diensten, zum Teil auch aus dem polygonalen Pfeiler
selbst heraus. In Anbetracht der dem Wesen des Hallenbaues zugrunde
liegenden Tendenz der Vereinfachung alles Konstruktiven bedeuten also
die Pfeiler im Chor von St. Sebald gegenber den Sulen der Gmnder
Kirche einen Fortschritt in der Entwicklung.

Vorbildlich fr die Pfeilerbildung im Ostchor von St. Sebald mag
die Frauenkirche in Elingen gewesen sein. Bekanntlich besteht die
Schwbische Schule des 14. und 15. Jahrhunderts aus zwei Gruppen, von
welchen der einen die Hallenbauten mit Chorumgang, der andern diejenigen
mit vorgeschobenem Chor und einem in der Mitte der Fassade stehenden
Turm angehren. Die erstere Gruppe wird vor allem vertreten durch die
Heiligkreuzkirche in Schwbisch-Gmnd, die letztere wird reprsentiert
durch Bauten wie die Frauenkirche in Elingen und das Ulmer Mnster.
Wohl war die Gmnder Kirche zugleich auch der Ausgangspunkt fr die
groe zumeist auf bayerischem Boden befindliche Gruppe von Hallenbauten,
wie den Kirchen St. Georg in Nrdlingen und Dinkelsbhl, St. Lorenz
in Nrnberg, St. Martin in Landshut, der Frauenkirche in Mnchen.
Allein bei den engen baugeschichtlichen Beziehungen zwischen den beiden
Schwbischen Schulen ist es ja ganz natrlich, da auch Elemente der
zweiten Schule bei Bauten der bayerischen Gruppe Eingang gefunden haben.
So ist z. B. die Fassade der Nrnberger Frauenkirche nicht nur, wie
bereits oben erwhnt, von der Gmnder Kirche, sondern in viel hherem
Grade von der Frauenkirche in Elingen beeinflut.

Was nun die vorbildliche Bedeutung der letztgenannten Kirche fr den
Ostchor von St. Sebald in Bezug auf die Pfeilerbildung anlangt, so
sei zunchst darauf hingewiesen, da zwischen der Gmnder Kirche und
der Elinger Frauenkirche trotz Verschiedenheit in der Anlage eine
nahe Verwandtschaft besteht. In die Augen springend ist dieselbe --
abgesehen von der erwhnten Fassadenbildung -- ja nicht. Allein eine
Reihe von gleichen Steinmetzzeichen an beiden Bauten geben einen
unwiderleglichen Beweis hiefr, was man bei der geringen geographischen
Entfernung der beiden Orte und bei dem Umstand, da das Langhaus der
Gmnder Kirche zum Teil ebenso wie der stliche Teil der Elinger
Frauenkirche dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts angehren[37],
ganz selbstverstndlich findet. Die Elinger Kirche hat wie der Ostchor
von St. Sebald polygone Pfeiler mit vorgelegten Diensten, welche, ohne
von Kapitlen unterbrochen zu werden, unmittelbar in Gurte und Rippen
bergehen, um vierteilige Gewlbe zu tragen. Also auch hier war der
Baumeister bestrebt, gegenber dem bisher blichen eine wesentliche
Vereinfachung eintreten zu lassen. Nur hat, mchten wir hinzufgen, der
Elinger Meister eine schnere und auch konstruktiv richtigere Lsung
in der Pfeilerbildung gefunden, whrend der Baumeister des Ostchores
von St. Sebald, ohne besondere Rcksicht auf das Gewlbesystem, mehr
auf eine gleichmige Gestaltung des Grundrisses gesehen hat. Denn dort
gruppieren sich auf den beiden Schiffsseiten eines Pfeilers je drei
Dienste, von welchen sich jeder einzelne als Rippe, beziehungsweise
Gurt fortsetzt und die Arkadenbgen setzen am Pfeilerkern selbst
an, hier dagegen wachsen die Arkadenbgen aus Diensten heraus und
den drei Rippen (zwei Diagonalrippen und eine Gurtrippe) an einer
Schiffsseite steht nur ein einziger Dienst zur Verfgung. Durch den
Ansatz mehrerer mit Hohlkehlen profilierter Rippen an einem Dienst sind
aber ganz neue Bildungen entstanden, wie sie hufig erst an spteren
Bauten, wir erinnern nur an die St. Georgskirche in Dinkelsbhl,
wiederkehren, allerdings dort infolge der im 15. Jahrhundert blichen
reichen Sterngewlbe in komplizierterer Form. Allein trotz dieser
Unterschiede der Pfeiler im Ostchor von St. Sebald von den Pfeilern
der Elinger Frauenkirche erscheint doch die Annahme gerechtfertigt,
da der Baumeister von St. Sebald die ganze Idee, polygone Pfeiler mit
vorgelegten Diensten zu schaffen und dieselben ohne Kapitl gleich
direkt ins Gewlbe berzufhren, der Elinger Frauenkirche entnommen hat.

Noch in einem anderen Punkte des Aufrisses verrt der Ostchor von
St. Sebald gegenber der Heiligkreuzkirche in Gmnd einen hohen Grad
von Selbstndigkeit; es betrifft dies in der Hauptsache auch mit die
Gestaltung des Auenbaues.

Whrend an der Gmnder Kirche die Wnde des Schiffes lange, bis hinauf
an die Wlbung reichende Fenster aufweisen, sind die Chorwnde in zwei
Stockwerke geteilt. Es sind dort nmlich die Strebepfeiler in ihrer
unteren Hlfte eingezogen, oder besser gesagt, die Chorwand ist in ihrer
unteren Hlfte hinausgeschoben, so da sich um den Chorumgang eine Reihe
von Kapellen gruppiert. Beim Ostchor von St. Sebald dagegen hat man auf
den Kapellenkranz verzichtet und wie beim Langhaus der Gmnder Kirche
-- auch hierin kann die Frauenkirche in Elingen anregend mitgewirkt
haben -- hohe, die ganze Lnge der einzelnen Wandabteilungen einnehmende
Fenster gewhlt. Dies hat zur Folge, da hier die Beleuchtung des ganzen
Chors viel strker wird als im Chor der Gmnder Kirche und andererseits,
da dort die Chorwand eine reichere Gliederung erhlt. Der Baumeister
von St. Sebald hat nun unter gleichzeitiger Erhhung des gewonnenen
Vorteils den entstandenen Nachteil dadurch gemindert, da er die Breite
der Fenster fast bis an die Strebepfeiler hin ausdehnte und so die
Mauerflche gleichsam in eine Reihe von Gewlbesttzen auflste. Und
was die Auenansicht allein anlangt, so wurde der Mangel an Gliederung
noch weiter durch eine reiche Ausstattung ersetzt. Von dem in der Hhe
der Fensterbnke sich herumziehenden Gesims an weisen die in drei
Stockwerken sich abstufenden Strebepfeiler, bergreifend auf den kleinen
Rest von Wandflche, eine Flle von Schmuck auf, bestehend in vielem
Blendenwerk, Konsolen, Baldachinen und Fialen. Um nun von den mchtigen,
aber monoton wirkenden Chordach soviel wie mglich zu verdecken, hat
der Meister einen bereits an der Gmnder Kirche zum Ausdruck gebrachten
Gedanken wiederholt, indem er auf die Mauer eine Galerie aufsetzte,
welche mit den die Fenster berragenden Wimpergen und den die Pfeiler
bekrnenden Fialen dem Chor ein geradezu prchtiges Aussehen verleiht.

Also auch nach dieser Seite hat es der Baumeister von St. Sebald,
der seine Zugehrigkeit zur Schwbischen und speziell zur Gmnder
Schule nicht verleugnen kann, aber vllig frei ist von sklavischer
Abhngigkeit, verstanden, den im Wesen der Hallenkirche begrndet
liegenden Anforderungen gerecht zu werden. Er hat durch Vereinfachung
und Reduzierung aller konstruktiven Elemente, wodurch zunchst eine
willkommene Sparsamkeit in der Bauausfhrung erzielt wurde, eine
Vervollkommnung des Prinzips der Hallenkirche erreicht.

=Der Baumeister.= Lebhaftes Interesse erregt nun die Frage: Wer mag
wohl der Schpfer dieses herrlichen, kunstgeschichtlich so bedeutenden
Bauwerkes gewesen sein? Wie heit er?

Die Zugehrigkeit des Ostchores von St. Sebald zur Gmnder Schule wurde
im Vorhergehenden sehr wahrscheinlich gemacht. Es hatte sich gezeigt,
da beide Bauten in den engsten verwandtschaftlichen Beziehungen
zueinander stehen, ja, da der Hallenbau von St. Sebald ohne den Vorgang
von Schwbisch-Gmnd vielleicht berhaupt nicht, jedenfalls nicht in
seiner jetzigen Gestalt mglich gewesen wre. Denn der Ostchor von
St. Sebald weist eine Summe von Erscheinungen auf, welche sich nur
aus dem Bau der Heiligkreuzkirche oder durch Vermittlung desselben
aus anderen Bauten erklren lassen. Dieses Abhngigkeitsverhltnis
wird auch durch das Vorhandensein einer groen Anzahl von gleichen
Steinmetzzeichen an beiden Kirchen besttigt, woraus mit Sicherheit
folgt, da eine ganze Gruppe von Steinmetzen von Schwbisch-Gmnd
nach Nrnberg gezogen ist, um hier an dem Bau von St. Sebald zu
arbeiten. Es befinden sich sogar unter den gleichen Steinmetzzeichen
hufig wiederkehrend solche, welche infolge ihrer gleichen Grundform
einen engeren Zusammenschlu ihrer Trger erkennen lassen, d. h.
welche beweisen, da ihre Inhaber bei einem und demselben Meister
gelernt haben. Und jenes Meisterzeichen, von welchem diese Zeichen
ihre Variation entlehnt haben, hat sich anscheinend tatschlich
vorgefunden. Bei der letzten Restaurierung wurde hinter einem Baldachine
eines Ostchorstrebepfeilers ein kleines Erzschild entdeckt, welches
ursprnglich wohl an der Galerie ber dem Hauptgesimse befestigt war und
beim Abbruch derselben (1561) heruntergefallen und an diesen verborgenen
Platz gelangt ist. Das Schild (Abb. 26), welches heute im Ostchor an
der sdlichen Wand angebracht ist, zeigt im Inneren einen nach unten
offenen rechten Winkel mit darin befindlichem senkrecht gestelltem Kreuz
und hat den Stilcharakter der Erbauungszeit des Chores. Dieses Zeichen
kann nach den gegebenen Umstnden wohl als das Zeichen des Baumeisters
angesprochen werden.

[Illustration: Abb. 26. Meisterzeichen (Ostchor).]

Trotz sorgfltiger, mhsamer Untersuchung des Baues der Gmnder
Heiligkreuzkirche, soweit derselbe eben fr diesen Zweck zugnglich
war, konnte das Meisterzeichen von St. Sebald dort nicht gefunden
werden. Es ist auch dieser Umstand fr die weitere Beweisfhrung nicht
von besonderem Belang, denn einerseits steht dadurch keineswegs fest,
da das Zeichen dort berhaupt nicht vorkommt, und andererseits ist es
doch mehr als selbstverstndlich, da an dem Bau, welcher die meisten
Anregungen fr die Gestaltung des Ostchores von St. Sebald geboten
hat, ja berhaupt die unerlliche Vorbedingung fr die Existenz des
Nrnberger Hallenbaues war und an welchem die Schler des Erbauers des
letzteren gearbeitet haben, auch der Meister selbst ttig gewesen sein
mu.

Es liegt somit nahe, in dem Baumeister von St. Sebald einen Angehrigen
der Familie jenes Heinrich Parler, des Erbauers der Gmnder Kirche, zu
vermuten.

Soweit wir die Familie Parler zurckverfolgen knnen -- die
Kunstwissenschaft hat sich seit lngeren Jahren viel mit ihr
beschftigt --, wird die erste uns bekannte Generation durch Heinrich
Parler vertreten, welcher, aus Kln gebrtig, etwa im dritten
Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts wahrscheinlich infolge einer Berufung
nach Schwbisch-Gmnd eingewandert ist, um den Bau der dortigen
Heiligkreuzkirche zu leiten.[38] Von seinen Shnen kommen fr uns
zwei in Betracht, nmlich Peter und Heinrich. Peter Parler, 1330
geboren[39], erhielt 1353 als junger, erst 23jhriger Mann von Kaiser
Karl IV. einen Ruf nach Prag zur bernahme der Vollendung des seit dem
1352 erfolgten Tode des Matthias von Arras unterbrochenen Dombaues.
Peter Parler entfaltete in Prag nicht nur, sondern auch in ganz Bhmen
eine umfassende Ttigkeit, baute die Barbarakirche in Kuttenberg, die
Bartholomuskirche in Kolin u. a. m. Von seinem Bruder Heinrich Parler
dagegen wissen wir nur aus den Wochenrechnungen des Prager Dombaues, da
er im Jahre 1378 dort gearbeitet hat. Auerdem wird von verschiedenen
Forschern mit ihm jener Heinrich von Gmnd als identisch bezeichnet,
welcher in den Jahren 1381, 1384 und 1387 als Baumeister des Markgrafen
Jodok von Mhren in Brnn ttig war, ja sogar ein Enrico da Gamodia, vom
11. Dezember 1391 bis zum 29. Mai 1392 in Mailand am Dombau beschftigt,
wird auf Heinrich, den Bruder des Peter Parler, bezogen.

Wir bemhen uns vorerst nicht, die Identitt des Heinrich Parler,
der 1378 in Prag gearbeitet hat, mit den anderen, Heinrich von Gmnd
genannten Personen nachzuweisen, sondern uns interessiert vielmehr
zunchst zu wissen, worin denn die Ttigkeit des jngeren Heinrich
Parler in den Jahren vor 1378 bestanden hat. Man wird natrlich
annehmen, da Heinrich nicht nur im Jahre 1378, sondern auch in der
Zeit vorher am Prager Dombau beschftigt war, zu welchem Zwecke er
wahrscheinlich 1353 mit seinem Bruder oder doch bald nach der Berufung
desselben Schwbisch-Gmnd verlassen hat. Allein warum werden in den
Prager Dombaurechnungen, welche die Jahre 1372 bis 1378 umfassen, neben
dem Meister Peter Parler alle Steinmetzen und sonstigen Handwerker,
welche am Dom gearbeitet haben, aufgefhrt, nur, abgesehen vom Jahre
1378, dieser Heinrich Parler nicht? Weil er, wie wir vermuten, vor
1378 berhaupt nicht in Prag war, sondern -- in Nrnberg den Bau des
Ostchores von St. Sebald geleitet hat.

Und in der Tat, der Zufall hat es gewollt, da in den Verzeichnissen
Nrnberger Knstler des 14. Jahrhunderts auch der Name eines Heinrich
Parler aus Bhmen der Nachwelt berliefert ist. Im Jahre 1363 wurde
einem Heinrich Beheim Balier zu Nrnberg das Brger- und Meisterrecht
verliehen und in den folgenden Jahren wird er noch verschiedentlich
genannt.[40] Es fragt sich nun, ob dieser Heinrich Beheim Balier
wirklich kein anderer als der vor 1378 in Prag nicht auffindbare
Heinrich Parler ist.

Wir glauben, da daran kaum zu zweifeln ist. Zunchst jedoch wird
man den Einwand erheben, da beide schon deswegen nicht identisch
sein knnen, weil der Prager Heinrich Parler in den Dombaurechnungen
bereits am 19. September und am 3. Oktober 1378 erwhnt wird, whrend
die Einweihung des Ostchores von St. Sebald erst am Sonntag nach
Bartholomi 1379 stattfand. Kann mit diesem Einwand an und fr sich
gar nicht bestritten werden, da Heinrich Parler im Jahre 1379 wieder
nach Nrnberg gezogen wre, um an der Einweihungsfeier teilzunehmen
-- wir wissen, da im Mittelalter Baumeister sowohl wie Steinmetze
ihre Arbeitssttten hufig wechselten --, so ist weiterhin zu betonen,
da die Anwesenheit des Baumeisters bei der Einweihung seines Werkes
keineswegs erforderlich war. Der Ostchor von St. Sebald war als
Bauwerk, wie wir oben gesehen haben, bereits 1372 in der Hauptsache
vollendet; was die Einweihung hinausschob, war jedenfalls nur die
noch zu leistende Fertigstellung oder Stiftung von Glasmalereien,
Paramenten, Kirchengerten usw. Der Baumeister hatte somit im Jahre
1372 oder bald nachher seinen Auftrag erledigt, er konnte jetzt andere
Arbeiten bernehmen, und zwar, wie wir vermuten, in Schwbisch-Gmnd und
Elingen, kam vor oder in dem Jahre 1378 wieder nach Nrnberg und wird
dann noch in demselben Jahre wieder zu seinem Bruder nach Prag gewandert
sein, um sich dort an der Weiterfhrung des Dombaues zu beteiligen.

Man knnte weiterhin auffllig finden, da der urkundlich in den Prager
Dombaurechnungen erwhnte Heinrich Parler hier Heinrich Beheim Balier
genannt wird. Die verschiedene Form des Wortes oder Namens Parler darf
indessen keinen Ansto erregen, denn es ist zur Genge bekannt, da
im 14. Jahrhundert die Schreibweise der Familiennamen noch keineswegs
fixiert, sondern ganz bedeutenden Schwankungen unterworfen war, so
da der Name Parler ebensogut durch Parlier, Parlierer, Palier,
Balier ersetzt werden konnte. Aber auffllig erscheint der Zusatz
Beheim. Beheim heit nichts anderes als Bhmen und bezeichnet, als
Beiname eines Personennamens gebraucht, die Herkunft der betreffenden
Person. Unser Heinrich Balier wird demnach ausdrcklich als aus Bhmen
kommend aufgefhrt. Doch werden diese lokalen Beinamen nicht immer
angewendet, in vielen Fllen nur zur Unterscheidung von anderen Personen
gleichen Namens oder zur besonderen Hervorhebung. Es kann also, da zur
Fhrung eines solchen Beinamens fr den Trger von vornherein keine
Verpflichtung bestand, dieselbe Person anderwrts ohne solche lokale
Bezeichnung begegnen, und es drfte somit mehr als wahrscheinlich sein,
da Heinrich Beheim Balier in Nrnberg so bezeichnet wurde, weil er zu
der Zeit, als ihm der Bau des neuen Ostchores von St. Sebald bertragen
wurde, aus Bhmen kam.[41] Heinrich Parler scheint nach der Mitte der
fnfziger Jahre nach Prag gezogen zu sein, um bei seinem Bruder, Peter
Parler, am Dombau und anderen Bauten Bhmens mitzuwirken. Und von
Bhmen aus wird man ihn, vielleicht durch Vermittlung Kaiser Karls IV.,
unter dessen Protektion ja die Nrnberger Frauenkirche in den Jahren
1355-1361 erbaut wurde, nach Nrnberg berufen haben. Als Heinrich Parler
in den siebziger Jahren wieder nach Bhmen und Prag zurckkehrte, war
die Fhrung des Beinamens Beheim, welche in Nrnberg gerechtfertigt
schien, gegenstandslos geworden, und so erscheint der Bruder des Prager
Dombaumeisters in den dortigen Wochenrechnungen nur mehr als Henricus
Parlerius.

Die Identitt zwischen dem Nrnberger Heinrich Beheim Balier und dem
Prager Heinrich Parler scheint keinem Zweifel mehr zu unterliegen, der
Erbauer des Ostchores von St. Sebald ist somit ein Bruder des berhmten
Prager Dombaumeisters Peter Parler und ein Sohn des Meisters der
Heiligkreuzkirche in Gmnd, Heinrich Parler.

Wohl aber mchten wir Bedenken tragen, jenen Meister Heinrich von Gmnd,
welcher in den Jahren 1381, 1384 und 1387 urkundlich als Baumeister des
Markgrafen Jodok von Mhren in Brnn erwhnt wird, mit unserem Heinrich
Parler zu identifizieren. Ein Beweis fr stilistische bereinstimmung
der Werke der beiden Meister ist in der Kunstwissenschaft nicht erbracht
worden. Aber abgesehen hiervon, schon die Verschiedenheit der beiden
Namen lt uns auf Verschiedenheit der Personen schlieen; niemals
findet sich bei Heinrich Parler der Zusatz von Gmnd und niemals
bei Heinrich von Gmnd der Name Parler. Der Zusatz von Gmnd wre
ja an und fr sich erklrlich, ja wir wrden diese Bezeichnung, wenn
sie dem Namen Heinrich Parler in den Dombaurechnungen beigegeben wre,
verstndlich finden. Auffllig ist aber, da die Bezeichnung von
Gemnd, whrend sie hier gnzlich fehlt, erst mit dem Jahre 1384
urkundlich auftritt. Kann somit also die Identitt =dieser= beiden
jngeren Gmnder Meister Heinrich nicht als wahrscheinlich angesehen
werden, so knnte man, zum Teil im Gegensatz zu den Vermutungen der
mit dieser Frage beschftigten Kunsthistoriker, wohl geneigt sein,
anzunehmen, da die beiden Heinrich von Gmnd, die zu wiederholten Malen
und an verschiedenen Stellen erwhnt werden, ein und dieselbe Person
bedeuten: der 1381, 1384 und 1387 als Heinrich von Gemunde oder Henricus
de Gemunden lapicida in Brnn aufgefhrte Meister wird der nmliche sein
wie der von 1391-1392 ein halbes Jahr lang in Mailand am Dombau ttige
Heinrichus da Gamundia oder Enrico da Gamondia.

Andererseits aber hat die Annahme viel fr sich, da unser Heinrich
Parler, der Erbauer des Ostchores von St. Sebald, auch der Schpfer
des Schnen Brunnens in Nrnberg gewesen sei, dessen Erbauung man wohl
entgegen der neuerdings von Albert Gmbel aufgestellten Vermutung,
wonach sie bereits in die sechziger Jahre des 14. Jahrhunderts fallen
wrde, wieder in die Zeit von 1385 bis 1395 wird setzen mssen.

Die nahe stilistische Verwandtschaft dieses Bauwerks mit dem Ostchore
von St. Sebald, die auch trotz des spteren Formcharakters -- es liegen
ungefhr zwei Jahrzehnte zwischen den beiden Bauten -- anerkannt werden
mu, spricht deutlich genug dafr.

Mit einem Meister Heinrich dem Parlier, dessen Ttigkeit in Nrnberg wir
von 1397 bis zu seinem 1430 erfolgten Tode verfolgen knnen, ist der
Baumeister des Ostchores von St. Sebald und, wie wir annehmen wollen,
Erbauer des Schnen Brunnens nach den Forschungen Gmbels indessen nicht
zu identifizieren. Unser Meister Heinrich war zwar in den achtziger und
neunziger Jahren noch mannigfach fr den Rat ttig, starb aber bereits
zu Anfang des 15. Jahrhunderts. Sein und seiner Familie Jahrtag wurde
im Barferkloster zu Nrnberg am 23. Juni begangen, wie ein Eintrag im
Totenkalender des genannten Klosters bezeugt: F. 9 Calend. (Julii) Obiit
Heinricus Barlierer Lapicida et Kunigundis Uxor et Anna filia, quorum
m(emoria) h(abeatur).[42]

Wir haben noch ein Wort ber das Meisterzeichen unseres Heinrich Parler
hinzuzufgen. Bekanntlich hat das Zeichen seines Bruders, des Prager
Dombaumeisters, an dessen Portrtbste im Triforium des Prager Domes die
Gestalt eines gebrochenen Balkens oder eines Doppelwinkelhakens, also
eine vom Nrnberger Meisterzeichen grundverschiedene Form. War es nun
damals zulssig, da zwei so nah verwandte Steinmetzmeister besondere,
in gar keiner Beziehung zueinander stehende Zeichen fhren konnten?
Gewi. Denn in der Form eines Steinmetzzeichens kommt nur das Verhltnis
des Schlers zum Lehrer, aber nicht das Verhltnis von Verwandten zum
Ausdruck. Hatte ein Steinmetz ausgelernt, so erhielt er von seinem
Meister das Zeichen, das er dann unverndert beibehielt, ob er nun bei
seinem ersten Meister blieb oder bei anderen Stellung fand oder selbst
Meister wurde. Wir schlieen daraus, da die beiden Brder Parler bei
ganz verschiedenen Meistern ihre Lehrzeit absolvierten. Wer von den
beiden bei seinem Vater auslernte oder ob berhaupt einer von beiden
seinen Vater zum Lehrmeister hatte, lt sich nicht mit Bestimmtheit
nachweisen, da das Meisterzeichen des Vaters nicht bekannt ist. Hat
einer von den beiden Brdern in Gmnd ausgelernt, so scheint es eher
Peter Parler gewesen zu sein. Denn nicht nur die Heiligkreuzkirche in
Gmnd deutet in vielen Punkten auf den Klner Dom, sondern auch in den
Bauten des Peter Parler, im Prager Dom sowohl wie in den Kirchen von
Kolin und Kuttenberg, spricht sich Klner und speziell franzsische
Bauweise aus. Im Ostchor von St. Sebald verrt sich jedoch mehr eine
Verwandtschaft mit der Schwbischen Schule im allgemeinen, insbesondere
ber Gmnd hinaus auch mit Elingen. Ja, die feinen Verzweigungen lieen
sich noch weiter verfolgen, sie scheinen ber Reutlingen hin nach
Freiburg zu fhren, von wo aus eine Reihe von Anregungen schon frher,
nmlich bei Anla des Erweiterungsbaues der Seitenschiffe von St. Sebald
und vor allem beim Bau der um die Wende des 13. Jahrhunderts begonnenen
basilikalen Lorenzkirche, ber deren Meister wir bisher gar nichts
wissen, bezogen wurden.


          3. Der Umbau der Trme. 1345, 1481-1484, 1489, 1490.

Bereits zum Jahre 1345 berichten uns die Chroniken von baulichen
Vernderungen, die damals an beiden Trmen (Abb. 28) vorgenommen worden
seien. Item anno domini 1300 und 45 jar, so berichtet ein Chronist,
da pauet man den oberen [d. h. nrdlichen] turen zu sant Sebolt, da kam
zu dem dach 100 und 4 zentner und 79 lb zins und 37 zentner pleis[43]
und ferner heit es: Auch ist damals der ander turn gegen der Pegnitz
[also der sdliche Turm] verndert und dem andern gleich gemacht und zu
dessen bedachung kommen 104 centner zinn und 87 centner blei.[44]

[Illustration: Abb. 27 und 27a und b. Baldachin am Ostchor.]

Aus diesen chronikalischen Nachrichten geht zweifelsohne hervor, da
1345 mindestens eine neue Eindeckung der Turmdcher stattgefunden
hat. Ob und inwieweit aber die oberen Stockwerke eine Abnderung oder
Erhhung schon 1345 erfuhren, ist mit Sicherheit aus diesen Notizen
nicht zu entnehmen, und auch der Baubefund gibt dafr keinerlei
Anhaltspunkte. Wohl wissen wir vom sdlichen Turm, da darin eine
Wchterstube eingerichtet war[45], und ebenso vom nrdlichen, da in
ihm von alters her die Glocken hingen, denn noch ist deutlich durch
den Steinschnitt des Quaderbaues eine ehemals vorhandene breite ffnung
nachzuweisen, die nur, mit zwei freistehenden Sulen, eine dreiteilige
Arkatur gebildet haben kann. Und irgendwelche weitergehende Schlsse
lt auch die offenbar ungenaue Ausdrucksweise der Quellen -- man kann
doch nicht eigentlich von dem Bau des oberen Turmes sprechen, wenn
ein solcher fnf Stockwerke hoch bereits bestand -- nicht zu. Auch aus
der Erwhnung nur eines Turmes in urkundlichen Nachrichten vor 1345[46]
mchten wir nicht ohne weiteres folgern, da einer der beiden Trme den
andern das Stadtbild wesentlich mitbestimmend berragt habe, wenn man
auch die Mglichkeit umfangreicherer Umbauten im Jahre 1345, wie gesagt,
bestehen lassen mu. Die grere Wahrscheinlichkeit spricht auch hier
meist fr ungenaue Ausdrucksweise.

Von dem Abschlu und der Bedachung der Trme der romanischen Kirche bis
zum Jahre 1345 wissen wir demnach so gut wie nichts. Dagegen besitzen
wir ber das Aussehen der Helme, die eben im Jahre 1345 aufgesetzt
worden waren, wenigstens ein leidlich zuverlssiges, allerdings nicht
ganz zu deutendes Zeugnis in der Mitteilung des Nrnberger Patriziers
Lazarus Holzschuher aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts, in welcher
er die alten Turmdcher der Sebalduskirche, wie sie noch vor 30
Jahren bestanden htten, mit Zinn wei gedeckt sein lt und sie
ihrer Form nach mit Pfifferlingen vergleicht.[47] Wahrscheinlich
wollte Holzschuher mit letzterer Bezeichnung nur sagen, da die alten
Turmhauben pilzfrmig gewesen seien. An die eigentliche botanische
Bedeutung des Pfifferlings als des Eierschwammes (cantharellus cibarius)
wird er dabei schwerlich gedacht haben.

Da nun aber diese mglicherweise schon etwas erhhten Trme durch die
gewaltige Masse des hohen Ostchores, seitdem dieser 1379 vollendet
worden war, in ihrer bisher das ganze Kirchengebude beherrschenden
Erscheinung stark beeintrchtigt wurden, ist wohl ohne weiteres klar.
Das Miverhltnis mute um so mehr in die Augen fallen, als die
Schwesterkirche von St. Lorenz mit ihren bereits in der ersten Hlfte
des 14. Jahrhunderts vollendeten, in der Anlage nahe verwandten, 80 m
hohen Trmen unwillkrlich zum Vergleich herausforderte.[V]

  [V] Dr. Hoffmann glaubte aus dem Wortlaute der Quellen und dem Befunde
      am Mauerwerk der Trme den Umfang der an den Trmen im Jahre
      1345 vorgenommenen Bauarbeiten genauer bestimmen zu knnen und
      insbesondere schon fr jene Zeit eine erstmalige Erhhung des
      nrdlichen Turmes um zwei Stockwerke annehmen zu mssen. Die
      berarbeiter seines Manuskriptes vermochten den zur Sttze dieser
      Ansicht beigebrachten Grnden eine gengende Beweiskraft nicht
      zuzuerkennen.

Allein bis zum Jahre 1481 hren wir hinsichtlich der Trme von St.
Sebald lediglich zum Jahre 1361 von einer Neudeckung mit Zinn[48] und
von Ausbesserungen an der Bedachung, die 1447 ntig wurden.[49]

An eine weitere Erhhung der Trme wagte man sich erst im letzten
Drittel des 15. Jahrhunderts.

Wir geben im nachstehenden zunchst die ausfhrlichen und gut in die
Geschichte des Turmbaues einfhrenden Nachrichten Baaders (Beitrge 1,
S. 54 ff.) im Wortlaute wieder:

Diese (Trme) waren ursprnglich ziemlich nieder, der Rat beschlo
daher im Jahre 1481 die Erhhung und den Umbau derselben. Die beiden
Kirchenmeister Hans Haller und sein Nachfolger Sebald Schreier,
unter welchem dieser Bau zu Ende gefhrt wurde, hatten die nchste
Veranlassung dazu gegeben. Weil es aber an Mitteln fehlte, entlehnten
sie fr die Kirche mit Bewilligung des Rates 11,853 Pfund 4 Schilling
und 4 Haller aus der Losungsstube (Finanzkammer); die brigen Kosten
sollten durch milde Beitrge gedeckt werden, die in der Tat auch
reichlich flossen und von allen Stnden in Geld, Geschmeide, Gewand und
unter gar verschiedenen Formen geleistet wurden.

Nachdem die Stadtwerkmeister und andere Bauverstndige die Trme
besichtigt, ihr Gutachten abgegeben und fr ihre Mhe Wein, Kse und
Brod erhalten hatten, begann man sogleich mit dem Abbrechen des gegen
die Stadtwage zu gelegenen Turmes [des sdlichen Turmes], dessen Stumpf
einstweilen mit Schindeln gedeckt wurde.[50] Hierauf schrieb man dem
Meister Heinrich Kugler, dem Steinmetzen von Nrdlingen, da er kommen
solle, um mit ihm wegen Fhrung des Baues zu unterhandeln. Am 2.
Dezember 1481 versammelten sich im Hause des Kirchenmeisters Hans Haller
die Herren Ruprecht Haller, Pfleger der Kirche, Niklas Gro der ltere,
Hans Tucher der ltere und Hans Volckamer, der Stadtbaumeister. Auch
Meister Heinrich war erschienen; man kam mit ihm berein, da er den Bau
fhre, wie ihm von den Herren frgegeben werde, und da er mit dem Lohne
sich begnge, den sie ihm zuerkennen werden. Der Kontrakt wurde an
demselben Tage noch abgeschlossen und dem Meister Heinrich 4 fl. Leikauf
gegeben, wovon er die Hlfte seinem Weibe geben soll.

[Illustration: Abb. 28. Westansicht.]

Die Herstellung der ntigen Gerste und alles Zimmer- und Dachwerkes
wurde dem Meister Eucharius, dem Stadtzimmermann, bertragen, der zu
diesem Zwecke vom Rat eigens beurlaubt wurde. Im Januar 1482 schickte
man ihn nach Ulm, um den Zug zu besichtigen und kennen zu lernen, den
man am Bau Unser Lieben Frauenkirche dortselbst in Anwendung brachte.
Den Meister Hanns Pinz, Zimmermann zu Ulm, der wahrscheinlich der
Erfinder des Zuges war, nahm Meister Eucharius mit sich nach Nrnberg,
um auch hier den Zug zu dem Bau der Trme anzugeben und einzurichten.
Whrend der nchsten Jahre herrschte bei diesem Zuge lebhafte Ttigkeit;
dirigiert wurde er von mehreren Zimmergesellen.

=Turm der Stadtwage gegenber.= Am 11. Mrz 1482 fing Meister Heinrich
Kugler mit dem Zuhauen und Herrichten der Steine an.[51] Er beschftigte
20 Steinmetzgesellen und darber, deren jeder einen Taglohn von
18-20 [Pfennig] und am Ende der Woche ein Badegeld erhielt.[52] Die
Lehrgesellen erhielten des Tages nur 18 [Pfennig]. Der Wochenlohn des
Meisters Heinrich betrug 5 Pfund alt. Am Freitag nach Kiliani (12. Juli)
fing man an zu mauern; an diesem Tage wurden die ersten zwei Steine
auf den Turm gelegt. Die groe Anzahl der Arbeiter und der rege Eifer,
der bei dem ganzen Baue herrschte, machten es mglich, da man schon
am 23. Oktober 1482 den letzten Stein legen konnte und Ende dieses
Monates das Steinwerk des Turmes in der Hauptsache vollendet war. Der
Steinmetzgeselle Hans von Langheim zeichnete sich bei dieser Arbeit
besonders aus; dafr erhielt er aber auch ein besonderes Trinkgeld.

Whrend die Steinmetzen an dem Steinwerk des Turmes arbeiteten,
beschftigte sich Meister Eucharius mit seinen Zimmerleuten an der
Herstellung des Zimmerwerkes und Daches. Am 26. Mai 1483 stellten
sie die ersten Sparren zu der Dachung und Spitze des Turmes auf. Die
Sparren waren 70 Stadtschuh hoch; die Hhe der Stange oder des Spiees
oberhalb der Sparren betrug 20 Stadtschuhe; von dem Ende der Sparren
bis an den Knopf waren 9 Stadtschuhe und 6 Zoll und von dem Knopf bis
an die Fahne 5 Stadtschuhe und 4-1/2 Zoll. Die Zimmergesellen erhielten
20-24 [Pfennig] Taglohn und, wenn sie recht gefhrliche Arbeit in der
Hhe verrichteten, noch 4 [Pfennig] Zulage. Am 10. Juni 1483 wurde dem
Turm der Knopf aufgesetzt. Dieser war 2 Stadtschuh und 2-1/2 Zoll hoch
und 8 Stadtschuh und 8 Zoll weit. Verfertigt wurde er durch Niklas
Gnotzhamer und vergoldet durch den Goldschmied Erhard Hupfauf, der 80
Dukaten oder (3 Dukaten zu 4 Goldgulden gerechnet) 106 fl. 5 Pfund und
18 [Pfennig] neu oder 896 Pfund alt dazu verwendete. Ich vermute aber,
diese Summe sei fr die Vergoldung beider Turmknpfe und nicht blo des
einen verwendet worden. Am 7. Juli wurde die Fahne aufgesteckt; sie war
von Kupferblech, 2 Stadtschuh und 11 Zoll hoch und 3 Stadtschuh und 11
Zoll breit und wog mit dem Eisenwerk 39 Pfund. Gemalt hatte sie der
Meister Ulrich Pildschnitzer, Maler; fr das Malen derselben und fr
das Anstreichen des Eisenwerkes und der Fenster bei der Schlagglocke
erhielt er 40 Pfund Pfennig alt. Dann ging es an die Herstellung der
Trmerstube, und da kamen die Kleibergesellen, die den Boden, den
kupfernen Ofen und die Fenster mit Lehm verkleibten und verstrichen,
und die Tnchergesellen, die da tnchten und Estrich schlugen; deren
jeder erhielt 24 [Pfennig] Taglohn und am Ende der Woche ein Badgeld.
Die Trmerstube erhielt 8 neue Rahmen. Das Paar kostete 1 Pfund 15
[Pfennig]. In den Rahmen waren 433 neue und 70 alte Fensterscheiben;
hierfr erhielt der Glaser 28 Pfund alt. Der Turm war sohin fertig bis
auf das Decken.

=Der Turm St. Moritzen-Kapellen gegenber= (=nrdlicher Turm=). Nachdem
der der Stadtwage gegenber gelegene Kirchturm im Steinwerk fertig
war, kamen am 10. November 1482 Sebald Schreier, Kirchenmeister,
Niklas Gro, Hans Tucher und Hans Volckamer in Ruprecht Hallers, des
Kirchenpflegers, Haus abermals zusammen, um mit Meister Heinrich Kugler
auch wegen Erbauung des anderen Turmes Moritzen-Kapellen gegenber zu
unterhandeln. Die Bedingungen waren dieselben wie beim ersten Turm;
sie wurden von Meister Heinrich auch ebenso angenommen. Bei dieser
Gelegenheit wurde auch eine Irrung zwischen Meister Heinrich und seinem
Parlierer Ulrich Speidel beigelegt und ausgesprochen, da Meister
Heinrich Gewalt haben solle, die Steinmetzgesellen aufzunehmen und zu
entlassen, und auch sogar dem Parlierer selbst den Abschied zu geben,
letzteres jedoch nur mit Wissen eines Rates. Der Parlierer erhielt den
Taglohn eines Gesellen, aber alle Quatember noch eine Liebung von 16
Pfund alt. Speidel erkrankte brigens am Montag nach St. Margareta; am
Pfintztag (Donnerstag) danach war er schon eine Leiche. Er starb an der
Pest, die damals regierte. An seiner Stelle nahm Meister Heinrich den
Hans Karter als Parlierer auf.

Am 7. April 1483 wurde mit dem Abbrechen des Turmes begonnen; neun
Wochen spter, am 16. Juni, konnte man schon den ersten Stein auf das
alte Gemuer setzen. Nach drei Monaten, am 24. September, war das
Mauerwerk hergestellt. Mit dem Aufstellen des unterdessen hergerichteten
Zimmerwerks begann man am 3. November 1483. Am 5. Dezember wurde sodann
der Knopf und danach auch die Fahne aufgesteckt. Die Stiegen, Portale,
Gelnder und Gnge an beiden Trmen wurden whrend der nchsten drei
Jahre gemacht.

=Das Decken beider Trme.= Um sie dauerhaft und gut decken zu lassen,
lie man den Meister Stephan Kaschendorfer von Dresden kommen, damit
er dem Meister Christoph Lilgenwei Unterricht im Decken erteile.
Nachdem dies geschehen und Meister Stephan fr seine Mhe reichlich
belohnt worden, bertrug man am 27. April 1483 das Decken des Turmes der
Wage gegenber dem Meister Christoph Lilgenwei, der mit dem ntigen
Zinn, womit die Trme gedeckt wurden, und mit allem Zeug von dem
Kirchenmeister versehen wurde und fr das Gieen eines jeden Zentners
Zinn 1 fl. erhielt. Als der Turm im Laufe des Jahres 1483 vollstndig
gedeckt war, wurde ihm am 4. Mrz 1484 auch das Decken des mittlerweile
fertig gewordenen Turmes St. Moritzen-Kapellen gegenber bertragen.
Vor Ablauf des Jahres war auch dieser gedeckt. Man verwendete entweder
Eberstorfer, Lwensteiner oder Seifenzinn; von den beiden ersteren
kostete der Zentner 8 fl., von letzterem 10 fl. Auch englisches Zinn
wurde verwendet. Aber die Arbeit war schlecht geraten und der Gu der
Zinntafeln und Tonnen ungleich; sie zersprangen allenthalben und lieen
den Regen eindringen. Man schrieb die Schuld teils dem Meister Stephan
Kaschendorfer, der ber das Gieen und Decken nicht gehrig Aufschlu
gegeben, insbesondere aber dem Meister Christoph Lilgenwei zu, der
mit Unflei, Verwahrlosung und Untreue umgegangen, indem er Zinn beim
Decken abgetragen und entwendet und dieses Material mit Blei vermischt
und geringert und so den Eid verletzt habe, den er bei der bernahme
der Arbeit geschworen. Der Wert des Zinnes, das er bei dem ersten Turm
abhndig gemacht, betrug 142 fl., bei dem zweiten ber 278 fl. Er wurde
deshalb im Jahre 1485 ins Lochgefngnis gelegt und mit ernstlicher Frag
(Tortur) angegriffen. Er bekannte aber nur 56 fl. Als Frbitten von
Bamberg und anderen Orten bei dem Rat fr ihn einkamen und sein Vater,
der Lilgenwei von Bamberg, und seine Hausfrau Anna die Zahlung obiger
56 fl. verbrgten, lie man ihn los, weil man damals noch keine Kenntnis
hatte von dem groen Schaden, den er der Kirche zugefgt und der erst
spter sichtbar wurde. Als er aber vernahm, da die Trme wieder ab-
und von neuem gedeckt werden sollen, ergriff er die Flucht, weil er die
Entdeckung seiner groen Untreue befrchtete.

Am 15. Juli 1489 wurde beschlossen, die Trme durch Meister Ulrich
Hbner, Bchsenmeister von Bamberg, neu decken zu lassen. Zuerst deckte
er den Turm der Wage gegenber. Das ntige Zinn und was er sonst ntig
hatte, das Werkzeug ausgenommen, erhielt er von dem Kirchenmeister
Sebald Schreier, der ihn fr das Gieen eines jeden Zentners und fr
das Decken 2 Pfund neuer Haller bezahlte. Die Kosten fr das Decken
dieses Turmes betrugen 1406 Pfund und 4 Schilling Haller neuer Whrung
oder (den Gulden zu 2 Pfund 1 Schilling 8 Haller neu oder 8 Pfund 10
[Pfennig] alt gerechnet) 674 fl. rhein., 19 Schilling 6 Haller in Gold.
An Zinn und Blei wurden 4907 Pfund verwendet.

Da die Arbeit des Meisters Ulrich befriedigte, bertrug man ihm im
Jahre 1490 auch das Decken des anderen Turmes, bei welchem sich die
Kosten nur auf 310 Pfund 18 Schilling 8 h. oder 149 fl. 5 Schilling in
Gold beliefen.

Soweit Baaders Nachrichten, welche aus den Baurechnungen gezogen sind.
Demnach war der 1481 oder richtiger im Frhjahr 1482 begonnene Neubau
einschlielich Bedachung -- abgesehen von der Neudeckung 1489 und 1490
-- im Herbst 1484 vollendet. Kleinere Arbeiten, wie Einrichtung der
Holztreppen, Fertigstellung der Tren, Gelnder und Gnge an beiden
Trmen, nahmen noch die Jahre bis 1486, nach anderen bis 1485 in
Anspruch.[53] 1496 sollen die beiden zierlich durchbrochenen Gnge,
welche man aber 1577 wieder neu bauen mute, gemacht worden sein[54],
wofr ein urkundlicher Beleg jedoch nicht bekannt ist. Mglich, da
durch den 1494 erfolgten Aufzug der Viertelstundenglocke die Galerie
beschdigt oder, um den Aufzug zu bewerkstelligen, absichtlich teilweise
beseitigt wurde, was 1496 eine umfassende Reparatur erfordert htte.[55]
Jedenfalls htte es sich dann nur um den sdlichen Turm, in dessen
oberem Helmdurchbruch die Glocke aufgehngt wurde, handeln knnen.

Die Erhhung der Trme bezog sich hauptschlich auf den Aufbau neuer
Glockenstuben mit weiten Schallfenstern, die ohne Verjngung beiderseits
auf die unteren Stockwerke aufgesetzt wurden. Die an jeder Seite der
Trme angebrachten doppelten Schallfenster werden je durch ein weites
und hohes Blendfenster mit drei senkrechten Stben zusammengefat. Die
Spitzbgen der eigentlichen Schallfenster fllt einfaches Mawerk,
Leibungen und Stbe der Blende sind in schlichter Weise profiliert. Die
Wnde sind vollstndig glatt behandelt, es fehlen also auch die Lisenen,
welche am nrdlichen Turm bis an das Gesims des sechsten Stockwerkes
hinaufreichen. Unter dem oberen Abschlu dieses Stockwerkes zieht
sich, ohne Abwechslung der Motive, ein Bogenfries hin, dessen Spitzen
Knospenornamente zieren.

Darber erhebt sich, durch eine aus zwei Hohlkehlen bestehende
Profilierung wenig ber die Mauerflucht hervorragend, eine Kranzgalerie
(Abb. 29), in Herzblattmuster durchbrochen gearbeitet. Das siebente,
ebenfalls quadratische aber engere Stockwerk ber der Plattform, ist
wiederum glatt behandelt und hat jeweils in der Westseite eine Tre,
durch welche man auf den schmalen Gang gelangt, und auerdem auf jeder
Seite zwei kleine viereckige Fenster. Der obere Teil dieses siebenten
Stockwerkes wurde im sdlichen Turm als Wchterwohnung eingerichtet. Ein
Fries, hnlich dem des sechsten Stockwerkes, schliet das Mauerwerk ab.
Die schlanken Turmhelme setzen viereckig an und gehen durch Teilung der
Kanten und Brechung derselben in ein gleichmiges Achteck ber; der
sdliche Helm ist zweimal durchbrochen, zur Aufnahme der Stundenglocke
unten und der Viertelstundenglocke oben. Knopf und Fahne bekrnen das
Ganze.

Einen Anspruch auf knstlerische Bedeutung knnen die Trme auch in
ihren neuen Bauteilen nicht erheben. Gerade in den beiden Trmen mit
ihrer einfachen, schlichten Behandlung kommt eben eigentlich so recht
die Einfachheit und zugleich auch Nchternheit der Nrnberger Gegend zum
Ausdruck. Hier unterscheidet sich die Kirche St. Sebald nur wenig von
den Bauten der Nachbarorte, denn weder das nrdliche Bayern, noch das
angrenzende stliche Franken hat Kirchtrme aufzuweisen, welche sich
besonderer Schnheit erfreuen. Am nchsten verwandt mit den Trmen von
St. Sebald ist der Turm der Stadtpfarrkirche in Schwabach.

[Illustration: Abb. 29. Oberer Teil des nrdlichen Turms.]

Der Baumeister der neuen Turmteile war Heinrich Kugler von Nrdlingen.
Dort hatte er 1480 das Amt eines Kirchenbaumeisters bei St. Georg
bernommen und in der Zeit bis 1494, wo er wegen Krankheit seine Stelle
niederlegen mute, in der Hauptsache den oberen Teil des mchtigen
Turmes und die Pfeiler im Chore gebaut; die kriegerischen Verwicklungen
der Reichsstadt mit Herzog Georg von Niederbayern-Landshut und
insbesondere die Beurlaubung nach Nrnberg zum Ausbau der Trme von
St. Sebald[56] hinderten ihn, am Bau von St. Georg in dieser Zeit mehr
auszufhren. brigens kme fr einen kunstkritischen Vergleich doch
eigentlich nur der obere Teil des Nrdlinger Turmes in Betracht; allein
aus dem kleinen von Kugler ausgefhrten Stck, dem achteckigen Teil ber
der zweiten Galerie, lassen sich keine Schlsse auf die Trme von St.
Sebald ziehen, um so weniger, als Kugler dort genau wie bei St. Sebald
durch die Hhe der vorhandenen Trme fr den Weiterbau bereits gebunden
war und auerdem die im Gutachten des frheren Baumeisters Ensinger
gegebenen Direktiven einzuhalten hatte.[57]

Endlich ist fr den Bau der Trme noch ein Aufri in sauberer
Federzeichnung von Interesse, der sich im Archiv der Oberen Pfarrkirche
zu Ingolstadt befindet. Er stellt im Mastab 1 : 20 den oberen Teil
eines Turmes dar, der im wesentlichen mit den Glockenstuben von St.
Sebald bereinstimmt und mit Wahrscheinlichkeit als ein Werkri
des Meisters Heinrich Kugler betrachtet werden darf. Die groen
Schallfenster mit ihrer Verblendung stimmen fast genau mit den
ausgefhrten Fenstern berein, nur die Strebepfeiler an den Ecken sind
weiter gefhrt und endigen etwa in der Mitte des sechsten Stockwerks mit
Fialen und Kreuzblumen. Das siebente Stockwerk jedoch ist vollstndig
anders geplant. Nur wenig schmler als das sechste steht es mit diesem
durch ein krftig profiliertes Gesims in Verbindung und hat erst zu
oberst eine Kranzgalerie, so da der Turmhelm ohne jede Vermittlung
auf der Plattform aufsitzt, aber ebenfalls einen schmalen Gang
freilassend. Das durchbrochene Motiv der Galerie sowie der Bogenfries
unterhalb derselben, ferner Form, Gre und Anordnung der Fenster der
Trmerwohnung sind die gleichen wie am ausgefhrten Bau. Wie dieser
Aufri in das Archiv der Oberen Pfarrkirche (oder Frauenkirche) zu
Ingolstadt gelangt ist, mu vorerst noch unaufgeklrt bleiben. Da er
sich zwischen den Bauplnen des Ulrich Heydenreich, Baumeisters zu Unser
Schnen Lieben Frauen in Ingolstadt, erhalten hat, kann man vermuten,
da Heydenreich, als er gegen Ende des Jahrhunderts die schwbischen
Stdte besuchte und ihre Kirchen und insbesondere Trme aufnahm, jenen
Ri von seinem Kollegen Heinrich Kugler geschenkt bekommen und mit nach
Ingolstadt gebracht habe.

Uns aber kann ein Vergleich des Aufrisses mit dem vollendeten Bauwerk
lehren, welche Umnderungen die ursprnglichen Bauabsichten noch whrend
der Ausfhrung erfahren haben, ein Einblick in die Ttigkeit des
Architekten, wie er uns, soweit es sich um die Zeiten des Mittelalters
handelt, nur selten mglich ist.

[Illustration: TAFEL X. Innenansicht vom Ostchor gegen das nrdliche
Seitenschiff.]




                                  III.

                     Die Restaurierungen der Kirche.

           1. Die Restaurierungen der Kirche bis zur Neuzeit.


Bei einem so umfangreichen Bauwerke wie die Kirche St. Sebald wurden
natrlich im Laufe der Zeit eine Reihe von greren und kleineren
Reparaturen, namentlich am Auenbau, erforderlich. Verschiedene
Vernderungen sind auch ein Produkt der vernderten Bedrfnisse oder des
vernderten Zeitgeschmackes.

Die erste beglaubigte Restaurierung im Innern wurde 1493 vorgenommen:
do wart die kirchen zu sant Sebolt geweist und verneut inwendig und
wurd fertig auf sant Seboltz tag.[58]

Nach der Strke und Beschaffenheit der Tnche zu schlieen, welche
die Wnde bis zur letzten Restaurierung berzog, wurde die Ausweiung
fter wiederholt, mglicherweise auch gelegentlich der Ende der
fnfziger und Anfang der sechziger Jahre des 17. Jahrhunderts bettigten
Barockausstattung.

Im Jahre 1515 erlaubte der Rat dem Michel Beheim, der Cramer Kapellen
in St. Sebalds Kirchen am Gewlb und an den Fenstern und Altartafeln
restaurieren zu lassen. Doch durfte er sein Wappen nirgends anbringen
und mute er die alten Wappen stehen lassen.[59] Gemeint ist
wahrscheinlich die Pmerkapelle zwischen der sdlichen Sakristei und der
Dreiknigstre.

1657 und in den folgenden Jahren wurde das Innere der Kirche von dem
Tnchermeister Jakob Fuchs nach dem Muster des Bamberger Domes --
Tncher und Steinmetzen erhielten fr die Reise dorthin zusammen 6
fl. -- renoviert, und zwar einschlielich der damaligen Porkirchen
(wahrscheinlich der Engelschor) und der beiden Sakristeien. Akkordiert
war die Summe von 900 fl. ber die Art und Weise der Renovierung,
soweit sie die Architektur betrifft, erhalten wir keinen Aufschlu,
auch fhrt ein Vergleich mit dem Bamberger Dom zu keinem Ergebnis, da
das Innere desselben unter Knig Ludwig I. von allen spteren Zutaten
gereinigt wurde. Nur folgende Angaben aus der erhaltenen Rechnung
sind von Interesse: im Jahre 1657 u. ff. wurde auerdem noch renoviert
(von verschiedenen Meistern) innen in der Kirche ... unter der Kanzel
gepflastert (fl. 140), Fledermuse ber dem Gewlbe weggeschafft,
Gemlde oben an dem Gewlb des Chors (6 fl.) etc.[60] Aus dem
letzteren Posten geht hervor, da die Gewlbe des Ostchores, denn nur
dieser kann gemeint sein, mit Malereien wahrscheinlich aus der Zeit der
Erbauung ausgestattet waren. Die letzte Restaurierung hat denn auch eine
reiche Polychromie der Schlusteine und eine Bemalung der anstoenden
Rippen aufgedeckt.

Eine besonders umfangreiche Erneuerung erfuhr 1657 die Innenausstattung
der Kirche (Abb. 30). Sie bezog sich vor allem auf die Neuherstellung
von Altren und der Kanzel sowie der beiden Orgelemporen im Querschiff.
Auerdem wurden damals im Mittelschiff in der Hhe der Triforien und im
nrdlichen Seitenschiff hlzerne Emporen angebracht. Auf Einzelheiten
dieser Erneuerung wird bei der Behandlung des Inventars zurckzukommen
sein.

Soweit die Nachrichten ber die Restaurierungen im Innern.

Bei einigen von den zahlreichen Vernderungen am Auenbau wurde
durch die letzte Restaurierung der ursprngliche Zustand, so gut es
eben mglich war, wieder hergestellt. So muten in erster Linie die
beiden Dachwerkanbauten auf den Seitenschiffen an der Westwand des
Ostchores weichen, in welchen die Blasblge fr die beiden 1443 und
1447 errichteten Orgeln auf den Ostchoremporen untergebracht waren. Zur
Zierde des Ganzen hatten diese Anbauten nicht gereicht.

Die lteste Gestalt der gotischen Seitenschiffdcher war die, da an
ein ziemlich flaches, bis an den unteren Rand der Hochschiffsfenster
heranreichendes Pultdach von den Wimpergen der Seitenschiffe aus
Giebeldcher anstieen. In spterer Zeit waren die Giebeldcher mitsamt
den Wimpergspitzen und der Galerie beseitigt und das Pultdach steiler
gelegt worden, so da die reiche Dachbildung, die im Verhltnis zu der
mannigfaltigen Gliederung der Wnde der Seitenschiffe stand, verloren
ging und die unteren Partien der Hochschiffsfenster zugemauert werden
muten, was fr den Innenraum des Langhauses einen betrchtlichen
Entgang an Licht bedeutete. Dieser belstand wurde durch die letzte
Restaurierung infolge Tiefer- oder Flacherlegung des Pultdaches und
Herausnahme der Fenstereinmauerungen behoben. Die Wimpergspitzen und die
Galerie wurden erneuert, Giebel- oder Kapellendcher gelangten jedoch
nicht zur Wiederherstellung.

Nach der Vollendung des Ostchores zhlte die Kirche sechs Eingnge:
die zwei romanischen Turmportale, im Westen, je zwei an der Nord- und
an der Sdseite, die Anschreibtre und die Ehtre, diesen entsprechend
die Schultre und die Dreiknigstre. Im Jahre 1480 wurde, aus welchem
Bedrfnis ist nicht bekannt, in der Sdwand des Ostchores gegenber
der Schau unter dem Behaimschen Fenster eine niedrige Tre mit flachem
Bogen und ohne Profilierung des Rahmens, nur mit Abschrgung der
Kanten, ausgebrochen. Drei Stufen fhren zu derselben hinauf. Wegen des
gegenberliegenden ffentlichen Gebudes wurde sie Schautre genannt.[61]

Am 20. November 1490 kam in frher Morgenstunde in der Wchterstube
des sdlichen Turmes Feuer aus. Einen greren Umfang scheint dasselbe
nicht angenommen zu haben, denn bauliche Vernderungen, die auf einen
Brandschaden zurckzufhren wren, sind am Turm nicht wahrzunehmen. Es
wird also nur ein Zimmerbrand gewesen sein.[62]

Wie bereits hinlnglich bekannt, mute die Galerie des Ostchores 1561
wegen Bauflligkeit abgenommen werden. Am 27. Mai nahmen im Auftrag des
Rates der stdtische Baumeister Joachim Tetzel und vier Handwerksmeister
eine eingehende Besichtigung des Umganges vor und erstatteten hierber
in einem ausfhrlichen Gutachten Bericht (vgl. Beilage 36). Danach sei
die ganze Galerie durch die Einwirkung des Regen- und Schneewassers
gleichsam zerfressen, insbesondere das die Galerie tragende Gesims,
so da einzelne Stcke, vor allem die ebenfalls stark beschdigten
Wasserspeier, herabzufallen drohten. Eine Ausbesserung, von der man
sich aber nicht viel versprechen knne, wrde auf etwa 5000 fl. zu
stehen kommen. Man halte die Abtragung der Galerie, die Deckung des
Umganges mit Dachziegeln und die Anbringung kupferner Dachrinnen fr
die geeignetsten Manahmen. Dem Antrag entsprechend wurde beschlossen
und gehandelt. Und so verschwanden nach nicht ganz 200jhrigem Bestehen
die Galerie, die Wimperge der Fenster, soweit sie den Dachrand
berragten, die Fialen der Strebepfeiler und die vielen Wasserspeier,
welche zusammen eine prchtige Bekrnung des Chores gebildet hatten,
hinter der bei greren Festlichkeiten, vornehmlich bei Einzgen von
Frsten, die Stadtpfeifer und -trompeter gar feierlich herabbliesen.
Da es sich damals nur um die Galerie des Ostchores und nicht auch um
die der Seitenschiffe handelte, ist aus einer Angabe des vorerwhnten
gutachtlichen Berichtes zu schlieen, wonach die Lnge der Galerie 333
Stadtschuh, also genau dem Umfang des Ostchores entsprechend, abgesehen
von der Westwand desselben, betragen hat.[63]

[Illustration: Abb. 30. Inneres der Sebalduskirche. Ausschnitt aus dem
Kupferstiche von J. A. Graff. 1694.]

In den Jahren 1571 bis 1647 wurden eine Anzahl Reparaturen am sdlichen,
dem sogenannten Schlagturm vorgenommen. 1571 fand eine Besichtigung der
Kranzgalerie, die infolge Bauflligkeit das Schicksal der Ostchorgalerie
teilen sollte, statt. Einige Jahre darauf, vielleicht 1577, wurde auf
ein ausfhrliches fachmnnisches Gutachten hin, welches zugleich ein
kurzes Projekt der Restaurierung enthielt und dem ein Plan der Galerie
beigegeben war, dieselbe erneuert, und zwar genau im ursprnglichen
Stilcharakter. Die beabsichtigte Aufsetzung von Kugeln auf den Ecken
des Gelnders scheint unterblieben zu sein. Die brigen Renovierungen
beziehen sich meist auf das ruins gewordene Zinndach. 1591 wurde der
schlechte Zustand desselben zum ersten Mal festgestellt. 1609, 1613 und
1616 folgten weitere Besichtigungen und Ausbesserungen. Schlielich,
1647, blieb nichts anderes brig, als eine Neubedachung vorzunehmen,
und da man mit dem Zinn so schlechte Erfahrungen gemacht hatte, wurde
Kupfer gewhlt. Seitdem besteht an dem Turmpaar von St. Sebald ein fr
das ganze Stadtbild charakteristisch gewordener Farbenkontrast, der
nrdliche glatte Turmhelm zeigt sich in dem matten Grau des Zinnes, der
sdliche durchbrochene in der grn schimmernden Patina des oxydierten
Kupfers.[64]

Samstag den 3. August 1754 schlug ein Donnerwetter in die Kirche
St. Sebald, und zwar ein Feuer- und ein Wasserstrahl. Der erstere
fuhr durch das Dach des Langhauses gegen den Milchmarkt ber auf das
darunter befindliche Dach auf den Boden, wo man in die kleine Orgel
gehet, und zndete einen Querbalken an. Der Brand wurde sofort bemerkt
und gelscht. Der Wasserstrahl ging durch das Langhaus bei den Trmen,
eine ziembliche Anzahl Ziegel erschlagend, auf das Dach direkt ber
der Lffelholzkapelle, wo die Trmer Holz und Spne liegen hatten,
und wo er mehrere Dachsparren vllig zerschmetterte. Die entstandenen
Dachffnungen wurden aus eigener Initiative des Almosenamtes noch am
selbigen Abend mit Ziegeln zugedeckt. Die erforderlichen Ausbesserungen
waren fr den Bau selbst nicht von Belang.[65]

Wie beim sdlichen Turm so mute man auch beim nrdlichen Turm die
schdlichen Folgen einer schlechten Zinnbedachung erfahren. Hier
bedurfte aber nicht allein die Bedachung, sondern der ganze Dachstuhl
des spitzigen Helmes einer Erneuerung. Fr die neue Bedachung wurde
nicht wie 1647 beim anderen Turm Kupfer, sondern wieder Zinn in starker
Vermischung mit Blei gewhlt. Die Restaurierung nahm die Jahre 1768 und
1769 in Anspruch und erforderte einen Kostenaufwand von ber 5500 fl.
Die Einzelheiten sind aus der Beilage 38 ersichtlich.

1805 wurde die Fahnenstange auf dem sdlichen Turm wiederholt
ausgebessert. Die zur Vornahme der geringfgigen Ausbesserung notwendige
Rstung des Helmes kostete 361 fl. 20 kr.[66]

Die 1647 in Kupfer ausgefhrte Neubedachung des sdlichen Turmes
wurde 1807 an mehreren Stellen ausgebessert, wobei die abgenommenen
schadhaften Kupferplatten fr Reparatur eines Braukessels im
Weizenbierbrauhaus Verwendung fanden.[67]

Aus dem Vorausgehenden ist ersichtlich, da wesentliche Vernderungen am
Bau von St. Sebald, wie ihn das Mittelalter der spteren oder neueren
Zeit berliefert hat, nicht vorgenommen wurden, obwohl sich schon
frh genug die Wahl weichen Steinmaterials fr ornamentale Teile oder
architektonische Zierglieder gercht hatte. Es darf dieser Umstand
vielleicht als ein Glck bezeichnet werden. Denn sptere Umbauten im
Renaissance-, Barock- oder Rokokostil, wie sie sich so hufig in den
katholisch gebliebenen Gegenden vorfinden, wrden, selbst wenn sie zu
den hervorragendsten Leistungen zu zhlen wren, nur den Bau seiner
ursprnglichen knstlerischen Feinheiten und einer Reihe kostbarer
historischer Erinnerungen beraubt haben; das mittelalterliche Leben,
das noch aus allen Ecken und Winkeln der Kirche atmet und ein mchtiger
Zeuge der frheren politischen Hhe Nrnbergs ist, wre zerstrt. Der
Gegenwart war es vorbehalten, das schadhaft gewordene Bauwerk durch eine
grndliche Restaurierung in seinem alten Glanze wiederherzustellen.

Wir lassen nun eine Wrdigung der 1906 beendeten Restaurierung folgen
nebst den ausfhrlichen Berichten der Bauleitung.


            2. Das Restaurierungswerk der Neuzeit. 1888-1906.

Die im vorausgehenden Kapitel behandelten, in der Zeit vom 16.
bis zum beginnenden 19. Jahrhundert an der Kirche vorgenommenen
Ausbesserungen, amtlich Reparaturen genannt, waren in der Regel
untergeordnete Instandsetzungsarbeiten an schadhaften Stellen des Baues.
Die Architektur als solche blieb unangetastet, wenn sie auch noch so
restaurierungsbedrftig erschien.

So ist die Kirche St. Sebald, zwei kleine Anbauten an der Giebelseite
des Ostchores und die Steilerlegung der Seitenschiffdcher ausgenommen,
in ihrer ueren Erscheinung in der Gestalt der Sptzeit des 15.
Jahrhunderts fast unverndert auf uns gekommen. Dagegen war der
Erhaltungszustand des Baues der denkbar schlechteste. Bei dem weichen
Steinmaterial, das man fr das ganze Mauerwerk und auch fr die
feinen Zierglieder der Hoch- und Sptgotik verwendet hatte, konnte
die Zeit bald und ausgiebig mit ihrer Zerstrungsarbeit beginnen, so
da die Kirche zuletzt, verwildert und verstmmelt, den Anblick einer
Ruine gewhrte (Abb. 31). Dazu kam, da die an dem ursprnglichen
romanischen Baukrper nach und nach vorgenommenen Umbauten jedesmal
einen empfindlichen Eingriff in den konstruktiven Organismus bedeuteten,
der Verschiebungen und Schwchungen der einzelnen Mauerteile zur Folge
haben mute. Der Zustand des Verfalls war allmhlich in ein bedenkliches
Stadium getreten. Eine durchgreifende Wiederherstellung war nicht lnger
aufzuschieben.

Die Verwaltung des vereinigten protestantischen Kirchenvermgens,
die Eigentmerin des Bauwerkes, erkannte diese Notwendigkeit und
ging energisch zu Werke. Eine Menge langwieriger Vorarbeiten war zu
erledigen, so da von dem ersten Entschlu bis zur Inangriffnahme
der Wiederherstellung eine geraume Zeit verstrich. Man war auf
das bereitwillige Entgegenkommen und die emsige Mitarbeit der
verschiedensten Faktoren angewiesen. Denn weder der Umfang und die
Zeitdauer der Restaurierung, noch die Hhe der entstehenden Kosten
konnten trotz Untersuchungen, Gutachten und Voranschlgen genau bestimmt
werden. Insofern aber sah die Kirchenverwaltung dem Zustandekommen des
Unternehmens mit Zuversicht entgegen, als sie wute, da hinter ihr ein
auf die Erhaltung seiner historischen Kunstschtze bedachtes Brgertum
stand, welches dem Aufruf zur Instandsetzung des bedeutenden Baudenkmals
und der dort aufgespeicherten Schtze opferwillig Folge leistete.

[Illustration: Abb. 31. Ostchorpartie vor der Restaurierung.]

Ein eigens fr die Restaurierung der Kirche gegrndeter Verein machte
sich ausschlielich die Beschaffung der erforderlichen Geldmittel
zur Aufgabe. Von allen Seiten flossen Zuschsse herbei, wenn auch in
Anbetracht der enormen Ausgaben, welche das Unternehmen verursachte,
zuweilen etwas langsam und in geringen Betrgen. Private Kreise, die
Stadtbehrde, Frstlichkeiten, voran der Deutsche Kaiser und Bayerns
Regent, und insbesondere die alteingesessenen Patriziergeschlechter der
ehemaligen Reichsstadt hielten mit Untersttzungen nicht zurck.

Das Unternehmen der Restaurierung war vom Schicksal begnstigt.
Schon der Umstand war von unschtzbarem Vorteil, da man sich an die
Wiederherstellung nicht frher gewagt hat, als es in der Tat geschehen
ist, obwohl der Zustand des Baues von jeher Anla genug gewesen wre.
Ein Menschenalter vorher beispielsweise htte bei den magebenden
Faktoren und ebenso in Knstlerkreisen nicht das gleiche Verstndnis fr
=alle= Stilperioden des Baues und noch weniger fr =alle= Gegenstnde
der Inneneinrichtung bestanden. Es wren zweifellos viele Inventarstcke
der Renaissance, des Barock und Rokoko dem damals noch vielfach
angewendeten Purifikationssystem zum Opfer gefallen.

Ein beraus glcklicher Griff wurde in der Wahl der Bauleitung getan.
Die Kirchenverwaltung bestellte als Oberleiter den Professor =Georg
von Hauberrisser= in Mnchen, der wiederum seinen Schler Professor
=Joseph Schmitz= mit der rtlichen Leitung betraute. Beide sind Gotiker
von anerkanntem Ruf. Whrend der Restaurierung des Auenbaues behielt
Hauberrisser die Oberleitung bei, die Restaurierung des Innern und
des Inventars leitete Schmitz allein. Die beiden Meister huldigten
dem Grundsatz der gleichen Existenzberechtigung smtlicher Teile des
Baues wie des Inventars, gleichviel ob knstlerische oder historische
Interessen in Frage stnden, und dem anderen Grundsatz: besser zu wenig
als zu viel restaurieren. Mit liebevoller Piett und peinlicher Sorgfalt
wurden alle Einzelheiten behandelt, und waren Ergnzungen von grerer
Ausdehnung vorzunehmen, so boten die knstlerischen Qualitten der
Leiter Garantie fr zutreffende Form.

Ein allgemein bindendes Programm oder bestimmte, fr jeden speziellen
Fall gltige Satzungen wurden nicht aufgestellt. Die Restaurierung
erfolgte in einzelnen Abschnitten und wanderte von Bauteil zu
Bauteil (Abb. 32). Whrend der Vollendung eines Abschnittes wurde
die Arbeit fr den nchstfolgenden vorbereitet. Setzte die folgende
Wiederherstellungsarbeit eine andere Art der Behandlung voraus, so
wurden von der Bauleitung die geeigneten Manahmen beraten, die
beschlossenen Absichten dem Bauausschu der Kirchenverwaltung vorgelegt
und nach den entworfenen Plnen die Ausfhrung in Angriff genommen.

Mit der Auenrestaurierung des Ostchores wurde der Anfang gemacht; es
folgten die Nordseite, der Westchor und das sdliche Seitenschiff.
Die Trme bildeten den Schlu. Um whrend der Innenrestaurierung den
Gottesdienst nicht auf lngere Zeit unterbrechen zu mssen, teilte
man die Kirche in zwei Hlften, welche nacheinander in Arbeit gegeben
wurden. Zugleich mit der Innenrestaurierung des Baues wurde auch die
Renovierung der Inventargegenstnde bettigt.

Die uerliche Schadhaftigkeit der sptromanischen Bauteile war bei
dem Mangel feiner dekorativer Glieder am Auenbau naturgem geringer
als die Schadhaftigkeit der gotischen Teile. Der Verwitterung am
meisten ausgesetzt waren hier hauptschlich die Bogenfriese und
ornamentierten Kapitle, welche durch getreue Kopien ersetzt wurden.
An den ausgedehnten gotischen Partien fehlten nicht nur Krabben und
Kreuzblumen, sondern auch Wimpergspitzen, Mawerke, ja ganze Galerien
waren dem Zerstrungswerk zum Opfer gefallen. Sprlich, doch ausreichend
waren die aufgefundenen berreste zur Ermglichung zuverlssiger
Rekonstruktion und Ergnzung. Von besonderem Interesse sind in dieser
Beziehung die innerhalb der Mauerkrone des Ostchores aufgefundenen
Reste der frheren Galerie. Die Restaurierung des Baues wurde daher
durchgehends im Stilcharakter der einzelnen Bauteile durchgefhrt.
Die wiederholte Aufnahme des alten Baustiles und die Auerachtlassung
neuzeitlicher Ausdrucksformen war ohne weiteres gerechtfertigt.

Auf leergebliebenen Konsolen des Ostchors und nrdlichen Seitenschiffes
fanden zahlreiche vom Bildhauer Georg Leistner in Nrnberg gearbeitete
Statuen von Aposteln, Propheten und Kirchenvtern, dazu auch Luthers
und Melanchthons Aufstellung. Sie erfllen wesentlich einen dekorativen
Zweck und fgen sich in ihrer gotischen Formengebung im allgemeinen gut
der reichen architektonischen Umgebung ein.

Hauptarbeiten am Auenbau waren: Auswechslung der schadhaften Steine,
Ergnzung, beziehungsweise Rekonstruktion der ruinsen oder abgefallenen
Galerien, Pfeilerendigungen und sonstigen Zierglieder, Kopierung
der verwitterten Bildwerke, Neubedachung der beiden Turmhelme und
Flacherlegung der Seitenschiffdcher. ber diese Punkte, wie ber
alle Einzelheiten bei der Auen- und Innenrestaurierung, gibt der
nachfolgende ausfhrliche Bericht der Bauleitung genauen Aufschlu.[68]
Bezglich der letzterwhnten Arbeit am Auenbau ist hinzuzufgen, da
von den verschiedenen Gestaltungen, welche den Seitenschiffdchern
im Laufe der Jahrhunderte gegeben worden sind und deren jede fr uns
historische Berechtigung hatte: Kapellendach, flaches Pultdach, steiles
Pultdach -- das flache Pultdach als diejenige Form gewhlt wurde, welche
sich praktisch als die vorteilhafteste erwies.

Das Steinmaterial des alten Baues besteht beim romanischen Teil aus
grauem, bei den gotischen Bauteilen aus rtlichem Sandstein der
Nrnberger Umgebung von ziemlich grobem Korn. Die Bestndigkeit
dieses Materials insbesondere bei Verwendung fr dekorative Glieder
und figrliche Darstellungen ist eine sehr geringe, dazu kommen die
schdlichen Einwirkungen des Rues der modernen Fabrikstadt, die den
Fortschritt der Verwitterung bei einem schon angegriffenen Stein
auerordentlich beschleunigen.

Um derartigen belstnden fr die Zukunft vorzubeugen, wurde bei
allen Ergnzungen und Kopien auer verschiedenen oberfrnkischen
Hartsandsteinen meistens der sehr harte wetterbestndige und
quarzitreiche Stein aus den Wendelsteiner Brchen bei Nrnberg verwendet.

[Illustration: Abb. 32. Westansicht, mit den Gerstbauten.]

An der Auenarchitektur hatten die spteren Jahrhunderte keine
wesentlichen Neuerungen hinzugefgt. Anders verhielt es sich bei der
Innenarchitektur. Fast jede Epoche hatte ihre Spuren hinterlassen,
bestehend in einer oder mehrmaligen bertnchung der Gewlbe und Wnde.
Es war sofort klar, da der knstlerische Wert dieser Ausweiungen nicht
auf der gleichen Stufe mit der vornehmen Wirkung des ursprnglichen
Zustandes stehen konnte. Untersuchungen und Proben besttigten diese
Anschauung. Hiemit war die Grundlage fr die Innenrestaurierung gegeben:
auch im Innern war dem Bauwerk sein ehemaliges, dann durch unverstndige
Behandlung beeintrchtigtes Aussehen wiederzugeben. Nur wurde der Zweck
durch gerade entgegengesetzte Manahmen erreicht: dort hie es aufbauen,
hier abnehmen.

Nach Entfernung des weien Kleides der dicken Tnchkruste kamen eine,
wenn auch nicht reiche, so doch beraus geschickt verteilte Polychromie
sowohl beim romanischen Bau wie beim Ostchor und mehrere wertvolle
Wandmalereien des 14. und 15. Jahrhunderts zum Vorschein. Im Westchor
wurden zwei romanische Doppelfenster, welche einst die Turmhallen vom
Chor aus beleuchteten, freigelegt. Zu den erfreulichen Entdeckungen
kam aber zum Schlu eine hchst unangenehme berraschung, welche die
Innenrestaurierung sehr in die Lnge zog. Gelegentlich der Beseitigung
der Farbschichten an den beiden dem Ostchor zunchst stehenden Pfeilern
des Langhauses, welche zu den ehemaligen Vierungspfeilern zhlten, mute
die schlechte Beschaffenheit dieser Hauptsttzen und somit ihre geringe
Haltbarkeit festgestellt werden. Bei der auerordentlichen Belastung
dieser konstruktiven Glieder war ihre Auswechslung unter Anwendung
uerster Vorsicht mit den grten Schwierigkeiten verbunden. Als nicht
minder bedeutend ergaben sich die konstruktiven Arbeiten, welche an der
unteren Ostwand des nrdlichen Turmes, in dessen Mauern ursprnglich
Treppenlufe angebracht waren, erforderlich wurden.

Mit der Aufdeckung der alten Polychromie und der Wandmalereien allein
war die Aufgabe der Innenrestaurierung noch nicht gelst. Es handelte
sich um einen seinem Zweck nicht entfremdeten Bau, um eine noch als
Gotteshaus dienende Kirche, und daraus ergab sich, da das Innere, d. h.
die blogelegten Malereien, Fenster usw. nicht nur durch Konservierung
in einen haltbaren, sondern auch in einen das Auge der Kirchenbesucher
nicht verletzenden Zustand versetzt werde.

Die erforderlichen Instandsetzungen wurden jedoch mit der uersten
Zurckhaltung und der grten Vorsicht vorgenommen. Bei alten
Inventarstcken wurde unterschieden, ob es sich um Ersatz abgebrochener
kleiner Details oder um Hinzufgung von selbstndigen Teilen, z. B. von
Trflgeln u. dgl. handelte. Im ersteren Falle wurde von Ergnzungen oft
ganz abgesehen. Waren die Defekte gar zu strend und war die Ergnzung
nach Vorbildern im Charakter des Originales einwandfrei herzustellen, so
wurde sie dementsprechend vorgenommen. Bei selbstndigen neuen Teilen
aber, wie z. B. Trflgeln an Wandnischen oder vor Gemlden, Stuhlwerk,
Anlage eines Wandbrunnens, Vertfelungen der Sakristei, wurden primitive
Formen ohne Zugehrigkeit zu einem besonderen Stile angewendet, die sich
in die Umgebung ohne Miklang einfgten, indem sie sich dem wertvollen
historischen Bestande bescheiden unterordneten.

Die Erhaltung des gegenwrtigen Gesamtbestandes galt als Grundprinzip.
Nicht das Verhltnis eines Gegenstandes in seinem Stilcharakter zur
Wirkung der nchsten architektonischen Umgebung, auch nicht der Umstand,
ob der Gegenstand heute noch den ihm zukommenden Zweck erfllt, war fr
seine Erhaltung magebend, sondern einzig und allein die Tatsache seines
Vorhandenseins. Bei den scheinbar unbedeutenden Gegenstnden fiel das
kirchen- und lokalgeschichtliche Interesse ins Gewicht. Eine besondere
Beachtung wurde auch dem Standort der Gegenstnde zugewendet. Gerade bei
denjenigen Inventarstcken, welche ihrem ursprnglichen Zweck entfremdet
sind, ist die Beibehaltung des alten Standortes von groer Wichtigkeit.
Die historische Beziehung zur Kirche, welche meist nur aus dem Standorte
zu erkennen ist, erhebt den Gegenstand ber die Bedeutung eines bloen
Museumsobjektes.

Hervorzuheben ist, da die Restaurierung der Statuen durch Abnahme
der starken Tnchkruste mit dem Gewinn bunter Fassung und feiner
Modellierung belohnt wurde, und da bei vielen Werken Feststellungen
bezglich der Enstehungszeit und Autorschaft gemacht werden konnten.
Die Ergnzungen der Bildhauerarbeiten, die Wiederherstellung der
Famalereien und die Renovierung der Wand- und Tafelgemlde wurden
vorgebildeten Krften anvertraut. Nur zwei Gruppen von Inventarstcken
muten aus finanziellen Grnden vorerst zurckgestellt werden, die
Wandteppiche und die Glasgemlde.

Den Bestand des Inventars hatte Heideloff wesentlich geschmlert.
Die Mittelschiffemporen, die Kanzel und der Hauptaltar, aus der
Barockzeit stammend, muten seinen auf Stilreinheit gerichteten
Wiederherstellungsabsichten weichen. Kanzel und Altar wurden durch
Neuschpfungen im Stile der Sptgotik ersetzt. Mit der Entfernung des
neuen Altars erklrte sich der Bauauschu einverstanden; man begngte
sich damit, anstatt des Altaraufsatzes einen der wertvollen Gobelins
hinter der Mensa anzubringen und darber die Kreuzigungsgruppe von
Veit Sto aufzustellen. Die reich geschnitzte Kanzel wurde belassen.
Das Fehlen der langen Mittelschiffemporen wird man nicht zu beklagen
brauchen. Denn nach Kupferstichen zu schlieen, hatten sie keine
knstlerischen Vorzge aufzuweisen und standen der von ihnen verdeckten
kunstgeschichtlich interessanten Triforiengalerie jedenfalls bedeutend
nach.

Das Restaurierungswerk im ganzen betrachtet mu eine hervorragende,
in Anbetracht der Qualitt eine vorbildliche Tat genannt werden. Mit
weiser, freiwillig auferlegter Zurckhaltung, dem vornehmsten Gebot
der Denkmalpflege, hat die Bauleitung bei Lsung der gestellten
Aufgaben verfahren. Die hier in der Praxis verwirklichten Anschauungen
wird selbst der eifrigste Gegner, wenn er im konkreten Fall
Restaurierungsbedrftigkeit und vollendete Ausfhrung gegenberstellt,
als richtig anerkennen mssen.

Die Anhnger der absoluten Stilreinheit sind zwar bis auf einige
Unheilbare, die erfreulicherweise auf die heutige Entwicklung der
Restaurierungsmethode ohne Einflu sind, ausgestorben. Aber schon
machen sich ernsthafte Bestrebungen geltend, welche unter Hinweis auf
das Verhalten frherer Jahrhunderte gegenber restaurierungsbedrftigen
Denkmlern einer Ergnzung im Stilcharakter der Gegenwart auch
bei der Auenarchitektur unter allen Umstnden das Wort reden. Es
erscheint unverstndlich, wie hier das Vorgehen frherer Epochen
als mustergltiges Beispiel empfohlen werden kann. So sehr auch den
Alten gedankt werden mu, da sie bei dem geringen Verstndnis fr
vorausgegangene Stilperioden keine Lust versprten, gegebenen Falls in
der ihnen fremd gewordenen Formensprache Ergnzungen vorzunehmen --
solche Flle finden sich zwar auch in der Kunstgeschichte, jedoch nur
vereinzelt --, so wenig wird begriffen, warum nun mit einem Male all die
vielen Erfahrungen und grndlichen Kenntnisse, die man sich im Laufe des
vorigen Jahrhunderts auf dem weiten Gebiete des Restaurierungswesens
durch grndliches Studium der eigenartigen mittelalterlichen
Konstruktionsmethoden besonders in der Steinmetztechnik verschafft
hat, beiseite zu legen sind. Man sollte sich vielmehr darber freuen,
da solche Erfolge erzielt wurden, und durch Grndung von Schulen fr
Fortpflanzung, Vermehrung und weitere Verbreitung der erworbenen
Fhigkeiten Sorge tragen. Angenommen, unsere Zeit wre in der zweifellos
glcklichen Lage, ber eigene Ausdrucksformen in der Kunst zu verfgen,
welche auf gleicher Hhe mit den historisch gewordenen frheren
Stilarten stnden: was wre mit der Anwendung dieses Stiles z. B. bei
der Restaurierung des Ostchores erreicht worden? Es htte zunchst
auf die mancherlei aufgefundenen berreste, welche eine Restauration
der alten Mauerkrone leicht ermglichten, verzichtet und, um den
sthetisch unbedingt notwendigen Abschlu herzustellen, eine Bekrnung
oder ein Dachgesims geschaffen werden mssen, welche keineswegs in den
gnstigen organischen Zusammenhang mit der Architektur des vorhandenen
Mauerwerkes zu bringen gewesen wre wie die rekonstruierte Galerie.
Anders freilich wrde die Sache liegen, wenn es sich um die Neuschpfung
eines selbstndigen Bauteiles, etwa einer Sakristei, oder um Anschaffung
eines neuen Inventarstckes, eines Altares, gehandelt htte. Hier mte
individuelle knstlerische Eigenart zum Ausdruck kommen.[69]

Man vergit anscheinend auch, da das Vorgehen frherer Zeiten bei
reparaturbedrftigen Denkmlern groe Nachteile hatte. Wurden Bauten
in jeweils modernem Stil ergnzt oder umgebaut, dann lie man nicht
immer die gebhrende Rcksicht walten und entfernte oft mehr, als der
Billigkeit entsprach. Defekte Statuen vollends, auch solche in gutem
Zustande, wurden dem Zeitgeschmack gem abgendert, meist verstmmelt
oder, wenn sie nicht mehr gefallen wollten, vernichtet, defekte Gemlde
wanderten im gnstigsten Fall auf den Speicher, gewhnlich wurden sie
verschleudert oder bermalt, so da sie in dem einen wie in dem anderen
Fall unrettbar verloren waren. Gewi keine empfehlenswerten Manahmen!

Die Bedeutung als nachahmenswerte Leistung gebhrt dem nunmehr fertigen
Werke der Wiederherstellung der Sebalduskirche auch deswegen, weil
sich die Restaurierung nicht nur auf den Bau und die wenigen vom
protestantischen Kultus bentigten Inventargegenstnde, sondern auf die
gesamte ungemein reichhaltige Ausstattung erstreckt hat. Wohl selten
wird Gelegenheit geboten, einen Bau von der Stellung der Sebalduskirche
und zugleich eine solche Flle von Meisterwerken nach piettvollen
Prinzipien unter berufener Leitung zu restaurieren und unter so
gnstigen Umstnden die Arbeit zu vollenden. Ein ganz besonderes
Verdienst gebhrt hiebei dem kunstsinnigen Pfarrer von St. Sebald,
Kirchenrat Friedrich Michahelles, der die Vollendung des Werkes nicht
mehr erleben sollte. Einen wesentlichen Beitrag zu dem Werke lieferte im
brigen die Untersttzung des Nrnberger Patriziats. Ist es ihm schon
zu danken, da in den spteren Jahrhunderten, als der stets wechselnde
Zeitgeschmack, namentlich in den Gegenden des Protestantismus, zu
ungunsten der Kunsterzeugnisse des Mittelalters sich uerte, in
Nrnberg soviel wie mglich von den Werken der Vter gerettet wurde,
so war es diesmal ebenfalls Lokalpatriotismus im besten Sinne des
Wortes, welcher es, ohne groe Opfer zu scheuen, zustande brachte,
die prchtigen Familienstiftungen in ihrer Gesamtheit in altem Glanze
erstehen zu lassen.

Zur Erhaltung der ruinsen Originale, Statuen, Reliefs und der kleineren
Bauglieder, welche durch Kopien ersetzt werden muten, wurde von der
Bauleitung ein kleines Museum gegrndet, welches in der Westkrypta als
Lapidarium und im oberen Stockwerke der groen Sakristei Unterkunft
gefunden hat. Ein anderer Teil der Statuen ist in der Kirche selbst
untergebracht. Im oberen Stockwerke der Sakristei wurden als weitere
Sammlungsgegenstnde Modelle, zeichnerische und photographische
Aufnahmen der Kirche in ihrem vorgefundenen Zustand beigefgt. Das
angehufte und systematisch geordnete Anschauungsmaterial gestattet
einen vortrefflichen Einblick in die Ttigkeit der Bauleitung und
die von ihr angewendeten Grundstze und Methoden.[70] ber dieses
kleine Museum der Denkmalsplage, wie man es nennen knnte, wird etwas
ausfhrlicher noch weiter unten zu handeln sein.

Wir lassen nunmehr die Berichte der Bauleitung ber die
Wiederherstellungsarbeiten in ihrem Wortlaute folgen.


    3. Bericht der Bauleitung ber die Wiederherstellung des ueren.
                               1888-1904.

=1888-1889.= Die seit dem Jahre 1882 im Gange befindlichen umfangreichen
Vorarbeiten zur Wiederherstellung der Sebalduskirche waren im Jahre 1888
so weit gediehen, da die Verwaltung des Vereinigten protestantischen
Kirchenvermgens die Inangriffnahme des Werkes beschlieen konnte.

Professor =von Hauberisser= in Mnchen sandte daher im Juli dieses
Jahres den Unterzeichneten nach Nrnberg, um die Leitung der baulichen
Arbeiten an Ort und Stelle zu bernehmen. Professor von Hauberisser
selbst traf alle knstlerischen und technischen Dispositionen whrend
periodischer Besuche in Nrnberg.

Die Kirchenverwaltung whlte aus ihrer Mitte einen =Ausschu=, der ber
alle vorzunehmenden Bauarbeiten beraten und Beschlu fassen sollte.
Es gehrten ihm unter dem Vorsitze des ersten Pfarrers von St. Sebald
Friedr. =Michahelles= folgende Herren an: Fabrikbesitzer von Forster,
Baumeister Goll, Justizrat Hilpert, Schlossermeister Leibold, Ingenieur
Rupprecht und Magistratsrat Tauber.

Fr die groe, auf lange Jahre hinaus projektierte Unternehmung
erwies sich die Errichtung einer =Bauhtte= als erforderlich, die als
zweistckiges Fachwerkgebude neben dem sdlichen Turm errichtet wurde
und die Zeichenzimmer enthielt, whrend ein stlicher Flgelbau die
Steinmetzwerksttte und Schmiede aufnahm.

Ursprnglich hatte die Absicht bestanden, mit der Wiederherstellung
eines Strebepfeilers am Ostchor zu beginnen. Allein die fortschreitende
Verwitterung der Pfeilerendigungen dort und die Rcksicht auf eine
grere Einheitlichkeit des Betriebes empfahlen, als ersten Bauabschnitt
die Wiederherstellung der =Chorgalerie= und ihrer Pfeilerspitzen in
Arbeit zu nehmen.

Es wurde daher zunchst in der Hhe des Hauptgesimses an den vier
ersten Jochen bei der Brauttre ein Gerst und auf der Nordseite der
Sakristei ein gezimmerter Treppenturm aufgestellt. Aus verschiedenen
alten Nachrichten war bekannt, da die Galerie im Jahre 1561 wegen
Bauflligkeit abgebrochen worden war; an ihrer Stelle hatte man damals
ein schweres steinernes Karniesgesims aufgesetzt und mittelst einer
Aufschiftung das Dach darber gezogen.

Nun wurde diese Aufschiftung und das Gesims entfernt und letzteres
zur Anlage einer Umfassungsmauer um die Bauhtte benutzt. Beim
Aufbrechen der frei liegenden Mauerkrone fanden sich erfreulicherweise
am 7. November kleine =Reste der ursprnglichen Galerie=, aus deren
Zusammenstellung sowohl die frhere Form der Mawerkfllungen wie des
mit Zinnen besetzten Abdeckungsgesimses erkennbar waren (Abb. 33 und
139). In der Hoffnung auf weitere Funde wurde jetzt das bisher nur
bei vier Jochen angebrachte Gerst um den ganzen Chor gefhrt, und es
konnten in der Tat auch die verschiedenen Formen, welche im Mawerk bei
den einzelnen Jochen abwechselten, genau festgestellt werden.

Nach Beendigung der ntigen Aufnahmen und Vermessungen sowie der
Herstellung der Werkzeichnungen fr die neuen Bauteile wurde mit der
Steinmetzarbeit begonnen, die fr den Umfang der Galerie der Firma
Gschel & Alt, von welcher Joh. Gschel durch seine Arbeiten an der
Frauenkirche und dem Germanischen Nationalmuseum schon viele Erfahrungen
gesammelt hatte, in Akkord gegeben wurde. Es zeigte sich aber, da fr
solche Arbeiten der Regiebetrieb unter Verrechnung der Selbstkosten
seitens des ausfhrenden Meisters und mit prozentualem Zuschlage einer
Meistergebhr geeigneter ist; daher wurde in der Folge die Akkordarbeit
wieder aufgegeben. Die Werkhtte, die Gerste und die hauptschlichsten
Arbeitsgerte waren ohnehin von der Kirchenverwaltung gestellt worden.
Auch die =Werksteine= wurden von der Bauleitung direkt bezogen. Da der
Stein aus der nheren Umgebung wegen seiner geringen Wetterbestndigkeit
und der Schwierigkeit, guten Kernfelsen zu erhalten, nicht in Frage
kommen konnte, wurde auf Grund einer von Professor Hauberrisser
und einigen Sachverstndigen der Kirchenverwaltung ausgefhrten
Inspektionsreise ein gelblicher Sandstein von Bayreuth (Buntsandstein
der Triasperiode) und ein rtlicher aus der Kulmbacher Gegend verwendet.

[Illustration: Abb. 33. Die aufgefundenen Reste der ehemaligen Galerie
am Ostchor.]

Hauptgewicht wurde darauf gelegt, da der Stein rauhes Korn habe, damit
er in der zu erwartenden Patina sich den alten Steinen einfge und nicht
wie dies z. B. beim Mainsandstein (siehe Frauenkirche) der Fall ist,
durch Beibehaltung seiner Naturfarbe einen zu groen Gegensatz zu seiner
Umgebung bilde.

Fr die der Verwitterung sehr ausgesetzten Werkstcke, z. B. die
Mawerke der Galerie, fand der harte und wetterbestndige =Quarzit= aus
Wendelstein Verwendung.

Mit der Herstellung der Modelle zu den ornamentalen Skulpturen, die in
einer der Bauhtte angefgten Modellkammer zur Ausfhrung kamen, wurde
der Bildhauer und Lehrer an der Kunstgewerbeschule G. Leistner betraut.

Die Untersuchung der oberen Chormauer fhrte auch zu einer unliebsamen
Entdeckung.

Aus den Balken, welche, auf der Mauerkrone aufliegend, den Dachstuhl
tragen, waren zu irgend einer Zeit in der Mitte grere Stcke
herausgeschnitten worden, so da der gewaltige Dachstuhl durch den
radialen Schub die Mauern hinausgedrckt hatte. Schon zeigten sich bei
den Gewlben klaffende Risse. Es war daher notwendig, die Balken wieder
zu ergnzen und mit ihnen bei jedem Joch eiserne Verschlauderungen in
Verbindung zu bringen.

Auch den groen Westgiebel entlang wurden die auf beiden Seiten
ausgewichenen Strebepfeiler durch eine starke Verschlauderung wieder
verbunden.

In der Werkhtte nahmen die Steinmetzarbeiten Winter und Sommer ber
einen guten Fortgang, so da am 14. Oktober 1889 der =erste Stein= zur
Galerie bei der Ecke ber dem Brauttor versetzt werden konnte. Die
brigen Versetzarbeiten wurden bis zum Ende des Jahres fortgesetzt.

=1890.= Die Versetzarbeiten an der =Chorgalerie= wurden durch die
Witterungsverhltnisse so begnstigt, da selbst den Winter hindurch
keine Unterbrechung stattfand.

Im Februar konnten schon an den ersten Jochen die neuhergestellten
Arbeiten von den Gersten befreit werden. Der fahrbare Aufzugskran wurde
jeweilig zu den neuen Arbeitstellen weiter geschoben.

Die Rinnenanlage hinter der Galerie war in solidester Weise unter
Verwendung von starkem Kupfer herzustellen und wurde zum Schutze
mit Holzrosten belegt. Auch die Wasserspeier erhielten eine
Kupferausftterung.

Entsprechend den ueren Arbeiten mute auch der Betrieb in der Htte
gefrdert werden. Dazu erwies sich eine Erweiterung der Bauhtte als
erforderlich, die als ein seitlicher Anbau an der Ostseite der Bauhtte
zur Ausfhrung kam, so da etwa 46 Steinmetzen untergebracht werden
konnten.

Da unter den bezogenen Werksteinen viele vorhandener Stiche und grberer
Toneinsprengungen wegen ausgeschossen werden muten, wurden verschiedene
Versuche mit neuen Bezugsquellen aus der Gegend von Aschaffenburg und
von Lahr in Baden, und zwar mit wechselndem Erfolg gemacht. Am besten
bewhrte sich immer der Wendelsteiner Quarzit, dessen Bearbeitung jedoch
wegen seiner Hrte groe Kosten verursachte.

Im Juni war die Chorgalerie schon zur Hlfte fertiggestellt.
Professor Hauberrisser war wiederholt zur Besprechung aller baulichen
Dispositionen anwesend; auch fanden zu gleichem Zwecke verschiedene
Sitzungen des Bauausschusses statt. Im November besichtigte
Kultusminister von Mller die Bauarbeiten. Am 4. Dezember konnte in
feierlicher Weise die Aufsetzung des letzten Steines der Galerie beim
westlichen Pfeiler an der Sdseite stattfinden. Stadtpfarrer Lotholz
legte als Vorstand der Kirchenverwaltung bei dieser Gelegenheit
eine Urkunde ber dem nunmehr vollendeten ersten Bauabschnitt der
Wiederherstellung in den Schlustein ein.

Die Bauleitung, welche mit ihren zeichnerischen und
Projektierungsarbeiten naturgem den Ausfhrungsarbeiten stets voraus
sein mute, hatte unterdessen die Aufnahmen der Strebepfeiler am Ostchor
hergestellt und fr diese Abwechslungsarbeiten die erforderlichen
Vorarbeiten eingeleitet.

Zimmermeister Steger, der die Gerstarbeiten bisher ausgefhrt hatte,
war in diesem Jahre gestorben. An seiner Stelle wurde Zimmermeister F.
Birkmann mit den weiteren Zimmerarbeiten beauftragt.

=1891.= Bezglich der Wiederherstellung der =Strebepfeiler am Ostchor=
war ursprnglich geplant, nur einzelne schadhafte Stellen durch
Einsetzen von mehr oder weniger groen Vierungen auszubessern. Es
stellte sich jedoch bei nherer Untersuchung eine so starke Verwitterung
aller Profilierungen und Skulpturen heraus, da bei jedem Pfeiler
ungefhr fnfzig Werkstcke ganz neu ersetzt werden muten (Abb. 34),
wobei jedesmal 2-1/2-3 m hohe Teile des Pfeilers bis in die eigentliche
Umfassungsmauer hinein auszubrechen waren.

[Illustration: Abb. 34. Ostchorpartie nach der Restaurierung.]

Da hierdurch der Strebepfeiler, der die Gewlbe sttzen sollte, jeden
Halt verloren haben wrde, so war die Anbringung einer eisernen
Sttzkonstruktion erforderlich, zu welcher Direktor Rieppel einen
Entwurf herstellte. Derselbe gedachte zuerst mit einer 10 m hohen
eisernen Sttze vom Straenniveau aus den oberen Pfeiler abzufangen,
hielt aber dann den Gedanken Professor Hauberrissers fest, den oberen
Pfeiler auf den unteren mittels einer Eisenkonstruktion abzusttzen,
welche jedesmal nur die Hhe des erforderlichen Ausbruches hatte.

Die Htte hatte schon im Anfang des Jahres mit der Bearbeitung der
Werkstcke zu den Pfeilern, und zwar zunchst der groen Kreuzblumen und
Riesen begonnen.

Im Oktober waren alle Vorbereitungen so weit gediehen, da auf der
Nordseite die Absttzung zum ersten Male aufgestellt werden und die
Auswechslung vor sich gehen konnte. Im Inneren sollte ein Zeiger, der
sich mittels Hebelbersetzung einer Millimeterteilung entlang bewegte,
jede kleinste Vernderung des Mauerwerkes anzeigen.

Mit Steinmetzmeister Gschel war schon im Jahre 1890 ein Vertrag ber
die Wiederherstellung eines Pfeilers abgeschlossen, welcher im April auf
vier weitere und im Oktober auf smtliche Pfeiler ausgedehnt wurde.

Die vielen Abweichungen in den architektonischen Formen sowohl wie
in den Maverhltnissen der Strebepfeiler wurden bei der Erneuerung
sorfltig festgehalten, wobei auf charakteristische Wiedergabe der
Profilierungen wie der Ornamentation groer Wert gelegt wurde.

Professor Hauberrisser lud den Verein fr Geschichte der Stadt Nrnberg
im April zu einer Besichtigung der Arbeiten in der Bauhtte ein, und im
August stattete die in Nrnberg tagende Hauptversammlung der deutschen
Architekten der Sebalduskirche einen Besuch ab.

[Illustration: Abb. 35. Neuer Verkndigungsengel am Ostchor.]

=1892.= Die Wiederherstellungsarbeiten an den =Ostchorpfeilern= wurden
in diesem Jahre in der Weise fortgefhrt, da zu gleicher Zeit an den
Pfeilern selbst die fertigen Werkstcke unter jedesmaliger Verwendung
der Sttzkonstruktion versetzt und in der Htte fr die weiteren Pfeiler
die neuen Werksteine bearbeitet wurden.

Daneben wurden auch die vielen auerordentlich reich durchgebildeten
=Baldachine=, von welchen jeder Pfeiler sieben Stck aufweist, und die
nachtrglich leicht versetzt werden konnten, in Arbeit genommen. Als
Steinmaterial kam hiezu der in Obernkirchen bei Bckeburg gebrochene
harte und wetterbestndige, dabei ziemlich feinkrnige Sandstein zur
Verwendung.

An =Statuen= fanden sich unter den Baldachinen im ganzen nur vier vor.
Nmlich auf der Vorderseite zwei Propheten, die stark verwittert waren
und nach erfolgter Ergnzung kopiert wurden, sowie im Osten =Maria=
und =Sebaldus= an einem Joche, welches ursprnglich durch eine vor dem
Fenster angebrachte plastische Darstellung ausgezeichnet gewesen zu
sein scheint. Diese beiden Statuen, welche in Anbetracht ihres guten
Erhaltungszustandes unverndert blieben, zeigen =farbigen Hintergrund=
mit aufgemalten Engelfiguren. Fr die unter den brigen Baldachinen
fehlenden Statuen fertigte Stadtpfarrer Michahelles ein Verzeichnis an,
nach welchem in der unteren Reihe die Hauptpersonen des Alten und in der
oberen Reihe die des Neuen Testamentes zur Darstellung kommen sollten.
Als im November der Kultusminister die Kirche wieder besuchte, waren
auf der Nordseite die Auswechslungsarbeiten an sechs Pfeilern bereits
vorgenommen, jedoch fehlten noch die neuen Baldachine, die sehr viele
Arbeit erforderten.

Da eine Reihe von Familien und Privatpersonen die Stiftung je eines
Pfeilers bernahm, so wurde an jedem Pfeiler eine diesbezgliche
Inschrift oder ein Wappen angebracht, whrend die wertvollsten =alten
Steinreste= in der Westkrypta zu einem =Lapidarium= vereinigt wurden
(Abb. 139).

Beim Abbruch eines der groen Baldachine auf der Nordostseite fand sich
eingeklemmt in der zwischen Baldachin und Wand befindlichen Spalte ein
kleines Erzguwappen mit Steinmetzzeichen (Abb. 26). Allem Anscheine
nach ist das Wappen durch Zufall in diese Vertiefung hineingefallen,
nachdem es zuvor an der 1561 abgebrochenen Galerie befestigt war. Bei
dem dargestellten Steinmetzzeichen kann es sich nur um den =Meister des
Ostchores= handeln.

=1893.= Auch das Jahr 1893 wurde durch die umfangreichen Arbeiten an
den Ostchorstrebepfeilern ausgefllt, ohne da sie ganz beendigt werden
konnten. Doch ging alles in bester Weise ohne Strung und Unfall von
statten.

Zu den =Statuen= an den Pfeilern fertigte, nachdem Stadtpfarrer
Michahelles sein Verzeichnis auf eine Anregung des Vereins fr
Geschichte der Stadt Nrnberg einer nderung unterzogen hatte, Bildhauer
Leistner die Modelle. Die Ausfhrung geschah in der Htte in Kelheimer
und Offenstettener Kalkstein (Abb. 35).

[Illustration: Abb. 36 Konsole mit Ritter an einem nrdlichen Pfeiler
des Ostchors.]

[Illustration: Abb. 37. Konsole mit Ritterfrulein an einem nrdlichen
Pfeiler des Ostchors.]

Am Ende des Jahres waren bis auf die aus dem nrdlichen Sakristeidach
herausragenden Pfeiler die Hauptauswechslungsarbeiten an den
Ostchorstrebepfeilern fertiggestellt. Nur fehlten noch die meisten
Baldachine.

Die Bauleitung hatte sich unterdessen schon seit einiger Zeit mit
den Aufnahmen und Plnen fr die Wiederherstellung des =nrdlichen
Seitenschiffes= beschftigt (Abb. 38, 39). Die Untersuchungen ergaben
ber die frhere Gestalt interessante Aufschlsse.[17] Das Seitenschiff
war nmlich ursprnglich mit einer durchbrochenen =Galerie= bekrnt und
mit =Kapellendchern= versehen, d. h. hinter den die einzelnen Joche
abschlieenden Giebeln waren Satteldcher angebracht, die an ein das
ganze Seitenschiff berdeckendes Pultdach anstieen. Es wurden sowohl
die Form dieser Dcher wie auch ihre eigenartigen =Entwsserungsanlagen=
nach Entfernung der Backsteinmauerungen aufgefunden. Leider waren diese
Abwsserungen, besonders dem Schnee gegenber, nicht praktisch. Die
Dcher wurden nach den vorhandenen Spuren bald, wahrscheinlich im 16.
Jahrhundert, abgetragen, und an ihre Stelle trat ein einziges groes
=Pultdach=, das jedoch die Fenster des Mittelschiffes zu drei Vierteln
verdeckte und den inneren Raum stark verdunkelte.

Zu jener Zeit werden wohl auch die Galerie- und Giebelspitzen
hnlich wie beim Ostchor wegen der auf das mangelhafte Material
zurckzufhrenden Bauflligkeit abgetragen worden sein.

ber die Form der Galerie gaben nur mehr Kalkspuren an der stlichen
und westlichen Abbruchstelle Auskunft. Aber ein Hauptgesimsstck,
das den Ansto an das Wimperggesims zeigte, war neben dem Brauttor
glcklicherweise erhalten geblieben und bildete fr die Neuherstellung
wertvolle Anhaltspunkte.

Unterhalb des abgetragenen Daches fanden sich auch bei den beiden
mittleren Mittelschiffpfeilern die Anstze von ehemaligen romanischen
Strebebgen, die vom Seitenschiff aus das Mittelschiff sttzten.

Auerdem beschftigte die Bauleitung die Anfertigung der Plne fr die
Wiederherstellung des groen =Giebels= und der =Galerie= am Ostchor.

In einer im Dezember stattgehabten Sitzung des Bauausschusses legte
Professor Hauberrisser die Vorschlge fr Wiederherstellung der Galerie
des nrdlichen Seitenschiffes und Flachlegung des Daches sowie fr die
Arbeiten am Westgiebel vor. Eine im Mrz stattgehabte Untersuchung der
=Trme= hatte auch die Bauflligkeit der dortigen Galerie und groe
andere Schden des Mauerwerks wie der Dachsthle dargetan.

=1894.= Whrend des Winters 1893 auf 1894 und selbst das ganze Frhjahr
hindurch bis in den Sommer hinein war die Htte mit der Herstellung
der vielen reichen =Baldachine= und =Konsolen= (Abb. 27, 36, 37) am
Ostchor beschftigt. Sobald die sieben Baldachine je eines Pfeilers
fertiggestellt und versetzt waren, konnten die Gerste entfernt werden,
und so fiel von Norden nach Sden nach und nach die Hlle von Gersten,
die den Ostchor vier Jahre hindurch verdeckt hatte. Ende Juli wurden
die Baldachine und Figuren am letzten Strebepfeiler bei der Schautre
versetzt. Auch wurden die Abfallrohre bei jedem Pfeiler in Kupfer neu
hergestellt.

In den Monaten April und Mai wurden die zwei aus der nrdlichen
Sakristei herausragenden Strebepfeiler ausgewechselt. Hierbei wurden
auch die Giebelabdeckungen erneuert und das Dach, welches die Mauern
bisher berdeckt hatte, tiefer gelegt, so da die an den alten
Abdeckungen schon vorhandenen inneren Gesimsprofile nun sichtbar sind.
Auch die Rinne und das Abfallrohr wurden in Kupfer neu hergestellt.

[Illustration: Abb. 38. Nrdliches Seitenschiff vor der Restaurierung.]

Die weitere Arbeit der Htte bestand zunchst in der teilweisen
Neuherstellung und Ausbesserung der Wandflchen unterhalb des
Kaffgesimses bis zum Sockel des Ostchores, die durch die frher
eingebauten Kramlden erheblich gelitten hatten.

Hiermit fanden die Arbeiten am Ostchor, da die Restaurierung der
=Portale= auf spterhin verschoben wurde, ihren vorlufigen Abschlu,
und die Htte begann mit der Anfertigung der Werkstcke fr die
Wiederherstellung des =Westgiebels=, und zwar zunchst des nrdlichen
Teiles desselben.

Diese Arbeit fllte den Sommer und Herbst aus; es gelang, die
Neuherstellung der =Galerie= (an Stelle der frher vorhandenen
Ziegelbedachung) sowie des =Eingangstrmchens= und die brigen
Ausbesserungen dortselbst bis auf das Verfugen noch vor Winter zu Ende
zu fhren.

Nunmehr nahm die Htte die Werkstcke fr die Galerie sowie die Giebel
und Pfeilerendigungen des nrdlichen Seitenschiffes in Arbeit als
Aufgabe fr den Winter 1894/95.

[Illustration: Abb. 39. Nordansicht.]

Der =Fachwerkaufbau= fr den Sngerchor am nrdlichen Seitenschiff war
anfangs des Jahres abgebrochen worden.

Die Bauleitung war whrend des ganzen Jahres mit den Vorbereitungen fr
die vorbeschriebenen Arbeiten der Htte beschftigt.

Auerdem wurden, nachdem im August am =nrdlichen Turm= in der Hhe
der Glockenstube feste Gerste aufgeschlagen waren, die nun zugnglich
gewordenen Teile des Turmes, deren groe Schadhaftigkeit frher schon
festgestellt worden war, vermessen und zeichnerisch dargestellt.

Mit Steinmetzmeister Gschel war ein neuer Vertrag fr die weiteren
Wiederherstellungsarbeiten im Mrz abgeschlossen worden. Das
Steinmaterial wurde seit dem Frhjahr ausschlielich aus den Brchen von
Wendelstein bezogen.

Im August beschlo der Bauausschu, sowohl die Lattung wie die
Ziegeldeckung des groen =Ostchordaches= auszubessern und eine Anzahl
neuer Dachfenster anzubringen. Im Innern des Dachbodens wurden auf
allen Balkenlagen bequeme Laufgnge hergerichtet und der Boden selbst
oberhalb der Gewlbe mit einer neuen Bretterung versehen. Die beiden
=Dachendigungen= waren bei dieser Gelegenheit genau nach den vorhandenen
Resten zum Teil erneuert worden.

Am =Schreyerschen Grabmale= (Abb. 69) wurden im Herbst zwei neue
Baldachine an Stelle der alten verwitterten eingesetzt; auch die
Holzdecke dieses Vorbaues und das Kupferdach wurden neu hergestellt.
Im April nahm der Kultusminister von den Arbeiten Einsicht. Um
einen berblick ber die Art der Wiederherstellung in spterer
Zeit zu ermglichen, richtete die Bauleitung im Laufe des Jahres
in dem unbenutzten Raume oberhalb der nrdlichen Sakristei (der
alten Schatzkammer) eine =Sammlung von Modellen, Zeichnungen und
Photographien= ein, welche eine Ergnzung der bereits im Lapidarium
bestehenden Sammlung bildet.

=1895.= Nachdem die Htte im Winter 1894/1895 einen groen Teil der
fr den Ausbau des =nrdlichen Seitenschiffes= ntigen Werkstcke
hergestellt hatte, konnte im Frhjahr mit dem Versetzen, und zwar bei
der =Galerie= zunchst dem Brauttor, begonnen werden (Abb. 39).

Von Joch zu Joch wurden Galerie und Pfeiler neu aufgestellt und jedesmal
dahinter der neue Dachstuhl aufgerichtet. Bei dem letzteren war eine
etwas umstndliche Konstruktion erforderlich, weil trotz des nunmehr
viel niedrigeren Daches unterhalb desselben der =Durchgang= vom Turm zur
Sngerbhne erhalten werden mute.

Mit dem =Niedrigerlegen= des Daches wurden endlich die romanischen
=Fenster= des Mittelschiffes wieder frei, wodurch das letztere volles
Licht erhielt und die schne romanische Architektur im Innern zur
Geltung gelangte.

Ein kleiner Aufenthalt ergab sich im Juli bei der Anschreibtr, weil
die dort erforderliche besonders eingreifende Abbrucharbeit der beiden
Portalpfeiler groe Vorsicht bezglich des Gewlbeschubes erheischte. Es
wurde aller Gefahr durch eine vom Straenboden aus aufgestellte eiserne
Sttzkonstruktion vorgebeugt.

ber die ehemalige Form der Galerie dieses Portales hatten
glcklicherweise ein erhaltenes Gesimsstck und der Mawerkanschlu
Aufklrung gegeben.

Bis zum Eintritt des Winters wurden von den fnf Jochen vier
fertiggestellt. Zugleich mit den Arbeiten an der Galerie waren auch
die =Mawerke der Fenster= (Abb. 21) einer grndlichen Ausbesserung zu
unterziehen. Die Gerste konnten nun bis zur halben Fensterhhe fallen.

Der Deckung des Daches wurde besondere Sorgfalt zugewendet. Die so
charakteristische =Ziegeldeckung= sollte beibehalten werden, aber bei
der flachen Neigung erwies sich noch ein besonderer Schutz gegen
eindringendes Wasser notwendig. Daher wurde das Dach zuerst mit
verbleitem Eisenblech und hierauf erst mit Ziegeln gedeckt. Die Rinne
wurde hnlich wie am Ostchor gestaltet und aus Kupfer hergestellt.

Die Anfertigung der am nrdlichen Seitenschiff zu erneuernden =Statuen=,
welche nach den alten verwitterten und ergnzten Vorbildern genau
kopiert wurden, bertrug der Bauausschu zum Teil dem Bildhauer
Leistner, zum Teil dem Steinmetzmeister Gschel. Der Kultusminister
besuchte die Kirche im Januar.

Am 18. Mai erhielt sie den Besuch des Prinzen Ludwig von Bayern und am
30. Juli der beiden ltesten Shne des Deutschen Kaisers.

Unterdessen hatte sich die Bauleitung mit den Plnen befat, welche
zur Umgestaltung, beziehungsweise zum Aufbau des =Treppentrmchens=
am nrdlichen Turm erforderlich waren. Daneben wurde die =sdliche
Sakristei= in ihrem ueren Mauerwerk restauriert, der Kamin derselben
verndert und das Dach niedriger gelegt.

In den Bauausschusitzungen war wiederholt die Frage der Beheizung der
Kirche, zunchst allerdings ohne Ergebnis, besprochen worden.

Als die Versetzarbeiten des Frostes wegen eingestellt werden muten,
war die Htte in die Winterarbeit -- Wiederherstellung des letzten
Joches des nrdlichen Seitenschiffes, der Wimpergkrnze, der beiden
Pfeiler dortselbst und der Baldachine und Konsolen des Seitenschiffes
-- eingetreten. Auch fr den nrdlichen Turm wurden schon eine Anzahl
Steine bearbeitet. Fr das nchste Jahr wurden auer der Beendigung des
nrdlichen Seitenschiffes die Arbeiten am =nrdlichen Turm= (Abb. 28)
und am =sdlichen Westgiebel= in Aussicht genommen.

=1896.= Da in diesem Jahre in Nrnberg die zweite bayerische
=Landesausstellung= stattfand, wurden die Arbeiten am westlichen Joch
sowie die Auswechslung von zwei Mittelteilen der Strebepfeiler zwischen
Brauttor und Anschreibtr und schlielich die Wiederherstellung der
Galerie ber der letzteren so beschleunigt, da beim Besuche des
Prinzregenten =Luitpold= am 13. Mai das nrdliche Seitenschiff bis
auf den Magistratschor und das Treppentrmchen am nrdlichen Turm von
Gersten ganz befreit war.

Nun wurde zunchst das Treppentrmchen ausgebessert und um ein
Stockwerk erhht zur Ermglichung eines Austrittes in die Dachrinne
des Seitenschiffes. An Stelle der alten Backsteinpyramide trat ein
steinerner Dachhelm mit Kreuzblume (Abb. 39).

Zugleich wurde im nrdlichen Turm der Zugang zum Seitenschiff durch
Anlage neuer Treppen und Fubden verbessert und der Gang zur
Sngerbhne durch eine Rabitzwand gegen den Dachraum abgeschlossen. Die
Triforien erhielten neue Zugangstreppen.

Unterdessen hatte sich herausgestellt, da die Gerste am Treppentrmchen
eine genaue Untersuchung ermglicht hatten, da der =Turm= zu beiden
Seiten seiner nordwestlichen Strebepfeiler 4-6 m lange und bis zu 5 cm
breite =Risse= aufwies. Hier befanden sich zwei vermauerte, mit
Rundbgen berdeckte ehemalige =ffnungen=, welche in nordwestlicher
Richtung einen Schub ausbten. Die den letzteren verursachende Belastung
mag vergrert worden sein durch die Erhhung des Turmes in der
gotischen Zeit, durch Glockengelute und Winddruck. Obschon die offenbar
schon alten Risse keine augenblickliche Gefahr mit sich brachten, war
dringend ntig, weiteren Bewegungen Einhalt zu tun.

Es wurde daher eine doppelte =eiserne Verschlauderung= hergestellt, die
das ausgewichene Turmeck umfate und im Innern die stliche und sdliche
Turmwand als Rckhalt benutzte.

Unterdessen war der sehr ruinse =Magistratschor= (Abb. 40, 41) bis auf
den Grund abgetragen worden und wurde ganz neu wieder hergestellt mit
neuen Fenstermawerken -- die alten fehlten vollstndig -- und einer
nach gegebenen Anhaltspunkten erneuerten =Galerie=.

Das Dach hinter der letzteren wurde mit Kupfer gedeckt.

Die Hauptarbeit der Htte fr den Herbst und Winter bildeten die Friese,
Gesimse und Mawerke der =nrdlichen Turmgalerie= (Abb. 29).

Diese Werkstcke waren meist sehr umfangreich, so da die durch die
Kndigung des Lagerplatzes an der Moritzkapelle hervorgerufene Beengung
des Werkplatzes sehr unangenehm empfunden wurde.

Die =Gerste= des Turmes waren wiederholt geprft und zu grerer
Sicherheit mglichst bequem eingerichtet, auch mit Sprachrohr und
elektrischer Glocke versehen worden.

Gegen Ende November wurde mit der Abnahme der alten Galeriemawerke
begonnen. Diese sowie die Reste des Magistratschores wurden der Stadt
berlassen und fanden an der Stadtmauer beim Walchtor Aufstellung. Die
meisten =Statuen= am nrdlichen Seitenschiff und Brauttor sowie die
berlebensgroe =Thomaschristusstatue= an der nrdlichen Sakristei
waren im Laufe des Jahres erneuert worden. Die Anbringung neuer Statuen
=Luthers= und =Melanchthons= an der Anschreibtre wurde beschlossen,
ihre Herstellung jedoch auf das nchste Jahr verschoben. Auch sollten
die =Epitaphien= und sonstigen =Reliefs= an der Kirchenwand teils
ausgebessert, teils erneuert werden. Beim Eintritt des Winters waren die
Htte mit Herstellung der noch fehlenden Werkstcke fr die Turmgalerie
und die Modelleure mit Ergnzung der Reliefs beschftigt.

Durch eine neue Kanalisation der Abfallrohre zum Hauptkanal auf der
Nordseite wurde eine Verbesserung des Wasserablaufes hergestellt.

=1897.= Im Frhjahr konnte mit dem Versetzen an der nrdlichen
Turmgalerie begonnen werden. Ein Hindernis erwuchs durch eine vorhandene
starke Verschlauderung der alten Gesimsstcke, welche whrend der
Bauarbeiten in Funktion erhalten werden mute, anderseits aber die
Auswechselungsarbeiten sehr erschwerte. Es gelang durch eine besondere
Art des Zusammengreifens der neuen Werkstcke die Schwierigkeit zu
berwinden.

Ende Mai konnte schon mit Herstellung der breiten Kupferrinne begonnen
werden. Dann wurden die durchbrochenen Brstungen versetzt und die
oberen Blattkonsolen der Bogenfriese teilweise erneuert. Im Juli begann
die Abrstung.

Zugleich mit dem Abrsten fand eine umfangreiche Auswechselung von
Werkstcken auf den vier Seiten des Turmes von der Galerie abwrts
statt, so da abgesehen vom Dachhelm der Turm Ende November frei von
Gersten war. Die Restauration des Portals wurde, wie die der Portale
berhaupt, auf spter verschoben.

Die Bauhtte hatte schon seit dem Frhjahr Werkstcke zum Ausbau der
Sdseite des =Querschiffsgiebels= in Arbeit genommen.

Es handelte sich hier um Neuherstellung der Giebelabdeckung, eines
Fensters, der Mawerkgalerie und der Endigung des romanischen
Strebepfeilers. Im Juli konnte mit dem Versetzen begonnen werden; im
November war der ganze sdliche Westgiebel wieder abgerstet.

Zur Instandsetzung des mit Zinn gedeckten =Dachhelmes des nrdlichen
Turmes= wurde bereits im Sommer ein leichtes Gerst gebaut, da ohne
Gerst ber den Umfang der Ausbesserung kein Urteil gewonnen werden
konnte. Der Zustand erwies sich als so mangelhaft, da der Bauausschu
beschlo, die Deckung ganz zu erneuern. Zugleich sprach er sich aus
historischen Grnden fr Beibehaltung von =Zinn= als Deckungsmaterial
aus. Dieser Beschlu wurde jedoch nochmals schwankend, als sich
herausstellte, da eine groe Anzahl von Lchern im Zinn auf eine
eigentmliche Art von Korrosion zurckzufhren war, die nach Ansicht
von Sachverstndigen durch den Einflu groer Klte entsteht und sich
wie eine Infektion auf andere Zinnteile bertrgt.

Die Entscheidung der Materialfrage wurde daher bis zum nchsten
Frhjahre verschoben.

Im Oktober wurden die =Glocken= im nrdlichen Turme, deren Gelute
whrend der dortigen Bauarbeiten unterblieb, untersucht und ebenso wie
die Glockensthle ausgebessert.

Um beim Gerstabbruch am nrdlichen Turm das Holzwerk zur
Wiederverwendung am sdlichen Turm leicht transportieren zu knnen und
fr den Arbeitsbetrieb eine bequemere Verbindung zu erhalten, wurden im
Sommer beide Trme durch eine hlzerne Brcke verbunden.

ber die Anlage einer Heizung der Kirche wurde im Bauausschu im Laufe
des Jahres wiederholt, jedoch ohne Erfolg beraten. Eine weitere Frage
bildete die Restaurierung der wertvollen =Glasmalereien=. Vorderhand
waren jedoch keine Mittel da, um dieser Aufgabe nher zu treten.
Unterdessen hatte die Bauleitung alle Vorarbeiten gefertigt, damit
die Htte whrend des Winters die Werkstcke zur Restaurierung des
=sdlichen Seitenschiffes= herstellen konnte.

Am sdlichen Turm und am Lffelholzchor wurden Gerste aufgeschlagen
(Abb. 32).

=1898.= Bei den Wiederherstellungsarbeiten am sdlichen Seitenschiff
handelte es sich zunchst um die Tieferlegung des Daches und die
Instandsetzung der halbvermauerten Mittelschiffenster, ferner um die
Neuherstellung der nur als Reste vorhandenen Strebepfeilerendungen,
um Ersatz des unfrmlichen den Blasbalg der Orgel enthaltenden
Fachwerkaufbaues durch einen kleinen steinernen Aufbau sowie um einen
neuen Steinhelm auf dem Treppentrmchen am Sdturm, schlielich um
Restaurierung der Fenstermawerke und des Portales.

Der grte Teil dieser Arbeiten konnte im Laufe des Jahres vollendet
werden. Im Frhjahre wurden die Mittelschiffenster ausgebrochen, im Juli
mit dem Aufschlagen des neuen Dachstuhles beim Orgelaufbau begonnen.

Eine Verzgerung trat jedoch ein, als sich herausstellte, da in
frherer Zeit der Querschiffgiebel der Orgel wegen durch Ausbrche so
geschwcht worden war, da mehrere handbreite Risse entstanden waren.
Auch war der Steinverband in bedrohlicher Weise gelockert.

Die dem Absturz nahen Werksteine wurden durch eine Zementbacksteinwand
unterfangen und der ganze Giebel durch zwei miteinander verbundene
horizontale Schlaudern, die vom Mittelschiff bis zur Auenwand
reichten, zusammengehalten. Im August wurde der Blasbalg in dem
neuerrichteten Dachaufbau wieder hergestellt. Auch das Versetzen der
neuen Pfeilerendigungen, Fialen und Riesen war vor Eintritt des Winters
beendet.

In einer Ecke des Sdturmes innerhalb des Mauerwerkes fand sich eine
mit Schutt angefllte =Treppe=, die vom Turm in die Gewlbezwickel des
Mittelschiffes fhrte.

Zur Neuherstellung der =Dachdeckung= am =nrdlichen Turm= hatte der
Bauausschu sich unterdessen fr die Verwendung von reinem Zinn
ausgesprochen. Bei der im Mai begonnenen Abdeckung des alten Zinns
zeigte sich, da mehrere Hlzer des Dachstuhles angefault waren und
ausgewechselt werden muten.

Im Juni konnte die neue Holzverschalung aufgebracht werden. Die
Neudeckung des Helmes, welche Flaschnermeister =Orelli= ausfhrte, war
bis zum Herbst vollendet.

Auch die Wetterfahne hat derselbe nach dem Muster der alten, die
verrostet war, neu hergestellt.

[Illustration: Abb. 40. Pfinzingkapelle vor der Restaurierung.]

[Illustration: Abb. 41. Pfinzingkapelle nach der Restaurierung.]

Das alte Zinn wurde um den Preis von 3700 Mk. verkauft.

Die =nrdliche Sakristei= bot, feucht, halbfinster und vielfach
vergittert, einen sehr unangenehmen Aufenthalt. Es wurden daher im Mrz
und April die Fenster verbreitert, die Gitter teilweise entfernt und der
Fuboden ausgehoben und betoniert.

Die Modellkammer war mit der Herstellung von ornamentalen Modellen auch
in diesem Jahre beschftigt. Daneben wurden in derselben die Statuen der
Jungfrauen vom Brauttor, welche sich bei dieser Gelegenheit als ehemals
=polychromiert= erwiesen, instand gesetzt und eine derselben an Stelle
eines vorhandenen alten Gipsabgusses neu gefertigt.

Dem Bildhauer Leistner wurden die Statuen =Luthers= und =Melanchthons=,
welche das Portal am nrdlichen Seitenschiff zieren sollten, in Auftrag
gegeben.

Die Rstung des Sdturmes wurde bis zur Galerie beendet, so da die
Bauleitung noch vor Jahresschlu mit den Aufnahmen dortselbst beginnen
konnte.

Schlielich sei noch erwhnt, da innerhalb des Nordturmes grtenteils
neue hlzerne Treppenlufe und unterhalb der Glocken eine Holzabdachung
hergestellt wurde. Im sdlichen Seitenschiff erhielten die Triforien
hnlich wie auf der Nordseite Verbindungstreppen zum Dachraum.

Beim Eintritt des Winters war die Werkhtte, deren Bestand infolge der
mangelnden Mittel verringert worden war, mit den Werksteinen fr den
Helm des sdlichen =Treppenturmes= beschftigt.

=1899.= Die vorhandene kleine Anzahl von Steinmetzen fertigte den
Winter ber neben den fr das =sdliche Seitenschiff= noch fehlenden
Werkstcken die Werksteine zur Restaurierung des =Brauttores= (Taf. IV).

[Illustration: Abb. 42. Erneuerte Madonnenstatue am Brautportal.]

Bei letzterem handelte es sich nicht nur um Auswechselung der
beiderseitigen Postamentprofilierungen unter den Jungfrauenstatuen,
sondern auch um Neuherstellung fast aller Baldachine. Auch das
durchbrochene zierliche Mawerk mute in seinem Hauptteile erneuert
werden.

Die Statuen =Maria= (Abb. 42) und =Sebaldus= waren schon frher in
Kalkstein erneuert worden und standen zum Versetzen bereit.

Bei der in Verbindung mit der Restaurierung stattfindenden Reinigung
stellte sich heraus, da der grte Teil des Portales ursprnglich
=polychromiert= war.

Auer an den Jungfrauenstatuen sind die Spuren hauptschlich an der
Christusfigur und an den Wappen noch sichtbar.

Das steinerne Dach wurde mit Kupferplatten berdeckt, und Ende Juli
wurde nach Entfernung der Gerste das restaurierte Portal dem Verkehr
wieder bergeben.

Die noch ausstehenden Auswechselungsarbeiten am =sdlichen
Seitenschiff=, an den Mittelteilen der Pfeiler, den Fensterbgen und den
Fenstermawerken sowie dem Portale nahmen die Arbeit einiger Steinmetzen
bis in den Herbst in Anspruch.

Bei der Reinigung des sdlichen Seitenschiffportales fand sich auch hier
eine gut erkennbare, ehemals gewi glnzende =Polychromie= vor. Selbst
die Sulen waren mit einem bewegten Linienornament geschmckt.

Das Portal erhielt ein neues Kupferdach. Auch die kupfernen Dachrinnen
und der Kehlanschlu am Sdturme wurden vervollstndigt, so da im
Herbst das sdliche Seitenschiff bis auf die Erneuerung des westlichen
modernen Fenstermawerkes und der Kaff- und Sockelgesimse fertiggestellt
war.

Im Mrz konnten schon nach den bis dahin fertiggestellten Zeichnungen
die Steine fr die =Galerie des Sdturmes= bestellt werden; allein die
Lieferung aus den in einen neuen Besitz bergegangenen Wendelsteiner
Brchen ging nur sehr langsam von statten. Die Zahl der Steinmetzen war
im Juli auf 25 Mann erhht worden. Ihre Arbeit bildeten die 78 groen
Werkstcke der 3 Gesimsschichten an der sdlichen Turmgalerie, die bis
zum Ende des Jahres nahezu vollendet wurden.

Im Juli wurde das im Nordturm unterhalb der Glocken hergestellte
Holzdach mit Zinn verkleidet. Auf Veranlassung und mit den Mitteln
des Vereins fr Geschichte der Stadt Nrnberg wurde im November durch
die Bauhtte im Ostchor eine =Nachgrabung= nach den =Fundamenten= der
stlichen Hlfte der alten romanischen Kirchenanlage vorgenommen.

Vor der Tre der sdlichen Sakristei gezogene Grben legten bald die
Grundmauer der sdlichen =Querschiffapsis= blo. Bei der Aufgrabung
zwischen Sebaldusgrab und Hochaltar fanden sich Grundmauern der
=Hauptapsis=, welche die Reste einer Mensa enthielt und den
kleeblattfrmigen Abschlu einer zweischiffigen =Krypta= bildete.

Um bei der durch Zeit und Mittel beschrnkten Aufgrabung ein mglichst
vollkommenes Ergebnis zu erzielen, wurden die Grben auf die Sdseite
beschrnkt, hier aber um so grndlicher hergestellt. Auf diese Weise
konnte die ganze Lngsmauer der sich bis zu den Vierungspfeilern
hinziehenden Krypta aufgedeckt werden, wobei auch die aus den Schiffen
hinabfhrenden =Treppen= sichtbar wurden. Von den Ergebnissen dieser
Aufdeckungen wurden durch die Bauleitung Vermessungen, =Aufzeichnungen=
und ein plastisches Modell hergestellt, welch letzteres in der
Modellsammlung der Kirche seinen Platz fand (Taf. II u. III, Abb. 1).

Die aufgedeckten Mauerteile waren vor dem Zuschtten auf Einladung des
Vereins fr Geschichte der Stadt Nrnberg von einer groen Zahl von
Sachverstndigen und Interessenten besichtigt worden.

Gegen Ende des Jahres begann die Htte mit der Herstellung der
durchbrochenen Brstungsstcke der Galerie fr den =Sdturm=.

=1900.= Im Frhjahr 1900 konnte mit dem Versetzen der Gesimsstcke und
der Galerie am sdlichen Turm begonnen werden. Die Arbeit lie sich
nur auswechslungsweise vornehmen, wobei die in der Mauer liegenden
vier Schlaudern, die brigens unter sich nicht verbunden waren, eine
Erschwerung bildeten. Am Turmaufbau oberhalb der Galerie muten auf
allen vier Seiten eine groe Anzahl von Werkstcken, Bogenfriese,
Gesimsstcke, Fenstergewnde und auch glatte Quadern wegen der
vorhandenen groen Verwitterung erneuert werden.

Beim kupfernen =Dachhelm=, dessen Blechtafeln von sehr ungleicher Strke
waren, fand sich der Verband gelockert, das Blech durchlchert und sehr
beschdigt vor, so da eine grndliche Reparatur unter Verwendung einer
greren Anzahl neuer Platten erforderlich wurde; auch der Blitzableiter
und die Wetterfahne kamen zur Ausbesserung.

Am =sdlichen Seitenschiff= wurde in das westliche groe Fenster ein
neues Mawerk eingesetzt. Das alte war erst in der Mitte des 19.
Jahrhunderts in Verbindung mit dem Abbruch der damals im Innern der
Kirche befindlichen =Mesnerwohnung= zur Ausfhrung gelangt, aber in den
unverstandenen Formen der damaligen Zeit. Auerdem wurden in der zweiten
Jahreshlfte nach den unterdessen ausgearbeiteten Plnen die fr die
Erneuerung des =Dreiknigschores= erforderlichen Werkstcke in Arbeit
genommen und im Laufe des Jahres zum grten Teil fertig gestellt.

Die Instandsetzung des Kaffgesimses und der Sockelpartien am sdlichen
Seitenschiff mute jedoch, weil diese Wnde mit Schuppen, Werksteinen
und Gersthlzern verstellt waren, auf sptere Zeit verschoben werden.

Nachforschungen nach einem ehemaligen inneren =Eingang= zur
=Westchorkrypta= hatten keinen Erfolg.

=1901.= Die nchste Aufgabe des Jahres bestand in der Weiterfhrung der
Arbeiten am =sdlichen Turm=.

Es stellten sich -- wie so oft -- die Schden an den Fenstern der
Glockenstube als viel schlimmer heraus, als bisher angenommen war. Die
freistehenden =Mittelpfeiler der Fensterffnungen= zeigten sich auf
der Nord- und Westseite vollstndig zerrissen, so da ein Herausnehmen
derselben und ein Ersatz durch neue Pfeiler unabweislich war. Die
Wegnahme einer solchen Sttze in einer Hhe von 40 m ber der Erde und
bei den in einem vielhundertjhrigen Mauerwerk nicht mit absoluter
Sicherheit festzustellenden Druck- und Schubverhltnissen erforderte
natrlich groe Vorsicht.

Nach eingehenden Beratungen auch im Bauausschu wurde beschlossen,
vor der Herausnahme der Pfeiler die Fensterffnungen provisorisch zu
vermauern.

Mit Hilfe dieses zwar nicht billigen, jedoch in Hinsicht auf den
Zweck verhltnismig einfachen und dabei sicheren Mittels ging die
=Auswechslung= ohne Strung vonstatten, so da Mitte Juli der letzte
Stein der provisorischen Ausmauerung wieder entfernt werden konnte. Das
nordstliche =Turmeck=, welches in der Kmpferhhe des Mittelschiffes
durch die schon frher aufgefundene Treppe in seinem Querschnitt
bedenklich reduziert war, hatte vor diesen Arbeiten an der Glockenstube
durch Ausmauerung die ntige Verstrkung erfahren.

Danach handelte es sich um die Wiederherstellung des oberen Teiles der
beiden =Strebepfeiler= auf der Sdseite des Turmes.

Bei dem westlichen dieser Pfeiler befand sich unter einem tief in die
Mauer einbindenden und den oberen Teil des Pfeilers tragenden Baldachine
ein berlebensgroer =Kruzifixus=, der ebenso wie die Skulpturen an den
Wimpergen der Pfeiler fast bis zur Unkenntlichkeit verwittert war. Der
Kruzifixus wurde daher schon Anfang Mrz heruntergenommen und in der
Htte erneuert.

Da der Baldachinstein aber unmglich ohne Gefahr fr den oberen Pfeiler
in seiner ganzen Gre herausgebrochen werden konnte, so mute er
in einzelnen Stcken zum Teil in schwalbenschwanzfrmigem Verbande
ausgewechselt werden.

Auch der stliche Pfeiler erwies sich als so schlecht, da er auf eine
Hhe von 11 m vollstndig abzubrechen und zu erneuern war, was besondere
Rcksicht auf guten Verband mit dem Turmmauerwerk erforderte.

Im Oktober waren diese Arbeiten am Turme beendet, so da die Gerste,
die auf mehreren durch die Fenster der Glockenstube laufenden Balken
aufruhten, entfernt werden konnten.

Jetzt wurde auch das bisher eingestellte Gelute wieder in Ttigkeit
gesetzt und die feststehende Feuerglocke, die als solche nicht mehr
benutzt wurde, wieder lutbar gemacht.

Unterhalb der Glocken war ebenso wie auf dem Nordturm ein mit Zinn
gedecktes Schutzdach zur Wasserabfhrung anzubringen.

Die hlzernen Treppenaufgnge im Innern des Turmes wurden verbessert.

Daneben hatte die Htte anfangs Juni mit den Versetzarbeiten an dem
ganz zu erneuernden =Dreiknigschore= begonnen. Er wurde mit einem
neuen Kupferdach versehen und konnte nach Aufstellung der gleichfalls
erneuerten =Statuen= im August abgerstet und dem Gebrauch wieder
bergeben werden.

Auch wurde den Sommer ber das groe Mittelschiffdach nach
vorhergegangener Erneuerung der Lattung unter Ersatz vieler verwitterter
Dachziegel umgedeckt.

Hieran schlo sich die Umdeckung des Daches auf dem Lffelholzchor,
wobei durch eine Umnderung des Dachstuhles zwischen den beiden Trmen
die dortigen Dachanschnitte verbessert wurden. Bei dieser Gelegenheit
fand sich innerhalb des Dachraumes der Giebel zwischen Chor und
Mittelschiff mit einem Bogenfries geschmckt vor, so da anzunehmen
ist, da das Chordach frher unterhalb des Giebels anschlo. Rinne,
Abfallrohre und Blitzableiter wurden auf diesen Dchern in Kupfer wieder
erneuert.

Im Mittelschiff wurde auch der Dachstuhl selbst ausgebessert, der Schutt
aus dem Gewlbezwickeln entfernt und der Boden gebrettert.

Eine im April angestellte Untersuchung des =Lffelholzchores= hatte
ergeben, da im Innern einzelne Steinstcke herunterzufallen drohten,
so da eine Absperrung fr ntig gehalten wurde. Als im November mit
unterdessen aufgestellten Gersten genauer untersucht werden konnte,
ergab sich als Ursache eine Anzahl von Bewegungen, die in den fnf
Seiten des Chorabschlusses stattgefunden hatten. Nach Wegnahme des auf
den Gewlben lastenden Schuttes lieen sich vom Hauptgesims bis zum
Erdboden laufende Risse verfolgen, deren Breite bis zu 10 cm betrug.

Eine alte hlzerne Verschlauderung fand sich denn auch auf dem
Engelschor, hatte sich aber als ganz unzureichend erwiesen.

Daher beschlo der Bauausschu, im Innern eine neue radiale und im
uern zwei Ringschlaudern von Eisen anzubringen, jedoch so, da
dieselben uerlich nicht sichtbar sein sollten.

Im brigen waren fr die Instandsetzung des Lffelholzchores bereits
eine Anzahl von Werkstcken fertiggestellt. Die Versetzarbeiten sollten
aber erst im nchsten Jahre beginnen.

Von den an der Kirche befindlichen Grabdenkmlern wurden im laufenden
Jahre mehrere erneuert.

Dem Stadtmagistrat wurden eine Anzahl interessanter Steinstcke vom
Dreiknigschor und der sdlichen Turmgalerie zur Aufstellung an der
Stadtmauer berlassen.

=1902.= Das neue Jahr wurde in der Hauptsache durch die
Wiederherstellung des =Lffelholzchores= in Anspruch genommen.

Im Innern wurden die Risse gereinigt und ausgemauert sowie eine groe
Zahl zersprengter Werkstcke erneuert. Im Frhjahr konnten die Gerste
wieder entfernt werden, doch blieb die Instandsetzung der unteren
Wandflchen, an denen des Gesthles wegen viele Gesimse abgeschlagen
waren, ebenso wie die des =Engelchores= der spteren Innenrestauration
vorbehalten.

Auch im =uern= begannen im Frhjahr die Versetzarbeiten. Trotzdem
viele Werkstcke schon im Winter fertiggestellt waren, konnte die
bentigte Anzahl nicht mehr in diesem Jahre bearbeitet werden.

Whrend der Versetzarbeiten fand auch die Verlegung der Schlaudern
statt. Zunchst wurden die beiden Ringschlaudern oberhalb und unterhalb
der Engelschorfenster, welche aus einzelnen mit Bolzen verbundenen
Eisengliedern bestanden, in die Mauer eingelegt und mit Steinplatten
verkleidet. Auf der Nord- wie auf der Sdseite fanden die Schlaudern
ihren Halt in den starken Turmmauern.

Danach wurde die Radialschlauder in der Fubodenhhe des Engelschores
verlegt. Diese, welche aus einzelnen Gabelschlaudern bestand, die
die Ecken des Chores faten und sich in der Mitte vereinigten, fand
ebenfalls ihren Halt in den Turmmauern.

Die uere Wiederherstellung des Westchores nahm dann ihren Fortgang
und war bis zum Ende des Jahres bis zur Hhe des ehernen Kruzifixus
fortgeschritten.

Am sdlichen Seitenschiff waren noch die Arbeiten vom Kaffgesims ab
zu vollenden. Die Schuppen und Gerste, welche dies bisher verhindert
hatten, wurden im Juni abgebrochen, so da auch diese Arbeiten und
daneben die Herstellung neuer kupferner Abfallrohre und einer neuen
Kanalisation zu Ende gefhrt werden konnten.

In Verbindung damit wurde auch der untere Teil der =Sdseite des
sdlichen Turmes= in Stand gesetzt. Doch zeigten sich hier wieder
bedenkliche Risse, welche die Anbringung einer greren (brigens zum
Teil im ueren sichtbaren) Schlauder erforderlich machten; grte
Vorsicht war bei den Auswechslungsarbeiten geboten. Diese Arbeit whrte
bis in den Dezember hinein.

Das Relief Mari Verkndigung, bisher am Nordturme, wurde an die
nrdliche Sakristei versetzt.

Da nun bald mit der Wiederherstellung des =Innern der Sebalduskirche=
begonnen werden sollte, nahm Professor =von Hauberrisser= mit Rcksicht
auf die hierbei erforderliche ununterbrochene Anwesenheit des leitenden
Architekten Veranlassung, der Kirchenverwaltung vorzuschlagen, den mit
ihm bestehenden Vertrag zu lsen und denselben vom 1. Januar 1903 ab
fr alle weiteren Arbeiten mit dem Unterzeichneten abzuschlieen, was
geschah.

=1903.= In diesem Jahre fand zunchst die Beendigung der
Auswechslungsarbeiten am unteren Teile des =Westchores= statt, die von
der Hhe des Kaffgesimses an bisher noch zurckgeblieben waren.

Der bestehende =Eingang= in die =Krypta=, dessen reich profilierte
Umrahmung aus dem 19. Jahrhundert stammte, wurde durch Wegmeieln der
stillosen Profile vereinfacht. Das Gleiche geschah mit der Tre, die
reiche pseudoromanische Bnder aus dnnem Blech zeigte.

Am sdlichen sowohl wie am nrdlichen Turm harrten noch die =romanischen
Portale= der Restaurierung (Abb. 15, 16, 17, 18). Bei beiden Portalen,
die ohne organische Verbindung mit dem eigentlichen Baukrper der
Kirche sind, waren die Bogensteine nicht eigentlich verwittert, aber
an den Kanten bei den Stofugen stark verletzt, die Kapitle teils
schlecht erneuert, teils fast ganz unkenntlich geworden und auch die
Sulenschfte in schlechtem Zustand.

Wegen der unterdessen bei der Innenrestaurierung aufgedeckten Schden am
nrdlichen Turm mute jedoch die Restaurierung des dortigen Portales,
damit der Turm nicht gleichzeitig an mehreren Stellen durch Ausbrche
geschwcht wrde, vorlufig zurckgestellt werden.

Im April wurde mit den Versetzarbeiten am =sdlichen Portal= begonnen.
Im November war dasselbe erst vollendet.

Die Htte war hauptschlich mit der Innenrestaurierung beschftigt,
daher waren fr die ueren Arbeiten weniger Steinmetzen ttig als
bisher.

=1904.= Die Aufgabe, welche fr das letzte Baujahr der ueren
Wiederherstellung noch verblieb, bestand in der Restaurierung des
=nrdlichen Turmportals= und des unteren rings um die Kirche laufenden
Sockels, der viele Schden zeigte und in frheren Jahren wohl oft, aber
niemals grndlich ausgebessert worden war.

Die Restaurierung am nrdlichen Turmportale wurde im Mrz begonnen
und fand in der gleichen Weise wie am Sdturm statt. Sie war im Juni
vollendet.

Dann begannen die Ausbesserungen des Sockels, der besonders am Ostchor
eine groe Anzahl neuer Quadern und sorgfltiges Ausstopfen der vielen
ohne Mrtel vorgefundenen Lagerfugen erforderte.

Mit dem Ende des Jahres war auch diese Arbeit beendet und die
=Restaurierung= konnte als abgeschlossen gelten. Die Htte wurde nunmehr
im ganzen Umfange fr die Zwecke der Innenrestaurierung verwendet.

Daher mute auch die Regulierung der Umgebung der Kirche auf der West-
und Sdseite, die besonders einer Verbesserung bedrfte, vorlufig
zurckbleiben.

Die =Bausammlung= der Kirche, zu welcher der Anfang schon im Jahre 1889
durch Aufbewahrung der aufgefundenen Reste der Ostchorgalerie gemacht
worden war, hat im Laufe der Jahre einen ziemlichen Umfang angenommen;
sie enthlt nicht nur von fast allen Teilen der Auenfassaden in
einzelnen Stcken die hauptschlichsten Originalreste, welche fr die
Wiederherstellung magebend gewesen sind, sondern auch eine groe Anzahl
von Modellen und mancherlei Fundstcke.

Die =Hauptplne= der Restaurierung berwies Professor von Hauberrisser
dem =stdtischen Archiv=. Die groe Zahl der gefertigten =Detail-
und Werkplne= sind jedoch gleichfalls der =Sammlung= einverleibt.
Diese selbst ist an zwei getrennten Orten untergebracht: zum Teil in
der Westchorkrypta (Abb. 139), zum anderen Teil im Obergescho der
nrdlichen Sakristei.

Von den Mitgliedern des =Bauauschusses= war im Laufe der Jahre
Magistratsrat Tauber gestorben und Fabrikbesitzer von Forster und
Ingenieur Rupprecht wegen Wohnungswechsels ausgetreten. Die Lcken
wurden ergnzt durch Kommerzienrat Liebel, an dessen Stelle spter
Magistratsrat Hberlein trat, ferner durch Grohndler und kgl.
Handelsrichter Heerdegen und Fabrikbesitzer Thter.

In der Vorstandschaft der =Kirchenverwaltung= war Stadtpfarrer und Dekan
=Heller= durch Stadtpfarrer =Lotholz= abgelst worden. Seit dessen
Erkrankung fhrt Stadtpfarrer =Schiller= den Vorsitz.

Stadtpfarrer Lotholz ist unterdessen gestorben, Kirchenrat Heller
[[gestorben] 1907] steht heute der Restaurierung der Schwesterkirche St.
Lorenz vor.

Fr die Beschaffung der =Mittel=, welche abgesehen von drei Lotterien
aus den namhaften Untersttzungen seitens deutscher Frsten, dann der
Stadt und vieler kunstsinniger Familien und anderer Personen flossen,
war der =Verein fr die Restaurierung der Sebalduskirche= ttig, in
dessen Vorstandschaft Justizrat Freiherr von Kre, Justizrat Vollhardt
und Kommerzienrat Schwanhuer die Verwaltung fhrten unter dem Vorsitze
des Kirchenrates =Michahelles=, =des eifrigsten Freundes und Frderers
des ganzen Wiederherstellungswerkes=.

  =Nrnberg=, den 31. Dezember 1904.      Prof. J. =Schmitz=, Architekt.


      4. Bericht der Bauleitung ber die Instandsetzung des Innern.
                               1903-1906.

Bei einem Besuche der Sebalduskirche wird sogleich die
Verschiedenartigkeit der baulichen Anlage ins Auge fallen. Denn die
noch bestehenden Teile der engen =romanischen Basilika= bilden einen
groen Gegensatz zum weiten =gotischen Hallenchor=: es mangelt daher die
Einheitlichkeit der Raumwirkung. Auch in der formalen Detailausbildung
kommt jede der beiden Hauptbauperioden charakteristisch zur Erscheinung,
doch verleiht dies der Kirche neben dem kunstgeschichtlichen Interesse
einen auerordentlichen malerischen Reiz. Erhht wurde dieser noch
durch die Flle von wertvollen Kunstwerken, mit denen die folgenden
Jahrhunderte die Kirche schmckten.

Schon die =Gotik= hat ein Dekorationsmotiv ihrer Art in den romanischen
Bau hineingetragen, indem sie, abgesehen von anderem statuarischem
Schmuck, an den Pfeilern des Mittelschiffes unter Baldachinen zwlf
Apostelstatuen anbrachte. Daneben wurde, wie sich im Laufe der
Restauration erwiesen hat, in jener Zeit fast die ganze Kirche an
Wnden und Gewlben mit einer einheitlichen Polychromie versehen, die
an verschiedenen Stellen durch figrliche Darstellungen eine Steigerung
erfuhr.

Das =15. und 16. Jahrhundert= haben sodann eine Reihe weiterer
Schmuckstcke an kostbaren Bildwerken, Epitaphien und
Einrichtungsgegenstnden hinzugefgt, welche der Verehrung des
Kirchenpatrons, den gottesdienstlichen Zwecken und dem Gedchtnisse der
Patrizierfamilien, die hier ihre Grabsttten besaen, ihre Entstehung
verdanken.

[Illustration: TAFEL XI. Romanisches Dienstkapitl des Mittelschiffes
mit spter angesetztem gotischem Baldachin.

Gewlbeschlustein im Ostchor.]

In der =Barockzeit= ging freilich von der mittelalterlichen Erscheinung
vieles -- unter anderm durch bertnchung die farbige Wirkung des
Innern -- verloren. Auch die hauptschlichsten Mobiliarstcke
wurden entfernt. Es entstand ein anderes Bild durch die Errichtung
eines neuen mchtigen Hauptaltares, neuer Seitenaltre, einer neuen
Kanzel und hlzerner Emporen, welch letztere, zum Teil an den Wnden
des Mittelschiffes angebracht und von den Triforien aus zugnglich, das
Mittelschiff noch mehr einengten und verfinsterten.

[Illustration: TAFEL XII. Statue des Apostels Johannes im Mittelschiff.]

Engelsstatue von der Volckamerschen Verkndigung mit Baldachin und
Konsole.]

C. =Heideloff=, einem Hauptvertreter mittelalterlicher Romantik in der
Architektur des 19. =Jahrhunderts=, blieb es vorbehalten, die Kirche
von barocken Zutaten zu purifizieren, den Hauptaltar und einen Teil
der Emporen zu entfernen und an Stelle des ersteren ein Werk eigener
Erfindung aufzustellen. Bei der Orgel und beim Stuhlwerk schienen
ihm nderungen unerllich. Auch sonst wurde den noch vorhandenen
nachmittelalterlichen Kunstwerken in dieser Zeit eine besondere
Wertschtzung nicht zuteil. Die neugotische Kanzel entstand an Stelle
der barocken als ein gemeinsames Werk von Heideloff und A. Kreling.

Nunmehr sollte im Anschlusse an die 1888-1902 stattgehabte =Restauration
des ueren=, die bereits durch Freilegung der Mittelschiffenster
der Kirche eine grere Lichtzufuhr gebracht hatte, auch eine
=Instandsetzung des Innern= der Sebalduskirche erfolgen. Mit der Leitung
derselben betraute die Verwaltung des Vereinigten Protestantischen
Kirchenvermgens auf Empfehlung Prof. von Hauberrissers den
Unterzeichneten und schlo einen diesbezglichen Vertrag am 12. Dezember
1902 mit ihm.

Niemand war darber im Zweifel, da es sich um eine umfangreiche und
mehrjhrige Arbeit handle, denn der Zustand der Kirche war ein sehr
bedauernswerter. Die in den letzten Jahrhunderten ganz vernachlssigten
Altre, Statuen und sonstigen wertvollen Bildwerke waren zum guten
Teil zerbrochen und ihres Schmuckes beraubt. Die Vergoldungen und die
farbigen Gewnder der Statuen fanden sich dick mit weier lfarbe
berstrichen. Wertvolle Holzornamente sowie zierliche Eisenteile
des 15. Jahrhunderts lagen mit Unrat vermengt in offenen Schrnken
und Ksten; dazwischen Stoffteile von alten gewebten und gestickten
Paramenten. Schon vor einigen Jahren hatte Kirchenrat Michahelles,
dem die Abstellung solcher Mngel sehr am Herzen lag, durch Prof. von
Hauberrisser einen 4 m breiten neuen Schrank herstellen lassen und in
diesem die vorhandenen kostbaren =Gobelins=, nachdem ein Verzeichnis
derselben angefertigt worden war, unter sicheren Verschlu gebracht. Zur
gleichen Zeit gelang es dem Unterzeichneten noch eben, aus einem zur
Abfuhr bestimmten Schutthaufen ein steinernes =Relief=, die Auferweckung
des Lazarus, dem Anschein nach von Veit Sto, zu retten.

Die Wnde der ganzen Kirche zeigten eine gleichmige Tnchung in zwei
Tnen: gelblich und violett. Die Hunderte von =Totenschildern=, welche
die Kirche ehemals schmckten, waren bei einer beim bergang Nrnbergs
an Bayern stattgehabten Suberung hinausgeschafft und zum Teil den
betreffenden Familien zurckgegeben worden. Da unter der geschmacklosen
=Tnchung= mittelalterliche Malereien verborgen seien, die der
Auferstehung harrten, mute jedem mit der mittelalterlichen Kunst
Vertrauten zweifellos scheinen.

So wurde denn am 1. Januar 1903 mit den Arbeiten begonnen und zunchst,
um whrend der Restaurierung den Gottesdienst mglichst wenig zu
beeintrchtigen, die basilikale westliche Kirchenhlfte vom Ostchor,
in welchem der Gottesdienst stattfinden sollte, durch eine Holzwand
getrennt. Durch das Baugeschft von G. Goll & Shne erfolgte sodann die
Einrstung der Kirche, und zwar des Mittelschiffes und der Seitenschiffe
des Lffelholzchores und der Turmhallen vom Boden bis zum Gewlbe. Von
den =Gemlden= wurden die nachfolgenden zur kgl. Gemldegalerie nach
Augsburg gesendet, um dort von Konservator A. =Mayer= teils gereinigt
und aufgefrischt, teils restauriert zu werden: Die Flgeltafeln des
=Lffelholzaltares= (des Schreines und der Predella) (Abb. 43), die
drei =Tafelbilder= im Lffelholzchor, die Tafel =Mari Krnung=,
der =Hallersche Altar=, die =Geburt Christi= (von 1478) und die
=Auferweckung des Lazarus= von Ruprecht oberhalb der Nordtre. Die
brigen kleineren Bildwerke und Skulpturen wurden in die Arbeitsrume
der Bauhtte gebracht, whrend die greren an Ort und Stelle vorlufig
durch Einpackungen vor dem zu erwartenden Baustaub zu schtzen waren.

Nunmehr wurde vorsichtig mit dem Abschaben und Abklopfen der Tnche
begonnen. Schon bald zeigten sich an den Gewlben, und zwar an den
Rippen und Schlusteinen, Spuren von =Polychromie=, und es dauerte nicht
lange, bis das System der ehemaligen Bemalung des Kircheninnern klar
gestellt werden konnte. Zwei verschiedene Arten der letzteren waren zu
unterscheiden. Eine einfache Quaderbemalung in zwei Tnen (grau und
rot) im Lffelholzchore, dessen Gewlbefelder auerdem einen gemalten
Steinverband aufweisen, sowie die vorgefundene schwrzliche Tnung
einzelner Gesimse und besonders der Sulenschfte -- ein Anklang an die
Verwendung von Schiefer bei den rheinischen Bauten -- drfte als noch
zur romanischen Bauperiode gehrig anzusprechen sein. Andererseits mu
die in schwarz, rot, gelb und blau hergestellte Bemalung der Rippen im
Mittel- und Seitenschiff (Taf. IX) und die Polychromie der Statuen und
ihre teppichartigen Hintergrnde (Taf. XII) dem 14. und 15. Jahrhundert
zugewiesen werden. Fr die vorgefundene Bemalung erscheint der Umstand
bemerkenswert, da ein einheitliches starres System nicht aufdringlich
zutage tritt; vielmehr bietet eine je nach Gelegenheit und Veranlassung
stattgehabte farbige Ausschmckung einzelner Teile der Kirche ein
ungemein abwechslungsreiches und malerisches Bild.

Erhht wurde dieser Reiz durch die =figrlichen Wandmalereien=, welche
an verschiedenen Stellen aufgedeckt wurden. Von diesen sei zunchst eine
Figur des =Christophorus= erwhnt, welche in Riesengre fast die ganze
Wandflche des sdlichen Turmes innerhalb des dortigen Seitenschiffes
bedeckt. Oberhalb derselben zeigen sich =Reste= einer noch frher
vorhanden gewesenen und gut erkennbaren Christophorusdarstellung,
vermischt mit Fragmenten eines ebenfalls an der gleichen Stelle
bestandenen =Veronikatuches= mit dem Christuskopf, welches von Engeln
gehalten wird. An einem sdlichen Pfeiler des Mittelschiffes fand sich
ein Gemlde, den =Tod Mari= darstellend, das ehemals die Rckwand
eines Altares dortselbst gebildet haben drfte. Darber Reste von
kleineren Gemlden. An einem anderen Pfeiler beim Dreiknigsportal wurde
ein weiteres Gemlde, die sogenannte =Gregoriusmesse=, aufgedeckt.
An den Brstungen der Empore im nrdlichen Seitenschiff konnten nach
Entfernung einer braunen Farbschicht hbsch gemalte Mawerke und reiche
=Wappen= der Patrizierfamilien, welche dort heute noch ihren Sitz haben,
blogelegt werden.

Mute auf der einen Seite als Vandalismus empfunden werden, wie
frhere Zeiten einer so kunst- und geschmackvollen Bemalung gegenber
durch rcksichtslose bertnchungen verfahren waren, so erforderte
andererseits die Stellung, welche dem nunmehrigen Befunde gegenber
einzunehmen war, berlegung und Vorsicht.

Das farbenfreudige Mittelalter hat diese Bemalungen offenbar in
frischer lebhafter Wirkung hergestellt und an dieser keinen Ansto
genommen, whrend unser heutiges Farbenempfinden dem gegenber ein
ganz verndertes ist. Gerade die zarte Wirkung, welche die durch
Tnchung und Wiederaufschabung in ihrer Kraft gedmpften Bemalungen
aufwiesen, bot einen auerordentlichen Reiz, und die Gesamtwirkung war
trotz der verschiedenen Zeiten, aus denen diese stammten, von durchaus
harmonischer Einheitlichkeit. Der Respekt vor der Kunst der Alten
machte auerdem grte =Zurckhaltung= bezglich etwaiger Erneuerungen
und gleichmige Frsorge fr alle alten Funde -- ob sie nun aus dem
Mittelalter oder der Rokokozeit stammten -- zur Pflicht. Unter diesen
Umstnden trachtete der Unterzeichnete darnach, die Malereien in ihren
vorhandenen Resten und Spuren auf das gewissenhafteste festzustellen und
die Restaurierung in der alten Technik lediglich auf die Ergnzung der
fehlenden, mit Sicherheit zu bestimmenden Teile zu =beschrnken=, wobei
auf die Erhaltung der beschriebenen allgemeinen malerischen Stimmung
sorgfltig Rcksicht genommen werden sollte.

[Illustration: Abb. 43. Lffelholzaltar.]

Zur Ausfhrung solcher eigenartiger Arbeiten waren geeignete Krfte in
Nrnberg nicht vorhanden. Es wurde daher der als trefflicher Meister
in seinem Fach bekannte Vergolder und Famaler =Franz Ruedorfer=,
beziehungsweise die Firma Barth & Cie. in Mnchen, welcher er angehrt,
mit diesen Arbeiten betraut. Ruedorfer, der wiederholt selbst anwesend
war, sandte eine Anzahl Gehilfen, die seine Schule genossen hatten und
die sich, teils in Bemalung, teils in Modellieren, Formen und Gieen
geschickt, im Laufe der ganzen Restaurierung als willige Hlfskrfte
erwiesen.

Die Abschabung der Tnche und die an einzelnen Stellen erforderliche
Wegnahme des Verputzes hatte aber auer der Feststellung der alten
Bemalung leider eine im hchsten Grade bedauerliche Entdeckung zur
Folge. Es zeigten sich nmlich bauliche, den Kern des Mauerwerkes
betreffende =Schden=, welche von niemand bei der Inangriffnahme
der Restaurierung erwartet worden waren. Zunchst war dies beim
=nrdlichen Turm= der Fall. Da, wo an der Ostseite des Turmes die spter
hinausgerckte Auenwand des nrdlichen Seitenschiffes frher angebaut
war, trat das innere Brockenmauerwerk ohne schtzende Quaderverblendung
zutage. Die romanischen Mauern bestehen an St. Sebald durchweg aus
einer beiderseitigen Quaderverblendung; deren innerer Zwischenraum mit
zum Teil sehr mangelhaftem Brockenmauerwerk ausgefllt ist. Es zeigte
sich ferner in dieser Ostmauer des Turmes oberhalb des Spitzbogens
der vermauerte Zugang zu einem =Treppenhause=, welches sich in seiner
ungefhren Lage aus dem Vorhandensein eines kleinen Fensters und
eigenartiger vermauerter ffnungen im linken Gaden des Turmes annhernd
bestimmen lie. Da dieses Treppenhaus innerhalb der Mauer lag, so war
diese infolge des mangelnden Verbandes selbst bei einer nachtrglichen
Ausmauerung geschwcht und hatte der Belastung nicht standhalten knnen.
Daher waren zahlreiche bis zu 12 cm breit klaffende Risse entstanden.
Schleuniges Eingreifen tat not, war aber um so schwieriger, als vorerst
keine sichere Kenntnis darber bestand, ob das Treppenhaus ausgemauert
oder noch hohl war. Einbrche vorzunehmen, um hierber Auskunft zu
erhalten, erschien wegen der damit verbundenen Gefahr unmglich. So
konnte nur mit vorsichtigen Bohrungen und mit in diese eingefhrter
knstlicher Beleuchtung des 150 m starken =Mauerinnern= festgestellt
werden, da der Treppenraum mit schlechtem Brockenmauerwerk teils
ausgemauert, teils nur zugeschttet worden war. Bei den vorhandenen
auerordentlich groen Belastungen ein wenig trstliches Ergebnis.

Der Arbeitsplan wurde nun, wie folgt, entworfen. Zunchst war der
Spitzbogen zwischen Turm und Seitenschiff mit starken Rundholzstmmen
auszubolzen und darber eine eiserne Verschlauderung anzubringen, sodann
wurde in die nur mangelhaft zusammenhngende Turmmauer eine ffnung von
der Gre weniger Backsteine eingebrochen und mit harten Backsteinen in
Zementmrtel wieder vermauert. Durch Wiederholung dieser Arbeit gelang
es, einen horizontalen, etwa 50 cm hohen Streifen von Backsteinmauerwerk
einzubringen, der innerhalb der Mauer etwa wie ein eingesetzter fester
Balken wirken mute. Solche Streifen wurden in Abstnden von 50 cm
sechs untereinander eingebracht, und sodann die noch bestehenden
Zwischenteile durch Quadermauerwerk -- natrlich kam jedesmal nur
ein Quader zur Vermauerung -- ausgewechselt. Hernach gelang es durch
vorsichtige Einbrche in das Treppenhaus selbst auch hier den grten
Teil des schlechten Mauerwerkes nach und nach durch gutes tragfhiges
Zementmauerwerk zu ersetzen.

Auch in der sdlichen Wand des nrdlichen Turmes zeigten sich in
der Hhe des Engelchores verschiedene =Treppenlufe= innerhalb der
Mauer, welche nicht vermauert, sondern vollstndig hohl waren. Daneben
fanden sich andere, vielleicht zur Aufnahme von Holzbalken bestimmte
verborgene =Hhlungen=, welche den Querschnitt der Mauern verringerten.
Es erwies sich somit, da die romanischen Trme viele Treppenaufgnge
innerhalb der Mauer besaen, und da man beim Aufbau des 75 m hohen
nrdlichen Turmes in der gotischen Zeit auf die durch die Hohlrume
geschwchten Mauern unbedenklich weiter gebaut hatte. Den infolgedessen
aufgetretenen Verschiebungen des Mauerwerkes war zum Teil schon bei der
Auenrestaurierung durch starke Verschlauderungen entgegengearbeitet
worden, ohne da damals jedoch die Ursache schon in ihrem ganzen Umfang
bekannt gewesen wre.

Beim =sdlichen Turm= haben die angestellten Untersuchungen eine beim
gotischen Aufbau vorgenommene Verbesserung des romanischen Unterbaues
ergeben.

So bedauerlich es nun im archologischen Interesse auch war, so mute
doch der bestehenden Schden wegen eine Einmauerung von Pfeilern
und teilweise eine ganze Ausmauerung bei den hohlen Treppenrumen
ausgefhrt werden. brigens hat in jedem Falle eine genaue geometrische
und, wo dies mglich war, auch photographische Aufnahme des Befundes
stattgefunden.

Als noch ernster erwies sich die Lage bei den beiden =romanischen
Vierungspfeilern=, auf denen die Hauptlasten der Kirchenmauern ruhen.
Whrend der Abnahme des Verputzes schon fiel ein auf der Westseite des
=nrdlichen Pfeilers= angebrachter, aber von der Mauer abgerissener
und nur noch lose anhaftender steinerner Baldachin herab. Es ist als
ein Glck zu betrachten, da er nicht whrend des Gottesdienstes auf
die Kirchenbesucher herabgestrzt war. Dieser Pfeiler war im brigen
auf allen vier Seiten durch und durch zerrissen. Da im Innern nur
schlechtes Brockenmauerwerk zu erwarten war und die groen Mauerlasten
(etwa 620.000 kg) lediglich auf den zerborstenen Auenquadern ruhten,
so mute schleunige Abhilfe getroffen werden, wenn man nicht mit einer
Katastrophe rechnen wollte, denn der Zusammenbruch des Pfeilers mute
den Einsturz der nrdlichen Hlfte der ganzen Mauerwand und des Giebels
zwischen Ostchor und Basilika sowie der anstoenden Gewlbe zur Folge
haben.

Die Ursachen, aus denen ein so bedrohlicher Zustand erwachsen war, sind
verschiedener Art. Zunchst ist zu bedenken, da die Vierungspfeiler
ursprglich Tragpfeiler einer romanischen Gewlbeanlage waren, die beim
Umbau der Kirche in der gotischen Zeit zum Teil abgebrochen wurde, so
da sich in der Beanspruchung der Pfeiler eine Verschiebung ergeben
mute. Damals sind vielleicht schon die ersten Deformationen entstanden.

Der Anbau des Ostchores und des groen Westgiebels desselben brachte
sodann den Pfeilern neue Belastungen, whrend andererseits durch die
Verbreiterung des Seitenschiffbogens und in der Barockzeit durch
Einbrche fr Balken, Emporen und Stuhlwerk der Querschnitt der Pfeiler
an verschiedenen Stellen weit ber das zulssige Ma geschwcht und
der Verband aufgehoben wurde. Ist aber einmal der Zusammenhang eines
Mauerkrpers gelockert, so wird jede weitere Schdigung von um so
schlimmeren Folgen sein. Man kann daher nur staunen ber die sorglose
Art, in der besonders die letzten Jahrhunderte das Bauwerk, welches
schon durch die mittelalterlichen Umbauten die Einheitlichkeit der
Konstruktion eingebt hatte, vernachlssigt haben.

Der =sdliche Pfeiler= erwies sich dem ueren Anschein nach als in
besserer Verfassung, doch lieen bereits vorhandene Backsteinmauerungen
und Verschlauderungen nichts Gutes vermuten. Immerhin war am meisten
der nrdliche Pfeiler gefhrdet; auch die Behrden forderten aus
Sicherheitsgrnden eine Erneuerung des Pfeilers.

So hatten sich neben den knstlerischen Aufgaben noch Arbeiten ergeben,
die in konstruktiver und technischer Beziehung groe Anforderungen
stellten und zudem auerordentliche Geldmittel erheischten. Als ein
schtzbarer Berater der Bauleitung erwies sich bei diesen Arbeiten
der Ingenieur =Otto Weber=, welcher bei der Lsung der mannigfaltigen
technischen Fragen groen Anteil hatte. Aber auch Steinmetzmeister
=Johann Gschel=, stets gewissenhaft und unermdlich, hat sich den ihm
gestellten Aufgaben auf das beste gewidmet.

Wie sollte der nrdliche Pfeiler ausgewechselt werden? Von den wenigen
Beispielen einer solchen =Auswechslung= in der neueren Geschichte der
Technik schien die Auswechslung im Bremer Dom von Interesse. Allein
eine Absttzung aller in Betracht kommenden Gewlbe- und Mauerlasten,
wie sie dort stattgefunden hatte, war hier sowohl wegen der groen Hhe
und Unsicherheit eines Holzgerstes als auch wegen der Feuersgefahr und
Kosten nicht zu empfehlen, denn die profilierten Bgen boten fr die
Absttzungen nur mangelhafte Angriffsflchen und bei einem Holzgerst
waren Setzungen nicht zu vermeiden. Wurden die Lasten aber etwa durch
Eisensttzen wirklich abgefangen, so ergaben sich fr die Fundierung der
letzteren in dem von romanischen Grundmauern durchzogenen, aufgefllten
Chorboden neue Schwierigkeiten. Aus den Beratungen erwuchs schlielich
der Plan, den ganzen geborstenen Pfeiler mit einer =Armierung= aus
eisernen Trgern ringfrmig zu umgeben (Abb. 44 und 45) und innerhalb
dieser Ringe unter Beobachtung der grten Vorsicht einen Quaderstein
nach dem anderen auszuwechseln; dabei sollte auch in den Mauerkern
mglichst tief eingedrungen und dieser durch Ausmauern und Einspritzen
von Zementmrtel verbessert werden.

Der =Bauausschu=, der von allen Vorgngen unterrichtet war, beschlo,
die Sicherung des Pfeilers durch die beabsichtigte Armierung sofort
vornehmen zu lassen, die Erneuerung selbst aber erst in Verbindung mit
der Restaurierung des Ostchores zu bewirken.

Die baulichen Arbeiten in der Westhlfte der Kirche waren damit noch
nicht erschpft. Die =Triforien= (Abb. 4) des Mittelschiffes zeigten
sich ursprnglich konstruktiv korrekt zwischen den Tragpfeilern der
Joche angelegt. Sie schwchten zwar die Schildmauern, jedoch an einer
Stelle, wo dies ohne Nachteil geschehen konnte. Die eigentlichen
Tragpfeiler waren massiv und wurden zum Teil durch uere Strebebgen
gesttzt. Bei der im Anfang des 14. Jahrhunderts stattgehabten
Erweiterung der Seitenschiffe wurden die Strebebgen aber abgebrochen,
und als durch die Erhhung der Gewlbe die Triforien vom Dachboden aus
nicht mehr zugnglich waren, wurden die Tragpfeiler durchlchert, um
eine Verbindung der einzelnen Triforien untereinander sowohl wie mit den
Gewlbetrichtern zu schaffen. Denn letztere ermglichten durch hlzerne
Treppen wieder einen schmalen Zugang zu dem hher gelegten Dachboden.
Infolge dieser Durchbrche war aber die Sicherheit der Konstruktion
des Mittelschiffes wesentlich beeintrchtigt. Noch schlimmer wurde die
Sachlage, als in der Barockzeit hlzerne =Emporen=, deren Balken groe
Lcher im Mauerwerk erforderten, aus den Triforien herausgebaut und aus
den letzteren selbst zur Erzielung eines bequemen Zuganges viele Sulen
und Bgen entfernt wurden. Bei dem im 19. Jahrhundert erfolgten Abbruch
dieser Emporen hatte zwar ein Wiedereinsetzen dieser Sulen, aber ohne
jedes Verstndnis fr die bestehenden Schden in der sorglosesten
Weise stattgefunden, so da diese Restaurierung nichts als eine
oberflchliche Kaschierung war.

[Illustration: Abb. 44. Modell eines zum Teil armierten Vitrumspfeilers.]

Hier mute berall in gewissenhafter und grndlicher Art Abhilfe
geschaffen werden. Da auerdem an verschiedenen anderen Stellen der
Kirche, z. B. an der zu einem Schrank mit Fchern aus steinernen Platten
umgewandelten Arkade zwischen Lffelholzchor und nrdlichem Turm,
Vernderungen und Ergnzungen am Mauerkrper stattzufinden hatten, so
kann nicht Wunder nehmen, da ber 2000 Werksteine aus Wendelsteiner
Quarzit im Laufe des Jahres eingewechselt oder neu eingesetzt werden
muten.

An den reizvollen romanischen =Skulpturen=, Konsolen, Kapitlen und
sonstigem Laubwerk wurden die vielfach fehlenden Teile durch freie
Anmodellierung in Masse mit Hilfe von Dbeln wieder neu hergestellt.

Eine Anzahl von rechteckigen Vertiefungen an den Pfeilern des nrdlichen
Seitenschiffes, welche ehemals wohl =Bronzetafeln= enthielten und auf
das Vorhandensein von Grbern dortselbst schlieen lassen, wurden in dem
aufgedeckten Zustande belassen. Auch die Reste eines im Lffelholzchor
aufgefundenen romanischen =Steinfubodens= wurden zu beiden Seiten des
Altares dortselbst wieder verwendet.

Die bis jetzt beschriebenen Arbeiten fllten fast das ganze Jahre 1903
aus; Mitte Oktober waren die Hauptgerste gefallen und auch der in
seiner Architektur so reich und reizvoll ausgestattete =Engelschor=,
dessen Gewlbekappen wegen der Jahrhunderte lang stattgehabten
Durchfeuchtung grtenteils erneuert werden muten, fertiggestellt.
Bis auf den tdlichen Sturz eines Tnchergesellen war alles glcklich
vonstatten gegangen. Nun konnten die Gerste immer weiter entfernt und
mit den Arbeiten an den =Holzgalerien=, =Altren= und =Votivbildern=
begonnen werden. Hier sind besonders zu nennen die steinerne
=Kreuztragung= von Adam Kraft (Abb. 87) sowie die prchtigen Stammtafeln
der Patriziergeschlechter =Lffelholz=, =Ebner= (Abb. 113) und =Pmer=.
An diesen Kunstwerken fanden Ergnzungen vieler abgeschlagener Teile,
Abschaben der weien bermalung und die Wiederherstellung der Vergoldung
und Polychromie unter mglichster Schonung des alten Bestandes statt.

[Illustration: Abb. 45. Armierter Vitrumspfeiler whrend der
Restaurierung.]

Den Hauptteil der figrlichen Plastik in der Westhlfte der Kirche
bilden die an den Mittelschiffpfeilern angebrachten elf =Apostelstatuen=
(Abb. 77 bis 81), welche im ganzen gut erhalten waren. Die Attribute,
die bei einigen fehlten, waren leicht festzustellen und wurden erneuert.
Im Mittelschiff fanden sich ferner auf der Sdseite die Statue =Johannes
des Tufers= und auf der Nordseite ein =Thomaschristus=, beide gut
erhalten, im nrdlichen Seitenschiff zunchst das Kaiserpaar =Heinrich
und Kunigunde= (Abb. 82 und 83); der Kaiserfigur war das Szepter neu
beizugeben. Ohne Ergnzung konnten sodann die vortreffliche Statue
=Bischof Erhards= (Abb. 84) sowie ein =Thomaschristus= bleiben. Im
sdlichen Seitenschiff waren eine =Katharina=, eine =Helena= (Abb. 85)
und eine =Antoniusstatue= vorhanden, bei denen teils Ergnzungen, teils
Erneuerungen der Attribute erforderlich wurden. Fr eine =Marienstatue=
mit dem Christuskind, die sich in der sdlichen Turmhalle zur Seite
gestellt vorfand, konnte am ersten sdwestlichen Mittelschiffpfeiler
der alte Standplatz festgestellt werden. Sie wurde an demselben wieder
aufgestellt und erhielt ein neues Szepter, das Kind einen neuen Arm. Ein
kleiner =Thomaschristus= mit dem Ebnerwappen, der unter der Flle von
Statuen an diesem Pfeiler erdrckt erschien, wurde in den Lffelholzchor
versetzt. Die =ursprngliche Polychromie= lie sich bei allen Statuen
leicht ermitteln und wurde sorgltig wiederhergestellt. In vielen
Fllen, besonders auch bei den teppichartigen, farbigen Hintergrnden
konnte sich diese Arbeit auf eine Restaurierung der im ganzen noch gut
erhaltenen Bemalung beschrnken.

Auf diese Weise erhielt die bisher wei getnchte Kirche an Pfeilern
und Wnden einen reichen farbigen Schmuck, zu dem der lichte, etwas
ungleichmige Mauerton einen glcklichen Hintergrund bildete.

Noch fehlten jedoch den Pfeilern die ehemals dort angebrachten
zahlreichen und prchtigen =Totenschilde= der Patrizier, welche in
den alten Kupferstichen gewissenhaft dargestellt sind. Kirchenrat
Michahelles richtete eine Anfrage und Bitte an die in Frage
kommenden Familien um Wiederherausgabe dieser Schilde. Der Erfolg
war hocherfreulich. Von der =von Lffelholz=schen Familie wurden 21
Schilde (Abb. 115) berlassen, von den Familien =von Haller= 12 (Abb.
117 und 118), =von Kre= 7 (Abb. 116), =von Ebner= 4 (Abb. 119) und
=von Harsdorf= 11 Schilde. Die Wiederherstellungsarbeiten wurden in der
Bauhtte ausgefhrt und die Schilde in der Kirche an Pfeilern und Wnden
in Gruppierungen, wie sie mglichst dem frheren Bestande entsprachen,
aufgehngt.

Die Wandmalereien: =Christophorus= (Abb. 46), =Tod Mari= und
=Gregoriusmesse=, welche aufgedeckt worden waren, wurden durch
Kunstmaler Pfleiderer unter Mithilfe des Konservators Professor
Haggenmiller restauriert und die beiden letzteren mit hlzernen
Schutztrchen versehen. In der sdlichen Turmhalle fand ein neues
brunnenartiges Becken mit Wasserleitung seinen Platz.

Der Fuboden aus Wendelsteiner Quarzitplatten war fast ganz zu erneuern;
und auch die =Glasmalereien= erforderten zwar nicht wesentliche
Restaurationen, jedoch kleinere Ausbesserungen und neue Bleifassungen.
In den Fenstern des Lffelholzchores gelangten sechs neue =Bildtafeln=,
von Zettler in Mnchen nach Professor Wanderers Entwurf gefertigt, zur
Aufstellung. Daneben wurden teils alte, teils neue Wappen angebracht.
Stifter dieser Fenster sind die Familien von Lffelholz, von Haller, von
Kre, von Scheurl und von Tucher.

Strend wirkten bis jetzt die =Kirchenbnke=, deren Seitenteile mit
pseudogotischen Verzierungen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts
versehen waren. Die heutige Denkmalpflege verlangt da, wo nicht etwa an
einem alten Objekt kleine Teile zu ergnzen, sondern wo neue Objekte
zu schafren sind, =neuzeitliche= Formen. Eine gefhrliche Aufgabe
in einer so ehrwrdigen Umgebung. Dem Unterzeichneten schien es am
zweckmigsten, in solchen Fllen mglichst =indifferente, einfache
Formen= anzuwenden, welche gegenber den vorhandenen Kunstwerken in den
Hintergrund treten sollten. In dieser Art war schon die Gestaltung des
Wasserbeckens im sdlichen Turm und der Holzlden vor der Gregoriusmesse
erfolgt; sie sollte auch fr die spteren Arbeiten im Ostchor
(Sakristeivertfelung und verschiedene Eisenbeschlge) beibehalten
werden. Daher entstanden nun auch an den Bnken neue Seitenteile mit
einem einfachen, schlichten Schneckenabschlu. Andererseits fand
da, wo vorhandene alte Teile dazu Veranlassung gaben, z. B. bei den
mannigfachen eisernen Schranktren, die Ergnzung im alten Stil und
Charakter statt. Das geschilderte Prinzip wurde nach besten Krften
durchgefhrt; wo eine kleine Abweichung stattfand und eine Neuschpfung
den Archologen zu einem Irrtum verleiten knnte, wurde die Jahreszahl
beigefgt.

Ende Mrz konnten die von Konservator Mayer geschickt restaurierten
Gemlde wieder zur Aufstellung gelangen. Bei den =Predellabildern=
des Lffelholzaltares hatte sich unter einer wertlosen bermalung die
mittelalterliche Darstellung der alten Stifter gefunden. Auch bei den
anderen Bildern war hie und da eine unverstndige sptere bermalung
entfernt worden. Namentlich die alte Vergoldung kam unter einer
berdeckenden stumpfen Farbschicht, z. B. bei den Hintergrnden des
Halleraltares, und zwar meist gut erhalten, wieder zum Vorschein.

Die alte barocke =Orgel= auf dem Engelchor erhielt ein neues Orgelwerk,
das eine Erweiterung des Gehuses nach den beiden Seiten zur Folge hatte
und von Orgelbaumeister Strebel gebaut wurde.

Alle Kunstschreinerarbeiten und die hiebei erforderlichen Schnitzereien
wurden in den Werksttten der Bauhtte gefertigt. Schlielich ist zu
erwhnen, da im ersten westlichen Joche des nrdlichen Seitenschiffes
eine Reihe von steinernen =Originalstatuen= vom ueren der Kirche,
welche im Laufe der Jahre erneuert worden waren, zur Aufstellung
gelangten.

So konnte Ostern 1904 die Restaurierung der =Westhlfte= von St. Sebald
nach 15monatlicher Bauzeit beendet werden; und nachdem der Bauausschu
die dargelegten Grundzge fr die Wiederherstellung des =Ostchores=
genehmigt hatte, wurde sogleich mit den Arbeiten in diesem begonnen.

                    *       *       *       *       *

[Illustration: Abb. 46. Der heil. Christophorus. Wandgemlde im
sdlichen Seitenschiff.]

Zunchst waren auch hier die beweglichen Kunstgegenstnde in der
Bauhtte, wo sie restauriert werden sollten, in sichere Verwahrung
zu bringen. Sodann wurden die Bildtafeln: =Maria mit Heiligen= von
Hans von Kulmbach 1513 (Taf. XV), =Ecce homo= aus dem Tucheraltar
von Merian 1659, die =Kreuztragung= von 1485, die =Auferstehung= aus
dem Muffelaltar, das =Paradies= von Kreuzfelder 1603, die Flgel des
=Petrusaltares= mit zwlf Bildern und schlielich die Flgel des
=Annaaltrchens= in die knigl. Gemldegalerie nach Augsburg zur
Restaurierung durch Konservator Mayer gesendet. Zu gleichem Zwecke wurde
eine kleinere Anzahl von Tafelbildern an Kunstmaler Br bergeben. Dann
war der ganze Ostchor im Innern einzursten, um alle Wnde, Pfeiler und
Gewlbe zu gleicher Zeit in Angriff nehmen zu knnen; hernach begann das
Abschaben der Tnche.

Das Ergebnis war im allgemeinen das gleiche wie in der Westhlfte. Es
trat ein gelblicher Grundton der Wnde zutage. Die Gewlbekappen, mit
schwarzen Strichen versehen, waren etwas heller. An den =Schlusteinen=
fand sich die von der Westhlfte her bekannte Polychromie der brigens
auerordentlich reizvollen Skulpturen und eine ornamentale Bemalung
der =Rippen= in der Nhe des Gewlbeschlusses. Ferner eine rtliche
Tnung der Fensterleibungen. Auerdem waren aber =einzelne Partien= der
plastischen Wanddekoration, z. B. Statuen mit zugehrigen Baldachinen
und Rckwandflchen (Abb. 47), farbig behandelt, je nachdem wohl von
den Patrizierfamilien, welche in den entsprechenden Jochen ihre Grber
und Totentafeln besaen, eine Stiftung dazu stattgefunden hatte. Daher
erwiesen sich einzelne Baldachine =reich polychromiert= und vergoldet,
whrend ihre Nachbarn den =schlichten Steinton= zeigten.

An =Wandmalereien= wurde zunchst eine an die Restaurierung von 1657
erinnernde =Tafel= ber dem Kaiserchrlein und ein =Veronikatuch=
dortselbst aufgedeckt, bei welch letzterem die ursprnglich wohl
vorhandenen Engel in die Apostel Petrus und Paulus umgewandelt waren,
ferner figrliche =Fragmente= an der nrdlichen und sdlichen Sakristei,
im Dreiknigschor und hinter dem Muffelaltar sowie Teppichmuster beim
Tucheraltar und dem sdwestlichen Chorpfeiler. Die Restaurierung all
dieser Bildreste beschrnkte sich auf das Notwendigste. Es wurde der
archologische Bestand mglichst erhalten und ber ein vorsichtiges
Austupfen der weien Flecke innerhalb der farbigen Flchen nicht
hinausgegangen. Die Fragmente behielten ihren Charakter als solche bei.

Weitere grere =Wandmalereien= zeigten sich bei den Tucherschen
Chorsthlen. ber dem ersten westlichen Stuhl kam nach Wegnahme des
Kulmbachschen Bildes eine =Kreuzschleppung= von 1473 (Gedchtnis
der Frau Barbara Steinlinger) zutage, von welcher, so schlecht sie
auch erhalten war, ein grerer Teil, eine isometrische Darstellung
der Stadt Jerusalem, von der Wand auf Leinwand abgezogen werden
konnte. Merkwrdigerweise fand sich darunter eine =zweite= frhere
=Kreuzschleppung=, ebenfalls ein Steinlingersches Gedchtnis, allerdings
in noch schlechterem Zustande vor; es gelang jedoch auch hier einige
Teile, hauptschlich Kpfe, abzuziehen und so zu erhalten.

Als in besserem Zustande erwiesen sich die Wandbilder beim Tucheraltar,
nmlich eine =Pilgersttte= und mehrere =Heiligenfiguren=. Den
interessantesten Fund bildeten aber die in der Farbe auffallend gut
erhaltenen =Malereien aus der Apostelgeschichte= (Abb. 106), welche
hinter dem Petrusaltar zum Vorschein kamen. Da dieser Altar mit seiner
alten Mensa nicht versetzt werden konnte, so muten auch hier die
Bilder von der Wand abgezogen werden. Sie wurden auf eine Mrtelschicht
gebracht und hinter dem Muffelaltar aufgestellt. Das gleiche geschah
mit dem erwhnten in l gemalten Pilgerbild. Die Restaurierung fast
aller Wandmalereien fhrte Kunstmaler Pfleiderer aus. Die Abendmahl- und
lbergdarstellung hinter dem Tucheraltar, ein lgemlde aus dem Jahre
1423 wurde unter Preisgabe einer schlechten bermalung vom Jahre 1627
durch Konservator =Mayer= restauriert.

Neben so erfreulichen Funden frderte das Abschaben der Tnche aber
auch wieder manche =bauliche Schden= zutage. Namentlich im romanischen
Mauerwerk, sowohl beim Brauttor wie beim Dreiknigschor, fanden sich
grere =Hohlrume=, die die Tragfhigkeit der Mauer schwchten und
geschlossen werden muten. Offene Lagerfugen waren an vielen Stellen
zu verdichten. Immerhin waren im Ostchor lange nicht so eingreifende
Schden vorhanden wie in der Westhlfte, aus welcher eine Hauptaufgabe,
die Erneuerung der jetzt zur Ostchorrestaurierung zugezogenen
=Vierungspfeiler=, noch zu lsen war. Eine Untersuchung der Fundamente
dieser Pfeiler sowie des Baugrundes fhrte nicht zu Bedenken. Die
Bodenuntersuchung ergab mittelgroben trockenen Sand am Dreiknigsportal
auf 9 m Tiefe, zwischen den Vierungspfeilern auf 4 m und am sdlichen
Turm auf 57 m, so da sich fr die nach der Tradition stattgehabte
Fundierung des letzteren auf Pfhlen keine Besttigung ergeben hatte.
Es konnte somit die Auswechselung am =nrdlichen Pfeiler= nach dem
frher beschriebenen Plane innerhalb der Eisenarmierung beginnen,
nachdem vorher die benachbarten Bden abgebolzt und die auf denselben
lastenden durch Balkenlcher, groe Risse und offene Fugen geschwchten
Mauern instand gesetzt worden waren. Bei den Auswechselungen war grte
Vorsicht erforderlich. Durch Hebelbertragung vergrernde Zeigertafeln
sollten jede Bewegung anzeigen. Auf Steinmaterial und Mrtelmischung
wurde alle Sorgfalt verwendet und von den notwendigen neuen etwa 300
Quadern, die der Mrtelerhrtung wegen in mglichst groen Abstnden
eingesetzt wurden, kam tglich nur ein Stck zur Auswechselung. Trotzdem
trat eines Tages eine Bewegung in der Mittelschiffmauer ein, welche
durch weitere Abbolzungen und Ausmauerungen zur Ruhe gebracht wurde. Der
Zustand des =Pfeilerkernes=, welcher jetzt vollstndig erkannt werden
konnte, erwies sich noch schlechter als man vermutet hatte, soda keine
der angewendeten Vorsichtsmaregeln htte entbehrt werden knnen. Im
Juli 1905 waren die Arbeiten am nrdlichen Pfeiler beendet.[VI]

  [VI] Unterdessen ist ber diese baulichen Arbeiten in der Zeitschrift
       fr Bauwesen 1908, S. 529 ff. eine mit ausfhrlichen Zeichnungen
       versehene Abhandlung des Architekten Professor =Otto Schulz=
       erschienen.

Nach den gewonnenen Erfahrungen und dem Ergebnis der unterdessen
stattgehabten weiteren Untersuchungen am =sdlichen Vierungspfeiler=
lie sich die vollstndige Erneuerung auch dieses Pfeilers, der bereits
im Sommer armiert worden war, nicht umgehen. Es wurde daher ungesumt
nach der Abnahme der Kanzel und der Herstellung der ntigen Abbolzungen
mit der Auswechselung begonnen, deren Fertigstellung erst im Juni 1906
zu erwarten war. Zugleich fand eine Instandsetzung der ganz zerrissenen
und durch mehrfache Erweiterungen der Orgel in ihrer Strke verringerten
Westwand statt, welche schon vor einigen Jahren mehrfach verschlaudert
worden war.

Von archologischem Interesse ist es, da die beschriebenen baulichen
Ausbesserungen nebenbei zur Entdeckung der Reste von romanischen
=Rundfenstern= im nrdlichen Querschiff und von vielen romanischen
=Profil=- und =Zahnschnittsteinen= fhrten, welch letztere beim
gotischen Umbau in der Giebelwand, auch an einer Stelle in einem
freistehenden Pfeiler, verwendet worden waren. Soweit es mglich war,
wurden solche Steine nicht mehr verputzt, sondern sichtbar belassen.
Unterhalb des Pfinzingchrleins fand sich eine Begrbnissttte.

Neben diesen eigentlichen Bauarbeiten, deren Tempo aus
Sicherheitsgrnden bei den Vierungspfeilern nicht beschleunigt
werden konnte und die infolgedessen zwei Jahre beanspruchten,
nahmen die brigen Instandsetzungsarbeiten an den dekorativen und
Mobiliargegenstnden einen ungestrten Fortgang.

Viele Arbeit verursachten die rings an den Chorwnden angebrachten
steinernen =Baldachine= und =Konsolen=, deren zierliche Einzelheiten
vielfach zertrmmert waren (Abb. 47). Es fehlten grtenteils die
Riesenspitzen, viele Ornamente und die Strebepfeiler. Die zu den
Baldachinen gehrenden Postamente zeigten an den Ecken genau so,
wie dies bei den Postamenten der zweiten Figurenreihe der ueren
Strebepfeiler der Fall ist, Sulenbasen. Da die Baldachinenden nun
unterhalb eine glatte Flche ohne abschlieendes Glied (Rosette oder
Profil) hatten, so lag bei oberflchlicher Betrachtung der Gedanke
nahe, da ursprnglich freistehende Sulenschfte Basis und Baldachin
verbanden, wie dies besonders in der franzsischen Gotik vorkommt.
Diese auch von Kunsthistorikern ausgesprochene Annahme erwies sich
jedoch als irrig. Denn abgesehen davon, da in vielen Fllen schmale,
oft dreieckige oder viereckige Postamente zu breiten, vieleckigen
Baldachinen gehren, trifft da, wo Baldachin und Postament in der
Grundform bereinzustimmen scheint, die vom Baldachin aus gefllte
Senkrechte fast nie auf die Basis. Da die Basen gewissermaen als
Rckbleibsel des hier vermuteten Entwicklungsganges anzusehen sind, war
nicht zweifelhaft. Schlechte Ergnzungen in Holz aus der Barockzeit
wurden bei der Restaurierung der Baldachine beseitigt, jedoch in der
Sammlung aufbewahrt.

Sodann kam die Restaurierung der groen Anzahl von =Statuen= aus
Holz, Stein und Ton an die Reihe, welche an den Pfeilern und Wnden
des Ostchores angebracht sind. Die =Kreuzigungsgruppe von Veit Sto=
(Abb. 55, 56, 57), die den bisherigen Heideloffschen Hauptaltar
schmckte, wurde, da dieser nicht mehr aufgestellt werden sollte,
allein oberhalb des Altares angebracht. Bei ihrer Restaurierung kam
unter der Heideloffschen Bronzierung und einer dicken Farbkruste die
alte Polychromie, zum Teil sogar noch sehr gut erhalten, zum Vorschein.
Sehr erfreulich war es auch, als innerhalb des Christuskrpers eine
Papierurkunde gefunden wurde, durch welche die Autorschaft des Veit
Sto bei dem 1526 geschaffenen Kunstwerke besttigt wird. Diese Urkunde
befindet sich nach stattgehabter photographischer Aufnahme auch heute
noch an ihrer alten Stelle.

[Illustration: Abb. 47. Statue des Apostels Paulus mit Baldachin und
Konsole im Ostchor.]

Die brigen =Statuen= im Ostchore sind teilweise von den
Patrizierfamilien an ihren Platz gestiftet und stehen zu den Stiftern
als Patrone in nherer Beziehung; zum anderen Teil sind sie aber ganz
zufllig an ihren Standort gelangt und waren ursprnglich an anderer
Stelle, ja in anderen Kirchen angebracht. Da man dabei mit den
manchmal vorzglichen Kunstwerken nicht glimpflich umgegangen ist,
zeigte der ruinse Zustand der meisten Statuen, denen Hnde, Arme und
Fe sowie die beigegebenen Attribute oft abgeschlagen, auch hie und
da willkrlich abgendert waren. Wenn man, wie es in einer Rechnung
des 17. Jahrhunderts heit, bei der stattfindenden Restauration dem
Hafner Auftrag erteilte, die Gtzen mit neuen leimenen (aus gebranntem
Ton) Hnden zu versehen, so konnte dies den Wert der Kunstwerke nicht
erhhen; es waren oft rohe Naturabgsse, welche weder in der Gre, noch
in der Bewegung zu dem geschndeten Kunstwerk paten.

Bei der gegenwrtigen Restaurierung wurde der Grundsatz befolgt, da,
wo nach Abnahme spterer Zutaten bei einer wertvollen Figur, ber
deren dargestellte Person kein Zweifel bestand, eine knstlerische
Ergnzung einwandfrei erschien, den sthetischen Genu durch die
letztere wieder zu ermglichen. Bei minderwertigen Statuen oder da, wo
durch eine nderung archologische Zweifel htten hervorgerufen werden
knnen, wurde davon abgesehen. An allen Statuen kamen die ursprngliche
Polychromie, dazu die Damastmuster der Gewnder zum Vorschein und
fanden sorgfltige Restaurierung, wobei allerdings auch sptere farbige
bermalungen, welche zum Teil mit alten Nachrichten belegt waren,
beachtet wurden.

Am ersten freistehenden Pfeiler gegen Norden befindet sich eine
auerordentlich schne =Madonnenstatue=, aus Birnbaumholz geschnitten
(Abb. 97), innerhalb eines Gehuses, dessen steinerne Konsole und
Baldachin noch vorhanden sind, whrend die =1519= von Hans von Kulmbach
gemalten Flgel fehlen. Ihre Entdeckung scheint in den Nummern 254 und
255 (Joseph und Zacharias) der alten Pinakothek in Mnchen gelungen zu
sein. Die Madonna, unter deren Fen zwei kleine Engel eine Mondsichel
halten, whrend zwei andere ihr eine Krone aufs Haupt setzen, trgt auf
beiden Hnden das Jesuskind. Diese Statue, welche selbst die spteren
Zeiten von der bertnchung ausschlossen, zeigte noch die ursprngliche
Polychromie; die Ergnzung konnte sich auf einen fehlenden Fu des
Christuskindes beschrnken.

Als grber in der Ausfhrung erweist sich die am gegenberstehenden
rechten Pfeiler befindliche allerdings frhere steinerne =Madonna=,
deren hlzernes Christuskind nachtrglich, und zwar viel spter,
aufgesetzt worden ist. Der bekrnende Baldachin, unten von Stein, im
oberen Aufsatz von Holz, zeigt sehr zierliche Ornamentformen.

Der Befund und die Restaurierung der brigen Statuen an der Innenseite
der Ostchorwand unter den wiederhergestellten Baldachinen soll
nachstehend, an der Nordseite bei der groen Sakristei beginnend,
beschrieben werden.

Unter dem ersten Baldachine findet sich eine Statue aus Stein, offenbar
der Apostel =Jakobus= der ltere mit der Pilgertasche. Schon auf einer
Zeichnung des 18. Jahrhunderts ist jedoch auf seiner linken Hand ein
nachtrglich aufgesetztes Kirchenmodell zu sehen. Vielleicht wollte man
einen Sebaldus daraus machen. Die heutige Restaurierung beschrnkte sich
auf die Ergnzung des Pilgerstabes.

Die hlzerne Statue des =Salvator= mit bewegtem Faltenwurf und
ausdrucksvollem Gesichte erforderte ebenfalls, abgesehen von einer
sorgfltigen Reinigung und Auffrischung der Polychromie, nur geringe
Restaurierung. Die Statue wurde 1657 nach den Tucherschen Rechnungen mit
einem steinernen Jakobus aus dem Werkhaus in der Carthausen nach St.
Sebald geschafft. Der in Kupfer getriebene Heiligenschein stammt aus
jener Zeit.

hnlich im Charakter, aber noch viel ausdrucksvoller und gewaltiger auch
in dem lebhaft flatternden Faltenwurf, ist die ebenfalls hlzerne Statue
des =Andreas= von =Veit Sto= (Abb. 89). Ihre Detailbehandlung erwies
sich nach der Abnahme der Tnche sowohl in den realistisch behandelten
faltenreichen Fleischteilen des Greises wie bei den Haaren als so fein,
da von jeder bermalung abgesehen und nur eine zarte Lasierung, wie sie
auch ursprnglich vorhanden gewesen zu sein schien, angewendet wurde,
welche der Statue im allgemeinen den Holzcharakter wahrte. Einige Teile
der Fe und Hnde waren zu erneuern.

Die nunmehr folgende =Johannisstatue= (Abb. 90) ist von gebranntem Ton
und aus mehreren Stcken mit horizontalen Fugen zusammengesetzt. Sie
stellt den Apostel mit dem Giftkelch in der linken Hand dar, whrend
die Rechte eine segnende Stellung einnimmt. Beide Hnde sowie Teile
der Gewandung waren zu erneuern, wobei vorhandene Reste und eine alte
Aufzeichnung ber die ehemalige Stellung Aufschlsse geben konnten.

Gegenber steht die derb ausgefallene steinerne Statue =Johannes des
Tufers=. Sie war in mehrere Teile zerbrochen, welche sich jedoch, ohne
da bedeutende Ergnzungen ntig waren, wieder zusammensetzen lieen.
Diese beiden Johannes zu beiden Seiten des Tucherfensters scheinen den
ersten plastischen Schmuck der Tucherschen Begrbnissttte gebildet
zu haben, welchem sich dann 1657 die vorbeschriebenen drei Statuen
anschlossen.

Die folgende steinerne kleinere =Apostelstatue=, welche in Gre
und Charakter zu den Aposteln im Mittelschiff pat, hatte nur eine
linke Hand, die ein Buch trgt. In der rechten Hand trug sie im 17.
Jahrhundert ein mchtiges hlzernes Kreuz, doch war diese willkrliche
Zutat nicht mehr vorhanden. Die Hand wurde ergnzt, ohne da etwa durch
Zugabe eines Attributs eine bestimmte Person gekennzeichnet worden wre.
Vermutlich ist die schne Figur eine Petrusstatue.

Die hinter dem Tucherschen Altar befindliche dritte =Johannesstatue=
(der Apostel) ist von Holz und ohne Zusammenhang mit ihrer Umgebung. Sie
lt sich auf den ersten Blick als zu einer Kreuzigungsgruppe gehrig
erkennen. Beide Hnde fehlten und waren zu erneuern.

Die nchsten beiden Statuen bilden eine Gruppe: =Verkndigung=. Am
Sockel des Engels befindet sich das Starksche, an dem der knienden Maria
das Imhoffsche Wappen. Die Ausbesserung der Polychromie hat sich nur auf
Kleinigkeiten beschrnkt, so da z. B. die Bemalung der Gesichter als
durchaus ursprnglich anzusehen ist. Das Zepter des Engels ist erneuert.

Die beiden kleinen Statuen oberhalb des Sakramentshuschens sind von
Stein. Die rechts befindliche stand bis jetzt in einer Nische in der
Ecke hinter dem Muffelaltar, whrend beim Sakramentshuschen sich die
nicht besonders schne Tonfigur befand, welche jetzt an der Wand vor dem
Muffelaltar aufgestellt ist. Der Grund fr die vorgenommene Umstellung
liegt in der schon bei oberflchlicher Betrachtung erkennbaren
bereinstimmung der beiden offenbar ein Ehepaar darstellenden Statuen.
Bei der weiblichen Statue waren die Hnde verletzt, bei der mnnlichen
waren die Unterarme vom Hafner ergnzt. Beide machten einen jmmerlichen
Eindruck. Auf ihren Huptern fanden sich die Spuren ehemals vorhandener
Kronen. Beide Figuren waren an ihrem unteren Ende in Stuck um 25 cm
verlngert. Beim Abnehmen der Stuckmasse traten die alten steinernen
Fe zutage. Die Frage nach den dargestellten Persnlichkeiten schien
sich unter Beachtung aller Umstnde (Vorhandensein hnlicher Statuen
in St. Sebald und St. Lorenz) mit =Heinrich und Kunigunde= beantworten
zu lassen. Daher hat sich der Unterzeichnete bei der Instandsetzung
fr eine Ergnzung in diesem Sinne entschlossen. Whrend die Kaiserin
in die rechte Hand das Zepter erhielt, wurde dem Kaiser das Modell des
Bamberger Doms gegeben (Abb. 48, 49).

[Illustration: Abb. 48. Statue des Kaisers Heinrich vor der
Restaurierung.]

[Illustration: Abb. 49. Statue des Kaisers Heinrich nach der
Restaurierung.]

Das nchste Joch in der Mittelachse der Kirche weist die steinernen
Statuen des =Petrus= und =Paulus= auf, welche geringe Ergnzungen an
den Attributen erforderten. Unterhalb des Paulus ist das Wappen der
Nrnberger Familie Usmer angebracht.

Daneben stehen zwei groe hlzerne Statuen, ein =Thomaschristus= und
eine klagende =Maria= (Abb. 91, 92). Unterhalb des ersteren fand sich
auf der Konsole unter dem Verputz das Zeichen des =Veit Sto=; auf der
Konsole der Maria die Jahreszahl 1495. Die Statuen bilden offenbar mit
den darunter befindlichen Vesperbildern von Veit Sto (Abb. 95) eine
gemeinsame Gruppe. Beim Thomaschristus fehlte die linke Hand und die
Hlfte eines Fues, auch bei der Maria waren Ergnzungen erforderlich.
Beide bertncht vorgefundenen Statuen haben ihren Holzcharakter wieder
erhalten. Bemerkenswert erscheint, da bei der Maria der ber den
linken Arm hngende Gewandzipfel nachtrglich angesetzt ist. Nimmt man
denselben weg, so weist die Komposition des Faltenwurfs an dieser Stelle
eine groe Leere auf.

Die nun folgenden kleinen Statuen sind ebenfalls von Holz, stammen aber
sowohl wegen ihrer Gre als wegen ihrer flachen Ausdehnung aus einem
der vielen ehemaligen Altre der Kirche. Sie stellen einen =Papst=
und einen =Bischof= dar; eine genaue Feststellung konnte mangels
weiterer Attribute nicht erfolgen. Erneuerungen bei den Hnden und an
den Gewndern waren erforderlich; auch die Pontifikatstbe wurden neu
beigegeben.

Die folgende Statue hinter dem Muffelaltar zeigt ebenfalls einen nicht
nher feststellbaren =Bischof= und ist von Stein. Sie befand sich bis
jetzt rechts vom Hallerschen Fenster, und an ihrer Stelle war, wie
oben erwhnt, der sogenannte Kaiser Heinrich aufgestellt. Auch bei
der nchsten =Statue aus Ton= (bis jetzt am Sakramentshuschen an
Stelle Kaiser Heinrichs) lt sich die dargestellte Persnlichkeit
nicht feststellen. In Haltung und Ausfhrung macht die Figur keinen
glcklichen Eindruck, jedoch drfte dies hauptschlich auf die in
frherer Zeit ergnzten leimenen Hnde zurckzufhren sein, von deren
Entfernung abgesehen wurde.

Um so interessanter sind die beiden folgenden, wohl auf einen und
denselben Meister zurckzufhrenden Statuen =Erasmus= (Abb. 93) und
=Sebaldus=. Der erstere ein Bischof, trgt in der rechten Hand einen
Haspel, das Werkzeug seines Martyriums, und in der linken ein Buch.
Sebaldus, als Pilger dargestellt, trgt ein eigentmliches Kirchenmodell
mit einem Dachreiter. Nachtrglich und unorganisch war demselben
ein Turm beigefgt, der bei der Restaurierung weggelassen wurde. Der
abgeschlagene Pilgerstock wurde ergnzt. Erwhnenswert scheint, da das
Wappen unter dem Erasmus, ursprnglich Haller-Tetzel, durch bermalung
und Aufsetzen eines Lmmchens zu einem Schrstab-Groischen Wappen
umgendert ist.

Die nchsten Statuen von Stein, =Maria= (Abb. 94) und =Elisabeth=,
bilden wieder eine Gruppe: die Behaimsche =Heimsuchung=. Bei der
Elisabeth waren beide Hnde zu erneuern, im brigen waren nur einige
Ergnzungen an den Gewndern und bei der Maria Ergnzungen an den Hnden
herzustellen.

Hieran schliet sich die Volckamersche =Verkndigung=, zwei groe
Statuen von Stein; der Engel, der die fehlenden Hnde erhielt, von
denen die linke Hand das Zepter trgt, und Maria, bei welcher ebenfalls
einige, jedoch geringe Ergnzungen vorgenommen werden muten.

Ferner befinden sich unterhalb des Gesimses noch zwei kleinere Statuen
von Stein: ein Behaimscher =Thomaschristus= und eine =Matrone=,
letztere mit dem Volckamerschen Wappen. Neben derselben konnten betende
Stifterportrts aufgedeckt werden.

Auch die steinernen =Vesperbilder= von =Veit Sto= (Abb. 95) machten
eine Reihe von Ausbesserungen bei verstmmelten Hnden, Gewandteilen
und Schwertern erforderlich. Bei der =Sebaldusstatue= (Abb. 86) am
nrdlichen Vierungspfeiler konnte sich die Restaurierung auf eine
Ergnzung des Pilgerstabes beschrnken.

Im brigen ist noch zu erwhnen ein hlzerner kleiner =Thomaschristus=,
der seinen Platz, weil er sich an keiner anderen Stelle geeigneter
anbringen lie, von jeher auf dem Petrusaltar gefunden hat. Bei dieser
Figur, ebenso wie bei der schnen =Erzstatue Marias= von =Stephan Godl=
(Abb. 98), beschrnkte sich die Restauration auf eine Reinigung.

Das =Sakramentshuschen=, eine Stiftung von Muffel und Groland (Abb.
50), ist in seiner architektonischen Gliederung auerordentlich
zierlich und reich ausgestattet. Leider waren viele Skulpturteile
verloren gegangen oder zertrmmert und daher mannigfache Ergnzungen
erforderlich. Die vollstndige Polychromie fand sich nach Entfernung
eines lfarbanstriches vor und wurde aufgefrischt. In der Nische, welche
mit dem Standort des Thomaschristus korrespondiert, fehlt die wohl eine
klagende Maria darstellende Statue.

Beim Schrein des =Petrusaltares= (Abb. 53, 54) waren sowohl die
Skulpturen innerhalb des Schreines und die Predella wie auch die nach
Augsburg zur Restauration gesendeten zwlf schnen Flgelbilder mit
brauner lfarbe gleichmig berstrichen. Beim Abnehmen der letzteren
kam an den Skulpturen die Polychromie in guter Erhaltung zum Vorschein,
so da z. B. das Glanzgold nur ganz weniger Ausbesserungen bedurfte. Die
Mitra, die von zwei Engeln getragen wurde, fehlt. Leider fanden sich
auch die sicherlich mit wertvollen Malereien geschmckten Predellatren
nicht mehr vor.

Im Herbst 1905 wurde auch die =nrdliche Sakristei= instand
gesetzt. Unter der Tnche zeigte sich bald die alte Polychromie,
welche aufgefrischt wurde. Leider hat die Sakristei, die mit ihrem
durch eine durchbrochene Treppe zugnglichen Obergescho und dem
=Kaiserchrlein= eine eigenartige reizvolle Bauanlage bildet, frher
viele strende Umnderungen erfahren. Die ffnungen der Treppenwand
waren wegen baulicher Mngel vermauert und htten ohne anderweitige
Sttzkonstruktionen nicht geffnet werden knnen. Eine Tr fhrt
jetzt von der Strae in den ehemals abgeschlossenen intimen Raum. Die
=Piscina=, frher von der Sakristei und vom Chor aus benutzbar, ist mit
ihrem Abzugsgraben noch vorhanden, dient aber jetzt, zum Teil vermauert,
als Nische fr einen Gasofen. Die alte ehemalige Ofennische wurde an der
Ostwand entdeckt und als Bcherschrank verwendet.

[Illustration: Abb. 50. Sakramentshuschen im Ostchor.]

An Stelle der kleinen alten Fenster fanden sich auf der Nordseite groe
Fenster vor; eine weitere in die stliche =Altarnische= gebrochene
Fensterffnung nimmt jener alle Stimmung. Andererseits aber hatte die
Sakristei zu diesen nderungen durch ihre Feuchtigkeit und dumpfe Luft
Veranlassung gegeben. Rekonstruktionen waren also nicht veranlat und
die neueren Arbeiten beschrnkten sich daher, abgesehen von einigen
ntigen Auswechslungen am Mauerwerk und dem Verdichten vieler offener
Lagerfugen, auf die Herstellung einer Vertfelung und eine Verbesserung
der Ofenanlage.

Im Chor fanden sich die =Sthle= Hans Tuchers, Sebald Schreyers und
mehrere andere alte Sthle, welche noch in der Mitte des vorigen
Jahrhunderts vorhanden waren, leider nicht mehr vor. Die alten
=Handwerkersthle= (Abb. 125) erfuhren ebenso wie die =Tucherschen
Renaissancesthle= eine grndliche Reparatur, wobei die an den letzteren
angebrachten zwei kleinen Schnitzereien, =St. Sebald= vom ehemaligen
Schreyer-Stuhl (Abbildung auf dem Titelblatt) und ein =Wappen= vom
Grundherrnstuhl, abgenommen und neben den Hauptaltar versetzt wurden.
Heideloffsche Seitenwangen an verschiedenen alten Sthlen wurden
entfernt und durch einfache, mglichst indifferente Formen ersetzt.

Besonders schwierig gestalteten sich die Arbeiten an den =gotischen
Chorsthlen= (Abb. 121, 122, 123), die sehr reich geschnitzt waren und
jetzt noch Reste von auerordentlich wertvoller figrlicher Plastik
aufweisen. Kein Mobiliargegenstand hatte sich aber, von einzelnen
Statuen abgesehen, in einem so zertrmmerten, zusammengeflickten
und wieder vernachlssigten Zustand gefunden wie diese Sthle.
Zunchst muten die Originalteile festgestellt werden, dann wurde
eine Instandsetzung vorgenommen, bei der die fehlenden Teile in ihren
Hauptformen in Eichenholz ergnzt, aber nicht im Detail ausgeschnitzt
wurden. Es sollte sich die Restaurierung innerhalb des wiedergewonnenen,
wrdigen allgemeinen Eindruckes vom alten Original absondern, so da
besonders bei den Figuren keinerlei Vermischung mit neueren Zutaten
auftrat.

Das =Sebaldusgrab= wurde, abgesehen von einigen kleinen Ausbesserungen
(Ergnzung von fehlenden silbernen Rosetten), einer sorgfltigen
Reinigung unterzogen.

Die beiden barocken =Seitenaltre= wurden grndlich instandgesetzt und
ausgebessert, wobei auch die Malereien auf der Rckseite wieder zur
Geltung kamen. War doch sogar das Lorbeerlaub aus Zinn an den Sulen des
Tucheraltares (Abb. 51) in frheren Zeiten in Verlust geraten.

Die in der Augsburger Galerie stattgehabte Restaurierung der wertvollen
=Tafelbilder=, welche im Mai 1906 wieder an ihrem alten Platze
aufgestellt werden konnten, war vom schnsten Erfolge begleitet. Auer
einer sachverstndigen Reinigung hat durch die berufene Hand des
Konservators =Mayer= eine Abnahme vieler strender bermalungen zum
Teil in ziemlichem Umfange stattgefunden, so da die ursprngliche
Farbenwirkung in berraschender Weise wieder zur Geltung gelangt ist
(Taf. XV).

Eine der hauptschlichsten Arbeiten im Ostchor wurde zu Anfang des
Jahres 1906 begonnen: der Umbau der =Hauptorgel=.

Die bisherige Hauptorgel von St. Sebald (Abb. 126) ist eine der ltesten
und wohl auch interessantesten Bayerns. Sie wurde im Jahre 1444 von
Heinrich Traxdorf erbaut und war im Ostchor ber dem Trennungsbogen
gegen das sdliche Seitenschiff angebracht. Sie bestand auer aus einem
Podium, welches auf einem hlzernen vorgekragten Gewlbe ruhte und in
der Mitte einen kleinen Pfeifenprospekt (sogenanntes Positiv) trug, aus
dem eigentlichen Orgelwerk, das fast die ganze Giebelwand bedeckte und
von einem zierlichen Gehuse umschlossen war. Der Blasebalgraum befindet
sich hinter der Giebelmauer. Die Verbindung zwischen diesem Raume und
dem Orgelpodium bildet eine schmale Tr in der Giebelwand. Vermutlich
hatte die alte Orgel schon bemalte Flgel, die zum Schutze der Pfeifen
dienten und geffnet werden konnten. Die =Konsole=, welche die mittlere
Endigung des Holzgewlbes unterhalb der Orgel bildet, hat die Form einer
Teufelsfratze mit beweglichem Kiefer, der whrend des Orgelspieles
in Bewegung gesetzt werden konnte. Die beiden seitlichen Konsolen
zeigen ein dnisches und ein franzsisches =Wappen=, die wiederholt
in Verbindung mit dem Kirchenpatron in St. Sebald angewendet worden
sind. Rings um das Orgelpodium fanden sich zwischen den herabhngenden
Mawerken reizvolle in Holz geschnitzte =Figuren=, darunter zwei Herolde
mit den beiden Nrnberger Wappen. Die brigen stellen Ritter, Frauen
und Bauern dar und sind zum Teil sehr humorvoll gehalten. Die ganze
Orgel ist aus Eichenholz hergestellt. Zu beiden Seiten waren auf der
Wand teppichartig grozgige =Ornamente= in grnem Ton aufgemalt und
innerhalb derselben =musizierende Engel= dargestellt.

Im Laufe der Jahrhunderte hat die Orgel freilich mannigfache
Vernderungen erfahren und zwar in den Jahren 1572, 1658, 1691 und
1827. Im Jahre 1658 erhielt sie neue Malereien von Daniel Preiler
auf den wohl schon vorhandenen Flgeln, und zwar eine Reihe Portrts
der Pfarrer und Kirchenpfleger, aber auch von Stadtmusikern und ihren
Dirigenten. Die gesteigerten musikalischen Ansprche hatten wiederholt
Verbesserungen und Erweiterungen des Orgelwerkes zur Folge, so da
allmhlich auch das Gehuse eingreifenden Vernderungen unterworfen
worden war, wodurch die ursprngliche Form desselben sehr beeintrchtigt
wurde. Unter Heideloff wurde das Podium nach vorn sowohl wie nach
beiden Seiten bedeutend erweitert, um fr einen greren Sngerchor
Platz zu gewinnen. Die schnen Wandmalereien waren bertncht und durch
Balkenwerk verbaut worden.

[Illustration: Abb. 51. Partie aus dem Ostchor mit Tucheraltar,
Sakramentshuschen und Petrusaltar.]

Beim Abbruch der Orgel ergab sich glcklicherweise aus der genauen
Aufnahme und dem Vergleich der einzelnen Teile die Mglichkeit, das
=ursprngliche Orgelgehuse= von 1444 mit vlliger Sicherheit wieder
herzustellen. Da aber das vielfach ausgebesserte Orgelwerk den
heutigen Ansprchen nicht mehr gengte, erscheint begreiflich. Die
Kirchenverwaltung entschied sich daher fr Beschaffung eines neuen
Orgelwerkes und billigte auf Grund eines Gutachtens von Hauptprediger
Dr. Geyer den Vorschlag des Unterzeichneten, das alte Gehuse, von
allen spteren Zutaten befreit, zu verwenden und in Verbindung mit
den Wandmalereien wieder vollstndig instandzusetzen. Die Aufgabe,
26 neue Register in dem engen Raum unterzubringen, war nicht leicht,
und ein Hinausschieben des ganzen Gehuses um 15 cm zur Erlangung
einer greren Tiefe konnte nicht umgangen werden. Das Orgelwerk
selbst wurde durch Orgelbaumeister =Strebel= gebaut, whrend smtliche
Instandsetzungsarbeiten des Gehuses und das neue Positiv mit den
seitlichen Brstungen in der Werksttte der Bauhtte hergestellt wurden.

Auch die =Wandmalereien= zu beiden Seiten der Orgel, die in
berraschender Weise zum Vorschein gekommen waren, erfuhren wieder eine
Erneuerung.

Bei den Vernderungen, sowohl bei den Statuen wie an Reliefs und
sonstigen Skulpturen, welche notwendigerweise vorgenommen werden
muten, hat in den meisten Fllen vorher eine photographische Aufnahme
stattgefunden, so da jederzeit Rechenschaft ber den frheren Zustand
gegeben werden kann. Die abgenommenen Ergnzungen selbst finden sich
in der =Bausammlung= der Kirche aufbewahrt, die auch die gefertigten
Hilfsmodelle und Plne enthlt. =Sepulkren= fanden sich in den Mensen
der Altre an verschiedenen Stellen, jedoch in bereits erffnetem
Zustande; zunchst im Hauptaltar mit einer Konsekrationsurkunde
von 1379, ferner in der Mensa des Halleraltares und der sdlichen
Sakristei. Hier waren die Urkunden nur mehr als Reste vorhanden. Noch
schlechter war der Zustand eines Holzkstchens mit vermoderter Einlage
im Petrusaltar; im Tucheraltar fanden sich nur geringe Fragmente. Nach
Feststellung der Urkunden und photographischer Aufnahme der Funde lie
das Pfarramt die letzteren wieder in ihre Hhlungen einschlieen.

Bis zum Juli 1905 war die gefhrliche Auswechslung auch des =sdlichen
Vierungspfeilers= glcklich beendet, und es konnte nach Entfernung der
Zwischenwnde die ganze Kirche dem Gottesdienste wieder bergeben werden.

Bei den mannigfaltigen und auf verschiedenen Gebieten gelegenen
Aufgaben, welche die 3-1/2jhrige Wiederherstellung mit sich brachte,
konnte sich der Unterzeichnete der Untersttzung der schon genannten
tchtigen Mitarbeiter wie auch anderer Fachleute erfreuen.

Das Verhltnis der Bauleitung zur protestantischen =Kirchenverwaltung=,
unter der Vorstandschaft von Stadtpfarrer J. =Schiller=, als der
Bauherrin, und zum Bauausschu, als deren Vertretung, war ein durchaus
glckliches.

Der =Bauausschu=, welcher in vielfachen Sitzungen die Berichte und
Vorschlge des Bauleiters entgegennahm, hatte leider mitten in der
Arbeit am 2. Juni 1905 seinen Vorsitzenden, den Hauptfrderer der
Wiederherstellung, Kirchenrat F. =Michahelles=, 1. Pfarrer an
St. Sebald, verloren. Um ihn, den allverehrten und liebenswrdigen
Mann, dem die Durchfhrung des groen Werkes sowohl durch die
unermdliche Beschaffung der Geldmittel wie durch die sachkundige,
geschickte Leitung =in erster Reihe= zu danken ist, zu ehren, wurde
im sdlichen Seitenschiff seine wohlgetroffene Marmorbste von F.
Zadow (eine Stiftung von Justizrat Hilpert) aufgestellt. Mitglieder
des Bauausschusses waren die Herren Baumeister und Privatier G. Goll,
Magistratsrat H. Hberlein, Grohndler A. Heerdegen, Justizrat D.
Hilpert, Kunstschlosser und Privatier A. Leibold und Fabriksbesitzer J.
Thter. Nach einer kurzen Verwesung des Vorsitzes durch Pfarrer Wunderer
hatte die Leitung des Bauausschusses Stadtpfarrer Dr. Hagen, 1. Pfarrer
an St. Sebald, bernommen und die Arbeiten nach Krften gefrdert und zu
Ende gefhrt.

[Illustration: Abb. 52. Ostchor. Ansicht gegen Westen.]

Bei der Beschaffung der Geldmittel stand dem Kirchenrat Michahelles der
=Verein fr die Restaurierung der Sebalduskirche= zur Seite, in dessen
Ausschu als stellvertretender Vorsitzender Justizrat C. Freiherr von
Kre, als Schriftfhrer Justizrat O. Vollhardt und als Schatzmeister
Kommerzienrat C. Schwanhuer ttig waren.

Die =Mittel= (Taf. XIII) flossen fast vollstndig aus freiwilligen
Beitrgen, bei welchen die Patrizierfamilien an erster Stelle standen.
Auch die Kirchenverwaltung untersttzte die Wiederherstellung,
teils durch grere Beitrge, die sie zur Abstellung der Bauschden
genehmigte, teils zu Zeiten, in denen ein niedriger Kassenstand
vorhanden war, durch Vorschsse.

Allerdings sind die bei der Inangriffnahme der Restaurierung gestellten
Aufgaben an St. Sebald noch nicht alle gelst. Die kostbaren =Gobelins=
(Abb. 132 bis 136) befinden sich auch heute noch in einem traurigen
Zustande. Wohl hat die Restaurierung eines kleinen Stckes gewissermaen
als Probestck durch Frau Irmisch in Mnchen stattgefunden und
berechtigt zu der Annahme, da auch die weiteren Ausbesserungen nicht
wie bisher nur in Paris oder Italien, sondern in Deutschland gemacht
werden knnen. Allein fr diese knstlerische und kostspielige Arbeit
fehlen vollstndig die Mittel. Man mute sich bei der gegenwrtigen
Restaurierung darauf beschrnken, die zerrissenen und zerschnittenen
Stcke notdrftig wieder zu verbinden und mit Borten und Futterstoff neu
zu versehen.

Das gleiche gilt bezglich der wertvollen und prchtigen =Glasmalereien=
im Ostchor (Abb. 107 bis 109), bei denen an vielen Stellen sich von
auen durch die Einwirkungen der Atmosphre eine dicke undurchsichtige
Kruste gebildet hat, whrend die Schwarzlotaufmalung im Innern sich so
abgelst hat, da sie sich mit dem Finger, wie der Kreidestrich auf
einer Schiefertafel, wegwischen lt. Baldige Hilfe tut not, wenn diese
unschtzbaren Kunstwerke nicht zugrunde gehen sollen. Andererseits
mu mit grter Vorsicht dabei zu Werke gegangen werden. Vielleicht
verspricht ein neues Verfahren, welches die Hofglasmalerei Zettler
in Mnchen gerade mit Rcksicht auf die Glasmalereien von St. Sebald
erprobt hat und das in einer durchsichtigen leichten berglasung der
einzelnen Glasstcke besteht, zur Konservierung der Malereien gute
Dienste zu leisten.

Die Frage einer Beleuchtung und Beheizung der Kirche ist wiederholt
beraten, jedoch noch keiner Entscheidung entgegengefhrt worden.

  =Nrnberg=, den 15. Juli 1906.          Prof. J. =Schmitz=, Architekt.


                    5. Nachtrag vom 15. Januar 1912.

Jedes Gebude, auch wenn es noch so solid konstruiert ist, verlangt eine
=Instandhaltung= zur Abwehr der regelmigen Schden, die durch Wind
und Wetter sowie durch andere uere und innere Einflsse hervorgerufen
werden. Je zierlicher die Formen und je eleganter die Konstruktionen
sind, desto grer ist auch die Gefahr einer Beeintrchtigung. Dazu
kommt die bedauerliche Tatsache, da infolge der heute den zahlreichen
Kaminen entstrmenden schwefeligen Gase besonders die Sandsteine in oft
erschreckender Weise angegriffen werden und verwittern, wovon man sich
in Nrnberg allenthalben berzeugen kann.

Die Verwaltung des Vereinigten protestantischen Kirchenvermgens
hat sich denn auch der Einsicht nicht verschlossen, da auch zur
Instandhaltung der Sebalduskirche mit einem regelmigen Baubetrag
gerechnet werden mu, und bringt mit demselben eine Reihe von kleineren
Reparaturen zur Ausfhrung. Auf diese Weise wird es hoffentlich
gelingen, nach und nach auch verschiedene Epitaphien am ueren der
Kirche, an denen Arbeiten bislang noch nicht vordringlich schienen,
die aber allmhlich doch zugrunde gehen werden, vor Verfall zu retten.
Unterdessen ist ein langgehegter Wunsch der Gemeinde in Erfllung
gegangen: die Kirche hat eine =Heizung= erhalten. Diese, die erste
elektrische Kirchenheizung in Deutschland, hat in weiten Kreisen groes
Interesse hervorgerufen (Zentralblatt der Bauverwaltung, Berlin,
1912, S. 58 f.). Aus Rcksicht auf die zahlreichen Kunstschtze der
Kirche, bei denen eine Schdigung durch periodische Erwrmung des
ganzen Luftraumes befrchtet wurde, entschlo man sich zu einer
Fuschemelheizung, die allgemeine Befriedigung gefunden hat. Als ganz
besonders erfreulich mu dabei hervorgehoben werden, da die Erscheinung
des Kircheninnern, abgesehen von einigen kleinen nicht strenden
Holzkstchen, nicht die geringste nderung oder Beeintrchtigung erfuhr.
Sind die Betriebskosten auch vorlufig noch etwas hoch, so besteht doch
die Hoffnung, da mit einer Verbilligung der elektrischen Kraft in
absehbarer Zeit gerechnet werden kann.

[Illustration: TAFEL XIII. Baukosten der Wiederherstellung der
Sebalduskirche. 1885-1906.

Zusammenstellung der einzelnen Arbeiten.

Zusammenstellung der Einnahmen und Ausgaben.

Zusammengestellt bis zum Jahre 1905 von Kirchenrat Michahelles.]

Schwieriger scheint die Frage der =Beleuchtung= der Kirche sich lsen zu
lassen und zwar besonders deshalb, weil die Beschaffung entsprechender,
wrdiger Beleuchtungskrper groe Mittel erfordert. Auch die
Instandsetzung der kostbaren Glasmalereien ist bis zum Erscheinen dieses
Buches aus dem gleichen Grunde zurckgestellt geblieben.

[Illustration: TAFEL XIV. Sebaldusgrab von Peter Vischer.]




                                   IV.

                        Das Inventar der Kirche.

                          1. Altre und Kanzel.


Ausstattungs- und Einrichtungsgegenstnde der Kirche St. Sebald sind so
zahlreich, da man ihr die nun bald 400 Jahre whrende Zugehrigkeit
zum Protestantismus kaum anmerkt. Wesentlich dem konservativen Sinn
der Nrnberger Patrizierfamilien ist es zu danken, da die Kirche noch
heute eine stattliche Reihe ansehnlicher Werke birgt. Selbstverstndlich
gab es auch Zeiten, wo das Interesse an der Vergangenheit und ihren
Zeugen erlahmte und manches kostbare Stck verloren ging. Die
Kirchenreformation im 16. Jahrhundert hatte die Beseitigung einer groen
Anzahl von Altren verlangt und die nach der Mitte des 17. Jahrhunderts
durchgefhrte Neuausstattung im Barockstil kostete ebenfalls mehreren
historisch und vielleicht auch knstlerisch bedeutenden Gegenstnden die
Existenz.

Die Vernderung des Inventars wird jeweils bei den einzelnen Gruppen
geschildert.

                    *       *       *       *       *

Die Kirche hatte vor der Reformation =13 Altre=. Eine Reihe von
geeigneten Pltzen fr Altre war durch die Anlage des Baues gegeben. 3
Ostchornischen, 1 Westchor, 2 Krypten nahmen schon im romanischen Bau 6
Altre auf, ferner der Platz vor dem Ostchor einen, dann noch einen die
Ostkrypta, zusammmen acht. Dazu kamen im Laufe des 14. Jahrhunderts noch
4 Altre an den Pfeilern des Schiffes und 1 Altar, welcher den Hochaltar
des Westchores verdrngte.

Die Altre am Ende des 15. Jahrhunderts waren:

=Sebaldsaltar.= Er war der Hochaltar und befand sich im Ostchor des
romanischen Baues, von 1372 an im neuen Ostchor an Stelle des jetzigen
Hauptaltares. 1379 erneuert und geweiht. Die hierber ausgestellte
Urkunde wurde bei der letzten Wiederherstellung im Sepulkrum der Mensa
aufgefunden und nebst den gleichfalls vorgefundenen Reliquien wieder
in den Altar eingeschlossen.[VII] Die wohl erhaltene Urkunde hat unter
Auflsung der Abkrzungen folgenden Wortlaut (vgl. Abb. 144 auf S. 212):

     Anno domini millesimo trecentesimo septuagesimo nono dedicatum
     est hoc altare in honore sancti Sewaldi, Fabiani et Sebastiani et
     quatuor doctorum et sancti Eloy et sancti Seuerij per venerabilem
     dominum dominum Lampertum episcopum Bambergensem, qui reliquias
     dictorum sanctorum in dicto altari reclusit indictione secunda
     quinto kalen. septembris eiusdem anni, in quorum testimonium
     sigillum dicti domini praesentibus est appensum.

  [VII] Ebenso wurden im Petrusaltar und im Sakristeialtar nicht mehr mit
        Sicherheit zu entziffernde Urkunden samt Reliquien vorgefunden
        und mit diesen wieder in die betreffenden Altre eingeschlossen.

Schopperpfrnde, gestiftet am 5. Mai 1337 von Albert Schopper, 1360 neu
dotiert durch Friedrich Schopper.

Vorchtelpfrnde, gestiftet 1371 von Heinrich Vorchtel, 1425 neu dotiert.

1613 wurde der Altar vom Maler Leonhard Prechtel restauriert. Aus den
Schriftstcken hierber (im Stadtarchiv Nrnberg) geht hervor, da der
Altar ein Flgelaltar war, und da sich auf den Flgeln Malereien auf
Goldgrund befanden. Auf die Predella, die ganz zu erneuern war, malte
Prechtel zwei Historien. Siehe den Hauptaltar, S. 134.

[Illustration: Abb. 53. Petrusaltar (geffnet).]

=Nikolausaltar.= Er stand in der nrdlichen Apsis des romanischen
Ostchores, dann im neuen Ostchor im nrdlichen Umgang als linker
Seitenaltar. An seiner Stelle erhebt sich jetzt der 1659 im Barockstil
errichtete Nikolaus- oder Tucheraltar (siehe S. 134).

Kandelgieerpfrnde, 1406 von Hartmann Kandelgieer gestiftet.

=Stephansaltar.= Er stand in der sdlichen Seitenapsis des romanischen
Ostchores. Seit 1372 im sdlichen Umgang des neuen Ostchores. An seiner
Stelle erhebt sich jetzt der 1663 errichtete Altar (siehe S. 135).
1255 eingeweiht. Ablsse 1448, 1452, 1460, 1479, 1481 und 1487. Drei
Pfrnden, die des Heinrich von Tuttenstetten, Pfarrer 1300-1307, welche
1364 besttigt wurde, die des Paul Muffel, deren Stiftungsjahr unbekannt
ist, und die Pfrnde des Ambrosius Stromer von 1509.

[Illustration: Abb. 54. Petrusaltar (geschlossen).]

Der Altar hatte ein auf Holz gemaltes Bild, welches Nikolaus Muffel
zwischen 1436 und 1439 fr 200 fl. angeschafft hatte. Er kam, als 1663
der Barockaltar errichtet wurde, in die Lorenzkirche.

=Petersaltar.= Ein Petersaltar stand schon in der alten Peterskapelle.
Wahrscheinlich wurde dieser in die romanische Kirche, und zwar in den
Westchor transferiert. 1274 wurde er durch einen neuen Altar ersetzt.

1303 Abla, 1475 Ablabesttigung. 1372 wanderte der Altar in den neuen
Ostchor hinter den Hochaltar, an dieselbe Stelle, an welcher jetzt
der Ende des 15. Jahrhunderts errichtete Altar steht. ber diesen
siehe S. 135. 1378 wird jedoch der Westchor noch Peterschor (neben
Katharinenchor) genannt.

1340 stiftet Otto Kramer von Koburg eine Pfrnde, dieselbe wird 1360
besttigt; 1356 stiftet Adelheid Lhneisen eine Pfrnde, 1372 Berthold
Pfinzing. Das Jahr der Stiftung der Movendelpfrnde der Dorothea Dschin
ist nicht bekannt.

=Katharinenaltar.= Er stand anfangs in der Westkrypta, von der Mitte des
14. Jahrhunderts an schon im Westchor zusammen mit dem Petersaltar.

Ablabesttigung 1298. Ablsse 1341, 1342. Pfrnden: Schatzpfrnde,
gestiftet von Konrad Schatz, besttigt 1360; Kandelgieerpfrnde,
gestiftet 1386. Siehe den Lffelholzaltar.

=Johannisaltar.= Dem hl. Johannes dem Evangelisten geweiht. Er stand im
Mittelschiff zwischen den zum Chor fhrenden Stufen (_sub pulpito_ oder
_quae [ara] in medio ecclesiae sancti Sebaldi locata est_).

Abla: 1289. Pfrnden: Pmerpfrnde, gestiftet 1348 von Heinrich Pmer,
und die Fleischmannpfrnde, gestiftet von Albert Fleischmann, Pfarrer
von 1397 bis 1444.

Der Johannisaltar scheint 1542 mit den beiden Frauenaltren und dem
Zwlfbotenaltar beseitigt worden zu sein.

=Zwlfbotenaltar.= Den zwlf Aposteln geweiht. Er stand an einem
Schiffspfeiler.

Ablsse 1352 und 1370. Meintaler-Pfrnde, 1352 von Konrad Meintaler
gestiftet, 1359 von der Witwe des Stifters neu dotiert.

Er stand zu Beginn des 16. Jahrhunderts an einem der beiden ersten
Ostchorpfeiler und hatte 1542 dasselbe Schicksal wie die beiden
Frauenaltre.

=Erhardaltar.= Er stand im Schiff in der nrdlichen Pfeilerreihe. Es ist
der jetzige Halleraltar, der zwar noch in der nrdlichen Pfeilerreihe
steht, aber nicht mehr am alten Pfeiler, wo bis heute eine Erhardstatue
verblieben ist (vgl. S. 154). Noch im 17. Jahrhundert stand der
Erhardaltar um einen Pfeiler weiter stlich als jetzt. 1336 gestiftet
(siehe Urkunde S. 235).

Abla: 1360. Pfrnden: Ntzelpfrnde, Stiftungsjahr unbekannt;
Hallerpfrnde, 1358 von Ulrich Haller gestiftet; Dietleinpfrnde, 1363
von Hans Dietlein gestiftet. Siehe den Halleraltar, S. 138.

=Kunigundenaltar.= Den Heiligen Heinrich, Kunigunde und Otto geweiht. Er
stand an einem der Schiffspfeiler.

Dietlerpfrnde, 1347 gestiftet von der Hensel Dietler; Tesauruspfrnde,
1354 oder vor 1354 gestiftet von Konrad Tesaurus [Schatz];
Hallerpfrnde, vor 1383 gestiftet von Ulrich Haller, und die
Ntzelpfrnde, 1389 gestiftet von Elisabeth Haller.

=Bartholomusaltar.= Den Heiligen Bartholomus und Pankratius geweiht.
Er stand an einem der Schiffspfeiler.

Ablsse 1460, 1476 und 1477. Pfinzingpfrnde, 1435 von Berthold Pfinzing
gestiftet.

=Marien- und Dreiknigsaltar=, gewhnlich =Frauenaltar= genannt. Ad
honorem beatae Mariae virginis et trium regum. In der romanischen und
gotischen Zeit in der Krypta, d. h. in der Ostkrypta, und zwar in der
mittleren Apsis. In der spteren gotischen Zeit ist stets von zwei
Frauenaltren die Rede.

Ablsse 1283, 1284, 1289, 1341 (Wandelkerzen), 1370 und 1379. Vier
Pfrnden: Bretheimpfrnde, gestiftet von Konrad Bretheim 1358, besttigt
1359; die Teufelpfrnde, gestiftet von Konrad Teufel 1359, besttigt
1370, neu dotiert von Hans Teufel 1440; die Movendelpfrnde des Paul
Volckamer, deren Stiftungsjahr unbekannt ist, und Kolerpfrnde,
gestiftet von Elisabeth Koler 1402.

Die beiden Frauenaltre standen zu Beginn des 16. Jahrhunderts an den
beiden ersten Sulen des Ostchores, an denen heute noch Marienstatuen
angebracht sind. Sie wurden mit dem gegenberstehenden Zwlfbotenaltar
und dem dazwischen befindlichen Altar, wahrscheinlich dem Johannesaltar,
auf Beschlu des Rates 1542 beseitigt, weil die Kirchenbesucher den
Geistlichen auf der Kanzel nicht sehen konnten.

=Jakobsaltar.= Den Heiligen Jakobus, Jodokus, Martinus und Christophorus
geweiht. In der Ostkrypta, dem Frauenaltar gegenber.

1343 gestiftet von Jakob Kramer. Ablsse 1353, 1355 und 1365.
Kramerpfrnde, 1381 von Bernhard Kramer gestiftet.

[Illustration: Abb. 55. Abb. 56. Abb. 57. Kreuzigungsgruppe von
Veit Sto. ber dem Hauptaltar im Ostchor.]

=Allerseelen-Altar.= In der Westkrypta. Ablabrief vom 3. Mai 1360, in
dem die Krypta als ergastulum (also etwa: Verlie, unterirdischer
Raum) bezeichnet wird. Vgl. Beilage 28.

Im Liber privilegiorum A des Frstbischofs Lambrecht von Bamberg
(Kreisarchiv Bamberg) findet sich die Abschrift einer Urkunde, nach
welcher 1401 am 23. Mai eine Pfrnde auf dem =Georgsaltar= in der Kirche
des hl. Theobald in Nrnberg gestiftet worden ist. Jedenfalls ist
Theobald verschrieben fr Sebald, allein ein Georgsaltar in der Kirche
Sankt Sebald ist sonst nirgends belegt.

Die =jetzigen Altre= der Kirche sind:

Der =Hauptaltar=. Im Ostchor.

An seiner Stelle stand der zur Barockaustattung der Kirche gehrige,
1663 von Georg Wirsching, Schreiner von Neumarkt i. O., errichtete
Hauptaltar als Nachfolger des gotischen, 1379 dem hl. Sebald geweihten
Hochaltares (Abb. 30). Der Barockaltar war 1660 fr 1000 fl. in Arbeit
gegeben worden. Nach der Aufstellung wurden 200 fl. nachbezahlt.

An die Stelle dieses Altars trat 1823 ein nach Zeichnungen Karl
Alexander Heideloffs in neugotischem Stil von dem Schreiner Heil und
dem Bildhauer Rotermundt ausgefhrter Altarbau, an dem die schon
am Barockaltar angebrachte Gruppe, Christus am Kreuz mit Maria und
Johannes (Abb. 55, 56, 57), lebensgroe, in Holz geschnitzte und
farbig gefate Figuren des Veit Sto und seiner Schule, wieder zur
Verwendung kam. Der Altar ist abgebildet im Sammler fr Kunst und
Altertum in Nrnberg, 1. Heft (1824), Tafel zu S. 51. Bei der letzten
Wiederherstellung wurde dieser Heideloffsche Altar entfernt und zwischen
den mittleren Schiffpfeilern auf einem Tragbalken die Kreuzigungsgruppe
wieder angebracht. Bei dieser Gelegenheit wurde die Gruppe von dem ihr
anhaftenden dicken lfarbenberzug befreit, die ansehnlichen Reste alter
Polychromierung ergnzt und im Innern des Christuskrpers folgende, nur
noch zum Teil leserliche, aber die Autorschaft des Veit Sto bezeugende
Urkunde gefunden:

                              Ihs Maria
                     Adi 27 Julii 1520 jar
                     ist diser got auff gericht
                     durch Nicklos Wickel zw
                     Nurnberg mit hilff Aug[ustin]
                     -- -- -- -- -- und ist gemacht
                     von Veit Stoss zw Nurnberg
                     kostet -- -- -- -- --.

Die von Sto herrhrende Hauptfigur der Gruppe vom Jahre 1520 soll sich
ursprnglich auf einem zwischen zwei Pfeilern eingespannten Bogen ber
dem Sebaldusgrabe befunden haben. Die Provenienz der Seitenfiguren ist
unbekannt. Heideloff lie durch Bronzierung die alte Fassung der Figuren
zudecken.

Nach M. M. Mayer, Die Kirche des hl. Sebaldus (Nrnberg 1831), S. 34,
bot der Kurfrst von Mainz 1652 durch den Bildhauer Georg Schweigger
dem Rate von Nrnberg 1000 Dukaten fr die Gruppe. Vgl. ber dieselbe
ferner: Denkmalpflege. 1904, S. 96 und 131.

Die Mensa des Altars ist noch die ursprngliche mittelalterliche und
enthlt die S. 129 (vgl. Abb. 144) erwhnte Urkunde samt den darin
aufgezhlten Reliquien.

Der =Tucher=sche oder =Nikolausaltar= (Abb. 51). Im Ostchor, und zwar im
nrdlichen Umgang an Stelle des als linker Seitenaltar verwendeten alten
Nikolausaltars (siehe S. 130). 1659 von der Familie Tucher gestiftet.

Der Aufbau besteht aus Rckwand mit Gemlde, zwei flankierenden
Sulen und einem von denselben getragenen Giebel. Architektur wie
Bildhauerarbeit, von welch letzterer hauptschlich der Christusknabe
auf dem Giebel Erwhnung verdient, stammen von Georg Schweigger. Der
Altar gehrte zur ehemaligen Barockausstattung der Kirche. Altarblatt
mit einem =Ecce homo=, lgemlde auf Leinwand von Matthus Merian dem
Jngeren. Unter dem Bilde die Inschrift: Er ist umb unser Snde willen
zerschlagen Esa. 53. Oben das Wappen der Tucher.

[Illustration: Abb. 58. Geburt Christi. Von einem der Flgel des
Lffelholzaltars.]

[Illustration: Abb. 59. Legende des heil. Georg. Von einem der Flgel
des Lffelholzaltars.]

Der =Muffel=sche oder =Stephansaltar=. Im Ostchor, und zwar im sdlichen
Umgang an Stelle des als rechter Seitenaltar verwendeten alten
Stephansaltares (siehe S. 131). 1663 von der Familie Muffel gestiftet,
nachdem sein Vorgnger in die Lorenzkirche transferiert worden.

Gegenstck zu dem Tucherschen Altar und mit diesem der hauptschlichste
berrest der Barockausstattung der Kirche. Altarblatt mit der
Auferstehung Christi, lgemlde auf Leinwand von Johann Franziskus
Ermel. Unter dem Bild die Inschrift: Er ist umb unser Gerechtigkeit
willen wieder auferweckt. Rom. 4. Oben das Wappen der Muffel.

Der =Petrusaltar=. Im Ostchor an der Wand hinter dem Hauptaltar.
Flgelaltar aus dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts (Abb. 53, 54).

Im Schrein fnf Holzfiguren, nmlich die lebensgroe Gestalt des
thronenden Petrus, zu beiden Seiten zwei Engel und ber seinem Haupte
zwei schwebende Engel, welche wahrscheinlich die Tiara trugen. Farbig
gefat. Ein durchbrochenes reiches Stabwerk als Baldachin schliet den
Schrein oben ab. An dem feststehenden und an dem beweglichen Flgelpaar
zusammen in Tempera zwlf Szenen aus dem Leben des hl. Petrus, Gemlde
aus der Schule des Wolgemut.

Die Tren der Predella, ursprnglich wohl mit Gemlden geschmckt,
fehlen und sind durch einfache Brettertren ersetzt. Schon 1572 fand
eine Restaurierung des Altares statt. In seinem jetzigen Zustande geht
er auf die Restaurierung durch Konservator Andreas Mayer in Augsburg
zurck.

[Illustration: Abb. 60. Halleraltar (geschlossen).]

Ein Gemlde auf Holz mit den Donatoren, dabei die Wappen der Topler,
Haller u. a., frher an der Vorderseite der Mensa, ist jetzt an der Wand
des nrdlichen Seitenschiffes neben dem Turm angebracht. Eine an der
rechten Seite der steinernen Mensa mit Eisen beschlagene alte Holztre
und der Raum, zu dem sie fhrt, lt auf eine frhere Aufbewahrung von
greren Reliquien, eines Heiligenschreines oder dergleichen schlieen.

Ein =Wandgemlde mit Darstellungen aus der Apostelgeschichte=, um 1400
(Abb. 106), fand sich bei der letzten Wiederherstellung der Kirche
hinter dem Petrusaltar und lie sich an eine Wand des sdlichen
Chorumganges bertragen. Vergleiche ber das Bild Gebhardt, Die Anfnge
der Tafelmalerei in Nrnberg, S. 14 und 20.

Der =Katharinen=- oder =Lffelholzaltar= (Abb. 43, 58, 59). Im Westchor.
Schrein und Predella um 1453, das brige des Aufbaues im Empirestil vom
Ende des 18. Jahrhunderts.

[Illustration: Abb. 61. Halleraltar (geffnet).]

Im Schrein zwei in Holz geschnitzte und farbig gefate Figurengruppen,
links wird die hl. Katharina gerdert, rechts wird sie enthauptet. Auf
den beiden beweglichen Flgeln vier Gemlde auf Goldgrund, weitere
Darstellungen aus dem Leben der hl. Katharina, innen links die
Disputation mit den Philosophen, rechts die Verbrennung derselben,
auen links die heiligen drei Knige, rechts der hl. Georg. Die
Predellanische, ursprnglich mit Holzskulpturen belebt, ist jetzt leer.
Auf den Tren der Predella innen, ebenfalls auf Goldgrund gemalt,
sechs Halbfiguren, links die Heiligen Heinrich, Kunigunde und Otto,
rechts Christus mit Johannes und Thomas, auen die Familienglieder des
Stifters und zwar links die mnnlichen mit den Wappen der Lffelholz,
Lffelholz-Dietner und Lffelholz-Stromer-Sachs, rechts die der
weiblichen mit den Wappen der Lffelholz-Zngel, Lffelholz-Kre und
Lffelholz-Stromer.

Unten an der Predella die Inschrift: Anno domini m cccc liii an s.
Thomas tag de Aqiin verschied frav Kunigund Wilhelm Loffelholtzin, der
got gnadt. In dem Innenraum der Mensa fanden sich einige Knochenreste,
eine Gewandspange (?) und kleine ornamentale Bauteile, jetzt im
Lapidarium der Kirche. Am Empireaufsatz das Lffelholzsche Wappen.

Bezglich der Gemlde siehe Thode, Die Malerschule von Nrnberg,
S. 118 ff. Gebhardt, S. 145 ff.

Der =Halleraltar= (Abb. 60, 61). Im Schiff am zweiten Pfeiler der
nrdlichen Arkadenreihe. Es ist der in den Urkunden des Mittelalters
genannte Erhardaltar und stand noch im ersten Drittel des 19.
Jahrhunderts am dritten Pfeiler derselben Reihe (siehe S. 132).
Flgelaltar von etwa 1440-1450. Mittelbild und Innenseiten des
beweglichen Flgelpaares: auf gemustertem Goldgrund Christus am Kreuz
mit Maria und Johannes, links die hl. Barbara, rechts die hl. Katharina.
Der holzgeschnitzte ornamentale obere Abschlu stammt aus der Zeit der
letzten Wiederherstellung.

Auf den Auenseiten des beweglichen Flgelpaares Christus am lberg mit
den schlafenden Jngern, unten die Stifter mit den Wappen der Haller
und Valzner und den Wappen der Haller, Koler und Seckendorf. Auf den
feststehenden Flgeln zwei heilige Bischfe, bezeichnet als Erhard
(links) und Gori (rechts), vielleicht jedoch Erasmus und Blasius. Vgl.
Thode, Die Malerschule von Nrnberg, Frankfurt 1891; Gebhardt, a. a. O.,
S. 90 ff., hlt den Meister des Halleraltars fr einen Vorlufer des
Meisters des Tucherschen Altars in der Frauenkirche.

Auf dem Altar die minderwertigen holzgeschnitzten Statuetten einer
Verkndigung, 1470-1480.

Am zweiten sdlichen Chorpfeiler noch ein kleiner =Altarschrein= mit
holzgeschnitzter Gruppe der heiligen Sippe. Auen die Verkndigung. Auf
den Innenseiten der Flgel zur Darstellung des Mittelschreines gehrige
Sippenbilder. Der Altar wurde bei der letzten Instandsetzung der Kirche
durch Konservator Andreas Mayer in Augsburg wiederhergestellt.

In den beiden Sakristeien sind noch die mittealterlichen =Mensen=
vorhanden.

                    *       *       *       *       *

Die =Kanzel= am sdlichen Eckpfeiler von Ostchor und Mittelschiff. 1859
nach Krelings Entwurf von Bildhauer Lorenz Rotermundt im gotischen Stil
ausgefhrt. Reiche Schnitzereien an Stiege, Korpus und Baldachin. Braun
gebeizt, mit reicher Vergoldung der Ornamente. Auf dem Schalldeckel
hohe, bis an das Gewlbe reichende Pyramide; an den fnf Seiten des im
Grundri achtseitigen Kanzelmantels die Brustbilder Christi und von vier
Aposteln.

In einer Urkunde vom Jahre 1293 wird ein pulpitum erwhnt, das zwischen
den westlichen Vierungspfeilern in der Lngsachse seinen Platz hatte
und sich somit auf dem durch die Ostkrypta bedingten, bis an das
Mittelschiff reichenden Hochchor befand. Vor ihm war der Johannesaltar
angebracht.

Von der gotischen Kanzel ist nichts bekannt.

1659 wurde im Zusammenhang mit der Barockausstattung der Kirche eine
neue Kanzel errichtet, welche der Leipziger Brger Benedikt Winkler
stiftete und der Schreiner Leonhard Ackermann und der Bildhauer
Georg Schweigger ausfhrten. Von dieser Kanzel hat sich nur die
Figur eines auferstandenen Christus erhalten, die ehemals ber dem
Treppenaufgang angebracht war, auf dem Boden der Nrnberger Kniglichen
Kunstgewerbeschule wieder aufgefunden wurde und jetzt in einer Nische
des Lffelholzchors aufgestellt ist.


                               2. Plastik.

=Einleitung.= Der in den vierziger Jahren des 13. Jahrhunderts
vollendete sptromanische Bau der Kirche ist aufflligerweise, abgesehen
von der ornamentalen Behandlung der Kapitle und einiger Konsolen, ohne
plastischen Schmuck geblieben. Statuen und Reliefs werden nicht nur
aus der Zeit der Erbauung, sondern auch aus der nachfolgenden Zeit bis
zum beginnenden 14. Jahrhundert berall vermit. Nirgends eine Spur
ehemaliger Befestigung figrlicher Darstellungen und nicht ein einziger
Fund, welcher vom alten Bau herzurhren scheint. Die zum Zweck der
Feststellung des ersten Grundrisses 1899 vorgenommenen Ausgrabungen
waren nach dieser Hinsicht erfolglos. Eine zuverlssige Erklrung des
sonderbaren Umstandes ist nicht mglich.

Erst zu Beginn des 14. Jahrhunderts, im engen Anschlu an die
Erweiterungsbauten der beiden Seitenschiffe von St. Sebald, entfaltete
sich in Nrnberg eine Bildhauerschule und zwar gleich mit emsiger
Ttigkeit, denn eine Menge von Auftrgen wurden ihr zuteil. Zunchst
waren die beiden Seitenschiffportale mit Bogenfeldern und das sdliche
mit den Statuen Katharina und Petrus auszustatten, ferner einige Statuen
an den Strebepfeilern des nrdlichen Seitenschiffes, die Figuren der
Jungfrauen an der Brauttre und schlielich im Innern die Statuen
der zwlf Apostel, des Kaisers Heinrich und der Kaiserin Kunigunde
und einige andere Figuren anzubringen. Gewi ein weites Arbeitsfeld,
welches der Schule Gelegenheit bot, ihr ganzes Knnen zu zeigen. Die
wirtschaftlichen Verhltnisse der Stadt hatten sich ebenso wie die
politischen sehr zu ihrem Vorteil gendert, und so hielten es die
Patriziergeschlechter der Pfarrgemeinde fr eine Ehrenpflicht, zur
reichen Ausstattung der Kirche ausgiebige Beitrge zu leisten.

Was die Qualitt der Werke anlangt, so geht die grere Anzahl ber die
Mittelmigkeit hinaus. Eine Arbeit, die Statue der hl. Katharina (Abb.
137, 138), ist zum Teil von hervorragender Schnheit. berhaupt ist ein
Streben nach Formenschnheit charakteristisch fr die Gestaltung fast
smtlicher Bildwerke. Gesichtszge, Haarlocken, Haltung, Draperie, alles
will gefllig erscheinen. Mit jener hl. Katharina zeigt insbesondere
ein Kopf am nrdlichen Querschiff, mglicherweise das Bildnis des
Meisters, sowie das Wappen mit dem sogenannten Jungfrauenadler am
gegenberliegenden Bestelmeyerschen Hause nahe Verwandtschaft. Die
Arbeiten gehren stilistisch noch in die Epoche der Hochgotik und zeigen
ebenso wie der Neubau der Seitenschiffe verwandtschaftliche Beziehungen
zur Freiburger Schule.

Die Lebensfhigkeit der ersten Nrnberger Bildhauerschule whrte etwa
ein Menschenalter. Vom Ende der dreiiger Jahre an ging die Fhrung in
der Plastik von St. Sebald auf die andere Pfarrkirche St. Lorenz ber,
es folgten die Frauenkirche und der Schne Brunnen. An plastischen
Arbeiten aus dieser Zeit hat die Kirche St. Sebald nur zwei, die Statuen
der Heiligen Helena und Antonius im sdlichen Seitenschiff, aufzuweisen,
welche mit den Figuren an der Vorhalle der Frauenkirche nahe verwandt
erscheinen.

Mit dem Neubau des Ostchores regte sich in der Plastik von
St. Sebald wieder neues Leben. Nur war der Umfang der Auftrge diesmal
verhltnismig gering. Es scheint, da die unmittelbar vorausgegangenen
Bauten und insbesondere der Ostchorbau selbst an den Opfersinn der
Brgerschaft zu hohe Anforderungen gestellt hatten. Und dann machte
ein anderes frher in Nrnberg nicht gekanntes Kunstgebiet, das der
Glasmalerei, welches zur Ausstattung der hohen Chorfenster Anla gab,
der Plastik bedeutende Konkurrenz.

So kam es, da von den zahlreichen zur Aufstellung von berlebensgroen
Statuen geschaffenen Stellen an der Innenseite der Ostchorwand mit ihren
originellen Konsolen und Baldachinen nur zwei mit Statuen, den Aposteln
Petrus und Paulus, besetzt wurden, den einzigen bedeutenderen Vertretern
der figrlichen Plastik dieser Schule. Dagegen fand jetzt das Relief
mehr Ausbreitung dadurch, da auen an jedem Ostchorstrebepfeiler Tafeln
mit Passionsdarstellungen angebracht werden sollten. Die neue Schule
hat die ihr gestellten Aufgaben mit groem Geschick gelst. Sie hat es
verstanden, einer derb-krftigen Art in der Charakteristik der einzelnen
Gestalten beredten Ausdruck zu verleihen und die Begebenheiten
durch klare Disposition anschaulich zu erzhlen, und steht damit in
innerster Beziehung zur Nrnberger Bildhauerschule um die Wende des
15. Jahrhunderts, die sich ebenfalls hauptschlich auf dem Gebiete der
Reliefkunst bettigt hat und diesen beiden Vorzgen mit ihren Weltruf
verdankt.

Zur Schule der Skulpturen am Ostchor zhlt auch das beraus eigenartige
Gehuse des Wandtabernakels im Innern.

Polychrom sind fast alle Schpfungen der ersten Schule: bei den
Statuen im Innern auch Konsolen und Baldachine, selbst der Hintergrund
ist zuweilen farbig behandelt; die Bogenfelder auen an den
Seitenschiffportalen zeigen Spuren von Farbe und Gold. Bunt behandelt
ist bei den Werken der zweiten Schule nur das Sakramentshuschen.

Die Bildhauerschulen von St. Sebald in der Frhzeit und aus
den siebziger Jahren des 14. Jahrhunderts reprsentieren die
Hauptentwicklungsstufen der Steinplastik Nrnbergs whrend des ganzen
Jahrhunderts, in dessen letzten Jahrzehnten nur noch die Tonplastik
eine besondere Blte erlebt zu haben scheint. Von den Hervorbringungen
dieser Kunst bietet der Ostchor von St. Sebald gleichfalls einige
bemerkenswerte Proben. Es ist von Interesse zu beobachten, wie jene
hauptschlichsten beiden Schulen, als Anfangs- und Endpunkt einer
fortlaufenden Entwicklung, sich trotz aller hnlichkeit diametral
entgegenstehen. Bei der ersten Schule muten eben eine Reihe von
Anleihen bei einer anderen Schule gemacht werden, welche auf eine groe
Vergangenheit zurckblicken konnte. Die Abhngigkeit der Nrnberger
Schule uerte sich infolgedessen in der Aufnahme eines ihr fremden
Elementes, welches sich nicht einleben wollte. Bei der zweiten Schule
ist von fremdartigen Einflssen keine Spur mehr, die charakteristischen
Eigenschaften der Nrnberger Bildhauerkunst bis Adam Kraft, vornehmlich
drastische ausdrucksvolle Darstellung, sind hier bereits in die
Erscheinung getreten.

Als Arbeiten der Plastik des 15. Jahrhunderts hat die Kirche mehrere
gefate Holzfiguren aufzuweisen, welche ursprnglich die Seitenaltre
zierten und nach Beseitigung derselben auf die immer noch leeren
Konsolen der Ostchorwand gestellt wurden, und dann eine stattliche
Anzahl von Epitaphien, welche an der Auenseite in der Nhe der
Begrbnissttten der Stifter eingelassen wurden. Den Hhepunkt in der
Ausstattung des Baues mit Bildwerken bezeichnet das zu Ende gehende
15. und das beginnende 16. Jahrhundert, zu welcher Zeit von den ersten
Meistern der Nrnberger Plastik Werke Aufnahme fanden, die an dem Ruhm
der Kirche mindestens den gleichen Anteil haben wie der Bau selbst.

Eine zusammenfassende Wrdigung dieser Werke unterbleibt hier, da
dieselben nicht in Beziehung zur Geschichte des Baues stehen.

Bei dem nun folgenden =Inventar der plastischen Werke=, das sich
auf eine Aufzhlung und kurze Erluterung der einzelnen Skulpturen
beschrnkt, werden zunchst die Arbeiten am ueren der Kirche und
alsdann die im Innern derselben in fortlaufender Reihenfolge behandelt
werden.


                       A. Die Plastik am Auenbau.

Am Mittelfenster des Westchors die berlebensgroe Erzstatue des
=Christus am Kreuz= (Abb. 62). 1625 gegossen von Johann Wurzelbauer, dem
Sohn des Meisters vom Tugendbrunnen. Ersatz fr das von den Gebrdern
Johann und Georg Starck 1482 gestiftete hlzerne Kruzifix, welches
zuerst an dem Schwibbogen zwischen Sebalder Pfarrhaus und Moritzkapelle
hing und 1543 nach Abbruch des Bogens an den Westchor von St. Sebald
verbracht wurde. Der Ersatz war wahrscheinlich infolge starker
Verwitterung dieses Kreuzes notwendig. Unten am Kreuz befindet sich eine
Messingtafel mit den Anfangsbuchstaben der Stifter: H S G S und eine
zweite Messingtafel mit der Inschrift:

          Adspicite, o homines! miseranda in imagine Christum,
          Adspicite immiti trajectum pectora ferro,
          Pectora foedatasque manus perfusaque tabe
          Ora cruentatumque caput crinesque revulsos.
          Cernite liventes atro squalore lacertos,
          Cernite eheu! plenos lacrimarum fundite rivos!

     Monumentum hoc, quod prisca Starckiadum pietas dicavit per Johannem
     et Georgium Starckium, fratres, renovatum est MDCXXV.

Bezglich der Sage von den Herrgottschwrzern siehe M. M. Mayer
a. a. O., S. 7.

[Illustration: Abb. 62. Erzkruzifix am Westchor.]

=Epitaph der Ketzel= von 1453. Steinrelief an der Nordseite des
Westchors. Oben bildliche Darstellung: Rettung der Seelen aus dem
Fegefeuer. Darunter Inschrift: Anno domini Mccccxxxiii iar an sontag
nach Maria geburt starb der erber elter Heinrich Ketzell, dem got
genad. Darunter das Wappen der Ketzel und die Zeichen ihrer Wrde als
Ritter des Heiligen Grabes (Kreuz von vier kleinen Kreuzen umgeben),
als Ritter des Ordens von der Lilie oder vom Blumentopf des Ordens
der Equitum ensiferorum Cypri (Schwert, von einem S umschlungen) und
als Ritter der hl. Katharina auf dem Berge Sinai (das halbe Rad der hl.
Katharina). Darunter die Inschrift: Dar nach starb sein sun Heinrich
Ketzell am montag nach der heiligen drei kunig dag M cccc liii iar, dem
got genad. Dieser Heinrich Ketzel war der erste aus seiner Familie, der
zum Heiligen Grabe zog.

=Epitaph der Pfinzing= von etwa 1480. Steinrelief an der Nordseite des
Westchors. Rechts das Wappen Pfinzing-Kre, links Pfinzing-Lauffenholz,
zwischen beiden die kleinen Wappen der Pfinzing und der von Plauen. ber
den Wappen Inschrift, welche dahin noch entziffert werden kann, da ein
Berthold Pfinzing 1357, ein anderer Berthold Pfinzing 1479, ferner ein
Otto und ein Sebald Pfinzing sowie des letzteren Frau Elisabeth, geb.
Mendel, hier begraben wurden. Stark verwittert.

=Epitaph der Maurer= von etwa 1458. Steinrelief an der Nordseite des
Westchors. Christus am Kreuz mit Maria und Johannes nebst den Stiftern.
Darunter das Wappen der Maurer und folgende Inschrift: Von xps gepurt
xiii^c und lviii iar an sant Ambrosius tag wart Herman Maurer vnd sein
wirtin hie pegraben, des Sebolt Grabners anher. Anno domini xiiii^c
lviii iar starb Sebolt Grabner. Kopie. Das Original im Lapidarium
der Kirche. Vgl. Redslob in den Mitteilungen aus dem Germanischen
Nationalmuseum 1907, S. 54 (doch mit unrichtiger Jahreszahl 1448).

Am ersten Pfeiler des nrdlichen Seitenschiffes ein Steinrelief mit
=Christus am Kreuz, Maria und Johannes=. Darber die Inschrift: Anno M
cccclxjjj jar an sant Barbara tag verschied Burckhart Semler, dem got
genedig sey. Mit den Wappen der Semler und Tetzel. Kopie. Original im
Lapidarium.

An demselben Pfeiler die lebensgroe Statue der hl. =Maria= mit dem
Christuskind und die Statuette des hl. =Christophorus=, Kopien der
Neuzeit. Ebenfalls Kopien sind die drei Konsolen mit den Baldachinen
(eine Konsole war von jeher leer). 1330-1335. Originale der Figuren im
Lapidarium.

Am nrdlichen Seitenschiffe zwischen Turm und Portal das =Fuggersche
Epitaph= von 1497. Steinrelief mit dem =Schutzmantelbild Mari=.
Unter dem Mantel Mari die Familienglieder des Stifters. Darunter ein
kreisrundes Medaillon mit dem Wappen der Fugger und der Inschrift: A.
D. 1497 am sontag nach Bartholomei tag starb Peter Fugger von Augsburg,
der hier begraben liegt, dem gott gndig sey. Amen. Siehe Edwin
Redslob, a. a. O., S. 57.

Links davon das Hallersche Epitaph. Steinrelief mit =Christus am
Kreuz=, =Maria= und =Johannes=. Links das Wappen der Haller, rechts das
der Paumgartner. Unten knieende Familienglieder des Stifters mit den
Wappen der Haller, Paumgartner und anderer Geschlechter. Um 1420. Stark
verwittert.

[Illustration: Abb. 63. Bogenfeld im Portal des nrdlichen Seitenschiffs
mit Darstellungen aus dem Marienleben.]

=Nordportal=, beziehungsweise nrdliches Eingangsportal des nrdlichen
Seitenschiffes, die sogenannte Anschreibtre. Bogenfeld mit den
Reliefdarstellungen des =Todes=, =Leichenbegngnisses= und der =Krnung
Mari= (Abb. 63), durch eine Querleiste getrennt: unten die beiden
erstgenannten, oben die letztgenannte Darstellung. Farbig gefat. Um
1310. Von derselben Werksttte wie das Bogenfeld des Sdportales.

Von den =Kapitlen= der acht flankierenden Sulen an der Portalgewandung
sind zwei ornamental bearbeitet. An den brigen befinden sich kleine
menschliche Gestalten, meist in kniender und betender Stellung gegen
das Bogenfeld gerichtet. Von der gleichen Hand, jedoch ohne Spuren
farbiger Behandlung.

[Illustration: Abb. 64. Statue der Eitelkeit der Welt am nrdl.
Seitenschiff. Vorderseite.]

[Illustration: Abb. 65. Statue der Eitelkeit der Welt am nrdlichen
Seitenschiff. Rckseite.]

Die zwei Figuren der =Verkndigung= zu beiden Seiten des Portales
stammen aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Dagegen waren die
ursprnglichen Konsolen und die Baldachine, jetzt durch Kopien ersetzt,
aus der Zeit des Portales.

Am nchsten Strebepfeiler die lebensgroe Statue eines Jnglings,
die =Eitelkeit der Welt= darstellend (Abb. 64, 65). Der Rcken ist
entblt und von Wrmern zerfressen; Krten und Schlangen kriechen
daran. Die Figur wird von der Seite gesehen. Aus der Schule der
Seitenschiffe. Konsole und Baldachin sind Kopien. Etwa 1310-1315. Die
gleiche Vorstellung in einem Liede Walthers von der Vogelweide und dem
greren Gedichte Der Welt Lohn von Konrad von Wrzburg ([gestorben]
1287). Unter den Werken der Plastik ist unsere Darstellung mit denen
am Sdportal des Domes zu Worms nah verwandt und auch mit denen an den
Mnsterkirchen zu Freiburg i. B., Straburg und Basel zu vergleichen.
Zeitlich stellt sie die letztentstandene dieser Figuren dar (vgl. das
Referat eines Vortrages ber diesen Gegenstand von K. Schaefer im
Jahresbericht ber das 19. Vereinsjahr des Vereins fr Geschichte der
Stadt Nrnberg, 1896, S. 9 ff.).

[Illustration: Abb. 66. Eine der klugen Jungfrauen am Brautportal.]

An der Mauer oberhalb des Kaffgesimses ein kleines =Kreuzigungsrelief=:
Der Gekreuzigte mit Maria und Johannes zu seinen beiden Seiten.
Inschrift nicht mehr festzustellen. 14. Jahrhundert. Kopie. Das Original
nicht mehr vorhanden.

Am ersten Ostchorpfeiler neben der Brauttre ein Relief mit =Christus am
Kreuz=, =Maria= und =Johannes=. Um 1320.

Darunter auf einer Steinleiste =drei Wappen=: zwischen zwei Wappen der
Stromer das Wappen der Haller. Kopie.

An dem gleichen Pfeiler hoch ber diesem Kreuzigungsrelief der S. 42
erwhnte =Kopf= (Meisterkopf?).

Die =Brauttre= oder Ehetr. In den Leibungen des Portales
und unmittelbar neben demselben auf Sockeln und Konsolen die
halblebensgroen =Figuren der fnf klugen= (links) =und der fnf
trichten Jungfrauen= (rechts) (Abb. 66) mit Spuren alter Bemalung. Die
letzte der linksstehenden Figuren stammt aus der Neuzeit.

Die Statuen gehren der Schule des Meisters vom sdlichen Portal an,
ebenso die Tierfiguren an den vier Konsolen. Es zeigt sich noch die
Feinheit und der weiche Flu in der Gewandbehandlung, dagegen bereits
Eintnigkeit in Haltung und Kpfen. Mit Konsolen und Baldachinen aus der
Zeit des Portales, etwa 1315 bis etwa 1320.

Derselben Zeit gehren an zu beiden Seiten des Trbogens die
halblebensgroen Figuren des Adam und der Eva, die ersten nackten
Gestalten in der Nrnberger statuarischen Plastik, mit den Wappen
der Muffel und Vorchtel und am Scheitel des Bogens das Brustbild des
segnenden =Christus=. In den Zwickelfeldern =Prophetengestalten= in
Relief.

Erst gegen Ende der vierziger Jahre des 14. Jahrhunderts wurde die
Brauttre durch ein zwischen die beiden Strebepfeiler eingespanntes
=Mawerk= zu einer Portalhalle umgestaltet.

[Illustration: Abb. 67. Geielung Christi. Stationsrelief am Ostchor.]

[Illustration: Abb. 68. Kreuztragung. Stationsrelief am Ostchor.]

Die Hauptteile desselben bilden ein Spitzbogen und ein demselben
eingefgter Halbkreisbogen, die ueren Zwickel des Spitzbogens
sind rechteckig eingerahmt. Die leeren Flchen sind mit zierlichen,
durchbrochen gearbeiteten Ornamenten ausgefllt und der Halbkreisbogen
unten mit einem ebenfalls zierlichen, durchbrochen gearbeiteten
Bogenfries besetzt. Das Gesims des Spitzbogens ist mit Krabben besetzt.
Weibliche Figuren tragen die Konsolen, auf welchen das Ganze zu ruhen
scheint.

Zu beiden Seiten des Mawerks zwei dreiviertellebensgroe Figuren, neue
Kopien von Statuen aus der Zeit um 1430: links die hl. =Maria= mit dem
Christuskind, unten das Wappen der Topler, rechts der hl. =Sebald= mit
dem Wappen der Schnden. Die Originale befinden sich im Innern der
Kirche.

An der Westwand der groen Sakristei die berlebensgroe Statue
eines =Christus mit den Wundmalen=. Christus hlt mit der Linken die
Mantelenden und weist mit der Rechten auf die Seitenwunde. An der
Konsole halten zwei menschliche Gestalten das Wappenschild der Rieter.
Mit Konsole und Baldachin aus der Zeit um 1400. Die Figur ist eine
Kopie; das Original befindet sich in der Kirche.

An der Nordseite der Sakristei Darstellung der =Gregoriusmesse=,
daneben ein Relief der =Verkndigung Mari= mit dem Helmschmuck der
Muffel. Beide Reliefs, von denen das erstere heute durch eine Kopie
ersetzt ist (Original im Lapidarium), befanden sich bis zur letzten
Wiederherstellung der Kirche in der Nhe des Treppentrmchens am
nrdlichen Turm.

[Illustration: Abb. 69. Passionsszenen von Adam Kraft. Schreyersches
Begrbnis am Ostchor.]

Links von der Brauttre um die ganze Sakristei herum die meisten der
sogenannten =Wetzrillen=, ber deren Bedeutung sich die Wissenschaft
bisher nicht klar ist. Sie finden sich auch sonst an der Kirche,
namentlich an den Portalen.[VIII]

  [VIII] ber die Wetzrillen an der Sebalduskirche vgl. Otto Schulz in
         der Denkmalspflege. III (1901), S. 651.

An den Pfeilern des Ostchores von der nrdlichen bis zur sdlichen
Sakristei zehn Reliefdarstellungen aus der =Passion=. Die Enstehungszeit
fllt zusammen mit der Erbauungszeit des Chores, demnach in die
Jahre 1372-1379. Die Reliefs sind -- bis auf eines -- aus gleicher
Schule, aber nicht von gleicher Hand. Rechteckiges Format und gleiche
Gre. Jedes Relief hat einen anderen Patrizier zum Stifter, wie die
beigefgten Wappen erkennen lassen.

Die Darstellungen sind:

1. Einzug in Jerusalem (Kopie aus der Mitte des 19. Jahrhunderts). --
Wappen der Welser.

2. Abendmahl. Kopie. -- Wappen der Groland.

3. lberg. -- Wappen der Geuder. Vom Anfang des 15. Jahrhunderts.

4. Gefangennahme. -- Wappen der Pfinzing.

5. Christus vor Pilatus. -- Wappen der Geuschmid.

6. Geielung (Abb. 67). -- Wappen der Beheim.

7. Dornenkrnung. -- Wappen der Sachs.

8. Kreuztragung (Abb. 68). -- Wappen der Grundherr.

9. Christus am Kreuz. -- Wappen der Behaim.

10. Auferstehung. -- Unbekanntes Wappen.

Am Ostchor zwischen den beiden Pfeilern mit dem Pfinzingschen und dem
Geuschmidschen Passionsrelief das =Schreyersche Grabmal= (Abb. 69).
Steinrelief von Adam Kraft, vollendet 1492.

Das Relief ist dem Raum zwischen den zwei Strebepfeilern angepat, so
da sich das grere Mittelstck an die Wand und die beiden kleineren
Seitenflgel an die Pfeiler anlehnen. Es fllt die Mauerflche vom
Sockel bis zum Gesims der Fensterbank und mit in der Hhe ber 250
m, in der Lnge beinahe 6 m. In der Mitte vor dem Relief eine eiserne,
durchbrochen gearbeitete Laterne als Ewiglichtlampe mit der Jahrzahl
1492. Eine neue kassettierte Holzdecke mit Kupferbedachung schtzt das
Ganze vor den Unbilden der Witterung, ein eisernes Gitter schliet nach
auen ab. Von den Baldachinen, die zu beiden Seiten den Abschlu des
Grabmales bilden, ist derjenige rechts erneuert. Original im Lapidarium.

[Illustration: Abb. 70. Konsole mit Mnchen an einem sdlichen Pfeiler
des Ostchors.]

Das Relief enthlt vier Darstellungen aus der Passion: auf dem rechten
Flgel die Kreuztragung, auf der rechten Hlfte des Mittelteiles die
Heimkehr des Volkes vom Richtplatz, auf der linken Hlfte die Grablegung
und auf dem linken Flgel die Auferstehung. Die einzelnen Szenen
sind nicht streng und auch nicht uerlich voneinander geschieden,
sie gehen mittels eines reichen landschaftlichen Hintergrundes
unter Anwendung der Perspektive ineinander ber. Die Landschaft
steigt fast bis an den oberen Rand empor. Die Hauptfiguren sind
dreiviertellebensgro. Im Vordergrund unten sind die Familien der
Stifter in verkleinertem Mastab mit ihren Wappen abgebildet; die
Wappen sind links Schreyer-Kammermeister, Schreyer-Link, Schreyer,
Schreyer-Oertel, Schreyer-Landauer, Schreyer-Marstall, Eyb, Fuchs,
Schreyer und Kammermeister, rechts Landauer-Rothenhahn, Landauer,
..?.., Schlsselfelder-Landauer, Starck-Landauer, Landauer, wiederum
Landauer und Rothenhahn. Das ganze Relief zeigt Spuren von Bemalung.

Am 11. September 1490 schlo Adam Kraft mit dem Kirchenmeister Sebald
Schreyer und dessen Neffen Matthus Landauer in Gegenwart zweier Zeugen
behufs bernahme und Ausfhrung der Bildhauerarbeit einen detaillierten
Vertrag ab. Siehe Neudrfer, Nachrichten, herausgegeben von Lochner,
1875, S. 16 ff. und A. Gmbel im Repertorium fr Kunstwissenschaft. XXV
(1902), S. 360 ff. Es wurde unter anderem die Bestimmung getroffen, da
nur ein guter, ganzer und unwetteressiger Stein, bei Vach (1 Stunde
nrdlich von Frth) oder anderswo gebrochen, zur Verwendung gelangen und
da die Kosten fr die Ausfhrung 160 fl. nicht bersteigen solllen. Als
Zehrgeld whrend der Arbeit wurden 50 bis 60 fl. ausgemacht. Am 7. Mai
1492 war das Werk vollendet.

[Illustration: Abb. 71. Darstellung des Jngsten Gerichtes. Schedelsches
Relief ber der Schautre.]

Das Kraftsche Relief ist von eminent malerisch-dramatischer Wirkung,
die figurenreichste und umfassendste Komposition Krafts (vgl. Lbke,
Geschichte der Plastik. 1880, II, 722). Nach Lochner htte Kraft nach
einem Gemlde gearbeitet, mglicherweise nach einem Gemlde Wolgemuts,
des Freundes von Sebald Schreyer. Die Behauptung scheint der Wahrheit
zu entsprechen, da die Kraftschen Schpfungen sonst nicht in solchem
Mae auf malerische Wirkung berechnet sind. Allein der Entwurf fr
die Komposition selbst scheint Krafts geistiges Eigentum zu sein. In
der Ausfhrung ist den Schlern mitunter manches berlassen worden.
Ausfhrliches bei Daun, Adam Kraft und die Knstler seiner Zeit. Berlin
1897, S. 19 bis 27 und 64.

[Illustration: Abb. 72. Grabrelief der Holzschuher am sdlichen
Seitenschiff (Kopie aus der Barockzeit).]

Schon vor 1453 hatten die miteinander verwandten und befreundeten
Familien Schreyer und Landauer ihr Begrbnis an der Stelle des
Kraftschen Denkmals. Unten ber dem Grabgewlbe liegen noch zwei
Grabsteine: links der Grabstein des Hans Schreyer ([gestorben] 1437) mit
seinem und den Wappen der Eyb und Fuchs, rechts ein Grabstein mit dem
Wappen der Landauer.

Fr das von Sebald Schreyer gestiftete Ewige Licht und fr das
Sakramentshuschen wurde 1493 ein Abla gewhrt. 1508 wurde der Abla
besttigt.

An den Strebepfeilern des Ostchores waren zwei bereinander liegende
Reihen von =Konsolen und Postamenten= zur Aufnahme zahlreicher Figuren
bestimmt, von denen jedoch nur wenige zur Ausfhrung gekommen sind.
Der oberen Reihe gehren zwei =Prophetenfiguren= an, die sich in sehr
vergittertem Zustande an einem Strebepfeiler der Nordseite vorfanden
und von denen die eine sich jetzt im Germanischen Museum, die andere im
Lapidarium der Kirche befindet.

Die untere Reihe von Konsolen ist mit allerlei satirischen und anderen
Profandarstellungen, auch naturwahren Tiergestalten usw. in trefflicher
Ausfhrung geschmckt (Abb. 70). Ein Teil derselben ist erneuert
(Originale im Lapidarium). Dieser unteren Reihe gehrt am siebenten
Pfeiler des Ostchores, d. h. an dem Pfeiler, an welchem unten das Relief
der Dornenkrnung angebracht ist, oberhalb des Kaffgesimses auf einem
Sockel die lebensgroe Statue des hl. =Sebald= an sowie am folgenden
Pfeiler die der hl. =Maria=, beide aus der gleichen Zeit wie die
Passionsdarstellungen. Die Figuren sind durch besonders reich gebildete
Baldachine hervorgehoben; ihre Hintergrnde zeigen deutliche Spuren
alter Bemalung, von der sich noch Engelsgestalten erkennen lassen.
Ein Sockelstck auf dem Fenstergesims zwischen diesen beiden Figuren
lt darauf schlieen, da sie ehemals mit einer Mittelfigur zu einer
wirkungsvollen, durch reichen Farbenschmuck ausgezeichneten Gruppe
verreinigt waren.

Die neueste Wiederherstellung der Kirche hat die meisten der
leergebliebenen Postamente mit Propheten, Aposteln und anderen
Heiligengestalten belebt (siehe das Kapitel ber die jngste
Restauration S. 90).

ber der Schautre das eingerahmte Steinrelief des =Jngsten Gerichtes=
(Abb. 71). Die Komposition zerfllt in eine obere und untere Hlfte.
Oben thront in der Mitte Christus, zu beiden Seiten sitzen in einem
Bogen auf Wolken die zwlf Apostel. Die ausgesparten Zwickel ber
denselben fllen vier schwebende Engel aus, die ursprnglich mit
Posaunen ausgerstet waren. Zu Fen Christi knien die frbittenden
Maria und Johannes, in die untere Hlfte der Komposition reichend.
Diese wird durch eine Inschrifttafel in eine linke und rechte Hlfte
zerlegt: hier werden die Auferstandenen von einem Engel in die
Himmelspforte, welche Petrus htet, geleitet, dort von einem Ungeheuer
in den Hllenrachen befrdert. ber der Inschrifttafel zwischen
Maria und Johannes erheben sich die Toten. Links und rechts von der
Tafel der betende Donator und das Wappen seiner Familie, nmlich
das der Schedel. Die Inschrift lautet: Anno domini MCCCCLXXXV die
quarta mensis Decembris obiit peritissimvs artivm et medicine doctor
Hermannvs Schedel, physicvs Norinbergensis, qui cvm sva familia hic
in pace qviescit. Die Gedenktafel ist jedenfalls eine Stiftung des
Hartmann Schedel, des berhmten Herausgebers der nach ihm benannten 1493
erschienenen Weltchronik, zu Ehren seines Sohnes. Die Entstehung drfte
in die nchsten Jahre nach 1485 fallen.

Auf einem der Grabsteine befindet sich ein Steinmetzzeichen. Die
Komposition ist noch ganz mittelalterlich. Die profilierte Umrahmung ist
erneuert (vgl. Redslob a. a. O. S. 58 ff.).

Nach M. M. Mayer, Die Kirche des hl. Sebaldus (1831), S. 15, befand
sich frher rechts von diesem Relief eine weitere =Gedenktafel der
Familie Schedel=, nmlich ein eingerahmtes Holztafelgemlde mit der
=Geburt Christi=, darber in drei Abteilungen die Inschrift: Hartmannus
Schedel, artium ac utriusque medicine doctor, obiit anno domini m.
d. xiiii die xxviiii mensis Nouembris. Magdalena Schedlin, filia
Antony Haller, obiit Anno domini m. d. v. die xiiii mensis Julii. Anne
Schedlin, filia Alberti Heugeli, obiit anno domini M. cccc xi mensis
Septe[mb]ris. Das schon zu Mayers Zeit sehr verwaschene Bild war 1888
nicht mehr vorhanden; der Rahmen befindet sich im Lapidarium.

[Illustration: Abb. 73. Bogenfeld im Portal des sdlichen
Seitenschiffes.]

An der Kapelle neben der sdlichen Sakristei =Kruzifixus zwischen Maria
und Johannes=. Rundfiguren des 14. Jahrhunderts. An der Konsole des
Johannes das Wappen der Groland, unter der Maria das Wappen der Zollner.
Kopien. Die Originale der Maria und des Johannes befinden sich in der
Kirche.

An dem nun folgenden =Dreiknigsportal= die Rundfiguren der heiligen
drei Knige und der Maria mit dem Kinde auf Konsolen. An letzteren die
Wappen der Holzschuher, Muffel und Frey (?). Die Figuren stammen aus
der Zeit des Portales. Die Tympanonfllung wird durch die Rckseite des
holzgeschnitzten und polychrom behandelten Ebnerschen Reliefs gebildet,
das bei der Beschreibung der Denkmler des Innern nher behandelt wird.
Es ist nicht unwahrscheinlich, da das Relief, um es vor den Unbilden
der Witterung zu schtzen, umgekehrt worden ist, frher indessen einen
Schmuck des ueren Portals, das in gleicher Weise polychrom behandelt
ist, bildete.

[Illustration: Abb. 74. Grabrelief der Pmer am sdlichen Treppenturme.]

Links vom Dreiknigsportal ein =Ecce homo= mit dem Wappen der Geuschmid.

Zu beiden Seiten des Portals zwei =Bischfe=. Kopien. Die Originale in
der Kirche.

Am ersten Fenster des Seitenschiffes Doppelrelief: oben =Krnung Mari=,
unten der =unglubige Thomas=. Das obere Relief ist alt, das untere
Kopie (Original im Lapidarium).

An der anderen Seite des Fensters ein =Epitaph= der =Holzschuher=,
ursprnglich vielleicht aus der Zeit um 1430. Steinrelief mit dem
thronenden Gott Vater, den Gekreuzigten haltend, in der Mitte, mit den
hl. Johannes dem Tufer, Sebald und Paulus auf der linken und Petrus,
Thomas und Christophorus auf der rechten Seite; vor den Heiligen die
Stifter mit den Wappen der Holzschuher und Pmer links und den Wappen
der Holzschuher und Pfinzing rechts; auf dem steinernen Tragbalken des
Reliefs die Wappen der Holzschuher und Kre, Holzschuher und Hummel,
Holzschuher und Groland und Holzschuher und Haller. Offenbar Kopie der
Barockzeit (Abb. 72).

An der Wand des nchsten Joches Relief der =Auferweckung des Lazarus=,
durch zwei Sulen dreigeteilt. Nach M. M. Mayer, a. a. O., S. 17, trug
der obere, spter in Verlust geratene Teil die Jahreszahl 1520 und das
Wappen der Pmer. Kopie, deren oberer Teil frei ergnzt wurde; Original
des unteren Teiles im Lapidarium (Abb. 140). Vermutlich ein Werk des
Veit Sto.

An der Stirnseite des nchsten Strebepfeilers ein kleines Relief:
=Christus am lberg=. Kopie. ber die lbergreliefs an St. Sebald und
die daran erkennbare Stilentwicklung handelt im Zusammenhang E. Redslob
in den Mitteilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum 1907, S. 14 ff.

Das von M. M. Mayer S. 17 erwhnte schon damals fast ganz verwitterte
Relief mit dem hl. Sebaldus und zwei anderen Heiligen ist der Zeit zum
Opfer gefallen.

[Illustration: Abb. 75. Grabrelief der Haller am sdlichen Turm.]

=Sdportal=, beziehungsweise das sdliche Eingangsportal des sdlichen
Seitenschiffes:

Bogenfeld mit der Reliefdarstellung des =Jngsten Gerichtes= (Abb.
73). Aus der mit der Erweiterung der Seitenschiffe begrndeten
Bildhauerschule. Um 1310. Der Darstellung liegt die in der gotischen
Zeit bliche Komposition zugrunde, sie unterscheidet sich jedoch von
den brigen Darstellungen des 14. Jahrhunderts noch durch den Mangel
einer sichtlichen Hervorhebung der Horizontalteilung sowie durch das
Vorhandensein des Erzengels Michael als einer stehenden Figur. Das
Relief zeigt ebenso wie die sulenartige Profilierung der Leibungen
Reste alter Bemalung.

Bei dem fr die Komposition zur Verfgung stehenden engen Raum konnten
die sonst nirgends fehlenden =Engel mit den Leidenswerkzeugen= nicht
untergebracht werden oder wurden vergessen. Sie erhielten nachtrglich
in Gestalt von Statuetten ihren Platz zu beiden Seiten in der
Bogenleibung auf dem Gesims der Kapitle.

Auerdem steht noch links auf demselben Gesims die Figur des =Abraham
mit den Seligen im Scho=. Dem Bildhauer schwebte wahrscheinlich
die Komposition des Nordportales am Bamberger Dom, der sogenannten
Frstenpforte, vor Augen.

Seitlich des Portales die nahezu lebensgroen Statuen der hl.
=Katharina= (Abb. 137) und des hl. =Petrus=. Beide stammen aus derselben
Schule wie die brigen Figuren und das Relief des Portales. Die Statue
der hl. Katharina erinnert in ihrem Kostm und mehr noch in ihrer
vornehmen Haltung und in der Behandlung der Draperie an die Statuen des
13. Jahrhunderts. Der Kopf der Statue (Abb. 138) mu ein Meisterwerk
des 14. Jahrhunderts genannt werden. Der Schpfer dieser Leistung war
vielleicht der Begrnder der ersten Bildhauerschule von St. Sebald.
Kopien. Die Originale in der Kirche.

Konsolen und Baldachine gehren der gleichen Zeit an, die figrlichen
Darstellungen an den =Kapitlen= der Portalleibungen der gleichen Schule.

Am Treppentrmchen des sdlichen Turmes ein Hochrelief mit zwei
Darstellungen, oben: =Christus am lberg= (vgl. Redslob, a. a. O., S.
15 ff. und daselbst Tafel I), unten: =Christus als Schmerzensmann=, zu
beiden Seiten knien fnf Familienglieder des Stifters, unter diesen
sechs Pmersche Allianzwappen (Abb. 74). Die ganze Tafel, die Spuren
alter Polychromie zeigt und leider stark verwittert ist, ist von einem
krftig profilierten steinernen Rahmen eingefat. Pmersche Stiftung vom
Jahre 1396.

[Illustration: Abb. 76. Trklopfer vom Brauttor.]

Darunter die Inschrift: Heinrich Pmer der erste alhier starb an St.
Anna tag anno domini m ccc xxxj. Konrat Pmer starb an dem nehsten tag
nach Kunigundis in der fasten anno domini m ccc lxj. Friedereich Pmer
starb an der eilf tavsent meyd obent anno domini m ccc lxxvjj. Fraw
Elspet Jorg Pmerin, her Gotfrid Schoppers tochter, starb am pfinztag
nach Kungundis in der fasten anno domini m ccc lxxxxjjj. Ferner die
Inschrift: Steffan Pmer starb am fritag vor Martini anno domini m ccc
lxxxxv. Jorg Pemer starb am pfinstag nach obersten im ccc lxvj iar.

Nach Mayer, a. a. O., S. 18, sollen Tafel und Inschriften 1797
restauriert worden sein. Die jetzigen Inschriften sind Kopien.

Daneben eine eingerahmte Tafel mit vier Wappenpaaren bereinander. Links
vier Wappen der =Pmer=, rechts von oben nach unten die Wappen der
Rummel, Haller, Schmittmaier-Imhoff und Zollner. Um 1400.

Unter dieser Tafel das Wappenschild der Pmer-Eisvogel. Um 1400.

Am sdlichen Turm eine Tafel mit zwei Reliefdarstellungen in einem
mit Rosetten besetzten Rahmen. Die Tafel wird von einem Zinnenkranz
bekrnt (Abb. 75). Oben: =Christus am lberg=, dabei die knienden
Familienglieder des Stifters mit den Wappen der Ftterer und Haller.
Unten: Die =Dreifaltigkeit= mit den Heiligen Philipp und Simon, dabei
die knienden Familienglieder des Stifters mit den Wappen der Ftterer,
Haller und Derrer auf der linken und den Wappen der Eglofstein und
Grundherr auf der rechten Seite. Stiftung der Ftterer, und zwar von
zwei verschiedenen Familien dieses Geschlechts. Um 1430.

Im Bogenfeld des sdlichen Turmportales das Steinrelief der
=Kreuzauffindung= und Kreuzprobe der =Kaiserin Helena=. Die Heilige
steht in der Mitte der beiden figurenreichen Szenen. Rechts wird das
gefundene Kreuz weggetragen, links wird durch das Kreuz eine totkranke
Frau geheilt. Unten knien rechts und links die Stifter mit ihren
Familien; von den Wappen derselben sind noch die der Gro und Oertel zu
erkennen. Vorzgliche Arbeit um 1510.

Am sdlichen Turm neben dem Portal die berlebensgroe Statue des
hl. =Christophorus=. Der Mrtyrer, ein Riese von Gestalt, trgt
gesenkten Hauptes auf den Schultern das Christuskind, welches sich am
Kopfe des Heiligen und an dessen baumhnlichen Wanderstab festhlt,
und schreitet langsam durch das Wasser. An der Konsole halten zwei
Engel das Schlsselfeldersche Wappen; dabei die Inschrift: Heinrich
Schlsselfelder anno domini M CCCC Xlii. Das Werk pflegt man
vermutungsweise dem Bildhauer Hans Decker, der 1449 in den Nrnberger
Brgerbchern erscheint, zuzuschreiben. Es zeigt frh entwickelten
Naturalismus. Ein mit Kupfer gedecktes Dach schtzt die Statue vor den
Unbilden der Witterung.

An der Sdwestecke des sdlichen Turmes in der Hhe der Glockenstube ein
ziemlich roher, etwa lebensgroer =Kruzifixus= aus der Zeit um 1400.

Am Lffelholzchor ein kleines =lbergrelief=. 14. Jahrhundert.

Auer dieser Steinplastik wre am ueren der Kirche noch einiger
bronzener =Trklopfer= Erwhnung zu tun, dreier prchtiger, den Ring
haltender Lwenkpfe des romanischen Stils an der Brauttre (Abb. 76),
der Tre des Dreiknigsportales und der des sdlichen Seitenschiffes,
eines Trklopfers der Sptrenaissance mit stilisiertem Frauenkopf an der
Tr des nrdlichen Seitenschiffes.

[Illustration: Abb. 77. Statue des Apostels Johannes im Mittelschiff.]

[Illustration: Abb. 78. Statue des Apostels Philippus im Mittelschiff.]

[Illustration: Abb. 79. Statue des Apostels Petrus im Mittelschiff.]

[Illustration: Abb. 80. Statue des Apostels Simon im Mittelschiff.]


                       B. Die Plastik im Inneren.

                     1. Die Plastik der Westhlfte.

Die =Apostelstatuen im Mittelschiff= (Abb. 77 bis 81). Dieselben
sind Auslufer der mit dem Umbau der Seitenschiffe begrndeten
Bildhauerschule und zeigen teils noch die Vorteile derselben durch
glckliche bersetzung der charakteristischen Merkmale ins Monumentale,
teils auch schon deutlich den Verfall der Schule. Sie gehren der Zeit
von etwa 1315 bis 1335 an. Bei der gegenwrtigen Restaurierung wurden
sie smtlich von der dicken Tnchkruste, mit der eine frhere Zeit
nicht nur die Wnde der Kirche, sondern auch die Statuen berzogen
hatte, befreit. Die alte Polychromierung mit reicher Verwendung von Gold
und auch die teppichhnlichen Hintergrnde kamen hierbei wieder zum
Vorschein und wurden von kundiger Hand renoviert.

Die Konsolen, welche die Wappen der Nrnberger Familien Ebner,
Schreyer, Tucher, Kre, Muffel, Knebel, Baumgartner, Neumarkter,
Rieter tragen, haben die Gestalt von Kapitlen teils in schlichter
Profilierung, teils mit reicher Ornamentik. Nur bei einer Konsole an der
sdlichen Pfeilerreihe findet sich figrlicher Schmuck: zwei zierliche
Engelsfiguren flankieren einen mit Draperie umrahmten weiblichen Kopf.

An einem der Pfeiler des Mittelschiffes anstatt einer Apostelfigur
die Statue =Johannes des Tufers= aus der gleichen Werksttte wie die
Apostel.

Ebenfalls als Auslufer der gleichen Schule sind zu betrachten die
beiden Statuen der heilige =Kaiser Heinrich= und =Kaiserin Kunigunde=
(Abb. 82, 83) im nrdlichen Seitenschiff. Um 1330; mit den Wappen der
Stromer aus der ersten Hlfte des 15. Jahrhunderts. Das Zepter der
Kaiserfigur ist neu.

Desgleichen gehrt dieser Schule die Statue des hl. Bischofs =Erhard= an
einem Pfeiler der nrdlichen Reihe an (Abb 84) (vgl. S. 132). Um 1335.

Hierher sind auch zu zhlen als letzte und weniger gute Vertreter dieser
Schule vier Statuen im Ostchor an der Nordwand desselben, nmlich ein
hl. Bischof, ein Jacobus d. . (spter abgendert in Sebald) und ein
Apostel (siehe S. 157-159).

[Illustration: Abb. 81. Statue des Apostels Bartholomus im
Mittelschiff.]

[Illustration: Abb. 82. Statue der hl. Kunigunde im nrdlichen
Seitenschiff.]

Nicht in die Schule der Seitenschiffportale gehrt die berlebensgroe
Statue eines =Christus= mit den =Wundmalen= am ersten nrdlichen
Pfeiler des Mittelschiffes. Die Behandlung des Nackten ist ziemlich
flach, die der Draperie dagegen erinnert in ihrer Vornehmheit an die
klassizistische Richtung der romanischen Epoche. Mit Konsole und
Baldachin aus der Zeit um 1335. An der Konsole das Wappenschild der
Holzschuher.

=Christus als Schmerzensmann.= berlebensgroe Steinfigur mit Konsole
und Baldachin. Im nrdlichen Seitenschiff am ersten Pfeiler. Nachbildung
des vorigen aus der Zeit um 1380. Mit dem Wappen der Pmer.

=Christus als Schmerzensmann.= Halblebensgroe Steinfigur, frher am
westlichen Pfeiler der sdlichen Reihe, jetzt an der Nordwand des
Lffelholzchores, aus der Zeit um 1400. Ohne Sockel und Baldachin. Mit
dem Wappen der Ebner.

Die hl. =Helena= (Abb. 85). Lebensgroe Steinfigur im sdlichen
Seitenschiff am ersten Pfeiler. Mit Baldachin aus der Zeit um 1350.
Konsole mit dem Wappenschild der Ebner, welches zwei Knappen halten, aus
der Zeit um 1320.

Ebenda =Maria mit dem Kinde=, durch Krone und Zepter als Himmelsknigin
charakterisiert. Lebensgroe Steinfigur aus dem 14. Jahrhundert. Das
Zepter ist neu.

Daneben die ebenfalls steinerne Statue der hl. =Katharina=, in der
Gesamtkomposition der frher erwhnten hnlich, doch roher und von
lterem Typus. 14. Jahrhundert.

Der hl. =Antonius=. Dreiviertellebensgroe Steinfigur im sdlichen
Seitenschiff am Turmpfeiler, aus der Zeit um 1350. Baldachin fehlt.
Konsole mit dem Wappenschild der Ebner, gehalten von zwei Knappen, aus
der Zeit um 1320.

An dem letzten nrdlichen Pfeiler des Mittelschiffes (zugleich
ehemaliger Vierungspfeiler) gegenber der Kanzel die Statue des hl.
=Sebald= aus der Zeit um 1390 (Abb. 86). Sebald fat mit der Rechten den
Pilgerstab und hlt mit der Linken das Modell eines gotischen, aus zwei
Stockwerken bestehenden Chores. Stein in farbiger Fassung. Mit Konsole
und Baldachin aus Stein. Die Konsole wird von einem Engel gebildet,
welcher die auf einem Wappenschilde vereinigten, mit der Legende des
Heiligen verknpften Wappen von Dnemark und Frankreich samt den Wappen
der Mendel, Volckamer und Haller trgt.

[Illustration: Abb. 83. Statue des hl. Kaisers Heinrich im nrdl.
Seitenschiff.]

[Illustration: Abb. 84. Statue des hl. Erhard im Mittelschiff.]

[Illustration: Abb. 85. Statue der hl. Helena im sdlichen Seitenschiff.]

[Illustration: Abb. 86. Statue des hl. Sebaldus im Mittelschiff.]

[Illustration: Abb. 87. Kreuzschleppung von Adam Kraft.]

Am zweiten sdlichen Pfeiler des Mittelschiffes ein Steinrelief mit
der =Kreuztragung von Adam Kraft= (Abb. 87) aus dem Jahre 1496.[IX]
Das Relief war frher an der Stadtgrabenmauer am Steig beim Zeug- oder
Kornhaus eingemauert und wurde nach Auflassung des Grabens zu Beginn
des 19. Jahrhunderts in die Kirche St. Sebald verbracht, wo es an der
bezeichneten Stelle als Altaraufsatz dient.

  [IX] Das bei Daun, Adam Kraft und die Knstler seiner Zeit,
       Berlin 1897, S. 79, erwhnte Entstehungsjahr 1506 findet sich
       nirgends belegt. Nach 1500 knnte das Relief auch stilistich
       gar nicht mehr entstanden sein. Es ist mit den Stationen und
       namentlich, was den Hintergrund anlangt, zu nahe mit dem
       Schreyerschen Grabmal verwandt, als da es zeitlich so weit von
       denselben abgerckt werden drfte. Auch nach der kostmlichen
       Seite gehrt die Darstellung in die neunziger Jahre des 15.
       Jahrhunderts. Es ist somit kein Grund vorhanden, an der
       Richtigkeit der berlieferten Jahrzahl 1496 zu zweifeln.

Komposition wie Ausfhrung erinnern stark an die Kraftschen Stationen
in der Burgschmietgasse und an das Schreyersche Grabmal am Ostchor der
Kirche. Der obere Teil des Rahmens ist ornamental behandelt. Hhe 230,
Breite 110 m.

In der Mitte des Westchores ein eherner =Taufkessel= (Abb. 88), etwa um
1410 entstanden. Um den Hals sowohl wie um den Kessel laufen in Reliefs
Arkadenbgen, dort 12, hier 21, mit ebensovielen Figuren: Christus am
Kreuz, Maria, Johannes, Apostel, Propheten und andere Heilige. Die
brigen Teile sind durch Ringe mehrfach profiliert und mit Weinranken
verziert. Vor dem Hals stehen auf Postamenten, welche mit dem Fu des
Kessels organisch verbunden sind, in gleichen Zwischenrumen vier
mnnliche Figuren, mit ihrem Huptern gleichsam den Kessel sttzend, von
denen drei aus einer und derselben Guform gegossen zu sein scheinen.
Der Innenraum des Halses, der an der Nordseite mit einer Tr versehen
ist, war fr Heizung eingerichtet, um das fr die Taufe bestimmte Wasser
an Ort und Stelle wrmen zu knnen.

[Illustration: Abb. 88. Eherner Taufkessel im Lffelholzchor.]

Der Taufkessel hatte dadurch historische Berhmtheit erlangt, da in
ihm am 11. April 1361 der nachmalige Knig Wenzel getauft worden sein
und das Taufwasser besudelt haben soll. Dabei kursierte die andere
Erzhlung, da man beim Wrmen des Taufwassers im Pfarrhof bei St.
Sebald mit dem Feuer unvorsichtig umging, so da der Pfarrhof abbrannte.
Da der Pfarrhof 1361 abbrannte, ist urkundlich nachweisbar. Beruht
auch jene erste Anekdote auf Wahrheit, so hat es sich damals um den
jetzt nicht mehr vorhandenen =Taufstein= gehandelt, womit dann auch
bereinstimmt, da das Wasser im Pfarrhof vorgewrmt wurde.

Der Taufkessel verdient weniger wegen der Ausfhrung des einzelnen als
vielmehr wegen seiner originellen Gesamterscheinung Beachtung. Er ist
das lteste bekannte Denkmal Nrnberger Giekunst. Sein ursprnglicher
Standort war wie der seines aus Stein gefertigten Vorgngers im Schiff
der Kirche.

1572 wurde der Kessel gereinigt und unter den Fu eine Steinplatte
gelegt. Der einfach profilierte Holzdeckel stammt aus der Zeit der
Sptrenaissance.

Im stlichen Joch des sdlichen Seitenschiffes in einer Nische die Bste
des Pfarrers an St. Sebald Friedrich Michahelles ([gestorben] 1903), von
Fritz Zadow in griechischem Marmor ausgefhrt.


                       2. Die Plastik im Ostchor.

Es folgt zunchst die Beschreibung der Statuen an der Ostchorwand, und
zwar derjenigen neben den Fenstern auf den vom Chorbau herrhrenden
Konsolen in fortlaufender Reihe von der Brauttre an.

[Illustration: Abb. 89. Der Apostel Andreas. Holzstatue von Veit Sto.]

Rechts ber der nrdlichen Sakristeitre der Apostel =Jacobus= d. . mit
Pilgerhut, Tasche und Stab, lebensgroe Steinfigur. Um 1335. Einer der
letzten Auslufer der mit der Erweiterung der Seitenschiffe gegrndeten
Schule. Die Renovierung der Barockzeit hat den Jacobus durch Beigabe
eines Kirchenmodells in einen hl. Sebald verwandelt.

Links vom Mendelschen Fenster =Christus als Weltheiland=, die Weltkugel
in der Linken, mit der Rechten segnend. Lebensgroe Holzfigur in der
Art des Veit Sto. 1657 wurde die Statue aus dem Werkhaus in der
Karthausen an den jetzigen Ort verbracht (Rechnungen im Freiherrlich
von Tucherschen Familienarchiv). Aus dieser Zeit stammt der in Kupfer
getriebene Heiligenschein. An der Konsole das Wappen der Tucher.

[Illustration: Abb. 90. Statue Johannes des Evangelisten im Ostchor.]

Rechts vom Mendelschen Fenster der hl. =Andreas= mit Kreuz und Buch
(Abb. 89). berlebensgroe Holzfigur, ohne Zweifel von =Veit Sto=, in
der Naturfarbe mit leichter Andeutung der Farbe von Lippen und Augen. Um
1495. An der Konsole das Wappen der Tucher.

Links vom Tucherschen Fenster der Apostel =Johannes= (Abb. 90), den
Giftkelch in der Linken, mit der Rechten segnend. Lebensgroe Figur von
gebranntem Ton. Um 1410. Hnde und ein Teil der Gewandung sind neu. An
der Konsole das Wappen der Tucher.

Rechts vom Tucherschen Fenster der hl. =Johannes der Tufer= mit Buch
und Lamm in der Linken. berlebensgroe Steinfigur. Um 1430. An der
Konsole das Wappen der Tucher.

Links vom Frerschen Fenster ein hl. =Apostel= mit einem Buch in der
Linken. Lebensgroe Steinfigur. Um 1335. Einer der letzten Auslufer der
mit der Erweiterung der Seitenschiffe gegrndeten Schule. Die rechte
Hand ist ergnzt.

Rechts vom Frerschen Fenster der Apostel =Johannes=. Lebensgroe
Holzfigur. Jedenfalls von einer Kreuzigungsgruppe stammend. Um 1460.

[Illustration: Abb. 91. Thomaschristus von Veit Sto im Ostchor.]

[Illustration: Abb. 92. Schmerzensmutter von Veit Sto im Ostchor.]

Links und rechts vom Stromerschen Fenster die beiden Holzfiguren einer
=Verkndigung=, links der =Engel= und rechts =Maria=, knieend. Um 1460.
Das Zepter des Engels ist erneuert. Am linken Sockel das Wappen der
Starck, am rechten das der Imhoff.

Zu beiden Seiten des Bambergischen Fensters die fast lebensgroen
Steinfiguren der Heiligen =Heinrich= (Abb. 48, 49) und =Kunigunde=.
Um 1335. Wiederum letzte Auslufer der mit der Erweiterung der
Seitenschiffe gegrndeten Schule. Die beiden Statuen waren vor der
letzten Restaurierung bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Die gefundenen
Spuren berechtigten zur Ergnzung der Figuren als Dizesanheilige. Bei
Heinrich ist das Modell des Bamberger Domes, bei Kunigunde das Zepter
neu.

Zu beiden Seiten des Maximilianfensters die berlebensgroen
Steinfiguren der Apostel =Paulus= und =Petrus=. Um 1375, aus der
Zeit der Vollendung des Ostchorbaues die einzigen Statuen der
langen Konsolen- und Baldachinreihe. Schule des Meisters des
Sakramentshuschens. Beide Apostel mit ihren Attributen. Gut erhalten.
An der Konsole der Paulusstatue das Wappen der Usmer.

[Illustration: Abb. 93. Statue des hl. Erasmus im Ostchor.]

[Illustration: Abb. 94. Statue der Maria von der Behaimschen
Heimsuchung.]

Zu beiden Seiten des Markgrafenfensters zwei berlebensgroe Holzfiguren
von =Veit Sto= aus dem Jahre 1495 (an den Konsolen bezeichnet und
datiert). =Christus als Schmerzensmann= und =Maria als Schmerzensmutter=
(Abb. 91, 92). Die Holzfarbe ist beibehalten. An den Plinten wurden
bei der letzten Wiederherstellung der Kirche das Zeichen des Meisters
und die Jahrzahl aufgedeckt. An der Christusstatue sind eine Hand und
ein Fu ergnzt. An der Statue der Maria ist der ber den rechten Arm
geschlagene Gewandzipfel nachtrglich, vermutlich von Sto selbst,
angefgt. Nach den Wappen an den Konsolen stellen sich beide Statuen mit
den spter behandelten drei Passionsszenen darunter als eine Stiftung
der Familie Volckamer dar.

Zu beiden Seiten des Pfinzingschen Fensters die unterlebensgroen
Holzfiguren eines hl. =Papstes= und eines hl. =Bischofs= aus der Zeit
um 1470. Besondere Attribute fehlen. Die Statuen stammen vermutlich von
einem der frheren Altre der Kirche. Hallersche Stiftungen.

Links vom Hallerschen Fenster die lebensgroe Steinfigur eines
hl. =Bischofs=. Attribut zur nheren Bestimmung fehlt. Um 1335. Wiederum
einer der letzten Auslufer der mit Erweiterung der Seitenschiffe
gegrndeten Schule. Rechte Hand ergnzt. Am Sockel Wappen der Haller.

Rechts vom Hallerschen Fenster die lebensgroe Terrakottafigur eines
=Apostels=. Attribut zur nheren Bestimmung fehlt. Um 1390. Aus der
Schule des Meisters der Tonbildwerke in der Jakobskirche. Ursprnglich
fr einen anderen Ort bestimmt. Zuletzt neben dem Bamberger Fenster.
Rechter Fu und linke Hand in der Barockzeit mangelhaft ergnzt.

Zu beiden Seiten des Schrstabschen Fensters die berlebensgroen
Holzfiguren des hl. =Erasmus= (Abb. 93) und des hl. =Sebald=. Um 1450.
Gegenstcke, vermutlich von dem gleichen Meister. Attribute zum Teile
ergnzt. Zu den Fen beider je ein kleines Lamm, auerdem beim
hl. Sebaldus das Wappen der Schrstab-Gro; am Sockel der Erasmusstatue
das Wappen der Haller-Tetzel, umgendert in ein Wappen der
Schrstab-Gro.

Zu beiden Seiten des Behaimschen Fensters die berlebensgroen
Steinfiguren einer =Heimsuchung=, die Heiligen =Maria= (Abb. 94) und
=Elisabeth=. Um 1420. Ergnzungen an den Hnden der Maria und am Gewand
der Elisabeth; die Hnde der Elisabeth sind neu. An jeder Konsole das
Wappen der Behaim.

Zu beiden Seiten des Volckamerschen Fensters die berlebensgroen
Statuen einer =Verkndigung=, links der =Engel=, rechts =Maria=. Wie
die beiden eben aufgefhrten Statuen aus der Zeit um 1420 und aus der
gleichen Schule. Am Engel sind Hnde und Zepter neu, an der Maria nur
weniges ergnzt. An jedem Sockel das Wappen der Volckamer.

Verschiedene der erwhnten Konsolen zeigen als figrliche Darstellungen
Fratzen, groteske Tiergestalten usf., die von einem freien Spiel der
Phantasie zeugen.

An der Wand des Bambergischen Fensters ein =Wandtabernakel= (Abb. 50)
aus der Zeit zwischen 1372 und 1379.[X] Der in die Mauer eingelassene
Schrein ist von einem in Relief dargestellten architektonischen Aufbau
umgeben, welcher sich aus Strebewerk und Baldachinen zusammensetzt und
durch eine Reihe von Figuren belebt ist. Der Aufbau ist symmetrisch,
die Figuren korrespondieren. Der Gegenstand der Darstellung ist nicht
historischer, sondern reprsentativer Natur. Unterhalb des Schreines
die Einbalsamierung der Leiche Christi durch Joseph von Arimathia im
Beisein von sechs Jngern. Zu beiden Seiten dieser Darstellung unter
einem Strebebogen je ein kniender leuchterhaltender Engel; darber links
der hl. Petrus, rechts der hl. Sebald; ber diesen in Baldachingehusen
sitzend zwei Propheten mit Spruchbndern; in den Zwickeln zwischen der
unteren und mittleren Etage ein Pelikan und eine Lwin mit Jungen. In
den beiden ueren niedrigeren Bgen unter Mawerk oben zwei betende
Stifter; ber denselben, jedoch ohne organische Verbindung mit ihnen,
zwei Baldachine und von hockenden Gestalten gebildete Konsolen mit
Engeln, welche die Leidenswerkzeuge halten; unmittelbar unterhalb der
Konsolen die Wappen der Stifter, links das der Groland, rechts das der
Muffel. Oberhalb des Schreines die Dreifaltigkeit mit Maria und Johannes
dem Evangelisten; ber dieser Gruppe, bereits auf der Fensterbank,
geschtzt durch einen dachartigen, von einer Turmspitze gekrnten
Baldachin Christus als Weltrichter mit Maria und Johannes dem Tufer
als Frbittern. Zu beiden Seiten dieser Komposition rechts Christus als
Schmerzensmann auf einer Konsole mit einer hockenden Prophetengestalt
und unter einem Baldachin, welcher Figur wohl links eine Maria als
Schmerzensmutter entsprach, die jedoch nicht mehr vorhanden ist.
Erhalten haben sich hier nur die hnlich gebildete Konsole samt
Baldachin.

  [X] Re (Nrnberg, Berhmte Kunststtten, Nr. 5, 3. Aufl., S. 43, vgl.
      auch S. 61) datiert das Sakramentshuschen annhernd richtig.
      Daun, a. a. O., S. 10, setzt es an den Anfang des 15. Jahrhunderts
      ohne nhere Begrndung, Pckler (Die Nrnberger Bildnerkunst) gar
      erst in die Zeit von 1430 bis 1442. Er erklrt diese Zeitangabe
      nicht nur mit stilistischen Grnden, sondern auch damit, da in
      den beiden Stiftern Peter Groland und Jakob Muffel dargestellt
      sind, welch letzterer 1442 anscheinend schon als lterer Mann
      verschied. Pckler hlt nmlich die Heiligenfigur auf der Seite
      mit dem Muffelschen Wappen fr Jacobus den lteren, whrend
      dieselbe doch als Sebald genau zu erkennen ist. Es sind eben die
      beiden Hauptheiligen der Kirche Petrus und Sebald dargestellt ohne
      weitere Bezugnahme auf die Vornamen der Stifter. -- brigens ist
      der Stil der Figuren um 1440 gar nicht mehr mglich.

[Illustration: Abb. 95. Passionsszenen von Veit Sto im Ostchor.]

[Illustration: Abb. 96. Ebnerrelief am Dreiknigsportal im Ostchor.]

Das ganze Gehuse ist farbig gefat. Das Eisenbeschlge der Schreintre
ist ornamental behandelt.

Das Ganze ist, wenn auch in der Ausfhrung kein hervorragendes
Kunstwerk, in der Komposition eigenartig. Es ist aus derselben
Bildhauerwerkstatt hervorgegangen, wie die Passionsdarstellungen auen
an den Ostchorpfeilern. Stiftung der Familien Groland und Muffel.

1514 hatte sich Propst Melchior Pfinzing vergeblich bemht, das
Sakramentshuschen aus der Kirche zu entfernen. In dem Jahre, in welchem
ihm der Rat erlaubte, die Quermauer zwischen der Pfarrkirche und St.
Moritz abzubrechen, wollte er ein neues und greres Sakramentshuschen
ber dem St. Nikolaus-Altar errichten und hatte schon Mittel hierfr
gesammelt. Allein Jakob Muffel, Jakob und Leonhard Groland als
Nachfolger der Stifter des bisherigen Tabernakels widersprachen mit
Erfolg und lieen das alte herrichten.

Drei Stufen fhren zu dem Wandtabernakel empor; ein fnfteiliges
schlichtes Eisengitter schliet das Ganze ab.

Auf dem Petrusaltar steht jetzt die Holzfigur eines =Christus als
Schmerzensmann= aus dem 17. Jahrhundert.

[Illustration: Abb. 97. Madonna in der Glorie. Statue (Birnbaumholz) im
Ostchor.]

Hinter dem Hauptaltar an der Wand des Markgrafenfensters, die ganze
Breite derselben einnehmend, ein Steinrelief mit =drei Passionsszenen=
(Abb. 95) in ebenso vielen gleich groen Feldern von =Veit Sto= aus dem
Jahre 1499.

Von links nach rechts das Abendmahl, der lberg und die Gefangennahme.
Christus und die zwlf Jnger in der Darstellung des Abendmahls sollen
zufolge einer schlecht beglaubigten Tradition Bildnisse der Nrnberger
Ratsherren von 1499 sein.

Auf der Sbelscheide des Trken oder Polen in der Darstellung der
Gefangennahme das Monogramm des Veit Sto und die Jahreszahl, die in
ihrer Verschnrkelung erst 1863 von einem Maler Alexander Lesser aus
Krakau hier entdeckt wurden. Im ersten Feld ist unten links der Stifter
Paul Volckamer mit seinen beiden Shnen und dem Familienwappen, im
dritten Felde unten rechts seine beiden Frauen und seine drei Tchter
mit den Wappen der Mendel und Haller in kleinem Mastab angebracht.

Das Relief ist eine der wenigen Steinarbeiten des Veit Sto.

Im Ostchor an der Wand zu beiden Seiten der Schautre zwei Steinfiguren
in Dreiviertellebensgre mit Konsole und Baldachin. Die Statue links:
=Christus als Schmerzensmann= aus der Zeit der Vollendung des Chorbaues
mit dem Wappen der Behaim, die Statue rechts, eine =weibliche Heilige=
mit Buch, aus der Zeit um 1400 mit dem Wappen der Volckamer.

Im Bogenfeld ber der Schultre (Dreiknigsportal, vgl. oben) ein farbig
gefates Holzrelief, das die von zwei Engeln gekrnte, das Christuskind
sugende =Madonna= (Abb. 96) darstellt. =Ebnersche Stiftung= vom Jahre
1429.

Rechts das Bildnis der Nonne Christine Ebner, btissin des Klosters
Engelthal, und die Inschrift: Die selig Cristina Ebnerin wart geborn
anno domini M cc lxxvii jar vnd wart lxxix jar alt vnd starb anno domini
mccc lvi an sant Johanes tag zv weinachtn vnd lebet seliglich im orden
zv Engeltal do liegt sie begraben bitte gott fr das geschlecht der
Ebner.

[Illustration: Abb. 98. Bronzestatuette der Maria von Stephan Godl.]

Darunter die Bildnisse von fnf Familiengliedern der Ebner mit den
Jahrzahlen 1384 bis 1490 und die Inschrift: Anno domini M cccc xxix
Am Erichtag nach St. Paulitag do Starb Albrecht Ebner den gott genad.
Anno domini Mcccc xxix Am Lorentzentag Starb Agnes Pmerin Sein Hausfraw
der gott genad. Dabei die eine Renovierung des Reliefs bezeichnende
Jahreszahl 1656.

Das Relief ist eine der besten Bildhauerarbeiten der damaligen Zeit
(vgl. ber dasselbe Redslob, a. a. O., S. 57.)

Am ersten sdlichen Chorpfeiler die berlebensgroe Steinfigur einer
=Madonna= aus der Zeit um 1380; das aus Holz geschnitzte Christuskind
ist nachtrglich angefgt. Mit Konsole und Baldachin. Maria ist als
Himmelsknigin mit Krone und Zepter dargestellt. Die Behandlung des
nackten Christuskindes, welches einen Granatapfel hlt und die Beine
bereinander schlgt, weist auf eine etwa 100 Jahre sptere Entstehung.

An dem ersten nrdlichen Chorpfeiler die aus Birnbaumholz geschnitzte
und farbig gefate lebensgroe Statue einer =Madonna= mit dem
Christuskind aus der Zeit um 1410 (Abb. 97). Maria hlt mit beiden Armen
das nackte Kind, das die Beine bereinander schlgt und mit einem Apfel
spielt. Zwei kleine Engel tragen die Krone und zwei Engel schweben
um die schalenfrmige Mondsichel, auf welcher die Himmelsknigin
steht. Eine sternenbeste Tafel mit groem Strahlenkranze bildet den
Hintergrund. Konsole und Baldachin, in Stein gearbeitet, schlieen das
Ganze nach unten und oben ab. Die Statue zhlt zu den besten Arbeiten
Nrnbergs im beginnenden 15. Jahrhundert.

Das Bildwerk war ursprnglich als Schrein gedacht, der durch zwei Flgel
geschlossen werden konnte. Es wird vermutet, da die in der Pinakothek
zu Mnchen befindlichen Tafelgemlde des Hans von Kulmbach mit den
Heiligen Joseph und Zacharias die abhanden gekommenen Flgel sind.

Am dritten nrdlichen Chorpfeiler die halblebensgroe Erzfigur einer
=Madonna= (Abb. 98), die als ein Werk von =Stephan Godl= erkannt
worden ist. Um 1515. An der hbschen Holzkonsole, die gleichfalls der
Frhrenaissance angehrt, das verschrnkte Wappen der Eseler und der
Propstei von St. Sebald.

Mitten im Ostchor das =Sebaldusgrab=[XI] (Taf. XIV; Abb. 99). Es besteht
aus zwei Hauptteilen: 1. dem zur Aufnahme der Reliquien des hl. Sebald
bestimmten Schrein vom Jahre 1397 und 2. aus dem von Peter Vischer dem
lteren und seinen fnf Shnen in den Jahren 1508-1519 in Erz gegossenen
Gehuse.

  [XI] ber dasselbe vergleiche insbesondere Bergau in Dohme, Kunst und
       Knstler. Bd. II, 2, Leipzig 1858; Lbke, Geschichte der
       Plastik. 1880, II; Bode, Geschichte der deutschen Plastik.
       1885; Autenrieth, Das Sebaldusgrab Peter Vischers, historisch
       und knstlerisch betrachtet. Ansbach 1887; Re, Nrnberg. S.
       102 ff.; Daun, Adam Kraft und die Knstler seiner Zeit. S. 115
       ff. Zusammenstellung der Literatur ber Peter Vischer und auch
       ber das Sebaldusgrab findet sich bei Th. Hampe, Nrnberger
       Ratsverlsse. 1904, Bd. I, S. 50 ff. Ganz neuerdings erschien:
       Alexander Mayer, Die Genreplastik an Peter Vischers Sebaldusgrab.
       1911. 2.

1. =Der Reliquienschrein vom Jahre 1397.= Die Form des Schreines
ist hnlich der eines lnglichen Hauses. Eichenholz, verkleidet mit
Silberblech, welches abwechselnd mit dem reichsstdtischen Wappen und
dem des Schultheien von Nrnberg in Treibarbeit gemustert ist.[XII] Auf
dem First ein durchbrochen gearbeiteter ornamentaler Fries, welcher zwei
Kreuzblumen auf den Giebeln verbindet.

  [XII] P. J. Re, a. a. O., S. 65, will das Silberblech des Sarges
        erst 1506 hergestellt sein lassen, und zwar nach dem Vorbilde
        des mit Silberplatten belegten Schreines des 15. Jahrhunderts,
        in welchem in der Spitalkirche zum Heiligen Geist die
        Reichskleinodien aufbewahrt wurden und welcher sich jetzt im
        Germanischen Nationalmuseum befindet. Daran ist gar nicht zu
        denken. Das Verhltnis ist umgekehrt.

1379 wurde der Sebaldusaltar durch einen neuen ersetzt. Auch dieser
wird in der Mensa die Gebeine des Heiligen bewahrt haben. 1397 wurde
fr dieselben ein eigener Schrein, eine Art Sarg, beschafft und in
der Mitte des Chores aufgestellt. Anscheinend war auch ein Sockel fr
denselben vorhanden. Alle Jahre am Tage des Heiligen (19. August) wurde
der Sarg in feierlicher Prozession in der Kirche herumgetragen. In
solcher Prozession trugen die Alten Herren des Rates St. Sebaldi Sarg
um, welcher mit Pappenrosen besteckt war, unter demselben schloff das
Volk hin und wieder, dann sie glaubten: es wrde ihnen hernach weder
Kopf noch Rcken wehe tun (Vgl. M. M. Mayer, a. a. O., S. 31). In
zwei Legaten von 1412 und 1415 hatte Klara Geuder zwei Lampen beim
Sebaldusgrab gestiftet.

1461 wurde an dem Sarg ein Einbruch verbt. Seitdem fanden periodische
Besichtigungen der darin enthaltenen Reliquien statt. So 1463, 1482,
1503. ber die 1503 vorgenommene Besichtigung findet sich in einer
Chronik vom Ausgange des 16. Jahrhunderts (Kreisarchiv Nrnberg, Msc.
XIV-1/2, 106) folgender Bericht: Nachdem auch in gebrauch gewest, St.
Sebalds hailthumb oder gebein biweilen zu erffnen und zu besichtigen,
als ist solches a^o 1503, den 22. tag julii auch geschehen; solcher
erfnung haben beigewohnet die herren lteren des rats, der baumeister,
der probst und kirchenpfleger Sebaldi; die zween loungschreiber
haben dabei knieen und ein jeder ein brennende wachskerzen halten
mssen; die kirchen ist unterdessen verspert gehalten und ausen mit
einer wacht beleget worden; es ist auch der krchenmeister auer der
kirchen herumgegangen, ob sich etwan ein unruhe erregen wolt; so groe
sorg hat man fr St. Sebalds toden-gebain getragen, das ihnen nichts
wiederwrtiges wiederfre, zu dem man doch damahls die zuversicht
getragen, da er jederman helfen knnte. Im sarg sein zwo hlzerne
laden gestanden und in jeder zween bndel mit roten zendel eingewickelt
gelegen, die man heraus auf eine darzu bereitete tafel gehebt; in deren
einer sein 18 stck groer, in der andern 91 stck mittelmsiger und
kleiner gebein, das haupt aber in einen sonderbaren silbern kstlein,
in der gestalt eines brustbilds, verspert gewest, welches man zu hohen
festtgen hat pflegen auf dem altar zu setzen, wigt an silber 35 mark,
ist gemacht worden a^o 1425. Auch ist eine ganze bildnu St. Sebalds
vorhanden, die man an festtagen an dem sarg aufgerichtet, wigt 21-1/2
mark. Diese besichtigung di heiligtums ist damals nicht geschehen
gewest seit dem jahr 1482 und derowegen damals fr gut angesehen und
decretirt worden, hinfro diese besichtigung alleweg nach verfliesung
zwanzig jahren frzunehmen, das heilthumb zu saubern und mit bisam
in neuen zendel einzuwickeln, das ist aber zeit hero gar verblieben,
dieweil mit ausgang der 20 jahr die nderung der religion eingefallen.

[Illustration: Abb. 99. Detail vom Sebaldusgrab.]

Trotz aller Vorsicht wurde 1506 wieder eingebrochen und gestohlen. Der
Einbruch hatte Reparaturen zur Folge. Vermutlich auf diese Renovierung
bezieht sich die eine der beiden Inschriften, die sich auf der
westlichen Schmalseite am Sockel finden. Sie lautet: 1506 IAR IST
DISER SARCH FERNEIT VOR... Die andere Inschrift berichtet von einer
Erneuerung im Jahre 1628: ANNO DNI MDCXXIIX IST DIESER SARCH VERNEVRT
WORDEN.

2. =Das Gehuse aus den Jahren= 1508-1519. Hhe 430, Lnge 250 und
Breite 140 m. Es setzt sich zusammen aus dem fr den Sarg bestimmten
Sockel und der Sockel und Sarg umschlieenden Halle.

Die Halle besteht aus drei nebeneinander stehenden Jochen mit
ebensovielen Kuppelgewlben auf acht freistehenden Pfeilern. Halle und
Sockel ruhen auf einer oblongen Fuplatte, welche von 16 Schnecken und
an den Ecken von 4 Delphinen getragen wird. Die Kuppelgewlbe werden
von pyramidenartigen, aus Architekturmotiven komponierten Aufstzen
berhht. Dem Sockel des Schreines sind zwischen den Pfeilern Kandelaber
vorgelegt, von welchen schlanke Sulchen bis zu den Scheiteln der
Gewlbebgen reichen. Das Ganze ist mit figrlichem und ornamentalem
Schmuck belebt. An den vier Ecken der Fuplatte vor den Sulen sitzen
griechische und biblische Helden: Herakles und Theseus, Nimrod und
Simson, an der Mitte jeder Seite die Kardinaltugenden Migkeit,
Klugheit, Gerechtigkeit und Tapferkeit. Die vier Seiten des Sockels
lsen sich in Hallen auf, welche an den beiden Schmalseiten die
Statuetten des Meisters und die des hl. Sebald, an den beiden Langseiten
vier Reliefs mit Darstellungen aus dem Leben des Heiligen, die
wunderbare Fllung des Weinkruges, die Bestrafung eines Sptters, Sebald
an brennenden Eiszapfen sich wrmend und die Heilung eines Blinden,
enthalten. Vor den Eckpfeilern der Halle sind vier Sirenen, auf Sulchen
sitzend, als Leuchterhalter angebracht. In halber Hhe vor den acht
Pfeilern der Halle stehen ebenfalls auf vorgelegten, mit Postamenten
und Kapitlen versehenen Stben die Statuetten der zwlf Apostel, der
Hauptfigurenschmuck des Sebaldusgrabes; an den strkeren Eckpfeilern je
zwei, an den brigen Pfeilern, je ein Apostel, und zwar an der Ostseite
Andreas und Petrus, an der Sdseite Johannes, Jakobus der ltere,
Philipp und Paulus, an der Westseite Judas Thaddus und Matthias, an
der Nordseite Simon, Bartholomus, Jakobus der Jngere und Thomas.
Baldachine beschtzen die Apostel. Die Pfeiler setzen sich ber dem
Gewlbeansatz fort und tragen die kleinen Statuetten von Propheten und
Kirchenlehrern. Oben auf der mittleren Kuppel steht das Christuskind mit
der Weltkugel, eine Nachbildung des gestohlenen Vischerschen Originales
vom Ausgang des 18. Jahrhunderts. Im brigen ist das ganze Denkmal
reich mit kleinen figrlichen und ornamentalen Reliefs, mit Putten und
allerlei Tierfiguren ausgestattet.

Nach der stilistischen Seite ist das Sebaldusgrab eine Mischung von
Gotik und Renaissance. Gotisch ist nicht nur die Gesamtanlage, sondern
auch eine Reihe von Architekturteilen, ausgesprochene Renaissance
fast die ganze Detailbehandlung und der figrliche Schmuck. Nach
der gegenstndlichen Seite zeigt sich in der Verwertung antiker
mythologischer Gestalten der Einflu des Humanismus.

In der knstlerischen Behandlung, besonders bei den Reliefs am
Sockel und vor allem bei den Apostelstatuen, ist der italienische,
hauptschlich der oberitalienische Einflu unverkennbar. Echt deutsch
ist der Phantasiereichtum. Seiner Originalitt verdankt das Denkmal
seinen Weltruf. Es ist die bedeutendste Schpfung der Renaissance auf
dem Gebiete des Erzgusses.

Das schlichte sptgotische Gitter ist eine Arbeit des Schlossers Jorg
Hames aus der Zeit der Vollendung des Vischerschen Grabmales.

[Illustration: Abb. 100. Gewlbeschlustein mit der Geburt Christi. Im
nrdlichen Seitenschiff.]

[Illustration: Abb. 101. Gewlbeschlustein mit dem hl. Sebald. In der
nrdlichen Sakristei.]

Die Idee, um den Sarg des hl. Sebald eine Halle zu errichten, hatte
bereits der Kirchenpfleger Ruprecht Haller (1474-1489). Er wandte sich
an Peter Vischer und dieser lieferte 1488 einen noch rein gotischen,
jetzt in Wien befindlichen Entwurf, welcher nur in der Gesamtanlage
mit dem spter ausgefhrten Werke bereinstimmt. Der Plan scheiterte,
wahrscheinlich an Geldmangel. Hallers Nachfolger Paul Volckamer
(1489-1505) und der rhrige Sebald Schreyer, Kirchenmeister von
1482-1503, lieen den Plan nicht fallen. Allein erst unter Anton Tucher
und Lazarus Holzschuher im Verein mit Peter Imhoff und Sigmund Frer
kam endlich die Idee zur Verwirklichung. Im Mai 1507 wurde der Beschlu
gefat, Peter Vischer ging sogleich an die Vorarbeiten. Das Messing
wurde von Hans und Andreas Rosner und Sebald Behaim bezogen. Nach
Vollendung des Fundamentes kam 1508 die stliche Hlfte der unteren
Partie, 1509 die westliche Hlfte zur Ausfhrung. Die entsprechenden
Inschriften lauten: Ein anfang dvrch mich Peter Vischer 1508 und
Gemacht von Peter Vischer 1509. 1512 war die Halle vollendet, wie aus
einer Stelle bei Cochlus, Cosmographia des Pomponius Mela, erschienen
1512, hervorgeht, wo bereits von dem ganzen Kapellenbau die Rede ist.
Die Ausfhrung des figrlichen Schmuckes zog sich bis Frhjahr 1519
hin. Allein jetzt fehlten die Geldmittel, um Peter Vischer bezahlen
zu knnen. In kurzer Zeit waren dieselben aufgetrieben, nachdem Anton
Tucher am 17. Mrz einen Aufruf an die leistungsfhigen Brger erlassen
hatte (abgedruckt bei M. M. Mayer, a. a. O., S. 31 f.). Am 19. Juli
wurde das Grabmal aufgerichtet. Die Inschrift am Rande der Fuplatte
lautet: Petter Vischer pvrger zv Nurmberg machet das werck mit sein
sunne. vn wurd folbacht im jar 1519 vnd ist allein Got dem Allmechtigen
zu lob vnd Sanct Sebolt dem Himelfrste zv Eren mit hilff frumer leut
vn dem allmossen bezalt. Das Grabmal hatte ein Gewicht von 157 Ztr.
29 lb. Peter Vischer erhielt als Bezahlung 3145 fl. 16 Schilling,
also fr den Zentner 20 fl. Von den angesehenen Brgerfamilien hatten
Beitrge geleistet Sebald Schreyer und Gesellschaft 117 fl. 12 Heller,
Hans Starck 100 fl., Imhoff und Gesellschaft 60 fl., Sigmund Frer und
Gesellschaft 80 fl., Hans Tucher der ltere fr sich und seine Brder 20
fl. und fr seine Gattin und deren Verwandtschaft 20-1/2 fl. usw. Siehe
Baader, Beitrge. 1, 53.

Von den Shnen Peter Vischers des lteren war Peter der Jngere
am meisten an der Arbeit beteiligt, der mglicherweise auch der
hauptschlichste Vermittler des oberitalienischen Einflusses war,
whrend man eine Beeinflussung durch Vorbilder der rmischen Renaissance
wohl auf Peters des jngeren Bruder, Hermann Vischer, hat zurckfhren
wollen. Siehe Seeger, Peter Vischer der Jngere. Leipzig 1897, S. 73-121.

1520 wurden an dem Sarg Reparaturen vorgenommen. 1628 fand eine
umfassende Renovierung des ganzen Grabmales statt, welche 644 fl. 19
[Schilling] 8 Heller kostete. 1523 wurde St. Sebaldsfest das letztemal
gehalten, und hat zwar der rat wegen St. Sebaldsfest befohlen, den sarch
sambt St. Sebalds gepainen allein zum weihbrunnen aus dem chor, in der
kirchen herumb vnd wider in den chor zu tragen vnd die andern ceremonien
zur vesper mit dem herab und hinauftragen mit den stadtpfeiffern
einzustellen. 1524 hat man wohl St. Sebaldsfest in der kirche gefeiert,
aber den sarch nit mer wie zuuor vmbgetragen. Die Einstellung der
Prozession hing jedenfalls mit der Einfhrung der Reformation zusammen.

Besondere Beachtung verdienen endlich unter den Werken der Plastik
noch die =Gewlbeschlusteine= in den Seitenschiffen und im Ostchor.
Auer einer Anzahl rein ornamental behandelter Schlusteine finden
wir mehrere, die groteskenartig ein von stilisiertem Blattwerk
umrahmtes Menschenantlitz aufweisen; in den westlichen Jochen des
sdlichen Seitenschiffes ferner eine Darstellung der Kreuzigung mit
Maria und Johannes, darber zwei schwebende Engel und die Symbole der
vier Evangelisten, beim Engel des Matthus auf den Stirnseiten des
Schlusteines noch die Lwin und den Pelikan; sodann im nrdlichen
Seitenschiff von Osten nach Westen einen bogenschieenden Zentaur,
eine reizvolle als Hochrelief behandelte Geburt Christi (Abb. 100) und
den Agnus Dei; im Mittelschiff des Ostchores St. Sebaldus, eine Gruppe
von vier Wappen (Nrnberger Jungfrauenadler, Reichsschultheienwappen,
einkpfiger und doppelkpfiger schwarzer Adler) und einen brtigen Kopf
mit Heiligenschein (Gottvater?); im Chorumgang nrdlich wiederum einen
Agnus Dei, sdlich eine Madonna in der Glorie und einen Christuskopf.
In der nrdlichen Sakristei ist die kleine Statue des hl. Sebaldus als
Schlustein bemerkenswert (Abb. 101).

Die gesamte Plastik erwies sich gelegentlich der letzten Instandsetzung
der Kirche nach Entfernung mehrfach aufgetragener dicker Tnche als
polychrom behandelt. Von dieser ursprnglichen Polychromierung waren
berall noch so bedeutende Reste erhalten, da eine Ergnzung derselben,
ein Wiederaufleben der Bildwerke in ihren alten Farben mglich wurde.
Beim Tympanonrelief des nrdlichen Seitenschiffportales wurde aus
archologischen Grnden von jeder Ergnzung der aufgedeckten alten
Polychromie abgesehen; bei einzelnen Skulpturen innerhalb der Kirche,
insbesondere der Verkndigungsgruppe an der Nordseite des Ostchores und
den plastischen Arbeiten des Petrusaltares, erforderten nur unbedeutende
Teile eine geringe Ergnzung.


                             3. Die Gemlde.

Die Tafelmalerei des Mittelaltares ist in der Kirche nicht durch
erstklassige Werke vertreten. Auf diesem Gebiete ist die Sebalduskirche
gegenber ihrer Nebenbuhlerin, der Kirche St. Lorenz, zu kurz
gekommen. Was sie aufzuweisen hat, sind nur Ableger der in Nrnberg
blhenden Schulen des 15. Jahrhunderts. Um so mehr war die Kirche mit
Wandmalereien, und zwar nicht nur mit Malereien von rein dekorativem
Charakter, sondern mit einer groen Anzahl von in sich abgeschlossenen
figrlichen Darstellungen ausgestattet. Dieselben gehren ebenfalls
meist dem 15. Jahrhundert an und sind, was besonders hervorgehoben zu
werden verdient, hufig in l gemalt.

[Illustration: Abb. 102. Verkndigung. Holztafelgemlde im
Lffelholzchor.]

Die Tafelmalerei des 16. Jahrhunderts wird durch eine vorzgliche Arbeit
der Frhrenaissance und die des beginnenden 17. Jahrhunderts durch eine
nicht unbedeutende Leistung reprsentiert.

Im Westchor an der Sdwand hngen drei gleichgroe Gemlde: die
=Dornenkrnung= mit den Wappen der Lffelholz und Mnzmeister (um
1433), die =Geielung= mit den Wappen der Lffelholz und Hummel (um
1435) und die =Verkndigung= (Abb. 102) mit den Wappen der Lffelholz
und Zollner (um 1448). Die Darstellungen sind auf Goldgrund gemalt.
Auf den Bildern unten die Familienglieder des oder der Stifter. Die
angefhrten Datierungen beruhen auf den Forschungen Karl Gebhardts
(a. a. O. S. 86-88), der die Verkndigung dem gleichen Meister
wie das Imhoff-Volckamersche Epitaph mit der Geburt Christi (sieh
unten) zuschreibt und geneigt ist, auch die beiden anderen Stcke,
Dornenkrnung und Geielung, diesem Meister der Sebalder Epitaphien,
wie er ihn nennt, zu geben.

Am ersten nrdlichen Mittelschiffpfeiler ein Holztafelgemlde mit der
=Krnung Mari= nach dem Holzschnitte des Marienlebens Drers von
einem seiner Nachahmer (Abb. 103). Unten am Bild die Familienglieder
des Stifters mit den Wappen der Imhoff, Tetzel, Holzschuher, Tucher,
Lffelholz und Pmer. Um 1525. Imhoffsche Stiftung.

An der entgegengesetzten Seite desselben Pfeilers ein Holztafelgemlde
vom Jahre 1478, eine =Allegorie auf die Geburt Christi= darstellend.
In der Mitte die Anbetung des Christkindes durch Maria, in den Ecken
Moses am feurigen Busch, Aaron mit dem blhenden Stab, Gideon mit dem
Vlie und die Porta clausa des Ezechiel, ferner in den Zwischenrumen
der Pelikan, das Einhorn, der Phnix und der Lwe sowie die vier
Evangelistensymbole. Es ist eine Wiederholung der zum Andenken des
Professors Friedrich Schon ([gestorben] 1464) gestifteten Darstellung
vom Meister des Wolfgangaltares in der Lorenzkirche (Thode, S. 53;
Gebhardt, S. 80 ff.; Redslob in den: Mitteilungen aus dem Germanischen
Nationalmuseum. 1907, S. 24 ff., mit Abb.), nur mit deutschen statt mit
lateinischen Inschriften. Oben am Bild folgende Schrift: Anno domini
milesimo CCCC vnd in dem lxxviij jare am freitag nach sant Valentins
tag verschied der erbar mann Vlrich Starck der elter dem got gnedig
vnd barmhertzig sei Amen. Vorneurt 1591. 1658. Starcksche Stiftung
vom Jahre 1478. Infolge der inschriftlich beglaubigten Restaurierungen
schlecht erhalten. Unten auf dem Bild die Familienglieder des Stifters
mit den Wappen der Starck-Pirckheimer und Starck-Neudung.

Am zweiten nrdlichen Mittelschiffpfeiler ein Holztafelgemlde mit
der =Verkndigung=. Von einem Meister des berganges, Anfang des 16.
Jahrhunderts. Unten auf dem Bild der Stifter mit seinen Familiengliedern
und die Wappen der lhafen und Pfinzing. Stiftung der lhafen.

Am zweiten sdlichen Mittelschiffpfeiler Holztafelgemlde mit der
=Taufe Christi= und anderen Szenen aus dem Leben Johannes des Tufers.
Unten kniende Angehrige der rtelschen Familie, dazu rechts das Wappen
der Gro, links das der rtel, in der Mitte die Inschrift: Anno 1525
den 21. Julii Starb der Erbar Sigmund Orttell. Verneut An. 74. Murr
wollte eben dieses Gemlde dem nach dem Zeugnis Neudrfers von Drer
mit Anerkennung genannten Maler Sebald Baumhauer, der in seinem Alter
Kirchner an St. Sebald war, zuschreiben, doch, wie es scheint, ohne
triftigen Grund.

An der Ostseite des sdlichen Vierungspfeilers ein Holztafelgemlde
mit der =Beweinung Christi=. Genaue Kopie nach dem Drerschen Original
in der Alten Pinakothek zu Mnchen, vielleicht von Georg Grtner
dem Jngeren ([gestorben] 1654). Wie das Original =Holzschuhersche
Stiftung=.

In den unteren Ecken des Bildes ist der Stifter mit seiner Familie
abgebildet: links das Wappen der Holzschuher-Groland-Mntzer-Gruber(?),
rechts das Wappen der Gruber. Siehe Thausing, Drer. II. Aufl., I. Bd.,
S. 180 ff.

An der Ostseite des nrdlichen Vierungspfeilers gegenber der Kanzel
ein lgemlde auf Holz, das =Jngste Gericht=, freie Kopie nach dem
sogenannten Kleinen Jngsten Gericht von Rubens vom Jahre 1628. Mit
Rahmen und einem Aufsatz. =Imhoffsche Stiftung.=

Auf dem Rahmensockel sind auf Holz gemalt die Bildnisse des Stifters,
seiner Ahnherren vterlicherseits mit den Jahrzahlen 1580 und 1628,
Willibald Pirckheimers und seiner Gemahlin und Albrecht Drers mit der
Inschrift: Effigies Alberti Dreri A^o 1509; der Stifter hlt eine
Tafel mit einem Spruch ber die Vergnglichkeit des Lebens. Diesen
gegenber Kreszentia, die Gattin Willibald Pirckheimers, kniend, hinter
ihr ihr Gemahl und Albrecht Drer stehend, letzterer mit einer Tafel,
worauf die Inschrift, der zufolge die Gedenktafel Herrn Willibald Imhoff
dem lteren und dessen in Gott ruhenden lieben Voreltern von seinem
Sohne Hans Imhoff zu Ehren aufgerichtet worden ist anno salutis 1.
Januarii 1628. -- Auf dem Rahmen ber dem Gemlde des Jngsten Gerichts
die Inschrift: Das Gedechtnu des Gerechten bleibt im Segen, auf dem
Rahmen unten zwischen diesem Gemlde und der Votivtafel: Hans Imhoff
Fundator.

Der ebenfalls eingerahmte Aufsatz enthlt ein Gemlde auf Leinwand:
=Allegorie auf die Vergnglichkeit= (Tod und zwei krftige Knaben in der
Art des Rubens). Auf dem Rahmen oben: Memento mori, unten MDCXXVIII.

Zur Seite des Aufsatzes zwei Pyramiden in Holz geschnitzt, oben das
Wappen der Imhoff.

Die Gemlde sind wahrscheinlich Arbeiten des =Jrg Grtner des lteren=
([gestorben] 1640). ber das Verhltnis dieser Stiftungstafel zu der in
der Rochuskapelle von 1624 Ausfhrliches bei Stegmann, Rochuskapelle.
1885, S. 43 ff.

Im Bogenfelde des nrdlichen Seitenschiffportales eine =Auferweckung des
Lazarus=, Holztafelgemlde von =Christian Ruprecht= aus der Mitte des
17. Jahrhunderts. Unten rechts das Wappen der von Wimpfen. Stifter des
Bildes war Johann Friedrich von Wimpfen (hingerichtet zu Nrnberg am 29.
August 1668).

[Illustration: Abb. 103. Krnung der Maria. Holztafelgemlde im
Mittelschiff.]

Am dritten nrdlichen Chorpfeiler ein Holztafelgemlde mit der hl. =Anna
selbdritt= zwischen den Heiligen Nikolaus und Katharina vom Meister
des Imhoffschen Altares in der Lorenzkirche. Unten auf dem Bild die
Stifterfiguren mit den Wappen der Imhoff und Rothflasch. Von Christian
Baer restauriert. Stiftung Konrad Imhoffs aus dem 2. oder dem Beginn
des 3. Jahrzehnts des 15. Jahrhunderts. Vgl. Gebhardt, Die Anfnge der
Tafelmalerei in Nrnberg, S. 40 ff., wo wesentlich aus diesem Gemlde
die Beeinflussung des Meisters des Imhoffschen Altares durch die Kunst
des Gentile da Fabriano nachzuweisen versucht wird (vgl. ber das Bild
auch Redslob, a. a. O. S. 28).

Am zweiten nrdlichen Chorpfeiler ein Holztafelgemlde mit der
=Kreuztragung= in der Art des Wolgemut. Figurenreiche Darstellung mit
dem an die Altenburg bei Bamberg erinnernden Kalvarienberg nach dem
Stiche der Kreuztragung von Martin Schongauer (Thode, a. a. O. S. 193).
Unten auf dem Bild die Familienglieder des Stifters mit den Wappen der
Ebner, Tucher-Harsdrffer und Tucher-Rieter auf der linken und dem
Wappen der Tucher nebst den Insignien des hl. Grabes auf der rechten
Seite. Stiftung des Hans Tucher ([gestorben] 1491) vom Jahre 1485.

Am dritten sdlichen Chorpfeiler ein Holztafelgemlde mit der =Geburt
Christi=. Maria betet vor dem Christuskinde, ber welches sich ein Engel
beugt; links kniet Joseph, und von rechts kommen zwei Hirten herbei.
Stark bermalt. Auf der Predella der Stifter mit seinen Familiengliedern
(Frau, vier Shnen und fnf Tchtern) und die Wappen der Imhoff und
Volckamer. Stiftung Konrad Imhoffs wohl aus dem Jahre 1438, dem
Todesjahre seiner Frau Klara, einer geborenen Volckamer (vgl. Gebhardt,
a. a. O. S. 84 ff.).

An der Wand unterhalb des Mendelfensters, die ganze Breite zwischen den
beiden Pfeilern einnehmend, ein Gemlde auf Holz von Hans Sue, genannt
=Hans von Kulmbach=, die =Madonna mit Heiligen=. Zum Andenken an Lorenz
Tucher, Propst von St. Lorenz, gestiftet von dessen Stiefbruder Martin
im Jahre 1513 (Tafel XV).

Das Gemlde ist dreiteilig nach Art der gotischen Flgelaltre, jedoch
als Votivgemlde gestiftet. Im Mittelbild thronend die Madonna mit
dem Christuskind, zwei ber ihrem Haupte schwebende Engel halten die
Krone, zu ihren Fen fnf musizierende Engel, seitlich des Thrones
links die hl. Katharina und rechts die hl. Barbara, hinter derselben
ein Schriftband mit dem Monogramm des Meisters und der Jahrzahl 1513.
Auf dem rechten Feld die Heiligen Johannes der Tufer und Hieronymus,
auf dem linken Feld die Heiligen Petrus und Lorenz, vor letzterem das
Bildnis Lorenz Tuchers, dabei das Wappen der Tucher und eine Tafel mit
folgender Inschrift:

                      D  O  M  ET  SS  V  M 
                Lavrencivs Tuchervs, ivr  doc  d  lav
              ren  prepo  ratisp  cano  cvstos et vicem
                  tenens  vir bonvs ervditvs integer 
                    anima deo reddita  ossa in sepvl
                         chro gentilicio sita 
                  bene valeas et vigila viator qvisqvis
                             es : bulla es 
            vixit virtvose ann  LV  mens  VII  di  XV 
           mori  ann  M  D  III  octavo  calend  april
                      sola salvs servire deo : svnt
                            cetera fravdes 

Die Komposition stammt von einem jetzt in Berlin befindlichen
Entwurfe Drers vom Jahre 1511; der Entwurf ist ziemlich genau,
wahrscheinlich auf Wunsch des Bestellers, eingehalten, nur statt des
einen musizierenden Engels wurden fnf angebracht. Die venezianische
Renaissancestimmung jedoch, die sich hauptschlich im Kolorit
ausspricht, ist auf Kulmbachs Lehrer Jacopo de Barbari zurckzufhren.
Das Gemlde gilt in der Kunstgeschichte als eines der besten des
Kulmbach. (Siehe Janitschek, Geschichte der deutschen Malerei. 1890, S.
375; Koelitz, Hans Sue von Kulmbach und seine Werke. 1891, S. 54.).

1572 wurde das Bild von Nikolaus Juvenel restauriert, neuerdings
im Auftrage der Freiherrlich von Tucherschen Familie trefflich
wiederhergestellt durch den Konservator Andreas Mayer in Augsburg.

ber der Schautre ein Holztafelgemlde des =Johann Kreuzfelder=, eines
Schlers des Nikolaus Juvenel, vom Jahre 1603 mit Szenen aus dem =Leben
der ersten Menschen= (Abb. 104). Das Gemlde nimmt die ganze Breite
der Wand mit dem Behaimschen Fenster und den Behaimschen Statuen der
Heimsuchung ein. Die eigentliche Bildflche ist seitlich abgerundet, die
seitlichen Raumflchen enthalten, ebenfalls in Tafelmalerei, Stammbume
der Familie Behaim mit Wappen derselben. Am oberen Teil des Rahmens drei
runde Medaillons mit Bildnissen dreier mnnlicher Mitglieder der Familie
Behaim. Das Bild selbst zeigt in reicher von allerlei Tieren belebter
Landschaft ohne uerliche Abgrenzung die Erschaffung der Eva, Adam und
Eva im Paradies und die Vertreibung aus demselben. Der niederlndische
durch Juvenel vermittelte Einflu ist unverkennbar; vorzglich sind die
Akte. Behaimsche Stiftung.

Auf dem unteren Teil des Rahmens: Gleichwie vor disem Thrlein klein /
Das Endt der Welt in Stain gar fein / Ist abgebild als ist nit geringer
/ Der Welt Anfang durch Malers Finger / Hie frgestelt das du Mensch
dein Leben / Von Anfang mogst betrachten eben / Wie das du nur seist
Staub und Erden / Zu der du auch mut wider werden / Drum leb, auch
stirb hie seliglich / So bleibst bei Gott dort ewiglich. Renov. Anno
1774. Mit dem Endt der Welt in Stain gar fein vor der Schautre ist
das Relief mit dem Jngsten Gericht gemeint (siehe S. 148). Die 1774
vorgenommene Renovierung war nicht umfassender Natur. Auf den anderen
Teilen des Rahmens: Paulus, Christophorus, et Fridericus cognomine
Behaim, Fratres, Pauli Fridericique filii et nepotes, ob praeclaram in
successiuo et duodeno ordine maiorum suorum memoriam, picturam hanc
fieri et ceteris familiae suae monumentis affigi curarunt anno reparatae
per Christum salutis humanae M. D. C. III. Patriam beat prudentia.
Auf dem Rahmen in Holz geschnitzt ein Totenkopf mit einem Schriftband:
Talis terrenae vitae solet exitus esse.

[Illustration: Abb. 104. Darstellung des Paradieses. Holztaf.-Gem. von
J. Kreuzfelder.]

[Illustration: Abb. 105. Abendmahl und lberg. Wandgemlde im Ostchor.]

Die ganze Gedenktafel wurde 1904 durch Andreas Mayer restauriert.

Rechts vom Eingang zur sdlichen Sakristei ein Holztafelgemlde mit
der =Himmelfahrt Mari= von einem mittelmigen Maler der Drerschen
Gefolgschaft. Im Vordergrunde ein geistlicher Donator mit dem Wappen der
lhafen. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts.

An der Westwand der kleinen Kapelle neben dem Dreiknigsportal ein
Holztafelgemlde mit figurenreicher =Kreuzigung=. Erste Hlfte des 16.
Jahrhunderts.

Gegenber am Chorpfeiler ein kleines ehemals zu einem Almosenstock
gehriges lgemlde auf Holz, eine =Brotausteilung= unter Krppel
und Arme darstellend. Die Unterschrift lautet: Lege[t] ewer heillig
almssen jn dissen stock zu enthaltung der armen leydt so burger jn
disser stat werd vnd gostenhof (d. h. in dieser Stadt, Whrd und
Gostenhof) sind durch gots willen. 16. Jahrhundert.

Auch an alten =Wandmalereien= besitzt die Kirche noch eine ansehnliche
Zahl. Die meisten derselben wurden erst bei der letzten groen
Wiederherstellung unter der Tnche aufgefunden und freigelegt. Einige
von ihnen mgen wohl whrend des 14. und beginnenden 15. Jahrhunderts in
Verbindung mit Mensen Altre gebildet haben.

Im sdlichen Seitenschiff an der Westwand neben dem Bogen zur Turmhalle
die Riesengestalt des hl. =Christophorus=, dazu Angehrige und Wappen
der Familie Ebner-Vetter(?). Die Fe des Heiligen sowie die Baumwurzel
wurden bei der letzten Restaurierung durch Professor Haggenmiller
ergnzt. Dieser Christophorus des 15. Jahrhunderts verdeckt zum grten
Teil die noch gewaltigere Darstellung desselben Heiligen aus dem 14.
Jahrhundert, die ohne Zweifel knstlerisch weit bedeutender war, wie die
oberhalb des spteren Bildes erhaltenen beiden Kpfe noch gut erkennen
lassen. Darber Spuren einer spteren Darstellung des Veronikatuches.

Beim Dreiknigsportal die =Gregoriusmesse= mit Maria und Johannes dem
Evangelisten. 15. Jahrhundert.

Am dritten sdlichen Mittelschiffpfeiler der =Tod Mari=, frhes 15.
Jahrhundert, dazu Reste dreier lterer Darstellungen aus der Passions-
oder Heiligengeschichte, von denen nur der obere Teil einer =Kreuzigung=
genauer zu erkennen ist.

Im nrdlichen Seitenschiffe an der aus dem Anfange des 16. Jahrhunderts
stammenden hlzernen Empore im Steinton gehaltene =Mawerkmalereien=,
zwischen denen sich die =Wappen= der Haller, Holzschuher und Stromer
einfgen.

An Wandmalereien sind im Ostchor noch vorhanden:

ber dem Pfinzingchrlein zwei =Prophetengestalten= mit Spruchbndern,
aus dem ausgehenden 14. Jahrhundert. Die =Deckenmalereien= im
=Pfinzingchrlein=, Darstellungen des Weltheilands und der vier
Evangelistensymbole, gehren wohl erst dem Ende des 16. Jahrhunderts an.

Am Kaiserchrlein oben eine =Inschrifttafel= mit der auf die
Barockausstattung der Kirche bezglichen Jahreszahl 1657 und ein
=Veronikatuch=, gehalten von den Aposteln Petrus und Paulus, unter denen
sich die ursprnglichen Engel befinden, aus dem 15. Jahrhundert.

Als die Kulmbachsche Tafel zum Zweck ihrer Wiederherstellung von der
Wand entfernt wurde, fand sich an dieser, die ganze Lnge einnehmend,
ein lgemlde, die =Kreuztragung Christi= mit der Figur des Herrn in
der Mitte und einem figurenreichen Zuge von Gewappneten und Volk sowie
den klagenden Frauen, der sich aus einem Tore der links beinahe aus der
Vogelschau dargestellten trmereichen Stadt Jerusalem herausbewegt.
Daneben war ganz links die Inschrift zu lesen:

Anno dni M.CCCC.lxxiij [1473] An vnser lieben frawen abent wrtzweyh
verschid frawe barbara karl steilngers [Steinlingers] haufrawe der got
gnedig....

Darnach Anno dni... an sant valenti... [versch]id karl steinlinger
dem... nad.

[Illustration: Abb. 106. Darstellungen aus der Apostellegende.
Wandgemlde im Ostchor.]

Die Versuche, die stark abgebltterte und nur noch lose anhaftende
lmalerei von der Wand abzuziehen, milangen leider bei den Resten der
eigentlichen Darstellung der Kreuzschleppung ganz. Dagegen konnte die
=Darstellung der Stadt Jerusalem= leidlich gut und vollstndig erhalten
werden. Vorsichtig auf Leinwand bertragen hat sie jetzt ihren Platz in
der nrdlichen Turmhalle gefunden.

Unter den abgenommenen Resten dieses ganzen lgemldes wurden endlich
noch die zum Teil wohlerhaltenen Reste eines knstlerisch bedeutsamen
Freskogemldes entdeckt, das gleichfalls die =Kreuztragung= zum
Gegenstande hatte und von dem die besterhaltenen Teile abgezogen und auf
eine Mrteltafel gebracht werden konnten. Vllig unrestauriert sind sie
auf dieser in der Bausammlung der Sebalduskirche, wo auch Photographien
der beiden Kreuzschleppungen aufbewahrt werden, noch zu sehen. Die
Wappen Steinlinger-Muffel, die sich darunter befinden, lassen erkennen,
da auch diese ltere Kreuztragung (1. Hlfte des 15. Jahrhunderts) eine
Steinlingersche Stiftung war. Unter den brigen Wappen lt sich noch
ein Groisches und eine weiteres Steinlingersches erkennen.

An der Wand vor dem Tucheraltar wurde die landschaftliche Darstellung
eines =Wallfahrtsortes= mit reicher Staffage an Pilgern und Kranken
aufgefunden, die in der Mitte einen unbemalten Raum als Hintergrund fr
eine Heiligenstatue aufweist. Dieses dem 15. Jahrhundert entstammende
Wandgemlde wurde von der Wand abgezogen und auf eine Mrtelplatte
gebracht. Es befindet sich jetzt im Chorumgang an der rechten Seite des
Petrusaltars.

An der Wand bei dem Tucheraltar, zum Teil von diesem verdeckt, die
wirkungsvollen Gestalten der hl. =Elisabeth= und des hl. =Martin=, 15.
Jahrhundert.

Hinter dem Tucheraltar unter dem Stromerfenster ein Wandgemlde in
ltechnik mit zwei Kompositionen (Abb. 105). Links =Abendmahl= und
=Fuwaschung=; auf diesem Bilde links der kniende Stifter mit seinem
Familienwappen, darber die Inschrift: Anno dm Mcccclxxlll Jar starb
han starck vlrich starcken pruder am Donrstag vor dem heilighen Kristag
dem got gnedig sei. amen. Anno 1627 durch Han Starken wieder verneurt
worden, seines Aldters 79 Jahr.[XIII] Rechts Christus am =lberg=;
unten auf dem Gemlde in der Mitte die Wappen der Starck und Voit.
Starcksche Stiftung von 1423.

  [XIII] Hans Starck, der 1627 dieses Gemlde restaurieren lie, ist
         derselbe, der 1625 das hlzerne Kruzifix am Westchor durch einen
         Bronzegu ersetzte.

Seit 1627 bis zur Unkenntlichkeit bermalt, wurden die Bilder bei der
letzten Wiederherstellung der Kirche durch Konservator A. Mayer wieder
instandgesetzt.

An der Wand hinter dem Petrusaltar aufgefunden gut erhaltene,
knstlerisch wie kunsthistorisch gleich wertvolle Freskodarstellungen
aus der =Apostellegende= (Abb. 106), die dem Anfange des 15.
Jahrhunderts angehren (siehe oben).

Das Gemlde wurde von der Wand abgezogen, auf eine Mrtelplatte
bertragen und im Chorumgang an der Wand rechts vom Petrusaltar
angebracht. Die Restaurierung des Bildes besorgte Kunstmaler Pfleiderer
in Mnchen. Eine Photographie von dem Zustande vor der Restaurierung
befindet sich in der Bausammlung.

Rechts von diesem Bilde die Reste eines Wandgemldes mit der
=Kreuzschleppung=. Links vom Eingang zur sdlichen Sakristei und
vermutlich mit Bezug auf die Volckamersche Matronenstatue zwei
=Stifterfiguren= mit den Wappen der Behaim und Ortlieb auf gemustertem
Hintergrunde, in lmalerei ausgefhrt.

In der Kapelle neben dem Dreiknigsportal zeigt die Ostwand rechts
einen =Johannes Evangelista= unter Architektur, links eine =weibliche
Heilige=, von der jedoch nur noch der Oberkrper erhalten ist.

An der Hochwand ber dem Trennungsbogen zum sdlichen Seitenschiff zu
beiden Seiten der Orgel reiches grnes =Rankenornament, dazwischen
musizierende Engel=, aus der Zeit der Erbauung des alten Orgelgehuses.

An verschiedenen Wnden und Pfeilern, zum Teil hinter Statuen, zum Teil
hinter den Standorten ehemals vorhandener Statuen, =gemalte Wandbehnge=
mit Granatapfel- und anderen Musterungen.

In der farbigen Behandlung der Wnde und Gewlbe lassen sich drei
verschiedene Arten feststellen. Eine noch romanische Polychromie zeigt
der Lffelholzchor. Die Wnde haben Steinton, die Gurten und Rippen
sind in Quader geteilt, hauptschlich in roter und grauer Farbe.
Die Kappenflchen sind durch schwarze Linien so geteilt, da ein
Mauerwerk aus Steinen in Ziegelgre vorgetuscht wird. Die Schfte
der Zwergsulchen sind schwarz getnt. Diese letztere Tnung ist auch
im Mittelschiff noch sichtbar. Im brigen haben aber hier und in dem
Seitenschiffe wohl in der ersten Hlfte des 14. Jahrhunderts die
Gurten und Rippen hauptschlich in der Nhe der Schlusteine farbige
Linienornamente in abwechselnder Form und manchmal flammender Bewegung
erhalten. Die Schlusteine selbst sind polychrom und zum Teil vergoldet.

Diese Art der farbigen Behandlung scheint nach Fertigstellung des
Ostchores auch fr den letzteren vorbildlich gewesen zu sein.
Schlusteine und Rippen sind -- es handelt sich hier um die dritte Art
der Bemalung -- hnlich behandelt. Bei den Fenstern ist jedoch eine
gemalte rote Steinumrahmung dazu getreten und auf den Kappen ist an
den Rippen und Gurten eine schwarze Begleitlinie gezogen; auch die
Kappenscheitel sind durch eine solche Linie betont.


                           4. Die Glasgemlde.

hnlich dem Entwicklungsgang der Plastik scheint auch auf dem
Gebiete der Glasmalerei anfangs nichts oder wenigstens nicht viel
geleistet worden zu sein. Kein einziges Stck Glasgemlde aus der
Zeit des romanischen Baues ist erhalten. Erst seit dem Anfang des
14. Jahrhunderts, als die gotischen Seitenschiffe gebaut und im
romanischen Querhaus die schmalen Fenster in breitere Mawerkfenster
umgewandelt wurden, lt sich eine Glasmalerschule in noch erhaltenen
Denkmlern nachweisen. Diese breitete sich weiter aus, als mit dem
Neubau des Ostchores (1361-1379) wiederum Gelegenheit zur Anbringung
von Glasgemlden gegeben wurde. Eine Reihe von Patrizierfamilien hatte
die Schmckung der einzelnen Wandabteilungen bernommen, besonders
diejenigen Familien, die ihre Grabgrfte am Chor, sei es innerhalb, sei
es auerhalb desselben, hatten. ber die Hlfte der Ostchorfenster sind
Erzeugnisse dieser um 1380 ttigen Schule.

Von 1380 an trat eine Pause von ber 100 Jahren ein. Die spteren
Glasgemlde sind vereinzelte Stiftungen und hngen nicht mit einer
baulichen Vernderung zusammen. In die Erzeugnisse dieser neuen von
1490 bis 1520 whrenden Bltezeit teilen sich jetzt mehrere Kirchen;
insbesondere St. Lorenz mit seinem eben vollendeten Chor hat die
Hauptleistungen der ersten Zeit an sich genommen. Das Bambergische und
das Volckamersche Fenster (datiert 1488) in St. Sebald reprsentieren
die erste noch den sptgotischen Stilcharakter tragende Epoche des
Aufschwungs. Wolfgang Katzheimer ist der Meister. Eine weitere
Entwicklungsphase in der Geschichte der Glasmalerei Nrnbergs bezeichnen
die drei Fenster des berhmten Veit Hirschvogel: das Maximilians-,
Markgrafen- und Pfinzingsche Fenster mit ihren prchtigen Gestalten der
Frhrenaissance und mit ihrer den Drerschen und Kulmbachschen Werken
nahe verwandten Formensprache. Sie zhlen unstreitig zu den kostbarsten
Kunstwerken, die die Kirche birgt.

Einen Beleg fr die Existenz und knstlerische Bedeutung der Nrnberger
Glasmalerschule noch zu Beginn des 17. Jahrhunderts bildet das in seiner
Architekturzeichnung an die Sptrenaissanceformen des Pellerhauses
erinnernde Imhoffsche Fenster.

Die brigen Fenster der Kirche sind meist nur mit Wappenschilden von
Geschlechtern zum Andenken an verstorbene Angehrige geschmckt. Der
Zweck der Stiftung deckte sich ungefhr mit dem bei den Totentafeln von
Holz.

_Westchor._ Im =ersten Fenster= links =Christus am Kreuz= mit Maria und
Johannes. Darunter die Schrift: Fr uns Er trug vnser Krankheit vnd
lude auf sich unsere schmertzen. Esaiae am LIII Cap. Ferner Rundscheibe
mit dem Allianzwappen der Stockamer und Groland.

Im =zweiten Fenster= im Mawerk Wappen der Ayrer, unten zwei
Allianzwappen der Stockamer und Dietherr. -- Die Glasgemlde mit den
Heiligen =Jakobus= und =Bartholomus= und die beiden Rundscheiben mit
Evangelistensymbolen wurden 1903 nach Entwrfen von Friedrich Wanderer
von Zettler in Mnchen ausgefhrt.

Im =dritten Fenster St. Lorenz und St. Sebald= sowie drei
Lffelholzische Wappen, alles von Wanderer-Zettler, 1903.

Im =vierten Fenster= Wappen der Unterholzer(?) sowie zwei Allianzwappen
der Dietherr. Dazu =St. Johannes Ev. und St. Egidius= sowie die
Rundscheiben mit Evangelistensymbolen von Wanderer-Zettler, 1903.

Die Heiligen in dem 2., 3. und 4. Fenster stellen die Patrone der
Nrnberger Kirchen dar und wurden von den freiherrlichen Familien der
Kre und Tucher (2. Fenster), Lffelholz (3. Fenster), Haller und
Scheurl (4. Fenster) gestiftet.

Im =fnften Fenster= Wappen der Lffelholz und zwei Gammersfeldersche
Allianzwappen.

Im =Fenster der sdlichen Turmhalle= Wappen der Paumgrtner-Haller.

_Nrdliches Seitenchor._ Im =ersten Fenster= oben sechs Allianzwappen
der Ntzel.

Im =zweiten Fenster=, dem kleinen Fenster ber der Anschreibtre, die
Wappenschilde der Schlsselfelder und Allianzwappen der Held.

Im =dritten Fenster= ein hl. =Bischof= und =St. Blasius= mit Konrad und
Wolf Haller von Hallerstein als Donatoren und zwei zugehrigen sowie
zwei weiteren Wappenschilden der Haller.

Im =vierten Fenster= die Heiligen =Sebald und Petrus=, dazwischen zwei
Wappenschilde der Holzschuher. Im Mawerk eine =Verkndigung Mari=
und darber ein Engel mit dem Holzschuherschen Wappen. Alle diese
Glasgemlde wohl aus der gleichen Zeit, eines derselben von 1503 datiert.

Im =fnften Fenster= unten die hl. =Barbara=, darber das Wappenschild
der Ntzel mit der Inschrift: H. Carl Ntzel Ritter R. Kay. May. Rath
Starb den 18. Novem 1614. Oben vier lhafensche Allianzwappen.

In dem =Treppenfenster= neben der Querschiff- bzw. Ostchormauer drei
kleine Wappen der Ntzel.

Es folgt die Beschreibung der Fenster im Ostchor in fortlaufender Reihe
vom ersten Fenster der Nordwand neben der alten Querschiffmauer an:

_Ostchor._ 1. Das =erste Fenster im Ostchor=. Um 1360. Zweifellos noch
vor Beginn des Ostchorumbaues vollendet. Die Gemlde umfassen die fnf
unteren Reihen. Die Gliederung der architektonischen Umrahmung, noch
mehr der Zusammenhang der einzelnen Darstellungen sind unklar. Von den
letzteren sind nur drei der Sockelreihe ihrem Inhalte nach zu erkennen,
nmlich Christus in der Vorhlle, Grablegung und die Ausgieung des
heiligen Geistes.

[Illustration: Abb. 107. Detail vom Bamberger Fenster.]

Die obere Reihe zeigt unter Baldachinarchitektur links einen
Verkndigungsengel, im zweiten Felde dem Engel zugewendet einen brtigen
Mann (Verkndigung Johannis?), im dritten Felde einen hackenden Mann,
im vierten eine spinnende Frau, vor ihr eine Wiege mit Kind (Adam und
Eva nach dem Sndenfall?). In der mittleren Reihe links eine gekrnte
Heilige und zwei andere nicht genauer zu deutende Figuren; im zweiten
Feld zwei weibliche Heilige mit dicken Bchern in den Hnden; im dritten
und vierten Felde vornehme Gesellschaft im Zeitkostm, von fraglicher
Bedeutung. Am ganzen Gemlde ist im Laufe der Zeit viel verndert worden.

Im oberen freien Teil des Fensters zwei runde Medaillons mit Wappen der
Geuder.

2. Das =Grundherrsche Fenster=. 1372-1379. Das Gemlde umfat die
sechs unteren Reihen. Durch Versetzung mehrerer Felder in der
Gesamtkomposition entstellt. Das Fenster mu sich ursprnglich an
anderer Stelle befunden haben und wurde hierher versetzt, als man
das Imhoffsche Fenster, dessen Mawerkmalereien an ihrer alten
Stelle verblieben, von hier auf die gegenberliegende sdliche Seite
des Ostchors berfhrte. Die Stifterfiguren der ueren Felder der
unteren Reihe gehren der sptmittelalterlichen Zeit an. Im brigen
enthalten die zwei mittleren Felderreihen in achtpafrmigen Kartuschen
Darstellungen aus der Marienlegende, unten, jetzt in der zweiten Reihe,
die Donatoren, in den ueren Bahnen Heilige mit Attributen oder
Schriftbndern.

In den freien Teilen des Fensters acht runde Medaillons mit drei
Grundherrschen Wappen und den Wappen der Kre, Ebner und? (Baumstamm mit
roten Lindenblttern auf silbernem Grunde).

Im Mawerk, eigentlich zu dem Imhoffschen Fenster gehrend, zwei Engel
mit Blasinstrumenten in Wolken, darber das Imhoffsche Wappen.
17. Jahrhundert.

In den beiden =Fenstern der Pfinzingempore= 2 grere und 30 kleinere
Rundscheiben mit Pfinzingwappen.

Im Mawerk des Fensters ber der groen Sakristei zwei groe
Schreyersche Allianzwappen.

3. Das =Mendelsche Fenster=. 1372-1379.

Das Glasgemlde umfat die unteren sechs Reihen und enthlt neun
=Darstellungen aus dem Marienleben=. Die dritte und sechste Reihe und
die mittleren Felder der fnften Reihe sind mit Architektur ausgefllt,
die Sockelfelder weisen viermal das Wappen der Mendel auf.

Im oberen freien Teil des Fensters zwei runde bekrnzte Wappen der
Tucher aus dem 16. Jahrhundert.

4. Das =Tuchersche Fenster=. 1372-1379.

Es umfat sieben Querreihen mit Darstellungen aus der Passion:

    1. Reihe (von unten): Tuchersches Wappen von etwa 1550, der Stifter,
       dessen Frau, dann ein Pfinzingsches Wappen von etwa 1550.

    2. Reihe: =Christus vor Pilatus= (4. Feld), =Dornenkrnung= (1., 2.
       und 3. Feld).

    3. Reihe: =Kreuztragung= (4 Felder).

    4. Reihe: =Christus wird ans Kreuz genagelt= (4 Felder, die, offenbar
       bei einer spteren Reparatur, unrichtig angeordnet wurden).

    5. und 6. Reihe: =Kreuzigung= (8 Felder).

    7. Reihe: =Architekturaufsatz=.

5. Das =Frersche Fenster=. 1372-1379.

Ursprnglich das Fenster der Geuschmid. Die beiden Frerschen
Allianzwappen in den mittleren Feldern der zweiten Reihe stammen erst
aus dem 16. Jahrhundert. Sie tragen die Unterschriften Sigmund [Ferer
der] Ellter... und Christann Ferer Anno dm 1325.

[Illustration: Abb. 108. Detail vom Maximiliansfenster.]

Das Glasgemlde umfat sechs Reihen und greift mit der Bekrnung in die
siebente Reihe ber. Die Sockelreihe enthlt die Wappen der Eysvogel,
Geuschmid, Gruber und Ebner, die brigen Reihen, abgesehen von den zwei
erwhnten Feldern, 14 =Heilige= und =legendarische Darstellungen=.

Darber, innerhalb der Butzenverglasung, ein Scheurl-Tuchersches
Allianzwappen mit der Jahreszahl 1480.

6. Das =Stromersche Fenster=. 1372-1379, mit spteren Zutaten aus
verschiedenen Zeiten.

Das alte Glasgemlde umfat die Reihen 4 bis 9 und enthlt in der
untersten Reihe in den beiden mittleren Feldern zwei Stromersche
Allianzwappen, dazu links ein Pfinzingsches, rechts ein Kolersches
Wappen; in den nchsten vier Reihen 16 Figuren, nmlich zehn =Apostel=
und sechs =Propheten=, alle mit Schriftbndern in den Hnden, in der
obersten Reihe einen schlichten architektonischen Abschlu, innerhalb
desselben zwei kleine Engelsfiguren.

Die Reihe 3 wurde um 1500 mit 2 Pfinzingschen Wappen sowie 4
Stromerschen und 2 Kolerschen Allianzwappen in reicher sptgotischer
Ornamentik ausgestattet. In der 2. Reihe auer 3 kleinen Pfinzingschen
Allianzwappenscheiben eine groe rechteckige Scheibe mit Kolerschen
Allianzwappen von 1568, von denen die grten von einer um die Mitte
des 19. Jahrhunderts schlecht erneuerten Engelsfigur gehalten werden.
Innerhalb des Rahmens einer Schrifttafel finden sich an Stelle derselben
zwei kleine, feine, offenbar profane Kabinettmalereien roh eingesetzt:
=Begegnung zweier Mnner= und eine =allegorische Frauenfigur= (die
Hoffart?).

In der untersten Reihe wiederum 3 kleine Pfinzingsche Allianzwappen (6
Rundscheibchen), ein Wappen des Baumeisters Wolf Jakob Stromer von 1589
und ein Wappen seiner Frau Sabina W. J. Stromerin (einer geb. Scheurl)
von 1582 sowie ein Kolersches Allianzwappen mit der Unterschrift:
Hieronimus Koler anno 1592.

7. Das =Bambergische Fenster=. 1501 gemalt von Wolf Katzheimer (Abb. 107).

    Die Glasmalerei bedeckt vier Querreihen:

    1. Reihe (von oben): Vier Bekrnungen nach Art der ornamentalen
       Schnitzereien bei Altaraufstzen.

    2. Reihe: =Bischof Lambert von Bamberg= 1374, hl. =Kaiser Heinrich=,
       hl. =Kunigunde= und =Bischof Philipp von Bamberg= 1475.

    3. Reihe: Hl. =Bischof= (?), hl. =Petrus=, hl. =Paulus= und
       hl. =Georg=.

    4. Reihe: =Bischof Heinrich von Bamberg= 1487, zwei Wappen von
       Bamberg und =Bischof Veit von Bamberg= 1501.

    Im linken Feld der Sockelreihe: Albrecht Drer in ganzer Figur von
    C. A. Heideloff.

8. Das =Maximiliansfenster= (Abb. 108). 1514 von Veit Hirschvogel
gemalt. Von Heideloff restauriert. Es befindet sich in der Mitte des
Ostchores, d. h. an der vornehmsten Stelle desselben, sichtbar durch das
Mittelschiff bis zum Westchor.

Das Glasgemlde nimmt, vom Fenstersockel an gerechnet, zehn Reihen ein
und reicht mit dem halbkreisfrmigen Aufbau, nach welchem das Ganze
scheinbar als Nische gedacht ist, noch in die elfte Reihe hinber. In
den beiden unteren Reihen Butzenverglasung zwischen drei Sulen, in
der dritten Reihe eine Rolle mit Inschrift. Die Reihen 4 bis 9 zeigen
abwechselnd zwlf Wappen der Lnder des Hauses Habsburg in Deutschland
und Spanien, zwei =frstliche Ehepaare= und =vier Heilige=, und zwar:

    9. Reihe: Wappen des Knigreichs Kroatien, des Erzherzogtums
       sterreich, des Herzogtums Steier und des Herzogtums Brabant.

    8. Reihe: Die Heiligen Jakobus d. ., Andreas, Kaiser Heinrich und
       Georg.

    7. Reihe: Wappen des Knigreichs Ungarn[XIV], Dalmatiens, Tirols und
       des Herzogtums Krnten.

    6. Reihe: Wappen des Hauses Habsburg, Kaiser Maximilians I., dessen
       Gemahlin Maria von Burgund[XV] und das Wappen von Burgund.

    5. Reihe: Das vereinigte Wappen von Kastilien, sterreich, Leon,
       Bourbon, Granada und Burgund mit Grafenkrone[XVI], Philipp I. der
       Schne, Knig von Spanien, dessen Gemahlin Johanna die
       Wahnsinnige[XVII] und das vereinigte Wappen von Kastilien, Leon,
       Neapel, Sizilien und Granada mit der Knigskrone.

    4. Reihe: Wappen des Knigreichs Leon, der Grafschaft Granada[XVIII],
       des Knigreichs Neapel und des Knigreichs Sizilien.

    3. Reihe mit der Inschrifttafel: Maximilianvs cristianorvm imperator
       ac septem regnorvm rex heresque archidvx avstriae plvrivm evropae
       provinciarvm princeps potentissimvs. f. f. Darber die Jahrzahl
       MCCCCCXIIII.

  [XIV] Ungarn war 1514 noch nicht im Besitze des Hauses Habsburg, erst
        seit 1526.

  [XV] Maria von Burgund war bereits 1482 gestorben. Allein die
       sptgotische Tracht (die Kopfbedeckung der Maria ist der Hennin)
       und das daneben befindliche Wappen von Burgund-sterreich lassen
       es als ausgeschlossen erscheinen, da mit der Dargestellten die
       zweite Gemahlin Maximilians, Bianca Maria Sforza von Mailand,
       gemeint ist. Die Darstellung der ersten Gemahlin, der Mutter des
       in der nchsten Reihe dargestellten Knigs Philipp, geschah
       jedenfalls auf besonderen Wunsch des Kaisers.

  [XVI] Die Grafenkrone ist nicht verstndlich. Kastilien war damals
        schon lange Knigreich. brigens trgt das andere vereinigte
        Wappen derselben Reihe, bei welchem Kastilien mit Leon die
        bevorzugte Stelle im linken oberen Feld einnimmt, die
        Knigskrone.

  [XVII] Es kann nur der Sohn Maximilians, wenn auch schon seit 1506
         verstorben, und seine Gattin in Frage kommen. Hierfr sprechen
         in erster Linie die beigefgten Wappen, in zweiter Linie der
         Umstand, da Maximilians Enkel, Philipps Sohn, der nachmalige
         Kaiser Karl V., damals erst 14 Jahre alt und natrlich auch
         nicht verheiratet war. In der Literatur werden die beiden
         frstlichen Personen gewhnlich als Karl V. und Isabella
         von Portugal bezeichnet, bei M. M. Mayer sogar als Kaiser
         Maximilian und Gemahlin, whrend das darber stehende Paar
         Karl V. und Gemahlin genannt wird.

  [XVIII] Granada war damals Knigreich.

Stilistisch interessant durch den Wechsel von Sptgotik und
Frhrenaissance: Renaissancekostm fast bei allen Figuren, gotisches
Kostm bei der Maria von Burgund, ausgesprochene Renaissance in der
Architektur und in der Majuskelinschrift, dagegen noch vollstndig
gotisch der gemusterte Hintergrund bei Wappen und Figuren.

Das Glasgemlde wurde hergestellt im Auftrage des Kaisers Maximilian I.
fr den Preis von 200 fl.

[Illustration: Abb. 109. Detail vom Markgrafenfenster.]

9. Das =Markgrafenfenster=[XIX] (Abb. 109). 1515 von Veit Hirschvogel d.
. wahrscheinlich nach einem Entwurf des Hans von Kulmbach gemalt.

  [XIX] Vgl. ber das Fenster namentlich Friedrich H. Hofmann, Das
        Markgrafenfenster in St. Sebald zu Nrnberg. Im
        Hohenzollern-Jahrbuch. 1905, S. 67 ff.

Das Gemlde nimmt vom Sockel an neun Fensterreihen ein. Das Ganze ist
als ein architektonischer Aufbau gedacht. Der Sockel in den beiden
untersten Reihen ist durch Fenster und Nische belebt und zeigt eine
Inschrifttafel. Darber erheben sich sechs Etagen mit durchlaufenden
Wandpfeilern in den ueren Bahnen; in der obersten Etage ist den
Wandpfeilern je eine Sule vorgelagert, welche zugleich als Sttze fr
den reich ornamentierten bekrnenden Giebel und dessen seitliche, Engel
tragende Aufstze in der letzten Reihe dient. Die mittleren Bahnen der
Reihen 3 bis 8 enthalten 12 figrliche Darstellungen, in den ueren
Bahnen der Reihen 3 bis 7 sind 10 Wappen angebracht. Figuren und Wappen
sind:

    8. Reihe: Die =Heiligen Maria und Johannes der Tufer=, die
       Schutzpatrone des Hauses Hohenzollern.

    7. Reihe: Wappen von Brandenburg, =Friedrich der ltere, Markgraf von
       Brandenburg-Ansbach und -Kulmbach, dessen Gemahlin Sophie von
       Polen=, Wappen von Polen.

    6. Reihe: Wappen des Landes der Kassuben und Wenden, =Markgraf
       Kasimir=, =Markgraf Johann=, nachmals Vizeknig von Valencia,
       Wappen des Landes der Kassuben und Wenden.

    5. Reihe: Wappen von Pommern, =Markgraf Albrecht=, Hochmeister des
       Deutschen Ordens, nachmals Herzog in Preuen, =Markgraf Georg der
       Fromme=, Wappen von Pommern.

    4. Reihe: Wappen des Burggrafen von Nrnberg, =Markgraf Friedrich=,
       Domprobst zu Wrzburg, =Markgraf Wilhelm=, nachmals Erzbischof
       von Riga, Wappen von Rgen.

    3. Reihe: Wappen von Hohenzollern, =Markgraf Johann Albrecht=,
       nachmals Erzbischof zu Magdeburg und Bischof von Halberstadt,
       =Markgraf Gumbert=, unkenntliches Wappen.

    2. Reihe mit der Inschrifttafel: Friderich von gottes gnaden
       marggraff zu Brandenburg zu Stetin Pomern der Cassuben vnd Wenden
       herczog burggraff zu Nrnberg und frst zu Rgen 1. 5. 15.

Die acht Markgrafen in den Reihen 6 bis 3 sind die acht Shne Friedrichs
und seiner Gemahlin Sophie in der Reihenfolge ihres Alters.

In den ueren Feldern der Sockelreihe befanden sich ursprnglich
zwei Engel, hnlich den oberen Engeln auf der Bekrnung. 1817 muten
dieselben zwei schlechten Medaillons mit den Bildnissen Melanchthons und
Luthers weichen.

10. Das =Pfinzingsche Fenster=. 1515 gemalt von Veit Hirschvogel d. .

Es umfat acht Querreihen: Architektur mit zwei Stockwerken. Im oberen
Stockwerk =die Heiligen Christoph, Sebald, Maria mit dem Christuskind
und Anna selbdritt=. Im unteren Stockwerk der =Stifter und seine
Gemahlin= mit den Wappen der Pfinzing und Grundherr, darunter knieend
acht Familienangehrige beiderlei Geschlechts mit ebensovielen
Pfinzingschen Wappen. In der untersten Reihe Inschrifttafel: Siegfridus
Pfinzing sibi suisque MDXV. Darunter zwei Wappen (Pfinzing-Harsdorf).
Einzelne Stellen, hier und da sogar mit Schriftscheiben, ziemlich
barbarisch geflickt.

11. Das =Hallersche Fenster=. 1372-1379.

Es umfat 6 Querreihen:

    1. Reihe (von unten): 4 Hallersche Wappen.

    2. Reihe: =Legende des hl. Georg=.

    3. Reihe: Ein =heiliger Mnch= mit Buch und zangenartigem Gert,
       =St. Leonhard=, =St. Sebastian= und ein =heiliger Frst=
       (Hermelinberwurf) mit Palmwedel und Reichsapfel.

    4. Reihe: Die =Heiligen Katharina=, =Anna selbdritt=, =Ursula= und
       =Elisabeth=.

    5. =Herodes und der betlehemitische Kindermord.=

    6. Reihe: schlichter Architekturaufsatz.

In der 7. Reihe zwei Hallersche Wappen (im 1. und 4. Feld) vom Jahre
1494.

[Illustration: Abb. 110. Fenster ber dem sdlichen Seitenschiffportal.]

12. Das =Schrstabsche Fenster=. 1372-1379.

Es umfat 7 Querreihen:

    1. Reihe (von unten): Lamm Gottes, zum Schrstabschen Wappen gehrig,
       und drei Schrstabsche Allianzwappen.

    2. Reihe: Hl. =Sebald=, ein kniender, den Heiligen verehrender
       =Ritter= mit dem Schrstabwappen und zwei kniende =Frauen= mit
       Stromerschen Wappen und Wappen der Graser (?).

    3. Reihe: =Christus in der Vorhlle= (2 Felder), =der Auferstandene
       erscheint den heiligen Frauen= (2 Felder).

    4. Reihe: Kreuzabnahme oder richtiger =Piet=; =Grablegung=
       (je 2 Felder).

    5. Reihe: =Himmelfahrt=, =Tod Mari= (je 2 Felder).

    6. und 7. Reihe: Architektur.

In der 8. Reihe (1. und 4. Feld) zwei Schrstabsche Wappen von 1493,
ber jedem das Lamm Gottes.

13. Das =Behaimsche Fenster=. 1372-1379.

Das Glasgemlde umfat die sechs unteren Reihen und greift mit der
Bekrnung in die siebente Reihe ber. Die mittleren Felder der
Sockelreihe enthalten zwei Behaimsche Allianzwappen, in den Feldern
daneben kniende Familienangehrige mit Behaimschen Allianzwappen. Die
mittleren Bahnen sind kompositionell zusammengefat, und zwar sind die
Reihen 2 bis 7 in drei Etagen gegliedert, welche von unten nach oben die
=Verkndigung= (eine starke gelbe Rhre vermittelt den hl. Geist, eine
Taube, vom Munde Gott Vaters dem Ohr der Maria), =Geburt Christi= und
die =Krnung Mari= zeigen. In den brigen seitlichen Feldern, abgesehen
von den erwhnten Wappenfeldern, neben der Verkndigung zwei weitere
Anbetende, eine mnnliche und eine weibliche Figur mit Allianzwappen, zu
den beiden Seiten der Geburt und Krnung vier musizierende Engel.

Im Mawerk Medaillons mit dem zwei Behaimsche Allianzwappen, je von
einem Engel gehalten, aus dem 16. Jahrhundert.

14. Das =Volckamersche Fenster=. Etwa 1490-1500.

Es umfat 6 Querreihen:

    1. Reihe (von oben): Reiche gotische Baldachinarchitektur als
       Bekrnung.

    2. Reihe: Von den Darstellungen, die diese Reihe enthielt, der
       =Verkndigung= und =Geburt=, ist nur mehr je eine Hlfte
       vorhanden, nmlich die Maria von der Verkndigung und der hl.
       Joseph von der Geburt. Sie nehmen die beiden mittleren Felder
       ein. An die Stelle der abhanden gekommenen anderen Hlften wurden
       ein Volckamersches und ein Grtner-Schrstabsches Wappen in die
       Butzenverglasung der beiden seitlichen Felder eingefgt.

    3. Reihe: =Anbetung der heiligen drei Knige=.

    4. Reihe: =Beschneidung= und =Darstellung im Tempel=.

    5. Reihe: Kniende mnnliche und weibliche Familienangehrige mit
       Volckamerschen Allianzwappen.

    6. Reihe: In den mittleren Feldern zwei Wappen der Volckamer mit der
       Inschrift: Anno domini 1488, zu den Seiten mnnliche und
       weibliche Anbeterfiguren mit Spruchbndern und den Wappen der
       Stromer, Volckamer (2), Ebner und Schrstab.

15. Das =Imhoffsche Fenster=. Vom Jahre 1601 (links unten in der zweiten
Reihe datiert), die beiden untersten Wappenpaare vom Jahre 1641. Von
Jakob Sprngli oder Christoph Maurer (1558-1614), ebenfalls einem
geborenen Schweizer.

Das Glasgemlde umfat das ganze Fenster. Wirkungsvoller
architektonischer Aufbau in krftigen Renaissanceformen mit reichen
Zutaten von Puttenfiguren, Festons usw. in den beiden ueren Bahnen,
oben die allegorischen Figuren Glaube und Liebe; in den beiden mittleren
Bahnen 20 Einzelwappen und Allianzwappen der Imhoff, teils mit
Wappenzier, teils von Krnzen umrahmt. Die zu diesem Fenster gehrigen
Glasmalereien des Mawerks sind bei der Versetzung des Fensters an
dessen ursprnglichem Ort, nmlich in dem an der Nordseite des Ostchores
gerade gegenberliegenden Fenster zurckgeblieben (siehe oben).

16. Das =letzte Fenster im Ostchor=. Um 1360. Das Glasgemlde war wie
das im gegenberstehenden Fenster befindliche wahrscheinlich schon vor
Beginn des Ostchorneubaues vorhanden.

Das Fenster ist entweder eine Paumgrtnersche Stiftung oder eine
Stiftung der Familien Pirckheimer, Paumgrtner und Grabner, deren
Wappen die Sockelreihe aufweist. Was die Komposition anlangt, so sind
die beiden mittleren Bahnen zusammengefat und in drei Etagen mit je
drei Feldern abgeteilt, wobei in den jeweiligen Bekrnungen zwei Giebel
mit einem Rundbogen abwechseln; unten die =Anbetung der heiligen drei
Knige=, in der Mitte die =Darbringung im Tempel=, zu beiden Seiten
weibliche Figuren mit Tauben, darber Propheten, oben der zwlfjhrige
=Jesus bei den Schriftgelehrten=, zu beiden Seiten Engel.

_Sdliches Seitenschiff._ Im =ersten Fenster= von der alten
Querhausmauer an ein greres Welsersches Wappen und vier kleinere runde
Welsersche Allianzwappen, bei deren einem das heraldisch rechte Wappen
durch buntes Glas ersetzt ist.

Im =zweiten Fenster= ein greres Behaimsches, drei kleinere runde
Welsersche und ein ebensolches lhafensches Allianzwappen.

Im =dritten Fenster Christus am Kreuz mit Maria und Johannes=, darber
prchtig stilisiert Helm, Helmdecke und Zimier zu einem jetzt fehlenden
lhafenschen Wappen, auerdem vier kleine Rundscheiben mit dem Wappen
der Gutschneider, Koler-Kre, lhafen-Volckamer und Welser-Ntzel.

Im =vierten Fenster=, dem kleinen Fenster ber dem Sdportal, das
Wappenschild der Pmer und ein Spruchband, auf dem M. M. Mayer noch
die jetzt fast verschwundene Inschrift las: Heinrich Pmer Starb Anno
1331, darunter zwei Donatoren (bezeichnet als Friedrich und Konrad
Pmer) mit zwei Pmerschen Allianzwappen (Abb. 110).

Im =fnften Fenster= befinden sich jetzt sechs kleine Rundscheiben
mit Allianzwappen der Familien Dietherr, Kre, Harsdorf, lhafen und
Rohleder sowie einem Pmerschen Wappen.


     5. Gedenktafeln, Totenschilder, Stuhlwerk, Orgeln und Glocken.

=Gedenktafeln.= Diejenigen Geschlechter, deren Begrbnissttten in
der Kirche lagen oder welche sich durch hervorragende Stiftungen
ausgezeichnet hatten, besaen das Recht, groe Tafeln mit Verzeichnissen
der Vorfahren zum Andenken an dieselben in der Nhe der gestifteten
Gegenstnde aufzuhngen. Die Sitte kam zwar schon zur Zeit der
Sptgotik auf, allein erst mit der um die Mitte des 17. Jahrhunderts
durchgefhrten Barockausstattung wurde vielfach Gebrauch davon gemacht.
Die uns erhaltenen Gedenktafeln gehren den Patrizierfamilien Ebner,
Frer, Holzschuher, Kre, Lffelholz, Pfinzing, Pmer, Scheurl, Tucher
und Volckamer an.

Der Inhalt der Tafeln hat lediglich familiengeschichtliches Interesse.
Von knstlerischem Wert sind nur einige Tafeln durch reichere Gestaltung
der holzgeschnitzten Rahmen, insbesondere der die Tafeln bekrnenden
Aufstze und Wappenschilder. Von den der Mitte des 17. Jahrhunderts
angehrigen Gedenktafeln verdienen hervorgehoben zu werden die der
=Lffelholz= im Westchor, die der =Kre= mit dem Holztafelgemlde des
segnenden Weltheilandes und dem Wappenschilde aus der Rokokozeit (Abb.
111) und die der =Volckamer= im Ostchor vor dem Muffelschen Altar
(Abb. 112); von den ein Jahrhundert jngeren Tafeln im ausgesprochenen
Rokokostil die der =Ebner= beim nrdlichen Turm (Abb. 113), die der
=Holzschuher= im sdlichen Seitenschiff und die der =Frer= im Ostchor
beim Muffelschen Altar. In die Renaissancezeit fllt eine der vielen
=Tucherschen Tafeln=, welche im Ostchor an der Wand des Tucherfensters
hngt (Abb. 114). Sie zeichnet sich dadurch aus, da in ihrer Mitte
ein aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts stammendes lgemlde aus Holz
eingelassen ist, darstellend den Tod vor offenem Grabe mit Schriftband:
Was ir seit, das was ich, vnd was ich bin, das wert ir.

Auf einer anderen Tucherschen Gedchtnistafel im nrdlichen Chorumgang
hinter dem Hochaltar =Christus als Weltenrichter=, auf dem Regenbogen
thronend. 17. Jahrhundert.

=Totenschilder.= Zum Inventar der Kirche zhlen nunmehr auch eine groe
Anzahl von alten Totenschildern verschiedener Patrizierfamilien. Die
frher in der Kirche aufgehngten Schilder wurden zu Beginn des 19.
Jahrhunderts bis auf das unten erwhnte Stromersche, das auf seinem
alten Platz oberhalb der Stromerschen Empore im nrdlichen Seitenschiff
verblieb, den Stiftern zurckgegeben. Wie weit die jetzigen Schilder mit
den frheren identisch sind, drfte sich schwerlich feststellen lassen.
Von den Totenschildern, von denen manche, insbesondere ein Hallersches,
sowohl nach der knstlerischen wie nach der technischen Seite von
Interesse sind und bei deren Herstellung teilweise mit den einfachsten
Mitteln (Rohaare, vergoldete Hanfstricke usw.) gearbeitet worden ist,
gehren 21 der =Lffelholz=schen (Abb. 115), 7 der =Kressi=schen (Abb.
116), 12 der =Haller=schen (Abb. 117, 118), 11 der =Harsdrfer=schen,
4 der =Ebner=schen (Abb. 119) (hievon 2 neu) und 1 (siehe oben) der
=Stromer=schen Familie (Abb. 120) an. Sie stammen aus der Zeit vom 14.
bis zum 18. Jahrhundert und hngen im Westchor, im Mittelschiff und im
nrdlichen Seitenschiff in der Nhe der Grabsttten der Stifterfamilien.

=Kirchensthle und anderes Mobiliar.= Das in Eichenholz ziemlich derb
geschnitzte =Chorgesthl= im Mittelschiff des Ostchores zwischen den
Pfeilern stammt aus der Zeit der Vollendung des Chorneubaues zwischen
den Jahren 1372 und 1379 (Abb. 121, 122 und 123). Die Seitenteile
der Sthle sind mit ornamentalen, durchbrochen gearbeiteten und mit
figrlichen Schnitzereien, Propheten, Apostel sowie andere Heilige
und phantastische Tiergestalten darstellend, ausgestattet. An den
Rckwnden der Chorsthle zu beiden Seiten des Altares sind jetzt
zwei runde holzgeschnitzte Medaillons angebracht: links der heilige
Sebald in einem Renaissanceraum, zu seinen beiden Seiten die Wappen
von Dnemark und Frankreich, zu seinen Fen das Schreyersche Wappen
(vgl. Titelvignette), auf der anderen (rechten) Seite in Hochoval das
Grundherrsche Wappen. Beide Medaillons rhren vermutlich von frheren
Kirchensthlen (einem Schreyerschen und einem Grundherrschen?) her.

Im sdlichen Seitenschiff an der Westwand neben der Turmhalle ein
zweisitziger =Kirchenstuhl= ohne besondere Dekoration, ebenfalls aus
Eichenholz mit zwei eingeschnittenen Wappen der =Haller= (Abb. 124).

Im Lffelholz- oder Westchor ein im frhen Barockstil reichgeschnitzter
=Stuhl= vom Jahre 1627 (Abb. 125).

Ihm gegenber einfach geschnitzter =Stuhl des Handwerks der Holz- und
Beindrechsler= mit deren Wappen auf vergoldetem Kupfer von 1738.

Im nrdlichen Seitenschiff an der Turmwand hbsch ornamentierter =Stuhl=
aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts.

Neben dem Eingange des nrdlichen Seitenschiffes einfach geschnitzter
=Stuhl des Handwerks der Bcker=. 17. Jahrhundert.

Auerdem noch zwei ganz einfache =Kirchensthle= in der nrdlichen
Turmhalle und beim Eingange des sdlichen Seitenschiffes; letzterer mit
reicherem barockem Aufsatz mit den Emblemen des =Schuhmacherhandwerks=.
Ferner mancherlei krftig geschnitztes Stuhlwerk an den Wnden der
Kirche aus verschiedenen Epochen: an der Sdwand des Ostchors einfaches
=gotisches Chorgesthl=, gegenber an der Nordwand die =Tucherschen
Chorsthle= unter den Gedenktafeln des Tucherschen Geschlechts aus
der Zeit der Sptrenaissance. Der gleichen Zeit gehren auch die
beiden =Tucherschen Paramentenschrnke= an, die sich jetzt hinter dem
Altare befinden. Weitere =Chor- und Handwerkersthle= mit einfach
ausgeschnittenen Stuhlwangen in verschiedenen Teilen der Kirche.

Hinter dem Hochaltar zwei mit Schnitzerei verzierte =Sngerpulte= aus
dem 17. Jahrhundert mit drehbaren Aufstzen.

Die einfachen =Chorschranken= rhren vermutlich von der Restaurierung um
die Mitte des 17. Jahrhunderts her.

Neben dem Eingange zur sdlichen Sakristei und in der Pmerkapelle =je
ein gotisches Wandschrnkchen= mit hbscher holzgeschnitzter Tr und den
alten Eisenbeschlgen.

Die =Laiensthle= der Kirche aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden
bei der letzten Restaurierung derart umgendert, da die in plumpen
pseudogotischen Formen gehaltenen Wangen durch einfach ausgeschnittene
Bretter ersetzt und so dem vorhandenen alten Gesthl angepat wurden.

[Illustration: Abb. 111. Detail vom Rahmen der Kressischen Totentafel im
Ostchor.]

[Illustration: Abb. 112. Detail vom Rahmen der Volckamerschen Totentafel
im Ostchor.]

[Illustration: Abb. 113. Rahmen der Ebnerschen Totentafel im nrdlichen
Seitenschiff.]

Schlielich sei noch ein =neuer Paramentenschrank= in einfachen
gotischen Formen erwhnt, der von Hauberrisser entworfen wurde und neben
der sdlichen Turmwand seinen Platz gefunden hat.

Beim Muffelaltar ist in die Wand eine =Steinplatte= eingelassen, in der
oben in einer kleinen Nische das Erzschildchen eingemauert ist, das
1882 hinter einem Baldachin des Ostchors gefunden wurde. Wie die 1906
angebrachte Inschrifttafel besagt, handelt es sich bei dem Zeichen auf
diesem alten Schildchen offenbar um das Meisterzeichen des bisher noch
unbekannten Erbauers des Ostchors. Vgl. Abb. 26.

Die =eisernen Tren= neben dieser Steinplatte, die als Verschlu von
Wandschrnken dienen, sind alt (15. Jahrhundert) und zeichnen sich
durch schn ornamentierte Schloschilde und geschmackvoll geformte
Griffe aus. Die Wandschrnke beim Petrus- und Tucheraltar wurden nach
diesem Muster mit neuen eisernen Tren versehen. Ebenfalls eine Arbeit
der Neuzeit ist der eiserne =Opferstock= im Mittelschiff vor dem
Lffelholz-Chor.

[Illustration: Abb. 114. Details vom Rahmen der Tucherschen Totentafeln.]

[Illustration: Abb. 115. Lffelholzische Totenschilder.]

[Illustration: Abb. 116. Kressisches Totenschild (des Stifters der
Kirche in Kraftshof).]

=Orgeln.= Die =groe Orgel= im Ostchor (Abb. 126) wurde 1444 von
Heinrich Traxdorf fr 1150 fl. erbaut. Von dem Pfeifenwerke dieser
gotischen Orgel sowie von den im Laufe der Jahrhunderte hinzugekommenen
Registern hat sich nichts erhalten. Bei der letzten Restaurierung (1905)
wurde ein der modernen Orgeltechnik entsprechendes Werk aufgestellt und
zum Teil dem alten Gehuse eingefgt. Aber auch mit diesem waren im
Laufe der Zeiten bereits verschiedene Vernderungen vorgenommen worden.
Whrend eine Anzahl urkundlich bezeugter Verbesserungen (1480/81, um
1520, 1572 usw.) sich wesentlich auf das Werk bezogen zu haben scheinen,
das 1691 von Georg Siegmund Leyser, Orgelbauer in Rothenburg o. T.,
erneuert wurde, hatten die Umbauten und Reparaturen von 1658 und 1827
auch bedeutende Umformungen des Gehuses zur Folge. 1658 wurde die
Orgel der barocken Kirchenausstattung angepat, wobei Daniel Preiler
die Flgel mit den Bildnissen der Scholarchen und Geistlichen an der
Kirche und der damaligen Stadtmusiker schmckte. Diese Flgel haben
sich indessen nicht erhalten. Bei der Ausbesserung des Werkes durch den
Orgelbauer Augustin Ferdinand Bittner im Jahre 1827 wurden jene barocken
Teile durch gotisch stilisierte, nach Plnen Heideloffs ausgefhrte
Teile ersetzt. Hiebei wurde nicht nur ein neues Positiv angebracht,
sondern auch die Galerie fr den Sngerchor nach beiden Seiten hin
erweitert und mit einer hlzernen, mit gotischen Mawerken versehenen
Brstung abgeschlossen.

[Illustration: Abb. 117. Hallersche Totenschilder.]

[Illustration: Abb. 118. Hallersches Totenschild.]

Bei der letzten Wiederherstellung der Kirche lie sich das ursprngliche
Gehuse der Orgel noch zum grten Teil aus den spteren Zutaten wieder
herausschlen und bietet sich jetzt wesentlich in seiner alten Gestalt
dem Auge dar. Das in Eichenholz krftig und wirkungsvoll geschnitzte
alte Gehuse zeichnet sich durch reichen ornamentalen und figrlichen
Schmuck aus. Es sei dabei einerseits auf die reizvolle und eigenartige
Bildung der Wimperge mit ihren trefflich geschnitzten Krabben und
Kreuzblumen, andererseits auf die figuralen Darstellungen, die sich
in das abschlieende Mawerk der vorkragenden Sngerbhne einfgen,
besonders hingewiesen: nicht nur Adam und Eva, sondern auch Wappenhalter
mit den Nrnberger Wappen und allerlei Gestalten aus dem Volke, Ritter,
Knechte, Bauern usw., finden sich hier in bunter Reihe angebracht. Die
beiden unteren Konsolen tragen wiederum die beiden in Verbindung mit
dem heiligen Sebaldus so oft wiederkehrenden Wappen; am Scheitel des
Gewlbes, gewissermaen als Schlustein eine Teufelsfratze mit einer
Zunge aus Leder, einem Bart aus Rohaaren und einem Unterkiefer, der
heute noch, wie ehedem, durch das Orgelwerk in Bewegung gesetzt wird.

Die Ergnzungen, die bei der letzten Restaurierung ntig wurden,
beschrnken sich in der Hauptsache auf die Bretterbrstung zu beiden
Seiten des gleichfalls neuen Positivs, bei dem indessen einzelne
alte Teile zur Verwendung kommen konnten, und auf die schmalen
Mawerkfllungen unterhalb der groen seitlichen Register.

ber die Wandmalerei zu beiden Seiten der Orgel, die mit dieser
inhaltlich in Beziehung steht, ist oben bereits gehandelt worden.

Die =kleine Orgel= im Westchor ist 1732 am 13. Oktober gestiftet von
Konrad Nikolaus Overdik und dessen Gattin Ursula, geb. Ebermayr, als
Haus Orgel zu Unterhaltung der Andacht bey der heil. Comunion in dem
Chor nach St. Sebald. Die Geschichte der Orgel ist brigens bisher
nicht vllig klargestellt. Heute wird sie von einem Muffelschen Wappen
bekrnt, zu dessen beiden Seiten man die Jahreszahl 1776 liest. Auch die
beiden vergoldeten Monogramme auf der Rckseite der Orgel scheinen auf
die Patrizierfamilie Muffel hinzudeuten.

[Illustration: Abb. 119. Ebnersches Totenschild.]

[Illustration: Abb. 120. Stromersches Totenschild.]

[Illustration: Abb. 121. Details von den Chorsthlen im Ostchor.]

[Illustration: Abb. 122. Details von den Chorsthlen im Ostchor.]

Sonst ist von Orgeln nur bekannt, da 1447 eine kleinere Orgel
gestiftet, 1570 aber wieder entfernt wurde. Auch zum Jahre 1517 wird von
der Stiftung einer kleineren Orgel durch Hans Stauber berichtet.[XX] Von
den Silberdrahtziehern soll 1657 eine kleine Orgel gestiftet worden sein.

  [XX] Vgl. Hampe, Nrnberger Ratsverlsse. Bd. 1. Nr. 1101. 1108, 1109.

=Glocken. Im nrdlichen Turm:=

1. =Die Betglocke.= Von Johann Weienburger in Nrnberg 1391 gegossen.

Halsinschrift:

    O REX GLORIE VENI CVM PACE LVCAS MARCVS MATHEVS JOHANNES AVE MARIA
    GRACIA PLENA DOMINVS TECVM BENEDICTA TV IN MVLIERIBVS ET BENEDICTVS
    FRVCTVS VENTRIS TVI AMEN VITA + INTER NATOS MVLIERVM NON SVRREXIT
    MAIOR IOHANNE BAPTISTA QVI VIAM DOMINO PREPARAVIT IN HEREMO FVIT
    HOMO MISSVS A DEO CVI NOMEN IOHANNES ERAT ORA [P=] NOBIS BTE AG.

Fuinschrift:

    ANNO DOMINI MCCCLXXXXI HEC CAMPANA EST CXXXXVIII CENTENARIIS
    ACTA PER IOHANNEM WYSSENBVRGER IN N[.V]RBERG IN VIGILIA S[=T]I
    LAVRENCII M[=R]IS A DOMINO HEINRICO PREPOSITO DE VESTENBERG GENITO
    CONPARATA REX KASPAR REX BALTHEZAR REX MELCHIOR DEVS [PPI=]CIVS ESTO
    [P=]INTCESSIONEM B[=T]I AVGVSTI +.

[Illustration: Abb. 123. Details von den Chorsthlen im Ostchor.]

[Illustration: Abb. 124. Hallerscher Kirchenstuhl.]

[Illustration: Abb. 125. Kirchenstuhl im Lffelholzchor.]

Hhe (ohne Krone) 130 m.

Die Betglocke heit in den Chroniken wie ihre Vorgngerin auch
Benedicta. Im Jahre 1600 sollte die jetzige Betglocke durch eine neue
ersetzt werden. Eine Ausbesserung war jedoch noch mglich. Im Laufe des
18. Jahrhunderts fanden mehrere Reparaturen statt.

Nach Stdtechroniken I, 357 wre die alte Glocke erst 1392 an unsers
herrn leichnames abent [12. Juni] geweiht worden.

2. Eine =Glocke= aus dem zweiten Drittel des 14. Jahrhunderts.

Halsinschrift:

    AVE MARIA GRACIA PLENA DOMINVS TECVM BENEDI. +.

Hhe (ohne Krone): 088 m.

3. Eine =Glocke= vom Jahre 1418.

Halsinschrift:

    Anno domini mccccxviii anno gloria patri et filio et spiritvi sancto
    et Mariae +.

Hhe (ohne Krone) 065 m.

4. Eine =Glocke= aus dem ersten Drittel des 14. Jahrhunderts.

Halsinschrift:

    MATHEVS MARCVS LVCAS IOHANNES MARIA +.

Hhe (ohne Krone): 056 m.

Die an zweiter Stelle angefhrte Glocke des nrdlichen Turmes, deren
Inschrift den Englischen Gru enthlt, drfte identisch sein mit der
in den Chroniken genannten Garausglocke, eine von den beiden kleinen
Glocken desselben Turmes mit dem Vesperlein.

[Illustration: Abb. 126. Orgel im Ostchor.]

Im =sdlichen Turm=: 1. Die =Chorglocke=. 1324 gegossen.

Halsinschrift:

    ANNO DNI MCCCXXIIII VOX EGO SVM VITE VOCO VOS ORARE VENITE XPO
    REGNAT +.

Hhe (ohne Krone): etwa 120 m.

2. Die =Sturmglocke=. Aus dem 14. Jahrhundert.

Halsinschrift:

    TITVLVS TRIVMPHALIS NRI SALVATORIS IHC NAZARENVS REX JVDEORVM +.

Hhe (ohne Krone): etwa 120 m.

3. Die =Stundenglocke=, auch =Schlag- oder Uhrglocke= genannt. Im
unteren Durchbruch des Helms. 1482 von Konrad Glockengieer gegossen.

    Halsinschrift: sant sebolcz schlach glock pin ich hern ruprecht
    haller hern niclas grosen vnd hern gabriel nvczel den obersten
    haubtlevten gebart ich maister cvnrat glockengisser gos mich anno
    domini 1482 +.

Hhe (ohne Krone): 160 m.

Gotteshauspfleger Ruprecht Haller der ltere, Hans Tucher der ltere
und Kirchenmeister Sebald Schreyer hatten mit Meister Konrad dem
Glockengieer vereinbart, da er fr den Zentner der Glocke 10-1/2 fl.
rhein. erhalten und den Zentner der alten gesprungenen Uhrglocke fr 8
fl. nehmen solle. Er erhielt 1055 fl. rhein., nach Baader, Beitrge,
I, 61 im ganzen 1380 Pfund 5 Schilling 8 Haller. Die Glocke wurde am
20. Juni 1483 gewogen und hatte ein Gewicht von 100 Zentnern 56 lb.
Nheres bei Baader, ferner in den Stdtechroniken, V, 480 ff. und in dem
Manuskript XL, 3 im Stadtarchiv Nrnberg.

[Illustration: Abb. 127. Eisenbeschlag vom Brauttor.]

[Illustration: Abb. 128. Eisenbeschlag vom Brauttor.]

Die Uhrglocke hatte zwei Vorgngerinnen. Die ltere wurde 1383, als der
Turm oberhalb der Sturmglocke einer Ausbesserung bedurfte, ausgebessert
und ist 1396 gesprungen. Die jngere wurde von Meister Heinrich
Grnwalt noch in dem gleichen Jahre gegossen und hatte ein Gewicht von
64 Zentner 66 lb; sie zersprang am 4. Mai 1482 ebenfalls. Ihre Inschrift
lautete: Ich Orglogck pin  des  Rats  zu  Nrmberg  eigen  hat
 mich  erzeugt  als man  zalt  nach  Christj  geburt  M^{o}CCC^o
 vnd  in dem  lxxxxvj Jar  in dem  Mayen  hat mich  begabt 
Heinrich  grnwalt  herr  got  hilff  mir  zu  Dir  +.

4. Die =Viertelstundenglocke=. Im oberen Durchbruch des Helmes. Laut
Inschrift, welche nur bruchstckweise entziffert werden konnte, 1494 in
Landshut gegossen.[XXI]

  [XXI] ber die Einfhrung des Viertelstundenschlagwerkes durch Ulrich
        Grundherr vgl. Vereinsmitteilungen. VII, S. 224. -- Zu dem
        Schieen des Jahres 1493 in Landshut, so erfahren wir daselbst
        aus Kunz Has' Gedicht, hatte der Rat Herzog Georg zu Ehren
        die freiwilligen Nrnberger Schtzen mit einem roten Kleid
        bedacht. Sie zogen aus unter der Fhrung des Schtzenhauptmanns
        Ulrich Grundherr, eines der sieben lteren Herren, der das
        Schlagwerk, wahrscheinlich als Preis, mit heimbrachte. Wie aus
        einem Ratsverla vom 8. Oktober 1493 hervorgeht, beschlo der
        Rat ein neues slahglcklein, das zu einer jeden stund viermaln
        slahe, gieen und bei St. Sebald aufrichten zu lassen, dann
        beschlo er am 19. Oktober, ein zimeln [kleine Glocke] 5 oder
        6 zentnern swer... machen ze lassen und oben in sant Sebolts
        turn uber die slagglocken ze henken und zu dem slahen der
        vierteil einer hore zu gebrauchen... und endlich am 29. Januar
        1494 ein gut hell slahglocklein von gutem zeug zu bestellen
        und in den turn zu s. Sebald zu henken. Es wurde demnach 1494
        das neue Viertelschlagwerk, wohl nach Muster des in Landshut
        erschossenen, errichtet.

Hhe (ohne Krone) etwa 050 m. Unter dem Zeigerlein der Chroniken wird
diese kleine Uhrglocke zu verstehen sein.

Hier mgen schlielich die schnen Kunstschmiedearbeiten an den barocken
Holzportalen Erwhnung finden (Abb. 127 und 128).


                6. Altargerte, Wandteppiche, Paramente.

Die mit Einfhrung der Reformation vernderten liturgischen
Verhltnisse lieen einen groen Teil des alten Kirchenschatzes
berflssig erscheinen. Bei dieser Gelegenheit verschwanden wohl eine
Reihe von kostbaren Paramenten und Altargerten. Denn da solche
in Menge vorhanden waren, wird man bei dem auf allen Gebieten der
Kunst und des Kunstgewerbes bettigten Stiftersinn der Nrnberger
Geschlechter ohne weiteres annehmen drfen. Indessen blieb der gesamte
Kirchenornat, d. h. die Megewnder -- also das berflssigste bei
Ausbung der neugestalteten Gottesdienste -- ungeteilt erhalten.
Erst 1810 hat in Nrnberg die protestantische Geistlichkeit den
aus der vorreformatorischen Zeit herbergenommenen Kirchenornat
mit dem schwarzen Talare vertauscht. Eine weitere Reduzierung des
Kirchenschatzes wurde schon 1552 vorgenommen; es bezeugt dies ein im
Kreisarchiv Nrnberg aufbewahrter Bericht wegen derer silberner vnd
guldener clainodien, so in S. Sebalts, Laurenzen vnd vnser frauen
kirchen gewesen a^o 1552 verschmelczt vnd dann das gold vnd silber
verkauft worden. Auch diesmal blieb der Ornat noch verschont. Dagegen
wurde zu Ende des 18. Jahrhunderts, sei es aus Mangel an Interesse, sei
es aus Geldverlegenheit, grndlich mit dem Kirchenschatz aufgerumt und
nur das Allernotwendigste behalten. Selbst der vorgesetzten Behrde ging
dieses Vorgehen zu weit. Das Ende langwieriger, fast fnfmonatlicher
Verhandlungen vom 12. Oktober 1797 bis zum 3. Februar 1798, welche die
Aufsichtsbehrde mit den fr die Veruerungen verantwortlichen Stellen
fhrte, war eine Rge, die sich Losungsamt und Rat gefallen lassen
muten. Damals waren auch die Megewnder abhanden gekommen.[XXII]

[Illustration: Abb. 129. Silbervergoldeter gotischer Kelch mit
durchbrochenen Ornamenten.]

  [XXII] In den Akten ber diese Verhandlungen ist ein interessantes
         Schriftstck enthalten, eine Copia Commissions-Decrets an das
         Lbl. Losungsamt d. d. 12. Dez. 1797. Das Dekret lautet:

         Commissioni subdelegatae ist zu wissen erforderlich, welche
         Objecta seit dem unterm 10^ten Decbr. 1790 ergangenen hchst
         erforderlichen Reichshofraths-Concluso veruert, welcher modus
         bei der Veruerung beobachtet, ob der Erl noch vorhanden
         oder wozu derselbe verwendet worden, auch ob -- und welche
         annoch weiteres zu veruern rthlich und thunlich sein mgte?

         Worber ein lbl. Losung-Amt den ungesumten Bericht zu
         erstatten, auch, wie sich nunmehr von selbst verstehet, ohne
         Anfrage bei der Kaiserl. Commission und deren ausdrckliche
         Erlaubnis eine weitere Veruerung nicht vorzunehmen hat!

         =Nrnberg=, den 12. Dezbr. 1797.
                          Von Kaiserl. Subdelegations-Commissions wegen.
                                             =Schrodt=
                               Kaiserl. Subdel. Kommiss. Secretair.

Von den auf uns gelangten =Altargerten= sind hervorzuheben:

=Mekelch= mit =Patene= (Abb. 129). Kelchhhe = 22 cm,
Patenendurchmesser = 165 cm. Silber, vergoldet. Um 1500. Fu
sechspafrmig mit abgestuftem Rand. Bis herauf zur Mitte der Cuppa mit
durchbrochen gearbeiteten gegossenen Blattwerkornamenten berzogen und
mit Steinen besetzt. An den schmalen freigebliebenen Teilen des Halses
oberhalb und unterhalb des Nodus gravierte Ornamente. Kostbare Arbeit.

=Mekelch= mit =Patene=. Kelchhhe = 195 cm, Patenendurchmesser =
155 cm. Silber, vergoldet. Tuchersche Stiftung vom Jahre 1522. Nodus
mit getriebenen und eingravierten Ornamenten. Fu sechsblattfrmig mit
Horizontalprofilierung. Am Hals oberhalb und unterhalb des Nodus die
Inschriften graviert: JHESUS und MARIA. An der Innenseite des Fues das
Wappen der Tucher mit der Jahrzahl 1522 graviert. Mit dem Beschauzeichen
Nrnberg, ohne Marke. Siehe Marc Rosenberg, Der Goldschmiede
Merkzeichen, 2. Aufl. 1911. Nr. 3059 o.

=Zwei Kannen.= Hhe je 16 cm. Silber, vergoldet. 1643. Datierung an den
kleinen Wappen am Ende des Griffes. Auf dem Deckel das Nrnberger und
Grundherrsche Wappen. Beschauzeichen Nrnberg und Marke. Siehe Rosenberg
a. a. O. Nr. 3226 a und b.

=Zwei Kannen.= Hhe je 33 cm. Silber, vergoldet. Laut Inschrift 1658
zum Abendmahlsgebrauch gestiftet von Wolfgang Endter dem lteren. Die
betreffende Inschrift hat folgenden Wortlaut:

Wolfgang Endter der Elter, Buchhndler alhier bergiebt diese Zwo
kannen sampt einem Kelch Paten, und oblaten schchtelein Zum Gebrauch
des Heiligen Abendmahls, der jngst verneerten Kirchen zu S. Sebald mit
Herzlichem wunsch das Gott die reine seligmachende Religion bei uns, bis
an der welt ende unverflscht erhalten wolle.

                    Gott! Deine Gnad hat mir beschert
                    Was ist zu Danckbarkeit verehrt.
                    Am Palmsonntag im Jahr Christi 1658.

Beschauzeichen Nrnberg und Marke. Siehe Rosenberg, a. a. O. Nr. 3226 e
und f.

=Abendmahlskelch= mit =Patene=. Kelchhhe 255 cm, Patenendurchmesser
175 cm. Silber, vergoldet. Gestiftet von Wolfgang Endter dem lteren
1658 (siehe oben). Fu sechsblattfrmig mit Horizontalprofilierungen.
Am Nodus und am Fu Gravierungen: am Nodus Blumenornamente, am Fu
Engelskpfe, auerdem Blattfriese und Fruchtkrnze. Auf dem Boden des
Kelches eingraviert die Wappen des Stifters und seiner Ehegattin,
gehalten von einem Engel, darber die Jahrzahl 1658.

Mit dem Beschauzeichen Nrnberg und Marke. Siehe Rosenberg, a. a. O. Nr.
3226 g.

Auf der Rckseite der Patene ist, von einem Kranz umrahmt, das Wappen
des Stifters graviert, auf dem Rande ein Kreuz.

[Illustration: Abb. 130. Sanduhr (ehemals an der Kanzel).]

=Krankenkelch= mit =Patene=. Kelchhhe 17 cm, Patenendurchmesser 10 cm.
Silber vergoldet. Gestiftet von Joachim Kern und dessen Ehefrau 1675.
Fu sechsblattfrmig. An der Rckseite des Furandes die eingravierte
Inschrift: Joachim Kern und dessen Ehewrthin Catharina 1675.

Beschauzeichen Augsburg und Marke JV (oder M?).

=Etui= mit =Lffel=. Etuilnge 17 cm, Breite 45 cm. Beides Silber,
teilweise vergoldet. Um 1700. An der Seite und am Deckel des Etuis
gepunzte Darstellungen der Leidenswerkzeuge, ferner auf dem Deckel
getriebenes Kruzifix, wovon der rechte Arm fehlt. Darber in Gravierug
der Hahn.

Beschauzeichen Nrnberg und eine Meistermarke, die sich aus einem I, V
und N zusammenzusetzen scheint.

=Klingelbeutel.= An der Vorderseite die Gruppe Christus am Kreuz
mit Maria Magdalena aus gegossenem und ziseliertem Silber. An der
Rckseite rundes Schild von Silberblech, darauf das Monogramm AMM
(ineinandergestellt) und die Jahrzahl 1723 graviert. Durchmesser des
Schildes 6 cm. Beutel von neuem rotem Samt.

=Hostienbchse=, rund. Durchmesser 135 cm, Hhe 95 cm. Silber,
vergoldet. Auf dem Deckel eingraviert das Bild des hl. Sebald und: 'M.
M. W. 1744.'

Beschauzeichen Nrnberg und undeutliche Marke.

=Zwei Abendmahlskelche= mit =Patenen=. Kelchhhe 28 cm,
Patenendurchmesser 18 cm. Silber, vergoldet. Rokoko. Getriebene
wellenfrmige Ornamente an Cuppa, Nodus und Fu. Furand mit
Horizontalprofilierungen. Um 1755.

Beschauzeichen Nrnberg und Marke. Siehe Rosenberg, a. a. O. Nr. 3275 b
und c.

[Illustration: Abb. 131. Leuchterengel (Hauptaltar).]

=Taufbecken= mit =Kanne=. Taufbecken oval 465  345 cm, Kannenhhe
21 cm. Silber. Um 1755. Mit getriebenem Wellenornament.

Beschauzeichen Nrnberg und Marke. Siehe Rosenberg, a. a. O. Nr. 3204.

=Sanduhr.= (Abb. 130.) Viereckiger Behlter mit vier Uhren: 1/4, 2/4,
3/4 und 4/4. Gehuse 32  26 cm. Silber. Mit zwei Holzschuherschen
Wappen. Oben und unten:

                      17 Fr. M. M. M. H. v. H. 81
                      und 17 Fr R. H. H. v. H. 81.

Die Ornamente gegossen und ziseliert, das brige getrieben. 1906 auf der
Historischen Ausstellung der Stadt Nrnberg, vgl. Katalog Nr. 166.

=Kanne=, den beiden 1658 von W. Endter gestifteten Kannen nachgebildet.
H. 34 cm. Silber, vergoldet. Laut Inschrift 1838 gestiftet von Therese
Rohrmann, Witwe des Kaufmanns und Marktadjunkten Georg Peter Rohrmann.
Vorne Spruch Joh. XV, 5.

Beschauzeichen Nrnberg und Marke G (?).

Ferner befinden sich in der sdlichen Sakristei noch zwei kleine alte
=Messingleuchter= ohne knstlerische Bedeutung.

=In der nrdlichen Sakristei=:

=Zwei Altarleuchter.= H. 765 cm. Silber. Modern gotisch um 1830. Basis
sechseckig, auf sechs Drachen ruhend. Schutzteller mit Zinnen, von
Krabben getragen.

=Auf dem Hauptaltar=:

=Altarkruzifix.= H. 128 m. Der Kruzifixus aus Silber gegossen und
ziseliert, Kreuz und Sockel Holz. Um 1700. Vorzgliche Arbeit.

=Zwei Altarleuchter in Gestalt von Kerzen haltenden Engeln= (Abb. 131).
Hhe der Figuren ohne Leuchter und Flgel 390 und 395 cm. Gegossen,
massives Silber, vergoldet. Auf jedem das Volckamersche Wappen. Kostbare
Arbeiten aus der Zeit um 1490.

Zwei Paare gedrechselter und ein Paar zum Teil gedrechselter, zum Teil
gegossener =Messingleuchter=; das letztere Paar aus der Barockzeit.

=Auf den Rckwnden zu den Seiten des Hauptaltares= zwei holzgeschnitzte
und bemalte, insbesondere reich vergoldete knieende =leuchtertragende
Engel= auf Postamenten, der eine eine vortreffliche Arbeit aus der Zeit
um 1500, der andere (rechts vom Hochaltar) eine moderne Kopie von jenem
im Gegensinne.

=Auf dem Lffelholzaltar=:

=Altarkruzifix.= H. 131 m. Der Kruzifixus aus gegossenem und
ziseliertem Silber, Kreuz und Sockel Holz mit reichem Silberbeschlag, an
der Vorderseite ein sich aus M und W zusammensetzendes Monogramm. Gute
Arbeit aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.

=Vier messinggedrehte Leuchter=, darunter zwei gleiche mit
Lffelholzischen Allianzwappen und der Jahreszahl 1696 (auf einem
querovalen Schildchen am Fue).

=Auf dem Muffelaltar= ein Paar krftige gedrehte =Messingleuchter=, je
mit dem Muffelschen Wappen am Fue.

=Auf dem Petrusaltar= ein Paar einfache gedrechselte =Messingleuchter=.

=Auf dem Tucheraltar= ein Paar gedrungene messinggedrechselte =Leuchter=
mit dem Wappen der Schnecken (2 gekreuzte Lanzenspitzen) je an ihrem
Fue.

=Auf dem Halleraltar= und gegenber vor der Adam Kraftschen
Kreuzschleppung vier gleiche einfach gedrechselte =Messingleuchter=.

Besonders hervorzuheben ist hier sodann noch die ber der Tucherschen
Begrbnissttte, vor den Gedenktafeln dieses Geschlechtes aufgehngte
=Ewiglichtlampe= aus Messing, deren Krper durchbrochen gearbeitet und
mit schn stilisiertem Blattwerk und drei Tucherschen Wappen reich
graviert ist. Drei groteskenartige weibliche Halbfiguren, ebenfalls aus
Messing gegossen, stellen die Verbindung zwischen dem Krper der Lampe
und dem Gehnge her. 16. Jahrhundert.

Einige hlzerne =Barockkruzifixe und sonstige Altargerte= sind von
keiner knstlerischen Bedeutung.

=Im Germanischen Nationalmuseum= endlich wird heute aufbewahrt:

Der =Dilherrsche= =Pokal=. Vom Jahre 1635 (?). Silber, vergoldet.
H. mit Deckel 475 cm. Am Fu, an der Cuppa und am Deckel getriebene
Blumen- und Rankenornamente, an der Cuppa auerdem noch Engelskpfe und
in Medaillons drei figrliche Darstellungen des Sndenfalles. Den Hals
bildet die gegossene und ziselierte Figur eines Engels, welcher einen
Totenkopf hlt. Auf dem Deckel die Erdkugel mit Schlange, darauf der
auferstandene Christus. Inschriften sind ber den ganzen Pokal verteilt.
Der Pokal soll ein Geschenk des Rates der Stadt Nrnberg an den Pfarrer
J. M. Dilherr von St. Sebald sein.

Ausfhrliche Beschreibung bei Essenwein, Einige Gold- und Silbergefe
aus dem Schatze im Germanischen Museum. In den Mitteilungen aus dem
Germanischen Nationalmuseum. II, 1887, S. 45. Vgl. auch Rosenberg, a.
a. O. Nr. 3188 d.


                              Wandteppiche.

Ein weitaus besseres Schicksal als die Paramente erfuhren die
Wandteppiche, mit denen die Kirche reich ausgestattet war. Auer den
vorhandenen zehn Gobelins existiert noch einer vom Jahre 1477 aus dem
ehemaligen Kirchenbesitz, der auf Umwegen wieder in die Hnde der
Stifterfamilien gelangt ist[XXIII]; und noch zwei weitere Stcke drften
sich im 15. Jahrhundert den brigen angereiht haben: eine Fortsetzung
der Katharinenlegende und ein Gegenstck zum Sebaldusgobelin.

  [XXIII] Von einem der Teppiche, welche zur Schmckung der Grber
          vorhanden waren, erzhlt Baron Christoph v. Tucher a. a. O. S.
          55: Die Grabteppiche anlangend findet sich im Salbuch Hans
          VI. Tuchers de A^o 1477, welches in seinem vierten Teil sich
          ebenfalls ber die von dem ltesten Tucher auszurichtenden
          Stiftungen verbreitet, am Schlu eine eigenhndige Notiz des
          Besitzers von folgendem Wortlaut:

          Anno MCCCCLXXVII ad XXVI matzo so haben wir Pertold und Hans
          Tucher senior geprder und Anthony und Langhans Tucher von
          unser geselschaft gekauft ein grabtebich mit dem englischen
          grus, der kost hott 14 guld. rh. und fr das Tucher wappen
          darauf und zu fttern kost 2 gulden. Den thebich soll frpa
          albeg der eltist Tucher, der die jartag ausricht, pei seinen
          handen gehalden zu denselben jahrtagen.

          Dieser Teppich kam im Jahre 1884 in den Besitz der
          Antiquittenhndler Rsch und Zimmermann dahier, wo ich
          ihn sah und fr meinen Bruder Heinrich [Heinrich Freiherr
          v. Tucher Exzellenz, jetzt K. Bayer. Gesandter in Wien] um
          4000 M kaufte. Dieser lie ihn in den Werksttten (fabbrica
          degli arrazzi) des Vatikans unter Cavaliere Centili fr 1250
          Lire renovieren und hat mit dem ehrwrdigen Familienmonument
          von wunderbarer Schnheit eine Wand seines Arbeitszimmers
          verkleidet. Heute ist der Teppich unter Kennern gewi 20.000
          M. wert.

[Illustration: Abb. 132. Gobelin mit Darstellungen aus der Legende des
hl. Sebald.]

[Illustration: Abb. 133. Gobelin mit Darstellungen aus der Legende des
hl. Sebald.]

Die Darstellungen sind meist dem Marienleben und den Legenden der
beliebtesten Heiligen der Kirchengemeinde Sebald, Katharina und Helena,
entnommen; ein Wandteppich erzhlt vom Verlorenen Sohn, einer vom
alten Testament.

Der Entstehungszeit nach zerfallen die Teppiche bis auf einen 1497
gestifteten Gobelin in zwei Hauptgruppen. Zur ersten Gruppe aus dem
Beginne des 15. Jahrhunderts, fr welche auer der charakteristischen
Formensprache in der Regel eine strkere Belebung des Hintergrundes
mit Architektur und Landschaft bezeichnend ist, zhlt auch als spter
Auslufer der um 1450 entstandene Mariengobelin. Der zweiten Gruppe nach
der Mitte des 15. Jahrhunderts ist bei klarer Disposition der Figuren
dunkelfarbiger Hintergrund mit ornamental stilisierten Blumen und
Pflanzen eigen.

ber den Entstehungsort ist nichts Bestimmtes bekannt. Er ist jedenfalls
in Nrnberg zu suchen, vermutlich in einem der beiden Frauenklster St.
Klara und St. Katharina. Auffllig ist, da nachweisbar drei Teppiche
der zweiten Gruppe allein von den Tuchern gestiftet worden sind.

=Wandteppich mit sieben Darstellungen aus der Legende des hl. Sebald=
(Abb. 132, 133). Um 1410. Mit Inschrift ber den Darstellungen: der
Leichnam des hl. Sebald schlgt einem Mnch, der ihn verhhnt, ein
Auge aus: hi... ein mnch sant sebolt tod leichna slug [=i] [=e] aug
aus[XXIV]; einer Frau, welche eine abgebrochene Kerze an der Bahre des
hl. Sebald wieder aufrichtet, springt der zur Bue um den Arm getragene
Ring: hie pring [=e] fraw sant sebolt kertz[=e] die eise... fiell[=e]
ir ab; die Leiche des hl. Sebald wird von Ochsen gefahren: hi zich[=e]
ochs[=e] S sebolt leichn[=a] von popp[=e]reut g[=e] nurberg; der
vertauschte Kse, welchen eine Frau am Grabe des hl. Sebald opfert,
wird in einen Stein verwandelt: hie verwexelt fraw [=e] kes der wardt
zu [=e] stain; Pilger nehmen die sie berfallenden Ruber gefangen mit
nach Rom: hie fieng[=e] pilger[=e] die rauber und prochtens mit in gen
rom; die Ruber berfallen die Pilger wiederholt, aber St. Sebald lhmt
sie: hie wollen sie die pilger beraubt haben do erkrumpt sie; St.
Sebald erscheint Schiffbrchigen: hie wollten leut ertrincken do kam
in S sebolt zu hilf. Die Reihe der Darstellungen hat sich ursprnglich
noch fortgesetzt. L. 728 m, H. 101 m. Als Hintergrund Architektur
und Landschaft. Die Darstellungen sind uerlich nicht getrennt. Mig
gut erhalten, doch, insbesondere die braunen Fden, durch Insekten zum
Teil herausgefressen. Zu diesem Gobelin hat wahrscheinlich einer mit
Darstellungen der Wunder des hl. Sebald vor seinem Tode als Gegenstck
existiert.

  [XXIV] Siehe Cod. lat. 901, f. 118-135 und Cod. lat. 23.877, f. 182 ff.
         der Kgl. Hof- und Staatsbibliothek in Mnchen.

=Wandteppich mit sechs Darstellungen aus dem Alten Testament.= Um 1410.
Darstellungen: Adam und Eva im Paradies, Vertreibung aus dem Paradies,
Samson bezwingt den Lwen, Samson wird von Delila berlistet, Bathseba
und David, David und Michal(?). Ohne uerliche Trennung. L. 430 m, H.
063 m. Hintergrund blau mit Architektur und Landschaft.

=Zwei Wandteppiche mit Darstellungen aus der Legende der hl. Katharina.=
Um 1420. Die Schrift ber den Darstellungen teilweise erhalten. 1.
=Acht Darstellungen=: Wunderbare Erscheinung des Kreuzes: hi sahen
die heinischen (!) meister ein czeichen am himel; Opferung von
Weihgeschenken: dez heiligen creuz daz erten si mit gter; Geburt der
Katharina: hi wart sancta katterina geporn; religise Erziehung: hi
bart si gelert daz si dem kreuczigten got solt din; Unterricht durch
den Einsiedler: hie lert si der einsidel daz si xpm...; Maria mit dem
Jesuskind (Fragment); Taufe der Katharina; mystische Verlobung mit dem
Jesuskind. Die erste Darstellung ist mglicherweise nicht der Anfang des
Ganzen, denn vor der Schrift jener Darstellung finden sich die Worte:
[St. Cath]erina leb[=e]. L. 743 m, H. (mit Schrift) 092 m. 2. =Vier
Darstellungen=: Katharina vor dem Kaiser Maxentius, Disputation mit den
Philosophen, Katharina trstet die wegen ihrer Bekehrung zum Feuertode
verurteilten Weisen, Katharina wird gegeielt. Fragment. Schrift fehlt.
L. 495 m, H. 082 m. Hintergrund blau mit Architektur und Blumen. Die
Darstellungen sind uerlich getrennt. Gut erhalten, doch das Braun
wiederum zum Teil herausgefressen.

[Illustration: Abb. 134. Gobelin mit Darstellungen aus dem Marienleben.]

=Wandteppich mit zwei Darstellungen der Kreuzauffindung durch die hl.
Helena.= Rummelsche Stiftung. Um 1420. Darstellungen: Die hl. Helena in
Gegenwart des Kaisers Konstantin und des Gefolges bezeichnet den Platz,
wo gegraben werden soll; von den drei gehobenen Kreuzen wird das Kreuz
Christi an der Wunderwirkung der Auferstehung eines Toten erkannt. Unten
links das Wappen der Rummel, rechts das Wappen der Haller. L. 180 m, H.
085 m. Hintergrund dunkelblau, mit ornamentierten Zweigen belebt; im
Vordergrund Blumen. Die beiden Szenen sind uerlich nicht getrennt.

=Wandteppich mit drei Darstellungen aus dem Marienleben= (Abb. 134). Um
1450. Hallersche Stiftung. Links Verkndigung, in der Mitte Heimsuchung,
rechts Geburt Christi. uerlich abgeteilt. L. 181 m, H. 088 m.
Architektur und Landschaft als Hintergrund. Das Allianzwappen der Haller
mit dem der Pfinzing und Schrstab in der mittleren Darstellung. Weniger
gute Arbeit.

=Zwei Wandteppiche mit Darstellungen aus der Parabel des Verlorenen
Sohnes.= Tuchersche Stiftung. Um 1460. 1. =Fnf Darstellungen=:
Der Jngling auf schlechtem Lebenswandel (?), er wird von Weibern
fortgejagt, weibliche allegorische Figur mit den Wappen der Tucher und
Stromer, der Jngling htet Schweine, er kehrt zurck. L. 385 m, H.
063 m. 2. =Vier Darstellungen=: Zu Ehren des Wiedergefundenen wird ein
Kalb geschlachtet und ein Festmahl gehalten, der vom Feld heimkehrende
ltere Bruder erkundigt sich bei Zimmerleuten nach dem Vorfall und
weigert sich, an dem Festmahl teilzunehmen. Auf der letzten Darstellung
rechts oben das Tuchersche und unten das Stromersche Wappen. L. 314 m,
H. 063 m. Hintergrund dunkelblau mit Bumen und anderen stilisierten
Pflanzen, im Vordergrunde Blumen. Die Darstellungen sind durch Sulen
getrennt. Vorzgliche Arbeit.

[Illustration: Abb. 135. Gobelin mit Darstellung der Geburt Christi,
1495.]

[Illustration: Abb. 136. Mittelstck des Gobelins von 1495.]

=Wandteppich mit zwei Darstellungen der Grablegung einer Heiligen=
(Katharina?). Um 1460. Tuchersche Stiftung. Links: der Leichnam wird
von schwebenden Engeln gebracht; rechts: der Leichnam wird von den
Engeln ins Grab gesenkt. Ohne uerliche Trennung. L. 172 m, H. 078 m.
Hintergrund blau mit Blumen und Bumen. Unten in der Mitte die Wappen
der Tucher und Stromer.

=Wandteppich mit der Darstellung der Geburt Christi und vier Heiligen=
(Abb. 135, 136) ber dem Hauptaltar. Laut Inschrift vom Jahre 1497. Die
Darstellung der Geburt Christi mit Anbetung der Hirten und Engel in der
Mitte, seitlich abgeschlossen durch je eine Sule, links die Heiligen
Barbara und Johannes der Tufer, rechts ein heiliger Mnch mit Stock und
Buch und die hl. Katharina. L. 304 m, H. 085. Als Hintergrund reiche
Landschaft. Starke Verwendung von Gold. Oben rechts die Buchstaben D. S.
Vorzgliche Arbeit. Der Gobelin soll ursprnglich beim Muffelschen Altar
an der Wand gehangen haben.

[Illustration: Abb. 137. Katharinenstatue. Vom Portal des sdlichen
Seitenschiffes.]

=Kanzelbekleidung=: L. 347 m, H. 113 m. Seide. Karmoisin, klein
gemustert. Unten Ornamentstreifen (H. 17 cm) und in der Mitte
Wappenschild (H. 485 cm, Br. 455 cm) mit Auferstehung Christi.
Applikationsstickerei. Vom Jahre 1643. Auf der Rckseite Pergament
aufgenht: Achatius Hilling von Elnbogn Burger vnd Handelsmann in
Nrnberg vnd Sabina deen Ehew: eine geborne Waldmannin, verehrten au
Gottseel: Eifer in die Pfarrkirch S: Sebaldi diee Cantzeldeck, d.
21. Dec: Ao. 1643. Mit zugehrigem berhangstreifen aus dem gleichen
Seidenstoff. 350 m lang, 030 m hoch.

=Kanzelbekleidung=: L. 340 m, H. 1 m. Grner, klein gemusterter
Seidendamast mit grnen Seidenfransen. In der Mitte ein Kruzifixus
in reicher farbiger, zum Teil in Gold gehaltener, sehr erhabener
Applikationsstickerei. 17. Jahrhundert. Hierzu ein berhangstreifen aus
dem gleichen Seidenstoff, ebenfalls mit Fransen. 375 m lang, 030 m
hoch.

=Antependium= zum Tucheraltar: L. 2 m, H. 080 m. Groes rotes
Rankenornament auf orangefarbenem, klein gemustertem Seidenstoff. 18.
Jahrhundert; wohl italienische Arbeit. Unten rechts ist ein kleines,
altes gesticktes Tucherwappen aufgenht. Stiftung des Freiherrn Heinrich
von Tucher.

=Antependium= zum Hauptaltar: L. 430 m, H. 095 m. Roter Seidendamast
mit groem Granatapfelmuster und rotem Fransenbesatz. Italienisch, 19.
Jahrhundert. Links unten das Tuchersche Wappen zwischen den Buchstaben
C und T und die Jahreszahl 1897 in Stickerei. Stiftung des Freiherrn
Christoph von Tucher.

=Antependium= vom Muffelaltar: L. 240 m, H. 075 m. Schwerer
roter Seidendamast mit Blumenmuster und rotseidenem Fransenbesatz.
Italienisch, 17.-18. Jahrhundert. In der Mitte unten ist ein auf
Pergament gemaltes Muffelsches Allianzwappen mit der Jahreszahl 1704
aufgeklebt.

=Zwei Stcke eines Altarbehanges=: Je 250 m lang und 080 m hoch.
Buntfarbige Seidenstickerei mit in Wellenlinien angeordneter Musterung
und breiter Borte, die durch stilisiertes Blumen- und Rankenwerk
gemustert ist. Bunte Seidenfransen. 18. Jahrhundert. Hierzu noch ein
Stck der gleichen Borte. 185 m lang; 030 m breit.

=Antependium am Lffelholzaltar=: L. 290 m, H. 080 m. Roter Sammet mit
Goldborte. In der Mitte unten ein Lffelholzisches Allianzwappen und die
Jahreszahl 1772 in Stickerei.

=Antependium am Halleraltar=: L. 2 m, H. 090 m. Roter verschossener
Seidendamast mit groen Blumen gemustert. In der Mitte unten ein
Allianzwappen und die Jahreszahl 1746 in Stickerei.

=Antependium= an der Mensa unterhalb der Kraftschen Kreuztragung: L.
190 m, H. 090 m. hnlicher verschossener roter Seidendamast mit
Blumengirlanden als Muster. In der Mitte unten die gleichen Wappen, doch
umgestellt, und die Jahreszahl 1743 in Stickerei.

=Antependium am Tucheraltar=: L. 230 m, H. 085 m. Roter Sammet mit
Goldborte. In der Mitte unten ein Wappen der Tucher in Stickerei. Stoff
und Borte 18. Jahrhundert.

[Illustration: Abb. 138. Kopf der Katharinenstatue vom Portal des
sdlichen Seitenschiffes.]

[Illustration: Abb. 139. Lapidarium in der westlichen Krypta.]

=Antependium am Petrusaltar=: L. 360 m, H. 105 m. Grngelber,
klein gemusterter Seidendamast mit Fransenbesatz. In der Mitte unten
Endter-Allianzwappen und die Jahreszahl 1753 in Stickerei.

=Antependium am Muffelaltar=: L. 230 m, H. 085 m. Bordeauxfarbiger,
klein gemusterter Seidendamast mit Fransenbesatz. In der Mitte unten ein
Kressisches Allianzwappen und die Jahreszahl 1753 in Stickerei.

Auer diesen Paramenten werden in der Kirche noch einige Reste von
lteren Damaststoffen und Sammeten sowie Borten aufbewahrt. Zur
Bekleidung des Hauptaltares und der Kanzel auerhalb der Festzeiten
dienen neuere Behnge aus rotem Sammet.


      7. Sammlung alter Skulpturen und Baureste. -- Bchersammlung.

Die Sebalduskirche besitzt eine =Sammlung von alten Skulpturen,
Bauresten und technischen Modellen=, die whrend der letzten
Wiederherstellung von Prof. Schmitz angelegt wurde und zu ihr in
Beziehung steht. Die Gegenstnde sind an drei verschiedenen Orten
untergebracht.

Zunchst beanspruchen unsere Aufmerksamkeit mehrere zum Teil
berlebensgroe Steinfiguren im nrdlichen Seitenschiff neben der
Turmhalle. Es befinden sich darunter Sebaldus und Maria vom Brauttor,
Petrus und Katharina (Abb. 137, 138) vom sdlichen Seitenschiffportal
sowie andere Statuen aus Stein, die teils wegen ihrer fortgeschrittenen
Verwitterung, teils, weil ihre Verwitterung in Blde zu befrchten war,
an diesen geschtzten Ort verbracht und am Gebude selbst durch Kopien
ersetzt wurden.

Das Lapidarium in der westlichen Krypta (Abb. 139) enthlt sodann eine
groe Anzahl originaler Steinreste, welche ebenfalls fr die whrend der
Wiederherstellung erneuerten Bauteile als Vorbilder und Anhaltspunkte
dienten. Aus der romanischen Zeit finden sich Kapitle, Bogenfriese,
Sulen und andere zum Teil reich skulptierte Werkstcke, aus der
gotischen Zeit eine Reihe von sehr wertvollen Konsolen, Kapitlen,
Baldachinen und anderen architektonischen Details. Daneben sind die
Originale verschiedener erneuerter Epitaphien (darunter die Auferweckung
des Lazarus von Veit Sto) sowie mehrerer kleinerer Steinfiguren
aufgestellt, auch andere interessante alte Bauteile, als Dachendigungen,
Dachdeckungsmaterialien, der Rest eines romanischen Fubodens sowie
merkwrdige Probestcke mittelalterlicher Bautechnik wie spterer
Restaurationen.

[Illustration: Abb. 140. Auferweckung des Lazarus. Relief vom sdlichen
Seitenschiff (jetzt in der Bausammlung).]

[Illustration: Abb. 141. bermalter Holzschnitt in einem der Exemplare
des Liber missalis, Bamberg 1490.]

[Illustration: Abb. 142. Randverzierung in Miniaturmalerei in einem der
Exemplare des Liber missalis, Bamberg 1490.]

Eine Fortsetzung findet diese Sammlung in den im Obergescho der
nrdlichen Sakristei in Schrnken und Vitrinen aufgestellten
Gegenstnden. Hier sehen wir zunchst kleinere Fundstcke, u. a. einen
in der Trmerstube aufgefundenen Frauenschuh des 15. Jahrhunderts
(Duplikate desselben besitzen das Germanische Museum und das Bayrische
Nationalmuseum in Mnchen), altes Steinwerkzeug sowie sehr wertvolle
Reste von mittelalterlichen Freskomalereien, welche ehemals die Wand
hinter dem Marienbilde Hans von Kulmbachs oberhalb der Tucherschen
Chorsthle schmckten (s. o., S. 176).

Handelt es sich bisher um Originalstcke, so reiht sich diesen nunmehr
im gleichen Raume neben einer Anzahl von Plnen und Photographien
eine Sammlung von knstlerischen und technischen Modellen der letzten
Wiederherstellung an. Die 1899 erfolgte Ausgrabung der Ostchorkrypta
ist in einem Modell anschaulich dargestellt. Von den ausgefhrten
schwierigen konstruktiven Arbeiten dieser Zeit geben diese in kleinem
Mastabe als Studienmodelle sehr sorgfltig gefertigten Darstellungen
ein interessantes und bersichtliches Bild. Da sie fr eine Reihe von
Detailfragen der Denkmalpflege die seitens der wiederherstellenden
Architekten gewhlte Methode zeigen, so bilden sie gewissermaen ein
kleines, aber eigenartiges Denkmalpflegemuseum, in dem fr andere Flle
schtzenswerte Erfahrungen aufgehoben sind.

Gelegentlich des Denkmalpflegetages 1905 war die Sammlung in der
Moritzkapelle, die sie ganz ausfllte, vereinigt und erfreute sich eines
regen Interesses der sachverstndigen Teilnehmer. Ein erluterndes
Schriftchen dazu verfate Dr. E. Reicke, Kustos an der Stadtbibliothek
und am stdtischen Archiv zu Nrnberg. Druck von J. L. Stich.

[Illustration: Abb. 143. Miniaturmalerei in einem der Exemplare des
Liber horarum, Bamberg 1501.]

Erscheint es durchaus veranlat, da sowohl die alten wie die neuen
Teile der beschriebenen Sammlung in der Kirche selbst -- zu der sie in
engster Beziehung stehen -- verbleiben, so mu doch bedauert werden, da
es an einer Pflege der Sammlung, welche vor allem katalogisiert werden
sollte, fehlt. Es ist zu frchten, da die in der Krypta und Sakristei
untergebrachten Gegenstnde ber kurz oder lang in Verlust geraten oder
verkommen.

                    *       *       *       *       *

Auerdem befindet sich im Besitz der Kirche noch eine $Bchersammlung$
von einigen hundert Bnden, die an vier verschiedenen Orten:
im Pfarrhaus (der grte und wichtigste Teil der eigentlichen
Kirchenbcher), im Muffelschen Altar (auch im wesentlichen
Kirchenbcher, darunter auch einige Bnde Verkndigungen und
Kindertchlein-Bcher), in der nrdlichen Sakristei und in einem
Schrank des kleinen Museums ber dieser Sakristei (Sebald Schreyersche
Manuskripte, alte Drucke usw.) aufbewahrt werden.

Die Ehebcher beginnen bei St. Sebald mit dem Jahre 1524, die Taufbcher
1533, die Totenbcher 1547. Die letzteren liegen etwa vom Ende des 17.
Jahrhunderts an grtenteils in zwei Niederschriften vor und ihr Inhalt
wiederholt sich auerdem noch einmal in den Totenbchern des Kniglichen
Kreisarchivs.

Unter den brigen Handschriften sind von erheblichem historischem
Interesse namentlich noch die Rechnungsbcher, die Sebald Schreyer als
Kirchenmeister von St. Sebald gefhrt hat. Zwei derselben betiteln sich:
Einnemen S. Schreyers der zins vnd glt; das eine reicht von 1482 bis
1491, das andere von 1491 bis 1503. Ein drittes inhaltlich besonders
interessantes Manuskript ist berschrieben: Rechnung einnemens und
ausgebens S. Schreyers von 1482 jar untz in das 1494 jar. Es ist ein
Folioband, whrend jene Schmalfoliobnde sind. Alle drei Bcher sind in
Schweinsleder gebunden, mit Granatapfelmusterpressung verziert und mit
Messingecken und hbschen Messingschlieen versehen.

Ein Perpamentmanuskript, das die Legende des hl. Sebald enthlt,
gepreter Schweinslederband in 2 mit zwei Ketten, auf der ersten Seite
eine gute, doch etwas verdorbene Miniatur (St. Sebald darstellend),
Ende des 15. Jahrhunderts, sowie ein Buch mit Gebeten und Hymnen, 1534
geschrieben, Klein-2, sind von geringerer Bedeutung.

Auch unter den Drucken sind die auf Sebald Schreyer zurckgehenden,
d. h. durch eine Stiftung dieses bedeutenden Kunstfreundes an die Kirche
gekommenen die wertvollsten. Es sind ausweislich der kalligraphisch
eingeschriebenen Widmungen:

Liber missalis. Bamberg, Johann Sensenschmidt und Heinrich
Petzensteiner, 1490, 2. Drei auf Pergament gedruckte und mit Initialen
(auf Goldgrund) in Handmalerei (Abb. 141, 142) auf das reichste
geschmckte vortrefflich erhaltene Exemplare. Gleichzeitige geprete
braune Ledereinbnde mit Messingbeschlgen.

Liber horarum (Pars maioris breviarii hyemalis). Bamberg, Joh.
Pfeyl, 1501, 2. Drei ebensolche Exemplare (Pergamentdrucke) mit
reichem handgemaltem Initialenschmuck (Abb. 143), deren jedes berdies
auf dem Widmungsblatte noch eine treffliche, etwa dreiviertel der
Seite einnehmende Miniaturmalerei aufweist, zweimal Paul Volckamer
als Mitstifter und Sebald Schreyer zu den Seiten des heiligen
Sebald, im dritten Exemplar Sebald Schreyer und seine Frau im Gebet
vor einem geffneten Flgelaltar knieend, der die Madonna zwischen
den Heiligen Rochus und Sebald einerseits, Lorenz und Sebastian
andererseits und in der Bekrnung den Evangelisten Johannes zeigt.
Gleichzeitige Pergamenteinbnde mit gepreten Mustern und ornamentierten
Messingbeschlgen.

Von den brigen Drucken seien noch folgende zum groen Teil mit
Holzschnitten geschmckte kurz angefhrt:

Psalterium Romanorum mit dem Wappen des Kardinals Albrecht von
Brandenburg in Holzschnitt von 1520. O. O., J. (1520) und Dr.
Pergamentdruck in Imperial-2 von prchtigster Erhaltung. Der Einband
von 1655 mit den drei nrnbergischen und dem Imhoffschen Wappen sowie
der Bezeichnung Bib. Nor. in Goldpressung und mit Messingbeschlgen.

Die Propheten alle Deutsch. D. Mar. Luth. Wittenberg, Hans Lufft, 1532,
2.

Dasselbe in der Ausgabe 1536.

Desgleichen in der Ausgabe von 1571.

Biblia. Doct. Mart. Luth. Wittenberg, Hans Lufft, 1571, 2.

Psalterium Davidis. Noribergae. In officina typographica Valentini
Neuberi. 1583, Klein-8 (drei Exemplare).

Veit Dieterich, Summaria ber die ganze Bibel. Nrnberg, Paul Kauffmann,
1597, 2.

Biblia. Frankfurt a. M., Johann Saur, 1606, 2.

Biblia. Wittenberg, Zacharias Schrer, 1621, 2.

Biblia. Lneburg, Johann und Heinrich Stern, 1656, 2.

u. s. w.

[Illustration: Abb. 144. Konsekrationsurkunde des Hochaltares von 1379.]

[Illustration: TAFEL XV. Thronende Maria mit Heiligen.]




                          Urkundliche Beilagen.


Die folgenden Urkunden und Urkundenauszge sind bei der besonderen
Wichtigkeit, die sie vom Standpunkte der historischen und
kunsthistorischen Forschung fr die Geschichte der St. Sebaldkirche
beanspruchen drfen, ausgewhlt worden. Je nach Bedeutung und Bedrfnis
sind die einzelnen Stcke entweder in ihrem ganzen Umfange oder im
Auszuge wiedergegeben oder ihr Inhalt nur in aller Krze hervorgehoben
worden. Die Originale der Urkunden bis zum Jahre 1401 sind smtlich
im Kniglichen Allgemeinen Reichsarchiv zu Mnchen aufbewahrt.[XXV]
Von einer ganzen Reihe weiterer Urkunden sind kurze Regesten in der
chronologischen bersicht (siehe S. 234) gegeben.

  [XXV] Siehe im brigen den Schlu der Vorrede.

        1.                                     _Nrnberg 1255, Juli 29._

_Bischof H[einricus] von Samland verleiht_ ... omnibus cum debita
devotione venientibus ad dedicationem altaris sancti Stephani siti in
parrochia[XXVI] sancti Sebaldi in Nurenberc penitentibus et confessis
_40 Tage Abla der schweren, ein Jahr der llichen Snden und eine
halbe Carina[XXVII] von der ihnen auferlegten Bue._

Datum Nurenberc anno domini 1255 in festo prenotato [sancte Margarete].

_Original-Pergament. -- Siegel abgefallen._

  [XXVI] Statt: in parrochiali ecclesia.

  [XXVII] Carina, carena, quadragena, Bue durch 40tgiges Fasten.

        2.                                   _Nrnberg 1256, Oktober 1._

_Bischof Heinrich von Bamberg verleiht allen Christglubigen, welche
die Pfarrkirche zu St. Sebald in Nrnberg_ in die dedicacionis -- _am
Kirchweihtage -- und an den Festtagen der Apostel Petrus und Paulus und
des hl. Sebald besuchen und ihre Almosen darreichten, einen Abla von 40
Tagen und einer Carrina._

Datum Nurenberc 1256 in die sancti Remigii.

_Original-Pergament. -- Siegel abgefallen._

        3.                                     _Bamberg 1273, August 8._

_Bischof Berthold von Bamberg ermahnt alle Christglubigen_ -- cum
igitur ecclesia sancti Sebaldi in Nurenberch in vitris et in quibusdam
allis ad suum ornamentum et decorem necessariis defectum paciatur --,
_zum Nachla ihrer Snden fr die Herstellung jener Bedrfnisse ihre
hilfreiche Hand darzubieten, und erlt allen wahrhaft Reumtigen
nach abgelegter Beichte und Darreichung ihres Almosens 40 Tage Abla
von den schweren und ein Jahr von den llichen Snden und verleiht
den Pfarrkindern, welche den Gottesdienst daselbst fleiig besuchen,
denselben Abla._

Datum apud Babenberch anno domini millesimo ducentesimo septuagesimo
tercio in die beate Afre.

Original-Pergament mit an rotweier Seidenschnur anhangendem kleinem
Fragment des bischflichen Siegels.

        4.                                            _1274, August 17._

_Bischof Berthold von Bamberg verleiht, nachdem er am 10. September
1273_ -- hinc est, quod ob dilectionem et precum instanciam honorabilium
virorum Chunradi buttugelarii, Marquardi sculteti et universitatis
civium in Nurenberg in dominico die post nativitatem gloriosissime
virginis Marie consecravimus chorum et altare parrochialis ecclesie
sancti Seboldi -- _Chor und Altar der Pfarrkirche St. Sebald eingeweiht,
allen wahrhaft Reumtigen, welche gebeichtet haben und dort ihre Almosen
am Jahrtage der Einweihung des Chores und des Altares und in den
einzelnen Monaten des Jahres spenden, je 40 Tage Abla von den schweren
und ein Jahr von den leichten Snden und ermahnt die Vorgenannten, von
ihren Gtern_ ad monasterium sancti Sebaldi, _wo ein solcher Abla in
jedem Jahre und zu den verschiedenen Zeiten gefunden werde, ihre Almosen
darzureichen._

Datum et actum anno domini 1274 16. kal. sept.

_Original-Pergament mit an gelbvioletter Seidenschnur anhangendem
beschdigtem bischflichem Siegel._

        5.                                 _Nrnberg 1274, November 22._

_Bischof Leo von Regensburg verleiht allen Christglubigen, welche
die Kirche St. Sebald in Nrnberg an den Festen der Reinigung, der
Verkndigung, der Himmelfahrt und der Geburt Mariens, am Feste des hl.
Sebald und am Jahrestag der Einweihung_ -- ac in anniversario ipsius
ecclesie -- _in Andacht besuchen und zur Kirchenfabrik mit zerknirschtem
Herzen und nach abgelegter Beichte Beitrge spenden, einen Abla von 40
Tagen von den schweren und von 80 Tagen von den llichen Snden nach
vorausgegangenem Konsens des Dizesanbischofs._

Datum Nu^erenberch anno 1274 10. kalend. decembr.

_Original-Pergament mit anhangendem Fragment des bischflichen Siegels._

        6.                                      _Nrnberg 1275, Mai 24._

_Bischof Heinrich von Trient, kaiserlicher Protonotar, ermahnt, da die
ehrbaren Brger und das Volk zu Nrnberg die schne Kirche daselbst
bauen_ -- cum igitur honorabiles viri burgenses et populares opidi
Nurenbergensis ecclesiam ibidem pulchram construant, sicut fide
didicimus oculata -- _alle Christglubigen, von ihren Gtern zu dem
genannten Werke fromme Almosen zu spenden, und verleiht allen, welche
zerknirschten Herzens und nach abgelegter Beichte zur Kirchenfabrik
Almosen geben, einen Abla von 40 Tagen nach Zustimmung des Dizesans._

Datum Nu^orenberg anno domini 1275 in crastino ascensionis domini.

_Original-Pergament mit anhangendem bischflichem Siegel._

        7.                                  _Bamberg 1283, November 17._

_Bruder Inzilerius vom Orden des hl. Augustinus, Bischof zu Budua,
verleiht_ omnibus corde contritis et confessis, qui cum candelis
accensis in criptam Nurenberg ad altare beate virginis iter suum
direxerint, cum sacerdotes, clerici et scolares constituti ibidem
pernunctiant laudem siue antyphonam de canticis cantant eiusdem gloriose
virginis, _Ablsse von 40 Tagen von den tdlichen und einem Jahr von den
llichen Snden nach erfolgter Zustimmung des Bischofs Berthold von
Bamberg._

Datum in Babenberg anno domini 1283 15. kal. decembr.

_Original-Pergament mit an gelber Wollenschnur anhangendem Siegel._

        8.                                              _Nrnberg 1284._

_Bischof Gottfried von Passau verleiht allen Christglubigen_,
requirentibus siue visitantibus aut recipientibus qualibet noctium ad
laudem beate virginis seu mane ad missam, _wenn sie reumtig sind und
gebeichtet haben, Ablsse von 40 Tagen von den tdlichen und von einem
Jahr von den llichen Snden, insbesondere aber denen_, qui veniunt
prenotalis temporibus in criptam gloriose virginis Marie ecclesie sancti
Seboldi Nurenbergensis.

Datum ibidem anno domini 1284.

_Original-Pergament. Siegel abgefallen. Nur noch die weiroten Fden
vorhanden._

        9.                                  _Heilsbronn 1284, April 26._

_Bischof Reinboto von Eichsttt verleiht allen wahrhaft Reumtigen,
die nach abgelegter Beichte an den Marienfesten den Marienaltar_ in
cripta monasterii sancti Sebaldi in Nu^erenberch _in Andacht besuchen,
Ablsse von 40 Tagen von den tdlichen und von 100 von den llichen
Snden, die Zustimmung des Dizesans vorausgesetzt._

Datum apud Halsbrvnne anno domini 1284 6. kaln. maji.

_Original-Pergament mit an grnweigelber Wollenschnur anhangendem
bischflichem Siegel._

       10.                                                   _Rom 1290._

_Die Erzbischfe_ Bonaventura Ragusinus _[Ragusa] und_ Petrus
Arborensis [_Arborea_], _die Bischfe_ Petronus Larinensis [_Larino_],
Guilhelmus Dignensis [_Digne_], Petrus Tirasonensis [_Tarazona_],
Jacobus Treventinus [_Trivento_], Theobaldus Canensis [_Canossa_],
Guillelmus Callensis [_Cagli_], Marcellinus Turtibulensis [_Tortiboli_],
Waldebrunus Avellonensis [_Avellino_], Egidius Urbinas [_Urbino_],
Romanus Crohensis [_Croja_], Bonus Johannes Esculanus [_Ascoli_]
_verleihen allen Christglubigen, welche wahrhaft reumtig sind,
gebeichtet haben und an einem der vielen namentlich genannten Festtage
der Kirche St. Sebald_ causa devocionis seu peregrinacionis accesserint
aut qui ad fabricam seu reparationem, luminaria, ornamenta uel ad alia
necessaria dicte ecclesie manus porrexerint adiutrices _oder in der
letzten Not der Kirche von ihrem Vermgen etwas vermachen, Ablsse von
40 Tagen, die Zustimmung des Dizesans vorausgesetzt_.

Datum Rome anno domini 1289[XXVIII] pontificatus domini Nicolai pape
quarti anno tertio.

_Original-Pergament. Von den ursprnglich zwlf anhangenden Siegeln das
zweite abgefallen._

       11.                                                   _Rom 1290._

_Dieselben Erzbischfe und Bischfe ohne Guillelmus Callensis verleihen
allen wahrhaft Reumtigen und Beichtenden, welche den Altar der h.
Jungfrau Maria in der Krypta und den des h. Evangelisten Johannes unter
dem Lettner_ (sub pulpito) _in Andacht besuchen und die Messen an diesen
Altren hren und diese an deren Patronatsfesten in Andacht oder auf
der Wallfahrt besuchen usw_. _(wie in der vorhergehenden Urkunde) den
gleichen Abla._

Datum Rome anno domini 1289[XXVIII] pontificatus domini Nicolai pape
quarti anno tertio indictione 3^a.

_Original-Pergament mit 13 an rotgelben Seidenschnren anhangenden, zum
Teil nur mehr fragmentarisch erhaltenen Siegeln._

  [XXVIII] Das dritte Regierungsjahr Papst Nikolaus' IV. reicht vom
           15. Februar 1290 bis zum 15. Februar 1291. Auf das Jahr 1290
           weist auch dasselbe Regierungsjahr Papst Nikolaus' IV. in
           Verbindung mit der Rechnung nach der dritten Indiktion hin.

       12.                                                   _Ulm 1290._

_Bischof Incelerius von Budua besttigt in Vertretung des Bischofs
von Bamberg einen von sechs Bischfen zugunsten der Kirche St. Sebald
in Nrnberg erteilten Abla und gewhrt weitere 40 Tage Abla von den
schweren und ein Jahr von den llichen Snden allen Christglubigen,
welche reumtig und nach abgelegter Beichte ihre Almosen spenden._

Ad ampliorem huius rei certitudinum sigillum nostrum presentibus est
appensum.

_Datum fehlt._

_Original-Pergament mit abhangendem Siegel._

       13.                                   _Bamberg 1291 Dezember 13._

_Bischof Arnold von Bamberg besttigt smtliche von katholischen
Bischfen zugunsten der Kirche St. Sebald in Nrnberg erteilten und zu
erwartenden Ablsse._

Datum Babenberch anno domini millesimo ducentesimo nonagesimo primo in
die beate Lucie.

_Original-Pergament mit abhangendem Siegel._

       14.                                       _Bamberg 1298, Juli 3._

_Bischof Leopold von Bamberg besttigt alle von Erzbischfen und
Bischfen zugunsten der Kirche St. Sebald in Nrnberg und des Altares
der hl. Katharina in derselben erteilten Ablsse._

Presens scriptum super eo dedimus sigilli nostri robore conmunitum.
Actum et datum Babenberch anno domini millesimo ducentesimo nonagesimo
V[.I]I quinto non. julii, pontificatus nostri anno secundo.

_Original-Pergament mit anhangendem beschdigtem Siegel._

       15.                                       _Anagni 1299, Oktober._

_Die Bischfe Landulphus von Brixen, Stephanus von Oppido, Nicolaus
von Capri, Nicolaus von Turibia und Romanus von Croja verleihen allen
wahrhaft Reumtigen, welche nach abgelegter Beichte die Kirche des hl.
Sebald jhrlich an namentlich genannten Festtagen in Andacht besuchen
und Almosen spenden_ uel quomodolibet de bonis ipsorum pro fabrica,
luminariis et aliis dicte ecclesie ornamentis dederint uel miserint seu
in extremis legaverint, ac omnibus, qui ter orationem dominicam siue
pater noster supra dicte ecclesie cimiterium et pro animabus mortuorum
Christi fidelium in eo sepultorum devote dixerint, _einen 40tgigen
Abla_.

In cuius rei testimonium nostra sigilla duximus presentibus apponenda.
Datum Anagnie anno domini millesimo ducentesimo nonagesimo nono mense
octobris, pontificatus domini Bonifacii pape octaui anno quinto.

_Original-Pergament mit den anhangenden Siegeln der sechs Aussteller._

       16.                                              _1303, Juli 25._

_Bischof Petrus von Basel verleiht allen wahrhaft Reumtigen, die nach
abgelegter Beichte an namentlich genannten Festtagen am St. Petersaltar
im Chor der St. Sebaldkirche das hl. Amt der Messe in Andacht hren_ --
ad altare sancti Petri in choro ecclesie sancti Sebaldi missarum officia
deuote audierint -- _einen 40tgigen Abla_.

Datum anno domini 1303 octauo kalendis augusti.

_Original-Pergament mit an rotweier Seidenschnur anhangendem Siegel des
Ausstellers._

       17.                                 _Nrnberg 1307, November 19._

_Bischof Wulfing von Bamberg besttigt smtliche von katholischen
Vtern, Patriarchen, Erzbischfen und Bischfen zugunsten der Kirche St.
Sebald in Nrnberg erteilten Ablsse._

Datum Nu^eremberch anno domini 1307. XIII. kalen. decembr.

_Original-Pergament mit anhangendem Siegel des Ausstellers._

       18.                                  _Nrnberg 1309, Februar 14._

_Vor dem Schultheien Sigfrid vom Kammerstein und den Schffen zu
Nrnberg verkauft Friedrich Holzschuher, Gotteshauspfleger bei St.
Sebald, ein in Nrnberg bei den Fleischbnken gelegenes, der Kirche St.
Sebald gehriges Haus an Herdegen Holzschuher._

Ich Sifrit vom Kammerstein, der schultheiz, vnd wir di schepphen
der stat zu Nu^eremberg veriehen vnd tun kunt offenlich an disen
briefe, daz fu^er vns chom in gericht der ersam man her Friederich
Holtschuher, des gotshovs ze sente Sebolt phleger, vnd derzevget, als
recht was, daz er geheizen wer von den purgern, von dem rate vnd von
den schepphen, daz er verkovfen scholt des selben gotshovs gut, sw[a^e]
daz wer, durch des newen powes wegen an sente Sebol[t]s kirchen, daz
man den dest baz m[o^e]cht volbringen an den apseiten. Vnd do er daz
also wol derzevget, do gie dar der selbe her Friederich Holschuher
mit gewaltiger hant, als er geheizen was, vnd gab hern Herdegen dem
Holschuher vnd sinen erben recht vnd redelich ze kovfen daz aigen, daz
des gotschovs ze sente Sebolde was, das da ligt vor der batstuben bi dem
fleischpenken an dem ecke, ze rechtem aigen ze habenne ewichlich. Vnd
des kovfes sind geladen gezevg her Levpolt Holschuher vnd her Albrecht
Ebener. Vnd di sagten auch vf ir ait fu^er vns in gericht, daz her
Friedrich Holschuher hern Herdegen dem Holschuher daz vorgenant aigen
also ze kovfen hete geben im vnd sinen erben ze rechtem aigen ze habenne
ewichlich. Vnd des ze eynem vrkunde, daz sin nicht vergezzen werde vnd
auch also furbaz stete blibe, so ist geben mit vrteil von gericht dirre
brief versigelt mit des schultheizen insigel vnd mit der stat insigel ze
Nu^eremberg, di bede dar an hangent. Des sind gezevg di ersam levte
her Otte Muffel, her Heinrich Eisfogel, her Heinrich Holschuher, her
Heinrich Wigel vnd ander genvg. Der brief ist geben, do man zalt von
gots geburt drevzehenhundert iar vnd in dem nev[n]ten iare an sente
Valentins tag.

_Original-Pergament mit dem Schultheiensiegel und dem Nrnberger
Stadtsiegel._

       19.                                       _Mainz 1310, Januar 4._

_Erzbischof P[etrus] von Mainz verleiht allen wahrhaft Reumtigen,
welche nach abgelegter Beichte an namentlich genannten Festtagen die
Kirche St. Sebald zu Nrnberg in Andacht besuchen und Almosen spenden,
einen 40tgigen Abla._

Datum Nurenberg anno domini MCCC decimo pridie non. januarii.

_Original-Pergament mit anhangendem Siegel des Ausstellers._

       20.                                               _Avignon 1324._

_Die Erzbischfe_ Guillermus Soltaniensis [_Saltania_] _und_ Andreas
Antisbarensis [_Antivari_], _die Bischfe_ Robertus Connerensis
[_Connor_], Guillermus Sagonensis [_Sagona_], Gregorius Feltrensis
[_Feltre_] et Bellonensis [_Belluna_], Thomas Ythmarensis [_Imeria?_],
Venutus Cathacensis [_Catanzaro_], Johannes Rosquillensis [_Roeskilde_],
Nicolaus Dirivascensis [_?_], Stephanus Lubucensis [_Lebus_],
Franciscus Cenetensis [_Ceneda_], Franciscus Ravellensis [_Ravello_],
Domnius Cathavensis [_Catharensis = Cattaro?_] _verleihen allen wahrhaft
Reumtigen, welche die Kirche St. Sebald an namentlich genannten
Festtagen besuchen oder den Leib Christi und das hl_. _l, wenn es
zu den Kranken getragen wird, begleiten oder bei den Exequien und
Leichenbegngnissen in der Kirche oder auf dem Kirchhofe zugegen sind
oder auf dem Sterbebette von ihrem Vermgen der Kirche etwas vermachen
oder beim Abendluten kniefllig dreimal ein Ave Maria beten_, necnon
qui ad fabricam, luminaria, ornamenta et alia dicte ecclesie necessaria
manus porrexerint adjutrices, _fr jedes Mal einen 40tgigen Abla_.

In cuius rei testimonium presentes litteras sigillorum nostrorum
iussimus appensione muniri. Datum et actum Auinione anno a nativitate
domini millesimo trecentesimo vicesimo quarto indictione septima, die
[_Lcke_] mensis [_Lcke_] sanctissimi patris et domini nostri Johannis,
diuina prouidencia pape XXij. amen.

_Original-Pergament. Von den 13 Siegeln nur noch 8 an Seidenschnren
anhangend._

       21.                                          _Rom 1333, Mrz 26._

_Die Bischfe Jacobus von Metz, Jacobus von Castro_, Benedictus sancte
Prisce _und_ Thomas Lauerienis [_Lavaur?_] _verleihen den gleichen Abla
unter denselben Voraussetzungen_.

Datum Rome in palatiis nostris anno domini millesimo trecentesimo
tricesimo tertio pontificatus domini Johannis, pape 22., mensis martii
die 26., indiccione prima.

_Original-Pergament. Von den an weiblauen oder weibraunen
Seidenschnren anhangenden Siegeln die beiden ersten zerbrochen, die
andern abgefallen._

       22a.                                         _Rom 1336, Mrz 21._

_Die Bischfe Johannes von Anagni, Jacobus von Castro, Franciscus von
Castellana und_ Thomas Laueriensis [_Lavaur?_] _verleihen auf Bitten des
Konrad_ Cres [_Kre_] _von Nrnberg den gleichen Abla_.

Datum Rome in palaciis nostris anno domini millesimo 36, mense martii,
indictione quarta, pontificatus domini Benedicti 12. pape anno secundo,
mensis martii die 21.

_Mit den anhangenden Siegeln der vier Bischfe._

       22b.                                              _1338, Mrz 3._

_Bischof Leopold von Bamberg besttigt unten an der Urkunde den von den
vier Bischfen erteilten Abla._

Datum anno domini 1338, feria secunda ante Kunegundis, beate virginis,
in quadragesima.

_Original-Pergament mit den anhangenden Siegeln des Bischofs Leopold
von Bamberg und der vier ausstellenden Bischfe, ersteres an einem
Pergamentstreifen, die brigen drei an blaubraunweien Seidenlitzen. Die
drei letzteren stark beschdigt._

       23.                                               _1337, Mai 26._

_Die Bischfe_ Alamannus Luanensis, Petrus Calliensis [_Cagli_],
Johannes Bregerensis [_ob Bracharensis = Braga in Spanien?_], Andreas
Coronensis [_Coron_], Petrus Montismaranus [_Montemarano_], Nicholaus
Nazariensis [_Nazareth_], Vincencius Perensis [_Perri_], Raymundus
Cathaniensis [_Catania_], Sergius Pollensis [_Pola_], Jacobus de
Vallona [_Valanea_], Bernardus Ganensis [_Ganos in Thracien_] _und_
Paulus Fulginensis [_Foligno_] _verleihen den gleichen Abla unter
den fast gleichen Voraussetzungen. Es heit nach der Anfhrung der
zum Abla berechtigenden Feiertage_: causa deuocionis, oracionis aut
peregrinacionis accesserint, seu qui missis, predicacionibus, matutinis,
vesperis aut aliis quibuscumque diuinis officiis ibidem interfuerint aut
corpus Christi etc.

Datum Avinione 26. die mensis maii anno domini 1337 et pontificatus
domini Benedicti, pape XII., anno tertio.

_Original-Pergament mit an grnen Seidenschnren anhangenden Siegeln,
ursprnglich 12, von denen das erste abgefallen und die brigen mehr
oder weniger beschdigt sind. Durch Randmalereien verziert. Oben in
der Mitte Christus mit erhobenen Fingern, links davon Petrus, rechts
Paulus, weiter links der hl. Laurentius, Maria mit dem Christuskinde auf
dem Arme, neben ihr ein Betender knieend. Die drei letzten Personen in
ganzer Figur. Unter den Betenden am Rande links ein Bischof (Nikolaus?),
ebenso rechts ein Heiliger mit aufgerafftem Gewande [Johannes Baptista].
Das Ganze in Deckfarben gemalt._

       24.                                          _Rom 1343, April 9._

_Die Bischfe Raymundus von Rieti, Angelus von Viterbo und Toscanella,
Jacobus von Castellacio und Jacobus von Nepi verleihen auf Bitten des
Nrnberger Brgers Konrad Cresse den gleichen Abla unter den gleichen
Voraussetzungen und Bischof Leopold von Bamberg besttigt denselben._

Datum Rome in palatiis nostris anno domini millesimo 343, indictione
11., mensis aprilis die 9., pontificatus domini Clementis pape VI. anno
eius primo.

_Original-Pergament mit fnf anhangenden Siegeln. Die der ausstellenden
Bischfe an weibraunen blaugernderten Seidenborten, das nachtrglich
angehngte Siegel des Bischofs Leopold von Bamberg an einem
Pergamentstreifen._

       25a.                                                  _Rom 1350._

_Die Bischfe Johannes von Bagnorea, Mannus von Amelia und Nicolaus von
Orti verleihen auf Bitten des Nrnberger Brgers Sifrid Schrstab den
gleichen Abla wie in der Urkunde vom 26. Mrz 1336._

Datum Rome in palatiis nostris anno domini millesimo 350, pontificatus
domini Clementis pape sexti, indictione tertia, mensis [Lcke], anno
eius octavo.

       25b.                                           _1353, August 24._

_Bischof Leopold von Bamberg besttigt unter obiger Urkunde diesen
Abla._

Datum anno domini millesimo 353 in die sancti Bartholomei apostoli.

_Original-Pergament mit den an weibraunen (ursprnglich weiroten)
Seidenborten anhangenden Siegeln des Bischofs von Bamberg und der drei
italienisnen Bischfe, von denen das zweite und vierte beschdigt sind._

       26.                                    _Altenburg 1356, Juni 10._

_Bischof Leopold von Bamberg besttigt alle von Erzbischfen und
Bischfen zugunsten der Kirche St. Sebald in Nrnberg und des
Katharinenaltares in derselben erteilten Ablsse._

Actum et datum castro nostro Altenburg anno domini millesimo
trecentesimo quinquagesimo sexto feria sexta proxima ante festum
penthecostes.

_Original-Pergament mit dem anhangenden Siegel des Ausstellers._

       27.                                 _Altenburg 1358, Februar 23._

_Bischof Leopold von Bamberg verleiht allen wahrhaft Reumtigen, die
nach abgelegter Beichte der Pfarrkirche St. Sebald in Nrnberg_, que
reformacione seu reedificacione indiget necnon in libris, calicibus
ceterisque ecclesiarum ornamentis defectus manifestos patitur nec ipsi
ecclesie pro restauracione predictorum sufficiunt proprie facultates,
nisi deuotorum hominum piis subsidiis adiuuetur, _ihre Almosen spenden,
Liebesgaben darreichen und ihre hilfreiche Hand bieten, 40 Tage
Abla der schweren und ein Jahr der llichen Snden und verzeiht_
vota fracta, si ad ea redierint, peccata oblita, si memores fuerint,
confiteantur, offensas patrum et matrum, si absque enormi fuerint
lesione, juramenta non corporaliter, sed ex animi leuitate prestita. _Er
befiehlt den Rektoren der Kirchen und Kapellen, da sie den Boten von
St. Sebald, der in den Kirchen, Kapellen und den ihnen zustehenden Orten
Almosen heischt, treulich bei ihren Untergebenen frdern und nicht einen
Teil der Almosen von ihm erpressen._

Datum Altenburch anno domini millesimo trecentesimo quinquagesimo
octavo, feria sexta proxima post dominicum inuocavit.

_Original-Pergament mit dem anhangenden Siegel des Ausstellers._

       28.                                        _Avignon 1360, Mai 3._

_Die Bischfe_ Raphahel Archadiensis [_Arkadi_], Francisus Lapsacensis
[_Lampsacus_], Girardus Arrigensis [_ob Ariensis, Ario?_], Albertinus
Surmanensis [_Sirmium_], Lazarus Botrociensis [_Butrinto, Vucindro_],
Johannes Veglegensis [_Veglia_], Johannes Agitonensis [_Agadonensis =
Ardferten (Kerry) in Irland_], Andreas Balazensis [_Balezo_], Petrus
Calligencis [_Cagliari_], Intardus Tartopolensis [_Tortiboli_], Avancius
Sanxensis [_?_], Johannes Tarmopolensis [_ob Termolensis, Termulanus
(Termoli)?_], Franciscus Huroensis [_?_], Johannes Curoensis [_?_],
Johannes Carminensis [_Carmium_], Bertoldus Cisopolensis [_Sizebolu_],
Augustinus Salubrensis [_Soliwri_], Philippus Lauadensis [_?_], Ricardus
Naturensis [_Athyra in Thrazien_] _verleihen allen wahrhaft Reumtigen,
die nach abgelegter Beichte an namentlich angefhrten Tagen_ ergastulum
uel altare ibidem, quod est consecratum in honore omnium animarum sub
turri in ecclesia sancti Seboldi in Nurenberch _in Andacht besuchen oder
an anderen angefhrten Gottesdiensten teilnehmen und besondere Gebete
und fromme Werke verrichten_, necnon, qui ad fabricam dicti ergastuli
seu altaris luminaria, libros, calices seu queuis alia ornamenta manus
porrexerint adiutrices ac qui eidem ergastulo seu altari aurum, argentum
uel aliquid suarum facultatum in suis testamentis uel extra donauerint
seu donari procurauerint et qui pro salubro statu domini episcopi
Babenbergensis et pro Seyfrido Mavrer, ciuis in Nvrenberch, impetratoris
seu prouisoris dicti ergastuli, et qui pro animabus vxoris legitime
et liberum suorum et qui pro Vlrico Weylerio presbytero uel qui missam
huius uel horas canonicas audierit, qui hanc litteram portauerit et
ordinauerit Auinione, _einen 40tgigen Abla von den schweren Snden_.

Datum Avinione anno domini millesimo trecentesimo sexagesima, tertia
die mensis maii, pontificatus domini nostri innocencii, pape sexti anno
octavo.

_Original-Pergament mit 20 anhangenden Siegeln, smtlich stark
beschdigt. Die Urkunde ist auf den Seiten und oben links und unten
rechts von Weinlaub mit Trauben umrahmt, eine etwas unbeholfene aber
doch charakteristische Malerei. Die erste Zeile_: Uniuersis sancte
matris ecclesie _in verlngerter Schrift, der Buchstabe N in Uniuersis
und die Anfangsbuchstaben S, M, E in roter Farbe ausgefhrt, die
Initiale U aber durch eine Maria-Schutz mit den armen Seelen unter ihrem
Mantel ausgefllt. Zwischen den Worten_ Uniuersis _und_ sancte: _der
hl. Sebald, nach_ sancte: _der hl. Petrus und nach_ matris: _der hl.
Leonhard._

       29.                                      _Altenburg 1360, Mai 6._

_Bischof Leopold von Bamberg gestattet den Umtausch eines Hauses am
Friedhof von St. Sebald im Eigenbesitz des Egidienklosters gegen ein
Haus des Kirchenvermgens St. Sebald bei den Fleischbnken._

Datum Altenburch feria quarta proxima post Walpurgis anno domini
millesimo tricentesimo sexagesimo.

_Original-Pergament mit anhangendem Siegel._

       30.                                          _1360, Dezember 15._

_Papst Innozenz VI. verleiht zugunsten der Pfarrkirche St. Sebald_,
quam venerabilis frater noster Lupoldus, episcopus Bambergensis, et
nonnulli comites, barones et nobiles illarum parcium ac delecti filii
magistri ciuium, consules totaque communitas dicte ville ad honorem dei
et eiusdem confessoris de bonis propriis sollenniter construxisse et
competenter dotasse..... dicuntur, _einen jhrlichen Abla von einem
Jahr und 40 Tagen an namentlich genannten Festtagen_.

Datum Avinione XVIII. kalendas januarii, pontificatus nostri anno octauo.

_Original-Pergament mit an gelbroten Seidenfden anhangender ppstlicher
Bulle._

       31.                                             _Altenburg 1362._

_Bischof Leopold von Bamberg verleiht den wahrhaft Reumtigen und
Beichtenden_, qui ad novam structuram parrochialis ecclesie sancti
Sebaldi in N[.u]renberg suas largiti fuerint elemosinas necnon eidem
caritativa subsidia et manum porrexerint adiutricem quique eciam
personaliter laboraverint in eadem, _einen Abla von 40 Tagen der
schweren und von einem Jahre der llichen Snden_.

Datum Altenburg anno domini 1360 secundo.

_Original-Pergament mit anhangendem Siegel._

       32.                                    _Nrnberg 1364, April 30._

_Revers des Pfarrers Albert Krauter, den Friedhof von St. Sebald nicht
gegen das Rathaus zu erweitern._

Nouerint vniuersi presencium inspectores, quod ego Albertus dictus
Kravter, plebanus ecclesie parrochialis sancti Sebaldi opidi in
Nuremberg Bambergensis dyocesis. Licet gracia dei ac erogacione
elemosine a piis fidelibus et precipue parrochianorum meorum ac
aliorum incolarum dicti opidi ecclesia mea prefata aucta sit secundum
longitudinem per edificacionem noui kori, inter quem korum et domum
olim Chunradi dicti Zenner, nunc vero Johannis Ebner, est quoddam
spacium siue planicies empta de bonis ecclesie mee predicte et eidem
debita excepto vno spacio vie publice, que ab antiquo in medio
predicte planiciei solita et debita erat esse, et in eadem planicie
cimiterium reuerendi in Christo patris ac domini mei domini... episcopi
Bambergensis ac opidanorum sepedicti opidi consensibus accedentibus
posset augeri. Tamen quod predicta planicies est satis modica, in
quantum pertinet ecclesie mee, et ex opposito est pretorium et domus
multe, in quibus continue sunt habitatores honesti et nonnunquam
principes, duces, barones et nobiles aduene, quibus horror posset
insurgere, si in sepedicta planicie eis tam vicina corpora mortuorum
sepelirentur, nomine mei ac ecclesie mee prefate annui et volui ac
presentibus ordino et volo, vt eadem planicies ad cimiterium non
conuertatur nec dedicetur, sed antiquum cimiterium, quo ad istum
respectum in suis finibus sit et maneat, donec ego vel alter meus
successor et consules opidi antedicti aliter duxerint simul ordinandum.
Volo tamen, quod sepedicta planicies via publica, que per eam transire
ad cimiterium debet, excepta, quo ad proprietatem et omnem vsum ac
comodum, si quod exinde euenire posset, pertineat, prout de iure debet,
ad ecclesiam meam supradictam. Et hec omnia per reuerendum in Christo
patrem ac dominum meum dominum Fridericum, dei gracia dignum episcopum
ecclesie Bambergensis, desidero et exopto confirmari. In quorum
testimonium presentes sigilli mei munimine consignaui. Datum Nuremberg
anno domini millesimo trecentesimo sexagesimo quarto in vigilia
apostolorum beatorum Phylippi et Jacobi.

_Unten oberhalb des Bugs von anderer Hand, aber ziemlich gleichzeitig_:
Consimilem litteram habent ciues sub sigillis pendentibus domini
episcopi et plebani.

_Original-Pergament mit dem anhangenden Siegel des Pfarrers Albert von
St. Sebold [Pfarrsiegel]._

             _Stadtarchiv Nrnberg. Abgedr. Stdtechroniken. I, 422 ff._

       33.                                       _Bamberg 1370, Juli 3._

_Bischof Ludwig von Bamberg besttigt auf Bitte des Berthold Teufel die
von dessen Vater Konrad, Brger zu Nrnberg, gestiftete Pfrnde auf dem
Marienaltar in der Krypta von St. Sebald zu Nrnberg_ -- quoddam altaris
seu prebende beneficium in altari eiusdem beatissime Marie virginis sito
in cripta parrochialis ecclesie sancti Sebaldi -- _und befreit sie von
aller Last weltlicher Gewalt_.

Datum et actum Bamberge anno domini 1370 feria quarta post diem beatorum
Petri et Pauli apostolorum.

_Original-Pergament. Siegel abgefallen._

       34.                                      _Nrnberg 1379, Juni 5._

_Kardinal Pileus verleiht_ -- cum igitur dilectus in Christo magister
fabrice ecclesie sancti Sebaldi Nurembergensis Bambergensis diocesis
totaque communitas ibidem ad ipsam ecclesiam Nurembergensem specialem
gerant deuocionem et affeccionem ipsamque reparare et sustentare,
sicut accepimus, intendant, ad cuius perfeccionem eiusdem ecclesie
non suppetunt facultates sintque ad hoc Christi fidelium suffragia
necessaria et eciam oportuna -- _allen wahrhaft Reumtigen und
Beichtenden, welche die Kirde St. Sebald an besonders genannten
Festtagen besuchen und hilfreiche Hand bieten, Ablsse von einem Jahr
beziehungsweise von 100 Tagen_.

Datum Noremberg dicte diocesis nonis junii pontificatus sanctissimi in
Christo patris et domini nostri domini Vrbani, divina providencia pape
VI., anno secundo.

_Original-Pergament mit an verblichener (ursprnglich roter) Kordel
anhangendem Siegel._

       35.

Pau der trn zu sand Sebolt de anno 1481 in annum 1490.[XXIX]

Erhhung beder trn Sebaldi. Kirchenmaister Sebolt Schreyer, angefangen
anno domini 1481, volbracht anno domini 1499.[XXX]

  [XXIX] Auf dem Einbanddeckel.

  [XXX] Auf dem Vorsetzblatt.

1481. Item nach dem als man zalt von Cristi unseres lieben herren geburt
vierzehenhundert und im ainundachzigisten jar, in ainem erbern rat
verlassen ist, beide trn des gotzhau der pfarrkirchen zu sand Sebolt
zuerhhen vnd zuverneuen, also und daruff sind dieselben mit gepeuen
frgenommen worden, und wie wol die vor und ee dann Sewolt Schreyer zu
kirchenmaister gesetzt ist und nemlichen bei Hansen Haller, dazumalen
kirchenmaister, zupauen angefengt sind, so ist doch solicher bau durch
und bei dem gemelten Schreyer volbracht und verrechet worden. Demnach
hat er zu jngst den ganzen pau, als der zu ende kummen ist, zu allen
seinem einnemen und ausgeben in ain rechnung gebracht und gezogen,
alles, wie hernach begriffen ist. Und zu denselben zeiten sind oberst
hauptleut diser stat Nurmberg gewesen her Ruprecht Haller, der alt, zu
der zeit auch oberster pfleger des gemelten goczhaus, her Niclas Gro,
der alt, und her Gabriel Nczel.

Item demnach und erstlich ist beschriben und verrechnet das einnemen
soliches paus in mainung, so hernach volgt:

Bl. 10': Summa summarum, das ich uberal eingenommen hab, als davor
geschriben stat.

  Item aus der losungstuben entlehnet novilb 10.187 [Schilling]  4 hlr. --
  Item aus allerlei zeg gelst          "     1.057      "      14  "    8
  Item von geschicken und almusen       "       184      "      14  "    2
  Item von der kirchen gelt dar zu
    eingenommen                         "       774      "      12  "    1
             Summa alles einnemens      "    12.204      "       4  "   11

  Bl. 122': Summa summarum, das ich uberal ausgeben hab, als davor
  beschriben stet.

  Item maister Ekarius, zimmerman     novilb     52 [Schilling] 10 hlr. --
  Item den zimmergesellen ausgeben      "       816      "      16  "   --
  Item maister Hainreichen Kugler,
    steinmeczen                         "       145      "      18  "   --
  Item den parlieren hab ich ausgeben   "        39      "      10  "   --
  Item steinmeczengesellen              "     1.584      "      10  "    2
  Item hantlangern oder taglonern       "       346      "       1  "   --
  Item deckern und iren gesellen        "        47      "       4  "    8
  Item klaibern und iren gesellen       "        11      "       4  "   10
  Item tunchern und iren gesellen       "         6      "       8  "    6
  Item dem kirchner hab ich ausgeben    "        34      "      10  "   --
  Item schreinern                       "        16      "       6  "    2
  Item glasern                          "         7      "       9  "    2
  Item fur den ofen von kupfer          "        60      "       6  "   --
  Item fur den schlot von kupfer        "        34      "      18  "   10
  Item fur die rinnen von kupfer        "        42      "      18  "   --
  Item kandelgiessern                   "         4      "      15  "   10
  Item rotschmiden                      "        17      "      16  "   --
  Item trechslern                       "         1      "      14  "    8
  Item wagnern                          "         4      "       1  "   --
  Item putnern                          "         3      "      10  "   --
  Item segern                           "        15      "      10  "    4
  Item sailern ausgeben                 "       187      "       5  "   10
  Item maister Erharten, schmid         "       138      "      19  "    2
  Item maister Niclasen Greiner,
    schlosser                           "       113      "      19  "    6
  Item maister Lienharten Ochsen,
    schlosser                           "        11      "      17  "   10
  Item maister Matenckhofer,
    schlosser                           "        43      "      18  "   --
  Item maister Peteter, statschmid      "        17      "      16  "    8
  Item Hansen Pulman, hammerschmid      "        69      "       6  "    8
  Item Wilbolten Plancken, eisenmann    "        70      "      15  "    4
  Item Gorgen Kppel, eisenmann         "        36      "      12  "   --
  Item fr allerlei ander eisenwerk     "        30      "       1  "    8
  Item schleifern ausgeben              "         2      "       3  "    2
  Item fur pretter                      "       134      "      14  "    2
  Item fur thillen                      "         9      "      12  "    4
  Item fur allerlei holzwerk            "       360      "       2  "    6
  Item fur reuhelbergstein
    [Reuhelberg im Lorenzerwald bei
    Steinbrchlein]                     "      1012      "       5  "    2
  Item fur kornpergstein
    [bei Kornburg]                      "        14      "      14  "    8
  Item fur ziegelstein                  "        54      "       1  "   10
  Item fur kalk ausgeben                "        57      "       8  "    8
  Item fur parstein [Gips] ausgeben     "        --      "      13  "    8
  Item fur harz ausgeben                "        --      "       8  "   10
  Item fur l ausgeben                  "         6      "       7  "   --
  Item fur unslit, schmer und schmir    "         2      "       6  "    3
  Item kernern von kot, sand und
    ziegel zu frn                      "        86      "      14  "   --
  Item fur allerlei uncost              "        32      "       8  "    4
  Item fur voraus und trinkgelt         "        17      "      11  "   10
  Item von turndeckers arbeit zuwegen
    tragen und zufrn                   "        12      "      18  "   10
  Item des turndeckers belonung von
    beiden trn                         "       490      "       4  "   --
  Item fur plei ausgeben                "        12      "      16  "    4
  Item fur zin ausgeben                 "     3.157      "       6  "   10
  Item fur die eisine spie oder
    spicz ausgeben                      "        25      "      10  "   10
  Item fur die kupferin knpf           "        55      "      12  "    8
  Item dem goldschmid die knpf zu
    vergulden                           "       252      "       6  "   --
  Item fur die fannen                   "        12      "       7  "   --
  Item den malern                       "        10      "      11  "    2
  Item fur di orglogken [Schlaguhr]     "     2.221      "       7  "   --
  Item von der orglogken zu frn und
    zu heben                            "         9      "      19  "   --
  Item fur das schlahwerk ausgeben      "       131      "       4  "   --
  Item fur den wecker der turner
    ausgeben                            "         5      "      17  "   --
             Summa alles ausgebens      "    12.204      "       4  "   11

S. 124: Item die vorgemelt summa ist ausgeben und verpaut worden in
sechs jaren und in jedem derselben jar ausgeben, wie hernach:

  Item im 81. jar ausgeben           novilb     72 [Schilling] 15 hlr. --
  Item im 82. jar ausgeben             "     2.537      "      10  "   10
  Item im 83. jar ausgeben             "     5.680      "      19  "    7
  Item im 84. jar ausgeben             "     3.778      "      15  "    4
  Item im 85. jar ausgeben             "        98      "      17  "    6
  Item im 86. jar ist ausgeben         "        35      "       6  "    8
                             Summa     "    12.204      "       4  "   11

Item zuwissen, das die obgemelt verpaut summa der 12.204 lb. novi 4
[Schilling] 11 hlr. zu gold angeschlagen und 2 lb. novilb 2 [Schilling],
das ist 8 lb. alt 12 [Schilling] fur 1 guldin reinisch landswerung,
inmassen der guldin rinisch zu den selben zeiten golten hat, gerechet,
bringt oder tut 5811 gulden rinisch landswerung und 11 [Schilling] in
gold.

_1489 wird der sdliche Turm neu mit Zinn und Blei gedeckt._

Bl. 126': Losungstuben und sunst.

Summa summarum, das ich uberal eingenommen hab, als obgeschriben steet,
tut novilb 1406 [Schilling] 4 hlr. --.

Bl. 135': Summa summarum, das ich uberal ausgeben hab, als davor
geschriben steet.

  Item zu abdecken des zins und pleis  novilb    13 [Schilling] -- hlr. --
  Item gewicht und brob des
    abgedeck[t]en zins                   "        2      "       1  "    2
  Item gewicht des abgedeck[t]en pleis   "       --      "      12  "    8
  Item zimergesellen zu rsten           "       28      "       1  "    4
  Item zimergesellen abzurusten          "       13      "      14  "    8
  Item holzwerk zu dem gerst            "       24      "      19  "   --
  Item fur mit rustholz und prettern     "        1      "       3  "   --
  Item allerlei uncost                   "       10      "       1  "   10
  Item neuerkauft zin                    "      963      "       6  "    4
  Item neuerkauft plei                   "       51      "      15  "    6
  Item maister Ulrichs arbait mit
    giessen des zins                     "        7      "      13  "   10
  Item maister Ulrichs arbeit mit
   giessen des pleis                     "        2      "       4  "    8
  Item belonung maister Ulrichs          "      262      "      10  "   --
  Item fr ngel ausgeben                "       25      "      --  "   --
             Summa alles ausgebens       "    1.406      "       4  "   --

Item zu wissen, das die obgemelt verpaut summa der 1406 lb. novi 4 hlr.
zu gold angeschlagen und 2 lb. novi 1 [Schilling] 8 hlr., das ist 8 lb.
alt 10 [Pfennig] fur 1 guldin r. landswerung, inmassen der guldin zu
denselben zeiten golten hat, gerechet, bringt und tut 674 guldin rinisch
landswerung 19 [Schilling] 6 hlr. in gold.

_1490 Eindecken des nrdlichen Turmes._

Bl. 136': Losungstuben und sunst:

Summa summarum, das ich uberal eingenommen hab, als obgeschriben stet,
tut novilb 312 [Schilling] 10 hlr. --.

Bl. 144': Summa summarum, das ich uberal ausgeben hab, als davor
geschriben stet.

  Item zu abdecken des zins            novilb   12 [Schilling] 10 hlr. --
  Item gewicht und brob des
    abgedeckten zins                     "      --      "       9  "    2
  Item zimmergesellen zu rsten          "      34      "       4  "    8
  Item zimmergesellen abzurusten         "      13      "       2  "   --
  Item holzwerk zum gerst und andern    "       3      "       5  "   --
  Item fur mit rstholz und andern       "       2      "      --  "   --
  Item fr ngel ausgeben                "      18      "       7  "    6
  Item schlossern ausgeben               "       3      "      12  "    2
  Item sailern und schreinern
    ausgeben                             "       8      "       6  "   10
  Item allerlei uncost                   "       9      "      10  "    6
  Item maister Ulrichs arbeit mit
    giessen des zins                     "       7      "      19  "    6
  Item maister Ulrichs arbeit mit
  giessen des plei                       "      --      "       1  "    4
  Item belonung maister Ulrichs          "     197      "      10  "   --

             Summa alles ausgebens       "     310      "      18  "    8

_umgewandelt in fl. rhein._: 149 fl. 5 [Schilling] in gold [2 lb. n.
1 [Schilling] 8 hlr (8 lb. alt 10 d) = 1 fl. rh. Landeswhr.].

145^b: Item so die rechnung mit dem tecken beder turn erschaut werden,
so erfindet sich, das Cristof Lilgenweis dem goczhaus am giessen des
zins und tecken der trn mit seiner untreu schaden zugefgt hat, nemlich
am ersten turn am zin bei oder ob 142 guld. rh. und am plei ob 12 fl.
r., ut fo. 128 hievor begriffen.

Wer an dem andern turn ob 278 fl., ut fo. 138 hievor begriffen. Summa
432 fl. rh. ausserhalb des schadens, so auf die gemelten turn gangen
ist, die anderwaid zu decken.

_Obwohl ihn der Rat im Loch gefangen setzte und mit ernstlicher Frage
angriff, benannte er doch nicht mehr als 56 fl. rh. Da man damals von
dem groen Schaden keine Kenntnis hatte, wurde er auf Frbitte von
Bamberg und anderen Enden ausgelassen, doch sollte er solchen bekannten
Schaden an St. Sebald und 10 fl. an St. Lorenz ausrichten, wofr sein
Vater und Weib Brge wurden, laut Gerichtsbuch Cons. D. fol. 285 (auch
an dieser Stelle eingetragen). Sabbato post Francisci anno 86._

Item und als aber der obgemelt Lilgenweis gehort und vermerkt hat, da
der erst turn anderwaid zudecken maister Ulrichen Hubner von Bamberg
verlassen und im entwert worden was, hat er sich vor und ee man den
abgedeckt hat, von hinnen getan, villeicht aus ursachen, das er sich
besorgt hat, so man sein untreu derma und so gro erfinden wurd, er
mochte wider angenommen und nach seinem verdienen gefertigt werden.

146^b: Suma was der ganz pau cost hat.

_Die Seiten 146^b-149^b enthalten nur Zusammenstellungen der
vorerwhnten Einnahmen und Ausgaben._

                                             _Kgl. Kreisarchiv Nrnberg._

       36.

Bedenken, welcher gestalt der chor und umbgang uf sant Sebalds kirchen
mcht zu pessern sein.

Actum den 27. maij 1561.

_Kgl. Kreisarchiv Nrnberg. Abgedruckt in den Mitteilungen des Vereines
fr Geschichte der Stadt Nrnberg, VIII, 246 ff., wo auch noch zwei
einschlgige Ratsverlsse und der kurze Bericht aus den Annalen des
Ratschreibers Johannes Mllner wiedergegeben sind._

       37.

=Acta die Sebalder-Kirch-Thurn-Reparatur betr. Von a=: 1769 in 1770.

25. Mrz 1768: Relation ber den Befund des schadhafften Thurns an der
St. Sebalds Kirch. _Besichtigung des Turmes am 23. Mrz 1768 durch
Scholarch Paul Karl Welser mit dem Stadtalmosenamtspfleger Volckamer,
Bauinspektor Stettner und Almosenamtszimmermeister Schwammbach. Der
Dachstuhl des Helmes war, sowohl Geschwlle wie Legsparren zum
groen Teil zusammengefault._

_Das Waldamt Laurentii und das Sebaldi werden vom Stadtalmosenamt
ersucht um_

  1. _21. Mrz 1768_   _20 Stmme [Laurentii]_
  2.  _7. April 1768_   _8 Eichen [Laurentii]_
  3.  _2. August 1768_  _3 Eichen je 24 Schuh lang [Sebaldi]_
  4.  _5. Mai 1769_     _4 fichtene Baumstmme 80 Schuh lang Gratsparren_
                        _4 fichtene Baumstmme je 50 Schuh lang, 10 Zoll
                           im Quadrat zu Schiftsssparren [Laurentii]._

1769 Mai 24.: _Das Stadtalmosenamt ersucht_:

Das lbl: Rugs Amt wird hiemit hfl. requirirt, denen Geschwornen
der Flaschnerprofession zu intimiren, da von denen auf der
Herberg ankommenden und Arbeit suchenden Gesellen dem Flaschner
Grbel Meldung getan werde, um einen tchtigen Pursch, der zu der
Sebalder-Kirch-Thurn-Reparatur zu gebrauchen ist, aussuchen zu knnen.

_1769 Juli 19. schiet das Landalmosenamt 1000 fl. vor._

_1769 November 7. schiet das Landalmosenamt 1500 fl. vor._

_Vom Dezemzer 1769 liegt eine Liste vor, enthaltend die Berechnung der
bisherigen Kosten und ein Verzeichnis des verwendeten Baumaterials:_

                               Berechnung

des Sebalder Kirchthurmsbaues vom 24. Octobris 1768 bi 2. Dec. 1769,
sowohl was an Taglohn und Meisterconti, als auch an Baumaterialien
ausgeleget und verbraucht worden ist.

  Denen Zimmerleuten vom 24. October bis 19. November
    1768 fr Taglohn                                      fl.   37  23  --
  Vom 3. April 1769 bis 2. Decber 1769 fr Taglohn denen
    Zimmerleuten, Flaschner- und Tnchersgesellen samt
    Meistergebhr bezahlt                                  "  1477  11  --
  Dem Meister Schwambach Douceur                           "    11  --  --
  Denen Zimmergesellen und Tnchern Trankgeld              "    10  --  --
  Fr 29 Fuhren  24 kr. dem Krner                        "    11  36  --
  Dem Wagner fr 2 Leitern                                 "     3  --  --
  Dem Seiler fr das Seil und Stangen                      "   183  53  --
  Dem Nagler Ruf und He fr Ngel                         "   168  39  --
  Dem Schlosser Bauer fr Arbeit                           "    88  48  --
  Den beeden Waldmtern Laurenzii et Sebaldi fr 8 Eichen
    und 20 Stmm, Holzpfandung, Fuhrlohn, Anweis und
    Trankgeld                                              "    67  44   2
  Dem Waldamt Laurenzii fr 8 Fiechten zu denen 4 Grad-
    und 4 Schiftsparren Fuhrlon                            "    38  30  --
  Dem Schmid Klpfel fr Arbeit                            "    36  25  --
  Dem Flaschner Griebel fr minge Haften und Blei zum
    Lten                                                  "   103  47  --
  Dem Orgelmacher Kttelmann fr 284 Blatten zu gieen
     20 kr                                                "    94  40  --
  An erkauften Zinn, nemlich 3 Centner  50 fl.,
    2-1/2 Centner  49 und 14 Centner 47-1/2 lb.
     48 fl.= 19 Ct. 97 lb. u. an Geld                     "  1167  32   2
  An erkauften Blei, nemlich 2 Centner  13 und
    4 Centner 85 lb.  12-1/2 = 6 Cent. 85 lb. und
    an Geld                                                "    86  37   2
                                                          ----------------
                                                          fl. 3586  46   2
                          Auf zweimal empfangen            "  2500  --  --
                                                          ----------------
                            Mehreres ausgegeben           fl. 1086  46   2

                               Verzeichnus

derjenigen Baumaterialien, welche zum Sebalder Kirchturn verbraucht
worden vom 3. April bis 9. December 1769, als

        An Eichen-Holz

8 Fenster-Benke, 3 dreizllige Stollen, 3 vierzllige Stollen, 4
Gesims-Hlzer, 176 Bretten zum zu schallen

        An weichen Holz

16 Stmm Brettenholz, 16 Stmm Riegelholz, 3 zweizllige Dillen, 1
zweizllige Dille, 9 Schu lang, 4 Gradsparrn von 69 Schu, 4 Schiftsparrn
von 50 Schuh, 226 Bretter zum Rsten, 109 Latten zum Rsten, 4
vierzllige Stollen.

        An Eisen und Ngeln

122 Klammern von unterschiedlicher Lnge, 42 Rund- und halbkpfige
Ngel, 128 Ngel zweierlei Sorten, 25 groe Ngel, 20 groe Ngel
anderer Gattung, 1200 Bodngel, 500 Bienngel, 700 Rinneneisen, 6400
Schollenngel, 3600 kleine und groe Blattenngel, 30 Stck andere, 172
Lut-Strng, das Gerst anzubinden.

_In diesem Verzeichnis sind die Preise nicht eingesetzt._

_Die vorhandenen Mittel von 2500 fl. reichten so nicht aus. Allein das
Stadtalmosenamt hatte selbst nichts, und so wandte es sich durch das
Losungsamt an_ derer Herren Aeltern Hochwohlgebornen Herrlichkeiten
_am 27. Dezember 1769 und legte die oben stehende Liste bei_. _An
dem langsamen Gange der Arbeit sei die Witterung und die_ viele
Zeit erforderliche schwere und vierfache Zusammenfgung der Blatten
_schuld_. _Die_ gnzliche Blattenzuschlagung _mte bis knftiges
Frhjahr hinausgeschoben werden. Bis jetzt mten noch 1086 fl. 46 kr.
2 [Schilling] nachbezahlt werden und fr die Vollendung der Arbeit
einschlielich von etwa 10 bis 11 Zentner erforderlichen Zinnes wre
noch ein Kapital von 2000 fl. ntig. Dieser Vorschu knnte vielleicht
dem_ Land Almosamt oder denen smtlich geistlichen Aemtern per
repartitionem abgereichet werden.

_Die vorgeschlagene Repartition wurde durch Ratsverla vom 9. Januar
1770 genehmigt._

                               Repartitio

  bezahlt den 17. Februar 1770  Lbl. Spital- und Kloster
                                      St. Catharina           fl. 1200-
  bezahlt den 24. Januar 1770     "   Closter Amt St. Clara    "   900-
  bezahlt den 3. Februar 1770     "   Landalmoamt             "  1000-
                                  "   Stadtalmoamt            "   400-
  den 3. Februar 1770 bezahlt     "   Marthaspital             "    25-
  den 24. Januar 1770 bezahlt     "   Mendel
                                      XII-Brderstiftung       "   400-
  bezahlt den 26. Januar          "   Geistl. Gter auf dem
                                      Land                     "   500-
  d. 24. Jan. 1770 Jobst-Stiftung zalt
  d. 25. D. 1770 St. Peter u. Paul Stift
      zalt
  d. 25. Jan. z. St. Leonh           Vier Siechkbel und
  do. St. Joh. u. Sonder Siechen-St. Sondersiechen  30 fl.    "   150-
  1770 d. 24. Jan. zalt              Heil Kreuzstiftung        "    25-
                                                       -----------------
                                                  Summe       fl. 4600-

                                                Losungamt
                                          den 18. Januar 1770
                                              _Stdt. Archiv Nrnbeg._




                              Anmerkungen.


   [1] Urkunde Kaiser Heinrichs IV. vom 19. Juli 1062, wodurch er den
       Kanonikern zu Bamberg den von seinem Vater an Nrnberg
       bertragenen Markt mit dem Zoll und der Mnze an Frth
       zurckgibt. Mon. Boic. XXIX, Nr. 406.

   [2] Die zuerst von Baader in seinen Beitrgen zur Kunstgeschichte
       Nrnbergs, I (Nrdlingen 1860), S. 49, aufgestellte, dann von
       der kunsthistorischen Lokalforschung aufgenommene und von dieser
       in die allgemeine Kunstgeschichte bergegangene Behauptung, die
       Kirche St. Sebald sei 1256 in ihrem Hauptteile fertiggestellt
       und geweiht worden, erweist sich als nicht stichhaltig, da dies
       aus der Ablaurkunde des Bischofs Heinrich von Bamberg vom 1.
       Oktober 1256 nicht geschlossen werden darf. Vgl. hierber auer
       Baader insbesondere noch Sighart, Geschichte der bildenden Knste
       im Knigreich Bayern, Mnchen 1862, S. 235, ferner Schnaase,
       Geschichte der bildenden Knste im Mittelalter, Dsseldorf
       1872, Bd. III, S. 348, B. Riehl, Kunsthistorische Wanderungen
       in Bayern etc., Mnchen und Leipzig 1888, S. 154 und Dehio und
       Bezold, Die kirchliche Baukunst des Abendlandes, Stuttgart 1892,
       1, S. 500. Beim Dom zu Bamberg, mit welchem St. Sebald in engem
       baugeschichtlichem Zusammenhang steht, hat man in der Datierung
       einen hnlichen Fehler begangen und eine Ablaurkunde von 1274
       dahin gedeutet, als sei zu dieser Zeit noch an der Vollendung
       des Domes gearbeitet worden. Bezglich der Einweihungsurkunde
       vom 17. August 1274 siehe das folgende Kapitel sowie Beilage
       4. Den Inhalt der Urkunde vom 1. Oktober 1256 gibt Lang, Reg.
       B. III, 83, kurz wieder mit: Henrici episcopi Babenbergensis
       indulgentiae pro ecclesia parochiali sancti Sebaldi in Nuremberg.
       Dat. die sancti Remigii (1. Oktober), spricht demnach nicht von
       einer Einweihung.

   [3] ber die Kapelle St. Peter wurde urkundliches Material nicht
       gefunden. Nur sptere Chroniken berichten von ihr in der
       bekannten sagenhaften Art und abweichend voneinander. ber die
       ehemalige Existenz der Kapelle jedoch -- darin stimmen alle
       Chroniken berein -- besteht kein Zweifel. Mglicherweise hat sie
       an Stelle des jetzigen Peters- oder Westchores gestanden.

   [4] Vgl. Otto Schulz, Die romanischen Bauteile von St. Sebald und ihre
       Instandsetzung, in der Zeitschrift fr Bauwesen, Berlin 1908, S.
       529 f., sowie bezglich der whrend der letzten Restaurierung
       gemachten baugeschichtlichen Feststellungen: Derselbe, Die
       Wiederherstellung der St. Sebaldkirche in Nrnberg 1888-1905 in
       den Mitteilungen des Vereins fr Geschichte der Stadt Nrnberg.
       1905.

   [5] Anderweitiger Schmuck war nur sprlich vertreten. Im Mauerwerk
       des jetzigen Ostchors befinden sich Steine, welche vom
       romanischen Bau stammen. Dieselben zeigen den Zahnschnitt.
       Ein auf dem Dachboden gefundener, jetzt im Lapidarium (ehem.
       Westkrypta) aufbewahrter Stein hat Flechtwerk.

   [6] Fr den nachtrglichen Anbau der beiden Portale an die Turmhallen
       hat Prof. Schmitz nachfolgende Grnde geltend gemacht: 1. Das
       Mauerwerk der Portale hat einen auffallend weiten Vorsprung vor
       die Mauerflucht der Trme. 2. Der Steinverband zeigt, da ein
       organischer Zusammenhang zwischen dem Mauerwerk der Portale
       und dem der Trme nicht besteht. 3. Das sdliche Portal steht
       nicht in der Achse des alten Seitenschiffes. 4. Die Segmentbgen
       ber den Trffnungen im Innern haben dieselbe Form wie die der
       Portale an den gotischen Seitenschiffen. 5. Die Steinquadern der
       Dachschrgen der Portale haben sich bei der Abnahme anllich
       der jetzigen Restaurierung als auf allen Seiten sauber behauen
       erwiesen, was nur damit erklrt werden kann, da sie von einem
       anderen Bau herrhren. 6. Die Bogenquadern zeigen an den
       Fugenkanten Beschdigungen, welche nicht auf Verwitterung,
       sondern auf einen stattgehabten Abbruch oder Transport deuten. 7.
       Die Profilierung des Dachgesimses ist gotisch. 8. Die Risse im
       Mauerwerk ber den Segmentbgen weisen auf ein spteres Einsetzen
       der Portale hin.

   [7] Weese, Die Bamberger Domskulpturen, Straburg i. E. 1897,
       S. 3 ff., und derselbe in der geschichtlichen Einleitung zu
       Aufleger, Der Dom zu Bamberg, Mnchen 1898, hat das einschlgige
       Urkundenmaterial in der Hauptsache zusammengestellt.

   [8] Nheres bei B. Riehl, Kunsthistorische Wanderungen durch Bayern,
       Bayerisch-Schwaben, Franken und die Pfalz, Mnchen und Leipzig
       1888, S. 50 ff., S. 65 ff. und S. 147 f., und bei Dehio und
       Bezold, Die kirchliche Baukunst des Abendlandes, Stuttgart 1892,
       Bd. I, S. 176 ff.

   [9] Bei den doppelchrigen Anlagen mit westlichem Querschiff, wie sie
       den vorhin erwhnten Bauten, den Domen von Mainz und Worms
       einerseits, dem Augsburger Dom, St. Emmeram und Obermnster zu
       Regensburg und dem Dom zu Bamberg andererseits, eigen sind, war
       der Westchor fast regelmig dem hl. Petrus geweiht. Bezglich
       der Sage des hl. Sebald siehe die ausfhrliche Wiedergabe der
       Legende bei Reicke, Geschichte der Reichsstadt Nrnberg, Nrnberg
       1896, S. 20 ff.

  [10] Die Kleeblattblendbgen unter den Ostchorfenstern und an den
       Ostchorschranken des Bamberger Domes bleiben hier auer Betracht,
       da sie einer viel frheren Zeit, nmlich dem Bau von 1186-1201,
       angehren.

  [11] Die Mae sind selbstverstndlich abgerundet. Genau betragen
       dieselben in Metern ausgedrckt bei Bamberg 24,8 : 12,6 und bei
       Nrnberg 19,75 : 7.

  [12] Dehio und Bezold, a. a. O. 1, 517 ff.

  [13] Siehe Stdtechroniken: Nrnberg, Bd. I, S. 320. Verschiedene
       Angaben ber die Geschichte des Klosters Ebrach beruhen auf
       freundlicher Mitteilung seitens des kgl. protestantischen
       Pfarrers am Zuchthause Ebrach, Herrn Dr. Jger, welcher
       inzwischen seine Forschungen ber das Kloster in einer
       umfassenden Arbeit niedergelegt hat: Die Klosterkirche zu Ebrach.
       Ein kunst- und kulturgeschichtliches Denkmal aus der Bltezeit
       des Zisterzienserordens. Von Dr. Johannes Jger. Wrzburg 1903,
       Stahelsche Verlagsanstalt.

  [14] Hier mu wiederholt betont werden, da die Blendarkaden im
       Bamberger Ost- oder Georgenchor nichts mit denen in Ebrach zu tun
       haben, da sie einer frheren Zeit angehren. Es ist somit irrig,
       wenn Weese, Bamberger Domskulpturen, S. 10, sagt, das Innere des
       Georgenchores bilde mit der Michaelskapelle eine Gruppe, in der
       durchgehende Zge nicht zu verkennen seien. Es soll damit nicht
       bestritten werden, da die ersten Kleeblattblendbgen in Bamberg
       von Zisterziensern vermittelt wurden, nur war eben nicht das
       Ebracher Kloster der Ausgangspunkt.

  [15] So M. M. Mayer, a. a. O. S. 5. Nach ihm htte Friedrich
       Holzschuher etliche Zinse, von der Kirche an seinen Vater
       Herdegen Holzschuher verkauft, um die baufllige Kirche -- die
       eine (vielleicht nrdliche) Seite war baufllig geworden -- mit
       dem Erls wieder herstellen zu lassen. Auch Baader, Beitrge,
       I, 50, sagt, 1309 htte eine der beiden Abseiten einzufallen
       gedroht, allein ein edler Brger, Friedrich Holzschuher, htte
       sich mehrerer Gter entuert und mit dem gelsten Geld den
       Baufall gewendet. Baader wei also nicht einmal, da Friedrich
       Holzschuher Pfleger bei St. Sebald war und da er ein Haus,
       dessen Besitzerin die Kirche war, als Gotteshauspfleger
       verkaufte. Baader und Mayer scheinen auf die gleiche Quelle, etwa
       auf eine Chronik, zurckzugehen, da beide von der Bauflllgkeit
       nur =eines= Seitenschiffes wissen. Re, Nrnberg (in den
       Berhmten Kunststtten, Nr. 5), 3. Aufl. 1907, S. 39 ff. gibt
       bereits richtig die engen Raumverhltnisse als Grund fr den
       Umbau an.

  [16] Siehe Mummenhoff, Altnrnberg (Bayerische Bibliothek, Bd. 22).
       Bamberg 1890. S. 71 ff.

  [17] Vgl. M. von Kramer, Die Umbauten am nrdlichen Seitenschiff der
       Sebalduskirche zu Nrnberg. In der Zeitschrift fr Geschichte der
       Architektur, III. Jahrgang (1909), S. 35 ff.

  [18] Stdtechroniken, Bd. I, Einleitung; auch fr das Folgende.

  [19] Mummenhoff, Altnrnberg, Bamberg 1890.

  [20] Ablaurkunde des Bischofs Leopold von Bamberg vom 23. Februar
       1358 (nicht 16. Februar, wie in den Stdtechroniken, Bd. I, Beil.
       II, zitiert wird) im K. Bayer. Allgem. Reichsarchiv, St. Sebald
       Nr. 79: ... (ecclesia) que reformacione seu reedificacione
       indiget necnon in libris, calicibus ceterisque ecclesiarum
       ornamentis defectus manifestos patitur nec ipsi ecclesie pro
       restauracione predictorum sufficiunt proprie facultates... --
       Ablaurkunde des Bischofs Leopold von Bamberg vom 21. September
       1358 im Reichsarchiv, St. Sebald Nr. 82: ... Cum igitur, sicut
       accepimus, parrochialis ecclesia sancti Sebaldi predicta in
       edificiis et aliis ornamentis ecclesiasticis defectus notabiles
       patiatur nec eidem pro restauracione predictorum proprie
       sufficiunt facultates ...

  [21] Bischof Leopold von Bamberg gestattet den Umtausch. Urkunde im
       Reichsarchiv, St. Sebald Nr. 96 vom 6. Mai 1360.

  [22] Stdtechroniken, I, 353: Item in derselben jarzal des kunigs
       gepurt (1361) in demselben sumer da ward sant Seboltz chor
       angefangen (Chronik bis 1434) und III, 155: Auch krzlich
       darnach (nach dem Ausbau und der Bemalung des Rathauses unter
       Ludwig dem Bayern) wart sant Sebolts kor angefangen und etlich
       grunft [=Gruft] abgetan und geebnet, da nun alter steent
       (Meisterlin). Ferner Stdtechroniken IV, 126: In demselben jar
       (1361) wart sant Seboltz kor angefangen (Jahrbcher des 15.
       Jahrhunderts). Vgl. auch Stdtechroniken, IV, 61, Anm. 3.

  [23] Ablaurkunde des Bischofs Leopold von Bamberg vom Jahre 1362
       im Reichsarchiv, St. Sebald Nr. 100: ... qui ad novam structuram
       parochialis ecclesie sancti Sebaldi in Nurenberg suas largiti
       fuerint elemosinas necnon eidem caritativa subsidia et manum
       porrexerint adiutricem quique etiam personaliter laboraverint in
       eadem ...

  [24] Stdtechroniken, I, Beil. II, wo die Urkunde, Reichsarchiv,
       St. Sebald Nr. 107, abgedruckt ist. Siehe auch Mummenhoff, Das
       Rathaus in Nrnberg, Nrnberg 1891, S. 12, wo fr im Osten des
       Rathauses im Westen des Rathauses zu lesen ist.

  [25] Urkunde vom 17. Dezember 1364 im Reichsarchiv, St. Sebald Nr. 109.

  [26] Urkunde vom 23. Oktober 1365 im Reichsarchiv, St. Sebald Nr.
       115: Bischof Friedrich von Bamberg besttigt den fr den
       Jakobsaltar prsentierten Vikar Priester Ulrich Kemnater.

  [27] Urkunde vom 3. Juli 1370 im Reichsarchiv, St. Sebald Nr. 124, laut
       welcher Bischof Ludwig von Bamberg die Stiftung einer Pfrnde
       in altari eiusdem beatissime Marie virginis =sito in cripta=
       parrochialis ecclesie sancti Sebaldi besttigt.

  [28] Siehe die Urkunden im Reichsarchiv, St. Sebald Nr. 125 vom 4. Juli
       1370 (Besttigung einer Pfrnde auf den Zwlfbotenaltar), Nr. 128
       vom 11. Dezember 1371 (Consens vnd ordinacion der Vrchtelpfrund
       auf Sant Sebalds altar), Nr. 129 vom 11. Dezember 1371.

  [29] Urkunde im Reichsarchiv, St. Sebald Nr. 152, laut welcher Kardinal
       Pileus einen Abla fr die Messe des Marienaltares erteilt.

  [30] Urkunde im Stadtarchiv Nrnberg, St. Sebald Nr. 39, 132 vom 20.
       Dezember 1372: Die Witwe Margareta Has erhlt fr ihre
       abgebrochene Brotbank eine andere an einem Pfeiler des St.
       Sebaldchores unter der Bedingung, den jhrlichen Zins wie zuvor
       an die Deutschherren zu entrichten und fr den Fall, da die
       Kirchenverwaltung von St. Sebald oder der Rat die Brotbank
       erwirbt, ihre Rechte fr 80 fl. abzutreten. Urkunde ebenda, Nr.
       40, 134, vom 15. Oktober 1372: Die Kirchenpfleger von St. Sebald,
       Michael Grundherr und Heinrich Semler, verpflichten sich, die
       Brotbnke, welche die Pchter fr die abgebrochenen Bnke an den
       Pfeilern des Sebalduschores erhielten, wenn notwendig, einzulsen.

  [31] Urkunde im Reichsarchiv, St. Sebald Nr. 146: Cum igitur
       dilectus in Christo magister fabrice ecclesie sancti Sebaldi in
       Nurenberg Bambergensis diocesis totaque communitas ibidem ad
       ipsam ecclesiam Nurembergensem specialem gerant devocionem et
       affectionem ipsamque reparare et sustentare, sicut accepimus,
       intendant, ad cuius perfectionem eiusdem ecclesie non suppetunt
       facultates, sintque ad hoc Christi fidelium suffragia necessaria
       et etiam oportuna ... Siehe auch Stdtechroniken I, Beil. II.
       Ferner Urkunde vom 18. Juni 1379 im Reichsarchiv, St. Sebald Nr.
       149, laut welcher Kardinal Pileus mehrere Ablsse besttigt.

  [32] Stdtechroniken, I, 354: Item in derselben jarzal (1379) am
       suntag nach Bartholomei des selben jars da weihet man sant
       Seboltz chor (Chronik bis 1434), III, 290: darnach am suntag
       noch Bartolomei (1379) ward der neu kor an sant Sebolts kirchen
       zu Nuremberg geweihet (Meisterlein). Siehe auch Stdtechroniken,
       I, Beil. II. Bezglich der Baukosten: Stdtechroniken, IV, 126:
       Der (sant Seboltz kor) kostet 24.000 gulden on die suppen
       (Jahrbcher des 15. Jahrhunderts). Es knnen natrlich nur
       Goldgulden gemeint sein.

  [33] In verschiedenen Baubeschreibungen der Kirche heit es: 7 Seiten
       des Vierzehnecks. Infolge der Unregelmigkeiten im Chor
       fhrt eine Nachmessung nicht zu einem bestimmten Ergebnis;
       jedoch spricht die Konstruktion mehr fr das Sechzehneck, und
       dem regulren Achteck des Binnenchores kann auch nur dieses
       entsprechen.

  [34] Die Schautre wurde erst 1480 ausgebrochen: Item in dem jar
       (1480) da macht man die neu kirchtr zu sant Sebolt gegen dem
       rathaus und hieb pei 14 tagen hindurch. Stdtechron. IV, 361
       (Jahrbcher des 15. Jahrhunderts).

  [35] Hinter der Chorgalerie befand sich rings um das Dach herum ein
       Gang, von dem aus die Stadtpfeifer bei festlichen Gelegenheiten
       spielten: Und unser pfeifer 3 und 1 pusauner gingen auf sant
       Sebald kor und pfiffen auf 2 ort zu freuden oben umb den gank
       (1433). Stdtechron. II, 24 (Endres Tucher). Ferner: der stat
       pfeuffer waren auf dem chor sant Sebolt an sant Peter und
       Paulus tag -- zur Feier des Krnung Sigmunds (in Rom) 1433,
       Stdtechron. IV, 19 (Tuchersches Memorialbuch 1386 bis 1454).
       -- Ob sich die Chorgalerie an der Westwand fortgesetzt hat, ist
       zweifelhaft. Wenigstens wurden von der alten Galerie, wenn eine
       solche hier wirklich vorhanden war, Reste nicht aufgefunden.
       Dagegen ist ein Mauerabsatz vorhanden. Es ist noch zu bemerken,
       da die aufgesetzte gotische Giebelwand bedeutend geringere
       Strke hat als die alte romanische Querschiffwand.

  [36] Dehio und Bezold, Die kirchliche Baukunst des Abendlandes, II,
       333 f. Max Bach im Repertorium fr Kunstwissenschaft, XXIII, S.
       377 ff. -- Bei Dehio und Bezold wird der Bau der ganzen Kirche
       in die Zeit von 1351-1414 gesetzt. Die Inschrift am nrdlichen
       Chorportal spricht aber ausdrcklich von der im Jahre 1351
       erfolgten Inangriffnahme des Chorbaues; andererseits besteht
       ber die frhere Entstehungszeit des Langhauses kein Zweifel,
       dessen Westportal auf Vergleiche mit Elingen, Reutlingen und
       Freiburg hin bestimmt in die zwanziger Jahre des 14. Jahrhunderts
       zu setzen ist. Die Angabe Bachs, da in den Jahren 1326 und
       1327 Altre in der Kirche bestanden htten, beweist fr die
       Entstehungszeit des Langhauses nichts, da dieselben auch in dem
       damals noch vorhandenen romanischen Chor gestanden haben knnen,
       wie ja auch die romanischen Trme an den beiden Langseiten bis zu
       dem 1497 erfolgten Einsturz beibehalten worden sind.

  [37] Das Inventarwerk des Knigreichs Wrttemberg nimmt drei
       Bauperioden an (Band Neckarkreis, S. 183 f.): 1324-1332 der Chor,
       1350-1360 die drei stlichen Schiffjoche und 1400-1420 die drei
       westlichen und der Turmunterbau.

  [38] Vgl. fr das Folgende: Neuwirth, Die Wochenrechnungen und der
       Betrieb des Prager Dombaues in den Jahren 1372-1378, Prag 1890,
       und Neuwirth, Peter Parler von Gmnd, Dombaumeister in Prag, und
       seine Familie. Prag 1891.

  [39] Neuwirth gibt in seinen Wochenrechnungen (S. 401) noch das Jahr
       1333 als Geburtsjahr des Peter Parler an, entscheidet sich aber
       in seiner spteren Publikation (Peter Parler und seine Familie)
       fr 1330.

  [40] Vgl. vor allem die ausfhrliche Abhandlung von Albert Gmbel,
       Meister Heinrich der Parlier der ltere und der Schne Brunnen,
       im 53. Jahresbericht des Historischen Vereins von Mittelfranken
       (1906). Von besonderem Interesse sind in dieser Abhandlung auch
       die Ausfhrungen und Nachweise ber das Parlieramt, das Amt des
       stdtischen Parliers (der stat parlirer) im 14. und zu Beginn
       des 15. Jahrhunderts in Nrnberg.

  [41] Es mu hier der Aufsatz von Karstanjen, Zur Verwandtschaft der
       Gmnder und Prager Meister, Repertorium fr Kunstwissenssenschaft
       XVI, S. 344 ff., erwhnt werden. Karstanjen selbst sagt, da
       Heinrich Parler als Angehriger der Familie Parler auf seinen
       Familiennamen nicht wohl verzichten konnte, und bestreitet daher
       die von Neuwirth behauptete Identitt des Heinrich Parler mit
       Heinrich von Gmnd, andererseits aber bezeichnet er ganz gegen
       diese Auffassung einen Johannes von Gmnd und einen Michael
       von Freiburg als Mitglieder der Parlerfamilie. Bezglich des
       Heinrich Parler, von dem er nicht wei, wo sein Wirkungskreis vor
       1378 lag, kommt er zu dem Schlu, derselbe gehre der dritten
       Generation der Parlerfamilie an.

  [42] Vgl. Gmbel, a. a. O. S. 77. Thieme und Beckers Allgemeines
       Knstler-Lexikon, III.

  [43] Chronik bis 1434 (1441). In den Stdtechroniken, I, 349. Ferner in
       der Chronik, XIV-1/2 106, Manuskripte 52 des Kreisarchives
       Nrnberg: Der andere turn an St. Sebalds kirch gegen der vesten
       oder dem pfarrhof ist gebauet worden anno 1345. Ist zu desselben
       bedachung gebraucht worden 104 zentner und 79 lb. zinn und 47
       centner blei... Die beiden Angaben differieren also nur in der
       Anzahl der verwendeten Zentner Blei.

  [44] Chronik, XIV-1/2, 106, Manuskripte 52 im Kreisarchiv Nrnberg.

  [45] Belege dafr, da der sdliche, also der der Stadt zu gelegene
       Turm, eine Wchterstube hatte, sind u. a.: Octbr. (1377): lt.
       ded. 1/2 lb. hl. von einem stbel und einem ofen zu pessern uff
       sand Seboldsturn [= 2 Fl. 50 Kr, in G. oder 2 Fl. in S.] (Ulman
       Stromer in Beilage XI B der Stdtechron. I, 261). It. ded.
       (1388) dem trner uff sant Sebolts turne 2-1/2 [Schilling] hl.
       von dem glokhause zu pezzern, do die orglok in hangt. lt. ded.
       ei iterum 8-1/2 [Schilling] hl. von der orgloken zu pezzern.
       (Ebenda, I, 268/269). Vgl. auch die Urkunde vom 23. Dezember
       1474, Kreisarchiv Nrnberg, S I, L 113, N 17, in welcher der
       Bischof von Bamberg Absolution fr die Sebalder Kirche erteilt
       wegen auf dem Turm zwischen den Wchtern verbten Totschlags.

  [46] So heit es beispielsweise in der Ablaurkunde vom 3. Mai 1360:
       ... ad ergastulum vel ad altare ibidem, quod est consecratum in
       honore omnium animarum =sub turri= in ecclesia sancti Seboldi in
       Nurenberch ... Es ist also hier, wie auch anderwrts, nur von
       =einem= Turm die Rede.

  [47] Wer sant Sebolcz zben tren gesehen hat, ee sie hoher gepat
       sein worden, das noch nit dreisig jar lang ist, der hat wol
       gesehen, das sie haben weis gedegt waren mit zin wie ein
       pfifferling, das ein gute anzeigng gab ires groen alters
       Originalhandschrift des Lazarus Holzschuher im Besitze der
       Freiherrl. von Holzschuherschen Familie, Blatt 113^b, in den
       Stdtechroniken, I, 349.

  [48] In demselben jar (1361) wart sant Seboltz kor angefangen. Der
       kostet 24.000 gulden on die suppen. und so ist auf dem untern
       turn 100 und vier zentner zins und 69 lb. und 18 lb. bleis.
       Jahrbcher des 15. Jahrhunderts in den Stdtechroniken, IV,
       126/7. Nach der Chronik bis 1434 (1441) in den Stdtechroniken,
       I, 349 soll es der nrdliche Turm gewesen sein.

  [49] Desselben jahrs (1447) 24 september decket man sant Sebolts turn
       mit zin und machet den vergulten knopf darauf. Jahrbcher des
       15. Jahrhunderts in den Stdtechroniken, IV, 168.

  [50] Die Angabe ist insofern unrichtig, als der sdliche Turm erst im
       kommenden Frhjahr abgebrochen wurde: Item 1482 nach den
       osterfeirtagen da prach man den untern turn sant Seboltz unterm
       dach ab und prach 12 wochen daran ab. Jahrbcher des 15.
       Jahrhunderts in den Stdtechroniken, IV, 367. Ferner: Item
       adi 27. abrill (1482) prach man den turn gegen der wag ab, als
       man die alten stain noch sieht. Tuchersche Fortsetzung zu den
       Jahrbchern in den Stdtechroniken, V, 476.

  [51] Des jars (1482) da ward der unter turn zu sant Sebolt oben
       erhht und gemaurt umb Martini und darnach umb pfingsten unten
       das alt herab gepikt in zwaien krben. Jahrbcher des 15.
       Jahrhunderts in den Stdtechroniken, IV, 368. Item 1482 jar warn
       die zwen trn zu sant Sebolt angefangen zu pauen und am 13. tag
       monats marci hub man an zu fahen stain zu hauen und wart von rats
       wegen darzu geben die ped herrn die losunger her Ruprecht Haller
       und her Niclas Gro und Hanns Tucher der elter am Milchmarckt mit
       sampt dem kirchenmaister Sebolt Schreier. Aus der Tucherschen
       Fortsetzung zu den Jahrbchern in den Stdtechroniken, V, 475.

  [52] Baader folgt, wie bereits Stdtechroniken, IV, 475, Anm. 1,
       ausfhrlich nachgewiesen, den Aufzeichnungen des Kirchenmeisters
       Sebald Schreyer (Kirchenmeister seit 24. September 1482).

  [53] Nach Baader bis 1486, Tuchersche Fortsetzung und Chronik im
       Nrnberger Kreisarchiv XIV-1/2 106, Manuskripte, 1485.

  [54] M. M. Mayer, Die Kirche des hl. Sebaldus, Nrnberg 1831, S. 6.

  [55] Item 1400 und 95 jar da machet man am ersten die virtailorglock
       auf sant Sebolt turn an sant Francien obent. Heinrich
       Deichslers Chronik in den Stdtechroniken, V, 584, dagegen: Anno
       1493, hat man auf diesen (untern) thurn ein viertel-stund-glocken
       gehangen,... Chronik im Nrnberger Kreisarchiv, XIV-1/2, 106:
       Manuskripte 52. Weder die eine noch die andere Jahreszahl ist
       brigens richtig, es ist vielmehr 1494 zu setzen, wie es auf
       der Glocke selbst steht und durch die Ratsverlsse besttigt
       wird. Vgl. S. 174, Text und Anmerkung. -- Auch die 1577 erfolgte
       Erneuerung der Gnge bezog sich nach jener Chronik im Kreisarchiv
       nur auf den sdlichen Turm.

  [56] S. Christian Mayer, Die Stadt Nrdlingen, ihr Leben und ihre
       Kunst im Lichte der Vorzeit, Nrdlingen 1876 und 1877, 2, S. 132
       ff. Jedoch mit der Berufung Kuglers nach Nrnberg zum Zweck der
       Vollendung des Augustinerklosters hat Mayer, wie es scheint,
       unrecht. Denn Mayer berichtet ausdrcklich, da Kugler anfangs
       der achtziger Jahre nach Nrnberg ging und aus dieser Zeit ist
       von einer Vollendung oder sonstigen wichtigeren Bauvornahmen am
       Augustinerkloster nichts bekannt. Die Nachricht drfte demnach
       auf einem Irrtum, beziehungsweise auf einer Verwechslung beruhen.

  [57] Chr. Mayer, a. a. O. 2, S. 131 f.

  [58] Tuchersche Fortsetzung der Jahrbcher bis 1469 in den
       Stdtechroniken, V, 505. Die dort beigefgte Anmerkung lautet:
       In den Band III, 339 ff. angefhrten Schreyerschen Handschriften
       der Nrnberger Stadtbibliothek Will. II, 1353, finden sich Blatt
       83-97 nach Geschlechtern geordnet verzeichnet: Etlich gedechtnu
       und totten oder leichschilt, so im 1493. jar zu sant Sebolt,
       al man den core und kirchen hat weien wollen, gehangen sind,
       die dann Sebolt Schreyer, dazumaln kirchenmeister, hat wegen
       des weiens abnemen lassen und nach dem weien wider aufzuhohen
       verordnet.

  [59] Baader, Beitrge, 2, 27.

  [60] Einnahmen und Ausgaben bei der Renovierung der Kirche St. Sebald
       in den Jahren 1657-1664. Ambergersammlung 270 im Stadtarchiv
       Nrnberg. Die meisten Angaben beziehen sich auf das Inventar der
       Kirche.

  [61] Item in dem jar (1480) da macht man die neu kirchtr zu sant
       Sebolt gegen dem rathaus und hieb pei 14 tagen hindurch.
       Jahrbcher des 15. Jahrhunderts in den Stdtechroniken, IV, 361.
       Die Lage ist hier ungenau angegeben. Hierzu die Anmerkung 3.
       Die Lage ist genauer bezeichnet im Ratsmanual (1480, Mrz 23):
       Item ein neue tr zu prechen aus dem chor zu s. Sebolt neben
       sant Pangratzen cappell unter der Beheim venster. Her Karl
       Holtschuher, H. Im Hof daz bestellen zu beschehen. Die kleine,
       noch jetzt vorhandene Pforte (spter Schautre geheien) ist
       schmucklos. Unverletzt sind die prchtigen Glasmalereien der (an
       den Wappen kenntlichen) Behaimschen Fenster erhalten, whrend die
       St. Pankratiuskapelle in eine Sakristei verwandelt wurde.

  [62] Des jars Marie opferung abent smorgens unter der laudas metten,
       da pran es zu sant Sebolt hinten pei den glocken: kom aus in der
       menerknecht stublein, im slot. Heinrich Deichslers Chronik in
       den Stdtechroniken, V, 554.

  [63] Ob eine Galerie, wie sie anllich der gegenwrtigen Restaurierung
       am Westgiebel des Ostchores angebracht wurde, ursprnglich
       vorhanden war, lt sich nicht feststellen. Das in Beilage 36
       zitierte Gutachten vom 27. Mai 1561 wurde schon mehrmals in der
       Literatur und sonst verffentlicht oder behandelt, so in den
       Mitteilungen des Vereines fr Geschichte der Stadt Nrnberg,
       8. Heft, 1889, S. 246 ff. Mummenhoff, Die 1561 abgebrochene
       Galerie an der St. Sebalduskirche, in dem von Hauberrisser und
       Essenwein unterzeichneten Gutachten ber den gegenwrtigen
       Zustand der St. Sebalduskirche zu Nrnberg und die daraus sich
       ergebenden Arbeiten, Nrnberg 1882, Bibliothek des Germanischen
       Nationalmuseums in Nrnberg, G. 8001, 4, usw. -- Bezglich der
       Stadtpfeifer siehe u. a. Stdtechron., I, 449 (Chronik bis 1434):
       lt. ded. 8 lb. 8 [Schilling] hl, das der freuden tanz gekost hat
       und daz man gab umb wein und den pfeifern und mesnern und den
       turnern Sebaldi, als man alle glocken hie in der stat leutet und
       die pfeifer und trometer auf sant Sebalds kirchen pfiffen und man
       freudenfeur machet allumbundumb in der stat... (Kaiserkrnung
       Sigmunds, 29. Juni 1433) und Stdtechroniken, IV, 19 (Tuchersches
       Memorialbuch 1386-1454): Item 1433 jar am pfingsttag ward kunig
       Sigmund gekrnt zu kaiser zu Rom und man tanzt auf dem markt umb
       das freuden feuer und der stat pfeufer warn auf dem chor sant
       Sebolt an sant Peter und Paulus tag, und des andern tags tanzt
       man auf dem haus (Rathaus).

  [64] Das einschlgige Material im Stadtarchiv Nrnberg, XL, 19:
       Sebalder Schlag-Thurn. Varia de variis annis, den Sebalder
       Schlagthurn betr. etwa 1550-1616 und XL, 20: Sebalder Schlag
       Thurn, die Reparation des Sebalder Schlagthurns A^o 1647 betr.

       Um 1560: =Den gang auf s. Sebalds turn belangend=:

       Erbar weiser und gonstiger lieber herr paumeister. So der gangk
       zu s. Sewolt widerumb von stainwerk, in massen wie er itzo vor
       augen (und dann der ander auch also ist) gemacht werden, so mu
       man darzu haben 16 stuck von guttem stain, ein 6-1/2 statschuh
       reichlich lang und 3-1/2 statschuh reichlich hoch und 14 stat zol
       dieck, mer 1 st. 2-1/2 statschuh reichlich lang und in gemelter
       hoch und diecke, mer 1 st. 2 statschuh lang auch in erst gemelter
       hoch und diecken. Dieser letzten zweier stuck dorft man nicht
       besteln, sint meines bedunken vor verhanden, und so solicher
       ganng ye von stainwerk, wie obgemelt, gemacht solte werden und
       mit plei augegoen und versetzt wurde, so achte ich gentzlich,
       ime solt der schwank nichts mehr than vom leten, wann ime ist
       eben, als wann ir einen stain one plei auf ein puxen schrauft, so
       pricht er oder zerspringt paldt, also do auch, wann der morther
       oder zeug (wie dann geschehen) au den fugen kumbt, so mu das
       steinwerck auch prechen, wie dann solichs am andern thurn auch
       schein ist.

                 E. E. W.     W. diener.      Jorg Ungr.

       Ohne Zweifel 1561 oder kurz vorher.

       Auf vorstehendes Schriftstck beziehen sich offenbar die beiden
       in dem Akt befindlichen und mit den Nummern 4 und 5 versehenen
       Zeichnungen. Nr. 4: Gang auf s. Sebald schlag turn; etwa
       1 : 10; Zeichnung einer halben Seite des Ganges. Nr. 5:
       Durchschnitt des Ganges mit Maangabe; etwa 1 : 20; in
       entsprechender Gre liegt dieser Zeichnung die eines
       Gelnderquadrates mit Ornament bei. Unter der groen Zeichnung:
       Item die zwo seiten des gangs auf sant Sebalts schlag durn ein
       jede gegen aufgang und nidergang ist die leng 26 stadtschuh
       weniger 3 zoll. Item die andern zwo seiten gegem mittag und
       miternacht ist ein jede 25 stadtschuh lang weniger 3 zoll.

       Bei beiden groen Zeichnungen ist auf jedes Eck des Gelnders
       eine Kugel von dem Durchmesser der Gelnderstrke (= 10")
       gezeichnet.

       1571: Unvollendetes Schriftstck. Cuntz Helzner, Parlier
       und Steinmetz, besichtigt am 5. Januar das gelen[der] des
       Schlagturms.

       1591, 4. Sept. Besichtigung des Schlagturmes. Dach ber den
       Schlagglocken schlecht infolge des Hereinregnens ist das Geblk
       angefault. Der Schlot ebenfalls buwirdig.

       M. Mathes Herdegen schlgt das Rsten und die Ausbesserung des
       Schlotes (abgesehen vom Dach und Geblk) auf etwa 20 fl. an.

       1609, 13. Mai: Besichtigung des Sebalder Schlagturmes: Die
       Dachbleche oberhalb der Schlagglocke waren sehr lcherich und
       buwrdig, soda durch den eingedrungenen Regen das Geblk
       angefault war. Auch die drei Sonnenuhren an den drei Seiten
       wurden fr schlecht befunden, sie waren sehr abgewaschen und
       verdunkelt, da die zal und stunden nicht wol mehr daran zue
       sehen; es wurde vorgeschlagen, die Uhren mit lfarben zu
       verneuern.

       Durch Ratsverla vom 18. Mai wurde die Ausbesserung des
       Dachstuhles und die Verneuerung der Sonnenuhren mit lfarbe
       befohlen.

       1613, 8. Jan.: Ratsverla: Uff das mndlich frbringen, da
       ein nagel, damit die knopffstangen an dem einen turn gegen der
       wag zue s. Sebalds kirchen angehefftet gewest, durch die groe
       bewegung des winds herab gefallen und zu besorgen, das vielleicht
       gefahr dabei sein mchte, ist bevohlen, dieweil albereit der
       augenschein eingenommen worden, solches mit geringen uncosten ins
       werk zuerichten. Actum freitags den 8. januarii anno 1613.

                                                      Herrn paumeister.

       Auerdem steht noch am Rand, offenbar auf den Turm bezglich:
       welchen der baumeister ampts halber zue underhalten schuldig.

       Ferner: 1613. Wegen des gersts uffm Sebalter schlagturn:

       Verzeichnus, was fr personen vergangenen 11. januarii bis
       uff 16 dito wegen der zweier in der helmstangen ausgefallener
       keil halber uffm Sebalter schlagturn rsten und dasselb wider
       abbrechen helfen.

       M. Georg Harsch, dachdecker, hat das gerst gemacht,
          Michel Schwob } deckersgesellen, haben auswendig rsten helfen,
          Cunz Scheffer }

          Melchior Schuler } zimmergeselln, haben auch auswendig hierzu
                           } geholfen,
          Hainrich Rdl    }

       M. Wolf Seyfert, dncher,
          Hann Zehenter    } dnchersgesellen, haben sampt iren maister
                            } inwendig hinaus zugelangt.
          Georg Haidenreich }

                              E. E. und H.
                                             underteniger
                                                         David Rupprecht
                                                           anschicker.

       Schlielich Bericht einer Besichtigung des Daches und Dachstuhles
       des Schlagturmes durch den Baumeister Wolf Jakob Stromer, den
       Anschicker David Rupprecht und 3 Stadtmeister vom 15. Januar. Die
       seuln bei der Viertelglocke seien vor der Zeit auch mit zin
       und plei under einander vermengt gewesen. In dem langen Bericht
       wird hauptschlich der schlechte Zustand der Bedachung und des
       Geblks hervorgehoben und die elende besserung gergt.

       1616, 28. Mai: Ratsverla: Das abgerissene zihen [Zinn] vom
       Sebalder turn widerumb bessern zu lassen.

       Hansen Hegel, Friderich Schwarzpecken und Nicodemum Kraun,
       alle drei turner auf s. Sebalds turn, soll man ungeachtet ihrer
       entschuldigung ins loch gehen lassen, mit dem eltisten einen
       anfang machen und nachmals auch die andern hinab schaffen und auf
       das abgerissene zihn vom turn zu red halten, sonsten aber, was
       schadhaft worden, frderlich wider bessern lassen und hinfro
       monatlich eine besichtigung der trn frnemen, damit dergleichen
       schad nit mehr geschehe; weil auch die turner so gar geringe
       besoldung haben, soll man bedacht sein, wie inen dieselbe zu
       bessern. Actum erichtags den 28. mai a^o 1616.

                                                    Die herren schpffen
                                                    herrn paumeister.

       Dazu Ratsverla vom 30. Mai:

       Hansen Hegel, turner auf s Sebalds turn, auslassen, wie auf
       seiner sag verzeichnet, und dieselbe dem herrn paumeister und
       anschicker frhalten, auch den augenschein einnemen und, was an
       den fenstern und sonsten zu bessern ist, bessern, auch ihnen ein
       sail, ihr speis und trank daran hinauf zu zihen, geben lassen.
       Actum donnerstags den 30. mai anno 1616.

                                                    Herrn { H. J. Pmer
                                                          { paumeister.

       1647. Ausfhrlicher Akt betreffs Restauration des Sebalder
       Schlagturmes. Es handelt sich um Bedachung mit Kupfer, da das
       Zinn 1593, 1613 und 1616 habe ausgebessert werden mssen und nun
       schon wieder der Reparatur bedrfe. Die Verhandlungen beginnen
       mit dem 20. Mai. Ein berschlag ber die Bedachung mit Kupfer
       wurde gefertigt und alles in allem mit 914 fl. 50 kr. berechnet,
       whrend bei Bedachung mit Zinn 60 Ztr. ntig wren, welche allein
       schon eine Summe von 1380 fl. geben wrden (an Kupfer seien
       hchstens 20 Ztr. erforderlich). Dem Akt liegt eine Zeichnung
       des Turmdaches (etwa 1 : 80) bei, auf welcher angegeben ist, wie
       und mit welchem Metall die einzelnen Teile bedacht, wie hoch
       dieselben sind und was nun damit zu geschehen hat. Ferner liegen
       Wagzettel ber verkauftes Zinn und angekauftes Kupfer bei.

       Das Jahr 1577, in welchem die Erneuerung der Kranzgalerie
       vorgenommen worden sein soll, findet sich unbeglaubigt bei M. M.
       Mayer, Die Kirche des heiligen Sebaldus, Nrnberg 1831, S. 6:
       1496 wurden die beiden zierlich durchbrochenen Gnge gemacht,
       welche man aber 1577 wieder neu bauen mute. -- Bezglich des
       Jahres 1591 siehe auch Stadtarchiv Nrnberg, LXXVIII, 267^b, den
       Ratsverla vom 4. Oktober, durch welchen die Ausbesserung der
       Mngel auf St. Sebalds Schlagturm anbefohlen wird. Von den darin
       enthaltenen vier Anordnungen kommt hier die zweite in Betracht:
       Die frgebrachten mengel auf s. Sebalds schlagturn, soll man
       mit ehestem bessern und renofieren lassen, ehe grosserer schaden
       geschicht per herr baumeister montags 4. octobris 1591.

  [65] Aus der Untertnigen Anzeige des Almosenamtes an das Bauamt,
       welches die Baupflicht von solchen Gebuden hat und das Weitere
       zu verfgen ersucht wird, vom 4. August 1754. Stadtarchiv
       Nrnberg, Sebalder Kirche: Acta, die Reparatur der Beschdigung
       durch Einschlagen des Blitzes 1754. Ferner Stadtarchiv Nrnberg,
       XL, 18: Sebalder Kirch. Die Reparatur des durch das Wetter
       Einschlagens allda verursachten Schadens 1754 betr. Auerdem
       siehe ebenda den Ratsverla vom 5. August an das Bau- und das
       Stadtalmosenamt, welche aufgefordert werden, die Reparatur sobald
       wie mglich vorzunehmen, und den anderen Ratsverla vom 5. August
       hnlichen Inhalts an das Bauamt.

  [66] Kreisarchiv Nrnberg, IV, 12/I, 248. Rentkammer-Akten 45: Akta,
       die Reparatur der Helmstange auf dem Sebalder Kirchturm betr.
       1804 und 1805, enthaltend die amtlichen Vorverhandlungen und
       den auf 299 fl. 20 kr. berechneten Kostenvoranschlag des
       Tnchermeisters Ott. Ferner: Acta, Reparatur des Sebalder
       Kirchturms betr. 1805, mit der Rechnung Otts und XL, 35: Acta,
       die Sebalds Kirche betr. 1805-1807. Im stdtischen Archiv unter
       Stadtalmosenamt Nr. 1972 noch ein weiterer Akt dieses Betreffs
       vom Jahre 1805, worin die Rstung des Turms auf 299 fl. 20 x. und
       die Baumaterialien auf 142 fl. 40 x. veranschlagt werden.

  [67] Kreisarchiv Nrnberg, IV, 12/I, 255. Rentkammer-Akten 45,
       enthaltend: Akta, die Reparatur-Kosten des
       Sebaldus-Kirchen-Daches und eines Braukessels im
       Waizenbierbrauhause betr. vom Jahre 1807.

  [68] Siehe auch Otto Schulz, Die Wiederherstellung der Sebalduskirche in
       Nrnberg 1888-1905. Herausgegeben vom Vereine fr Geschichte der
       Stadt Nrnberg. Nrnberg 1905.

  [69] Siehe die Artikel im Frnkischen Kurier ber die Restauration der
       St. Sebalduskirche von Gustav von Bezold. 1904, Nr. 183 und 1906,
       Nr. 355.

  [70] Siehe Emil Reicke, Die Sammlung technischer Modelle und Plne zu
       den Wiederherstellungsarbeiten an der Sebaldus- und Lorenzkirche
       in der Moritzkapelle. Nrnberg 1905.




                        Chronologische bersicht.


  Um 1230-1273: Erbauung der doppeltrmigen Sebalduskirche.

  1255, 12. Juli: Abla fr den Stephansaltar.            M. R. A.[XXXI]

  1256, 1. Oktober: Abla fr die Kirche.                       M. R. A.

  1273, 7. August: Abla fr die Ausstattung der Kirche.        M. R. A.

  1274, 17. August: Abla fr die Ausstattung der Kirche.       M. R. A.

  1274, 9. September: Einweihung des Westchores und des Altares in
      derselben zu Ehren des hl. Petrus.                        M. R. A.

  1274, 22. November: Abla fr die Ausstattung der Kirche.     M. R. A.

  1275, 24(?). Mrz: Abla fr die Ausstattung der Kirche.      M. R. A.

  1283, 17. November: Abla fr den Marienaltar in der Krypta.  M. R. A.

  1284, 26 April: Abla fr den Marienaltar in der Krypta.

  1284 [26. April?]: Abla fr den Marienaltar in der Krypta.   M. R. A.

  1290: Abla fr den Marienaltar in der Krypta und fr den
      Johannesaltar unter der Kanzel.                           M. R. A.

  1290: Abla fr das Vermgen, die Reparaturen, den Schmuck und andere
      Bedrfnisse der Kirche.                                   M. R. A.

  Um 1290: Abla fr die Kirche.                                M. R. A.

  1291, 13. Dezember: Ablabesttigung fr die Kirche.          M. R. A.

  1293 soll die Kirche ausgeweit worden sein.           N. K. A.[XXXII]

  1297, 30. Mai: Die Brotbank des Hermann von Stein an der Kirche wird
      dem Kloster Engelthal vermacht.                  N. St. A.[XXXIII]

  1298, 3. Juli: Ablabesttigung fr den Katharinenaltar.      M. R. A.

  1299, Oktober: Abla fr das Vermgen und die Ausstattung der Kirche.
                                                                M. R. A.

  1300-1307: Stiftung einer Pfrnde fr den Stephansaltar durch Pfarrer
      Heinrich von Tuttenstetten.                               N. K. A.

  1303, 25. Juli: Abla fr den Petersaltar.                    M. R. A.

  1307, 17. November: Abla fr die Kirche.                     M. R. A.

  1309, 14. Februar: Gotteshauspfleger Friedrich Holzschuher verkauft
      ein der Kirche gehriges Haus, dessen Erls fr den Neubau der
      Seitenschiffe verwendet wird.                             M. R. A.

  Von 1309 an: Erweiterung der Seitenschiffe.

  1310, 4. Januar: Abla fr den Bau der Kirche.

  Etwa 1310-1315: Die Steinfigur der Eitelkeit am nrdlichen
      Seitenschiff.

  Etwa 1315-1320: Brauttre, Gewnde mit den Figuren der Jungfrauen.

  Um 1320: Steinrelief mit der Kreuzigungsgruppe neben der Brauttre.

  Um 1320: Die Konsole mit dem Wappen der Ebner, welche die Steinfigur
      des hl. Antonius trgt, im sdlichen Seitenschiff.

  Um 1320: Die Konsole mit dem Wappen der Ebner, welche die Steinfigur
      der hl. Helena trgt, im sdlichen Seitenschiff.

  1324: Abla fr die Kirche.                                   M. R. A.

  1324 wird die Chorglocke gegossen.                           N. St. A.

  Etwa 1315-1335: Die Steinfigur Johannis des Tufers im Mittelschiff.

  Etwa 1315-1335: Die steinernen Apostelstatuen im Mittelschiff.

  Um 1330: Die Steinfiguren des Kaisers Heinrich und der Kaiserin
      Kunigunde im nrdlichen Seitenschiff (Stromersche Stiftung).

  Etwa 1330-1335: Steinfiguren der Madonna und des hl. Christophorus am
      ersten Pfeiler des nrdlichen Seitenschiffes. Kopien der Neuzeit.

  1331 (?): Wappen der Pmer mit Inschrift im Fenster ber dem sdlichen
      Portal des sdlichen Seitenschiffes.

  1332-1340 wird das Rathaus bei der Kirche erbaut. Mummenhoff, Rathaus.

  1333, 26. Mrz: Abla fr die Kirche.                         M. R. A.

  Um 1335: Die Steinfiguren im Ostchor: Jakobus der ltere neben der
      Brauttre, ein anderer Apostel neben dem Frerschen Fenster, Kaiser
      Heinrich und Kaiserin Kunigunde neben dem Bambergischen Fenster und
      ein Bischof neben dem Hallerschen Fenster.

  Um 1335: Steinfigur des Christus mit den Wundmalen (Holzschuhersche
      Stiftung) im Mittelschiff.

  Um 1335: Die Steinfigur des hl. Erhard im Mittelschiff.

  1336: Stiftung des Erhardaltars.                              N. K. A.

  1336, 21. Mrz: Abla fr die Kirche.                         M. R. A.

  1336, 26. September: Berthold Pfinzing der Alte verleiht
      Fr. Vorchheimer die Brotbank unter dem Brothaus bei der Kirche.
                                                               N. St. A.

  1337 wird die Schule bei St. Sebald erbaut.            B. N. M.[XXXIV]

  1337, 5. Mai: Stiftung einer Pfrnde fr den Sebaldusaltar durch
      Albrecht Schopper.                                        M. R. A.

  1337, 26. Mai: Abla fr die Kirche und den Marienaltar.      M. R. A.

  1338, 4. Oktober: Ditel Hornlein verkauft an Berthold Tucher sein Erbe
      an der Brotbank bei S. Sebalds Kirchhof zwischen der Deutschherren
      und des Hallers Bnken.
                                                               N. St. A.

  1339, 9. Juni: P. Pinzberger verkauft seine Bank, gelegen zwischen
      seiner Mutter und der Deutschherren Bank, an Frau Gayseln.
                                                               N. St. A.

  1340: Stiftung einer Pfrnde fr den Petersaltar durch Otto Kramer von
      Koburg.                                                   N. K. A.

  Um 1340: Brauttre, Mawerkbogen.

  1341: Abla fr den Katharinenaltar.                          N. K. A.

  1341, 11. Dezember: Stiftung, betreffend Beleuchtung des Frauenaltars
      in der Gruft.                                             M. R. A.

  1342 werden neue Brotlden an der Kirche errichtet.          N. St. A.

  1342: Abla fr den Katharinenaltar.                          M. R. A.

  1342, 23. April: Stiftung eines Jahrtages bei den Augustinern. Wird der
      Jahrtag nicht gehalten, so fllt der gestiftete Betrag der Kirche
      St. Sebald fr ihren Bau zu.                              M. R. A.

  1342, 13. Dezember: Stiftung einer Wandelkerze fr den Frauenaltar.
                                                                M. R. A.

  1343, 9. April: Abla fr die Kirche.                         M. R. A.

  1343, 12. Juli: Jakob Kramer stiftet den Jakobsaltar in der Ecke
      gegenber dem Frauenaltar.                                M. R. A.

  1344, 18. Januar: Otto von Heydeck vertauscht an den Pfleger der
      S. Sebaldkirche die Krme am Kirchhof, welche Pfinzingsches Erbe
      sind, und den Gaden unter den Kchen am Kirchhof, welcher das Erbe
      Ulrich Kundorfers ist, gegen vier Huser an der Schmidgasse.
                                                               N. St. A.

  1347, 6. Februar: Stiftung einer Pfrnde fr den Kunigundenaltar durch
      Hensel Dietlerin.                                         M. R. A.

  1347, 18. Juli: Das Klarakloster vertauscht an Sankt Sebald einen Gaden
      bei St. Sebalds Kirchhof gegen ein Haus in der Ledergasse.
                                                               N. St. A.

  1348, 19. Februar: Thomas Kchel verkauft sein Erbe an einem Gaden
      unter den Kchen an den Brotbnken an die Pfleger von St. Sebald.
                                                               N. St. A.

  1348, 25. Juni: Stiftung einer Pfrnde fr den Johannesaltar durch
      Heinrich Pmer.                                           M. R. A.

  1350, 24. August: Abla fr die Kirche.                       M. R. A.

  Um 1350: Die Steinfigur des hl. Antonius im sdlichen Seitenschiff
      (Ebnersche Stiftung).

  Um 1350: Die Steinfigur der hl. Helena im sdlichen Seitenschiff
      (Ebnersche Stiftung).

  1352: Abla fr den Zwlfbotenaltar.                          M. R. A.

  1352, 12. Juli: Gottfried Grafe verkauft seine am Kirchhof von St.
      Sebald gelegene Brotbank, die der Quetrerin und ihrer Erben Erbe
      ist, an Kunrad Pretheim.                                 N. St. A.

  1352, 21. Dezember: Einrichtung der von Konrad Meyrntaler fr den
      Zwlfbotenaltar gestifteten Pfrnde.                      M. R. A.

  1353: Abla fr den Jakobsaltar.                              N. K. A.

  1354, November: In einem Testament dieses Datums ist die von Konrad
      Tesaurus fr den Katharinenaltar gestiftete Pfrnde erwhnt.
                                                                M. R. A.

  1355, 2. Januar: Abla fr den Jakobsaltar in der Kirche.     M. R. A.

  1355, 6. Mrz: Merkel Rotensteiner gibt das Erbe, das seine Frau an der
      Bank hat, die unter der oberen Brotlaube zunchst dem Huter liegt,
      auf und verleiht dieselbe an Erhard von Heydeck.         N. St. A.

  1355, 5. Juli: Abla fr den Jakobsaltar in der Kirche.       M. R. A.

  1355, 20. November: Heinrich Grabner stiftet ein Licht in die Kirche
      vor unsers Herrn Leichnam.                              M. R. A.

  1356, 10. Juni: Besttigung der fr die Kirche und den Katharinenaltar
      von auswrtigen Bischfen gewhrten Ablsse.              M. R. A.

  1356: Stiftung einer Pfrnde fr den Petersaltar durch Adelhaid
      Lhneisen.                                                N. K. A.

  1357, 2. (21?) Juni: Dietrich Pftzinger von Rothenburg und seine Frau
      verkaufen an die Pfleger von St. Sebald ihre Rechte an der Kammer
      beim Kirchhof von St. Sebald.                             M. R. A.

  1357, 3. Juni: Kunigund, Witwe des Otto von Forchheim, stiftet ein
      Ewiges Licht vor unseres Herrn Leichnam im Katharinenchor der
      Kirche.                                                   M. R. A.

  1358, 23. Februar: Abla fr die Kirche, weil sie eines Neubaues
      bedarf.                                                   M. R. A.

  1358, 28. Mai: Konrad Ktzler begibt sich aller Ansprche auf den Kram,
      den Konrad Praun erkauft.                                N. St. A.

  1358, 21. September: Abla fr den Bau und die Zier der Kirche.
                                                                M. R. A.

  1358: Stiftung einer Pfrnde fr den Marienaltar durch Konrad Bretheim
      und seine Ehefrau.                                        N. K. A.

  1358: Stiftung einer Pfrnde fr den Erhardaltar durch Ulrich Haller.
                                                                N. K. A.

  1359: Stiftung einer Pfrnde fr den Marienaltar durch Konrad Teufel.
                                                                N. K. A.

  1359, 29. Juni: Bernhard von Neumarkt stiftet u. a. ein Ewiges Licht
      auf das Grab seiner Ahnen vor dem Katharinenchor der Kirche.
                                                                M. R. A.

  1359, 15. Juli: Erneute Dotation der von Konrad Mayentaler fr den
      Zwlfbotenaltar gestifteten Pfrnde durch die Witwe des Stifters.
                                                                M. R. A.

  1359, 23. August: Kunigunde Kudorferin und ihre Shne verkaufen ihr
      Erbe unter den Kchen, zunchst an Hermann des Grundherrn Gaden
      gelegen, den Pflegern Heinrich Vrchtel und Seitz Maurer.
                                                               N. St. A.

  1359, 22. Oktober: Besttigung der von Konrad Bretheim und seiner
      Ehefrau fr den Frauenaltar gestifteten Pfrnde.
                                                      M. R. A.  N. K. A.

  1359, 31. Oktober: Hermann Koburger verkauft an St. Sebald zwei
      Leibgedinge, die er auf seinen und seines Sohnes Leib, an der
      Brotbank auf St. Sebalds Kirchhof unter der Stiege gelegen, hatte.
                                                               N. St. A.

  1360: Abla fr den Allerseelenaltar in der Westkrypta.       N. K. A.

  1360 wird die fr den Sebaldusaltar gestiftete Schopperpfrnde durch
      Friedrich Schopper neu dotiert.                           N. K. A.

  1360: Besttigung der fr den Katharinenaltar durch Konrad Schatz
      gestifteten Pfrnde.                                      N. K. A.

  1360 wird St. Sebalds Pfarrhof erbaut.                        N. K. A.

  1360: Abla fr den Erhardsaltar.                             N. K. A.

  1360, 12. Mrz: Besttigung der von dem Nrnberger Brger Otto Kramer
      von Koburg fr den Petersaltar gestifteten Pfrnde.       M. R. A.

  1360, 3. Mai: Abla fr die Allerseelengruft und ihren Altar in der
      Kirche.                                                   M. R. A.

  1360, 6. Mai: Der Bischof von Bamberg gestattet den Umtausch eines
      Hauses am Kirchhof von St. Sebald im Besitz des Egidienklosters
      gegen ein Haus in Besitz der Sebalduskirche.              M. R. A.

  1360, 15. Dezember: Abla fr die Kirche.                     M. R. A.

  Um 1360: Die Glasgemlde in den beiden ersten Fenstern des Ostchors
      nchst den Seitenschiffen.

  1360 wird der alte Chor abgebrochen.                          N. K. A.

  1361, 25. Mai: Das Egidienkloster vertauscht die Eigenschaft zweier
      Huser, bei dem Rathaus gelegen, gegen ein dieser Kirche gehriges
      Haus bei den Fleischbnken.                              N. St. A.

  1362: Abla fr den Bau der Kirche.                           M. R. A.

  1362, 1. Februar: Der von Jakob Haslacher besessene Kram, bei dem Kram
      des Mellwers gelegen, wird dem Konrad Szzel, dessen Frau Agnes und
      ihren Erben zu Erbrecht bergeben.                       N. St. A.

  1362, 24. September: Dem Hans Ebner fllt des Seitz Weigels Eigen neben
      des Eisvogels Haus am Kirchhof zu St. Sebald zu.         N. St. A.

  1363: Stiftung einer Pfrnde fr den Erhardsaltar durch Hans Dietlein.
                                                                N. K. A.

  1364: Besttigung der Tuttenstetterpfrnde des Stephansaltars.
                                                                N. K. A.

  1364, 10. Mrz: Abla fr die Kirche.                         M. R. A.

  1364, 13. Mai: Der Revers des Pfarrers Albrecht Krauter, den Friedhof
      von St. Sebald nicht zu erweitern, wird durch den Bischof von
      Bamberg besttigt.                                       N. St. A.

  1365: Abla fr den Jakobsaltar.                              N. K. A.

  1365, 17. April: Aus einem Kaufbrief dieses Datums geht hervor, da
      der Besitzer des dem Verkaufe unterstellten Hauses und Gartens am
      Sand eine Lampe im Katharinenchor der Kirche vor dem Leichnam
      Christi zu beleuchten hatte.                              M. R. A.

  1369, 10. Februar: Dem Prant Gro wird das Erbrecht an seiner eigenen
      Brotbank, zunchst am Schurstab, bertragen, welches er an Konrad
      den Wolfen und dessen Ehefrau Mechtild und deren Erben verleiht.
                                                               N. St. A.

  1369, 29. September: Pfarrer Albrecht Krauter verzichtet auf alle
      Ansprche und Forderungen auf den Hof, die Huser, Stadel und
      Garten vor dem Neuen Tor gelegen, das alles Friedrich Derrers
      Erbe ist.                                                N. St. A.

  1370, 5. Dezember: Die Pfleger Michel Grundherr und Heinrich Semmler
      verleihen das Erbe an einem Haus und Garten an Konrad Eberspeck und
      dessen Frau Gertraud, wofr diese auf St. Kathrein Chor vor unsers
      Herrn Leichnam das Ewige Licht zu unterhalten haben.     N. St. A.

  1370: Besttigung der von Konrad Teufel fr den Marienaltar gestifteten
      Pfrnde.                                                  N. K. A.

  1370: Abla fr den Marienaltar.                              N. K. A.

  1371, 18. Dezember: Stiftung der Heinrich Vrchtelpfrnde fr den
      Sebaldusaltar.                                            M. R. A.

  1372 wird der Petersaltar vom Westchor in den Umgang des neuen
      Ostchores an seine jetzige Stelle verbracht.              N. K. A.

  1372 wird der Sebaldusaltar aus dem Ostchor des romanischen Baues im
      neuen Ostchor an der Stelle des jetzigen Hauptaltars errichtet.
                                                                N. K. A.

  1372: Stiftung einer Pfrnde fr den Petersaltar durch Berthold
      Pfinzing.                                                 N. K. A.

  1372, 15. Oktober: Die Pfleger Grundherr und Semler erklren sich
      bereit, die Brotbnke, welche den Leuten zwischen den Pfeilern
      fr andere abgebrochene gegeben worden waren, einzulsen, wenn es
      erforderlich oder geraten sein wrde.                    N. St. A.

  1372, 20. Dezember: Margaret, des Eberhart Hasen sel. Witwe, erhlt fr
      ihre abgebrochene Brotbank eine andere an einem Pfeiler des Chores.
                                                               N. St. A.

  Etwa 1372-1379: Acht Fenster mit Glasgemlden im Ostchor, und zwar die
      Fenster der Grundherr, der Mendel, der Tucher, der Frer, der
      Stromer, der Haller, der Schrstab und der Behaim.

  Um 1375: Wandtabernakel im Ostchor unter dem Bambergischen Fenster,
      Groland-Muffelsche Stiftung.

  Um 1375: Die Steinfiguren der Madonna und des hl. Sebald auf der
      Ostseite des Ostchores.

  Um 1375: Die Steinreliefs mit Passionsdarstellungen an den
      Ostchorpfeilern, gestiftet von verschiedenen Familien.

  Um 1375: Die Steinfigur des Thomas-Christus im Ostchor neben der
      Schautre, Behaimsche Stiftung.

  Um 1375: Die Steinfiguren der Apostel Petrus und Paulus im Ostchor
      neben dem Maximiliansfenster.

  Um 1375: Das Chorgesthl im Ostchor zwischen den Pfeilern.

  Um 1375: Kirchenstuhl der Haller im sdlichen Seitenschiff an der
      Westwand.

  1379 wird der Sebaldusaltar erneuert und geweiht.

  1379, 5. Juni: Abla fr die Vollendung des Baues der Kirche. M. R. A.

  1379, 18. Juni: Besttigung von Ablssen.                     M. R. A.

  1379, 10. Juli: Abla fr den Marienaltar.                    M. R. A.

  1379 wird der Sebaldusaltar durch einen neuen Altar ersetzt.  N. K. A.

  1380, 1. Februar: Abla fr die Kirche.                       M. R. A.

  Um 1380: Die Steinfigur der Madonna im Ostchor am ersten sdlichen
      Pfeiler.

  Um 1380: Die Steinfigur des Thomas-Christus im nrdlichen Seitenschiff,
      Pmersche Stiftung.

  Um 1380: Die Steinfigur des Christus mit den Wundmalen im nrdlichen
      Seitenschiff. Pmersche Stiftung; Nachbildung des Holzschuherschen
      Christus.

  1381: Stiftung einer Pfrnde fr den Jakobsaltar durch Bernhard Kramer.
                                                                N. K. A.

  1383: Stiftung einer Pfrnde fr den Kunigundenaltar durch Ulrich
      Haller.                                                   N. K. A.

  1385, 29. Mrz: Das der Pfrnde des Zwlfbotenaltars gehrige Gut zu
      Steinbach wird der Pfrnde des Stephansaltars berwiesen.
                                                                M. R. A.

  Um 1385: Die Steinfigur eines Thomas-Christus am Wandtabernakel im
      Ostchor.

  1386: Stiftung der Kandelgieerpfrnde des Katharinenaltars.  N. K. A.

  1389, 10. Dezember: Stiftung der Ntzelpfrnde fr den Kunigundenaltar
      durch Elisabeth, Witwe des Heinrich Haller, Schwester des Peter
      Ntzel.                                                  N. St. A.

  Um 1390: Steinfigur des hl. Sebald im Mittelschiff mit mehreren Wappen.

  Um 1390: Die Tonfigur eines Apostels im Ostchor neben dem Hallerschen
      Fenster.

  1391 wird die alte Betglocke gegossen.                        M. R. A.

  1391, 11. April: Abla fr die Kirche.                       N. St. A.

  1392 wird die groe Glocke Benedicta geweiht.                 N. K. A.

  1396: Epitaphium der Pmer, Steinrelief am Treppentrmchen des
      sdlichen Turms.

  1396 wird die alte Schlagglocke gegossen.                     N. K. A.

  1397 wird der silberne Ring des hl. Sebald gefertigt.         N. K. A.

  Zwischen 1397 und 1444: Stiftung einer Pfrnde fr den Johannisaltar
      durch Pfarrer Albrecht Fleischmann.                       N. K. A.

  Um 1400: Wappen der Pmer, Steinreliefs am Treppentrmchen des
      sdlichen Turmes.

  Um 1400: Die Steinfigur einer weiblichen Heiligen im Ostchor neben der
      Schautre, Volckamersche Stiftung.

  Um 1400: Steinfigur des Christus mit den Wundmalen im nrdlichen
      Seitenschiff, Ebnersche Stiftung.

  Um 1400: Steinfigur des Christus mit den Wundmalen an der nrdlichen
      Sakristei. Kopie der Neuzeit. Rietersche Stiftung.

  1402: Stiftung einer Pfrnde fr den Marienaltar durch Elisabeth Koler.
                                                                N. K. A.

  1406: Stiftung einer Pfrnde fr den Nikolaus- (spteren Tucher-)Altar
      durch Hartmann Kandelgieer.                              N. K. A.

  Um 1410: Eherner Taufkessel im Westchor.

  Um 1410: Die Holzfigur der Madonna im Ostchor am ersten nrdlichen
      Pfeiler.

  Um 1410: Die Tonfigur des Apostels Johannes im Ostchor neben dem
      Tucherschen Fenster. Tuchersche Stiftung.

  Um 1410: Wandteppich mit Darstellungen aus dem Alten Testament.

  Um 1410: Wandteppich mit Darstellungen aus der Legende des hl. Sebald.

  1412: Einrichtung von heimlichen Gemachen.                  N. K. A.

  1412: Legat der Klara Geuder fr die Stiftung einer Lampe am
      Sebaldusgrab.                                             N. K. A.

  1414: Die Huser am Weinmarkt unter dem Kirchhof drfen nicht hher
      gebaut werden.                                            N. K. A.

  1415: Zweites Legat der Klara Geuder fr die Stiftung einer zweiten
      Lampe beim Sebaldusgrab.                                  N. K. A.

  Um 1420: Zwei Wandteppiche mit Darstellungen aus der Legende der
      hl. Katharina.

  Um 1420: Wandteppich mit zwei Darstellungen der Kreuzauffindung durch
      die hl. Helena, Rummelsche Stiftung.

  Um 1420: Zwei Steinfiguren einer Verkndigung im Ostchor neben dem
      Volckamerschen Fenster, Volckamersche Stiftungen.

  Um 1420: Zwei Steinfiguren einer Heimsuchung im Ostchor, neben dem
      Behaimschen Fenster, Behaimsche Stiftungen.

  Um 1420: Epitaph der Haller, Steinrelief am nrdlichen Seitenschiff.

  1423: Das Wandgemlde mit dem Abendmahl, der Fuwaschung und dem lberg
      im Ostchor hinter dem Tucheraltar, Stiftung des Hans Starck.

  1424: Stiftung fr den Stephansaltar.                         N. K. A.

  1425 wird die fr den Sebaldusaltar gestiftete Vrchtelpfrnde neu
      dotiert.                                                  N. K. A.

  1429: Holzrelief der Madonna im Ostchor ber der Schultre, Ebnersche
      Stiftung.

  Um 1430: Epitaph der Ftterer, Steinrelief am sdlichen Turm.

  Um 1430: Die Steinfigur des hl. Johannes des Tufers im Ostchor neben
      dem Tucherschen Fenster, Tuchersche Stiftung.

  Um 1430: Die Steinfiguren der Madonna und des hl. Sebald an der
      Brauttre. Kopien der Neuzeit.

  Um 1430: Epitaph der Holzschuher, Steinrelief am sdlichen
      Seitenschiff.

  Um 1433: Holztafelgemlde mit der Dornenkrnung im Westchor.
      Lffelholzische Stiftung.

  1435: Stiftung einer Pfrnde fr den Bartholomusaltar durch Berthold
      Pfinzing.                                                 N. K. A.

  Um 1435: Das Holztafelgemlde der Anna selbdritt im Ostchor, Stiftung
      der Familie Imhoff.

  Um 1435: Holztafelgemlde mit der Geielung Christi im Westchor.
      Lffelholzische Stiftung.

  Zwischen 1436 und 1439: Stiftung eines Holztafelgemldes fr den
      Stephansaltar durch Nikolaus Muffel.                      N. K. A.

  1440: Die von Konrad Teufel 1359 fr den Marienaltar gestiftete Pfrnde
      wird durch Hans Teufel neu dotiert.                       N. K. A.

  Etwa 1440-1450: Halleraltar.

  1442: Steinfigur des hl. Christophorus am sdlichen Turm, vielleicht
      von Hans Decker.

  1444 wird die groe Orgel im Ostchor von Heinrich Traxdorf gebaut und
      die Wand daneben mit Malereien ausgestattet.              N. K. A.

  1444: Stiftung fr den Petersaltar.                           N. K. A.

  1445: Stiftung fr den Zwlfbotenaltar.                       N. K. A.

  1447 wird eine kleinere Orgel gebaut. 1570 wird dieselbe wieder
      entfernt.                                                 N. K. A.

  1448: Abla fr den Stephansaltar.                            N. K. A.

  Um 1448: Holztafelgemlde mit der Verkndigung im Westchor.
      Lffelholzische Stiftung.

  1450: Stiftung des Ewigen Lichts ber dem Volckamerschen Grab.
                                                                N. K. A.

  Um 1450: Wandteppich mit Darstellungen aus dem Marienleben, Hallersche
      Stiftung.

  Um 1450: Die Holzfiguren des hl. Sebald und des hl. Erasmus im Ostchor
      neben dem Schrstabschen Fenster, Hallersche und Schrstabsche
      Stiftungen.

  Um 1450: Das Holztafelgemlde der Geburt Christi im Ostchor, Stiftung
      der Familie Imhoff.

  1452: Abla fr den Stephansaltar.                            N. K. A.

  1452: Stiftung fr den Erhardsaltar.                          N. K. A.

  1453: Epitaph der Ketzel, Steinrelief an der Nordseite des Westchors.

  1453: Errichtung von Schrein und Predella des Katharinen- oder
      Lffelholzaltars.

  Um 1455: Die Holzfigur eines leuchtertragenden Engels neben dem
      Hauptaltar im Ostchor.

  1458: Epitaph der Maurer, Steinrelief an der Nordseite des Westchors.

  1460: Abla fr den Stephansaltar.                            N. K. A.

  1460: Abla fr den Bartholomusaltar.                        N. K. A.

  Um 1460: Wandteppich mit Darstellungen der Grablegung einer Heiligen,
      Tuchersche Stiftung.

  Um 1460: Zwei Wandteppiche mit Darstellungen aus der Parabel vom
      verlorenen Sohn, Tuchersche Stiftung.

  Um 1460: Zwei Holzfiguren einer Verkndigung im Ostchor neben dem
      Stromerschen Fenster, Stiftungen der Familien Starck und Imhoff.

  Um 1460: Die Holzfigur des Apostels Johannes im Ostchor neben dem
      Frerschen Fenster.

  1461: Diebstahl aus dem Sarg des Sebaldusgrabes.              N. K. A.

  1463: Epitaph der Semler, Steinrelief am ersten Pfeiler des nrdlichen
      Seitenschiffes.

  1463: Visitation des Bestandes im Sarg des Sebaldusgrabes.    N. K. A.

  1464-1466: Mehrere Ablsse fr die St. Pankratiuskapelle in der Kirche.
                                                                N. K. A.

  1468: Errichtung von Kasten in der Kirche zur Geldsammlung gegen die
      Hussiten.

  Um 1470: Die Holzfiguren eines hl. Papstes und eines hl. Bischofs im
      Ostchor neben dem Pfinzingschen Fenster, Hallersche Stiftungen.

  1473: Das Wandgemlde mit Kreuzschleppung im Ostchor unter dem Gemlde
      des Hans von Kulmbach, Steinlingersche Stiftung.

  1475: Ablabesttigung fr den Petersaltar.                   N. K. A.

  1476: Abla fr den Bartholomusaltar.                        N. K. A.

  1477: Abla fr den Bartholomusaltar.                        N. K. A.

  1477 kaufen Berthold, Hans, Anton und Langhans Tucher einen Grabteppich
      mit der Darstellung des englischen Grues.          Tucher-Archiv.

  1478: Das Holztafelgemlde der Allegorie auf die Geburt Christi im
      nrdlichen Seitenschiff; Stiftung der Familie Starck.

  1479: Abla fr den Stephansaltar.                            N. K. A.

  1480: Ausbruch der Schautre im Ostchor.

  Um 1480 wird die Holzfigur des Christuskindes der Madonnenstatue im
      Ostchor am ersten sdlichen Pfeiler angefgt.

  Um 1480: Epitaph der Pfinzing, Steinrelief an der Nordseite des
      Westchors.

  1481: Abla fr den Stephansaltar.                            N. K. A.

  1481-1490: Erhhung der Trme.                                N. K. A.

  1482: Die Brder Johann und Georg Starck stiften ein hlzernes Kruzifix
      an dem Schwibbogen zwischen dem Sebalder Pfarrhaus und der
      Moritzkapelle.

  1482: Wiederholte Visitation des Bestandes im Sarg des Sebaldusgrabes.
                                                                N. K. A.

  1482 wird die Uhr- oder Schlagglocke gegossen.               N. St. A.

  1483 wird die Uhr- oder Schlagglocke aufgehngt.             N. St. A.

  1483: Stiftung fr den Erhardsaltar.                          N. K. A.

  1485: Das Holztafelgemlde der Kreuzigung im Ostchor, Stiftung des Hans
      Tucher.

  Um 1485: Petersaltar im Ostchor.

  Nach 1485: Epitaph der Schedel, Steinrelief des Jngsten Gerichts am
      Ostchor ber der Schautre.

  Vor 1487 wird der Petersaltar im Ostchor auf Veranlassung des Nikolaus
      Topler restauriert.

  1487: Abla fr den Stephansaltar.                            N. K. A.

  1488: Erster Entwurf des Peter Vischer fr das Sebaldusgrab.  N. K. A.

  1490, 20. November: Morgens bricht in der Wchterstube des sdlichen
      Turmes Feuer aus.

  Um 1490: Zwei Altarleuchter in Gestalt von kerzentragenden Engeln,
      massives Silber.

  Um 1490: Die Holzfigur des Christus als Weltheilandes in der Art des
      Veit Sto im Ostchor neben dem Mendelschen Fenster, Tuchersche
      Stiftung.

  1492 vollendet Adam Kraft das Schreyersche Grabmal am Ostchor.

  1493 werden in das Schrstabsche Fenster im Ostchor zwei Wappen der
      Schrstab eingesetzt.

  1493 wird die Viertelstundenglocke aufgehngt.                N. K. A.

  1493: Abla betreffend das von Sebald Schreyel gestiftete Ewige Licht
      und Sakramentshuslein.                                   N. K. A.

  1493, 19. August wird die erste beglaubigte Restaurierung der Kirche
      (geweist und verneut inwendig) vollendet.

  1495: Die Holzfiguren des Thomas-Christus und der Maria als
      Schmerzensmutter von Veit Sto im Ostchor neben dem
      Markgrafenfenster Volckamersche Stiftungen.

  Um 1495: Die Holzfigur des Apostels Andreas, wohl von Veit Sto, am
      Ostchor neben dem Mendelschen Fenster, Tuchersche Stiftung.

  1496: Steinrelief der Kreuztragung von Adam Kraft im Mittelschiff.

  1497: Epitaph des Peter Fugger von Augsburg, Steinrelief am nrdlichen
      Seitenschiff.

  1497: Wandteppich mit der Darstellung der Geburt Christi mit vier
      Heiligen.

  1499: Steinrelief mit drei Passionsszenen von Veit Sto im Ostchor
      unter dem Markgrafenfenster.

  Um 1500: sptgotischer Prachtkelch mit Patene von vergoldetem Silber.

  1501: Das Bambergische Fenster im Ostchor, gemalt von Wolf Katzheimer.

  1501: Erste Renovierung des von der Familie Starck 1578 gestifteten
      Holztafelgemldes, Allegorie auf die Geburt Christi, im nrdlichen
      Seitenschiff.

  1502: Titelbltter, gemalt zu den von Paul Volckamer und Sebald
      Schreyer 1501 gestifteten Exemplaren des Liber horarum (Bamberg,
      Joh. Pfeyl, 1501).

  1503: Wiederholte Visitation des Bestandes im Sarg des Sebaldusgrabes.
                                                                N. K. A.

  Um 1505: Das Holztafelgemlde der Verkndigung im sdlichen
      Seitenschiff, Stiftung der Familie Oelhafen.

  1506: Zweiter Einbruch in den Schrein des Sebaldusgrabes.     N. K. A.

  1508: Besttigung des 1493 fr das Schreyersche Ewige Licht und
      Sakramentshuschen gewhrten Ablasses.                    N. K. A.

  1508-1519: Herstellung des Sebaldusgrabes durch Peter Vischer und seine
      Shne.

  1509: Stiftung einer Pfrnde fr den Stephansaltar durch Ambrosius
      Stromer.                                                  N. K. A.

  Um 1510: Steinrelief der Kreuzauffindung und Kreuzprobe der Kaiserin
      Helena im sdlichen Turmportal.

  1512: Vollendung des Sebaldusgrabes ohne den figrlichen Schmuck durch
      Peter Vischer.

  1513: Das Holztafelgemlde der Madonna mit Heiligen von Hans von
      Kulmbach im Ostchor, Stiftung des Martin Tucher.

  Um 1513: Stiftung der Tucherschen Familientafel mit dem Bild des Todes
      im Ostchor.

  1514: Das Maximiliansfenster im Ostchor, gemalt von Veit Hirschvogel.
                                                                N. K. A.

  1514 will Probst Melchior Pfinzing das Wandtabernakel im Ostchor durch
      ein greres Sakramentshuschen ber dem Nikolausaltar ersetzen.

  Um 1515: Die Erzfigur der Madonna von Stephan Godl im Ostchor am
      dritten nrdlichen Pfeiler.

  1515 erlaubt der Rat dem Michael Behaim, die Kramerkapelle in der
      Kirche am Gewlbe und an den Fenstern und Altartafeln restaurieren
      zu lassen.

  1515: Das Markgrafenfenster im Ostchor, nach einem Entwurf des Hans von
      Kulmbach gemalt von Veit Hirschvogel.

  1515: Das Pfinzingsche Fenster im Ostchor, gemalt von Veit Hirschvogel.

  1520: Reparaturen am Sarg des Sebaldusgrabes.                 N. K. A.

  1522: Mekelch mit Patene von vergoldetem Silber, Tuchersche Stiftung.

  1523: Letzte Prozession am Sebaldusfest.                      N. K. A.

  Um 1525: Das Holztafelgemlde der Krnung Mari im Mittelschiff,
      Stiftung der Familie Imhoff.

  1526: Die Kreuzigungsgruppe aus Holz von Veit Sto im Ostchor.

  1542 werden auf Beschlu des Rates die beiden Frauenaltre, der
      gegenberstehende Zwlfbotenaltar und der dazwischen befindliche
      Altar, wahrscheinlich der Johannisaltar, beseitigt, weil die
      Kirchenbesucher den Geistlichen auf der Kanzel nicht sehen konnten.
                                                                N. K. A.

  1543: Das von den Gebrdern Starck an dem Schwibbogen beim Sebalder
      Pfarrhaus 1482 gestiftete hlzerne Kruzifix wird nach Abbruch des
      Bogens an den Westchor der Kirche verbracht.

  Um 1550: Erneuerung des untersten Teiles des Tucherschen Fensters im
      Ostchor.

  1552 werden Gold- und Silbergerte des Kirchenschatzes eingeschmolzen.
                                                                N. K. A.

  1561: Ausbesserung des Ostchores und Abnahme seiner schadhaften
      Galerie.                                                  N. K. A.

  1570 wird die 1447 gestiftete kleine Orgel entfernt.          N. K. A.

  1571 wird die Beseitigung der bauflligen Kranzgalerie des sdlichen
      Turmes geplant.                                          N. St. A.

  1571: Reparaturen an den Trmen.                             N. St. A.

  1572 wird die groe, 1444 von Heinrich Traxdorf erbaute Orgel
      renoviert.                                                N. K. A.

  1572: Renovierung des von Martin Tucher 1513 gestifteten Hans von
      Kulmbachschen Holztafelgemldes der Madonna mit Heiligen im
      Ostchor durch Nikolaus Juvenel.

  1572 wird der Petersaltar im Ostchor renoviert.               N. K. A.

  1574 werden acht verschiedene Wappen in das Grundherrsche Fenster im
      Ostchor eingesetzt.

  1591: Reparaturen an den Trmen.                              N. K. A.

  1591 wird zum ersten Mal der schlechte Zustand des Zinndaches am
      sdlichen Turm festgestellt.                             N. St. A.

  1591: 4. Oktober. Durch Ratsverla wird die Ausbesserung auf
      St. Sebalds Schlagturm befohlen.                         N. St. A.

  1593: Ausbesserung des Zinnes am Schlagturm.                 N. St. A.

  1600 wird die neue Betglocke gegossen.                       N. St. A.

  1601: Das Imhoffsche Fenster im Ostchor, gemalt von Jakob Sprngli oder
      Christoph Maurer.

  1603: Das Holztafelgemlde mit Szenen aus dem Leben der ersten Menschen
      von Johann Kreuzfelder im Ostchor, Stiftung der Familie Behaim.

  1609: Zweite Besichtigung und Ausbesserung des schadhaften Zinndaches
      am sdlichen Turm.                                       N. St. A.

  1613: Ausbesserung des Zinns am Schlagturm.                  N. St. A.

  1613: Erneute Besichtigung und Ausbesserung des schadhaften Zinndaches
      am sdlichen Turm.                                       N. St. A.

  1613 wird der Sebaldusaltar durch Maler Leonhard Prechtel restauriert.
                                                                N. K. A.

  1614: Wappen der Ntzel mit Inschrift, im fnften Fenster des
      nrdlichen Seitenschiffes eingesetzt.

  1614: Reparaturen am Sebaldusaltar durch Maler Leonhard Prechtel.
                                                               N. St. A.

  1616: Erneute Besichtigung und Ausbesserung des schadhaften Zinndaches
      am sdlichen Turm.                                       N. St. A.

  1616: Ausbesserung des Zinns am Schlagturm.                  N. St. A.

  1625 wird auf Veranlassung des Hans Starck das eherne Kruzifix
      am Westchor von Johann Wurzelbauer, dem Sohne des Meisters vom
      Tugendbrunnen, gegossen als Ersatz fr das Starcksche hlzerne
      Kruzifix vom Jahre 1482, welches 1543 an die jetzige Stelle
      transferiert worden war.

  1627: Renovierung der drei von Hans Starck 1423 gestifteten Wandgemlde
      des Abendmahles, der Fuwaschung und des lberges im Ostchor auf
      Veranlassung des jngeren Hans Starck.

  1628: Umfassende Renovierung des ganzen Sebaldusgrabes.       N. K. A.

  1628: Das Holztafelgemlde des Jngsten Gerichtes im Ostchor, freie
      Kopie nach Rubens, wahrscheinlich von Jrg Grtner dem lteren
      ([gestorben] 1648), Stiftung der Familie Imhoff.

  1629: Kirchenstuhl mit reichen Schnitzereien im Westchor.

  1641 werden in das Imhoffsche Fenster im Ostchor zwei Wappenpaare
      eingesetzt.

  1643: Zwei Abendmahlskannen von vergoldetem Silber, Grundherrsche
      Stiftung.

  1643: Seidene Kanzelbekleidung mit Applikationsstickerei, gestiftet von
      Achaz Hilling von Elnbogen und seiner Ehefrau.

  1647: Neubedachung des mit Zinn gedeckten sdlichen Turmes mit
      Kupferplatten.                                           N. St. A.

  1647: Restaurierung des Schlagturmes.                        N. St. A.

  1652 lt der Kurfrst von Mainz durch Bildhauer Georg Schweigger dem
      Rat von Nrnberg 1000 Dukaten fr die Kreuzigungsgruppe von Veit
      Sto im Ostchor bieten.

  Vor 1654: Das Holztafelgemlde mit der Beweinung Christi im Ostchor,
      Kopie nach Drer, wahrscheinlich von Georg Grtner dem Jngeren
      ([gestorben] 1654), Stiftung der Familie Holzschuher.

  1656 wird das von der Familie Ebner 1429 gestiftete Madonnenrelief im
      Ostchore ber der Schultre renoviert.

  1656 und 1657: Unbedeutende Renovierung des Inneren der Kirche und
      Abnderung der Emporkirche (Engelschor).                 N. St. A.

  1657 wird von den Silberdrahtziehern eine kleine Orgel im Ostchor
      gestiftet.

  1657 und folgende Jahre wird die Kirche nach dem Muster des Bamberger
      Domes von Tnchermeister Jakob Fuchs renoviert.          N. St. A.

  1657: Das Wandgemlde einer Inschrifttafel im Ostchor ber dem
      Kaiserchrlein.

  1657: Erffnung der Geheimen Versperr.                      N. K. A.

  1657-1664: Renovierung und Barockausstattung der Kirche.     N. St. A.

  1658 wird die groe, 1444 von Heinrich Traxdorf erbaute, 1572
      renovierte Orgel im Barockstil umgebaut.                  N. K. A.

  1658: Zweite Renovierung des von der Familie Starck 1478 gestifteten
      Holztafelgemldes einer Allegorie auf die Geburt Christi im
      nrdlichen Seitenschiff.

  1658: Abendmahlskelch mit Patene und zwei Abendmahlskannen von
      vergoldetem Silber, gestiftet von Buchhndler Wolfgang Endter dem
      lteren.

  1659: Errichtung des neuen Nikolaus- oder Tucheraltars mit dem
      Ecce-Homo-Bild von Merian.                                N. K. A.

  1659 wird im Zusammenhang mit der Barockausstattung der Kirche die neue
      Kanzel errichtet.                                         N. K. A.

  Um 1660: Die Geschlechtertafeln der Lffelholz im Westchor, der Kre
      und der Volckamer im Ostchor beim Muffelschen Altar.

  Um 1660: Altarkruzifix von massivem Silber mit dem Monogramm M. W.

  1660-1663 erbaut Georg Wirsching den Hauptaltar an Stelle des gotischen
      Hochaltars.                                               N. K. A.

  1663: Errichtung des neuen Stephans- oder Muffelschen Altares. Das Bild
      des alten Altares wird in die Lorenzkirche verbracht.    N. St. A.

  1675: Abendmahlskelch mit Patene von vergoldetem Silber, gestiftet von
      Joachim Kern und dessen Ehefrau.

  1691 wird das Werk der groen Orgel vom Jahre 1444 im Ostchor von Georg
      Sigmund Leyser, Orgelbauer in Rothenburg a. T., erneuert.
                                                                N. K. A.

  1700-1759. Unbedeutende Reparaturen an der Betglocke, dem Vesperlein,
      dem Zeigerlein und der Garausglocke.                     N. St. A.

  Um 1700: Etui mit Lffel von vergoldetem Silber, Altargert.

  Um 1700: Altarkruzifix von massivem Silber.

  1712: Aus Anla der Anwesenheit Karls VI. in Nrnberg wird die
      kaiserliche Kche vor der Kirche aufgeschlagen.          N. St. A.

  1723: Klingelbeutel mit der Gruppe Christus am Kreuz und Maria von
      massivem Silber und mit dem Monogramm M. M.

  1732, 13. Oktober wird die Overdiksche Orgel im Ostchor gestiftet. Sie
      wird spter auf den sogenannten Engelschor verbracht.     N. K. A.

  1744: Hostienbchse von vergoldetem Silber, gestiftet von M. M. W.

  1754, 3. August entsteht durch Blitzschlag auf dem Dachboden ber dem
      Westchor Brand.                                          N. St. A.

  1754, 16. September: Ratsverla, die der Reparatur bedrftigen
      Bckerlden bei St. Sebald betreffend.                   N. St. A.

  Um 1755: Taufbecken mit Kanne von Silber.

  Um 1755: Zwei Abendmahlskelche mit Patenen von vergoldetem Silber.

  Um 1755: Die Geschlechtertafeln der Ebner im nrdlichen, der
      Holzschuher im sdlichen Seitenschiff und der Frer im Ostchor
      beim Muffelschen Altar.

  1768-1769: Ausbesserung des Dachstuhles des nrdlichen Turmes und
      Neubedachung mit Zinnplatten.                            N. St. A.

  1769-1770: Reparaturen an den Trmen.                        N. St. A.

  1774: Renovierung des von der Familie Behaim 1603 gestifteten
      Kreuzfelderschen Holztafelgemldes mit Szenen aus dem Leben der
      ersten Menschen im Ostchor.

  1781: Sanduhr mit Gehuse von Silber, Holzschuhersche Stiftung.

  1784-1785: Verhandlungen ber Auffhrung eines neuen Stockwerks im
      Sebalder Pfarrhof.                                       N. St. A.

  1790: Ausbesserung eines Fensterpfeilers in der Kirche.       N. K. A.

  Um 1790: Umbau des Katharinen- oder Lffelholzaltares.

  1797, 12. Oktober bis 1798, 3. Februar: Verhandlungen, die
      unberechtigte Veruerung von Kirchengerten und Megewndern
      betreffend.                                               N. K. A.

  1797 soll das 1396 gestiftete Pmersche Epitaph am sdlichen
      Treppenturm restauriert worden sein.

  1798: Reparatur der Bet- und Chorglocke.                     N. St. A.

  1798: Reparatur in der Senioratswohnung.                     N. St. A.

  1798: Ofenreparatur in der groen Sakristei.                 N. St. A.

  1800: Reparaturen an den Wappenschilden der Kirche.          N. St. A.

  1800-1806 wird der Musikchor aus der Frauenkirche in die Sebalduskirche
      transferiert.                                             N. K. A.

  1802: Reparatur in der Diakonatswohnung.                      N. K. A.

  1804 und 1805: Reparatur der Helmstangen auf den Kirchtrmen.
                                                                N. K. A.

  1805: Wiederholte Reparatur an der Fahnenstange auf dem sdlichen Turm.
                                                               N. St. A.

  1807: Ausbesserung des 1647 gedeckten Kupferdaches am sdlichen Turm.
                                                               N. St. A.

  1807: Reparatur des Kirchendaches.                            N. K. A.

  1817 werden in das Markgrafenfenster im Ostchor zwei Medaillons mit den
      Bildnissen Luthers und Melanchthons eingesetzt.

  1823 wird nach den Plnen K. A. Heideloffs ein neuer Hauptaltar an
      Stelle des Barockaltares vom Jahre 1663 errichtet.

  1827 wird das Werk der groen Orgel vom Jahre 1444 im Ostchor wiederum
      repariert durch den Orgelbauer Augustin Ferdinand Bittner und das
      Gehuse nach den Plnen Heideloffs umgebaut.

  Um 1830: Zwei groe Altarleuchter von Silber.

  1838: Abendmahlskanne von vergoldetem Silber, gestiftet von der
      Kaufmannswitwe Therese Rohrmann.

  1859 baut Bildhauer Lorenz Rotermundt nach Krelings Entwurf die Kanzel.

      1888-1906: Umfassende Restaurierung der Kirche und ihres Inventars
      unter Leitung der Architekten G. v. Hauberrisser und J. Schmitz.

  [XXXI] M. R. A. = Mnchener Reichsarchiv.

  [XXXII] N. K. A. = Nrnberger Kreisarchiv.

  [XXXIII] N. St. A. = Nrnberger Stadtarchiv.

  [XXXIV] B. N. M. = Bayrisches Nationalmuseum.




                      Verzeichnis der Abbildungen.


                                 Tafeln.

     I. Ansicht des Ostchors gegenber dem Titelblatt

    II. Grundrisse und Details des romanischen Baues         nach S.  12

   III. Ansicht und Schnitt des romanischen Baues             "   "   20

    IV. Das Brauttor                                          "   "   38

     V. Grundri der Sebalduskirche                           "   "   42

    VI. Lngenschnitt der Sebalduskirche                      "   "   48

   VII. Grundrientwicklung der Strebepfeiler am Ostchor      "   "   56

  VIII. Ansicht eines Ostchorjoches                           "   "   56

    IX. Seitenansicht und Schnitt eines Strebepfeilers am
        Ostchor                                               "   "   56

     X. Innenansicht vom Ostchor gegen das nrdliche
        Seitenschiff                                          "   "   74

    XI. (Farbige Tafel). Romanisches Dienstkapitl des
        Mittelschiffes mit spter angesetztem gotischem
        Baldachin. -- Gewlbeschlustein im Ostchor           "   "  104

   XII. (Farbige Tafel). Statue des Apostels Johannes im
        Mittelschiff. -- Engelsstatue von der Volckamerschen
        Verkndigung mit Baldachin und Konsole                "   "  104

  XIII. Baukosten der Wiederherstellung der Sebalduskirche
        1885-1906                                             "   "  128

   XIV. Sebaldusgrab von Peter Vischer                        "   "  128

    XV. Thronende Maria mit Heiligentafelgemlde von Hans
        von Kulmbach (Tuchersche Stiftung)                    "   "  212


                            Textabbildungen.

                                                                   Seite

   1. Modell (von oben gesehen) der ausgegrabenen Ostchorkrypta       17

   2. Innenansicht gegen Osten                                        18

   3. Innenansicht gegen den Westchor                                 21

   4. Triforien im Mittelschiff                                       22

   5. Partie aus dem Engelschor                                       23

   6. Westansicht vor der Restaurierung                               25

   7. Ansicht vom sdlichen Seitenschiff gegen Norden                 27

   8. Kapitl der Dienste im Mittelschiff                             28

   9. Romanisches Kapitl mit Blatt- und Bandornament                 29

   10. Desgleichen                                                    29

   11. Gotisches Kapitl im Seitenschiff                              29

   12. Romanisches Kapitl mit Knollenornament                        29

   13. Romanische Hornkonsole                                         30

   14. Romanische Konsole                                             30

   15. Portal am sdlichen Turm                                       35

   16., 17., 18. Romanisches Portal am sdlichen Turm                 37

   19. Querschnitt durch das Mittelschiff und die Seitenschiffe       41

   20. Portal am sdlichen Seitenschiff                               43

   21 _a-d_. Fenstermawerke der Seitenschiffe                        45

   22., 22 _a_. Brauttor                                              46

   23. Ostchor. Innenansicht                                          51

   24. Innenansicht vom Ostchor gegen Nordosten                       53

   25. Baldachin im Ostchor                                           55

   26. Meisterzeichen im Ostchor                                      63

   27., 27 _a_, 27 _b_. Baldachin am Ostchor                          67

   28. Westansicht                                                    69

   29. Oberer Teil des nrdlichen Turms                               73

   30. Inneres der Sebalduskirche. Ausschnitt aus dem Kupferstiche
       von J. A. Graff 1694                                           77

   31. Ostchorpartie vor der Restaurierung                            80

   32. Westansicht mit den Gerstbauten                               82

   33. Die aufgefundenen Reste der ehemaligen  Galerie am Ostchor     87

   34. Ostchorpartie nach der Restaurierung                           89

   35. Neuer Verkndungsengel am Ostchor                              90

   36. Konsole mit Ritter an einem nrdlichen Pfeiler des Ostchors    91

   37. Konsole mit Ritterfrulein an einem nrdlichen Pfeiler des
       Ostchors                                                       91

   38. Nrdliches Seitenschiff vor der Restaurierung                  92

   39. Nordansicht                                                    93

   40. Pfinzingkapelle vor der Restaurierung                          98

   41. Pfinzingkapelle nach der Restaurierung                         98

   42. Erneuerte Madonnenstatue am Brautportal                        99

   43. Lffelholzaltar                                               107

   44. Modell eines zum Teil armierten Vitrumspfeilers               111

   45. Armierter Vitrumspfeiler whrend der Restaurierung            112

   46. Der heil. Christophorus. Wandgemlde im sdlichen
       Seitenschiff                                                  114

   47. Statue des Apostels Paulus mit Baldachin und Konsole im
       Ostchor                                                       117

   48. Statue des Kaisers Heinrich vor der Restaurierung             119

   49. Statue des Kaisers Heinrich nach der Restaurierung            119

   50. Sakramentshuschen im Ostchor                                 121

   51. Partie aus dem Ostchor mit Tucheraltar, Sakramentshuschen
       und Petrusaltar                                               123

   52. Ostchor. Ansicht gegen Westen                                 125

   53. Petrusaltar (geffnet)                                        130

   54. Petrusaltar (geschlossen)                                     131

   55., 56., 57. Kreuzigungsgruppe von Veit Sto. ber dem
       Hauptaltar im Ostchor                                         133

   58. Geburt Christi. Von einem der Flgel des Lffelholzaltars     135

   59. Legende des heil. Georg. Von einem der Flgel des
       Lffelholzaltars                                              135

   60. Halleraltar (geschlossen)                                     136

   61. Halleraltar (geffnet)                                        137

   62. Erzkruzifix am Westchor                                       141

   63. Bogenfeld im Portal des nrdlichen Seitenschiffs mit
       Darstellungen aus dem Marienleben                             142

   64. Statue der Eitelkeit der Welt am nrdlichen Seitenschiff.
       Vorderseite                                                   143

   65. Desgleichen. Rckseite                                        143

   66. Eine der klugen Jungfrauen am Brautportal                     143

   67. Geielung Christi. Stationsrelief am Ostchor                  144

   68. Kreuztragung, Stationsrelief am Ostchor                       144

   69. Passionsszenen von Adam Kraft. Schreyersches Begrbnis am
       Ostchor                                                       145

   70. Konsole mit Mnchen an einem sdlichen Pfeiler des Ostchors   147

   71. Darstellung des Jngsten Gerichts. Schedelsches Relief ber
       der Schautre                                                 147

   72. Grabrelief der Holzschuher am sdlichen Seitenschiff (Kopie
       aus der Barockzeit)                                           148

   73. Bogenfeld im Portal des sdlichen Seitenschiffes              149

   74. Grabrelief der Pmer am sdlichen Treppenturm                 150

   75. Grabrelief der Haller am sdlichen Turm                       151

   76. Trklopfer vom Brauttor                                       152

   77. Statue des Apostels Johannes im Mittelschiff                  153

   78. Statue des Apostels Philippus im Mittelschiff                 153

   79. Statue des Apostels Petrus im Mittelschiff                    153

   80. Statue des Apostels Simon im Mittelschiff                     153

   81. Statue des Apostels Bartholomus im Mittelschiff              154

   82. Statue der hl. Kunigunde im nrdlichen Seitenschiff           154

   83. Statue des hl. Kaisers Heinrich im nrdlichen Seitenschiff    155

   84. Statue des hl. Erhard im Mittelschiff                         155

   85. Statue der hl. Helena im sdlichen Seitenschiff               155

   86. Statue des hl. Sebaldus im Mittelschiff                       155

   87. Kreuzschleppung von Adam Kraft                                156

   88. Eherner Taufkessel im Lffelholzchor                          157

   89. Der Apostel Andreas. Holzstatue von Veit Sto                 157

   90. Statue Johannes des Evangelisten im Ostchor                   158

   91. Thomaschristus von Veit Sto im Ostchor                       158

   92. Schmerzensmutter von Veit Sto im Ostchor                     158

   93. Statue des hl. Erasmus im Ostchor                             159

   94. Statue der Maria von der Behaimschen Heimsuchung              159

   95. Passionsszenen von Veit Sto im Ostchor                       161

   96. Ebnerrelief am Dreiknigsportal im Ostchor                    161

   97. Madonna in der Glorie. Statue (Birnbaumholz) im Ostchor       162

   98. Bronzestatuette der Maria von Stephan Godl                    163

   99. Detail vom Sebaldusgrab                                       165

  100. Gewlbeschlustein mit der Geburt Christi. Im nrdlichen
       Seitenschiff                                                  167

  101. Gewlbeschlustein mit dem hl. Sebald. In der nrdlichen
       Sakristei                                                     167

  102. Verkndigung. Holztafelgemlde im Lffelholzchor              169

  103. Krnung der Maria. Holztafelgemlde im Mittelschiff           171

  104. Darstellung des Paradieses. Holztafelgemlde von Johann
       Kreuzfelder 1603                                              173

  105. Abendmahl und lberg. Wandgemlde im Ostchor                  173

  106. Darstellungen aus der Apostellegende. Wandgemlde im Ostchor  175

  107. Detail vom Bamberger Fenster                                  179

  108. Detail vom Maximiliansfenster                                 181

  109. Detail vom Markgrafenfenster                                  183

  110. Fenster ber dem sdlichen Seitenschiffportal                 186

  111. Detail vom Rahmen der Kressischen Totentafel im Ostchor       189

  112. Detail vom Rahmen der Volckamerschen Totentafel im Ostchor    190

  113. Rahmen der Ebnerschen Totentafel im nrdlichen Seitenschiff   190

  114. Details vom Rahmen der Tucherschen Totentafeln                191

  115. Lffelholzische Totenschilder                                 191

  116. Kressisches Totenschild (des Stifters der Kirche in
       Kraftshof)                                                    191

  117. Hallersche Totenschilder                                      192

  118. Hallersches Totenschild                                       192

  119. Ebnersches Totenschild                                        193

  120. Stromersches Totenschild                                      193

  121., 122. Details von den Chorsthlen im Ostchor                  193

  123. Desgleichen                                                   194

  124. Hallerscher Kirchenstuhl                                      194

  125. Kirchenstuhl im Lffelholzchor                                194

  126. Orgel im Ostchor                                              195

  127., 128. Eisenbeschlag vom Brauttor                              196

  129. Silbervergoldeter gotischer Kelch mit durchbrochenen
       Ornamenten                                                    197

  130. Sanduhr (ehemals an der Kanzel)                               198

  131. Leuchterengel (Hauptaltar)                                    199

  132., 133. Gobelin mit Darstellungen aus der Legende des
       hl. Sebald                                                    201

  134. Gobelin mit Darstellungen aus dem Marienleben                 203

  135. Gobelin mit Darstellung der Geburt Christi, 1495              204

  136. Mittelstck des Gobelins von 1495                             204

  137. Katharinenstatue vom Portal des sdlichen Seitenschiffs       205

  138. Kopf der Katharinenstatue vom Portal des sdlichen
       Seitenschiffs                                                 207

  139. Lapidarium in der westlichen Krypta                           208

  140. Auferweckung des Lazarus. Relief vom sdlichen Seitenschiff
       (jetzt in der Bausammlung)                                    209

  141. bermalter Holzschnitt in einem der Exemplare des Liber
       missalis, Bamberg 1490                                       209

  142. Randverzierung in Miniaturmalerei in einem der Exemplare des
       Liber missalis, Bamberg 1490                                210

  143. Miniaturmalerei in einem der Exemplare des Liber horarum,
       Bamberg 1501                                                  211

  144. Konsekrationsurkunde des Hochaltars von 1379                  212




         Verzeichnis der Personen, Orte und wichtigsten Sachen.

                     Verfat von $Dr. Alfred Graf$.


                                   A.

  Abendmahl (Darstellung) 115, 146, 162, 176, 238, 241.
  Abendmahlskelche 198, 241.
  Abraham (Darstellung) 151.
  Ackermann, Leonhard 138.
  Adam und Eva (Darstellung) 48, 144, 172, 179, 192.
  Alamannus Luanensis, Bischof 217.
  Albertus, Bischof von Sirmium 218.
  Albrecht, Markgraf von Brandenburg 185, 212.
  Allerseelenaltar 134, 236.
  Almosenamt, siehe Landalmosenamt.
  Altarbehnge 206.
  Altargerte 196 ff., 241.
  Altarleuchter 199, 239, 242.
  Altenburg 171, 218, 219.
  Amelia 218.
  Anagni (Bischof Johannes) 217.
  Andreas, hl. 118, 158, 166, 184, 239.
  -- Bischof von Balezo 218.
  -- -- -- Coron 217.
  -- Erzbischof von Antivari 216.
  Angelus, Bischof von Viterbo und Toscanella 217.
  Anlage, siehe Plandispositionen und Grundrisse.
  Anna, hl. 171, 185, 238.
  Annaaltar 114.
  Anschreibtre 76, 94, 95, 142, 143.
  Antependien 206, 208.
  Antivari (Bischof Andreas) 216.
  Antonius, hl. 112, 139, 154, 234, 235.
  Apostel (siehe auch ihre einzelnen Namen sowie Apostelgeschichte) 81,
    104, 111, 114, 117, 118, 132, 138, 139, 148, 153, 158, 159, 166, 182,
    188, 234, 235, 237.
  Apostelgeschichte (Darstellung aus der) 115, 136, 137, 176.
  Apsiden 19, 20, 23, 30, 31, 32, 49, 99, 130, 131, 132.
  Arbeitslhne (siehe auch Baukosten) 70, 71, 72, 75.
  Arborea (Erzbischof Petrus) 215.
  Ardferten in Irland (Bischof Johannes) 218.
  Avignon 219.
  Avio (Bischof Girardus) 218.
  Arkadi (Bischof Raphael) 218.
  Arnold, Bischof von Bamberg 215.
  Aschaffenburg 88.
  Ascoli (Bischof Bonus Johannes) 215.
  Athyra in Thrazien (Bischof Ricardus) 218.
  Auferstehung (Darstellung) 114, 135, 146, 206.
  Auferweckung des Lazarus (Darstellung) 105, 106, 150, 170, 210.
  Augsburg, 11, 29, 105, 114, 120, 122, 136, 138, 142, 172, 198, 227,
    239.
  Augustinerkloster 230.
  Augustinus, Bischof von Soliwri 218.
  Ausgieung des hl. Geistes (Darstellung) 179.
  Avancius Sannensis, Bischof 218.
  Avellino (Bischof Waldebrunus) 215.
  Ayrer (Familie) 178.


                                   B.

  Baden 88.
  Bagnorea (Bischof Johannes) 218.
  Balezo (Bischof Andreas) 218.
  Balier, siehe Behaim, Balier.
  Bamberg 11, 13, 14, 15, 28 ff., 33, 34, 36, 37, 38, 71, 72, 75, 129,
    134, 151, 159, 160, 177, 182, 212 ff., 223, 226, 227, 228, 236, 239,
    241.
  Bambergisches Fenster 182, 239.
  Br, Christian 114, 171.
  Barbara, hl. 138, 171, 178, 206.
  Barferkloster 42, 66.
  Barth & Cie. 108.
  Bartholomus, hl. 132, 166, 178.
  Bartholomusaltar 132, 238, 239.
  Basel 143, 216.
  Bathseba und David (Darstellung) 202.
  Bauamt 233.
  Bauausschu 86, 88, 94 ff., 100, 102, 104, 110, 113, 124, 126.
  Bauer, Schlosser 224.
  Bauhtte 86, 88.
  Baukosten (siehe auch Arbeiterlhne) 120 ff., 228, 230, 233.
  Baumaterial, 50, 54, 71, 72, 78, 79, 81, 83, 87, 88, 90, 94, 95, 96,
    97, 98, 108, 111, 113, 122, 147, 222, 224, 230, 233.
  Baumeister (siehe auch Parler) 42, 44, 62, 64, 90.
  Baumgartner, siehe Paumgartner.
  Baumhauer, Sebald 170.
  Bausammlung 85, 90, 94, 100, 103, 104, 116, 124, 137, 141, 142, 144,
    146, 148, 149, 150, 176, 208 ff., 226.
  Bauschulen 28, 32, 33, 36, 42, 61.
  Bayern 11, 58, 61, 74, 105, 122.
  Bayreuth 87.
  Begegnung zweier Mnner (Darstellung) 182.
  Behaim, Heinrich, Balier 64, 65.
  -- Familie 120, 146, 160, 162, 172, 177, 186, 187, 234, 242.
  -- Christoph 172.
  -- Friedrich 172.
  -- Michael 75, 240.
  -- Paulus 172.
  -- Sebald 167.
  Behaimsches Fenster 186, 231, 237.
  Beheizung 95, 97, 121, 126, 242.
  Beleuchtung 126.
  Belluna (Bischof Gregorius) 210.
  Benedicta, siehe Betglocke.
  Benedictus, Bischof 217.
  Benediktinerorden 33.
  Bernardus, Bischof von Ganus 217.
  Bernhard von Neumarkt 236.
  Berthold, Bischof von Bamberg 15, 213, 214.
  Bertoldus, Bischof von Sizebolu 218.
  Beschneidung (Darstellung) 186.
  Betglocke (siehe auch Chorglocke) 193, 194, 237, 240, 241, 242.
  Beweinung Christi (Darstellung) 170, 241.
  Bezold, Dr. von 5.
  Bibeldrucke 212.
  Birkmann, F., Zimmermeister 88.
  Bischfe (Darstellungen von unbekannten) 119, 150, 154, 159, 178,
    182, 235, 239.
  Bittner, Augustin Ferdinand 191, 242.
  Blasblge 76, 97, 122.
  Blasius, hl. 138, 178.
  Bhmen 63, 64, 65.
  Bonaventura, Erzbischof von Ragusa 215.
  Bonus Johannes, Bischof von Ascoli 215.
  Bourbon 184.
  Brabant 184.
  Braga (Bischof Johannes) 217.
  Brandenburg 185.
  Brautportal (Ehetr) 24, 47, 48, 52, 76, 86, 88, 91, 94, 95, 96, 98,
    99, 115, 139, 143, 144, 146, 153, 157, 208, 234, 235, 238.
  Bremen 110.
  Bretheim, Konrad 132, 236.
  Brixen (Bischof Landulphus) 215.
  Brotausteilung (Darstellung) 174.
  Brotbnke 228, 234 ff.
  Brothaus 235.
  Brotlden 235.
  Brnn 63, 65.
  Bchersammlung 208, 211 ff.
  Bckeburg 90.
  Budua 214, 215.
  Burg 12, 15, 39, 57.
  Burggrafen von Nrnberg 185.
  Burgkapelle 26, 28.
  Burgschmietgasse 156.
  Burgund 36, 38, 184.
  Butrinto (Bischof Lazarus) 218.


                                   C.

  Cagli (Bischof Guillelmus) 215.
  -- (Bischof Petrus) 217.
  Cagliari (Bischof Petrus) 218.
  Canosa (Bischof Theobaldus) 215.
  Capri (Bischof Nikolaus) 215.
  Carmium (Bischof Johannes) 218.
  Castellana (Bischof Franciscus) 217.
  Castro (Bischof Jacobus) 217.
  Catania (Bischof Raymundus) 217.
  Catanzaro (Bischof Venutus) 216.
  Cattaro (Bischof Domnius) 217.
  Ceneda (Bischof Franciscus) 216, 217.
  Champagne 38.
  Chor, siehe Ost- und Westchor.
  Chorgalerie 86, 88, 228, 229.
  Chorglocke (siehe auch Betglocke) 195, 234.
  Chorschranken 189.
  Christophorus hl., 106, 112, 132, 142, 152, 174, 185, 234, 238.
  Christus, siehe Heiland.
  -- erscheint den Frauen (Darstellung) 186.
  -- in der Vorhlle (Darstellung) 179, 186.
  -- vor Pilatus (Darstellung), 146 180.
  Chunradus, buttugelarius 213.
  Cluny 36, 38.
  Connor (Bischof Robertus) 216.
  Coron (Bischof Andreas) 217.
  Cramerkapelle 75.
  Croja (Bischof Romanus) 215.
  Crucifixus, 101, 102, 134, 138, 140, 141, 142, 143, 146, 149, 152, 168,
    178, 187, 190, 198, 200, 206, 239, 240, 241.


                                   D.

  Dalmatien 184.
  Dnemark 156, 188.
  Darbringung im Tempel (Darstellung) 186, 187.
  Dschin, Dorothea 131.
  David und Bathseba (Darstellung) 202.
  -- Michal (Darstellung) 202.
  Decker, Hans 152, 238.
  Deichsler, Heinrich 230, 231.
  Derrer, Familie 152, 236.
  Deutschherren 228.
  Deutschland 36, 38, 42, 44, 47, 126, 182.
  Dieterich, Veit 212.
  Dietherr, Familie 178, 187.
  Dietlein, Hans 132, 236.
  Dietler, Hensel 132, 235.
  Dietner, Familie 137.
  Digne (Bischof Guilhelmus) 215.
  Dilherr, J. U. 200.
  Dilherrscher Pokal 200.
  Dinkelsbhl 61, 62.
  Domnius Cathavensis, Bischof 217.
  Dornenkrnung (Darstellung) 146, 148, 169, 180, 238.
  Dreifaltigkeit (Darstellung) 152, 160.
  Drei Knige, hl. 40, 137, 149, 186, 187, 194.
  Dreiknigsaltar 132.
  Dreiknigschor 100, 101, 102, 114, 115.
  Dreiknigsportal 24, 48, 52, 76, 115, 149, 150, 153, 162, 174, 177.
  Dresden 71.
  Drer, Albrecht 169, 170, 172, 174, 178, 182, 241.


                                   E.

  Ebermayr, Ursula 192.
  Eberspeck, Familie 236.
  Ebner, Familie 48, 111, 112, 149, 153, 154, 162, 163, 171, 174, 180,
    182, 187, 188, 216, 234, 235, 237, 241.
  -- Albrecht 163, 216.
  -- Christine 162.
  -- Johannes (Hans) 219, 236.
  Ebrach 32, 33, 34, 36, 37, 38, 227.
  Ecce homo (Darstellung) 113, 135, 150, 241.
  Egidienkirche 26, 28.
  Egidienkloster 28, 49, 219, 236.
  Egidius, St. 178.
  -- Bischof von Urbino 215.
  Eglofstein, Familie 152.
  Ehebcher 211.
  Ehetr, siehe Brautportal.
  Eichsttt 28, 214.
  Einbalsamierung (Darstellung) 160.
  Einweihung 13, 226.
  Einzug in Jerusalem (Darstellung) 146.
  Eisvogel, Familie 152, 182, 216, 236.
  Eitel Fritz, Prinz von Preuen 95.
  Eitelkeit der Welt (Darstellung) 143, 234.
  Ekarius 221.
  Elisabeth, hl. 120, 160, 176, 185.
  Endler, Familie 197, 198, 208, 241.
  Engel (Darstellungen) 151, 153, 160, 174, 177, 179, 180, 182, 185,
    186, 238, 239.
  Engelschor 23, 25, 75, 102, 109, 111, 113, 241.
  Engelthal 162, 163, 234.
  Englischer Gru (Darstellung) 239.
  Enrico da Gamodia 63, 65.
  Ensinger, Baumeister 74.
  Erasmus 119, 120, 138, 160, 238.
  Erhard Bischof 111, 138, 235.
  Erhardaltar, siehe Hallerscher Altar.
  Erhardstatue 132, 154.
  Erhard, Schmiedemeister 221.
  Ermel, Joh. Franciscus 135.
  Eseler, Familie 163.
  Essenwein, 200 231.
  Elingen 61, 62, 64, 66, 229.
  Etui mit Lffel 198.
  Eucharius, Stadtzimmermann 70.
  Euchariuskapelle 26, 28.
  Ewiglichtlampe 146, 148.
  Eyb, Familie 146, 148.


                                   F.

  Fabianus 129.
  Feltre (Bischof Gregorius) 216.
  Fenstergitter 98.
  Feuersbrnste 76, 78, 231, 239.
  Fleischbnke 219.
  Fleischmann, Familie 132, 237.
  Foligno (Bischof Paulus) 217.
  v. Forster, Fabriksbesitzer 86, 104.
  Franciscus, Bischof von Castellana 217.
  -- -- -- Ceneda 216.
  -- -- -- Ravello 219.
  -- -- -- Lampsacus 218.
  -- Hurvensis, Bischof 218.
  Franken 74.
  Frankfurt a. M. 212.
  Frnkischer Kurier 233.
  Frankreich 32, 36, 38, 44, 156, 188.
  Frauenaltar 132, 235, 236, 240.
  Frauenschuh aus dem 15. Jahrhundert 210.
  Freiburg i. B. 44, 66, 139, 143, 229.
  Frey, Familie 149.
  Friedhof von St. Sebald 49, 219, 235, 236.
  Friedrich, Bischof von Bamberg 220, 228.
  -- d. ., Markgraf von Brandenburg 185.
  -- Wilhelm, Kronprinz des Deutschen Reiches 207.
  Fuchs, Familie 75, 146, 148, 241.
  Fugger, Familie 142, 234.
  Frer, Familie 158, 188, 237, 241.
  -- Christian 180.
  Frer, Sigmund, 167 168, 180.
  Frersches Fenster 180, 237.
  Frth 11, 28, 226.
  Fubden 95, 98, 111, 113, 210.
  Fuwaschung (Darstellung) 176, 238, 241.
  Ftterer, Familie 152, 238.


                                   G.

  Gammersfelder, Familie 178.
  Ganos in Thracien (Bischof Bernardus) 217.
  Garausglocke 195, 241.
  Grtner, Familie 186.
  -- Georg d. J. 170.
  -- Georg d. . 170, 241.
  Gayselin 235.
  Geburt Christi (Darstellung) 106, 149, 168, 169, 171, 186, 203, 204,
    238, 239, 241.
  Gefangennahme Christi (Darstellung) 146, 162.
  Geielung Christi (Darstellung) 146, 169, 238.
  Gentili, Cavaliere 200.
  Georg, hl. 11, 137, 182, 185.
  -- Herzog van Niederbayern-Landshut 74, 196.
  -- der Fromme, Markgraf 185.
  Georgsaltar 134.
  Germanisches Nationalmuseum 86, 148, 150, 164, 200, 210, 231.
  Geuder, Familie 146, 180.
  -- Klara 164, 238.
  Geuschmid, Familie 146, 150, 180, 182.
  Geyer, Dr., Hauptprediger 124.
  Girardus Arrigensis, Bischof 218.
  Glasmalereien 24, 55, 64, 84, 97, 113, 126, 139, 177 ff., 231, 236,
    237.
  Glasmalerschule 177, 178.
  Glocke, elektrische 96.
  Glocken und Glockenstube 66, 70, 72, 94, 97, 100, 101, 193 ff., 237,
    240, 241, 242.
  Glockengieer, Konrad 195.
  Gnotzhamer, Niklas 70.
  Gobelins 84, 105, 126, 200, 202, 203 ff.
  Godl, Stephan 120, 163, 240.
  Goll, Baumeister (G. Goll und Shne) 86, 105, 126.
  Gori, Bischof 138.
  Gschel, Johann 86, 89, 94, 95, 110.
  Gschel & Alt 86.
  Gostenhof 174.
  Gottesdienst 49, 50, 81, 105, 124.
  Gottfried, Bischof von Passau 214.
  Guilhelmus, Bischof von Digne 215.
  -- -- -- Cagli 215.
  Guillermus, Bischof von Sagono 216.
  -- Erzbischof von Saltania 216.
  Grablegung (Darstellung) 179, 186, 204.
  Grabner, Familie 187.
  -- Heinrich 235.
  -- Sebolt 141.
  Grafe, Gottfried 235.
  Granada 184.
  Graser, Familie, 186.
  Gregorius, Bischof von Feltre und Belluno 216.
  Gregoriusmesse (Darstellung) 106, 112, 113, 144, 174.
  Greiner, Niclas 221.
  Griebel (Grbel), Flaschner 224.
  Groland, Familie 120, 146, 149, 150, 161, 170, 178, 237.
  -- Jakob 162.
  -- Leonhard 162.
  -- Peter 160.
  Gro, Familie 120, 152, 160, 170, 176.
  -- Niclas 68, 71, 195, 220, 230.
  -- Franz 236.
  Gruber, Familie 170, 182.
  Grbel (Griebel), Flaschner 224.
  Grundherr, Familie 121, 146, 152, 180, 185, 188, 197, 237, 240, 241.
  -- Michael 228, 236.
  Grundherrsches Fenster 180, 237, 240.
  Grundrisse 29, 30, 50, 54, 60, 61.
  Grnwalt, Heinrich 196.
  Gumbert, Markgraf 185.
  Gutschneider, Familie 187.


                                   H.

  Hberlein, Hans, Magistratsrat 104, 126.
  Habsburg, Haus 182, 184.
  Hagen, Dr., Stadtpfarrer 126.
  Haggenmiller, Professor 112, 174.
  Haidenreich, Georg 232.
  Halberstadt 185.
  Haller, Familie 106, 112, 113, 119, 120, 124, 132, 136, 138, 142, 143,
    150, 152, 156, 159, 160, 162, 174, 178, 185, 188, 189, 200, 203, 206,
    235, 236, 237, 238, 239.
  -- Anton 149.
  -- Elisabeth 132.
  -- Hans 68, 220.
  -- Rupprecht 68, 71, 167, 220, 230.
  -- Ulrich 132, 236.
  Halleraltar (Erhardaltar) 106, 113, 124, 132, 138, 200, 206, 235, 236,
    238, 239.
  Hallersches Fenster 113, 185, 237.
  Handschriften 211.
  Hans von Kulmbach (Hans Sue) 113, 114, 117, 163, 171, 172, 174, 178,
    184, 210, 239 240.
  Harsch, Georg 232.
  Harsdrffer (Harsdorf) Familie, 112, 171, 185, 187, 188.
  Has, Kunz 196.
  -- Margareta 228, 237.
  Haslacher, Jakob 236.
  Hauberrisser, Georg von, Professor 7, 80, 86, 87, 88, 89, 91, 103,
    104, 105, 190, 231, 242.
  Hauptaltar 134, 162, 199, 206, 208, 237, 241, 242.
  Hauptversammlung der deutschen Architekten 90.
  Heerdegen, R., Handelsrichter 104, 126.
  Hegel, Hans 232.
  Heideloff, Karl Alexander 84, 105, 116, 121, 124, 134, 182, 191, 242.
  Heil, Schreiner 134.
  Heiland (Darstellung) 48, 99, 137, 138, 144, 148, 151, 154, 157, 159,
    160, 162, 174, 188, 217, 237, 239.
  Heilige (Darstellung) 177, 180, 237.
  Heiliggeistkirche 164.
  Heiliggrabkapelle 28.
  Heilsbronn 214.
  Heimsuchung (Darstellung) 120, 160, 203, 238.
  Heinrich, Bischof von Bamberg 13, 14, 182, 213, 226.
  -- Trient 214.
  Heinrich II., Kaiser 11, 28, 111, 119, 132, 137, 139, 154, 159, 182,
    184, 234, 235.
  Heinrich III., Kaiser 11.
  Heinrich IV., Kaiser 226.
  Heinrich von Gmnd 63, 65, 229.
  Held, Familie 178.
  Helena, hl. 112, 139, 152, 202, 203, 234, 235, 238, 240.
  Heller, Karl, Kirchenrat 104.
  Helzner, Cuntz 231.
  Herakles (Darstellung) 166.
  Herdegen, Mathes 231.
  Herodes 185.
  Hess, Nagler 224.
  Hessen 58.
  Heugel, Albert 149.
  Heydeck, Erhard von 235.
  -- Otto von 235.
  Heydenreich, Ulrich 74.
  Hieronymnus, hl. 171.
  Hilling von Elnbogen, Achatius 206, 241.
  Himmelfahrt Christi (Darstellung) 186.
  Himmelfahrt Mariae (Darstellung) 174.
  Hilpert, Justizrat 86, 126.
  Hirsauer Bauschule 33.
  Hirschvogel, Veit 178, 182, 184, 185, 240.
  Hoffart (Darstellung) 182.
  Hoffmann, Dr. 6, 14, 68.
  Hohenzollern, Haus 185.
  Holzschuher, Familie 149, 150, 154, 169, 170, 174, 178, 188, 199, 235,
    237, 238, 241, 242.
  -- Friedrich 39, 216, 227, 234.
  -- Herdegen 39, 216, 227.
  -- Karl 231.
  -- Lazarus, 68 167, 230.
  -- Leopold 216.
  Hornlein, Ditel 235.
  Hostienbchse, 198 241.
  Hubner (Hbner), Ulrich 72, 223.
  Hupfauf, Erhard 70.
  Hussiten 239.


                                 I (J).

  Jacobus, Bischof von Castelazio 217.
  -- -- -- Castro 217.
  -- -- -- Metz 217.
  -- -- -- Nepi 217.
  -- -- -- Trivento 215.
  -- -- -- Valanea 217.
  Jacopo de Barbari 172.
  Jakobsaltar 132, 228, 235, 236, 237.
  Jakobskirche, 160.
  Jakobus d. . 117, 118, 132, 157, 160, 166, 178, 184, 235.
  Jakobus d. J. 166, 178.
  Jerusalem 115, 176.
  Jesus, siehe Heiland.
  Jesus im Tempel 187.
  Imeria (Erzbischof Thomas) 216.
  Imhoff, Familie 118, 152, 159, 168, 169, 170, 171, 180, 187, 212, 231,
    238, 240, 241.
  -- Hans 170.
  -- Klara 171.
  -- Konrad 171.
  -- Peter,167.
  -- Wilibalt 170.
  Imhoffsches Fenster 180, 187, 240, 241.
  Ingolstadt 74.
  Initialen 212.
  Innozenz VI., Papst 219.
  Intardus, Bischof von Tortiboli 218.
  Inzilerius, Bischof von Budua 214, 215.
  Jodok von Mhren, Markgraf 63, 65.
  Jodokus, hl. 132.
  Johann, Markgraf 185.
  Johann Albrecht, Markgraf 185.
  Johanna die Wahnsinnige 184.
  Johannes, Evangelist 118, 132, 134, 137, 138, 141, 142, 143, 148, 149,
    158, 166, 168, 174, 177, 178, 179, 187, 212, 215, 237, 238.
  -- Agitonensis, Bischof 218.
  -- Bischof von Anagni 217.
  -- -- -- Bagnorea 218.
  -- -- -- Carmium 218.
  -- -- -- Roeskilde 216.
  -- -- -- Veglia 218.
  -- Carvensis, Bischof 218.
  -- Bregivensis, Bischof 217.
  -- Tarmopolensis, Bischof 218.
  Johannes d. Tufer 111, 118, 153, 158, 164, 170, 171, 185, 206, 217,
    234, 238.
  Johannesaltar 132, 138, 234, 235, 237, 240.
  Johannes von Gmnd 229.
  Joseph, hl. 117, 163, 186.
  Irland 218.
  Irmisch 126.
  Isabella von Portugal 184.
  Italien 126.
  Judas Thaddus 166.
  Jungfrauen, die klugen und trichten (Darstellung) 47, 98, 99, 139,
    143, 234.
  Jungfrauenadler 139.
  Jngstes Gericht (Darstellung) 148, 149, 151, 170, 172, 239.
  Juvenel, Nikolaus 172, 240.


                                   K.

  Kaiserchor 114, 120, 174, 241.
  Kaiserkapelle 26.
  Kamin 95.
  Kammermeister, Familie 146.
  Kammerstein, Siegfried von 39, 216.
  Kandelgieer, Hartmann 130, 237.
  Kannen 197, 198, 199, 241, 242.
  Kanzel 19, 75, 84, 105, 116, 129, 132, 138, 206, 208, 241, 242.
  Kanzelbekleidung 206, 208, 241.
  Karl IV., Kaiser 48, 63, 65.
  Karl V., Kaiser 184.
  Karl VI., Kaiser 241.
  Krnten 184.
  Karter, Hans 71.
  Kaschendorfer Stephan, 71.
  Kasimir, Markgraf 185.
  Kassuben 185.
  Kastilien 184.
  Katharina, hl. 112, 137, 138, 139, 141, 151, 154, 171, 185, 202, 203,
    204, 206, 208, 215, 238.
  Katharinenaltar (Lffelholzaltar) 105, 113, 131, 137, 199, 206, 215,
    218, 234, 235, 236, 237, 238, 242.
  Katharinenchor 131, 236.
  Katharinenkloster 202, 225.
  Katzheimer, Wolfgang 178, 182, 239.
  Kauffmann, Familie 212.
  Kauper, Magistratsrat 86.
  Kelheim 90.
  Kemnater, Ulrich 228.
  Kern, Joachim 198, 241.
  -- Katharina 198, 241.
  Kerny in Irland (Bischof Johannes) 218.
  Ketzel, Familie 238.
  -- Heinrich 141.
  Kindermord, Bethlehemitischer (Darstellung) 185.
  Kindertchleinbcher 211.
  Kirchenbcher 211.
  Kirchengerte 64, 242.
  Kirchenvter 81.
  Kirchweih, siehe Einweihung.
  Klarakloster 15, 202, 235.
  Klingelbeutel 198, 241.
  Klpfel, Schmied 224.
  Kluniazenser 33.
  Knebel, Familie 153.
  Koburg 131, 235.
  Koburger, Hermann 236.
  Kchel, Thomas 235.
  Koler, Familie 138, 182, 187.
  -- Elisabeth 132, 237.
  Kolin 63, 66.
  Kln 33, 58, 66.
  Konrad von Wrzburg 143.
  Konstantin, Kaiser 203.
  Kppel, Georg 221.
  Kornhaus 156.
  Ktzler, Konrad 236.
  Kraft, Adam 111, 140, 146, 147, 148, 156, 164, 206, 239.
  Krakau 162.
  Kramer Bernhard, 132, 237.
  -- Jakob 132, 235.
  -- Otto 131, 235, 236.
  Kramerkapelle 240.
  Krankenkelch 198.
  Krau, Nikodemus 232.
  Krauter, Albert (Albrecht) 49, 219, 220, 236.
  Kreisarchiv Nrnberg 164, 196, 211, 223, 229, 230, 233, 234 ff.
  Kreling, A. 105, 138, 242.
  Kre, Familie 112, 113, 137, 141, 150, 153, 178, 180, 187, 188, 208,
    241.
  -- Konrad 217.
  -- Georg von, Dr., Justizrat 7, 104, 126.
  Kreuzabnahme (Darstellung) 186.
  Kreuzauffindung (Darstellung) 152, 203, 238, 240.
  Kreuzfelder, Johann 114, 172, 240, 242.
  Kreuzigung (Darstellung, siehe auch Crucifixus) 84, 116, 134, 174,
    180, 234, 239, 240, 241.
  Kreuztragung (Darstellung) 111, 114, 115, 146, 156, 171, 174, 176,
    180, 206, 239.
  Kroatien 184.
  Krnung Mari (Darstellung) 106, 150, 169, 186, 240.
  Kugler, Heinrich 68, 70, 71, 74, 221, 230.
  Kulmbach 87.
  Kundorfer, Ulrich 235.
  Ku(n?)dorferin, Kunigunda 236.
  Kunigunda, hl. 111, 119, 132, 137, 139, 154, 159, 182, 234, 235.
  Kunigundenaltar 132, 235, 237.
  Kunstgewerbeschule 138.
  Kttelmann, Orgelmacher 224.
  Kuttenberg 63, 66.


                                   L.

  Lahr i. B. 88.
  Lamprecht, Frstbischof von Bamberg 134.
  Lampsacus (Bischof Franciscus) 218.
  Landalmosenamt 78, 225.
  Landauer, Familie 146, 147, 148.
  -- Matthus 147.
  Landesausstellung, Zweite bayrische 95.
  Landshut 61, 196.
  Landulphus, Bischof von Brixen 215.
  Langheim, Hans von 70.
  Langres 36, 38.
  Laon 32, 38.
  Lapidarium, siehe Bausammlung.
  Larino (Bischof Petronus) 215.
  Laufer Schlagturm 39, 48.
  Lauffenholz, Familie 141.
  Lavaur (Bischof Thomas) 217.
  Lazarus, Bischof von Butrinto (Vucindro) 218.
  Lebus (Bischof Stephanus) 216.
  Ledergasse 235.
  Leibold, A. 86, 126.
  Leipzig 138.
  Leistner, Georg 81, 87, 90, 95, 98.
  Leo, Bischof von Regensburg 214.
  Leon 184.
  Leonhard, hl. 185, 219.
  Leonhard, St. (Siechkobel) 225.
  Leopold, Bischof von Bamberg 215, 217, 218, 219, 227, 228.
  Lesser, Alexander 162.
  Leuchterengel 199.
  Leyser, Georg Sigmund 191, 241.
  Liber horarum 212, 239.
  -- missalis 212.
  Liebel, Kommerzienrat 104.
  Liebfrauenkirche 48, 59, 60, 61, 65, 86, 87, 138, 139, 196, 242.
  Lilgenwei, Anna 71.
  -- Christoph 71, 223.
  Link, Familie 146.
  Lisenen 24, 72.
  Lochner 147.
  Lffelholz, Familie 105, 111, 112, 113, 131, 137, 169, 178, 188, 199,
    206, 238, 241, 242.
  Lffelholzaltar, siehe Katharinenaltar.
  Lffelholzchor, siehe Westchor.
  Lffelholzkapelle 78.
  Lhneisen, Adelheid 131, 235.
  Lorenz, hl. 172, 212, 217.
  Lorenzkirche, St. 15, 28, 39, 44, 47, 57, 61, 66, 68, 104, 119, 131,
    135, 139, 168, 169, 171, 177, 178, 196, 223, 241.
  Losungsstube 222, 224, 225.
  Lotholz, Stadtpfarrer 88, 104.
  Ludwig, Bischof von Bamberg 220, 228.
  Ludwig der Bayer, Kaiser 48, 228.
  Ludwig I., Knig von Bayern 75.
  Ludwig, Prinz von Bayern 95.
  Luitpold, Prinzregent von Bayern 80, 95.
  Luther, Martin 81, 96, 98, 185, 212, 242.


                                   M.

  Magdeburg 185.
  Magistratschor 52, 95, 96.
  Mailand 63, 65, 184.
  Main 33.
  Mainz 12, 29, 32, 33, 134, 216, 227, 241.
  Malschule 168.
  Mannus, Bischof von Amelia 218.
  Manuskripte, siehe Handschriften.
  Marcellinus, Bischof von Tortiboli 215.
  Margaretenkapelle 26.
  Maria, hl. 48, 90, 99, 112, 113, 117, 119, 120, 132, 134, 138, 141,
    142, 143, 144, 148, 149, 154, 159, 160, 161, 162, 163, 168, 171, 174,
    178, 180, 185, 187, 202, 208, 210, 212, 215, 217, 234, 237, 238, 239,
    240, 241.
  Marienaltar 49, 132, 220, 228, 234, 235, 236, 237.
  Marienleben (Darstellungen) 142, 180, 202, 203, 238.
  Maria Magdalena 198.
  -- Magdalenenkirche 15.
  -- von Burgund 184.
  Markgrafenfenster 159, 162, 178, 184, 240, 242.
  Markt 48.
  Marquardus, scultetus 214.
  Marstall, Familie 146.
  Marthaspital 225.
  Martinus, hl. 132, 176.
  Matenckhofer, Schlossermeister 221.
  Matrone (Statue) 120, 177.
  Matthias von Arras 63.
  Mauern (Mauerwerk) 20, 22, 31, 36, 42, 56, 57, 79, 89, 95, 108, 109,
    177, 226.
  Maurer, Familie 141, 238.
  -- Christoph, 187 240.
  -- Seyfried (Seitz) 218, 236.
  Mayentaler (Meyrntaler), Konrad 235, 236.
  Maxentius, Kaiser 203.
  Maximilian I., Kaiser 182, 184.
  Maximilianfenster 178, 182, 184, 240.
  Mayer, A., Konservator 105, 113, 114, 115, 122, 136, 138, 172, 174,
    176.
  Meintaler, Konrad 132.
  Meisterlin 228.
  Mela, Pomponius 167.
  Melanchthon 81 96, 98, 185.
  Mendel, Familie 156 162, 180, 237.
  --  Elisabeth 141.
  Mendelsches Fenster 180 237.
  Mendelsche Zwlfbrderstiftung 225.
  Merian 114, 135, 241.
  Mesnerwohnung 100.
  Megewnder 242.
  Messingleuchter 199, 200.
  Mekelche 197, 240.
  Metz (Bischof Jacobus) 217.
  Meyrntaler, siehe Mayentaler.
  Michael, Erzengel (Darstellung) 151.
  Michael von Freiburg 229.
  Michahelles, Friedrich, Kirchenrat 85, 86, 90, 104, 105, 112, 124, 126,
    157.
  Milchmarkt 230.
  Miniaturmalerei 211, 212.
  Modellsammlung, siehe Bausammlung.
  Montemarano (Bischof Petrus) 217.
  Moritzkapelle 140, 162, 210, 233.
  Muffel, Familie 120, 135, 144, 153, 160, 161, 176, 188, 192, 193, 200,
    206, 237.
  -- Jakob 160, 162.
  -- Nikolaus 131, 238.
  -- Otte 216.
  -- Paul 131.
  Muffelaltar (Stephansaltar) 49, 114, 115, 118, 119, 131, 135, 189, 190,
    200, 206, 208, 211, 213, 234, 236, 237, 238, 239, 240, 241.
  Mller, v., Kultusminister 88, 90, 94, 95.
  Mllner, Johannes, Ratschreiber 223.
  Mnchen 61, 80, 86, 108, 113, 117, 126, 163, 170, 176, 178, 210.
  Mntzer, Familie 170.
  Mnzmeister, Familie 169.


                                   N.

  Nachgrabungen 16, 17, 20, 99, 100, 139.
  Nazareth (Bischof Nikolaus) 217.
  Neapel 184.
  Nepi (Bischof Jacobus) 217.
  Neudrfer 147, 170.
  Neudung, Familie 170.
  Neumarkt i. O. 134.
  Neumarkter, Familie 153.
  Nikolaus, Bischof von Capri 215.
  -- -- -- Orti 218.
  -- -- -- Turibia 215.
  -- Zivivascensis, Bischof 216.
  -- Bischof von Nazareth 217.
  Nikolaus, hl. 171, 217.
  Nikolaus IV., Papst 215.
  Nikolausaltar, siehe Tucheraltar.
  Nimrod (Darstellung) 166.
  Nrdlingen 61, 68, 74, 230.
  Nrnberg, Architektonisches Gesamtbild 15, 57.
  -- Bauschule 28, 32, 63, 64, 74.
  -- Bildhauerschule 139, 140.
  -- Entwicklung 11, 39, 48, 49, 105.
  -- Ratsherren 162.
  -- Teppichindustrie 202.
  -- Wappen 122, 168, 192, 212.
  -- Urkunden 13, 213 ff.
  -- Zoll und Mnze 226.
  Ntzel, Familie 132, 178, 179, 187, 240.
  --  Gabriel 195, 220.
  --  Peter 237.


                                   O.

  Oberfranken 81.
  Oberkirchen bei Bckeburg 90.
  Ochs, Lienhart 221.
  Oertel, Familie 146, 152, 170.
  Offenstetten 90.
  lberg (Darstellung) 115, 138, 146, 150, 151, 152, 162, 176, 238, 247.
  lhafen, Familie 170, 174, 178, 187, 239.
  Opferstock 191.
  Oppido (Bischof Stephanus) 215.
  Orelli 97.
  Orgeln 76, 97, 105, 113, 116, 122, 124, 177, 191, 192, 193, 238, 240,
    241, 242.
  Orti (Bischof Nikolaus) 228.
  Ortlieb, Familie 177.
  sterreich 184.
  Ostfranken 36.
  Ott, Tnchermeister 233.
  Otto, hl. 132, 137.
  Otto von Forchheim 236.
  Overdik, Konrad Nikolaus 192, 241.


                                   P.

  Pankratius, hl. 132.
  Pankratiuskapelle 52, 231, 239.
  Papststatue 119, 159, 239.
  Paradies (Darstellung) 114.
  Paramente 64, 196, 200, 206 ff.
  Paramentenschrank 190.
  Paris 126.
  Parler (siehe auch Balier), Heinrich d. . 58, 60, 63, 65, 66, 229.
  -- Heinrich d. J. 63, 64, 65, 66, 68, 70, 71, 90.
  -- Peter 63, 64, 65, 66, 229.
  Passau 214.
  Psse 57.
  Passionsdarstellungen 139, 146, 162, 174, 180, 237, 239.
  Patina 87.
  Paulus (Apostel) 13, 114, 119, 139, 159, 166, 174, 182, 217, 237.
  Paulus, Bischof von Foligno 217.
  Paumgartner (Baumgartner), Familie 142, 153, 178, 187.
  Pegnitz (Flu) 12, 15, 28, 39.
  Pellerhaus 178.
  Perri (Bischof Vincencius) 217.
  Peter, Schmiedemeister 221.
  Peterschor, siehe Westchor.
  Peterskapelle 12, 14, 29, 131, 226.
  Petronus, Bischof von Larino 215.
  Petrus (Apostel) 11, 12, 13, 14, 23, 29, 30, 114, 118, 119, 135, 139,
    151, 159, 160, 166, 172, 174, 178, 182, 208, 217, 219, 227, 237.
  Petrusaltar 114, 115, 120, 124, 129, 131, 135, 136, 162, 168, 176,
    190, 200, 208, 216, 234, 235-240.
  Petrus, Bischof von Cagli 217.
  -- -- -- Cagliari 217.
  -- -- -- Basel 216.
  -- -- -- Montemarano 217.
  -- -- -- Tarazona 215.
  -- Erzbischof von Arborea 215.
  -- -- -- Mainz 216.
  Petzensteiner, Heinrich 212.
  Pfeil, Johann 212.
  Pfinzing, Familie 132, 141, 146, 150, 170, 180, 182, 185, 188, 203,
    239.
  -- Berthold 131, 141, 235, 237, 238.
  -- Elisabeth 141.
  -- Melchior 161, 240.
  -- Otto 141.
  -- Sebald 141.
  -- Siegfried 185.
  Pfinzingchor 116, 174.
  Pfinzingempore 180.
  Pfingzingsche Fenster 178, 185, 240.
  Pfleiderer 112, 115, 176.
  Pfrnden 130, 131, 132, 134.
  Pftzinger, Dietrich 235.
  Philipp, hl. 152, 166.
  Philipp, Bischof von Bamberg 182.
  Philipp der Schne 184.
  Philippus Lavadensis, Bischof 218.
  Pildschnitzer, Ulrich 70.
  Pileus, Kardinal 49, 50, 220, 228.
  Pilgersttte (Darstellung) 115.
  Pinakothek in Mnchen 117, 163, 170.
  Pinz, Hans 70.
  Pinzberger, P. 235.
  Pirkheimer, Familie 170, 187.
  Plandispositionen 29, 30, 31, 32, 38, 104.
  Planck, Wilbolt 221.
  Plauen, v., Familie 141.
  Pola (Bischof Sergius) 217.
  Polen 185.
  Pmer, Familie 111, 132, 150, 152, 154, 169, 188, 232, 234, 237, 242.
  -- Agnes 163.
  -- Elspet 152.
  -- Friedrich 152, 187.
  -- Heinrich 132, 151, 187, 235.
  -- Jorg 152.
  -- Konrad 187.
  -- Steffan 152.
  Pmerkapelle 52, 75.
  Pommern 185.
  Poppenreuth 12, 14.
  Porkirche 75.
  Prag 63, 64, 65, 66, 229.
  Prmonstratenser 33.
  Praun, Konrad 236.
  Prechtel, Leonhard 130, 240.
  Preiler, Daniel 122, 191.
  Pretheim, Konrad 235, 236.
  Propheten 81, 90, 144, 148, 166, 182, 188.
  Psalterium Davidis 212.
  -- Romanorum 212.
  Pulman, Hans 221.


                                   Q.

  Quetrerin 235.


                                   R.

  Ragusa (Erzbischof Bonaventura) 215.
  Raphael, Bischof von Arkadi 218.
  Rathaus 219, 228, 231, 235.
  Ravello (Bischof Franciscus) 217.
  Raymundus, Bischof von Catania 217.
  -- Bischof von Rieti 217.
  Rednitz 33.
  Regensburg 11, 26, 28, 29, 32, 214, 227.
  Reichsarchiv Mnchen 213, 227, 228, 234.
  Reichskleinodien 164.
  Reinbotus, Bischof von Eichsttt 214.
  Reliquien 14, 29, 30, 129, 134, 136, 163, 164.
  Reliquienschrein (Sebaldusgrab) 164, 166.
  Rettung aus dem Fegefeuer (Darstellung) 141.
  Reutlingen 66, 229.
  Ricardus, Bischof von Asthyra 218.
  Rieppel, Direktor 89.
  Rieter, Familie 153, 171, 237.
  Rieti (Bischof von Raymundus) 217.
  Riga 185.
  Robertus, Bischof von Connor 216.
  Rochus, hl. 212.
  Rochuskapelle 170.
  Rdl, Heinrich 232.
  Roeskilde (Bischof Johannes) 216.
  Rohleder, Familie 187.
  Rohrmann, Therese und Georg Peter 199, 242.
  Rom 12, 215, 217, 218, 229, 231.
  Romanus, Bischof von Croja 215.
  Rsch, Antiquittenhndler 200.
  Rosner, Andreas und Hans 167.
  Rotensteiner, Merkel 235.
  Rotermundt, Lorenz 134, 138, 242.
  Rothenburg o. T. 191, 241.
  Rothenhahn, Familie 146, 147.
  Rothflasch, Familie 171.
  Rubens 170, 241.
  Ruedorfer, Franz 108.
  Ruf, Nagler 224.
  Rgen 185.
  Rummel, Familie 150, 152, 169, 203, 238.
  Rupprecht, David 232.
  -- Ingenieur 86, 104.
  Ruprecht 106.


                                   S.

  Sachs, Familie 137, 146.
  Sagona (Bischof Guillermus) 216.
  Sakramentshuschen 118, 119, 120, 140, 148, 159, 160, 162, 239, 240.
  Saltania (Erzbischof Guillermus) 216.
  Salvator (Darstellung) 118.
  Samson (Darstellung) 166.
  -- bezwingt den Lwen (Darstellung) 202.
  -- wird von Delila berlistet (Darstellung) 202.
  Sanduhr 199, 242.
  Sngerbhne 94, 95, 124, 192.
  Sngerpulte 189.
  Saur, Johann 212.
  Schatz, Konrad 131, 132, 236.
  Schautre 52, 76, 92, 162, 172, 228, 231, 239.
  Schedel, Familie 149, 239.
  -- Anne, Hermann, Hartmann und Magdalena 149.
  Scheffer, Cunz 231.
  Scheurl, Familie 113, 178, 182, 188.
  Schiller, Julius, Stadtpfarrer 104, 124.
  Schlagglocke, siehe Stundenglocke.
  Schlagturm 78.
  Schlsselfelder, Familie 147, 152, 178.
  Schmidgasse 235.
  Schmittmaier 152.
  Schmitz, Joseph, Professor 80, 104, 105, 124, 126, 208, 226, 242.
  Schnd, Familie 144.
  Schon, Friedrich, Professor 169.
  Schner Brunnen 65, 139, 229.
  Schongauer, Martin 171.
  Schopper, Albrecht 130, 235.
  -- Friedrich 236.
  -- Gotfried 152.
  Schrnke 210.
  Schreier, Familie 146, 147, 148, 153, 156, 180, 188, 230, 239.
  -- Sebald 68, 71, 72, 121, 147, 148, 167, 195, 211, 220.
  Schreiersches Grabmal 94, 146, 156, 239.
  Schrodt 197.
  Schwabach 74.
  Schwaben 11, 58, 61, 66, 74.
  Schwbisch-Gmnd 58, 66.
  Schwammbach, Almosenamtszimmermeister 223, 224.
  Schwanhuser, Kommerzienrat 104, 126.
  Schwarzpeckh, Friedrich 232.
  Schweigger, Georg 134, 135, 138, 241.
  Schwab, Michel 232.
  Schule bei St. Sebald 235.
  Schuler, Melchior 232.
  Schultre 76, 162, 241.
  Schrer, Zacharias 212.
  Schrstab, Familie 120, 160, 186, 187, 203, 236, 237, 238, 239.
  -- Sifrid 218.
  Schrstabfenster 186, 237, 239.
  Sebald, hl. 11, 13, 14, 29, 30, 48, 90, 99, 119, 120, 121, 122, 129,
    134, 144, 148, 154, 156, 157, 160, 163, 164, 166, 167, 178, 185,
    188, 192, 198, 202, 208, 212, 219, 237, 238.
  Sebald, St., Pfarrei, Kirchenverwaltung 39, 48, 49, 80, 81, 85, 86,
    87, 88, 103, 104, 124, 126, 140, 156, 163, 186, 211, 219, 220, 228,
    236, 242.
  Sebaldsfriedhof, St., siehe Friedhof von St. Sebald.
  Sebaldusaltar 129, 130, 164, 228, 235, 236, 237, 238, 240.
  Sebaldusgrab 99, 122, 134, 163 ff., 238, 239, 240, 241.
  Sebastian, hl. 129, 185, 212.
  Seckendorf, Familie 138.
  Semler, Familie 142, 237, 238.
  -- Burckhart 142.
  -- Heinrich 228, 236.
  Sepulkren 124, 129.
  Sergius, Bischof von Pola 217.
  Seyfart, Wolf 232.
  Siechkbel 225.
  Sigmund 229, 231.
  Simon, hl. 152, 166.
  Simson, siehe Samson.
  Sippe, hl. 138.
  Sirmium (Bischof Albertinus) 218.
  Sizebolu (Bischof Bertoldus) 218.
  Sizilien 184.
  Soliwri (Bischof Augustinus) 218.
  Sonnenuhren 232.
  Sophie von Polen 185.
  Spanien 182, 217.
  Speidel, Ulrich 71.
  Speyer 33.
  Sprachrohr 96.
  Sprngli, Jakob 187, 240.
  Stadtalmosenamt 223, 224, 225, 232.
  Stadtarchiv 50, 104, 130, 195, 211, 220, 225, 228, 230, 231, 233, 234.
  Stadtgraben 39, 48, 96, 102, 156.
  Starckius, Johannes und Georgius 141.
  Stark, Familie 118, 147, 159.
  -- Hans 168, 170, 176, 238, 239, 240, 241.
  -- Ulrich 169, 170, 176.
  Stauber, Hans 193.
  Steger, Zimmermeister 88.
  Stegmann 7.
  Steier 184.
  Steigerwald 33.
  Stein, Hermann von 234.
  Steinbach 237.
  Steinlinger, Familie 239.
  -- Barbara 115, 176.
  -- Karl 176.
  Steinmetzzeichen 31, 34, 63, 66, 90, 149, 190.
  Stephansaltar, siehe Muffelaltar.
  Stephanus, Bischof von Lebus 216.
  -- -- -- Oppido 215.
  Stern, Heinrich und Johann 212.
  Stettin 185.
  Stettner, Bauinspektor 223.
  Stich 211.
  Stockamer, Familie 178.
  Sto, Veit 84, 105, 116, 118, 119, 120, 134, 150, 157, 158, 159, 162,
    210, 239, 240, 241.
  Straburg 44, 47, 143.
  Strebel 113, 124.
  Stromer, Familie 137, 143, 154, 174, 182, 186, 187, 188, 203, 204,
    234, 237.
  -- Ambrosius 131, 240.
  -- Jakob 232.
  -- Ulmann 229.
  -- Wolf 232.
  Stromersches Fenster 182, 237.
  Stundenglocke (Schlag- oder Uhrglocke) 195, 229, 237, 239.
  Sturmglocke 195.
  Sue, Hans, siehe Hans von Kulmbach.
  Sndenfall (Darstellung) 200.
  Szzel, Konrad 236.


                                   T.

  Tarazona (Bischof Petrus) 215.
  Tauber, Magistratsrat 104.
  Taufbecken 199, 241.
  Taufbcher 211.
  Taufe Christi (Darstellung) 170.
  Taufkessel 156, 157, 237.
  Taufstein, 156, 157.
  Termoli (Bischof Johannes) 218.
  Tesaurus (Schatz), Konrad 132, 235.
  Teufel, Berthold 220.
  -- Hans 132, 236, 238.
  -- Konrad 220.
  Tetzel, Familie 120, 142, 160, 169.
  -- Joachim 76.
  Thter, Fabrikbesitzer 104, 126.
  Theobald, hl. 134.
  Theobaldus, Bischof von Canosa 215.
  Theseus 166.
  Thomas (Apostel) 137, 150, 166.
  -- Bischof von Imeria 216.
  Thomas-Christusstatue 96, 111, 112, 119, 120, 237, 239.
  Thomas Laueriensis, Bischof 217.
  Thracien 217, 218.
  Tirol 184.
  Tod Mari (Darstellung) 106, 112, 174, 186.
  Topler, Familie 136, 144.
  -- Nikolaus 239.
  Tortiboli (Bischof Marcellinus) 215.
  -- (Bischof Intardus) 218.
  Toscanella (Bischof Angelus) 217.
  Totenbcher 211.
  Totenschilder 105, 112, 114, 188.
  Traxdorf, Heinrich 122, 191, 238, 240, 241.
  Trient 214.
  Trivento (Bischof Jacobus) 215.
  Tucher, Familie 113, 118, 134, 135, 153, 157, 158, 169, 171, 172, 178,
    180, 182, 188, 189, 197, 202, 203, 204, 206, 210, 229, 230, 231, 237,
    238, 239, 240.
  -- Anton 167, 239.
  -- Berthold 235, 239.
  -- Christoph, Freiherr v. 200.
  -- Endres 228.
  -- Hans 68, 71, 121, 168, 195, 230, 239.
  -- Heinrich, Freiherr v. 206.
  -- Langhans 239.
  -- Lorenz 171, 172.
  -- Martin 171, 240.
  Tucheraltar (Nikolausaltar) 113, 114, 115, 122, 124, 130, 134, 135,
    162, 176, 191, 200, 206, 237, 241.
  Tucherfenster 118, 180, 237, 240.
  Tuchersches Familienfenster 157, 158.
  Tugendbrunnen 240.
  Turibia (Bischof Nicolaus) 215.
  Trklopfer 152, 153.
  Trmerstube siehe Wchterstube.
  Tuttenstetten, Heinrich v. 131, 234, 236.


                                   U.

  Uhrglocke, siehe Stundenglocke.
  Ulrich, Flaschnermeister 222, 223.
  Ulm 61, 70.
  Unger, Jorg 231.
  Unterholzer, Familie 178.
  Urban VI., Papst 220.
  Urbino (Bischof Egidius) 215.
  Urkunden 213 ff.
  Ursula, hl. 185.
  Usmer 119, 159.


                                   V.

  Vach 147.
  Valanea (Bischof Jacobus) 217.
  Valencia 185.
  Valzner, Familie 138.
  Veglia (Bischof Johannes) 218.
  Veit, Bischof von Bamberg 182.
  Venutus, Bischof von Catanzaro 216.
  Verein fr die Restaurierung der Sebalduskirche 104, 126.
  -- fr Geschichte der Stadt Nrnberg 5, 7, 16, 89, 90, 99, 100, 143,
    196, 223, 226, 231, 233.
  Vergnglichkeit (Darstellung) 170.
  Verkndigung (Darstellung) 102, 118, 120, 138, 143, 144, 158, 160,
    168, 169, 170, 186, 203, 211, 238, 239.
  Verlorene Sohn (Darstellung) 202, 203, 204, 238.
  Veronikatuch (Darstellung) 106, 114, 174.
  Vertreibung aus dem Paradies (Darstellung) 202.
  Vesperbilder 120.
  Vesperlein 241.
  Vestenberg, Heinrich von 194.
  Vetter, Familie 174.
  Viertelstundenglocke 196, 230, 232, 239.
  Vincencius, Bischof von Perri 217.
  Vischer, Hermann 168.
  -- Peter d. . 163, 164, 166, 167, 168, 239, 240.
  -- Peter d. J. 168.
  Viterbo (Bischof Angelus) 217.
  Volckamer, Familie 120, 156, 159, 160, 162, 169, 171, 177, 178, 186,
    187, 188, 199, 223, 238, 241.
  -- Hans 68, 71.
  -- Klara 171.
  -- Paul 132, 162, 167, 212, 241.
  Volckamersches Fenster 177, 178, 186, 187.
  Vollhardt, Justizrat 104, 126.
  Vorchheimer, Fr. 235.
  Vorchtel, Familie 144, 228, 238.
  -- Heinrich 130, 236.
  Vucindro (Bischuf Lazarus) 218.


                                   W.

  Wchterstube (Trmerstube) 66, 70, 72, 74, 76, 210, 229.
  Walchtor 96.
  Waldmter 223, 224.
  Waldebrunus, Bischof von Avellino 215.
  Waldmannin, Sabina 206.
  Wallfahrtsort (Darstellung) 176.
  Walther von der Vogelweide 143.
  Wandbrunnen 83.
  Wanderer, Friedrich, Professor 113, 178.
  Wandmalereien 24, 83, 84, 105, 106, 108, 112, 114, 115, 124, 168, 169,
    174 ff., 192, 210, 238, 239, 241.
  Wandschrnkchen 189, 190, 191.
  Wandtabernakel 140, 160, 162, 237, 240.
  Wandteppiche 84, 196, 200 ff., 202, 203 ff., 238, 239.
  Weber, Otto 110.
  Weigel, Seitz 236.
  Weinmarkt 238.
  Weienburger, Johann 193.
  Weie Turm 39, 48.
  Weizenbierbrauhaus 78, 233.
  Welser, Familie 187.
  -- Paul Karl 223.
  Wendelstein 83, 87, 88, 94, 99, 111, 113.
  Wenden 185.
  Wenzel, Knig 156.
  Westfalen 57.
  Wetzrillen 146.
  Weylerius, Ulricus 219.
  Wickel, Nikolaus 134.
  Wien 167.
  Wigel, Heinrich 216.
  Wilhelm II., Deutscher Kaiser 80.
  Wilhelm, Markgraf 185.
  Wimpfen, Joh. Friedr. v. 171.
  Winkler, Benedikt 138.
  Wirsching, Georg 134, 241.
  Wittenberg 212.
  Whrd 174.
  Wolf, Konrad und Mechtild 236.
  Wolgemut (Michel) 135, 147, 171.
  Worms 12, 29, 143, 227.
  Wulfing, Bischof von Bamberg 216.
  Wunderer, Pfarrer 126.
  Wrttemberg 229.
  Wrzburg 26, 33, 185.
  Wuzelbauer, Johann 240.
  Wyssen, Johannes 194.


                                   Z.

  Zacharias, hl. 117, 163.
  Zadow, F. 126, 157.
  Zehenter, Hans 232.
  Zeigerlein 241.
  Zenner, Chunradus 219.
  Zettler, Hofglasmaler 113, 126, 178.
  Zeughaus 156.
  Zimmermann 200.
  Zisterzienserorden 33, 34, 36, 38, 227.
  Zollner, Familie 149, 152, 169.
  Zngel, Familie 137.
  Zwlfbotenaltar 132, 228, 235, 236, 238, 240.

                    *       *       *       *       *




                     Anmerkungen zur Transkription

Der Schmutztitel wurde entfernt.

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und offensichtliche Druckfehler korrigiert.

Gesperrter Text wurde mit Gleichheitszeichen (=Text=), kursiver Text
mit Unterstrich (_text_) und fett gedruckter Text mit Dollarzeichen
($text$) markiert.

Punkte ber Buchstaben wurden dargestellt als [.Buchstabe] und Striche
ber und unterhalb von Buchstaben als [=Buchstabe] und [Buchstabe=].

Das Pfennigzeichen wurde als [Pfennig], das Schillingzeichen als
[Schilling] und das Zeichen gestorben als [gestorben] dargestellt.

Kleinbuchstaben ber Buchstaben wurden als Buchstabe^Buchstabe
dargestellt.





End of the Project Gutenberg EBook of Die Sebalduskirche in Nrnberg, by 
Wilhelm Friedrich Hoffmann

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE SEBALDUSKIRCHE IN NRNBERG ***

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Literary Archive Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
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number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
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The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
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Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
date contact information can be found at the Foundation's web site and
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