The Project Gutenberg EBook of Der Weihnacht-Abend, by Gustav Schilling

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Title: Der Weihnacht-Abend

Author: Gustav Schilling

Release Date: December 21, 2016 [EBook #53780]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER WEIHNACHT-ABEND ***




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                      [Illustration: Tollkhner!]




                                  Der
                            Weihnacht-Abend.


                                  Von
                           Gustav Schilling.


                              Wien, 1817.
                           Bey Anton Pichler.




                                  Der
                            Weihnacht-Abend.




                            Erstes Kapitel.


Der Nordwind blies, der Schnee fiel in groen Flocken, die Regenschirme
zrtlicher Eltern und Liebhaber bedeckten den Christmarkt. Lat mich
ein Kind seyn! sprach Woldemar und zog seinen Freund in das
sehenswerthe Gedrnge. Hier feilschten Mdchen eine Wiege, dort stand
der grmliche Kster unter einer Glorie von Hannswrsten, der General
vor dem Stalle zu Bethlehem, der Staats-Rath unter Steckenpferden. Eine
Reihe neugebackener, reich versilberter Potentaten lockte die
tuschbaren Kinder an.

Hierher meine gndigen Herrn! rief des Hof-Conditors se Rosine.
Sehen Sie nur die schne Bescheerung. Rosseaus Grab, Harlekins
Hochzeit, Mari Verkndigung und diese niedliche Papagena. Die Freunde
traten nher, besahen das Grab, die Hochzeit, das Mdchen selbst.
Lachend verglich sie Julius der Vogelfngerin, Woldemar aber errthete,
denn nur ein Sugling bedeckte Papagenas gesegnete Brust; die
Verlegenheit macht' ihn zum Kufer und Rosine ffnete dankbar ihr
Dschen, um ihn mit chten Diabolini's zu bewirthen. Der Adjutant strte
die Gste. Wenn es Dir, sprach er zu Woldemar anders noch Ernst damit
ist in das neue Frey-Corps zu treten so eile, Dich dem General
vorzustellen. Er steht im Begriff zu der Armee abzugehn.

Wisse Freund, erwiederte dieser da mein Schicksal in den Hnden einer
unschlssigen Fee liegt, die mich bald anzieht, bald entfernt, mir heute
rth in den Krieg zu ziehen, mich morgen dann nicht lassen will -- Doch
soll es sich noch heut entscheiden. Damit steckt' er die wchserne
Papagena ein und verschwand unter dem Haufen.




                            Zweytes Kapitel.


Herr Wahl, der Oheim, und Vormund dieser Schicksals-Gttin sa inde
daheim vor dem Hauptbuch, freute sich der eben gezogenen Bilanz, hie
den Seidenhndler Merker viel freundlicher als sonst willkommen und
sprach sofort vom Curs, von Geschften, vom pltzlichen Fall eines
bedeutenden Hauses. Herr Merker schnippte den Staub von seinem Ermel,
zog den Stockknopf vom Munde, rusperte sich und rief: Was fllt das
fllt! Wir, denk' ich, bleiben stehen.

So Gott will! brummte der Alte und faltete in stiller Andacht seine
Hnde.

Ich stehe gut.

Ist mir bekannt.

Doch immer noch auf Freyers Fen. Geduldig zwar, doch auch zuweilen mit
Ungeduld. Wenn Ihre Jungfer Nichte sich endlich nun entschliessen wollte
-- oder bereits entschlossen htte -- Wie?

Dann fiel der Oheim ein wre uns beyden geholfen, denn das Mdchen ist
meine einzige Sorge. Ich sollte mich rgern, aber das hilft nichts --

Ein Machtwort sprechen, Herr Kollege, ein Machtwort --

Da sey Gott fr! Der gab ihr ja, wie uns, den freyen Willen.

So? -- Ja! und vier Liebhaber zu meiner Plage.

Bedeuten nichts! den einen hat, den andern verachtet sie, der dritte
ward ihr verdchtig, der vierte endlich ist ein armer Teufel. Ohne
Mittel, ohne Tittel, ein Herr _von_ -- _von nichts_ sag' ich Ihnen.

Das sind die Schlimmsten --

Ein redliches Gemth brigens --

Heuchelschein! Dem sollten Sie das Haus verbiethen!

Ey bewahre! Herminchen sieht ihn nicht ungern, und wer ihr zusagt, den
nehme sie. Die Brute sind wie Lmmer zu betrachten, die zur
Schlachtbank gefhrt werden; wie arme Snderinnen denen denn, nach
hergebrachter, christlicher Sitte, jedes billige Verlangen allerdings zu
gewhren ist. Um ihrer selbst willen nimmt sie ja doch keiner. Den einen
kirrt der Mutterwitz, den andern ein Grbchen, den dritten nichts
besseres: Sie und Ihres Gleichen -- solide Leute mein' ich -- die
Mitgift. Und was wird ihr denn fr die und fr jenes? Evens Erbtheil!
die herbe Knechtschaft, Schmerz und Jammer. Wir gehen inde ein bischen
da- ein bischen dorthin und gehaben uns wohl.

Hermine hpfte jetzt herein, an dem Freyer vorber zum Onkel hin,
welcher nach einem leisen, scherzhaften Wortwechsel das Zimmer verlie.
Sie wollt' ihm folgen als Herr Merker unter steifen Verbeugungen ihren
Arm ergriff und Anstalt zu einem Handku machte. Das Mdchen zog den Arm
zurck, er folgte ihr mit gespitztem Munde, bald tief hinab, bald in die
Hhe nach und immer lauter lachte sie, und immer schneller flog die Hand
bald rechts, bald links um seinen Scheitel. Der Geneckte lie jetzt ab;
doch stampfte er ein wenig mit dem Fue. Hermine zog einen niedlichen
Pantalon aus dem Ridikl, bedeckte ihn mit Kssen, nannt ihn mit sen
Nahmen, lie das Mnnchen aus ihrer Hand in die seine hpfen und sprach
Den bescheerte mir der heilige Christ.

Herr Merker sah in dem Sprunge des Pppchens ein Merkzeichen ihrer
Gunst. Da hab ich mich besser angegriffen! rief er, an seine Tasche
schlagend.

Wahrhaftig? O, ich glckliche. Und das konnten Sie ber sich gewinnen?

Was seyn mu, mu seyn! sprach er mit Achselzucken.

Nun, so bescheeren Sie denn! Wir werden ja sehen. Die Gabe schildert den
Geber, sie ist das Probema seines Geschmacks, und seiner
Empfindungs-Weise.

Fr's erste hob er an etwas Sammt zu einer Besetzung, und der ist
_extra_, Theuerste! Dann diesen Ring; ein Erbstck von der seligen
Gromutter. Solche Kleinodien machen sich rar. Endlich und zuletzt einen
sogenannten Koselschen Gulden den ich in Ihrer Mnz-Sammlung vermite --
Wenig mit Liebe. Nehmen Sie! Ohne Widerrede!

Das Mdchen lie den Sammt auf die Tafel, den Ring in seinen Hut, und
das seltene Kabinets-Stck zu Boden fallen, drehte sich unter einem
hellen Gelchter um ihre Achse und verschwand.

Herr Merker wute nicht wie ihm geschah. Ein sauberes Lamm! sprach er
endlich Ey wenn Du doch heute noch auf die Schlacht-Bank gefhrt
wrdest!




                            Drittes Kapitel.


Ein Anbether folgte heute den andern, doch Hermine lie sich verlugnen,
sandte ihre Kains Opfer zurck und sah vergebens bis zum Abend dem
einzigen Willkommenen entgegen. Woldemar lie sich nicht blicken. Sie
zgerte mit dem Nacht-Essen, sie eilte von Minute zu Minute ans Fenster
und als der Onkel endlich zu Bette ging, voll Mimuth in ihr
Schlafgemach. Der Undankbare! schalt das Mdchen und warf den
Ueberrock ab. Der Bestandlose! fuhr sie fort, und lste mit Ungestm
die Schleifen. Der Verblendete! setzte sie seufzend hinzu und nahm
jetzt befremdet eine wchserne Papagena wahr. Lchelnd sa das Pppchen
unter dem Spiegel; es lag ein Notenblatt zu seinen Fen. _Er ist Dir
nah!_ sprach der Text --

   Er ist Dir nah, er lauscht am Freuden-Quelle.
   Des Khnen Muth, der Sehnsucht heie Welle,
   Der Liebe Schmerz drng ihn zur stillen Zelle
   In's Heiligthum der Zauberin.

Hermine lie das wahrsagende Blatt fallen und warf bestrzt ihre
leuchtenden Augen umher, da rauschte der Vorhang des Alkovens und
Woldemar trat, einem Genius gleich, aus dem Dunkel. Sie wollt' ihrem
Mdchen rufen, wollte zrnen, wollte fliehen und floh -- in seinen Arm.
Tollkhner! stammelte sie unter den Kssen des Jnglings. Er zog die
Liebliche an's Herz, ihre Thrnen bedeckten ihn; sie verbarg das
glhende Gesicht an seiner Brust. Mein also? rief er aus. O
himmlische Weih-Nacht!




                            Viertes Kapitel.


Frher als zu frchten stand, ging Merkers letzter Segen in Erfllung.
Woldemar kehrte spt genug von dem Freuden-Quelle zurck; seine Wangen
brannten, seyn Herz bebte; er sah begeistert zu den verblichenen Sternen
auf, im Morgenroth die Farbe der Braut, im Wolkenflug den Tanz der
schnsten Horen: entzckende, bedeutungsvolle Trume reiheten sich an
die selige Wirklichkeit und auch diese erschien ihm, als er am hohen
Mittag erwachte, nur wie ein Trugbild des Phantasus, denn die feurige
Welle deren das Notenblatt gedachte, trug ihn weit ber die Grenze
seines Willens und seiner Erwartung hinaus.

Gestern erst hatte der Verschlossene, von dem Adjutanten gedrngt,
einige Worte ber das Geheimni seines Herzens verlohren. Jetzt war der
Wurf gelungen, jetzt sollte Julius sich mit ihm freun, jetzt sollte der
Wildfang in Herminens Nhe gefhrt, von ihrer Anmuth gewonnen, von ihrem
Werth ergriffen, erleuchtet von dem Himmelsglanz dieser Seele, zu dem
lngst verscherzten Glauben an die sittliche Gte des bessern
Geschlechtes zurckkehren. Lstige Besuche hielten ihn fest, es war
schon Abend, als Woldemar in des Freundes Behausung kam. Zwar fand er
sie verschlossen, aber er hatte Licht gesehn, schlich, vertraut mit den
Zugngen durch eine Hinterthr und trat, berraschend genug, in's
Kabinet. Julius sprang aus dem Arm eines Mdchens empor, das sich laut
schreiend aufraffte und durch die offene Thr entfloh. Woldemar strzte
ihr nach. Hermine! rief er, aber sie war unter dem Schutze der Nacht
verschwunden. Er stand erstarrt auf offener Strae. Da sie es war, litt
keinen Zweifel, der Irrthum lag ausser dem Gebiete der Mglichkeit. Er
hatte ihr Gesicht gesehn, jeden Zug unterschieden. Das war ihr
Hauskleid, das ihr Palatin und das sein Liebling unter ihrem Hubchen.

Du Strenfried! sprach Julius der ihm gefolgt war. Sage mir fragte
Woldemar auf Deine Seele frag ich Dich, war das die Wahl?

Julius schwieg betroffen still. Sie war's! gestand er endlich. Sie
war's? rief jener aus und schlich sich heim. Der Zustand seines Gemths
kann leichter empfunden als beschrieben werden. Unglcklicher sprach
sein Gewissen wie mancher Pflicht hast Du entsagt, wie manches Glck
verschmht, wie manche Blume der Jugend hingeworfen, um der Eigensucht
deines Gtzen, den Launen einer Buhlerin zu frhnen! Der Adjutant
unterbrach dieses heilsame Selbst-Gesprch. Noch immer sagte er luft
Dir das Glck nach. Ich komme jetzt um anzufragen, ob Dich die
rthselhafte Gttin deren Du gestern gedachtest auch heute noch am
Ziegel hlt? Woldemar wendete sich schaamroth ab. Jener drehte ihn
schnell um seine Achse, sah ihm tief in die unstten Augen und sprach
Tuscht mich nicht alles, so ward die Fee zur Furie, oder zur Hexe,
oder zum unerbittlichen Schicksal. Hin ist hin! Ermanne Dich, tritt zu
den Freykorps. Der Wrgengel ist ein wohlthtiger Genius, der alle diese
zwerghaften Qulgeister des Stilllebens austreibt und die entarteten,
verzauberten Mnner von dem Rocken ihrer Omphale losschliet; das Bett
der Ehre ist reitzender als das der Schferin, und der Riese der Gefahr
minder furchtbar als eine schmollende Tyrannin mit dem feindseligen
Gesindel ihrer Grillen.

Fhre mich zum General, fiel Woldemar erheitert ein ich bin der Deine.
Mit Freuden weih ich mich von nun an dem Tode.

Schlag ein! entgegnete der Adjutant, und drckte ihn an seine Brust.
Hand in Hand zum ernsten Waffentanze! Bestelle Dein Haus, wir gehn nach
wenigen Stunden zur Armee ab.




                            Fnftes Kapitel.


Als Julius am Morgen der schlaflos hingebrachten Nacht zu dem Freund
eilte, um sich von der eigentlichen Triebfeder seines gestrigen
Ueberfalls und Benehmens zu unterrichten, klopft' er lange ungehrt an
alle Thren. Endlich kam der Wirth herbey, beklagte den Verlust eines so
lieben Hausgenossen, erzhlte dem Baron, da ihm Woldemar einige Koffer
in Verwahrung gegeben und vor Tage noch mit Extrapost abgereist sey.
Dieser bestand auf einem Briefe, welchen sein Freund nothwendig fr ihn
zurckgelassen haben msse und vermochte den Wirth die Zimmer zu ffnen,
doch fand sich nirgends ein solcher vor, wohl aber lag Herminens
Schattenri zerrissen am Boden. Julius begriff so wenig wie sich die
Bild zu dem Geflohenen, als gestern Woldemar, wie das Original in die
Arme des Barons sich habe verlieren knnen. Erblassend las er die Stcke
auf und kehrte, jenem gleich, von Mitrauen, Aerger und Argwohn
gefoltert, zurck.

Woldemar zog inde in Erinnerungen an den kurzen Gttertraum seines
Lebens versunken, dem fernen Ziele der neuen Bestimmung entgegen und
verwnschte diese bereits, als er sich, um ihm die nthigen
Vorkenntnisse zu verschaffen, im Rcken der Armee, bey dem Depot des
Regiments angestellt sah. Die Edelfrau des Rittersitzes auf dem man ihm
sein Quartier anwies, empfing den erstarrten, mit Eis und Schnee
bedeckten Officier aufs wohlwollendste und fhrte ihn unter herzlichen
Aeuerungen von Theilnahme in ein freundliches Stbchen, das mit allen,
lang entbehrten Bequemlichkeiten versehen war. Ueberall sprachen ihn
Bilder des Friedens, Symbole eines schn geordneten Lebens an; er sah in
der gtigen Baronin seine selige Mutter, in dem holden, geschftigen
Frulein den Schutzgeist des Hauses, in ihrer reitzenden, geistvollen
Gesellschafterin den traulichen Genius der Freundschaft. Die Wolken des
tiefen, lang genhrten Unmuths brachen sich, ein heller Sonnenblick fiel
in sein Herz.

Woldemar eilte, sich umzukleiden und wartete der Baronin auf. Sie nahm
das Wort, unterhielt ihn von den unseligen Frchten des Kriegs, von den
Schrecken die er verbreitete, von der Angst in die er sie schon oft
versetzt, von dem hoffnungsvollen, einzigen Sohne, den ihr die erste
Schlacht geraubt habe. Der Zuhrer hatte inde bald zu dem Flgel auf
dem Auguste nur einzelne, leise Tne anschlug, bald an den Nhtisch der
Gesellschafterin hingesehen, hatte des Fruleins blonde Locken mit
Julianens schwarzen Flechten, ihr blaues, himmelreines Auge mit diesen
dunkeln, misterischen, Augustens zarten, wie von Geisterhand gewebten
Bau mit der ppigen Flle der Frau von Wessen verglichen, die ihm jetzt
als die Wittwe des Gefallenen vorgestellt ward. Auguste hrte kaum des
verlohrnen Bruders gedenken, als ihre Hand unwillkhrlich ein Adagio
anschlug; schnell aber zog sie sich zurck, um den Perlen des
schwesterlichen Thrnen-Opfers zu begegnen: Frau von Wessen hingegen
nhete gleichmthig fort und sprach mit sem Silberton O, lassen wir
ihn ruhn, _ma mere_! Welche Hlle wird das Leben, wenn uns der schwarze
Geist der Vergangenheit die Gensse der Gegenwart verkmmern darf. Ich
fr meinen Theil habe mich gewhnt jeden Abend aus der Lethe zu trinken,
um mit jedem Morgen zu einem neuen Leben aufzustehen.

Auf diesem Wege entgegnete Woldemar wird uns der schwarze Geist
allerdings immer gerstet finden und keine lchelnde Hore ungenossen
vorber fliehen. Verstnd' ichs nur mich an den heiligen Strom zu
betten.

Der Wille macht ihn dienstbar entgegnete Julie.

Der Leichtsinn vielmehr! fiel die Baronin ein.

Die gttliche Gabe! erwiederte jene. Wir klagen fort und fort ein
Schicksal an, da nur den Feigen geielt und verfolgt. Aber man ziehe
doch -- es gilt den Versuch -- jede vorschnelle Sorge fr die Zukunft,
jede unntze Nachwehe der Vergangenheit, jede Distel des ziellosen
Stunden-Kummers aus dem Strau eines Jahres, und ich bin gewi da uns
der freundliche Rest mit den wenigen, unvertilgbaren Dornen vershnen
wird.

Die Baronin, welche nach Art allezeitfertiger Kreuztrgerinnen Geschmack
am Leide, Zerstreuung in der Klage, Genu im Kummer fand und wie jene
der Hoffnung lebte, dort um so herrlicher zu prangen, je demthiger und
zerknirschter sie sich hier unter der Hand Gottes gekrmmt habe, bewies
in einer ausfhrlichen Gegenrede die Unzureichbarkeit dieses Receptes.
Auguste bltterte in ihren Noten, Woldemar aber warf bereits, dem Rathe
gem, den verdchtigen Freund und die tugendlose Braut aus dem Kranz
seines Lebens, um ihn durch jene glhende Rose und dies liebliche, mit
dem Himmelsthau der Thrnen bedeckte Veilchen zu ergnzen. Selbst seine
Anstellung bey dem Depot, vorhin eine Quelle des Mimuths, ward jetzt
als eine gttliche Schickung ganz ohne Murren hingenommen und der
liebenswerthe Gast kehrte erst spt am Abend, von dem Wohlwollen der
Tchter und dem Zutrauen der Mutter begleitet, in das heimliche Stbchen
zurck.




                           Sechstes Kapitel.


Schnell genug schrieb ihm Julius bald darauf hat sich das seltsame
Rthsel, welches uns entzweyte und den friedlichen Schfer zum Wehrwolf
machte, gelst. Der Freund eilt deshalb, den unschuldigsten aller jetzt
lebenden Freybeuter mit Aufschlssen zu versehen, die Dich ohnfehlbar
aus dem eisernen Felde an das Herz einer viel sern Beute zurckfhren
werden.

Ich kam, wie Du weit, im November von Paris zurck, bezog mein
gegenwrtiges Quartier, stellte mich aus angestammter Galanterie den
smmtlichen Hausgenossen vor und fand im Laufe dieser Arbeit einen
Schatz der weder von Tanten noch Riesen, noch Drachen bewacht, des
Schutzes dennoch mehr als einer bedrftig schien. Das einsame Mdchen
lie mich zu wiederholten Mahlen die Schelle ziehen. Sie sah, (ich
merkte es deutlich) durch's Schlelloch, ffnete endlich, im Glauben an
die Arglosigkeit, welche ich whrend dieser Besichtigung auf Stirn und
Lippe treten lie, das enge Dachstbchen, fhrte mich ber eine Saat von
Flohr-Schnitzeln zu dem einzigen Stuhle hin und nahm, dem Gaste
gegenber, auf ihrem Bettchen Platz. Ich verglich sie nach den ersten
Begrssungen der Perl, die des Zufalls Laune in eine unscheinbare
Wohnung vergrbt, sie aber bestand darauf nur ein Blmchen zu seyn, das
des Zufalls Spiel vor kurzem hergeweht habe. Ein Wort veranlate das
andere, meine Theilnahme erweckte Vertrauen, die reiche Stickung meines
Kleides Hoffnungen auf einen Engel vom Himmel, und so erfuhr ich denn,
da die bildschne Putzmacherin ein Kind der Liebe, da sie um gewisse
Rechte geltend zu machen, hieher gekommen sey und sich bis zu Austrag
dieser Angelegenheit von der Arbeit ihrer Hnde nhre. Du glaubst nicht
wie reitzend Therese durch die Gestndni in meinen Augen ward, mit
welcher Schonung, welchem himmlischen Errthen sie ihrer Mutter, in
wenig leisen, kaum vernehmbaren Tnen jener Schwche zieh, wie sichtlich
es ihr weh that, vom jungfrulichen Zartgefhl gebunden, den Fehltritt,
welcher der Erde eine Grazie gab, unentschuldigt lassen zu mssen. Ich
that es jetzt an ihrer Statt, und gebehrdete mich so ehrbar und zierlich
wie der Engel der Verkndigung in alten Comdien. Auch wollte Therese
bereits von der Frau Wirthin eine Schilderung meiner mannigfaltigen
Vorzge vernommen haben, und es kostete mir nicht wenig, die Frau
Hausbesitzerin der Partheylichkeit zu bezchtigen. Jetzt gab es endlich
eine Pause. Sie machte, des Lebewohls gewrtig, eine leise Bewegung, ich
aber hielt noch unverrckt das Wasserglas und zwey Semmel-Schnitten,
wahrscheinliche Reste ihres Mittags-Mahls im Auge und vermite zu meinem
Verdru den kecken Muth mit dem ich oft so mancher ihrer Schwestern
einen viel zweydeutigern Beystand geboten hatte. Es gibt sprach ich
endlich im Ton der Weihe es gibt der Wlfe die im Schafskleid, der
Satans Engel, die im Lichtgewand guter Genien einhertreten, so viele --
so viele -- da -- Ein Blick in ihre hellen, lauschenden Augen brachte
mich so schnell um die Folgerung, da ich in der Verlegenheit, mit der
Hand einen Gedankenstrich durch die Luft beschrieb, und kleinlaut
fortfuhr Kurz und gut! Sie drfen mich unbedenklich als einen Vormund
ansehen, der Ihnen das vterliche Erbtheil schuldig blieb. Meine rechte
Hand fate whrend der gromthigen Erklrung die ihre, die linke warf
einige Dukaten in das halbvolle Wasserglas. Ich sah; ich setzte
vielleicht sogar -- Du glaubst mir das aufs Wort -- schon manches
Mdchen in Verlegenheit, doch sah ich keine je in einer reitzendern.
Sollte sie um den Vorschu zurckzugeben, den Gesetzen des Anstandes
entgegen, vor meinen Augen Fischerey treiben? Die kleinen Finger
reichten, es sprang ins Auge, nicht zu dem Gold hinab; dazu machte der
reine Mangel an Gefen die Entfernung des berfligen Wassers
ohnmglich, und der gtige Geber war verschwunden als sie noch im Kampfe
zwischen Schaam und Bedrfni, wie Eva vor dem Gold-Fruchtbaum stand.
Erbaut von dieser guten That, wie mein Herz sie zu nennen beliebte,
gelob' ich mir noch auf der Treppe nie mehr als ihr Vormund werden zu
wollen, und treffe im Vorsaal auf den Jger des Vaters, der mich an sein
Sterbebett bescheidet.

Ich eil' auf das Gut, find ihn im Sarge und im Gefolge seines Todes eine
Masse von Geschften, die mich dort bis Weihnacht festhlt.

Vergessen ist Therese, der Gedank' an sie ging in den Wunden des
Verwaisten, im Wrbel ernster Zerstreuungen unter; eine se Erinnerung
spricht mich bey der Rckkehr in meine Wohnung an. Ich gedenke der
gelobten Vormundschaft, widerrathe mir, den neulichen Besuch zu
wiederholen und sinne eben auf Mittel sie durch die dritte Hand mit
einem Weihnacht-Geschenk zu erfreuen, als man leis an meine Thre
klopft. Sie thut sich auf, ein Engels-Kpfchen sieht in's Zimmer. Sind
Sie allein? fragt ihre Flten-Stimme und Therese steht vor mir. Ich
schiebe, des Bedienten wegen, ihr unbewut den Riegel vor und fhre,
betroffener als sie selbst, die schchterne, zitternde Taube zum Sopha.

Zu Ihnen flisterte sie und drckte schneller als ich dem wehren konnte,
meine Hand an den rosigen Mund Zu Ihnen darf sich wohl ein Mdchen
wagen?

Ich gestehe Dir, Woldemar, da mein neuer Adam, eingedenk jenes
Gelbdes, sich jetzt ein wenig berhob und schon im Geiste die sen
Zinsen abwies, die mir die gewissenhafte Schuldnerin ganz
augenscheinlich entgegen trug; da mich daher die Schaamrthe um so
brennender berlief, als sie jene Goldstcke in die Hand des Lehners
drckte, und mit sichtlicher Rhrung sprach -- Der gute Geist der mir
diesen Helfer erweckte, hat meine Sache gefhrt; hat mich in einer
gefrchteten Feindin, eine gromthige Wohlthterin finden lassen --

Wohl nur einen Wohlthter? unterbrach ich sie, von dem grmlichsten
Unmuth bereilt, mit satirischem Lcheln. Therese sah mich schwer
beleidigt an -- so ohngefhr wie ein Engel den verhrteten Snder
fixiren wrde, und helle Wemuthsthrnen fielen jetzt aus ihren Augen.
Sie fielen in mein Herz, es bat um Verzeihung; einem Verzckten gleich,
sprach ich von dem Sonnenglanz ihrer Unschuld, schlang den Arm um
Theresens Nacken und pltzlich standst Du, einem Nachtgespenst gleich,
vor der heiligen Gruppe. Das Mdchen entsetzt sich, springt nach der
Thr, flieht auf ihr Zimmer. Ich strze Dir nach, erstaunt ber den
lebhaften Antheil den Du an meinem Schtzling nimmst. Ich sehe in diesem
Ueberfalle das Treiben der Eifersucht, und berzeuge mich des Angstrufs
eingedenk mit dem sie fortstrzt, um so schneller, da diese Heilige nur
eine Heuchlerin, und Du selbst die vorgebliche Wohlthterin seyst. Sie
zu entlarven eil ich nun nach ihrem Zimmer, es ist verschlossen; ich
hre sie schluchzen: vergebens drngen sich meine Beschwrungen durch
das ansehnliche Schlsselloch. Ich sehe jetzt hindurch, sehe das Mdchen
auf seine Knie hingeworfen, die Hnde gefaltet zum Himmel erhoben, und
in allen dem nur das Spiel einer Kokette die sich bemerkt wei. Mein
Argwohn wird, als ich am Morgen Theresens Schattenri zerstckt in
Deinem Zimmer finde, von neuem zur Gewiheit. Ich schreib' ihr, lege die
Stcke des Bildes bey, nenne sie einen Satans-Engel; zerreie den
tobenden, halb fertigen Straf-Prediger, schreib' einen zweyten,
verbrenne die Kriegs-Erklrung und zwinge mich endlich zu dem dritten,
bescheidenern, auf welchen mir am folgenden Morgen die beyliegende, das
Rthsel erfreuend auflsende Antwort zukam. Du kannst denken, guter
Woldemar, wie feurig meine Reue, wie viel beschmender noch als die
gestrige, meine heutige Abbitte war --




                           Siebentes Kapitel.


So weit hatte Woldemar gelesen und still ergrimmt der Fabel gelacht mit
der man ihn jetzt, einem Kinde gleich, verblenden wollte, als pltzlich
in der Nhe Schsse fielen. Er sah die Besatzung des Dorfs in regellosen
Haufen dem Schlosse zustrzen, warf den Brief samt der ansehnlichen,
noch ungelesenen Beylage auf den Tisch, griff zu den Waffen und eilte in
den Hof hinab.

Der Feind! rief ihm Frau von Wessen aus dem Keller-Halse nach;
ohnmchtig lag Auguste vor der Treppe. Er trug sie in den Arm der
Schwgerin. Der Feind! riefen die herbeystrmenden Rekruten und Woldemar
rief nach dem Hauptmann. Den aber hatte bereits eine Kugel getdtet und
alles floh nun dem Neuling zu.

Das Schlo war allerdings fest genug, es einige Stunden lang gegen ein
fliegendes Corps zu vertheidigen und da es die Geld- und
Feld-Gerths-Wagen des Regiments enthielt, ein Gegenstand von hoher
Bedeutung. Der Grtner der Baronin hatte bereits die Zugbrcke
aufgezogen, der Verwalter die Thore zugeworfen, der Jger jedem
dienstbaren Geiste seiner Herrschaft ein Gewehr in die Hand gedrckt.
Woldemar begriff die Mglichkeit einer solchen Erscheinung um so
weniger, da er sich vier Meilen hinter der Armee, von Truppen umgeben,
kurz in Abrahams Schoo wute. Aber der khne Partheygnger hatte sich
denn doch, trotz dem Heere das auf seinen Lorbern ruhte, von dem
Schnee-Gestber begnstigt, durch das Gebrge geschlichen. Eben befand
er sich mit Geieln, Brandschatzungen, und einer erbeuteten Kriegs-Kasse
beschwert auf dem Rckweg und wrde die Wessenburg wohl ganz
unangetastet gelassen haben, wenn nicht Woldemars Hauptmann den Vortrab
des feindlichen Zugs, auf einen Dienstritt entdeckt, und sich ihm mit
allem was sich aufraffen lie, in den Weg geworfen htte. Der Khne
fiel, und die Freyjger flohen nun dem Schlosse zu, das der Fhrer des
Vortrapps mit Ungestm angriff. Woldemar fhlte lebhaft was er den
Damen, dem Vaterland, der Ehre seines Degens schuldig sey und belebte
durch wenig erhebende Worte den gesunkenen Muth seiner Brder. Ihr
Widerstand verwickelte den Feind der inde von den herbey fliegenden
Schaaren seiner Verfolger ereilt, umringt und zusamt der gemachten Beute
gefangen ward.




                            Achtes Kapitel.


Als Woldemar am folgenden Morgen, von dem Schmerz einer empfangenen
Kopfwunde geweckt, aus tiefer Betubung erwachte, stand die Baronin zu
des Bettes Hupten und Frau von Wessen neben ihr. Diese lchelte, jene
weinte, der Wundarzt gab den besten Trost; bald darauf erschien auch der
Adjutant; er warf ihm unter zweydeutigen Glckwnschen ein
Hauptmanns-Patent auf die Decke. Da siehst Du sprach er wie blind das
Glck, wie mchtig der Kriegs-Gott in den Schwachen ist. Dein
zuflliger, folgenreicher Widerstand hat Dir pltzlich einen Nahmen
gemacht und eine Stelle verschafft nach der ich seit zwanzig
Dienst-Jahren vergebens strebte. Eben kam auch Auguste herbey, sprach
von den Schrecken des Gefechts, von Woldemars Ritterdienst und seinem
Heldenmuth. Mutter und Schwgerin stimmten ein und der Adjutant kehrte
nach einem frostigen Lebewohl, mit verbittertem Gemth auf seinen Posten
zurck. Woldemar sah jetzt -- wie am Morgen der Weih-Nacht in der er die
stille Myrte brach -- auch in dem schnell erworbenen Lorber nur ein
Gaukel-Spiel der Phantasie, in dem Patent nur ein Papier das ihn an
jenen Brief erinnerte, nach dem er jetzt, vom Fiebertraum erwacht, mit
Sehnsucht fragte. Vergebens suchte die Baronin das Stbchen, der
Bediente seine Taschen, der Wundarzt den Zwinger des Schlosses aus;
weder der Brief, noch die bedeutende Beylage war zu finden und der
herbey gerufene Jger, welcher aus diesem Zimmer auf die Feinde scho,
gestand da er allerdings einige hier gelegene Papiere unbesehen zu
Pfropfen fr sein Gewehr verbraucht habe.

Frau von Wessen bot sich dem Kranken zum Sekretr an, und er sagte ihr
mitten im Schmerz einige Zeilen fr den verdchtigen Freund in die
Feder. Nur der Wohlstand konnte die holde Pflegerin fr kurze Zeitrume
vor seinem Bett entfernen und diese zarte, unerschpfliche Sorgfalt
gewann ihr schnell genug das erkenntlichste Herz. Julie errieth seine
Wnsche, seine Winke, seine Verhltnisse; scheuchte mit lieblichen
Liedern jede Grille, mit zarter Hand jede Winter-Fliege vom Bette des
Kranken, bot ihm die hlfreiche bey jedem Verbande und fhrte ihn
allgemach durch eine Reihe wohlthuender Situationen. Das Wundfieber nahm
zusehends ab, schon vermocht er auerhalb des Bettes zu dauern und auch
Auguste wagte sich nun wieder in des Freundes Nhe.

Sehen Sie sprach Julie, als sie eines Abends an seiner Seite spann ich
bin die Parze die Ihr Leben spinnt. Ein langer Faden, rein und glnzend.

Hygea vielmehr! erwiederte er.

Hygea spann ja nicht! sagte das abgehende Frulein nur Schlangen
nhrte die --

Heilbringende! rief ihr Woldemar nach.

Galt das mir oder Ihnen? lispelte Julie. Der Zorn rthete schnell ihre
Wangen. Rasch ergriff er den Arm der Spinnerin. Meine Hygea! sprach der
Dankbare, von sen Regungen durchdrungen.

Die Schlange sticht! erwiederte Frau von Wessen und verletzte seine Hand
mit der Spindel. Ein Tropfen Blut trat hervor. Sie kt' ihn lachend
weg, er zog sie an das Herz. Die dunkeln, verlangenden Augen glnzten
hart vor den seinen, die lsterne Lippe vermhlte sich dem begehrenden
Munde, Juliens Busen schlug voll glhender Sinnlichkeit an Woldemars
Brust.




                            Neuntes Kapitel.


Frau Tochter sprach die Baronin, als jene in das Familien-Zimmer hinab
kam vergebens hab ich bisher als Freundin Sie gewarnt, als Mutter Sie
gebeten dieses thrichte Herz zu bewahren, und Ihrem Leichtsinn nicht
die Ehre meines Nahmens preis zu geben -- Ihren Begierden vielmehr!
Unwrdige! So ehrst Du das Gedchtni Deines Gatten?

Julie stellte den Rocken bey Seite, setzte sich zum Nhtisch hin und
wiederholte mit Gelassenheit --

Begierden? Unwrdige? Sie sind sehr aufgebracht, _ma mere_!

Der junge Mann hat Zartgefhl. Er mu die Zudringliche verachten.

Eine so gute Christin sollte gtiger seyn, gndige Frau; gerechter
wenigstens; denn selbst das hchste Gebot entschuldigt die
Zudringlichkeit der Menschenliebe. Da ich ihm wohl will, ist in der
Regel. Sehr wohl, _ma mere_! Nie sah mein Auge in ein reineres, nie
begegnete mein Herz einem wrmern. Darum emprt mich ihre Hrte nicht.
Was gibt es seres als um den Mann zu leiden, den wir lieben?

Also ein Anschlag auf seine Hand?

Auf Anschlge verstehen sich in der Regel die Mtter nur. Ich folge
kindlich dem Gefhle.

Nur leider nicht dem Zartgefhl. Ihr seliger Mann hat das erfahren.

Friede sey mit ihm. Er wei nun, wer ihm wohl und wer mir bel wollte.

Ich wollte Dein Glck, Undankbare!

Glck macht die Liebe nur und nur _Sie_ hat er geliebt. Gefrchtet
vielmehr. Mein Herz war lauter Flamme, das seine lauter Erz, und immer
sprder ward es, bis der Tod es brach.

Du brachst es frher schon!

Julie warf einen glhenden Blick auf die Mutter, verbarg ihr emprtes
Gefhl hinter einem unholden Lcheln und schwieg.

She der Hauptmann dies Gesicht fuhr jene fort er wrde noch
entschiedener zurcktreten.

Er wrde mich bedauern und erlsen.

Erlsen, sagst Du? Geh, ich verwerfe Dich!

Sie werfen mich in seinen Arm. Ich komm' aus diesem!

Die Baronin faltete seufzend die Hnde und schlich abseits, dem Himmel
ihre Noth zu klagen.




                            Zehntes Kapitel.


Hygea hatte den genesenden Jngling in der feurigsten Wallung verlassen.
Noch glhte jener Wonneku auf seinen Lippen, noch sah er diese
flammenden Augen, die Flle der schnell bewegten Brust. Sein ganzes
Wesen war in Aufruhr und die seltsamste Erscheinung weckte ihn nach
Mitternacht vom Schlummer auf. Der volle Mond beschien ein niedliches
Gespenst das aus der Wand hervor zu schweben schien, nun seinem Bette
nher tratt und zgernd an ihm lauschte. Woldemar bog sich mit
klopfenden Herzen nach der Mauer zurck, wollte seinen Sinnen nicht
trauen, wagt' es kaum einen Blick auf die Erscheinung zu werfen, und
kmpfte noch unentschlossen mit sich selbst als der seltsame Zuspruch
wieder aufbrach und mit der Leichtigkeit eines Schattens zurckkehrte.
Schnell wuchs sein Muth, er schlich ihm durch die Oeffnung nach und
stand jetzt vor dem Bett in dem die Frau von Wessen schlief. Betroffen
weilte er an der fesselnden Sttte und traf, als ihn sein Genius
fortzog, auf ein zweytes in dem Auguste, lchelnd wie die Unschuld
ruhte.

Woldemar, der bis dahin die heimliche Tapeten-Thr bersehn und nie
geahnt hatte, da sein Stbchen an diese Schatzkammer grenze, machte sie
bey der Rckkehr mit leiser Schonung zu und glaubte zuversichtlich durch
die Nachwehen des Wundfiebers zum Geisterseher geworden zu seyn, denn
htte selbst -- der Fall war nicht denkbar -- sich eine dieser
Schlferinnen zu einem solchen Schritt vergessen knnen, so wrde er ja
die Fliehende ereilt oder erkannt haben.

Das unerklrbare Rthsel beschftigte ihn bis zum Morgen, jetzt aber
wich der Glaube an das Spiel einer krankhaften Phantasie dem Erstaunen
mit welchem er ein himmelblaues, vor seinem Bette liegendes Band
erblickte, und dieses dem Schauer des Fiebers, das im Gefolge der
erschtternden Zauberspiele dieser Stunden zurckkehrte.




                            Eilftes Kapitel.


Auch die Baronne war am Morgen erkrankt, hatte den Beystand der
Schwiegertochter zurckgewiesen und Auguste, gewhnt der Feindin
wohlzuthun, fr dies Mahl vergebens alles aufgebothen den Groll des tief
emprten Mutterherzens zu beschwren.

Julie schlich sich, von der Mutter verschmht, zu dem Freunde hinber
der bey ihrem Eintritt seinen Rckfall verga, und schttete ihr Herz
vor ihm aus. Der Kindheit Freuden hatte ihr, laut dieser Gestndnisse,
eine grausame Stiefmutter, die Blumen der Jugend ein liebloser Gatte und
die herrschschtige Baronin geraubt. Diese verkenne, Auguste beneide
sie, und beyde shen in dem heiligen Mitgefhl, in dem reinen Feuer der
Theilnahme das sie zur Pflegerin des edelsten Mannes gemacht habe, nur
den schlau berechneten Plan einer Kokette. Helle Thrnen begleiteten die
rhrende Elegie, sein fieberhaft reitzbares Herz sprach nur zu laut fr
die Weinende. Sie nannte ihn ihren einzigen Freund, er aber nannte sich
ihren ewigen Schuldner und gedachte seufzend gewisser Fesseln, die seine
feurige Vergeltungs-Lust fr den Augenblick noch gefangen hielten.

Da mein Gemth erwiederte Julie die Heiligkeit dieser Pflichten
kennt, da es selbst die Ansprche einer Unwrdigen zu ehren versteht,
bezeugt die Fassung mit der es in jener Nacht das feurigste aller
Gelbde zurckwies.

Welche Gelbde? sprach er im Herzen zu sich selbst. In welcher Nacht?

Oder htte die Krankheit Sie in jener unvergelichen Stunde zum
bewutlosen Schwtzer gemacht? Wohl Ihnen dann! Dann wre ja Hermine nur
ein Traumbild, das mit der wiederkehrenden Besinnung in sein Nichts
zerflo und ihre Treulosigkeit ein Phantom das im Morgenrothe der
Genesung unterging. Woldemar sah verstummt zu Boden. Und Wohl auch mir!
fuhr Frau von Wessen fort der da ein Gott die Kraft verlieh, dem
feurigsten aller Mnner zu widerstehen, und die Erhrung zu verzgern.

Unseliges Verhngni! rief er und sprang auf O, warum streifte mich
der Fittich des Wrgengels nur? Wie gern schlief ich in seinem Arme!

Oder am Herzen der Verlobten?

Ich bin sehr elend! Nimm mich an das Deine. An das hart verletzte, das
ich heilen will und mu.

Nicht also, guter Woldemar, ein Engel wird diese Wunden verbinden, der
Engel der Vergeltung der unsere Opfer zhlt und unsere Thrnen.

Ich will alles gut machen! rief er, hingerissen von der Fluth seiner
Gefhle, von einer unzeitigen Gromuth gemeistert ja, ich gelob es! Nur
das Mitleid sagst Du, die Theilnahme nur, nur die laue Hand der
Freundschaft htte Dich Wochenlang an meinem Bette festgehalten? Nur um
ihretwillen httest Du dem Grolle der Schwester, dem Zorne der Baronin,
der Verlumdung bsartiger Thoren getrotzt? Nur aus Rcksicht auf die
geflohene Treulose meiner Hand entsagt, die ich Dir -- zwar in des
Fiebers Gluth -- doch wahrlich, inspirirt von meinem Engel both?

Still, Frevler -- Still! rief Juliane jetzt. Sie fhlen nicht wie tief
mich diese Zweifel beugen; die Flamme nicht, die an unheilbare Wunden
schlgt. O warum mu die bse Fee zwischen mich und den Abgott meines
Lebens treten?

Lieblicher hatte nie eine Frage seinem Ohr geschmeichelt, schneller nie
ein Zauber sein Herz umstrickt, kein sterblich Weib ihn je so magisch
angezogen. Die Spiegel ihrer Seele flammten wie Sterne durch die Nacht
des Grams, der Wehmuth Genius schien aus dem Rosenkelche dieser Lippen
ihn um Erbarmen anzuflehen. Er fate sie mit starkem Arm, er hob sie
hoch, an's Herz empor und bedeckte die Schluchzende mit zahllosen
Kssen. Ich bin der Deine! rief er wirst Du dies zweyte heiere
Gelbde verschmhen?

Liebling -- Brutigam! Himmlischer Geist! stammelte Julie und lie die
Lippen des Trunkenen schalten. Man klopfte, er vernahm es nicht. Auguste
trat herein ihre Schwgerin abzurufen; sie wand sich sanft aus seinem
Arm, sprach zu dem Frulein, dessen Antlitz ein edles Schaamroth
berflog. Nimm hier kein Aergerni, wir sind verlobt! und hpfte fort.

Auguste verbeugte sich gegen den Hauptmann, und wollte der Braut folgen,
Woldemar aber fate ihre Hand und besttigte in gebrochenen Worten
Juliens Versicherung. Ich kenne erwiederte das Frulein die
Gesinnungen meiner Mutter zu wenig und die Gefahren Ihres Standes zu
genau um Beyden jetzt schon Glck zu wnschen. Er lie beleidigt
Augustens Hand fallen. Aber wie kmmt die Band in Ihr Zimmer? fragte
sie jetzt, und nahm es vom nahen Tische weg vergebens hab ich es heut'
am Morgen gesucht.

Ein Strumpfband vielleicht? Sie verstummte.

Oder etwa gar der Grtel der Vesta? Auf jeden Fall sind Sie im Stande
mir das Rthsel zu lsen. Vor meinem Bette fand ich es. Ihr Schutzgeist,
Frulein, trug diesen Talismann mitten in der Nacht in mein Zimmer.

Auguste wechselte die Farbe, der Hauptmann sah ihr starr in's Gesicht --
Und die misterische Pforte hier -- unstreitig fhrt sie in das
Geisterreich; aus ihr tratt der willkommene Gast hervor, durch sie
kehrt' er zurck. So ist es -- auf mein Ehrenwort!

Ihre Hnde bebten, ihre Wangen verblichen, sie wankte sprachlos aus dem
Zimmer.




                           Zwlftes Kapitel.


Woldemar sah ihr staunend nach. Sein Kopf brannte, sein Herz glhte,
Feuer rann in seinen Adern, er eilte Luft zu schpfen, in den Zwinger
der das Schlo umgab. Die Erscheinungen dieser Zeit schwebten wie
Geistertnze vor seiner Seele und der Schutt und die Blutspuren im
Schnee weckten Erinnerungen an jenes ehrenvolle Gefecht in ihm auf. Er
freute sich der gelungenen That, dachte des Getmmels das ihr voranging,
des empfangenen Briefes den der Jger der Baronin in seinem Diensteifer
verbracht hatte und eilte zu sehen ob sich nicht Reste desselben
auffinden lieen, unter sein Fenster hin. Lange strte er vergebens
zwischen Eis und Schnee und dem Abbi der Patronen, fand endlich ein
bedeutend scheinendes, zerrissenes Blttchen und las --

    Die gromthige Schwester -- das Hubchen von ihrem Kopfe --
    zur Tuschung hnlich --

Eine kalte Hand griff ihm in's Herz. Er sann und sann und suchte jetzt
angsthafter; ihn aber suchten die Bedienten, denn eine Ordonanz aus dem
Hauptquartier war gekommen. Der Husar erbat sich einen Empfangschein und
bergab die Depesche. Woldemar fertigte ihn ab, ffnete den Befehl, sah
sich angewiesen mit der unterhabenden Mannschaft alsogleich
aufzubrechen, des frdersamsten im Haupt-Quartier einzutreffen, oder
falls sein Gesundheits-Zustand ihm dies fr seine Person nicht gestatte,
ohne Zgerung nach dem Lazareth abzugehn.

Schnell ward gepackt, gesattelt, und der General-Marsch geschlagen, denn
kein Augenblick war zu verlieren wenn das entfernte Ziel, den Worten der
Depesche gem, erreicht werden sollte.




                          Dreyzehntes Kapitel.


Julie hatte inde, trotz dem bestimmten Verbote, die kranke
Schwiegermutter heimgesucht, das gestrige unkindliche Benehmen mit der
Heftigkeit ihres Charakters entschuldigt, ihre Hnde mit Kssen bedeckt,
heilige Sprche und schne Sentenzen zu Mittlern gemacht und so den Zorn
der gutmthigen Baronin in Wehmuth, den stillen Groll in herzliche
Vergebung aufgelst. Jetzt hielt Frau von Wessen ihrem Woldemar eine
Schutzrede der die Mutter um so weniger zu widersprechen vermochte, da
sie frher selbst seiner Bescheidenheit, seiner Sittlichkeit, und so
mancher liebenswrdigen Eigenschaft die ihn auszeichnete, das gebhrende
Lob ertheilt hatte. Zu allen dem fuhr jene fort hat Ihnen Gott in dem
edlen Mann einen Engel gesandt, denn wie wre es uns ergangen, wenn er
nicht Wunder that. Dieses Haus lg in der Asche, Sie vielleicht im
Grabe, ich und Auguste stnden, des Aergsten gar nicht zu gedenken,
geplndert und verlassen am Scheidewege. Was wir sind, was wir haben,
erhielt uns seine Hand und die wollten Sie aus der Hand seiner
Vergelterin reien? Der Himmel selbst belohnte diese That und ffnete
ihm eine glnzende Laufbahn.

Gewi wrde die Baronin in Hinsicht auf den Werth des Freyers, auf den
Schutz, welchen sie ihm dankte, die Einverstndni wohl eher begnstigt
als gescholten haben, wenn ihr das Glck der Tochter nicht nher als das
der Verwandtin am Herzen gelegen htte. Sie kannte nur zu gut den Quell
des stillen Grams der aus Augustens verweinten Augen sprach und begriff
nicht, wie ein so zartfhlender Mann, blind fr den Zauber dieser
Himmelsblume, nach der dornigten prahlenden Rose zu greifen vermochte.
Da inde die Ehen, ihrem Glauben zu Folge, des Himmels Sache waren und
die Frau von Wessen bereits als verlobte Braut um ihren Segen bat, so
vergab sie mit sanften Worten den bereilten Schritt, behielt sich das
Weitere bis zu ihrer Genesung vor und drang darauf da Woldemar
zufrderst einem Stande, der Julien bereits zur Wittwe gemacht habe,
entsagen solle. Frau von Wessen erklrte selbst diese Bedingung fr
zweckvoll und unerllich und sah jetzt, still entzckt, in der
sinkenden Sonne den Herold des Braut-Abends. Da ward es pltzlich
lebhaft auf dem Hofe, des Hauptmanns Leute liefen durch einander, der
eine sattelte, der andere sprach von nahem Blutvergieen, der Ruf der
Trommel scholl aus dem Dorf herauf.

Die Kniee wankten unter ihr, sie strzte geisterbleich hinber, in
Woldemars Arm.

Was soll das? fragte er mit verbissenem Schmerz Warst Du nicht eines
Soldaten Frau? Euch ziemt, wie uns, gefater Muth.

Doch zu schrecklich war der jhe Sturz vom Sonnenziele in die Nacht des
Grams, zu tief der Fall fr ein so zgelloses Herz das jedes Lcheln des
Geschicks zum Himmel hob, jeder Umfall in die Hhle des Jammers
hinabwarf. Wimmernd hing sie an Woldemars Halse, hielt ihn krampfhaft
umfat und ihre Lippen zuckten gichterisch.

Bald sehen wir uns wieder! trstete er mit halber Stimme. _Oft!_ sagt
mein Herz -- nach wenig Tagen vielleicht, und am Ziele winkt ein Hafen
in dem uns nichts mehr trennen soll. Aber die Jammernde verwarf jeden
Trost. Nimm! rief sie und schnitt mit schonungsloser Hast eine Flechte
von dem glnzenden Haupthaar. Nimm und gedenke mein! Und meiner nur!
Gelobend bedeckte er ihren bebenden Mund mit heien Kssen und bat sie
dann, die kranke Mutter auf seinen Abschieds-Besuch vorzubereiten. Julie
ging nach langen Bitten, doch wenige Schritte nur. Laut schreyend flog
sie an seinen Hals zurck. Ihre zuckenden Augen brachen, entgrtelt flog
der Busen, das lose Haar um ihre Scheitel. Sie lag noch bewutlos im Arm
ihrer Kammerfrau als Woldemar in der furchtbarsten Stimmung seines
Lebens ber die donnernde Zugbrcke sprengte. Schaudernd blickte er vom
Thal aus nach dem Schlosse hinauf, dessen Fenster das Sptroth
vergoldete, gab den rthselhaften Geistern dieser Burg gute Nacht, und
saugte das Blut aus der Lippe die Julie im Wahnsinn ihres Schmerzes
verletzt hatte.




                          Vierzehntes Kapitel.


Als man den Hauptmann nach jenem Gefechte verwundet und betubt auf sein
Zimmer zurcktrug, bernahm Frau von Wessen wie bekannt die Rolle der
Wrterin und lie deshalb um in seiner Nhe zu bleiben, ihr Bett ohne
der Mutter Wissen, in jene leere, nachbarliche Kammer versetzen. Erst
spterhin bemerkte die Baronin diesen ihr hchst miflligen Uebelstand,
wie Julien auf der Stelle einen Platz in ihrem eigenen Schlafzimmer an,
gesellte ihr, als diese Weisung unbeachtet blieb, Augusten bey und
verschlo die bewute Tapeten-Thr. Frau von Wessen aber schlo sie, um
sich einen weiten Umweg zu ersparen, am folgenden Morgen wieder auf und
aus angebohrner Furcht vor Dieben und Kobolden, Nacht fr Nacht die
andere zu, welche ber den unheimlichen Saal in die Zimmer der Baronin
hinber fhrte. Auguste hingegen der es nie beykam den lieben Gast auf
einem Schleifwege heimsuchen zu wollen, glaubte die streitige, von der
Mutter gesperrte Thre noch immer fest verschlossen, und ahnte nicht da
ihr Verhngni sie im tiefsten Nachtkleid und in der verdchtigsten
Stunde hindurch, und an das Bett eines feurigen, hoffnungslos geliebten
Mannes fhren werde. Oft genug ward die vermite Nachtwandlerin in
frhern Zeiten bald von dem Simse des Fensters bald aus irgend einem
entlegenen Verstecke zurckgehohlt. Das bel nahm mit den Jahren ab und
immer hatte man sie bey den seltenern Rckfllen von der verschlossen
gefundenen Thre ohne weiteres in ihr Bettchen zurckkehren sehn.

Welch Entsetzen mute daher dieses reine, von dem erklrten Brautstand
der Schwgerin so eben gebrochene Herz ergreifen, als Woldemars
spttisches Lcheln, als sein zum Pfand gesetztes Ehrenwort die leise
Ahnung einer schrecklichen Mglichkeit zur berzeugung erhob.

Die kranke Baronin lag inde whrend des Aufbruchs der Besatzung, von
allen den Ihrigen verlassen da. Sie hrte den Lrm, das Wirbeln der
Trommeln, den Hufschlag der Rosse und schellte vergebens. Die Bedienten
kannegieerten im Hofe mit den marschfertigen Jgern, die Jungfer lag,
in Thrnen aufgelst, an des Feldscheers Brust, das Stuben-Mdchen
wollte den Pfeifer nicht lassen, Juliens Kammerfrau sa erstarrt vor der
verzweifelnden Braut, und Augustens alte Wrterin lief der schluchzenden
Enkelin nach, die ihrem Trommelschlger den Wirbel verdarb.

Das Getse nahm kein Ende, der zersprungene Klingeldrath lag am Boden,
und die Baronin, welche jetzt nichts sicherer glaubte, als da der Feind
zu Folge eines zweyten gelungenern berfalls das Schlimmste beginne,
sprang, von der Angst geheilt, pltzlich auf, um ihre Kchlein mit Hand
und Mund bis auf den letzten Odemzug zu vertheidigen. Aber noch stand im
Vorsaal alles auf dem gewohnten Platz. Von Zimmer zu Zimmer eilte sie
nach Juliens Schlafkammer, trat jetzt erblassend vor ein Schreckbild das
unter wilden Krmpfen chzte und nahm, nach Hlfe rufend, Augusten wahr,
die einer Sterbenden gleich vor ihrem Bette kniete und taub fr allen
Jammer dieser Scene schien. Welch ein Abend! Welch eine Masse von
Seufzern und von Thrnen, von denen ach, so wenige ein Gegenstand fr
die wohlthuende, Schmerz und Thrnen wiegende Vergelterin seyn konnten.

Zerstrt im Innersten klagte Julie ihr Geschick an; in Thrnen edler
Schaam gebadet, verging die holde Nachtwandlerin; sprachlos stand die
schluchzende Mutter zwischen der Gruppe und die betubten Brute des
Frey-Corps sprangen mit verweinten Augen bunt durch einander ab und zu
und hohlten in der Zerstreuung hl statt des Essigs, Tinte statt des
Balsams und den Pastor statt des Baders herbey.




                          Fnfzehntes Kapitel.


Woldemar hatte inde das Ziel seiner Bestimmung erreicht, sich gesund
gemeldet und eine Masse lstiger Dienst-Geschfte vorgefunden, die den
Unkundigen bey dem Mangel an Rathgebern und Freunden, bey der
feindseligen Stimmung die sein frhes Glck veranlate, schnell genug
mit einem Stand entzweyten an dem ihn doch das eiserne Band der Pflicht
und des Ehrgefhls festhielt.

Auf der Wessenburg herrschte jetzt nach langen Strmen eine Windstille.

Juliens Arzt war der Leichtsinn, Augustens Trost das Bewutseyn geworden
und der himmlische Frhling go das Fllhorn der Erneuung ber sie aus.
Eben war die Mutter mit Woldemars Braut auf ein nachbarliches Gut
gefahren als sich ein fremder Baron bey dem Frulein ansagen lie. Viel
lieber htte die Einsame den unwillkommenen Gast abgewiesen aber es
fehlt' ihr fr den Augenblick an einer glaubwrdigen Entschuldigung und
so ward er denn angenommen.

Ein junger, blendend schner Mann trat in das Zimmer. Sein hoher Wuchs,
sein Apollons-Kopf, die wrdevolle Anmuth seines Benehmens, gewann in
voraus ein Gemth dem der zrteste Sinn fr die Gabe der Grazien anhing
und der Gegenstand welcher ihn zu Augusten fhrte, war bedeutend genug
ihre Aufmerksamkeit zu fesseln.

Julius hatte nehmlich nach dem Empfange jener wenigen, nichts sagenden
Zeilen welche Frau von Wessen damahls in Woldemars Nahmen schrieb,
vergebens einer Antwort auf seine dringende, Herminens Ehre rettende
Zuschrift entgegen gesehen; hatte endlich an den Adjutanten geschrieben,
und von diesem einige Winke, Weisungen und Aufschlsse empfangen die ihn
zu der Reise nach dem fernen Schauplatz des Kriegs bestimmten. Von den
Verhltnissen in denen sein getuschter Freund hier stand wie von dem
Charakter der handelnden Personen unterrichtet, hatte er im Posthause
bereits seit Tagen den gnstigen Augenblick erwartet, der ihm, Augusten
ohne Zeugen zu sprechen, vergnnen wrde. Er stellte sich ihr jetzt als
Woldemars Vertrauten dar, den der Beruf, viel Unheil zu verhten, vor
ihre Augen gefhrt habe; bedauerte ihre Langmuth durch Weitlufigkeit
erschpfen zu mssen, unterhielt das Frulein zufrderst mit Woldemars
heimischen Verhltnissen, und von der seltsamen Katastrophe die ihn aus
jenen weg, in den Krieg trieb.

Aber es fehlte viel daran da seine Weitluftigkeit das Frulein ermdet
htte: sie war ganz Ohr, und ihre Theilnahme machte sie von Minute zu
Minute liebenswerther.

Herminens Vater fuhr Julius fort hatte als Handlungs-Diener das Glck,
der Tochter seines reichen Herrn zu gefallen, und im Gefolge dieser
Gunst das Unglck, sich zu einem Schritte zu vergessen, der Theresen das
Leben gab. Des Vaters Blindheit und der Beystand der Mutter machten die
Verheimlichung mglich, der junge Mann ward nach Holland, das Kind der
Liebe in ein entferntes Waisenhaus versetzt und des Kindes Mutter mit
grerm Glck als Recht die Gattin eines bedeutenden Wechslers. Er starb
im ersten Ehejahr und setzte sie zur Erbin ein. Der frhere Vertraute
kam zurck, machte die verjhrten Rechte geltend, verloschene Gefhle in
dem Herzen der Wittwe wieder rege, und ward ihr Gemahl. Sie gebar ihm
Herminen und starb in dem Kindbett. Er folgte ihr nach wenig Monden, vom
Schlage getroffen nach, und sein redlicher Bruder nahm den verwaisten
Sugling auf.

Falsche Schaam, die Quelle so manches Unheils, hatte es der
Verschiedenen ohnmglich gemacht sich spterhin zu diesem Kinde zu
bekennen, doch sorgten die Eltern aus der Ferne fr sein Wohl. Des
Vaters schneller Tod entri Theresen die letzte Sttze, denn es fand
sich weder ein Testament noch irgend etwas das ihr Daseyn bezeichnet
htte, vor. Die Vorsteher jenes Waisenhauses berlieen die heran
Wachsende einer Dame, der sie ihre Bildung dankt, als aber diese zufolge
einiger verlohrnen Rechtsstreite verarmte, und sie jetzt in die fremde
Welt hinaus treten mute, machten Bildung und Anmuth ihre Lage nur um so
kritischer.

Der Thee unterbrach jetzt den Erzhler. Auguste kredenzte ihn; Julius
bemerkte mit Wohlgefallen ein Paar der zartesten Hnde und die ganz
eigene Annehmlichkeit, welche Augustens Gliederspiel ber die kleinste
ihrer Bewegungen verbreitete.

Hermine fuhr er fort, und rckte ihr vertraulich nher Hermine strt
vor kurzem in der Schatulle ihrer Mutter, und trifft da, von dem guten
Geist des Zufalls geleitet auf ein geheimes, mit Quittungen und Briefen
angeflltes Fach, welches auer dem berraschenden Beweiser der
mtterlichen Verirrung sichere Hlfsmittel enthlt, die Spur der nie
geahnten Schwester aufzufinden. Hermine sieht eine hhere Fgung in dem
Ohngefhr, fhlt sich so geneigt als berufen die Verlassene mit ihrem
Ueberflue zu erfreuen, macht den Oheim zum Vertrauten und wird nicht
mde ihn um Beystand und Vermittlung anzugehn. Der Onkel untersucht,
berzeugt sich, empfiehlt ihr Verschwiegenheit; will erst das _Wie_ und
_Wo_ erforschen, sich von dem Werth oder Unwerth der Person
unterrichten, und der Wallung eines schnen Herzens durch weise Vorsicht
Ma und Ziel setzen. Aber das bervolle hat sich bereits am Busen einer
Freundin entladen und diese das Geheimni unter dem Siegel der
Verschwiegenheit ihrem Bruder, Herminens hoffnungslosesten Anbeter
mitgetheilt. Armuth, Habsucht und der Groll verschmhter Liebe bestimmen
ihn, die Entdeckung zu seinem Vortheil zu benutzen: er durchreist die
bezeichnete Gegend und findet nach manchem Kreuzzug die Gesuchte
zwischen Hunger und Kummer mitten inne.

Augustens Mdchen rief jetzt das Frulein ab. Sie kehrte nach wenigen
Minuten zurck, entschuldigte ihre Abwesenheit mit der angenehmen Sorge
fr sein Nachtlager und bat den Baron der ihr fr diese Gte den
feurigsten Dank sagte, um die Fortsetzung der Geschichte.

Goldne Berge erzhlte Julius werden jetzt Theresen gegen eine billige
Vergeltung zugesichert, der Beweis ihrer Abkunft so berzeugend gefhrt,
der Umfang ihrer Ansprche so klar in's Licht gestellt, da sie nicht
lnger zgern mag, diese Kette schmerzlicher Entbehrungen mit dem
verhieenen Ueberflu zu vertauschen. Sie eilt, von den trefflichsten
Zeugnissen ihres Wohlverhaltens untersttzt nach der Vaterstadt,
erschreckt den Oheim durch die sprechende Aehnlichkeit mit Herminen, die
von der pltzlichen Erscheinung berrascht, von diesen Zeugnissen
gewonnen, von dem Anblick ihres Ebenbildes erschttert an des Mdchens
Hals fliegt, und die gefundene Schwester feurig willkommen heit.
Therese vernimmt mit Erstaunen, was bereits von hieraus fr sie geschah,
sieht sich statt der Verlugnung auf die sie gefat war, mit den
zrtlichsten rein vom Herzen kommenden Liebkosungen berhuft, und
beschliet, in Schaam und Rhrung aufgelst, Gleiches mit Gleichem, die
Gromuth durch Migung zu vergelten. Ein seltsamer Wettstreit entspinnt
sich nun. Hermine dringt auf eine Theilung der Erbschaft, Therese will
sich dagegen nur vor dem Hunger geschtzt, nur als eine Hlfsbedrftige
geduldet sehen, am wenigsten im Kreise der Familie unter ihrer wahren
Gestalt auftreten. Jene trgt ihre besten Kleider zur Auswahl fr
Theresen herbey, diese whlte sich einen huslichen, schon getragenen
Anzug. -- Und so blieb denn das Mdchen meine Haus-Genossin, so
verkannte Woldemar, der in diesem Momente weder die unzartere Haut noch
das dunklere Haar in Betracht zog, seine schuldlose Braut --

Die ihn fiel Auguste ein mit dem Daseyn einer solchen Schwester, schon
um dieser gefhrlichen Aehnlichkeit willen htte bekannt machen sollen
--

Ohnfehlbar entgegnete Julius und das Frulein errthete schlo ihr nur
die zarte Verschmtheit, oder die Achtung fr den Ruf und die Asche
ihrer Mutter den Mund. Ich bin am Ziele setzte er mit einer leichten
Verbeugung hinzu und Tag und Nacht gereist das unseligste aller
Miverstndnisse auszugleichen, oder, wenn mir das nicht gelingen
sollte, der Gekrnkten eine Genugthuung zu verschaffen, die das Gesetz
der Ehre vorschreibt.

Auguste seufzte tief und sprach Am Ende war vielleicht die bereilte
Entfernung Ihres Freundes eine unerkannte Wohlthat des Himmels der das
edelste Mdchen auf diesem Wege von dem bestandlosen Manne befreyt hat.

Meynen Sie? fragte er, und sah ihr tief in das blaue Augen-Paar.

Denn Ihrem Woldemar fuhr sie fort weint bereits eine neuere Braut
nach.

Man sagte mir das: ich glaubte es nicht. Jetzt -- O jetzt mu ich's
frchten!

Sie sind sein Freund. An Ihnen ist es, ihm den vorgefaten Argwohn zu
benehmen, ihn an ein Herz, das er zerrie zurck zu fhren.

O, nun es so weit ist, sind wir geschieden -- der Rcher tritt nun an
des Warners Platz.

Nein, edler Mann sprach sie mit flehendem Silberton der Warner mu zum
Engel und nicht mde werden bis ihm die gute That gelingt.

Julius kte von dem Zauber dieser Tne, und von dem Geiste dieses Raths
ergriffen, Augustens Hand, als die zurck gekommene Julie
hereinrauschte, betroffen stehen blieb und die Gruppe mit blitzenden
Augen ma. Das Frulein stellte ihr in dem Gaste Woldemars Freund vor.
Sie erwiederte seinen Gru mit dem anmuthigsten Lcheln, zitterte
bereits im Herzen vor den Zwecken dieses augenscheinlichen Strenfrieds
und griff zu den magischen Waffen ihres Zaubers. Aber Julius sah durch
den tuschenden Schleyer der Grazie in ein harmvolles Herz, in diesen
unstten Blicken, in dieser leisen, jeden Scherz verkmmernden Angst den
regen Argwohn ihrer Schuld -- und als er sie jetzt ber dem Frulein
vergessen zu wollen schien, da ward die Charis pltzlich zur _Ate_, der
Groll der Migunst trat auf ihre Stirn, Auguste aber zog sich mit
sanften Errthen hinter den Heiligen-Schein der Sittlichkeit zurck.
Frau von Wessen fate sich schnell; berschttete die verstummte
Schwtzerin mit Schmeicheleyen, lenkte nun, von dem Spiele seines Humors
erheitert, das Gesprch auf den Hauptmann, dessen bis jetzt nur
beylufig gedacht worden war und erschpfte sich in seinem Lobe. Julius
begleitete es mit den Gebehrden des Beyfalls, erbat sich, als Auguste
verschwunden war die Erlaubni eine so theilnehmende Gnnerin seines
Vertrauten von dem seltsamen Migeschick ihres gemeinsamen Freundes
unterhalten zu drfen und wiederhohlte Wort fr Wort die Geschichte.
Julie sah ihm erst in's Auge, dann zum Himmel, von diesem zu Boden. Sie
spielte bald mit dem Ridikl, bald mit den Gliedern ihrer Kette,
errthete, verblate, und stand eben im Begriff den Erzhler fr ihre
Ansprche zu gewinnen, als die Baronin mit einem Brief in's Zimmer trat.
Sie bersah den Fremden in ihrer Bestrzung. Lies! sprach sie kaum
vernehmbar die Armee ist geworfen -- der Feind im Anzug. Julie
verschlang mit feurigen Augen den Inhalt der Nachricht. Er wird vermit!
rief sie die Hnde ringend Woldemar ist gefangen oder gefallen!

Der Himmel selbst erwiederte Julius scheint dies Herz an die
Entbehrung seines Lieblings gewhnen zu wollen.

Sie wissen also entgegnete Frau von Wessen da Woldemar der Meine ist?
Aber wissen Sie wohl auch, da weder ein Mhrchen, noch sein Erfinder,
weder die Schlauheit einer Neben-Buhlerin, noch die Beredtsamkeit ihres
Wortfhrers, mir ihn entreien wird?

Ich wei nur fiel er ein da der Feind gegen den er dies Schlo
vertheidigte, bey weitem nicht sein schlimmster war und da sein Weg zu
Ihnen nur ber mich geht. Aber wir streiten vielleicht ber die
Pflichten eines Todten, und thten doch, falls diese Nachrichten
gegrndet sind viel besser, zu packen und zu fliehen.

Julie kehrte ihm tief emprt den Rcken und folgte der Baronin, welche
taub fr den Wortwechsel mit dem Himmel verkehrt hatte.

Julius traf im Fortgehn auf das Frulein. Werden wir uns widersehn?
sprach er und wie, und wenn? Lngstens dort! entgegnete sie und so
Gott will, an einem schnern Tage.

Er drckte gerhrt ihre Hand an die Lippen. Sie mssen fliehen sprach
er wer begleitet, wer beschtzt Sie denn?

Himmel und Erde entgegnete sie der Mutter Gebet und unser Jger.

Die Baronin kam in diesem Augenblick herzu. Sie hatte von Julien
vernommen wer er sey, sah in dem unerwarteten Gaste einen ihr in der
Stunde der Noth gesandten, erbeteten Beystand und bot ihm nach den
ersten Begrssungen den Platz in ihrem Wagen an. Augustens Augen
untersttzten mit sanften, beredtsamen Blicken das Erbieten, der
Freyherr sagte zu.




                          Sechzehntes Kapitel.


Nur zu lange lieen wir inde Herminen aus den Augen, deren Lage nach
Woldemars bereilter Flucht unter die trostlosesten hinabfiel. Julius
war nach jener Begebenheit, durch Theresens Vermittlung ihr bekannt, war
ihr Freund, ihr Rathgeber geworden, und des Mdchens letzte Hoffnung
beruhte auf dem Erfolge seiner Reise.

Muth- und ruheloser als je, lag sie eines Abends an dem Herzen ihrer
heimlichen vertrauten Schwester, als diese trstend zu ihr sprach --
Schon manche Braut, meine Geliebte, ward getuscht, schon manches feste
Band durch Zuflle, Miverstndnisse oder die Bestandlosigkeit der
Mnner zerrissen und nicht selten segneten spterhin die Getuschten ihr
Schicksal. Wtest Du doch was ich verschweigen sollte!

Hermine sah, den Trost verschmhend in ihren Busen nieder. Ach!
Schwester klagte sie Du kennst den Umfang meines Unglcks nicht.

Gestehe nur entgegnete Therese da Julius der liebenswrdigste aller
Mnner ist. Mir wenigstens sagt mein Gefhl da ich an seiner Hand den
lieblosen Hitzkopf bald vergessen, da ich dem Himmel danken wrde, der
mich durch kurzen Schmerz zu einem solchen Ziele fhrt. Das ist Dein
Fall. Es kostet meinem Herzen viel, gestand er mir am Abend vor seiner
Abreise, den Gnstling eines Mdchens zu vershnen, das mich gefesselt
und begeistert hat. Aber ich gelobe mir, die Pflicht der Ehre und der
Freundschaft zu erschpfen; und sollte es auch mein Leben gelten, ich
erschpfe sie! Ein reitzendes -- Du mut alles wissen, Hermine -- Ein
gefhrliches, verbuhltes Weib sagte er, hat wie der Adjutant mir
schreibt, den Thrichten umstrickt, und find' ich ihn verlohren, so
tritt der Mittler khn an seinen Platz, und Sie, Therese, ebenen mir den
Weg. Ich versprach ihm das, Liebe!

Hermine weinte laut. Ihre Lippen zitterten, das bereilte Gestndni der
Schwester hatte ihr Innerstes zerrissen. Wehe mir! rief sie, als der
wilde Schmerz endlich Worte fand. Wehe mir, denn unserer Mutter
Schicksal ist das meine. Therese sah verbleichend an ihr herab.

Rechte nicht mit der Unglcklichen fuhr sie fort welche Sterbliche
wr' in jener Versuchung bestanden? Es gab eine Nacht, Therese, in der
dies Herz von Sehnsucht aufgelst, dem Liebling alle seine Blthen
zudachte -- in der ich die Arme verlangend nach dem Brutigam
ausstreckte, in der die schne Feen-Welt der Wunder zurckkehrte. O,
fhle, liebe, verlange wie ich, und tritt nun nach einem endlosen,
verschmachteten Tage, in die einsame Kammer -- Deine Lippe lispelt
seinen Nahmen, die warme Phantasie trumt ihn an's Ziel in Deinen Arm;
da rauscht es hinter Dir, des Lieblings Geist erscheint, kommt nher
zieht Dich an die Brust und wird -- und wird zu Deinem Manne!

Der Oheim unterbrach die Schwestern. Ein Geschft fhrte ihn her, doch
das Wort erstarb auf seiner Zunge, als er Herminen einer Sterbenden
hnlich, der Ohnmacht nahe fand. So sage doch endlich was Dein Herz
bekmmert! sprach der Erschrockene Kann ich helfen?

Sie neigte sich schluchzend auf seine Hand.

Willst Du heyrathen? Ich sage _Ja_! Ledig bleiben? Desto besser! Ein
ehrlicher Mann kann in Voraus alles gewhren, was ein braves Mdchen
verlangen mag. Nach Pyrmont soll ich, will der Arzt. Willst Du das auch,
so reisen wir zusammen.

Gern, gern! rief diese jetzt. Hinaus! Weit in die Ferne! vielleicht, da
dort ein Heilbad fr mich quillt.

Der Diener welcher ihn eben abrief, brachte Herminen einen Brief. Er war
von Julius. Zitternd erbrach sie ihn.




                          Siebzehntes Kapitel.


Noch verbarg die Frau von Wessen, von Aerger, Gramm und Angst bedrngt,
ihre besten Gerthschaften, als ein Trupp feindlicher Husaren in den Hof
sprengte, zum Willkommen mit Pistolen in die Fenster scho und den
angespannten Wagen umringte.

Die Baronin sa bereits, der Tchter gewrtig, in diesem, Julius stand
mit ihrem Staub-Mantel in der Hand vor Augusten, eine Kugel schlug
zwischen beyden hindurch. Schnell gefat warf er das leichte Mdchen auf
den Arm und strzte mit ihr durch die Gartenthr den Hgel hinab. Sie
wie zum nahen Walde, nach einem Fupfad hin, der tief in den Forst zu
der Wohnung eines Wildhters fhrte. Bergab, bergauf schlang sich der
unwegsame Pfad und bald verschwanden Kraft und Odem. Die schne Brde
glitt am Fu einer Eiche von seinem Arm, er sank erschpft an ihre
Seite. Das Bedenken, mit einem solchen Manne und von ihm verpflichtet in
dieser Wildni allein zu seyn, ging in dem Gram ber das Schicksal der
Mutter, ber die hchst gewisse Plnderung des Schlosses, ber das
unselige Verhngni ihrer Zukunft unter. Schrecklich brauste jetzt der
Donner des Geschtzes durch den Hayn. Auguste raffte sich verstummend
auf und eilte fort. Er strzte der Besinnungslosen nach und immer
dunkler ward der Wald; die Sonne sank, man kam zur Wildhtte. Der alte
Jger erstaunte, die Tochter seiner Herrschaft hier zu sehen, erquickte
die Hinsinkende mit Brot und Milch und versprach, bewegt von des
Fruleins befehlender Bitte und dem Golde das ihm Julius verhie, sich
nach dem Einbruche der Nacht auf die Wessenburg zu schleichen, und wo
mglich die dort Verlassenen ihnen nachzufhren. Er fllte die Lampe mit
Oehl, schlo die Thre hinter den Einsamen zu und ging davon. Auguste
sah umher, sah dem lauschenden Gefhrten in's Auge, untersuchte das
Thrschlo, schlich weinend auf und ab und warf sich jetzt auf ihre
Kniee nieder. Sie sprach mit Gott. Laut betete das schmerzerfllte
Mdchen und unwillkhrlich falteten sich die Hnde des Hrers. Ihr
Angesicht verklrte sich; ein leises Amen flog, wie Geister Suseln, von
den Lippen der Beterin.

Julius fate, als sie sich jetzt mit freudigem Muth erhob, bis zu
Thrnen gerhrt, ihre Hand.

Wie ist Ihnen denn? fragte sie, voll zrtlicher Theilnahme und trocknete
die Perlen des heiligen Mitgefhls von seinen Wangen.

Wie dem Gerechten! entgegnete er. Ich glaubte den himmlischen Gespielen
wieder zu sehn, der einst die seligen Trume des Knaben verschnte --
Den Engel der in des Kindes Glauben lebte, und mit des Jnglings
Unschuld floh. Sie haben da eine Kirche vor mir aufgethan, in der ich,
unrein wie der Zllner stand.

Den frcht' ich nicht! erwiederte Auguste und setzte sich vertrauend an
seine Seite. Julius pries, um diesem Vertrauen zu entsprechen und ihre
Besorgnisse durch ein ernstes Gesprch zu zerstreuen, den Heilquell des
Glaubens. Er sprach von seinem wohlthuenden Einflu auf die Bildung des
Herzens; gedachte der vterlichen Lehren, des mtterlichen Vorbildes,
der Fluth der Sinnlichkeit die seine Gelbde und die reiche Saat der
elterlichen Mhe verschlang. Pltzlich fuhr er fort, denn sie hrte ihm
mit Andacht zu fate mich eine Hand. Es war die Hand des Todes-Engels,
der mich am Sarge meines Vaters mahnte. Fremdlinge und Verwandte umgaben
ihn; ihre Klagen, ihre Thrnen, ihr Lob weihte seine Asche. Die Feinde
selbst ehrten sein geheiligtes Andenken.

Und was wrden sie denn am Sarkophag des Sohnes sagen? fragt ich mich
auf dem Wege zu der vterlichen Gruft! Wo sind die Opfer die du dem
Glauben an die ewige Wahrheit der Tugend gebracht hast? Die Saaten fr
jene Welt gest? Die Siege ber das thrichte Herz errungen? Jetzt zeige
die Wunden auf, die du heiltest, die Keime der Fruchtbume die du
gepflanzt hast! Beschmt, vernichtet, stand ich vor dem innern Richter,
wendete den Blick in mein Innerstes und verzweifelte fr den Augenblick
an der Rettung aus dem verzauberten Schlo, denn an jeden Finger hing
sich eine Schoosnde die mich nicht lassen wollte. Meine Arme lhmte
die Unthtigkeit, eine schmeichelnde Vertraute meinen Willen; in jedem
Winkel spottete ein Satyr den grmlichen Pedanten aus.

Still sprach das Frulein zu dem Beichtsohn. Eben klopfte man an den
Fensterladen. Auguste bebte, Julius zog die Pistolen hervor, und verbarg
das Licht.

Aufgemacht! rief es. Zwar mischte sich ein bittender Ton in die
Stimme, aber Satan bat ja schon fters mit Engels-Zungen um Einla. Ich
bin es, guter Jakob! versicherte Frau von Wessen.

Julius antwortete an des Wildhters Statt. Aber die Thr war von innen
nicht zu ffnen und der Alte hatte den Schlssel mitgenommen.

Sie werden doch eine Hand fr mich frey haben entgegnete Julie um mir
durch den geffneten Fensterladen herein zu helfen. Er folgte schnell
dem Winke und zog die Fllreiche nicht ohne Anstrengung, nach manchem
fehlgeschlagenen Versuch hindurch. Vergebens hatte Auguste whrend dem
zu wiederhohlten Mahlen nach dem Schicksal der Mutter gefragt.

Das sprach die Schwgerin, als sie jetzt wieder auf ihren Fen stand
das kann kein Gegenstand fr ein so pflichtvergessenes Mdchen seyn, das
allen dem was ihr am theuersten seyn sollte, den Rcken kehrt, um mit
ihrem Retter davon zu laufen. Verzeihen Sie mein Herr, wenn etwa die
verwnschte Dritte den Ergu der feurigen Dankbarkeit unterbrach.

Ihre Verzeihung fiel Julius ein ist um so berfliger, da wir vor
Gottes Augen wandelten.

Der Wittwe Hohngelchter emprte ihn. Vor Gottes Augen! wiederhohlte
er wir drfen keck die bsen Geister Lgen strafen.

Was kmmert's mich! entgegnete sie La uns Friede machen und
Entschlsse fassen, denn diese Nacht dauert nicht ewig und meine Krfte
sind erschpft. Rund um erleuchten feindliche Wachtfeuer den Himmel, nur
gegen Osten hin scheint mir der Weg noch frey zu seyn.

Auguste warf sich schluchzend an ihren Hals. Sage mir flehte sie wie
und wo Du die Mutter verlieest, denn eine furchtbare Ahnung bedrngt
mein Herz.

Qulle mich nicht entgegnete Julie Und wenn Dich nun vorhin jemand
beschworen htte, ihm zu sagen wo die vermite Schwgerin blieb, was
httest Du denn zu erwiedern vermocht?

Konnt' ich Dich aufsuchen? versetzte Auguste -- Dem nahen, sichern Tod
entflohen wir und tief im Wald erst kam mir die Besinnung wieder.

Das ist auch _mein_ Fall. Mich aber nahm kein beschtzender Mann an sein
Herz. Mir selbst berlassen mute ich Rettung suchen, und nur die
Schrecken der Nacht, nur die grause Furcht vor Ungeheuern, nur der
Gedanke an Woldemars Schicksal begleitete mich. Ueber mir rauschten die
Wipfel wie der Fittich des Wrgengels, aus jedem Dickicht sah bald ein
weier Geist, bald eine blutige Gestalt hervor und whrend dem Du hier
in schne Augen sahst, hat mir kein Stern geglnzt, sah ich nur Bilder
des Entsetzens.

Auguste drckte die Hand der Schwgerin an ihre Lippen. Arme Schwester
sagte sie Ich hab auch recht fr Dich gezittert und gebetet.

Dann hat mir freylich nichts begegnen knnen entgegnete diese und
lchelte wegwerfend.

Wie? fragte Julius Sie knnten die Vorsprache eines so himmlischen
Gemths verschmhen? Die geheime, durch tausend Erfahrungen bewhrte
Kraft eines feurigen Gebets bezweifeln? Ich fr mein Theil mu zur Ehre
des guten Geistes bekennen, da ihn mein Herz in bangen, schrecklichen
Stunden, in Lagen die ich fr die uersten, in Augenblicken die ich fr
meine letzten hielt, nie vergebens um Licht und Rettung anrief.

Ich fr mein Theil erwiederte Julie gestehe dagegen, da mir bis jetzt
der gute Geist der Besonnenheit noch immer viel sicherer als ein
feuriges Gebet aus der Noth half, aber selbst das eiserne Fatum hat
seine Gnstlinge und ich zhlte Sie schon beym ersten Anblick unter
diese. So macht mich denn zur Genossin des Lichts und des Raths den
diese Bethstunde vom Himmel herablockte. Mir scheint es ganz ohne Zuthun
einer Schicksals-Macht hchst gerathen noch vor Tages Anbruch der
nchsten Station zuzueilen, und falls sich da um keinen Preis Pferde
vorfnden, auf gutes Glck mit der geschlagenen Armee fortzuziehen. Hat
ihre Niederlage sie nicht um allen Rittersinn gebracht so wird er sich
gewi zu Gunsten junger Damen uern, die aus verweinten Augen sehen.

Julius und Auguste entgegneten einstimmig da man fr's erste die
Rckkehr des alten Wildhters abwarten msse, dem es bey seiner Kenntni
aller Schliche gewi gelingen werde, die Baronin aus dem Schlo und in
ihre Arme zu fhren. Deine Zweifel aber an der Thtigkeit einer hhern,
leitenden und erhebenden Hand setzte Auguste hinzu sind bereits durch
die Fassung mit der Du ganz wider Erwarten die Sage von Woldemars
Unglck hinnahmst und durch das Wunder, welches Dich durch die Nacht und
die Feinde und den unwegsamen Wald in unsere Mitte brachte, widerlegt.

Schnell erglhend sagte Julie Ich fand noch eben Kraft genug in mir,
den Triumph der schadenfrohen Migunst durch Gleichmuth und Entsagung zu
verkmmern, und unter diesen Umstnden in der Nachricht von des
Hauptmanns Schicksals den besten Trost.

Julius setzte sich bereits zurecht, der erklrten, unvershnbaren
Widersacherin die Spitze zu bieten, als der alte Jger in das Stbchen
trat und Augusten ein Billet von der Baronin berreichte.

    Geliebte Tochter las das Frulein mit zitternder, von Furcht
    und Hoffnungen bewegter Stimme ich melde Dir da sich Deine
    Mutter zwar, gleich dem Daniel in der Lwen-Grube befindet,
    doch gleich wie er, ganz unversehrt daraus hervorzugehn
    gedenkt. Es liegt bereits ein feindlicher Oberster in dem
    Gast-Zimmer dessen Ankunft allem Unwesen schnell ein Ende
    macht. Ich kann die Gte mit der er hier verfhrt, nicht
    beschreiben und rathe Euch deshalb sogleich zurckzukommen, da
    er nicht allein meine vorgehabte Entfernung gut geheien
    sondern sich selbst erboten hat, uns in dem zugestandenen Wagen
    bis ber die Vorposten begleiten zu lassen etc.

Auguste schlug hoch erfreut in ihre Hnde, und Julius bot ihr den Arm.
Lassen Sie uns eilen sprach er denn leicht knnt vor Abends noch ein
Unhold an die Stelle des menschlichen Schutzgottes treten.




                          Achtzehntes Kapitel.


Der Wagen stand jetzt wieder, als die Flchtlinge in den Hof traten, wie
gestern, angespannt vor der Thr, und die Baronin reisefertig an
demselben. Vor allem sprach Julie zu dieser lassen Sie uns Erschpfte
erst ein wenig frhstcken, mich dann nach meinen, im grten Wirwarr
verlassenen Sachen sehen und nebenher auch dem Obersten fr seine
gromthige Schonung danken. Damit flog sie singend die Treppe hinauf
und an dem Zimmer des feindlichen Gastes vorber. Begierig das kecke
Vglein zu sehn, welches hier unter der Schrfe des Schwerts noch Sinn
fr solche Lufer habe, steckte der junge Held den Kopf aus der Thre
und fand sich auf's Angenehmste berrascht. Frau von Wessen schien
erschrocken, trat ihm mit reitzender Demuth entgegen, dankte dem Gtigen
in den gewhltesten Ausdrcken seiner Sprache, hoffte, sich als die
Wittwe eines gefallenen Soldaten schonender Rcksichten gewrdigt zu
sehn und war nach einem viertelstndigen Aufwand ihrer magischen Knste
der willkommensten aller Eroberungen gewi.

So eben sprach sie zu der ngstlich treibenden Mutter hat mir der
Oberste noch den groen Rst-Wagen zugestanden auf den ich alles was wir
bereits verlohren gaben, packen lassen und Ihnen dann folgen werde.
Seine Husaren und der Verwalter sollen mein Schutz und mein Schirm seyn.
Im Zollhaus erwarten Sie mich.

Die Baronin erklrte dagegen, ohne sie nicht von der Stelle weichen zu
wollen. Da nun der gedachte Rstwagen frs erste einer Ausbesserung
bedurfte, so verzgerte sich die Abreise von Stunde zu Stunde, und ward
endlich, als sich die Mutter im Gefolge der ausgestandenen Schrecknisse
pltzlich von ihren Krmpfen befallen sah, auf einen der folgenden Tage
verschoben. Alle auer ihr fanden dabey fr den Augenblick ihren
Vortheil. Der Oberste hatte nchst dem Ruhm nichts lieber als das
_Schne_ und Frau von Wessen gefiel sich vor allem in der Rolle der
Delila. Julius fand in den Offizieren geistreiche, unterrichtete, seinem
Sinne zusagende Mnner und tglich mehr Veranlassung, der schchternen
Auguste die Einsamkeit in die sie sich, trotz der anziehenden Gste, zu
seiner hchsten Befriedigung vergrub, ertrglich zu machen.

Bald darauf lief auch die Besttigung von Woldemars Gefangenschaft ein.
Er hatte, laut eines vertrauten Briefes des Adjutanten, den Erwartungen
die sein erstes Probestck erregte und der Rolle zu der ihn seine
Befrderung erhob, so wenig entsprochen, sich auf einem Auen-Posten so
zweckwidrig benommen, sich spterhin so unvorbereitet berfallen lassen,
da seine Stelle wie billig bereits vergeben und besetzt worden war.

Pltzlich entstand eines Morgens groer Lrm in dem Hofe und dem Hause.
Es gab ein Seitenstck zu Woldemars Aufbruch; eine Ordre welche den
Genius der Wessenburg zu der Armee des Innern abrief, brachte Freunde
und Feinde in Bewegung.

Die Baronin bereitete sich jetzt aufs neue zur Flucht, Julius empfahl
dem Obersten auf gut Glck seinen Kriegsgefangenen Freund und benutzte
dessen Erbieten, ihn mit Wechseln und Nachrichten zu versehn. Sein Brief
sprach um so nachdrcklicher fr die Verlassene, da ihm Theresens letzte
Zuschrift fr immer alle Hoffnung auf die Hand ihrer Freundin benommen
hatte.

Alles war zum Aufbruch bereit als Julie in der Mutter Zimmer trat, ihr
mit feierlichem Ernst die Hand kte und sich als die Braut des Obersten
auf immer beurlaubte. Zwar sprach sie ist der Schritt gewagt; aber in
der Liebe ist ja, nach des Meisters Ausspruch alles nur ein Wagstck --
Zwar bin ich Woldemars Verlobte, der aber sitzt an fernen Wasserflssen
und wei noch immer nicht was er will -- Zwar ist mein Brutigam der
feurigste Republikaner, doch wer die Freyheit ehrt, wird auch die Rechte
des Weibes achten. Zwar ist er Katholik, doch sind ja seine Gtter auch
die Meinen und Amor unser Schutzpatron.

Die Mutter stand verstummt und sah mit gefalteten Hnden gen Himmel.
Ihnen, Herr Baron fuhr Julie, sich zu diesem wendend, fort Ihnen,
dessen langweiliger Intrike mein rascher Entschlu ber den Graben
hilft, wnsch' ich an Augustens Hand das beste Glck und eine Wildhtte
um es auszulassen. Warum errthest Du, Gustel? Es ist nichts gewisseres
als da er der Deine wird -- Ich seh, Ihr steht auf Kohlen. Gleiches mit
Gleichem! Oft genug habt ihr mich auf Nesseln gestellt. Gott segne Sie,
_ma mere_, und Ihre Bethstunden, Herr Baron und Dein Ehebett, Frulein!
Damit verschwand sie.

Die Baronin eilte ihr nach. Auguste weinte, tief verletzt, hinter ihrem
Tuche, Julius neigte sich liebkosend zu ihr herab und sagte -- Mchte
der Segen dieser unholden Wahrsagerin ausgehen! ihr bser Wille
befrdert seltsam genug den schnsten Zweck und ich darf nun keck und
ohne Zgerung eines Verhltnisses gedenken das zu den zrtesten des
Lebens gehrte. Kein Wort also von Gefhlen und Gelbden die mein
Geschlecht so oft zu gewhnlichen Behelfen herabwrdigt. Sprach Frau von
Wessen aus Augustens Seele so wr' es wohl gerathen, die edle
Schaamrthe an meinem Herzen zu verbergen?

Sie schwieg, er schlang den Arm um ihren Leib -- Auguste! sprach er
leise und zog das Tuch von dem lieblichen Antlitz. Die blauen,
thrnenschweren Augen bethaueten seine Hand mit warmen Tropfen. Ich fhl
es lebhaft fuhr er fort da die Wildhtte zu meinem Glcke hinreichen,
da sich, an diesem Herzen alle wilden Wnsche des meinen in sanfte
Sehnsucht nach den Htten des Friedens auflsen wrden, und was das Ihre
fhlt, verrth dies Auge.

Auguste lehnte sich, still entzckt an seine Schulter und lispelte mit
bebender Stimme -- _Innige Liebe!_

Er kte den Mund der diese Worte sprach, unter freudigen Schauern, und
eilte Arm in Arm mit ihr der eintretenden, trostlosen Mutter entgegen.




                          Neunzehntes Kapitel.


Woldemar war inde von einer gefhrlichen Krankheit genesen und sah noch
immer, von jeder Nachricht aus der Heimath abgeschnitten, entblt von
Geld und allen Gtern, die das Leben versen, der Auswechslung
entgegen. Nacht fr Nacht erschien ihm Hermine, bald im Glanze der
Unschuld, bald als eine weinende, reuige Snderin. Bald auch tuschten
die Entzckungen der Weih-Nacht den Schlfer, oder die glhende hei
umfangende Julie ward vor den Augen des Erwachenden zur Stroh-Garbe des
Lagers auf dem ihn die gaukelnde Phantasie hohnneckte. Immer der und
leerer ward sein Inneres. Tage lang sah er, gedankenlos hinstarrend, in
den Strom der an dem Kloster das die Gefangenen barg, vorberrauschte,
und sein Gemth erlag unter der Brde der Schwermuth. Sterben! Schlafen!
rief er mit Hamlet aus das ist eine Vollendung der brnstigsten
Wnsche werth.

Vielleicht auch trumen! sprach Gregor, sein Schlaf-Geselle nur bette
Dich gut! Wenn selbst das Leben, wie unsere Weisen sagen, ein Traum ist,
so wird es Pflicht sich immer die angenehmsten zu bereiten. Der Verdru
ber diese nrrische Welt, die Schaam ber die thrichte Herz, der Gram
ber Mangel und Unflle, haben frher den besten Theil meines Daseyns
verkmmert und selbst die kleinen, unvermeidlichen Uebel zu erdrckenden
Lasten gemacht. Endlich erschien mir, spt genug, ein heilsamer Trster.
Er schlug das schwarze Buch der Wirklichkeit vor mir zu, und fhrte mich
in sein Freudenreich. Bist Du elend? Hat Dich die Freundschaft
verrathen? Die Liebe betrogen? Dein Feuer-Eifer in Hndel verwickelt?
Dein Sinn fr Recht und Wahrheit die Menschen gegen Dich emprt? Nun, so
flieh aus der Jammer-Hhle und folge mir nach.

Ich wei ja wohl versetzte Woldemar da Deine Kopfwunde bedeutendere
Folgen als die meine hatte.

Frchte das nicht! entgegnete Gregor Tiefer als diese -- ach, ganz
unheilbar sind die Wunden meines Herzens, doch eine Wunderthterin
verbindet sie. Welcher Unsterblichen frag ich mit dem Dichter soll der
hchste Preis seyn? -- Der Phantasie! In ihrem Reiche lag das Paradies;
in ihm liegt Elisium. Dort sind die Blthen-Bume meiner Jugend gereift;
dort lebt das Weib, dort stirbt der Freund fr mich! Lob sey der Gttin!
Ihr Nektar begeistert ohne zu berauschen, ihr Ku berauscht ohne zu
entzaubern; ewig suselt des Lenzes Hauch durch den Hesperischen Hayn
und Khlung um des Wallers Schlfe.

So sage denn endlich was Du mit diesem Pathos gesagt haben willst?
Knnte die Einbildungs-Kraft den Essig des Lebens in Honig, den Kerker
zum Faul-Bett, die Geiel des Schicksals zur sammtenen Hand der Charis
umschaffen, so wollt ich heute noch jeder bessern Geisteskraft
absterben.

Wer von dem Farbenspiele seines Gemths spricht versetzte Gregor wird
der Mideutung nie entgehen. Zerfallen mit der Gegenwart anticipirt mein
Herz das Heil der Zukunft und lebt schon jetzt im Geist auf bessern
Sternen.

Eine Dame rollte pfeilschnell, im Phaeton, an dem vergitterten Fenster
vorber.

O Himmel! rief Woldemar Meine Braut! --

Mein Weib! rief Gregor und rieb sich, wie aus einem Traum erwachend,
Stirn und Augen Ja -- Ja! ich wache, sehe, lebe noch und das war
Julie.

Julie von Wessen! fiel der Hauptmann ein die Wittwe eines Officiers.

Wittwe? sagte dieser -- O, wollte Gott!

Woldemar blickte ihm starr in's Gesicht. Jenes Geschwtz, und diese
Aeuerungen schienen auf heimliche Verrcktheit hinzudeuten, und dennoch
sah ein ruhiger, besonnener Geist aus seinen Augen. Deine Braut! rief
Gregor mit einem seltsamen Lcheln.

Die auf jeden Fall einer von uns verkannt hat.

Du nanntest sie bey ihrem Nahmen. Sie trgt den meinen.

Armer Gregor!

Sag: Aermster Wessen -- So nenn' ich mich.

Woldemar schttelte zweifelhaft den Kopf. Dein Erstaunen fuhr jener
fort beweist da Du sie kennst und da sie mich zu den Todten warf.
Auch lag ich bereits unter diesen. Eine mitleidige Buerin, welche die
Opfer des Schlachtfeldes verscharren half, fand noch Spuren des Lebens
in dem Verscheidenden und entri mich dem sanften Erlser. Ich ward in
ihre Htte getragen, verbunden, gepflegt und kam nur allmhlich aus dem
finstern Gebiete des Nichtseyns zurck. Man hatte mich Unbekannten, zur
Ehre des Schutzheiligen meiner Weckerin, Gregor genannt. Ich ward unter
diesem Nahmen in das Haupt-Spital, und spterhin mit mehrern genesenden
Gefangenen in das Innere abgefhrt. Mein Zustand verschlimmerte sich von
neuem. Was ich auch, nach der endlichen Herstellung zu meinem Besten
that und sagte, ward als ein Hirngespinnst des Wahnsinns belchelt, da
man mich nackend, ohne Kennzeichen meines Ranges unter den Leichnamen
hervorzog, und ich mich spterhin nur mit diesem Kittel bedeckt fand.

Thrnen strzten jetzt aus seinen Augen. Noch leidet freylich mein Kopf
fuhr er mit fallender Stimme fort, und bedeckte mit der Hand die tiefe
Narbe doch mein Gemth leidet noch mehr. Ich habe eine zrtliche Mutter
verlassen. Sie wird bitterlich um mich weinen. Eine traute Schwester --
Tief und herzlich wird sie um den Verlohrnen trauern. Ein treulos Weib!
-- Es wird den Schmerz erheucheln wie einst die Liebe. Schnell ergriffen
sprang er auf. Sagtest Du nicht da sie hier sey?

Mit nichten! erwiederte Woldemar und drckte ihn auf sein Lager zurck
Doch Deine fromme Mutter lernt ich kennen und diese Schwester ward mir
werth. Ermanne Dich nur! Die Rckkehr des Verlohrnen wird diese Thrnen
berschwenglich vergelten und alles schnell zum Besten kehrn. Aber
Gregor vernahm des Trsters Stimme nicht. Er starrte bewutlos vor sich
hin, und vergrub sich tief in sein Stroh.

Woldemar stand noch, von den schmerzlichsten Empfindungen bewegt, vor
dem Unglcks-Gefhrten, als der Aufwrter in die Zelle trat und ihm ein
geffnetes Paquet bergab, da seiner Aeuerung zu Folge ein eben
durchreisender Officier fr ihn mitgebracht habe. Er erkannte auf den
ersten Hinblick die Hand des Julius und ein freundlicher Sonnenstrahl
fiel durch die Nacht der Schwermuth in sein Herz.




                          Zwanzigstes Kapitel.


Der pltzliche Tod des Oheims, welcher kurz nach seiner Ankunft in
Pyrmont erkrankte, hatte Herminen schnell zur reichen Erbin gemacht, und
sie der traurigen Gewiheit berhoben, sein Vertrauen durch das
unabwendbare Gestndni ihrer Lage verscherzt zu sehn. Ein freundliches,
in der Nhe jenes Heilquells gelegenes Landgut ward zum Verstecke
gewhlt, und der Geistliche desselben, der sich am Sterbebette des
Oheims die Achtung der Schwestern erwarb, zu ihrem Geschfts-Trger
gemacht; denn fr immer hatte Hermine auf die Rckkehr in ihre Heimath
Verzicht gethan.

Die Bltter verbleichen sprach sie eines Abends zu Theresen, als die
Schwestern Arm in Arm durch den Garten des freundlichen Besitzthums
schlichen verblich ich doch mit diesen! Kein Meer reicht hin den
Flecken auszuwaschen, der Tod allein kann ihn vertilgen. Bescholten und
verbannt werd ich vergehen -- schnell wie mein Kranz verblhn, und
unbekrnzt in's Grab getragen werden.

Auch die Reue hat ihre Grenzen erwiederte Therese und der Gram sein
Ziel. Die Gattin gab sich nur dem Gatten hin. Er ist der Schuldige, Du
nur das Opfer. Schon fter hat ein Fall die Fallende erhoben, ist die
Myrte zur Palme, die Berin ein Vorbild hoher Tugend worden. Und wenn
mich meine Augen nicht trgen fuhr sie fort und zeigte nach der
Gitterthr so erscheint uns eben dort ein hlfreicher Freund.

Es war Julius der an Augustens Arm in den Garten tratt. Erblassend floh
Hermine durch den Laubengang; wo htte sie den Muth hergenommen sich in
dieser Gestalt vor ihm sehen zu lassen.

Ich komme weit her sprach er zu Theresen um Ihnen meine Frau
vorzustellen, vergebens wies man uns an der Pforte des Paradieses ab.
Ich bin Gott Vater! versicherte ich und glaub es nun selbst, denn Eva
hat sich schnell versteckt. Wohl jeder die ihn nicht scheuen darf! Deren
frommen Augen die wunderseltsame Kraft ward, den kecken Versucher in
einen ehrbaren Vormund zu verwandeln.

Denken Sie mir nicht an jenen Tag fiel die junge Wahl seufzend ein wir
leiden noch an seinen Folgen. Aber den Vormund hei' ich willkommen und
freue mich des Engels den er dem Glck und seinem guten Rechte dankt.

Komm an mein Herz, edles Mdchen! sprach Auguste, und umarmte Theresen.
Sie sehn versetzte Julius da wir alles erschpfen die Pfrtnerin
dieses Klosters zu gewinnen und ihre Dankbarkeit wird dagegen nichts
unversucht lassen, die falsche Schaam der mtterlichen Jungfrau zu
beschwren, deren Zustand sie in meinen Augen um so reitzender macht.

Das drfte ganz ohnmglich seyn! entgegnete ihre Schwester, und ein
Mann, dessen Zartgefhl mich ehedem selbst mit seinem unzarten
Geschlechte vershnte, wird eine so seltene Tugend der leidigen
Neugierde nicht zum Opfer bringen wollen.

Sie bedrfen eines Mannes Rath! sprach er ernstwerdend.

Den liefert das Pfarrhaus.

Und bald auch -- den Herrn Pathen.

Errthend kehrte sich Therese zur Baronin, die ihn mit einem
Fcherschlag zur Ruhe wies. Wenn ich hier ntzlich seyn knnte sprach
sie zu jener so nehmen Sie mich auf, denn mein Mann hat eine
Geschfts-Reise vor und ich war so lange schon mit dem Frhlichen froh,
da ich recht gern wieder ein Weilchen mit dem Weinenden weinen mchte.
Dieser Wechsel hat sein Gutes und man bedarf ja vielleicht auch, frh
oder spt, theilnehmender Seelen.

Sie sind ein Bothe von Gott gesandt! erwiederte Therese, und diese
gromthige Herabneigung wird ein verstrtes, in edle Schaam versunkenes
Gemth viel schneller als mein lngst verbrauchter Trost erheben.

Mir ist sprach Julius bey allem dem ganz wunderbar ums Herz, und mein
Innerstes mit dem tiefsten Groll gegen den Urheber dieser Pein erfllt,
der um jeden Preis alles gut machen soll!

Meines Mannes Reise versicherte Auguste hat diesen Zweck.

Therese weinte jetzt und sagte Dieser Urheber bin ich!

Oder der Himmel entgegnete Julius der Sie zum Ebenbild der Schwester
schuf, oder die Hlle vielmehr die da ganz ohne Mhe eine Saat
himmlischer Freuden mit Unkraut bedecken konnte. Aber, gute Wahl, mir
ist leid fr die Leidende. Sie fhlt zu tief um nicht auf Kosten ihres
Lebens zu empfinden. Es wird in diesem Sturm versinken.

Das ist's was ich frchte klagte diese.

Ich frchte nichts! sprach die Baronin wir sind zum Schmerz berufen;
verstren nur -- zerstren wird er nicht. Wir Unschuldige sind gemacht
die Snde dieser Welt, die Schuld der Schuldigen zu tragen.

Fr die Wahrheit k' ich Ihre Hand! rief Therese. Der liebende Gatte
that ein Gleiches, sie schlang den Arm um beyder Nacken, die Wangen der
Umfangenen berhrten sich. Therese flehte Julius bey dem schnen Sinn
dieser Gruppe beschwr ich Sie, mich Ihrer Schwester vorzustellen; mich
wenigstens nur ihr liebes, leidendes Gesicht sehn zu lassen. Der Anblick
soll mich strken fr meine Zwecke und der thtigste ihrer Freunde
verdient ja doch, ich fhl' es lebhaft, diese Gte.

Da trat Hermine pltzlich, einem Geiste gleich, hinter der Hecke hervor
und neigte sich laut weinend an seine Brust. Sie haben viel fr mich
gethan! sprach sie mit gebrochner Stimme mehr als ich je vergten
kann; doch diese holde Frau wird es vergten. Ich stehe am Grabe,
Julius; es ist mein letzter Dank! Und auch den letzten Segen leg ich in
Ihrem Herzen nieder. Ich bin nicht mehr wenn Sie _Ihn_ wiedersehn.

Thrnen fllten seine Augen. Hermine drckte des Freundes Hand, und
einen Ku auf seine Lippe. Theilt Euch in diesen! sprach sie mit dem
Fltenton der innersten Wehmuth und sank erbleichend an Theresens Herz.

Leidende Heilige! rief Julius erschttert aus. Der lichte Geist der
Hoffnung umschwebe Sie! Wenn ich zurckkehre wird sich ein Blmchen an
die Rose schmiegen, und der entzckte Gatte, wie Hon vor Amanden stehn.

Ich werde vor Gott stehn erwiederte sie und Ihr gerhrt an meinem
Grabe. Julius verwies ihr die bangen Zweifel und machte sich
reisefertig.

Lebe wohl! sprach die tiefbewegte Auguste und floh an den Hals ihres
scheidenden Gatten Dem Herrn befehl ich Deine Wege! Umfangend hob er
sie empor. Lebe wohl! flisterte sie mein Liebling, meines Lebens
Licht! Meine Wonne!

Als Julius verschwunden war, fate Woldemars Braut die Hnde der neuen
Freundin und der Schwester, drckte beyde an ihr Herz und sprach -- Wie
sanft wird sich's in diesen Armen sterben!




                      Ein und zwanzigstes Kapitel.


Dem Briefe des Julius welchen der Aufwrter dem Hauptmann berbrachte
war ein kleines, mit Bleystift geschriebenes Blttchen, von der Hand der
Frau von Wessen beygefgt. Es beschied den Vertrauten mit dem Schlage
der bezeichneten Abendstunde in den Gasthof wo sie abtrat, und mehr als
eine Triebfeder drngte ihn, der Einladung zu folgen. Woldemar fand sie
allein, schner als je, in einem idealischen Nachtkleid und ward mit
brutlicher Traulichkeit von ihr umfangen.

Ihr Selbstgefhl sprach sie, als er an ihrer Seite Platz genommen
hatte wird mir fr die Gromuth Dank wissen mit der ich mein hchstes
Gut, den Liebling meiner Seele, einer heiligen, gebietenden Rcksicht
zum Opfer bringe. Lob sey dem leichten Sinne der mir dies Opfer mglich
und den Verlust ertrglich macht. Auch Sie fuhr Julie, als sein
stoischer Gleichmuth die Antwort verzgerte, mit sem Lcheln fort
Auch Sie gewinnen offenbar, denn ein so fehlervolles Weib ist nur fr
kurze Flitterwochen gut und jungem Weine gleich, der schnell begeistert
aber Kopfweh macht. Sie nicken? Das ist ehrlicher als galant, und auch
ich will ehrlich seyn. Wie innig hing mein Herz an diesem Woldemar. Wie
gern htt' ich das Seste mit ihm getheilt, doch er verstand mich
nicht, zagte nur wo er begehren sollte, und zittert vor dem schnsten
Verhltni. Mag eine Prde sich mit kalter Tugend brsten, ich schlage
schaamroth an dies warme Herz. Ach, nur die Dankbarkeit gewann das Ihre,
nur der redliche Wille ein getrumtes Gelbde zu erfllen, nthigte
diesem Munde die lngst bereuete Verheiung ab. Doch jenes hatte meine
Leidenschaft erfunden und diese geb ich hier zu Gunsten einer weinenden
Braut zurck. Um endlich die Erinnerung an mich nicht zu den
schmerzlichsten Ihres Lebens geworfen zu sehen, wird sich mein knftiger
Gemahl fr Ihre Befreyung verwenden.

Das war ein Wohllaut! Woldemar lchelte wieder, dankte, lauschte, erfuhr
mit Verwunderung wie eigentlich Augustens blaues Band in seine Nhe kam
und sagte, mit dem Geist dieser Burg vershnt Ein Vertrauen ist des
andern werth, und nicht bey mir darf die gromthige Verwendung dieses
sogenannten, knftigen Gemahls beginnen. Vor allem bieten Sie die Hand
um den bisherigen zu retten. Noch lebt ihr Wessen, er ist hier. Seit
wenig Tagen theil ich mein Stroh mit ihm, und auch sein Unglck.

Julie sah ihn verblassend an, und eben fhrte Woldemar den Beweis als
pltzlich Waffen auf dem Saale klangen und die kleine Tochter des Wirths
ein leises _Sauvs Vous!_ in's Zimmer rief. Der Polizey-Beamte folgte
der Warnerin auf dem Fue nach und nahm die Frau von Wessen als
Gefhrtin des verdchtig gewordenen Obersten und nebenher auch den
Gefangenen in Verhaft -- Verhaft und Guillotine aber waren, in jener
Schreckens-Zeit fast immer Synonimen.




                     Zwey und zwanzigstes Kapitel.


Da siehst Du nun sprach Therese, und hob die Wiege vor das Bett der
tief bewegten Mutter hin wie wenig Glauben auch die bngste Ahnung
verdient. Wir zitterten, von Deinem Beyspiel angesteckt, vor der
entscheidenden Stunde; aber sie nahm unsern Kummer mit, und gab uns
diesen Liebes-Gott. O Hoffnung, o Geduld! Ihr seyd die Perlen unsers
Kranzes.

Auguste weihte den Knaben mit stillen Segnungen, Therese ihn mit lauten
Kssen, Hermine mit heiligen Thrnen ihr Ebenbild.

Zwar sprach Auguste sind die Mnner die begnstigten Schookinder des
Himmels, aber wiegt wohl ihr hchster Genu, ihr sester Rausch, ihr
schnster Gedanke das Entzcken einer Mutter auf?

Die Mnner fiel Therese ein sind wilde Bume, und hchstens nur zum
Rauschen gut, bis sich die Dryas naht und sie begeistert.

Potz tausend! rief Auguste das ging hoch.

Aber vom Herzen! Ist auch das Bild gesucht so pat es doch und der
Himmel verzeihe jeder die ihnen zu viel thut. Ich glaube, das hlt
schwer. Die Undankbaren! Mit einem hoffrtigen Ich danke dir Gott!
sehn sie auf unsere Kinderstuben nieder und in dem sanften, wachenden,
erhaltenden Schutzengel des Hauses nur die gebrechliche Dienerin ihrer
Begierde. Des Heldentods der schmerzenreichen Mtter wird kaum gedacht;
weder der Ruhm noch ein Ehrensold vergilt unsere Entbehrungen und unsere
Opfer -- Geruschlos bringen wir die grten dar; ruhmredig prahlen
_Sie_ mit den kleinsten. Fast immer folgt ihnen die Vergeltung auf dem
Fu, wir werden fort und fort an eine andere Welt verwiesen.

Dein Eifer, Mdchen, hat das Kind erweckt schalt Auguste und legt' es
an der Mutter Brust. Hermine versank in dem Anschaun des Lieblichen und
vergab sich jetzt die schwache Stunde. Wie hold du bist sprach sie den
Schmerz vergessend. Wie diese Augen glnzen -- die Lippe lchelt schon!
Als htt' ihn mir die gute Fee gebracht.

Die Freundinnen stimmten bey; der Kleine ward, wie einst Latonens Sohn
von den Gttinnen, bewundert, geliebkost und gewiegt. Ich wollte sagte
jetzt Therese, um die erschpfte Schwester einzuschlfern da es noch
Feen gbe, das Leben wre dann um eins so schn. Meine Grfin hatte ein
altes Buch voll solcher Mhrchen, es war bey weitem besser als manch
Dutzend unserer Zauber-Romane -- Die Fingerzeige der weisen und
mchtigen Balsamine haben mich oft mit dem Schicksal vershnt und mein
Herz von der Sucht der Wnsche, von dem Verlangen nach den scheinbaren
Gtern des Lebens geheilt. So spricht sie unter anderm einst, nach der
Feen Weise, als altes Mtterchen, Frulein Amanden um ein Almosen an.
Amanda, welche eben in Thrnen schwimmt, begabt sie reichlich und wird
nun in aller Demuth gefragt, warum sie denn die Rosen und Lilien ihres
lieblichen Angesichts mit dieser Perlen-Fluth bethaue? Die Herzlichkeit
der Alten erweckt Vertrauen. Eines Liebhabers wegen! sagte Amanda. Ist
er denn unbestndig? Treu wie Gold! Eiferschtig? So will sie ihn --
Arm? Unglcklich? Gefhrlich krank? Mit nichten! gesund und reich, und
ganz wie er seyn soll, aber alle diese Vorzge werden von seiner
Hlichkeit verdunkelt. Zwar bin ich ihm versichert sie dem
ohnbeschadet vom Herzen gut, doch die Schwestern und Freundinnen werden
nicht mde meines Geschmacks zu spotten, und lcheln schadenfroh so oft
er mich die Seine nennt. Wag' ich es dann, der Lieblosigkeit zum Trotz,
ihm unter mehr als vier Augen ein schnes Wort zu sagen, oder wohl gar
einen Ku auf seinen ungebhrlich groen Mund zu drcken, so greift die
eine nach ihrem Tuch, die andere kichert hinter ihren Fcher, die dritte
lacht ihr Strickzeug an und meine Schammrthe verwundet sein Innerstes.

Balsamine schlich jetzt zum nahen Kreuzweg hin, pflckte dort nach
langer Wahl ein grn und gelbes Blmchen, kam zurck und sprach: das
_Gute_ war immerdar heilbringender als das _Schne_ und ein reizloser
Mann viel reizender als zehn Werthlose; doch wchst fr den gedachten
Uebelstand ein wundersames Hausmittel am Wege das Du nach Belieben
gebrauchen magst. Hat dein unlieblicher Freund zu dreyen Mahlen an dies
Blmchen gerochen, so wird er schnell genug der Schnste aller Schnen
werden. Amanda glaubte sich gefoppt und suchte die Vorlaute durch einen
wegwerfenden Blick zu entfernen, Balsamine aber legte das grn und gelbe
Wunder-Blmchen auf ihren Schoo und sagte -- Nur siehe zu, was Du
thust, denn manches Uebel ist ein Gut. Schon mancher warf mit der
stinkenden Muschel die kstliche Perl weg und den Kern statt der Schale.
Treuherz folgt in Noth und Tod, aber Schnlieb ist aller Mdchen
Schatten. Das Frulein sprach Es ist schon gut, sie kann nun gehn.
Die Alte ging, Amanda sah ihr nach und ihren Amatus in der Allee
herabkommen. Die Schwestern haben Recht! gestand sie sich er wird von
Tage zu Tage garstiger. Kein Ziegeuner kann bruner, keine Mohren-Nase
stumpfer, kein Juden-Kinn verletzender seyn. Amatus sah von Ferne schon
die Falten ihrer Stirn, die hngende Unterlippe, den starren, auf ihre
Arbeit gehefteten Blick und setzte sich seufzend an ihre Seite. Sie
seufzte auch und schob die Thrnen, die sich unaufhaltsam in ihre
himmelblauen Augen drngten, auf Rechnung eines heftigen Schnupfens. Er
suchte sie durch die Versicherung da sich jedes heftige Uebel in der
Regel am schnellsten erschpfe, zu erheitern, spielte mit ihrer
Busen-Locke und langte bald darauf auch nach dem seltsamen Blmchen das
noch auf ihrem Schooe lag. Wollte Gott, dachte sie und sprach im
Scherze _Riech ein Mahl!_

Es riecht nach gar nichts! versetzte er, und drckt' es tief in die
hliche Stumpfnase es kriebelt nur!

Ists mglich? rief Amanda in ihre Hnde schlagend Ja, ja, sie wchst!
Ich seh's genau; die Nase streckt sich! Mehr verlang ich nicht! Aber
schon verschmolz der schwarze Stachelbart in blaue Schatten, die weit
geschlitzten Lippen schlossen sich zum Rosenkelche, des Herzens sanfte
Flamme strahlt' aus dem verklrten Augen-Paar, und als ihm die
Ungengsame das Blmchen zum dritten Mahl hart vor die umgeschaffene
Nase hielt, wich das Mulatten-Gelb dem herrlichsten Inkarnat der je
einen Feen-Gnstling verlieblichte, wurden die rthlichen Lichtspiee zu
goldenen Locken, formte sich der vieleckige Scheitel zum Apollons-Kopf
um.

O Du Gttlicher! rief das Frulein, erfreute ihn mit feurigen Kssen und
beschwor den Verwunderten sie heute auf den Ball zu begleiten.

Amatus war entzckt den Dmon ihrer Laune so schnell entfliehen zu sehn
und gab Amanden stracks den Arm. Ihm war als hab er immer so ausgesehn
und allen Freundinnen und Bekannten als hab ihnen nur von der
Hlichkeit des engelschnen Mannes getrumt -- Jetzt lchelte, statt
der Spottsucht, das Verlangen aus diesen; jetzt hatte jede die sonst auf
alle Tnze versagt war, die besten fr ihn aufgehoben, und die ihn
gestern noch wie einen Unhold flohn, suchten den unstten heute mit
allen ihren Zauberknsten fest zu halten --

Leiser! bat Auguste sie schlummert sanft.

So schlafen wir auch! entgegnete die Erzhlerin und setzte sich,
erschpft von Nachtwachen zurecht, um nun ein wenig auszuruhn. Die
Baronin aber, der das Mhrchen gefallen hatte, versicherte, sie werde
sich durch diesen unzeitigen Schlaf die Nacht verderben, und auch
Hermine schlug jetzt die sanften Augen auf, und erbat sich die
Fortsetzung.

Wenn Ihr es denn befehlt, gndige Frauen! sprach Therese, so will ich
in der wunderseltsamen Geschichte des grnen und gelben Blmchens
fortfahren und wnsche nur, da mein ungeschicktes Bestreben, Eure
Nachsicht verdienen mgen.

Auguste nickte lchelnd, Hermine warf ihr einen Ku zu und diese sprach
--

Ihr knnt glauben, da sich Amanda vor Freuden nicht zu fassen wute,
wenn die Eine sie die beneidenswertheste Braut nannte, die Andre nicht
mde ward ihr jeden seiner Reitze vorzuzhlen; wenn eine Dritte, Vierte
und Fnfte bey jeder Liebkosung die er Amanden brachte, aus Migunst
theils und theils aus Mitgefhl errthete. Aber die Freude der
Eigensucht ist ein flchtiger Wildfang. Er fliegt am Arm der eitlen Hore
fort und keine Fessel bindet ihn.

Immer hatte der Vielgetreue sonst, von den Grazien gemieden, des Winkes
seiner Braut gewrtig gestanden, jetzt mute sie oft Stundenlang den
zarten Hals verlngern um ihn im dichten Mdchen-Kreise auszuspren.
Sonst labte er sie whrend der Tnze mit Thee, kredenzte ihr bey Tafel
den Wein und den Khltrank, jetzt trank er diesen, erhitzt vom Walzer
selbst, und hatte dann soviel mit seiner Mhmchen-Schaar und ihren
Nachbarinnen zu verkehren, da die Vergessene oft voll Ingrimms in den
Fcher bi.

Sonst pries er sich selig sein gewaltiges Haupt auf dem Halse einer
Huldgttin wiegen zu drfen, jetzt scheinen diese Wiegen im Preise
gesunken und Hnde, die ihm sonst im Pfnderspiel bald Schnippchen
schlugen, bald in die Wade stachen, lockten den verwandelten Amatus
jetzt, der Taube gleich, mit sanften Flgel-Schlgen. Bald schwindelte
ihm der Apollons-Kopf, die Weibergunst blies ein Licht seines Verstandes
nach dem andern aus; nur wie zur Frohne schlich er nun mit dem
getheilten, erklteten Herzen zu der schmollenden Braut. Die fromme
Gutmthigkeit, die reine Treue, die sittliche Gte, der schne Kranz
seltener Vorzge, ber dem Amanda frher oft die vermite Blume der
Krper-Schnheit vergessen hatte, war bis auf die letzte Spur
verschwunden.

Die getuschte Braut verwnschte ihre Uebereilung, sah tglich nach
allen Winden hin der alten Bettlerin entgegen und in jedem Spital-Weibe
Balsaminen. Aber diese lie sich weder hren noch sehen.

Als endlich das zerfallene Paar eines Abends wieder in finsterer
Zwietracht auf der Rasenbank sa, fiel Amanden am Schlu ihrer
Gesetz-Predigt, die, gleich allen Predigten, wo nicht ungehrt, doch
unbeachtet blieb, der Kreuzweg in's Auge. Sie gedachte des Strenfrieds
welchen das Mtterchen dort gepflgt hatte, sammelte von einem Gedanken
berrascht, die ganze Flora dieses Platzes in ihre Schrze, tratt vor
den schweigenden Flattergeist hin und sprach -- Wie krftig! Riech ein
Mahl! Spttisch warf er den Kopf in die Hhe, Amanda aber flehte jetzt
so liebevoll und hob ihr Schrzchen so hoch empor, da Amatus endlich
der unschuldigen Bitte nachgab, zu ihrer Verzweiflung immer noch schner
ward, und nach fterm Ghnen pltzlich davon ging. Sie sah ihm
hoffnungslos, wie damahls Balsaminen nach, und o Himmel, da kam die Fee
ganz unverhofft am Krckenstabe in der Allee herab. Amanda griff zu
ihrer Arbeit und that als habe sich kein Wsserchen durch ihre Schuld
getrbt.

Guten Abend, schnes Frulein! sprach das Mtterchen ich seh ihr weint
nicht mehr, und werdet mir nun um so williger eine Gabe reichen.

Ich wollte alles was ich habe, darum geben entgegnete Amanda wenn mein
Liebster noch hlicher als zuvor, und wieder der Alte wre. Euer
verwnschtes Blmchen hat nichts als Unheil angestiftet, und wenn Ihr
mich lieb habt und Euch mein Unglck zu Herzen geht, so sorgt dafr da
er knftig nur mir gefalle, denn wenn auch seine Nase den Kunstsinn
nicht befriedigte, so wrde ich ihn doch viel lieber ganz ohne diese,
als in einer so hoch stehenden sehen; auch zieh ich jetzt ein Auge, das
liebevoll an meinen Winken hngt, und wre es grau und schielend, den
schnsten Sternen vor, die ohne Auswahl allen leuchten.

Ihr httet bedenken sollen sprach die Fee da es auf Erden keinen
Gewinn ohne Verlust, kein Licht ohne Schatten geben kann, und da die
reichsten Geschenke der Natur, in der Regel, durch die hlichsten
Fehler verdunkelt oder aufgewogen werden. Die Vollkommenheit, schnes
Frulein, erscheint hienieden, gleich dem Silberblick edler Metalle, nur
wie ein flchtiges Meteor, und der Phnix ist kein Spielzeug fr Kinder
die noch, wie Ihr, dem unscheinbaren Kleinod einen rothbckigen
Hampelmann vorziehn.

Das Frulein gab ihr in allem Recht, bat aber flehentlich um irgend ein
anderes Blmchen, das den unseligsten aller Zauber zu lsen, und ihren
Amatus wieder so hlich, aber dabey auch wieder so gut als zuvor zu
machen vermge. Euer nchster Ku erwiederte Balsamine wird, wenn es
Euch anders Ernst damit ist, die Wirkungen des Blmchens aufheben, nur
sehet, zu was ihr thut, denn wer nach dem Unvergnglichen strebt, darf
kein Opfer scheun, und den Gtzen nicht schonen, wenn er die Gtter
vershnen will. Am Ende knntet Ihr mich wohl wie gestern verwnschen
und ich wrde dann ganz unfhig seyn ein so bestandloses Herz zum
dritten Mahle zufrieden zu stellen. Aber seht, dort kmmt Euer
Ungetreuer mit einer ganzen Schaar lockender Jungfrauen in der Allee
herab. So lebt denn wohl, armes Frulein und fortan in der festen
Ueberzeugung, da nur ein bsartiges Gemth den Menschen entstellt, ein
edles hingegen auch ber die entschiedenste Hlichkeit einen
gewinnenden Zauber verbreitet.

Amanda vernahm diese Worte kaum und bemerkte das pltzliche Verschwinden
der Fee um so weniger, da ihre gefhrlichste Nebenbuhlerin an seinem
Arme wandelte und die andere ihm ein Liedchen vorsang, da die Sehnsucht
des liebekranken Herzens aussprach. Sie rauschte einer Windsbraut
hnlich, nach der Allee hin. Amatus lie, von dem Anblick bestrzt, den
Arm der Begleiterin aus dem seinen fallen und fhlte seine Lippe mit
tausend gierigen Kssen bedeckt. Der Mdchen-Kreis schlich spttelnd und
beschmt abseits, sie aber lachte laut als das Antlitz des Gekten
pltzlich in die frhere, abschreckende Form zurckschnellte. Sie lachte
zu frh.

O Himmel rief jetzt Amatus wie siehst Du aus? Was ist meiner Amanda
begegnet? Welcher schadenfrohe Zauberer hat Dich Arme in einen Spiegel
verwandelt der mein abstoendes Ebenbild zurckwirft? Erblassend warf
Amanda einen Blick in den Bach der zu ihren Fen wallte, und sank
bewutlos an ihm nieder, denn Amatus hatte Recht.

Ermahne Dich! bat er, als das frische Wasser mit dem er die Verwandelte
bespritzte, sie aus dem Scheintod des Entsetzens erweckte Wir wollen
nun recht glcklich seyn! Mir ist aus der Gtterlehre bekannt wie es dem
Hlichen erging als es sich mit dem Schnen vermhlt hatte, und welche
Rolle dem armen Vulkan an der Seite der Liebesgttin zu Theil ward.
Dieser Sorge seh ich mich jetzt auf immer berhoben und Ergebung in das
unbeugsame Schicksal wird Amanden in meinen Augen viel reitzender als
vorhin machen.

Die Unglckliche beweinte jetzt ihr thrichtes Beginnen und fast ging
ihr der doppelte Verlust ihres schuldlosen Freundes mehr noch als der
eigene, verschuldete zu Herzen. Der Brutigam aber war nie frhlicher
gewesen und die junge Frau bereits seit Jahr und Tag mit dem Schicksal
vershnt, als ein engelschnes Kind sie fr das mannigfache, aus dem
Verkehr mit der Fee erwachsene Unheil entschdigte. Kaum hatte Amanda
den Kleinen an ihr Herz gedrckt als sie pltzlich wieder schner denn
je ward; kaum neigte sich der gerhrte Gatte zu dem Engel nieder als ihm
dasselbe wiederfuhr. Das liebende Paar umarmte sich, still entzckt,
ber dem Kinde und ich Ungeliebte bitte die gtige und weise Balsamine,
da sie meine gndigen Frauen sowohl als diesen kleinen Fee-Sohn in
ihren freundlichen und mchtigen Schutz nehme.

Allerliebst! sprach Auguste und Dir bescheere sie einen Amatus.

Hermine, die zu schlummern schien, richtete sich pltzlich auf und
sprach -- Es ist nicht gut da Ihr es wagtet mich so pltzlich, so ohne
alle Vorbereitung zu erfreuen. Aber, warum zaudert Er denn? Fhrt ihn
doch nher -- Her an mein Herz! Ach, Du Geliebter!

Auguste und Therese sahen sich betroffen an und nach der Thre hin an
der Herminens Augen fest hingen, dort aber lie sich nichts erblicken
und die Kranke sank mit geschlossenen Augen in das Kissen zurck.




                     Drey und zwanzigstes Kapitel.


Hermine hatte in den folgenden Abenden genau um dieselbe Stunde dieselbe
Vision und versank darauf jedes Mahl in einen tiefen Schlaf, ohne sich
beym Erwachen des Vorgangs bewut zu seyn. Augusten fate allgemach das
Grauen, wenn die bleiche Dulderin oft mitten unter traulichen Gesprchen
nach irgend einem dunkeln Winkel des Zimmers hinwies und getuscht von
Sehnsucht und Phantasie den Gatten ihres Herzens im leeren Raum sah. Der
Arzt verschrieb, demonstrirte, trstete und unterhielt die Damen mit
hnlichen Beyspielen die sie immer noch furchtsamer machten und Therese
kehrte bereits in der Stille zu dem verworfenen Glauben an die
Mglichkeit sogenannter Ahnungen zurck und sah von Tage zu Tage einer
Trauerpost entgegen.

Eben nahte sich der Zeiger eines Abends der Geister-Stunde als Hermine
die Schlummernden mit angsthafter Stimme bey ihren Nahmen rief und sie
bat die Gartine des Fensters aufzuziehen, denn es hat setzte sie unter
Schauern hinzu zu wiederhohlten Mahlen leis' und seltsam an die Scheibe
geklopft. Beyde Freundinnen eilten an ihr Bett hin, sprachen ihr zu und
hrten beyde jetzt an der bezeichneten Sttte dasselbe Klopfen.

Ich wache schon seit einer Stunde entgegnete Hermine bin ohne Fieber
und habe mit Entsetzen, leise, klgliche Seufzer vernommen, die dem
Klange der Scheibe vorangingen. Frchtet Ihr Euch so ruft die Wrterin,
denn da ein Mensch oder ein Geist vor ihm lauscht, ist auer Zweifel.
Die Wrterin, welche in der offen stehenden Kammer schlief und von dem
Gesprch erwacht war, kam jetzt herein, glaubte, vertraut mit Herminens
Zustand, die Kranke durch Erfllung ihres Willens zu beruhigen, zog die
Gardine rasch empor und fuhr mit einem Angst-Geschrey zurck. Ohnmchtig
sank Auguste am Bette nieder, Therese verbarg ihr Gesicht in den Kissen
der Schwester, Hermine aber wendete sich erbleichend nach der Wandseite
und lispelte -- Er hat vollbracht.




                     Vier und zwanzigstes Kapitel.


Julius eilte inde mit Pssen einer neutralen Macht und geltenden
Empfehlungen ausgerstet, nach der Grenze und traf in Straburg auf
einen Officier von dem Gefolge des Obersten, der in jenen strmischen
Tagen auf der Wessenburg sein tglicher Gesellschafter war. Er ging so
eben, dem Tod entronnen, zur Armee zurck, erzhlte ihm, da der
unglckliche Oberste die humane in Feindes Land gebte Schonung mit dem
Leben habe bezahlen mssen, da er selbst nur durch Zufall demselben
Schicksal entgangen, und da der Entschlu, sich einem Freund zu Liebe
in den Strudel dieser tobenden See werfen zu wollen, mehr als tollkhn
sey. Der Officier schilderte ihm das Reich der Schrecken mit so
lebhaften Farben, verhie ihm den gewissen Tod mit so reger Zuversicht,
stellte ihm die Nutzlosigkeit dieses Wagstcks so klar vor Augen, da
Julius die Erfllung der Pflichten gegen sich selbst, jeder entferntern
vorzog. Er kehrte frs erste zu seiner Schwieger-Mutter zurck, welche
wieder auf der Wessenburg hauste, die zufolge geschlossener Vertrge
jetzt auf neutralem Gebiete lag, unterrichtete Augusten schriftlich von
der Vergeblichkeit seiner Bemhungen und von der Nothwendigkeit, die
gehuften, durch den Krieg verstrten Angelegenheiten der Baronin in
Ordnung zu setzen.

Vergebens hatte er bey jenem Zusammentreffen mit dem feindlichen Freunde
nach Woldemars Schicksal geforscht, denn der Officier war kaum
freygesprochen, als er ohne Zgerung auf das Feld der Ehre zurckeilte.
Er wute nur, da es der schnen Frau von Wessen, kraft ihrer Reitze,
ihrer Geistes-Gegenwart und Gewandtheit gelungen sey, den Blutdurst der
Richter in milde, menschliche Schonung zu verwandeln, und da man sie
zugleich mit jenem auf freyen Fu gesetzt habe.




                     Fnf und zwanzigstes Kapitel.


Julius fand bey seinem endlichen Eintritt in Herminens Asyl, Theresen in
Thrnen, seine Auguste der weien Rose gleich und die Kranke noch
bettlgerig. Jene sah nicht ohne tiefen Schmerz, die theure vielgeliebte
Schwester allmhlig vergehen, diese sah den Freuden der Mutter entgegen,
Hermine duldsam und ergeben in das offene Grab. Der Geist des Geliebten
war seit jenem Abend gewichen, selten nur gedachte sie seiner und auch
dann nur wie die Erinnerung eines lngst verschiedenen Jugend-Gespielen
gedenken mag. Auguste hatte nach dem Ergusse der ersten Begrssungen
nichts wichtigeres als ihren herzgeliebten Gatten von allem was sie hier
erfuhr, empfand und leistete, von Herminens Zustand und der Erscheinung
jener Nacht zu unterhalten. Welchen Zuwachs fuhr sie fort meine
natrliche Bnglichkeit unter diesen Eindrcken und Umgebungen erleiden
mute und unter welchen Empfindungen ich in jener Schreckensstunde nach
der Gardine hinsah, wirst Du selbst fhlen. Aber denke Dir auch jetzt
mein Entsetzen, als der Vorhang nun aufrauschte und ein bleiches
Gespenst durch die Scheibe sah. Der Sturmwind hob ihm die verwilderten
Haare gen Berge, sein Sthnen zerri mein Ohr, mein Auge ward von
bekannten Zgen festgehalten und als ich der Sinne wieder mchtig ward,
hatten die Bedienten bereits den Garten durchsucht, hatten ein halb
erstarrtes, in Lumpen verhlltes Schreckbild unter dem Fenster
aufgefunden, und den Unglcklichen in das Gewchshaus gesperrt. Noch lag
Hermine sprachlos da und zeugte zu der Kirche hin. Wir sandten nach dem
Geistlichen. Er hrte mit Erstaunen was uns begegnet sey, vernahm die
Bedienten, lie sich in das Gewchshaus fhren und bereitete mich nach
der Rckkehr aus diesem, auf das Daseyn meines todt geglaubten,
beweinenswerthen Bruders vor, den er sofort fr den Augenblick bey sich
aufnahm. Julius fate voll Erstaunen ihre Hnde. Eine Wunde fuhr
Auguste fort deren Narbe sich ber die Scheitel bis in den Nacken
hinabzieht, ist die wahrscheinliche Quelle seines Wahnsinns, denn bis
jetzt nur wenig lichte Augenblicke unterbrachen. Er vertraute dem Pastor
whrend eines solchen, da er schon halb begraben, durch das Mitleid
einer Buerin gerettet, geheilt, in das Innere Frankreichs abgefhrt
worden sey; da ihm der heilige Gregor erschienen, ihm zur Flucht
behlflich gewesen sey; da sein Aussehn, sein Zustand und das Geleite
des Heiligen ihm den Weg gebahnt habe. Er will zuerst auf der Wessenburg
gewesen, dort nicht eingelassen worden und von den Hirten hierher
gewiesen worden seyn. Auch hier fertigt der Grtner den sinnlosen,
scheinbar wilden Mann vor der Thr ab, er aber steigt bey Nacht ber die
Garten-Mauer, schleicht zu dem erleuchteten Fenster hin und veranlat
die schrecklichste aller Scenen.

Gern, ach, gern setzte die Baronin unter herzlichen Thrnen hinzu wr
ich lngst an seinen Hals geflogen und htt' ihm die gesuchte, lang
entbehrte Schwester finden lassen, aber der Pastor gestattet es nicht
und besteht auch darauf, die Mutter in dem Glauben an seinen Tod zu
erhalten. Darum verschob ich die Mittheilung dieser erschreckenden
Neuigkeit bis auf Deine Herkunft, und Du wirst Dir nun leicht erklren
knnen warum wir, trotz des Dranges Deiner Geschfte, und der
Triftigkeit Deiner Grnde auf dieser bestanden.

Julius sumte nicht, sich von dem Daseyn eines so merkwrdigen als
Schrecken erregenden Verwandten zu berzeugen, fand ihn tief im Stroh
vergraben das er dem einladendsten Bette vorzog und den Leibes- wie den
Seelen-Arzt an seiner Seite. Jener erklrte ihn, kraft den Folgen der
Wunde welche das edlere Gehirn verletzt habe, fr unheilbar, und man kam
berein, den Unglcklichen einer nahen Versorgungs-Anstalt zu bergeben.
Tief bewegt kehrte der Baron jetzt an Herminens Bett zurck die ihm mit
Innigkeit ihre brennende Hand reichte, ihm ihr liebliches Kind an das
Herz legte, und den Freund mit sen, tief eindringenden Worten bat, das
nahe Weihnachts-Fest in ihrem Hause zu begehen.

Gern will ich das! sprach Julius, ergriffen von Erinnerungen nur
geloben Sie mir auch dagegen, es mit Heiterkeit zu feyern, und Ihren
Gram in den Strom der ewigen Liebe zu versenken welche diesen Tag vor
allen zum Freudenfest weihte. Mit einem schmerzlichen Lcheln versetzte
sie Bald, theurer Julius, bald wird mich dieser Strom umfangen.




                     Sechs und zwanzigstes Kapitel.


Zugleich mit Julien war auch Woldemar auf freyen Fu gestellt worden.
Sie suchte ihn jetzt selbst in seiner Zelle heim und hrte nicht ungern
da Herr von Wessen whrend dem, die Aufmerksamkeit der Wchter und
Schildwachen getuscht und sich aus dem Staube gemacht habe. Woldemar
hielt der Lieblosen eine ausfhrliche Straf-Predigt. Er rieth ihr, sich
nun ohne Zgern um Psse zu bewerben und in die Arme ihrer
Schwiegermutter zurckzukehren, wo die Verkndigung der Existenz des
Sohnes, der vielleicht bereits auf dem Wege nach der Heimath sey, der
verlohrnen Tochter eine gnstige Aufnahme verschaffen werde; sie aber
setzte sich auf seinen Schoo und sprach --

Da sey Gott fr, da ich einem Verrckten nachziehen sollte, dessen Hand
mir ein unglckliches Verhltni aufdrang; den die Erfahrung, da es
keine Rose ohne Dornen gebe, zu einem erklrten Widersacher machte und
der ber Verrath und Treulosigkeit schrie, wenn ich mich wohlwollender
zu den geistreichen, theilnehmenden Freunden als an den Schpfer der
Pein und der Zwietracht hinneigte. Ich bin wie ich bin, guter Woldemar,
und Liebe nur vermag die Flgel des flchtigen Sinnes zu binden, der
mich so oft schon durch den Himmel zur Hlle, und wieder empor trug.
Wollte das Gemth jeden wirklichen oder mglichen Unfall, das Herz jeden
Schmerz und jede Verirrung nach Wrden berechnen, betrauern und
festhalten, so wrde unser Auge vom Weinen erblinden, der Selbstmord
ansteckender als der Schnupfen und die Schwermuth der allgemeine
Charakter des Menschen-Geschlechts werden. Wer in der Narbe noch die
Wunde sieht, wird das Wundfieber nie verlieren, und nur der unntze
Rckblick auf vergangene Schrecken versteinerte Loths Ehehlfte. Ich bin
vergngt das Leben aus dem Sturme gerettet zu haben. Was er mir raubte,
verschlingt der Lethe; er ist vergessen.

Sie lchelten wo Mnner bebten entgegnete Woldemar und machten den
Tyger zum sehnschtigen Kinde. Aber nicht alle sind zhmbar und unser
Leben schwebt noch immer, nach wie vor, auf eines Haares Spitze.

So mg' es hinabfallen! ist doch dieses Stndchen noch unser. Willst Du
lachen oder weinen? Ich will es auch. Die frhern Rechte geltend machen?
Da sind meine Lippen. Ksse Dich satt, treuloser Brutigam, denn da Du
hienieden noch lachen und weinen und kssen kannst, ist ja mein Werk.
Ich habe Dich erlst von dem Uebel; komm, bete mich an. Errthend
wendete er das Gesicht von ihr ab, doch Julie schlang den Arm um des
Sprden Hals, strich das Haar aus seiner Stirn und gedachte jetzt der
schlaflosen Nchte, die ihr die Narbe dieser Stirn gekostet hatte;
gedachte der sen, berauschenden Situationen auf der Wessenburg, der
Blthen und der Frchte die sie dort in den Kranz seines Lebens webte.
Er aber wand sich aus dem Arm der Versucherin und sprach Bedauern Sie
den albernen Thoren, der nur das Achtungswerthe lieben kann, doch Blumen
die fr Jeden blhn, wie die benagte Frucht verschmht.

Julie sah ihn mit blitzenden Augen und glhenden Wangen an. Benagt?
Verschmht? fragte sie, schnell emprt. So bedaure denn auch das
Geschlecht das sich nie ungerochen verschmhen lie.

Ein Officier unterbrach sie; er forderte den Gefangenen vor die
Schranken des Ausschusses, um dort ber seinen geflchteten
Unglcks-Gefhrten Auskunft zu geben.




                    Sieben und zwanzigstes Kapitel.


Therese trat am Weihnachts-Abend mit dem Kind auf ihrem Arm an Herminens
Bett, und von des Kindes Arme sah ein Wachs-Pppchen auf die Mutter
herab. Das hat ihm der heilige Christ bescheert sprach die Schwester
ich fand es unter Deinen Papieren. Hermine verhllte pltzlich ihr
Gesicht. Das war die Papagena die ihr in jener Nacht sein Daseyn
verkndigte; das treue, prophetische Bild ihrer Zukunft, und jetzt
gleich ihr verblichen. Ein Reihentanz verloschener Erinnerungen schwebte
von dem Pppchen belebt, an ihrer Seele vorber. Sie gedachte des
Ueberraschenden _Er ist Dir nah!_ der bangen Betroffenheit, des sen
Schrecks, des magischen Schlages mit dem der Inhalt des Notenblatts ihr
Herz traf; der Thrnen die sie an dem seinen weinte, des himmlischen
Wahnsinns der aus des Lieblings Augen glnzte, von seinen Lippen flo,
durch seine Nerven schauerte -- Gedachte der nahmenlosen, unendlichen
Wonne, der ach, der nahmenlose Jammer folgte, zog jetzt das Kind zusammt
dem deutungsvollen Bild an ihre Brust und bedeckte sie beyde mit Kssen
und Thrnen.

Wenn ich bedenke fuhr sie gefater fort wie vor dem Jahre alles so
anders war! Der selige Onkel schenkte mir willkommene Dinge, drckte
mich liebend an die Brust und nannte mich ein Herzens-Kind. O, welch ein
Wechsel!

Der Wechsel erwiederte Therese erhebt uns, indem er uns niederbeugt.
Verklage Dein Schicksal nicht. Wie glcklich ist der Traurige dem noch
die Freundschaft weinen hilft; o wie beneidenswerth der Kranke an dessen
Bett die Liebe wacht. Sey gerecht und erheitere Dich. Sieh, wir
erschpfen alles fr diesen Zweck. Ist auch der Onkel todt, so soll es
Dir doch nicht an Gaben fehlen, wie dieser Tag sie mit sich bringt.

Herzliebste Schwester bat die Kranke Habe Geduld mit mir!

Wie sollt ich nicht! Du guter Engel? Meine Wohlthterin, meine
Schwester, meine Geliebte! Damit kte Sie tief bewegt Herminens Hand.
Die junge Baronin unterbrach die Vertrauten. Ihre Jungfern trugen einen
lichterreichen Tisch in das Zimmer und stellten ihn vor dem Bett der
Freundin nieder.

Auguste schlug in ihre Hnde. Schaut auf rief sie aus der heilige
Christ ist da, lat Euch bescheeren.

Die Kranke richtete sich lchelnd auf, lchelnd starrte ihr kleiner
Woldemar die Lichter an.

Frs erste sprach Auguste ein Hannswurst fr den Kleinen. Ganz meines
Mannes Ebenbild -- Und dann dies Jckchen, das ich fr ihn strickte, und
fr Dich Hermine dies gestickte Morgenkleid. Bey jedem Stich dacht ich
des sen Lchelns mit dem Du es empfangen wrdest. So lchle denn! ich
bitte Dich.

Helft mir heraus! bat Hermine ich mu es anprobieren. Die Freundinen
sahen sich verwundert an, und erstaunten als sie darauf bestand, ber
die Kraft-Aeuerung mit der die Kranke ganz im Widerspruch mit ihrer
Schwche dem Bett entschlpfte und auf Theresen gesttzt sich von
Augusten bekleiden lie. Endlich und zuletzt sprach diese hab ich auch
fr ein Spitzen-Hubchen gesorgt. O sieh, das lt Dir allerliebst.

Wenn sich der Reichthum erschpft hat fiel jetzt Therese ein so tritt
die Armuth bescheiden und verschmt herbey und opfert ihr Schrflein.
Verschmh es nicht! meine Haare sind es, in ein Halsband geflochten.
Doch wrde auch jedes einzelne zu einem Segen, sie wrden dennoch nicht
die Dankgefhle meines Herzens erschpfen. Hermine schlang es hastig um
ihren Hals und lie sich vor den Pfeiler-Spiegel fhren. Lange
betrachtete sich die Schweigende, und lispelte jetzt mit sinkender
Stimme -- Die Braut im Sterbekleide! Das Kind sah von dem Arm der
Wrterin an der erhabenen Gestalt der Mutter auf. Sie ergriff es. Hier
sprach sie zu den Freundinnen und legt' es in ihre Hnde. Hier habt
ihr ein Gegen-Geschenk. Mein kstlichstes! Ermattet wankte sie zum Sopha
hin.




                     Acht und zwanzigstes Kapitel.


Das Schicksal schien sich endlich an dem armen Gefangenen erschpft zu
haben. Ganz unverhofft erhielt Woldemar durch die Vermittlung eines
Gesandten, dessen Gemahlin seinem Hause verwandt war, die Erlaubni, auf
sein Ehrenwort nach Deutschland zurckzukehren. Er eilte nicht, er flog
ber den Rhein nach der Wessenburg, wo man ihn denn an Ort und Stelle
wies. Mitten in der Nacht dieses denkwrdigen Weihnachts-Abends
erreichte Woldemar das lang ersehnte Ziel. _Er ist Dir nah!_ rief der
Entzckte, sprang vom Pferde, sah die Fenster noch erleuchtet, die Thr
unverschlossen und suchte jetzt, um nicht durch die Gewalt der
Ueberraschung Unheil anzurichten, vergebens ein dienstbares Wesen auf.
Da strzte pltzlich eine verweinte Gestalt mit einem Kind in dem Arm
aus der nchsten Thr hervor. Woldemar drngte sie zurck.

Sie ists! rief er, den Vorsatz vergessend, hingerissen von dem
Zauberbilde der Erscheinung Du bist's! Das ist mein Kind! Er warf sich
zu des Mdchens Fen.

Unglcklicher! stammelte sie ich bin es nicht! -- Ich bin Therese!

Woldemar sprang empor. Aber Sie lebt! Sie ist hier! fiel er ein. Wo?
Wo find ich Sie und _Wie_? -- Das erweckte Kind schrie unter seinen
Kssen. Geben Sie die Hoffnung auf sprach Therese meine Schwester noch
in dieser Nacht zu sehn. Hoch ber der Wirklichkeit schwebt die
Phantasie und das Bild das jetzt vor Ihrer Seele steht wird dem
Originale schwerlich gleichen.

Ich wei entgegnete er was sie gelitten hat und bin auf den Anblick
eines Schattens gefat, denn die alte Baronin verwundete mein Herz durch
die Schilderung ihres Zustandes. Aber mein Hierseyn wird Wunder thun und
stnde sie schon mit einem Fu im Grabe, ich reie die Verscheidende
empor und hauche neues Leben in ihre Brust.

Ach, _Einer_ nur vermochte das und dieser einzige stieg gen Himmel.

Sie lebt! sie liebt! Sie harrt auf mich. O, eilen Sie, den Retter zu
verkndigen der alle Wunden heilen wird.

Ich fhle mich diesem Auftrage nicht gewachsen erwiederte Therese und
gehe, den Baron zu hohlen. Hier ist Ihr Kind. Verfahren Sie suberlich
mit dem Kleinen. Das Mdchen ging. Unter Schauern der Vaterwonne sah er
in des Knaben Augen. Sie glichen den Augen seiner Mutter die ihn so oft
im Innersten bewegten. Willkommen! sagten die Himmelreinen.

Jetzt regt' es sich im Neben-Zimmer. Der Sehnsucht Wellen drngten ihn:
er trug das Kind in seine Wiege, schlich zu der Thre hin und ffnete
sie, verstohlen, mit leiser Vorsicht. -- Da lag Hermine, brutlich
angethan, in dem Sopha: das Nachtlicht go seinen bleichen Schimmer ber
die Schlferin aus.

Mein Freund! Mein Woldemar! flisterte in diesem Augenblick eine Stimme
hinter ihm, er fhlte sich mit starkem Arm zurckgezogen und lag am
Herzen seines Julius.

So reizend versetzte Woldemar nach den ersten Begrssungen und wies
nach der halb geffneten Thre hin so magisch anziehend hab ich _Sie_
nie gesehn. O, weckt sie auf! Erweckt die Schlferin zum neuen Leben --

Vermcht ich das! sprach Julius mit zitternder, vom Schmerz erstickter
Stimme.

Du weinst? rief Woldemar Gott! Dein Gesicht entstellt der Schrecken --

Mir ist nicht wohl.

Nicht wohl? Und das wr' alles?

Mir bricht das Herz!

Um meinet willen? Wie?

Sie schlft. Du sagst es selbst -- Wohl schlft sie sanft und s -- Den
langen Schlaf! Ein Engel nur kann sie erwecken.

Woldemar starrte den Weinenden an und strzte laut aufschreyend zu der
Todten hin. Sie war noch lau, vor wenig Stunden hatte sie der
Nervenschlag getroffen.

Lichter! Lichter! rief er da ich sie sehe, da dies Heiligenbild sich
in mein Allerinnerstes versenke!

Therese schlich, auf Trostmittel sinnend, herbey, Auguste rang die
Hnde. Lat ihn toben sagte Julius lat ihn schreyn! Und zu dem
Vergehenden sprach er Ist es nicht trstlicher das Kleinod unsers
Lebens im Sarge als an dem Herzen eines Dritten zu finden?




                     Neun und zwanzigstes Kapitel.


Als Hermine von dem Spiegel, zu dem sie die letzte Anwandlung ihrer
Weiblichkeit hinzog, auf das Sopha zurckschlich, rieth ihr Auguste die
ungebten Krfte nicht ber die Gebhr zu versuchen, und beyde
versprachen diese Gedchtni-Nacht an ihrem Bette feyern zu wollen; die
Kranke aber schien, von jener traurigen Apathie erlst, sich wieder nach
dem Irrdischen zu sehnen, sich in dem edlen, idealen Gewande zu gefallen
und zog mit reger Lebenskraft die Freundinnen an ihre Seite.

Der Arzt, welcher jetzt seinen Abend-Besuch ablegte, erstaunte, Herminen
auer dem Bett und in diesem Anzuge zu sehn, fand sie jedoch viel besser
als am Morgen, ohne Fieber und in einer gemthlichen, ihm hchst
erwnschten Stimmung. Auch der Pastor kam, ihr zu dem Wiegenfest des
groen Dulders Glck zu wnschen, der jetzt ihr Trster und ihr Vorbild
war, erschrack nicht wenig sie im Familien-Kreise zu finden und
schpfte, gleich dem Arzt, von ihrem Aussehn und Benehmen getuscht,
neue Hoffnungen.

Als aber bald darauf die Stunde schlug, in welcher sie vordem das Bild
der Entflohenen in dem beschatteten Winkel des Zimmers sah, verfrbte
sich mit einem Mahl die Kranke, umfate krampfhaft Theresens Hals, als
sollte diese sie vor der gewaltigen Hand des Todes schtzen, und sank
entfesselt an die schwesterliche Brust. Freundschaft und Liebe bot
vergebens alle Mittel zu ihrer Belebung auf; Freundschaft und Liebe
drckte ihr endlich die sanften Augen zu und flocht ein Palmen-Reis in
ihre Locken. Sie ward in jenem Sterbekleide das ihr hienieden die grte
Freude gemacht hatte, von den Jnglingen des Dorfs zu Grabe getragen,
und als man den Sarg verschlo, sank Therese, welche bis dahin beyde
Mnner durch ihre Fassung beschmt hatte, bewutlos nieder und verfiel
in eine Gefahr drohende Krankheit. Sie sah sich fr die Quelle aller
jener unseligen Verhngnisse, fr die eigentliche Ursache des Todes
ihrer Schwester an und wrde ohne den mchtig erhebenden, trostreichen
Beystand des Predigers in unheilbare Schwermuth versunken seyn.




                          Dreyigstes Kapitel.


Wir wenden uns von diesen Trauer-Szenen um die Leidtragenden in eine
lichtere Zukunft zu begleiten. Auer dem bittern Gram ber eine Reihe
von Uebereilungen hatte auch die Geschichte seiner Gefangennehmung, der
Schmerz gekrnkter Ehre Woldemars Herz zerrissen und das Bewutseyn der
erschpften Pflicht reichte nicht hin eine Wunde dieser Gattung zu
bedecken.

Julius begleitete ihn bald nach Herminens Todtenfeyer in die Hauptstadt.
Er trat mit ruhigem, gefatem Muth dem Groll der Falschen, dem
Vorurtheil der Tuschbaren, dem Verfolgungs-Geist mchtiger Feinde
entgegen, beschmte diese und drang auf ein Kriegsrecht das ihn
freysprach und belobte. Die eben erfolgte Auswechslung der Gefangenen
berhob ihn der Rckkehr in die Nachbarschaft der Guillotine, welche
seitdem die Frau von Wessen bereits ein Dutzend Mahl zur Wittwe gemacht
hatte, und so kehrte denn Woldemar frey und vershnt mit dem Schicksal
auf Herminens Landgut zurck, das ihm der letzte Wille seiner verewigten
Freundin zugetheilt hatte.

Ihr kommt zur rechten Stunde! rief Auguste die jetzt ihrer Niederkunft
nahe war, den Freunden entgegen Wir drfen keinen Tag lnger sumen
nach Wessenburg, in die Arme der verlangenden Mutter zu eilen, und doch
ist der gute Rath hier eben sehr theuer. Therese kann, wie sich von
selbst versteht, nicht bey dem ledigen Manne bleiben und doch Keine von
uns es ber sich gewinnen das theuere Weihnachts-Geschenk der Hand einer
Wrterin zu berlassen.

Julius dachte bereits auf einen Vorschlag zur Gte, und zu dem Hauptmann
sprach Auguste Therese ist hergestellt. Er schwieg -- Sie blht wie
diese Frhlings-Blumen fuhr jene fort. Verwaist, und einsam steht sie
auf der Welt, geziert mit Reitz und Seelen-Gte, der Schwester Ebenbild,
die Erbin ihres Herzens und ihres Goldes. Genug versicherte sie mit
steigendem Eifer ich lege mein Haupt nicht sanft, mich eher nicht ins
Wochenbett, bis sie die Ihre ist.

Woldemar aber vernahm kein Wort dieser Rede, denn alle Schrecken jener
Nacht hatten sein verletzbares Herz beym Anblick dieses Zimmers
berfallen. Er starrte das Sopha an, auf dem sie damahls, lieblich
geschmckt von einem Tanz erschpft, zu ruhen schien und ihr lchelndes
Himmelsbild ber diesem, mit Flohr bekrnzt, umschlungen mit
Zypressen-Zweigen.

Wo sind Sie? fragte die Baronin und weckte den Trumer, denn eben trat
Therese mit seinem Kind auf ihrem Arm in's Zimmer. Er fuhr empor,
schritt auf sie zu und ri das holde Ebenbild der Todten mit einem
Klageton ans Herz.

Therese wurde roth. Gelobt sey der Genius rief er aus der mich durch
diesen Zauberspiegel tuscht. Zur Hlfte nur hab ich die theuere Braut
verlohren. Die schnere Hlfte lebt in diesen Zgen, sie lebt in diesem
Herzen, und ach, in diesem Kinde fort.

Zerbrich Dir den Kopf nicht lnger flisterte Auguste in des Gatten Ohr
es scheint als wolle sich das Auskunfts-Mittel ganz ohne unser Zuthun
finden.

Therese hatte inde ihr glhendes Gesicht an des Knaben Brust verborgen.
Wo warst Du denn? fragte die Freundin.

An _Ihrem_ Grabe sprach Therese der Abend ist so schn und der
Kirchhof mit Blthen bedeckt.

O, fhren sie mich hin! bat Woldemar meine Augen werden diese Blthen
bethauen.

Herzlich gern erwiederte sie und winkte Augusten, ihr zu folgen, doch
diese versagte lchelnd die Gewhrung, hing sich an ihres Gatten Hals
und hielt auch den zurck.

Der Gottes-Acker stie an den Garten, eine Thre verband sie. Hoch ber
alle ragte das Grab seines Lieblings unter der Linde. Die Stimme der
Schlferin schien aus dem Dunkel des sanft bewegten Laubes zu flistern,
ihr freundlicher Geist ihm in den wallenden Halmen des Hgels zu nicken.

O ewige Liebe rief er aus nur hier kein Ende! Nur dort kein Grab!

Inniger drckte Therese den Knaben ans Herz, sah tief bewegt in die
sinkende Sonne und sagte So starb sie!

Woldemars Stimme lockte die Seele der Sinnenden zu dem Grabe zurck.
Meine Zukunft sprach er soll eine fortwhrende Todten-Feyer seyn.

Am sichersten erwiederte sie wird ein reines, sittlich schnes Leben
diesen heiligen Schatten vershnen.

Wer leitet mich zur ebenen Bahn? fragte der Weinende Therese
antwortete Das Schicksal der Dulderin!

Woldemar sah ihr in's Auge. Wehmuth und Sehnsucht, Anmuth und Liebe
begegneten sich im stummen Wechselspiel der Blicke. Hermine sprach er
starb an Deinem Herzen. La mich an ihm genesen und diese Hand geleite
mich!

Therese drckte voll Innigkeit die seine, und wie im letzten Augenblick
Hermine sie umfing, so umfing jetzt Woldemar die Braut auf ihrem Grabe.




Anmerkungen zur Transkription


Die variierende Schreibweise des Originals wurde weitgehend beibehalten,
ebenso die teilweise ungewhnliche Platzierung der Anfhrungszeichen.

Anstatt des Namens Julie steht gelegentlich Juliane.

Offensichtliche oder sinnentstellende Fehler wurden korrigiert wie hier
aufgefhrt (vorher/nachher):

   [S. 16]:
   ... ihren Hubchen. ...
   ... ihrem Hubchen. ...

   [S. 20]:
   ... Wolken des tiefen, land genhrten Unmuths ...
   ... Wolken des tiefen, lang genhrten Unmuths ...

   [S. 23]:
   ... dieses Receptes. Auguste blttert in ...
   ... dieses Receptes. Auguste bltterte in ...

   [S. 34]:
   ... hatte sich den doch, trotz dem Heere ...
   ... hatte sich denn doch, trotz dem Heere ...

   [S. 51]:
   ... in seinem Diensteifer verbraucht hatte und ...
   ... in seinem Diensteifer verbracht hatte und ...

   [S. 53]:
   ... General-Marsch geschlagen, den kein Augenblick ...
   ... General-Marsch geschlagen, denn kein Augenblick ...

   [S. 58]:
   ... in ihren eigenen Schlafzimmer an, gesellte ...
   ... in ihrem eigenen Schlafzimmer an, gesellte ...

   [S. 58]:
   ... bey und verschlo die bewute Tapaten-Thr. ...
   ... bey und verschlo die bewute Tapeten-Thr. ...

   [S. 63]:
   ... und so ward er den angenommen. ...
   ... und so ward er denn angenommen. ...

   [S. 63]:
   ... Nahmen schrieb, vergebens einer Anwort auf ...
   ... Nahmen schrieb, vergebens einer Antwort auf ...

   [S. 63]:
   ... seine dringende, Herminens Ehre rettend ...
   ... seine dringende, Herminens Ehre rettende ...

   [S. 69]:
   ... dringt auf eine Theilung der Erbschnft, ...
   ... dringt auf eine Theilung der Erbschaft, ...

   [S. 95]:
   ... Ptzlich entstand eines Morgens groer ...
   ... Pltzlich entstand eines Morgens groer ...

   [S. 98]:
   ... an diesem Herzen alle wilde Wnsche des meinen ...
   ... an diesem Herzen alle wilden Wnsche des meinen ...

   [S. 99]:
   ... Julie ward vor dem Augen des Erwachenden ...
   ... Julie ward vor den Augen des Erwachenden ...

   [S. 112]:
   ... Stimme mehr als ich je verguten kann; ...
   ... Stimme mehr als ich je vergten kann; ...

   [S. 121]:
   ... die eine nach ihren Tuch, die andere kichert ...
   ... die eine nach ihrem Tuch, die andere kichert ...

   [S. 124]:
   ... goldenen Locken, formte sich die vieleckige ...
   ... goldenen Locken, formte sich der vieleckige ...

   [S. 132]:
   ... an ihm nieder, den Amatus hatte ...
   ... an ihm nieder, denn Amatus hatte ...

   [S. 134]:
   ... gut da Ihr es wagte mich so pltzlich, so ...
   ... gut da Ihr es wagtet mich so pltzlich, so ...

   [S. 138]:
   ... zur Arme zurck, erzhlte ihm, da der unglckliche ...
   ... zur Armee zurck, erzhlte ihm, da der unglckliche ...

   [S. 146]:
   ... Ich bin wie ich bin, guter Woldmar, ...
   ... Ich bin wie ich bin, guter Woldemar, ...

   [S. 146]:
   ... oder mglichen Unfall, da Herz jeden ...
   ... oder mglichen Unfall, das Herz jeden ...

   [S. 151]:
   ... erheitere Dich. Sie, wir erschpfen alles ...
   ... erheitere Dich. Sieh, wir erschpfen alles ...

   [S. 152]:
   ... bestand, ber die Kraft-Aeuerug mit ...
   ... bestand, ber die Kraft-Aeuerung mit ...

   [S. 159]:
   ... diese Gedchni-Nacht an ihrem Bette feyern ...
   ... diese Gedchtni-Nacht an ihrem Bette feyern ...






End of the Project Gutenberg EBook of Der Weihnacht-Abend, by Gustav Schilling

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER WEIHNACHT-ABEND ***

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violates the law of the state applicable to this agreement, the
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including legal fees, that arise directly or indirectly from any of
the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this
or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
Defect you cause.

Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of
computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
from people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
www.gutenberg.org



Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
volunteers and employees are scattered throughout numerous
locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
date contact information can be found at the Foundation's web site and
official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:

    Dr. Gregory B. Newby
    Chief Executive and Director
    gbnewby@pglaf.org

Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment. Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements. We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations. To
donate, please visit: www.gutenberg.org/donate

Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
freely shared with anyone. For forty years, he produced and
distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search
facility: www.gutenberg.org

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including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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