The Project Gutenberg EBook of Libussa, by Franz Grillparzer

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Title: Libussa
       Trauerspiel in fuenf Aufzuegen

Author: Franz Grillparzer

Release Date: October, 2005 [EBook #9049]
[Yes, we are more than one year ahead of schedule]
[This file was first posted on September 1, 2003]

Edition: 10

Language: German

Character set encoding: ISO Latin-1

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LIBUSSA ***




Produced by Mike Pullen and Delphine Lettau.




This Etext is in German.

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LIBUSSA

von FRANZ GRILLPARZER

Trauerspiel in fnf Aufzgen


Personen:

Kascha, Tetka und Libussa, Schwestern
Primislaus
Domeslav, Lapak und Biwoy, Wladiken
Wlasta, Dobromila, Swartka, Slawa und Dobra, Dienerinnen der Schwestern
Ein Weib mit einem Kinde
Landleute
Gewaffnete
Diener




Erster Aufzug

Offner Platz im Walde. Rechts im Vorgrunde eine Htte. Daneben brennt
ein Feuer.


Primislaus (an der Tr der Htte horchend).
Bist du schon fertig?

Libussa (von innen).
Nein.

Primislaus (nach vorn kommend).
Ihr Gtter!
Ist es denn wahr? und ist es wirklich so?
Da ich im Walde ging, lngshin am Giebach,
Und nun ein Schrei in meine Ohren fllt,
Und eines Weibes leuchtende Gewande,
Vom Strudel fortgerafft, die Nacht durchblinken.
Ich eile hin und fasse sie, und trage
Die se Beute, laue Tropfen regnend,
Hierher; und sie erholt sich, und ich lse
Die goldnen Schuhe selbst ihr von den Fen,
Und breit ins Gras den schwergesognen Schleier,
Und meine Htt' empfngt den teuern Gast.
Glckselige, ihr meiner Schwester Kleider,
Die sie getragen und mir sterbend lie,
Ihr werdet dieser Hohen Leib umhllen,
Und nher sie mir zaubern, die so fern.

Libussa (in lndlicher Tracht aus der Htte tretend).
Hier bin ich, und verwandelt wie du siehst.
Des Bauern Kleider hllen minder warm nicht
Als eines Frsten Rock; insoweit, merk ich,
Sind sie sich gleich.

Primislaus. Du Hohe, Herrliche!
Wie zierst du diese lndlich niedre Tracht!
Das Bild der Schwester, die mir kaum entschwand,
Es tritt in dir neu atmend mir entgegen,
Dasselbe Bild, doch lieblicher, gewi.

Libussa. Auch fr die Kleider Dank! du mein Erretter!
Wenn Rettung ja wo die Gefahr nicht gro.
Ich half mir selbst, glaub nur! erschienst du nicht.
Doch nun erflle ganz dein schnes Wort
Und bring mich zu den Meinen wie du wolltest.

Primislaus. Dein edler Leib, bedarf er nicht der Ruh?

Libussa. Ich hab geruht, nun ruft mich ein Geschft.

Primislaus. Bei dem ein Helfer dich nicht frdert?

Libussa. Nein.

Primislaus. Du hast den Ort bezeichnet, der dein Ziel.
Geleiten sollt' ich zu drei Eichen dich,
Die auf dem Hgel stehn am Weg nach Budesch.
Ist dort dein Haus?

Libussa. Dort nicht.

Primislaus. Vielleicht von da aus
Erkennst du selbst den Weg?

Libussa. So ist's.

Primislaus. Und ich
Soll dort dem Ungefhr dich bergeben,
Das niemals wohl uns mehr zusammenfhrt?

Libussa. Der Menschen Wege kreuzen sich gar vielfach
Und leicht begegnet sich Getrennter Pfad.

Primislaus. Du bist kein Weib um das man werben knnte?

Libussa. Du hast's erraten.

Primislaus. Und, verbeut's dein Stand,
Sind's andre Grnde, die's verbieten?

Libussa. Beides.
Nun noch einmal: gedenke deines Worts
Und fhre mich aus dieses Waldes Schlnden
Zum Ziele meines Weges, das du kennst.

Primislaus. Wohl, du gebeutst und ich mu dir gehorchen.
Dort angebunden steht mein wackres Ro,
Gefllt's dir, so besteig es, und ich leite
Am Zgel es den Trennungs-Eichen zu.
Den Trennungs-Eichen! Wohl fr immer. Sei's denn!
Dein Schmuck liegt hier im Grase rings verstreut.
Der Schleier da, die goldnen Schuhe hier,
Des Grtels reiche Ketten aufgesprengt
Und in zwei Stcken ein so schnes Ganze.
Ich samml' es dir und trag es dienend nach,
Bis an dem Ort der Trennung du's erhltst.
Und kehr ich wieder in die heim'sche Htte
Ist deines Daseins jede Spur verweht,
Das Gras selbst wo du tratest, es ersteht,
Und wie ein Trumender nach seines Traums Entschwinden,
Frag ich mich selbst: wie war's? und wei mich nicht zu finden.
Komm denn!

Libussa. Noch eins vorerst, das ich verga.
(Sie geht in die Htte.)

Primislaus. Ich will ein Zeichen nehmen meiner Tat,
Daran ich sie, sie mich dereinst erkennt,
Denn sie verhehlt, ich seh's, mit Flei ihr edles Selbst.
Des Grtels goldnen Ketten eingefgt
Seh ich ein Kleinod, wohl nicht reich zumeist,
Allein beprgt mit Bildern und mit Sprchen;
Das ls ich los und wahre mir's als Pfand,
Das Namen mir enthllt und Stamm und Haus und Stand.
(Er steckt das Kleinod in den Busen und sammelt Libussens briges Gerte.)

(Libussa kommt zurck, ein Krbchen mit Krutern tragend.)

Libussa. Sieh mich zurck!

Primislaus. Und mich bereit.

Libussa. Wohlan!
Wo ist dein Pferd?

Primislaus. Sieh, dort!

Libussa. So komm!

Primislaus. Mit Gott!

(Sie gehen. Primislaus Libussas Gewande tragend.--Pause. Dann kommt
Wlasta mit einem Jagdspiee bewaffnet, von der linken Seite.)

Wlasta. Und nirgends Menschen?--Doch! Hier eine Htte.
(An die Tre schlagend.)
Ihr drin im Hause!--Keine Antwort?
(Nachdem sie die Tre geffnet.)
 Leer!
Und wieder keine Spur und keine Kunde.

(Dobromila tritt im Hintergrunde auf.)

Wlasta. Wer schreitet dort?

Dobromila. Hallo! Libussas Mgde!

Wlasta. Libussas Mgde hier!

Dobromila. Bist du's, o Wlasta?

Wlasta. Ich bin's. Suchst du die Frstin?

Dobromila. Wohl, Libussa.

Wlasta. Und keine Spur?

Dobromila. Noch keine. Einsam ging sie,
Nach Krutern suchend fr den kranken Vater,
Von Psary aus, dem Schlo, gen Budesch zu,
Und ward nicht mehr gesehn.

Wlasta. Wie lebt der Frst?

Dobromila. Er lebt wie einer, der zu leben aufhrt,
Ich frchte bald, er stirbt.

Wlasta. Ei, seine Tchter,
Gar hoch erfahren in geheimer Kunst,
Sie hindern wohl sein Ende.

Dobromila. Ach, die Kunst,
Sie endet auch, oft eh' man noch am Ende.
Komm, la uns jetzt nach Budesch, und im Gehn
Erheben wir die Stimme Zeichen gebend,
Vielleicht vernimmt's die Frstin und erscheint.

Wlasta. Hier luft ein Pfad. Du rechts, ich links ins Dickicht
Und ausgeruft: Libussas Mgde, ho!

Dobromila (schon auer der Szene).
 Libussa!

(Beide ab.)



----------------

Schlo der Schwestern auf Budesch.

Innerer Hof. Links ein Teil der Wohngebude mit einer Pforte. Der
Hintergrund durch eine wallartige Terrasse geschlossen mit einem groen
Eingangstor. Oben sitzt Swartka. Links nach vorn Dobra an einem Tische,
auf dem ein aufgeschlagenes groes Buch liegt. Ein groer eherner
Leuchter mit brennendem Licht steht neben ihr.

Dobra. Was ist die Zeit?

Swartka. Lngst Mitternacht vorber.
Die Sterne gehen scharenweis zur Ruh
Und ein Gebilde schwindet nach dem andern.
Den Reihen fhrt der flammende Arktur,
Die Krone sinkt am Himmel und der Adler
Lenkt nach den Bergen seinen mden Flug.

Dobra (in dem Buche nachsehend).
O weh, o weh!

Swartka. Was klagst, was jammerst du?

Dobra. Wenn Mars und Jupiter sich so begegnen
Ist das die Stunde, die dem Leben droht.
Weh, Herzog Krokus, wenn du ja noch lebst.
Welch Sternbild glnzt zuhchst?

Swartka. Ob meiner Scheitel
Spannt seine Flgel aus der helle Schwan,
Ein Erbe recht der Sterne, welche gingen,
Und wie geschlagne Saiten zitternd klingen
Kommt an mein Aug' der Leier Strahl heran.

Dobra. O mg' es gute Vorbedeutung sein
Fr meiner Frauen Zukunft. Doch davon
Schweigt dieses Buch.

Swartka. Fuchs, Fisch und Eidechs drngen
Die niedre Form dem edlen Vogel nach,
Die kluge Schlange droht mit fahlem Blinken,
Und auf dem Pfad der kniglichen Sterne
Folgt namenloses Volk zu weiter Ferne.

Dobra. La nun genug sein, Swartka! Komm herab!
Es wachen Kascha noch und Tetka oben
In ihrer Kammer. La zu ihnen uns,
Sie werden ihrer Diener Eifer loben.

Swartka. Ich komme. Harre noch!
(Sie steigt herab.)

(Es wird ans Tor geschlagen.)

Von auen. Macht auf! Macht auf!

Dobra. Wer lrmt?

Von auen. Macht auf um aller Gtter willen!

Dobra. Geh Swartka hin und ffne nur das Tor!
Der Lrm tut's an Gewicht dem Anla wohl zuvor.

(Durchs geffnete Tor dringen Domaslav, Biwoy, Lapak herein.
Volk hinter ihnen.)

Domaslav. Wo sind die Frstinnen? bring mich vor sie!

Dobra. Sie wachen noch, doch zeigen sie sich nie.

Lapak. Auch nicht dem Bringer wichtig schwerer Kunde?

Dobra. Das Wicht'ge wiegt nicht gleich in dein', in ihrem Munde.

Domaslav. Doch frommt es uns, es frommt dem ganzen Land.

Dobra. Ob's ihnen selber frommt, blieb dir wohl unbekannt.

Biwoy. So hebt die Stimme, schlaget an die Schilde,
Sie mssen uns vernehmen, sei's mit Zwang.

Dobra. Am Tor der Einsicht tobt und lrmt der Wilde,
Hrt er am liebsten doch der eignen Worte Klang.

Lapak. So wisse denn: der Frst, der uns gebot,
Der Bhmen Herr und deiner Frauen Vater,
Frst Krokus lebt nicht mehr.

Dobra. Ihr Gtter! tot?

Lapak. Des Landes Hort, sein Schirmer und Berater
Starb diese Nacht.

Dobra. So ist sie wahr gewesen
Die Kunde, die mein Aug' in Sternenschrift gelesen?
Frst Krokus tot!

Biwoy. Du siehst, der Grund gengt,
Da man den Schlummer strt, in dem ein Weib sich wiegt.

Dobra. Sie schlummern nicht, doch wenn in Schlaf versenket,
Ihr Trumen acht ich mehr als was ihr andern denket.

Biwoy. Nun wohl, so rttl' ich selber an der Tr,
Wenn sie zu uns nicht, wohl, komm ich zu ihr.

(Er geht auf die Tre zu. Diese ffnet sich und Tetka und Kascha treten
heraus. Erstere eine offene Rolle in der Hand, die zweite das Haupt
nachdenklich gesenkt. Alle weichen ehrerbietig zurck.)

Kascha. Ich sage dir: es war um Mitternacht
Da ging er heim und segnete das Leben;
Htt' ich der Zeichen Widerstreit bedacht,
Vielleicht war's Zeit ihm Fristung noch zu geben.

Tetka. Libussa war bei ihm.

Kascha. Fast glaub ich: Nein.
Ihr Platz ist dunkel in den sonn'gen Kreisen.

Tetka. Wo blieb sie sonst?

Kascha. Bald wird mir's klarer sein.
Die nchste Stunde mu ihr Handeln weisen.
Gab sie ihm jenen Trank, den du wohl kennst,
Gepret von Krutern, die die Wlder bieten,
Vielleicht starb er noch nicht.

Tetka. Da es nicht mglich ist,
Die Krankheit aufzuhalten, ja den Tod
Durch Vorsatz und Entschlu! Kann einer sterben
Weil er nicht leben will; warum nicht leben
Weil er dem Tod sich weigert? Knnte Schwche
So viel, und Strke nichts? Stand ich am Bette
Des Vaters, und erinnerte ihn dran
Wie vielen fromme, da er lnger lebe,
Er sah dem Tod ins Aug' und starb noch nicht.

Kascha. Wie gerne bot sich heilend meine Kunst.

Tetka. Ich ehre deine Kunst, weil du sie denkest,
Doch hilft sie dem nur der wie du gedacht.
Wenn du den Kranken mit dem Besten trnkest,
Er stirbt, hlt er fr Gift was du gebracht.
Als Krcke mag es sein da sie noch leiste
Fr schwache Seelen, die am Willen krank,
In Wahrheit hilft doch nur der Geist dem Geiste,
Er ist der Arzt, das Bette und der Trank.
Wenn ich mich ber unsern Vater neigte
Und ihm die Sprche alter Weisheit las,
Der Seinen Not, der Feinde Scheelsucht zeigte,
Er fate neuen Mut und er genas.

Kascha. Nun aber ist er tot, wir sind verwaist.

Tetka. Bist du verwaist? ich nicht. Ich seh ihn noch,
Nicht wie zuletzt in seiner Schwachheit Banden.
Ehrwrd'ger Greis, war Greis er immer doch,
Mir ist er als ein Jngling auferstanden.

Lapak (nher tretend).
Erhabne Frstinnen!

Kascha. Was ist?

Tetka. Was sucht, was wollt ihr?

Domaslav. Die Nachricht euch zu bringen sind wir da--

Kascha. Wir haben es gewut, bevor es noch geschah.

Tetka. Als ihr noch hofftet, zagtet, dies und das gemeint,
Da war es uns bekannt, da haben wir's beweint.

Lapak. Wenn nun der Tod den besten Frsten schlug--

Kascha. Zu gut fr euch, fr uns nicht gut genug.
Denn sorgt' er nicht um euch, und dacht' er an die Seinen,
Ihr lebtet wst wie vor, wir brauchten nicht zu weinen.

Tetka. Weil euer Trutz vergllt ihm jeden Tag,
Gab er dem Kummer sich und welkte hin, erlag.

Domaslav. Wenn's nun auch so, und wenn die Sorg' um uns
Beschwert sein Leben, gar es ihm geraubt,
Lat das uns nicht entgelten, hohe Frauen,
Belohnt, mit dem wir nahn, das kindliche Vertrauen,
Vollendet was begann des Vaters hohes Haupt.

Lapak. Die Krone die er trug, dies Land, sein Reich
Verschmht sie nicht und nehmt, whlt eine unter euch.

Domaslav. Ihr stammet, wissen wir, von hhern Mchten,
Wir sind ein dunkles Volk, unkundig in den Rechten;
Der Stab, der in Frst Krokus Hnden lag,
Wer, als sein eignes Blut, zu halten ihn vermag?

Alle (auf die Knie sinkend).
Nehmt unsre Krone! Whlet! Kascha, du!

Kascha.
 Unter Sternen schweif ich,
 In der Tiefe walt ich;
 Was Natur vermag und kann
 Ist mir willig untertan.
 Das Leblose lebt,
 Des Lebend'gen Dasein ist Tod.
 Ich mag nicht herrschen ber Leichen,
 Geht zu andern mit euern Reichen,
 Was ist mir gemein mit euch?

Lapak. So nimm denn Tetka du dich unser an!

Tetka.
 Was sein soll ist nur Eins,
 Was sein kann ist ein Vieles,
 Ich aber will sein einig und Eins.
 Nutzen und Vorteil zhlen,
 Aus Wahrheit und Lge whlen,
 Recht erdenken das kein Recht,
 Dafr sucht einen Sndenknecht.
 Mein sonnig Reich strahlt hellres Licht,
 Von mir! Ich mag eure Krone nicht!

Lapak. So lat ihr uns denn hilflos und verwaist!
Wo ist Libussa eure jngste Schwester?

Tetka. Sie ist nicht heim. Allein, wenn auch zu Hause,
Sie folgt euch nicht.

Domaslav. Lat uns es doch versuchen.

Tetka. Ich sag euch, sie verweigert's.

Lapak. Gut. Doch hren,
Anhren soll sie uns. Erlaubt zu harren.

Kascha. Seht ihr so gern noch einmal euch verschmht,
So wartet bis sie naht. Geht dort hinein!
Ihr aber gebt was sie am meisten lockt,'
Gebt ihnen Speis' und Trank, und damit gut.

Domaslav. Wir nehmen unsern Urlaub, hohe Frauen.

Kascha. Gehabt euch wohl! Und, wenn nicht eure Frstin,
Bin ich euch Freundin doch.

(Die Abgeordneten werden durch eine Pforte links abgefhrt.)

 Nun aber ihr!
Stellt euch ringsum, senkt eure dstern Schleier,
Und feiert still und trauernd das Gedchtnis
Des edlen Manns, der unsern Kreis verlie.
 Nacht um uns und Dunkel,
 Damit in uns es Licht!

(Alle verhllen sich, die Szene verwandelt sich.)



----------------

Kurze Waldgegend. Es ist noch dunkel.

Primislaus tritt auf, ein weies Ro am Zgel fhrend, auf dem
Libussa sitzt.

Primislaus. Hier ist der Ort, den du mir hast bezeichnet.
Der Weg nach Budesch dies, dies die drei Eichen,
Gelst hab ich mein Wort.

Libussa. Sei drum bedankt.

Primislaus. Nun soll ich von dir scheiden, dich verlassen,
Dich nie mehr wiedersehn vielleicht?

Libussa. Vielleicht.

Primislaus. Du bist kein Weib um das man werben knnte?

Libussa. Ich hab es schon verneint.

Primislaus. Trf' ich dich wieder,
Je wieder, glaub, ich wrde dich erkennen,
Wr's unter Tausenden. Doch du auch mich?
Im Dunkel fand ich dich, im Dunkel scheid ich.
Gib mir ein Zeichen dran du mich erkennst
Wenn ich dich wiederseh.

Libussa. Es ist nicht ntig.

Primislaus. Doch wenn rckkehrend ich in meine Htte
Ein Kleinod fnde das dir angehrt?

Libussa. Bring es hierher, ich werde darnach senden
Und ls es gern um Gold und jeden Preis.

Primislaus. Fr mich ist Gold kein Preis. So la uns scheiden!
Dein Schleier und die schimmernden Gewande,
In denen ich den Fluten dich entri,
Hier eingebunden trgt's des Pferdes Rcken.
Nur eine Kette noch, es war dein Grtel,
Der unter meiner Retterhand zerstckt,
Doch fgt' ich neu die goldnen Hakenglieder,
Neig mir dein Haupt und trag den neuen Schmuck.

(Libussa senkt ihr Haupt, er hngt ihr die Kette um den Hals.)

So zier ich dich du Schne, Hehre, Hohe;
Fr wen? ich wei nicht; ist's doch nicht fr mich.
Und so leb wohl!

Libussa. Auch du!

Primislaus. Nur noch drei Schritte.
Dort teilt, von selber kennbar, sich der Weg
Und leicht gelangst du wieder zu den Deinen,
Wenn du den Waldpfad rechts nur sorglich meidest,
Die du, ein Mrchen, kamst, und eine Wahrheit scheidest.
(Das Pferd leitend.)
Vertrau dem Pferd, es trgt dich gut und sicher.

(Beide ab.)



----------------

Vorhof auf dem Schlo der Schwestern.

Kascha, Tetka und ihre Jungfrauen in derselben Stellung wie am Schlu
der vorletzten Szene.

Kascha. Das Totenopfer ist nach Recht vollbracht,
Nun lat uns sorgen fr die Lebenden.

(Alle erheben sich.)

Libussa ist nicht hier. Auch war sie, scheint es,
Bei unsers Vaters Tode nicht.

Swartka. So ist's.

Kascha (zu Tetka).
Was sagt der Geist in dir?

Tetka. Er schweigt. Nur dunkel
Ertnt es wie von Not und Fhrlichkeit.

Kascha (die starr auf den Boden gesehen hat.).
Sie ist in jener Lagen einer, spricht's mir,
Aus denen Glck und Unglck gleich entsteht,
Am Scheideweg von Seligkeit und Jammer.
Horch! Spricht ein Mann?

Tetka. Wo?

Kascha. Nein, Libussa spricht.
Allein sie ist begleitet.

Tetka. Wie auch immer!
Sie sei gefunden und ihr Heil bewahrt.
Die Diener sendet aus, die Mnner alle
Mit Leuchten, Fackeln in den dunkeln Wald.
Ihr andern aber steigt dort auf die Zinnen!
Die Opferpauke tn', ein fernes Zeichen,
Dem Ohr der Irrenden bekannter Schall.
Und alle ruft: Libussa. Auf!

Die Mdchen (zum Teile den Wall hinaneilend).
 Libussa!

(Der Ton eines fernen Horns wird gehrt. Alle stehen unbeweglich.)

Dobra. Das sind sie; ja, Libussens Mgde. Wlasta
Und Dobromila auf der Herrin Spur.

Tetka (heftig).
Libussa, hier!

(Der Ton des Horns etwas nher.)

 Sie ist's. Tut auf die Pforten
Und eilt entgegen ihr mit Licht und Beistand.

(Man ffnet. Einige gehen hinaus, andere bleiben in der Brstung des
Tors stehen, darunter Swartka.)

Swartka. Sie kommt, und hoch zu Ro. Und Wlasta, Dobromila
Begleiten sie und blasen in ihr Horn.

(Libussa wird in der Torbrstung sichtbar. Sie hat einen weien Mantel
bergeworfen und ein Federbarett auf dem Kopfe. Wlasta und Dobromila
gewaffnet hinter ihr.)

Libussa. Fhrt nur das Pferd zurck zu den drei Eichen,
Und trefft ihr einen Mann, stellt's ihm zurck.

(Eine Jungfrau geht.)

Wart ihr besorgt?

Tetka. Wie sehr!

Kascha. Ich nicht, ich wute
Du kamst.

Libussa. Doch lag einmal die Sorge nah.
Im Wald verirrt, nicht Wegesspur, noch Fhrer,
Ein Giebach wollte sich das Ansehn geben
Als sei er frchterlich. Da kam mir Hilfe.
(Vor Tetka tretend und ihr ins Auge blickend.)
Doch unser Vater, gelt!

Tetka. Ja wohl.

Libussa (an ihrem Halse).
 O meine Schwester!
Und ich war fern!

Tetka. Wie kam's?

Libussa (sich aufrichtend).
 In all der Zeit
Als ich an seinem Bette sa und wachte,
Da schwebte vor den Augen des Gemts,
Hatt' ich's gehrt nun, oder wut' ich's sonst,
Das Bild mir einer Blume, wei und klein,
Mit siebenspalt'gem Kelch und schmalen Blttern;
Die gib dem Vater, sprach's, und er genest.
In feuchten Grnden, schien es, wachse sie,
Das Tal von Budesch mut' ich immer denken.
Da nahm ich Korb und Griffel und ging hin.
Ich suchte und er starb. Solang ich lebe
Will ben ich die unfreiwill'ge Schuld,
Und dies mein Aug', es sei vom heut'gen Tag
Geweiht den Trnen um den Edlen, Guten.

Tetka (sie umarmend).
Ja wohl Libussa, Trauer sei und Klage
Geschft uns und Erholung allen Drei'n.

Kascha. Sag Zwei'n.

Libussa (gereizt).
Warum? Wen schlieest du nur aus?

Kascha. Die, welcher obliegt mehr als ihn beklagen:
Zu folgen ihm in seiner harten Pflicht.
Des Czechenvolkes Erste sind im Schlo;
Sie fordern von Frst Krokus Tchtern eine
Als Herzogin fr das verwaiste Land.

Libussa. Nehmt ihr's, ich nicht!

Kascha. So sprachen wir schon beide.
Doch she gern der Vater unvollendet
Was er fr dieses dunkle Volk getan?
Und heit es sein Gedchtnis hoch nicht ehren,
Fortsetzen, wenn auch schwach, was er begann?

Libussa. Doch welche nimmt's?

Kascha. Lat denn das Los entscheiden.

Libussa. Wie nur?

Kascha. So hrt was ich mir ausgedacht.
Uns jeder gab der Vater, der nun tot,
Am Jahrestag von unsrer Mutter Scheiden
Ein kostbar Kleinod mit der Eltern Bild
In halberhobner Arbeit dargestellt,
Als Grtel eingefat in goldne Spangen.
Und da die Zierde gleich, so sagt der Name
Der Eignerin mit Sorgfalt eingeprgt:
Libussens bin ich, Tetkas oder Kaschas.
Die Grtel nun, des Vaters letzte Gabe
Und geistiges Vermchtnis noch dazu--
Sprach er doch ja: so oft ihr sie vereint,
Will ich im Geist bei euch sein und mit Rat--
Lat legen uns in diese Opferschale.
Tetka, die Ernste, trete dann hinzu
Und deren Namen, blind sie greifend, fat,
Die ist befreit, und also auch die Zweite.
Der Dritten Grtel wird zum Diadem
Sie folgt, ob ungern, in die Frstenwohnung.
Seid ihr's zufrieden?

Libussa (Barett und Mantel abgebend und in Bauerntracht dastehend).
 Wohl.

Tetka. Libussa, du?
Wie sonderbar gekleidet.

Libussa (sich betrachtend).
 Sonderbar?
Verga ich's doch beinah! Je, gute Tetka,
Der Zufall kommt und meldet sich nicht an,
Auftauchend ist er da; und wohl uns, wenn beim Scheiden
Er uerlich verndert nur uns lt.
Das Kleid ist warm, und also lieb ich es.

Tetka. Doch wir--?

Libussa (das Geschmeide vom Halse nehmend).
 Hier ist mein Grtel.

Tetka (ihren Grtel ablsend).
 Hier der meine.

Kascha (Libussens Geschmeide nehmend).
Am Hals?

Libussa. Und doch er selbst, wie ich dieselbe.

Kascha. Das ist dein Grtel nicht.

Libussa. Wie wre das?

Kascha. Die Ketten wohl; allein der Mutter Bildnis,
Das Mittelkleinod fehlt mit deinem Namen,
O Unbesonnene!

Libussa. Was schmhst du mich?

(Die abgesendeten Jungfrauen kommen zurck.)

Dobromila. Wir waren, hohe Frau, bei den drei Eichen,
Wie du befahlst, und suchten jenen Mann.
Doch kam er nicht und war nicht aufzufinden.

Libussa. Nun, es ist gut. (Vor sich hin.) Das hat mir der getan!

(Die Jungfrauen ziehen sich zurck.)

Kascha. Die Nacht im Wald, in Bauerntracht gehllt,
Verloren deines Vaters Angedenken.

Libussa. Mein Vater lebt, ein Lebender, in mir,
So lang ich atme lebt auch sein Gedchtnis.

Kascha. Die Liebe knpft sich gern an feste Zeichen,
Der Leichtsinn liebt was schwankend so wie er.

Libussa. Mit einem Wort lst' ich die Rtsel leicht,
Doch wrdet ihr's entstellen und verkehren.
Drum halt nur was du weit, mein sichres Herz!

Kascha (Libussas Geschmeide hinwerfend).
Der Kreis getrennt. Du kannst mit uns nicht losen.

Libussa (auf deren Wink eine Jungfrau das Geschmeide aufhebt).
Nicht losen? Und wer wei, ob ich's auch will?
Ein Schritt aus dem Gewohnten, merk ich wohl,
Er zieht unhaltsam hin auf neue Bahnen,
Nur vorwrts fhrt das Leben, rckwrts nie.
Ich soll nicht losen? Und ich will es nicht.
Wo sind die Mnner aus der Czechen Rat?
Den Vater will ich ehren durch die Tat,
Mgt ihr das Los mit dumpfen Brten fragen:
Ich will sein Amt und seine Krone tragen.

Tetka. Libussa, oh!

Kascha. Hr erst auf mich, Libussa!
Wenn ich gekrnkt dich mit zu raschem Wort--

Libussa. Du krnktest mich nicht mehr, ich seh's, als dich.
Doch was ich sprach, es bleibt. Mein Wort ein Fels.
Und mag ich's nur gestehn! Denk ich von heut
Mich wieder hier in eurer stillen Wohnung
Beschftigt mit--wei ich doch kaum womit--
Mit Mitteln zu den Mitteln eines Zwecks,
Mit Mond und Sternen, Krutern, Lettern, Zahlen,
Dnkt's allermeist einfrmig mir und kahl.
Dies Kleid es reibt die Haut mit dichtern Fden
Und weckt die Wrme bis zur tiefsten Brust
Mit Menschen Mensch sein dnkt von heut mir Lust,
Des Mitgefhles Pulse fhl ich schlagen,
Drum will ich dieser Menschen Krone tragen.

Heraus Wladiken! Czechenvolk heraus!

Die Jungfrauen (rufen).
Libussa Herzogin! Der Bhmen Frstin!

(Domaslav, Biwoy, Lapak und die brigen Abgeordneten aus der Pforte links.)

Domaslav. Tuscht unser Ohr und hrten wir genau?
Erkrt der Bhmen Frstin, unsre Frau?
Und welche will--?

Libussa. Hier ist von Wollen nicht,
Von Mssen ist die Rede und von Pflicht.
Und da nun eine mu aus unsrer Zahl,
So will ich und begebe mich der Wahl.

Lapak. Libussa, du?

Libussa. Die Jngste aus dem Kreise
Und minder gut vielleicht als sie und minder weise,
Auf ihnen wrde Hohes gut beruhn;
Doch handelt sich's um irdisch niedres Tun,
Wo zu viel Einsicht schdlich dem Vollbringen,
Fernsichtigkeit geht fehl in nahen Dingen.
Wenn nun des Vaters Geist auf mir beruht,
So fgt sich's wie es kann und, hoff ich, gut.
Seid ihr's zufrieden?

Die Abgeordneten (kniend).
Hoch Libussa, hoch!
Der Bhmen Herzogin, der Czechen Frstin!

Libussa. Steht auf! sind's diese nicht und dieser Ort
Was euch zu Boden zieht. Doch hrt mein Wort.
Es hielt euch fest des Vaters strenge Rechte
Und beugt' euch in heilsam weises Joch.
Ich bin ein Weib und, ob ich es vermochte,
So widert mir die starre Hrte doch.
Wollt ihr nun mein als einer Frau gedenken,
Lenksam dem Zaum, so da kein Stachel not,
Will freudig ich die Ruhmesbahn euch lenken,
Ein berhrtes wr' mein letzt' Gebot.
So wie ich ungern nun von hinnen scheide,
Lenkt' ich zurck dann meinen mden Lauf
Und trte bittend zwischen diese beide;
Ihr nhmet, Schwestern, mich doch wieder auf?

Kascha. Wenn du's noch kannst, von Irdischem umnachtet.

Tetka. Wer handelt geht oft fehl.

Libussa. Auch wer betrachtet!

Domaslav. Nicht fruchtlos sollst du, zweimal nicht uns mahnen,
Nimm unsern Schwur darauf und unsrer Untertanen.

Libussa. Dies letzte Wort, es sei von euch verbannt,
In Zukunft herrscht nur eines hier im Land:
Das kindliche Vertraun. Und nennt ihr's Macht,
Nennt ihr ein Opfer das sich selbst gebracht,
Die Willkr, die sich allzu frei geschienen
Und, eigner Herrschaft bang, beschlo zu dienen.
Wollt ihr als Brder leben, eines Sinns,
So nennt mich eure Frstin und ich bin's;
Doch sollt' ich zwein ein zweifach Recht erdenken,
Wollt' eher ich an euch euch selbst als Sklaven schenken.
Seid ihr's zufrieden so?

Alle. Wir wollen!

Libussa. Nun so kommt.
Allein vergt ihr was uns allen frommt,
(auf ihre Schwestern zeigend)
Da diese hier den Rcktritt mir versagen,
So ging' ich hin es meinem Vater klagen.

Lebt, Schwestern, wohl! Auf Wiedersehn, und bald!
Ihr andern folgt und jubelt durch den Wald.
Ihr Mdchen mir voraus, und stot ins Horn,
Bis jetzt mir nchst, steht billig ihr nun vorn.
Und so, gehobnen Haupts, mit furchtlos offnen Blicken,
Entgegen khn den kommenden Geschicken.

Die Mnner. Libussa hoch! der Bhmen Herzogin!

(Man hat Libussa wieder den Mantel und das Federbarett gegeben; sie geht,
die Mdchen vor ihr her, die Mnner schlieen. Alle mit Fackeln und Jubel
durch das mittlere Tor ab.)

Kascha. Hast du gehrt?

Tetka. Ja wohl.

Kascha. Nun?

Tetka. Ich bedaure sie,
Sie wird's bereun, und frher als sie denkt.

Kascha. Die Roheit kann des Hhern nicht entbehren,
Doch hat sie's angefat, will sie's in sich verkehren,
Wer nicht wie Menschen sein will, schwach und klein,
Der halte sich von Menschennhe rein.
Komm mit!

Tetka. Wohin?

Kascha. An unser tglich Werk.
Ihr aber reinigt mir so Hof als Hallen,
Was hier geschehn, es sei in Traum zerfallen.

(Die Schwestern mit Begleitung ab.)

Dobra. Nun wir denn auch ans Werk und gib mir Kunde
Ob gutes Zeichen eintritt diese Stunde.
Welch Sternbild herrscht?

Swartka (auf der Hhe der Mauer).
Die Jungfrau blinkt, doch nein,
Ich irrte mich, es ist des Lwen Macht,
Der auf sein Bhmen schaut.

Dobra (gen Himmel blickend).
Hltst du auch sichre Wacht?

Swartka (mit halbem Leibe ber die Brustwehr gelehnt und laut ausrufend).
Der Osten graut, dem Tage weicht die Nacht!




Zweiter Aufzug

Ebene an den Ufern der Moldau. Rechts ein Teil von Libussas Wohnung.
Auf derselben Seite nach vorn ein kleines Gebsch, vor dem ein Weib mit
einem etwa vierjhrigen Kinde sitzt. Links gegenber ein Tisch mit
plaudernden und zechenden Gesellen. Zwei darunter spielen eine Art rohes
Brettspiel. Im Hintergrunde wird zu einer Zither getanzt.


Das Weib (ihren Knaben emporhebend).
Nun, Tomyn, spring!

Einer der Spielenden. Ei ja, der schwarze Stein,
Er stand erst hier.

Zweiter. Dir fllt wohl gar noch ein,
Da ich betrg im Spiel?

Erster. Wer denkt an das;
Sei mir nicht bs und zieh!

(Sie spielen weiter.)

Ein Alter. Ja, lat euch sagen:
Frst Krokus war ein Held in seinen Tagen.
Der schlug, wenn's etwa galt, auch einmal los
Und lie den Mann am Herde nicht vertffeln,
Da saen wir die Hnde nicht im Scho
Und suppten Frieden aus mit breiten Lffeln.

Ein Jngerer. Je nun, der Lffel hat noch keinen Mund zerrissen,
Des Krieges Messer schneid't mitunter harte Bissen.
Der Groen breiter Schlund mag derlei noch vertragen,
Den Kleinen stumpft die Zhn' er und verdirbt den Magen.
Ich lobe mir den Frieden.

Alter. Je, was denkst du?
Versteh mich recht.
(Den Becher hebend.)
Libussa hoch!

Alle am Tische (ebenso).
Libussa!

(Ein Gewaffneter und Wlasta mit Brustharnisch und Helm an seiner Seite
haben, wie beaufsichtigend, die Menge durchschritten.)

Gewaffneter (zum Tische tretend).
Ist's hier so laut?

Alter. Wir sprachen von Libussen,
Und wenn auch laut, wer spricht da laut genug?

Wlasta. Doch horcht! Der Arbeit Ablsstunde schlug.

(Man hrt Gesang von Mnnerstimmen. Mehrere Feldarbeiter kommen, sich
paarweise umschlingend, die Jacken ber die Schultern gehngt. Sie singen:)

   Ruh' nach der Arbeit
   Wird wohler tun,
   Denn wer nicht mde
   Kann auch nicht ruhn.

Einer von denen am Tische. Willkommen! Schon zurck?

Einer der Gekommenen. Was denkst du, Lieber?
Der Teil des Tags, der uns traf, ist vorber,
Nun kommt's an euch.

Der Erste (aufstehend).
Wir sind auch schon bereit.
Zur Arbeit, ho!

(Mehrere am Tische stehen auf und nehmen die abgelegten Jacken auf.)

Kamt ihr im Pflgen weit?

Der Andere. Zum Rain.

Der Erste. Macht's hei,

Der Andere. Je nu, es sengt die Matten
(Den Schwei mit dem rmel von der Stirne wischend.)
Doch der die Sonne gibt, der gibt zuletzt auch Schatten.

Der Erste. Macht's euch bequem.
(Zu den andern vom Tische Aufgestandenen.)
Ihr kommt!

Einer von ihnen (zum Schenken).
Noch einen Trunk!

Schenke. Was meinst du auch? Ich denk du hast genung,
Sonst gibt es eitel Zank, wie jngst beim Frhlingsfeste.
Die Frstin liebt das nicht. Halt's wie die andern Gste!

Der Vorige. So wart ich bis zum Quell.

Schenke. Tu das, es khlt den Brand
Und heiter bleibt der Kopf und rhrig Fu und Hand.

Wlasta (die gewaffnet ab und zu gegangen ist, ohne Strenge).
Zur Arbeit!

Der letzt Zurckgebliebene. Wohl! Das ist ja was ich meine.

(Er und die brigen Aufgestandenen nach der rechten Seite ab. Die neu
Gekommenen setzen sich.)

Der Erste von ihnen (zum Alten).
Wir pflgten heut dein Feld.

Alter. Ging's gut?

Der Pflger. Ei, gar viel Steine,
Doch hielten wir darum nur doppelt fest.

Alter. Habt Dank!

Erster Spieler (einen Zug machend).
Verloren!

Zweiter (nachdem er das Spiel bersehen, dem andern Geld hinschiebend).
Nun, hier ist der Rest.

Erster. Du hrst wohl gar schon auf?

Zweiter (auf eine Figur des Brettspieles zeigend).
Fra alles doch der Reiter.

Erster (einen Teil des Geldes zurckschiebend).
Nimm von dem meinen da und spielen wir nur weiter.

Wlasta (hinzutretend).
Spielt ihr um Geld?

Erster Spieler. Es gilt kein groes Glck,
Wir zahlen nur zum Scherz und geben's dann zurck.

Wlasta. Ihr tut ganz recht, wollt ihr die Frstin euch gewogen.

Erster Spieler. Wer will das nicht?
(Noch eine Handvoll Geld dem andern hinlegend.)
Da nimm! und ausgezogen!

(Sie spielen weiter.)

Das Weib im Vordergrunde (das sich unterdessen mit dem Kinde beschftigt
hat, zu demselben).
Wenn nun die Frstin kommt, k ihr den Saum.

(Von den Tanzenden im Hintergrunde lst sich ein Paar los, das jetzt,
gegen die Mitte zu, hervor tanzt.)

Einer der Sitzenden. Seht wie der Janek springt, der nimmt sich Raum
Tanzt er mit Ilsen doch.

(Mehrere stehen auf, dem Tanze zuzusehen.)

Ein Alter (von der linken Seite kommend).
Lat ab, ihr beiden!
Wie oft ward's euch gesagt: ich will's nicht leiden.

Einer der Zusehenden. Ei, Alter, trenn es nicht das hbsche Paar!

Der Alte. Zuletzt nennt ihr noch Weib und Mann sie gar.

Der Vorige. Warum auch nicht?

Der Alte. Warum? Ich will's euch sagen--
Mein Mdel da ist reich und er hat kaum zu nagen.

Der Vorige. So lebt ihr Alten stets denn in vergangner Zeit?
Was gestern fest und wahr ist's darum nicht auch heut.
Der Reichtum letzter Zeit kam etwas stark zu Falle,
Sonst hatten die und der, nun aber haben alle.
Was kaufst du um dein Geld da wo nichts kuflich ist,
Das Land ein breiter Tisch, an dem, wer hungert, it.
Deshalb des Burschen Not, der Tochter dich erbarme,
Er hat was ewig reich: ein Herz und rst'ge Arme.

Das Mdchen. Mein Vater!

Der Alte (zum Gehen gewendet).
Ei, ja doch!

Der vorher gesprochen. Geht, folgt ihm auf dem Fu!
Zuletzt sagt er doch ja, und wr's aus berdru.

(Musik von der linken Seite.)

Schon wieder Sang und Klang? Das hat nicht Langeweile!

Weiber und Kinder (hpfend und in die Hnde schlagend).
Ei schn! Die Knappenschaft des Bergwerks aus der Eule!

(Bergknappen mit Musik von der linken Seite. In der Mitte auf den
Schultern von vier Mnnern eine Tragbahre mit glnzenden Stufen,
Erzstcken und Gefen voll edlen Metallen.--Die Anwesenden drngen
sich betrachtend und bewundernd nach dem Hintergrunde.--Lapak von der
linken Seite kommend und Domaslav mit Biwoy rechts auftretend, begegnen
sich.)

Lapak. Seid mir gegrt!

Domaslav. Und du!

Lapak (auf das Volk weisend).
Das freut sich.

Domaslav. In der Tat.

Lapak. Man ist redet glcklich hier.

Domaslav. Und jedermann ist satt.

Lapak. So Herr als Knecht.

Domaslav. Der Knecht nun wohl am meisten.

Lapak. Das mcht' ich mir zu sagen nicht erdreisten.
Wir sind doch Herrn.

Domaslav. Und satt so gut als die.
(Auf die Menge weisend.)
Zwar satt sein ist nicht viel.

Lapak. Zu viel macht doch nur Mh.
Libussa--

Domaslav. Ah, sie ist der Frauen Zierde!

Lapak. Gerecht.

Domaslav. Und weise.

Lapak. Mild.

Domaslav. Und doch voll Wrde.
Nur--

Lapak. Meinst du?

Domaslav. Ich?--Sie ist wie du gesagt.

Lapak. Und wer im ganzen Land zu widersprechen wagt?
Zwar wenn--

Domaslav. Erklre dich!

Lapak. Was ist da zu erklren?
Das Land ist segensvoll, und mg' es ewig whren!

Domaslav. Die Dauer freilich--

Lapak. Wohl. Das Schne whrt nur kurz.
Und wer die Hhe whlt--

Domaslav. Der wagt zugleich den Sturz.

Lapak. Die Dauer, ja; und, wag ich's anzudeuten--?
Siehst du dort Wlasta durch die Mnner schreiten?
Da Tadeln nun ein Menschenfehler doch--
Die Weiber, dcht' ich, stellt sie allzuhoch.
Zwar wird sie wissen wohl--

Domaslav.--In ihrer Weisheit Flle--

Lapak. Warum sie also tut.

Domaslav. Gewi! Und dann--Doch stille!

Lapak. Was ist?

Domaslav. Mir schien als kme wer.--Dann noch zumeist,
Die Niedern find ich werden allzudreist.

Lapak. Man sieht die Achtung doch nicht gerne sich versagen.

Domaslav. Und braucht man nun sein Recht--

Lapak. So eilt das gleich zu klagen.

Domaslav. Ja dies, und da die Weiber sie so hoch gestellt,
Sonst ist ihr Reich--

Beide. Das beste in der Welt.

Domaslav. Und, Biwoy, du schweigst still?

Biwoy. Was bleibt mir ber?
Hr ich die Klugen sprechen als im Fieber.
Verkehrt ist all dies Wesen, eitler Tand,
Und los aus seinen Fugen unser Land.
Weiber fhren Waffen und raten und richten,
Der Bauer ein Herr, der Herr mitnichten.
Und all dies Tndeln mit sanft und mild
Gibt hchstens 'ne Sangweis', ein feines Bild;
Doch wie's entstand unter einer Stirn,
Hat's nirgends Raum als im Menschenhirn.
Und fiel' ein Feind in unsre Gauen,
Wir wrden des allen die Frchte schauen.

Lapak. Wie kurz und rasch.

Domaslav. Frwahr, er bertreibt.
Zwar etwas ist daran--

Lapak. Das etwa brigbleibt.

Domaslav. Da ich's denn grad heraus nach meiner Einsicht deute,
Dem Ganzen fehlt ein Mann, ein Mann an ihrer Seite.

Lapak. Vielleicht. Zu all den Gaben, die der Frstin Zier,
Ein ruhig sichres Aug'--

Domaslav. Gleich, weiser Lapak, dir.

Lapak. Weis' ist Libussa selbst. Sag: Domaslav der reiche.

Domaslav. Der reiche Domaslav? Sind wir nicht lngst denn gleiche?
Der starke Biwoy wr' dem Land ein starker Schild.

Biwoy. Mag sein. Doch frgt darnach das zarte Frauenbild?

Domaslav. Wozu noch mehr? Lat uns zum Werk vereinen!
Wir werben ohne Neid. Sie whle von uns einen.
Und wer das Los erhlt, gedenke dankbarlich
Des Brderpaars, und stell' als Nchste sie nach sich.

Lapak. Wenn nur--

Wlasta (rufend).
Die Frstin naht.

(Der Tanz hrt auf.)

Lat euch nicht stren!
Sie wird in eurer Lust den schnsten Willkomm hren.

(Libussa kommt von der rechten Seite von mehreren begleitet. Sie bleibt
betrachtend stehen. Die Tanzenden machen noch einige Schritte, dann hren
sie zugleich mit der Musik auf, wobei einige Weiber Blumenstrue zu
Libussens Fen legen.)

Libussa. Habt Dank ihr Leute! Fr die Blumen auch,
Mich freut es wenn ihr sie, die Frommen, liebt,
Und ihnen gleich auch bleibt an stillem Blhn.
Was euch die Grtnerin mit nchster Sorge,
Verteilend hilfreich Na und Wrm' und Schatten,
Kann ntzlich sein, das ist euch ja gewi.
Die Freude, hoff ich, strt nicht das Geschft?

Wlasta. Die Pflger, kaum gewechselt, sind im Feld.

Libussa. Mir schmerzt die Stirn; das zielt auf feuchte Zeit.
Sie sollen eilen, da sie heut vollenden.
Doch wird der Sommer hei. Das Jahr ist gut.
Wer sind die Leute dort?

Wlasta. Die Knappenschaft
Des Bergwerks aus der Eule. Reiche Beute
Dir bietend sind sie da. Willst du sie sprechen?

Libussa. Nicht jetzt. Mich ekelt an der anspruchsvolle Tand.
(Einen der Blumenstrue in der Hand haltend.)
Die Butterblumen hier sind helles Gold
Und reines Silber nickt in diesen Glckchen.
Hat jemand Lust an ihrem toten Hort
Zu Schmuck und zu Gert, sei's ihm gegnnt.

Ah, Brom! Wie lebst du und wie lebt dein Weib?
Seid ihr vershnt und streitet ihr nicht mehr?
Demnchst komm ich zu dir mich des zu berzeugen.
Nicht immer von Gehorsam sprich zu ihr,
Sie wird dir um so williger gehorchen.
Das heit: wenn du im Recht; denn hast du unrecht,
So seh ich nicht warum sie weichen sollte.
Ich blicke rings um mich und finde nirgends
Den Stempel der Mibill'gung, den Natur
Der offnen Stirn des Weibes aufgedrckt.
Sieh, deine Frstin ist ein Weib, und braucht sie Rat,
Geht sie zu ihren Schwestern, und hier Wlasta,
Sie wacht in Waffen und gebeut statt mir.
Fhlt sich dein Knecht als Mensch dem Herren hnlich,
Warum soll sich dein Weib denn minder fhlen?
Kein Sklave sei im Haus und keine Sklavin:
Am wenigsten die Mutter deines Sohns.

(Zu dem Weibe mit dem Kinde.)
Ah, Gute! und dein Kind! Ist's nun gesund?
Und machten jene Kruter es genesen?
Doch eine Narbe noch, hier nchst der Stirn!
Nimm Pfeilwurz, wie es auf den Wiesen wchst
Und drck ihms an die Stirne wiederholt
Und sag dazu: in Gottesnamen.--Gut!

Auch gibt's hier eine Hochzeit sagt man mir.
(Das Tnzerpaar von vorher und der Vater treten nher.)
Ei, alter Risbak, fhlst du dich erweicht
Und nennst sie Mann und Weib das hbsche Paar?
Du tust sehr wohl, sie sind einander wert.
Denn was du immer sprachst von arm und reich
Da ist nicht Sinn dabei. Wohl denn, Glck auf!
Kehrt nur zu Spiel und Tanz, und froh zur Arbeit.

(Das Volk zieht sich zurck. Sie kommt gegen den Vorgrund.)

Sieh da ihr Herrn, so vornehm abgesondert?
Wie unzufrieden oder doch erstaunt?

Domaslav. Vielleicht erstaunt; da du, den Gttern hnlich,
Die Gaben spendest, die du selbst nicht teilst.

Libussa. Leih deinen scharfen Sinn mir weiser Lapak,
Da ich verstehe was dort jener meint.

Domaslav. So stiftest du nicht Ehen, hohe Frstin,
Und bist der Ehe doch, der Liebe feind.

Libussa. Du hltst mich wohl fr rasend, guter Mann?
Wie sollt' ich hassen was so menschlich ist?
Allein zu Lieb' und Ehe braucht es zwei;
Und, sag ich's nur, mein Vater, euer Frst,
War mir des Mannes ein so wrdig Bild,
Da ich vergebens seinesgleichen suche.
(Sich von ihnen entfernend.)
Zwar einmal schien's, doch es verschwand auch schnell.

Lapak. Du willst Geprfte, doch du willst nicht prfen.

Libussa (vor sich hin).
Stellt er sich denn der Prfung? wollt' ich auch.

Domaslav. Was man entfernt wnscht, hllt man gern in Dunkel.

Libussa. Nun weiser Lapak denn und starker Biwoy
Und mcht'ger Domaslav, die ihr euch teilt
In das was ich im Mann vereint mir denke,
Hrt denn ein Rtsel, und als halbe Lsung
Fg ich ein Zeichen bei nach Seherart.
War doch die Kette stets der Ehe Bild.
(Sie nimmt ihren Halsschmuck und legt ihn auf ein Kissen, das ein
Page hlt.)

Wer mir die Kette teilt,
Allein sie teilt mit keinem dieser Erde,
Vielmehr sie teilt, auf da sie ganz erst werde;
Hinzufgt was, indem man es verlor,
Das Kleinod teurer machte denn zuvor:
Er mag sich stellen zu Libussas Wahl,
Vielleicht wird er, doch nie ein andrer ihr Gemahl.

Domaslav. Wer mir die Kette teilt.

Biwoy. Und wieder doch nicht teilt.

Domaslav. Hinzufgt was--

Libussa. Mht euch nicht ab!
Der weise Lapak, sah ich, schrieb sich's auf.
Verbirg es nicht und teil es diesen mit,
Er soll fr alle. Nun mit Gott! ihr Herrn.
Sucht auf die Lsung; aber hrt zugleich:
Bis ihr's gefunden meidet meine Nhe.--
Libussa ist kein Ziel, das gar so nah.
(Zum Pagen.)
Geh nur voran! Ihr folgt! Glck auf den Weg!

Biwoy (im Abgehen leise).
Sie narrt uns, sagt' ich euch.

Lapak (ebenso).
Wart ab das Ende.

(Die drei samt dem Pagen ab nach der linken Seite.)

Libussa. Wer einsam wirkt spricht in ein leeres All,
Was Antwort schien ist eigner Widerhall.

Ha Wlasta komm! Ist irgendein Geschft,
Ein Mhen, eine Sorge, eine Qual,
Da ich bevlkre meines Innern Wste?

(Die im Hintergrunde Stehenden drngen sich nach der linken Seite.)

Was dort?

Wlasta. Zwei Mnner streiten wie du siehst.
Sie fassen sich am Bart.

Libussa (in die Szene blickend).
Schlgst du den Bruder?
Gebt mir ein Schwert, er soll des Todes sterben!
Und doch, schelt ich den Zorn und fhl ihn selbst?
Trennt sie!

(Einige gehen nach der linken Seite.)

Und ist das Tier erst Mensch geworden,
Bringt sie, auf da ich schlichte ihren Streit.
Ei Streit und Streit!
(Die Hand auf die Brust gelegt.)
Ist's hier denn etwa Friede?

(Ab nach der rechten Seite. Die brigen zerstreuen sich.)



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Verwandlung

Kurze Gegend mit Felsen und Bumen.

Die drei Wladiken kommen, vor ihnen der Knabe mit dem Kissen.


Domaslav. Setz nur das Kissen ab, dort leg es hin,
Indes wir uns beraten was zu tun.

(Der Knabe setzt das Kissen auf ein niedres Felsstck links im Vorgrunde
und geht.--Domaslav dem Knaben nachblickend.)

Mir dnkt ich sehe Spott in seinen Augen.

Biwoy (der sich rechts im Vorgrunde zur Erde niedergeworfen hat, mit
seinem Schwerte spielend).
Hat er nicht recht und sind wir nicht genarrt?

Lapak (im Hintergrunde, die Hnde auf dem Rcken, auf und ab gehend).
Das frgt sich noch!

Biwoy. Ei ja, dann klgle du!

Domaslav (der links im Vorgrunde auf das Felsenstck gesttzt, unverwandt
die Kette betrachtet)
Wer mir die Kette teilt--

Biwoy. Allein--Wie heit's?

Lapak (unwillig hervorsprechend).
Allein sie teilt mit keinem dieser Erde.
(Er geht wieder auf und nieder.)

Biwoy. Sie teilt, allein mit niemand. Guter Schwank!
(Aufstehend.)
Ich hab es satt. Ich sag euch, es ist Unsinn.
Der Widerspruch, ja die Unmglichkeit
Geknpft in Reimwerk um uns zu verspotten,
Und uns zu bannen fern von ihrem Hof,
Weil sie uns scheut und unsre Nhe frchtet.
Wenn nicht der Sinn von Rtsel und von Kette
In jener Knechtschaft liegt, die uns ihr Vater
Vor Jahren auferlegt, und die sein Sprling
Mit zarten Hnden gern verdoppeln mchte.

Drum ist mein Rat: Geh' jeder auf sein Schlo;
Du Lapak, du bist weise, Domaslav
Bist reich, hast Diener, Schreiber, die dir helfen
Um auszuklgeln was vielleicht der Sinn.
Ich bin ein Mann des Schwerts. Gebt mir das Kleinod,
Ich will es hten, da, gelingt die Lsung,
Nicht einer ernte wo gest fr drei,
Und sich allein das Ziel der Werbung eigne.

Domaslav. Das darf nicht sein!

Biwoy (die Hand am Schwert).
Es darf nicht?

Lapak. Nein und nein!

Biwoy. So lat das Los denn zwischen uns entscheiden.
Wir werden doch nicht wie die Blinden wandeln
Uns wechselseits umklammernd mit den Hnden?
Gefhrt von jenem Gold als unserm Auge
Und jenem Knaben--Ruft den Knaben her!
Er soll entscheiden, werfen uns das Los.

Domaslav. Damit er rckgekehrt, am Hof Libussas
Uns ihren Weibern schildre zum Gesptt?

Biwoy. Da hast du recht!

Lapak. Dort geht ein Wandersmann,
Des Weges scheint's hierher. Er kennt uns nicht;
Sei unser Los sein unbestochnes Wort.

(Da Biwoy sich nach der bezeichneten Seite wendet.)

Tritt du nicht vor! Des Menschen Sinn ist rasch,
Zuerst gesehn ist ihm zuerst gekannt.
Er soll uns gleich, mit einem Male schaun.

(Sie ziehen sich zurck.)
(Primislaus tritt im Vorgrunde von der linken Seite auf.)

Primislaus. Sowie der Wolf rings um die Herde kreist,
Halb Hunger und halb Furcht, schleich ich im stillen
Her um das Haus, das jene Hohe birgt.
Und in der Brust trag ich das reiche Bild,
Das sie mir gab, vielmehr: das ich mir nahm,
So da, wenn's hier zur linken Seite pocht,
Ich unterscheide kaum, ob es mein Herz,
Ob es ihr Kleinod was so mchtig strmt;
Und beide drngen hin zu ihrer Herrin.
Doch nah ich ihr, rckstattend meinen Raub,
Lohnt sie mit Gold die Tat, die mich beglckt,
Und bleib ich fern, so deckt ein schnell Vergessen
Was sie kaum wei mehr und nur hier noch lebt.
Ich sah dort einen Knaben ihres Hauses,
Gekleidet in die Farben seines Diensts,
Vielleicht kann ich ein Wort versteckter Mahnung,
Rckrufender Erinnrung ihm vertraun,
Da sie gedenkt des Vorfalls jener Nacht.

(Indem er sich nach rckwrts wendet, treten die drei Wladiken vor.)

Lapak. Erschrick nicht, fremder Mann!

Primislaus. Erschrak ich denn?

Domaslav. Du kennst nicht uns, wir dich nicht.

Primislaus. Also scheint's.

Lapak. Zum Schiedsmann bist du demnach wie erlesen.

Primislaus. Was ist zu scheiden und was ist getrennt?

Lapak. Etwa die Kette hier.

Primislaus (fr sich).
Libussas Kette.

Domaslav. Sie gab uns eine hohe Frau.

Primislaus. Libussa!

Lapak. So weit du--?

Primislaus.--Nichts, als nur, da es die ihre.

Domaslav. So sag denn kurz, wie kurz ist unsre Frage:
Wes von uns dreien soll das Kleinod sein?

Primislaus. Ich bin kein Mann des Zufalls und des Glcks,
Zumal wo's Richterspruch gilt und Entscheidung.
Wollt ihr den nhern Sinn mir nicht vertraun,
So bleibt mit Gott, ich ziehe meines Wegs.

Lapak. Soll ich?

Biwoy. Tu's immerhin, der Mann scheint klug,
Vielleicht verhilft er etwa uns zur Lsung.

Domaslav. Nun also denn: Wir drei, die du hier siehst,
Sind mchtige Wladiken dieses Landes,
Als mchtig eben, stark und reich, berufen
Zu werben um der Frstin hohe Hand.
Als heute nun wir solcher Absicht nahten,
Gab uns die Frstin dieses Halsgeschmeid
Und sprach dazu--Wie heit's?

Primislaus. Lat mich es hren.

Lapak (lesend).
Wer mir die Kette teilt--

Biwoy. Doch teilt mit keinem.
Es klingt wie Wahnsinn.

Primislaus. Jedes Wort, ich bitte.

Lapak (lesend).
Wer mir die Kette teilt,
Allein sie teilt mit keinem dieser Erde--

(Whrend die Wladiken neben Lapak stehen und in die Schrift blicken, hat
Primislaus die Kette ergriffen, die hakenfrmigen Glieder getrennt und
rasch wieder zusammengefgt.--Lapak fortfahrend.)

Vielmehr sie teilt auf da sie ganz erst werde;

Domaslav (lesend).
Hinzufgt was, indem man es verlor,
Das Kleinod teurer machte denn zuvor--

(Bei diesen Worten fhrt Primislaus schnell nach der linken Seite der
Brust, wo er das Kleinod verborgen.)

Biwoy (ebenfalls lesend).
Er mag sich stellen zu Libussas Wahl;
Vielleicht wird er, doch nie ein andrer ihr Gemahl.

Primislaus. Ich will zu ihr!

Domaslav. Was ficht Euch an? Ihr geht?

Primislaus. Das Rtsel ist gelst.

Lapak. Wie nur?

Primislaus.--Es schien so,
Doch decket neue Nacht das kaum Erhellte.

Sie sprach's zu euch als Werbern ihrer Hand?

Domaslav. So war's.

Primislaus (von ihnen wegtretend).
Und berlie dem Zufall denn
Ob sie des Rtsels Lsung dennoch fnden?
Und der es fand, er war ja ihr Gemahl!

Fahr hin, mein Glck, dein Flug war allzurasch!
Doch blieb ein Stachel, scheint's, in ihrer Brust.
La mich's versuchen denn: ich drck ihn fester,
Ob ihn die Zeit vertieft, ob sie ihn heilt.
(Laut.)
Nun denn: ob des das Kleinod oder jenes
Ist nicht die Frage, scheint's, zu dieser Zeit,
Nicht einen wollte sie vorerst bezeichnen,
Ihr alle sollt zur Werbung euch berecht'gen,
Den einen wird bestimmen ihre Wahl
Weshalb, da sie zu teilen euch gebot
Und mitzuteilen doch so streng verpnte,
Sie in Gesamtbesitz euch wnscht zugleich:
Gemeinsam haben heit als Freunde teilen
Gebt acht, ob ich die Wahrheit nher treffe.
Frst Krokus gab der Tchter Dreizahl, jeder,
Der Mutter Bild umringt von edlen Steinen
In Grtelspangen knstlich eingefgt;
Die Spangen sie sind hier, das Bildnis fehlt.
Wie sie's verlor, die Frstin, wer kann's wissen?
Doch da es fehlt, und damals schon gefehlt,
Als jene Fraun um Bhmens Krone losten,
Sagt das Gercht in jedes Mannes Mund;
Wie auch, da durch den Abgang jenes Bildes
Bezeichnet ward als Herzogin Libussa,
Und in der Tat durch das was man verlor,
Das Kleinod reicher wurde als zuvor
Denn es trug ein der Bhmen Herzogskrone.

Domaslav. Mir deucht, der Mann hat recht.

Lapak. Mir scheint's nicht minder.

Biwoy. So htten wir das Rtsel denn!

Primislaus. Das Wort,
Allein die Sache nicht. Sie will das Bildnis.
Hinzufgt was, indem man es verlor
Und wie es weiter heit. Sie will die Sache.

Biwoy. Allein wie finden wir die Sache nun?

Primislaus. Ein Mittel wr' vielleicht. Was gebt ihr dem,
Der euch das Bildnis schafft nach dem ihr strebt?

Lapak (leise zu ihm).
Ein Kornma Silber, bringt er's heimlich mir.

Domaslav (ebenso).
Mein Schlo in Kresnagrund, wird's mir zuteil.

Biwoy (laut).
Werd' ich der Bhmen Herzog, all mein Eigen.

Primislaus. Das ist versprochen viel, gegeben wenig.
Erkenntlichkeit ist ein gar schwankend Ding.
Wer zielt, drckt das Gescho an Brust und Wange,
Doch wenn er traf, wirft er's verchtlich hin.
Die Kette hier ist Gold, und Gold genug
Hat Bhmens Frstin, habt ihr Herren auch;
Mir wr's ein reicher Schatz. Gebt mir die Kette,
So schaff ich euch das Bild.

Lapak. Nicht so, nicht also.

Biwoy. Wir wollen beides, Bild und Kette.

Domaslav. Ja.

Primislaus. Wer auf den Markt geht, der steckt Geld zu sich.
Fr nichts ist nichts. Und somit Gott befohlen!

Domaslav. So habt Ihr selbst das Bild?
(Leise zu den brigen.)
Wir sind zu drei'n,
Vielleicht da mit Gewalt--

Primislaus. Wer's nun besitzt!
Der Ort der es verbirgt ist mir bekannt,
Und wer mich schdigt bringt sich um den Schatz.
(Die Hand an ein dolchartiges Messer in seinem Grtel gelegt.)
Nebstdem da ich nicht wehrlos, wie ihr seht.

Domaslav. Es sei darum! Doch was soll dir die Kette?

Primislaus. Vielleicht als Zeichen dessen was geschah,
Als Brgschaft auch vielleicht fr euern Dank;
Denn--wiederum vielleicht--geb ich sie spter
Fr einen Lohn der hher als sie selbst.

Biwoy. Der Handel ist geschlossen. Nun das Bild!

Primislaus (mit Erwartung erregenden Gebrden gegen die auf dem Kissen
liegende Kette gewendet).
Wohl denn, ihr Herrn, betrachtet mir das Kissen.
Die Klugheit gilt gar oft als Zauberkraft,
Und ist's auch oft.--Ihr seht--O weh, es fiel!
(Whrend die Augen der Wladiken auf das Kissen gerichtet sind, hat er
das Bild aus der Brust gezogen und in die linke Hand genommen. Jetzt
stt er, die Kette mit der rechten Hand fassend, das Kissen von dem
Felsstck herab, so da es nach rckwrts fllt, und gleichzeitig lt
er das Bild in derselben Richtung fallen.)
Und hier das Bild.

Domaslav. Es ist's.

Lapak. Ich sah's zuerst.

Domaslav. Ich hab's zuerst ergriffen.

Biwoy. Nun, und ich?
Man wird mir meinen Teil doch nicht bestreiten?

Domaslav. Doch ob's das rechte nun?

Biwoy. Ja wohl, lat sehn!

(Sie stehen seitwrts gewendet, das Bild betrachtend, das sie sich
wechselweise aus der Hand nehmen.)

Primislaus (die Kette in den Busen steckend).
Ich nehme meinen Lohn, der mir ein Zeichen
So gut wie jenes andre. Und Libussa
Sie wird erinnert. Hoffnung bleibt wie vor.
(Er entfernt sich nach der linken Seite.)

Domaslav (das Bild in der Hand haltend).
Hier steht es: Krokus hier.

Lapak. Und hier Libussa.

(Sie wenden sich um.)

Wo aber blieb der Mann?

Domaslav. Und wo die Kette?
(Ans Schwert greifend.)
Verrterei!

Biwoy. Verrter? Und warum?
Der Handel ward geschlossen: ihm die Kette
Und uns das Bild. Er ist in seinem Recht.
Wir haben was wir suchten. Lat uns heim;
Libussa mu nun whlen unter uns,
Die sie verbannt, vielleicht fr immer glaubte.
Und sucht sie Ausflucht etwa weiter noch,
Bleibt uns das Schwert.

Lapak. Und was selbst Schwache schtzt:
Vereinigung.

Biwoy. Recht gut, fhlt ihr euch schwach,
Ich nicht.--Du Knabe dort, komm nur herbei

(der Knabe kommt vom Hintergrunde links)

Nimm jenes Kissen auf. Und lach nicht wieder,
Wie du vorerst getan.
(Das Bild auf das Kissen legend.)
Hier ist das Rtsel,
Das auch die Lsung ist. Nun lachen wir.
Es soll sich manches ndern hier im Land
Und auch in euerm Haus, geliebt's den Gttern.
Der Frstin Weisheit ehr ich; doch ein Mann,
Es hat doch andern Schick!

Die beiden. Ja wohl!

Biwoy (sich mit einem verchtlichen Blick von ihnen wendend und dem
Knaben folgend).
Nur vorwrts!

(Die beiden andern, hinter ihm hergehend, reichen sich die Hnde, indem
sie ihr Mitrauen gegen ihn und ihr Einverstndnis durch Gebrden ausdrcken.)


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Verwandlung

Platz vor Libussas Schlosse wie zu Anfang des Aufzuges.

Libussa kommt mit Gefolge. Auf der entgegengesetzten Seite, links im
Hintergrunde, haben sich mehrere Mnner aufgestellt.


Libussa. Setzt mir den Stuhl heraus; ich will ins Freie.
Vielmehr nur: sattelt mir das weie Ro,
Dasselbe das mich einst nach Budesch trug,
In jener Nacht, als bei des Vaters Scheiden
Ich Herrin, Sklavin ward von diesem Land.
Wer sind die Leute dort?

Wlasta. Die Streitenden
Von heute morgen.

Libussa. Und sie streiten noch?
Und einen Markstein gilt's, den man verrckt?

Einer der Streitenden. Hier dieser hat's getan!

Libussa. Sahst du's?

Derselbe. Ich sah es nicht.

Libussa. Und sahen's andre?

Der nmliche. Nein.

Libussa. Und zeihst den Bruder
Des Frevels doch? Vergleicht euch!

Der Zweite. Wohl, ich will.

Der Erste. Ich nicht.

Libussa. Und wenn ich dreifach Land dir gebe
Fr das was du verlierst?

Der Erste. Ich will mein Recht.

Libussa. Von allen Worten, die die Sprache nennet,
Ist keins mir so verhat als das von Recht.
Ist es dein Recht wenn Frucht dein Acker trgt?
Wenn du nicht hinfllst tot zu dieser Frist,
Ist es dein Recht auf Leben und auf Atem?
Ich sehe b'rall Gnade, Wohltat nur
In allem was das All fr alle fllt,
Und diese Wrmer sprechen mir von Recht?
Da du dem Drft'gen hilfst, den Bruder liebst,
Das ist dein Recht, vielmehr ist deine Pflicht,
Und Recht ist nur der ausgeschmckte Name
Fr alles Unrecht das die Erde hegt.
Ich les in euren Blicken wer hier trgt,
Doch sag ich's euch, so fordert ihr Beweis.
Sind Recht doch und Beweis die beiden Krcken,
An denen alles hinkt was krumm und schief.
Vergleicht euch! sonst zieh ich das Streitgut ein
Und lasse Disteln sen drauf und Dornen
Mit einer berschrift: Hier wohnt das Recht.

Erster Streitender. Doch du erlaubst, o Frstin, da den Anspruch
Wir Mnnern unsersgleichen legen vor.

Libussa (sich wegwendend).
Wenn Gleiches sie begehren sind sie gleich,
Doch Gleiches leisten, strt mit eins die Gleichheit.

(Die drei Wladiken kommen mit dem Knaben der das Kissen trgt.)

Noch mehr der Toren! Wollt ihr auch ein Recht?

Domaslav. Ja Frstin, ja; und zwar auf deine Hand.

Libussa. Nicht mehr als das? Frwahr ihr seid bescheiden.

Lapak. Gelst ist die Bedingung, die du setztest.

Domaslav. Wir haben was du fordertest. Hier ist's.
(Auf das Kissen zeigend.)

Libussa. So habt ihr ihn gettet?

Biwoy. Wen?

Libussa. Den Mann
Der es besa.

Biwoy. Er lebt.

Libussa. Und gab's?

Domaslav. Fr Gold.

Libussa. So ist er auch denn wie die andern alle:
Ein Sklav' des Nutzens; nur der Neigung Herr,
Um etwa mit Gewinn sie zu verhandeln,
Fahr hin o Hoffnung! erste, letzte du.

Der erste der Streitenden (zu den Wladiken herberrufend).
Nehmt euch, ihr Herrn, der Unterdrckten an!

Libussa (zu ihm).
Geduld mein Freund! Ich werde, will dich richten,
Verhrtet wie ich bin, pat mir das Amt.
(Zu den Wladiken).
Er nahm das Gold freiwillig?

Biwoy. Ja, die Kette.

Libussa. Dieselbe die ich gab? Sie fehlt.

Biwoy. Er hat sie.

Libussa. Und ihr, ihr berliet--?

Biwoy. Es war der Preis,
Den er, trotz hherm, einzig nur verlangte.

Libussa. Habt Dank!--Der Mann ist klug. Wohl edel auch.
Befreit mich von der Werbung dieser Toren,
Erinnert mich an meinen Dank, und hat
Was ihn als Gegenstand des Danks bezeichnet.
Wo ist der Mann? Bringt her ihn!

Lapak. Er ist fern.
Den Schiedspruch kaum getan, war er verschwunden.

Libussa. Wohl also stolz auch. Gut, ich liebe Stolz,
Zumal wenn er in eigner Hhe sucht
Den Mastab, nicht in fremder Niedrigkeit.
Verschmht er meinen Dank? Ich will ihn sehn.

Lapak. Doch erst entscheide, Frstin, unsern Anspruch.

Libussa. Wozu entscheiden was entschieden schon?
Halb habt ihr nur erfllt des Spruches Sinn.
Verboten ward zu teilen, ihr teilt mit
An einen Fremden was euch ward zu hten.
Hinzuzufgen galt's was man verlor,
Ihr aber, statt des Ganzen, bringt den Teil.
Halb habt ihr nur erfllt, drum halb der Lohn.
Werbt wie bisher und bleibt an meinem Hof.

Domaslav. Wir sind betrogen.

Biwoy. Sagt' ich's nicht?

Der erste der Streitenden (der indessen mit seinem Gegner gehadert).
Mein Recht!
Ich will mein Recht. O wre hier ein Mann,
Der ernst entschiede wo es geht um Ernstes.

Mehrere (mit Domaslav und Biwoy).
Ja wohl: ein Mann, ein Mann!

Libussa. Da lrmen sie,
Und haben, fhl ich, recht. Es fehlt ein solcher.
Ich kann nicht hart sein weil ich selbst mich achte.
Den Zgel fhr ich wohl mit weicher Hand,
Doch hier bedarf's des Sporns, der scharfen Gerte.

Wohlan ihr Herrn, ich geb euch einen Mann.
(Da die drei Wladiken nher treten.)
Glaubt ihr von euch die Rede? Dermal nicht.
(Wieder vor sich hin sprechend.)
Du dnkst dich klger als Libussa ist?
Ich will dir zeigen, da du dich betrogen.

Dem Fischer gleich wirfst du die Angel aus,
Willst ferne stehn, belauernd deinen Kder.
Libussa ist kein Fischlein das man fngt.
Gewaltig wie der frstliche Delphin
Rei ich die Angel dir zusamt der Leine
Aus schwacher Hand und schleudre dich ins Meer,
Da zeig denn ob du schwimmen kannst, mein Fischer.
(Zu dem Volke.)
Da gilt es denn den Mann euch zu bezeichnen,
Der schlichten soll und richten hier im Land,
Und nahe stehn, wohl etwa nchst der Frstin.

Ich habe lang zu euch Vernunft gesprochen,
Doch ihr bliebt taub; vielleicht horcht ihr dem Unsinn,
Ob scheinbar oder wirklich gilt hier gleich.

Seht hier das Ro, denselben weien Zelter,
Der mich nach Budesch trug an jenem Tag,
Da ich nach Krutern suchend fand die Krone.

Fhrt ihn hinaus am Zaum zu den drei Eichen,
Wo sich die Wege teilen in den Wald,
Dort lat den Zgel ihm und folgt ihm nach,
Und wo es hingeht, suchend seinen Stall
Und frherer Gewohnheit alte Sttte,
Dort tretet ein. Ihr findet einen Mann
In Pflgerart, der--da es dann wohl Mittag--
An einem Tisch von Eisen tafelnd sitzt
Und einsam bricht sein Brot. Den bringt zu mir.
Das ist der Mann, den ihr und ich gesucht.
Was jetzo leicht und los das macht er fest,
Und eisern wird er sein so wie sein Tisch
Um euch zu bndigen, die ihr von Eisen.
Die Luft wird er besteuern, die ihr atmet,
Mit seinem Zoll belasten euer Brot,
Der gibt euch Recht, das Recht zugleich und Unrecht
Und statt Vernunft gibt er euch ein Gesetz,
Und wachsen wird's wie alles mehrt die Zeit,
Bis ihr fr euch nicht mehr, fr andre seid.
Wenn ihr dann klagt, trifft selber euch die Klage,
Und ihr denkt etwa mein und an Libussens Tage.

(Indem sie mit einem leichten Schlage das Pferd zum Gehen ermuntert und
die brigen zu beiden Seiten Raum machen, fllt der Vorhang.)




Dritter Aufzug

Gehft vor Primislaus' Htte wie zu Anfang des ersten Aufzuges. Ein
umgewendeter Pflug rechts im Vorgrunde.


Primislaus (rechts in die Szene sprechend).
Bringt nur die Stiere zum ersehnten Stall!
Der Pflug bleibt hier. Ich will darauf mich setzen.
Der Tag war hei, die Arbeit ist getan.
(Er setzt sich, die Stirn in die Hand sttzend.)
Nun wackrer Pflgersmann, es steht dir wohl
Aus deinem schlichten Tun den Blick zu heben
Nach dieses Lebens Hhn, vom Tal zum Gipfel.
Zwar heit's, es war in lngstentschwundner Zeit
Im Lande weit begtert unser Stamm
Und licht und hehr in seinen ersten Wurzeln.
Allein was soll das mir? Ist heut doch heut,
Und Gestern aus demselben Stoff wie Morgen.

Nebstdem, da wr' ich einer der Wladiken,
Ich mich nicht stellte zu so hoher Werbung.
Denn wie im Bienenstock die Knigin
Nicht nur die hchste, einzig ist, allein,
Von niedern Drohnen nur zur Lust umflattert,
Indes die Arbeitsbienen Honig baun,
So ist der auf dem Throne sitzt, nur sich,
Sich selber gleich und niemandes Geno.
Der Frst verklrt die Gattin die er whlt,
Die Knigin erniedrigt den als Mann,
Den whlend sie als Untertan erhht,
Denn es sei nicht der Mann des Weibes Mann,
Das Weib des Mannes Weib, so steht's zu Recht.
Drum wie die Frau ist aller Wesen Krone,
Also der Mann das Haupt, das sich die Krone aufsetzt,
Und selbst der Knecht ist Herr in seinem Haus.
(Er ist aufgestanden.)
So sprichst du, prahlst, und trgst im Busen doch
Was dich an jene Hoffnung jetzt noch kettet.

Man sage nicht das Schwerste sei die Tat,
Da hilft der Mut, der Augenblick, die Regung;
Das Schwerste dieser Welt ist der Entschlu.
Mit eins die tausend Fden zu zerreien
An denen Zufall und Gewohnheit fhrt,
Und aus dem Kreise dunkler Fgung tretend
Sein eigner Schpfer zeichnen sich sein Los,
Das ist's wogegen alles sich emprt
Was in dem Menschen eignet dieser Erde
Und aus Vergangnem eine Zukunft baut.
Da sie mein denkt, da wach in ihrer Seele
Mein Bild--nicht einmal das: ein Traum, ein Nichts,
Das tausend Formen so wie meine kleiden,
Das nicht einmal ein Name ihr bezeichnet,
Kein Gleichnis, denn sie sah mich damals kaum
Als uns die Nacht im Wald zusammenfhrte,
Das weckt in mir ein gleichverworrnes Nichts,
Das doch mein Glck ist, meines Lebens Sule,
Und das zerstren ich nicht mag, nicht kann.

Wr' sie ein Hirtenmdchen, nicht Libussa,
Und ich der Pflger der ich wirklich bin,
Ich trte vor sie hin und sagte: Mdchen,
Ich bin derselbe dem du einst begegnet.
Sieh hier das Zeichen. Wird's nun licht in dir,
Wie lngst in dieser Brust, so nimm und gib!
(Die Hand hinhaltend.)
Dann knnte sie nicht sprechen: Guter Mann,
Stellt dort euch zu den Dienern meines Hauses,
Des, wes ihr mich erinnert, denk ich kaum.

Ei wackrer Mann, setz dich nur wieder hin,
Nimm Ks' und Brot aus deiner Pflgertasche
Und halte Mahl am ungefgen Tisch.
Ist's eignes Brot doch, das erhlt und strkt,
Das Brot der Gnade nur beengt und lastet.
(Er hat sich wieder gesetzt und den Inhalt seiner Tasche auf die
Pflugschar ausgelegt.)

Sie hat mein Ro, das etwa so viel gilt
Als diese goldnen Spangen die ich trage,
Und so sind sie mein Eigentum zu Recht.

Ich wollte, sie bestieg' einmal den Zelter
Und in Gedanken ihm die Zgel lassend,
Trg' sie das Tier hieher.
Doch welch Gerusch?
Tuscht mich mein Aug? Das ist mein Ro; doch leer
Und ohne Reiter, rings von Volk umgeben.
Bin ich im Land der Mrchen und der Wunder?
Doch folgen die Wladiken, seh ich nun,
Die sich erdachten etwa solchen Fund
Um zu ergnzen was nur halb in ihrer
Und halb in meiner Hand. Kommt immer, kommt!
Ich fhle mich als Herr in meinem Haus,
Und so brech ich mein Brot. Ist doch der Pflger,
Indem er alle nhrt, den Hchsten gleich:
Wie Wasser und wie Luft, die niemand kauft,
Doch mit dem Leben zahlt, entbehrt er ihrer.

(Die drei Wladiken kommen, von Volk begleitet, von der linken Seite.)

Biwoy. Hier blieb der Zelter stehn, hier ist der Ort.

Domaslav. Und hier der Mann, der, wie Libussa sprach,
An einem Tisch von Eisen sitzt, sein Brot
Auf einer Pflugschar mit den Hnden teilend.

Biwoy. Derselbe ist's, es ist der nmliche,
Der unsern Streit geschlichtet.

Lapak. Mir wird's hell.

Primislaus (aufstehend).
Glck auf ihr Herrn! Was fhrt euch her zu mir?

(Man hat das Pferd gebracht. Primislaus hinzutretend und es streichelnd.)

Ha Prischenk, du mein Ro, du wieder heim?

Lapak. Sein Ro?

Primislaus. Noch einmal denn: was fhrt euch her?

Domaslav. Der Frstin Wort.

Primislaus. Libussas?

Lapak. Sie befahl
An ihren Hofhalt dich mit uns zu fhren.

Primislaus. Galt mir auch, euch zu folgen, der Befehl?

Lapak. Das nicht.

Primislaus. Doch, wenn ich's nun verweigerte,
Kommt ihr mit Macht, mich nt'genfalls zu zwingen.
Seid unbesorgt, ich folg euch ohne Zwang.
Was aber war der hohen Ladung Grund?

Domaslav. Wir wissen's nicht.

Lapak. Vielleicht doch ward ihr kund,
Da du ein schlauer Richter bist zu eignem Nutzen,
Und wnscht als Richter dich zu nutz dem Volk.
Zum mindsten lag ein Fall vor, der verwirrte.

Primislaus. Ich richte niemand als mich selber etwa,
Und tusche nicht, als wer sich selbst getuscht.

Domaslav. Besteig das Ro denn und folg uns nach Hof.

Primislaus. Dies Tier, das meine Frstin hat getragen,
Besteige niemand, der nicht eignen Rechts,
Nebstdem da es das ihre, und ich wnsche,
Da es das ihre bleibe, nach wie vor.
Dann, sollt' ich mit der Arbeit Staub beladen
Mich nahn dem Ort, wo Arbeit nur ein Gast,
Nicht der Bewohner ist? Ich geh ins Haus
Und schmcke mich wie sich der Landmann schmckt.
Auch, da man Hhern naht mit Ehrengaben,
Bring ich von Frchten und von Blumen ihr,
Wie sie der Armut eignen, ein Geschenk.
So lang, ihr Herrn, zerstreut euch im Gehft.
Man reicht euch Met und Milch und nhrend Brot,
Auf da gestrkt wir gehn, wo Strke not.

(Er entlt sie mit einer Handbewegung und geht in die Htte.)

Lapak. Hast du gehrt?

Domaslav. Wie stolz.

Biwoy. Nun um so besser.
Stolz gegen Stolz, wie Kiesel gegen Stahl,
Erzeugt, was beiden feind, den Feuerstrahl.

(Alle nach der linken Seite ab.)


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Verwandlung

Tiefes Theater. Im Hintergrunde auf einem Felsen das Schlo der Schwestern.

Wlasta und Swartka vom Hintergrunde nach vorn kommend.


Wlasta. So weigern mir die Schwestern, deine Fraun,
Den Eintritt denn?

Swartka. Sie sind nicht gern gestrt.

Wlasta. Und wissen sie: ich komme von Libussen.

Swartka. Sie wissen es.

Wlasta. Und doch--?

Swartka. Und doch.--Verzieh!
Sie steigen nieder von dem jhen Abhang,
Den Weg vom Schlo ins Freie.--Tritt zurck!
Wenn sie vorbergehen, sprich sie an.

(Kascha und Tetka sind von der Hhe herabgekommen.)

Kascha. Ich sage dir: die Wasserwaage zittert,
Der Boden hebt, die Zeit gebiert ein Neues.

Wlasta. Erlauchte Frau.

Kascha. Ah, Wlasta, sei gegrt!
Willkommen hier im Freien, denn im Schlo
War's nicht gegnnt.

Wlasta. Und wer verbot's?

Tetka. Wir selber.
Wer aufmerkt, der gebeut selbst und gehorcht.

Wlasta. Die Frstin, meine Frau--

Kascha. Wir wissen es.
Libussa will zurck in ihrer Schwestern Mitte,
Emprt von ihres Volkes wildem Trotz.
Sag ihr, das kann nicht sein.

Wlasta. Du meinst wie ich.

Kascha. Vielleicht nicht ganz. Allein,--und sag ihr das--
Wer gehen will auf hh'rer Mchte Spuren
Mu einig sein in sich, der Geist ist eins.
Wem's nicht gelungen all die bunten Krfte
Im Mittelpunkt zu sammeln seines Wesens,
So da der Leib zum Geist wird, und der Geist
Ein Leib erscheint, sich gliedernd in Gestalt,
Wem ird'sche Sorgen, Wnsche und das schlimmste
Von allem was da strt,--Erinnerung,
Das weitverbreitete Gemt zerstreun,
Fr den gibt's frder keine Einsamkeit,
In der der Mensch allein ist mit sich selbst.
Die Spuren ihres Wirkens, ihres Amts,
Sie folgen knftig ihr wohin sie geht.
Wozu noch kommt, da in der letzten Zeit
Die Neigung, scheint's, die Neigung zu dem Mann,
In ihrem edlen Innern Platz gegriffen;
Zum mindsten war das Kleinod das du brachtest,
Als Zeichen deiner Sendung, nicht mehr strahlend,
Gewesen war's in einer fremden Hand.
Sie kann nicht mehr zu uns zurck, denn strend
Und selbst gestrt, zerstrte sie den Kreis.

(Sie tun ein paar Schritte. Wlasta tritt ihnen in den Weg.)

Wlasta. Doch gebt ihr Rat der Frstin, wie sie bndigt
Die Meinungen des Volks, mit sich im Kampf.

Kascha. Kennt einen Weisern sie im Volk als sich,
So steige sie vom Stuhl und gnn' ihn jenem.
Doch ist die Weisre sie, wie sie's denn ist,
So gehe sie den ungehemmten Gang,
Nicht schauend rechts und links was steht und fllt.
Der Fragen viel erspart die feste Antwort.
Ich sehe rings in weiter Schpfung Kreisen
Und finde brall weise Ntigung.
Der Tag erscheint, die Nacht, der Mond, die Sonne,
Der Regen trnkt dein Feld, der Hagel trifft's,
Du kannst es ntzen, kannst dich freuen, klagen,
Es ndern nicht. Was will das Menschenkind
Da es die Dinge richtet die da sind.

Tetka. Das Denken selbst, das frei sich dnkt vor allen,
Ist eigner Ntigung zu Dienst verfallen.
Hat sich der Grund gestellt, so folgt die Folge,
Und zwei zu zwei ist minder nicht noch mehr
Als vier, ob fnf dir auch willkommner wr'.
Wer seine Schranken kennt der ist der Freie,
Wer frei sich whnt ist seines Wahnes Knecht.

Kascha. Hoffst du durch berzeugen dich geschtzt?
Es billigt jeder das nur was ihm ntzt.
Ein einz'ges ist was Meinungen verbindet:
Die Ehrfurcht, die nicht auf Erweis sich grndet.
Der Sohn gehorcht, gab sich der Vater kund,
Den Ausspruch heiligt ihm der heil'ge Mund.
Da einer herrsche ist des Himmels Ruf,
Weil zum Gehorchen er die Menschen schuf.
Wir selbst, als Schwestern deiner Frstin gleich,
Gehorchen ihr, weil ihrer ward das Reich.
Und fllt's zu widerstreben jemand ein,
Mag er versuchen erst kein Mensch zu sein.

(Indem die Frstinnen ihren Weg fortsetzen, und Wlasta, wie zu neuen
Vorstellungen ihnen zur Seite folgt, gehen alle nach links ab.)

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Saal in Libussas Schlosse. Zur rechten Seite ein Thron auf Stufen.

Dobromila (kommt von der rechten Seite, zurcksprechend).
Der Erker hier reicht weiter in das Feld!
(Sie tritt an ein Fenster das sie ffnet.)

Libussa (von derselben Seite kommend).
Und siehst du hier auch nichts?

Dobromila. Wie vor noch immer,
Ringsum von den Wladiken keine Spur.

Libussa. Ich sagte dir du sollst nach Wlasta sehn,
Die ich gesandt zu meinem Schwesterpaar,
Und die, halb Mann sie selbst, nach Mnnerart
Die Zeit mit Vielgeschftigkeit zersplittert.
Sagt einer Frau: Tu das! sie richtet's aus;
Der Mann will immer mehr als man geheien.
Liebt sie zu sprechen, lstet's ihn zu hren,
Und was er seine Wibegierde nennt,
Ist Neugier nur in anderer Gestalt.
Wenn nicht zu trg, er sprche mehr als sie.

Ich will zu meinen Schwestern auf Hradschin!
Zur Gnade leben trotzigen Vasallen,
Die alles was Gewicht weil es Gehalt,
Erst auf der Waage eignen Zweifels wgen,
Der nur bezweifelt was ihm nicht genehm.
Das soll nicht sein mit Krokus' Frstentochter.
Sie mgen sich bestreiten, sich bekriegen,
Vielleicht wird sie die Not, doch nie das Wort besiegen.

Fast reut es mich, da ich die Toren sandte
Nach jenem andern Toren, wie es scheint,
Der trotzig so wie sie und stolz dazu,
Dort zgert wo die Eile noch zu langsam.
Wenn ich gewrdigt ihn noch sein zu denken,
Wenn unter dieser Stirn, in dieser Brust
Die Spuren noch lebendig jenes Eindrucks
Den gebend ich empfing, was hlt ihn ab
Hervorzutreten aus der Dunkelheit
Des Ohres und der Nacht ans Licht des Auges,
Den Dank zu holen, ob auch nicht den Lohn?

Und unter solchen wr' mein Los zu weilen?
Wohl etwa gar, wie die Wladiken meinen,
Mein Selbst geknpft an einen ihrer Schar?
Die Glieder dieses Leibes, die mein eigen,
Zu Lehen tragen von der Niedrigkeit?
Der Hand Berhrung und des Atems Nhe
Erdulden, wie die Pflicht folgt einem Recht?
Mich schaudert. All mein Wesen wird zum: Nein.

Es soll sich Wlasta einem Mann vermhlen
Und ihre Kinder folgen mir im Reich.

Dobromila. Ich sehe Staub.

Libussa. Nun Staub ist eben nichts.

Dobromila. Allmhlig doch entwickeln sich Gestalten.
Ha, die Wladiken sind's.

Libussa. Und Wlasta nicht?

Dobromila. Der Zug umgibt dein zgelfreies Ro.

Libussa. Das keinen Reiter trgt?

Dobromila. Ich sehe keinen.
Vor allen her nur geht ein einzelner,
Geschmckt mit Blumen wie--

Libussa. Ein Opfer etwa?
Ich will des Schrittes Unlust ihm ersparen,
Und schien die Frau ihm nicht des Kommens wert,
Soll ihm die Frstin wert der Achtung scheinen.
(In die Hnde klatschend.)
Herbei ihr Diener, Mgde dieses Hauses,
Umgeht die euch gebeut in voller Schar
Auf da, wer Hohes sonst nicht kann erkennen,
Zum mindsten mit dem Aug es nehme wahr.

(Von der rechten Seite ist Libussens Gefolge eingetreten und hat sich
in Reihen gestellt. Sie selbst besteigt den Thron.--Primislaus kommt
von der linken Seite. Hinter ihm die Wladiken und Volk. Er trgt einen
Kranz von hren und Kornblumen auf dem Kopfe, in der rechten Hand eine
Sichel, mit dem linken Arme hlt er einen Korb mit Blumen und Frchten.)

Primislaus. Auf dein Gehei erschein ich, hohe Frstin,
Mit Landmanns Gaben und in Landmanns Schmuck
Und dir zu Fen leg ich meine Habe.
Den Kranz von hren, die der Fluren Krone
Und minder nicht von Gold als Frstenschmuck,
Ich neig ihn vor der Frstin Diadem.
Die Sichel, die mein Schwert, der Waffen beste,
Denn sie bekmpft der Menschen rgsten Feind,
Des Name schon ein Schreckensbild: die Not,
Ich strecke sie, von hhrer Macht besiegt.
Und dies mein Schild, bemalt nicht nur mit Zeichen,
Geschmckt mit Inhalt und mit Wirklichkeit,
Das Wappen meines Standes, meines Tuns,
Ich biet es dir als rmliches Geschenk,
Wie es dem Hhern wohl der Niedre beut,
Der sich als niedrig wei, obgleich nicht fhlt.
Und so aus meinem Haus, das meine Burg,
Komm ich zu Hof und, neigend dir mein Knie,
Frag ich, o Frstin: was ist dein Gebot. (Er kniet.)

Libussa. Es scheint du sprichst als Gleicher zu der Gleichen.

Primislaus. Dir neigt sich nicht mein Knie nur, auch mein Sinn.

Libussa. Doch wenn sich beide nicht aus Willkr beugten,
Erreichten sie wohl etwa doch mein Ma?
Steh auf!

Primislaus. Wenn meine Gaben du erst nahmst,
Der Geber sieht in ihnen sich verschmht.

Libussa. So nehmt sie denn! Ich liebe diese Blumen,
Weil sie als Meinung gelten ohne Wert.

(Man hat den Korb zu ihren Fen gesetzt.)

Du nennst sie deinen Schild. Ein einfach Wappen!
Doch wr' ein Wahlspruch etwa beigefgt,
Was gilt's? er wre stolz, so wie sie einfach.

Primislaus (der aufgestanden ist).
Ein Wahlspruch auch fehlt meinem Schilde nicht,
Demtig aber ist er wie die Zeichen.
Du liebst in Rtseln auszusprechen dich
Und knpfst daran die hchsten deiner Gaben.
Dich selbst. Erlaube, da ich hnlich spreche.
(Den Korb aufnehmend und ihr darreichend.)

Unter Blumen liegt das Rtsel
Und die Lsung unter Frchten.
Wer in Fesseln legte trgt sie,
Der sie trgt ist ohne Kette.

Libussa (die Blumen betrachtend).
Das ist nun wohl des Ostens Blumensprache,
Die trumend redet mit geschlonem Mund,
Und diese Rosen, Nelken, saft'gen Frchte
Sind wohl geordnet zu geheimen Sinn.
Bei berer Mue findet sich die Deutung.
(Den Korb abgebend.)
Doch Rtsel geben ziemt nur der Gewalt,
Die Rtsel lsen eignet dem Gehorsam.
Drum offen, da geheim nur was vertraut:
Sahst du mich irgend schon?

Primislaus. Wer sah dich nicht
Als dich das Land mit seiner Krone schmckte?

Libussa. Und sprach ich je zu dir?

Primislaus. Zu mir, wie allen,
Die als dein Wort verehren dein Gesetz.

Libussa. Der Zelter den ich sandte, ohne Leitung,
Er blieb in deines Hauses Rumen stehn.
War er je dein?

Primislaus. Und wr' er's ja gewesen,
Wenn ich ihn gab, war er nicht mehr mein eigen.
Ein Mann geht zgernd vorwrts, rckwrts nie.

Libussa. Ein Mann, ein Mann! Ich seh es endlich kommen.
Die Schwestern mein sie lesen in den Sternen,
Und Wlasta fhrt die Waffen wie ein Krieger,
Ich selber ordne schlichtend dieses Land;
Doch sind wir Weiber nur, armsel'ge Weiber:
Indes sie streiten, zanken, weinerhitzt,
Das Wahre bersehn in hast'ger Torheit
Und nur nach fernen Nebeln geizt ihr Blick,
Sind aber Mnner, Mnner, Herrn des All!
Und einen Mann begehrt ja dieses Volk;
Das Volk, nicht ich; das Land, nicht seine Frstin.
Du giltst fr klug, und Klugheit ist ja doch
Ein Notbehelf fr Weisheit wo sie fehlt.
Sie wollen einen Richter, der entscheide,
Nicht was da gut und billig, fromm und weise,
Nein, nur was recht, wieviel ein jeder nehmen,
Wieviel verweigern kann, ohn' eben Dieb
Und Schelm zu heien, ob er's etwa wre.
Dazu bist du der Mann, wie's mindstens scheint.
Allein der Richter sei vor allem frei
Von fremdem Gut, soll er das fremde schtzen.
Drum sag nur an: ist nichts in deinen Hnden
Was mir gehrt und du mir vorenthltst?

Primislaus. Dein bin ich selbst und all was ich besitze,
Was ich besa ist nicht in meiner Hand.

Libussa. Mir widert dieser Reden Doppelsinn,
Die nichts als Stolz, als schlechtverhllter Hochmut.
Drum frag ich offen dich zum letztenmal--

Doch regt sich auch der Stolz in dieser Brust
Ausweichen den zu sehn den ich begrt,
Den zu bemerken nur ich mich gewrdigt.

So hre du auch eine Gleichnisrede,
Sie soll mir zeigen ob du weise bist.
(Vom Throne herabsteigend.)

Ein Knig hatte sich verirrt beim Jagen
Und fand bei einem Landmann Dach und Schutz.
Des andern Tags, zur Hofburg heimgekehrt,
Vermit er--einen Ring, ihm wert, ja heilig,
Den er bei Nacht, man wei nicht wie, verlor.
Da lt verknden er auf allen Straen,
Da, wer das Kleinod, seines Vaters Erbteil,
Ihm wiederbringt, belohnt mit reichen Gaben
Ihm nchst soll stehen, hoch in seiner Gunst.
Was httest du getan, warst du der Landmann?

Primislaus. Vielleicht fhlt' ich mich durch die Tat belohnt,
Und jener Ring, als Ausdruck des Bewutseins,
War teurer mir als selbst der hchste Lohn.

Libussa. So tat er auch, der Tor. Er gab ihn nicht.
Doch bald darauf brach aus in jener Gegend
Ein Aufstand, den veranlat--was wei ich?--
Vielleicht des Knigs Gte, wie so oft.
Doch jener Frst, der nicht nur milder Vater,
Auch strenger Richter, sammelt rasch ein Heer,
Zieht gegen die Emprer und besiegt sie.
Ein Teil fllt durch das Schwert, der berrest,
Er harrt gefangen eines gleichen Schicksals
Durch Henkershand. Da lt der Frst verknden:
Der allgemeinen Strafe sei entnommen
Der einzige, der das vermite Kleinod
Ihm wiederbringt; als Lohn fr jenen Dienst,
Den er, ob Pflicht, doch seinem Herrn erwiesen.

Primislaus (lebhaft).
Nun wei ich die Geschichte, hohe Frau!

Libussa. Was also tat der Mann, wenn's dir bekannt?

Primislaus. Er warf den Ring am Weg in einen Busch.
Unschuldig, sprach er, soll mich Unschuld schtzen,
Wenn schuldig, sei die Strafe mir der Schuld.
Auf alle gleich der Frst den Zorn entlade,
Dem Zufall dank ich nichts, noch eines Menschen Gnade.

Libussa. Weit du was nun geschah?

Primislaus. Ich wei es nicht.

Libussa. Der Frst gab alle gleich dem Schwerte hin.
Verloren war der Ring, doch auch der Mann.

Ich habe mich getuscht, du bist nicht klug,
Du kannst nicht Richter sein in diesem Land.

Es sinkt der Tag. Gnnt ihm fr heut die Herberg.
Zeigt ihm das Schlo mit allen seinen Schtzen,
Damit er sehe was ein Herr und Frst.
Am nchsten Morgen mag er heimwrts reisen
Und tafeln an dem selbstgewhlten Tisch,
Vom selben Stoff, wie seine Worte weisen:
Der Kopf, das Herz, so wie sein Tisch, von Eisen.

(Indem sie mit einer geringschtzigen Handbewegung sich abwendet und
Primislaus tiefverneigt dasteht, fllt der Vorhang.)




Vierter Aufzug

Auf den Wllen von Libussas Burg. Im Hintergrunde durch ein zinnenartiges
Steingelnder geschlossen. Rechts und links halbrunde Trme mit Eingngen.
Dobromila sitzt im Hintergrunde am Gelnder und liest. Wlasta und Primislaus
treten aus dem Turme links.


Wlasta. Komm hier heraus! Dort rechts ist deine Wohnung.
Hast du betrachtet dir das Schlo genau,
Und sahst du je im Leben solche Pracht?

Primislaus. Ich nicht.

Wlasta. Ward manch ein Wunsch dabei nicht rege?

Primislaus. Wer wnschte sich auch Flgel wie der Adler
Und Flossen wie der Fisch? Sie mgen's haben.
Das hchste, wie beschrnkt auch, ist der Mensch,
Im Knig selbst der Mensch zuletzt das beste.
Auch, sah ich eure Betten gar so weich,
Dacht' ich: ihr Schlaf ist schlecht wohl, weil so whlich.
Und die Gerte in den Kchenrumen,
Verflschend das Bedrfnis mit der Kunst,
Zu sagen schienen sie: Hier fehlt der Hunger,
Der beste Koch und auch der beste Gast.
In meiner Htte it und schlft sich's wohl;
Der berflu ist schlechtverhllter Mangel.

Wlasta. Da dich die Kunst so widersetzlich findet,
Wird Feld und Flur vielleicht dich mehr erfreun.
Komm hier und sieh hinaus in die Gefilde,
Die endlos sich dem Horizonte nahn.
Das alles, Berg und Tal und weite Flchen,
Das alles ist Libussas, meiner Frau.

Primislaus. Und sie die Seele denn so vieler Glieder?
Ich mchte nicht mein Selbst so weit zerstreun,
Aus Furcht nichts zu behalten fr mich selbst.
(Kopf und Hnde bezeichnend.)
Hier ist mein Rat und hier sind meine Diener,
Die Fe meine Boten, und das Herz
Es ist mein Reich, weit bis zum Sitz der Gtter,
Und eine Spanne gro nur in der Brust,
Da Raum fr mich und alle meine Brder.
Wr' ich ein Frst, erschrk' ich vor mir selbst,
So wie ein Bild erschreckt das gar zu hnlich.
(Dobromila bemerkend.)
Doch halt! wir stren hier.

Dobromila. Ich war vertieft,
Da merkt' ich nicht was rings um uns geschah.

Primislaus. Dein Buch ist weise wohl?

Dobromila. Komm selbst und lies!

Primislaus. Ich kann nicht lesen, Frau!

Dobromila. Nicht lesen, wie?

Primislaus. In Bchern nicht, allein in Mienen wohl.
Da les ich denn: du willst mich, Frau, beschmen.

Dobromila. Vielleicht nur wundr' ich mich, da du von Lndern
Und Frsten sprichst, und weit noch nicht was ntig:
Den Gang der Zeit von Anfang, die Geschichte.

Primislaus. Was heut, war gestern morgen,--und wird morgen
Ein gestern sein. Wer klar das Heut erfat,
Erkennt die Gestern alle und die Morgen.

Dobromila. Was aber war das erste in der Welt?

Primislaus. Das Letzte, Frau! Im Anfang liegt das Ende.

Dobromila. Die Sterne kennst du nicht?

Primislaus. Ich sehe sie,
Und sehen sie nicht mich, bin durch mein Sehen
Ich besser denn als sie.

Dobromila. Was ist das Schwerste?

Primislaus. Gerechtigkeit.

Dobromila. Du irrst mein rascher Freund!
Das allerschwerste ist: den Feind zu lieben.

Primislaus. Halb ist das leicht, und ganz vielleicht unmglich.
Allein bei allen Kmpfen dieses Lebens
Den Anspruch bndigen der eignen Brust,
Nicht mild, nicht gtig, selbst gromtig nicht,
Gerecht sein gegen sich und gegen andre,
Das ist das Schwerste auf der weiten Erde,
Und wer es ist, sei Knig dieser Welt.

Doch la die toten Lehren deiner Bltter!
Die Wahrheit lebt und wandelt wie du selbst,
Dein Buch ist nur ein Sarg fr ihre Leiche.
(Zu Wlasta hinzutretend, die von zwei hingelehnten Schwertern eines
ergriffen hat und es prfend beugt.)
Was schaffst du hier?

Wlasta. Du siehst, ich prfe Waffen.

Primislaus. Was soll dem Weib das Schwert?

Wlasta. Hier ist ein zweites,
Versuchen wir, gefllt's dir, einen Gang?

Primislaus. Ich kann nicht lesen und ich kann nicht fechten.
Was soll das Spiel? Der Ernst erst macht die Waffe.
Allein bewehre drei und vier und fnf
Mit solchem Tand, und la sie nachts versuchen
Zu dringen in die Htte, meine Burg,
Bewehrt mit meines Vaters breiter Axt,
Tret ich entgegen ihnen, und der Mut
Mag dann entscheiden wer ein berer Krieger.

Ich bin ermdet, zeige mir die Sttte
Wo man zu Nacht die Herberg mir bestellt.

Wlasta (auf den Turm rechts zeigend).
Sieh, dort!

Slawa (hinter der Szene).
Ihr sollt nicht, sag ich euch!

Primislaus. Was nur des Neuen?

Slawa (aus dem Turme links kommend).
O schtzet mich!

Primislaus. Du bist das erste Weib
An diesem Wunderort, das Schutz begehrt,
Die andern sind vielmehr geneigt zu meistern.

Slawa. Ja Schutz vor dir und deinesgleichen, Mann.

Primislaus. Vor mir?

Slawa. So denn vor deinesgleichen.
Sie bilden sich nun ein mich schn zu finden,
Obgleich ich es nicht bin, ja sein nicht mag.
Da folgt mir denn der berlst'ge Schwarm
Und tritt entgegen mir auf allen Pfaden.
Der eine fat die Hand mir mit der seinen,
Der andre dreht die Augen quer im Kopf
Wie ein Verscheidender, schon halb Verstorbner,
Der dritte kniet und schwrt beim hohen Himmel,
Ich sei das Kleinod dieser weiten Welt,
Von meinem Blick erwart' er Tod und Leben.
Wie jmmerlich ist aber das Geschlecht,
Das alles was den Menschen ehrt und adelt
Bld bersieht und nur nach uern Gaben,
Nach Wei und Rot, nach Haar und Zahn und Fu,
Den Abgott whlt, das Letzte sich des Strebens.

Primislaus. Mein Kind, was dich die Mnner heit verachten,
Birgt etwa wohl Verachtung fr dich selbst.
Wer nach dem uern seine Wahl bestimmt,
Bezweifelt, frcht ich, sehr den Wert des Innern.
Man sucht den Diamant lg' er im Staube,
Geschliffnem Glas gibt erst der Glanz den Wert,
Ist all sein Wesen Glnzen doch und Scheinen.
Dein Weg fhrt dich zurecht, hier bist du sicher.
Mir ist das Weib ein Ernst, wie all mein Zielen,
Ich will mit ihr,--sie soll mit mir nicht spielen.

Sagt das der Frstin als den letzten Gru
Am Morgen, wenn ich fern schon meiner Wege.
(Er geht in den Turm rechts.)

Wlasta. Ich folg ihm nach, so lautet der Befehl.
(Sie geht in denselben Turm.)

(Libussa kommt aus dem Turme links.)

Libussa. Wie ist's mit jenem Mann?

Dobromila. Er ist von Stahl.

Libussa. Es brach wohl auch ein Schwert schon im Gefecht.
Was sprde ist zerbrechlich.
(Zu Dobromila.)
 Folg du ihnen.
Der Abend dmmert schon, es ziemt sich nicht,
Da er und sie allein in solcher Stunde.

(Da Dobromila geben will.)

Vielmehr gebt einen Schleier mir. Ich selbst
Will Zeuge sein wie weit sein Starrsinn geht.

Gehorchen soll er und dann mag er ziehn.
Ich fhl' es fast wie Ha im Busen quellen.
(Ab in den Turm links.)



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Gemach im Innern des Turmes. Links im Vorgrunde ein Teppich-behangener
Tisch.

Primislaus und Wlasta treten ein.

Wlasta. Hier denn ist dein Gemach.

Primislaus. Ich danke dir.
Und da ich morgen mit dem Frhsten scheide,
So nimm schon heut ein doppelt Lebewohl.

Wlasta. So willst du fort?

Primislaus. Mein Haus ist unbestellt,
Auch gab mir meinen Abschied schon die Frstin.

Wlasta. Und hast du ihr, Libussen, nichts zu sagen?

Primislaus. Was nur?

Wlasta. Sie glaubt in dir denselben zu erkennen,
Der einst im Walde hilfreich ihr genaht.
Auch haben die Wladiken ausgesagt,
Da du es warst, der Kleinod gegen Kette
Mit schlauer List umwechselnd ausgetauscht.

Primislaus. Wenn ihr es wit, warum nur fragt ihr noch?

Wlasta. Vielleicht fhlt sich der Frstin Stolz beleidigt,
Da du mit einem Recht auf ihren Dank,
Aufgibst dein Recht, und ihren Dank verschmhst.

Primislaus. Stolz gegen Stolz, wenn's wirklich also wre.

Wlasta. Allein der Stolz des Pflgers und der Frstin!
Zudem ist jenes Kleinod hoch ihr wert,
Als ihres Vaters deutungsvolle Gabe.
Durch Zufall nur geriet's in deine Hand
Und blieb ein Eigen meiner hohen Herrin.
Drum gib was eines andern, nicht das deine.

Primislaus. Ich gab es schon.

Wlasta. Wann aber, wo und wie?

Primislaus. Ich sagt' es auch, ob etwas rtselhaft,
Schon als ich kam, doch ihr verstandet's nicht.

Wlasta. Hier aber will man Rtsel nicht, Gehorsam.

Primislaus. Auch wei ich, da den werbenden Wladiken
Sie auferlegt, ihr ganz und ungeteilt
Das Kleinod auszuliefern, das sie hochhlt.
Vielleicht, wr' erst die eine Hlfte da,
Fgt' ich die zweite bei, bes' ich sie.

Wlasta. Erfllst du deinen Teil, tatst du genug.

Primislaus. Ich bin hier in dem Wunderschlo der Weiber,
Und alle weibliche Vollkommenheit
Hat man mir vorgefhrt mit etwas Prangen;
Nur mit den Fehlern, scheint mir, des Geschlechts
Hielt man zurck, bedchtlicher als billig.
Da ist nun Neugier, die man Schuld euch gibt.
Wie wr' es, holde Wlasta, wenn nur Neugier
Dir diese Fragen in den Mund gelegt?
Sprichst du zu mir im Auftrag deiner Frau?

Wlasta. In ihrem Auftrag nicht.

Primislaus. Nun also denn!
Das Recht auf Antwort nur gibt Recht zur Frage.

Wlasta. Doch wei wovon ich spreche meine Frau.

Primislaus. Das soll ich glauben eben weil du's sagst?

Wlasta. Als Zeichen denn, da nicht die Neugier blo,
Da mich ein hhrer Wink dazu berechtigt,
Sieh hier das Kleinod, dessen eine Hlfte
Du vorenthltst, und das man ganz begehrt.
(Das Mittelkleinod des Grtels aus dem Busen ziehend.)

Primislaus. Das schne Bild! Die glnzend reichen Steine!
Derlei sah ich in meinem Leben nicht.

Wlasta. Verstell dich nicht, es war in deiner Hand.

Primislaus. Wie kme derlei in die Hand des Pflgers?
O gib es mir, o la es mich betrachten!

Wlasta. Halt ab die Hand!
(Das Kleinod auf den Tisch ihr zur Seite hinlegend.)
 Hier leg ich es denn hin.
Du aber nun erflle was dir Pflicht.
Die Frstin will nicht lnger, kann's nicht dulden,
Da was ihr wert und teuer, heilig selbst,
In niedrer Hand, als offenkundig Zeugnis
Von einer halb vertraulichen Begegnung,
Zum Anspruch stempelnd was ein Zufall war.
Du sollst, du mut, die Frstin will es so.

(Dobromila kommt, hinter ihr Libussa, eine Fackel tragend, vom Kopf bis
zu den Fen mit einem dichten Schleier bedeckt.)

Dobromila. Wollt ihr nicht Licht? Der Abend dmmert schon.
Ich la euch hier der Dienrin helle Fackel.
Du aber Wlasta frdre dein Geschft.

(Sie geht. Libussa bleibt, die Fackel emporhaltend, im Mittelgrunde gegen
die linke Seite.)

Wlasta (da sie Libussa erblickt, vor sich hin).
Sie ist es selbst!

Primislaus. Scheint Wlasta doch beklommen!
Wr' sie's? O still mein ahnungsvolles Herz!

Wlasta (zu Primislaus).
Was not tut ward gesagt. Gehorche nun!

Primislaus. Ihr setzt so schnell voraus, was erst bewiesen,
Ein Unrecht bildete das auch ein Recht.
Nimm an: ich war es selbst, der einst bei Nacht
Begegnet eurer Frstin tief im Walde,
Nimm an: da aller Unterscheidung bar,
Sie mir erschien als Knigin der Weiber,
Nicht als das Weib das selber Knigin.
Der Glieder holder Reiz, der Stirne Thron,
Das Aug' das herrscht, die Lippen die befehlen,
Selbst wenn sie schweigen, ja im Schweigen mehr;
Sie riefen in die Seele mir ein Bild,
Das mich umschwebt seit meinen frhsten Tagen,
Und all mein Wesen es rief aus: sie ist's!
Ich wute nichts von ihrem Rang und Stand
Und nichts verbot zu hoffen und zu werben.
Sie schied, es kam der Tag. Des Kleinods Pracht,
Das in der Hand statt ihrer mir geblieben,
Bezeichnete sie wohl als hoher Abkunft;
Doch ist auch Primislav nicht niedern Stamms,
Ein Enkelsohn von Helden, ob nur Pflger.
Erst als die Sage von Libussas Unfall
Das Land durchzog, da war es pltzlich hell,
Und ich nur noch ein hoffnungsloser Tor.
Doch aus den Trmmern meines uern Glcks
Erbaute sich im Innern mir ein neues.
Wie Trauerfaltern kreisen um das Licht,
Umflogen meine Wnsche nun das Kleinod,
Was frher Zeichen, ward jetzt Gegenstand.
Ich trug's mit mir auf meiner warmen Brust,
Ich drckt' es an das Herz, an meinen Mund,
Das Eigentum verwechselnd mit dem Eigner--

Hei deine Freundin still die Fackel tragen,
Wir sind im Dunkeln wenn verlscht das Licht.

Wlasta. La die Erzhlung denn und komm zur Sache!

Primislaus. Ein Traum ist ja Erzhlung und sonst nichts.
Zerstrt war nun, fr immer schien's, mein Hoffen.
Da taucht's auf einmal wieder blinkend auf.
Zu meiner Htte kamen die Wladiken
Gefhrt von meinem Gaul, der fhrerlos,
Den Weg gefunden zu der frhern Heimat.
Da sprach es still in mir: Sie denkt noch dein,
Entschwunden ist ihr ganz nicht die Erinnrung
An jene Nacht, die holde Wunderzeit.
Nicht da ich glaubte, meine Niedrigkeit
Erhhe je mich zu der Hoheit Hhe
Nicht da ich glaubte, die Bedingung,
Die sie gesetzt den werbenden Wladiken,
Sie wrde je zum Anspruch fr mich selbst;
Allein den Schatten eines flcht'gen Eindrucks,
Den migen Gedanken: wenn's nicht so,
Wenn's anders wre in der Welt der Dinge,
Wenn dieser Umstand fort und jener da,
Wenn niedrig wre hoch und wenig viel,
Dann mcht' es sein, dann knnt' es wohl geschehn!
So viel, ein Nichts, ein schwebendes Atom,
Dacht' ich mir wach in eurer Frstin Seele.

Die Freundin dort wird ungeduldig, scheint's.
Wir mssen eilen, denn sie will von dannen.

Mit solcher Hoffnung kam ich schwindelnd her,
Das Herz trat mir in Ohr und Aug' und Lippe,
Doch kalter Spott und rcksichtsloser Hohn
Kam mir entgegen auf des Hauses Schwelle.

Wlasta. Du dachtest dir das Weib und fandst die Frstin.

Primislaus. Es ist die Herrschaft ein gewaltig Ding,
Der Mann geht auf in ihr mit seinem Wesen,
Allein das Weib, es ist so hold gefgt,
Da jede Zutat mindert ihren Wert.
Und wie die Schnheit, noch so reich geschmckt,
Mit Purpur angetan und fremder Seide
Durch jede Hlle die du ihr entziehst,
Nur schner wird und wirklicher sie selbst,
Bis in dem letzten Wei der Traulichkeit,
Erbebend im Bewutsein eigner Schtze,
Sie feiert ihren siegendsten Triumph.
So ist das Weib, der Schnheit holde Tochter,
Das Mittelding von Macht und Schutzbedrfnis,
Das Hchste was sie sein kann nur als Weib,
In ihrer Schwche siegender Gewalt.
Was sie nicht fordert das wird ihr gegeben
Und was sie gibt ist himmlisches Geschenk,
Denn auch der Himmel fordert nur durch Geben.
Doch mengt der Stolz sich in die holde Mischung,
Ein scharfer Tropfen in die reine Milch,
Dann lsen sich die Teile; stark und schwach
Und s und bitter treten auseinander,
Der Schtzung unterwerfend und Vergleichung
Was unschtzbar und unvergleichlich ist.

Selbst Wlasta du, als du noch Waffen bogst,
Mit rauher Stimme fordertest zum Kampf
Warst du nicht du, zum wenigsten kein Weib;
Doch seit die Freundin dort ins Zimmer trat,
Hat holde Scheu begeistert all dein Wesen,
Die Hand, die ich erfasse, zittert fast;
Du bist nicht stolz, wie jene Freundin scheint,
Die mit unwill'gem Fue tritt den Boden;
So bist du schn, dein Auge, nicht mehr starr,
Es haftet milden Glanzes an dem Boden
Die Wange frbt ein mdchenhaft Errten.

O weh! dein Haar ging los aus seinen Banden,
Als strebt' es, schamhaft selber, zu verhllen
Den holden Wandel aus dem frhern Trotz.
Ich streich es dir zurck. Nun wieder rein,
Erkenn ich dich im Spiegel deiner Seele,
Und wre nicht mein Herz auf andern Pfaden,
Ich sagte: Wlasta, kannst du fhlen weich?
Begreifst du da ein Innres schmelzen mu
Um eins zu sein mit einem andern Innern?
Hoffst du, entfernt von diesem stolzen Schlo,
Zu finden wieder Demut, Milde, Schwche?
Ist eine Htte dir ein Knigsbau,
Bewohnen Herrscher sie im eignen Hause?
Sag ja, sag ja! und stelle dich mir hher
Als deine Frstin steht, trotz Glanz und Pracht.

(Sich niederbeugend um ihr in die Augen zu sehen. Libussa hat einige
Schritte nach vorn gemacht, wie um zu sprechen, jetzt wirft sie die
Fackel weg und geht.)

Die Fackel fiel. La mich!

Wlasta (die die Fackel aufgehoben hat).
Die Frstin zrnt.

Primislaus. Wie wei die Frstin was wir hier beginnen?
Du schuldest Antwort mir auf meine Frage.
Ich la dich nicht, du mut mir Rede stehn!
Ich lsche dir die Fackel, dann im stillen
Vertraust du das Geheimnis meinem Ohr.
(Indem er wiederholt nach der Fackel greift und dadurch die Widerstrebende
nach rckwrts drngt.)

Wlasta. Verwegener und Sptter auch, zurck!
Ich fhle mich gelhmt zum Widerstand,
Denn bermut und Dreistigkeit vernichtet.

(Er hat ihr die Fackel entrissen und am Boden ausgelscht.)

Wir sind im Dunkeln.

Von auen. Wlasta!

Wlasta. Sieh mich hier!
(Durch die Tre ab.)

Primislaus (das auf dem Tische liegende Kleinod ergreifend und in den
Busen steckend).
Ich hab's, ich hab's! Wohl mir, die List gelang!
Dort seh ich einen Ausgang. Fort ins Freie!

(Indem er einer im Hintergrunde befindlichen Tre zueilt, erscheint
Libussa mit zurckgeschlagenem Schleier in der Tre links und winkt
mit gehobenem Arme. Eine Falltre im Boden bewegt sich.)

Der Boden weicht, ich sinke!
(Nach vorn gewendet.)
Ha, Libussa!
(Er versinkt.)

(Libussa zieht sich durch die Tre zurck.)


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Verwandlung

Der Thronsaal wie im dritten Aufzuge, im Mittelgrunde durch einen Vorhang
abgeschlossen. Es ist dunkel.


Primislaus' Stimme (hinter dem Vorhange).
Beschtzen mich die Gtter! Fort die Hnde!

(Er kommt hinter dem Vorhange hervor, gefolgt von mehreren schwarz
gersteten Mnnern.)

Primislaus. Lat ab!--Der Boden schwankt, die Sinne schwindeln.
Aus steiler Hhe rasch herabgeglitten,
Schlgt noch die Erde Wellen unter mir
Und die Bewegung setzt sich fort ins Innre.
Ich knnte sagen, tun, was fremd mir selbst.

Nun ist es wieder gut. Nun kommt nur an!
Was wollt ihr und was fordert man von mir?

Ihr schweigt? Sind eure blanken Schwerter Worte?
Und heischt mein Leben eure milde Frau?
O Gte, Gte, himmelsgleiche Gte
Wie preist dich hochentzckt ein ganzes Land!
Ich aber nenn es Willkr, Weiberlaune,
Die nur geleitet durch ein blind Gefhl
Hier ausgiet ihres Fllhorns berflu
Weil der Empfnger nah, weil er genehm,
Weil ihm ein dunkles Etwas Gunst verleiht,
Dort wieder nimmt, weil doch parteiisch Geben
Ein Geben und ein Nehmen ist zugleich.
Es ist die Welt kein traumgeschaffner Garten
Wo Duft und Farbenglanz den Platz bestimmt,
Die Rose Knigin und Raute, Lattich
Das Unkraut, das man austilgt mit dem Fu.
Ein Ungefhr verlieh mir Wert und Huld,
Doch beides nimmt ein launisch Zrnen wieder.
Und wenn Freigebigkeit aus Himmelshhn
Hernieder stiege zu der armen Erde,
Sie mte stehen menschlichem Ermessen
Und Antwort geben, wenn gefragt: warum?
Ich will gewogen sein mit gleicher Waage,
Wie hoch mein Anspruch und wie tief mein Fehl.
Der Willkr fgt kein Freier sich, kein Mann.

Ich sehe Ketten dort in euern Hnden
Hier sind die meinen, legt mir Fesseln an!
In Turmesnacht, von Lebenden geschieden
Will ich das Loblied singen eurer Frau,
Mich selber richten, da ich ihr vertraut.

Dir scheinen Ketten zu gelinde Strafe,
Ich seh's, du zckst das Schwert auf meine Brust.
Wohl wei ich was ihr wollt, was ihr begehrt;
Ich aber sagte: nein, und sag es noch.
War's auch ein Spiel nur, ein verwegner Scherz,
Den bermut zu bndigen durch List,
Den Anspruch mir zu wahren, der mein Recht,
Auf eurer Frstin Dank und Anerkennung.
Hab ich's verweigert, so verweigr' ich's noch,
Mein Leben setz ich ein fr meinen Willen.
Sto, Mrder, zu! ich bin in eurer Macht,
Der Gtter Schutz vertrau ich meine Seele.

(Er sinkt auf ein Knie und verhllt die Augen mit der Hand.--Libussa
ist von der linken Seite eingetreten. Auf ihren Wink haben sich die
Gewaffneten hinter den Vorhang zurckgezogen. Sie klatscht in die Hnde
und von den Seitenwnden schieben sich Armleuchter mit brennenden Kerzen
vor. Es ist licht.--Primislaus emporblickend.)

War das das Zeichen blutigen Vollzugs?

Du selber bist's? So traf mich schon der Sto
Und wall ich jenseits in den sel'gen Fluren,
Wo uns der Wunsch erfllt entgegenkommt?
Wo dieser Erde Druck und bittres Leiden
Als Kranz sich windet um der Sel'gen Haupt?
Du bist es nicht, du bist dein eigner Schatten,
Sei mir, dem gleichen Schatten, denn gegrt.

Libussa. Du lebst, doch leb auch ich. Ich bin Libussa
Und rhme mich Gerechten als gerecht.
Du hast mich schwer beschuldigt und ich komme
Dir Rede stehen, zu verteid'gen mich.

Primislaus. Verteid'gen dich? Bist du denn nicht die Hohe,
Die Himmlische, den hohen Gttern hnlich?
So wie die Sonne, wenn sie Wolken zog
Und Blitz auf Blitz den Horizont durchschneidet,
In Finsternis sich hllt die bange Welt;
Kaum da durch eine Spalte des Gewlks
Sie vortritt in der ewig gleichen Schne,
Das All die holde Dienstbarkeit erkennt,
Vergessen fast im Segen der Gewohnheit--
Bist du am offenbarsten wenn verhllt
Und trgst die Krone wenn du sie verleugnest.

Libussa. Nun sprichst du so, nachdem du lang verweigert.

Primislaus. Dem krnkenden Befehl.

Libussa. Nun denn: ich bitte.

Primislaus. Hrt ihr's ihr Mauern? Hrst du's laue Luft,
Die Wrme nimmt von ihrer Glieder Wrme?
Wir waren, o verzeih, setz ich dich gleich,
Wir waren wie die Kinder wenn sie schmollen,
Wegweisend was der Wunsch zumeist begehrt.

Nun fort auch jeder Anspruch, jedes Recht,
All was nicht Demut ist und Unterwerfung.
Womit ich binden wollte deine Huld,
Nimm es zugleich mit dem Gebundnen hin.
(Er hat das Kleinod aus der Brust gezogen und bietet es dar.)
O wren diese Hnde Purpurkissen,
Um wrdig dir zu bieten was das Deine.

Libussa. Die Hlfte deines Anspruchs wahrst du doch.
Es fehlt ein Teil, der voll erst macht das Ganze.
Ich mu dich klug, mu dich verstndig nennen,
Doch minder edel deucht mich was du tatst.
Sprich, ist es zart, wie's gegen Frauen ziemt,
Vorzuenthalten was ihr Wunsch begehrt,
Und sich durch List zu sichern was nur Gunst,
Nicht Recht noch Schlauheit eignet zum Besitz?

Primislaus. Ich gab es ja, gab's schon bei meinem Eintritt.

Wir sind am selben Ort der mich empfing.
Hier stehn die Blumen, meiner Armut Gabe,
Die man als wertlos nicht vom Ort verrckt.
So kommt denn ihr, gebt Zeugnis meinen Worten!
(Er hat den Korb aufgenommen.)
Den Sinnspruch hast du dennoch nicht erraten!
   Unter Blumen liegt das Rtsel
   Und die Lsung unter Frchten.
   (Er strzt den Korb zu ihren
   Fen auf den Boden.
   Die Kette liegt obenauf.)
   Wer in Ketten legte, hat sie,
(zurcktretend)
   Der sie trgt, ist ohne Kette.
Und nun erlaube, da gleich einer Magd
Ich wieder fge was der Zufall trennte.
(Er setzt sich auf die unterste Stufe des Thrones, indem er die Kette
trennend, das Mittelkleinod einfgt.)
   Wer mir die Kette teilt,
   Allein sie teilt mit keinem dieser Erde,
   Vielmehr sie teilt, auf da sie ganz erst werde;
(mit erhobener Stimme)
   Hinzufgt was, indem man es verlor,
   Das Kleinod teurer machte denn zuvor.
   O wtest du was mir bei diesem Wort
   Fr Hoffnungen durch meine Seele strmten!
   Ich war ein Tor!--Dein Auftrag nun erfllt,
   Leg ich mein Werk zu deinen Fen nieder
   Und kann nun scheiden ohne Schuld und Fehl.
(Er legt das Geschmeide auf die Blumen am Boden.)

Libussa. Noch einmal nenn ich klug dich und auch edel.
Bleib hier! Es will das Volk bestimmte Sprche.
Was mir der Geist, in Ahnungen verhllt
Und in Erinnrung an des Vaters Weisheit'
Mit unbewiesner Sicherheit verkndet,
Sie wollen's prfen, wollen es begreifen
Und ihres eignen Richters Richter sein.
Sei du der bertrager meiner Worte,
Kleid ihnen ein wie's ihrer Fassung ziemt,
Was ich errate mehr, als falich denke,
Und erst als heilsam sich als wahr bewhrt.

Primislaus. Du bist umworben von des Landes Hchsten,
Bald steht ein Gatte, Frstin, neben dir.
Mein Leben und mein Blut sind dir erbtig;
Doch dien ich keinem Mann.

Libussa. So glaubst du wirklich,
Die Toren trfe jemals meine Wahl?

Primislaus. Doch wenn das Land nun untersttzt die Werbung?

Libussa. So wirb auch du, ob hoffnungslos wie sie.

Primislaus. Sie sind, noch einmal, dieses Landes Beste.
Ich bin der Letzten einer, ohne Schutz.

Libussa. Du bist so machtlos nicht als du wohl glaubst.
Weit du?--Und eben deshalb kam ich her,
Trotz jenes Scherzes, erst im Turm, mit Wlasta.
Ich wei es war nur Scherz, doch war er frech
Und er verdiente wohl ein lngres Zrnen.
Doch kam ich her ob wirklicher Gefahr.
Weit du? Das Volk steht drauen vor den Toren,
Sie glauben dich in Haft, bedroht dein Leben
Und fordern dich zurck mit Wut und Trotz.

Primislaus. Ist hier kein Schwert? Wo sind die Waffenmnner,
Die kurz vorher sich feindlich mir genaht?
Ich will hinaus! ich will den Aufruhr lehren,
Da rohe Macht nur Macht ist im Gehorsam
Und Niedres sich vor Hherm willig beugt.

Libussa. Da wre ja der Schtzer den ich brauche!
Du bist ein Mann, dir folgen sie wohl willig,
Sehn sie in dir das Bild doch des Geschlechts.
Hartnckigkeit hat dich als Mann bewiesen.

Primislaus. Wenn du Beharrlichkeit statt dessen sagst,
Hast du genannt vielleicht den einz'gen Vorzug
In dem die Frau nachsieht dem festen Mann.

Libussa. Weshalb euch denn die Herrschaft auch gebhrt?
Doch wr' ich nun beharrlich so wie du,
Und legte von mir dieses Landes Krone,
Und liee die Beharrlichen beharren
In ihres Trotzes ungezhmter Gier?

Primislaus. O tu's, Libussa, tu's! Sei wieder jene
Als die du mir im Walde dort erschienst;
Der Rasenplatz dein Reich, und deine Krone
Du selbst, mit dir als Edelstein geschmckt.
Hll wieder dich in meiner Schwester Kleider,
Dieselben die ich oft ans Herz gedrckt,
Als freilich eines andern Krpers Hlle,
Der minder schn, doch nahe mir wie du.
Siehst du? wie hart ihr seid und karg und selbstisch?
Ich gab dir alles was mein Eigentum,
Mein treues Ro, der Schwester heil'ges Erbe
(Das Geschmeide mit dem Fue berhrend.)
Und ihr, ihr marktet um den blanken Tand,
Der kaum ein Tausendteil von deinen Schtzen.

Libussa. Es ist des Vaters teures Angedenken.

Primislaus. Ich hasse deine Eltern, deine Schwestern,
Die Wurzel und den Stamm--bis auf die Blte.

Libussa. Wohl gar auch mich?

Primislaus. Auch dich, sagt' ich beinah.
Weil ohne Worte du versprichst, und sprechend
Der Sprache deiner Anmut widersprichst.

Und dennoch warst du mein, in meiner Macht,
Als Zeuge nur die Luft und jene Bume.
Die Tat war ehrfurchtsvoll, doch die Gedanken
Sie haben ruberisch an dir gesndigt.
Als ich aufs Pferd dich hob, bei jedem Straucheln
Dir Hilfe bot, da fhlt' ich deine Nhe.
Den unberhrten Leib hab ich berhrt,
Ich wei wie warm die Pulse deines Lebens,
Und wer dich freit, wer dich von dannen fhrt,
Ich werd' ihm sagen: du bist nur der Zweite,
Den Vorschmack deines Glcks hab ich gefhlt.

Libussa. Ich werde zrnen wenn du achtlos sprichst.

Primislaus. Du zrnst ja schon und hast gezrnt, und Strenge
Ist all dein Wesen, bis auf jenen Tag.
Da warst du mild und lebst mir so im Herzen.

Als nun der Augenblick der Trennung kam,
Da sprach ich bang zu dir: Neig mir dein Haupt!
Und hing um deinen edlen Hals die Kette
Von der ich mir den besten Teil geraubt,
Das Kleinod das der Jungfrau Schmuck und Zier,
Das Sinnbild erster, ahnender Begegnung.
Jetzt ist es keine Kette mehr, die bindet,
Ein Grtel, den nur Weiberhand berhrt
Und anlegt um der Herrin schlanke Hften.
Bis jener kommt, der bindet ihn und lst
Und dem ich weiche, wie einst aus dem Leben.

Libussa. Bleib hier! Ob stolz, sollst du mir dienstbar sein.
Leg an den Grtel, hier an seinem Platz,
Und weh dem, der ihn noch nach dir berhrt!
(Mit erhobener Stimme.)
Ihr aber, die gewrtig meines Winks,
Herbei! Und seht was ihr begehrt erfllt.

(Mgde, Wladiken und Landleute treten ein. Libussa zu den Dienerinnen.)

Ihr aber helft ihm, er ist ungeschickt.

Primislaus. Ich zittre ja.

Libussa. Nun denn zum letztenmal.

(Die Dienerinnen legen ihr den Grtel vollends an.)

Ihr andern, die besorgt um euern Freund,
Er ist hier sicher. Er ist mein Gemahl.
Dient ihm wie mir, wenn nicht noch mehr als mir,
Denn ich ich dien ihm selbst als meinem Herrn.
Ich neige mich, folgt eurer Frstin Beispiel,

(Indem sie Primislaus' Hand ergreift und halb das Knie beugt, das Volk
aber kniet, fllt der Vorhang.)




Fnfter Aufzug

Lndliches Gemach von querliegenden Baumstmmen gefgt. Im Hintergrunde
zwei Mgde Libussas, die ein breites Tuch ausgespannt vor sich hinhalten,
indes eine andre am Boden kniend mit einem Griffel eine bezweckte Form
daran abzumessen scheint. Im Vorgrunde rechts ein Stuhl mit einem
darangelehnten Spinnrocken. Dobromila, als eben von der Arbeit
aufgestanden, steht daneben und sieht den im Hintergrunde Beschftigten
zu. Zu beiden Seiten Tren.


Wlasta (zur Tre links eintretend).
Ist eure Frstin wach?

Dobromila. Ah, Wlasta, du?

Wlasta. Und ist sie hergestellt von ihrem Siechtum?

Dobromila. Der Anla war so schn, und der Erfolg
Beglckt so berhoch, da etwas Schwche,
Schon als Erinnrung selber ein Genu.

Wlasta. Ihr habt euch hier recht lndlich eingerichtet.

Dobromila. Der Frst durchzieht das Land, und seine Gattin
Folgt ihm auf jedem Schritt, so da zur Zeit
Hier diese Htte unser Knigsschlo.

Wlasta. Und seid beschftigt auch. O Dobromila!
Du legtest kaum die Spindel aus der Hand.
Ihr seid herabgekommen gute Mdchen!

Dobromila. Wir sind vergngt.

Wlasta. Ich aber bin es nicht.
Mir widert der Befehl aus niederm Mund.
Drum ging ich zu den Schwestern deiner Frau
Auf Wischehrad. Zwar wohnt dort Langeweile,
Doch dient man gern wenn Hoheit heischt den Dienst.
Kann ich Libussa sprechen?

Dobromila. Schau, sie selbst!

(Libussa kommt aus der Seitentre rechts.)

Libussa. Ah, Wlasta, du bei uns! Was fhrt dich her?

Wlasta. Libussa, hohe Frau!

Libussa. Dein Aug' ist feucht
Was nur erpret der Starken diese Trnen?

Wlasta (zeigt mit Gebrde auf die umgebenden Gegenstnde).

Libussa. Ja so, du weinst um uns? Wir sind dir dankbar,
Man sagt kein irdisch Glck sei ungetrbt.
Nimmst du die Trbsal nun, statt uns, auf dich,
So freun wir uns um desto ungetrbter.

Wlasta. Der Abstand martert mich von einst auf jetzt.

Libussa. Ist dieser Abstand doch des Menschen Leben!
Von Kind zu Jungfrau, bis zuletzt das: jung,
Erst nur ein Wort, sich ablst von der Frau:
Der einz'ge Name treu uns bis zum Tode.

Wlasta. Du weichst mir aus; ein Zeichen da du's fhlst.
Mein Jammer ist, da ich die Hohe, Hehre
Mu unterwrfig sehn dem Sohn des Staubs.

Libussa. Du sprichst von Primislaus? O gutes Mdchen,
Wr' irgend Schmerz in meinem vollen Glck,
So wr' es, da mein Gatte jeden Strahl
Der Hoheit rcklenkt auf mein eignes Haupt;
Da wie ein Trger anvertrauter Macht,
Wie ein Verweser nur von fremdem Gut,
Er nie sich fhlt als Herr und als berechtigt.

Wlasta. Doch scheint mir was geschieht ist meist sein Wille.

Libussa. Es ist so, ja. Doch weit du auch warum?
Er hat fast immer recht. Wir haben, Mdchen,
Die Macht gebt zu eigenem Genu.
Wir pflckten ab die Blumen alles Guten,
Er geht vom Stamm herab bis zu der Wurzel,
Und schon des Samenkornes hat er acht.
Wir fhlten in dem fremden Glck das eigne,
Er liebt im fremden fast das fremde nur,
Das Edle selbst, das wohltut hherm Sinn,
Weist er zurck und duldet das Gemeine
Wenn allgemein der Nutzen und die Frucht.
Drum wo uns Widersetzlichkeit gedroht,
Dort findet er Gehorsam. Jeder hilft
Teilnehmend am Vollbringen, am Vollbrachten.
Es ist so schn fr andere zu leben!
Lebt er fr sie, warum nicht ich fr ihn?

Wlasta. Doch deine Schwestern sind nicht gleichen Sinns,
Sie fhlen noch die angestammte Hoheit
Und es belstigt sie die neue Zeit.
Im Walde, wo ihr Schlo, ertnt die Axt,
Der tausendjhr'gen Eichen Stmme fallen
Zu niedrigem Gebrauch. Der Felsen Innres
Durchwhlt der Eigennutz und sprengt die Fugen,
Dem Licht verflossen seit dem Schpfungstag,
Um Steine sich zu brechen frs Gehft,
Fr seiner Herde schmutzige Umfriedung.
Sie aber, deine Schwestern, wollen einsam
Und ungestrt vom lauten Pbelschwarm
Dem geist'gen Anschaun leben, der Betrachtung.

Libussa. Ich sag es meinem Gatten, kehrt er wieder,
Wenn irgend mglich, stellt er's hilfreich ab.

Wlasta. Wenn mglich nur? Was wr' der Macht unmglich?

Libussa. Das Unvernnft'ge, Kind, und was nicht billig.

Wlasta. Bezweifelst du ihr Recht und ihre Hoheit?

Libussa. Ich zweifle nicht und liebe nicht zu zweifeln.
All was sich selbst gemacht im Lauf der Dinge
Dnkt als natrlich mir zugleich im Recht.
Mein Gatte aber prft und untersucht
Und jeder Anspruch mu ihm Rede stehn
Als allen ntzlich in der Hand des einen.
Allein mich deucht er selber kehrt zurck;
Vereinen wir denn beide unsre Bitten.

(Primislaus kommt.)

Primislaus. Libussa, hohe Frau!

Libussa. Nimm als Entgegnung:
Mein hoher Gatte; somit Herr der Frau.

Primislaus. Wir haben uns geplagt den langen Morgen,
Der Tag ist hei, fast fhl ich mich ermdet.

Libussa. So sitz!

Primislaus. Hier ist kein zweiter Stuhl fr dich.

Libussa. Wohlan denn: so befehl ich dir zu sitzen,
Und du befiehl, da ich hier steh bei dir.
Nimm dieses Tuch, ich trockne dir den Schwei.

Primislaus (der sich gesetzt hat und die Stirne trocknet).
Wir waren frh am Werk und gingen rastlos,
Ich und die ltesten, rings durch die Gegend.
Und sahen uns den Ort und seine Lage.
Weit du denn auch? wir bauen eine Stadt.
Wenn du's genehmigst nmlich und es billigst.

Libussa. Sag mir vorerst: was nennt ihr eine Stadt?

Primislaus. Wir schlieen einen Ort mit Mauern ein
Und sammeln die Bewohner rings der Gegend,
Da hilfreich sie und wechselseitig frdernd
Wie Glieder wirken eines einz'gen Leibs.

Libussa. Und frchtest du denn nicht, da deine Mauern,
Den Menschen trennend vom lebendigen Anhauch
Der sprossenden Natur, ihn minder fhlend
Und minder einig machen mit dem Geist des All?

Primislaus. Gemeinschaft mit den wandellosen Dingen
Sie ladet ein zum Fhlen und Genieen,
Man geht nicht rckwrts lebt man mit dem All;
Doch vorwrts schreiten, denken, schaffen, wirken
Gewinnt nach innen Raum, wenn eng der ure.

Libussa. Doch sind die Menschen strenggeschiedne Wesen,
Ein jeder ist ein andrer und er selbst;
Die enge Nhe, strende Gemeinschaft
Schleift ab das Siegel jeder eignen Geltung,
Statt Menschen hast du viele die sich gleich.

Primislaus. Was jeder abgibt geben auch die andern
Und so empfngt der eine tausendfach.
Es ist der Staat die Ehe zwischen Brgern,
Der Gatte opfert gern den eignen Willen,
Was ihn beschrnkt ist ja ein zweites Selbst.

Libussa (die Hand auf seine Schulter legend).
Wohl, ich verstehe das mein Primislaus,
Und also bau nur immer deine Stadt.
Allein warum denn hier, an dieser Stelle,
Wo manchen sie belstigt und beirrt?

Primislaus (aufstehend).
Siehst du, die Moldau, dieses Landes Ader,
Die blutverbreitend durch den Krper strmt,
Hier hat versammelt sie all ihre Quellen
Und breitet sich in weiten Ufern aus.
Noch weiter unten fliet sie in die Alb,
Mit der vereint sie durch die Berge bricht,
Die scheiden unser Land vom deutschen Land
Und strmt mit ihr, so sagt man, bis ins Meer.
Steht unsre Stadt nun hier, so baun wir Schiffe
Und laden auf des Landes berflu
An Frucht, an Korn, an Silber und an Gold.

Libussa. So achtest du das Gold?

Primislaus. Ich nicht, doch andre,
Und andern eben bieten wir es dar.
So schafft uns Tausch was hier noch etwa fehlt.

Libussa. Gengsamkeit ist doch ein groes Gut!

Primislaus. Befriedigt ist das Tier nur und der Weise,
Den Menschen, die gleich mir und gleich den meisten
Ward das Bedrfnis als ein Reiz und Stachel
Von ew'gen Mchten in die Brust gelegt,
Bedrfnis das sich sehnt nach der Befried'gung
Und dort auch noch zu neuen Wnschen keimt.
Hat auch das Land was ihm zur Not genug;
An unsern Grenzen wohnen andre Vlker,
Die streben vor und mehren ihre Macht.
Das Viel und Wenig liegt in der Vergleichung
Und in der Truhe mindert sich der Schatz.
Wer Hundert hat und sich damit begngt,
Er hat's nicht mehr, zhlt jeder Nachbar Tausend.

Nebstdem ist dieses Werk nicht mehr mein eignes.
Des Landes lteste die mich begleitet
Als wir umschritten rings den weiten Raum,
Sie haben sich, einstimmend meinen Grnden,
Gesamt erklrt fr diesen selben Ort.

Libussa. So hltst du sie fr weiser denn als dich?

Primislaus. Ich wei nicht. Etwa nein. Allein, Libussa,
Wenn wir das Ganze besser berschaun,
Verstehn die einzelnen was einzeln besser
Und ihren Rat nicht acht ich ihn gering.
Dann, glaubst du nicht, da wenn sie eingewilligt,
Mit Doppelkraft sie an die Arbeit gehn?
Nicht nur den eignen Nutzen liebt der Mensch,
Die eigne Meinung hat ihm gleichen Wert,
Er hilft dir gern, sieht er im Werk das seine.

Ja selbst der Himmel, scheint's, stimmt mit uns ein.
Wir gingen lang, ich und die ltesten,
Die zgernd folgten, Zweifel in den Blicken,
Ihr ganzes Wesen ein vernehmlich: Nein,
Da schallt mit eins der Wald von Axtesschlgen
Und einen Mann gewahren wir, der rstig
Sich einen Eichbaum fllt mit voller Kraft.
Wir fragen ihn wozu das Werkstck solle?
Da sagt er: Prah! was in des Volkes Munde
So viel als Schwelle heit, des Hauses Eingang.
Da uns nun beim Beginn des neuen Werks
Die Schwelle gottgesandt entgegenkomme,
Das fiel die Mnner, wie von oben, an.
Hier soll sie stehn, so riefen sie, die Stadt,
Und Praga soll sie heien, als die Schwelle,
Der Eingang zu des Landes Glck und Ruhm.

Libussa. Die Schwelle, das ist gut.

Primislaus. Nicht wahr, Libussa?
Ich seh es glhen hoch in deinem Auge,
Wir stehn auf deines Geistes Machtgebiet.
Man schelte mir die Vorbedeutung nicht!
Wenn irgendein Gedanke, tatenschwanger
Und einer Zukunft wert, entsteht im Menschen,
Dann sammeln sich nicht nur die eignen Krfte,
Da Geist und Leib vereint im selben Punkt,
Auch die Natur, die roh gedankenlose,
Sie fhlt den Anhauch eines geist'gen Wehns
Und eilt als Mittel sich dem Werk zu fgen,
Anteil zu nehmen an der edlen Tat.
Was weit entfernt und scheinbar widersprechend
Es nhert sich, gibt auf den Widerstand,
Das Unerklrte schimmert von Bedeutung,
Und eine Seele wird ihm der Gedanke,
Um den sich schart was feindlich sonst und starr.
Da mag denn auch, vorahnend was geschieht,
Wie einer schweigend nickt wenn man ihn frgt,
Die Krperwelt durch Bild und Vorbedeutung
Andeuten was erlaubt und ihr genehm.

Libussa. Ich sehe dich bekehrt zu meiner Meinung.

Primislaus. Ich bin es, ja, und war es immerdar.
Schlecht ist der Ackersmann, der seine Frucht
Von Pflug und Karst, von seinem Mhn erwartet
Und Licht und Sonne, was von oben kommt,
Nicht als die Krone achtet seines Tuns.
Es wirkt der Mensch, der Himmel aber segnet.

Und also vorbereitet, wirst du uns
Versagen nicht die Huld um die wir flehn.

Libussa. Was ist es Primislaus was ihr begehrt?

Primislaus. Ich wnsche dieses Werk als Gtterwille,
Als einen Wink von oben angesehn.
Wir haben einen Altar aufgerichtet
Und Opfer sollen weihen unsern Platz.
Wr's dir genehm, nach deinem hhern Wissen,
Der Feier vorzustehn in Priesterart?
Vielleicht, da die Betrachtung ferner Zukunft
Ein Wort dir eingibt, das den Mut befeuert
Und des Gelingens Hoffnung uns belebt.

Libussa. Es schweigt der Geist seit lang in meiner Brust.
Ich bin nicht wie die Schwestern, deren Ausspruch
Aus strengbewiesnen, sichern Quellen rinnt;
Nur manchmal, wenn ich meines Vaters dachte
Und meiner edlen Mutter, die, ein Rtsel,
Wie hhern Ursprungs, unter uns geweilt,
Da kam mich an ein unerklrtes Schauen,
Ich fhlte: also mu es, werd' es sein,
Und siehe da! es war; ich wei nicht wie.
Doch scheint's, nicht nur des Krpers rauhe Gaben,
Die edeln auch des Geistes brauchen bung,
Sonst schlummern sie auf weichen Kissen ein.
Seitdem ich angewohnt, mich deiner Weisheit,
Mich deinem tiefen Sinne zu vertraun,
Entsteht kein Bild mir mehr in meinem Innern,
Des Schauens edle Gabe scheint verwirkt.

Primislaus. Die Gtter geben nicht auf da sie nehmen
Und was du warst das bleibst du ewiglich.

Libussa. Auch bin ich schwach von meinem letzten Siechtum.
Mt' ich mich zwingen, steigern mit Gewalt,
Der Leib ertrg' es nicht, glaub, ich erlge.
Obwohl's mich lockte, noch einmal, zum letzten,
Hinanzuklimmen auf des Schauens Hhn,
In Bild zu kleiden--schwerer Ahnung Trume
Und zu verkrpern was noch wesenlos.
Doch glaub ich, Primislaus, mehr als die Seh'rin
Liebst du dein Weib. Ich will sie dir erhalten.

Primislaus. Du lehnst es ab, braucht's da noch weitern Grund?
Und unsers Werkes Absicht auch mifllt dir.
Du bist die Frau in diesem weiten Land
Und ich der erste deiner Untertanen.
(Zu einem Begleiter.)
Bestellt die Feier ab und sagt den Mnnern
Das Weitere erfahren sie demnchst.
(Der Angesprochene geht.--Primislaus zu Wlasta.)
Und nun zu dir!

(Libussa hat Dobromila einen Wink gegeben und entfernt sich whrend des
folgenden, nur von dieser gefolgt, unbemerkt durch die Seitentre rechts.)

 Ich kenne deine Sendung.
Ich wei, da deine Frauen, nur sich selbst
Und ihres Ursprungs dunklen Quell betrachtend,
In unfruchtbares Sinnen tief versenkt,
Mit Feindesaugen all mein Tun betrachten.
Da die Vermengung mit dem Menschenschicksal,
Da alles was gemeinsam sie verletzt
Mich aber widert's an, als schlauer Hirte
Zu weiden einer Herde gleich das Volk,
Nur hoch, weil andre niedrig und beschrnkt.
Belstigt sie die laute Menschenmenge,
Wir haben andre Schlsser noch im Land,
Dort mgen sie mit ihrer Jungfraun Schar
In unnahbarer Abgetrenntheit weilen,
Und das Gewohnte, weil es doch bequem,
Starr wie sie selbst, fr ew'ge Zeit bewahren.
Wir wollen weiter, weiter in der Bahn,
Ich und mein Volk, als Brger und als Menschen.

So sagt' ich dir, wenn nicht Libussa selber
Mit ihren Schwestern diesmal einig dchte.
Sie billigt's nicht, damit zerrinnt mein Vorsatz,
Und deine Frauen mgen ruhig hausen
Von mir und von der Wohlfahrt ungestrt.

Wlasta. Die Kunde wird die Schwestern hoch erfreun,
Zumal als Zeichen, da Libussa frei
Und Herrin noch von ihrem Tun und Wollen.

Primislaus. Wer zweifelt dran? Ist nicht das Land,
Bin ich nicht selbst ihr dienend zu Gebot?

Wlasta. Sie liebt und fgt sich, nennst du das wohl frei?

Primislaus. Wer frei sich fgt den nenn ich nicht gezwungen.

Wlasta. Wer seinem innern Wesen widerspricht
Der ist gezwungen, ob durch sich, durch andre.
Glaubst du, Libussa sei Libussa noch
Als Ordnerin des Hauses, als die Herrin
Von Mgden die die laute Spindel drehn?
Hat darum Krokus unser hoher Herr
Sich einer gttergleichen Frau vermhlt,
Da seine Tchter mit gemeiner Sorge,
Mit engem Treiben um ein Nichts bemht?
Sie fhlt es nicht, allein ihr Wesen fhlt's.
Wo ist der Blitz des Augs, das adlergleich
Die Zukunft ma wie eine Gegenwart?
Wo ist die Kraft, die hebend ihre Brust,
Zu sich erhob was nah und was entfernt?
Sie sehnt sich nach den Schwestern, glaube mir,
Dort ist ihr Platz, hier ist nur ihre Sttte.

Primislaus. Und doch flieht sie der Schwestern Gegenwart.

Wlasta. Weil sie sich scheut vor ihren eignen Wnschen.
Schon einmal sandte sie mich auf ihr Schlo
Und bat um Rckkehr in den Kreis der Ihren.

Primislaus. War spter das als unsrer Ehe Bund?

Wlasta. Es war vorher.

Primislaus. Du sprichst dir selbst die Antwort.
Umgeben ist sie hier mit aller Ehrfurcht,
Vor ihrem Willen beugt sich jedermann.
Selbst unsre Stadt, die wir schon Praga nannten,
Wir gaben sie mit schwerem Herzen auf,
Weil ihr die Absicht nicht, das Werk, gefiel.
Sie ist Gebieterin.

Wlasta. Hier meine Antwort.

(Libussa kommt schwarz gekleidet, von zwei Dienerinnen gefolgt, aus
der Seitentre.)

Primislaus. Libussa, du, in Trauerart gekleidet?
Wahrhaftig, du bist bleich.

Libussa. Wohl nur der Abstich
Der dunkeln Kleider, dir seit lang entwohnt.
So ging ich einst an meines Vaters Seite,
So ging die Mutter, gehen meine Schwestern,
Und soll ich sammeln mich wie sonst im Geist,
Mu ich mich auch umgeben so wie sonst.
Die Gabe, wenn sie frisch, braucht keine Hilfe,
Doch wird sie schwach, so ist ihr selbst das ure
Ein Notbehelf, ein Anker der sie hlt.
Und nun la uns hinaus nur zu den Mnnern.

Primislaus. Was willst du?

Libussa. Euren Platz, die Sttte weihn.

Primislaus. Wir haben's abbestellt und aufgegeben.

Libussa. Um meinetwillen soll kein Reifbedachtes
Und vielen Ntzliches zugrunde gehn.
Die Sorge fr das Volk ist meine Pflicht,
Da schweigen billig kindische Bedenken.

Primislaus. Ich duld es nimmermehr.

Libussa (mit dem Fue auftretend).
 Ich aber will es.--
Verzeih mein Primislaus! Der alte Geist
Er kam zurck mit diesen dunkeln Kleidern.
Du mut dich fgen, wie du dich gefgt
Als wir noch kmpften--zwar ich ward besiegt.
(Zu Dobromila.)
Der Grtel drckt, bind ihn mir loser.

Dobromila. Herrin,
Er liegt schon locker jetzt.

Libussa (zu Primislaus).
Kennst du den Grtel?

Primislaus. Leg ihn von dir wenn er die Brust beengt.

Libussa. Er folgt mir bis ins Grab. Und dann, mein Gatte,
Er bringt mir das Gedchtnis meines Vaters
Und meiner Schwestern vor den dunkeln Sinn.
Da wachen Bilder auf und gehn und kommen,
Ich seh in ihrem Geist was trb in mir.
Nur jetzt!--Doch sind sie traurig. Fort mit ihnen!

Wlasta. Und glaubst du dich berechtigt ihn zu tragen?

Libussa. Mein Vater gab ihn mir, so wie den Schwestern.

Wlasta. Er gab ihn euch als Jungfraun, Unvermhlten,
Als unberhrt von dieser Erde Harm,
Als Zeichen eines hhern Stamms und Ursprungs.
Du hast vermengt dich mit dem Irdischen,
Bist ausgetreten aus dem Kreis der Deinen.
Die Steigerung, die heilige Begeistrung,
Dir sonst natrlich, ist nur noch ertrotzt,
Erzwungen. Wag's nicht, du ertrgst es nicht.

Libussa. Ich will nicht nutzlos sein im Kreis der Dinge.
Kann ich nicht wirken in der Zeit, die neu,
So will ich segnen--euch, das Volk und mich.
Darum ans Werk! Bringt dunkles Harz
Und Bilsenkraut, Stechapfelsamen
Und werft es in die Glut. Wir wollen's schlrfen,
Mit Rauch umnebeln unsern matten Sinn,
Da er im Schlafe wacht und schlft im Wachen.
(Da Primislaus sich ihr nhert.)
Ich will's, ich will's! Schon hab ich euch's gesagt.
Und endlich freut's dich doch, dient deiner Absicht.
Hinaus, hinaus!
(An der Tre stehenbleibend.)
 Und kehren wir zurck,
So bin ich wieder dein gehorsam Weib. (Ab.)

Primislaus. Ich duld es nicht!
(Er eilt ihr nach.)

Wlasta. Du wirst, du mut dich fgen,
Der Wurf geworfen, fllt das Los--und trifft.
(Sie folgt.)


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Freier Platz mit Bumen umgeben. Im Mittelgrunde, gegen die rechte
Seite zu, ein Hgel mit einem Opferaltare auf dem ein Feuer brennt;
daneben ein goldener Stuhl. Volk fllt den Hintergrund, darunter die
Wladiken.

Lapak (nach vorn kommend).
Das Fest ist abgestellt.

Domaslav. Um so viel besser!
(Halblaut.)
Was ist auch diese schlauentworfne Stadt
Als Schwchung unsers Ansehns, unsrer Macht?
Wenn erst das Volk in groer Zahl vereint,
Ist von uns jeder minder als er war,
Der Mcht'ge kaum gewachsen so viel Kleinen.

Biwoy. Es bleibt der Mann ein Mann, das Schwert ein Schwert.

Lapak. Lat uns nach Haus.

Domaslav. Doch seht, dort kommt die Frstin.
So will man doch--

Lapak (sich zurckziehend).
 Erwarten wir's in Demut.

(Libussa mit starken Schritten voraus. Hinter ihr Primislaus, Wlasta
und Gefolge.)

Libussa. Hier ist der Ort und dort ist meine Stelle.
(Gegen den Altar gewendet.)

Primislaus. Noch einmal bitt ich dich: La ab Libussa!

Libussa. Du hast den Geist in mir heraufbeschworen,
Wie schwach er ist, doch drngt er jetzt als Geist.
(Zu den Dienerinnen.)
Legt Kruter in die Flamme, die ich gab
Und Wlasta kennt; wir wollen rasch vollenden.

Primislaus. La uns den Bau beginnen, wenn du's billigst,
Die Weihe sparen wir fr sptre Zeit.

Libussa. Den Gttern ist der Anfang und das Ende,
Was ohne sie beginnt, vergeht beim Anfang.

Du Primislaus leb wohl! heit das: auf kurz,
Bis wir uns wiedersehn auf lange--lange.
(Sie hat den Hgel bestiegen.)
Der Rauch steigt nicht empor, ein bses Zeichen,
Indes in mir die sonst'ge Flamme Rauch.
(Sie setzt sich.)
Der Geist erloschen und der Krper schwach.
(Ihr Haupt sinkt auf die Brust.)

Domaslav (zu Biwoy halblaut).
Mir deucht sie schlft.

Primislaus. Libussa.

Wlasta. La sie, la!
Wenn du sie strst, gefhrdest du ihr Leben.

Libussa. Gehtet hab ich euch dem Hirten gleich,
Der seine Lmmer treibt auf frische Weide.
Ihr aber wollt nicht mehr gehtet sein,
Wollt selbst euch hten, Hirt zugleich und Herde.
So will's vielleicht der Gang der raschen Welt,
Das Kind wird Mann, der Mann ein Greis--und stirbt.
(Sich zurcklehnend.)
Im Geiste seh ich einen schnen Garten
Und drin zwei Menschen beiderlei Geschlechts
Und einen Gttlichen, das Bild der Gte,
Der ihnen freigibt jede Frucht und jeden Baum,
Bis nur auf einen, dessen Frucht Erkennen.

Ihr habt gegessen von dem Wissens-Baum
Und wollt euch fort mit seiner Frucht ernhren.
Glck auf den Weg! ich geb euch auf von heut.
Und eine Stadt gedenkt ihr hier zu baun;
Hervorzugehn aus euern frommen Htten,
Wo jeder war als Mensch, als Sohn und Gatte,
Ein Wesen das er selbst und sich genug.
Nicht Ganze mehr, nur Teile wollt ihr sein
Von einem Ganzen, das sich nennt die Stadt,
Der Staat, der jedes einzelne in sich verbringt,
Statt Gut und Bse, Nutzen wgt und Vorteil
Und euern Wert abschtzt nach seinem Preis.
Aus eurem Land, das euch und sich genug,
Beglckt mit allem was das Leben braucht,
Von Bergen eingeschlossen die sein Schutz,
So da wenn rings so Land als Meer verginge,
Es fr sich selbst bestnde, eine Welt,
Wollt ihr heraus mit habbegier'gem Trachten
Und heimisch sein im Fremden, fremd zu Haus.

Seht an den Bach, so schn in seinen Ufern,
Wie alles blht und lacht, wie froh er murmelt;
Doch strebt er weiter, weiter bis zum Strom,
Ergiet sein Wasser in die fremden Wellen,
Dann wird er breit und tief und rasch und mchtig,
Doch Diener eines andern, nicht er selbst,
Nicht mehr der Bach mit seinen klaren Wellen.

Es lsen sich der Wesen alte Bande,
Zum Ungemenen wird was hold begrenzt,
Ja selbst die Gtter dehnen sich und wachsen
Und mischen sich in einen Riesengott;
Und allgemeine Liebe wird er heien.
Doch teilst du deine Liebe in das All,
Bleibt wenig fr den einzelnen, den nchsten,
Und ganz dir in der Brust nur noch der Ha.
Die Liebe liebt den nahen Gegenstand,
Und alle lieben ist nicht mehr Gefhl,
Was du Empfindung whnst ist nur Gedanke,
Und der Gedanke schrumpft dir ein zum Wort,
Und um des Wortes willen wirst du hassen,
Verfolgen, tten--Blut umgibt mich, Blut,
Durch dich vergossen fremdes und von Fremden deines--
Die Meinung wird dann wten und der Streit,
Der endlos, weil die Meinung nur du selbst
Und du der Sieger bist und der Besiegte.
Lst endlich sich die Zwietracht auf in Nichts,
Bleibt dir die Welt behaftet mit der Willkr.
Da du so lange dich in Gott gedacht,
Denkst du zuletzt den Gott nur noch in dir.
Der eigne Nutzen wird dir zum Altar
Und Eigenliebe deines Wesens Ausdruck.
Dann wirst du weiterschreiten fort und fort,
Wirst Wege dir erfinden, neue Mittel
Fr deinen Gtzendienst, dem gier'gen Bauch
Und der Bequemlichkeit zur eklen Nahrung.
Durch unbekannte Meere wirst du schiffen,
Ausbeuten was die Welt an Nutzen trgt,
Und allverschlingend sein vom All verschlungen.

Nicht mehr mit blut'gen Waffen wird man kmpfen,
Der Trug, die Hinterlist ersetzt das Schwert.
Das Edle schwindet von der weiten Erde,
Das Hohe sieht vom Niedern sich verdrngt.
Und Freiheit wird sich nennen die Gemeinheit,
Als Gleichheit brsten sich der dunkle Neid.
Gilt jeder nur als Mensch, Mensch sind sie alle,
Krieg jedem Vorzug heit das Losungswort.
Dann schlieen sich des Himmels goldne Pforten,
Begeisterung und Glauben und Vertraun
Und was herabtruft von den sel'gen Gttern
Nimmt nicht den Weg mehr zu der flachen Welt.
Im Leeren regt vergebens sich die Kraft
Und wo kein Gegenstand da ist kein Wirken.
Lat mich herab! ich will nicht weiter forschen,
Die Sinne schwindeln und der Geist vergeht.

Primislaus. Libussa komm zu uns! Ich seh's, du leidest,
Und unser Werk--wir geben's auf von heut.

Libussa. Baut eure Stadt, denn sie wird blhn und grnen.
Wie eine Fahne einigen das Volk.
Und tchtig wird das Volk sein, treu und bieder,
Geduldig harrend bis die Zeit an ihm.
Denn alle Vlker dieser weiten Erde,
Sie treten auf den Schauplatz nach und nach:
Die an dem Po und bei den Alpen wohnen,
Dann zu den Pyrenen kehrt die Macht.
Die aus der Seine trinken und der Rhone,
Schauspieler stets, sie spielen drauf den Herrn.
Der Brite spannt das Netz von seiner Insel
Und treibt die Fische in sein goldnes Garn.
Ja selbst die Menschen jenseits eurer Berge,
Das blaugeaugte Volk voll roher Kraft,
Das nur im Fortschritt kaum bewahrt die Strke,
Blind wenn es handelt, ratlos wenn es denkt,
Auch sie bestrahlt der Weltensonne Schimmer
Und Erbe aller Frhern glnzt ihr Stern.
Dann kommt's an euch, an euch und eure Brder,
Der letzte Aufschwung ist's der matten Welt.
Die lang gedient sie werden endlich herrschen,
Zwar breit und weit, allein nicht hoch noch tief;
Die Kraft, entfernt von ihrem ersten Ursprung,
Wird schwcher, ist nur noch erborgte Kraft.
Doch werdet herrschen ihr und euern Namen
Als Siegel drcken auf der knft'gen Zeit.
Doch bis dahin ist's lang. Was soll ich hier?
Ihr habt gelernt Begeisterung entbehren,
Ihr fragt den Geist und gebt die Antwort selbst.
Ich sehe meinen Vater, meine Mutter,
Sie ziehen fort und lassen mich allein.
Auch diese Flamme, seht nur, sie erlischt,
Und statt der Glut umnebeln mich die Dmpfe,
Sonst ungewohnt und nun belastend mich.

(Da die oben stehende Dienerin die Flamme anfachen will.)

La nur! Die Flamme lischt, ich fhl es wohl.

Primislaus. Lat mit Gewalt sie uns vom Altar reien,
Ihr teures Dasein, frcht ich, ist bedroht.

Libussa (aufstehend).
Hrt ihr? Das sind der Schwestern Wanderschritte.
Ihr habt vom Wischehrad sie ausgetrieben,
Sie ziehen fort und lassen mich allein.
Was soll ich noch, die Eltern-, Schwestern-lose?
Euch selber bin ich nur die Mrchen-Kund'ge,
Auf die ihr hrt so weit es euch gefllt,
Und handelt wie's euch eingibt eigne Lust.
Ich aber rede Wahrheit, Wahrheit, nur verhllt
In Gleichnis und in selbstgeschaffnes Bild.

Da kommen sie die Schwestern, die Vertriebnen,
Sie fliehn vor euch wie ihr vor ihnen floht.

(Kascha und Tetka, von ihren Jungfrauen paarweise begleitet, kommen
ber eine Anhhe im Hintergrunde.)

Libussa. So zieht ihr fort?

Kascha. Nimm unsern Gru zum Abschied.

Libussa. Wo aber hin?

Tetka. Ins Elend, in die Welt.

Primislaus. Sucht aus den Schlssern dieses weiten Landes
In Berg und Tal euch aus den knft'gen Sitz.

Kascha. Wir haben nichts mit dir.
(Zu Libussa.)
 Gehst du nicht mit?

Libussa. Ich kann nicht, seht ihr wohl.

Kascha. Wir warnten dich.
Warum hast du an Menschen dich geknpft?

Libussa. Ich liebe sie, und all mein Sein und Wesen
Ist nur in ihrer Nhe was es ist.

Tetka. Sie aber tten dich.

Libussa. Vielleicht.--Und doch:
Der Mensch ist gut.--O bleibt noch, bleibt! Ich fhle
Wie eure Gegenwart den mcht'gen Geist,
Der halb erloschen, neu zu Flammen facht.
Der Mensch ist gut, er hat nur viel zu schaffen,
Und wie er einzeln dies und das besorgt,
Entgeht ihm der Zusammenhang des Ganzen.
Des Herzens Stimme schweigt, in dem Getse
Des lauten Tags unhrbar bertaubt,
Und was er als den Leitstern sich des Lebens
Nach oben klgelnd schafft, ist nur Verzerrung,
Schon als verstrkt, damit es nur vernehmlich.
So wird er schaffen, wirken, fort und fort.
Doch an die Grenzen seiner Macht gelangt,
Von allem Meister was dem Dasein not,
Dann wie ein reicher Mann, der ohne Erben
Und sich im weiten Hause fhlt allein,
Wird er die Leere fhlen seines Innern.
Beschwichtigt das Getse lauter Arbeit,
Vernimmt er neu die Stimmen seiner Brust:
Die Liebe, die nicht das Bedrfnis liebt,
Die selbst Bedrfnis ist, holdsel'ge Liebe;
Im Drang der Kraft Bewutsein eigner Ohnmacht;
Begeisterung, schon durch sich selbst verbrgt,
Die wahr ist, weil es wahr ist da ich fhle.
Dann kommt die Zeit, die jetzt vorbergeht,
Die Zeit der Seher wieder und Begabten.
Das Wissen und der Nutzen scheiden sich
Und nehmen das Gefhl zu sich als Drittes;
Und haben sich die Himmel dann verschlossen,
Die Erde steigt empor an ihren Platz,
Die Gtter wohnen wieder in der Brust,
Und Demut heit ihr Oberer und Einer.
Bis dahin mcht' ich leben, gute Schwestern,
Jahrhunderte verschlafen bis dahin.
Doch soll's nicht sein, die Nacht liegt schwer am Boden
Und bis zum Morgen ist noch lange Zeit.
Die Kraft versiegt, mein Auge schwimmt im Dunkel.
Fort alles was um mich noch Gegenwart,
Die Luft der Zukunft soll mich frei umspielen.
Fort dunkler Schleier und du teures Kleinod,
Du drckst die Brust, belastet zentnerschwer.
(Schleier und Grtel von sich und den Hgel herabwerfend.)
Nun ist mir leicht. Ich sehe grne Felder
Und weite Wiesen, himmlisch blaue Luft.
Die Erde schwankt, der Boden steigt empor,
Doch immer weiter, grer wird der Abstand.
Ein dunkler Schmerz er kriecht an meine Brust,
Ich sehe nicht mehr die mir angehren.
(In den Stuhl zurcksinkend.)
O Primislaus war das dein letzter Ku?

Primislaus. Libussa, meine Gattin, all mein Glck!

Kascha. Es stand dir nah, du stieest es zurck.
Geliehen war sie euch und nicht geschenkt,
Vertraun gehorcht, der Eigenwille denkt.
Wir nehmen sie mit uns auf unsrer Fahrt,
Bis ihr des Segens wrd'ger als ihr wart.
(Indem sie ihren Grtel ablst und zu dem auf dem Boden liegenden
Libussas hinwirft.)
Aus diesem Gold lat eine Krone schmieden.
(Mit Handbewegung nach dem Hgel und gegen den Boden.)
Das Hohe schied, sein Zeichen sei hienieden.

(Whrend sie im Begriffe ist den Hgel zu besteigen und ihre Jungfrauen
paarweise dieselbe Richtung nehmen, wobei Tetka ihren Grtel gleichfalls
ablst und hinwirft, fllt der Vorhang.)


Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Libussa, von Franz Grillparzer.







End of the Project Gutenberg EBook of Libussa, by Franz Grillparzer

*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LIBUSSA ***

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