The Project Gutenberg EBook of Satyrische Abhandlung von den Krankheiten
der Frauenspersonen, welche sie sich durch ihren Putz und Anzug zuziehen, by Christian Tobias Ephraim Reinhard

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Title: Satyrische Abhandlung von den Krankheiten der Frauenspersonen, welche sie sich durch ihren Putz und Anzug zuziehen

Author: Christian Tobias Ephraim Reinhard

Release Date: May 1, 2016 [EBook #51930]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SATYRISCHE ABHANDLUNG VON ***




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                    Anmerkungen zur Transkription:

    Der vorliegende Text wurde anhand der 1756 erschienenen Buchausgabe
    so weit wie mglich originalgetreu wiedergegeben. Altertmliche
    Begriffe und Satzkonstruktionen wurden unverndert bernommen;
    inkonsistente Schreibweisen wurden nicht vereinheitlicht.
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    Schriftschnitte werden die folgenden Sonderzeichen vewendet:

    kursiv:   _Unterstriche_
    fett:     =Gleichheitszeichen=
    Antiqua:  ~Tilden~

    Die fettgedruckten Passagen werden im Original zustzlich in einer
    vergrerten Schrift dargestellt.

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               ~D.~ Christian Tobias Ephraim Reinhards,

       Knigl. Preu. besttigten Heilarzts und Stadtphysici in
        der Herzoglich-Frstlich-Lobkowitzischen Residenzstadt
                                Sagan,

                         Satyrische Abhandlung

                                von den

                              Krankheiten

                                  der

                           Frauenspersonen,

                            welche sie sich

                      durch ihren Putz und Anzug

                               zuziehen.


                               ~HORAT.~

                     ~-- -- Ridendo dicere verum,
                      Quis vetat?~

                            [Illustration]

                          Glogau und Leipzig,
                   bey Christian Friedrich Gnthern,
                                 1756.




Sinngedichte.


    Die groe Klugheit mancher Weiber
      Geht weit, weit ber die Natur:
    Verschnern sie nicht ihre Leiber?
      Nein sie verderben solche nur.




                                  Dem

                       Durchlauchtigsten Frsten
                              und Herrn,

                                 HERRN

                          Ferdinand Philipp,

                    Herzoge zu Sagan in Schlesien,

                 des H. R. R. Frsten und Regierer des
                           Hauses Lobkowitz,

                   Gefrstetem Grafen zu Sternstein,

                                 Herrn

                der Herrschaften Chlumnitz, Gystebnitz,
                   Raudnitz an der Elbe, Mhlhausen,
                     Entzowan und Unterberzkowitz,

                               Erbherrn
                der Herrschaften zu Bilin, Liebshausen,
                            und Miersowitz;

                 Sr. Kais. und Kn. Maj. hochbetrautem
                        wirklichen Kammerherrn,

                       Meinem gndigsten Frsten
                           und Herrn Herrn.




                       Durchlauchtigster Herzog,

                           Gndigster Frst
                            und Herr, Herr!


[Illustration]

Schon lngst haben =Sich Ew. Durchlaucht= vermge =Ihrer= tiefen
Einsicht in die Wissenschaften, den Namen eines klugen Frstens
erworben. Und schon lngst ist =Ihnen=, wegen =Ihrer= besondern
Mildthtigkeit, von =Ihren= getreuen Unterthanen der ruhmvolle Beyname
eines gtigen Landesvaters beigelegt worden. Und ich habe mir die
Freyheit angemat, der Nachwelt davon Nachricht zu geben.

Blo diese vorzglichen Frstentugenden sind die eigentlichen
Triebfedern gewesen, vermge deren ich angetrieben worden bin,
gegenwrtige Schrift zu den Fen =Ew. Durchlaucht= zu legen, um
=Ihnen= dadurch meine Unterthnigkeit und Ehrfurcht ffentlich bezeugen
zu mgen.

Allein ich wrde nur gar zu eitel scheinen, wenn ich mir einfallen
lassen wollte, da ich durch diese schlechte Bemhung meine Absicht
vollkommen erreicht, und meiner Pflicht eine vllige Genge geleistet
htte. Nein, ich sehe es vielmehr nur gar zu wohl ein, da meine Arbeit
viel zu geringe sey, als da ich mich mit der Hoffnung schmeicheln
sollte, da solche von einem Frsten eines gndigen Anblicks gewrdiget
werden knnte.

Aber eben diese Erkenntni wrde mich ganz gewi strafbar machen, wenn
die Gromuth, welche nur =Ew. Durchlaucht= eigen ist, nicht gewohnt
wre, meiner Khnheit gndigst Nachsicht zu ertheilen. So gro ist
das Vertrauen, welches sich einzig auf eines gtigen Frstens Gnade
grndet, dessen Genu ich vor das grte Glck halten, und fr dessen
Erlangung ich in heiligster Ehrfurcht, mit aller Unterthnigkeit ewig
seyn werde

    Ew. Durchlauchtigkeit

    Sagan,
    den 18. d. Christmonats
    1755.

    demthigster
    Knecht,
    Christ. Tob. Ephr. Reinhard




[Illustration]


Vorrede.


Da ich in mir einen innerlichen Beruf und ganz besondern Trieb
verspre, die Thorheiten des schnen Geschlechts, womit sie ihrem
liebenswrdigen Krper nur gar zu vielen Schaden zufgen, zu erzhlen,
ihm solche als abgeschmackt vorzustellen, lcherlich zu machen, und ihm
die Wahrheit in etwas ernsthafter, als ich sonst gewohnt bin, zu sagen;
so kann ich ohne groe Mhe gar wohl von selbst einsehen, da ich
das Unglck haben werde, mich ihrer Freundschaft vielleicht gnzlich
verlustig zu machen. Allein ich bin gleichwohl so glcklich gewesen,
in meinem Leben durch die Erfahrung so viel Einsicht zu berkommen,
da niemand die Wahrheit mit grerm Widerwillen anzuhren und zu
vertragen gewohnt sey, als unsre Schnheiten. Aber wrde ich mich nicht
auf eine recht grobe Art an den schnsten Geschpfen versndigen, wenn
ich so unverschmt seyn wollte, diese weibliche Schwachheit allen
Frauenspersonen ohne Unterschied zur Last zu legen. Ich weis, da
einige so viel Verstand besitzen, es gar wohl zu erkennen, da ihnen
annoch nur gar zu viele Menschheit anklebe. Mir selbst sind Beispiele
solcher Schnen zur Genge bekannt, welche die Wahrheit gar wohl
anhren konnten, ohne darber einen Verdru bey sich spren zu lassen,
und ohne deswegen einen Ha auf diejenige Person zu werfen, die sich
so aufrichtig gegen sie auffhrte, ihnen, ohne zu heucheln, mit einer
ungezwungenen Freymthigkeit das Unanstndige unter die Augen zu sagen.
In Wahrheit, manche Schnen haben einen mehr als mnnlichen Geist:
denn sie wissen es nicht nur mit einer Gelassenheit anzunehmen, wenn
man ihnen diejenigen Schwachheiten, so sie an sich tragen, in ihrem
wahren Wesen vorhlt, sondern sie sind auch so verstndig, den festen
Entschlu zu fassen, im Ernste sich von solchen Schwachheiten lo zu
machen, um andern keine Gelegenheit ber sie zu spotten zu geben.

Da ich nun als ein Arzt sehr wohl weis, da es meine Schuldigkeit sey,
alle diejenigen Thorheiten mit einer Dreistigkeit zu sagen, wodurch dem
menschlichen Geschlechte nur gar zu viele Gelegenheit, in Krankheiten
zu verfallen, gegeben wird; so wrden sich die Schnen an mir auf eine
hchst unerlaubte Weise vergehen, wenn sie darum eine Bosheit gegen
mich in ihrer Brust hegen wollten, weil ich so gewissenhaft gegen sie
gehandelt htte, sie fr dem Schdlichen zu warnen, um ihren artigen
Krper gesund erhalten zu mgen. Wrde es nicht eine unverantwortliche
Snde seyn, wenn man wider einen Gesetzprediger darum in Grimm gerathen
wollte, weil er unsers Seelenheils zum Besten, die Laster, welche doch
nur Hindernisse der Seligkeit sind, bestraft, und als abscheulich
vorgestellt htte?

Ich bin also, blo mein Gewissen frey zu machen, kraft meines tragenden
Amts, mit mir einig geworden, aus lauter Liebe zu dem schnen
Geschlechte, und ihrer schtzbaren Gesundheit zum besten, diejenigen
=Krankheiten= abzuhandeln, =welche sie sich durch ihren Ausputz
und Anzug zuzuziehen pflegen.= Die Schnen werden es sich also nicht
zuwider seyn lassen, wenn ich von ihren Haupthaaren anfange, und an
ihrer kleinen Zehe erst wieder das Ende mache. Sie werden es nicht bel
nehmen, wenn ich bey Gelegenheit ihren Putz durch schalkhafte Einflle
und spttische Ausdrcke bis zum Verlachen beschreiben werde. Genug,
da ich dieses alles ihrer schtzbaren Gesundheit wegen unternehme.

Doch ich mu den Schnen gleichwohl, ohne, da mich jemand hierzu
nthiget, Rechenschaft geben, und ihnen den Bewegungsgrund erffnen,
welcher mich zu dieser Arbeit gereizet hat. Ich sehe mich nun von
selbst verbunden, ihnen mein Bekenntni abzulegen, und, ohne roth zu
werden, zu gestehen, da mich keine andre Ursache auf diese Gedanken
gebracht, als weil ich gesehen und wahrgenommen habe, da kein
Geschlechte weniger mit seinem Krper zufrieden sey, als das weibliche,
da ihnen doch das ewig weise Wesen aus ganz besonders weisen Absichten
keinen bessern htte zueignen knnen. Aber ob sich unsre Schnheiten
nicht durch ihre Bemhung, ihrem Krper ein ander Ansehen zu geben, an
ihrem Baumeister vergehen, will ich zwar eben so frey nicht sagen:

    doch denken mag ichs wohl?

Ich glaube ganz gewi, da man sich auf allen hhern Schulen in
allen Facultten Raths erholen wrde, um gewi erfahren zu mgen, ob
dasjenige Frauenzimmer nicht fr ein Monstrum zu halten sey:

    Denn nur ein Glied zu viel macht schon ein Monstrum aus,

welches an den Ohren mit Ohrgehngen, oder im Angesichte mit schwarzen
Muschen, welche halbe und volle Monden vorstellen, gebohren worden
wre? Wrden die Eltern solcher Kinder nicht alles drauf wenden, um
diese Flecken aus dem Angesichte lo zu werden, und diese Ohrgehnge
von den Ohren weg zu bringen? Und dennoch ist mancher Menschen Narrheit
so gro, da sie, um schner zu scheinen, ihre Ohrlpchen mit einer
zahlreichen Menge von Steinen beschweren, und fast alle himmlische
Krper in ihr Angesicht kleben. Mich hat es schon lange gewundert,
warum das artigste Geschlecht nicht lngstens auf den seltsamen
Einfall gerathen ist, sich, statt der ganz und halbmondfrmigen
Schminkpflsterchen, den ganzen Thierkrais, oder nur einige davon,
als den Drachen, den Scorpion, den Lwen in das Angesichte zu setzen,
und ihre Ohrlpchen statt der steinernen Ohrgehnge lieber mit einem
ganzen Gelute von Schellen zu behngen. Denn durch diesen Putz wrde
man eine Schne bald von weiten kommen hren, und ihr also durch
Abnehmung des Huts und durch eine hfliche Verbeugung des Leibes, die
schuldige Hochachtung zu erweisen, nicht so leichte vergessen knnen.
In Wahrheit, dieser Zierath wrde keine Schande vor unsre Schnheiten
seyn. Trug doch ehedem der Hohepriester bey den Juden auch Schellen,
ob er schon selbige nicht an seinen Ohrlpchen, sondern nur an dem
Saume seines Rockes trug. Und also wrden ja die Schnen was recht
besonder vorzgliches fr den Mnnern zum Voraus haben, und dieses
darum, weil sie die Schnen wren. Doch an gehrigen Oertern werde ich
mich deutlicher davon auszudrcken nicht viel bitten lassen. Ich werde
also in meiner mir vorgenommnen Abhandlung von den Krankheiten der
Schnen, denen sie vermge ihres Putzes und Anzuges unterwrfig seyn
mssen, nachfolgende Ordnung beobachten: Meine ganze Arbeit will ich
vor das erste in zween Theile abtheilen, und diese zween Theile sollen
aus drey Bchern bestehen. Der erste Theil wird nur ein einziges,
und zwar das erste Buch in sich begreifen, welches alle diejenigen
Krankheiten enthalten wird, welche von dem Putze des Kopfes berhaupt
zu entstehen gewohnt sind, aber in eben diesem ersten Buche werde ich
drey Abschnitte machen, davon der erste Abschnitt alle diejenigen
Ungelegenheiten darthun soll, welche von dem Haarputze herkommen. Der
andre Abschnitt wird diejenigen Verdrielichkeiten erzhlen, welche
von der Verschnerung des Angesichts ihren Ursprung haben. Und endlich
soll der dritte Abschnitt alles dasjenige Unheil zeigen, welches der
Auszierung des Halses ihr Daseyn schuldig ist. Der andre Theil wird
derjenigen Krankheiten Erwhnung machen, welche insgemein von dem Putze
und der Bekleidung des Oberleibes, und des Unterleibes so wohl, als der
Hnde und Fe ihren wesentlichen Ursprung ableiten. Dieser andre Theil
nun wird zwey Bcher, nmlich das andre und dritte Buch in sich fassen.
Das andre Buch soll blo diejenigen Krankheiten erklren, welche
von dem Putze und Anzuge des Oberleibes so wohl als des Unterleibes
abstammen. Und endlich wird dieses andre Buch in zween Abschnitte
abgetheilt seyn, davon der erste Abschnitt diejenigen unangenehmen
Empfindungen erwhnen wird, welche ihren Grund in der Bekleidung und
Auszierung des Oberleibes haben. Der andre Abschnitt soll diejenigen
Verdrlichkeiten der Reihe nach anfhren, welche wegen des Anzuges,
und des Ausputzes am Unterleibe zum Vorscheine kommen. Das dritte Buch
wird berhaupt diejenigen Krankheiten abhandeln, welche dem Ausputze
der Hnde, und der Bekleidung der Fe ihre Erzeugung zu danken haben.
Ich werde in diesem dritten Buche ebenfalls zween Abschnitte machen.
Der erste Abschnitt wird diejenigen Krankheiten in sich fassen, welche
von dem Putze und der Auszierung der Hnde entstehen. Und zuletzt soll
der andre Abschnitt von denjenigen Verdrlichkeiten reden, welche
von der Bekleidung der Fe erzeugt werden. Jeder Abschnitt aber wird
seine eigene und besondere Kapitel zhlen. Im brigen will ich mir
meine ganze Arbeit also einzurichten angelegen seyn lassen, da ich
das Ernsthafte durch unerwartete Einflle und scherzhafte Ausdrcke
angenehm mache. Und endlich werde ich alle Sorgfalt anwenden, damit ich
nicht etwa die Gesetze der Bescheidenheit bertreten, oder wohl gar
ungezogen scheinen mge, und also, da ich an andern Laster bestrafe,
selbst in Thorheiten verfalle, und wie manche Kirchenlehrer predige,
und doch selbst verwerflich werde, dafr mich die Bescheidenheit in
Gnaden behten wolle! und vielleicht auch bewahren wird, es wre denn,
da meine Menschheit strker als mein Verstand und meine Weisheit
geworden wre. Und gesetzt, da ich auch aus Schwachheit einen Fehler
begienge; so wrde man, wo nicht Religion, doch gleichwohl so viel
Menschenliebe gegen mir zeigen, und mir eine oder ein paar menschliche
Kleinigkeiten vergeben knnen, es mte denn seyn, da man sich recht
theologisch gegen mir auffhren, und mir meine Menschlichkeiten nicht
verzeihen wollte, darum weil ich selbst kein theologisches Gesichte,
sondern gar wie Stax wre, denn nur

    Stax ist ein Mann nach neuster Art, und ein recht wunderbarer
        Christ,
    Der lieber mit den Karten spielt, als in der alten Bibel liest,
    Der lieber bey den Mgdchen sitzt, als auf der Kanzel steht und
        lehrt,
    Der lieber trinkt, it, scherzt und kt, als sitzt und andre
        Beichte hrt.
    Wie glcklich ist man nicht, wenn man wie dieser theure Lehrer lebt
    Der als ein seltner Gottesmann sich selbst in dritten Himmel hebt,
    Und der uns einen neuen Weg, zu einem bessern Himmel weist;
    Dafr ihn die Nachkommenschaft schon gegenwrtig heilig preist.
    Doch es mu einst in Ewigkeit gewi sein glnzend heller Schein
    So wie die lange Thomasnacht, in der kein Stern und Mond glnzt,
        seyn.

In Wahrheit, wenn man es aus diesem Bewegungsgrunde thun, und mir
nicht erlassen will, so wird man zwar auf Seiten seiner Recht zu haben
glauben; ich aber wrde einem solchen dennoch diese Hflichkeit mit
einer anstndigen Gromuth verzeihen, und lieber keinen griechischen
Namen fhren, als auf gut deutsch unhflich heien wollen.

Doch es ist die hchste Zeit, von meiner Ausschweifung abzulassen, und
mit mehrerer Ernsthaftigkeit die Hand an mein vorgesetztes Werk zu
legen, um nicht ohne Noth berflig weitluftig zu werden.

[Illustration]




Innhalt.


    Der erste Abschnitt.

    Von den Ungelegenheiten, welche von dem Haarputze herkommen, hat
    fnf Kapitel, nmlich:

    Das 1 Kap. von den Verdrielichkeiten, welche von den Pudelkpfen
    zu entstehen gewohnt sind, . 1.

    Das 2 Kap. von den Beschwerlichkeiten, welche das Aufkrausen und
    Aufbrennen der Haare des Kopfs verursachen, . 7.

    Das 3 Kap. von den Unbequemlichkeiten, welche von dem Einpomadiren,
    und Einpudern der Haare des Kopfs her zu kommen pflegen, . 14.

    Das 4 Kap. von den blen Zufllen, welche ihren Ursprung von dem
    Frben der Haare haben, . 23.

    Das 5 Kap. von den Beschwerungen, die von den Kopfzeugen
    entspringen, . 29.


    Der zweyte Abschnitt.

    Von den Krankheiten, welche von der Verschnerung des Angesichts
    ihren Ursprung haben, begreift neun Kapitel in sich, als:

    Das 1 Kap. von den Ungelegenheiten, welche von den Schminkfleckchen
    zu entstehen pflegen, . 34.

    Das 2 Kap. von den Beschwerlichkeiten, welche von der rothen
    Schminke des Angesichts erzeugt werden, . 39.

    Das 3 Kap. von den blen Zufllen, welche von der blamachenden
    Schminke des Angesichts herkommen, . 44.

    Das 4 Kap. von den Unbequemlichkeiten, die von der Bemhung, der
    Haut eine Zrtlichkeit zu wege zu bringen, ihren wesentlichen
    Ursprung haben, . 52.

    Das 5 Kap. von den Ungelegenheiten, welche den Schnen zustoen,
    wenn sie sich die Sommersprossen vertreiben, . 56.

    Das 6 Kap. von den unangenehmen Empfindungen, welche die Schnen
    leiden, indem sie sich eine hohe Stirne zu machen beschftigen, .
    69.

    Das 7 Kap. von dem Schaden, welcher sich von dem Schwarzfrben der
    Augenbraunen entspinnt, . 72.

    Das 8 Kap. von den schdlichen Folgerungen, welche von dem
    Weimachen der Zhne entstehen, . 76.

    Das 9 Kap. von den Unplichkeiten, welche von dem Lcherstechen in
    die Ohrlppchen, zum Ohrgehngtragen, herkommen, . 81.


    Der dritte Abschnitt.

    Von den Krankheiten, welche von der Auszierung des Halses ihren
    Ursprung haben, enthlt fnf Kapitel, nmlich:

    Das 1 Kap. von den Verdrielichkeiten, die zu entstehen pflegen,
    weil das schne Geschlecht den Hals entblt zu tragen gewohnt ist,
    . 86.

    Das 2 Kap. von den Gefhrlichkeiten, welche von der Zartmachung der
    Halshaut entstehen, . 89.

    Das 3 Kap. von dem Schaden, welcher sich uert, wenn die
    Sommersprossen und Leberflecke des Halses mit uerlichen und
    schdlichen Sachen vertrieben werden, . 92.

    Das 4 Kap. von dem Unheile, welches daher zu kommen pflegt, wenn
    sich das Frauenzimmer durch unrechte Mittel die Krpfe vertreiben
    lt, . 95.

    Das 5 Kap. von den blen Umstnden, welche von der Weimachung der
    Halshaut abstammen, . 99.

[Illustration]




Anakreontische Ode,

die fnf Sinne.


    Weg Schnupftaback, weg Dose!
    Nur der Geruch der Rose
        Soll meine Nas' erfreun:

    Wenn ich bey meinem Kinde
    Den Duft der Ros' empfinde,
        Mcht ich ein Naso seyn.

    Erblick ich schne Kinder,
    So wnsch ich mir nicht minder
        Dem Argus gleich zu seyn.

    Schmeck ich den Saft der Trauben,
    So wollt ich, knnt ihrs glauben?
        Flugs lauter Zunge seyn.

    Hr ich die Nachtigalle,
    Wnsch ich bey ihrem Schalle
        Nichts als nur Ohr zu seyn.

    Lat mich bey Scherz und Spielen
    Mein Mgdchen Ksse fhlen
        So bin ich das Gefhl:

    Denn von dem Reiz der Ksse
    Fhlt Herz, Mund, Hnd und Fe,
        Ja gar ein jedes Glied.

[Illustration]




[Illustration]


Sinngedichte,


auf einen Znker.

    Ein Znker nahm sich jngst ein Weib
      Zu seinem Zeitvertreib,
    Um junge Znker zu erzeugen:
      Doch ich will lieber schweigen.


Auf das Glck.

    Warum schenkt denn das blinde Glck den Tummen so viel Geld?
    Darum, weil sich der Kluge durch seinen Witz erhlt.


Auf den Batill.

    Seit dem Batill beweibet ist, liest er stets in der Bibel,
    Er fat, singt, beth und seufzt: O Herr, erls' uns von dem Uebel!


An den Gargill.

    Warum pflegt den Gargill am Kragen
      Tafeln des Gesetz's zu tragen?
    Darum, weil sie der theure Mann
      So wie er soll nicht halten kann.


Auf den unbenabelten Adam.

    Warlich es ist keine Fabel,
    Adam hatte keinen Nabel
      Aber doch Verstand genug:
    Cain aber Seth und Abel,
    Und wir Menschen haben Nabel,
      Aber sind wir drum nicht klug?


An den Stax.

    Gesetzt, es mangelte Herr Staxen im Gehirne
      Was schadts hat er doch Geld genug,
    Und bindet man das Geld dem Ochsen auf die Stirne,
      So heit der tmmste Ochse klug.


An den Mv.

    Wohin! wohin so schnell! ich geh, sprach Mv im Lachen:
    Den Kirchhof bucklicht, ihn, und auch mich reich zu machen.


Auf einen Schmausegern.

    Soll dich Herr Schmausegern auf allen Straen preisen,
    So la ihn nur fein oft an deiner Tafel speisen:
      Denn fllst du ihm den Bauch, befeuchtst du ihm den Schlund,
      So macht er deinen Ruhm geheimsten Oertern kund.


Auf die Weiber.

    Heimlichkeiten sind bey Weibern, wie das Wasser in dem Siebe.
    Welch ein Wunder! wenn in beyden das ihn Anvertraute bliebe.


Auf den Stax.

    Wren Staxens Wissenschaften seinem losen Maule gleich,
    O so wr er am Verstande, so wie am Vermgen reich.


Auf ein bses Weib.

    Ein bses Weib ist ein abscheulich Ungeheuer
    Sie ist vor einen Mann ein wahres Fegefeuer:
      Denn wr sie eine Hll, ey welch ein Herzeleid!
      So wrde nie ein Mann von seiner Quaal befreyt.


Auf den Mops.

    Mops luft sehr gut, doch denkt er tumm,
      So folgbar kann man sicher schlen,
    Mops habe den Verstand in Fen.
      O tummer Mops, so kehr dich um!
    Denn wirst du auf dem Kopfe stehn
      Und nicht mehr auf den Fen gehn.
    Wirst du zwar klug zu denken wissen,
      Doch schlechter gehn als auf den Fen.


Auf die Gerechtigkeit.

    Vor Gerichten geht es leider! welch ein Unglck gar zu schlecht,
    Stnd das Recht auf einem Fue, o so htte mancher Recht!


An seine F * *

    Wenn sich mein Weibchen krank befind
    So ist sie ein recht gutes Kind:
      Doch nhm sie Gott in Himmel ein
      So wrde sie weit besser seyn.


An die Thais.

    Thais will noch Jungfer heien, machts der Nachwelt offenbar;
    So hie Eva immer Eva, ob sie schon gefallen war.


An den Thraso.

      Von Sagen hat man oft Gefahr
    Von Sagen wird man viel betrogen:
      Denn wren alle Sagen wahr
    So htte Thraso nie gelogen.


An den Stolp.

    Warum hat Stolp, der znksche Mann, ein bses Weib gefreyt?
    Darum, weil sich durch ftern Zank die Liebe stets verneut.


Auf eine bse Frau.

    Man lobt die Stachelnu, wenn man den Kern geniet,
    Und eine bse Frau, wenn sie gestorben ist.


An den Knoll.

    Warum ist Knoll so sehre grob, und nebst der Grobheit stolz?
    Sein Vater war ein Fleischerknecht und er sein krummes Holz.


Auf ein bses Weib.

    Ein bses Weib und Wespennest mu man durchaus nicht stren
    Sonst wird man nichts als Ungestm, und lauter Brummen hren.




                            Das erste Buch,

                                von den

                              Krankheiten

                                  des

                         schnen Geschlechts,

                                welche

                  ihr Daseyn berhaupt dem Putze des
                     Kopfes des Angesichts und des
                         Halses schuldig sind.


                              ~OVIDIUS.~

         ~Forma bonum fragile est, quantumque adcedit ad annos
            Fit minor.~




Sinngedichte.


    Clorinde putzt ihr Haupt mit Locken Blumen Bndern,
    Und sucht ihr Angesicht durch Schminke zu verndern:
      Und warum thut sie das? Um schner auszusehn,
      Und sich in ihrem Putz, als wie der Pfau zu blehn.
    Doch schmckte sie statt dem den innern Kopf mit Witze,
    So wre sie der Welt mehr als anitzo ntze,
      So wrde sie beliebt und weit gesnder seyn:
      So aber findet sich bey ihr nur Krankheit ein.




[Illustration]


                         Der erste Abschnitt.

                                  Von
                         den Ungelegenheiten,
                                welche
                           von dem Haarputze
                              herkommen.




Das erste Kapitel.


Von den Verdrielichkeiten, welche von den Pudelkpfen zu entstehen
gewohnt sind.


. 1.

Um meinem einmal in der Abhandlung, da die meisten Krankheiten der
Frauenzimmer ihren Grund in dem Krperbau dieses Geschlechts habe,
gethanen Versprechen nicht zuwider zu handeln, will ich unverndert bey
meinem gefaten Vorsatze bleiben, und den Anfang von den Haaren machen.
Es mag meine erste Beschftigung also der sogenannte Pudelkopf seyn.

. 2. Habe ich nicht wieder Recht, wenn ich sage, da das schne
Geschlecht in seiner Tracht ber die maen vernderlich, und auf
der Welt niemals mit seines Krpers Zustande vergngt sey? Man wird
mir wider meinen Satz keine Einwendung machen knnen, wenn ich
meinen Lesern die Pudelkpfe entgegensetzen werde. Ist es nicht eine
unlugbare Wahrheit, da sich die Frauenspersonen durch die Pudelkpfe
den Mnnern hnlich zu machen bestreben? Und sieht eine Frauensperson
in Betrachtung des Haupts in ihrem Pudelkopfe einem Manne nicht wie des
Phdrus Larve einem Menschengesichte vollkommen gleich? Nur Schade, da
die Schnen nicht auch alle mnnlichen Verstand unter ihrem Pudelkopfe
tragen. Es ist nun einmal schon ein groer Fehler der Weiber, da sie
alle Mnner werden wollen: Aber es ist auch ein weit greres Glck
noch dabey, da sie in Ansehung ihrer Pudelkpfe, zumal wenn sie kein
Kopfzeug auf dem Haupte tragen, nur Mnner zu seyn scheinen, in der
That aber und in Ewigkeit nicht zu Mannsbildern werden knnen. Doch
ich irre, die Schnen haben noch Hoffnung, in Mannspersonen verwandelt
zu werden, aber erst vielleicht alsdenn, wenn die Schnecken Flgel
bekommen werden. Doch wenn diese Vernderung mit den Weibsbildern vor
sich gehen wird, das werden die Kalendermacher am besten zu bestimmen
wissen.

. 3. Doch wieder auf die Pudelkpfe zu kommen. Diese sind heut zu
Tage der gewhnliche Hauptputz unsrer Schnheiten, wie lange aber
dieser wohl von ihnen wird beliebet werden, knnen sie itzo selbst
so genau nicht wissen. Ein Pudelkopf ist also derjenige Haarputz, da
die Haare des ganzen Kopfs kurz verschnitten, und in Locken, welche
rings um den Kopf, der Breite nach, zuweilen aber auch der Lnge nach
herunter gelegt, mit Seitentouren, und forne ber der Stirne mit einem
Toupee versehen worden sind. Diese nun nenne ich die wahren Pudelkpfe,
die falschen aber sind diejenigen, welche durch Kunst verfertiget
werden, und deren sich unsre Schnen eben so wie die Mannspersonen
sich der Perucken bedienen. Ich habe mich einsmals fast aus den Odem
gelacht, da ich eine gewisse Frauensperson, welche die gtige Natur
mit einem goldgelben Haare versehen halte, in einem knstlichen
schwarzen Pudelkopfe sah, und gleichwohl an ihr rothe Augenbraunen
erblickte. Doch hiervon werde ich mehr Gelegenheit zu reden haben,
wenn ich von dem Haarfrben handeln werde. Diese wahren Pudelkpfe,
welche ich mit gutem Rechte die natrlichen nennen knnte, sollen sich
die Schnen blo ihrer Bequemlichkeit wegen zu tragen, vorgenommen
haben. Denn ehedem, als das Frauenvolk ihre Haare lang und in Zpfe
geflochten trug, mute es freylich eine Last seyn, diese langen
Haare auszukmmen und wieder einzuflechten. Aber um Verzeihung! ihr
halbmnnlichen Schnen, ich habe den Glauben, da die Pudelkpfe itzo
weit unbequemer sind, als der ehmahlige Haarputz der Frauenspersonen.
Was fr Ungelegenheiten macht nicht das Haarverschneiden, wie viele
Beschwerlichkeiten verursacht nicht das Haaraufkrausen, wie viele Last
wird nicht durch das Haaraufbrennen den Schnen aufgelegt, und wie viel
Zeit und Geduld wird nicht erfordert, wenn die Haarlocken in Ordnung
gelegt, mit Haarwachse u. Pomade eingesalbt und mit Puder berstreut
werden? Zehnmal eher wrden sie mit dem Auskemmen und Einflechten zu
Stande kommen, als einmal mit einem solchem Pudelputze fertig werden.
Ich kann mich also unmglich berreden lassen, da die Pudelkpfe der
Bequemlichkeit wegen, wohl aber um dem Haupte ein besseres das ist,
mnnlicheres Ansehen zu geben, erfunden seyn msten. Doch ich habe die
Ehre denen Schnen im Vertrauen zu sagen, da sie sich durch diesen
Haarputz sehr viele krnkliche Zuflle aufgebrdet haben: und tragen
sie noch Zweifel an dem, was ich ihnen hiermit aus Offenherzigkeit in
die Ohren gesagt habe; so werde ich mir angelegen seyn lassen, ihnen
meine Worte so gleich zu beweisen, um sie von der Wahrheit meines
Spruchs recht berzeugend berfhren zu mgen. Aber nur Geduld!

. 4. Da es bey den Schnen noch gewhnlich war, die Haare zu binden
und einzuflechten, konnten die Haare dem Haupte gar wohl denjenigen
Nutzen erweisen, zu dem sie die Weisheit des Schpfers bestimmt hatte.
Man hat eben nicht nthig, ein Gelehrter zu heien, um es einzusehen,
da der Kopf darum hat mit Haaren versehen seyn mssen, um denselben
vor der Klte zu verwahren; Denn da bey dem Haarputze der Alten
die Haare so gebunden wurden, da solche die Haut des Kopfs nher
berhrten, und durch solche nhere Berhrung der Haut den Kopf besser
wider die Klte, als die itzigen Pudelkpfe, verwahren konnten; so
musten freylich die damaligen Schnen wenigern Krankheiten des Haupts
unterworfen gewesen seyn, als itzo, da die Haare weiter von der Haut
abstehen, und folglich den Kopf nicht so krftig wider die Klte
sicher machen knnen. Denn da vermge dieser Pudelkpfe die kalte Luft
und die Macht der rauhen Wittrung die Haut des Kopfs mehr anfllt;
so werden die Frauenspersonen auch nothwendig mehrern Krankheiten
unterthnig seyn mssen. Es brauch keines weitluftigen Beweises,
da die Klte fhig und geschickt genug sey, die Schweilcher der
Haut zu verschlieen. Wenn sich nun aber diese Begebenheit an dem
Kopfe zutrgt, so wird die unmerkliche Ausdnstung zurcke bleiben,
Anhufungen, und Stockungen an dem Kopfe erzeugen, und folglich
tausend Gelegenheit zu solchen Krankheiten geben mssen, welche in der
zurckgebliebenen heilsamen Ausdnstung ihren natrlichen Grund haben.

. 5. Es werden also blo aus dieser, und sonst keiner andern
Ursache Kopfschmerzen von verschiedener Art, Wasserkpfe, Schwindel,
Schlagfle, Brausen der Ohren, Ohrenzwang, auslaufende und
flieende Ohren, Entzndungen, Bldigkeit, ja gar Blindheit der
Augen, Stockschnupfen, Zahnschmerzen, Geschwulste und Geschwre am
Zahnfleische, geschwollene Speichel- Hals- Schlund- und Ohrendrsen,
und wohl gar Verstopfungen, Vereyterungen und Verhrtung derselbigen
zum Vorscheine kommen. Es werden geschwollene Hlse und Krpfe,
Entzndungen der Muskeln, welche an der Luftrhre, und an dem Schlunde
befindlich sind, und folgbar verschiedene Arten der Brune entstehen.
In dem Angesichte aber wird, diese gehemmte Ausdnstung des Kopfs,
Bltterchen (~vari~), verschiedene rosenartige Entzndungen, und andere
Verdrielichkeiten, deren ich nicht einmal Erwhnung zu thun fhig bin,
theils aber auch nicht vor gut befinde, um meinen Lesern keinen Ekel
erwecken zu mgen.

. 6. Sehen sie also, meine Frauenzimmer, sehen sie nun bald den
Schaden, und die Ungelegenheit ein, welche sie sich als feurige Kohlen,
durch diese flschlich eingebildete thrichte Bequemlichkeit, des heut
zu Tage gemein gewordenen Haarputzes der Pudelkpfe, auf ihre Hupter
gesammlet haben? wird nun nicht bald die Reue ihr Herz einnehmen, da
sie, wie Eva nach dem Apfel des verbotenen Baums so lstern gewesen
sind, in Ansehung ihres Kopfs den Mannspersonen hnlich zu werden?
Doch vielleicht wollen unsere Schnen lieber den Aerzten zum besten
einen bestndig krnklichen Krper haben, als ihrem Lieblinge, dem
Pudelkopfe, den vlligen Abschied unterschreiben, und lieber immer,
wie die Hebrer in Egypten, unter dem Joche der Krankheiten wehklagen,
als ihre eingewurzelte Einbildung, da sie sich durch ihre Pudelkpfe
schner und reizender machen knnten, aus dem Kopfe lassen. Doch giebt
es auch Frauenspersonen, oder damit ich nicht wider die Titulatur
sndige, es giebt sage ich, vielmehr heilige Schwestern, welche
nicht etwa, aus Vorsorge ihre Gesundheit zu erhalten, sondern nur
blo aus verstellter Demuth, mit einem beynahe heiligem Eifer wider
die Pudelkpfe in Grimm gerathen, und dieselbigen, zumal wenn ihr
Zorn die Oberhand ber ihre Herzen erlangt hat, vor eine Eitelkeit,
ja wohl gar vor eine Todsnde schelten. Und noch sind wieder andere
Frauenspersonen, welche aus besondern, und ihnen selbst eignen Ursachen
die Pudelkpfe verachten, und durchaus nicht zu tragen erlauben wollen.
Consbruch entdecket uns in seiner Ode eine einzige Ursache, welche
diese Art der Frauen bewegt, einen Abscheu vor den Pudelkpfen zu
tragen, und hier ist sein Lied:

    Die Moden sind Julchen zuwider:
    Wie eitel! man putzet die Glieder,
    Der Wrmer Raub? Die fromme Frau?
    Doch ihnen sollte sie entsagen?
    Nein, Pudels mag sie nur nicht tragen:
    Denn ihre Haare sind schon grau.

Doch dieses mag vor dieses Mal von den Pudelkpfen genug gesagt seyn:
nunmehro will ich von den Beschwerlichkeiten handeln, welche das
Frauenzimmer wegen des Aufkrausens und Aufbrennens der Haare leiden mu.

[Illustration]




[Illustration]


Das zweyte Kapitel.

Von den Beschwerlichkeiten, welche das Aufkrausen und Aufbrennen der
Haare des Kopfs verursachen.


. 7.

Ich wrde denjenigen Kopf, welcher weder aufgekrauset noch aufgebrannt
worden wre, eher vor einen Zodelkopf als vor einen Pudelkopf halten.
Soll ich aber einen Pudelkopf nicht mit diesem Titel belegen, so
wird er, wenn er anders seine gehrige Annehmlichkeit haben soll,
aufgekrauset und aufgebrannt seyn mssen. Es wird also nothwendig
meine Pflicht seyn, von den Beschwerlichkeiten zu schreiben, welche
dem Kopfe durch das Aufkrausen und Aufbrennen zugefgt werden. Wer
nun geputzt und schne scheinen will, der mu es sich auch gefallen
lassen, Ungelegenheiten zu leiden. Das schne Geschlecht hat ohnedem
das Unglck, da allemal auf ihr genossenes und empfundenes Vergngen
tausend Unbequemlichkeiten und Schmerzen erfolgen: doch ich mag mich
eben hiervon nicht deutlicher erklren, wer das Frauenzimmer nur ein
wenig kennt, der wird meine Meynung ohne einen Dolmetscher schon
verstehen knnen, es wre denn, da er nur einen Sinn, wie eine Auster
htte, oder nur dem Angesichte nach einen Menschen vorstellete, im
Gehirn aber weniger Verstand als eine Gans bese, denn

    Gesetzt, es mangelte Markolfen im Gehirne,
      Was schadts, hat er doch Geld genug:
    Und bindet man das Geld dem Ochsen auf die Stirne,
      So heit der tmmste Ochse klug.

. 8. Ich will nunmehr allen Scherz bey Seite setzen, und eine etwas
ernsthaftere Gesichtsstellung annehmen, ob ich schon weis, da mich
ein ernsthaftes Wesen eben nicht zu kleiden gewohnt ist, so will
ich mir doch Gewalt anthun, und mich zwingen, eben eine solche Mine
zu machen, welche ich sonst nur bey dem Bette gefhrlicher Kranken
anzunehmen pflege. Es ist eine Erfahrung, die in der Empfindung ihren
Grund hat, da allemal eine unangenehme Empfindung entsteht, wenn die
Haare aufgekrauset, und mit dem Pappiere umwickelt werden: Denn weil
die Haare unter dieser Arbeit straff angezogen werden; so mu sich
nothwendig davon an der Haut des Kopfs ein Schmerz zeigen, welcher, da
er durch solche Reizung das Blut mehr gegen das Haupt lockt, Anla zu
Kopfschmerzen zu geben fhig ist. Und dieses war die Ungelegenheit,
welche von dem Aufkrausen und Einwickeln der Haare ihren Ursprung nimmt.

. 9. Lat uns nun auch den Schaden betrachten, welcher von dem
Aufbrennen der Haare verursacht wird. Alle trockene Wrme ist
vermgend, denen Krpern ihre Feuchtigkeit zu rauben, und solche
trockner zu machen. Wenn diese Warheit ihre Richtigkeit hat, daran
wohl in Ewigkeit kein Kluger zweifeln wird; so werden auch die Haare
durch das Brennen nothwendig gar zu sehr ausgetrocknet werden mssen.
Ich wrde in allem Ernste auf einen solchen bse werden, welcher
so unverschmt seyn und mir lugnen wollte, da die Haare keine
Rhrchen wren, welches doch mit mir die ganze gelehrte Welt als eine
unumstliche Wahrheit glaubt. Da nun die Haare in der That nichts
anders als Rhrchen sind, durch welche die unmerkliche Ausdnstung
wegzugehen pflegt; so mu dieser heilsame Abgang der auszufhrenden
Feuchtigkeiten nothwendig unterdrckt werden, wenn vermge dieses
heien Eisens die Rhrchen der Haare so gebrannt werden, da sie ihre
Hhlung verlieren mssen. Da aber auf diese Weise die Hhlung der
Haarrhrchen wirklich zernichtet werde, beweiset die Sprdigkeit und
gar zu groe Trockenheit der Haare mehr als zu deutlich.

. 10. Wird nicht ein Haarrhrchen anfangen auszutrocknen, wenn es
seiner innern Feuchtigkeit beraubt wird, welche ehedem seine Hhlung
einnahm und ausfllete? Wenn aber ein Haarrhrchen seine Feuchtigkeit
einbt; so mu es aufhren ernhrt zu werden: bekommt es nun keine
Feuchtigkeit mehr; so mu es trocken werden, schwinden, und endlich
ausfallen. Da sich aber diese Umstnde mit den Haaren wirklich so
zutragen, wird uns vermge der Erfahrung zu einer Wahrheit. Und
sehen wir nicht, da Haare, welche oft aufgebrannt worden sind, ihre
ordentliche Farbe verlieren? und verschwindet denn wohl die Farbe
der Haare aus einer andern Ursache, als wegen der gar zu groen
Trockenheit, welche ihr blo durch das viele und ftere Aufbrennen
zuwege gebracht wird? In Wahrheit, ich sehe keine andre Ursache, als
die nur angefhrte ein, es wre denn, da ich bldsinnig genug wre,
eine noch weit wichtigere entdecken zu knnen. Aber wre dieses wohl
eine Unmglichkeit? Ohne Scherz! Menschheit trage ich in meinem Busen
genug dazu, und folglich knnte ich auch wohl, wie alle Adamskinder,
Schwachheiten unterwrfig seyn.

. 11. Je trockner die Haare werden, je mehr mssen sie zum Ausfallen
geneigt seyn, folglich werden diejenigen Leute, welche ihre Haare
fters haben aufbrennen lassen, vor den Jahren ihrer Haare verlustig,
und zu Kahlkpfen werden mssen. Denn da es in der Natur seinen
Grund hat, da nichts ohne Feuchtigkeit zu wachsen im Stande sey;
so wird es ohne Widerspruch seyn mssen; da alles verdorren msse,
was keine Nahrung mehr erhlt. Es ist ohne Scherz eine nicht geringe
Unbequemlichkeit, wenn man seiner Haupthaare verlustig wird. Wie wird
man also den Kopf genugsam wider die Klte und rauhe Luft sicher zu
stellen vermgend seyn?

. 12. Aber das Ausfallen der Haare ist nicht die einzige
Ungelegenheit, welche von dem Aufbrennen entsteht. Habe ich nicht schon
Meldung gethan, da die innere Hhlung der Haarrhrchen durch das
Brenneisen gnzlich zusammen gedrckt wrde, so, da keine Ausdnstung
mehr durch diese Haarrhrchen von statten gehen kann? Wenn aber die
unmerkliche Ausdnstung des Kopfs durch die Haarrhrchen gehindert
wird, so wird sich diejenige Feuchtigkeit, welche sonst natrlicher
Weise ausdnsten sollte, in dem Kopfe anhufen, stocken, und alle
diejenige Krankheit hervorbringen, welche ich der Reihe nach im 5ten
Absatze erzhlt habe, hier aber nochmals zu wiederholen vor berflig
halte.

. 13. Ich habe nur itzo im 10ten Absatze gesagt, da das viele
Aufbrennen den Haaren, die ihr sonst eigne Schnheit der Farbe zu
verndern und zu benehmen pflege. Werden also nicht die Haare verstellt
werden mssen, wenn ihnen ihre natrliche Farbe benommen wird? O!
wie ungestallt werden nicht die schwarzen Haare aussehen, wenn ihre
Spitzen den Augen eine fuchsrothe Farbe darstellen werden? Doch bey den
Haaren, die man einpudert, kann dieser Fehler gar leichte mit dem Puder
bedeckt werden. Aber wenn man seine Haare, ohne solche einzupudern,
zu tragen gewohnt ist; so wird es allerdings ein unangenehmes Ansehen
verursachen, wenn die Haare von zweyerley Farbe am Kopfe sichtbar
werden. Es ist wahr, diese verbrannten, ausgetrockneten und mifrbigen
Haare sind zwar, an und vor sich selbst betrachtet keine Krankheit;
gleichwohl aber knnen sie als eine entfernte Ursache zu alle
denjenigen Ungelegenheiten, deren ich im 12ten und 5ten Absatze gedacht
habe, Anla geben, und welche allesammt in der verhinderten Ausdnstung
ihren Grund haben.

[Illustration]




[Illustration]


Das dritte Kapitel.

Von den Unbequemlichkeiten, welche von dem Einpomadiren und Einpudern
der Haare des Kopfs her zu kommen pflegen.


. 14.

Wer in seinem leben noch kein Frauenzimmer mit eingepuderten Haaren
gesehen hat, der wird vermuthlich bey Erblickung eines mit Puder wei
gemachten Frauenkopfs auf die Gedanken gerathen, da eine solche weie
Schnheit in einer Mhle gewesen seyn mte: Ob aber das gepuderte
Weibsbild in einer Wassermhle oder in einer Windmhle gewesen wre,
wrde freylich noch eine unausgemachte Sache bleiben. Indessen ist
es doch eine verlachenswrdige Thorheit, da man, um seinem Kopfe
eine besondere Zierde geben zu mgen, die Haare mit Mehle bestreuet,
welches doch meinem Erachten nach lieber den Armen gegeben werden
sollte. Doch ich werde gleichwohl mit meinem guten Rathe diese einmal
eingeschlichene Mode nicht abzubringen im Stande seyn. Wird man also
nicht von selbst, ohne groe Schwierigkeit, den bndigen Schlu machen:
da ich die eingepuderten Frauenzimmerkpfe durchaus nicht vertragen
knnte? Ich mu nur aufrichtig seyn, und es ohne Zwang gestehen, da
ich solchen Mllermusen von ganzem Herzen gram sey, ohne eine andre
Ursache als den Puder angeben zu knnen. Aber werden mich nicht meine
Feinde deswegen verspotten, und eigensinnig nennen? Ob sie mir aber
auch damit zu viel aufbrden, mgen meine Feinde selbst entscheiden,
ich mag mich in dieser Sache darum nicht selber zum Richter aufwerfen,
weil es meine eigne Person betrifft. Ich dchte nun bey mir selbst, da
der Eigensinn meine Leidenschaft eben nicht wre: Es mte denn seyn,
da ich gar zu wenige Kenntni meiner selbst htte, oder wohl gar fr
mich allzu viele Eigenliebe bese, und dieses kann ich von mir noch
viel weniger glauben.

. 15. Ich will diese Kleinigkeit bey Seite setzen, und mir lieber
meinen Vorsatz angelegener seyn lassen, das heit: ich will lieber
von den Ungelegenheiten handeln, welche sich unsre Schnen durch das
Einpomadiren und Einpudern zuwege bringen, als meine unnthige Critik
ber die weigemachten Haare des Kopfs weiter fortsetzen, weil mir
mein prophetischer Geist zum voraus saget, da ich mir durch diese
Beschftigung weiter nichts als nur eitel Feindschaft auf meine
Schultern laden wrde. O wie leid wrde es mir seyn, wenn mir die
Schnen gehig und abgeneigt werden sollten! Ich wrde nicht wissen,
was ich vor Traurigkeit anfangen sollte, ja mein Leben wrde mir nicht
mehr lieb seyn, so ungerne als ich solches itzo einzuben wnsche,
denn

    Welches Wrmchen stirbt wohl gerne?

. 16. Die Haare werden aus keiner andern Absicht mit Pomade fett
gemacht und eingesalbet, als blo aus dieser Ursache, damit der Puder
fester auf den Haaren sitzen bleiben soll, und der Wind den Puder nicht
so bald aus den Haaren jagen knne. Es sey ferne von mir, da ich so
unhflich seyn, und es leugnen sollte, da das artigste Geschlecht
auch aus Nebenabsichten die Haare zu salben gewohnt sey. O ich weis
es gar zu wohl, da man die Pomade wohlriechend zu machen suche. Es
ist mir bekannt, da man solche mit Rosenwasser auszuwaschen, und mit
Rhodiserle und andern wohlriechenden Oelen angenehm zu machen pflege,
um, damit die Schnen ihren Lieblingen eine Nasenweide durch einen
angenehmen Geruch machen knnen. Ich wollte flugs eine Wette setzen,
da ein von Wein und Liebe taumelnder Anakreon seiner wohlriechenden
Phyllis zu Gefallen alle seinen Witz anwenden und singen wrde:

    Weg Schnupftaback, weg Dose!
    Nur der Geruch der Rose
      Soll meine Nas' erfreun:
    Wenn ich bey meinem Kinde
    Den Duft der Nas' empfinde,
      Mcht ich ein Naso seyn.

Ey wie sinnreich ist der Dichter! er wnscht eine groe Nase zu haben,
um recht viel riechen zu mgen. Oder steht vielleicht gar Anakreon
in den Gedanken, da eine groe Nase eine ganz besondere und reizende
Schnheit sey, vermge der man sich bey den Frauenspersonen annehmlich
und recht beliebt zu machen fhig wrde:

    Allein, mein Herr, sie irren sich.

. 17. Ich mu es nur immer heraus sagen, denn ich kann es ohnmglich
lnger auf meinem Herzen behalten, da das sogenannte Einsalben
der Haare mit Pomade nur gar zu geschickt sey, den Frauenzimmern
verschiedene Unbequemlichkeiten zuzufgen. Alle Aerzte stimmen mit
mir darinnen einmthig berein, da Fettigkeiten, wenn sie auf die
Haut eines lebendigen Krpers gesalbet werden, die Schweilcher zu
verstopfen mchtig genug sind. Wenn nun dieses eine Wahrheit ist, daran
ich im mindesten nicht zweifle; so wird auch ganz gewi die unmerkliche
Ausdnstung des Kopfs durch die Einpomadirung Schaden leiden, und
folglich werden lauter solche Krankheiten hervorgebracht werden mssen,
welche ihr Daseyn einzig und allein der verhinderten Ausdnstung
schuldig sind, davon im 12ten u. 5ten Absatze nachgesehen werden kann.

. 18. Aber ich kann die Schnen aufrichtig versichern, da der Schade
immer grer und rger zu werden pflege, wenn der Puder darzu kommt.
Denn die Verstopfung der Schweilcher wird dadurch viel strker,
und folglich werden auch die hiervon entstandenen Krankheiten weit
hartnckigter seyn. Man nehme nur Fett und ein zartes Mehl, wie der
Puder ist, und vermische solches mit einander, streiche es hernach
auf die Haut eines belebten Krpers, und lasse es eine Zeit lang auf
derselben liegen, so wird man sehen, da vermge der natrlichen
Wrme eine ordentliche Rinde erzeugt werden wird, dergleichen man
auf den Kpfen solcher Personen anzutreffen pflegt, welche ihre
Haare gepudert zu tragen gewohnt sind. Diese Rinde verstopft nicht
nur die Schweilcher der Haut des Kopfs, und bringt alle diejenigen
Ungelegenheiten zum Vorschein, derer ich im 17ten 12ten u. 5ten
Abschnitte Meldung gethan habe, sondern sie verursacht auch auf den
Kopfe Schuppen, welche mit einem verdrielichen Jucken und Grimmen den
Kopf beunruhigen. Ja diese von Pomade und Puder zusammengesetzte Rinde
ist eine rechte Freystadt derjenigen vielfigen Thierchen, welche
man Luse nennt. Diese Schuppen so wohl, als diese kleinen Thierchen
machen durch das beschwerliche Jucken und Grimmen, da man sich durch
ein bestndiges Kratzen davon zu befreyen sucht, aber damit gleichwohl
nichts, als nur eine kleine Linderung erlangt. Durch dieses bestndige
Kratzen nun wird die Haut des Kopfs wund gemacht, daher viele garstige
Grinde auf dem Kopfe entstehen, welche meistentheils einen stinkenden
Geruch von sich geben, so, da man vor solchen Leuten natrlicher Weise
einen Abscheu bekommen mu. Sehen sie nun, was das Einpomadiren und
Einpudern der Haare vor Ungelegenheiten nach sich zu ziehen im Stande
ist?

. 19. Bald htte ich noch etwas vergessen. Der Puder und die Pomade
benehmen auch den Haaren ihre natrliche Farbe, und verndern selbige
nur gar zu sehr. Ich habe Leute gesehen, an deren Kpfen man wohl
zehn Farben von Haaren wahrnehmen konnte, zumal, wenn sie ihre Haare
nicht eingepudert hatten. Da aber diese Vielfrbigkeit der Haare von
dem Puder herrhren msse, ist eine Mglichkeit. Bernhard Ramazzin
behauptet im 23sten Kapitel seines Buches von den Krankheiten der
Knstler, da die weie Strke eine Sure und Schrfe bey sich fhrete,
welche fhig wre, die Leinwand zu zerfressen. Da nun der Puder aus
weier Strke gemacht wird; so kann man die Mifarbe der Haare dem
Puder mit gutem Fug und Rechte zuschreiben. Ich htte fast Lust, es
selbst zu glauben, da der Puder vermge seiner Schrfe den Haaren die
natrliche Farbe raubete, und ihnen viele andre Farben zuwege brchte.
Ja ich wollte wohl gar schwren, da der Puder die Haare wegfressen und
ausfallend machen knnte. Alles dieses kann um desto eher geschehen,
wenn dem Puder Gips beygemischt worden ist. Da aber solche Haare
eher ausfallen, welche gepudert werden, als andre, welche nicht mit
Puder berstreut worden sind, ist eine Wahrheit, fr welche ich selbst
zum Mrtyrer zu werden, mir kein Bedenken machen wrde, wenn es die
Nothwendigkeit der Sache erforderte: da aber diese Wahrheit ohnedem
gewi ist; so habe ich nicht Ursache, mich in diese Lebensgefahr zu
begeben. Es wird also solchen Frauenspersonen eben so ergehen, wie
denen, deren ich im 11 und 12ten Abschnitte gedacht habe, und welche
ihre Haare oft aufbrennen lassen.

. 20. Ich glaube nunmehr ganz gewi, da aller Ausputz der Schnen
nichts anders zur Absicht habe, als denen Theilen ihres liebenswrdigen
Krpers eine ganz andre Gestalt und ein ganz ander Ansehen zu geben.
Bestreuen wohl unsre Schnheiten ihre Haare aus einem andern Absehen
mit Puder, als blo die natrliche Farbe ihrer Haare zu verstecken?
Weibsbilder, deren graue Haare eine ziemliche Zahl der Jahre verrathen,
und welche sich erzrnen, wenn man sie alt nennt, pudern sich nur darum
ein, damit man ihre grauen Kpfe nicht sehen mge, um sie vor jung zu
halten. Von solchen beschneyeten Frauen kann man mit Herr Leingen
fragen:

    Was wars, das uns entzckt gemacht?
    Ein altes Weib in junger Tracht.

. 21. Diejenigen Schnheiten, so ehedem Griechenland verehrte,
Deutschland aber itzo verabscheuet, mgen es nur dem Erfinder des
Puders noch im Grabe danken, da er so besorgt vor sie gewesen ist,
und vor sie ein so artiges Mittel ausfndig gemacht hat, vermge dem
sie ihren brennenden rothen Kopf verbergen knnen. Ich weis nicht
ob ich irre, wenn ich die alten Griechen vor weit, vollkommnere
Schnheitsverstndige, als die Deutschen und Franzosen halte. Ich vor
meine Person kann ihren Geschmack nicht tadeln, denn die Wahrheit
zu sagen, so haben die rothkpfigten Frauenspersonen die schnste,
zarteste und feinste Haut. Und Homer versichert uns, da die grte
Schnheit Griechenlands die schne Helene, wegen welcher Troja in einen
Steinhaufen verwandelt worden ist, einen rothen Kopf gehabt habe.
Nunmehr werden sich die rothhaarigten Frauenspersonen etwas mehr,
als sonst auf ihren Goldgelben Kopf einbilden, und sie haben Recht,
wenn sie hochmthig wegen desjenigen werden, welches das gelehrte
Griechenland vor Zeiten als eine Schnheit gerhmt hat.

. 22. Redete ich nicht vor kurzem von dem Einpudern? Je so will ich
mich auch sogleich wieder aus meinem Irrgarten heraus machen, und ihnen
nur noch etwas von dem Einpudern vorsagen. Ich mag eben meine Meynung
niemanden aufdringen, welche ich von den eingepuderten Haaren habe.
Doch ich will mein Geheimni offenbaren: ich halte das Einpudern der
Haare vor nichts anders, als vor eine Haarschminke, o eine wichtige
Wahrheit, und ein groes Geheimni! mit dieser Haarschminke bemht sich
das schne Geschlechte den Kopf wei zu machen. Aber um Verzeihung!
unsre Schnheiten wrden weit vernnftiger handeln, wenn sie sich
angelegener seyn lieen, ihre Kpfe weier zu machen: Doch manche
Mannspersonen mchten sich auch um mehrere Weisheit bekmmern. Nunmehr,
deucht mich, htte ich genug von den weien Kpfen geschrieben, es wird
also die hchste Zeit seyn, da ich auch der schwarzen Kpfe gedenke.




[Illustration]


Das vierte Kapitel.

Von den blen Zufllen, welche ihren Ursprung von dem Frben der Haare
haben.


. 23.

Einmal hat nun schon in Frankreich so wohl als in Deutschland das
Vorurtheil in den Herzen beyder Landsleute so tiefe Wurzel gefat,
und ich glaube, da man alle Mhe verschwenden wrde, wenn man
diesen zweyen Nationen ihre einmal gefate Meynung ausreden wollte,
zumal da sie solcher als einer ewigen Wahrheit anhngen, da ein
von Natur schwarzer Kopf eine recht ausnehmende Schnheit sey. Ob
man aber aus einem andern Grunde, als aus einer bloen Einbildung
den schwarzen Haaren ein so groes Vorrecht zugestehe, mag ich eben
nicht untersuchen: wenigstens halte ich dafr, da die ganze Sache
in nichts anders, als in einer verderbten Einbildungskraft bestehe,
welche vielleicht darum die Oberhand behlt, weil dieser Meynung sehr
viele beypflichten, ohne da sie sich deswegen die Mhe geben, eine
genauere Untersuchung anzustellen. Ich mu also doch wohl Recht haben,
wenn ich diese allzu groe Hochschtzung der schwarzen Haare fr ein
eitles Vorurtheil ausgebe, und wenn ich denjenigen von Vorurtheilen
eingenommen halte, welcher eine Sache als eine ungezweifelte Wahrheit
annimmt, ohne zureichenden Grund darzu zu haben, oder angeben zu
knnen. Ich kann mich ohnmglich enthalten, solchen Leuten unter das
Angesichte zu sagen, da sie unbefederte Papegoye sind: gesetzt auch,
da sie dieserwegen eine Feindschaft auf mich werfen sollten. Was wrde
es mehr seyn, wenn ich die Anzahl meiner Feinde dadurch vermehre?
Nichts, in Wahrheit nichts. Doch nein, ich irre, ich wrde nur dadurch
mehrere Gelegenheit ber meine Feinde zu spotten bekommen: Denn

    Wie werd ich mich an ihnen rchen!
      Ihr ganzes Drohen schreckt mich nie:
    Je schrfres Urtheil sie mir sprechen,
      Je freyer spott ich ber sie.

Ey! abermal ein Reimchen! wird man denken, ja ja man hat recht
schn gedacht. Ich sehe es von selbst sehr wohl ein, da ein guter
Liederprediger an mir verdorben ist. O! was fr Thrnen wrden nicht
die alten Weiber vergossen haben, wenn ich ihnen solche schne und
herzbrechende Machtstokraftreimknittelgebetchen (ach mir will der
Athem fehlen!) oft vorgesagt htte?

. 24. Es pflegt mit der Schnheit eben so, wie mit der Frmmigkeit
zu gehen: Alle Menschen wollen schn, und niemand mag hlich heien.
Diese Begierde nun, schne seyn zu mgen, hat die Schnen angeflammt,
sich dasjenige durch Kunst zu verschaffen, was ihnen die weise Natur
versagt hat. Daher haben sie es vor gut befunden, Schwarzfrberinnen
zu werden, um auf Mittel bedacht zu seyn, kraft deren sie ihre Absicht
erlangen, das heit, schwarze Kpfe bekommen mchten, um schner zu
scheinen, und eifriger von den Mannspersonen angebetet zu werden. Denn
niemand lt sich so gern Ehre erweisen, als das weibliche Geschlechte.
Ich versichre, da solches der Regel des Ovids genauer als den
Zehngeboten nachzuleben besorgt sey: Da man sich nmlich beliebt zu
machen suchen msse, wenn man geliebt zu werden wnsche: ~Vt ameris
amabilis esto!~ heit der eigentliche Grundtext des so theuern als
verliebten Helden.

. 25. Ich stehe gnzlich in der Einbildung, da ich meinen Lesern
einen Gefallen erweisen werde, wenn ich ihnen die Mittel so wohl,
als auch die Art erzhle, vermge deren sie sich ber die Natur zu
erheben, das heit, sich schwarze Haare zu verschaffen fhig sind.
Einige Schnheiten glauben ihrer Absicht theilhaftig zu werden, wenn
sie ihre Haupthaare fters mit einem von Bleye verfertigten Kamme
auskmmten. Ich habe diese Bemhung von guten Erfolge gesehen, und ich
kann es ihnen aufrichtig sagen, da ich Frauzimmer angetroffen habe,
welche saen, und sich von ihren Bedienungen wohl ber drey Stunden
lang kmmen lieen, um einen schwarzen Kopf zu bekommen. Sie haben
auch wirklich vor ihre Geduld und Stillehalten ein schwarzes Haar
statt der Belohnung davon getragen. Das mu ich aber auch gestehen,
da die durch das Kmmen eines bleyernen Kammes zuwegegebrachten
schwarzen Haare von keiner gar zu langen Dauer sind. Denn diese
gemachte schwarze Farbe der Haare verliert sich wieder, wenn die
Schnen unterlassen, sich ferner mit einem bleyernen Kamme zu kmmen.
So viel aber kann ich auch den Schnen mit Grunde der Wahrheit sagen,
da ihnen, die auf solche Art gemachten schwarzen Haare nicht den
mindesten Schaden zufgen knnen, wohl aber werden solche darum ihrer
Gesundheit vollkommen ersprielich seyn, weil durch das bestndige
kmmen die Schweilcher des Kopfs erffnet werden, wodurch die so
heilsame Ausdnstung der Haut des Kopfs befrdert wird, kraft der sie
sich von alle denjenigen Ungelegenheiten, welche ich im 17, 12 u. 5ten
Absatze erzhlt habe, lo zu machen vermgend sind. Wrde ich also
nicht ungerecht gegen das schne Geschlecht handeln, wenn ich ihnen
diese Art, die Haare schwarz zu machen, widerrathen wollte? Ich wrde
mich an den Schnen versndigen, wider besser Wissen verfahren, und
mein ohnedem sehr zartes Gewissen selbst beleidigen; ja ich wrde gar
meinen geleisteten Schwur brechen, und also in das Laster des Meyneids
verfallen? wofr mich Gott behte!

. 26. Andre Frauenzimmer machen sich eine schwarze Salbe von Pomade
und gebrannten Helfenbein, oder schwarzgebrannten Mandeln, und mit
dieser Vermischung pomadiren sie ihre Haare ein, damit solche schwarz
scheinen mchten, in der That aber bekommen die Haare davon eine
schwarze Farbe: Doch welch ein Schaden ist es! da diese gefrbten
Haare nur einige wenige Stunden dauren, und noch auer diesem diese
Unbequemlichkeit verursachen, da diese auf die Haare gebrachte
schwarze Salbe bey sehr heier Witterung und in sehr warmen Stuben
flig werde, und nicht nur wie ein Balsam ber das Angesichte zu
laufen pflege, und also ein Verrther werde, da dieser Haarschmuck
nicht natrlich sey, sondern noch darzu die Kopfzeuge mit dieser
schwarzen Farbe schmutzig zu machen gewohnt sey. Doch alles gienge noch
wohl an, wenn nur nicht auch eben solche Beschwerlichkeiten von der
schwarzen Haarsalbe ihren wesentlichen Ursprung herleiteten, welche
allemal von dem Einpomadiren zu entstehen pflegen, und die ich schon
im 17ten 12ten und 5ten Absatze der Ordnung nach angefhrt habe. Ein
Frauenzimmer ist doch ein recht wunderliches Geschpfe, welches es sich
niemals zum Verdrue seyn lt, alles anzuwenden, um sich annehmlicher
machen zu mgen. Ja sie verschwenden fast alle ihren Witz, um ein
taugliches Mittel ausfndig zu machen, ihre Absicht nach Wunsche
zu erlangen. O! wenn doch manchem Frauenzimmer der Ausputz und die
Verbesserung ihrer Seele eben so am Herzen lge, wie die Auszierung
ihres Krpers! was wrde das fr eine beneidenswrdige Glckseligkeit
und fr ein ausnehmender Vorzug seyn, welchen man ihnen billig
zuzugestehen verbunden seyn wrde. So aber ist es ein wahres Unglck,
da das schne Geschlecht die Sorge fr ihre Seele hinten an setzt,
und blo die Auszierung des Krpers ihr Augenmerk seyn lt. Doch
genug hiervon, ich bin eben nicht gesonnen, einen neuen Sittenlehrer
vorzustellen, und mein Vorsatz ist eben nicht, gegenwrtig ein
neumodisches Haus- Zucht- und Sittenbuch zu schreiben. Genug, da es
eine bekannte Wahrheit ist, da manche Frauenzimmer die mehreste Zeit
ihres Lebens an dem Nachttische, und vor dem Spiegel mit dem Ausputze
ihres Krpers zuzubringen pflegen, ohne ihre Gedanken auf nothwendigere
Geschfte zu richten.

. 27. Manche Frauenzimmer pflegen sich eine besondere Haarfarbe
zuzubereiten, um deutsche Schnheiten genennt zu werden, und in
Wahrheit sie sind in ihrer Erfindung nicht glcklich gewesen. Denn man
mu wissen, da die Frauenspersonen auch rauche Kpfe besitzen, welche
ebenfalls vielen Witzes fhig sind: Und wer so unverschmt sey, und
ihnen solchen absprechen wollte, dem wrde ich diese Verwegenheit in
Ewigkeit nicht vergeben, er mte sich denn so bescheiden auffhren,
und den Schnen auf den Knyen eine Abbitte leisten, alsdenn knnte
ich mich noch wohl bewegen lassen, ihm vermge meiner allgemeinen
Menschenliebe zu verzeihen, um nicht wie jener Levite ungeistlich zu
scheinen. Doch die Herren Leviten tragen auch Menschheit in ihrem
Busen, und wohl manchmal mehr als die Weltkinder. Doch ich mag mich
mit solchen Geistern gar nicht einlassen, um mich ihres Segens nicht
verlustig zu machen. Ich will vielmehr denen Schnen diejenige schwarze
Farbe mittheilen, welche ihre Haare mohrschwarz zu machen im Stande
ist. Es wird aber diese Haarschwrze aus einem Pfunde der grnen
Schaalen von welschen Nssen, einem halben Pfunde Galpfeln, und eben
so viel Eisenschwrze, einem Lothe Eisenvitriole, und mit sechs Pfunden
Weineige, durch gehrige Kochung zubereitet, hernach durchgeseiget,
und zum Gebrauche aufbehalten. Mit dieser schwarzen Farbe nun werden
die Haare angefeuchtet, und mit einem Kamme so lange wohl durchkmmt,
bis alle Haare davon na und gefrbt worden sind. Man kann auf mein
Wort den Versuch damit anstellen, und ich bin gut dafr, da man kraft
dieses gebrauchten Mittels kohlschwarze Haare berkommen werde, ja ich
selbst bin bey mir berzeugt, da mir die Frauenzimmer fr dieses ihnen
mitgetheilte Geheimni hchst verbunden seyn werden. Vornehmlich haben
es diejenigen mir zu verdanken Ursache, welche rothe oder graue Haare
haben: zumal, da sie durch diese Haarfarbe ihrem Kopfe ein ganz ander
Ansehen zu geben vermgend sind. Erzeigen sie mir aber fr meine gute
Gesinnung keine Erkenntlichkeit; so drfen sie mir es nicht verdenken,
wenn ich sie fr undankbare Geschpfe erklre, und zwar fr solche,
welche nicht nach den Regeln der Klugheit zu leben wissen. Ey! dieses
wrde ja den Schnen eine ewige Schande und ein sehr groer Vorwurf
seyn, wodurch sie sich der ganzen Welt verchtlich machen wrden.
Allein mein Herz ist viel zu sehr gegen sie eingenommen, als da ich
ihnen eine solche Niedertrchtigkeit, eine solche unartige Auffhrung,
und eine solche abgeschmackte Undankbarkeit zutrauen sollte: Nein, ich
glaube vielmehr, da ich mich niemals in dem, in meinen Gedanken von
ihnen einmal gemachten guten Begriffe betrgen knne; es wre denn, da
meine Einbildungskraft von ihrem Reize nur gar zu sehr eingenommen,
und wie die Augen mancher Richter durch den Glanz des Goldes ganz
verblendet worden wre. Sehen sie, meine Schnen! so gro ist das auf
sie gesetzte Vertrauen!

. 28. Es ist wahr, die durch dieses Mittel schwarzgefrbten Haare
bekommen nicht nur eine recht schne Schwrze, und einen ganz
ausnehmenden Glanz, sondern sie behalten auch die Farbe, und verlieren
solche nicht: sie frben nicht ab, und beschwrzen auch die Kopfzeuge
nicht, so wie die im 26sten Absatze angefhrte Pomade zu thun pflegt.
Ob aber auch diese Haarschwrze der Gesundheit zutrglich oder
nachtheilig sey, das ist eine andre Frage. So viel als ich davon
einzusehen im Stande bin, so mu ich nur immer gestehen, da diese
Haarschwrze der Gesundheit hchst schdlich sey. Man betrachte nun
alle diejenigen Stcke, aus denen sie zusammengesetzt ist, wie man
will, so wird man allemal, ohne da man ein Arzt seyn darf, gar leichte
einsehen knnen, da dieselbe aus lauter solchen Dingen bestehe, welche
theils eine zusammenziehende, theils aber auch eine tzende Kraft
besitzen. Werden also nicht die Schweilcher der Haut, welche sich am
Kopfe befinden, durch dieses schwarzmachende Mittel zusammengezogen
werden, so, da solche nicht mehr ausdnsten knnen? und werden also
hiervon nicht lauter solche Krankheiten entstehen, welche blo in der
gehemmten Ausdnstung ihren Grund und Ursprung haben? (. 17. 12. und
5.) Ich dchte freylich wohl. Und da ber dieses einige von diesen
Mitteln tzend sind; so mssen nothwendig die Haare davon weggefressen
und ausfallend gemacht werden, folglich wird denen Schnen eben
dasjenige wiederfahren, was sonst ordentlicher Weise denen zu geschehen
pflegt, welche ihre Haare fters mit einem heien Brenneisen aufbrennen
lassen, s. . 19. 12. u. 11.




[Illustration]


Das fnfte Kapitel.

Von denen Beschwerungen, welche von den Kopfzeugen entspringen.


. 29.

Ich komme nun endlich auf den brigen Kopf- und Haarputz der Schnen,
nmlich auf die Hauben, Kopfzeuge und Blumen: denn mit allen diesen
geben sie sich Mhe, sich schner zu machen. Gewi, es fehlt den
Frauenzimmern nicht an Erfindungen, ihren Kopf auf tausend Arten zu
verherrlichen, und ich kann ihnen diese Bemhung nicht bel auslegen,
zumal da ich weis, da der Kopf das vornehmste Stck des ganzen Krpers
ist. Aber sollte man es denn auch glauben, da unsre Schnheiten einen
Lust- und Ziergarten auf ihren Kpfen anzulegen gewohnt wren? Mir
wrde es im Traume nimmermehr eingekommen seyn, da ein Frauenzimmer
ihren Witz so hoch zu treiben fhig wre, einen Blumengarten auf ihrem
Kopfe anzubauen. Und dennoch zeigt mir die Erfahrung die Mglichkeit
von allem demjenigen, was ich auerdem nur fr eine Fabel gehalten
haben wrde. Mir sind Weibsbilder vorgekommen, an welchen ich mehr
Blumen als Haare erblicken konnte. Denn bey dem ersten Anblicke dieser
Schnheiten wurde ich fr Verwunderung fast ganz auer mich gesetzt,
so, da ich mich gleichsam vor bezaubert hielt, und glaubte, da sich
die Blumengttinn nebst ihren Spielgesellinnen wieder auf die Welt
begeben htte. Ey! was werden denn noch endlich die Schnen auf ihren
Kpfen anlegen? Wer weis, ob es ihnen nicht einmal einfallen wird,
Schlsser, Stdte und Vestungen auf ihre Kpfe zu bauen. Wer weis, ob
sie nicht gar auf die thrichten Gedanken gerathen werden, besondere
Pflanzgrten auf ihre Kpfe zu machen. Doch dieser Putz macht die
Frauenspersonen mehr eitel, als ungesund. Ich werde also von diesem
eitlen Putze lieber stille schweigen, zumal, da ich an solchem als
ein Arzt eben keine Gelegenheit finde, welche ihrer Gesundheit einigen
Schaden zuzufgen im Stande wre. Kurz, dieser Hauptputz ist ein bloes
Spielwerk, welches aus einer berfligen Eitelkeit entsprungen ist,
und die ganze Welt hlt es ohnedem mit mir vor wahr, da die Schnen
mehr der Eitelkeit als andern Beschftigungen zugethan sind.

. 30. Das schne Geschlecht ist eben so vernderlich in den Arten der
Hauben und Kopfzeuge, deren es sich zu bedienen pflegt, um ihrem Haupte
eine Zierde geben zu mgen, als vernderlich solches selbst in seinem
Gemthe ist. Ja die Hauben und Kopfzeuge sind bey den Schnen eben so
verschiedentlich, als verschiedentlich die Neigungen derselbigen sind.
Denn bald stellt ein Kopfzeug die Fliegel eines Schmetterlings oder
einer Fledermaus, bald aber auch die Figur eines andern Ungeziefers
vor. Ich habe Frauenzimmer gesehen, welche Kopfzeuge trugen, die auf
beyden Seiten ordentliche lange Lappen herunterhngen hatten, und man
wrde schwren, man erblickte ein Schiff, welches mit ausgespannten
Segeln versehen wre, wenn man eine solche Flatterschne bey etwas
windigen Wetter von weiten herkommen sieht. Manche Frauenspersonen
bekleiden ihren Kopf mit einer ganz besondern Art der Kopfzeuge, welche
einem groen Rade ziemlich gleich sind. Man wrde sich einbilden,
solche Leute wren bey lebendigem Leibe canonisirt worden, weil sie
einen fast bernatrlichen Schein um ihren Kopf herum htten. Doch
es mag genug hiervon geschrieben seyn. Denn wenn ich alle Arten der
Kopfzeuge mit Namen benennen, und ihre Figuren beschreiben wollte; so
wrde ich mich aus einer gewissen Nothwendigkeit entweder entschlieen,
zu den Putzmachermgdchen in die Schule zu gehen, oder wenn ich dieser
Last berhoben seyn wollte, wrde ich mir ein Frauenzimmerlexicon
zulegen, und fleiig in solches sehen mssen. Doch da eben dieses
nicht meine Beschftigung ist, so habe ich es auch nicht nthig, mich
in diese unnthige Weitlufigkeit einzulassen: Aber gleichwohl werde
ich derjenigen Kopfzeuge Erwehnung thun, und solche etwas genauer
beschreiben, welche den Schnen Anla, krank zu werden geben.

. 31. Ein Kopfzeug ist eine aus weien Flor oder Schleyer mit Spitzen
besetzte, und nach der Mode verfertigte Art der Kleidung, der sich die
Frauenspersonen bedienen, um den Kopf damit zu bedecken. Wie aber diese
Kopfdeckel gemacht werden, kann ich darum so genau nicht wissen, weil
ich solche selbst niemals mit meinen Augen habe verfertigen sehen, und
nicht das mindeste von der Nehkunst verstehe. Doch ich besinne mich,
einmal ein zerlegtes Kopfzeug gesehen zu haben, und wo ich nicht irre,
so war es ein von weien Kanneva, einer Hand lang und breit gemachtes
Herz, welches von innen etwas hohl, von auen aber etwas erhoben war.
Dieses Herz aber pflegen die Schnen nach ihrer Redensart den Teller zu
nennen. Doch so viel als ich von den Frauenputze verstehe; so glaube
ich, da dieses Herz vielleicht der Grund gewesen seyn mag, ber und
um welches der weie Flor oder Schleyer, entweder mit weien Zwirne
angeneht, oder mit Stecknadeln angeheft werden mu. Betrge ich mich
nun in meiner Muthmaung, so geschieht es gewi aus Unwissenheit. An
und um diesen mit Flor oder Schleyer berzogenen herzfrmigen Teller
pflegen die Schnen die Spitzen mit verschiedenen Falten anzunehen,
und hernach mit oder ohne herabhngenden Flgeln zu versehen. Zuweilen
schmcken sie auch, um mehrer Zierlichkeit willen, diese Kopfzeuge
entweder mit goldnen, silbernen, und andern seidnen Bndern, oder mit
Blumen, welche aus Gold, Silber oder Seide gesponnen worden sind. Es
ist aber doch bey alle dem eine wunderbare Sache, da die Schnheiten
auch so gar Herzen auf dem Kopfe, fast so wie die Fische im Kopfe
tragen. O wie gut wrde es doch seyn! wenn manche Frauenzimmer zuweilen
eben so stumm, wie die Fische wren: Ich versichre, sie wrden sehr
vieler zuflliger Uebel und harter Unglcksflle berhoben bleiben,
welche sie doch nur gemeiniglich ihrem ungezhmten Maule einzig und
allein zu danken haben. Aber nun wieder auf die Kopfzeuge zu kommen.
Manchmal werden auch solche Teller von Pappier gemacht, die aber doch
vorher mit goldnen, silbernen und andern farbigten Zindel berzogen
werden, ehe der Flor oder der Schleyer ber selbige geneht wird. Die
Figur dieser Teller mag wohl eben so, wie die Kopfzeuge selbst, von
verschiedentlicher Gestalt seyn. Mir sind Teller zu Gesichte gekommen,
welche eine eyhnliche Figur hatten. Mit einem Worte: Die Kopfzeuge
werden fast alle Monate, und vielleicht auch wohl gar alle Mondwechsel
verndert: Aber eben dieses ist auch die Ursache, warum man solche
nicht so eigentlich abzuschildern fhig ist. Nichts ist vernderlicher
als die Moden der Frauenzimmertracht, und ich wollte fast lieber
sagen, da die verschiedenen Moden der Schnen ein offenbares Zeugni,
und eine gewisse Wirkung ihres unbestndigen, vernderlichen und
wankelmthigen Gemths wren. Denn

    Das Frauenzimmer ist, wie im April das Wetter
    Voll Unbestndigkeit, voll Wankelmuth wie Bltter:
    Es lacht, betrbet sich, und weint, es schimpft und schmhlt,
    Es zrnt, verfolgt, hat, liebt, hofft, wnscht, begehrt, und whlt.

. 32. Aus dem 31sten Absatze wird man also gar wohl, ohne sich
einer Brille bedienen zu drfen, einsehen knnen, da diese Art der
Kopfzeuge, der ich nur itzo Meldung gethan habe, der Gesundheit eben
nicht am zutrglichsten sey. Denn da der Teller solcher Kopfdeckel nur
einer Hand lang und breit ist; so wird solcher kaum den Wirbel des
Kopfs zu bedecken im Stande seyn. Wird also wohl der Kopf gehrig
genug durch diesen Kopfputz wider die Klte sowohl, als wider die
Sonnenhitze verwahrt werden knnen? Ich zweifle. Wird aber die Klte
den Kopf angreifen; so werden die oben erwehnten Zuflle . 28. 17.
12. und 5. nothwendiger Weise entstehen. Wird aber die Hitze der Sonne
den Kopf belstigen; so werden sich die Schnen ber Kopfschmerz
beklagen, welcher ihnen den Schlaf zu berauben nur gar zu fhig wird.
Denn mich deucht, da es auch so gar die alten Weiber wissen, da die
Sonnenhitze, wenn sie zu heftig auf den Kopf sticht, Hauptschmerzen
erzeugen knne. Aber dieses ist es nicht allein, was die Hitze der
Sonne bey den Schnen zum Vorscheine bringet. Es werden auch von den
Strahlen der Sonne, wenn sie den Kopf gar zu heftig brennen, rothe und
entzndete Augen, Trockenheit in der innern Nasenhaut, in den Ohren,
im Munde und in der Luftrhre, folglich Stockschnupfen, Krankheiten
der Ohren, Harthrigkeit, kurz, nichts als solche Zuflle, welche
von einer gar zu groen Verhrtung des Ohrenschmalzes, und von einer
widernatrlichen Austrocknung des innern Ohrganges und des Trummelfells
herzukommen pflegen, und Heiserkeit, brennende Blasen auf der Zunge,
und trockner Husten, ihren Ursprung ableiten. Ich wrde meinen Lesern
zuwider werden, wenn ich ihnen alle diejenigen Ungelegenheit der
Ordnung nach anfhren wollte, welche allesammt von der Sonnenhitze
ihre Erzeugung htten. Sehen sie nun die schnen Folgen, welche von
der eitlen Bemhung, nmlich von dem Putze des Haupts zu entstehen
pflegen? Es ist, so wahr ich einen Geschlechtsnamen fhre! eine mehr
als tadelhafte Thorheit, wenn die Schnen darum hoffrtig werden, um
den Aerzten in die Hnde zu fallen. Es trifft also wohl recht ein, da
sich der Fall gemeiniglich nach der Hoffahrt einzustellen pflege. Mir
wird es wohl schwerlich jemand aus dem Kopfe bringen, da ich nicht
das schne Geschlechte, in Ansehung ihres Putzes, vor eine recht eitle
und thrichte Art von Menschen halten sollte. Das ist freylich eine
Wahrheit, welche den Schnheiten hchst unangenehm zu vernehmen seyn
wird. Aber wird sie deswegen zu einer Lgen werden, weil man sie mit
Verdru anzuhren gewohnt ist? Nimmermehr. Wer das Glck hat, das
artigste Geschlecht so genau, wie ich zu kennen, der wird mit mir
in Betrachtung dieser Wahrheit einstimmig seyn. Es wre denn, da
die Macht der Schnen sein Herz gar zu sehr bermannet, ihn aller
seiner Sinnen beraubet, und ihm die Zunge, um der Wahrheit kein Recht
wiederfahren zu lassen, gnzlich gelhmet htte.

. 33. Ich habe mich wohl recht wie eine Fledermaus in die Haare und
in den Kopf der Schnen verwickelt. O! wie gut ist es doch, da ich
einmal so glcklich habe seyn knnen, denen Schnen in die Haare zu
gerathen. Ob ich ihnen aber damit auch viel Weh gethan haben werde,
werden sie am besten wissen. Nimmermehr wird sich ein Peruckenmacher so
lange mit den Haaren und Kopfe beschftigen, als ich gethan habe. Aber
itzo will ich mir auch alle Mhe geben mich mit Ehren wiederum aus den
Haaren der Schnen, wie ein Seidenwurm aus seinem eigenen Gespinnste,
zu entwickeln, ohne, da sie bey meiner Entwicklung um ein einziges
Hrchen kommen sollen. Doch da ich es kurz heraus sage: ich will
hiermit meinen Abschnitt von den Krankheiten, welche von dem Haarputze
und Hauptschmucke herzukommen pflegen, auf das feyerlichste geendiget
haben.

[Illustration]




[Illustration]


                         Der zweyte Abschnitt.

                                Von den
                      Krankheiten, welche von der
                     Verschnerung des Angesichts
                         ihren Ursprung haben.




Das erste Kapitel.

Von den Ungelegenheiten, welche von den sogenannten Muschen oder
Schminkfleckchen zu entstehen pflegen.


. 34.

Nichts liegt wohl den Frauenzimmern mehr am Herzen, als die Sorge,
ihrem Angesichte eine reizende Schnheit zu verschaffen. Sie haben
unzhlige Mittel, deren sie sich zu bedienen pflegen, um ihren Zweck
glcklich erreichen zu mgen. Doch ihre Bemhung ist eben so tadelhaft
nicht, als sie manchem wohl scheinet. Denn wenn man die Schnheit
des Angesichts auf der rechten Seite betrachtet; so ist sie ein
ordentliches Gewehr und Waffen, deren sich die Frauenspersonen mit
einer ganz ausnehmenden und ihrem Geschlechte eigenen Klugheit gegen
die Mnner zu gebrauchen wissen, um ber die Herzen derselben den Sieg
zu erhalten, und sich die Mannsbilder ihnen dienstbar zu machen. Der
weise Anakreon schreibt in seiner andern Ode, so wie ich es gerne hre.
Ich werde die Ehre haben, ihnen die Nachahmung mitzutheilen, und hier
ist sie:

      Wie sorgt die gtige Natur
    Fr eine jede Kreatur!
    Sie schenkt den Menschen und den Thieren
    Ein ihrem Wesen dienlich Gut:
    Dem Lwen gab sie Strk und Muth
    Und Hrner schenkte sie den Stieren.

      Sie lehrt den Fisch im Wasser gehn,
    Den Vogel sich zur Luft erhhn:
    Dem Hasen giebt sie schnelle Fe
    Womit er sich erretten kann:
    Mit Klugheit waffnet sie den Mann,
    Und zeigt, wie er sie brauchen msse.

      Was blieb vors weibliche Geschlecht?
    Auch hier war sie nicht ungerecht;
    Ihm schenkte sie statt jener Gaben
    Der Schnheit: Und gebraucht es die;
    So fehlt ihm Sieg und Strke nie.
    Was will es andre Waffen haben?

. 35. Doch es ist zu beklagen, da die Schnen durch alle ihre Kunst
dasjenige in Ewigkeit nicht erhalten werden, was ihnen die Natur
einmal versagt hat. Die Schnheit ist eigentlich diejenige gewisse
Vollkommenheit des Krpers, die vermge unserer uern Sinne empfunden
werden mu. Gesetzt aber, die Natur htte diese Vollkommenheit bey
dieser oder jener Person vergessen; so wird man allen Flei vergebens
anwenden, sich solche durch Kunst eigen zu machen, wenn man auch gleich
tausend Mittel zur Hand nehmen wollte. Denn der mte gewi entweder
ohne Gehirne gebohren worden seyn, oder doch wenigstens alle seinen
Verstand eingebt haben, welcher diejenige Person vor eine Schnheit
halten wollte, bey der die regelmige Verhltni der uern Theile
des ganzen Krpers gegen einander fehlete, und bey der die sonst
gewhnliche und ordentliche Stellung aller uerlichen Theile nicht
ihre Richtigkeit htte: Da doch diese Stcke das rechte Wesen und den
wahren Grund der Schnheit einzig und allein ausmachen mssen. Ich
lugne aber deswegen noch lange nicht, da nicht auch eine angenehme
Gesichtsfarbe, die nach meinem Geschmacke weder zu feuerroth, noch
allzu wei wie eine Gipsstatue, sondern blaroth und lebhaft seyn mu,
eine Zrtlichkeit der Haut, und ein sanftes, fast unvermerktes Zucken
der Muskeln im Angesichte, welches eigentlich die Gesichtszge und
Minen auszudrcken geschickt ist, zu der Schnheit, als wesentliche
und unentbehrliche Stcke gehren sollten. O nein! ich weis es gar zu
gut, da eine zarte Haut, dessen Zrtlichkeit aus nichts andern, als
aus einer beraus knstlichen Zusammenfgung sehr kleiner und zarter
Scheibchen besteht, vermgend sey, unsern Augen ein fast himmlisches
Vergngen zu machen, unsere Herzen in Flammen zu setzen, und in unserer
Seele tausend Vorstellungen hervorzubringen, die mit einer artigen
Abwechslung von einander entgegen gesetzten Leidenschaften vermischt
sind, und die deutlicher empfunden, als beschrieben werden knnen. Ich
drfte mich fast ber den thrichten Stolz mancher Schnen, welchen
sie, ihrer Schnheit wegen an sich blicken lassen, in ein Hohngelchter
auslassen, zumal da sie so gar viel Eitelkeit besitzen, und sich
zuweilen ber die Maaen viel auf ihre vergngliche Angesichtsschnheit
einbilden. Aber man sage mir doch nur einmal, besteht nicht eben die
Schnheit blo in einer verwirrten Vorstellung? grndet sie sich nicht
auf eine seltsame Zusammenfgung der kleinen und zarten Scheibchen
der Haut, auf eine anstndige und reizende Vermischung der weien und
rothen Farbe? und endlich auf ein fast kaum merkliches Ziehen der
Angesichtsmuskeln? Bedenken sie doch nur einmal, meine Schnen, so
was Elendes und Eingebildetes ist es, auf dessen kurzen Besitz sie so
nrrisch hochmthig zu werden geneigt sind, und welches sie habhaft
zu werden mit der grten Begierde suchen, und mit dem heftigsten
Verlangen wnschen. Ich sollte meynen, sie mten nunmehr mit mir
selbst, mir zu Gefallen, und blos zur Gesellschaft ber ihre eigene
Thorheit lachen? Ey machen sie doch sowohl sich, als mir die Freude,
und lachen recht sehr! wollen sie? ich bitte.

. 36. Um sich den so vergnglichen Schatz der Angesichtsschnheit
eigenthmlich machen zu mgen, sind die Schnen aus einer bloen
Einbildung, und aus einem mehr als verkehrten Vorurtheile auf den
tollen Gedanken gerathen, ihr Angesicht mit kleinen schwarzen
Fleckchen, welche theils ganz runde, theils aber halbrunde Figuren
vorstellen, und Schminkpflsterchen oder Muschen genennt werden, zu
bekleben. Vielleicht haben die Frauenzimmer sich darum die schwarze
Farbe zu ihren Schminkfleckchen erwhlt, damit durch solche die
Farbe des Angesichts desto besser erhht werden soll. Zuweilen legen
sie sich nur eines, zuweilen aber auch mehrere Pflsterchen in das
Angesichte. Solche befleckte Schnheiten tragen beynahe das ganze
himmlische Weltheer und das natrliche tychonische Weltsystem in
ihrem Gesichte; ja sie sehen fast eben so bunt wie eine Elster aus:
vielleicht aber geschieht dieses wegen der groen Verwandschaft, welche
sie in Betrachtung ihrer Schwatzhaftigkeit mit diesen Thieren gemein
haben. Doch ich will kraft diesem auf das feyerlichste um Verzeihung
gebeten haben, wenn ich den Schnen etwa damit zu viel gethan, oder
ihnen zu nahe getreten haben sollte! Vielleicht werde ich ihre Absicht
besser errathen, warum die Schnen ihr Angesicht mit schwarzen
Fleckchen zu bepflastern pflegen, wenn ich sage: da sie dieses darum
zu thun gewohnt wren, um dadurch ihr Angesichte zu verschnern,
ihre Angesichtsfarbe mehr zu erheben, und in die Augen fallender zu
machen, und die im Angesichte aufgeschoten Bltterchen zu bedecken
und zu verbergen. Ist es nicht wahr? Aber sie werden mir es auch nicht
ungtig nehmen, wenn ich mich unterstehe, ohne den geringsten Scheu
vor der Wahrheit zu tragen, ihnen offenherzig zu versichern, da ihre
eitle Bemhung schner zu scheinen, als sie natrlicher Weise sind,
eine ganz unnatrliche und sehr gezwungne Sache sey. In der That, ein
oder etliche ausgefahrne Bltterchen im Angesichte sind lange nicht
vermgend, ihre angebohrne Schnheit zu vermindern, wenn nur sonst die
Natur gerecht und gtig genug gegen sie gehandelt hat, das heit, die
regelmige Verhltni aller uerlichen Theile gegen einander, und
die ordentliche Stellung der Glieder an den Schnen zu beobachten,
beflieen genug gewesen ist. Man kann schon andere und bessere Mittel
gebrauchen, dieser im Angesichte stehender Bltterchen lo zu werden,
ohne sich solcher schwarzen Fleckchen bedienen zu drfen. Doch wenn
die Frauenspersonen die Absicht einzig und allein zu ihrem Grunde
haben, die im Angesichte hervorgesprossenen Bltterchen vermge dieser
Schminklppchen zu verbergen; so kann man ihnen diese Muschen im
Angesichte zu tragen noch ganz wol Erlaubni und Abla geben.

. 37. Diese Schminkpflsterchen nun werden meines Wissens, aus
schwarzen seidenen Taffent verfertiget, ber welchen man aufgelsetes
Gummi streichet, wenn aber dieses auf dem Taffent trocken geworden
ist, so werden diese Muschen mit einem scharffen besonders hierzu
gemachten Ausstecheisen, welches bald eine zirkelrunde bald aber eine
halbzirkelrunde Figur vorstellet, ausgestochen. Man mu aber doch auch
wissen, da es groe, mittlere und kleine Schminkpflsterchen gebe, um
solche auch bey verschiedenen Mngeln und Flecken des Angesichts in
Gebrauch nehmen zu mgen.

. 38. Nunmehr sollte ich auch etwas von dem Schaden sagen, welchen die
Schminkpflsterchen der Gesundheit zufgen knnten. Aber ich mu hier
meine Unwissenheit aufrichtig gestehen, da ich eben keinen besondern
Schaden einzusehen und anzugeben fhig bin, welcher auch nur einiger
maaen der guten Gesundheit nachtheilig und berlstig seyn knnte.
Es mte denn etwa dieser Schade seyn, da die mit Gummi berzogenen
Fleckchen, die wenigen Schweilcher, ber die solche gelegt worden
sind, zuklebeten. Aber da, nur einige wenige Muschen in das Angesichte
gelegt werden; so wird auch die unmerkliche Ausdnstung eben dadurch
nicht unterdrckt werden, und Ungelegenheit verursachen knnen. Ich
wrde es nothwendiger Weise zugeben mssen, da Krankheiten von den
aufgelegten Muschen zum Vorscheine kommen knnten, wenn das ganze
Angesicht mit nichts als Schminkpflsterchen, so wie mit einer Larve
belegt worden wre: Freylich wrden alsdenn lauter solche Zuflle
ihren Ursprung nehmen mssen, die ihr wahres Daseyn der verhinderten
unmerklichen Ausdnstung schuldig sind, s. . 32. 28. 17. 12. und
5. und so wrde ich mich nicht wundern drfen, wenn krebsartige und
fressende Geschwre entstnden. Kurz, diese Schminkfleckchen sind
mehr vor einen eitlen und aberwitzigen Angesichtsputz, als vor ein
Mittel zu halten, welches der Gesundheit durch Zufgung einigen
Unheils Eintrag zu thun vermgend seyn knnte. Es wrde ein groes
Unglck seyn, wenn alle nrrische Erfindungen und Eitelkeiten zugleich
neue Gelegenheit, krank zu werden, geben sollten: und so ist es auch
noch lange die Folge nicht, da alle Arten der Verschnerung des
Angesichts schdlich werden mten, wenn auch gleich einige fhig sind,
Unbequemlichkeiten einzufhren, und Schaden anzurichten. Wer aber auch
so schlieen wollte, der wrde eben einen solchen Schlu machen, wie
die alte Frau Barbara ordentlicher Weise bey dem Spinnrade sonst zu
machen gewohnt ist.




[Illustration]


Das zweyte Kapitel.

Von den Beschwerlichkeiten, welche von der rothen Schminke des
Angesichts erzeugt werden.


. 39.

Da ich den Vorsatz gefat habe, von der rothen Schminke des Angesichts,
und von der hiervon zu entstehenden Schdlichkeit zu schreiben; so
sollte es mir hier nicht an Gelegenheit mangeln, zumal wenn ich in
das Alterthum zurck gehen wollte, von der dazumal gewhnlichen
rothen Angesichtsschminke vieles zu reden. Hier knnte ich von dem
Ursprunge und von dem Gebrauche der rothen Schminke handeln, und
wenn ich es sonst vor gut befnde, eine eigene Abhandlung davon
aufsetzen: Allein da eben dieses eigentlich nicht zu meiner Sache
gehrt; so sehe ich nicht ein, warum ich mich, ohne Grund zu haben, in
berflige und critische Weitluftigkeiten einlassen soll. So viel
aber kann ich doch nicht unberhrt lassen, da die rothe Schminke
bey den Griechen sowohl als Rmern in den Schauspielen gebraucht
wurde, und da gemeiniglich diejenigen Personen ihre Angesichter roth
zu frben gewohnt gewesen sind, welche diese oder jene Geschichte
auf dem Schauplatze vor dem Volke vorstellten. Die wahre Absicht,
warum solche Leute ihre Angesichter roth schminkten, mag wohl allem
Vermuthen nach diese gewesen seyn, sich nmlich denen Zuschauern
unkenntlich zu machen, oder auch wohl ihren Angesichtern durch
solche rothe Schminke eine reizendere Schnheit geben zu mgen, um
die Augen der Anwesenden mehr auf sich zu reizen, theils von ihnen
bewundert, theils aber auch geliebt zu werden. Wider die Mglichkeit
streitet es im geringsten nicht, da sich nicht einige Zuschauer in
eine solche roth gemahlte Schnheit verliebt haben sollten. Denn da
dieses noch heut zu Tage geschieht, warum sollte es auch vor alten
Zeiten nicht eben so vorgefallen seyn. Auch noch zu unsern Zeiten
wird die rothe Angesichtsschminke von den Schauspielerinnen, welche
man Komdiantinnen und Operistinnen nennt, auf dem Theater gebraucht,
um sich lebhafter und schner im Angesichte zu machen. Ich bin nun
schon einmal des guten Glaubens: da auch andre Frauenzimmer denen
Theaterschnen nachgeahmet sind, und um mehr geliebt und verehrt zu
werden, sich ebenfalls dieser rothen Schminke bedient haben. Die
Erfahrung besttiget meine Meynung, und die Bcher der alten Dichter
beweisen es zur Genge, da ich wiederum Recht habe. Man wird es
nunmehr zu begreifen im Stande seyn, da die Mode, das Angesichte
roth zu schminken, von den Schauspielen der Alten seinen Ursprung
genommen habe, noch heutiges Tages bey den Theaterschnheiten blich,
und nachher von andern Frauenzimmern zum Gebrauch angewendet worden
sey. Die Farbe aber, der sich die Alten, um damit ihre Angesichter
roth zu schminken, bedient haben, soll nach dem Zeugni der
Alterthumsverstndigen Critiker die Meerschnecke gewesen seyn. Ich
will dieses eben nicht gnzlich in Abrede seyn, doch halte ich auch
dafr, so viel freyen Willen zu haben, auch glauben zu mgen, da das
Alterthum auch wohl andere rothe Farben, um sich schminken zu knnen,
gebraucht haben msse. Doch ich mag eben keine unnthige Untersuchung
anstellen, was es eigentlich vor Farben gewesen sind, die die Alten,
um ihre Angesichter roth zu frben, genommen haben. Meinetwegen kann
es Menge, Kermeskrner oder Koccionille gewesen seyn, genug, da es
eine rothe Schminke gewesen ist, die dazumal den Leuten gefallen haben
mu, und die reizend genug gewesen seyn mag, da man von einer solchen
rothgemahlten Schnheit hat bezaubert werden knnen, ohne andre
aberglubische Mittel zu Hlfe nehmen zu drfen.

. 40. Es ist, bey meiner Ehre, ein mehr als strafbarer Fehler, welcher
sich einzig auf die Menschheit grndet, da man niemals mit denjenigen
Leibesgaben vergngt zu seyn pflegt, welche uns doch die Weisheit
und Vorsicht der gtigen Natur aus erheblichen Ursachen beschieden
hat. Aber auch eben diesen Fehler wird man am allermeisten bey den
Frauenzimmern antreffen, vielleicht aber blo darum, weil sie mehr
Menschheit als andre an sich haben, und ich wollte es fast lieber,
aus eben diesem Grunde, doch zwar nur zum Scherze, selbst glauben,
da die Schnen darum mehr menschlich wren, weil die unbenabelte
alte Frau Eva von dem ersten Menschen, nicht aber wie Adam, aus Erde
gemacht worden ist. Ihre Tchter sind noch eben so, wie ihre Urmutter
geartet: Jene wollte mit ihrer Vollkommenheit nicht zufrieden seyn,
ihre eitle Begierde, noch vollkommner zu werden, brachte sie zum
Falle, und strzte sie in das Elend, und ihre Tchter, so gleiche
Unart und gleiche Neigung mit ihrer Stammmutter in ihren Adern nhren,
bestreben sich uerst, immer vollkommner zu werden, ob sie sich
gleich durch ihre Bemhung nur mehr Unvollkommenheit und Unglck auf
die Achseln laden. Aber eben das mag auch die wahre Ursache seyn,
warum blasse Frauenzimmer roth von Angesichte aussehen, die rothen
aber sich eine Blaheit des Angesichts zuwege bringen wollen. So
geht es auf der Welt! alte Weiber wollen nicht alt, junge Schne
nicht jung heien. Aber warum? ich will es so gleich sagen: Weil
die jungen zu lieben anfangen, die alten aber noch lieben, und beyde
geliebt zu werden wnschen. Blo also ihren Liebhabern gefallen zu
mgen, bemht sich die rothe Schne sich bla zu machen, die blae
aber frbt sich roth. Nimmermehr, wird eine rothgemahlte Schnheit
mich zu reizen, und mich durch ihre rothgeschminkte Backen, so wie
die rothen Ebischbeeren die Gramsvgel in ihre Schlinge zu locken,
vermgend seyn. Mir gefallen solche Theaterschnheiten und rothgefrbte
Drechslerpppchen durchaus nicht. Nicht aber etwa darum, weil sie nicht
natrliche, sondern fremde Farben haben, auch nicht darum, weil ich
die rothe Schminke vor die schlechteste und niedertrchtgiste Art,
sich im Angesichte zu verschnern, halte. Nein, sondern blo darum,
weil ich bey solchen rothgemahlten Gesichtern auch ein geschminktes,
das heit, ein falsches Herz vermuthe, ein Mitrauen auf ihre Tugend
und Keuschheit setze, und damit ich den rechten Titel gebrauche, weil
ich solche rothgefrbte Schnen auf gut deutsch vor Huren halte. Ich
habe nicht geschimpft, sondern nur die Wahrheit gesagt, folglich darf
ich mich keines Injurienprocesses befrchten. Denn ich bin Brge
dafr, da keine geschminkte Schne sich dieses zu Gemthe ziehen
werde, weil ich versichert bin, da es in Ewigkeit keine zu gestehen
gewohnt sey, da sie sich im Angesichte roth zu mahlen pflege. Gewi,
solche rothgemahlte Schnheiten werden einen viel grern Verstand
von sich blicken lassen, als manche Mannsperson, welche sich klug zu
seyn dnket. Ich werde ihre Klugheit zu rhmen wissen, wenn sie mich
und meine Schrift nicht sogleich zum Feuer verdammen. O! wenn alle
satyrische Schriften und Strafpredigten verbrannt werden sollten, in
denen man sich getroffen und abgeschildert findet; so wrde die Welt
gar bald in Brand gesteckt werden. Bleibet bey euren guten Gedanken, und

    Seyd klger als wie jener Pfaffe,
      Wenn euch ein Sinngedichte sticht:
    Seyd nicht so tumm als wie der Affe
      Der gleich das Spiegelglas zerbricht,
    So ihm sein wahres Bildni zeiget:
    Klug ist, wer fhlt, sich bessert, schweiget.

Aber im rechten Ernste, solche Frauenzimmer, welche sich roth frben,
sind warhafte Huren, und ich wollte gleich schwren, da sie nichts
anders wren. Denn htte eine redliche Frau nicht die Absicht, mehr
Mnnern zu gefallen, so wrde sie sich es auch nicht haben in Sinn
kommen lassen, ihr Angesichte zu schminken, sondern sie wrde mit
ihrer natrlichen Farbe, welche doch allemal die schnste ist, und
ihrem Manne, wenn er anders kein Narr wre, gefallen mte, vollkommen
vergngt seyn: und ich wrde eine Wittwe und Jungfrau vor ausstzig
an ihrer Tugend halten, die sich, um viele Verehrer zu haben, in
ihren Angesichtern roth schminken wollten. Gesetzt aber, da es eine
oder die andere thte, gewi, so wrde niemand so beredt seyn, es mir
auszureden; da ich nicht feste glauben sollte, eine solche mte sich
ihres eignen Fleisches nhren. Denn was htte sie auerdem Ursache,
ihr Angesicht roth zu mahlen, zumal da diese Beschftigung eine der
grten Thorheiten ist. Aber um der Wahrheit das Recht zu erweisen,
werden mir diejenigen alle, so ihre fnf Sinne zu brauchen wissen,
gutwillig eingestehen, da diese Art der Schminke die armseligste und
pbelhafteste sey, und bey denen ein sehr niedertrchtiges Gemthe
verrathe, die sich einfallen lassen, sich solcher Schminke zu bedienen.
Nur diese rothe Theaterschminke pflegt so gar den Unwissendsten in die
Augen zu leuchten, so, da sie bey sich selbst denken mssen, diese
rothe Angesichtsfarbe sey unnatrlich und geschminkt.

Man hat wohl mehrmals gesehen, da sich ein rothgeschminktes Angesicht
durch einen unverhoft hervorgebrochenen Schwei, welcher ber die
Stirne und Backen geronnen ist, geoffenbaret, und sich andern zum
Gelchter gemacht habe: Ja man sieht augenscheinlich die weie Haut
vorleuchten, wenn der Schwei die rothe Farbe abgewaschen hat. Ein
solches Angesicht kommt mir eben so vor, wie eine weie Wand, ber die
man eine rothe Farbe gestrichen hat, welche aber von dem Regen hier und
da abgewaschen worden ist, und weie Flecke zu ihrer Schande zeigen mu.

. 41. Das Schminken ist eine Kunst, vermge gewisser Mittel die
Farbe der Haut zu ndern, selbige schn zu machen, und solche schn
zu erhalten. Die Farbe der Haut wird entweder durch blamachende,
oder rothmachende Mittel verndert. Dasjenige Mittel nun, welches
geschickt ist, der Haut ein rothes Ansehen zu geben, und welches heut
zu Tage gewhnlich gebraucht wird, heit Rosentuch, vielleicht weil
dieses Tuch der Farbe einer rothen Sammetrose ziemlich nahe kmmt.
Dieses eigentlich sogenannte Rosentuch ist nichts anders, als etwas
starke rothgefrbte Leinwand, welche ihre rothe Farbe, entweder von
der Koccionille, Kermeskrnern, oder auch von Fernebocke, dem durch
eine besondere Kunst so eine hochrothe rosengleiche Farbe gegeben
worden ist, bekommen hat. Mit dieser rothgefrbten Leinwand frben die
Frauenzimmer ihre Wangen, und mahlen sich das Angesicht damit roth:
doch mu dieses Rosentuch vorher in Lindenblthwasser eingetaucht und
feuchte gemacht werden, denn auerdem frbet das Rosentuch nicht ab.
Einige nehmen guten florentinischen Lack, streichen solchen auf ein
Stckchen Scharlachtuch und reiben die Haut des Angesichts damit.
Besser aber thut man, wenn man kermesinrothes trkisches wllnes Garn
nimmt, selbiges sehr klein hacket, durch ein Haarsieb siebet, und in
ein sehr zartes Pulver verwandelt, hernach aber auf ein Stckchen
Scharlachtuch streuet, und die Backen damit reibet. Dieses Mittel ist
fhig genug, ein recht unvergleichlich schnes und rothes Gesichte
zuwege zu bringen. Andere bemahlen sich mit Karmin, und wiederum andere
bemhen sich, die Farbe ihrer Wangen und Lippen mit Zinnober zu erhhen.

. 42. Nunmehr will ich endlich den Schaden anzeigen, den sich
diejenigen Frauenspersonen zuziehen, welche so nrrisch sind, ihr
Angesicht roth zu frben. Ich habe nur itzo im 41sten Absatze gesagt,
da das Angesichte mit denen Lppchen stark gerieben werden msse,
wenn da Angesicht roth geschminket werden soll. Da aber durch das
starke Reiben die Haut des Angesichts sehr gereizt, angespannt, und
dichte gemacht wird, und allemal auf eine starke Anspannung eine der
angespannten Haut geme Erschlaffung zu erfolgen pflegt; so wird man,
wenn man anders Verstand hat, sehr deutlich einsehen knnen, da eine
solche geschminkte Schnheit vor den Jahren alt werden und Runzeln
bekommen msse. Aber dieses ist noch lange nicht der Lohn, welchen
solche Theaterpppchen vor ihre Schminke empfangen: Auch auer den
Runzeln bekommen sie eine gelbe, garstige und grobe Haut, so, da sie
zu einem wahren Scheusal der Mnner, und zu einem wirksamen Gegenmittel
wider das aufsteigende Fleisch werden. Es werden auch die Schweilcher
der Haut des Angesichts von dieser rothen Schminke zugeklebt und
verstopft, folglich wird die so heilsame Ausdnstung verhindert werden
mssen, und also werden alle diejenigen Umstnde entspringen, welche
von der unmerklichen Ausdmpfung des Angesichts natrlicher Weise zu
entstehen pflegen s. . 38. 32. 28. 17. 12. und 5. Da nun, wie ich
nur itzo erweislich gemacht habe, eine geschminkte Haut nicht so, wie
es sich geziemt, ausdnstet; so mssen freylich daher im Angesichte
Finnen, Schwindflechten, und Sonnensprossen entstehen. Diejenigen
Frauenspersonen, welche sich diese Thorheit haben einnehmen lassen,
ihre Wangen und Lippen mit Zinnober zu frben, bekommen gemeiniglich
den Krebs an dem Munde, und faules Zahnfleisch, wackelnde Zhne, einen
stinkenden Athem und triefende Augen. Denn das im Zinnober versteckte
Quecksilber dringt in die Thrnendrse so wohl, als in diejenigen
Drsen, welche von D. Meibomen den Namen bekommen haben, und erweitert
deren Gnge, so, da solche hernach ihre Narrheit, und den Verlust
ihrer Gesundheit mit einem beschwerlichen Schwren der Augenlieder, und
bestndigen Thrnen der Augen ohne Aufhren beweinen mssen(*). Schner
Lohn fr eure rothe Schminke!

. 43. Wenn die Frauenspersonen, welche Belieben an einem rothen
Angesichte tragen, und gerne roth auszusehen wnschen, meinem Rathe
folgen wollten, so wrden sie vernnftiger handeln, zumal, wenn sie
sich lieber mit innern Mitteln von einem verstndigen Arzte eine
lebhafte rothe Farbe des Angesichts zuwege bringen lieen, und sich
nicht selbst und ihrem Krper durch solche schdliche uerliche
Hlfsmittel so viel Unheil und Hlichkeit zufgten und ungesund
machten, nicht ihren Nebenmenschen, ber sie zu spotten, und sich zu
rgern Gelegenheit gben, nicht ihren Schpfer zum Zorne reizten, und
sich seiner Gnade verlustig machten. Ein geschminktes Angesicht soll
darum das Angesicht GOttes nicht schauen, weil es durch die Schminke
andre gereizt und entzndet, und ihnen Anla zu sndigen gegeben hat.


(*) ~_Platner_ de morbis ex immunditie.~ . 16.




[Illustration]


Das dritte Kapitel.

Von den blen Zufllen, welche von der blamachenden Schminke des
Angesichts herkommen.


. 44.

Alle Schnheitsverstndige geben mir noch heutiges Tages einen
allgemeinen Beyfall, da die blasse Angesichtsfarbe eine ganz
ausnehmende und bezaubernde Schnheit sey, so, da solche ihrer
Annehmlichkeit wegen so gar den Titel der adlichen Farbe erhalten
hat. Ich gestehe der blassen Angesichtsfarbe auch ganz gerne, ohne
Zwang, nach meinem Geschmacke dieses Vorrecht zu, wenn nur die blasse
Angesichtsfarbe nicht gar zu wei, so wie ein von Gipse gegossenes Bild
ist: Denn diese hat allemal eine krnkliche Beschaffenheit des Krpers
zum Grunde, und ist eine reiche Quelle unzhlbarer Krankheiten. Jene
angenehme Blaheit des Angesichts hingegen ist ein offenbares Zeichen
eines vollkommen gesunden Krpers. Beynahe alles Frauenzimmer wnscht
sich diese adliche Farbe eigenthmlich zu machen, um adlich scheinen
zu mgen. Ich lobe ihren guten Willen, und ich wrde solchen noch mehr
loben, wenn sie nach der adlichen Tugend eben so, wie nach der Farbe
strebeten. Ich wrde offenbar wider mein eigenes und besseres Wissen
handeln, wenn ich so unartig seyn, und es lugnen wollte, da es
eine Unmglichkeit wre, seinen Krper so zu ndern, da er geschickt
wrde, eine Blaheit im Angesicht hervorzubringen. O! es ist mir gar
zu wohl wissend, da man durch gewisse Hlfsmittel, welche man theils
uerlich, theils aber auch innerlich im Gebrauch zu nehmen pflegt, und
durch eine besondere Lebensordnung, die man in den so genannten sechs
nicht natrlichen Dingen zu beobachten nthig hat, dem Angesichte diese
reizende Blaheit zuwege zu bringen im Stande sey, ohne, da dadurch
der Gesundheit das geringste Uebel zugefgt werde. Aber von dieser Art
der Blaheit soll hier nicht die Rede seyn. Wer aber begierig ist,
solche genauer kennen zu lernen, der darf nur meine Abhandlung von der
blassen Angesichtsfarbe nachzulesen belieben. Ich versichre, da diese
ihrer Neubegierde eine Genge thun wird. Gegenwrtig aber ist nur mein
Vorsatz, von derjenigen blassen Angesichtsfarbe zu handeln, welche
ordentlicher Weise der guten Gesundheit viel Nachtheil zu bringen fhig
ist.

. 45. Die Blaheit des Angesichts ist eine gewisse Beschaffenheit der
Haut, welche keine rothe Farbe sichtbar zu machen vermgend ist. Was
nun diese Beschaffenheit der Haut hervorbringen soll, das mu geschickt
seyn, den Fserchen der Haut ein strkeres Vermgen zuzufgen, das in
den zarten Blutgefchen des Angesichts befindliche Blut, kraft einer
lebhaftern Zusammenziehung der Fserchen nach den innern Theilen stoen
zu knnen. Die Mittel aber, welche diese Tugend besitzen, nennt man
strkende oder blamachende Mittel, und diese werden sowohl von auen,
als auch von innen, um seine Absicht zu erlangen, angewendet. Aber auch
dieses sind zum Theil schdliche, zum Theil aber auch unschdliche
und heilsame Mittel. Was es aber fr Mittel sind, und was man hierbey
fr eine Lebensordnung brauchen msse, um diese gesunde blasse
Angesichtsfarbe zu erlangen, wird die oben im 44sten Absatze angefhrte
Abhandlung ausfhrlicher lehren. Voritzo will ich nur derjenigen Mittel
Erwhnung thun, welche zwar eine Blaheit des Angesichts zu machen
krftig und wirksam genug sind, aber, die auch zugleich Gelegenheit
geben, krank zu werden.

. 46. Um nun eine blasse Angesichtsfarbe zu bekommen, bedienen
sich die Frauenzimmer zuweilen der sogenannten Jungfermilch, welche
aber nichts anders ist, als Silbergltteig, der durch zugesetzte
und aufgelste rohe Alaune eine milchhnliche Farbe bekommen hat.
Mit dieser Milch pflegen die Schnen ihre Angesichter fters zu
waschen, und glauben dadurch ihres Wunsches theilhaft zu werden.
Es ist wahr, sie erhalten ihre Absicht, aber auch zu ihrem grten
Verluste. Andre im Gegentheil nehmen nur gemeinen Bleyzuckereig, oder
Silbergltteig zu eben dieser Absicht. Ja es giebt Personen, welche in
Bohnenbltwasser, oder in einem andern ihrem Zwecke gemen abgezogenen
Wasser, Bleyzucker, weien Vitriol oder Alaune auflsen, und statt
eines Waschwassers brauchen: zuweilen gieen sie auch Benzoestinctur,
und Ochsengallenessenz oder Myrrhenessenz hinzu. Und wiederum andere
sind gewohnt, Wegebreitwasser zu nehmen, darinnen sie aber vorher
einen glend gemachten Stahl fters haben abkhlen, und diesem Wasser
hernach entweder Bleyzuckereig oder Jungfernmilch beymischen, oder
Alaune, weien Vitriol oder Bleyzucker zusetzen lassen, um zu ihrem
Waschwasser zu gebrauchen. Noch andere sind sogar auf den rasenden
Gedanken gerathen, und haben geglaubt, weil die Milch wei ausshe, so
mte sie auch geschickt seyn, eine weie Angesichtsfarbe machen zu
knnen. Sie haben sich also in diesem Glauben, mit Milche gewaschen,
aber sie sind auch recht in ihrer Meynung betrogen worden, und anstatt
eine weie Farbe der Haut zu berkommen, sind sie im Angesichte ganz
gelb und braun, so wie sonst die Egyptier oder Ziegeuner auszusehen
pflegen, geworden. Ich kenne etliche solche Frauenzimmer, die sich
auch noch am Leben befinden, und die sich eine solche gelbe und braune
Farbe durch ihre Afterkunst zugezogen haben. Sie bereuen itzo ihre
begangne Thorheit, und beseufzen ihre natrliche eingebte Farbe.
Doch haben sie nur Geduld, meine Frauenzimmer, wenn alle tumme Kpfe
klger zu werden anfangen werden, werden sie auch schner werden. Jene
Frau, die ohnlngst ihren Verstand mit ihrem liebsten Shnchen begraben
lie, hofft auch auf diesen freudenreichen Tag. Trsten sie sich nur
unterdessen mit der zuknftigen Schnheit, und wischen ihre Thrnen von
den Augen ab. Einige brauchen auch trockne Sachen, um eine Blaheit
des Angesichts zu berkommen: Sie nehmen entweder Puder, oder sehr
zart zu Pulver gemachtes Bleywei, und reiben damit die Haut ihrer
Angesichter, obschon zu ihrem eigenen Schaden. Ich wollte wohl, wenn
ich sonst ohne Noth weitluftig zu werden Lust htte, etliche Bogen
mit solchen schdlichen blamachenden Mitteln und Schminkwaschwassern
anfllen. Doch diese mgen voritzo, was nmlich die uerlichen
Mittel anbelangt, zureichend seyn. Ich will nun auch diejenigen
Mittel anfhren, welche, wenn sie durch den Mund eingenommen werden,
gemeiniglich eine solche der Gesundheit nachtheilige Blaheit des
Angesichts zu erzeigen mehr als zu fhig sind.

. 47. Diejenigen Mittel nun, welche innerlich genommen, ein
blasses Angesicht zum Vorschein bringen knnen, sind ebenfalls
vielfltig, meistentheils aber uern sie eine gar zu anhaltende und
zusammenziehende Kraft, und eben darum sind sie auch vermgend, der
Gesundheit unzhlige ble Zuflle zuzufhren. Manche Frauenzimmer
nehmen, ich weis selbst nicht, aus was fr einem nrrischen Triebe,
und aus was fr einem abgeschmackten Appetite, gelschte Kohlen
zu sich. Andere essen Kreide, Kalk und Gips, und wiederum andere
bedienen sich des sogenannten rohen Heydegrtzes. O! welch eine
Lsternheit! welch ein abentheuerliches Verlangen nach einer
eingebildeten Schnheit, nmlich, der blassen Angesichtsfarbe! Ich
habe Frauenzimmer zu kennen das Vergngen gehabt, welche in dieser
Absicht rohe Alaune, Granatpfelschalen, und ich weis selbst nicht was
noch mehr gebrauchten. Ja einige sind so unsinnig, und lassen sich von
Marktschreyern wohl gar Arsenik und Bleyzucker beybringen, um sich ein
Bette drey Ellen in der Erde tief dadurch bereiten zu lassen. Aber
ist das nicht eine verdammte Verwegenheit, da man aus einer bloen
Tollheit, ein blasses Angesicht zu berkommen, recht vorsetzlich dem
Tode entgegen und in den Rachen rennet?

. 48. Ich kenne eine gewisse Stadt, in der beynahe alle
Frauenspersonen eine recht blagelbe Farbe im Angesichte haben, und die
wegen dieser Farbe sprchwortsweise die gelben Rben geheien werden.
Ich verwunderte mich anfnglich, ehe ich die Ursache dieser blagelben
Angesichtsfarbe wute. Da aber solche Frauenzimmer diese Farbe im
Angesichte tragen, rhrt natrlicher Weise daher, weil bey solchen
Goldammerchen die ble Gewohnheit eingewurzelt ist, sehr starken Kaffee
Morgens frh, in groer Menge, wenn der Magen noch leer und nchtern
ist, zu trinken, und dieses ist die wahre Ursache ihrer Midasfarbe.
Denn es ist bey den Aerzten eine ausgemachte Sache, da der Kaffee ein
dickes und schweres Blut zu machen geschickt sey. Wenn nun aber ein
dickes Blut erzeugt wird; so kann diese vernderte Beschaffenheit des
Bluts nicht in die zarten Rhrchen der Haut eindringen, und folglich
mu das Blut auer Vermgen gesetzt werden, durch das zarte Gewebe der
Haut eine Rthe durchschimmern zu lassen. Es werden also freylich von
einem solchen Blute sehr viele Ungelegenheiten entspringen mssen.
Hiervon wird die sogenannte Jungfernsucht, die Bleichsucht, und
eine ble Beschaffenheit und schlechte Vermischung der ganzen Sfte
entstehen. Diese Krankheiten nun geben zur Verstopfung der monatlichen
Reinigung Anla, und legen den Grund zu geschwollnen Schenkeln,
Wassersuchten des Unterleibes sowohl, als derjenigen wrichen
Geschwlste, welche sich zwischen der Haut und dem Fleische befindet.
Ja es werden Engbrstigkeiten, Erstickfle, Blutspeyen, Lungensuchten,
Gelbesuchten, und Schwarzgelbesuchten, Verstopfungen, Verhrtungen
und Geschwre in der Leber, in dem Milze, in den Gekrsdrsen, in den
Nieren und in der Lunge zum Vorscheine kommen, und zu allen diesen
Verdrielichkeiten wird sich endlich ein abzehrendes Fieber, mit
verdrielichen Nachtschweien, und Ausfallung der Haare gesellen,
welches diese Leute wegen ihrer Unbesonnenheit und Unmigkeit, und zur
Strafe dem Tode in die Hnde liefern wird.

. 49. Ich glaube nunmehr wohl zu thun, wenn ich diejenigen
Schdlichkeiten itzo vorbringen werde, welche von den uerlich
blamachenden Mitteln, so ich im 46sten Absatze angefhret habe, ihren
Ursprung herleiten. Da diese Hlfsmittel vermge der Silbergltte,
des Bleyzuckers und der Alaune nicht nur eine gar zu heftig
zusammenziehende Kraft besitzen, sondern auch wegen der sich darinnen
befindlichen Schdlichkeiten ein heimliches und tdtendes Gift bey
sich fhren, welches vermge der zurckfhrenden Oeffnungen der Haut,
dem Blute und den Sften beygemischt wird, so da davon eine rechte
todtengleiche Blaheit des Angesichts hervorgebracht werden mu. Aber
man mu wissen, da auch eben diese Blaheit des Angesichts allemal mit
einer Trgheit des ganzen Krpers, mit einem Widerwillen, und mit einer
Verdrielichkeit des Gemths, mit einem Ekel vor den Speisen, und mit
abzehrenden Nachtschweien verbunden sey. Kurz, diese krnkliche, und
blasse Angesichtsfarbe wird alle diejenigen Krankheiten erzeugen, deren
ich im 48sten Absatze gedacht habe. Selbst der groe Brhave gedenkt
in seinem andern Theile der Chemie auf der 309ten Seite: da er sechs
oder sieben adliche Frulein gekannt hatte, welche allesamt von dem
Gebrauche der blamachenden Schminke des Silbergltteigs ihr Leben
htten einbssen mssen.

. 50. Da nun die uerlich im Gebrauch gezogenen blamachenden
Schminkmittel so vieles Unheil gebhren knnen, was werden erst
diejenigen Mittel zu thun mchtig seyn, welche man innerlich zu nehmen,
thricht genug ist? Alle diese im 47sten Absatze angezeigte Mittel sind
wahrhafte Sachen, welche dem Menschen zwar einen langsamen, aber doch
einen durch keine Kunst abzuhaltenden Tod verursachen. Werden also
nicht alle diejenigen unglcklichen Zuflle weit eher und geschwinder
ihr Daseyn haben, als von den uerlichen im 46sten Absatze erzhlten
Mitteln? Ich nehme keinen Anstand, mich lange zu besinnen, sondern ich
falle dieser Meynung sogleich bey; ja ich behaupte so gar, da diese
allesammt von der letztern Art der blamachenden Mittel hervorgesprote
und im 48 und 49sten Absatze angefhrte Krankheiten gnzlich unheilbar
sind, und zwar blo darum, weil durch diese Mittel das Blut sowohl,
als die brigen Sfte ganz und gar vergiftet worden sind, und weil
diese vergifteten Sfte die festen Theile des Krpers angreifen, und
zersthren.

. 51. Wer nun aber dennoch mit aller Gewalt eine blasse
Angesichtsfarbe haben will, der mu sich derjenigen Hlfsmittel
bedienen, die ich in der Abhandlung von der blassen Angesichtsfarbe
vorgeschrieben, und angepriesen habe. Aber das mu ich selbst
eingestehen, da diese Art sich schn und bla zu machen, ziemlich
beschwerlich sey. Doch wer die Absicht zu erlangen willens ist, der mu
auch die hierzu dienlichen Mittel zur Hand nehmen und nicht verwerfen.
Niemand fhrt mit Wollust und Vergngen in den Himmel, sondern er mu
zuerst auf der Welt den Dornenweg betreten: Und wer schn und bla zu
werden ein sehnliches Verlangen trgt, der mu sich selbst Zwang anthun
gelernt haben, und gut stoisch, aber doch gleichwohl kein Stockfisch
seyn.




[Illustration]




Das vierte Kapitel.

Von den Unbequemlichkeiten, welche von der Bemhung, der Haut eine
Zrtlichkeit zuwege zu bringen, ihren wesentlichen Ursprung haben.


. 52.

Wo ich mich recht besinne, so habe ich schon im 35sten Absatze
erweislich gemacht, da die Zrtlichkeit der Haut ein wesentliches,
und zur Schnheit des Angesichts nothwendiges Stcke sey, und da sich
diejenigen allerdings glcklich zu schtzen Ursache haben, welche die
wohlthtige Natur mit dieser Schnheitsgabe versehen hat. Diejenigen
aber drfen nur ber die Ungerechtigkeit der Natur Beschwerde fhren,
denen sie diese Zrtlichkeit der Haut zu versagen vor dienlich
befunden hat. Solche unglckselige Frauenzimmer mgen alles anwenden,
was nur immer in ihren Krften ist, so werden sie doch nimmermehr so
glcklich werden, durch alle ihre natrliche Hexerey sich dasjenige
zu verschaffen, was ihnen die Natur wohlbedchtig nicht hat wollen
mittheilen. Ich gebe ganz gerne zu, da die Zrtlichkeit der Haut
vermge gewisser Hlfsmittel erhalten, solche aber, wenn sie vorher
nicht da gewesen ist, niemals zuwege gebracht werden knne: Gesetzt
auch, es wollte sich ein Frauenzimmer, wenn solches anders ohne
Lebensgefahr verrichtet werden knnte, die ganze Haut abziehen lassen,
so wrde sie doch keine andere Haut erhalten, als die abgezogene
gewesen wre. Die Schnen drfen es mir nicht etwa zur Ungnade halten,
wenn ich ihnen offenherzig, ohne meinen Busen entblt zu tragen, die
bloe Wahrheit sage: da sie eher einem Mohre eine weie Farbe, als
sich eine zarte Haut zu machen vermgend seyn werden.

. 53. Gleichwohl aber giebt es solche unartige Frauenzimmer, die
sich durch keine vernunftmige Vorstellung lenken lassen, sondern
lieber bey ihren zwey Augen verbleiben wollen, und die sich feste im
Kopf gesetzt haben, sie mten ihre Absicht erhalten, wenn sie sich
mit Merzschneewasser, Mayenthaue, Ziegenmilchmolken, Khmilchmolken,
Froschlaichwasser, Harne, oder gar mit Tausendblumenwasser, unter
welchem einige den Khharn, den die Khe des Frhlings auf der Weide
von sich lassen, andere aber dasjenige berzogene Wasser verstehen,
welches man von demjenigen Khkothe zu verfertigen gewohnt ist,
welchen die Khe zur Frhjahrszeit auf die Wiesen fallen lassen,
wnschen. Einige stehen vllig in den Gedanken, sie wrden eine
zarte Haut bekommen, wenn sie geschlagenes Eiwei in Rosenwasser
aufgelset, oder weien aufgelsten Vitriol, oder Kalkwasser mit
oder ohne besonders hierzu verfertigtem Quecksilber oder Schledorn-
Pomeranzen- Bohnen- Weililien- Holunder- Rosen- und Lindenbltwasser,
statt ihres gewhnlichen Waschwassers brauchten. Andere bedienen
sich in eben dieser Absicht, und Hoffnung, ihres Wunsches gewhrt
zu werden, das Zimmet- Erdbeer- Petersilien- Wegebreit- oder
Weiwurzelwassers (~Sigilli Salomonis~) ja sie setzen noch wohl
gar, zum Ueberflusse zu allen diesen Dingen Ochsengallenessenz oder
Myrrhentinktur, Zuckeralaune, Potaschenlauge, Markasiten, Bleyzucker,
Talk, zerflossenes Weinsteinl, Quittenkrnschleim, Benzoestinktur, und
ich weis selbst nicht was noch mehr. Zuweilen brauchen sie auch diese
Sachen vor sich, und ohne Zumischung anderer Mittel. Andere aber legen
sich gar zur Nachtszeit, wenn sie zu Bette gehen, eine Larve ber das
Angesichte, welche sie sich mit weien Wachse, Walrath, sen Mandelle
und Rhodiserle, welches alles wohl ber einem gelinden Feuer mit
einander vermischt werden mu, berziehen lassen. Und wiederum andere,
die es besser getroffen zu haben meynen, nehmen venetischen Talk und
Kampfer, und lassen solches zusammen in dem sogenannten Meerbade oder
Marienbade so lange stehen, bis es wie ein Schnee so wei geworden ist,
und dieses gebrauchen sie in der Hoffnung, eine zarte Haut dadurch zu
erlangen: Aber weit gefehlt, sie betrgen sich allerseits in ihrer
Hoffnung, und ich versichre ihnen nochmals, da sie in Ewigkeit eine
grobe Haut behalten werden, wenn ihnen die Natur sonst keine andere
gegeben hat. Doch so viel ist wahr, da sie durch diese Mittel ihre
Zrtlichkeit der Haut lange Jahre durch zu erhalten fhig seyn werden.

. 54. Diejenigen Frauenspersonen handeln eben so abgeschmackt nicht,
die sich, um ihre zarte Haut zu erhalten, mit sen oder bittern
Mandelkleyen zu waschen gewohnt sind. Wenn sie aber glauben, da sie
sich damit eine klare Haut verschaffen knnten, so mgen sie lange
warten, bis sie ihren Wunsch erreichen werden. Denjenigen aber mchte
man eine Stelle im Tollhause anweisen, die so leichtglubig sind,
und sich berreden lassen, da sie ganz unfehlbar eine Zartigkeit
der Haut erhalten wrden, wenn sie ihr Angesichte mit Scheidewasser
oder Wolfsmilche (~Esula~) berstreichen. Aber was fr Marter
mssen sie statt einer zarten Haut ausstehen. Das Angesicht fngt an
aufzulaufen, dicke zu werden und Hitze zu bekommen, die Augen werden
entzndet, und verschwllen, sie empfinden unaussprechliche Schmerzen,
ja sind nicht nur in Gefahr ihre Augen einzuben, sondern auch gar
krebsartige und fressende Schden im Angesichte zu bekommen, vermge
deren sie sich dem Tode zu berlassen gezwungen sehen. Solchen eiteln
Schnen gebe ich aus guter Meynung den Rath, da sie fleiig ein Decoct
von Christwurzel trinken, oder eine Wallfahrt nach Anticera anstellen
mchten, um sich daselbst einen gesndern Verstand zu holen. Denn ich
kann ihnen die Versicherung geben, da sie dadurch einzig und allein
fhig gemacht werden, sich mehr Liebe und Hochachtung bey meinem
Geschlechte zu erwerben, als sie durch die feinste Zrtlichkeit der
Haut vielleicht nimmermehr zu erlangen hoffen drfen.


. 55.

Die sich aber derjenigen Mittel, um eine zarte Haut zu bekommen,
bedienen, deren ich im 46sten Absatze gedacht habe, die mssen es sich
auch gefallen lassen, wenn ihnen diejenigen Krankheiten zum Verdrusse
werden, welche aus diesem fruchtbaren Saamen hervor zu kumen pflegen,
und die ich im 49sten Absatze fast bis zum Ekel angefhrt habe.




[Illustration]


Das fnfte Kapitel.

Von den Ungelegenheiten, welche den Schnen zustoen, wenn sie sich die
Sommersprossen vertreiben.


. 56.

Nichts ist vermgender, die Schnheit der Haut des Angesichts mehr
unscheinbar zu machen, als die Sommersprossen, Schwinden und Flechten:
Nichts ist aber auch gewhnlicher, als da man solche durch schdliche
uerliche Mittel vertreibet, blo die eingebte Schnheit wieder
erlangen zu mgen. Aber man mu auch wissen, da alle diese Krankheiten
der Haut nichts andern, als einer blen Beschaffenheit des Bluts und
der brigen Sfte ihren Ursprung zu danken haben. Doch ich wrde mir
ohne Noth ein Joch auflegen, wenn ich alle diese Krankheiten der
Haut genau abschildern wollte. Ich will also nur gegenwrtig die
Sommersprossen vor die Hand nehmen, und mich mit diesen etwas genauer
einlassen, um den Schaden zeigen zu mgen, welcher von einer unzeitigen
Vertreibung derselbigen zu entstehen pflegt.

. 57. Die Sommersprossen sind kleine gelbe oder braungelbe Fleckchen,
welche an Gre und Farbe den Linsen ziemlich gleich kommen, und die
unter der Haut ihren Sitz haben, sich im Angesichte, am Halse, auf
der Brust und an den Hnden gemeiniglich zur Sommerszeit unsern Augen
darstellen, und ordentlicher Weise von verderbten Sften, welche
unter der Haut abgesetzt worden, und daselbst stocken geblieben sind,
entstehen, so, da sie die Schnheit der Haut verderben und unscheinbar
machen. Was es aber vor Theilchen sind, welche diese Sommersprossen zu
erzeugen fhig sind, kann ich selbst so genau nicht bestimmen. Einige
halten es vor schweflichte Theilchen: Aber mir zu Gefallen knnen es
auch saure, bittre, se oder salzige Theilchen seyn, welche sich unter
der Haut feste gesetzt, und diese Sommersprossen verursacht haben. Ich
kann diese so wenig behaupten, als jene ihre schweflichte Theilchen
erweislich zu machen vermgend seyn werden. Es kann alles mglich
seyn, und jene sowohl, als ich, knnen Recht haben; aber ist deswegen
der Schlu, welchen man von der Mglichkeit auf eine ungezweifelte
Gewiheit macht, richtig? Dem mag seyn, wie es will: genug, da Flecke
da sind, welche die Schnheit verdunkeln und unangenehm machen knnen,
und die ihren Grund einzig und alleine in einer bsen Beschaffenheit
des Bluts haben, und dieses ist genug, denn mehr getraue ich mir selbst
nicht davon zu sagen, theils, weil ich zu ungelehrt, theils aber auch,
weil ich viel zu furchtsam bin.

. 58. Man hat die Anmerkung gemacht, da diejenigen gemeiniglich
ihre Haut im Sommer, wie ein Guckguck seine Federn, verndern mssen,
welche eine sehr feine und zarte Haut besitzen. Im Winter gelangen
sie wieder zu ihrer vorigen schnen Haut, folglich sind solche
Personen Winterschnheiten. Hieraus nun lt es sich begreiflich
machen, warum die Sommersprossen nur im Sommer, nicht aber im Winter
zum Vorscheine kommen. Denn je zrter und feiner eine Haut ist,
desto schwcher wird sie seyn: die Kraft einer feinen Haut aber mu
noch mehr geschwcht werden, wenn ihre Fserchen von der Wrme noch
schlaffer gemacht werden. Da aber die Wrme eine Schlaffheit der
Fserchen zu wirken geschickt sey, ist eine Wahrheit, die niemand,
auer ein Narr in Zweifel ziehen wird. Da nun im Sommer von der Wrme
die Fserchen einer ohnedies schwachen und zarten Haut noch mehr
erschlaft werden, und da im Sommer die Ausdnstung allemal strker,
als im Winter natrlicher Weise abzugehen pflegt; so werden auch mehr
Unreinigkeiten nach der Oberflche der Haut getrieben werden mssen.
Weil nun eine zarte Haut schon von selbst Unvermgenheit genug hat,
die dahin abgesetzten Unreinigkeiten wieder zurck in das Blut zu
treiben, und solches zu verrichten vermge der Wrme, und der daher
vermehrten Ausdnstung noch weit unfhiger gemacht worden ist; so
mssen freylich die dahin getriebenen, und nach der Oberflche der
Haut gebrachten Unsauberkeiten daselbst stocken bleiben, und folglich
werden solche Flecke, welche man Sommersprossen zu nennen gewohnt
ist, entstehen mssen. Ja es werden endlich diese so lange sichtbar
bleiben, als so lange die Ausdnstung stark und vermehrt bleibt, und
die Wrme dauret. Wenn aber zur Winterszeit die Ausdunstung vermge
der Klte nicht so hufig von statten zu gehen, verhindert wird, so
fangen diese Sommersprossen an sich gemeiniglich nach und nach wieder
zu verlieren. Denn die Klte macht, da die Fserchen der Haut mehrere
Kraft bekommen, sich lebhafter zusammen ziehen zu knnen, und also
werden die Unreinigkeiten, die sich unter der Haut befinden, nach den
Naturgesetzen mit strkerem Nachdrucke wieder zurck getrieben, und dem
Blute wieder beygesellt werden mssen. Geschieht aber dieses, so werden
die Sommerflecke zu verschwinden, ihren alten Sitz zu verlassen, und
ihren Abschied zu nehmen genthiget. Da sich aber dieses so, und nicht
anders zuzutragen pflege, beweiset die tgliche Erfahrung sattsam.

. 59. Aus diesem gefaten Begriffe mag nun wohl, allem Vermuthen
nach, die Heilungsart ihren wirklichen Ursprung haben, da man vor
rathsam befunden hat, die Sommermhler vermge zurcktreibender Mittel
zu vertilgen. Aber man irret, wenn man sich berredet, da man durch
diese Heilungsart Nutzen zu verschaffen im Stande sey. Ich mu es ihnen
sagen, da sie den rechten Weg verfehlen, und nur damit unzhlbare
Krankheiten zu verursachen pflegen. Denn da die Sommerflecke aus
einer bsen Beschaffenheit der Sfte im ganzen Krper entspringen;
so mssen diese vorher, ehe man sich an die zurcktreibenden Mittel
wagt, mit groer Behutsamkeit verbessert werden, zumal da die meisten
Krankheiten der Haut von verdorbenen Sften herkommen, und eben
deswegen die Heilung schwer und zweifelhaft machen, und darum hat man
nthig, alle mgliche Behutsamkeit dabey anzuwenden, damit man nicht
mehr Schaden anrichtet als Vortheil verschaft.

. 60. Da die Schnen so viele Bekmmerni haben, und ein solches
sehnliches Verlangen tragen, sich von diesen Sommersprossen befreyen
zu mgen; so will ich ihnen doch aus wahrer Liebe eine Heilungsart
verehren, vermge der sie ihre unangenehme Gste sicher und ohne
Schaden lo werden knnen, nur mssen sie die vorgeschriebenen
Arzneyen eine lange Zeit durch fortbrauchen, wenn sie sich anders des
zuknftigen Nutzens versprechen, und ihre Absicht glcklich erreichen
wollen. Ich rathe ihnen also tglich ein paar Mal einen blutreinigenden
Thee, welcher aus rother Frberwurzel, Rinde von Sassafraholze,
frischen Zitronenschalen, Seifenkraute und Zimmet gemacht werden
soll, zu trinken, und dieses knnen sie Morgens und Nachmittags am
bequemsten thun. Auf diesen Thee, davon man so viel nehmen kann, als
man mit drey Fingern auf einmal fat, sollen vier Kaffeeschlchen
wohlsiedende Milchmolken gegossen werden, nachmals aber mu man das
Infusum wie einen ordentlichen Thee ziehen lassen, und endlich mit
Zucker verst zu sich nehmen. Bey dem Gebrauche dieses Thees mgen sie
entweder allemal eine Antimonialmorselle mitunter essen, oder eine
blutreinigende Mixtur brauchen, welche aus der Sassafraholzessenz,
darinne ~Resina Guaiaci~ aufgelset worden ist, aus Essenz des
mechischen Balsams Aloeholzessenz und Wachholderholzgeiste
zusammengesetzt werden mu. Wchentlich knnen sie sich einmal solcher
Pillen bedienen, welche aus Christwurzelkrautextrakte, Gialappenharze,
~Resina Guaiaci~, ~Gummi armoniaco~, Stahlfeile und ~Mercurio
diaphoretico fixo solari~ verfertiget werden mssen. Dabey mgen unter
der Mahlzeit Fleischbrhen, darinnen Ottern gekocht worden sind,
genossen werden.

. 61. Wenn man nun merket, da die Sommersprossen etwas blsser zu
werden, und sich allmhlig zu verlieren anfangen: Denn dieses mu
das Merkmaal seyn, da das Geblte ziemlich gereiniget worden sey;
so kann man ohne Schaden auch uerliche Mittel in Gebrauch nehmen,
doch befehle ich, die innerlichen Arzneyen durchaus nicht bey Seite
zu setzen, sondern immer fort zu brauchen. Man kann also uerlich
mit Guten Nutzen Quittenkrnerschleim, oder Flohkrautsamenschleim mit
Bleywei versetzen, und etliche Grane von sssen Merkur darzu thun, und
hernach auf die Haut streichen. Man mag auch, statt diesem, Bleywei
und sssen Merkur in Rosenwasser auflsen und auflegen. Viele wollen
das Wasser, womit das Schweitreibende Spieglas ausgelauget worden
ist, als ein dienliches Waschwasser rhmen. Andere hingegen rathen,
da man einen Scrupel vom ~Lapide medicamentoso Crollii~ in einem
Quarte reinen Brunnenwasser auflsen, und sich damit waschen solle.
Und wiederum wollen andere, da man sich aus spitziger Klettenwurzel
und Schellkrautwurzel ein Decoct bereiten, und sich dessen bedienen
solle. Man lobt Citronen oder Limoniensaft, darinnen Alaune aufgelset
worden ist, und giebt den Rath, das Angesichte damit zu bestreichen.
Das Mehl von bittern Mandeln, wenn es mit Essig zu einer Salbe gemacht
worden ist, pflegt man sonst in gleichen Umstnden zu loben. Andere
nehmen Ingber, und kochen ihn in Wein und Wasser, oder sie machen mit
Brandwein eine Tinktur davon, und lassen das Angesichte damit waschen.
Andere aber setzen gar Schwefel zu dem Ingber, und kochen diese beyden
Stcke mit Weine, bis sie dicke geworden sind, alsdenn gesellen sie
solchen eine Fettigkeit bey, machen eine Salbe daraus, und lassen
dieselbe brauchen. Ich lasse den Schnen die freye Wahl, welches Mittel
sie von alle denen, so ich ihnen vorgeschlagen habe, zu ihrem Gebrauche
erwhlen wollen.

. 62. Die alten aberglubigen Weiber setzen ihr ganzes Vertrauen
auf die Nachgeburt einer Erstgebhrerinn, und verlangen, da solche
von einem Knbchen seyn solle, denn sonst pflegte dieses Mittel
fruchtlos zu seyn. Sie nehmen diese Nachgeburt, wenn sie noch warm
ist, und fahren damit derjenigen Person, ohne ihr Vermuthen ber
das Angesichte, bey welcher sie die Sommersprossen zu vertreiben
die Absicht haben. Ich habe den Versuch davon einmal in meiner
Vaterstadt mit meinen Augen gesehen. Die Bademutter rufte eine solche
buntfleckichte Guckgucksschne zu sich, als ob sie ihr etwas zu
erffnen htte, und fuhr ihr, da sie sich zu ihr genhert hatte, mit
der warmen und blutigen Nachgeburt, ohne da sie sich einer solchen
ungewhnlichen Liebkosung versah, ber das ganze Angesicht, so, da
das sommersproichte Mgdchen vor Erschreckni beynahe ein Kind htte
bekommen mgen. Ich habe aber in der knftigen Zeitfolge gesehen, da
dieses Mittel ohne Nutzen gewesen war, denn sie behielt alle ihre
Sommersprossen. Ich glaube also, da wenn auch dieses Mittel helfen
soll, so wird es doch gewi nichts vermge der Nachgeburt, wohl
aber des Schreckens etwas auszurichten im Stande seyn. Denn da bey
unvermuthet vorgefallnen Erschreckni das Blut von der Oberflche der
Haut gerissen, und nach den innern Theilen getrieben wird; so kann es
gar leichte geschehen, da die Sommersprossen ebenfalls mit zurck
geworfen werden, und also verschwinden knnen. Ob aber auch daher nicht
zugleich viele Verdrielichkeiten ihren Ursprung nehmen mgen, ist eine
andere Frage, welche noch einiger genauen Untersuchung nthig hat.

. 63. Diejenigen aber, welche sich einfallen lassen, solche Mittel
zur Vertreibung der Sommersprossen zu gebrauchen, welche ich 46sten u.
54sten Absatze gemibilliget habe, die ziehen sich nicht nur diejenigen
Krankheiten zu, welche im 48, 49sten und 55sten Absatze beschrieben
und angezeiget worden sind, sondern sie laden sich auch noch mehrere
ble Zuflle auf ihre zarten Schultern. Denn da alle diese Mittel gar
zu heftig zurcke treiben, so werden von diesen zurckgetriebenen
Sommersprossen bald Schlagflsse, Bldigkeit der Augen, triefende
Augen, Entzndungen und wohl gar Blindheiten entstehen. Bald werden sie
flieende Ohren, schweres Gehr und Taubheit zum Vorscheine bringen.
Zuweilen nimmt auch wohl eine Lhmung der Zunge, eine Brune und eine
Geschwulst der Ohrendrsen, sowohl als der Speicheldrsen, ihren
Ursprung davon. Fallen die zurckgetriebenen Sommersprossen auf die
Lunge, so verursachen sie Engbrstigkeiten, Erstickflsse, Geschwre
in der Lunge, Lungensuchten, ja zuweilen gar Wassersuchten der Brust.
Endlich erzeigen sich auch hiervon hitzige Entzndungfieber, welche
allesammt von dem Orte ihres Sitzes verschiedene Benennungen haben.
Daher kommen auch abzehrende und schleichende Fieber. Zurckgetriebene
Sommersprossen knnen zur verstopften und unterdrckten Reinigung, zum
weien Flusse, zur Mutterplage, zur Verstopfung und Verhrtung der
Leber, des Milzes, der Gekrsdrsen und andern Zufllen Anla geben.
Sie sind vermgend, Colicken und Darmgichten hervor zu bringen, ja sie
sind geschickt, wohl gar zur Wassersucht und zu kalten Geschwulsten
den Weg zu bahnen, und allerley Arten der Gicht herbey zu schaffen.
Kurz, die zurckgetriebenen Sommerflecke sind reiche Quellen vieles
Verderbens, weil dadurch die unmerkliche Ausdnstung gehemmet wird,
und daher nichts als solche Krankheiten erzeugen, welche allemal zu
entstehen pflegen, wenn diese nicht gehrig von statten zu gehen weis,
wie im 42, 38, 32, 28, 17, 12 und 5ten Absatze mit mehrerem davon
nachzusehen ist.

. 64. Alle diese im 48, 49, 55 u. 63sten Absatze angefhrte
Krankheiten knnen auch entstehen, wenn die Finnen ein kpfrichtes
Angesicht, und die Flechten mit uerlichen und zurcktreibenden
Arzneymitteln zur Unzeit vertrieben werden.

. 65. Finnen sind kleine Geschwre der Haut, in der Gre eines
Hanfkorns, welche einen harten und rothen Umfang, in der Mitte aber
ein weies Fleckchen haben, mit Eyter angefllt sind, meistentheils
das Angesicht einnehmen, und unter der Haut von stockenden Salzwasser
entstehen. Man sagt, da die Finnen sich gemeiniglich bey solchen
Frauenzimmern einzufinden gewohnt wren, welche mannbar geworden sind,
doch aber eine strenge Keuschheit beobachten. Ja man will so gar
behaupten, da keine bessere Heilungsart bey den Finnen statt fnde,
als der Ehestand. Ich lugne dieses zwar nicht, doch aber glaube ich
auch, da die Vollbltigkeit viel Schuld an den Finnen sey.

. 66. Den Kupferhandel nennt man diejenige Rthe des Angesichts,
welche vornehmlich an den Wangen und an der Nase sichtbar ist, sehr
hochrothe, und fast rosenfarbigte eyterhafte Erhabenheiten zeigt,
und kleine Grindchen hat, die aber zuweilen so berhand nehmen, da
die Haut des Angesichts davon ungleich rauh, und schbicht wird, und
garstig anzusehen ist, die Nase aber wird davon sehr aufgetrieben,
gro und dicke. Man will insgemein denjenigen Frauenspersonen, welche
diesen Handel treiben, zur Last legen, da sie Weintrinkerinnen und
Brandweinsuferinnen seyn sollen. Und ich drfte mich bald berreden
lassen, es selbst zu glauben. Was meynen sie wohl darzu?

. 67. Unter den Flechten aber versteht man gewisse Schbigkeiten
und Geschwlste der Haut des Angesichts, welche sich vornehmlich am
Kinne befinden, ein beschwerliches Jucken verursachen, eine scharfe
Feuchtigkeit von sich lassen, und zuweilen so um sich fressen, da
sie wohl gar das ganze Angesicht einzunehmen und unangenehm zu machen
geschickt sind.

. 68. Da diese im 65, 66 und 67sten Absatze angefhrten Fehler der
Haut ebenfalls, wie die Sommersprossen, eine Unreinigkeit der Sfte
zum Grunde haben; so knnen solche auch durch eben diese Heilungsart
gehoben werden, die ich als sicher im 60 und 61sten Absatze den
Schnen angepriesen habe.




[Illustration]


Das sechste Kapitel.

Von den Unangenehmen Empfindungen, welche die Schnen leiden, indem sie
sich eine hohe Stirne zu machen, beschftigen.


. 69.

Einmal hat nun schon die Einbildung in den Herzen unsrer Schnen
so tiefe Wurzel geschlagen, da eine hohe Stirne, die nmlich auf
der Mitten gleich ber der Nase eine Spitze hat, auf beyden Seiten
aber in etwas zurck luft, und eine einwrtsgehende halbzirkelrunde
und zurckgebogene Krmmung macht, eine ganz besondere und
bewundernswrdige Schnheit sey. Die Frauenzimmer sind unverdrossen,
sich eine solche hohe Stirne zuwege zu bringen, und wollen lieber
entweder durch Anlegung ihrer eigenen Hnde, oder durch Beyhlfe andrer
Staatsmrtyrinnen werden, als diese eingebildete Schnheit gnzlich
entbehren. Es ist ein belachenswrdiges Bemhen, da man sich, um eine
hohe Stirne zu haben, so vielen schmerzhaften Empfindungen aussetzt.
Ich dchte, die Natur htte ihnen schon ohnedies Schmerzen genug
auferlegt, ohne da sie nthig htten, ihre Pein aus einer bloen
nrrischen Modesucht zu vermehren. Ich bin der vlligen Meynung, da
sich die Schnen, um ihres Wunsches theilhaft zu werden, oftmals weit
mehr Marter, entweder selbst, oder sich durch andere anthun lassen, als
wenn man die peinlichen Fragen an sie ergehen, oder an ihnen alle Grade
der Tortur vornehmen liee. Ich getraue mir eine Wette zu gewinnen, da
ihnen unter dieser Beschftigung die Thrnen hufig ber die Wangen
herunter laufen mssen, und da sie fr Angst tiefgeholte Seufzer von
sich hren zu lassen gezwungen wrden. Ja, ja, was man sehnlich zu
haben wnscht, darnach seufzet man desto brnstiger. Man sollte es
fast nicht glauben, da das menschliche Herz einen so groen Ueberflu
thrichter Eitelkeiten in sich schlieen knnte.

. 70. Die sich nun einmal vorgesetzt haben, eine solche im 69sten
Absatze beschriebene hohe Stirne zu haben, die besitzen auch
Herzhaftigkeit genug, sich die Haare von der Stirne mit einem hierzu
verfertigten Zngelchen ausreien zu lassen, bis sie glauben, ihre
Stirne habe nunmehr diejenige Modefigur, die sie haben mu, wenn sie
vor schn gehalten werden soll. Ich aber mchte die Schmerzen nicht
ben, die sie doch aus Hochmuth gutwillig leiden. Sonst pflegten
sich nur diejenigen die Haare auszureien, denen ein groes Unglck
begegnet war, itzo aber reit man sich die Haare aus, um sich zeitlich
glcklich machen zu mgen. Andere lassen sich, in eben dieser Absicht,
die Stirne mit einer Salbe bestreichen, welche aus lebendigen Kalke,
gelben Arsenik und schwarzer Seife bereitet wird. Diese Sachen nun
werden mit scharfer Meisterlauge, so viel als hierzu erforderlich ist,
zu einer dnnern Salbe gemacht, um die Haare damit weg zu beizen.
Dieses haarbeizende Mittel heit, das trkische Ruma. Denn man will
uns versichern, da die Trken, welche sonst an ihrem ganzen Leibe,
ausgenommen auf dem Kopfe und an dem Barte, keine Haare zu tragen
gewohnt wren, mit dieser Salbe ihre Haare weg zu bringen bemht seyn
sollten. Andern aber gefllt es, an statt der Meisterlauge kampferirten
Weingeist zu nehmen. Einige bedienen sich des weien Pechs, oder des
bis zur Hrte gekochten Terpenthins, und zerlassen es mit etwas Wachs
ber Kohlen, hernach lassen sie sich solches warm ber die Stirne
streichen, und wenn es darauf kalt und harte geworden ist, so erlauben
es die Schnen, da man es ihnen abreien mag, da denn die Haare mit
sammt den Zwiebeln ausgerissen werden, sie aber zur Belohnung ihrer
Staatspein die lngst gewnschte hohe Stirne als eine Beute davon
tragen. Sauer erworbener Sieg! Aber man darf nicht denken, da die
hohe Stirne nur von einer ausgestandenen Geduldsprobe so gleich fertig
gemacht werde. Nein, man mu sich solche Marter fters, und solange
anthun lassen, bis auf der Stirne kein Hrchen mehr zu sehen ist.

. 71. Diejenigen, welche entweder ihre Haare auf der Stirne mit einem
Zngelchen ausreien, oder mit weiem Peche und Wachse wegbringen
lassen, mssen zwar groe Schmerzen ausstehen: doch was duldet man um
der Mode wegen nicht! Aber diejenigen Frauenspersonen, welche die Haare
von der Stirne mit dem trkischen Ruma wegbeizen lassen, mssen noch
weit mehr ausstehen, denn sie bekommen Entzndungen der Haut, welche
unsglich brennen und wehe thun, ja es erzeugen sich so gar Grinde,
unter welchen ein Eiter und eine scharfe tief unter sich fressende
Feuchtigkeit wohnt. Alles dieses plagt die Schnen fters, so, da
sie lange Zeit die Stube zu hten genthiget werden. Das Uebel aber
pflegt noch bser zu werden, und lnger zu dauern, wenn die, so dieser
Thorheit Frohndienste geleistet haben, verdorbene Sfte besitzen. Doch
ich wollte, da ihre Eitelkeit noch weit schlimmere Folgen verursachte,
weil das Frauenzimmer so verwegen ist, die ewige Weisheit zu tadeln,
der doch die Schnheiten, als geringe Geschpfe, mit aller Dankbarkeit
verbunden seyn sollten, wenn auch die Natur sie nur zu einer Auster
gemacht htte. Mein Eifer ist gerecht: Aber werde ich auch damit alle
thrichte Herzen vernnftiger zu machen fhig seyn? In Ewigkeit nicht.




[Illustration]


Das siebende Kapitel.

Von dem Schaden, welcher sich von dem Schwarzfrben der Augenbraunen
entspinnt.


. 72.

Allerdings mssen die Augenbraunen ebenfalls gendert werden, wenn nach
der itzigen Mode alles am ganzen Krper ein ander Ansehen bekommen mu.
Doch die Nase ist noch bis itzo unangetastet geblieben. Sie hat von
Glck zu sagen, da sie nicht auch wie andre Theile des Angesichts und
des ganzen Krpers hat herhalten drfen. Mich wundert es nicht wenig,
da der Witz der Schnen bey ihr so lange hat mig seyn knnen,
ohne ihr einen Zierath oder sonst einen Nasenschmuck anzuhngen. Doch
ich dchte, es wre der Billigkeit gem, auch auf die Nase einige
Sorge zu wenden, damit sie nicht ohne allen Putz bliebe. Die Schnen
wrden gerecht gegen dieses Glied handeln, wenn sie sich wenigstens
einen goldnen Ring durch die Nase ziehen lieen. Ich bin bey mir
selbst berzeugt: da dieser Schmuck nicht nur artig zum Angesichte
lassen, sondern auch sonst groen Nutzen haben werde. Wenigstens knnte
dieser Nasenring bey widerspenstigen und ungehorsamen Weibern nicht
undienlich seyn, zumal wenn man ein seiden Strickchen an diesen Ring
befestigte. Denn wenn sich solche Weiber nicht mit Vernunft und Worten
lenken lassen wollten; so knnten die Mnner sie, wie die Brfhrer
den Tanzbr, mit diesem an den Nasenring gebundenen Strickchen nach
ihrem Gefallen ziehen und zum Gehorsam bringen. Mich soll es nicht nur
recht herzlich freuen, sondern ich will auch so gar eine hochmthige
Stellung, wie der Arzt Mv, annehmen, wenn ich so glcklich seyn
sollte, da meine Erfindung und mein Gutachten von den Schnen wohl
angenommen und mit gutem Erfolge gebraucht wrde. Die Mnner, welche
bse Weiber haben, wrden gleichfalls Ursache finden, mir fr meinen
glcklichen Einfall hchst verbunden zu seyn. Ja ich traue ihnen so
viel Gutes zu, da sie wohl gar diesen ntzlichen Nasenring, aus wahrer
Dankbarkeit, nach des Erfinders Namen nennen wrden, so, wie es ehedem
das smmtliche Frauenzimmer gemacht hat, welches die spitzigen, und wie
ein Thurm in die Hhe gesteckten Kopfzeuge, so des Knigs in Frankreich
Beyschlferinn ~la Fontange~ zum ersten erfunden hatte, nach ihrem
Namen Fontangen zu nennen, vor rathsam befand.

. 73. Da die Augenbraunen vieles zur Schnheit des Angesichts
beytragen, ist eine Gewiheit. Denn man betrachte nur einmal ein
Angesicht, welches entweder durch die Blattern, oder andere Zuflle,
die Augenbraunen eingebt hat, wie ungestalt und hlich es aussieht.
Der Nutzen aber, welchen die Augenbraunen zu erweisen pflegen, ist von
weit grerer Erheblichkeit, als die ganze eingebildete Schnheit. Denn
es hat das Ansehen, als ob dieselben vornehmlich darzu bestimmt wren,
den Schwei, welcher von der Stirne herunter luft, so wie ein Damm das
Fluthwasser abzuhalten, damit derselbe nicht in die Augen laufen, und
solchen eine unangenehme Empfindung verursachen, oder gar einen grern
Schaden zufgen mge. Die Augenbraunen halten auch den Staub und die
Unreinigkeit auf, welche sonst gar leichte in das Auge fallen, und ihm
zur Last werden knnen. Ja sie verhindern auch einigermaen den allzu
geschwinden Einfall starker und ungewhnlicher Lichtstralen in die
Augen, wenn man die Augenbraunen in etwas niederwrts zieht.

. 74. Da aber die Schnen aus Mangel guter Vernunft, mehr auf die
Schnheit der Augenbraunen, als auf deren Nutzen zu sehen gewohnt sind;
so frben sie solche, um ihre Schnheit noch mehr zu erhhen, schwarz,
und hierzu bedienen sie sich derjenigen Mittel, welche ich im 26 und
27sten Absatze schon erzhlt habe. Viele nehmen einen Mandelkern,
halten ihn so lange an ein brennend Licht, bis er schwarz geworden
ist, darnach frben sie die Augenbraunen damit. Andere nehmen ein Oel,
und reiben es auf einem zinnernen Teller mit einer bleyernen Kugel so
lange, bis eine schwarze Farbe davon entsteht, und mit dieser bemahlen
sie die Augenbraunen, und machen selbige schwarz.

. 75. Die im 26 und 74sten Absatze angefhrten haarschwarzmachenden
Mittel verursachen eben keinen Schaden, und knnen, wenn man sonst
Thorheit genug besitzt, meinetwegen immer gebraucht werden, sich
damit schwarze Augenbraunen zu machen. Dasjenige haarschwarzmachende
Decoct aber, dessen ich im 27sten Absatze Meldung gethan habe, bringt
nicht nur die im 28sten Absatze erzhlten Krankheiten zum Vorscheine,
sondern es macht auch noch mehrere Ungelegenheiten. Denn da dieses
Mittel aus beizenden Dingen besteht; so werden nothwendig die Haare
der Augenbraunen davon weggebeizt werden und ausfallen mssen: folglich
wird das Angesicht einen ansehnlichen Theil seiner Schnheit verlieren,
die Augen aber selbst vielen Schaden leiden. Man wird es ganz wohl
begreifen, da, wenn die Haare der Augenbraunen weggefressen werden
oder ausfallen, der Staub und andere Unsauberkeiten, ja so gar der
Schwei, welcher von der Stirne herunter rollet, den Augen zur Last
werden, und in selbigen nicht nur empfindliche Schmerzen und ein
beschwerliches Drcken mit einem bestndigen Thrnenflusse, sondern
auch Entzndungen, Geschwre, Bldigkeit und Blindheit verursachen
mssen.

[Illustration]




[Illustration]


Das achte Kapitel.

Von den Schdlichen Folgerungen, welche von dem Weimachen der Zhne
entstehen.


. 76.

Weie Zhne sind eine groe Schnheit, und dieselbigen wei zu machen
und wei zu erhalten ist lobenswrdig, und eine Reinlichkeit, davon
sich der Nutzen auf alle Glieder des Krpers erstreckt. Denn da die
Zhne diejenigen Werkzeuge sind, vermge welcher die Speisen im Munde
zerschnitten, mit Speichel vermischt, und zur Verdauung geschickt
gemacht werden; so thut man wohl, wenn man solche sauber, rein und wei
zu halten bemht ist, um dem Magen in seiner Verdauungskraft desto
besser zu Hlfe zu kommen, damit derselbe nicht auer Fhigkeit gesetzt
werden mge, einen guten Brey (~chymum~) zu verfertigen. Denn wie
dieser beschaffen ist, wird auch der Nahrungssaft, das Blut, und alle
brigen Sfte beschaffen seyn mssen, weil davon die Gesundheit und
Krankheit des Krpers, nachdem die Sfte entweder eine gute oder bse
Eigenschaft haben, vornehmlich abhngen.

. 77. Der rmische Arzt Bagliv rth die Sorge vor die Zhne sorgfltig
zu beobachten an. Er spricht auf der 476 Seite, man solle Sorge vor
seine Zhne tragen, damit man wohl verdauen, und lange leben mchte.
Und Herr Doctor Platner hat in seiner sehr gelehrten Abhandlung von
den Krankheiten, welche von der Unsauberkeit ihren Ursprung haben,
grndlich ausgefhrt: da die Reinlichkeit der Zhne eine hchstnthige
Bemhung sey. Er sagt im 16. Absatze seiner Abhandlung: Es ist allen
bekannt, da mit den Zhnen die Speisen zerkuet, verdnnet, ermrbet,
und alsdenn zur Unterhaltung des Krpers angewendet werden. Wenn aber
die Zhne ausfallen oder angefressen und wackelnd werden, wird die
Speise im Munde nicht wohl prpiret, welche, so grob in sich genommen,
sehr schwer von dem Magen und andern Eingeweiden bezwungen, und eine
solche Cruditt zugezogen wird, wodurch die Eingeweide geschwcht, und
die Sfte verdorben werden. Indem wir kuen, wird der sich an Zhnen,
Zunge und Gaumen hufig angelegte Unrath mit den Speisen sehr genau
vermischt, welche denn einen unreinen Nahrungssaft und verderbtes
Geblte machen, mithin einen Grund zu knftigen Krankheiten legen.

. 78. Man hat nthig, eine kluge Wahl mit den Mitteln anzustellen,
deren man sich, um die Zhne wei zu machen, zu bedienen gesonnen
ist, damit man nicht Schaden anrichte, oder gar seiner Gesundheit
verlustig werde. Wer sich meinen Rath gefallen lassen will, den wird
es in Ewigkeit nicht gereuen, da man gehorsam gewesen ist. Ich kann
mit Wahrheit versichern, da kein sichrer Mittel sey, die Zhne
wei zu machen, als wenn man solche fleiig durch Hlfe der Finger,
nicht aber eines Zahnbrstchens, mit dem Kaffeesatze, welcher aber
so lange ausgekocht werden mu, bis er dem Wasser keine Farbe mehr
zu geben vermgend ist, abreibet, hernach aber die Zhne mit rothen
Weine, welchen einige unvernnftige Weiber vor ein tdtliches Gift
in den Blattern bey Kindern ausgeschryen haben, abspielet. Man kann
entweder dieses Pulver vor sich alleine brauchen, oder mit andern
Dingen versetzen lassen. Es ist so abgeschmackt nicht, wenn man dem
Kaffeesatze florentinische Schwerdtlilienwurzel, gedrrtes Salbeykraut,
rothe Korallen, und etwas weniges von der Terra catechu zugesellet. Wer
eine Latwerge verlangt, der darf nur diese Stcke mit weiem Honige
vermischen, und zum Gebrauch anwenden.

. 79. Diejenigen aber handeln unrecht, welche sich die Zhne mit
Bimsteine, Steinsalze, gebrannter Alaune, zu Kohlen gebrannten
Brodrinden, oder gar mit saurem Vitriolgeiste wei zu machen, beflissen
sind. Es ist wahr, der saure Vitriolgeist macht die Zhne wei, zumal,
wenn man sehr zartes Papier, darinnen man die Metallgoldbltter zu
verwahren pflegt, nimmt, diesen Vitriolgeist drauf giet, zu einer
Salbe reibet, und die Zhne damit abputzet. Aber es whret gar nicht
lange, so werden die Zhne davon morsch, und brechen Stckweise ab.
Die brigen Mittel verletzen nicht nur das Zahnfleisch, sondern sie
benehmen auch den Zhnen das glserne Wesen. Wenn aber dieses verlohren
geht; so fangen die Zhne an hohl, schwarz und brandig zu werden,
so, da Zahnschmerzen davon entstehen und endlich brechen die Kronen
davon gar ab, die Zhne selbst fallen aus, oder sie mssen ausgerissen
werden. O wie garstig ist es, wenn ein junges Weibchen keine Zhne mehr
im Munde zhlen kann, und sich selbst mit schdlichen Mitteln zu einem
alten Weibe vor der Zeit gemacht hat. Aber ein Glck ist es vor die
Mnner, wenn ihre bsen und gebeiigen Weiber keinen Zahn mehr haben,
da hrt man sie vor Freuden mit jenem Sinndichter anstimmen und singen:

      Wenn mein Weib ber Zahnschmerz schreyt,
      So bin ich inniglich erfreut.
    Nun denk ich wird sie nicht mehr beien,
      Nun glaub ich wird sie frmmer seyn;
    Und mich ihr liebes Mnnchen heien,
      Doch weit gefehlt! es trifft nicht ein:
    Denn nach dem Schmerze wird sie immer,
    Von Zeit zu Zeit, und tglich schlimmer.

. 80. Wenn nun aber die Zhne durch solche schdliche Zhnweimachende
Mittel verlohren gegangen sind, so werden die Speisen im Munde nicht
gehrig zermalet werden knnen, sondern ganz in den Magen geschluckt
werden mssen; folglich wird der Magen dadurch sehr geschwcht
werden, und einen unvollkommenen und rohen Brey bereiten, woraus denn
nothwendiger Weise ein schlechter Nahrungssaft entstehen mu, der ein
bses Blut und ble Sfte macht, welche den festen Theilen des Krpers
kein Gedeyen geben knnen. Die festen Theile des Krpers werden also in
einen ungewhnlichen und widernatrlichen Zustand gerathen, und lauter
solche Krankheiten erzeugen, deren Grund man in verdorbenen Sften zu
suchen hat. Ja es wird sich wohl gar eine allmhlige Abzehrung darzu
einfinden, und der Krper wird in Lebensgefahr gerathen. Es wrde
mir nicht schwer fallen, ein ganzes Register von solchen Krankheiten
herzusetzen, welche allesamt aus dieser Quelle zu flieen pflegen, wenn
es mir selbst sowohl, als andern nur nicht zum Ekel wre. Sehen sie
nicht, wie vielen Gefhrlichkeiten man sich aussetzt, wenn man unrechte
Mittel zu seiner Absicht erwhlet, und sich damit selbst betrget? O
was fr ein Laster ist doch der Selbstbetrug! So geht es, man straft
sich zuweilen selbst mehr, als man von andern vielleicht niemals
gestraft worden wre. Doch der bergroen und sich selbst eingebildeten
Klugheit geschiehet das Recht. Ich bedaure die Schicksale der Schnen
nicht, darein sie sich aus Unvernunft und Uebermuth gestrzet haben.




[Illustration]


Das neunte Kapitel.

Von den Unplichkeiten, welche von dem Lcherstechen in die
Ohrlppchen, zum Ohrgehngtragen, herkommen.


. 81.

Es ist eben keine neue Erfindung, da man Lcher in die Ohrlppchen
zu stechen pflegt. Schon bey den alten Rmern, bey denen alles,
was nur feyerlich vollzogen werden sollte, durch gewisse Gebruche
und Weydsprche, die sie in ihrer Mundart ~Formulas solennes~
nannten, verrichtet werden mute, war es gewhnlich, da sie ihren
leibeigenen Knechten Lcher in die Ohrlppchen stechen, und solche an
die Hausthren heften lieen, um ihnen dadurch zu verstehen zu geben,
da sie Zeit Lebens nicht von dem Hause ihres Herrn weichen sollten.
Wer sich aber berredet, da unsere Schnheiten sich in gleicher
Absicht Lcher in die Ohrlppchen stechen zu lassen gewohnt wren,
um fleiig zu Hause bleiben zu wollen, der betrgt sich in seinen
Gedanken. Ich glaube vielmehr, da solche Weiber ihren Mnnern dadurch
das Gegentheil erkennen zu geben willens sind, um sich vielleicht
auch anderweit als geduldige Thierchen aufzufhren. Ich lasse mir es
nimmermehr ausreden, da sich manche Schnen nicht gerne aus Hoffahrt
Lcher in die Haut stechen lassen sollten. Ich glaube sogar, da das
schne Geschlecht davon eben keinen Schmerz empfinden msse, denn sonst
wrden sie sich sonder Zweifel vor solchen Mordeisen frchten. O! da
es den Frauenspersonen nicht zu heilig ist, ihren Kopf dem Stiche
darzureichen, so werden sich auch unartige gewi kein Gewissen daraus
machen, andere, und noch wenig edlere Theile geduldig darzubieten.
Wer den Frauenzimmern die Geduld abspricht, der ist ein Verchter des
schnen Geschlechts.

. 82. Es ist ganz wahrscheinlich, ob schon diese Wahrscheinlichkeit
noch eines groen Beweises bedrftig ist, da die Mode, sich Lcher
in die Ohrlppchen stechen zu lassen, um Ohrringelchen und Ohrgehnge
tragen zu knnen, von den Rmern ihren eigentlichen Ursprung genommen
habe. Jedoch liegt eben die Seligkeit nicht daran, wenn man auch gleich
meinem Einfalle keinen Glauben beyleget. Genug da ich den Glauben habe.

. 83. Ohnerachtet die Natur die Schnen mit so vielen Gaben vor
den Mnnern zum voraus bereichert hat; so wollen sie sich doch noch
immer mit mehrern unnthigen Dingen belstigen, um sich dadurch
ein ehrwrdigeres Ansehen zuwege zu bringen. Sie erlauben also, da
man ihnen darum Lcher in die Ohrlppchen stechen darf, damit sie
Ohrringelchen und Ohrgehnge tragen knnen. Wenn ihnen die Natur solche
lange Ohrlappen zugemessen htte, so versichre ich, sie wrden sich
solche lngst haben abschneiden lassen. Da ihnen aber die Natur kurze
Lppchen zu geben vor gut befunden hat; so ist ihre einige Sorgfalt
dahin gerichtet, wie sie solche durch Kunst verlngern mchten. Oefters
tragen die Frauenspersonen eine Last von Steinen an den Ohrlppchen,
da dieselben davon ausreien, und ihnen Schmerzen verursachen mssen:
Aber auch diese bertragen sie mit weit christlicher Gelassenheit,
als jene Mutter den Tod ihres an Blattern verstorbenen allerliebsten
Kindes, um nur schner aussehen zu mgen. Die Alten pflegten von Golde
gewisse Figuren, als Lmmchen, Kreuzchen, Ottern und Schlangen an den
Ohrringelchen zu tragen. Heut zu Tage aber sieht man Perlenmutter,
gute und unchte Steine, gute Perlen und wchserne Perlen, welche
mit Glase berzogen sind, und andere geschnittene oder geschliffene
von Glas verfertigte Flsse, die verschiedene Ecken haben, damit die
Lichtstrahlen sich darinne auf mancherley Weise brechen und die Farben
verndern knnen, an den Ohrlppchen herunter hngen.

. 84. Die Lust, Ohrgehnge tragen zu wollen, grndet sich auf nichts,
als auf eine bloe Eitelkeit, welche immer die Hauptleidenschaft
der Schnen gewesen ist, und so viel ich davon einzusehen vermgend
bin, noch itzo ist, auch vielleicht, wenn es mir erlaubt ist, meine
Prophezeyung frey heraus sagen zu drfen, noch in Zukunft der Liebling
des schnen Geschlechts bleiben wird. Man mag es nur sicher glauben,
da diejenigen, welche ihren Krper bestndig zu putzen und zu
schmcken bemht sind, eine sehr eitle Seele besitzen. Ich glaube es in
Ewigkeit nicht, was einige Schnen sagen. Denn

    Auf Sagen mag ein andrer bauen,
      Auf Sagen bau ich nicht;
    Ein Narr, nicht ich, mag allen trauen,
      Von dem man sagt und spricht:
    Doch Mops glaubt viel, und wird betrogen,
      Ja, gar zu oft bethrt.
    Warum? Mops ist tumm auferzogen,
      Und viel zu ungelehrt.

Ich sage es noch einmal, ich lasse mich doch nicht berreden, wenn man
auch gleich seine Eitelkeit mit noch so schnen Farben anzustreichen
sucht, um andern beybringen zu mgen, da sie blo darum den Entschlu
gefat htten, die Ohrlppchen durchstechen zu lassen, damit sie
sich von den Flssen, die ihnen so oft zur Last zu fallen pflegten,
lo machen knnten. Es ist kein Zweifel, da dieses nur ein eitler
und scheinbarer Vorwand sey, womit man seiner eitlen Gesinnung einen
Mantel umzugeben meynet. Wenn sich solche zu Flssen des Kopfs und
der Augen geneigte Schnen, durch die Haut im Nacken ein Haarseilchen
(~Setaceum~) ziehen, oder am Arme ein Fontenell htten setzen
lassen; so wrde niemand mehr, als ich, ihren Worten Glauben zustellen;
ja ich wrde ihre Sorge, die sie auf die Erhaltung ihrer Gesundheit zu
wenden beflissen gewesen wren, fr untadelhaft halten.

. 85. Kein Putz ist so vollkommen, welcher nicht auch seine
Unvollkommenheiten nach sich ziehen sollte, und so geht es auch mit
den Lchern, welche darum gestochen werden, damit man die Ohrlppchen
mit Ohrgehngen auszieren knne. Denn obschon die Ohrlppchen als ein
Knorpel sehr wenig Empfindung haben; so geschiehet es gleichwohl, wenn
man sich die Lcher stechen lt, da an den Ohrlppchen Schmerzen
empfunden werden, da sie eine Entzndung bekommen, und zu schwren
anfangen. Aber auch dieses alles pflegt sich auch alsdenn zu ereignen,
wenn die Ohrlppchen, wegen der groen daran hngenden Last von
einander gerissen werden. Ohnerachtet nun alle diese Zuflle eben keine
Lebensgefahr verursachen, so halte ich es doch vor eine Thorheit, da
man sich ohne Noth Schmerzen mache, die man doch, wenn man sonst klug
genug wre, gar fglich berhoben seyn knnte. Man giebt ja ohnedies
denjenigen immer Schuld, da sie einen Fehler des Gehirns htten, die
durch sich selbst muthwillig zugezogene Schmerzen erst klger werden
wollen:

    Klug ist, wer fhlt, sich bessert, schweiget.

[Illustration]




[Illustration]


                         Der dritte Abschnitt.

                                Von den
                      Krankheiten, welche von der
                      Auszierung des Halses ihren
                          Ursprung herleiten.




Das erste Kapitel.

Von den Verdrielichkeiten, die zu entstehen pflegen, weil das schne
Geschlecht den Hals entblt zu tragen gewohnt ist.


. 86.

Unsere Schnen haben in Gewohnheit, ihren Hals entblt zu tragen,
um theils mein Geschlechte dadurch zu reizen, theils aber auch ihm
aus Hochmuth zu zeigen, da die Natur ihnen hiermit eine vorzgliche
Schnheit vor den Mnnern zum voraus geschenket habe. Sie machen sich
gro mit ihrem Halse, und schtzen die Schnheit desselbigen darum
so hoch, weil ihr Hals eine zartere Haut, eine weiere Farbe, und
keinen so hervorragenden Knorpel der Luftrhre htte als der Hals der
Mannsbilder, denn sie solchen als etwas hliches vorwerfen, und nur
zum Spotte den Adamsapfel nennen. Aber sie haben gar nicht Ursache,
des Adamsapfels wegen, welchen wir nicht aus unserm Verschulden,
sondern aus weisen Absichten der Natur tragen mssen, uns spttlich
zu verhhnen. Es ist berhaupt ein Merkmaal eines blden Verstandes,
wenn man seinem Nebenmenschen Leibesgebrechen vorzuwerfen, unbesonnen
genug ist, wofr er doch selbst nicht kann, und die er nicht zu ndern
in seiner Macht hat, wenn er es auch gleich gerne thun wollte. Die
Mannspersonen knnten den Frauenzimmern wohl, wenn sie sonst Lust
htten, grere Dinge vorhalten, dafr sie sich gewi recht wrden
schmen mssen, wenn sie anders so tugendhaft, wie sie sich immer
rhmen, seyn wollten.


. 87.

Damit nun aber auch der nackende Hals nicht so gar kahl da stehen
mchte; so ist der Witz der Schnen hier sinnreich genug gewesen,
Mittel ausfndig zu machen, den Hals mit Verzierungen ausrsten
zu mgen, um ihm mehrern Reiz und Annehmlichkeit beyzubringen.
Sie haben also zu dem Ende den Hals mit sammetnen, seidenen mit
Schmelz und Glasflusse besetzten Halsbndern, mit Schnuren, daran
Wachsperlen oder chte Perlen gereihet sind, und mit goldenen Ketten
ausgezieret, ja sie haben ihn so gar mit einer Last von Dukaten,
so wie ein Rennschlittenpferd mit Schellen, behangen und recht
niedlich ausgeputzet, so, da manchem darnach gelstet haben mu, die
Hnde darnach ausstrecken zu mgen, um sie von dieser Gelbsucht zu
befreyen, sich aber damit gtlich zu thun, und das Herz zu erfreuen.
Viele verherrlichen ihren Hals mit edlen Steinen, die in Gold gefat
sind, und bald die Gestalt eines Herzens oder eines Kreuzes, bald
aber einer Rose vorzustellen pflegen. Andere tragen gar kleine
Judenkragen, die aus Bndern oder Spitzen, welche in Falten gelegt
werden mssen, zusammen geneht worden sind, um den Hals rings herum.
Dieser Halsputz ist sehr bequem, die Krpfe zu verbergen, und ich habe
solche meistentheils bey solchen jungen Schnen angetroffen, von denen
ich berzeugt gewesen bin, da sie Krpfe gehabt haben. Unzhlige
Weibspersonen hngen fast ihre ganze Habseligkeiten an den Hals, und
die sie daran zu hngen nicht fhig sind, die jagen sie, aus Furcht,
sie mchten ihnen von den Dieben entrissen werden, in den Hals hinein,
um solche in Sicherheit bringen zu mgen. Ich weis wohl, da die Weiber
mehrmals durch den Halsschmuck ihre Mnner an den Bettelstab gebracht
haben. Welches gar leichte geschehen kann, wenn ihnen die Weiber,
ohne Leibeserben zu hinterlassen, sterben; so, da sie hernach andern
die Gerade, von Rechtswegen, zu berlassen genthiget werden. O,
ungerechtes Recht!


. 88.

Ich will mich nun auch um die Krankheiten bekmmern, welche sich
von einem entblten Halse zu erzeugen pflegen, damit ich nicht
vor saumselig in Ansehung meiner Pflicht gescholten werden mchte.
Da nun der bloe Hals der freyen Luft, um andern dessen Schnheit
zu zeigen, ausgesetzt wird; so wird es kein Wunder seyn, wenn sich
derselbe, zumal bey rauher, feuchter und kalter Witterung, vielen
Verdrielichkeiten darbieten mu. Der unmerklichen Ausdnstung wird
also nothwendig bey einer solchen Beschaffenheit der Luft in der Haut
des Halses gehemmt werden, folglich wird es nichts fremdes seyn,
wenn lauter solche Krankheiten, ihren Ursprung davon nehmen, welche
allemal sich zu ereignen gewohnt sind, so ofte bey vorfallender
Gelegenheit die unmerkliche Ausdnstung gestrt oder gar unterdrckt
wird. Heiserkeit, Brustflsse, Husten, Entzndungen des innern Halses,
Beulen, Geschwre, und mehrere dergleichen Ungelegenheiten, deren ich
schon zum ftern im 63, 42, 38, 32, 28, 17, 12 und 5ten Absatze Meldung
gethan habe, sind die Kinder dieser fruchtbaren Mutter, und von eben
dieser stammen Krpfe, (~Strum~) und geschwollene Halsdrsen
(~Scroful~) natrlicher Weise ab. Denn, da die Sfte des Krpers
von der verhinderten Ausdnstung darum verderbet werden, weil deren
Ueberflu kein Ausgang verstattet ist; so mssen die Sfte dicke und
zu Stockungen geschickt, folglich faul und bsartig gemacht werden.
Nun aber haben die Krpfe und geschwollene Halsdrsen gemeiniglich
eine ble Beschaffenheit der Sfte zum Grunde: Was kann also wohl
natrlicher seyn? als da solche daher entspringen mssen, weil die
gehemmte Ausdnstung vornehmlich der Haut des Halses, welche die
Drsen, hauptschlich aber diejenige Drse, welche die thyroideische
heit, umgiebet, vermge des versagten Abflusses und bestndigen neuen
Zuflusses ausgedehnet wird, und also in den von dieser Haut umkleideten
Drsen eine Verstopfung zuwege bringen mu. Da nun ein Kropf nichts
anders, als eine widernatrliche Ausdehnung dieser Haut ist; so mu
daher diejenige weiche und nachgebende Geschwulst des Halses ihren
Ursprung nehmen, die man einen Krampf zu nennen gewohnt ist. Und eben
daher entspinnen sich auch die ~Scroful~ welche geschwollene
Drsen am Halse sind, so sich bewegen lassen, sehr harte werden,
zuweilen aber gar aufbrechen, und unheilbare Geschwre verursachen.
Wie besorgt sind also nicht unsere Schnen bey diesen entstandenen
Umstnden, um solche unsichtbar zu machen und verhhlen zu mgen. Aber
es ist nunmehro zu spte, die Fehler itzo verbergen zu wollen, welche
man sich selbst, blo aus einem verdammten Hochmuthe, zugezogen hat.




[Illustration]


Das zweyte Kapitel.

Von den Gefhrlichkeiten, welche von der Zartmachung der Halshaut
entstehen.


. 89.

Allerdings gehrt auch eine zarte Haut des Halses zur Schnheit, daher
die Frauenspersonen, um ihren Liebhabern desto reizender seyn zu mgen,
allen Flei anwenden, sich selbige eigen zu machen. Doch was ich im
52sten Absatze von der Zrtlichkeit der Haut des Angesichts gesagt
habe, das kann auch von der zarten Halshaut gelten.


. 90.

Die Schnen bedienen sich eben derjenigen Mittel, sich eine angenehme
Zrtlichkeit der Haut zuwege zu bringen, welche im 46, 53 und 54sten
Absatze angefhrt worden sind. Ich halte es billig vor berflig,
solche nochmals zu wiederholen.


. 91.

Wenn aber die Frauenzimmer wider alle Vernunft dennoch so verwegen
seyn, und mit Bedacht solche Dinge zum Gebrauche nehmen wollen,
die man doch als hchst schdlich anzusehen hat, und die im 46 und
55sten Absatze nachgesehen zu werden verdienen; so werden sie sich es
auch nicht entgegen seyn lassen drfen, wenn ihnen alle diejenigen
Verdrielichkeiten ber den Hals kommen werden, welche im 88, 63, 55,
49, 42, 38, 32, 28, 18, 12, und 5ten Absatze erzhlt worden sind.




[Illustration]


Das dritte Kapitel.

Von dem Schaden, welcher sich uert, wenn die Sommersprossen und
Leberflecke des Halses mit uerlichen und schdlichen Sachen
vertrieben werden.


. 92.

Was ich von den Sommersprossen des Angesichts im 56, 57, 58 und 59sten
Absatze behauptet habe, das lt sich auch auf die Sommersprossen,
welche die Haut des Halses unscheinbar machen, anwenden. Ich habe
im 60sten und 61sten Absatze eine vernnftige Heilungsart wider
dieselbigen angefhrt, und diese findet auch hier statt. Im Gegentheil
aber habe ich auch im 62sten Absatze ein aberglubiges Mittel, und im
46 und 54sten Absatze noch andere schdliche Dinge verworfen, welche
sonst die Frauenzimmer, sich die Sommersprossen damit zu vertreiben,
in Gewohnheit haben. Und endlich habe ich mir Mhe gegeben, im 91, 88,
63, 55, 49, 48, 42, 38, 32, 28, 17, 12 und 5ten Absatze diejenigen
Krankheiten darzuthun, welche von dem unzeitigen Gebrauche schdlicher
Mittel zu entspringen pflegen.


. 93.

Leberflecke nennt man diejenigen gelben, braunen, oder schwarzbraunen
Flecke der Haut, so zuweilen eines Handtellers gro, zuweilen aber auch
kleiner sind. Sie haben gemeiniglich eine Rauigkeit der Haut bey sich,
welche wie Kleyen oder Schuppen abzufallen pflegt, ordentlicher Weise
aber haben diese Flecke ihren Sitz am Halse, auf der Brust, und an den
Hnden, ja auch wohl andern Theilen des Krpers; endlich verursachen
sie auch ein beschwerliches Grimmen und Jucken. Diese Leberflecke nun
haben ebenfalls, wie Sommersprossen, ein verderbtes Geblte zum Grunde,
welches seine Unreinigkeit unter der Haut abzusetzen, durch die Haut
schimmern zu lassen, und solche Flecke sichtbar zu machen pflegt.
Doch haben diese Flecke die Art an sich, da sie zuweilen von selbst
vergehen, aber auch wiederkommen. Man hat wahrgenommen, da sie bey
denen gemeiniglich zum Vorschein zu kommen geneigt sind, die, wenn sie
ihren Krper erhitzt haben, entweder sehr kalt zu trinken, oder sich
der kalten Luft, um sich abzukhlen, auszusetzen gewohnt sind.


. 94.

Diejenigen Schnheiten, welche solche Leberflecke ohne Nachtheil
ihrer schtzbaren Gesundheit lo zu werden Verlangen tragen, werden
sich mit gutem Erfolge, der im 60 und 61sten Absatze vorgeschlagenen
Heilungsart bedienen knnen. Wenn sie aber lieber ihrem Eigensinne
Folge leisten, und die im 46 und 54sten Absatze getadelten Hlfsmittel
brauchen wollen, die werden freylich zur Strafe ihres Eigensinnes sich
alle diejenigen Krankheiten, als ein Joch ber ihren schwachen Hals
werfen, die ich im 92, 88, 63, 55, 49, 42, 38, 32, 28, 17, 12 und 5ten
Absatze angezogen habe.




[Illustration]


Das vierte Kapitel.

Von dem Unheil, welches daher zu kommen pflegt, wenn sich das
Frauenzimmer durch unrechte Mittel die Krpfe vertreiben lt.


. 95.

Die angenehmste Schnheit des Angesichts so wohl, als des Halses,
ja der vollkommenste Krperbau wird einen groen Abgang seiner
Anmuth leiden, wenn der schne weie und runde Hals von einem Kropfe
unscheinbar gemacht worden ist. Sollte man es wohl den Schnen mit
Rechte verdenken, wenn sie sich angelegen seyn lassen, sich von
diesem Uebel, welches sie so sehr verstellt, frey zu machen? Ihre
Absicht wrde keines Tadels wrdig seyn, wenn sie sich nur nicht
ungeschickten Hnden berlieen, die ihnen allemal mehr Schaden, als
Vortheil zu verschaffen pflegen. Denn ein vernnftiger Wundarzt wird
sich wohl schwerlich unterstehen, seine Hand an einen Kropf zu legen,
welcher schon zu einer ziemlichen Gre gelanget ist, weil er von den
Krpfen mit mir einerley Meynung und Glauben hat, da nmlich ein
gar zu gro gewachsener Kropf eine unheilbare Geschwulst sey. Es ist
aber ein Kropf, nach meinem Begriffe, eine unschmerzhafte Geschwulst
des auswendigen Halses, die ihren Ursprung von einer gewaltsamen
Ausdehnung derjenigen Haut des Halses nimmt, welche die tyroideische
Drse umkleidet. Zuweilen sind diese Krpfe klein, zuweilen aber zeigen
sie eine ganz besondere Gre. Einige sind harte, andre weich. Ich
habe Krpfe gesehen, die sehr gro waren, so, da sie denen, welche
damit belstiget wurden, eine unangenehme und schwere Sprache, einen
kurzen Athem, ja gar Ersteckflsse verursachten, welches gar leichtlich
geschehen kann, wenn die tyroideische Drse, die bey nahe an den obern
Knorpeln der Luftrhre liegt, so aufschwllet und gro wird, da sie
die Luftrhre zusammendrckt, und auf diese Weise den Ausgang der Luft
so wohl verhindert, als auch den Einfall derselben hemmet.


. 96.

Ich habe schon im 88sten Absatze erweislich gemacht, da die Krpfe
von der verhinderten Ausdnstung entstnden. Denn da diese die Sfte
verderbet und dicke macht; so werden die Drsen des Halses davon in
eine Verstopfung gerathen, folglich werden sie wachsen, sich verhrten,
und endlich die Haut ausdehnen, und diese Geschwulst sichtbar machen
mssen. Ueberhaupt aber sind die Krpfe gutartigen Verhrtungen
nicht ungleich, wenn sie aber mehr zunehmen, so knnen sie auch
nach und nach eine bse Art berkommen, daher sie denn auch fters
schmerzhaft werden, Entzndungen bekommen, und zum Krebse Anla geben.
Leute, welche mit der Lustseuche behaftet sind, knnen gar leichte
bsartige Krpfe bekommen. Alles nun, was fhig genug ist, die Haut
des Halses, welche die tyroideische Drse umgiebet, auszudehnen, das
mu auch vermgend seyn, Krpfe zu erzeugen. Die Halshaut aber wird
ausgedehnt, wenn man die Luft an sich hlt, und den Kopf gewaltsam
zurcke wirft, oder wenn man schwere Lasten fters auf dem Kopfe zu
tragen gewohnt ist. Alles was die Drsen verstopfen kann, mu auch
Gelegenheit zu Krpfen geben. Dieses aber wird ein dickes, faules
und schlammiges Wasser, wie ohngefhr das Schneewasser ist, welches
darum faul und stinkend wird, weil es sehr lange, zumal auf hohen
Bergen, ohne Bewegung gelegen hat, und eine sehr grobe Kost von Mehl
und riechenden Fleische ganz gewi zu bewerkstelligen im Stande seyn.
Ich kann auch eine dicke, neblichte, und mit wrichten Dnsten stark
angefllte Luft mit gutem Gewissen nicht davon ausschlieen. Es giebt
Gegenden, wo diese Krpfe ordentlicher Weise zu Hause sind, als wie
in Spanien, Steyermark, Tyrol, Bayern, Franken, und Schwaben, und wie
ich mir habe sagen lassen, so sollen die Frauenzimmer daselbst die
Krpfe vor eine ganz besondere Schnheit halten, ich will es glauben,
denn vielmals macht die Mode einen Fehler schn. Ich habe an keinem
Orte mehr krpfichte Leute angetroffen, als in Sagan, und ich bin
der vlligen Meynung, da diese vom Boberwasser herkommen, welches
ich darum darzu geschickt halte, weil solches von dem Schneewasser,
welches von den hohen Gebirgen herabfliet, und in den Bober fllt,
schdlich gemacht wird. Die Aerzte daselbst mgen das Boberwasser
noch fr so gesund ausschreyen; so glaube ich es doch nicht, sondern
ich halte es darum fr schdlich und ungesund, weil die Einwohner
daselbst sehr kropfreich sind. Ich lasse es mir auch nicht ausreden,
da diejenigen, welche das Boberwasser unberlegt als gesund anpreisen,
nicht Mangel an ihrer Wissenschaft und gar keine rechte Erkenntni
desjenigen Orts haben sollten, in dem sie wohnen, um welche sich doch
die Aerzte, nach des Hipokrats Vorschrift vor allen Dingen zu bekmmern
verbunden seyn sollten. Der Beweis, wodurch sie das Boberwasser von
aller Schdlichkeit loszusprechen suchen, ist dieser: Sie sagen, der
Bober entspringt an der bhmischen Grnze bey Schatzlar, auf einem
hohen Berge, und hat auch darum einen sehr schnellen Lauf: das Wasser
selbst sieht sehr helle und klar aus, und rollet auf einem schweren
kiesichten und sandigten, nicht aber auf einem schlammigten und
leimigten Boden daher: Da nun aber nicht nur das Bergwasser, sondern
auch dasjenige Wasser der Gesundheit zutrglich ist, welches auf einem
kiesigten Sande fliet, und noch darzu einen geschwinden Lauf hat, und
eben darum nicht zur Fulni geneigt ist; das Boberwasser aber eine
solche, und keine andere Beschaffenheit besitzt, folglich mu es ein
gesundes Wasser seyn. Es ist wahr, ich mu es selber zugestehen, da
ein Bergwasser und ein solches, welches sehr schnelle luft, einen
kiesigten und sandigten Grund hat, und schne krystallenklar ist,
gesund seyn knne, wenn ihm nur anders keine fremde und schdliche
Theile zugesellet werden. Allein da der Bober, von dem, auf den
hchsten Bergen liegenden, und zur Sommerszeit geschmolzenen Schnee
verderbet worden ist, so hilft alles nichts, wenn er auch gleich den
Ursprung seines Wassers dem allerhchsten Berge schuldig, das Wasser
aber noch so krystallenartig wre, und noch einen zehnmal schnellern
Lauf htte, als es gegenwrtig zu haben pflegt, ja wenn auch gleich
das Boberwasser wirklich von dem, auf den Bergen geschmolzenem Schnee,
schdlich und ungesund gemacht werde, beweist sein Aufschwllen im
Sommer augenscheinlich, da es am trockensten, und heiesten ist. Denn
zu der Zeit fngt der Schnee auf dem Gebirge an zu zerschmelzen, und
den Bober am Wasser reicher, zugleich aber auch schdlicher zu machen.
Aber wenn wird auch mehr, als im Sommer, da die Hitze sehr gro und
schmachtend ist, getrunken? Wird man also nicht die Krper zu eben der
Zeit mit weit mehrern Unreinigkeiten anfllen? Ich lugne es nicht.


. 97.

Man will mir die Versicherung geben, da die Knige von Frankreich
und England die besondere Kraft htten, durch Auflegung ihrer hohen
Hnde, oder durch die Berhrung mit ihren Hnden die Krpfe heilen zu
knnen. Wer aber dieses glaubt, der glaubt mehr als ich. Ich habe nicht
gehrt, da diese gekrnten Hupter die Gabe gesund zu machen mittelbar
von den heiligen Ausgesanndten erhalten htten. Denn meines Wissens
wute man dazumal nichts weder von einem Knige der Franzosen, noch
von einem Knige der Britten. Wenn diese Knige wirklich die Krpfe
heilen knnten, so wrden sich ganz gewi die Tyroler, Steyermrker,
Salzburger und andere mehr in ihre Kur begeben, um sich von dieser
Beschwerde lo machen zu mgen. Einige wollen gar anrathen, da man
den Kropf mit einer Hand eines an der Abzehrung verstorbenen Menschens
berhren lassen solle, und wiederum andere befinden vor gut, den
Kropf mit einem Knochen eines solchen an der Auszehrung verstorbenen
Menschens zu bestreichen. Doch alle beyde Mittel grnden sich auf einen
bloen Aberglauben. Ja man will noch mehr erzhlen, und sogar sagen,
da einige, welche sich den Kropf, mit der Hand eines an der Abzehrung
verstorbenen Menschens wirklich htten berhren lassen, davon selbst in
eine abzehrende Krankheit verfallen seyn sollten. Aber wenn dieses ja
einmal geschehen ist, so mu gewi derjenige schon selbst einen Fehler
im Eingeweide gehabt haben, davon vielleicht diese Krankheit entstanden
seyn mag. Denn da die Krpfe von verdorbenen Sften ihren Ursprung
nehmen, so wird es auch gar wohl mglich seyn knnen, da davon andre
Theile ebenfalls eine bse Beschaffenheit bekommen knnen. Doch wenn
dieses in der Wahrheit seinen Grund htte; so wrden auch sonst diese
Flle fterer vorfallen mssen, und so wrden auch alle diejenigen,
welche sich mit einem solchen Menschen beschftigen, und ihn angreifen,
wie nmlich die todten Weiber und Aerzte, welche vielmals solche
Krper zergliedern, in eine Abzehrung verfallen mssen. So viel aber
mu ich versichern, da durch alle diese Mittel in Ewigkeit kein Kropf
vertrieben werden knne, auch nach meinem Glauben niemals einer geheilt
worden sey.


. 98.

Viele haben das Herz, und wagen es, sich den Kropf mit einer Salbe
bestreichen zu lassen, welche aus Quecksilber, venetianischen Terebinth
und Schweinsfette verfertiget worden ist. Andere aber lassen ein
bleyernes Halsband, welches mit lebendigem Quecksilber bestrichen
werden mu, um den Hals tragen, und bilden sich ein, den Kropf damit
weg bringen zu knnen: Aber sie betrgen sich in ihrer Meynung, und
erlangen ihre Absicht dennoch nicht, ja sie richten damit vieles Unheil
an, indem sie dadurch einen Speichelflu erregen, welcher sie in nicht
geringe Gefahr zu versetzen fhig ist. Diejenigen aber, welche den
Kropf gar durch tzende und beizende Sachen, zu vertreiben, sich in
Sinn kommen lassen, machen es noch rger, und verrathen offenbar ihren
Unverstand. Denn es ist natrlich, da durch diese Heilungsart groe
Adern und Nerven angefressen, der Kropf aber in einen Krebs verwandelt
werden msse, worauf allemal gewi der Tod erfolgen wird. Man rhmt
gemeiniglich den Schwammstein als ein untrgliches Hlfsmittel wider
den Kropf. Allein man hat befunden, da die Leute nach dessen Gebrauche
sehr elende geworden sind, so, da man alle Noth gehabt hat, solchen
wieder zu ihrer verlohrnen Gesundheit zu verhelfen. Zurcktreibende
Mittel verhrten nicht nur die Krpfe noch mehr, und machen solche
bsartig, sondern sie erzeugen auch alle diejenigen Mhseligkeiten,
deren im 94sten Absatze gedacht worden ist. Diejenigen aber werden
ihre Absicht weit glklicher erreichen, welche sich bey anfangenden
Krpfen solcher Mittel bedienen, die ihre Wirkung durch Vertheilen zu
beweisen geschickt sind, und die Fhigkeit besitzen, das Blut von aller
Unsauberkeit zu reinigen, und die Dickheit desselbigen zu verdnnen.
Einem alten Kropfe aber ist keine andere Hlfe, als der Schnitt,
nur mu man sorgfltig darauf Achtung geben, da der Kropf, welcher
geschnitten werden soll, von guter Art sey, nicht aber eine ble
Beschaffenheit habe, weil sonst nur die Gefahr vergrert werden wrde.

[Illustration]




[Illustration]


Das fnfte Kapitel.

Von den Ueblen Umstnden, welche von der Weimachung des Halses
abstammen.


. 99.

Niemand wird einen gelben oder braunen und schwarzen Hals vor eine
Schnheit halten, auch so gar pflegen dieses die Frauenzimmer selbst
nicht zu thun, ohnerachtet sie doch sonst gewohnt sind, ihre eigenen
Fehler vor schn auszugeben. Sie sind, wie mein Geschlechte, einem
mifrbigen Halse gram, und eben aus dieser Ursache bemhen sie sich,
an sich diesen Fehler zu verbessern, um sich keines Vorwurfs wrdig
machen zu wollen. Sie sind in ihrer Erfindung, ihren Gedanken nach
nicht die unglcklichsten gewesen, zumal, da sie die Kunst, ihren
gelben Hals mit einem weien Anstriche so meisterlich zu verdecken
gelernt haben, da man sich selbst beynahe berreden lassen sollte,
diese angenehmen Schnheiten wren allesamt in Cypern gebohren worden.
Doch wenn es mir erlaubt ist, die rechte Wahrheit sagen zu drfen, so
kommen mir solche weigefrbte Frauenspersonen eben so, wie die Pferde
vor, welchen die Rohndler eine andere Farbe zu geben pflegen, damit
sie solche ihres Vortheils wegen desto theurer verkaufen mchten: Und
aus einer gleichmigen Absicht frben die Weibsbilder ihre gelben
Hlse wei, damit sie sich an einem oder auch nach mancher Neigung auch
an mehrere Liebhaber glcklich verkaufen knnten.


. 100.

Die gelben Hlse aber pflegen die Frauenzimmer mit Puder, sehr zart
zu Pulver gemachten Bleyweie, oder mit ~Magisterio Talci~
wei anzustreichen, um ihren Hlsen besondre Annehmlichkeit zuwege
zu bringen. Einige nehmen auch diejenigen Mittel zur Hand, die ich
schon im 45sten und 46sten Absatze angefhrt habe. Aber es ist auch
eine beraus schlechte Belohnung, welche sie vor ihre Bemhung, sich
nmlich einen weien Hals zu verschaffen, bekommen. Denn sie ziehen
sich dadurch alle diejenigen Krankheiten ber den Hals, die von mir im
98, 94, 92, 88, 63, 55, 49, 42, 38, 32, 28, 17, 12, und 5ten Absatze
erwehnt worden sind. Und so htte ich denn, mit andern Gelehrten,
den Kopf sowohl als den Hals schne genug bemahlt, und abgeputzt,
ohne da ich bey den Stcken die geringste Krankheit aufgebrdet
habe. Die Schnen wrden mir das grte Unrecht von der Welt anthun,
wenn sie sich gegen mich so unbarmherzig auffhren, und mich als
einen Mrder ausschreyen wollten. Ob es aber auch nicht einige, nach
ihrem schlechten angebohrnen Verstande thun drften, dafr mag ich
eben nicht Brge seyn. Ich habe es mehr als einmal erlebt, da man
Personen aus einer bloen gehigen Leidenschaft Gewalt angethan und
ihnen mit einer erdachten und harten Beschuldigung, die ihnen nicht
einmal in den Sinn gekommen war, zur Last gefallen ist. In Wahrheit,
zu diesem Unglcke kann man eben so unvermuthet, wie jene Jungfer
zu einem Kinde kommen. Gebt nur eingebildeten Gelehrten, und sich
selbst weisednkenden Herren, ob sie schon mehr Wahnwitz als Weisheit
besitzen, nicht diejenige Ehre, der sie sich in ihren Kpfen, wrdig
zu seyn, glauben, so gleich werden sie an euch Gelegenheit suchen,
euch mit einer Beschuldigung, davon ihr selbst nicht einmal wisset, zu
beschweren, und es euch eben so nahe zubringen suchen, da es euch,
wenn ihr anders Empfindung habt, wehe thun mu. Und eben so machte es
jenes Ordensglied, welches gegen seine Freunde mehr Schalkhaftigkeit
als Freundschaft besa, ob es schon immer sein rechtschafnes Gemthe
und seine Aufrichtigkeit in allen Gesellschaften, zumal wenn es von
Weine beredter als Bv gemacht wurde, recht meisterlich zu rhmen
wute, an dem aber gleichwohl, wie an einem stinkenden und faulen
Fische, kein guter Bissen war, und eben darum seine vorige Gesellschaft
zu verlassen genthiget ward, weil man gar zu deutlich aus seinen
Gesichtszgen sowohl, als aus seiner Auffhrung schlieen konnte,
da er sich besser zu einem Theaternarren, als zu einem Geistlichen
schicken wrde, ohnerachtet es das tolle Glck endlich noch zu allem
Unglck zu einem mitlautenden Buchstaben, um die Zahl im ABC vollmachen
zu helfen, gemacht hatte. Hier wute es sich erst rechte Ehre zu geben,
so, da es endlich fr Hochmuth und Einbildung in eine Krankheit, die
von den Aerzten die Milzsucht genannt wurde, zu verfallen so unglklich
wurde. In diesem Zustande wuchs des Mannes Eigenliebe dergestalt,
da er in eine wirkliche Raserey verfiel, in der er vorgab, da alle
Gelehrsamkeit mit ihm ihre Endschaft erlangen wrde, so bald er nur
mit Tode abgehen wrde. Der Himmel lasse doch diese Prophezeyhung
immer mehr erfllt werden! Doch ich will itzo sogleich, ohne da ich
mehr Worte verschwende, fr die ich vielleicht wohl gar noch einigen
Uebelgesinneten Rechenschaft zu geben, angehalten werden mchte,
den Beschlu meines ersten Buches, von den Krankheiten des schnen
Geschlechts, welche berhaupt dem Putze der Haare, des Angesichts und
des Halses, ihr Daseyn schuldig sind, hiermit bestimmen; und kurz, hier
ist das

                               E N D E.


[Illustration]





End of the Project Gutenberg EBook of Satyrische Abhandlung von den
Krankheiten der Frauenspersonen, welche sie sich durch ihren Putz und Anzug zuziehen, by Christian Tobias Ephraim Reinhard

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SATYRISCHE ABHANDLUNG VON ***

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