Project Gutenberg's Die unheilbringende Krone, by Ferdinand Raimund

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Title: Die unheilbringende Krone
       oder Koenig ohne Reich, Held ohne Mut, Schoenheit ohne Jugend)

Author: Ferdinand Raimund

Posting Date: September 20, 2012 [EBook #7860]
Release Date: April, 2005
First Posted: May 26, 2003

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE UNHEILBRINGENDE KRONE ***




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Die unheilbringende Krone
oder
Knig ohne Reich, Held ohne Mut, Schnheit ohne Jugend

Ferdinand Raimund

Original-tragisch-komisches Zauberspiel in zwei Aufzgen



Personen
Lucina, Schutzgttin von Agrigent.
Hades, Frst der Unterwelt.
Thanatos, Genius des ewigen Schlafes.
Lulu und Fanfu, Genien.
Tisiphone, Megra und Alecto, Furien.
Kreon, Knig von Agrigent.
Phalarius, Feldherr.
Antrogus, Unterfeldherr.
Androkles und Clitonius, Hauptleute des Phalarius.
Octavian, ein Landmann.
Ein Jger von des Phalarius Gefolge.
Simplizius Zitternadel, ein armer Dorfschneider.
Ewald, ein Dichter.
Riegelsam, ein Weinhndler.
Heraklius, Frst von Massana.
Hermodius, sein erster Minister.
Thestius, ein edler Massanier.
Arete, seine Nichte.
Adrasto, erster Diener des Tempels.
Epaminondas, Hypomedon, Argos und Sillius, Massanier.
Eine Frau von Massana.
Ein Diener des Thestius.
Dardonius, Frst von Kallidalos.
Olimar, Astrachan, Abukar und Nimelot, Bewohner von Kallidalos.
  Aloe.
Atritia, ihre Nichte.
Erster, Zweiter und Dritter Geist des Orkus.

Genien.  Geister.  Erscheinungen.  Edle und Krieger
von Agrigent.  Jagdgefolge.  Volk von Massana.
Krieger.  Hflinge und Volk von Kallidalos.
Priesterinnen im Venustempel.



Erster Aufzug.

Erste Szene.
(Finsterer Wald.)

Im Hintergrunde links ein gigantischer Fels, mit einer durch ein
ehernes Tor geschlossenen Hhle.  Neben der Pforte stehen mit Fackel
und Dolch bewaffnet die zwei Eumeniden Tisiphone und Alecto, aus
Stein gehauen.  Megra, die dritte, ist ber derselben in sitzender
Stellung angebracht.  Die Pforte ist symbolisch verziert, neben ihr
ein steinerner Opferaltar.  In der Tiefe der Bhne ein See, von
rauhen mit Bumen bewachsenen Felsen umschlossen.  Im Vordergrund
rechts ein Gebsche.  Donner murmelt durch den in weiter Ferne
erschallenden


Jubelchor.
Wie des Adlers Kraftgefieder
Seinen Leib zur Sonne trgt,
Fliegen aufwrts unsre Lieder,
Durch der Freude Schwung bewegt.
Glcklich, wie in Himmelszonen,
Von der Erde Leid getrennt,
Stolz die ew'gen Gtter thronen,
Herrsch' Kreon in Agrigent.


Phalarius (tritt mit wild zurckschauenden Blicken hastig ein, er
trgt ein Pantherfell ber dem Rcken und ist mit Bogen und Pfeil
bewaffnet).
Bin ich denn noch nicht weit genug gezogen,
Verrterische Stadt, die mich betrogen?
Wird auch des Waldes dstre Einsamkeit
Durch deines Jubels frechen Schall entweiht?

(Die letzten Worte des Jubelchores erklingen wieder:
"Herrsch' Kreon in Agrigent."

Herrsch' nur Kreon, Volk, jauchz' die Kehle wund,
Ihr zwingt das Glck zu keinem ew'gen Bund.
Prahlt, Lgner, mit der Kron', die ich erkmpft,
Da nur mein Mut des Krieges Glut gedmpft.
Mich lat aus Undank meinen Purpur weben,
Ihn frben mit dem ausgestrmten Leben.
Das ich vergeudet am ersiegten Strand,
Den Lorbeer brechend mit der blut'gen Hand.
Glaubt ihr, ich hab' fr Agrigent gestritten,
Damit der Rat, nach ungerechten Sitten,
Das Reich verkauft an den unmnd'gen Knaben,
Auf das nur ich ein wahrhaft Recht kann haben?
Denn ist er auch dem Thron verwandt durch Blut,
Bin ich es wrd'ger noch durch Heldenmut.
Ich glaub' nicht, was des Tempels Diener sagten,
Als schlau sie Jupiters Orakel fragten,
Ob mir, ob wohl Kreon das Reich gehrt;
Es hab' der Gott sich donnernd drob' emprt,
Da ich's gewagt, als meiner Siege Lohn,
Zu fordern Agrigentens goldnen Thron,
Und ausgesprochen unter ew'gen Blitzen;
"Ich drfe nie ein Reich der Welt besitzen,
Und Agrigent kann dann nur Glck erringen,
Wird auf dem Thron Kreon das Zepter schwingen."
So logen sie, als ich zurckgekehrt,
Aus blut'ger Schlacht zum heierkmpften Herd,
So logen sie, von aller Scham entwhnt,
Als Siegesdank fand ich Kreon gekrnt.
Da auen ich des Landes Feind bekriegt,
Hat eigner mich im Innern hier besiegt.
Drum will ich fliehn aus dir, verhates Land,
Doch nimm den Schwur als druend Unterpfand,
Da ich noch einmal zu dir wiederkehre,
Zu rchen die durch Trug geraubte Ehre.

(Will ab und erblickt entsetzt der Rachefurien Hhle.)

Ha, welch ein Pfad hat mich zu euch geleitet,
Blutlose Schwestern, die ihr stets bereitet,
Als der Vergeltung grauenvolle Brgen,
Gewalt'ge Snder dieser Welt zu wrgen.
Euch fordr' ich auf, an euch will ich mich wenden,
Sprengt auf das Tor mit den entfleischten Hnden,
Reicht mir ein Schwert, mich an der Welt zu rchen,
Die mich verhhnt, und ihren Bau zu brechen.

(Frchterlicher Donnerschlag, der verrollt; die Pforte drhnt und
erzittert, dann leuchten schwache Blitze auf das Gebsche rechts,
das sich in der Mitte auseinanderteilt.  Man erblickt darin Hades,
in Lumpen gehllt, mit bleichem Antlitz auf einem Steine sitzen, er
hat einen Sack ber dem Rcken hngen.)



Zweite Szene.
Phalarius und Hades.
(Hades grinst Phalarius an, der ihn mit Entsetzen betrachtet.)


Phalarius.  Welch ekliche Gestalt, wer bist du?

Hades (mit etwas hohler Stimme, lauernd und gezogen).  Ich?

Phalarius.  Bist du der Rachefurien eine?  (Starr.) Sprich!

Hades (langsam aufstehend, er geht gebeugt und spricht langsam im
hohlen Tone).
Bin keine von den Rachefurien,
Kann selbst kaum mehr auf morschen Knochen stehn;
Bin nicht Tisiphone, Megr', Alecto,
Nein, nein, ich bin,--vergib,--mich schauert so.

Phalarius.  Du kannst nicht ganz der Erde angehren,
Du knntest sonst den schnen Glauben stren,
Da nach dem hohen Gtterbild des Zeus
Der Mensch geformet sei durch Prometheus.

Hades.  Nicht ganz ist mehr die Erd' mein Vaterland,
Tief unten ruft es mich am styg'schen Strand;
Harpyen, die wie Nachtigallen klagen,
Verknden, da die Furien um mich fragen.

Phalarius.  Hast du so bs gehaust in dieser Welt,
Da dir im Enden jeder Trost nun fehlt?
Bist du so arm, da dich Verzweiflung fat,
Und hast wohl einst im bermut geprat?

Hades.  So ist es, du hast furchtbar wahr gesprochen,
Doch jetzt ist meines Glckes Stab gebrochen;
Viel hab' ich einst auf dieser Erd' besessen,
Geliebt ward ich, ich werd' es nie vergessen,
Doch jetzt bin ich gehat, bin unbeweibt,
    (Weinend.)
So arm, da mir nichts mehr, als eine Krone bleibt.

Phalarius (nach einer Pause des Erstaunens).
Was sprichst du, eine Kron'?  Wahnwitzig Tier!

Hades.  Willst du sie sehn?  ich trage sie mit mir.
(Mit strkerer Stimme.)
Ich schenk' sie dir, willst du's mit ihr versuchen,
Ich hrte dich vorher um eine Krone fluchen,
Doch trgst du sie, legst du sie nimmer ab,
Sie bleibt dem Haupte treu bis an das Grab.

Phalarius.  Was ntzt die Krone mich, nenn' mir ihr Reich.

Hades (stark).  Die Welt!--Hast du genug?--Was wirst du bleich?

Phalarius.  Soll ich's nicht werden?  Mich befllt ein Grauen,
Wer kann in solchen Riesenhimmel schauen,
Die Erd', so weit sie reicht, unendlich Bild,
Hat nie die Neugier eines Augs gestillt.
Entflieh, verla mich, trgerischer Geist,
Der Hlle gibt, da er zum Himmel weist.
Zeig' her die Kron', wenn du mich nicht geneckt.

Hades.  In meinem Bettelsack ist sie versteckt;
Dem Drachen gleich, der in der Hhle kauert,
Auf fette Beut' mit gift'gem Zahne lauert.

Phalarius.  Ein Diadem in eines Bettlers Tasche?

Hades.  In schlichter Urn' ruht knigliche Asche.
    (Mit erhobener Stimme.)
Durch diese Kron', ruht sie auf einem Haupt,
Wird dem, der sie erblickt, des Mutes Kraft geraubt.
Ja, ihr Besitzer darf nur leise winken,
Wer sich ihm naht, mu huld'gend niedersinken.
Es wird der Baum, mit ppig grnen Zweigen,
Sein duftend Haupt vor dieser Krone neigen;
Des Waldes Tiere werden bang' erzittern
Und heulend sie in weiter Ferne wittern.
Was er befiehlt, mu streng' vollzogen werden,
Und keiner lebt, der sie entwenden kann auf Erden.
Selbst wenn er schlft, die sorgsam stille Nacht,
Geschlonen Aug's, ihr Eigentum bewacht.
Kein Speer, kein Dolch, kein Pfeil kann ihn erreichen,
Der Krone Macht wird nur dem Mondlicht weichen;
Solang sie dies bestrahlt, ist er verloren,
Und jedes Feindes Schwert kann ihn durchbohren.
Solch Glck bringt dieser Reif und solches Bangen;
Nun sprich, trgt deine Herrschsucht noch nach ihm Verlangen?

Phalarius.  Den Sturm vershn' durch eines Schiffes Wrack,
Golkondens Schatz verbirg im Bettelsack,
Dem Pfeil befiehl, er soll den Rckweg nehmen,
Des tna Glut verhindre auszustrmen,
Nur mich bered' nicht, von der Kron' zu lassen,
Gib sie heraus, sie mu das Haupt umfassen.
    (Legt den Helm ab.)

Hades.  Wohlan, schau' nicht zum Himmel, blick' zur Erde,
Sie fleht dich an mit jammernder Gebrde;
    (Er nimmt die goldene Krone aus dem Sacke, aus dem Feuer strmt,
     ferner Donner.)
Doch hr' ihr Wimmern nicht, reich' mir die Stirn',
Bleib stark, bewahr' vor Wahnsinn dein Gehirn.

(Er setzt ihm die Krone auf, frchterlicher Donnerschlag, kurze
Musik.  Die Bhne wird lichter.  Die Erde zittert, die Bume beugen
ihre Zweige, soda sie eine grne Kuppel ber Phalarius Haupt
bilden und sich im See spiegeln.)

Hades.  So, so, der Wald bebt vor dem Knigshaus,
Es huld'gen dir die Stmme reichbelaubt.

Phalarius.  Ist's Wirklichkeit?  Welch unnennbar Entzcken!

Hades (beiseite).
Sie wird die Stirn noch hei genug dir drcken.

Phalarius.  Ha!  Nun ist mein der hchste Schatz hienieden.
Sprich, Wurm, was kann zum Lohn ich dafr bieten?

Hades.  Brauch' nichts dafr, trag sie nur glcklich fort,
Wir treffen uns schon am Vergeltungsort,
Wenn weit geffnet deines Wahnes Grab,
Und du einst sprichst, wie ich gesprochen hab';
    (Weinend.)
Ich bin so arm, mir bleibt nichts als die Krone,
    (grimmig.)
Den Augenblick allein bewahr' ich mir zum Lohne.

(Schleicht ab, den Sack ber dem Rcken.)



Dritte Szene.


Phalarius (allein).
Geh, Lgengeist, nie werde ich so sprechen,
So denken nur wr' an dem Glck Verbrechen.
Nun fort, Phalarius, aus diesem Wald,
Damit dein Ruhm Sizilien durchschallt.
Doch kann ich baun auf dieser Krone Macht?--
Holla, wer schreitet durch des Waldes Nacht?



Vierte Szene.

Voriger.  Antrogus mit kniglichen Soldaten, welche mit Lanzen
bewaffnet sind.

Antrogus (von innen).  's ist Antrogus und des Knigs Wache.

Phalarius.  Willkommen, Speere, dienet meiner Rache.
Du, Antrogus, sollst der erste sein,
Den ich dem langverhaltnen Ha will weihn.

(Alles eilt auf Phalarius zu.)

Chor.
Du sollst nach Hofe kehrn, Phalar',
Der Knig will's--
(Die Krone erblickend und erschrocken zurckweichend.)
                               Ha, welch ein Stern,
Den ich auf deiner Stirn' gewahr'?
Er hlt mich drohend von dir fern.
Wie kann sein Anblick doch erschttern,
Mich reit's zur Erd' mit bangem Zittern,
Die Angst erpret den Ausruf mir;
Sei gndig, Frst,--ich huld'ge dir!

(Alle sinken bebend auf die Knie.)

Phalarius (wild lachend).
Ha, ha, was lt mir wohl Kreon befehlen?

Antrogus.  Blick' mild auf uns, dein Auge kann entseelen.
Es sendete Kreon nach dir uns aus,
    (Spricht mit beklemmter Brust.)
Dich heimzuleiten nach dem Frstenhaus,
Wo sich die Freude wlzt, Bachanten winken,
Dort sollst du reuig an die Brust ihm sinken
Und Abschied deinem dstern Grolle geben,
Dafr wird er zu neuer Wrd' dich heben.

Phalarius.  Verflucht sei der, der mir von Reue spricht!
    (Zieht sein Schwert und verwundet ihn.)
Bereue du, wenn dir das Auge bricht!
    (Antrogus wird in das Gebsch gefhrt.)
Verwahrt die Brust, mein durst'ger Stahl will trinken,
Er wird noch oft in Purpurscheide sinken.
Nun rafft euch auf und horcht auf mein Befehlen.
Ich will der Stadt ein Mrlein dort erzhlen;
Von einem Siegesfest, wo die Mnaden wten,
Der Sieger nur allein mu drau' im Walde brten.
Von mchtig strahlender Kron', die ihm der Orkus schenkt,
Von wt'gem Rachgefhl, das seine Waffe lenkt,
Von gldenem Palast am diamantnen See,
Wo Freudentaumel herrscht, nicht ahnend baldiges Weh.
Vom Brand, der ihn ergreift, vom grausen Angstgeschrei,
Von Kreons letzter Stund', verzweiflungsvoller Reu'.
Von Feinden waffenlos, die froh im Tanze schweifen,
Von Kriegern roh und wild, die sie wie Schergen greifen.
Vom glhenden Balkon, von dem man auf mein Winken
Sie wild frohlockend strzt, da sie im See ertrinken;
Dies Mrchen wollen wir der Stadt zum besten geben,
Und wenn sie drob' erbleicht, soll Frohsinn uns beleben.
Dann wird auf des Palastes schwarz gebrannten Trmmern
Der glnzende Pokal wie Sonnenaufgang schimmern,
Und unsre Fabel geb' zum Schlu der Welt die Lehre;
Da unbewachtes Glck nicht lang auf Erden whre.
    (Fr sich gemigter.)
Ich will das meine wahrn, mich sehe keiner fallen,
Und mt' es auch geschehn, mein Ruhm kann nie verhallen.
Ich ringe mit der Zeit, es mu nach tausend Jahren
Die Sage von der Kron' die Nachwelt noch erfahren.

(Alle ab, die Bume biegen sich abwrts.)



Fnfte Szene.


Lucina (schwebt schnell auf Rosenschleiern, die auf weien Wolken
ruhn, auf die Erde nieder, Angst beflgelt ihre Worte).
Was hrt' ich fr Flche im Hain hier ertnen?
Es beben die Lfte, die Felsen erdrhnen,
Hin brauset der Frevler durch waldige Nacht,
Zu liefern die grliche Hllenschlacht.
So mute auf Erden ein Bsewicht reifen,
Der's wagt, nach der schrecklichen Krone zu greifen.
Agrigent ist verloren, es jammert die Welt,
Wenn ihn nicht die Macht der Erinnyen fllt.
Was soll ich beginnen, ihr blutigen Stunden,
Zu strafen den Frevel, zu heilen die Wunden?
Er mu ja die grausame Tat erst vollstrecken,
Will ich hier die rchenden Furien wecken.
Nur Tod sprengt des Fatums gewaltige Ketten,
Drum mu ich das Leben des Knigs erretten.
Schon rennt durch die Straen der gierige Tro,
Es werde die Wolke zum flchtigen Ro.

(Die Wolke verwandelt sich in ein schwarzes Ro mit goldenem Zaum.
Lucina setzt sich schnell auf selbes.)

Nun, Rappe, nun magst du die Lfte durchschnauben,
Wir wollen den Mrder der Beute berauben.

(Das Ro fliegt pfeilschnell ab.)



Sechste Szene.

Hades (als Frst der Unterwelt, schwarz griechisch gekleidet, eine
schwarze Krone auf dem Haupte, eine Fackel in der Hand, die er in
den Opferaltar der Eumeniden steckt)
So, nun la die Jagd erschallen
Und die Jger nicht ermatten,
Da mir viele Scharen wallen,
Nach dem Reich der dunklen Schatten;
Denn ich hab's beim Styx geschworen,
Zu entvlkern diese Erd',
Drum hab' ich Phalar' erkoren,
Er ist dieses Auftrags wer.
Bald wird auch Massana fallen,
Wo ich Unglck hingebannt,
Lustig wird der Orkus hallen,
Wenn versinkt das stolze Land.
Von der kallidalschen Insel,
Wo mein ries'ger Eber haust,
Hr' ich jammerndes Gewinsel,
Da das Meer nicht berbraust.
Doch schon rtet sich der Himmel,
    (Man sieht Brandrte.)
Rauch wallt auf, die Zinne kracht.
Im Palaste wogt Getmmel,
Schnell hat er die Tat vollbracht.
    (Es rasselt donnernd die Pforte der Eumenidenhhle, Blitze
dringen durch die ffnungen.)
Halt, die Eumeniden rasseln
Auf von ihrem Rcherthron,
Wie sie donnernd nher prasseln,
Ihre Dolche zucken schon.
Ha, ihr sollt mir nicht zerstren
Meines Witzes Heldentum,
Ihr mgt seine Taten hren,
Eure Rache bleibe stumm.
    (Die Fackel ergreifend.)
Durch die Macht, die mir geworden,
Seit Saturn die Welt umflgelt,
Bleiben diese Schauerpforten
Ihren Furien versiegelt.
    (Er stt die Fackel dreimal gegen die Pforte, es zeigen sich
drei Flammensiegel.)
Durch dies Schreckenstor allein
Knnen nach der Erd' sie dringen,
Darum soll's verschlossen sein,
Mit dem Schicksal mu er ringen,
Ist, was ich gewollt, vollbracht,
Send' ich selber ihn der Nacht.

(Musik.
Schreckliches Geprassel und Geheul inner der Pforte, der See wird
hellrot und wogt frchterlich.)

Ha, wie sie emprt nun heulen
Und den See hier blutig frben;
Bleibt gefangen, gift'ge Eulen,
Nur im Mondlicht kann er sterben.
Doch ich seh' Kreon befreit
Mit Lucina niederschweben,
Er war schon dem Tod geweiht,
Sie betrgt mich um sein Leben.
    (Er tritt zurck.)



Siebente Szene.
Voriger.  Lucina und Kreon auf Wolken niedersinkend.  Kreon beugt
sein Knie vor Lucina.


Lucina.  Du bist gerettet, holder Frst, du lebst durch mich,
Des Landes Schutzgeist war's, der niemals von dir wich.

Kreon.  Es dankt mein klopfend Herz, mein Sinn vermag's noch nicht,
Da vor Erstaunen mir Erinnrung fast gebricht.
Wer bringt mein treulos Glck, ich straf' den Hochverrat,
Den es an mir und meinem Volk begangen hat.
O gleinerische Zeit, wer sollt' es von dir glauben,
Durch einen Augenblick kannst du uns alles rauben.
Minuten wissen's kaum, da mich das Elend fand.
War's denn Phalarius, der drohend vor mir stand?
Woher die Schreckenskron', mit der er frech geprahlt?
Und die mit mag'schem Schein den Brand noch berstrahlt.
Woher die Meuterei, wer herrschet nun im Land?
Ihr Gtter strket mich, es wanket mein Verstand,
Vor ihm bin ich gekniet, vor diesem Bsewicht!

Lucina.  Dein Rasen ist umsonst, die Gtter hren's nicht,
Siehst du dort den Altar, auf ihn leg' deine Klagen,
Die Nimmerruhenden magst du um Rat befragen.

Kreon.  So hrt mich denn, ihr mcht'gen Eumeniden!
    (Schlgt an die Tr, die erdrhnt.)

Hades (tritt hervor).
Vergebens rufst du sie, du strst nur ihren Frieden.

Kreon.  Wer spricht hier Worte aus, die Wahnsinn mt' bereuen?

Lucina (bebt zurck).
Erkennst du Hades nicht, den selbst die Gtter scheuen?

Kreon (bebt auch zurck).
Du, Hades, bist's?

Hades.                          Bin's selbst, der dieses Tor bewacht.


Lucina (Zu Kreon leise).
Er hat dich um dein Reich und um dein Volk gebracht.

Kreon.  Sind die Erinnyen taub, da sie sich noch nicht zeigen?

Hades.  Erkennt die Siegel hier, der Orkus heit sie schweigen.

Lucina (jammernd zu Kreon).
O armer Frst, Unmglichkeit heit dein Gebiet,
Aus dem die Hoffnung selbst mit banger Furcht entflieht.
    (Zu Hades.)
Ja, du verdienst, da Gtter dich und Menschen hassen,
Die Glut des ew'gen Pfuhls mu neben dir erblassen.
Doch jener blut'ge See bleib Zeuge deiner Wut!
Lucinas Gttermacht bewahret seine Glut,
Bis sich einst Jovis Bild in seinen Wellen spiegelt.
Und sein allmcht'ger Blitz die Pforte dort entriegelt.

Hades (mit Hohn).
O Gttin, hold und schn, wie magst du doch so wten,
Sieh deine Wundertat treibt neue Todesblten,
Mich schreckt nicht Zeus, drum sei dein See verflucht.
Und wer durch seine Flut den Durst zu stillen sucht,
Der wird von dieser Stund' die Menschenbrut verachten,
Und einem Tiger gleich nach ihrem Leben trachten;
Doch nur so lang, bis er so vieles Blut vergiet,
Als aus dem Wundersee sein durst'ger Mund geniet.

Lucina.  Halt ein, das geht zu weit, du nchtlich Ungeheuer,
Ist dir denn nichts auf dieser schnen Erde teuer?
Greif an den Himmel hin und raub' ihm seine Sterne,
Die Gtter selbst verjag' nach lichtberaubter Ferne,
Vernicht' auch mich, versuch's, raub' mir Unsterblichkeit,
Beginn den Kampf, fall aus, ich bin dazu bereit.
    (Sie stellt sich ihm mit majesttischer Miene gegenber.)

Kreon.  Was klagst du, Erde, noch, ist doch vom bsen Streit
Der weite Orkus nicht, nicht der Olymp befreit.

Hades (kalt und gleichgltig).
Du nennst unsterblich dich, durch Schmhung kannst du's sein.
Ich lasse mich mit dir in keinen Zweikampf ein.
Du bist ein Gtterweib, mehr braucht's nicht zu erwidern,
    (Mit vornehmer Nichtachtung.)
Das heit, du bist ein Weib und kannst mich nicht erniedern.

Lucina (mit hchster Wrde).
Ich bin's, und weil ich's bin, bebt stolzer mir die Brust;
Ich bin ein Weib!  des krft'gen Erdballs hchste Lust!
Ein Weib!  Um das der Brand von Troja hat geleuchtet.
Ein Weib!  Um das des Donnrers Aug' sich mild befeuchtet;
Ein Weib!  Vor dem sich tief ganz Persien gebeugt;
Ein Weib!  Das einst ein Gott aus seinem Haupt gezeugt;
Ein Weib!  Das durch die Welt der Liebe Zepter schwingt,
Der Lieb', die auch zu deinem Felsenherzen dringt.
Ein Weib!  Das deinen Arm durch einen Ku kann lhmen;
Das heit: du bist ein Mann und kannst mich nicht beschmen.

Hades.  In schnen Worten kannst du leicht den Preis gewinnen,
Doch nur durch Mannesgeist gelingt ein gro Beginnen.

Lucina.  Wohlan, so la uns nicht durch Elemente streiten,
Durch Flammen, Wogen, Sturm Verderben uns bereiten,
Gebrauchen wir des Witzes fein geschliffne Klinge,
Vielleicht gelingt mir's doch, da ich den Sieg erringe.

Hades.  Was qult dich doch die Lust, den Orkus zu bekmpfen?
Wie leicht wr's meinem Witz, den bermut zu dmpfen.

Lucina (schlau).
Wenn dies dein Geist vermag, warum will er's vermeiden?
Die Gtter mten dich um deinen Witz beneiden.
Glaub' nicht, da im geheim die Himmlischen dich achten,
Sie schmhn auf deinen Geist, den sie schon oft verlachten.

Hades (mit gereiztem Ehrgeiz).
So will ich dir und den Olympschen Gttern zeigen,
Da meine Schlauheit nicht sich ihrer List mu beugen.
Es soll dir mglich sein, die Furchtbaren zu wecken,
Doch was ich dir befehl', mut du genau vollstrecken.
Du kannst zu seinem Sturz die Eumeniden brauchen,
Lt du auf dem Altar ein dreifach Opfer rauchen;
Erst eine Kron', die eines Knigs Stirn geziert,
Der nie ein Reich besa, noch eins besitzen wird.
Dann einen Lorbeerkranz von eines Helden Haupt,
Der, wenn der Lorbeer rauscht, des Mutes ist beraubt.
Und doch verbt solch ungeheure Herkulstat,
Da ihm der Krieger Schar den Kranz geflochten hat.
Nun kommt das dritte noch, es ist ein Diadem,
Der Eitelkeit Triumph, da es selbst Juno nhm'.
Dies sei aus Myrthenblt' mit Lilienschnee verwebt,
Und ruh' auf einem Haupt, das sechzig Jahre lebt.
Ein hochbetagtes Weib, mit reich verschlungnen Falten,
Mu es fr ihren Reiz als Schnheitspreis erhalten.
Doch Mnner nicht allein, die Mitleid kann vershnen,
Es mssen Weiber sie mit neid'schen Blicken krnen.
Dies sind die Dinge nur, die ich von dir begehre,
Und findest du sie aus, dann glaub', da ich dich ehre.
Bring' sie zum Opfer hier, dann schmelzen jene Siegel,
Die Pforte donnert auf, gesprengt sind ihre Riegel,
Die Eumeniden frei, Phalarius kann fallen,
Und hr' ich sein Gesthn' am Acheron erschallen,
Dann nehm' die Kron' ich selbst von seiner blassen Stirn'
Und weihe dir beschmt, verachtend mein Gehirn.

Lucina.  Beim Zeus, ich bin erstaunt!

Kreon.   Sei nicht so grausam doch,
Da du die Mglichkeit belegst mit solchem Joch
Du willst den Flug und kettest unsre Flgel,
Du spornst den Gaul und engest seine Zgel.

Hades.  Sie hat's gewollt, ich ndre meinen Ausspruch nie,
Glaubt Ihr, der Hlle Sd zeugt keine Phantasie?
Hast du vielleicht gewhnt, Unsterblichste der Nymphen,
Es lasse Hades sich so ungerecht beschimpfen?
Ich bin, was du so schlau gefordert, eingegangen,
Doch bleibet unerfllt mein dreifaches Verlangen,
So sei's bei des Kozytus Trauerlauf geschworen,
Du wirst des Orkus Spott, und Kreon ist verloren.
    (Geht mit Wrde ab.)



Achte Szene.
Vorige ohne Hades


Kreon.  Verloren bin ich, ja, mein Sturz war schon vollendet,
Als sich sein Furienblick nach meinem Reich gewendet.
Das Rtsel ist nun klar, ich wei, wie es geschah,
Mein Unglck steht entlarvt und frech entkleidet da.
Was ist das Leben doch?  wie wr' ich zu bedauern,
Wenn ich nicht sterblich wr' und mte ewig trauern.

Lucina.  O traure nicht zu frh, mein Geist gebrt Gedanken,
Die ihn mit Hoffnungen wie Efeu grn umranken.
Die Gtter dulden's nicht, da solch' ein Reich vergeht,
Wo ein so edles Volk fr seinen Knig fleht.
    (Nachdenkend.)
Massanas Frst ist krank, und wird nicht mehr genesen,
Das Unglck haust zu arg, es mu das Land verwesen;
Dann hier der blut'ge See, das kallidal'sche Schwein,
Mein Wundermittel wirkt, es kann nicht anders sein.
    (Der Wolkenwagen sinkt wieder herab.)
Drum eile jetzt mit mir nach meinem Luftgefilde,
Vertausch' den Anblick hier mit einem schnern Bilde.
Ich will durch mag'sche Kunst ein Zauberlicht bereiten,
Dann such' durch Fremdlinge den Trug ich einzuleiten;
Du aber kannst hier nichts zu deiner Rettung helfen,
Drum harrest du auf mich im Kreise meiner Elfen.

Kreon.  So gern du, Gttin, magst nach deiner Heimat ziehn,
So schmerzlich fllt es mir, die meinige zu fliehn.
    (Mit tiefer Rhrung.)
O du mein teures Reich, ich mu mich von dir trennen,
Den rauhen Felsen nur kann meine Qual ich nennen.
Wo lebt ein Knig wohl, der solches Leid getragen,
Da seinem Volke er kein Lebewohl darf sagen?
O Echo, dessen Schall in allen Bergen tnt,
Verknd' das Trauerwort; leb' wohl, mein Agrigent.
Nun folg' ich Gttin dir ins traumbeglckte Land,
Verla mein wirkliches, aus dem man mich verbannt;
Doch wenn die Wolken mir mein treues Volk verhllen,
Wird sich des Knigs Aug' mit heien Trnen fllen.
Magst du den Schmerz als kleinlich auch betrachten,
Er ist ein heil'ges Weh, du darfst ihn nicht verachten.
    (Er kniet vor ihr.)

Lucina (gerhrt die Hand auf sein Haupt legend).
Ich ehre tief dein Leid, es fhrt dich einst zum Lohne,
Der Schmerz gehrt der Welt, drum trgt ihn auch die Krone.
    (Hebt ihn auf.)
Erhebe dich mein Frst.
    (lt ihn in den Wolkenwagen steigen.)
                                      Ein Thron soll dich
umrauschen.
    (Die Wolke bildet einen Thronhimmel um Kreons Haupt.)
Ist mir Fortuna hold, sollst du ihn bald vertauschen.

(unter zart klagender Musik schwingen sich beide langsam fort.)



Neunte Szene.
(Romantische Gegend.)

(Vorne links ein kleines Huschen mit einem Schilde, worauf eine
goldene Schere gemalt ist.  Diesem gegenber eine natrliche
Rasenbank, von einem Baum berschattet.  Die Musik geht nach der
Verwandlung in Simplizius' Ariette ber.)


Simplizius (in brgerlicher Kleidung).
Ariette.
          's gibt wenig, die so glcklich sind
Wie ich aus dieser Welt,
Ich hab' kein Weib und hab' kein Kind,
Und hab' kein' Kreuzer Geld.
Wenn ich auch keine Schulden htt',
Ich wt' vor Freud' nicht, was ich tt'.
Ich will im voraus nicht stolziern,
Mein Glck fngt erst recht an,
Mir scheint, ich werd' mein Gwerb' verliern,
Dann bin ich prchtig dran;
Und 's berraschendste wird sein,
Wenn s' kommen werdn und sperrn mich ein.

Dann schau' ich um ein' Freund mich um,
Der in der Not mich trst',
Der macht, da ich aus d' Festung kumm,
Da sitz' ich erst recht fest;
Und wenn s' mich dort vielleicht noch schlagn,
Das wr' ein Glck,--nicht zum Ertragn.

Ja, ja, mancher, der mich so reden hrt, wrd' sagen: O je, da
kommt schon wieder einer daher, der lamentiert, da er kein Geld
hat und voller Schulden ist und da er soll eing'sperrt werdn.  O
Jemine, das ist ein' alte G'schicht'.  (Hochdeutsch.) Ja, wenn's
aber nicht anders ist, was soll man denn machen?  Es ist einmal so,
ich hab' einmal kein Geld, und sie sperrn mich einmal ein,
vielleicht auch zweimal, (lokal) und wenn das so fortgeht, so komm'
ich aus dem Einsperren gar nicht mehr heraus.  Ich bin ein
rechtschaffener Mann, doch von was soll ich denn zahlen?  Ich bin
zwar der angesehnste Schneider hier im Ort, aber ich hab' nur eine
einzige Kundschaft, und das ist mein Glubiger, ein Weinhandler,
der weint um seine fnfhundert Taler, so oft er mich anschaut.
Jetzt bin ich ihm das Geld schon sieben Jahr' schuldig, er ist aber
schon lang gezahlt, denn statt den Interessen hat er mit mir
ausgemacht, da ich ihm alles umsonst arbeiten mt', was in seinem
Haus ang'schafft wird.  Da kommen aber die Leut' vom ganzen Dorf in
sein Haus, lassen sich das Ma nehmen, ich mu ihnen umsonst
arbeiten, und er lat sich zahlen dafr.  Da hab' ich einen
Zimmerherrn drin--(deutet auf sein Haus, geheimnisvoll) der zahlt
auch nichts.  Ist ein Schmied, ein Reimschmied, schreibt jetzt gar
ein Theaterstuck.  Auf die Letzt bringt er mich noch in ein Stuck
hinein, denn ich hr', jetzt knnen s' gar kein Stuck mehr
auffhren, wo s' nicht was von ein' Schneider drin haben, und er
gar, er schreibt eins, das heit "Die getrennten Brder", das wird
doch aufs z'sam'nahn hinausgehn.  Er erwartet immer das Geld von der
Post, und jetzt ist ein so ein schlechter Weg, da bleibt's halt
stecken.  (Ruft zum Fenster hinein.) Guten Morgen, Monsieur Ewald,
schon wieder fleiig?  Scribendum!



Zehnte Szene.
Voriger.  Ewald.


Ewald (schlgt von innen auf den Tisch).  So stren Sie mich doch
nicht mit Ihrem unsinnigen Geschwtz.  (Kommt heraus im einfachen
Gehrock.  mit einem Manuskripte, Tinte und Feder.) Es ist nicht
mglich, da ich einen vernnftigen Gedanken fassen kann, wenn Sie
in meiner Nhe sind.  Gehen Sie doch hinein, ich will hier schreiben.


Simplizius.  Schreiben Sie, wo Sie wollen und an wen Sie wollen,
aber sein Sie nicht unartig mit mir.

Ewald.  Lieber Hausherr, nehmen Sie meine Heftigkeit nicht so auf,
Sie sehen, ich bin ein Dichter, ein begeisterter Mensch.  Wenn man
in Jamben arbeitet, Sie verstehen das nicht so, es sind fnffige
Verse.

Simplizius.  Ja, das ist ja eben das Unglck, wenn die Vers' eine
Menge F' haben und kein' Kopf.  Das tragt nichts ein, ich wollt',
ich htt' so viel F', als Ihre Schlampen oder Jamben, was Sie da
schreiben, ich war' schon lang davon g'loffen, auf meine kann ich
mich nicht mehr verlassen.

Ewald.  Sie sprechen dummes Zeugs, lassen Sie mich ungestrt.  (Er
setzt sich auf die Rasenbank und berlegt.) Der letzte Akt, mir
fehlt's an Stoff.

Simplizius.  Mir auch, wenn ich so ein paar hundert Ellen Gros de
Napel htt', ich wollt' Ihnen Ihre Getrennten schon herausstaffiern.


Ewald.  Nun hab' ich aufhren mssen.  Jetzt ist der ganze Dialog
zerrissen.

Simplizius.  Ich wollt', es wr' alles z'rrissen, so krieget ich
doch ein' Arbeit.

Ewald (aufspringend).  Aber lieber Meister, wenn Sie einen Rock
zuschneiden, so wnschen Sie doch ungestrt zu sein.

Simplizius.  Nun, Sie werd'n doch erlauben, da es ein' andere
Aufgab' ist, wenn ich einen Rock zuschneid', als wenn Sie da eine
halbe Stund' nachdenken, und hernach fallt Ihnen erst nix ein.  Wenn
Sie einen Vers um ein paar Ellen zu lang machen, so streichen Sie
s' halt weg, aber wenn ich einen rmel um eine halbe Ellen zu kurz
mach', (er streift seinen Rockrmel hinauf) was g'schieht denn
hernach?

Ewald (stampft mit dem Fue).  Zum letzten Male rat' ich es Ihnen,
mich ungestrt zu lassen, oder Sie werden mich wtend machen.

Simplizius (verschroben).  Nu, nu, nur nicht so heftig, meine
schwachen Nerven bitt' ich zu verschonen.  berhaupt zwingen mich
verhltnislose Umstnde, mit Ihnen tragisch zu reden.  Ich kann zwar
nichts gegen Sie sagen, Sie sind ein ordentlicher Mann, Sie bleiben
mir meinen Zins schuldig, wie es sich g'hrt.  Aber Sie sind ein
Dichter, der sehr schne Ideen hat, warum kommt Ihnen denn nicht
auch die Idee, mich zu bezahlen?

Ewald.  Sie sollen Ihr Geld erhalten.

Simplizius.  Ja wann?  ich werd' heut noch eing'sperrt.

Ewald.  Warum?

Simplizius.  Weil ich blessiert bin und nicht ausrucken kann.
(Deutet aufs Zahlen.) Wenn aber das geschieht, wenn sie mich
einsperrn, Herr von Ewald--Sie sind mir schuldig, ich gebrauch'
mein Recht, Sie mssen zu mir hinein.  Wir sind Mnner, wir werden
unser Schicksal zu ertragen wissen.  (Geht gravittisch ab ins Haus.)



Elfte Szene.


Ewald (allein).  Ha, ha, ha, ein gutmtiger Mensch, wenn er nur
nicht so unertrglich einfltig wre, mich dauert seine miliche
Lage.  Morgen erhalte ich die Hlfte meines Honorars, davon will ich
ihn untersttzen.  Doch jetzt sei wirksam, Geist.  (Dichtend.)
Sechzehnte Szene, Gefngnis, Artur allein.

Warum mu ich im finstern Turm hier hausen,
Um den des Meers geschftige Wellen brausen;
Ach, whrend Liebe stillt ihr froh Verlangen,
Hlt mich der Ha hier trauervoll gefangen.
O Schutzgeist, der du meinem Traum dich zeigst
Und sanft dein Haupt zu mir hernieder neigst,
Leit' mich aus meines Kerkers dstern Bann,
Da ich statt nutzlos sinnen, handeln kann.



Zwlfte Szene.
Voriger.  Lucina ist whrend Ewalds Rede unter sehr leisen sanften
Tnen auf Wolken niedergesunken.  Ein Genius trgt eine Fackel.


Lucina.  Wenn du willst des Gedichtes Sinn auf dich beziehn,
So kann ich deines Wunsches regen Drang erfllen,
Du sollst mit mir nach weit entfernten Landen ziehn
Und des Verlangens Glut im Tatenstrome khlen.
Zu hohem Werken hab' ich deinen Mut erkoren,
Weil ich dein Herz und deinen Geist als rein ersehn.

Ewald.  O glanzentzcktes Aug', zu seltnem Glck geboren,
Da du so holder Gttin Reize darfst ersphn.

Lucina.  Erstaune nicht, entwirf kein Bild von meinen Reizen,
Du bist zur Rettung eines mcht'gen Reichs erwhlt,
Der Auftrag sei genug, um mit der Zeit zu geizen,
Drum werd' dir auch von mir das Nt'ge nur erzhlt.
Dich sollen Wolken nach Massanas Strande tragen,
Ein Land, in welchem Unglck heult in jedem Haus,
Und das vom Meer verschlungen wird in wenig Tagen,
Dort gibst du dich fr einen Weisen aus,
Entstammend aus gyptens heil'gen Pyramiden,
Der nach Massana kommt, um dieses Land zu retten.
Und wenn der Knig enden will den Lauf hienieden,
Vergoldest du des Todes frchterliche Ketten
Und forderst erst fr diesen Dienst des Reiches Krone.

Ewald.  Wodurch ich dies vollbring', kann ich noch nicht ergrnden.

Lucina.  Nimm diese Fackel hier, sie flammt in jeder Zone,
Wenn du sie krftig schwingst, wird sie sich selbst entznden,
Den Gegenstand, auf den du ihren Strahl willst leiten,
Wird zephirleicht in ihrem Zauberlicht verrinnen,
Narkot'sche Wohlgerche um sich her verbreiten,
Und die Gestalt, die du ihm leihen willst, gewinnen.
Er wird im wundervollsten Rosenlicht sich zeigen,
Wie ihn die zartste Phantasie nur knnte malen,
Da sich die Herzen alle liebend vor ihm beugen,
Und sanfte Rhrung wird aus jedem Auge strahlen.
    (Gibt ihm die Fackel.)
Verwahr' sie wohl, du wirst sie einst noch dankbar preisen,
Wenn trstet dich ihr welterfreunder Wunderschein,
Doch nicht allein darfst du die Rettungsbahn durchreisen,
Dem khnen Mut mu bange Furcht zur Seite sein.
Du wirst wohl selbst wo einen feigen Dmmling kennen,
Den eines Sperlings leises Rauschen schon erschreckt.

Ewald.  Da kann ich dir, o Gttin, keinen bessern nennen,
Als jenen Mann, der sich vor deinem Anblick scheu versteckt.
    (Deutet auf Simplizius ins Haus.)

Lucina.  Nun wohl, du magst mit ihm die Sache selbst verhandeln.

Ewald.  Er ist mir schon gewi, ich wei, was ihn bewegt.

Lucina (zeigt auf einen Fels).
Die Fackel wird den Stein in leichten Nebel wandeln,
Der euch im schnellen Flug durch blaue Lfte trgt.
Du bst, wie ich's befahl.

Ewald.                                      Dies kann ich hoch
beteuern.

Lucina.  Wohlan, ich will voraus hin nach Massana steuern.
    (Fliegt ab.)



Dreizehnte Szene.
Ewald (allein.)


Dies ist ein Auftrag doch, der eines Dichters wrdig,
Weil echte Poesie nach einer Krone strebt,
Selbst Gttern ist durch hohen Schwung sie ebenbrtig,
Der ber Sonnen sie zu Jovis Thron erhebt.
Mein Geist ist klein, mein Wirken nur ein ungeweihter Traum.
Drum wird die Kron', die ich heut wage zu begehren,
In Nichts zerflieen, wie der Woge flcht'ger Schaum,
Nur da ich sie gewollt, wird mir noch Lohn gewhren.
Und wer wird nicht mit Lust von goldnen Dingen trumen,
Kann er darber arme Wirklichkeit versumen?
    (Ab ins Haus.)



Vierzehnte Szene.
(Kurzes Zimmer mit schlechten Mbeln, ein Tisch mit Schreibgerte,
an der Wand hngen einige schlechte Kleidungsstcke, Ma und ein
paar abgeschabte Bilder.  Rechts eine Seitentr, links ein kleines
Fenster.)


Simplizius.  Jetzt wird's nicht mehr lang dauern, so wird die
achtzigpfndige Kanone meines Unglcks losgehn.  Vor Angst krieg'
ich noch das gelbe Fieber, das schwarze hab' ich so in allen
Taschen schon.  Wie spt wird's denn schon sein.  Ich knnt's gleich
wissen, ich drft' nur auf die Uhr schauen, die ich vor zwei Jahren
versetzt hab'.  Um halb zwlf Uhr kommt der Weinhandler, der wird
mich anzapfen um sein Geld, und wenn ich ihn nicht zahlen kann, so
heit es; Marsch nach Kamtschatka.




Fnfzehnte Szene.
Voriger.  Ewald.


Ewald.  Freude, Freude, lieber Simplizius!

Simplizius.  Ja, ja, das wird eine mordionische Freud' werden, bei
Wasser und Brot.

Ewald.  Nein, lieber Simplizius, wir wollen fort von hier in ein
fernes Reich.

Simplizius.  Ins Reich hinaus?  Da war ich schon, im Nrnbergischen.

Ewald.  Nicht doch, eine reizende Gttin hat mich und Sie zur
Rettung eines Knigreichs bestimmt.

Simplizius.  Mich?

Ewald.  Ja.  Sie.  Goldgesumte Wolken werden uns dem gemeinen Leben
hier entrcken und uns in ein herrlich Land hintragen.  Lassen Sie
Ihren Glubiger hier rasen, er hat ja ohnehin nichts mehr zu
fordern.  Machen Sie sich reisefertig, Sie sind zu groen Dingen
bestimmt.

Simplizius.  Zu was fr ein'?

Ewald.  Das wei ich nicht, ich wei nur, da es eine Krone gilt.

Simplizius.  Und die soll ich erretten?  Nun, das wird gut ausfallen.
Sie verkennt mich.

Ewald.  Nein, sie hat Sie ja gesehen und Ihren Mut belobt.

Simplizius.  Die Gttin?  Ah, das ist gttlich!  Aber wei sie denn,
da ich--

Ewald.  Was?

Simplizius.  Nu.  (Macht die Pantomime des Nhens.)

Ewald.  Versteht sich, alles wei sie.  Kommen Sie nur.

Simplizius.  Ich soll ein Land erretten?  Ich kann mir's gar nicht
anders vorstellen, als da das Land durch Unruhen zerrissen ist,
und ich mu's zusammenflicken.  Oder sie frchten sich, da das Land
erfriert, und ich mu ihm einen Pauvre machen.  Und auf einer Wolken
sitzen wir, da fallen wir ja durch.

Ewald.  Bewahre, sorgen Sie sich nicht.

Simplizius.  Nun Sie, wenn wir heut durchfalleten, das wr' weiter
keine Schand'.  Mir ist jetzt schon, als wenn ich aus den Wolken
g'fallen wr'.

Ewald.  Ich steh' Ihnen fr alles.

Simplizius.  O, Sie sind ein gutes Haus.  Was haben S' denn da fr
eine vergone Kerzen?

Ewald.  Das ist eben unsere Wunderfackel.  Was ich durch sie
bestrahlt wissen will, erscheint nach meinem Wunsche in der
herrlichsten Gestalt, und rosiger Nebel wird das Auge eines jeden
lieblich tuschen.

Simplizius.  Was sie jetzt alles erfinden, um die Leut' hinters
Licht z' fhren, das geht ber alles.  Na wegen meiner, ich bin
dabei, ich sitz' doch lieber auf einer Wolken als im Arrest.  Also
gehn wir.  (Sieht durchs Fenster.) Ums Himmels willen, dort kommt
der Weinhandler, und zwei Schutzgeister hat er bei ihm, mit
klafterlange Spie'.

Ewald.  Fatale Sache, was beginn' ich jetzt?

Simplizius.  Monsieur Ewald, mir fallt aus Angst etwas ein.
Probieren wir die Fackel, richten wir das Zimmer prchtig ein,
tapezieren wir's aus.  Vielleicht bekommt der Weinhandler einen
Respekt und glaubt, er kriegt sein Geld.  Warten Sie, ich sperr' die
Tr indessen zu, da er nicht gleich herein kann.  (Tut es.) Wenn er
nur unterdessen abfhr'.  bis wir ihm ganz abfahren.

Ewald.  Kein bler Gedanke, das geht nicht so leicht, er wird fragen,
wo wir die schnen Mbel her haben.  Dann wird ihm die Fackel
auffallen.  Still!

Riegelsam (klopft von auen).  Nur aufgemacht.  Ich wei, da Er zu
Hause ist.

Simplizius.  Gleich, gleich.  (Heimlich.) Was tun wir denn?

Ewald (ebenso).  Geben Sie mich fr einen Englnder aus, dem die
Mbel gehren, und der fr Sie zahlen will.

Riegelsam.  Ich schlag' die Tr ein, wenn Er nicht aufmacht.

Simplizius.  Richtig, fangen Sie nur zum mblieren an.  (Ruft.) Nur
warten.

Riegelsam.  Warten?  Du verdammter Bursch', wart' du auf meinen Stock,
 wenn ich hineinkomm'.

(Ewald hat indessen die Fackel geschwungen, die sich selbst
entzndet.)

(Musik.)

Auf einen Schlag verwandelt sich das schmutzige Zimmer in ein
herrlich gemaltes und reich mbliertes.  Grosse Gemlde mit goldenen
Rahmen, nebst einer schnen Wanduhr prsentieren sich.  So
verwandeln sich auch die Tren, das Fenster, Tisch und Sthle.  Das
ganze zeigt sich jedoch im bleichen Rosenlichte

Simplizius.  Mich trifft der Schlag, das wird doch ein schner
Betrug sein.  Ich glcklicher Mensch, das g'hrt alles nicht mein.

Ewald (steckt die Fackel an die Wand, wo der Schreibtisch steht,
setzt sich schnell und sttzt das Haupt auf die Hand).  Nun ffnen
Sie, sagen Sie, ich dichte und wollte ungestrt bleiben, und Sie
htten geschlafen.

Riegelsam.  Brecht das Schlo auf.  (Sie schlagen an die Tr,
Simplizius ffnet.)

Simplizius.  Ist schon offen.



Sechzehnte Szene.
Vorige.  Riegelsam (ein sehr dickleibiger Mann von heftigem
Temperament).


Riegelsam (noch in der Tr).  Aufmachen kann er nicht, aber Schulden
machen kann er.  Wart', du verdammt--(er tritt herein, zwei
Gerichtsdiener halten an der Tr Wache, Riegelsam steht erstarrt.)
Was ist das fr eine malizise Pracht?  Ich erstaune.  Wem gehrt das
Amblement?

Ewald (rasch aufspringend).  Mir!

Riegelsam.  Ihnen?  Ah, allen Respekt.

Ewald.  Also schlieen Sie Ihren Mund.  (Setzt sich nieder und
schreibt fort.)

Riegelsam..  Was Mund schlieen?  Um fnfhundert Taler kann man den
Mund gar nicht weit genug aufmachen.

Simplizius.  Wenn er nur die Mundsperr' bekm', da er ihn gar nicht
mehr zubrcht'.

Riegelsam.  Nichts wird g'schlossen, als der--(auf Simplizius
deutend) der wird g'schlossen--kreuzweis'.  Wie steht's,
liederlicher Patron, wird gezahlt oder nicht?

Simplizius.  Ja, es wird gezahlt.

Riegelsam.  Wer zahlt?

Simplizius.  Ich nicht.

Riegelsam.  Gerichtsdiener!  (Sie treten vor.)

Ewald.  Halt!  (Springt auf.) Ich bezahle.  (Setzt sich wieder und
schreibt.)

Riegelsam.  Wirklich?  Allen Respekt.  Wer ist dieser Herr?

Simplizius.  Ein vacierender Lord.

Riegelsam.  Und wohnt in diesem miserablen Haus?

Simplizius.  Spleen.

Riegelsam.  Warum schreibt er denn bei einer Fackel am hellichten
Tag?

Simplizius.  Spleen.

Riegelsam.  Und was krieg' ich denn fr meine Schuld?

Simplizius.  Spleen.

Riegelsam.  Geh Er zum Henker mit seinem Spleen.  (Beiseite.) Wenn
ich nur die schnen Mbel haben knnt', ich bin ganz verliebt in
sie.  (Laut.) Also was soll's sein?  Entweder meine fnfhundert Taler,
 oder ich lass' das Zimmer ausrumen.

Simplizius.  Da kriegt er auch was rechts.

Ewald.  Herr, unterstehen Sie sich nicht, sich meines Eigentumes zu
bemchtigen.  In diesem Zimmer bin ich Herr, weil ich es gemietet
habe, und wenn Sie es nicht zur Stelle verlassen, so werd' ich mein
Hausrecht gebrauchen und Sie zum Fenster hinauswerfen.

Riegelsam.  Welch eine Behandlung?  Was soll das sein?  (Sieht
Simplizius fragend an.)

Simplizius (gleichgltig).  Spleen.

Riegelsam.  Halt' Er sein Maul mit seinem verflixten Spleen.  Sie
haben sich angeboten zu bezahlen, tun Sie es, ich bin bereit.

Ewald.  Ich noch nicht, in einer Stunde sollen Sie Ihr Geld erhalten,
 ich erwarte die Post.  Entfernen Sie sich jetzt und kommen Sie in
einer Stunde wieder.

Riegelsam.  Hat auch kein Geld, nichts als Spleen.

Simplizius.  Ein splendider Mann.

Riegelsam.  Aber die schnen Mbel, diese herrlichen Mbel.  Gut, ich
geh', aber die Wach' bleibt hier.

Simplizius Ich seh' mich schon im Loch.

Ewald.  Impertinent, den Augenblick mit der Wache fort, oder Sie
bekommen keinen Heller von Ihrer Schuld.

Riegelsam.  Nicht?  So lass' ich ihn einsperren.  (Auf Simplizius
zeigend.)

Ewald.  Nur fort mit ihm, das ist das beste, was Sie tun knnen.

Simplizius (erschrocken).  So ist's recht, das wre schon das beste
bei ihm.

Riegelsam (beiseite).  Es ist ihm nicht beizukommen, ich mcht'
rasend werden.  Aber die schnen Mbel allein knnten mich verfhren.


Simplizius.  Ah, wenn Sie s' erst im rechten Licht sehen werden,
denn sein' Fackel blendt einen ja.

Riegelsam.  Sind sie da noch schner?

Simplizius.  O, da kann man sie gar nicht sehn vor lauter Schnheit.

Riegelsam.  Gut, die Wach' soll sich entfernen, unter der Bedingung,
da Sie mir diese Mbel verschreiben.

Simplizius (heimlich erfreut).  Beit schon an.

Riegelsam.  Wenn ich in einer Stunde mein Geld nicht erhalte,
gehren sie mir.

Simplizius (heimlich freudig).  Haben ihn schon!

Ewald.  Mein Wort darauf.

Riegelsam.  Nichts, das mu schriftlich sein, nur aufsetzen, alles
schriftlich.

Simplizius (heimlich).  G'hrt schon uns!

Ewald (schreibt).  Also alles was sich in diesem Zimmer befindet?

Simplizius Bis auf uns, denn er wr' imstand, er nehmet uns auch
dazu.  Das ist gar ein Feiner.

Riegelsam.  So ein miserables Mbel, wie Er ist, kann ich nicht
brauchen.  Still.  Euer Hoheit geruhen zu unterschreiben.

Ewald.  Hier.

Riegelsam.  Auch der Schneider.

Simplizius (tut es fr sich).  Du wirst dich schneiden.

Riegelsam (frohlockend).  Bravo, jetzt bin ich in Ordnung.

Simplizius.  Das ist ein glcklicher Kerl, jetzt hat er einen Fang
gemacht.

Riegelsam (zur Wache).  Ihr knnt nach Hause gehn.

(Wache ab.)

Simplizius.  Ah, weil nur die Garnierung von der Tr' weg ist.

Ewald.  Nun gehen Sie auch!

Riegelsam.  Ich?  Was fallt Ihnen ein, ich bleib' hier, bis das Geld
ankommt.

Ewald.  Welch eine Eigenmchtigkeit!  Ich mu fort, das Geld zu holen,
 ich habe Eile.

Simplizius.  Freilich, bei uns geht's auf der Post.  (Fr sich.) Wir
fahren ja ab.

Riegelsam.  Das knnen Sie machen, wie Sie wollen.  (Setzt sich in
einen Stuhl.) Mich bringt einmal niemand aus diesem Zimmer fort.
Ich mu meine Mbel bewachen, kein Stck darf mir davon wegkommen.
Tausend Element!

Ewald (zu Simplizius heimlich).  Das ist eine schne Geschichte, was
tun wir jetzt?

Simplizius.  So lassen S' ihn sitzen, wir nehmen unsre Fackel, gehn
hinaus, sperren ihn ein und er soll seine Mbel bewachen.

Ewald.  Ein delikater Einfall.  (Nimmt die Fackel von der Kulisse.)
Nun wohl, bleiben Sie hier und haften Sie mir fr alles.

Simplizius.  Und geben Sie acht, da Ihnen nichts wegkommt, sonst
mssen Sie's zahlen.

(Ewald und Simplizius gehen schnell hinaus und sperren die Tr zu.
Wie die Fackel ans dem Zimmer ist, verwandelt sich dasselbe wieder
in die arme Stube.)



Siebzehnte Szene.
Riegelsam (allein, springt auf und sagt im hchsten Erstaunen).
Blitz und Donner, was ist das fr eine Bescherung?  Bin ich in eine
Zauberhhle geraten?  Wo sind die Mbel hingekommen?  Die schne Uhr,
die herrlichen Bilder.  Alles ist fort, Fetzen sind da.  (Zerreit
die Kleider.) Nichts als Fetzen sind da und die Lumpen sind fort.
Ha!  Ich mu ihnen nach.--Die Tr ist verriegelt, ich kann nicht
hinaus, ich erstick' vor Wut.  Meine fnfhundert Taler.  (Sinkt in
den Stuhl.)


Simplizius (sieht zu dem kleinen Fenster herein).  Freund, die sind
verloren.

Riegelsam.  O du Hexenmeister, wirst du hereinkommen!  Schaff' mir
meine Mbel her!

Simplizius.  Wollen Sie s' nochmal sehn?  (Hlt die Fackel zum
Fenster herein.) Da sind sie!  (Das Zimmer wird wie vorher reich
mbliert.)

Riegelsam (strzt mit ausgebreiteten Armen darauf hin).  Halt, jetzt
lass' ich sie nicht mehr aus.

Simplizius (zieht die Fackel zurck).

(Schnelle Verwandlung.)

Simplizius.  Halten Sie s' fest.--So rcht sich Simplizius, der
Verschuldete.



Achtzehnte Szene.
Riegelsam (der bei der Verwandlung betroffen zurckfuhr, springt
nun wtend auf das Fenster zu, welches Simplizius ihm vor der Nase
zuschlgt).  Spitzbuben!  Gesindel!  Ruber!  Mrder!  Dieb'!  (Schlgt
die Fensterscheiben ein.) Ich zerplatz' vor Zorn.  Ich mu ihnen
nach.  (Will zum Fenster hinaus und bleibt stehen.) Ich kann nicht
durch, ich bin zu dick, ich erstick'!  Was seh' ich!  O hllische
Zauberei, sie fliegen auf einer Wolken davon.  Die prchtigen
Kleider, der Schneider strotzt vor Silber, wenn ich s' ihm nur
herabreien knnt'.  Meine fnfhundert Taler.  Ich werd' unsinnig,
ich spreng' mich in die Luft.  Nein, ich spreng' die Tr' ein.  (Er
tut es.) Hilfe!  Hilfe!  Ruber!  Dieb'!  Wache!  (Ab.)



Neunzehnte Szene.
(Groer Platz in Massana, im griechischen Stil erbaut.  Seitwrts
der knigliche Palast.  Stufen fhren aufwrts, auf welchen der
Genius des Todes, ein bleicher Jngling mit der umgekehrten
ausgelschten Fackel, mit geschlossenen Augen sitzt.  Viele Personen
in Trauer, viele nicht, gehen hnderingend herum ber die Strae.)

Kurzer Chor.
Jammer, sag', wann wirst du scheiden,
Von Massanas Unglcksflur;
Groe Gtter, hemmt die Leiden,
Eure Macht vermag es nur.


(Gehen trauervoll ab.)



Zwanzigste Szene.
Lucina (kommt und betrachtet mit Wehmut den Palast).  Genius des
Todes.

(Die ganze Szene mu von beiden Seiten langsam und feierlich
gesprochen werden.)


Lucina.
Mich erfat ein widrig Schauern,
Blick' ich auf dies Trauerschlo.
Schon seh' ich den Jngling lauern,
Armer Frst, dein Leid ist gro.
(Mit erhobener Stimme.)
Du, des Todes Genius,
Magst durch Antwort mich beglcken;
Wirst du heut den eis'gen Ku
Auf Massanas Lippen drcken?

Genius des Todes
(hebt sein Haupt, stets bleibt die Fackel gesenkt.  Spricht kalt und
ernst im tiefen Tone).

Wenn die Nacht den Tag verjagt
So heischt's Hades Rachesinn,
Hat Massana ausgeklagt.
(Kurze Pause.)
 Rauscht das Meer darber hin.
Lucina.
 Und wie wird der Knig enden,
Wirst du freundlich ihn umfahn?
Genius des Todes.
 Hades kann nur Schrecken senden,
Dster wird sein Ende nahn.
Lucina.
 Wehmut seufzt aus deiner Kunde
Und doch frommt sie meinem Plan,
Mich beglckt die Unglcksstunde,
Wenn ich dich erweichen kann.
Schenk' das Leben mir von zweien,
Die nicht Hades Fluch getroffen,
Die nicht an die Zahl sich reihen,
Die Erbarmen nicht zu hoffen.
Genius des Todes (lchelnd).
 Nimm das Leben hin von zweien,
Du entziehst mir's dennoch nicht.
Lucina.
 Mchtest du mir noch verleihen,
Da Heraklius' Auge bricht,
Eh' des Landes Festen beben.
Genius des Todes.
 Eh' den Turm noch kt die Well',
Lischt des kranken Knigs Leben.
Lucina.
 Doch Massana mu dann schnell,
Eh' die Zeit Sekunden raubt,
In dem Augenblick versinken,
Wo auf einem fremden Haupt,
Wird des Knigs Krone blinken.
Genius des Todes
(lt das Haupt sinken und
sagt dumpf und langsam).
 Wird versinken.
(Pause, dann noch mit gesenkten Haupte)
                           La mich lauschen.
Lucina.
 Ist dein Aug' zum Schlaf erlahmt?
(Gejammer in der Szene, mehrere Stimmen: Hilf, er stirbt.)
Genius des Todes.
 Hrst du's rauschen?
(Hebt das Haupt.)
 Dorthin ruft mein eisern Amt.


(Er steht auf, sein Haupt ist etwas gebeugt, die rechte Hand
streckt er gegen den Ort, wo der Schall hertnt, als zeigte er hin,
die linke hngt, die umgestrzte Fackel haltend, gerade herab, so
eilt er gemessenen Schrittes in die Kulisse, doch auf die
entgegengesetzte Seite des Palastes.)

Lucina (blickt gegen Himmel)
      Gtter, die ihr gndig waltet
Und doch unbegreiflich schaltet!

(Geht langsam auf die entgegengesetzte Seite ab.)



Einundzwanzigste Szene.
Thestius, Epaminondas (mehrere Einwohner von Massana kommen von der
Seite, wo der Genius abgeschritten ist).


Thestius.  Ist aus mit ihm, ist stumm; die Gtter haben seinen Mund
geschlossen.

Epaminondas.  Ein sonst so sanftes Ro, und schleudert ihn herab,
da von dem Fall die Erde donnert.  (Die Weiber weinen.) So heult
doch nicht, seid ihr's nicht schon gewohnt?  Seit sieben vollen
Jahren hat Unglck hier im Lande sich gelagert und ber diese Stadt
sein schwarzes Zelt gespannt.  Ich bin schon stumpf gemacht, mich
kann's nicht rhren mehr, wenn meines Nachbars Dach auf seinen
Schdel strzt.  Nur Weiber knnen sich an so was nicht gewhnen.

Thestius.  O Hades, ungerechter Frst der Unterwelt, der du aus
Rache, weil Massana nicht den Knig hat gewhlt, den du durch deine
unterirdischen Orakel ihm bestimmen lieest, das arme Reich mit
bel aller Art verfolgst; so da wir wie auf nie betretnem
Eisgeklft, nicht einen Schritt auf breiter Strae tun, wo nicht
Gefahr des Lebens mit verbunden ist.

Epaminondas.  Seht, was luft das Volk zusammen?  Zwei Fremde bringen
sie.

Thestius.  Die sind so selten jetzt im Lande, als ob sich Kometen
zeigten.  Hypomedon fhrt sie.



Zweiundzwanzigste Szene.
Vorige.  Hypomedon, Ewald und Simplizius, beide im gyptischen
Kostme.


Hypomedon.  Endlich haben wir wieder das Glck, zwei Fremdlinge in
unserer Stadt zu sehen.  Staunt, aus gypten kommen diese Leute gar,
um bei uns Verachtung des Lebens zu lernen.

Ewald.  Sei gegrt, Volk von Massana, ich habe Wichtiges in deinem
Reiche zu verhandeln.

Simplizius.  Zu verhandeln, sagt er, auf die Letzt' halten s' uns
fr Juden.

Thestius.  Seid uns gegrt, wir bedauern euch.

Simplizius (macht groe Augen).  Der bedauert uns.

Thestius.  Euch haben bse Sterne in das Land geleitet.

Simplizius.  Ach warum nicht gar, wir sind ja beim helllichten Tag
ankommen.

Ewald (nimmt ihn auf die Seite).  Sein Sie nicht so gemein, tun Sie
vornehm, klug, bescheiden und drcken Sie sich in bessern Worten
aus.

Simplizius.  Das mssen Sie mir schriftlich geben, denn so kann ich
mir das nicht merken.

Ewald.  Glaubt nicht, da ich der Pyramiden geheimnisvollen
Aufenthalt umsonst verlie, ihr werdet die Gestirne hoch verehren,
die nach Massana mir geleuchtet, denn fromme Gtter haben mich zu
euch gesendet.

Thestius.  So preisen deine Sendung wir.  Dein Aug' ist sanft, und
edel deine Haltung, dein Antlitz flt Vertrauen ein, und deine
khn gewlbte Stirn mag wohl ein Thron der hchsten Weisheit sein.

Simplizius.  Nein, was s' an dem alles bemerken, das wr' mir nicht
im Schlaf eing'fallen.  Einen Thron hat er auf der Stirn, und da
sitzt die Weisheit d'rauf.  (Macht die Pantomime des Niedersetzens.)
Jetzt, was werden s' erst auf meiner Stirn' alles sitzen sehn?

Thestius.  Willst du mein Unglckshaus zur Wohnung dir erwhlen, so
folge meinem scheuen Tritt, doch la die Vorsicht emsig prfen
deinen Pfad und Besorgnis ber deine Schultern schaun.  (Verbeugt
sich tief.)

Ewald.  Mein Dank grt deines Hauses Schwelle, mit frohem
Hoffnungsgrn wird dir der Gast die Hallen schmcken.  Simplizius,
folge bald!  (Geht mit Anstand a, Thestius folgt.)



Dreiundzwanzigste Szene.
Vorige, ohne Ewald und Thestius.


Simplizius (sieht ihm erstaunt nach).  Ich empfehl' mich ihnen.  Ah,
was die Weisheit fr eine langweilige Sach' ist, das htt' ich in
meinem Leben nicht gedacht.  Ich will einmal lustig sein.  (Tut nobel
zu Epaminondas.) Sagen Sie mir, mein edelster Massanier, was gibt
es denn fr Spaziergnge hier?

Epaminondas.  Der betretendste Weg fhrt ins Elend.

Simplizius.  So?  Das mu eine schne Promenade sein.

Hypomedon.  Du wirst sie schon noch sehen.

Simplizius.  Ich freu mich schon d'rauf.  Haben Sie auch ein Theater?

Epaminondas.  O ja.  (Seufzend.) Massana heit der Schauplatz.

Simplizius.  Was wird denn da aufgefhrt?

Hypomedon.  Ein groes Trauerspiel.

Simplizius.  Von wem?

Epaminondas.  Ein Werk des Orkus ist's.

Simplizius.  Den Dichter kenn' ich nicht, mu ein Auslnder sein.

Hypomedon.  Es whrt schon sieben Jahre.

Simplizius.  O Spektakel, da mu einer ja drei-, viermal auf die
Welt kommen, bis er so ein Stck sehn kann.  Wer spielt denn mit?

Epaminondas.  Das ganze Volk.

Simplizius.  Also ein Volkstheater.  Und wer schaut denn zu?

Epaminondas.  Die Hlle.

Simplizius.  Da mu ja eine Hitz' im Theater sein, die nicht zum
aushalten ist.  berhaupt scheinen die Leut' hier nicht ausg'lassen
lustig z' sein.  Warum weinen denn die Fraun da?

Eine Frau.  Wir beweinen euer Schicksal.

Simplizius.  Unser Schicksal?  Was haben denn wir fr ein Schicksal?
Wen tragen s' denn da?  (Sieht in die Kulissen.)

Hypomedon.  's ist nur einer, den ein Ro erschlagen hat.

Simplizius.  Erschlagen hat's ihn nur?  O, da reit er sich schon
noch heraus, hier ist eine g'sunde Luft.  Wer wohnt denn in dem
groen Haus?

Hypomedon.  Das steht leider leer, die Leute sind alle
herausgestorben.

Simplizius.  Warum nicht gar?  Was hat ihnen denn g'fehlt?

Epaminondas.  Nu, es ist eine eigene Krankheit, es ist nicht gerade
ein gelbes Fieber--

Simplizius.  Nu, wenn es nur eine Farb' hat, ich bin mit allen
z'frieden.  (Sieht auf die entgegengesetzte Seite in die Kulisse.)
Sie, da tragen s' ja schon wieder einen?

Epaminondas.  Das geht den ganzen Morgen so, heut ist ein
gefhrlicher Tag, Ihr drft Euch in acht nehmen.

Simplizius.  In acht nehmen?  Ja, haben Sie denn etwa die Pest?

Epaminondas.  Nu, jetzt nicht mehr so sehr.

Simplizius.  Nicht mehr so sehr?  Hren Sie auf, mir wird vllig
angst.  Ich bitt' Sie, mein lieber--wie heien Sie?

Epaminondas.  Epaminondas.

Simplizius.  Epaminondas?  Das ist auch ein so ein g'fhrlicher Nam'.
Also, mein lieber Epaminondas, haben Sie die Gte und fhren Sie
mich wohin, da ich eine Aufheiterung hab', denn ich bin sehr
miserabel.

Epaminondas.  Ich will dich an einen Ort fhren, wo du vielleicht
Bekannte findest.

Simplizius..  O, das wr' prchtig.  Wohin denn?

Epaminondas.  In die Fremdengruft; dort liegen alle Fremden begraben,
die seit sieben Jahren in unsere Stadt gekommen sind.

Simplizius.  Alle, ohne Ausnahm'?

Epaminondas.  Ja, ja, alle; du kannst dir gleich dort einen Platz
bestellen.

Simplizius.  Einen Platz soll ich mir bestellen, wie auf einem
G'sellschaftswagen?  Sie wahnsinniger Mensch, was fallt Ihnen denn
ein?  Was ist denn das fr ein Land?  Das ist eine wahre Marderfallen,
wo man nicht mehr hinaus kann.  Und das erzhlen Sie einem noch,
Sie abscheul wie heien S'?  Ich habe Ihnen schon wieder vergessen.

Epaminondas (wild).  Epaminondas.

Simplizius.  Der Nam' bringt einen allein schon um.  So widerrufen
Sie doch, Epaminondas, wenn Sie nicht wollen, da mich die Angst
verzehrt.



Vierundzwanzigste Szene.
Vorige.  Sillius eilig.


Sillius.  Helft, helft, es steht ein Haus in Flammen!

Alles (luft ab).  Hilfe, rettet, fort!

Epaminondas (lacht).  Haha, die Toren lschen dort und jammern sich
bei fremdem Unglck krank.  Da lach' ich nur, ich bin ein Stoiker,
wer raubt mein Glck?



Fnfundzwanzigste Szene.
Vorige.  Argos eilig.


Argos.  Du sollst nach Hause kehrn, Epaminond', dein Sohn ist tot.

Epaminondas (die Hnde jammernd ringend).  Mein Sohn!  Mein Sohn!  O
unglcksel'ger Tag!  Ich berleb' ihn nicht!  (Strzt mit Argos ab.)



Sechsundzwanzigste Szene.
Simplizius allein, dann zwei Diener des Thestius.


Simplizius (zittert am ganzen Leibe).  Schrecklich, schrecklich!
Stirbt schon wieder eine Familie aus.  Der Stoiker ist g'straft fr
seinen bermut.  Mich fangt eine Ohnmacht ab.  (Setzt sich auf die
Stufen des Palastes.) Wo werden s' da Hofmannische Tropfen haben?
Hilfe, Ohnmacht, Hilfe!

Diener (aus dem Hause).  Du mchtest hinaufkommen, Fremdling, dich
zu laben.

Simplizius (matt).  Laben?  Das ist die hchste Zeit, da Sie mich
laben.  Ich komm' schon, nur voraus.

Diener.  Doch nimm dich wohl in acht, die Treppe ist sehr steil, es
haben sich drei Hausgenossen schon das Bein gebrochen.

Simplizius (in hchster Angst).  Ums Himmels willen, das nimmt ja
gar kein End'.  (Die Knie schnappen ihm zusammen.) Ich trau' mich
gar nicht aufzutreten mehr.  Fhrt's mich hinein.  (Der Diener fhrt
ihn unter dem Arm, er spricht unter dem Abgehen:) O schlechtes Volk!
Eine Fremdengruft haben s', das gelbe Fieber, etwas Pest,
Epaminondas--ein' Beinbruch auch.  O Angst, wann ich hier stirb',
mein Leben sehn s' mich nimmermehr.  (Schleppt sich ab, von den
Dienern gefhrt.)



Siebenundzwanzigste Szene.
(kurzes Gemach in Thestius' Hause mit zwei Seitentren.)


Thestius.  Ewald.

Thestius.  Du bist gemeldet bei dem Knig, Fremdling, als unsres
Landes wunderbarer Retter.  Seit frhmorgens sind schon die Minister
all um ihn versammelt.  An unheilbarem bel liegt der Herrliche
danieder, und wie der Mensch durch hhern Schmerz den mindern nicht
fhlt, so klagt das Volk mit edler Lieb' bei seines Knigs hohem
Leid, da es ob dem Gesthn' das eigne gro vergit.

Ewald.  O, wie entzckend ist es, so geliebt zu sein.

Thestius.  So liebt der Knig auch sein treubewahrtes Volk, und
gleichen Sieg erringt sein edles Herz.  Wie glcklich wr' dies Land,
wenn nicht der unbarmherz'ge Frst der unterird'schen Schatten--



Achtundzwanzigste Szene.
Vorige.  Hermodius eilig und bestrzt.


Hermodius.  Wo ist der Weise aus gyptens Zauberlande, der Rettung
bietet dem bestrzten Volk?

Thestius.  Du siehst ihn hier voll sanfter Wrde stehn.

Hermodius.  Beweisen magst du nun, da gute Gtter dich mit
wunderbarer Zauberkraft begabt; du mut zum Knig schnell, es will
sein Geist Elysium erkmpfen, doch sendet Hades schauervolle Bilder,
mit Schreckensnacht sein Auge zu umgarnen, und Furien, furchtbar
anzuschauen, mit Schlangen reich umwunden, auf faulen Dnsten
schwebend, durchrauschen das Gemach.  Nun sprich; kannst du des
Orkus Nacht durch Eos' Strahl erhellen?

Ewald..  Ich kann es nicht, den Gttern ist es mglich, und was ich
bin, ich bin es nur durch sie.

Hermodius.  So eil' mit mir, es ist die hchste Zeit.

Ewald (umarmt Thestius mit Rhrung).  Mein Thestius, leb' wohl,
Osiris mge dich fr deine Gte lohnen.  (Fr sich mit Schmerz.)
Massana sinkt, ich seh' ihn nimmermehr.  Nun komm, geleite mich, mir
winkt ein groer Augenblick.

Thestius.  Kehr' bald zurck, mein Herz erwartet dich.

(Ewald und Hermodius zur Seite ab, Thestius zur entgegengesetzten
Seite ab.)



Neunundzwanzigste Szene.
Simplizius und Arete treten ein.


Arete.  Ach, du armer Mensch, komm doch herein, warum willst du denn
keine Speise nehmen.

Simplizius.  Ich bin berflssig satt, mir liegt das ganze Land im
Magen, drum bring' ich nichts hinein.  Ich verhungre noch vor Angst.

Arete.  Pfui, schm' dich doch, bist du ein Mann?

Simplizius (beiseite).  Ich wei selbst nicht mehr, was ich bin.
(Laut.) Vermutlich.

Arete.  Betrachte mich; ich bin ein Mdchen.  Wir haben zwar groe
Ursache, uns zu frchten, man hat heute ein Erdbeben versprt, da
die Stadtmauern erzittert haben.

Simplizius.  Jetzt, wenn die Stadtmauern schon zum Zittern anfangen,
was soll denn unsereiner tun?

Arete.  Warum bist du denn aber eigentlich nach Massana gekommen?

Simplizius (zittert).  Weil ich das Land erretten mu.

Arete.  Du?  Ach, ihr guten Gtter, wenn du dich nur nicht vorher zu
Tode zitterst.

Simplizius.  Glaubst?  Das war' sehr fatal.

Arete.  Armer Narr, du dauerst mich.

Simplizius.  Ich dank' ergebenst.  Das Mdel wr' so hbsch, wenn mir
nur nicht die Knie zusamm'schnappeten; ich fanget aus lauter Angst
eine Amour an.

Arete.  Warum blickst du mich so forschend an, was wnschest du?

Simplizius (fr sich).  Wenn sie nur in der G'schwindigkeit eine
Leidenschaft zu mir fasset, so knnten wir heut vormittag noch
durchgehn, da km' ich doch auf gute Art aus dem verdammten Land.
Sag' mir, liebes Kind, was fhlst du eigentlich fr mich?

Arete.  Mitleid, inniges Mitleid!

Simplizius.  Inniges Mitleid?  Aha, sie ist nicht ohne Antipathie fr
mich.  Knntest du dich wohl entschlieen--

Arete.  Wozu?

Simplizius.  Die Meinige zu werden.

Arete.  Arete die Deinige?

Simplizius..  Ja, Arete, du hast mein Herz arretiert.

Arete (sehr stolz).  Wer bist du, der du es wagst, um die Hand einer
edlen Massanierin anzuhalten?

Simplizius (beiseite).  Soll ich ihr meinen Stand entdecken?  Nein,
ein mystisches Dunkel mu darber walten.  (Laut.) Ich bin nicht,
was ich scheine, und scheine auch nicht, was ich bin, und wenn ich
das wre, was ich sein mchte, so wrd' ich nicht scheinen.  was ich
nicht bin.

Arete.  Ich verstehe dich.

Simplizius.  Da g'hrt ein Geist dazu, ich versteh' mich selber
nicht.

Arete.  Du mchtest gern scheinen, was du nicht bist, und bist doch
so sehr, was du auch scheinst.

Simplizius.  Hat's schon erraten, es ist unglaubbar.  Sag' mir, Mdel,
 httest du wohl den Mut, mich zu entfhren?

Arete.  Dich?

Simplizius.  Oder umgekehrt.

Arete.  Das heit, ich soll mit dir mein Vaterland verlassen?  Ich
verstehe dich wohl.

Simplizius.  Hat mich schon wieder verstanden.

Arete.  Damit du mich aber auch verstehst, so will ich dir sagen,
wofr ich dich halte; Du bist ein unverschmter, erbrmlicher
Mensch, der es wagt, seine vor Todesfurcht bebenden Lippen zu einer
Liebeserklrung zu ffnen und einem edlen Mdchen von Massana seine
krppelhafte Gestalt anzutragen.  Entferne dich, mit dir zu reden
ist Verbrechen an der Zeit, und wenn du knftig wieder ein
Mdchenherz erobern willst, so sthle das deinige erst mit Mut;
mutige Mnner werden geliebt, mutlose verachtet man.

Simplizius.  Da g'hrt ein Stoiker dazu, um das zu ertragen.  Lebe
wohl, du wirst zu spt erfahren, wen du beleidigt hast.  Ha, jetzt
kann Massana fallen, ich heb's g'wi nicht auf.

Arete.  Halt, weile noch, erklre dich, damit ich erfahre, wessen
Antrag mich entwrdigt hat.

Duett.

Arete.  Wer bist du wohl, schnell sag' es an?

Simplizius.  Ich hab's schon g'sagt, ich bin ein Mann.

Arete.  Wie heiest du, bist du von Adel?

Simplizius.  Ich hei' Simplizius Zitternadel.

Arete.  Der Name klingt mir sehr gemein.

Simplizius.  Es kann nicht alles nobel sein.

Arete.  Wie kannst du solchen Unsinn sagen?

Simplizius.  Das wollt' ich dich soeben fragen.

Arete.  Dein ures ist mir schon zuwider.

Simplizius.  Das schlgt mein Innres sehr danieder.

Arete.  So hlich ist kein Mann hienieden.

Simplizius.  Die Gusto sind zum Glck verschieden.

Arete.  Wie abgeschmackt der Schnitt der Kleider.

Simplizius (aufbrausend).  Das ist nicht wahr, ich bin--(fat sich
und sagt gelassen) nur weiter.

Arete.  Nun httest du dich bald verraten.

Simplizius.  Ja, meiner Seel', jetzt hat's mir g'raten.

Arete.  Du mut mir sagen, wer du bist?

Simplizius.  Ich bin ein Held, wie's keiner ist.

Arete (spttisch).  Dein Mut ist in der Schlacht wohl gro?

Simplizius.  Ich stech' oft ganze Tag' drauf los.

Arete.  Umsonst verschlingst du schlau den Faden.

Simplizius.  Mir scheint, die Feine riecht den Braten.

Arete.  Mein Argwohn lt sich nicht mehr trennen.

Simplizius.  Jetzt braucht s' nur noch die Scher' zu nennen.

Arete.  Du bist kein Prinz, gesteh' es mir.

Simplizius (zornig).  Ich bin ein Kleideringenieur!

Arete.  Ha!

(Beide zugleich.)

Ihr Gtter, was hr' ich, mein Auge wird trbe,
Ein solcher Plebejer spricht zu mir von Liebe,
                     Welch eine Glut,
                     Brennet im Blut;
                     Wtender Schmerz,
                     Flammet im Herz.
Schnell flieh' ich von hinnen, verberge mich schon,
O folternde Hlle, beschmende Reu'!

Simplizius.  Was soll ich es leugnen, 's ist keine Schand',
Denn Achtung verdienet mein ntzlicher Stand.
                     Ich sag' es g'rad,
                     Ich g'hr zur Lad';
                     Und meine Scher',
                     Schwing' ich mit Ehr'.
Ich schreit in die Welt hinaus, 's ist meine Pflicht,
Ich bin ja kein Pfuscher, drum schm' ich mich nicht.

(Beide ab.)



Dreiigste Szene.
(Knigliches Gemach.)

(Die Hinterwand bildet einen groen offenen Bogen, vier Schuh
tiefer, eine breite Rckwand von dunklen Wolken, durch welche man
wie im Nebel eine riesige blulichte Figur mit glhenden Augen
erblickt, welche das Haupt mit einem Kranz von Rosmarin umwunden
hat.  Sie ruht lauernd auf den Wolken, ihren Blick auf Heraklius
heftend, ist mit dem Todespfeil bewaffnet und stellt die alles
vernichtende Zeit in furchtbar drohender Gestalt vor.  Larven
grinsen hie und da aus den sie umgebenden Wolken hervor.  Zwischen
dieser Wand und der ffnung des Bogens sieht man vier dunkle
Schatten bei einem offenen Grabe beschftigt, aus welchen ein erst
darin versenkter vergoldeter Sarg noch etwas hervorsteht.  Das
Gemach ist dunkel, der Donner rollt.  In einem goldenen Armstuhl
ruht Heraklius, um ihn trauernd die Groen des Reiches und Diener
des Tempels.  Neben ihm auf einem Marmortisch die Krone.  An den
Kulissen, dem Armstuhl des Knigs gegenber, ein auf drei Stufen
erhabener einfacher Sitz.)

Heraklius, Ewald und Hermodius.


Kurzer Chor der Furien.
Wo der Frevler mag auch weilen,
Trifft ihn doch des Orkus Rache,
Und ihr Dolch wird ihn ereilen,
Selbst im goldnen Prunkgemache.


Heraklius (in matter Unruh).
Hinweg, hinweg, du scheulicher Vampir,
Der frommes Hoffen aus der Seele saugt.

Hermodius (zu Ewald).
Du siehst des guten Knigs Leiden hier,
Ein Bild, das fr kein menschlich Auge taugt.

Heraklius.  Wer stret meine Pein?

Hermodius.                                      Dein Retter, Herr.

Heraklius.  Umsonst, umsonst, wer bringt die Hll' zum Weichen?
O Qual, wenn ich doch nicht geboren wr'!

Ewald.  Ich kann, mein Frst, den Anblick dir verscheuchen.

Heraklius.  Wenn du's vermagst, ein Frstentum zum Lohne.

Ewald.  So hoch schwebt auch der Preis, den ich bestimm',
Ich fordre viel, ich fordre deine Krone.

Heraklius.  Sie war mein Stolz--vorbei--verscheuch'--nimm--nimm!

Ewald (zu den Edlen).
Ihr habt's gehrt, seid ihr damit zufrieden?

Alle (dumpf und halblaut).
Wenn dich der Knig whlt, whlt dich das Reich.

Ewald.  So will ich ber dieses Schauertum gebieten,
Bei Isis' Donner, Truggewlk' entfleuch!

(Donnerschlag, er schwingt die Fackel, die Hinterwand entweicht,
Grab und Schatten verschwinden, ein tiefes Wolkentheater zeigt sich,
es stellt ein praktikables Wolkengebirge vor.  Oben quer vor der
Hinterwand eine goldene Mauer und ein goldenes Tor.  Hinter diesem
strahlt heller Sonnenglanz, der sich im Blau des Himmels verliert,
das mit Sternen beset ist.  Am Fue dieses Gebirges beim Ausgange
sitzt auf einem Piedestal Thanatos wie in der frheren Szene, doch
mit der brennenden Fackel.  Sphrenmusik ertnt.  Heraklius' Gestalt
wird von Genien mit Rosenketten ber den Wolkenberg geleitet, bis
zu dem goldenen Tor, dort sinkt sie nieder.  Die Musik whrt leise
fort.)

Heraklius.  O ser Seelentrank aus himmlischem Gef,
O Lust, gefhlt durch neu erschaffnen Sinn,
Wenn ich auch tausend Kronen noch bes',
Ich geb' sie gern fr diesen Anblick hin.
O krnt ihn noch an meinem Sterbebette,
Er wird mein fluchzerrttet Land beglcken.
    (Nun ffnet sich das goldene Tor, eine glnzende Gttergestalt
tritt heraus.)
Mir ist so leicht, es schmilzt die ird'sche Kette,
Mein Geist entflieht, o unnennbar Entzcken!

(Thanatos strzt mildlchelnd die Fackel um, die verlischt,
zugleich drckt die Gttergestalt den Knig an die Brust, sein
Kleid verschwindet, und er steht im weien Schleiergewande da,
welches rosig bestrahlt wird.  Genien bilden eine Gruppe.  Heraklius'
Haupt sinkt sanft auf seinen Busen, Ewald lscht die Fackel aus,
und der das Gemach schlieende Vorhang rauscht langsam und leise
herab, die Musik verhallt.  Feierliche Pause, Rhrung in jeder Miene.)



Hermodius.  Es ist vorbei, er mute von uns scheiden.
Ein knigliches End', durch Ruhm verklrt.
Wer so beglckt vergeht, ist zu beneiden,
Beim Zeus, so ist der Tod ein Leben wert!
    (Man bedeckt Heraklius mit einem seidnen Mantel.)
Nun lat sein letzt Gebot uns schnell bentzen,
Denn ohne Knig kann das Land nicht sein.

Adrasto (nimmt die Krone und stellt sich vor Ewald hin).
Wie Gtter dich, so wirst du uns beschtzen,
Drum nimm den Platz auf jenen Stufen ein.

(Ewald besteigt die Stufen, auf welchen der Sitz angebracht ist.)

Ewald (fr sich).  Es bebt mein Herz, mich fasset Todesschrecken.

(Kniet nieder.)

Alle.  Wir huld'gen dir als Herrscher ehrfurchtsvoll.

(Knien.)

Adrasto.  So mag die Kron' dein weises Haupt bedecken,
Sei Knig--herrsch'--

Bei dem letzten Worte hat er ihm die Krone aufs Haupt gesetzt, doch
ohne die geringste Pause strzt unter schrecklichem Gekrach der
Saal zusammen.  Der Bogen und die Kulissen bilden Berge von Schutt,
welche die Spielenden dem Auge des Publikums entziehen.  Im
Hintergrunde zeigt sich das Meer, das zwischen die Schuttberge des
Saales hereindringt und aus dem in der Ferne die versunkenen Trme
von Massana hervorragen.  Die Stufen, wo Ewald kniet, verwandeln
sich in Wolken, worauf er bis in die Mitte des Theaters schwebt und
wehmtig ausruft:

Massana, lebe wohl!

Er schwingt seine Fackel, um den traurigen Anblick zu verschnern
und fhrt fort.  Die aus dem Meere hervorragenden Trmmer und der
Schutt des Saales verwandeln sich in zarte Rosenhgel.  Die Luft
wird rein, und das Ganze strahlt im hellsten Rosenlichte.

(Der Vorhang fllt langsam).

Ende des ersten Aufzuges.




Zweiter Aufzug.



Erste Szene.
(In Agrigent.)

Ein anderer Teil des Waldes am roten See, welcher praktikabel ist.
Androkles, Clitonius und Jger treten mit Wurfspieen bewaffnet auf.


Jgerchor.
        Jgerlust mt' bald erschlaffen,
Glt' die Jagd nur feigen Affen;
Doch wenn durch der Wlder Stille
Mchtig tnt des Leus Gebrlle,
Hier die grausame Hyne
Fletscht die mrderischen Zhne,
Dort, eh' man den Wurfspie schwingt,
Aus dem Busch der Tiger springt,
Dann beginnt des Waldes Krieg.
Falle, Jger, oder sieg'!


Androkles (zu den Jgern).  Verteilt euch, wie ihr wollt, der Knig
jagt allein, ihr mgt euch hten, seinem Feuerblick zu nahen, der
zornigflammend durch des Forstes Dunkel blitzet.

(Alle bis auf Clitonius und Androkles ab.)



Zweite Szene.
Androkles und Clitonius.


Androkles.  O mein Clitonius, was muten wir erleben, die hohen
Gtter sind aus Agrigent gewichen.

Clitonius.  Wo mag wohl unser edler Knig weilen, den seines Hauses
Laren treu gerettet haben.  Knnt' er doch sehn, wie sich sein armes
Volk betrbt.

Androkles.  Wer freut sich nun in Agrigent?  Der Wahnsinn lacht
allein, gesundes Hirn mu trauern.  Ist doch Phalarius selbst,
seitdem die Hllenkron' auf seinem Haupte brennt, als htt' des
Unmuts Dolch sein falsches Herz durchbohrt.  Weit du, warum die
Jagd nun tobt?  Aspasia ist nicht mehr.

Clitonius.  Aspasia?  Die Schwester unsers teuern Knigs Kreon?  Die
herrliche Aspasia?

Androkles.  Sie war's allein, der Phalarius an dem verhngnisvollen
Tag des schauerlichen berfalls das Leben lie, weil er als
Feldherr schon fr sie in Lieb' entbrannt.  Seit er das Reich
besitzt, bestrmt er sie mit Bitten und mit Drohungen, sie mchte
ihre Hand ihm reichen, er wolle ihr dafr drei Knigreiche bieten;
doch wie sie ihn und seine Kron' erblickt, da sinkt sie zitternd
vor ihm nieder und krmmt sich zu dieses Wtrichs Fen, beschwrt
mit Trnen ihn, von ihr zu lassen, es gb' fr seine Kron' auf
Erden keine Liebe.  Doch er reit sie mit Ungestm an seine
Eberbrust und will dem keuschen Mund den ersten Ku entreien; da
wandeln sich der Lippen glhende Korallen in bleiche Perlen um, des
Auges Glanz erstirbt, des Todes Schauer fassen ihre Glieder, die
Angst, da sie der Kron' so nah', bricht ihr das Herz, kalt und
entseelt hlt sie Phalarius, vor Schreck erbleichend, in den Armen.

Clitonius.  Entsetzlich Glck, sich so gekrnt zu wissen.

Androkles.  Da fat ihn eine Wut, er tobt, da des Gemaches Sulen
beben; Zur Jagd!  ruft er, hetzt mir des Waldes Tiger all' auf mich,
die Erd' whlt auf, da Ungeheuer ihr entkriechen, die sich noch
nie ans Sonnenlicht gewagt, gebt Nahrung meinem Pfeil, damit mein
Ha umarmen kann, weil Lieb' mein Herz so unbarmherzig flieht.  So
strzt er fort zur Jagd, und zitternd beugt vor ihm der schwarze
Forst sein sonst so drohend Haupt.

Clitonius.  Da wird uns wohl der Morgenstrahl im Wald begren.

Androkles.  Der Abend kaum, denn eh' der Mond sich noch auf des
Palastes Zinnen spiegelt, verbirgt er sich in ein Gemach, aus
Marmor fest gewlbt, ganz ffnungslos, damit kein Strahl des Mondes
kann sein Haupt erreichen, weil seine Kron', so sagt Dianens weiser
Diener, die Kraft verliert, solang' des Mondes Licht auf ihren
Zacken ruht.  Und weil in dieser Zeit sein Leben nicht gesichert ist,
 verriegelt er die Tr aus festem Ebenholz; doch ohne Mondenglanz
kann nie ein Pfeil ihn tten, und kraftlos sinken sie zu seinen
Fen nieder.

Clitonius.  Sprich nicht so laut, es rauscht dort im Gebsch.

Androkles (schwingt den Wurfspie).  Ein Tiger ist's.

Clitonius.  Nein, nein, es ist Phalarius, dich tuscht sein
Pantherfell; wir sind verloren, wenn er uns gehrt.

Androkles.  Schweig still, er raset dort hinber dem Lwen nach, der
ngstlich vor ihm flieht.  Komm, la uns auch vor diesem Knigstiger
fliehn, wenn Lwen weichen, drfen Menschen sich der Flucht nicht
schmen.

(Beide ngstlich ab.)



Dritte Szene.
Musik.  Lulu und Fanfu, geflgelte Genien, bringen Zitternadel in
einem groen Schal, welchen sie an beiden Enden halten, als trgen
sie etwas in einem Tuche, durch die Luft.  Sie stehen auf Wolken,
und der Schal ist ein Flugwagen und so gemalt, da Zitternadel
gekrmmt wie ein Kind darin liegt und kaum sichtbar ist.  Er ruht
auf der Erde, der Schal fliegt wieder fort.


Lulu.  So steig nur heraus, du tapfres Hasenherz, hier sind wir
schon in Sicherheit.

Fanfu.  Nun, Schnecke, streck' den Kopf heraus.

Zitternadel (steckt den Kopf heraus).  Wo sind wir denn?  Ich mu
erst meine Gliedmaen alle zusamm'suchen.  (steigt aus, die Genien
helfen ihm.) So, ich dank' untertnigst, das sind halt Kinderln,
wie die Tauberln.  Au weh, so ein Erdbeben mcht' ich mir bald
wieder ausbitten.  Ich schau' beim Fenster hinaus in meiner
Schuldlositt, auf einmal fangt's zum krachen an, als wenn die
ganze Welt ein Schubladkasten wr', der in der Mitte
voneinanderspringt, und ich strz' ber den siebenten Stock
hinunter, die zwei Kinderln fangen mich aber auf und fliegen mit
mir davon.  Kaum sind wir in der Hh', macht es einen Plumpser, und
die ganze Stadt rutscht aus und fallt ins Wasser hinein.  Der arme
Dichter hat sich eintunkt mit seiner Weisheit.  O unglcksel'ger Tag!
 Weil nur ich nicht ins Wasser g'fallen bin, die Schneiderfischeln
htten's trieben.  berhaupt, wenn die Fisch' die Zimmer unterm
Wasser sehn, die werden sich kommod machen.  Wenn so ein Walfisch
unter einem Himmelbett schlaft, der wird Augen machen.  Zwar da ein
Stockfisch auf einem Kanapee liegen kann, das hab' ich an mir
selber schon bemerkt.  Wenn nur keiner in eine Bibliothek
hineinschwimmt, denn da kennt sich so ein Vieh nicht aus.  O, du
lieber Himmel, ich werd' noch selbst ein Fisch aus lauter Durst.
(Kniet nieder.) Liebe Kinderln, seid's barmherzig, lat mir etwas
zuflieen, sonst mu ich verdursten.

Lulu.  Dein Durst ist uns recht lieb, wir haben dich darum hierher
gebracht, um dich zu wssern.

Simplizius.  So wssert's mich einmal, ich kann's schon nicht
erwarten.

Lulu.  Trink dort aus jenem See.  Hier hast du eine Muschel.  (Holt
eine vom Gestade.)

Simplizius.  Der rotkpfige See?  Aus dem trau' ich mich nicht zu
trinken.

Lulu und Fanfu (streng).  Du mut.

Simplizius (fllt auf die Knie).  O, meine lieben Kinderln, seid nur
nicht bs', ich will ja alles tun aus Dankbarkeit.  Ich sauf' wegen
meiner das ganze rote Meer aus, und das schwarze auch dazu.

Lulu (reicht ihm eine Muschel voll Wasser).  Trink, es scheint nur
rot zu sein, es ist doch reiner als Kristall.

Simplizius.  So gib nur her.

Fanfu.  Er trinkt, nun wird er blutdurstig werden.

Simplizius (zittert mit der Muschel).  Ich zittr' wie ein
hundertjhriger Greis.  (Trinkt.) Ah, das ist ein hitziges Getrnk,
wie ein Vanili Rosoglio.  (Rollt die Augen.) Was geht denn mit mir
vor?  Potz Himmel tausend Schwerenot!

Lulu (zu Fanfu).  Siehst du, es wirkt, er wird gleich eine andere
Sprache fhren.  (Beide nhern sich ihm sanft.) Was ist dir, lieber
Zitternadel?

Simplizius (wild).  Still, nichts reden auf mich, Ihr Bagatellen!
Ich begreif' nicht, was das ist, ich krieg' einen Zorn wie ein
kalekutischer Hahn, und wei nicht wegen was.  Wenn ich ihn nur an
jemand auslassen knnt'.  Bringt mir einen Stock, ich wichs' mich
selbst herum.

(Die Genien lachen heimlich.)

Simplizius.  Ja, was ist denn das?  Ihr seid ja zwei gottlose Buben
bereinander, ihr seid ja in die Haut nichts nutz, euch soll man ja
haun, so oft man euch anschaut.  Das seh' ich jetzt erst.

Die Genien (nahen sich bittend).  Aber lieber Zitternadel!

Simplizius (reit einen Baumast ab).  Kommt mir nicht in meine Nh',
oder ich massakrier' euch alle zwei.

Lulu.  So hr' uns doch; du mut nach Kallidalos fliegen, dort
findest du den Dichter, deinen Freund.

Simplizius.  Nu, der soll mir traun, den hau' ich in Jamben, da die
F' herumkugeln.  Jetzt macht fort und schafft mir ein kolerisches
Pferd, da ich durch die Luft reiten kann!

Lulu.  Ein kolerisches Pferd?  das wirft dich ja herab.

Simplizius.  So bringt's mir einen Auerstier, der wirft mich wieder
hinauf.

Lulu.  Nu, wie du willst.  (Er winkt, ein geflgelter Auerstier
erscheint in den Wolken.) Ist schon da.

Simplizius.  Ha, da ist mein Araber.  Jetzt wird galoppiert.  Setzt
euch hinauf, auf die zwei Hrndl.

Lulu.  Ah, wir getrauen uns nicht.  Reit nur voraus, wir kommen dir
schon nach.  (Laufen ab.)

Simplizius.  Ha, feige Brut!  (Steigt auf).  Da bin ich ein andrer
Kerl.  Jetzt kann mir 's Rindfleisch nicht ausgehn, ich bin versorgt.
 Hotto, Schimmel!  Das versteht er nicht.--Bruaho!  (Der Stier fliegt
ab.) Jetzt geht's los.



Vierte Szene.
Tiefere Felsengegend, in der Ferne Wald, auf der Seite eine
Waldhtte.  In der Mitte steht Phalarius mit einem goldenen
Wurfspie bewaffnet, vor ihm liegt ein Lwe und zittert.


Phalarius.  Was zitterst du entnervt, verachtungswrd'ger Leu,
Und beugst den Nacken feig vor meiner Krone Glanz?
Mich ekelt Demut an, weil ich den Kampf nicht scheu',
Nie schnde meine Stirn solch welker Siegeskranz.
Wofr hat Jupiter so reichlich dich begabt?
Wozu ward dir die Mhn', das Sinnbild hoher Kraft?
Der stolze Gliederbau, an dem das Aug' sich labt?
Das drohende Gebi, vor dem Gewalt erschlafft?
Der Donner des Gebrlls, der Panzer deiner Haut?
Erhieltst du all die Macht, um mcht'ger zu erbeben?
Schm' dich, Natur, die du ihm solchen Thron erbaut,
Da liegt dein Herrscher nun und zittert fr sein Leben.
    (Heftiger)
Du hast mit Schlangen, Luchs und Panthertier gestritten;
So reg' dich doch und droh' auch mir mit mcht'ger Klau'.
Du edelmt'ges Tier, so la dich doch erbitten,
Verteid'ge dich, damit ich Widerstand erschau'.
Wie kann ein Knig noch zu einem andern sprechen.
Mach' mich nicht rasend, denk', du bist zum Streit geboren.
Doch nicht?  Wohlan!  So will ich euch, ihr Gtter, rchen.
Er ehrt sein Dasein nicht, drum sei's fr ihn verloren.
    (Er ttet ihn, stt ins Horn, Jger erscheinen und beugen sich
erschrocken.)
Bringt mir den Lwen fort, ich kann ihn nicht mehr sehen.
    (Der Lwe wird fortgebracht, er steht nachdenkend mit
verschlungenen Armen.)
Wozu ntzt mir Gewalt, wenn sie mich so erhebt?
Knnt' ich die Erde leicht gleich einer Spindel drehen,
Es wre kein Triumph, weil sie nicht widerstrebt.
Aspasia tot, durch meiner Krone Dolch entseelt.
Abscheul'che Hlle, so erfllst du mein Begehren?
Wer war noch glcklich je, dem Liebe hat gefehlt?
Die grte Lust ist Ruhm, doch Lieb' kann sie vermehren,
Doch meine Lieb' heit Tod, wer mich umarmt, erblat.
Unsel'ges Diadem, da du mein Aug' entzcktest,
Tief qulendes Geschenk, schon wirst du mir verhat,
Ich war noch glcklicher, als du mich nicht beglcktest!
ol, der oft die Majestt der Eichen bricht,
Und so am Haupt des Walds zum Kronenruber wird,
Sag'!  warum sendest du die geile Windsbraut nicht,
Da sie die Kron' als glhnden Brutigam entfhrt?
    (Die Jger kommen zurck, er setzt sich auf einen Fels.)
Ich wnschte mich mit etwas Traubensaft zu laben,
Der eigenntz'ge Leib will auch befriedigt sein.

Erster Jger.  Den kannst du, hoher Frst, aus jener Htte haben,
    (Klopft an)
He, Alter, komm heraus und bringe Wein.

Phalarius.  Wer ist der Mann, der hier so tief im Walde wohnt?

Erster Jger.  Ein Feldherr war er einst, nun lebt er als ein Bauer.

Phalarius.  Welche Erniedrigung, wer hat so schimpflich ihn belohnt?



Fnfte Szene.
Vorige.  Der alte Octavian frhlich aus der Htte, einen Becher Wein
tragend.


Octavian.  Komm schon, ein froh Gemt ist immer auf der Lauer.
    (Erblickt die Krone und sinkt nieder.)
Ha, welch ein Blick umschlngelt feurig meine Augen?.
Es krachet mein Gebein und sinket in den Staub.

Phalarius.  La sehen, ob dein Wein wird meinem Durste taugen.
    (Will trinken.)
Doch sag', warum verbirgst du dich so tief im Laub?

Octavian.  Gewhr', da ich den Blick von deiner Krone wende,
Wenn du willst Wahrheit hren, und sie dein Ohr erfreut.

Phalarius.  Ich hasse den Betrug, steh auf und sprich behende.

Octavian (steht auf, doch ohne Phalarius anzusehen--frhlich).
Mich freut der grne Wald, beglckt die Einsamkeit,
Ich hab' sie selbst gewhlt, lieb' sie wie einen Sohn.
Ich bin nicht unbeweibt, mein Herz schlgt lebenswarm,
Glh' fr mein Vaterland, sprech' seinen Feinden Hohn,
Und wenn es mein bedarf, weih' ich ihm Kopf und Arm,
Sonst bau' ich froh mein Feld, ein zweiter Cincinnat.

Phalarius.  Ein kluger Lebensplan, wenn du blo Landmann wrst,
Dann bau' nur deine Flur, so dienst du treu dem Staat.
Als Feldherr hoff' ich, da zu herrschen du begehrst.

Octavian.  Ich herrsche ja, wer sagt, da ich nur Diener bin?
Weit du denn nicht, da jedes Ding der Welt ein Herrscher ist?
Die Gtter herrschen im Olymp mit hohem Sinn,
Auf Erden Knige, so weit ihr Land nur mit,
Der ganze Staat, wie es Gesetz und Frst befiehlt,
Ein jeder dient und hat doch auch sein klein Gebiet.
Und so wird eines jeden Dieners Lust gestillt.
Der Snger herrscht durch edlen Geist in seinem Lied,
Der Liebende in der Geliebten schwachem Herzen;
Der Vater wacht im Haus fr seiner Kinder Heil;
Der Arzt beherrscht der Krankheit widerspenst'ge Schmerzen;
Der Fischer seinen Kahn, der Jger seinen Pfeil;
Kurz, jeder hat ein Reich, wo seine Krone blitzt,
Der Sklave selbst an Algiers Strand, der rmste Mann,
Der auf der Erde nichts als seine Qual besitzt,
Hat einen Thron, weil er sich selbst beherrschen kann.

Phalarius (der whrend der Rede mit Erstaunen gekmpft, schleudert
den Becher fort).
Genug, ich trinke nicht den wortvergllten Wein,
Nicht Labung reichst du mir, du trnkest mich mit Gift,
Du wrst vergngt und herrschest nicht?  Es kann nicht sein!

Octavian.  Das bin ich, Herr, selbst dann, wenn mich dein Zorn auch
trifft.

Phalarius.  Unmglich, widerruf, da du dich glcklich fhlst,
Es gibt bei solcher Kraft nicht solchen Seelenfrieden,
Du weit nicht, wie du tief mein Inneres durchwhlst.
O Gtter, welche Pein erlebe ich hienieden,
Da ich nicht froh sein kann und Frohsinn schauen mu.
Gesteh, du bist kein Held, warst nie auf Ruhm gebettet,
Du warst nie Feldherr, nein, regiertest stets den Pflug.

Octavian.  Ein Knabe warst du kaum, als ich das Reich errettet.
Ich bin Octavian.

Phalarius.                    Der einst die Perser schlug?

Octavian.  So ist's.

Phalarius (entsetzt, wie aus einem Traum erwachend, aufschreiend).
                      Aus meinem Land, verhates Meteor!
Da meines Ruhmes Licht vor deinem nicht erlischt.
Du kmmst mir wie ein list'ger Rachedmon vor,
Der aus der Rose Scho als gift'ge Schlange zischt.
Entfleuch, du bist verbannt, gehrst dem Land nicht an.
Dein Glck ist Heuchelei, es kann sich nicht bewhren,
Hinweg aus meinem Reich mit solch verrcktem Wahn,
Du darfst nicht glcklich sein, sonst mt' ich dich verehren.

(Ab, die Jger folgen scheu.)



Sechste Szene.


Octavian (allein).
Da geht er hin, unglcklicher als der, den er verjagt.
Du bist verbannt, wie leicht sich doch die Worte sprechen;
So frhlich erst, und nun so bitter zu beklagen,
Doch nein, ich bin ein Mann, du sollst mein Herz nicht brechen.

(In die Htte ab.)



Siebente Szene.
Romantische Gegend auf Kallidalos.  Auf der einen Seite Huser, auf
der anderen Wald.  Lucina und Ewald, die Krone auf dem Haupte,
treten auf.


Lucina.  Du bist hier aus der kallidal'schen Insel, erhole dich von
deinem Schreck.

Ewald.  Vergib, da meine Nerven ngstlich zucken, noch ist die
Greuelszene nicht aus meinem Hirn entwichen, und nimmer mcht' ich
solchen Anblick mehr erleben.

Lucina.  Hier wirst du leichteren Kampf bestehn, mein armer Knig
ohne Reich.  Nun horch' auf mich: Auf dieser Insel herrscht die
feine Sitte, da sich der Knig und die Edelsten des Volkes am
ersten Frhlingstag im Tempel dort versammeln; von allen Mdchen
dieses Reichs, die zart geputzt dem kniglichen Aug' sich zeigen,
ernennet er die Schnste als des Festes Herrscherin und schmckt
das wunderholde Haupt mit einer Rosenkrone.  Dann whlet er aus
rst'ger Jnglingsschar den Tapfersten, der sich nicht weigern darf,
und schenkt ihm ihre Hand, nachdem er ihn zuvor zu einem Amt
erhebt.  Das Brautpaar wird sogleich an Cyprias Altar vermhlt; so
endet sich das Fest und dieses Tages Jubel.  Du sorgst, da dieser
Preis auf einem Haupte ruht, das sechzig Jahre schon des Lebens
Mh' getragen.  Doch drfen es nicht Rosen zieren, ein Myrtendiadem
mu auf der Stirne prangen, durch Weiber aufgedrckt, die neidisch
nach der Krone blicken, nach der sie selbst vergebens ringen.
Wodurch du dies bezweckst, wirst du wohl leicht erraten, die deine
leg' nun ab, ich will sie selbst verwahren.  (Ewald kniet sich
nieder, zwei Genien erscheinen aus der Versenkung, sie nimmt ihm
die Krone ab.) Sie ziemt nicht deiner Stirn.  (Gibt die Krone den
Genien.) Bewahrt sie wohl, beherrscht sie auch kein Reich, wird sie
doch viele Reiche retten.  (Die Genien versinken damit.) Hast du nun
einen Wunsch, so sprich ihn aus!

Ewald.  Ob mein Begleiter lebt, dies wnsch' ich wohl zu wissen,
auch seiner Sendung Zweck ist mir ein Rtsel noch.

Lucina.  Er lebt.  Wozu ich ihn bestimmt, wird sich noch heut
enthllen, bald siehst du ihn, doch magst du nicht ob der
Verndrung staunen, die sein Gemt erlitten hat, sie whret nur so
lang bis so viel Blut durch seine Hand entstrmt, als Wasser er aus
meinem Zaubersee getrunken.

Ewald.  Wie, einen Mrder werde ich in ihm erblicken?

Lucina.  Sei ruhig nur, ich lenke seinen Arm, befolge du nur mein
Gehei und fordre dann den Lohn.  Fr alles andre la die hohen
Gtter sorgen, die oft durch weise Wahl gemeine Mittel adeln, da
sie zu hohen Zwecken dienen.  (Ab.)



Achte Szene.


Ewald (allein).  Dies scheinen mir die letzten Huser einer groen
Stadt zu sein.  Ich will an eine dieser Pforten pochen, vielleicht
erscheint ein altes Weib, deren Geschwtzigkeit mir schnellen
Aufschlu gibt, und das ich gleich zu meinem Plan verwenden kann.
(Er klopft an die Tr des ersten Hauses.)

Atritia (sieht zum Fenster heraus).  Wer pocht so ungestm?  Weit du
noch nicht, da dieses Tor sich keinem Manne ffnet.

Ewald (fr sich).  Himmel, welch ein liebenswrdiger Mdchenkopf.

Atritia.  Dein Staunen ist umsonst.

Ewald (fr sich).  Sanftmut lauscht in ihrem Auge--

Atritia.  Tusche dich nicht.

Ewald (fr sich).  Und zeigt den Weg zu ihrem Herzen.

Atritia.  Es ist zu fest verschlossen.

Ewald (fr sich).  Ich mu mein Glck bentzen.

Atritia.  Du kommst mir nicht herein, das sag' ich dir.

Ewald.  Schnes Mdchen, erffne doch die Pforte, ich will so leise
ber ihre Schwelle gleiten, als schlich' ein Seufzer ber deine
sen Lippen.

Atritia.  Er ist ein feiner Mann und hat mich s genannt, nun kann
ich ihm denn doch nichts Bittres sagen.  Gern lie' ich dich herein,
doch darf ich nicht.

Ewald.  Wer hat es dir verboten?

Atritia.  Meine Muhme, sie sagt; du lassest keinen Mann mir ber
diese Schwelle treten.  Es ist ein hart Gebot, doch mu ich es
befolgen, sonst wrd' ich gern in deiner Nhe sein, denn du
gefllst mir wohl.

Ewald.  Nun gut, so komm zu mir heraus.  Hat sie dir denn gesagt, du
darfst zu keinem Manne ber diese Schwelle treten?

Atritia (unschuldig).  Das hat sie nicht gesagt.  Jetzt bin ich schon
zufrieden und komm zu dir hinaus.



Neunte Szene.
Ewald und Atritia.


Ewald.  Noch nie hat mich der Anblick eines Mdchens so entzckt.

Atritia (hpft heraus).  Also hier bin ich, was hast du zu fragen?

Ewald.  Ob du mich liebst?

Atritia.  Wie kann ich dich denn lieben, ich wei ja noch nicht, ob
du liebenswrdig bist.

Ewald.  Ja, wenn ich dir das erst erklren soll, dann hast du mir
die Antwort schon gegeben.

Atritia.  Bist du vor allem treu?  Bekleidest du ein Amt?  Bist du
vielleicht ein Held?  So geh hinaus und kmpfe mit dem Eber, und
hast du ihn erlegt, so kehr' zurck und wirb um meine Hand.

Ewald.  Ein Eber ist hier zu bekmpfen?

Atritia.  Ein mchtig groer noch dazu.  So gro fast wie ein Haus,
so hat mir meine Angst ihn wenigstens gemalt.

Ewald.  Hast du ihn schon gesehn?

Atritia.  Ei freilich wohl, er nhert sich der Stadt, verwstet alle
Fluren und hat ein Mdchen erst zerrissen, das heute als die
Schnste wr' gewi erwhlt worden.

Ewald.  Ist heut dieses Fest?

Atritia.  Ja, heute soll es sein, der Tempel ist schon reich
geschmckt, und alle Mdchen dort versammelt, doch als der Knig
eben sich dahin begeben wollte, im feierlichen Zug der Krieger, da
kam die Nachricht schnell, da sich der Eber zeigt und auf den
Feldern wtet.  Da lie der Knig alles, was nur Waffen trug, zum
blut'gen Kampfe gegen den Eber ziehn.  Drum findest du die Straen
leer.

Ewald.  Dann ist die hchste Zeit, da ich zu Werke schreite.  Ich
bin ein Mann von Ehre und deiner Liebe wert, doch sag' mir, holdes
Kind, wo find' ich wohl ein altes Weib mit sechzig Jahren, das noch
so eitel ist, da sie fr schn sich hlt?

Atritia.  Wo finde ich sie nicht, so solltest du mich fragen, die
gibt's wohl berall, das hab' ich oft gelesen.  Obwohl die Frage
nicht sehr artig ist, so wirst du gar nicht lange suchen drfen,
wenn du noch eine Weile mit mir sprichst, denn meine Muhme wird
bald nach Hause kommen und dich von ihrer Tr verjagen.

Ewald.  Ist sie so bse?

Atritia.  Leider ja.  Als meine Mutter starb, ward ich ihr bergeben
und vieles Geld dazu.  Sie mute mich erziehen, das tat sie auch,
doch von dem Gold, was ihr die Mutter hat fr mich zum Heiratsgut
vertraut, da will sie gar nichts wissen.  Sie schlgt mich auch,
wenn sie oft Langeweile hat, erst gestern noch, weil ich mich zu
dem Feste schmcken wollte, das gab sie denn nicht zu, sie sagt,
mich braucht kein Mann zu sehen.  Das hat mich sehr geschmerzt, ich
wnsche mir doch einen Mann, und wie soll mich denn einer frein,
wenn mich nie einer sieht?

Ewald.  Da sprichst du wahr, doch einer hat dich ja gesehn.

Atritia.  Und das bist du.  Doch wann wirst du mich wiedersehn?

Ewald.  Ist es dein Wunsch?

Atritia.  Ei frag' doch nicht, glaubst du, ich wr' zu dir
herabgekommen, wenn du mir nicht gefallen httest, du stndst noch
lange vor der verschlonen Tr, wenn du durch deinen Blick mein
Herz nicht frher aufgeschlossen httest.  Doch jetzt leb' wohl und
denk' darum nicht arg von mir, weil ich dir sag', da ich dich
liebenswrdig finde.  Dafr werd' ich's auch keinem andern sagen
mehr, und hab' es keinem noch gesagt.

Ewald.  Bezauberndes Geschpf, willst du mich schon verlassen?

Atritia.  Ich mu, such' deine Alte nur, hrst du, und hast du sie
gefunden (droht schalkhaft mit dem Finger), vergi nicht auf die
Junge!  (Luft ins Haus.)



Zehnte Szene.
Ewald allein, dann Simplizius.


Ewald.  Da luft sie hin; Lucina, wenn ich Lohn von dir begehr', so
ist es dieses Mdchens reizender Besitz.

Simplizius (ruft in der Luft).  Bruaho!

Ewald.  Wer galoppiert da durch die Luft?  Das ist Simplizius auf
einem Stier!

Simplizius (sinkt nieder).  Halt' Er an!  (Steigt ab.) So, da sind
wir alle zwei.  Nur wieder nach Hause ins Bureau!  (Der Stier fliegt
fort, Simplizius ruft nach.) Meine Empfehlung an die andern.

Ewald.  Simplizius, wo nehmen Sie den Mut her, sich so durch die
Lust zu wagen?

Simplizius.  Geht Ihnen das was an?  Haben Sie sich darum zu
bekmmern?  Kann ich nicht reiten, auf was ich will?  Glauben Sie,
weil Sie vielleicht auf einer flanellenen Schlafhauben
herbergeritten sind, so soll ich meine Herkulesnatur verleugnen?
Ah, da hat es Zeit bei den Preuen!

Ewald.  Aber mit welchem Rechte?

Simplizius.  Was, mit mir reden Sie von einem Recht, da kommen Sie
an den Unrechten.  Recht?  Wollen Sie vielleicht einen Proze
anfangen?  Glauben Sie, ich bin ein Rechtsgelehrter, der sich links
hinber drehen lt?  Da irren Sie sich!

Ewald.  Welch ein Betragen!

Simplizius.  Was Betragen, wer wird sich gegen Sie betragen?  Ich
betrag' mich gar nicht, um keinen Preis.

Ewald (verchtlich).  Gemeiner Wicht.

Simplizius.  Keine Beleidigung, junger Mensch, wenn ich nicht
vergessen soll, wer ich bin.

Ewald (lacht heftig).  Das ist zum Totschieen.

Simplizius.  Vom Totschieen reden Sie?  Wollen Sie sich duellieren
mit mir auf congrevische Raketen, oder sind Ihnen die vielleicht zu
klein, so nehmen wir ein jeder ein Haus und werfen wir's einer dem
andern zum Kopf, damit die Sach' ein Gewicht hat.  Wollen Sie?

Ewald.  Beim Himmel, wenn mich Lucina nicht gewarnt htte, ich mte
ihn zchtigen.

Simplizius.  Zchtigen?  Ha, beim--wie heit der Kerl?--Ha, beim Zeus,
jetzt gibt's Prgel.  (bricht mit dem Fu einen Baumast entzwei und
gibt ihm die Hlfte.) Nehmen Sie einen, die andern kommen nach.

Ewald.  Was wollen Sie?

Simplizius.  Satisfaktion will ich, Reimschmied!  (Packt ihn an der
Brust.)

Ewald.  Welch eine Kraft!  Lassen Sie mich los, Sie wtender Mensch.
(Entspringt.)



Elfte Szene.


Simplizius (allein).  Wart', du kommst mir schon unter die Hnd'.  Es
ist erschrecklich, ich kann mir nicht helfen, wie ich nur einen
Menschen seh', so mcht ich ihn schon in der Mitt' voneinander
reien.  Wenn ich nur einen Degen htt' oder ein Stiffilett, oder
wenn ich wo unter der Hand billige Kanonen zu kaufen bekm', ich
erschieet die ganze Stadt und die Vorstdt' auch dazu.  Da kommen
einige, die sollen sich freun.



Zwlfte Szene.
Simplizius.  Olinar und Astrachan.


Olinar (ein fetter Mann).  Wer lrmt denn hier so auf der Strae?
Das ist ja ein ganz fremder Mensch.

Simplizius.  Die Flachsen zieht's mir ordentlich z'sammen, wenn
einer redt auf mich.

Olinar.  Der sieht ja wie ein Straenruber aus, der Kerl hat nichts
Gutes im Sinn.

Simplizius.  Ich mu mich noch zurckhalten, bis ich Waffen hab'.
Ich werd' mir's erst sondiern.

Astrachan (rauh).  Was tobst du an diesem feierlichen Tag?  Pack'
dich von hier, du kecker Bursche.

Simplizius (lauernd).  Wie reden Sie mit mir?  Ich frag' Sie nicht
umsonst.

Astrachan.  Das brauchst du nicht, weil ich die Antwort dir nicht
schuldig bleiben und sie auf deinen Rcken legen werde.

Simplizius (erstaunt).  So, nur gleich?  (Fr sich.) Ist schon gut
unterdessen.  Der wird schon um'bracht, das ist der erste, den ich
expedier'.  Ich mu mir nur einen Knopf ins Schnupftuch machen,
damit ich's nicht vergess'.  (Tut es.)

Astrachan.  Hast du's gehrt, du sollst die Strae reinigen.  Mach'
dich fort.

Simplizius.  Ich soll die Strae hier reinigen?  Er mu mich fr
einen Gassenkehrer halten.  Das hat mir niemand zu befehlen, ich
bleib' hier.  (Setzt sich auf einen Stein.) Und wer nur einen Laut
von sich gibt--

Astrachan (will auf ihn zu).  Was?

Olinar (hlt ihn furchtsam zurck).  Behutsam, Freund, er hat ja
einen Prgel in der Hand.

Astrachan.  Was kmmert's mich, du wirst dich doch nicht frchten?

Olinar.  Ei bewahre.

Astrachan.  Schme dich als eine Gerichtsperson.  Gleich geh hin und
beweise deinen Mut.

Olinar (zittert).  Wer?  Wer, ich?  Ja, was soll ich denn tun?

Astrachan.  Ihn von hinnen jagen.

Olinar.  Ja, wenn er sich nur jagen lt, aber du wirst sehn--

Astrachan.  Red' ihn scharf an.

Olinar.  Hochzuverehrender Freund!

Simplizius (springt zornig auf).  Was gibt's?

Olinar (erschrickt heftig).  Da hast du's jetzt, ich hab's ja gleich
gesagt.

Simplizius.  Was will der Herr?

Astrachan (der Olinar hlt).  Mut, Mut, ich helfe dir schon.

Olinar.  Ja, la mich nur nicht stecken.  (Nimmt sich zusammen, laut.)
Er ungezogner Mensch!

Astrachan.  Nur zu, so ist's schon recht.

Olinar.  Wenn Er's noch einmal wagt, in einem solchen Tone zu
sprechen--

Astrachan (freudig).  Vortrefflich!  Siehst du, wie er zittert?

Olinar.  Du irrst dich, Freund, das bin ja ich.  (Zu Simplizius.) So
werd' ich Ihm--(Zu Astrachan.) Ja, was werd' ich geschwind?

Astrachan (heimlich).  Die Kehle schnren, da Er an mich denken
soll.

Olinar.  Die Kehle schnren, da Er an mich denken soll!  (Wischt
sich den Schwei ab.) Ha, das war viel gewagt.

Simplizius.  Die Kehle schnren?  Das ist ein Schnrmacher.  Nu, den
knnen wir auch mitnehmen.  (Macht einen Knopf.) Detto!  (Macht die
Bewegung des Erdolchens.)

Astrachan.  Du hast dich gut gehalten, jetzt la mich reden.  Hr',
Kerl, wenn du jetzt nicht augenblicklich gehst und dich in unserer
Stadt noch einmal blicken lassest, so wirst du sehen, was unsere
Gerechtigkeit an einem solchen Lumpenhund fr ein Exempel statuiert.


Simplizius.  Ah, das ist ein hantiger.  Der mu viermal nacheinander
sterben.

Astrachan.  Ha, gut, dort kommen Abukar und Nimelot.

Olinar.  Das sind zwei verwegene Bursche.

Simplizius.  Verwegene Bursche?  Da mach' ich gleich im voraus Knpf'.
(Macht sie.)



Dreizehnte Szene.
Vorige.  Abukar und Nimelot, bewaffnet.


Abukar.  Was hast du, Astrachan?  Du lrmst ja ganz entsetzlich.

Astrachan.  Wir haben unsern Spa mit diesem Burschen da, das ist
der dreisteste Kerl, den ich noch gesehen habe.

Olinar (keck).  Ja, ja, das ist ein abgefeimter Schurke.  (Fr sich.)
Jetzt sind wir unser vier, jetzt soll er mir nur trauen.

Simplizius.  Ich hr' ihnen nur so zu, auf einmal geh' ich los.

Abukar und Nimelot (stellen sich neben Simplizius und klopfen ihn
auf die Schulter und lachen.)

Abukar.  Hahaha, der sieht ja wie ein Orang-Utan aus.

Nimelot (lachend).  Die aufgeschlitzte Nase und der breite Mund!

Simplizius.  Bravo, nur zu, sind schon vorgemerkt.  (Deutet auf sein
Tuch.) Werden schon Exekution halten, bleibt nicht aus.

(Alle lachen.)

Abukar.  Seht ihn nur an, das ist ja die einfltigste Miene, die mir
noch vorgekommen ist.

Simplizius.  Ah, jetzt mu ich doch Rebell schlagen.  (Laut.) Was
glauben denn Sie so?  Glauben Sie, ich bin Ihr Narr, da Sie sich
ber meine Physiognomie lustig machen.  Was fehlt denn meinem
Gesicht?  Die Hlichkeit vielleicht?  Die ist nirgends mehr zu
finden, weil Sie s' alle auf den Ihrigen haben.

Alle (lachen).  Ein drolliger Kerl!

Simplizius.  Nu, da haben wir's, nicht einmal ordentlich lachen
knnen s' mit dem G'sicht, da lach' ich mit dem linken Ellbogen
besser, als die mit dem Maul.  Sagen Sie mir, wer hat Ihnen denn die
Beleidigung angetan, Ihnen eine solche Physiognomie aufz'binden?
Die Natur vielleicht?  Die setz' ich ab, wenn sie mir noch einmal
solche G'sichter macht, das sind Keckheiten von ihr, ich brauch'
sie nicht, wenn sie so schleuderisch arbeitet.  Was brauchen wir
eine Natur, die Welt ist lang genug unnatrlich g'wesen, sie kann's
noch sein.

Abukar.  Der Bursche mu Hofnarr werden, der macht mich schrecklich
lachen.

Simplizius.  Hofnarr?  Das ist eine Beleidigung!  Satisfaktion!

Olinar.  Er hat Mut wie ein Lwe.

Simplizius.  Lwe?  Das ist gar eine viechische Beleidigung.  Doppelte
Satisfaktion!

Astrachan.  Der Kerl ist ber einen Spartaner.

Simplizius.  Spartaner?  Das wird wieder ein andres Vieh sein.  Ich
kenn' mich gar nicht mehr vor Zorn.  Heraus, wer Mut hat, einen mu
ich spieen.  (Fat Olinar.) Was ist's mit Ihnen, wollen Sie sich
mit mir schlagen oder wollen Sie sich schlagen lassen?

Olinar.  Hilfe!  Hilfe!

Abukar (packt Simplizius am Genick und beutelt ihn).  Nun hast du
Zeit, Bube.

Astrachan.  Ins Gefngnis, fort mit ihm.

Simplizius (reit dem Olinar den Sbel aus der Scheide).  Jetzt
reit mir die Geduld.  (Haut auf Abukar ein, der ihm die Lanze
entgegen hlt, welche er ihm aus der Hand schlgt.) Ihr verdammten
Kallidalier!  Jetzt wird's Leben wohlfeil werden.  (Er kmpft mit
allen und jagt sie in die Flucht, einige verlieren ihre Waffen,
einer den Helm.)

Olinar (im Ablaufen).  Ich hab's voraus gesagt, ihr Gtter, seid uns
gndig.



Vierzehnte Szene.
Simplizius (allein).  Ha, Pompei ist erobert, Sieg ber die Kalmuken!
Da gibt's Waffen.  (Er setzt sich den Helm auf.) Her da mit dem
Helm!  (Nimmt das Schwert, steckt es in die Binde und hebt den Spie
auf.) Das ganze Zeughaus hng' ich um.  So, jetzt ist der Stefan
Fdinger fertig.  Rache, Rache!  Alles mu bluten.  Einen Ha hab' ich,
ich glaub', es drft' mich einer spieen, mir war's nicht mglich,
ihn zu kssen.  Die ganze Welt ist mir zuwider.


Lied.
Wenn s' mir die Welt zu kaufen geb'n,
Ich wei nicht, ob ich's nimm;
Da knnt man ein' Verdru erleb'n,
Es wrd' ein' vllig schlimm.
Und lie' man's wieder lizitier'n,
Was knnt' man da viel profitier'n?
Vors erste ist s' ein alt's Gebu',
Wer wei, wie lang s' noch steht,
Das sieht man an Massana glei',
Da s' sicher untergeht.
Und fllt ein' so a Welt ins Meer,
Wo nimmt man g'schwind a andre her?

Die Vlker steh'n mir auch nicht an,
D' Kalmuken, d' Hugenotten,
Und wen ich gar nicht leiden kann,
Das sind die Hottentotten.
Da mcht' ich grad' vor Wut vergeh'n,
Und ich hab' nicht einmal ein' g'seh'n.

Auch ist's ein Elend mit den Tier'n,
A' bloe Fopperei,
Was kriechen s' denn auf allen vier'n,
Ich geh' ja auch auf zwei.
Die meisten knnen uns nur qul'n,
Am liebsten sind mir die Sardell'n.

Die Sonn', die ist schon lang mein Tod
Mit ihrer den Pracht,
Der Mondschein macht sich's gar kommod,
Der scheint nur bei der Nacht;
Und dann die miserablen Stern',
Die wei man gar nicht, zu was s' g'hr'n.

Kurzum, ich hass' die ganze Welt,
Im Sommer wie im Winter,
Mir liegt sogar nichts an dem Geld,
Es ist nicht viel dahinter.
Ein einz'gen Menschen nur allein,
    (Deutet auf sich.)
Wt' ich--dem ich noch gut knnt' sein.
    (Ab.)





Fnfzehnte Szene.
Ewald und Aloe.


Aloe (mu von einer jugendlichen Schauspielerin dargestellt werden
mit grauen Haaren; sie hat den Kopf in ein Tuch gewickelt, wie eine
griechische Matrone, und geht etwas gebckt.) Nein, nein, mein
lieber schmucker Herr, das geht nicht so geschwinde, das Mdchen
ist zu jung, sie braucht noch keinen Freier.  Ach, du keusche Gttin
Diana, kaum bin ich eine Stunde aus dem Hause, um die tapferen
Mnner zu bewundern, so fngt das Mdchen Liebeshndel an.  Wo habt
Ihr denn das ungeratene Kind gesprochen?

Ewald.  Am Fenster sprach ich sie.

Aloe.  Seht doch, und glaubt Ihr denn, man heiratet bei uns die
Mdchen gleich vom Fenster nur herunter, wie man Zitronen pflckt?
Lat Euch den Wunsch vergehen.  Ich sehe fnfzig Jahre schon zum
Fenster heraus und hab' mir keinen Mann erschaut, so lange kann sie
auch noch warten.  Ich kenn' Euch nicht einmal, wer seid Ihr denn?

Ewald.  Ein Fremdling bin ich.

Aloe.  Ei, das seh' ich, denn unsere Mnner kenn' ich alle.  Doch was
besitzt Ihr in der Fremde?

Ewald.  Ein Gut, das mir kein Unfall rauben kann, ein treu Gemt und
krftigen Verstand.

Aloe.  Wer sagt Euch, da Verstand ein sichres Erbteil sei, wie
knnt' es denn so viele Narren geben?

Ewald.  Und eine Kunst, die alle Knste bertrifft.

Aloe.  Vielleicht die Kunst, mich hinters Licht zu fhren?

Ewald.  Im Gegenteil, ich mchte Eure Schnheit gern im hchsten
Glanz erscheinen lassen.

Aloe.  Ich hr's nicht gern, wenn man von meinen Reizen spricht, es
ist mir nicht mehr neu; Gewohnheit ttet unsre schnsten Freuden.
Doch weiter nun, ach, mein Gedchtnis ist so schwach, wovon habt
Ihr zuletzt gesprochen?

Ewald.  Von Eurer Schnheit war die Rede, ja.

Aloe.  Ja, ja, das war's, was ich nicht hren mochte.  Ihr wolltet
sie erhhn?

Ewald.  Zum Venusrang, wenn Ihr mir Eurer Nichte Hand gelobt.

Aloe.  Was fllt Euch ein, Atritia ist ein unbemittelt Kind, um
keinen Preis!

Ewald.  Auch nicht um den, den heut im Tempel dort der Knig reicht?

Aloe (erschrocken).  Seid Ihr von Sinnen?  Bin ich erschrocken doch,
als htt' mich Amors Pfeil getroffen.  Ich bin schon eine
ausgeblhte Rose, die nicht im Frhlingsschein mehr glnzt.

Ewald.  Ich will durch meine Kunst Euch diesen Glanz verleihn.  Vor
allen Tchtern dieses Reichs sollt Ihr den Schnheitspreis erringen,
 doch Eure Nichte ist dann mein, ich fhr' sie mit mir fort.

Aloe.  Ihr knntet das, ein Sterblicher, bewirken, wofr ich mich
dem Cerberus schon verschrieben htte, wenn er's vermgen knnte?

Ewald.  Ich geb' Euch darauf mein Wort, und brech' ich es, braucht
Ihr das Eure nicht zu halten.

Aloe.  Macht mich nicht wahnsinnig.  Ihr wolltet Aloe verjngen?

Ewald.  Warum denn nicht?  Wenn Aloe, die Pflanze, mit hundert Jahren
neue Blumen treibt, warum soll Aloe, das Weib, mit sechzig nicht
erblhn?

Aloe.  Mit sechzig, ja, da habt Ihr recht, das ist die wahre
Bltenzeit.  Mir ist, als blht' ich schon--fang' schon an zu duften.
O Himmel, welch ein Glck, ich fhle mich schon jung, mich hindern
blo die Jahre.

Ewald.  So migt Euch, es ist ja noch nicht Zeit.  Erwartet mich im
Haus, ich mu mich erst dem Knig zeigen.  Geht nur hinein und sagt
Atritien, da sie mein Weib soll werden.

Aloe.  Ja, ja, Ihr sollt Atritien haben, ich schenke sie Euch.  Ach,
wenn ich eine Herde solcher Mdchen htte, Ihr knntet alle sie
nach Eurem Lande treiben.  Nur fort damit, nur fort, die Schnste
bleibt zurck.  Die Schnste--eine Welt von Wonne liegt in diesem
Namen.  Und bin die Schnste ich, wird mir der schnste Mann.  Der
schnste Mann!  Ach, wie viel Welten kommen da zusammen!--(Gegen das
Haus.) Atritia, Atritia, wir kriegen beide Mnner!  O Gtter, steht
mir bei, das kostet den Verstand.  (Eilt freudig ab.)



Sechzehnte Szene.


Ewald (allein).
Wie fhlt ein Jngling doppelt holder Liebe Wert,
Wenn er das Alter den Verlust betrauern hrt.

Geschrei (von innen).  Der Eber ist erlegt.  Es leb' der groe Held!

Ewald.  Der Eber ist erlegt, des Landes borst'ge Plage.  Da kmmt
Simplizius, und voll Angst.  Ist seine Wut verdampft?



Siebzehnte Szene.
Voriger.  Simplizius.


Simplizius.  Sind Sie da?

Ewald.  Was bringen Sie, Simplizius?

Simplizius.  Stellen Sie sich vor, ich hab' den Eber umgebracht.

Ewald.  Sie?  Nicht mglich.

Simplizius.  Nun, sie sagen's alle.

Ewald.  Alle?  Wer?

Simplizius.  Die Vlkerschaften, die mir zugeschaut haben.

Ewald.  Das ist ja ein ungeheures Schwein.

Simplizius.  Versteht sich, ein grres als wir alle zwei.

Ewald.  Das haben Sie nicht allein erlegt, da mu Ihnen wer geholfen
haben.

Simplizius.  Jetzt ist's recht, wenn einem einmal was g'rat, so
sagen Sie, es mu einem einer g'holfen haben.  Er hat ja nur einen
Stich, das kann man ja doch gleich sehen.

Ewald.  Wie ging es aber zu?

Simplizius.  Ganz kurz, denn wer wird sich mit einem Eber in ein'n
langen Diskurs einlassen?  Sie wissen, da heut groe Jagd auf ihn
veranstaltet war.  Alles war versammelt drau' beim grnen Baum, da
kommt der Eber alle Tag' zum Frhstck hin.  Alle Krieger waren voll
Feuer, und in mir hat's gar schon gekocht.  Aus einmal wird einer
totenbla und ruft: Der Eber kommt, jetzt rauft, rauft!  Aber das
Wort rauft mu in der hiesigen Sprach' eine andre Bedeutung haben
und mu heien lauft; denn kaum war das Wort heraus, so sind schon
alle davong'loff'n.  Kaum waren s' fort, wer kommt?  Der Eber.  Ich
erseh' ihn kaum, so fat mich eine Wut, ich strz' mich auf ihn los
und stich ihn auf der unrechten Seiten hinein und auf der rechten
wieder heraus.

Ewald.  Unerhrt, und wie er fiel, was dann?

Simplizius.  Dann bin ich auch davong'loff'n.  Was weiter g'schehn
ist, wei ich nicht, vermutlich haben sie eine Schwein aufgehoben.

Ewald.  Also nach der Tat haben Sie den Mut verloren?

Simplizius.  Versteht sich, das ist ja eben das Groartige; vorher
ist's keine Kunst.  Kaum ist der Eber in seinem Blut dagelegen, ist
er mir noch zwanzigmal grer vorg'kommen als vorher, so da ich zu
zittern ang'fangt hab', und hab' ihn nicht ansehn knnen mehr.
Alles hat zwar g'schrien; Halt, verweil', du groer Held!  Aber ich
hab' mir gedacht, schreit ihr zu, solang ihr wollt, ich bin nicht
der erste Held, der davon g'loff'n ist, und werd' auch nicht der
letzte sein--und bin fort.

Geschrei (von innen).  Heil dem grten aller Helden!

Simplizius.  Hren S', sie schrein schon wieder.  Gibt kein' Ruh',
das Volk.

Ewald.  Simplizius, Sie werden reichen Lohn erhalten.

Simplizius.  Glauben S', da was herausschaut?  Ich werd' ihnen schon
einen rechten Konto machen, was ich an Eberarbeit g'liefert hab'.
Oder sie sollen mich nach dem Pfund bezahlen.  Ich lass' ihn beim
Wildbrethndler wgen, was er wgt, das wgt er.  Punktum!  (Aloe
zeigt sich am Fenster.) Doch sagen Sie mir, wann werden wir denn
einmal das Reich erretten, wenn immer etwas dazwischen kommt?  Bald
ein Erdbeben, bald ein Eber.

Ewald.  Dafr lassen Sie die Gtter sorgen, wir gehorchen nur.  Sehen
Sie doch nach jenem Fenster.

Simplizius.  Ah, da schau' ich nicht hinauf.

Ewald.  Warum denn nicht?

Simplizius.  Weil eine Alte herausschaut.

Ewald.  Freund, das ist mein Ideal, die mu mir heut noch als die
grte Schnheit glnzen.

Simplizius.  Die da?  Nun, da drfen S' schn politier'n, bis die zum
glanzen anfangt.

Ewald.  Das wird der Zauberschein der Fackel tun.  Der Knig mu den
Preis ihr reichen; drum stellen Sie als Ihren Freund mich bei ihm
vor, damit er mir Gehr verstattet.  Sehen Sie nur, dort nahen sich
die Krieger im feierlichen Marsch, man suchet Sie.

Simplizius.  Ah, sie sollen marschier'n, wohin sie wollen, ich
brauch' sie nicht.



Achtzehnte Szene.
Vorige.  Dardonius.  Hflinge.  Dazu Nimelot.  Abukar.  Astrachan.
Olinar.


Chor (der Krieger, welche aus die Bhne ziehen).

Dank dem Helden, den die Gtter
Mit des Lwen Mut gesthlt.
Und den zu des Landes Retter,
Gndig waltend sie erwhlt.

(Sie bilden einen Kreis.)

Dardonius (in freudiger Begeisterung).  Wo, sagt, wo ist meines
Landes wunderbarer Retter?

Ein Hfling.  Hier ist der edle Jngling, hoher Frst.

Simplizius (fr sich).  Meint der mich?

Olinar.  Hat der den Eber erlegt?

Abukar.  Wer hatte das gedacht?

Dardonius.  La dich umarmen, Fremdling.  (umarmt ihn.) Nimm des
Knigs Dank.

Simplizius.  Ich bitt' recht sehr, machen Sie kein solches Aufsehn,
es ist ja gar nicht der Mh' wert, wegen der Kleinigkeit da, wegen
dem bissel Eber.

Dardonius.  Also du hast dieses Ungetm erlegt?

Simplizius.  So schmeichl' ich mir.

Krieger.  Wir waren alle Zeugen.

Dardonius.  Heldenmtiger Mann, sieh hier des Dankes Trnen in den
Augen meines Volkes.

(Die Hflinge weinen.)

Simplizius.  Jetzt weinen die gar wegen einem Schwein, das ist mir
unbegreiflich.

Dardonius.  Gtter, wie knnen in so schwach gebautem Krper solche
Riesenkrfte wohnen?

Simplizius.  Ja, das ist eben das Hasardspiel der Natur, da ein
Elefant in einer Nu logiert.

Dardonius.  Sprich, wie kann ich dich belohnen?

Simplizius.  Ja, ich mt' da erst einen berschlag machen, das
dauert zu lang', ich berlass' das Ganze der Indiskretion Euer
Majestt, wir werden kein' Richter brauchen.

Dardonius (fr sich).  Dieses Mannes Ausdrcke versteh' ich nicht.
(Laut.) Ihr Krieger, deren oft bewiesner Mut der Heldenstrke
dieses Jnglings weichen mu, sagt selbst, verdient die Tat, da
sie ein Lorbeer lohnt?

Alle.  Ja, sie verdient es.

Simplizius.  Sapperment, ein'n Lorbeer geben s' mir gar dafr, da
wr' mir schon eine Halbe Heuriger lieber.

Dardonius.  Wohlan, so schmcket ihn damit.

(Die Krieger brechen einen Lorbeerzweig von den Bumen und winden
einen Kranz.)

Simplizius.  Sie, Freund--(zu Ewald) soll ich denn das Gestrauchwerk
annehmen?  Das ist ja nicht zwei Groschen wert.

Ewald.  Was fr ein Gestruch?

Simplizius.  Ein' Lorbeer wollen s' mir geben, da wr' mir ein
Spenat noch lieber.  Mir scheint, sie wollen mich prellen, was?

Ewald.  Was fllt Ihnen denn ein, ein Lorbeer ist die hchste
Auszeichnung, nach der die grten Mnner aller Zeiten je gerungen
haben.

Simplizius.  Nach dem Lorbeer?  Nun der mu schn herunter kommen
sein, jetzt nehmen sie ihn schon gar zum Lungenbratl.

Ewald.  Lassen Sie sich doch belehren.  Sie rauben ja der Menschheit
ihren Adel.

Simplizius.  Ist denn die Menschheit von Adel, das hab' ich auch
nicht gewut.

Ewald.  O Vernunft, wie erhht der Umgang mit den Tieren deinen Wert.


Dardonius.  Habt ihr ihn bereitet?

Erster Hfling.  Hier ist er.  (Bringt den Kranz mit roten Beeren auf
einem Schild.)

Simplizius.  So ist's recht, nicht einmal in einer Sauce.

Dardonius.  Nun beug' dein Knie, ich selber will dich krnen.

Simplizius (kniet).  Das sind Umstnd'.

Olinar.  Ein unbarmherz'ges Glck.

Dardonius.  In meinem und des ganzen Reiches Namen umwind' ich deine
Heldenstirn' mit diesem Ehrenkranz.

Simplizius.  Da bin ich versorgt auf mein Lebtag, wenigstens gehn
mir die Fliegen nicht zu.

Dardonius.  Wie heiest du?

Simplizius.  Simplizius.

Dardonius.  Das ganze Heer lobpreise diesen Namen.

Alle Krieger.  Hoch leb' Simplizius, der Retter unsres Landes!

Dardonius.  Steh auf, der Kranz ist dein.

Simplizius (steht auf).  Die haben mich schn erwischt, das ist ein
Undank!  Ich mu aussehn, wie ein Felberbaum.  (Beutelt den Kopf.)

Dardonius.  Und damit du meines hchsten Dankes Wert erkennst, so
sollst du Unterfeldherr sein.

Simplizius.  O Spektakel, jetzt nehmen s' mich gar zum Militr.
Unterfeldscherer mu ich werden.

Ewald.  Der Mensch bringt mich zur Raserei.

Olinar.  Das ist ein uerst dummer Mensch.

Alle.  Heil dir, Simplizius!

Hfling.  Man bringt den Eber, hoher Frst.

Simplizius.  Was?  Nun, den tt' ich mir noch ausbitten, da trifft
mich gleich der Schlag.



Neunzehnte Szene.
Vorige.  Sechs Krieger bringen einen ungeheuren Eber auf einer Trage,
welche sie in die Mitte der Bhne setzen.


Ewald.  Ein sehenswertes Tier.

Simplizius.  Ich schau ihn g'wi nicht an.

Dardonius.  Bewundre deine Riesentat.

Simplizius.  Ah, das ist schrecklich, er ist schon wieder g'wachsen.
(Zu Ewald.) Das Tier nimmt gar kein End', schauen Sie ihn nur an,
mir scheint, er rhrt sich noch, er ist nicht tot.

Dardonius.  Ergtze dich an deinem Sieg!

Simplizius.  Sie, halten S' mich, mir wird nicht gut.  Ich verlier'
meinen Lorbeer noch aus Angst.  Der packt mich an, er hat ein Aug'
auf mich, sehen Sie ihn nur an.

Ewald.  So fassen Sie sich doch.

Simplizius.  Reden S' nur nicht vom Fassen, sonst ist er gleich da.
Ich halt's nicht aus.  (Schreit.) Euer Majestt, schaffen Euer
Majestt den Eber fort.

Mehrere Hflinge.  Wie, der Knig?

Simplizius.  Da ist mir alles eins, wegen meiner die Knigin.  Nur
fort mit ihm, es g'schieht ein Unglck sonst.

Dardonius.  Was bebst du so?

Simplizius.  Aus lauter Kraft, das ist der berflss'ge Mut.  Eine
Lanzen!  (Man reicht ihm eine Lanze--leise.) Da ich mich halten
kann, sonst fall' ich z'sammen.  Fort mit ihm, nur fort, ich stech'
ihn noch einmal z'sammen, den Sapperment, ich kenn' mich nicht vor
Wut (beiseite) und vor Angst.

Dardonius.  So bringt den Eber fort.  (Fr sich.) Der Mann ist mir
ein Rtsel.

Olinar.  Spricht so der Mut sich aus, dann bin ich auch ein Held.

Dardonius.  Ihr seid gewi, da er, nur er, den Eber hat erlegt.

Die Krieger.  Wir sind's.

Dardonius.  Das ist mir unbegreiflich.

Simplizius (fr sich).  Mir schon lang.

Hfling (leise zum Knig).  Er ist verstandlos und gemein.

Dardonius.  Gleichviel.  So lohnen wir die Tat, nicht den, der sie
beging.  Erhebet ihn und tragt ihn im Triumphe nach dem Tempel, dort
schmckt ihn, wie die Sitte es erheischt.  Leb' wohl, mein Held, ich
folge bald.

(Die Krieger bilden mit ihren Schildern eine Treppe.)

Simplizius.  Nein, was sie mir fr eine Ehr' antun, zuerst tragen s'
die Wildsau und nachher mich.--Da hinauf?  Ah, das wird ein Triumph
werden, wenn sie mich da herunterfallen lassen, da werd' ich auf
meinen Lorbeern ruhn.  (Steigt hinauf.)

Krieger.  Es lebe Simplizius.

Simplizius.  Jetzt heben s' mich auf einen Schild.  Da heit's beim
grnen Kranz.  Eine schne Aussicht hat man da heroben.  Nur Obacht
geben, sonst heben wir noch was auf.  (Der Marsch beginnt, man will
ihn forttragen, er schreit.) He, Sapperment, ich hab' noch was
vergessen.  Halt, halt, die ganze Armee soll halten!  (Man hlt.)
Euer Majestt, ich bitt', auf ein Wort.

Dardonius (tritt nher).  Was verlangst du?

Simplizius (zu Ewald).  Sie, kommen S' ein bissel her.  Euer Majestt
erlauben, da ich Euer Majestt bei meinem Freund auffhr', er
wnscht dero Bekanntschaft zu machen, und aus lauter Triumph htt'
ich bald drauf vergessen.  Ha, ha, ha, empfehl' mich.  (Zu den
Kriegern.) Nur vorwrts mit dem Zug.

Chor (der Krieger).
Dank dem Helden, den die Gtter
Mit des Lwen Mut gesthlt,
Und den zu des Landes Retter
Gndig waltend sie erwhlt.

(Alles ab, bis auf)



Zwanzigste Szene.
Dardonius.  Hflinge.  Ewald.  Aloe entfernt sich vom Fenster.


Hflinge.  Ein sonderbarer Mann, ganz unwert solcher Ehre.

Dardonius.  Du bist des tapfern Mannes Freund?

Ewald (beiseite).  Was soll ich sagen.  (Laut.) Das bin ich, edler
Frst.  (Fr sich.) Die Schande drckt mich fast zu Boden, da ich
dieses dummen Menschen Freund sein mu.

Dardonius.  Er ist ein Held, wie mir noch keiner vorgekommen ist,
und hat dem Lande Wichtiges geleistet, drum magst auch du auf die
Gewhrung eines Wunsches rechnen.

Ewald.  Es ist ein Wunsch, der sich mit dieses Landes Ehre wohl
vertrgt.  Ich will dein Aug' auf deines Reiches hchste Schnheit
lenken, die nur bis jetzt in stiller Abgeschiedenheit gelebt.

Dardonius.  Bring' sie zum Fest, verdient sie den Preis, soll er ihr
nicht entgehen, doch ungerecht darf ich nicht handeln.

Ewald.  So khn ist meine Bitte nicht.  Nur magst du sie nicht selbst
mit einem Kranz von Rosen schmcken, es mssen edle Frauen deines
Landes ein Myrtendiadem auf ihren Scheitel drcken.

Dardonius.  Es soll geschehn, find dich nur bald im Tempel ein, denn
eh' noch Phbus' Rosse aus Poseidons Fluten trinken, mu unser Fest
beendet sein; damit die Nacht, die aller Schnheit Glanz verdunkelt,
 dem ruhmbeglckten Tag nicht seinen Sieg entreit.  (Geht ab, die
Hflinge folgen.)

Ewald (allein).  Es krnkt mein Herz, da ich dich, edler Knig,
tuschen mu, weil dir ein khner Augenblick erschtternd zeigen
wird, wie sechzig unbarmherz'ge Jahre der holden Schnheit Bild in
Hlichkeit verwandeln.  (Geht ab, in Aloes Haus.)



Einundzwanzigste Szene.
(Vorhalle in Aloes Wohnung.)

(In der Mitte des Hintergrundes sttzt ein breiter praktikabler
Pfeiler das Gewlbe, soda sich dadurch zwei ffnungen bilden,
wovon der Eingang zur Rechten durch eine drei Schuh hohe Balustrade,
welche von der Kulisse bis zum Mittelpfeiler reicht, geschlossen
ist.  In diese Halle, welche im Dunkel gemalt ist, fhrt eine
Seitentr nach Atritiens Zimmer.  Die Halle links ist licht, weil
sich auf dieser Seite ein Fenster befindet.)

Aloe tritt ein.


Aloe (aus Atritiens Gemach kommend und in dasselbe zurckrufend).
Bleib du im Gemache nur (verschliet die Tr), er darf dich nicht
frher sprechen, bis ich mit meinen Reizen erst in Ordnung bin.
Vielleicht verliebt er sich dann wie Pygmalion in sein eignes Werk
und gibt dir einen Korb.  Hier ist er schon, der holde Mann!



Zweiundzwanzigste Szene.
Vorige.  Ewald.


Ewald.  Nun, hier bin ich, schnell zum Werk.  (Gebieterisch.)
Bereitet Euch, um schn zu werden.

Aloe (pathetisch).  Wer wre dazu nicht bereitet, Erwartung spannt
jede Faser, und Ungeduld zersprengt mir noch das Herz.

Ewald.  Kniet Euch nieder, fleht die Gtter an.

Aloe (kniet).  Gtter, die ihr tausend Himmel ausgeschmckt mit
Schnheit habt, ffnet eure Vorratskammern und das Fllhorn ew'ger
Jugend gieet auf mein Haupt herab!  Alles will ich gern erdulden;
Werft mich in des tna Krater, speit er mich nur schn heraus; lat
mich tief im Meere verschmachten, bis ich mich in Schaum auflse
und als Venus neu ersteh'; schenkt mir Millionen Muscheln, wo nur
eine birgt die Schnheit, und ich will sie alle ffnen, bis ich auf
die rechte komme.  Gtter, lat euch doch erbitten; denn ich stehe
nicht mehr auf.  (Breitet die Hnde aus.)

Ewald.  Steht wieder auf, jetzt seid Ihr schn.

Aloe (steht schnell auf).  Wollt Ihr mich zur Nrrin machen, ich
seh' ja nicht die mindeste Vernderung an mir.

Ewald.  Weil es hier zu dunkel ist, lat mich erst die Leuchte
schwingen.  (Er schwingt die Leuchte und stellt sie in einen Ring
des Pfeilers, doch so, da die Halle links beleuchtet wird, die
andere dunkel bleibt.  Augenblicklich verwandelt sich Aloe in ein
junges reizendes, rosig gekleidetes griechisches Mdchen, mit
weien Rosen geziert.) Nun beseht Euch in dem Spiegel.  (Er hlt ihr
einen Handspiegel vor, der auf einem Tischchen liegt.)

Aloe.  Nein, unmglich, Venus blickt aus diesem Glase.  Schwrt mir,
da ich's selber bin.

Ewald.  Ja, Ihr seid's, mein Haupt dafr.

Aloe (pltzlich stolz).  Nun, ihr Weiber, die die Welt, blind genug,
fr schn erklrt, wagt es, euch mit mir zu messen, Bettlerinnen
seid ihr alle.  Ha, so gro ist meine Freude, da ich dich umarmen
mu.  (Kt ihn.)

Ewald.  Sie gefllt mir selbst beinah, doch mich kann sie nicht
verfhren, denn will ich meine Liebe dmpfen, so lsch' ich nur die
Fackel aus.

Aloe (fr sich).  Ha, er scheint sich zu verlieben; doch er ist mir
jetzt zu wenig; nun mu ein Knig kommen, wenn ich meine Hand
verschenke.

Ewald.  Bald straft sich dein bermut.  (Gezogen.) Hrt mich, schne
Aloe.

Aloe (entzckt).  Was verlangst du, holder Mann?

Ewald.  Haltet nun auch Euer Wort, weil ich meines hab' erfllt.
Lat Atritien mich sprechen.  Ruft sie mir.

Aloe.  Wartet nur, ich hab' sie fest verschlossen.  Na, die wird vor
Galle bersten, wenn sie meine Schnheit sieht.  (Sie geht durch die
lichte ffnung des Bogens.  Wie sie hinter den Pfeiler tritt, bleibt
sie stehen und eine andere von gleicher Gre, gekleidet wie Aloe
als Alte war, geht ohne Pause statt ihr zur Seitentr in der
dunkeln Halle, schliet sie auf und geht hinein.  Wie sie die Tr
ausschliet, spricht:)

Ewald (lachend).  Ha, ha, nun ist sie wieder alt, weil sie die
Fackel nicht bescheint.

Aloe (strzt aus dem Gemache, wie sie zu dem Pfeiler kommt,
wechseln die Gestalten).  Wie geht das zu, da mich Atritia nicht
bewundert?

Ewald (fr sich).  Das glaub' ich gern.  (Laut.) Ihr irrt Euch ja.
(Ruft.) Atritia, komm heraus!

Atritia (aus dem Gemach, eilt auf Ewald zu, ohne Aloe zu achten).
Ich komme.  Es ist seine Stimme, sag' Fremdling, ist es wahr, soll
ich dein Weibchen werden?

Ewald.  So ist's, doch sieh dich um.

Atritia.  Ah, Himmel, was erblick' ich.  Das ist die Gttin Venus
selbst.  (Fllt auf die Knie.) Nein, solche Schnheit hab' ich noch
nie gesehen.

Aloe (triumphierend).  O Labsal, Honig fr den Stolz.  Da kniet sie
jetzt, die mich so oft verlacht.

Atritia (hlt die Hnde zusammen).  Groe Gttin, steh uns bei.

Ewald.  Steh auf, es ist nur deine Muhme.

Atritia.  Was sprichst du da?  Die Muhme?

Ewald.  Sie ist's, ich hab' sie so verschnert.

Atritia (steht auf).  Die alte hliche Aloe?  Nicht mglich!

Aloe (bricht los).  Du ungezogenes Kind, du wagst es, mein
ehemaliges Ich hlich zu nennen?  Geh mir aus den Augen oder ich
vergreife mich an dir.  Der rger kostet mich das Leben.

Atritia.  Ja, du hast schon recht, sie ist's; so spricht die Gttin
Venus nicht.  O sag', wirst du mich auch verschnern?

Ewald.  Du bist mir schn genug.

Atritia.  Dann will ich auch nicht schner sein.

Ewald.  Doch nun leb' wohl.  (Kt sie.) Kehr' ich zurck, wirst du
mein Weib und folgst mir in mein Vaterland.  Lucina, weih' ihr
deinen Schutz.

Aloe (noch immer zornig).  Mich alt zu nennen, du abscheuliches
Geschpf!  (Droht mit der Faust.)

Ewald.  Jetzt migt Euch, der Zorn vermindert Eure Schnheit.  Folgt
in den Tempel mir.

Aloe (nimmt sich zusammen).  Ja, ich will mich migen, denn meine
Schnheit geht mir ber alles.  Ich folge Euch.  (Wieder auffahrend.)
Aber wenn ich zurckkomme--(Zu Ewald.) Geht nur voraus, ich bin die
Sanftmut selbst.  (Wieder auffahrend.) Gottloses Kind, ich--(fat
sich) nein, du sollst mich nicht um meine Schnheit bringen.  Geht
nur voraus, ich folge sanft, ganz sanft.  (Trippelt steif und wirft
immer wtende Seitenblicke auf Atritien.) Mich alt zu nennen!--
Zittre, wenn ich wiederkomme!--Ganz sanft--ganz sanft!  (Geht ab.)



Dreiundzwanzigste Szene.
Atritia, dann Lulu.


Atritia (allein).  Ach, mein Geliebter ist ein Zauberer.

(Wolken fallen vor, Lulu steigt aus der Erde.)

Lulu.  Und willst du ihn darum verlassen?

Atritia.  Das tu' ich nicht, er hat auch mich bezaubert.

Lulu.  So folge mir, ich will dich ihm bewahren.  (versinkt mir ihr.)



Vierundzwanzigste Szene.
(Tempel der Venus.)


An jeder Seite ein Thron, und in der Mitte des Hintergrundes das
Bild der Gttin auf Wolken schwebend, vor diesem Stufen.  Dardonius,
Olinar, Astrachan, Abukar, Nimelot, Priesterinnen der Venus mit
goldenen Fackeln.  Edle Herren und Frauen von Kallidalos sind im
Tempel versammelt, der Knig besteigt den Thron.

Kurzer Chor.
Seht, die Gttin ist uns hold,
Lieblich strahlt der Locken Gold,
Und ihr anmutsreicher Blick,
Kndet unserm Lande Glck.

Dardonius.  Die Gttin ist uns hold, sie nahm die Opfer gndig auf.
Nun fhrt den Helden dieses wicht'gen Tags vor meinen Thron.



Fnfundzwanzigste Szene.
Vorige.  Simplizius mit einem goldenen griechischen Panzer
geschmckt und die groe Eberhaut umhngend, wird von Edlen
hereingefhrt.


Simplizius.  Was s' mit mir alles treiben, jetzt nhn s' mich mitten
im Sommer in eine Eberhaut ein, da mcht' einer doch aus der Haut
fahren!

Dardonius.  Edle Herren und Frauen von Kallidalos, hier steht der
khnste Jger seiner Zeit.

Simplizius.  Ich wollt', ich wr's, ich jaget euch alle davon.

Dardonius.  Ihm ward das Glck, das Untier zu besiegen, das unser
Land verwstet hat.  Nun knnt ihr khn den Wald durchstreifen, und
eurer Felder Saaten sind durch ihn gerettet.

Simplizius.  Aha, deswegen haben s' mich zum Feldscher g'macht.

Dardonius.  Schon ruht auf seiner Stirn das Zeichen hchsten Ruhmes,
und seine Schultern deckt des Tieres rauher Panzer.  Nichts gleichet
seinem Mut.

Simplizius (fr sich).  Mir steigen schon alle ngsten auf, ich
schwitz' mich noch zu Tod.

Dardonius.  Darum ist meines ganzen Volkes Hoffnung nur auf dich
gerichtet.

Simplizius (fr sich).  Nun, ich gratuliere.

Dardonius.  Besteige jenen Thron und knde selbst, wozu ich dich
ernannt.

Simplizius.  O verflixt, mir verschlagt's die Red', und ich soll
eine halten.  Ah was, ich red' halt einen unzusammenhngenden
Zusammenhang.  Volk ber alle Vlkerschaften, der Knig hat mich
unters Militr gegeben, und obwohl ich nicht das rechte Ma hab',
so fhle ich mich doch ber alle Maen gerhrt und so ergriffen,
da ich mich auf meinen Thron hier niederlassen mu, um alles zu
verschweigen, was mir meine Bescheidenheit nie zu sagen erlaubt.
(Setzt sich.)

Dardonius.  Ich hab' zum Unterfeldherrn ihn ernannt.  Du bist ein
grerer Held, als du ein Redner bist.  Nun reicht den Fraun das
Myrtendiadem, wie ich es angeordnet habe, und lat die Mdchen um
den Preis der Schnheit buhlen.

(Schmelzende Tanzmusik.  Zwlf Mdchen, so gekleidet wie Aloe nach
ihrer Verwandlung, doch weie Kleider mit roten Rosen geziert,
beginnen anmutige Gruppierungen vor dem Thron des Knigs.  Endlich
bildet die Gruppe ein Tableau, das in seiner Mitte einen Raum lt,
in welchen Aloe tritt, die whrend den Bewegungen von Ewald mit der
Fackel hereingefhrt wurde und die Gruppe schliet.  Ein Knabe
bringt den Frauen die Myrtenkrone auf einem Kissen.)

Dardonius (mit Entzcken).  Jene ist's, die einer diamantnen Rose
gleich die zarten Perlen berschimmert.  (Er steigt vom Thron und
fhrt Aloe vor.) Ihr Frauen, krnet sie, nur ihr gebhrt der Preis.

Simplizius (fr sich).  Die Alte hat sich ausg'wachsen, jetzt kauft
man s' fr eine Junge.

Dardonius.  Sagt selbst, welch Land hat solch ein Mdchen
anzuzeigen?

Die Mnner.  Erstaunen fesselt unsre Sinne.

Simplizius (fr sich).  Das ist der schnste Betrug, der mir noch
vorkommen ist.

Dardonius.  Warum zgert ihr, geehrte Frauen, ist sie nicht eurer
Krone wert?  (Pause.) Antwortet doch.

Frauen.  Ja, sie ist uns--

Dardonius.  Was ist sie euch?

Simplizius.  Zu schn ist sie ihnen, das ist die ganze G'schicht'.

Frauen.  Sie ist uns an Schnheit berlegen.

Simplizius.  Das hat was braucht, bis das herauskommen ist.  Morgen
sind s' alle krank.

Frauen (setzen ihr das Diadem auf).  Du, schner als wir alle, sei
des Festes Knigin.  (Die Frauen fhren Aloe in den Hintergrund auf
die Thronstufen und reihen sich zu beiden Seiten.)

Simplizius.  Jetzt kriegt die auch einen Kranz!  Der setzet ich was
anders auf.

Alle.  Heil der Knigin des Festes.

Simplizius.  Was die heut schreien, das ganze Volk wird heis'rig
noch.

Dardonius.  Simplizius, jetzt kann ich erst nach Wrde dich belohnen;
nimm dieses Mdchens Hand, sie sei dein Weib.

Simplizius.  Das alte Weib?  Jetzt wr' ich bald vor Schrecken ber
den Thron herunter g'fallen.  Die nehm' ich nicht.

Dardonius.  Bist du verwirrt, dies hinreiende Geschpf?

Simplizius.  Mich reit sie nicht hin, ich hab' s' in ihrer alten
Neglig schon g'sehn.

Dardonius.  Du mut sie nehmen, wenn du nicht dein Amt verlieren
willst.

Simplizius.  Wegen meiner schon.  (Steigt vom Thron--fr sich) Ich
will doch lieber die Feldschererei verlieren, als die Schererei mit
der Alten haben.

Dardonius.  Wie.  du wagst es, dem Gesetz zu widersprechen?

Ewald (leise).  So nehmen Sie sie doch.  Verraten Sie nur nichts, ich
leih' Ihnen die Fackel.

Simplizius.  Hren Sie auf, ich will ein Weib haben, die auch in der
Finsternis schn ist, nicht eine, die man erst illuminieren mu.
(Laut.) Ich nehm' sie nicht.  Will s' vielleicht ein andrer?

Die Mnner.  Wir alle sind bereit, sie zu freien.

Simplizius.  Nun also, reiender geht s' weg.  Das Weibsbild foppt
das ganze Land.

Dardonius.  Noch nicht genug.  Um zu beweisen, wie man in Kallidalos
Schnheit ehrt, erwhl' ich selbst zu meiner Gattin sie.

Alles.  Es lebe unsre Knigin!

Simplizius.  Jetzt wird s' gar Knigin!  Ich fahr' aus der Haut.

Dardonius.  Und augenblicklich lass' ich mich vermhlen.

Aloe (macht Zeichen des Entzckens).

Simplizius Der Knig treibt's.  (Zu Ewald.) So lschen S' doch die
Fackel aus, er heirat' ja die Katz' im Sack.

Ewald.  Entsetzliche Verlegenheit, was soll ich nun beginnen?

(Donnerschlag, das Bild der Venus verschwindet.  Lucina ist statt
ihr in einer Wolkenglorie sichtbar.)

Lucina.  Die Tuschung geht zu weit, legt ab die Krnze, die euch
nicht gebhren.  (Sie nimmt der unter ihr stehenden Aloe den Kranz
ab, und Simplizius' Lorbeer fliegt ihr in die Hand.) Nun fort nach
Agrigent.

(Ewald und Simplizius verschwinden.  Wie die Fackel unsichtbar wird,
verwandelt sich Aloe in ihre wahre Gestalt.  Das Bild der Venus
erscheint wieder an der alten Stelle.)

Alle.  Was ist geschehen?

Dardonius.  Die Fremden sind verschwunden?  Wo ist die Braut, die ich
erwhlt?

Aloe (auf den Stufen).  Hier bin ich, edelster Gemahl.

Dardonius.  Welch hlich Weib?  Wie kommst du in den Tempel?

Aloe.  Ich bin ja Aloe, die du erwhlt.  Ich schwr's bei meiner
Jugend.

Alle.  Betrug!

Dardonius.  Zauberei!  Peitscht aus dem Tempel sie.  O Scham,
vernichte mich.  (Strzt ab.)

(Man reit Aloe von den Stufen.)

Chor.
Hinaus, hinaus, du Ungetm,
Entweih' den Tempel nicht,
Erzittre vor des Knigs Grimm,
Auf, schleppt sie vors Gericht!

(Sie wird hinausgejagt.)



Sechsundzwanzigste Szene.
(Der Wald mit der Pforte der Eumeniden, auf welcher die drei Siegel
glhen.  Nacht, Mondlicht.)

Lucina mit den Krnzen.  Kreon.


Lucina.  Komm, mein Kreon, der Sieg ist uns gelungen.

Kreon.  So httest du Unmgliches errungen?

Lucina.  Bald wird dein Leid die hchste Freude lohnen,
Der Orkus ist beschmt, hier sind die Kronen.

Kreon.  Hell leuchten sie, drei Sonnen, durch die Nacht.
Wie schnell flieht Schmerz, wenn uns die Hoffnung lacht.

Lucina.  Nun knie' dich hin und senk' dein Aug' zur Erd',
Da es der grause Anblick nicht versehrt.
Denn Rhea chzet, und die Sterne wimmern,
Sehn sie den Dolch der Eumeniden schimmern.
    (Kreon kniet und beugt sein Haupt, Lucina legt die Krnze auf
den Opferstein.)
Drei Krnen ruhen auf dem kalten Stein!
Ich opfre sie--
    (Eine Flamme erscheint und verzehrt scheinbar die Krnze.)
                          Nun, Flamme, schlie sie ein.
Schmelzt, Siegel!  Pforte, ffne deinen Rachen.
    (Die Siegel verschwinden, die Pforten springen unter
schrecklichem Gekrache auf.)
Herauf, herauf, ihr rachedurst'gen Drachen,
    (Das Heulen des Windes.)
Blick' ja nicht auf, es kostet dich das Leben.
Die Eumeniden nahn, selbst mich ergreift ein Beben.

(Sie beugt ihren Leib gegen die Erde, der Sturmwind heult.  Klagende
Sturmmusik.  Ein blauer Blitz fhrt aus der Hhle.)



Siebenundzwanzigste Szene.
Vorige.  Tisiphone, Megre, Alecto, ganz grn gekleidete Furien, das
Haupt mit Vipern umwunden, eilen, blulichte Fackeln und blinkende
Dolche schwingend, aus der Pforte.


Alle drei (blicken auf den Mond--im tiefen Ton).
Der Mond, der Mond, er scheint zur rechten Stunde,
Wacht auf, wacht auf, die Rache hlt die Runde.

(Sie gehen gemessenen Schrittes ber die Bhne.)

Lucina.  Es ist geschehn, bald ist dein Feind gerichtet,
Und so der Streit mit banger Welt geschlichtet.
Nun folg', es harren dein, auf mein Gehei,
Die Edlen all im liebverschlungnen Kreis.
Von tausend Lampen schimmert dein Palast,
Der kaum den Jubel seiner Gste fat.

(Beide ab.)



Achtundzwanzigste Szene.
Die goldgezierte runde Marmorhalle, das Schlafgemach Phalarius',
durch zwei kerzenreiche Kandelaber erleuchtet.  An der Seite sein
Lager, neben diesem brennt auf einem Postamente eine Lampe.
Gegenber eine Pforte aus Ebenholz.)

Phalarius tritt auf, hinter ihm Androkles tief gebeugt.


Phalarius.  Lat sehn, wie lang mein stolzer Nachbar sich noch
brstet,
Wo sind die Feldherrn?  Ist mein ganzes Heer gerstet?

Androkles.  Es harret mutentbrannt der Krieger rst'ge Schar.

Phalarius (lachend).
Vergebens glht der Mut, vermeidet ihn Gefahr.
Nun lsch' die Lichter aus, la Dunkelheit herein,
Entfern' dich dann (beiseite, mit Grimm)
und berla mich meiner Pein.

(Androkles lscht die Lichter aus bis auf die Lampe, beugt sich
tief und geht bangend ab.  Das Gemach wird finster.)



Neunundzwanzigste Szene.


Phalarius (allein).
Ein kluger Hauswirt schliet des Nachts die Tr,
Ich ahm' es nach.  (Schliet.) So, nun bin ich allein mit mir.
    (Erschrickt.)
Allein?--Ein falsches Wort, wer kann das von sich sagen.
Schickt nicht die Einsamkeit Gedanken, die uns plagen?
Was sind Gedanken, die im Aufruhr sich versammeln,
Das Hirn bedrohn und der Vernunft das Tor verrammeln?
Gemeiner Tro nur ist's, den man nicht achten mu,
Der Knig der Gedanken ist nur der Entschlu.
Drum hab' ich es auch fest mit Marmorsinn beschlossen,
Wie Phbus, gro und hehr, mit feuersprhnden Rossen
Des Himmels Reich durchzieht, auf goldnem Strahlenwagen,
So will ich durch die Erd' das Licht der Krone tragen.
Die Sonn' am saphirblauen Zelt glnz' nicht allein,
Ich will die Zweite auf smaragdnem Grunde sein.
Von thiopiens Sand, wo glhnder Samum hauset,
Bis an des Nordpols Eis, wo Boreas erbrauset,
Mu mein Panier, mit weithinschaundem Stolze prangen.
Poch ruhiger, mein Herz, gestillt wird dein Verlangen.

(Er legt die Pantherhaut und seine Waffen ab, doch die Krone nicht
und streckt sich aufs Lager.)

Besuch mich, falscher Schlaf, der selten mein gedenkt,
Und sich nur gern auf kummerlose Augen senkt.
Verlisch, o Lampe, lischt doch einst die Sonne aus,
Dann wird es finster sein im groen Weltenhaus.

(Er lscht die Lampe aus, augenblicklich sieht man bei seinem
Haupte drei glhend rote Geister sitzen, welche unverwandt nach
seiner Krone blicken, sie sind frher hinter dem Ruhebett verborgen
und heben erst setzt zugleich ihre Hupter.)

Wie eklig still!--Was wr' das Leben ohne Streit?
Die Scheide ohne Schwert--(schreit auf).
  Wer da?  (Erblickt die Geister.)
  Ha ihr, auch heut?

Die drei Geister (zugleich, eintnig und hohl).
Wir bewachen die Krone mit Uhusblick,
Schlaf ruhig, schlaf ruhig, nichts stre dein Glck.

Phalarius (laut auflachend).
Mein Glck!--Wie bin ich doch so glcklich nun durch euch,
Der Wunsch verarmt, ist die Erfllung berreich.
O Wahn, der ber Leides Abgrund Brcken baut,
Weh dem, der ihren luft'gen Bogen keck vertraut.
Verzweiflungsvolles Glck, das selber sich entleibt,
Du machst mich arm, das mir nichts als die Krone bleibt.
Die Kron'?  Beim Styx, ich will sie frchterlich bentzen,
Verderben soll von ihren glhnden Zacken blitzen,
Ich rche meine Qual, wer will mich daran hindern?

(Es pocht an der Pforte.)

Alecto (dumpf).
Der Eumeniden Dolch.

Megre.   Vernichtung allen Sndern.

Die drei Geister.
Die Eumeniden hier, der Orkus hat geendet.

(Verschwinden.)

Phalarius (springt auf).
Wer pocht so frech, sag' an, wer dich so spt noch sendet?

(Leises Pochen.)

Alle drei.  Mach' auf, fein Kniglein, wir wnschen dich zu sprechen.


Phalarius.  Was wollt ihr mir?

(Die Tr springt mit einem Donnerschlage auf, alle drei treten
zugleich ein.)

Alle drei.   Wir strafen dein Verbrechen.

Phalarius (entsetzt).
Ha, die Erynnien!

Alle drei.   Bereu', du mut erbleichen.

Phalarius.  Die furchtbar Rchenden!

Alle drei.   Die jede Tat erreichen.

Phalarius.  Zurck, verfluchte Furien, mich schtzt die Kron'.

Alecto.  Sie schtzt dich nicht, der Orkus schweigt; denk' an Kreon!

Phalarius.  Ich hasse ihn wie euch.

Tissiphone.   Denk' an Aspasien!

Megre.  An 'n Brand von Agrigent!

Alecto.   Gedenk', du mut vergehn!

(Sie drngen ihn aufs Lager.)

Phalarius.  Ich denke nichts als Blut.

Alecto.   So denke an den See!

(Ein Teil der Kuppel strzt ein, soda sich ein rund ausgebrochenes
Loch zeigt, durch welches der Vollmond aufs Lager scheint.)

Phalarius.  Weh mir, des Mondes Strahl!

(Die Eumeniden senken ihre Dolche in seine Brust.)

Alle drei.   Vergeh!  Vergeh!  Vergeh!

(Pause--whrend welcher sie in die Mitte des Theaters treten.)

Der Mond, der Mond, er schien zur rechten Stunde,
Ihr Snder, bebt, die Rache hlt die Runde.

(Gehen gemessenen Schrittes ab.)



Dreiigste Szene.


Hades (aus der Tiefe, naht sich langsam dem Lager Phalarius').
    (Feierlich.)
Gib mir zurck die Kron', du bleiches Heldenhaupt.
    (Nimmt sie ihm ab.)
Da liegt der stolze Baum, zersplittert und entlaubt.
Hell glnzt die Kron', nun will die gier'ge Welt ich fragen;
Wo ist der Khne wohl, der sie nach ihm will tragen?

(Versinkt.)



Einunddreiigste Szene.
(Reichverzierter beleuchteter Thronsaal.)

Der Thron befindet sich in der Mitte des Hintergrundes.  Durch die
Sulen des Saales sieht man in einen reizenden, ebenso beleuchteten
Garten.  Kreon auf dem Thron.  Alle Edlen seines Reiches umgeben ihn
jubelnd.  Im Vordergrunde auf der einen Seite Ewald mit der Fackel
und Simplizius, Lucina, Atritia und zwei Genien, die auf einem
Kissen eine Krone tragen, auf der entgegengesetzten Seite
Triumphmusik.


Alles.  Dank den Gttern!  Ew'ges Glck unserm teuern Knig Kreon!

Kreon.  Heil, meinen edlen Freunden, es strmt mein Herz, mein Auge
perlt Freude!  Nehmt eures Knigs frohen Dank, der sich in eurer
Mitte berglcklich fhlt.

(Alles kniet in schnen Gruppen um den Thron.)

Alle.  Heil unserm guten Knig!

Ewald.  Arme Fackel, deine Macht ist bertroffen; an diesem Anblick
kannst du nichts verschnern.

Simplizius.  Das ist mir der liebste Knig von allen, die ich heut
noch g'sehn hab'.

Kreon.  Doch nun lat uns der hohen Gttin danken, die Thron und
Reich gerettet hat.

Alles.  Der hehren Gttin Dank!

Lucina.  Sei glcklich, mein Kreon, Phalarius ist nicht mehr.  (Nimmt
den Myrtenkranz.)
Nimm diese Kron', von liebgepaarten Myrten,
La dir die edle Stirne zart umgrten!
Durch sie wird dein Gemt nie Leid betrben,
Und stets wird dich dein Volk mit Treue lieben.

Kreon.  Verzeih, Lucin', ich darf die Kron' nicht nehmen,
Nimm sie zurck, sie wrde mich beschmen.
Es soll auch ohne Zauber mir gelingen,
Die Liebe meines Volkes zu erringen.
Und drckt es Leid in unglcksvollen Tagen,
Ist es des Knigs Pflicht, mit ihm zu klagen.

Lucina (zu Ewald, welchen sie Atritien zufhrt).
Nimm sie zum Lohn, Atritiens Hand und Herz sei dein,
Bentze klug der Wunderfackel ros'gen Schein,
Du kannst von deinem Glck nichts Hheres erheischen,
Die eine liebt dich wahr, die andre wird dich tuschen.

Simplizius.  Wenn's nicht etwa umgekehrt ausfallt.

Lucina.  Und nun zu dir, Simplizius.

Simplizius.  Jetzt kommt s' auch ber mich.

Lucina.  Du warst ein willig Werkzeug meiner Macht.
Dich wird der Knig hier auch nach Verdienst belohnen.

Simplizius.  Auf d' Letzt setzen s' mir noch einen Lorbeer auf.

Kreon.  Man zahle ihm tausend Goldstcke aus!

Simplizius (beiseite).  Ich hab's ja gleich g'sagt, da mir das der
Liebste ist.  (Laut.) Ich kss' die Hand, Eure Majestt.  (beiseite.)
Jetzt richt' ich eine Schneiderwerkstatt auf und heirat' die Gttin,
das wird ein himmlisches Leben werden.

Kreon (zu Ewald).  Dich, Fremdling, werde ich stets an meinem Hose
ehren und durch ein Amt belohnen.

Ewald.  Mein groer Knig, Dank!

Lucina.  Mgt ihr doch lange noch verdientes Glck besitzen,
Lucina wird euch stets mit Huld und Lieb' beschtzen.

(Ein rosiges Wolkenlager senkt sich nieder, von Genien umflogen.
Lucina legt sich in zarter Stellung auf dasselbe und schwebt in die
Luft.  Kreon besteigt den Thron.  Alles gruppiert sich.  Griechische
Tnzer und Tnzerinnen fhren Gruppen aus, von folgendem Chore
begleitet:)

Chor.
Schmckt mit Freude diese Hallen,
Lat des Jubels Ruf erschallen,
Heil Lucina!  Heil Kreon!
Tugend findet froh den Lohn.


(Der Vorhang fllt.)


Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Die unheilbringende Krone,
oder Knig ohne Reich, Held ohne Mut, Schnheit ohne Jugend, von
Ferdinand Raimund.










End of Project Gutenberg's Die unheilbringende Krone, by Ferdinand Raimund

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Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation information page at www.gutenberg.org


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at 809
North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887.  Email
contact links and up to date contact information can be found at the
Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org

Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
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While we cannot and do not solicit contributions from states where we
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approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit:  www.gutenberg.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For forty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.

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editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
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