The Project Gutenberg EBook of Moisasurs Zauberfluch, by Ferdinand Raimund

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Title: Moisasurs Zauberfluch

Author: Ferdinand Raimund

Posting Date: September 20, 2012 [EBook #7861]
Release Date: April, 2005
First Posted: May 26, 2003

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK MOISASURS ZAUBERFLUCH ***




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Moisasurs Zauberfluch

Ferdinand Raimund

Zauberspiel in zwei Aufzgen



Personnen

Der Genius der Tugend.
Ariel, ein Tugendgeist.
Moisasur, Dmon des bels.
Der Genius der Vergnglichkeit.
Hoanghu, Beherrscher des Diamantenreiches.
Alzinde, seine Gemahlin.
Mansor.
Omar, ein Bote von Hoanghus Heer.
Hassan, ein Mohr.
Karambuco, ein Krieger.
Ossa, sein Weib.
Ein Huptling von Hoanghus Heer.
Gluthahn, ein wohlhabender Bauer.
Trautel, sein Weib.
Der Amtmann von Alpenmarkt.
Der Aktuar.
Philipp, Diener des Amtmanns.
Rossi, Juwelenhndler, Besitzer
    eines Landhauses bei Alpenmarkt.
Hnfling, sein Aufseher im Landhause.
Ein Schatten im Reiche der Vergnglichkeit.
Dorkalio, ein Schatten Moisasurs.
Hans, ein Steinbrecher.
Mirzel, sein Weib.
Der Traumgott.
Ein Kohlenbauer.
Ein Kerkermeister.
Vier Gerichtsdiener.
Vier Schatten Moisasurs.

Indisches Volk.  Alzindens Hofstaat.  Hoanghus Krieger.
Schatten im Reiche der Vergnglichkeit.  Traumgestalten.
Rossis Dienerschaft.  Tugendgeister.


Erster Aufzug.



Erste Szene.
(Indische Landschaft.)

(In der Ferne die Hauptstadt des Diamantenreiches, auf einem
entfernten Hgel die Ruine des zertrmmerten Tempels Moisasurs.  In
der Mitte des Theaters ein herrlicher Tempel im indischen
Geschmacke, mit der goldenen Aufschrift: Wer sich der Tugend weiht,
hat nie des Bsen Macht zu scheuen.  Die Statue der Tugend, eine
verschleierte weibliche Figur, einen Lilienstengel haltend, sitzt
auf einem Piedestal in der Mitte des Tempels.  Auf den Sulen sind
Lilien angebracht.)

Hassan.  Mansor.  Omar.

Chor.

(Das Volk bringt einen Boten von Hoanghus Heer frohlockend auf die
Bhne und umringt ihn fragend.)

Wackrer Bote, sei willkommen!
Strahlt aus deinem Auge Sieg?
Ist das Heer zurckgekommen,
Ist geendet unser Krieg?
Ja, es spricht dein froher Sinn;
Du bringst Heil der Knigin!

Bote.  Sieg bring' ich euch, so wahr die Sonn' auf Indien scheint.
Gebt mir Palmenwein dafr.  (Er nimmt einem eine Flasche von der
Seite.) Der Krieg trinkt Blut, der Friede Sekt.

Volk.  Erzhl' uns erst!  (Halten ihn ab vom Trinken.) Halt, halt!

Bote.  Gerettet ist das Reich, von unsern Grenzen ist der Feind
vertrieben, geendet ist der heie Krieg.

Volk.  Sonne, sei gelobt!  (Ales sinkt mit dem Haupt zur Erde, und
bleibt einen Augenblick in dieser Stellung.)

Bote.  Da liegt das Volk, jetzt netz' ich meinen Hals.  (Trinkt.)
Der Knig sendet mich voraus, da ich den Tag der Knigin berichte,
an dem er seinen Einzug hlt.

Mohr.  Und wenn man fragen darf, wann strahlt uns dieser groe Tag?

Bote.  Spion von Ebenholz, was hast du nach dem Tag zu fragen?
Nacht hat die Sonn' auf dein Gesicht gebrannt, das heit; Du sollst
im Finstern wandeln.

Mohr.  Du hassest mich?

Mansor.  Schweigt.  (Zum Boten.) Sogleich wird unsre Knigin
erscheinen, dann stellen wir dich vor.  Mit Sehnsucht harret schon
Alzind' der Rckkehr ihres tapferen Gemahls.

Bote.  Doch was erblick' ich--Moisasurs Tempel eingestrzt, und
die Sonne leuchtet noch?  Und wer hat diesen aufgebaut, wozu ist
der bestimmt?

Mansor.  Ein erhabnes Schauspiel wird sich deinem Auge zeigen.

Bote.  Wird dieser Mohr vielleicht darin gebraten?  (Fr sich.) Das
wr' mein liebstes Schauspiel auf der Welt.

Mohr.  Fr dich vergift' ich einen Pfeil.

Mansor.  Lstre nicht!  Der Tugend Tempel ist's.

Bote.  Ja, ihm soll man das Laster opfern.

Mansor.  Es ist geschehn.  Dem bsen Geiste Moisasur wird in unsrem
Reich kein Opfer mehr gebracht.

Bote.  Wehe dann dem Diamantenreich!  Schon seit Jahrhunderten hat
diesem grimmigen Tiger durch unzhl'ge Opfer man geschmeichelt;
werft ihm Beute vor, wenn ihr nicht wollt, da euch sein stets
geschft'ger Zahn zerreit.

Mansor.  Die Knigin, die, seit der Knig kriegt, das Zepter
schwingt im Reich, hat, weil der Krieg, trotz all der reichen Opfer,
die man unsern Gttern brachte, sich doch nicht glcklich wenden
wollte, mit den weisen Priestern sich beraten und glaubt, da die
guten Gtter zrnen, weil neben ihnen und der mchtgen Sonne
Moisasurs bser Geist verehret wird.  Sie hat Moisasurs Tempel
niederreien lassen.  Doch wie's geschah, da rollte frchterlicher
Donner, die Erde bebte, als htte das Gewicht der umgestrzten
Sulen das ganze Reich in seinem Mark erschttert.

Bote.  Der Lwe brllt, wenn man ihn ans der Hhle treibt.

Mansor.  Doch wie die Erde bebt, fest steht der knigliche Sinn.
Sie lt dafr in diesem Tal der Tugend einen Tempel bauen und
schreibt auf ihn: Wer sich der Tugend weiht, hat nie des Bsen
Macht zu scheuen.  Soeben wird er eingeweiht, dort nahet schon die
Priesterschar.

Mohr.  Wenn nur die Tugend uns vor Moisasurs Rache schtzt!  Den
ganzen Morgen hat der Himmel sich mit Donnerwolken berzogen, die
in sich brummen, als ob sie Zaubersprche murmelten, und der Blitze
Feuerzungen lecken an der Kuppel dieses Tempels.



Zweite Szene.
Feierlicher Marsch.  Indische Tnzer schweben voraus, dann die
Priester der Sonne.  Zierlich gekleidete Mdchen, das Haupt mit
weien Rosen bekrnzt, gruppieren sich um die Stufen des Tempels,
die Priester beschftigen sich im Innern desselben.  Dann erscheint
Alzinde und ihr Hofstaat.  Sie begibt sich auf einen Seitenthron,
neben ihr die Groen des Reichs.  Das Volk verteilt sich um den
Tempel und den Thron gegenber.  Vorige.


Chor.
 Singt das Lob der Schnheitsblume,
Die auf Indiens Flur erblht,
Und die zu der Gtter Ruhme
Fr das Heil der Tugend glht.
Sende deinen Strahl, o Sonne!
Nieder auf ihr weises Haupt,
Weil ihr Herz mit frommer Wonne
An der Gtter Allmacht glaubt.

Alzinde.  Volk meines sieggekrnten Reichs!  Ich habe dich
versammeln lassen, um einzufallen in den groen Chor, den das
Gefhl des Dankes anstimmt, weil die Gtter uns erleuchtet, da wir
durch Moisasurs Sturz der Sonne Zorn vershnt; da sie von dem
Augenblick mit Siegesglck die Pfeile unsres Heeres nach dem Busen
unsrer Feinde wendet.  Vielleicht, indem wir hier die Gtter
preisen, hat mein Gemahl, der knigliche Held, den kleinen Rest des
mdgekmpften Feindes aus den Grenzen dieses Reichs verjagt.

Mansor.  So ist es, du erhabne Tochter der gewalt'gen Sonne, die
deine Ahnung zur Prophetin weiht, die Wahrheit deines Wortes
besttigt dieser Bote hier.

Bote.  Der, groe Knigin, mit seinen Knien den Staub an deinem
Thron hier kt, aus Ehrfurcht teils und teils aus Mdigkeit, weil
er im schnellsten Lauf aus des Knigs Lager eine holde Last dir
bringt, eine Nachricht von dem ungeheuersten Gewicht!  Friede,
dieses goldne Wort, la in alle Palmen schneiden, da sie dann mit
vollem Rechte Friedenspalmen heien.  Gesiegt hat dein erhabener
Gemahl, noch gestern abends ward die letzte Schlacht gewonnen, und
in der Nacht der Friede abgeschlossen, durch den ein Teil vom
Feindesland noch zu dem deinen fllt.  Nur heute ruht das Heer;
doch morgen bricht es auf und zieht mit Zimbelklang und Jubelsang
im Vaterlande ein.  Dies zu berichten ward ich gesendet, mein
Auftrag ist erfllt, der Bote hat geendet.

(Steht auf und tritt zurck.)

Alzinde (sinkt auf die Knie).  Sonne, sei gelobt!

Alle.  Heil den Gttern!  Heil dem Knig Hoanghu!

Alzinde.  O mein Gemahl, warum kann ich an deine Heldenbrust nicht
fliegen, du edler Sohn der unnennbaren Gtter, dessen Lieb' ich
nicht fr alle Kronen Asiens tauschen mchte!  Juble, Volk!  Sei
ausgelassen froh!  Ihr Priester weiht den Tempel ein, der Tugend
Macht hat sich bewhrt, ein ewig Denkmal sei ihr hier errichtet!
Wer sagt mir doch, warum mein Glck mich zu freud'gem Wahnsinn
treibt?  Warum ist diese Lust so ungeteilt, so allgemein, da ich
kein Stck davon kann eurem Herzen berlassen?  O sprecht, wer
nimmt mir einen Teil der edlen Brde dieses Freudenreichtums ab,
womit die goldne Sonne mein Gemt beschenkt?  Verdien' ich denn,
da ich so glcklich bin?



Dritte Szene.
Frchterlicher Donnerschlag.  Die Bhne umzieht sich mit schwarzen
Wolken, aus welchen rote Blitze sich schlangenartig winden.  Auf
der Erde sprht Feuer, dann erscheint Moisasur als ein Ungeheuer
mit Drachenfen und Drachenflgeln, auf dem Haupt eine rote Krone
mit Schlangen umwunden, der ganze Krper ist in hellroten Samt
gekleidet, um den Leib eine schwarze Schrze mit goldenen Schuppen
gestickt.  Alles sucht sich in den Hintergrund zu retten, einige
flchten auf Bume.  Alzinde, welche bei ihrer Rede vom Thron
gestiegen, bleibt im Vordergrunde, der Thron verschwindet.


Vorige.  Moisasur.

Moisasur (mit frchterlicher Stimme).  Alzinde, du verdienst es
nicht!

Alzinde (fhrt zusammen).  Ha!--Wer bist du, scheulich Ungeheuer,
dess' Anblick mir Besinnung raubt?  Wie giftig Unkraut stehst du
da, das pltzlich aus dem Scho der Erde treibt.

Moisasur.  Moisasur hei' ich, kennst du diesen Namen?  Mit
Flammenzgen hat der groe Geist ihn auf das finstre Tor der Hlle
einst geschrieben, und aus meinem Auge leuchtet ihre Sendung.

Alzinde.  Was hat die Hlle an mich abzusenden?  Ich habe dich und
sie aus meinem Reich verbannt.  Die Tugend ist mein Heil, dich hab'
ich nie verehrt, und jedem Opfer Fluch, das dir mein Land noch
bringt.

Moisasur.  So nimm denn Fluch gen Fluch, verruchtes Weib, das
meinen Tempel umgestrzt; so zieh' mein Ha denn einen Zauberkreis
um dein verrtrisch Land; so will das Leben ich aus seinen Grenzen
jagen, und lhmen diesen pp'gen Teil der Welt!  Vertrocknen soll
der Baum, die Frucht, der Strom; verdorren soll das Gras, und was
in deinem Reich mit Leben prahlt; dein Volk, die Diener deines Hofs,
wem Blut nur in den Adern kreist, Mensch oder Tier, das steh'
erstarrt und wandle sich in Stein!  Und jegliches Geschpf, das
dieses Land mit frechem Fu betritt, das werd' ergriffen von
Versteinerung und steh' als Marmordenkmal meiner Rache da.

Alzinde.  O, mein Gemahl!

Moisasur.  Schau' hin und lab' dich an dem sen Anblick!  (Die
Wolken ffnen sich, man sieht die Gruppen, wie sie ngstlich
standen, nun im bunten Marmor, einige auf Palmen hngen, doch der
Tugend Tempel strahlt im hellen Sonnenglanz.) Verflucht, da ich
den Tempel schauen mu, als Nebenbuhler meines Ruhms.

Alzinde.  Entsetzlich Scheusal, von der Erde ausgespien, weil du
ihr Innres zu vergiften drohst, wie kannst du dieses Reich
zerstren, das die Sonne ihren Liebling nennt?

(Die Wolken schlieen sich wieder.)

Moisasur.  Fluch gegen Fluch!  Vernichtung fr Vernichtung!  An dir
ist jetzt die Reih'!  Ich bin's, der dir nach deinem Wunsch die
holde Last der Freude von dem zarten Nacken reit.  Deine Liebe,
deinen Reiz, deine Hoffnung, deine Ehre, deinen Ruhm, dein Diadem
will ich auf einen Knul zusammendrcken, und in den Pfuhl der
Hlle schleudern.  Erscheint, ihr Geister bleicher Nacht.  (Vier
schwarze Geister erscheinen und ergreifen die Knigin.) Seid Zeugen
und Vollfhrer meines Fluchs.  Zerstret ihren Reiz, die Krone
reit von ihrem Haupt, der Locken Glanz verwandelt mir in welkes
Grau; die Haut schrumpft ein und berzieht damit ein fleischloses
Gebein, das ihr mit halbverfaulten Lumpen dann behngt.  Doch lat
die junge Seele nicht aus ihrem morschen Leib entfliehn, damit sie
zehnfach jeden Schmerz empfind' und die Erinnrung ihres Glcks sie
qule.--Doch halt--damit des Menschen Habsucht bis zum Tod sie
peinige, so lat sie diamantne Trnen weinen, als Wehmutszeichen,
da sie Indiens Frstin war.  Nun schleppt sie fort, verwandelt sie,
dann schleudert sie dem Nordwind in die eis'gen Arme, da er mit
ihr nach einem andern Weltteil rase und dort die alte Ariadne setz'
auf nacktem Felsen aus.  Befolgt, was ich befahl!

(Die Knigin sinkt in Ohnmacht.)

Erster Geist.  Noch nicht--in deiner Rache wt'gem Eifer hast du
vergessen, ihr ein Ziel zu setzen; ewig darfst du nicht verfluchen,
wie du es von dem ew'gen Geiste bist.  Drum sprich, wie lang an
diesen Zauberfluch ihr Glck gefesselt bleibt, und wann und wie
sich lsen knnen diese Schreckensbande?

Moisasur.  Weil du mich mahnst an meine Pflicht, verruchter Geist,
so hre meinen Spruch!  Nur dann, wenn sie im Arm des Todes
Freudentrnen weint, kehrt ihr zurck, was ihr mein Zauberspruch
entrissen.  Nun regt die trgen Drachenglieder, eilet fort,
Erwartung geielt mein Gefhl.  Den hchsten Berg der Welt will ich
besteigen und durch der Hlle Mikroskop will ich mit ser Lust auf
ihr verbittert Leben schaun.  (Ab.)

(Die Geister versinken mit Alzinden.)



Vierte Szene.
Auf dem Rcken einer Alpe, mit der Aussicht auf ferne Gletscher.
In der Mitte ein Bergstrom.  Der Horizont finster umwlkt.  Rechts
ein hohes Bauernhaus, Gluthahn gehrig, links eine arme Htte,
neben derselben sprudelt eine Quelle in ein natrliches Becken.


Gluthahn
(kommt erzrnt und erhitzt).
Das ist ein schlechtes G'sind'
Im Rattental dahint';
Der Bauer Michel Stier
Kmmt vor'ges Jahr zu mir,
Weint wie ein altes Weib,
Und geht mir nicht vom Leib;
Mein lieber Nachbar Glut,
Ich bitt' Euch, seid so gut
Und zahlt mir auf mein Haus
Fnfhundert Taler aus.
(Heuchlerisch.)
Und ich, ich guter Narr,
Mein Herz, das ist halt wahr,
Das findt man nirgends mehr,
Ich bin so dumm, geb s' her.
Ich fhr' ihn hin zum Tisch,
Wir schreiben einen Wisch;
Fnfhundert Taler bar
Geb' ich dir auf ein Jahr;
Und da ich dich nicht druck',
So zahlst' mir achte z'ruck.
Wo ist das Jahr schon hin?
Was ich gelaufen bin,
Was ich schon schrei' und schelt',
Ich komm' nicht zu dem Geld.
A Zeitlang war er krank,
Der Teufel wei ihm's Dank!
Jetzt ist er wieder g'sund,
Und zahlt mich nicht, der Hund!
Mit ihm red' ich noch gern,
Ihm zeig' ich doch ein' Herrn;
Doch ist sein Weib zu Haus,
Die macht mich noch brav aus.

Pfui, das sind doch undankbare Leut', nicht einmal pfnden wollen
sie sich lassen.  Gluthahn, wie wirst du jetzt das Geld ersetzen?
Mit Freuden wrd' ich einen andern darum betrgen, doch ich
gewinn's nicht bers Herz, ich bin zu gut.  (Heftig.) Aber mir soll
noch einer kommen und Geld begehren.--Da grab' ich meine Taler
eh' fnftausend Klafter in d' Erden ein und znd' mein Haus an
allen Ecken an, eh' ich so einem Schuft ein' Kreuzer auf fnfzig
Schritte nur zeig'.  Einen eignen Hund richt' ich mir ab, da er s'
vom Haus weg hetzt.  (Heuchlerisch.) Ich mu anders werden, ich bin
zu gut.  Wo ist denn nur mein Weib schon wieder?  Trautel, hrst
denn nicht?  Trautel!



Fnfte Szene.
Voriger.  Trautel kommt, sie ist und spricht etwas krnklich.


Trautel.  Aber, was schreist denn so?

Gluthahn.  Wo bist denn, falsche Nummer, die auf den ersten Ruf
nicht kommt.

Trautel.  Ich soll ja nicht in d' Luft.

Gluthahn.  Nun, so geh in die Gruft.

Trautel.  Was willst denn?

Gluthahn.  Die Mtzen bring' heraus und die Pfeifen und den Rock
nimm mit.  (Zieht den Rock aus.)

Trautel (verdrielich).  Nu gleich.  (Ab.)

Gluthahn (allein).  Ein guts Weib ist s'; ich htte das Weib
nochmal so gern, wenn s' nur um das jnger wr', was s' zu alt ist,
und um das besser, was s' z' schlecht ist.  (Spricht leise, als oh
er jemand etwas anvertraute.) Vor dreiig Jahren hat s' mich einmal
um fnf Gulden betrogen, das vergi ich ihr noch nicht; ich bin gut,
ich hab' ein einzigs Herz, aber vergessen kann ich nichts.  Ich
hab' so ein kleins Bchel, da schreib' ich's hinein.  (Deutet
hinters Ohr.) Da hint' ist's.



Sechste Szene.
Voriger.  Trautel bringt Mtze und Pfeife.


Gluthahn.  Du lieber Himmel, wie gut knnten ein paar Ehleut'
miteinander leben, wenn eines dem andern nachgbe.  (Fhrt sein
Weib derb an.) Kriechst immer untern Fen herum?  Was willst?

Trautel.  Je nu, die Pfeifen bring' ich und die Mtzen.

Gluthahn.  So meld' dich!

Trautel.  Sei nur nicht so grob mit mir, mir ist heut so nicht gut.

Gluthahn.  Das ist rheumatisch Zeug, schlag dir's aus dem Kopf.

Trautel.  Das kann ich nicht.

Gluthahn.  Nu, so schlag' ich dir's heraus, ich kann's.

Trautel.  Mir fehlt's im Herzen, und ich fhl' mich so schwach.

Gluthahn.  Da sind wir alle schwach, wenn's uns im Herzen fehlt.

Trautel.  Wenn du mir kein' Bader nimmst, so stirb ich noch.

Gluthahn.  Solang noch's Herz schlagt, stirbt man nicht.
Rheumatisch bist, sonst nichts.  Egel setz' dir, da wird alles gut.
Hab' erst einen zusammentreten unt' beim Bach, so kommen s' weg.

Trautel.  Ich bin ja nicht rheumatisch.

Gluthahn.  Im hchsten Grad; wenn ich dich nur anschau', fangt's
mich an zum Reien.

Trautel.  Bringst gewi kein Geld z' Haus, weilst so z'wider bist.

Gluthahn (wild).  Mahnst mich noch?

Trautel (beiseite.) Ich mu dem Bsewicht nur schmeicheln, sonst
ist gar nichts z' haben von ihm.  (Streichelt ihm das Kinn.) Mann,
meines Lebens Lust.

Gluthahn (hhnisch).  Weib, meines Lebens Last--was willst denn
auerbrateln von dein' Mann, den du aus List nennst deine Lust?

Trautel.  Ich hol' mir den Bader.

Gluthahn.  Hol' mir zwei Ma Wein.

Trautel.  Nicht wahr, ich darf ihn holen?

Gluthahn.  Aber ein' g'scheiten, das sag' ich dir.

Trautel.  Ich dank' dir, sie haben ja nur einen im Ort.

Gluthahn.  Und da er nicht g'schwefelt ist.

Trautel.  Ei, wer denn?

Gluthahn.  Der Wein.

Trautel.  Ich hab' g'glaubt, der Bader.

Gluthahn.  Wer redt denn vom Bader?

Trautel.  Ich.

Gluthahn.  Und ich red' vom Wein.

Trautel.  Was hab' ich vom Wein?

Gluthahn.  Was hab' ich vom Bader?

Trautel.  Ich hol' ja den Wein, aber zahl' mir den Bader, sonst
geh' ich ja z'grund.

Gluthahn.  Nu, so hol' dir ihn, aber wenn du bis morgen nicht
g'sund bist, so darfst mir dein Leben nimmer krank werden.

Trautel (fr sich).  Endlich.  (Laut.) Dank' dir, lieber Mann.
(Will ab.)

Gluthahn.  Da gehst her.  (Trautel kehrt um.) Jetzt wirst du doch
einsehn, was d' fr einen Mann an mir hast.

Trautel.  Nu, ich glaub's.

Gluthahn.  Unter andern, hast mich gern?

Trautel (ironisch).  Nu, wer wird denn dich nicht gern haben.

Gluthahn.  K' mir d' Hand.

Trautel (tut es und spricht im Abgehen seufzend).  O Seligkeit!
(Geht ins Haus.)

Gluthahn (triumphierend).  So mu man sich s' abrichten, dann wei
man, wer der Herr im Haus ist.  Ich htt' nicht nachgeben sollen,
(heuchlerisch) aber mein Herz, ich bin gar zu gut.



Siebente Szene.
Voriger, Trautel mit einer leeren Flasche.


Gluthahn.  Bist da?  Da hast Geld, jetzt zieh dich.

Trautel (beiseite).  Du lieber Gott, befrei' mich doch von mein'
Leid, ich will ja gern sterben, da ich nur den Mann nimmer sehn
darf.  (Geht gegen das Dorf ab.)

Gluthahn (allein, er schlgt Feuer und zndet seine Pfeife an).
Wenn man dem Weib da so erlaubte, auf ihre Faust recht krank zu
sein, die machte einen Aufwand damit, der nicht zu erschwingen wr'.
(Schlgt sich vor die Stirn.  Erbittert.) Wann ich nur das Geld
nicht ausg'liehn htt'.  (Ein Sturmwind erhebt sich.) h, blas, du
dummer Wind, blas auseinander die grau muntierten Wolken.  Der
Himmel ist schon vierzehn Tag' als wie ein Aschenweib.  (Windsto.)
He, he, he, he, sei nur kein solcher Narr!--Die Klten von dem
Wind!  (Windsto.) Holla, der nimmt die Bum' beim Kopf und beutelt
s' recht, als wie ein Meister seine Lehrbuben.--(Windsto.) Weil
er kein' Kopf hat, so kann er auch kein' andern leiden.  (Windsto.)
Nicht rauchen lat er mich, der Schlaprament!  Du sollst mich
nicht sekieren, du lstiger Patron; ich geh' jetzt hinein, just
kriegst mich nicht.  (Er geht unter die Tr und steckt den Kopf
heraus.) Blas mich an jetzt, wannst dich traust.  (Hhnisch.) Ja,
auf d' Wochen, dummer Wind!  (Schlgt die Tr zu.)


Achte Szene.
Sturmmusik.  Alzindens Gestalt als altes Weib in Bettlerkleidung
rauscht im Hintergrunde, zwischen den Flgeln des Nordwindes
liegend, ber die Bhne; den Strom der Luft auszudrcken, in
welchem eine geflgelte Figur mit aufgeblasenen Backen, die Locken
mit Eis behngt, wie durch einen Schleier sichtbar ist, bleibt der
Phantasie des Malers berlassen.  Die Musik geht in eine klagende
ber, und nach einer bedeutenden Pause kommt Alzinde auf die Bhne.
Sie hat graues Haar, ihre Gestalt ist ehrwrdig, ihre Kleidung
abgentzt, aber nicht zerrissen.


Alzinde.  Wo bin ich wohl?  Wohin hat die Gewalt des Sturmwinds
mich getragen?  wie heit die Unglckswelt, auf der ich mich
befinde?  denn das ist nicht mein Reich, zu meinem Auge sprechen
nie gesehne Dinge.  Fremde Htten, fremde Berge, ein fremder Himmel,
ohne Sonne, ohne Mond, ohne Sterne, ohne Blau.  Auch fhl' ich
mich so schwach, ich will mich setzen, jene Quelle soll mich laben.
(Sie setzt sich an den Rand des Beckens, sieht in den
Wasserspiegel und springt auf.) Welch hliche Gestalt schaut aus
dem Spiegel dieses Quells?  Doch nicht mein eignes Bild?--Nicht
mglich!  (Streckt die Hand aus und erschrickt davor.) Wem gehren
diese welken Hnde, diese abgelumpten Kleider?  wessen Stelle mu
ich hier vertreten?  Ich bin das nicht, widerrufe, Quell!  (besieht
sich noch einmal--erstarrt.) Er wiederholt's--ich bin's--ich
bin's!  (Fllt verzweifelnd auf den Rasen hin.) Ich Unglckselige!
(richtet sich auf und lacht verzweiflungsvoll.) Das ist Alzind',
die Schnheitsblume Indiens, in eine welke Distel nun verwandelt.
O du mein stolzer Geist, verjagt aus deinem ppigen Palast, was
mut du jetzt fr ein verchtlich Haus bewohnen!  Ich duld' es
nicht!  Verzweiflungsvolle Seele, sprenge doch die Riegel dieses
morschen Kerkers!  (ngstlich.) Eilt mir zu Hilfe, Groe meines
Reichs--wo seid ihr, meine Diener?--(Stark rufend.) meine
Sklaven!  (Echo ruft: Sklaven.) Es ist umsonst, das Echo ist der
einz'ge Sklave meines Rufes.  Ich bin allein, verbannt von meinem
Volke, meinem Gott.  Was rauschet?  Ha, ein Geschpf aus dieser
Welt.  O du erbrmliche Gestalt.



Neunte Szene.
Gluthahn erscheint im Rocke.  Vorige.


Gluthahn.  Wer schreit denn so?  Wie kommst du auf 'n Berg?  Kriech
weiter um ein Haus.

Alzinde.  Wenn du ein Mensch bist, wie die Sprache mich's vermuten
lt, so sage mir, wie heit die Welt, in der du lebst?

Gluthahn.  Weiter geh!

Alzinde.  Wenn du ein Mensch bist, nimm mich auf in deine Htte,
die Sonne wird dich dafr lohnen.

Gluthahn.  Aha, die brennet mich aus Dankbarkeit auf den Buckel
hinauf.  Du, la mich aus mit deiner Sonn', die kenn' ich nicht.

Alzinde.  Er kennt die Sonne nicht, weh mir.  Hab' Mitleid, Hunger
fhret mich an deine Htte, speise mich mit etwas Reis.

Gluthahn.  (erstaunt).  Was willst du haben?  einen Reis?  Ein
Bettelweib will ein' Reis; Sie schafft sich nur gleich an, was sie
am liebsten it.

Alzinde.  O reich' mir nur ein kleines Stckchen Zucker.

Gluthahn (lachend).  Einen Zucker will sie, o du ses Goscherl du.
Wo hab' ich denn g'schwind was, ich gib ihr eine hinauf, da s'
ein Zucker macht, an dem s' langmchtig z' schlecken hat.

Alzinde.  Hab' Mitleid, ich verschmachte, gib mir strkendes Gewrz.

Gluthahn.  Jetzt halt' ich's nimmer aus, jetzt will sie noch gar
ein G'wrz!  Ich komm' in Narrenturm mitsamt dem Weib.  Ich hab'
kein G'wrz noch gesehn, solang ich auf der Welt noch bin, die geht
herum und bettelt um Gewrz.

Alzinde.  Du Unmensch, sprich, soll ich an deiner Schwelle sterben?

Gluthahn.  Was unterstehst du dich, an meiner Tr willst du da
sterben?  A solche Ungelegenheit, da ich dich noch begraben lassen
knnt'; gehst hinunter bern Berg und schaust dich um ein Platzel
um, wost' hinwerden kannst.

Alzinde.  Sonne, was erlebe ich.

Gluthahn.  Schlg' wirst gleich erleben, wenn du nicht gehst.

Alzinde (stolz und krftig).  Ich befehle es dir, mich zu bewirten,
ich bin Indiens Knigin.

Gluthahn.  Jetzt ist's herauen.  Das Weib ist nrrisch.  Sie ist
Indiens Knigin, ich lach' mir noch einen Buckel, grer als der
ihrige.  Wenn du jetzt nicht gleich von meiner Tr weggehst, so
jag' ich dich bern Berg hinunter.  Marsch!  Du verzuckertes
indisches Bettelweib du!  (Ab.  Schlgt die Tr zu.)



Zehnte Szene.


Alzinde (allein, mit Verzweiflung).  Weh mir!  So bin ich denn auf
einem fremden Stern, ausgeschlossen aus der Sonne Strahlenreich.
Nicht Menschen hausen hier.  Dmone sind es, Sldner jenes
Drachensohns, der mich hierher gebannt.  Hier darf kein Weihrauch
duften, keine Palme blhn, ein wstes Grab ist diese Hllenflur.
Seht, seht, wie kleine Furien mit gehrnten Kpfen ber jene kahlen
Felsen springen.  Nie werd' ich mehr mein Volk, meinen Gemahl
erblicken.  Verloren ist mein Leib, verloren meine Seele.  (Sinkt
auf die Knie und ruft:) Sonne, rette mich!  (Echo: Rette mich.)
Umsonst, sie hrt mich nicht; das Echo hhnt mich aus, ihr Strahl
dringt nicht auf dieses fluchbeladne Land.  Welche Angst ergreift
mein Gemt?  Von allen bin ich hier verlassen und auch zu ihr kann
ich nicht flehen.  Entsetzliches Geschick!  Was ist der Mensch, dem
man die Hoffnung auf das Hchste raubt?  Mein Aug' wird trb, mir
ist, als htten diese Berge Licht und Farbe eingebt und flen
mit des Himmels schauerlichem Grau zusammen.  Die Welt zerrinnt vor
meinen Blicken, ich sehe nichts, als jenen Strom, der konvulsivisch
sich durch dieses Chaos windet und seine nassen Arme nach mir
streckt.  Hinweg von mir, du schrecklicher Gedanke, der mich
ergreift, und nach dem Strom hinzieht.  Ich folg' dir nicht, 
umsonst, ich mu--Verzweiflung, freu' dich deines Siegs, ich mu
hinein.  (Sie eilt gegen den Strom, pltzlich:) Ha, der Sonne Bild!
(Sie blickt empor, ihr ganzes Wesen lst sich in zitternde Freude
auf.) Sie ist's!  (Steigend.) Sie ist's, die--(Mit zitternder
Stimme.) die Sonne!  Meine Sonne, meiner Seele hchster Trost!
(Sinkt auf ein Knie, dann springt sie freudig auf.) Freude, Freude,
sie ist hier!  Ihr Wlder, Klippen, Bume, Quellen, meinen Blicken
neu geboren, grn gekleidet, wie mein Hoffen, hrt es, ich bin
nicht verlassen, nicht verstoen von der ew'gen Sonne!  O wie ist
mir wieder leicht, wie hat ihr Strahl mein Innerstes gelichtet.
Nun hab' ich Mut zum Dulden, Mut zum Tragen.

Mu ich fern von allen Lebensfreuden
Kmpfen auch mit Gram und Leiden,
    Kann ich's doch der Sonne klagen,
    Mit Bewutsein zu ihr sagen;
Habe alle Freuden meiner Jugend
Aufgeopfert fr den Ruhm der Tugend
    Und erwarte meinen Lohn
    Einst an deinem Himmelsthron.

(Sie setzt sich auf einen Rasen und versinkt in Nachdenken.)



Elfte Szene.
Hans.  Mirzel.


Mirzel.  Geh, geh, ich soll recht bs auf dich sein.  Du bist ein
sauberer Mann, laufst voraus und schaust dich gar nicht um um mich.
Wie ich noch ledig war, da bist hinter mir her g'wesen auf einen
jeden Schritt, und jetzt--aber die Nachbarin hat mir's
vorausg'sagt, das ist das sicherste Zeichen, da ein paar
verheiratet sind, wenn der Mann anfangt, unartig zu werden.  Heut
werden s' kopuliert, da geht sie voraus, den andern Tag lat er sie
schon hint' nach gehn.

Hans.  Aber liebe Mirzel 

Mirzel.  Willst du's etwa leugnen?  Zuerst kommst du, hernach dein
Spitzel, nachher ich, ich und der Hund, wir gehen immer miteinander.
Au contraire, seinem Spitzel pfeift er doch manchmal, aber bei
mir da denkt er sich: Du kommst mir so nach Haus, dich verlier' ich
nicht.

Hans.  Ich wei gar nicht, ich hab' den Hund recht gern bei mir.
Ob wir jetzt unser zwei ausgehn oder unser drei?

Mirzel.  Nu, neulich sind wir gar unser vier g'wesen, da hast zwei
Spitzeln mitg'habt; einen hast du aus dem Wirtshaus nach Haus
tragen, und der andere ist so mitg'laufen.

Hans.  Nu, und wie er neulich verloren gegangen ist, so hat ihn
doch kein Mensch finden knnen als du.

Mirzel (launig).  Ja, das macht, weil ich sehr spitzfindig bin.

Hans.  Aber jetzt hren wir einmal auf, wir disputieren wegen die
Spitz' wie die kleinen Buben; das ist eine vllige Spitzbberei.

Mirzel.  Ich bin ja schon wieder gut, das ist ja nur mein Spa, ich
hab' dich viel zu lieb, du bist ja mein guter Mann.

Hans.  Und du mein guts Weib; kurzum, wir sein halt von der besten
Gattung.

Mirzel.  Freilich, wir sind gut, und alles wr' gut, wenn wir nur
mehr zu essen htten.

Hans.  La nur gut sein, der liebe Gott wird uns schon helfen.
Haben wir doch jetzt unser' Grundsteuer wieder zum Amtmann
hineintragen; acht Gulden alle Jahr', ist kein Spa.  Schau' nur,
wie die Sonn' so freundlich scheint, schau' dich nur um.  (Erblickt
Alzinde.) Du, was liegt denn dort fr ein altes Weib?  die wird
krank sein; sie weint, ich werd' s' trsten.

Mirzel.  Die Alte?  Nun, die kannst schon trsten.

Hans (geht zu ihr).  Du, Alte, hrst?

Alzinde (hebt sich empor, erblickt beide, springt erschrocken auf
und ruft).  Menschen!  (Will entfliehen.)

Hans.  He, he, wo laufst denn hin?  so wart' doch, wir meinen dir's
ja gut.

Mirzel.  Freilich, willst ein Stckel Brot?

Alzinde (sieht sie erstaunt an).  Seid ihr wirklich Menschen?

Hans.  Nu, du wirst uns doch fr keine Maikfer anschaun?

Alzinde.  Menschen seid ihr, und ihr habt Erbarmen?

Mirzel.  Du blauer Himmel, warum nicht?  wir erbarmen uns selbst
manchmal.

Alzinde.  Also seid ihr unglcklich?

Mirzel.  I bewahr', wir sind recht glcklich.

Hans.  Wir haben nur kein Geld.

(Gluthahn lat sich am Fenster sehen, und horcht.)

Alzinde.  Das versteh' ich nicht.

Hans (zu Mirzel).  Sie ist taub.  (Laut, Alzinden ins Ohr.) Wir
haben kein Geld, wie kannst du denn das nicht verstehn, das kann
ich mit Hnden greifen, wenn ich in den Sack fahr'.

(Fhrt in den Sack.)

Mirzel.  Weit, wir sind halt glckliche Unglckliche, wie manche
Leute unglckliche Glckliche sind.

Hans.  Das ist eine gute Explikation.  Wir sind arme Steinbrecher,
wir arbeiten im Steinbruch da hint', und leiden oft Hunger, da
sich ein Stein erbarmen mcht', aber nur im Winter, im Sommer
geht's uns besser.

Mirzel.  Was sprichst du denn so viel da mit der Alten, trag ihr
etwas aus der Htte und la sie gehn.

Hans.  Nein, mir gefallt s', sie hat zwar noch nichts g'redt, aber
ich find', da sie recht eine unterhaltendliche Person ist.  (Zu
Alzinde.) Weit, ich und mein Weib haben uns halt gar so gern, und
das ist unser Glck.

Alzinde (zu Mirzel).  Also liebst du deinen Mann?

Mirzel.  Vom Herzen.

Alzinde.  Und wenn du ihn verlieren mtest?

Mirzel.  Ich, mein' Mann?

Alzinde.  Wenn er dir auf ewig entrissen wrde?

Mirzel.  Das berlebet ich nicht.

Alzinde.  Weh mir, und ich lebe noch!  Sie stirbt fr diesen
Bettler, und ich lebe noch.  (Weint heftig.) O mein Gemahl, mein
kniglicher Herr.  (Ihre Trnen fallen in Hansens Hut, der ihn
absichtslos aufhlt.)

Hans.  Jetzt, warum weinst denn?  Jetzt weint sie mir grad in den
Hut hinein.--Du, Mirzel, schau, was ist denn das, der ihre Trnen
sind ja alle von Glas, die weint ja lauter kleine Steiner.

Mirzel.  Warum nicht gar.

Hans.  Auf die Letzt hat s' gar einen Steinbruch in die Augen.

Mirzel.  Was weinst denn du da?

Alzinde.  Ich weine Diamanten.

Hans.  Mich trifft der Schlag, das hab' ich noch mein Leben nicht
g'hrt, da eine Amanten weint.  Wann s' noch wegen einen Amanten
weinet', aber einen Amanten selbst, das ist entsetzlich.

Alzinde.  Sagt mir, haben Diamanten aus eurer Welt hier einen Wert?

Mirzel.  Nu, ich will's hoffen, unser Herr, bei dem wir arbeiten,
hat einen Ring, da ist ein einz'ger Stein mehr wert, als sein
ganzer Steinbruch.

Alzinde.  So hrt mich an, vielleicht kann ich durch meine Trnen
euch beglcken.  Des einen Glck bedingt ja leider oft des andern
Unglck.  Behaltet mich bei euch, gebt mir nur magern Unterhalt,
schtzt mich vor der Mihandlung eurer Brder und nehmet meine
Trnen hin als Eigentum, welche reichlich flieen werden, weil ich
mein Schicksal nicht genug beweinen kann.

Gluthahn (am Fenster).  Das Weib la' ich nicht aus, mein Herz ist
z' gut, die nehm' ich auf.

Hans.  Aber wer hat dir denn das g'lernt, du bist doch nicht etwann
eine Hex'?

Mirzel.  Nu, fragen mcht' ich s' noch.

Alzinde.  Was ich euch nun entdeck', ist wahr, so wahr, als dieser
Sonnenstrahl, der sich in meiner Trne bricht.  Ich bin die Frstin
eines ind'schen Reichs, der Tugend hab' ich mich geweiht, wie ihr,
und weil ich einen bsen Geist aus meinem Land vertrieben, hat er
aus Rache mich nach eurer Welt verbannt.  Ich ward geehrt von
meinem Volk, das meine Schnheit, meinen Geist bewunderte, geliebt
von meinem zrtlichen Gemahl, und alles, was des Glckes Gromut
mir verliehn, hat dieser Dmon mir entrissen.  (Weint.)

Hans.  Jetzt fang' ich auch zum Weinen an, aber meine Trnen sind
keinen Kreuzer wert.

Alzinde.  Doch meine Jugendkraft hat er mir nicht geraubt, und
heftiger fhl' ich den Schmerz, als ich die Freude frher hab'
empfunden.  Ihr glaubt mir doch?

Mirzel.  Das kann ja sein, ich hab' schon viel von verzauberten
Prinzessinnen gehrt.  Nu, trsten sich Euer G'streng' nur, wir
werden schon fr Euer G'streng' sorgen.

Hans.  Was sagst denn Euer G'streng', meinst denn, du redst mit dem
Verwalter?  (Mit erhobener Stimme.) Wei die Frstin was, wir
behalten die Frstin bei uns, und was wir haben, bekommt die
Frstin auch.

Alzinde.  Ihr guten Menschen, meine Trnen werden dankbar flieen.

Mirzel.  Wenn s' nur alle Jahre einmal weint, im Frhling, wenn der
Schnee zerfliet, so leben wir das ganze Jahr davon.  Die Frstin
macht noch unser Glck.

Hans.  Und da braucht sie nicht einmal einen Schmerz, der sie
weinen macht, ich reib' ihr einen scharfen Kren, so weint sie ihren
diamantenen Fleck her und lacht uns alle aus.

Mirzel.  Ja, das ist prchtig, lieber Hans; die Trnen, die du im
Hut hier hast, tragst du morgen augenblicklich in die Stadt.  Jetzt
geh die Frstin nur in unsre Htten hinein, da findt die Frstin
Milch und Brot; wir mssen jetzt in' Steinbruch hinaus, wir haben
nur unsre Werkzeuge g'holt.  Auf den Abend kommen wir nach Haus,
und dann wollen wir recht vergngt sein alle drei.

Hans.  Ja, mein' liebe gute Frstin, geh die Frstin nur hinein,
gib die Frstin auf mein' Spitzel gut acht und sperr' die Frstin
die Tr von innen gut zu; unser Nachbar ist gar ein bser Mann, dem
mu die Frstin ja nicht traun, sperr' ihm die Frstin gar nicht
auf.

Alzinde.  Sorgt euch nicht, ich hab' ihn schon erkannt.  Er stie
mich ja von seiner Tr.

(Sie geht hinein, Hans und Mirzel nehmen ihre Hmmer.  Alzinde
riegelt die Tre von innen zu.)

Hans.  Heisa, jetzt geht's in den Steinbruch hinaus, wenn wir auch
noch so wenig haben, ein frhliches Herz tauscht ja mit Knigen
nicht.  (Beide ab.)



Zwlfte Szene.


Gluthahn (schleicht herein).  Geh in den Abgrund, Volk.  Ob denn
ein guter Mensch, wie ich bin, ein Glck hat?  Erwischen die das
Weib mit ihrer diamantenen Trnenfabrik!  Gluthahn, da kannst du
dein Geld hereinbringen.  Ich bin ein guter Mensch, aber das Weib
lass' ich nicht aus, die mu mir alle Sck' voll weinen.  Hab'
schon meinen Plan ausgedacht indessen,--im Haus kann ich sie nicht
versperren hier; sechs Stunden weit in Alpenmarkt drin, da kenn'
ich einen Herrn aus der Stadt, er hat ein Landhaus in Alpenmarkt
drin und war in meiner Htten fter ber Nacht, wenn er auf die Alm
hinauf ist--das ist ein vermglicher Mann, er handelt mit guten
Steinen und reist herum damit.  Er kauft Holz von mir; da fhr' ich
s' hin und lass' sie etwas weinen, da er s' untersucht, ob s'
wirklich Diamanten weint, ob s' nicht etwa bhmische Steine weint
oder so Zeugs.  Und wenn s' was wert ist, so machen wir einen
kleinen berschlag, und ich verkauf' ihm das ganze Weib wegen ihren
Trnen um ein Pauschquantum.  So ist das arme Weib versorgt, kommt
auf Reisen und hat das schnste Leben.  Ich kann mir halt nicht
helfen, ich find', da ich ein edler Kerl bin, ich mag schon tun,
was ich will.  Wenn ich s' nur herauslocken knnt', ich wirf sie
auf meinen Leiterwagen und fahr' mit ihr davon, als wenn ich sie
gestohlen hatt'.  Da kommt mein Weib.



Dreizehnte Szene.
Gluthahn.  Trautel.


Trautel (stellt den Krug Wein auf den Tisch).  Da bin ich, lieber
Mann.

Gluthahn (roh).  Nu, bist du schon g'sund?

Trautel.  Warum nicht gar.  Ach, lieber Mann, mit mir ist's aus,
der Bader sagt, mich bringt er nimmer auf.

Gluthahn.  Der Bader ist ein Narr, was braucht er dir's zu sagen,
das hab' ich eh' schon g'wut.

Trautel.  Ich unglckselig Weib--ich bitt' dich, Mann, was soll
ich denn jetzt tun, damit mir besser wird?

Gluthahn.  Spann' die Pferde vor den Wagen, das strkt dich, ich
fahr' aus.

Trautel.  Das ist ein schner Trost!  Ich kann ja nicht, ich bin z'
schwach.

Gluthahn.  Du mut, potz Himmeltausend Saprament, ich werd' dich
lernen rsonnieren, du alte Blendlaterne.  Den Augenblick spannst
ein und gehst dann in den Garten und brockst mir ein' Korb voll
pfel ab.  (Fr sich.) So bring' ich sie doch fort.

Trautel.  Nein, du bist kein Mensch, du bist ein Krokodil.  (Weint.)

Gluthahn.  Wirst gehn.

Trautel.  Ich geh' schon.  (Geht weinend ab.) Ach, du lieber Himmel!

Gluthahn.  Jetzt weint die auch.  Komm her.  (Trautel kehrt um.)
Was weinst denn?  (Sieht in ihre Augen.) Die weint keine Diamanten,
hchstens mein Geld als Medizin.  Geh, geh, besorg' den Wagen, so
kommst du mir doch aus den Augen.

(Trautel geht hinters Haus ab.)



Vierzehnte Szene.
Gluthahn, dann Alzinde.


Gluthahn (boshaft lchelnd).  Jetzt werd' ich fensterln gehn.  (Mit
falscher Freundlichkeit.) Liebe Alte, komm heraus, ich hab' dir
etwas zu entdecken.

Alzinde (ffnet das Fenster).  Was willst du, bser Mensch, der
mich verstie.

Gluthahn.  Denk doch nicht mehr dran, ich war im Zorn, ich bin so
ghzornig, ich hab' es schon bereut, hab' schon g'weint deswegen
und mcht' dir die Krnkung gern vergelten; drum komm heraus, wir
trinken ein Glas Wein.

Alzinde.  Ich traue deinen Worten nicht.  Eh' glaub' ich, da der
Hai des Meeres Schutzherr wird, der Falke um die Taube freit,
Hynen um ein Menschenleben weinen, der Wolf aus Gram vergeht, weil
er ein Lamm gettet hat, eh' ich das glaub'; da du mich trsten
willst.

Gluthahn (beiseite).  Sie beit nicht an, ich werd' ihr etwas Ses
an die Angel hngen.  (Laut.) Sei nicht so mitrauisch, du hast ja
selbst ein gutmtigs G'sicht, du mut einmal besonders schn
g'wesen sein, man sieht dir's noch ein wenig an, du hast noch recht
verliebte Augenbraunen.  Geh, komm herber, liebe Alte, mein Weib
hat eine schne Hauben, die wird dir prchtig stehn.

Alzinde.  Bemh' dich nicht, du zwingst mir kein Vertrauen ab.

Gluthahn.  Das mu kein Weibsbild sein, weil sie das nicht rhrt.
Jetzt werden wir's auf andre Art probieren.  (Heuchlerisch laut.)
Du tust ein frommes Werk, wenn du durch mich dir etwas Guts
erweisen last, es ist ja deine Pflicht, ich kann nicht ruhig
schlafen sonst; ich mach' mir Vorwrf' in meinem Innern, da ich
dich so behandelt hab'.  (Hlt die Hnde zusammen.) Ich bitte dich,
geh doch heraus, tu mich nicht so krnken, ich bin ja ein kranker
Mann, ein alter, der nicht mehr lange leben wird.

Alzinde.  Verla die Htte, du betrgst mich nicht.

(Schliet das Fenster.)

Gluthahn (erzrnt).  Der Satan hat das Weib im Sold!



Fnfzehnte Szene.
Gluthahn, Trautel, dann Alzinde.


Trautel.  Eing'spannt ist's, jetzt fahr zur Hll'!

Gluthahn.  Was hab' ich in dein' Geburtsort z'tun?  Nach dem Garten
geh und pfel brock'.  (Trautel geht ins Haus ab.) Heraus mu sie,
und wenn ich's Haus zerschlagen sollt'.  (Klopft heftig an.) Alte,
g'schwind machst auf, es schickt der Hans, er hat ein Arbeitszeug
vergessen.  (Der Hund knuft von innen.) Sie macht nicht auf.
(Pocht strker.) Ob du aufmachst, frag' ich, oder nicht, ich
schlag' euch alle Fenster ein, ihr schlechtes G'sind'.  (Er schlgt
das Fenster ein, man hrt den Hund bellen.) Den Hund erschlag' ich;
bist still, du Hllenvieh!  (Wirft einen Stein hinein.)

Alzinde (am Fenster).  Bist du rasend, Mensch?  was reizt dich so
zur Wut?

Gluthahn (uerst boshaft).  Heraus gehst, sag' ich, sonst znd'
ich das Haus an allen Ecken an, ich kenn' mich nicht vor Wut.  O
weh, mir wird nicht gut, ich armer Mann--wer hilft mir denn?
(Sinkt in den Stuhl und lst sein Halstuch.) Wasser, Wasser!  Mir
wird bel--ich stirb, wenn sich kein Mensch erbarmt--o!  o!
(Pause.)

Alzinde.  Gtter, welch ein Mensch!  Er liegt bewegungslos!  was
soll ich tun?  Wenn er nun stirbt, so bin ich schuld, ich knnte
ihn erretten.  Er ist ein bser Mensch zwar, aber doch ein Mensch,
die Sonne scheint auf ihn, so wie auf mich, und fordert mich zu
seiner Rettung auf.  Ich will der Tugend dieses kleine Opfer
bringen.  (ffnet die Htte und trgt in einer Schale Wasser.)
Alter, Alter, hier ist Wasser!

Gluthahn (springt schnell auf).  Heisa, hab' ich s' erwischt?
Jetzt kommst mir nimmer aus.  (Packt sie.)

Alzinde.  Ha, du verrterischer Molch!

Gluthahn (ringt mit ihr).  Jetzt will ich dich zum Kirchtag fhren.
 (Der Hund bellt heftig.) Still, du Rabentier.  (Er zerrt sie
hinter das Haus in die Kulisse.  Nach einer Pause kommt)



Sechzehnte Szene.


Trautel (mit einem Korb pfel).  Was bellt denn nur der Hund so
sehr?  Spektakel!  was treibt denn mein Mann?  der hebt ein altes
Weib auf seinen Wagen.  (Peitschengeknall.) Jetzt fhrt er fort mit
ihr.  Du gottloser Mensch, wenn er nur nichts Schlechts vorhat mit
dem Weib?  Wie er ausjagt,--das geht nicht mit rechten Dingen zu.
Ich lauf' in' Steinbruch, such' den Nachbar, sag's dem Bader,
klag's dem Richter, allen Leuten unt' im Orte will ich schnell die
ganze G'schicht' erzhlen.  Das ist ein Unglck, da ich gar nicht
wei, was geschehen ist.  (Ab.)



Siebzehnte Szene.
(Kurzes Wolkentheater.)

An der Seite, im Vordergrunde, eine hervorragende thronartige
Wolkengruppe.  Geister der Tugend, wei gekleidet, Lilienstengel in
den Hnden, kommen unter passender Musik trauernd auf die Bhne.


Ariel (tritt mitten unter sie).
 Lat uns um Alzinden klagen,
Die in jugendlichen Tagen
Durch der finstern Mchte Spiel,
Als ein Tugendopfer fiel.
(Knien nieder.)
 Himmel, hre unsre Bitten,
Lasse nimmer es geschehn,
Da der Tugend reine Sitten
Durch Verfolgung untergehn.

(Steht lebhaft auf.)

Doch seht nur, dort schwebt, mit dem Lilienstengel
Der Retter der Unschuld, ihr trstender Engel,
Er trug zu dem Throne des Mchtigen hin
Das Schicksal Alzindens mit flehendem Sinn.
O himmlischer Bote, o tauche doch nieder
Dein silbererglnzendes Schwanengefieder!
Er nahet, er nahet, er senket die Schwingen,
Und wird uns das Machtwort des Ewigen bringen.



Achtzehnte Szene.
Musik.  Vorige.  Der Genius der Tugend, eine Lilienkrone auf dem
Haupte, besteigt den Wolkenthron.


Genius.
 Hrt mich an, ihr Tugendgeister,
Zu mir sprach der hohe Meister;
Nur ein Kampfplatz ist die Welt,
Und das Bse hingestellt,
Da es mit dem Guten streite,
Und der Hlle werd' zur Beute.
Beide treten in die Schranken
Dieser unruhvollen Welt;
Tugend darf im Kampfe wanken,
Eigne Schuld ist's, wenn sie fllt.
Jedem ward die Kraft hienieden,
Der Verfhrung Trotz zu bieten;
Nur der Schwache sinkt im Krieg,
Doch den Starken krnt der Sieg.
So ist es bestimmt auf Erden,
Tugend mu geprft dort werden.
Dies ist auch Alzindens Los;
Doch ihr Lohn unendlich gro,
Denn sie wird ein Beispiel geben,
Wie der Mensch gelangt im Leben
Durch die Qual der tiefsten Leiden
Zu dem Ziel der hchsten Freuden,
Die ein gro Bewutsein schenkt.

 Drum gehe in Erfllung Moisasurs Spruch,
Und Edelmut, den er verdammt, besiege seinen Fluch.
Unmgliches hat er von ird'scher Kraft begehrt,
So werde er nun auch durch den Erfolg belehrt;
Da Tugend, wenn sie gleich im Staub sich windet,
Hoch in den Wolken ihren Retter findet.


 Zu diesem, sprach er, will ich dich nun weihn,
Und deinem Wink die Kraft verleihn,
Da jedes Wesen, so die Erde hegt,
Was sich in ihr, und was sich auf ihr regt;
Die Bewohner dunkler Klfte,
Wie die Geister blauer Lfte,
Deinem Rufe untertnig;
Ja, da selbst des Todes Knig,
Sprichst du meinen Donnergru,
Deinem Rufe folgen mu.
Also sprach der groe Meister,
Preiset ihn, ihr Tugendgeister.

(Alle knien nieder und beugen ihr Haupt.)

Genius.
 Ich will, um das Schiff zu lenken,
In Hoanghus Seele senken
Meiner Prfung forschend Blei,
Ob sein Lieben tief auch sei.
Ihr verrinnet in die Lfte,
Hllet euch in Blumendfte,
Lindert in Alzindens Herz
Der Verzweiflung wilden Schmerz.

(Die Geister verschwinden.)



Neunzehnte Szene.
(Indische Gegend.)


Seitwrts Hoanghus Zelt, zwischen Palmen aufgehangen, er ruht darin.
 Der Wolkenthron, auf welchem der Tugendgenius steht, verwandelt
sich in einen hohen Fels.

Genius (auf dem Fels).
 Unter jenem Palmenzelt
Ruhet Indiens edler Held;
Traumgott, du magst niedersteigen
Und Alzindens Los ihm zeigen.

Musik.  Wolken sinken, es wird Nacht.  Der Traumgott tritt in
Hoanghus Zelt, beugt sich ber sein Haupt, und indem er seine
Stirne mit der einen Hand berhrt, zeigt er mit der anderen auf die
Hinterwand und bleibt in dieser Stellung, bis der Traum vorber ist.
Die Wolkendecke lst sich, man sieht in einer hellbeleuchteten
Gegend am Meere, auf einem mit Blumen besten Hgel Alzinden mit
einem Siegeskranz in der Hand, ihren Gemahl freudig erwarten.
Siegesmarsch erschallt.  Eine Gestalt, wie die Hoanghus, von
Kriegern begleitet, landet auf einem Schiffe, springt freudig ans
Land, eilt auf Alzinden los und streckt die Arme aus.  Pltzlich
verwandelt sich der Hgel in einen schroffen Fels, auf dem Alzinde
in der Gestalt eines alten Weibes sitzt und ihre drren Arme nach
Hoanghu streckt, welcher entsetzt zurckschaudert.  Moisasur grinst
mit hohnlchelndem schadenfrohen Antlitz, mit halbem Leibe, aus
Wolken herab auf die Gruppe.  Die indische Gegend und der Traumgott
verschwindet.  Die Musik endet leidenschaftlich.  Hoanghu springt
erschrocken vom Lager auf.  Es wird Tag.

Hoanghu.  Fort von mir, verruchter Traum, der seine
Schreckensbilder auch nach dem Erwachen zeigt, willst Hoanghu du
ermorden?  Was klammerst du dich so an meine Phantasie?--La los!
(Reit erzrnt das Schwert aus der Scheide und haut in die Luft.)
Trume sendet uns die Sonne, darum glaub' ich ihrem Wink.  Gtter,
sendet mir ein Zeichen, ob euch dieser Traum gehrt?  oder ob die
gift'ge Spinne Moisasur ihn gewebt?  Doch was brauch' ich hier zu
fragen in dem antwortlosen Wald, ich will meine Frage stellen an
die berzeugung selbst.  (Es donnert.) Ha, des Donners
Warnungsstimme spricht, der Schreckenstraum ist wahr.  Auf, ihr
Krieger, reit die Zelte nieder, kndigt den Gehorsam auf dem
Schlaf.  (Alarm, alles greift erschrocken zu den Waffen, Krieger
und Huptlinge erscheinen auf der Bhne.)



Zwanzigste Szene.
Voriger.  Huptlinge.  Krieger.


Ein Huptling.  Was befiehlst du, groer Knig?

Hoanghu.  Ordne schnell dein ganzes Heer.  Siehst du meines Reiches
Grenze?  (Deutet in die Szene.) Nach der Hauptstadt ziehen wir,
denn ein Traum hat mir verkndet, meiner Gattin droht Gefahr.
Schnell, wie ihr den Feind verfolget, so verfolget jetzt die Zeit.
Eure Waffe sei die Eile, haut damit den Tag in Stcke, metzelt
Stunden zu Minuten, da in wenigen Sekunden ihr Alzindens Antlitz
schaut.  Darum zeigte uns der Morgen rotgeweinte Augenlider, netzt'
die Erd' mit blut'gem Tau--seine Trnen flossen um mein Weib.
Brechet auf, und welcher Bote mir den Flug des Pfeils beschmt, wer
am Tore meiner Hauptstadt mit der Nachricht von Alzindens Leben
freudig mir entgegeneilt, dem lass' einen Turm ich bauen in des
Reiches schnstem Teil; und was von seinen goldnen Zinnen
berschaut sein gierig Auge, schenk' ich ihm als Eigentum.  (Alles
ab.)



Einundzwanzigste Szene.
Genius der Tugend tritt vor.


Genius.
 O knnten doch alle die lieblichen Frauen
Dies seltene Beispiel von Mnnertreu' schauen,
So wrde in aller Brust ein Wunsch nur sein;
O knnt' ich doch auch einen Hoanghu frein.
Und knnten die Mnner, die nicht so gewesen,
In Hoanghus Busen den Lohn dafr lesen,
So wrd' aus dem flatternden Mnnerverein
Die Tugend sich manches Bekehrten erfreun.
(Ab.)



Zweiundzwanzigste Szene.
(Kurzer Palmenwald.)

(Drei Schritte von der Kulisse steht frei in Form eines hohen drei
Schuh breiten Monuments ein Grenzstein von weiem Marmor, mit der
Aufschrift: Grenze von Hoanghus Reich.)


Karambuco, ein indischer Krieger, ohne Waffen, luft herein, hinter
ihm am Felle festhaltend, keucht Ossa sein Weib, sie ist mit einem
Bndel beschwert.

Karambuco (ruft noch in der Kulisse).  La mich los, du
entsetzliches Weib.  (Tritt auf.) Was willst du denn von mir, du
Drachenzahn, ich mu ja laufen, da die Sohlen brennen.

Ossa (hlt ihn fest).  Du kommst mir von der Stelle nicht, bis du
mir sagst, was du fr ein Geheimnis mit dir trgst.  Du bist ein
falscher Mann, du entlaufst dem Heer und deinem Weib.  Du hast
etwas verbrochen.  (Boshaft.) So sag' mir's doch.

Karambuco.  O Gtter, leiht mir einen Pfeil, da ich ihre Sucht
umbringe, mich zu halten.  Sonne, brenn' ihr beide Arme ab!  Ich
mu ja fort, es ist ein Preis gesetzt, wer unserm Knig Nachricht
bringt, ob seine Gattin lebt.

Ossa.  Das lgst du, unverschmter Mann, da hab' ich nicht ein Wort
davon gehrt.

Karambuco.  Weil du geschlafen hast.

Ossa.  Ich schlafe nie.

Karambuco.  Der Satan wacht in dir.  Da komm' ich eh' von einer
Riesenschlange los, als von dem Weib, ich mu mich gar aufs Bitten
legen.  (Kniet sich nieder, sie lt das Kleid los und hlt ihn an
den Hnden, sie knien einander gegenber.)

Karambuco.  Liebe Ossa, la mich los.

Ossa.  Ich kann nicht, lieber Karambuco.

Karambuco (springt erzrnt auf, sie mit ihm).  Verwnschtes Weib,
was willst du denn?

Ossa.  Was du nicht willst, verwnschter Mann.

Karambuco.  Geh!

Ossa.  Steh!

Karambuco.  Ich schlag' dich tot.

Ossa.  Du kannst ja nicht, ich halt' dich ja.

Karambuco.  Das ist ein Riesenweib, sie bricht mir die Hnde
entzwei.  Erinnere dich an deine Pflicht.

Ossa.  Des Weibes Pflicht ist, festzuhalten an dem Mann; ich halte
fest.

Karambuco.  Ich komm' nicht aus mit ihr, und nicht davon.  Da
bring' ich eher einen Elefanten durch ein Nadelhr, als dieses Weib
zu ihrer Pflicht.  O meine Aussichten--was htt' ich auf dem Turm
fr schnes Land gesehn; jetzt seh' ich nichts, als dieses hliche
Gesicht.  Doch wart', du sollst mich kennen lernen; nimm dich
zusammen, Karambuco!  fort mit dir, du Drachenweib!  (Er schleudert
sie mit Gewalt von sich, so da sie ber den Grenzstein fliegt und
in einer drohenden Stellung gegen ihn auf die Erde fllt.  Sie wird
in dieser Attitde zu einem grauen Stein, als ausgehauene Figur.)
Was ist das?  bin ich versteinert, oder ist's mein Weib?  Diesmal
ist sie's.  Gtter, was habt ihr fr Wunder getan!  Dieses Weib zum
Schweigen zu bringen, da gehrt etwas dazu.  (Springt vor Freude.)
Gtter, die Freud', mein Weib ist von Stein.  Ha, jetzt hab' ich
Mut, jetzt schml' ich sie recht.  Du Hydra, du Drache, du indische
Mumie!  (Freude.) Sie kann nichts sagen, o glckliche Ehe!  Jetzt
freut's mich erst, da ich verheiratet bin.--So rede, wenn du
dich traust, schlag, wenn du kannst, bei, bei.  (Springt.) Ihr
Gtter, ich dank' euch, sie kann nimmer beien!  O du steinerne
Bosheit, wie bist du so gutmtig jetzt.  Wenn doch mancher Mann die
Macht bese, der Beredsamkeit seiner Frau so ein versteinerndes
Halt zuzurufen, da kmen oft herrliche Statuen heraus.  Doch ich
verplaudere die Zeit und soll sie verlaufen.  Leuchte mir, Sonne!
(Er stellt sich zum Laufen an.)

Stimme des Genius.  Tritt nicht auf diesen Boden, er verwandelt
dich in Stein.

Karambuco.  Bitt' um Vergebung, da spiel' ich den Krebs.  (Geht
rckwrts.) Also der Boden versteinert? --Da scheid' ich von ihm.
--Doch, was seh' ich, was fllt mir jetzt ein!  Mein ganzes
Vermgen, was ich erspart und gestohlen, alles ist hin, sie hat
alles im Sack und im Bndel da drin.  Alles ist Stein, Weib und
Vermgen versteinert--ich hab' alles verloren, und bin doch ein
steinreicher Mann.



Dreiundzwanzigste Szene.
Indischer Marsch in schnellem Tempo.  Hoanghu eilt an der Spitze
seines Heeres herein.  Karambuco kniet sich vor ihm nieder und hlt
ihn auf.


Karambuco.  Groer Knig, bleib zurck.

Hoanghu.  Aus dem Wege, Sklave, flieh!  (Stt ihn von sich.)

Karambuco (umklammert seinen Fu).  Bei der ew'gen Sonne, bleib
zurck, ein einz'ger Schritt bringt Tod.  Sieh hier mein
marmorerblichenes Weib.  Dieser Boden lithographiert.  Wer ihn
betritt, den zieht er als Steinabdruck heraus.  La dein ganzes
Heer einziehen, und du wirst jeden Krieger durch ein Monument
verewigen.

Hoanghu.  Zurck, du Mrder, der durch Warnung ttet, diese Grenze
schliet Alzindens Unglck ein.  Ohne sie kann ich nicht glcklich
sein, und jedes Schicksal will ich mit ihr teilen.  Nicht auer
diesem Reiche steht mein Leben, es ist in ihm, in ihr; ich trag' es
nicht hinber, kann es nimmer retten, weil's mit ihr vergeht.  Weg
mit der Schale, wenn der Kern verloren ist.  Ist Alzindens Herz
versteinert, ist's doch meines nicht, und sucht ihr Grab.  Mein ist
dies Reich, und wenn's mit Unglck kmpft, so darf der Knig auch
nicht fehlen.  Folg', wer will.  (Will ber die Grenze.)



Vierundzwanzigste Szene.
Genius der Tugend tritt ihm entgegen.  Vorige.


Genius.  Zurck, Hoanghu, ich befehl' es dir.

Hoanghu.  Wer bist du, Lichtgestalt?

Genius.  Ich bin die Tugend, deiner Gattin, deines Landes
Schutzgeist.  Deine Gattin hat in deinem Reich mir einen Tempel
auferbaut, drum hat Moisasur sie verflucht, wie sie dein Traum
gemalt, so lang, bis die Unmglichkeit erfllt, die zur Bedingung
er gesetzt.

Hoanghu.  Das heit, die Ewigkeit mit anderem Namen nennen.

Genius.  Alles kann die Gottheit wenden, und zum Werkzeug hat sie
dich ersehen.  Die hchste Probe hast du diesen Augenblick
bestanden.  Du kannst Reich und Gattin retten, weil du dein Leben
unter deine Liebe stellst.

(Genius winkt: Die Gegend verwandelt sich in einen Wolkenhain.  Die
Statue der Tugend, vor ihr ein Opferaltar.  Die Geister der Tugend
in Gruppen, im Hintergrunde eine groe diamantene Sonne.)

Genius.  Schwre hier, am Weihaltar der Tugend, auf ihrer Lilie
heil'gen Kelch, da du ihr jedes Opfer bringest, wenn sie es gebeut.

Hoanghu.  Ich schwr's, und wenn ich breche meinen Eid, so soll die
Quelle meinem Durst versiegen, der Baum die Frchte selbst
verzehren; so will ich Knig sein in menschenleerer Wste, will
schlaflos mich im heien Sande wlzen, und wenn mein Leib an
solcher Glut vergeht, soll die Sonne meinen Geist aus ihrem Reich
verbannen, und Moisasur ihn an seine Ferse heften.

(Hoanghu kniet, der Genius berhrt sein Haupt mit der Lilie.)

Genius.
 So will ich dich durch dieser Lilie Kraft,
Die alles Edle und Erhabne schafft,
Zum Retter deiner Gattin weihn.
In des Abends sanften Schein
Wirst du wieder mich erblicken,
Und auf leichter Wolken Rcken
Schweb' ich mit dir eilig fort,
Bis wir landen an dem Ort,
Wo in unbekannter Ferne,
Durch die Macht der bsen Sterne,
Deiner Gattin Leiden weilen.
Doch jetzt mu ich von dir eilen
Und des Abgrunds Tiger wecken,
Er mu seine Klauen strecken
Nach der Tugend Lilienbrust;
Bis wir sie mit Gtterlust
Allem Ungemach entrcken,
Sie an unsern Busen drcken
In beglckter stolzer Ruh';
Nun leb' wohl, mein Hoanghu.


(Genius fliegt ab.)

Ende des ersten Aufzuges.



Zweiter Aufzug.



Erste Szene
In Alpenmarkt.  Vorsaal im Landhause des Juwelenhndlers Rossi.
Der Hausinspektor Hnfling tritt auf mit Hausbedienten; hchstens
sechs.


Hnfling.
 He, ihr Leute, schnell zur Hand!
Eure Pflicht ist euch bekannt,
Seid geschftig, bt sie aus,
Denkt, die Herrschaft ist zu Haus.
Chor.
 Wir sind willig, rstig, flink,
Und gehorchen Eurem Wink.

Hnfling.  Der gnd'ge Herr ist nicht auf einige Tage aus der Stadt
herausgefahren, er wird diesmal drei Monate in seinem Landhaus hier
verweilen; darum nehmt euch zusammen, stot eure Bequemlichkeit in
die Rippen, seid flink, damit er sieht, da ich auf Ordnung halte,
als Inspektor.  (beiseite.) Wenn er fort ist, kann ich euch
manchmal durch die Finger sehen, doch so lang er hier ist, mu ich
euch auf die Finger klopfen.  (Laut.) Habt ihr mich verstanden?

Alle (schreien).  Ja.

Hnfling.  So schreit nicht so und packt euch fort an eure Arbeit.
Und wenn der gnd'ge Herr frgt, wie man im Hause hier mit meiner
Anordnung zufrieden ist, so antwortet als treue Diener Wahrheit und
sagt, was ich seit vierzehn Tagen jedem eingelernt: Unser Herr
Inspektor ist ein Engel.  Dies merket euch, geht eures Wegs und
bleibt fein dabei stehen.

Ein Bedienter.  Wir gehen unsres Wegs und bleiben dabei stehen.
(Ab.)



Zweite Szene.


Hnfling (allein).  Fr mich gibt's nichts Bequemeres auf der Welt,
als das Befehlen; fast jeder hat Talent dazu, der Mensch ist ein
geborner Kommandant, am besten seh' ich das bei meiner Frau.  Ich
fr meinen Teil, wenn ich nicht Inspektor wre, ich wrde mir
wenigstens einen Jagdhund halten, damit ich zu ihm sagen knnte 
(es wird geklopft) Herein!



Dritte Szene.
Voriger.  Gluthahn.  Alzinde.


Gluthahn (hat Alzinden an der Hand, geht zur Tre herein).  Euer
G'streng' verzeihen, ich mcht'--(zu Alzinden.) So geh herein,
mein liebe Alte, la dich nicht so ziehen, es ntzt dich nichts.
(Zieht Alzinden herein.)

Alzinde.  Sklavin bin ich eines Sklaven.

Hnfling.  Nun, was ist das fr ein Auftritt?  was will das
Lumpenpack?

Gluthahn.  Werden Euer G'streng' nur nicht gar so ungndig, ich bin
der alte Gluthahn von der Windalm hint', und mchte gern mit dem
gnd'gen Herrn vom Haus hier reden; er kennt mich schon, ich bin
sein Holzlieferant, und wenn er unsre Alm besteigt, so bleibt er
bei mir ber Nacht.

Hnfling (fr sich).  Das ist eine Bettelei.  (Laut.) Er ist nicht
hier.

Gluthahn.  Ei jawohl, ich hab' ihn ja am Fenster g'sehn.

Hnfling.  Er ist doch nicht hier, und wenn Er ihn an allen
Fenstern zugleich gesehen htte.

Gluthahn.  Ja so--(Heuchlerisch.) Bitt' gar schn, Euer G'streng',
erlauben S' ihm's, da er hier sein darf.

Hnfling.  In solchem Anzug lass' ich niemand vor.  Was hast du mit
dem Weibe da, was drckst du ihr die Hnde so zusammen?

Alzinde (welcher Gluthahn mit der linken Hand beide Hnde
zusammenklammert und sie so hlt, spricht unruhig).  O Fremdling,
nimm dich meiner an.

Gluthahn (heimlich zu ihr).  Wann's du was sagst zu ihm, ich bring'
dich um.

Alzinde (reit sich los von ihm und strzt zu Hnflings Fen).
La mich--(zu Hnfling) Fremdling, hre mich.

Hnfling (stt sie von sich).  Was willst du, schmutz'ge Bettlerin?

Alzinde (steht pltzlich stolz auf).  Nichts von dir, gar nichts,
Freund.  Ich habe dich verkannt.  (Setzt sich in einen Stuhl und
seufzt.) Ach!  (verhllt ihr Antlitz.)

Gluthahn (schadenfroh).  Das ist dir recht g'sund.

Hnfling.  Was will das Weib?

Gluthahn.  Mit Ihrem gnd'gen Herrn mcht' s' reden.

Hnfling.  Das kann nicht sein, packt euch jetzt fort, er ist nicht
hier.

Gluthahn.  Er wird gleich kommen.  Euer G'streng' haben ein kaltes
Gemt, ich seh's schon, ich werd' Euer G'streng' so sechs Sto
harts Holz hereinfhren, das gibt eine rechte Glut, da taut der
Mensch schon auf.  (Fein.) Euer G'streng', mir scheint, ich hr'
ihn reden drin, auf die Letzt ist er doch zu Haus.

Hnfling.  Das ist nicht mglich.  (Geht an die Tr und sieht
hinein.) Meiner Seel, er ist zu Haus.  Wie man sich irren kann.
Ich will jetzt fr Ihn sprechen; doch, da Er sich nicht untersteht
und schickt mir einen Splitter Holz, ich lass' mich nicht bestechen.
  Wenn Er es morgen bringen will, so lass' Er sich den Keller
zeigen und leg' Er es hinein, ich will nichts davon wissen.
(Abgehend.) Das ging mir ab, das wr' nicht schlecht.  (Ab.)

Gluthahn.  Ah, ist ein Ehrenmann, der Herr Inspektor, aber so sechs
tchtige Ste, die bringen einen schon vorwrts bei ihm.  Nun, was
schaffst denn du, mein altes Kapital?--Wenn ich s' nur zum Weinen
bringen knnt'.

Alzinde.  Mensch, was hast du mit mir vor?  Welch bser Geist
bestimmt dich, so an mir zu handeln?

Gluthahn.  So sei nur nicht so kindisch, liebe Alte, du verkennst
mein Herz, ich mein's ja gut mit dir, du kriegst das schnste Leben.
  Sei still, der gnd'ge Herr.



Vierte Szene.
Vorige.  Rossi.


Rossi.  Ah, mein alter Gluthahn, was bringt Ihn zu mir?

Gluthahn (kt ihm die Hand).  Ich kss' die Hand, Euer Gnaden,
vieltausendmal.

Rossi.  Wie geht's zu Haus, was macht die Frau?

Gluthahn.  I mein, allweil krnklich ist sie halt!

Rossi.  Nu, da mu Er Geduld mit ihr haben.

Gluthahn.  I du lieber Himmel, mein Herz, Euer Gnaden wissen's ja,
wir leben, wie die Kinder, ich gib ja acht auf sie, wie auf mein'
Augapfel.  Was s' braucht, das hat s', ich opfre mich ganz auf fr
sie.

Rossi.  Brav, das macht Seinem Herzen Ehre.  Wer ist denn diese
Alte da?

Gluthahn.  Das ist ein ganz besondres Weib, Euer Gnaden, ein
solches hat noch nie g'lebt.  (Zu Alzinde mit falscher
Freundlichkeit.) Geh, setz' dich nieder, liebe Alte.  (Fhrt sie an
einen Stuhl, dann heimlich zu Rossi.) Die mcht' ich gern an Euer
Gnaden verkaufen.

Rossi.  Das alte Weib?  das wr' ein schner Kauf.

Gluthahn.  Die ist vernnftiger als eine Junge,--wenn eine Junge
weint, so braucht sie etwas, und wenn die Alte weint, so bringt s'
noch etwas.  Das alte Weib weint Diamanten.

Rossi.  Diamanten?  Bist du ein Narr?

Gluthahn.  Versteht sich, in mein' Sack; Euer Gnaden werden's
gleich sehen, ich lasse s' jetzt Prob' weinen, augenblicklich.
Euer Gnaden rechnen aus, was die ganze Weinerei wert sein kann,
geben mir alle Jahr einen Teil davon, kein Mensch braucht was zu
wissen, und der Handel ist geschlossen.

Alzinde (die gehorcht).  Entsetzlich!

Rossi (beiseite).  Der Kerl ist ein Betrger.  (Laut.) Wie kommst
du zu dem Weibe?

Gluthahn.  G'funden hab' ich sie drau im Wald.

Alzinde (springt auf).  Du lgst, der Bsewicht hat mich geraubt.

Rossi.  Welch' jugendliche Stimme, welche Haltung?

Gluthahn (heftig).  Bist still, du--(Fat sich pltzlich.) Setz'
dich nieder, liebe Alte.  (Zu Rossi.) Mein, s' ist verrckt, sie
wei nicht, was sie redt; das macht Euer Gnaden nichts; wenn s'
auch dumm redt, wenn s' nur vernnftig weint.

Rossi (beiseite).  Ich mu klar sehen in der Sache.  (Laut.) Gut,
berzeuge mich von deinen Worten, wir wollen sehen, was zu machen
ist.

Gluthahn.  Euer Gnaden kaufen s' also?  Hollah!  jetzt geht's recht.
  Jetzt nimm dich zusammen, Alte, wein', was Zeug hlt.

Rossi.  Weint sie denn, so oft sie will?

Gluthahn.  Nu, das will ich hoffen, das ist ihr schnste
Unterhaltung.  Nicht wahr, mein' liebe Alte, du weinst uns schon
ein Stckl, kriegst hernach einen Zucker.  Nicht wahr, Euer Gnaden,
ein' Zucker.  (heimlich zu Rossi.) Auf den Zucker geht s' wie ein
Kanari.

Alzinde (steht auf).  Gemeiner Sklav', auf den die Sonne mit
Verachtung schaut, und dessen Anblick mein Gefhl emprt, wie
hoffest du ein Aug' zu finden in der Welt, das sich mit Trnen fr
dich fllt?  Fr dich darf keine Trne flieen, selbst an deinem
Sarge nicht, denn die Gtter sind gerecht.

Rossi.  Welch eine edle Sprache fhrt dies Weib!

Gluthahn.  Sie ist nrrisch, Euer Gnaden; sie weint uns doch noch.

Alzinde.  Ich habe dich gelabt, und du hast unbarmherzig mich
gebunden und hierher geschleppt.

Gluthahn.  Ist alles erlogen, Euer Gnaden, mein Herz lat so was
gar nicht zu.

Rossi (beiseite).  Sonderbarer Vorfall.

Gluthahn.  Jetzt frag' ich dich zum letztenmal, ob du weinen
willst?  (beiseite.) Wenn ich sie nur recht kranken knnt'.  (Laut.
) Da schauen s' Euer Gnaden nur an, wie erbrmlich sie nur dasteht,
diese miserable Figur.  Die rote Nase und die hunderttausend Falten,
 als wenn s' fr jede Snd' ein Strichel htt' im G'sicht.  Und
Augen hat s' als wie eine Katz'.  Pfui Teuxel!  (boshaft lachend.)
Ha, ha, ha, ich tt' mich schmen.  (Leise zu Rossi.) Helfen Euer
Gnaden mit, machen wir sie marb', damit sie weint.

Rossi (emprt beiseite).  Das ist ein niedertrchtiger Bube, kaum
halt' ich mich zurck.

Alzinde (ergreift Gluthahns Hand und spricht mit Wrde).  Komm her,
es lohnt die Mh', dich nher zu betrachten.  Sag' mir, bist du
denn wirklich ein Geschpf, gebaut in seinem Innern, wie der edle
Mensch?  O Sonne, sende deinen Blitz und spalte diese Felsenbrust,
damit mein Blick zu seinem Herzen kann gelangen, ob es die Form hat
eines menschlichen?--Gtter, strket meinen Geist, damit ich mich
an eurem Werke nicht versnd'ge und diese Menschen hier fr redende
Hynen halte.

Rossi.  Wenn so der Wahnsinn spricht, tausch' ich meinen Verstand
dafr ein.

Gluthahn.  Das ist ein schreckliches Weib, ich komm halt nicht zum
Zweck!  Wenn du mir jetzt nicht weinst, so nimm ich dich mit fort
und sperr' dich ein, so lang du lebst.  Sieh meinen Zorn, schau her,
 er brennt, Wasser brauch' ich, lsch', lsch', mit zwei Tropfen
kannst dich retten.  Nicht?  so komm mit mir, in den tiefsten
Keller wirf ich dich hinunter, kein' Sonn' soll auf dich scheinen
mehr.  (Er will sie fortziehen.)

Rossi (springt dazwischen).  La sie los, du Schurke!  (Packt ihn
an der Brust und schleudert ihn von ihr, springt an den Glockenzug
und reit heftig an, man hrt stark luten, zwei Bediente springen
augenblicklich herein.  Rossi sagt einem heftig etwas ins Ohr,
worauf der Bediente schnell abluft.)

Rossi (stark).  Augenblicklich, hrst du, schnell!

Alzinde (wie rasend, sinkt auf die Knie).  Sonne, wenn in diesem
Augenblick du deinen Donner schmettern willst auf dies
verrterische Haupt, so rufe ihn zurck, und lasse meine Stimme
dafr gelten, damit du sie auf deinem Throne hrst.  Straf' nicht
durch Tod, vielleicht ist er noch zu bekehren; durch Reichtum
strafe seine Habgier; setz' ihn auf eine de Insel hin, doch auer
dieser Welt, damit sein Rufen nicht zu dir, nicht zu den Menschen
dringt.  Dort wohne er in einem silbern' Haus, mit einem Dach von
Edelstein; schenk' ihm ein Kornfeld, das von goldnen hren strotzt,
damit sein Geiz sich daran labe.  Jede Blume, jedes Laub sei von
Smaragd, die Frchte von Rubin, die Bche von Kristall, damit ihn
nichts erquicke, als ihr Anblick.  Dann lasse wt'gen Hunger in
sein Eingeweide ziehn, den Durst von Fischen, die auf trocknem Land
vergehn, bis er ermattet niedersinkt auf sein smaragdnes Grab, und
seine Zunge lechzt nach einem Tropfen Tau; dann erst erflle seinen
jetz'gen Wunsch, und strm', statt milden Regens, diamantnen Hagel
auf sein eigensinnig Haupt, damit er fhlt, wie unglcklich der
berflu an Reichtum macht und von dem Wahn genest, der ihn zum
Bsewicht geprgt.  (Strebt die Arme gen Himmel.) Sonne, hre mein
Gebet.

Rossi.  Abscheulicher Auftritt!



Fnfte Szene.
Vorige.  Bediente.  Vier Gerichtsdiener.


Bedienter.  Die Wach' ist hier.

Rossi.  Ergreift sie beide, diesen Bauer und dies Weib, vors
Gericht mit ihnen, unterdessen geh' ich zum Justizir.  (Schnell ab.
)

Gerichtsdiener (beide ergreifend).  Fort mit euch!

Alzinde (freudig).  Die Gtter sind gerecht!

Gluthahn.  So kommt man mit sein' guten Herzen an!

(Alle ab.)


Sechste Szene.
(Das Reich der Vergnglichkeit.)

(Der Vordergrund ist eine finstere Sulenhalle aus schwarzem Marmor.
  Rechts von der Bhne das kolossale eherne Eingangstor zum Palaste
des Genius der Vergnglichkeit.  Im Hintergrunde wogt ein
dunkelblaues Meer, magisch erleuchtet.  An seinem Ufer steht auf
einem dunklen Felsstcke ein grauer Schatten und schaufelt
Lorbeerkrnze, Kronen, Myrtenkrnze, Perlen, Schmuck, Geldscke,
Poesien usw., die auf einem Haufen liegen, langsam in das Meer.
Quer ber die Bhne begrenzen es als Hintergrund schwarze
Zackenfelsen, und ber diese leuchtet in der Ferne die Morgenrte
der Ewigkeit hervor.  Von diesem Punkte aus hrt man leis ertnend
einen Chor von Genien.)

Chor.
 Heil dem ew'gen Himmelslichte,
Heil dem unnennbaren Geist,
Heil, Heil, Heil!

(Der Genius der Tugend tritt mit dem Lilienstengel unter dem Schlu
des Chores von der linken Seite ein.)

Genius.  Niedersteig' ich zu Alzindens Rettung in dies
lichtberaubte Reich, und begr' zum erstenmal das schaurige
Gestade dieses unermessnen Meeres, Vergnglichkeit genannt.  Sag'
an, du fleiiger Geselle, was schaufelst du dort auf und senkst es
in den Grund des Meeres?

Schatten (mit dumpfer Stimme).  Lorbeern sind's und eitle Schtze,
so die Welt fr unvergnglich hlt.

Genius der Tugend.  Und wo haust der dstre Krsus dieser Gruft,
der stolze Erbherr alles Seins?

Schatten.  Er sitzt dort in jener Marmorhalle, sinnend auf den
Untergang der Zeit.

(Der Schatten entfernt sich ber den Fels in die Szene.)

Genius der Tugend.  So will ich ihn aus diesem Traum erwecken, der
verderbenbringend ist.



Siebente Szene.
Dumpfe Musik.  Eine Schar Geister, in graues faltiges Gewand
gehllt, mit Sensen, zieht ber die Bhne, und spricht folgenden
Chor:


Chor.
 Lustig vorwrts, muntre Brder,
Denn die Zeit steht nimmer still.


Genius der Tugend.  Sag' an, wo eilst du hin, du nchtlich wildes
Chor?

Erster Schatten.
 Wir sind ein lustig Schnittervolk
Und ziehen nach der Welt.
Fleiig sind wir Tag und Nacht,
Mhen Jung und Alt.

Genius.  Und seid ihr froh bei solchem Dienst?

Erster Schatten.  Wir haben einen harten Herrn, der niemals
freundlich blickt, doch sind wir frhlich, herzensfroh.  Lustig,
Kinder, auf die Welt.  Es leb' die Pest!  Es leb' der Krieg!

(Sie ziehen ab, Raben fliegen hinten drein: Qua, qua!)

Genius der Tugend.  Zieh hin, du grauser Bienenschwarm, bring'
Lebenshonig heim, ich suche deinen Weisel auf.  (Er schlgt dreimal
mit der Lilie an das Tor, bei jedem Schlag ertnt es mchtig von
innen.) Heraus aus deinem finstren Haus, du Schreckensfrst, der
die Vernichtung in dem Wappen fhrt.

(Die Pforte springt donnernd auf, der Genius der Vergnglichkeit
tritt heraus, ein finstrer stolzer Mann, trgt lange schwarze
Tunika, er hat ein bleiches Antlitz, schwarzes Lockenhaar, keinen
Bart, eine eherne Schlange um das Haupt.)



Achte Szene.
Genius der Tugend und Genius der Vergnglichkeit.


Genius der Vergnglichkeit.  Wer gab dir Macht, an diese Pforte
anzuschlagen?

Genius der Tugend.  Ich gre dich, du Riesenengel, dem die Welt
erbebt, und der sie einst mit ehrner Faust zerschlgt.

Genius der Vergnglichkeit.  Was willst du hier?  Warum erglnzt
dein Strahlenleib in diesem Tal der Finsternis?

Genius der Tugend.  Siehst du ber jenem Zackenfels, der dunkeln
Grenze deines Moderreichs, die ew'ge Morgenrt' erglhn?  Dort ist
der Tugend Vaterland, der Thron des groen Geists, und ich ein
Brger seines Staats.

 Aus dem hohen Wunderland
Bin ich zu dir hergesandt;
Du sollst von Moisasurs Bann
Indiens Herrscherin befrein.
Nur in deinen Armen kann
Sich ihr Lebensglck erneun.
Genius der Vergnglichkeit.
 Sprichst du irre, kannst du hoffen,
Leben aus dem Tod zu ziehn?
Stehn der Hlle Himmel offen?
Macht Verwesung Blumen blhn?
Genius der Tugend.
 Ich will heut ein Schauspiel geben,
Dem sich keines noch verglich;
Wo der Tod gewinnt das Leben,
Diese Rolle lehr' ich dich.
Genius der Vergnglichkeit.
 Willst du mich zum Gaukler dingen,
Mich, den allgewalt'gen Tod?
Genius der Tugend.
 Ich will dich zur Milde zwingen,
Durch des Himmels Machtgebot.
Genius der Vergnglichkeit.
 Wer sagt, da ich schrecklich bin?
Um sein Leben zu verbittern,
Stellt der Mensch mit bangem Zittern
Dstre Bilder von mir hin.
Schrecklich bin ich nur den Bsen,
Doch den Guten bin ich's nicht!
Bin ein Wort von ernstem Wesen,
Das Bestimmung zu ihm spricht.
Doch wie kannst du's, Lichtwurm, wagen,
Zu befehlen mir, dem Tod?
Genius der Tugend.
 Dies wird dir dein Meister sagen,
Der dort thront im Morgenrot.
(Schrecklicher Donnerschlag.
Eine Stimme ertnt von oben.)
 Gehorche, Sklav!
Die Ewigkeit befiehlt.
Leiser Chor der Genien.
 Heil!  Heil!  Heil!
Genius der Vergnglichkeit.
 Sturmesworte hr' ich sausen,
Widerstand ist mir geraubt,
Und vor seines Donners Brausen
Beug' ich mein gekrntes Haupt.
(Kniet und beugt sein Haupt.)
Genius der Tugend (seinen Blick erhebend).
 La mich deine Strahlen kssen,
Sonne, die du es gefgt,
Da der Tod zu meinen Fen,
Wie ein Lamm geschmeidig, liegt.
Genius der Vergnglichkeit (steht auf).
 Dein Befehlen zu vernehmen,
Lad' ich, Seraph, dich ins Haus;
Willst du dich dazu bequemen,
Eil' ich deinem Schritt voraus.
(Bleibt in erwartender Stellung.)
Genius der Tugend.
 Komm, du Herrscher finstrer Geister,
Fhr' mich in dein nchtlich Haus,
Dort verleugn' in dir den Meister,
Zeichne dich als Schler aus;
Zeig' dem Laster, das der Jugend
Leben stiehlt mit arger List,
Da die Kraft der edlen Tugend
ber dich erhaben ist.

(Genius der Tugend geht voraus.  Genius der Vergnglichkeit folgt.)



Neunte Szene.
(Gerichtssaal in Alpenmarkt.)
Der Amtmann, ein Aktuar und Rossi treten ein.


Amtmann.  Das ist ein ganz besondrer Vorfall.  Den Gluthahn kenn'
ich schon, das ist der abgefeimtste Schurke, den ich je gesehn, da
mu man rasch verfahren.

Rossi.  Die Zeugen kommen uns gerade recht, sie beschleunigen die
Sache.

Amtmann.  Wollen Sie sich nicht geflligst setzen?

Rossi (setzt sich).  Danke.

Amtmann (lutet, Gerichtsdiener erscheint).  Den Steinbrecher und
sein Weib.  (Diener ab.) Das sind zwei herzensgute Leute, und so
gewissenhaft, wie eine Wage; ihrer Aussage kann ich vollkommen
glauben.



Zehnte Szene.
Vorige.  Hans und Mirzel treten furchtsam ein.


Amtmann.  Jetzt kommt her, ihr guten Leute, und gebt genau und
umstndlich zu Protokoll, wie sich die ganze Sache zugetragen hat.
(Zum Aktuar.) Setzen Sie Ihre Feder in Bewegung.

Hans.  Sehr wohl, Euer Gnaden, Herr Amtmann!  Sehen Euer Gnaden,
Herr Amtmann; Mein liebs Weiberl da will nicht gern auf in der
Frh', da hab' ich den Morgen zu ihr g'sagt; liebe Mirzel, steh
doch auf, wir mssen dem Herrn Amtmann die Steuer nach Alpenmarkt
tragen.  Da sagt sie ja und kehrt sich nochmal um 

Amtmann.  Ja, lieber Freund, das dauert mir zu lange.

Mirzel.  Euer Gnaden, Herr Amtmann verzeihen, da ich so mitten ins
Protokoll hineinfall', aber was mein Mann zusammenredt, das
begreift kein Mensch, viel weniger der Herr Amtmann, mit Respekt zu
sagen.--Die Sach' war so: Wie wir gestern morgen dem Herrn
Amtmann unsre Steuer bezahlt haben, sind wir auf unsre Alp' zurck,
und haben dort das alte Weib bei unsrer Htte liegen g'funden, ganz
betrbt und scheu, weil s' der Gluthahn fortg'jagt hat; endlich
haben wir s' getrstet und sie hat uns erzhlt, sie wr' eine
verwunschene Prinzessin aus--du, wie heit das Land?

Hans.  Aus Indien, hat sie g'sagt, dort hat s', glaub' ich, einen
Gemahl und ein Volk.  Drauf hat sie uns gebeten, wir mchten sie
bei uns behalten und ernhren, sie will uns dafr etwas weinen, und
wie mein Weib eine so schne Schilderung von mir g'macht hat, so
hat sie sich an ihren Herrn erinnert und hat in diamantne Trnen in
mein' Hut hineing'weint.

Amtmann.  Wo hat Er diese Trnen?

Hans.  Ich hab' s' im Sack, Herr Amtmann.

Amtmann.  Geb Er sie heraus.  (Hans gibt sie her--zu Rossi.)
Wollen Sie dieselben wohl besehen?

Rossi.  Mit Vergngen.  (Besieht sie.) Das sind echte Diamanten.

Amtmann.  Ist das mglich?  Diamanten?  Gleich ins Protokoll damit.
 Vorher nachgezhlt, wie viel es sind.

Aktuar.  Es sind sechzehn Stck.

Mirzel.  D'rauf haben wir das alte Mtterl in unsre Htten g'sperrt
und sind in den Steinbruch hinaus, doch in einer halben Stund'
kommt des Gluthahns Weib halbtot und lamentiert, da ihr Mann mit
einem alten Weibe auf dem Wagen ber Stock und Stein davon g'fahren
ist, und wir mchten nachlaufen und sehen, was er denn vorhtt';
denn ein Kohlenbauer wr' ihm auf der Alpenmarkt-Straen begegnet 
und wie sie so lamentiert, wird ihr nicht gut und sie fallt uns in
d' Arm' und stirbt.

Aktuar (hat geendet).  Punktum.  Sand auf sie.

Hans.  Dann haben wir sie zum Bader ins Dorf hinunter 'tragen, und
der hat g'sagt, sie wr' am Schlag gestorben.

Mirzel.  Dann sind wir nach Alpenmarkt herg'laufen, wo wir vor
einem Haus dem Gluthahn sein Leiterwagen stehen g'sehn haben, und
da haben wir einen Herrn g'fragt, der die Pferde g'halten hat, ob
der Gluthahn bald kommt; so sagt der, er kommt gleich, er ist im
Arrest.  Darauf sind wir zum Herrn Amtmann gegangen, und das ist
die ganze G'schicht'.

Amtmann.  Knnt ihr darauf schwren?

Hans.  Herr Amtmann, alle Tag'.

Mirzel.  Und alle Stund', wenn's sein mu.

Amtmann.  Tretet seitwrts unterdessen.

(Beide stellen sich auf die Seite.)

Amtmann (zum Gerichtsdiener).  Den Bauer.  (Diener ab.)

Rossi.  Jetzt werden Sie den Heuchler sehen.

Amtmann.  Ich kenn' ihn schon.



Elfte Szene.
Vorige.  Gluthahn.


Gluthahn (fllt auf die Knie).  Euer Gnaden, Herr Amtmann, ich bin
unschuldig.

Amtmann.  Das wird sich zeigen.  Steh auf.  Warum bist du hier?

Gluthahn .  Weil ich unschuldig bin, Euer Gnaden, Herr Amtmann.

Amtmann.  Woher hast du das Weib, das du Herrn von Rossi verkaufen
wolltest?  Wenn du lgst, wirst du gezchtiget.

Gluthahn.  Der Himmel ist mein Zeug', ich hab' sie im Wald drau'
g'funden und hab' s' herflattiert.

Rossi.  Das ist Unwahrheit, ich selbst bin Zeuge, wie das Weib mir
sagte, du httest sie geraubt, gebunden und zu mir geschleppt.

Gluthahn.  Mein', mein', Euer Gnaden, wie man das nimmt, mit ein'
jedem Weibsbild ist's eine Schlepperei, weil sie nicht so schnell
kann gehn, als wie ein Mann, und das ganze Weib kann gegen mich
nicht zeugen, die g'hrt in' Narrenturm und nicht vors Gericht.  Ja,
 so viel kenn' ich schon, Euer Gnaden, wenn ich auch kein Juri hab'
und kein Just nicht.

Amtmann.  Also im Walde hast du sie gefunden?  Um welche Zeit?

Gluthahn.  Um neun Uhr, Euer Gnaden.

Amtmann (zu Hans).  Hervor!--Wann hast du das Weib in deiner
Htte verlassen?

Hans.  Um neun Uhr, Euer Gnaden.

Amtmann (zu Gluthahn).  Also hast du gelogen?--Gerichtsdiener, he!

Gluthahn (mit Angst).  Nein, halten Euer Gnaden, ich hab' nicht
g'logen, sie war in der Htten, aber die Htten steht ja im Wald,
so hab' ich sie ja g'funden im Wald.

Amtmann.  Wart', du abgefeimter Schurke.--Du hast sie also aus
der Htte geraubt, auf den Wagen gebunden und hierher gefhrt?

Gluthahn.  Euer Gnaden, das brchet ja mein Herz, ich hab' s' nur
auf den Wagen hinauf g'hoben, weil s' all's zu schwach war, das
arme Weib, mir hat s' erbarmt; doch bunden hab' ich's nicht, ich
werd' doch nicht ein solcher Unmensch sein.  Da verdienet ich ja,
da mir Euer Gnaden einen hlzernen Haarzopfen anhngen lieen.

Rossi (zum Amtmann).  Was meint er da?

Amtmann.  Den Galgen meint er, den er lang verdient.  (Lutet.) Den
Kohlenbauer herein.



Zwlfte Szene.
Vorige.  Ein Kohlenbauer.


Amtmann.  Hast du den Mann gesehen am Ausgange des Waldes, wie er
das alte Weib vom Wagen losgebunden hat?

Kohlenbauer.  Ja ja, der ist's, den hab' ich g'sehn, gestrenger
Herr Amtmann, ich hab' ihm noch zug'rufen, was er da macht, da hat
er g'sagt, wenn ich ihn verrat', so schlagt er mich tot.  Darauf
kann ich schwren.

Gluthahn.  Aber Euer Gnaden, das ist a Verschwrzung, wie man s'
nur von einem Kohlenbrenner erwarten kann.  Losbunden hab' ich s',
das ist wahr, doch bunden hab' ich s' nicht.

Amtmann.  Wer hat sie denn gebunden?

Gluthahn.  Sie hat sich selbst bunden, Euer Gnaden, damit sie nicht
herunter fallt, das arme Weib, ich hab' ihr nur meine Halsbinden
g'liehn dazu.

Amtmann.  Aber du hast ihr doch hilfreiche Hand geleistet, denn
selber konnte sie das nicht, das hast du doch getan, nicht wahr?

Gluthahn.  Mein, Euer Gnaden, man untersttzt ja doch seinen
Nebenmenschen, wenn er so was vorhat, und mein Herz, Euer Gnaden,
sie hat mir so erbarmt, g'holfen hab' ich ihr, doch bunden hab' ich
s' nicht, das sag' ich gleich im voraus, Euer Gnaden, das wr'
gefehlt, das wei ich schon.

Amtmann (zu Rossi laut).  Es scheint doch, da er unschuldig ist.

Gluthahn (fr sich).  Ich lg' mich schon heraus.

Amtmann.  Du hast sie dem Herrn von Rossi verkaufen wollen, billig,
nicht wahr?  Du sagst ja, das lie' schon dein Herz gar nie zu.

Gluthahn.  Ich hab' ein einzig Herz, ich hab' das Weib versorgen
wollen, Euer Gnaden, drum hab' ich sie dem gnd'gen Herrn bracht,
und hab' ihn nur um ein Trinkgeld beten.  Nicht wahr, mein lieber
gnd'ger Herr?  (Leise zu Rossi.) Helfen mir Euer Gnaden, ich
schenk' Ihnen meinen besten Acker dafr.

Rossi.  Du wagst es, mir solch einen Antrag zu tun, du Schurke?
Hast du die Alte nicht in meiner Gegenwart mihandelt?  nicht mit
mir abgehandelt und mir ihren Schmerz verkauft?  Dich soll man so
lange hauen, bis dir Diamanten vor den Augen flimmern.

Gluthahn.  So ist denn alles gegen mich verschworn?  nun geh's,
wie's will, jetzt sag' ich nimmer nein, ich sieh's, ein
rechtschaffner Mann, wie ich bin, hat kein Glck.

Amtmann.  Du bist ein Ruber, bist ein Schurke und wirst im
Gefngnis ben.  Fort mit dir.

(Gerichtsdiener ergreifen ihn.)

Gluthahn.  Hans, mein Weib soll auf meine Wirtschaft schaun.

Hans.  Dein Weib ist tot.  Heut frh ist s' g'storben.

Gluthahn.  Das ist ein Leichtsinn ohnegleichen; stirbt das Weib und
ist kein Mensch im Haus.  Jetzt tragen sie mir das ganze Geld davon.

Amtmann.  Das wird dir das Gericht bewahren.  Fort mit ihm!

Gluthahn.  Ein jeder Pfennig brennt auf ihrer Seel'.  Ich
unglcksel'ger Mensch, htt' ich nur mit kein' alten Weib was
ang'fangt.

(Wird abgefhrt.)

Amtmann.  Das ist ein schlechter Kerl, einen solchen gibt's nicht
mehr.  (Zum Kohlenbauer.) Du kannst jetzt gehn.

(Kohlenbauer ab.)

Amtmann (zum Gerichtsdiener).  Die Alte bringt!  (Diener ab.)

Amtmann (zu Rossi).  Wenn Sie Geschfte rufen 

Rossi.  Nein, das ist mir uerst merkwrdig.



Dreizehnte Szene.
Vorige.  Alzinde.


Hans.  Sieh nur, Mirzel, unser frstliches Mtterl.

Mirzel.  Wenn ihr nur nichts g'schieht, mir ist recht bang um sie.

Amtmann.  Du stehst hier vor dem Amtsgericht.  Wie heiest du?

Alzinde.  Alzinde hei' ich.

Amtmann.  Wo geboren?

Alzinde.  Indien ist mein Vaterland.

Amtmann.  Wie alt?

Alzinde.  Zwanzig Jahre kaum vorber.

Amtmann.  Ha!  Ha.  (Zu Rossi.) Ich mu lachen.

Aktuar.  Das sieht man ihr nicht an, fr achtzehn htt' ich sie
gehalten.

Alzinde.  O spotte nicht des Alters!  Achtung jedem Menschen, der
mit Ehren trgt den Orden hoher Jahre, womit die edle Zeit die
Migkeit belohnt.

Amtmann (verwundert).  Das ist ein Wahnsinn von nobelster Gattung.

Rossi.  Sie dauert mich!

Mirzel.  Armes Mutterl!

Amtmann.  Was treibst du fr Geschfte?

Alzinde.  Wenn Jammer ein Geschft ist, treib' ich das.

Amtmann.  Bist du verheiratet?

Alzinde.  Ich bin es, mein Gemahl ist Hoanghu, der Knig eines
mcht'gen Reichs.

Amtmann (schttelt den Kopf).  Eigene Ideen.  Wie kommst du ins
Gebirg'?

Alzinde.  Warum ersparst du dir die Frage nicht, wenn du der
Antwort Unwert kennst?  Warum besprichst du mit dem Wahnsinn dich?
Wirst du mir glauben, wenn ich dir entdecke, da mich ein bser
Geist mit einem Zauber hat belegt, der mir mein Reich verschliet
und unter euch mich elend macht?

Amtmann.  Sie klagt sich selbst der Zauberei an, diese Hexe.
Kennst du diese beiden?  (Auf Hans und Mirzel.)

Alzinde (strzt freudig auf sie zu).  Meine Wohltter!  Ob ich sie
kenne, fragst du mich?  Mir ist, als wenn ich in Arabiens Wste
zwei fruchtbeladne Bume fnde, deren Schatten mich erquickend
khlt.  Ihr guten Menschen, wtet ihr doch, was ich alles hab'
gelitten, seit man mich von euch gerissen hat.

Mirzel.  Du gute Alte.

Hans.  Sei die Frstin nicht so traurig.

Amtmann.  Das ist ein sonderbares Weib.  Hierher tritt!  (Zeigt ihr
die Diamanten, die auf einer Tasse liegen.) Sag', gehren diese
Trnen deinen Augen, hast du sie geweint?

Alzinde.  Wer gab euch diese Wundertrnen?  Nein, so war es nicht
gemeint; euch sind sie nicht geweiht.  Ihr rmsten, hat man euch
entrissen, was die Dankbarkeit euch gab?  O harter Mensch, gib sie
zurck, ich bitte dich, denn du verkennest ihren Wert.  Was soll
die Trne dir, ach du verstehst dich nicht darauf, gib sie zurck,
mach' mich nicht gar so arm und bring' dies Aug' nicht um sein
schmerzlich Eigentum.

Amtmann.  Zaubertrnen sind's, ich brauche nur ein Ja von dir.
Kannst du solche Trnen weinen?

Alzinde.  Nein, dies wirst du nicht erleben, eh brenn' ich diese
Augen aus mit glhndem Stahl.  Rhren soll die Trne, dazu hat die
Sonne sie bestimmt, und knnt' ich sie auf eure Herzen weinen, so
fiele Stein auf Stein und bliebe wirkungslos.

Amtmann.  Ich brauche deine Trnen nicht, ich will Gestndnis, klar
und deutlich: ob du sie geweint?

Alzinde.  Du brauchst sie schon, du heuchelst nur.  Wenn euer Geiz
hier Trnen pret aus des Bedrckten Auge, deren Wert nur in der
Gre ihrer Wehmut liegt; wie unendlich mu die Wollust sein, mit
der ihr diamantne fallen seht!

Amtmann.  Vergi die Achtung nicht, die du mir schuldig bist.
(Sehr zornig, doch durchaus edel.) Sie ist wahnsinnig, der Satan
spricht aus ihr.  Zum letzen Mal, hast du die Trnen hier geweint?
Wenn du nicht antwortest, so werd' ich dich anders behandeln.

Alzinde (fhrt empor).  Anders?  (Stolz.) Vergi dich nicht, du
Sklave, denke, ich bin eine Knigin!  (Sinkt in einen Stuhl, an dem
sie steht.) Ach--(matt) ich war eine Knigin, du beweisest mir,
da ich es nicht mehr bin.  Nicht lnger will ich mich entweihn.
(Mit Nachdruck.) Ja, ich habe sie geweint, ich schwr' es bei der
ew'gen Sonne dir.

Amtmann.  So beweisest du mir, da du eine Hexe bist.  Ins
Gefngnis fort, das Landgericht wird bald dein Urteil fllen, und
vielleicht ist schon die nchste Sonne, die dein Blick begret,
auch die letzte, die dir scheint.  Verstehst du mich, verwegnes
Weib?

Alzinde.  Ha!  seht den stolzen Pfau, wie er mit schnen Federn
prahlet, und wie so hlich seine Stimme tnt.  Leb' wohl und
glaube nicht, du hattest mich gerichtet; die Gtter sind's,

und du ein Werkzeug ihres groen Plans.  Darum vergeb' ich dir, du
btest deine Pflicht, du hast mich nur verkannt.  Und nun erlaube
mir, da ich zu diesen sprechen darf, zu diesen, deren schlichtes
Kleid ein Herz bedeckt, das sich die Tugend hat zum Heimatland
erwhlt.  Wie soll ich euch, ihr Teuren, danken, da ihr mich
aufgenommen und getrstet habt, als mich die Grausamkeit von ihrer
Schwelle stie?  O Sonne, deren Strahl beglcken kann--(tritt in
ihre Mitte, nimmt sie beide an der Hand), wenn du vergelten willst,
was ich erdulden mu, so vergilt an diesen hier.  Schenke Frieden
ihren Herzen und la ihre Ehe glcklich sein, wie es die meine war.
(Bricht pltzlich ab; mit Schmerz.) Lebt wohl, ich bin bewegt,
(leise) ich will bewegt sein, mu es sein.  O ihr Gtter, lat mich
weinen!  (Weint--leise.) Seht, es flieen meine Trnen, hascht sie
heimlich auf, da es jene nicht bemerken.  (Hans hlt den Hut,
Mirzel die Schrze auf, alle drei sind im Vordergrunde, damit der
Amtmann nichts bemerkt, doch vermeide man allen Anstrich des
Komischen.) So, so, behaltet sie, verberget sie, und wenn ich nicht
mehr bin, erinnert euch der unglcklichen Knigin Alzinde.  (Zu den
Gerichtsdienern stolz.) Nun folg' ich ins Gefngnis euch.

(Mit zwei Gerichtsdienern ab.)

Amtmann (steht auf und sagt zum Aktuar).  Schlieen Sie,.  und
legen Sie es auf mein Pult.  (Aktuar ab.)



Vierzehnte Szene.
Amtmann.  Rossi.  Hans.  Mirzel.


Rossi (der bewegt war unter dem Schlu der Szene).  Was geschieht
mit diesem Weib, Herr Amtmann?

Amtmann.  Sie wird verbrannt, wie sie's verdient.  (Zu Hans und
Mirzel.) Geht jetzt nach Hause und nehmt euch ein Beispiel an
diesen unglcklichen Menschen hier.

Hans.  Der Gluthahn ist ein schlechter Mensch, das haben wir schon
lang g'wut; aber was das Weib betrifft, verzeihen Euer Gnaden, das
Weib ist g'wi eine gute Seel', und in mein' ganzen Leben werd' ich
die gute Frstin nicht vergessen.

Mirzel.  Und wenn s' verbrennt wird, du lieber Gott, so la nur
regnen Tag und Nacht, und wenn's doch g'schehn soll, lieber Hans,
so nehmen wir ihr' Aschen, und bauen s' in unserm Gartel an, da
werden viel tausend schne Blumen draus entstehn.

Rossi.  Ihr wackern Leute, nehmt dies Gold, ich geb' es euch, weil
es mich innig freut, da ihr das alte Mtterchen bedauert, denn das
mu ich auch.

Hans.  Wir kssen d' Hand Euer Gnaden tausendmal, und kssen Euer
Gnaden, Herrn Amtmanns Kleid.  Komm, Mirzel, geh, heut ist ein
trber Tag.

Mirzel.  Heut schmeckt mir g'wi kein Bissen, lieber Hans.

(Beide ab.)

Rossi.  Auch ich empfehle mich, Herr Amtmann.

Amtmann.  Wollen Sie nicht eine Suppe bei mir essen?

Rossi.  Ergebenen Dank, Herr Amtmann, heute bin ich zu bewegt, der
Auftritt hat mich angegriffen; ich will die grne Wiese suchen und
den blauen Himmel, um ihn zu befragen, ob man, wie dieses Weib, so
edel sein kann und so schuldig auch.

(Geht ab.)



Fnfzehnte Szene.
Amtmann.  Ein Diener.


Amtmann.  Will er mir das Mahl verbittern?  Htt' ich denn nicht
recht getan an diesem Weibe?  Wenn ich darber mein Bewutsein
frage, sagt es mir, du hast noch nie verletzt des Richters, noch
des Menschen Pflicht, und hast den Platz behauptet, auf den
Bestimmung dich gestellt.  Er fragt den Himmel, ich will alle
Menschen fragen!  Hier steht ein altes Weib, mit tt'ger
Jugendkraft, das Haupt voll Eis, das Aug' voll Glut, spricht wie
ein Xenophon und gilt fr wahnsinnig; ist eine Bettlerin und
schwrmt von einer Krone; hat ein Gemt wie Samt und Trnen hart
wie Stein; beschwrt die Sonne und verklagt die Hlle; und alles
dies besttigt durch vier unpartei'sche Zeugen; eigne Augen, eigne
Ohren.  Nun setz' ich Solon hin an meinen Platz, ob er nicht
sprechen wird: Dies Weib ist eine Hexe.--Philipp, trag' Er auf.
(Ab.)



Sechzehnte Szene.
Kurzer Kerker.  Nacht.


Alzinde, welche nach dem ersten Auftritt ihr Gesicht mit Falten
bemalte, ohne eine Larve vielleicht zu nehmen, mu whrend des
vorhergehenden Auftritts sich jugendlich schminken, welches man bei
der Dunkelheit der Bhne jetzt nicht bemerkt.  Sie wird von dem
Kerkermeister hereingefhrt und setzt sich ermattet auf einen Stein.

Kerkermeister.  Hier kannst du bleiben, Hexe, bis dich die Flamme
ruft.  (Ab.)

Alzinde.  Hier kerkert man mich ein und zur Gefhrtin gibt man mir
die Finsternis.  Seid mir gegrt, ihr Unglcksmauern, aufgebaut,
um Elend zu betrachten; du feuchter Boden, von den Reuezhren der
Verbrecher na, sei mir gegrt; du melanchol'scher Ort, ich weihe
dich zu meinem Prunksaal ein.  Hier will ich meinen Gram mit
dstern Bildern sugen, hier will ich herrschen ber kriechendes
Gewrm; von meinen Trnen will ich eine Krone flechten und denken,
ich sei des Schmerzes Knigin.  Ich leb' allein von allen meinen
Lieben.  Mein Volk ist tot, versteinert ist's, und mein Gemahl,--o
mein Gemahl, der erste stets an deines Heeres Spitze, betratest du
den mrderischen Boden deines Reiches?  Ja, auch er ist tot, alles
tot, alles!  (Springt auf.) So ist's recht, Alzinde, so ist's recht,
denn herunter mu das Leben, wenn der Geist sich schwingen soll.
O wie strkt ein rein Gewissen!  Gtter, fordert meinen Geist,
jetzt bin ich dazu bereitet.

(Kurze klagende Musik.)



Siebzehnte Szene.
Vorige.  Der Genius der Vergnglichkeit tritt ein, als ein grauer
Mann, mit grauem langen Kleide, etwas kahlkpfig und mit langem
Bart, seine Miene ist sanft, und seine Sprache gemtlich und
trstlich.


Genius der Vergnglichkeit.  Alzinde, ich bin hier.

Alzinde.  Wer bist du, bleicher, ungeladner Gast?  Was willst du
von der Dunkelheit und mir?

Genius der Vergnglichkeit.  Ein Vater will ich von deinen Leiden
sein.

Alzinde.  Ein Vater?  ach, mein Vater ist dort oben.

Genius der Vergnglichkeit.  So kehre heim zu ihm.  Reich' mir
deine Hand, Alzind'.  Ich bin kein Jngling, der die Ewigkeit zum
Liebesschwur mibraucht.  Sieh, unsre Locken sind sich gramverwandt;
 darum schenke mir die teuren Reste des Vertrauens, die dein
Unglck dir gelassen hat.  Sieh hin!

(Die Mitte der Kerkerwand bildet einen Kerkerbogen.  Diese Wand
ffnet sich und man sieht durch den finstern Bogen eine kleine
Insel, von einem See umgeben, auf welcher ein indisches Monument
steht, mit dem Namen Alzinde, von Zypressen umgeben.  Die Gegend
ist vom Mondlicht hell bestrahlt.  Der Kerker bleibt finster.)

Genius der Vergnglichkeit.  Nach jenem Eiland fhr' ich dich, das
kein lebend'ger Schiffer noch geschaut, nichts wird dort deine se
Ruhe stren.  Was immer dich aus dieser Welt betrbt, gekrnkt; 
Verfolgung, Neid und Undank bleiben fern von dir.  Dort legt unter
einsamen Zypressen der Ruhm beschmt die goldnen Krnze ab, der
wutentbrannte Ha und alle Leidenschaften dieser Erde lschen ihre
Fackel schweigend aus.  Ird'sche Freuden werden dir nicht winken,
doch milde Sterne werden dein verklrtes Haupt umglnzen, und der
lichte Engel deiner reinen Tugend fhret deinen Geist aus
Himmelswolken zu dem Thron der ew'gen Wonne hin.

Alzinde.  Ja, ich verstehe dich.  Es sinket eine mcht'ge Stunde
nieder und gebietet einer Knigin.  Du bist der Friedensengel, der
den bsen Streit beendet, den der Mensch mit seinem Glck hier
fhrt; du bist das groe Ziel, zu dem uns alle Wege fhren.

Genius der Vergnglichkeit.  Ich bin der krftige Magnet, der alles
Leben an sich zieht.  Wie du dich auszuweichen auch bemhst, es ist
umsonst!  Denn knntest du durch tausend Sonnen wandeln, du trittst
auf einen Pfad, und eh du es noch ahnst, gelangst du in mein Reich.

Alzinde.  So nimm mich mit dir, guter Vater, an jenen Ort, wo ew'ge
Freude herrscht, ich werde meinen Hoanghu dort sehn und alle meine
teuren Lieben, die meinem Leiden vorausgeeilet sind.  Komm, ich
folge dir.  (Der Genius hlt sie in seinem Arm und will sie
fortfhren, da ertnt Hoanghus Stimme, die hintere Wand schliet
sich.  Kerker wie vorher.)



Achtzehnte Szene.
Vorige.  Gleich darauf Hoanghu und der Genius der Tugend.


Hoanghu (von innen).  Hier soll ich meine Gattin finden?

Alzinde.  Gtter, welche Stimme!

(Hoanghu und der Tugendgenius treten ein.)

Hoanghu.  Fast erblinden meine Augen, da ich statt den goldnen
Wolken, die ich erst mit dir durchsteuert, dieses Abgrunds Tiefe
schaue.  Und hier mu Alzinde schmachten?

Alzinde.  Gtter, das ist Hoanghu.

Hoanghu.  Ja, dies ist ihr holder Ton.  Zeig' dich, Brust, aus der
er klinget, da ich dich an meine drcke.

Genius der Tugend.  Siehst du dort die zwei Gestalten?  's ist
Alzinde und der Tod.

Hoanghu.  Ist sie denn an ihn vermhlt, da sein Arm sie so
umschliet?

Genius der Tugend.  Er ist ihre eigene Wahl, weil sie dich verloren
whnte.  Suche sie ihm zu entreien, schnell, es ist die hchste
Zeit.

Hoanghu.  Sag' Alzinde, bist du's wirklich, denn ich kann dich
nicht erkennen, sehe nur die Truggestalt, die mein Traum mir
drohend wies.

Alzinde.  Ja, ich bin's, mein Hoanghu; la mich los, du grauer
Riese, der sich jetzt dem Blick erst zeigt, la mich hin in seine
Arme, nur dem Gatten schlgt mein Herz.  Warum hltst du mich
umklammert, niemals werd' ich deine Braut.

Genius der Vergnglichkeit.  Hast du mir dich nicht verlobet?  Du
bist mein, ich lass' dich nicht.

Alzinde.  Nein, dies wendet den Vertrag.  Du warst nur ein
Rettungsmittel, doch ich hab' ihn hier gefunden, nun gehr' ich
dieser Welt.  Ha, wie sich der dstre Kerker jetzt mit holden
Farben schmckt; wie das schaurige Gewlbe nun auf goldnen Sulen
ruht; wie mir seine dunkle Kuppel hell erglnzt wie Chrysolith; und
dies alles schafft Hoanghu, der wie eine zweite Sonne nur fr mich
die Welt bestrahlt.  Und ich soll ein Leben lassen, erst geboren
durch die Liebe, soll mit dir, du dstrer Alter, in dein ernstes
Schattenreich?  Gib mich auf, du lst'ger Freier, nimmer wird
Alzinde dein.

Hoanghu.  La sie los, du graue Schlange, oder ich zerhaue dich.
(Will mit dem Schwert auf ihn dringen.)

Genius der Vergnglichkeit.  Armer, sinnverlorner Kmpfer, mit dem
Tod drohst du dem Tode?  Durch mich selbst willst du mich morden?
Senk' die Waffe, denn der leichtgewebten Luft kann sie keine Wunden
schlagen.

Hoanghu.  O du stolzgesinnter Prahler, du bist dennoch
meinesgleichen, bist ein Feldherr, ausgesendet, um das Leben zu
erobern; bist ein Held, der sein Panier hin auf Leichenhgel
pflanzt und das grause Siegerhaupt sich mit Rosmarin bekrnzt; und
so willst du an mir handeln, du des Undanks echter Sohn, willst ihr
Leben mir versagen, eines schwachen Weibes Leben, und ich habe so
viel tausend krft'ge Mnner dir geweiht?

Genius der Vergnglichkeit (ironisch).  Und wie hast du dies
begonnen?  La doch hren, tapfrer Junge.

Hoanghu.  Was war Indiens Schlachtfeld anders, als dein blut'ger
Opferherd?  Warst du nicht in meinen Siegen stets das groe
Losungswort, das die Chre der gefallnen Krieger wimmerten zu
deinem Lob?  Hat die blutbespritzte Fahne deinen Ruhm nicht stolz
verkndet?  Und die gift'gen Pfeile, die wir rauchend aus dem Leib
der Feinde rissen, da mit offnem Munde dich unheilbare Wunden
priesen?  Sieh, so habe ich gehandelt an dir, undankbarer Geist,
hab' das mut'ge Sein bestohlen und den Schatz dir zugesendet; darum
fordre ich ihr Leben als mein rechtlich Eigentum.

Alzinde.  O wie liebt mich mein Gemahl.

Genius der Vergnglichkeit.  Du hast nur dein Recht verteidigt, das
gibt dir kein Recht an mich.  Von dem Leben magst du fordern, Leben
fordern darf nur ich.

Hoanghu.  Nun, so will ich mit dir handeln, Wuchrer, der so bittre
Zinsen nimmt.  Schenke mir Alzindens Leben, und ich will von meinem
dir gern die bere Hlfte geben.

Alzinde.  Ha, mein Hoanghu, was tust du?

Genius der Tugend.  Gtter, strket sein Gemt.

Hoanghu.
 Sieh, so gro ist meine Liebe, da sie in den Staub mich
zieht.
So wardst du noch nicht geehret, da ein Knig vor dir kniet.
(Er kniet.)
 Meine Waffen leg' ich nieder, meine Hnde heb' ich auf,
(Er bittet mit aufgehobenen Hnden.)
 La dich, guter Tod, erweichen, schlie den vorteilhaften Kauf.
Was willst du mit ihrem Leben, das vor Alter bald zerfllt?
Nimm dir meine rst'ge Hlfte, trotzig steh' ich noch der Welt.
Sieh die festgesthlten Muskeln, sieh die hochgewlbte Stirn,
Leicht ist der Gewinn zu rechnen, Kaufmann, frage dein Gehirn.
Sei doch nicht so unerbittlich, sieh, mein Auge trnt vor Schmerz,
Es sind meine ersten Trnen, und sie schnden nicht mein Herz.
(Weint.)

Alzinde (vor Freude auer sich).
 Gtter, Sonne, all ihr Welten, seht, Hoanghu weinet hier,
Schaut herab von euren Wolken, seine Trnen flieen mir.
Welche Gattin kann sich rhmen, da ihr Gatte so sie liebt,
Da er Freude, Glck und Leben, da er alles fr sie gibt?
Ha, wie alle Nerven beben, wie sein Anblick mich entzckt,
(Edel ausgelassen.)
 Wie ich glcklich bin und lache, wie die Freude mich berckt;
Perlen treten in mein Auge, doch ich weine nicht aus Schmerz,
Freudentrnen ist ihr Name, Freude sprenget mir das Herz.

(Augenblicklich fllt rauschender Chor ein, vollstimmig und hehr.)

Chor.
Freudentrnen,
Freudentrnen,
Heit das groe Losungswort!

(Der Kerker verwandelt sich in Alzindens Reich.  Die Dekoration der
Eingangsszene.  Alles Volk ist entsteinert, die Tugendgeister knien
um den Tempel.  Der Genius der Vergnglichkeit verschwindet.
Alzinde hat sich in ihre vorige Gestalt verwandelt, doch im weien
einfachen Kleide.  Alzinde und Hoanghu strzen sich freudig in die
Arme.)

Hoanghu.  O Alzinde!

Alzinde.  Mein Hoanghu!  Ewig, ewig bist du mein!

Hoanghu.  Nie soll uns der Tod mehr trennen!

Alzinde.  Denn wir sterben im Verein!

Genius der Tugend.
 Heil der Tugend, die auf Erde
Zhlet solch' erhabnes Paar,
Das ein edles Herz bewahrte
In so schrecklicher Gefahr.

(Schrecklicher Donnerschlag.  Donnerwolken ziehen ber die Bhne,
aus welchen Blitze zischen.)

 Seht, schon zieht aus euren Landen
Donnernd Moisasurs Geist.
(Zum Volk.)
 Ihr seid frei von seinen Banden,
Eure Knigin hier preist!
So lt sich die Welt bezwingen,
So wird Erdenneid vershnt!
Gro kann nur der Nachruhm klingen,
Wenn er sich durch Tugend krnt.

(Alzinde und Hoanghu knien nieder, der Genius der Tugend steht in
ihrer Mitte und blickt gegen Himmel, von oben schweben Genien herab
mit einer Lilienkrone und bleiben in der Mitte der Bhne.  Das
Opferfeuer im Tugendtempel flammt hoch auf.  Priester, Volk und
Tugendgeister bilden eine Gruppe.)

(Der Vorhang fllt.)


Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Moisasurs Zauberfluch, von
Ferdinand Raimund.









End of Project Gutenberg's Moisasurs Zauberfluch, by Ferdinand Raimund

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or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation information page at www.gutenberg.org


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at 809
North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887.  Email
contact links and up to date contact information can be found at the
Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org

Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit:  www.gutenberg.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For forty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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